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Skye Thomas ~ Um Welten Entfernt #4 [Eine Harry Potter FF]

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8 Kapitel - 22.701 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 3.453 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 6 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 4 Personen gefällt es

Glück ist zerbrechlich, das muss auch Skye lernen, für die einen Moment lang alles perfekt schien. Eine dunkle Bedrohung nährt sich der primären Dimension, dann ist da noch das Trimagische Turnier mit all seinen Turbulenzen und der Zeitumkehrer rückt für Skye in den Hintergrund. Denn die Vergangenheit holt sie ein, nicht nur sie, sondern die ganze Welt der Zauberei.

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    ((cur))((bold))KLEINE NACHRICHT:((ebold)) Ich denke, ihr kennt die ganze Prozedur mittlerweile schon, deswegen halte ich es recht kurz. Willkommen zu

    KLEINE NACHRICHT:
    Ich denke, ihr kennt die ganze Prozedur mittlerweile schon, deswegen halte ich es recht kurz. Willkommen zu einem weiteren (langen) Jahr in Hogwarts!
    Danke, dass ihr noch immer mitlest, ihr Skyes Geschichte weiterverfolgt und mich unterstützt.
    Das musste ich sagen, bevor jetzt das Formelle kommt:
    Falls ihr die FF gerade erst entdeckt habt, empfehle ich euch, zuerst Teil #1 zu lesen, um alles besser zu verstehen.
    Hier ist der Link:
    https://www.testedich.de/quiz58/quiz/1544816396/Skye-Thomas-Um-Welten-Entfernt-1-Eine-Harry-Potter-FF
    Wenn ihr zu einem bestimmten Teil einen Kommentar verfassen wollt, dann schreibt einfach so etwas wie Zu
    Teil #1 dazu; dann weiß ich, welchen ihr meint, da die Kommentarbereiche zu den Teilen zusammengefasst sind.
    Kurz und knackig war das, also wird es jetzt losgehen. Viel Spaß bei der erneuten Reise nach Hogwarts!


    Kapitel 1: EINE DOSE VOLLER BRIEFE

    Schwungvoll schlug Skye ihre Englischlektüre zu und rollte sich aus dem Bett. Ihr war ganz schwummrig von der Aufdringlichkeit Shakespeares und so schleuderte sie das Buch auf ihren Schreibtisch und warf einen Blick auf die Uhr. In weniger als einer halben Stunde würde sie sich mit Harper treffen und das war eines der vielen Dinge, die sie gar nicht glauben wollte.
    Skye hätte nie gedacht, dass sie sich jemals mit Leuten wie Harper O’Connor anfreunden würde. Leute, die irgendwie rebellisch waren. Anders als andere und ganz und gar nicht der Norm entsprechend. Zweifellos war „rebellisch“ eines der letzten Adjektive, mit denen Skye sich beschreiben würde. Und trotzdem verstand sie sich mit Harper besser als erwartet.
    Das konnte sie genauso wenig glauben, wie die Tatsache, dass Betty und Padma nun schon seit geraumer Zeit von ihrem Geheimnis wussten. Vor drei Jahren hätte Skye niemals erwartet, dass es soweit kommen würde.
    Nicht, dass Skye es bereute. Es war mehr als eine Erleichterung, dass ihre besten Freundinnen von dem Zeitumkehrer wussten und sie nichts mehr zu verstecken hatte. Aber unglaublich, unglaublich war es dennoch.
    Schmunzelnd bückte Skye sich und angelte die alte Keksdose unter ihrem Bett hervor, in der sie die vielen Briefe ihrer Freundinnen aufbewahrte. Die drei hatten sich in diesem Sommer ständig geschrieben - schließlich gab es viel zu bereden - und das erste, was sie vereinbart hatten, war ein Wiedersehen, so bald wie möglich.
    Skye blätterte die Briefe durch, bis sie den einen fand, der ihr einen ganzen Tag blendende Laune beschert hatte:

    Skye,
    du wirst ausflippen, wenn du erfährst, was passiert ist: Ich (mit ein bisschen Hilfe von Emma) habe es geschafft, Mum so lange zu nerven, bis sie endlich nachgegeben hat!
    Wir dürfen zur Quidditch-Weltmeisterschaft! Das ist mehr als großartig, ich war noch nie bei so einem wichtigen Spiel und Emma ist auch ganz aus dem Häuschen. Weißt du, manchmal ist es recht vorteilhaft, eine Mutter im Ministerium zu haben, denn sie konnte noch Karten ergattern, obwohl diese so begehrt sind. Cho und Marietta kommen auch; ich weiß, du und Cho seid nicht gerade die besten Freundinnen, aber für solch ein Ereignis musst du dich einfach zusammenreißen.
    Padma darf sowieso, schließlich ist ihre Mum großer Quidditch-Fan, und du musst natürlich nicht viel nachfragen.
    Also, halt dich bereit! Wir müssen noch einiges organisieren.
    Betty


    Skye war schon jetzt schrecklich aufgeregt auf ihr erstes richtiges Quidditch-Spiel. Mittlerweile war alles besprochen: In ein paar Tagen würde sie zum Herrenhaus Mermaid‘s Pool reisen und von dort aus direkt zum Spiel Irland gegen Bulgarien.
    Sie legte den Stapel Briefe von Betty sorgfältig zu den vielen anderen Pergamenten. Nicht alle waren von Betty oder Padma - nein, denn Skye schrieb in letzter Zeit überraschend oft mit Jay.
    Ja, Jay, der Slytherin-Junge, über den sie im letzten Jahr wortwörtlich in der Bibliothek gestolpert war. Zwar hatte er ihr einen Klatscher vor den Kopf gedonnert, war eine Niete in Zauberkunst und oftmals viel zu frech, aber Skye hatte gemerkt, dass sie sich in vielem ähnelten.
    Als sie dann an ihrem Geburtstag überraschenderweise nicht nur Eulenpost von Betty und Padma, sondern auch von Jay, erhalten hatte, hatte Skye sich ein paar Sekunden lang unschlagbar gefühlt. Seitdem schrieben sie sich oft, über Briefe konnten man über alles reden: Spekulationen über den neuen Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, das seltsame Ereignis im nächsten Jahr, von dem scheinbar alle wussten, nur sie nicht, und als Skye davon hörte, dass sie das Finale der Quidditch-Weltmeisterschaft sehen würde, war das erste was sie tat, einen Brief an Jay zu verfassen. Er würde auch da sein, weil sein Vater mit einem Mann befreundet war, der viel mit dem Minister zu tun hatte, und so waren sie an Karten gelangt, ohne überhaupt etwas bezahlen zu müssen.
    Andächtig schloss Skye ihre wertvolle Keksdose und schob sie wieder zurück auf ihren staubigen Platz unter dem Bett. Langsam wurde es wirklich Zeit, dass sie sich auf den Weg machte, also prüfte Skye, ob sie ihren Zauberstab hatte - den sie immer unauffällig unter ihrem T-Shirt versteckte -, warf einen prüfenden Blick auf ihren Kleiderschrank mit den versteckten Hogwarts-Schulbüchern und lief dann aus ihrem Zimmer.
    Schnell polterte sie die Treppe hinauf und steckte die Nase aus dem Fenster.
    „Ich treffe mich mit Harper“, teilte sie ihren Eltern mit, die kaffeetrinkend auf dem Balkon saßen.
    „Viel Spaß“, antwortete ihr Vater.
    „Diese Harper“, begann ihre Mutter, „mit der verstehst du dich gut, nicht?“
    Skye nickte etwas perplex über diese Frage. „Ja.“
    Ihre Mutter lächelte zufrieden. „Dann bis später.“
    „Bis später“, antwortete Skye und wollte sich schon umdrehen, da hielt ihre Mutter sie auf.
    „Ach, und Skye, Schatz, bitte räum‘ später noch dein Zimmer auf.“
    Skye verdrehte grinsend die Augen. „Ist gut, Mum.“
    Dann sauste sie die Treppe nach unten und huschte durch die Haustür.
    Das Wetter in Rosewood war gut, so gut, dass Skye sich schon auf ein Eis bei Giulia‘s freute. Mit schnellem Tempo marschierte sie durch die Straßen, und als sie auf dem Marktplatz ankam, wartete Harper schon dort.
    Skye fragte sich wirklich, wie man es aushielt, selbst im Sommer so viel Schwarz zu tragen.
    „Hey“, begrüßte Harper sie grinsend, als Skye hechelnd auf sie zulief. „Du siehst verschwitzt aus.“
    „Bin ich auch.“ Skye fächerte sich Luft zu. „Liegt wahrscheinlich an diesen unverschämten Temperaturen, die im Moment herrschen.“
    Als würden sie sich in Gedanken unterhalten, schlugen die beiden Mädchen gleichzeitig den Weg zur Eisdiele ein.
    „Hast du schon die Hausaufgaben gemacht?“, fragte Skye.
    Harper schüttelte den Kopf. „Wenn du mich fragst, ist Sommerlektüre das Dümmste, was man sich jemals ausgedacht hat.“
    „Ich glaube, das sieht Mr Brewer nicht so.“
    „Juckt nicht.“ Harper zuckte mit den Schultern. „Ich hatte in den Sommerferien Besseres zu tun.“
    „Wie zum Beispiel?“, fragte Skye stirnrunzelnd.
    „Also, weißt du“, begann Harper. „Meine Mutter schleppt mich jedes Jahr in so ein blödes Reitercamp. Und da war so ein Mädchen, die hatte schrecklich Heimweh, und alle haben sich darüber lustig gemacht.“
    „Und dann?“
    „Dann habe ich beschlossen, nicht so zu sein. Ich will nicht mehr einfach nur dabeistehen, sondern etwas tun.“
    Skye hörte überrascht zu. Sie hatte immer gedacht, dass Harper einer dieser Menschen war, die überzeugt gegen Ungerechtigkeit kämpfen.
    „Also, du willst praktisch deine Persönlichkeit umkrempeln“, fasste Skye zusammen.
    „Ein bisschen“, antwortete Harper.
    „Ich glaube, ich bin zu feige für so was“, gab Skye zu.
    „Das ist schlecht.“
    „Ich weiß.“
    Harper hob belehrend den Zeigefinger. „Du musst es wollen.“
    Skye zuckte mit den Schultern. Im Moment war sie eigentlich ganz zufrieden mit allem. Im Grunde konnte es so bleiben. Denn Skye fühlte sich irgendwie glücklich.

    BILD: Das Titelbild der Reihe

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    ((bold))((navy))Kapitel 2: KINDER SCOUT((ebold))((enavy)) Skye wollte es nicht wahrhaben, doch langsam aber sicher musste sie sich an die Tatsache gew

    Kapitel 2: KINDER SCOUT

    Skye wollte es nicht wahrhaben, doch langsam aber sicher musste sie sich an die Tatsache gewöhnen, dass die Schule in der sekundären Dimension bald wieder losgehen würde. Natürlich hatte sie alles andere als Lust und die Rosewood Grammar School wirkte nach sechs Wochen Sommerferien nicht gerade großartig, aber so war es doch immer. Und es gab nie so wirklich einen Ausweg und knallhartes Ignorieren wie Harper es tat half im Grunde auch nichts.
    Die einzige Sache, die Skye nun aufheiterte, war die Erwartung auf die Weltmeisterschaft und natürlich der Besuch bei Betty.
    Dabei war es gar nicht so einfach, richtig für solch ein Ereignis zu packen; Skye war - abgesehen von ein paar örtlichen Lacrossespielen - nie bei einem richtig sportlichen Event Zuschauer gewesen und so fragte sie sich bald, ob sie auch Fanartikel bräuchte, wie das Wetter werden würde und ob bei den Zauberern vielleicht doch alles ganz anders war. Natürlich hatte sie immer die Möglichkeit, noch etwas mittels einer kleinen Reise mit dem Zeitumkehrer nachträglich zu holen, aber Betty, Padma und sie hatten sich darauf geeignet, Skye sollte nicht einfach kofferlos aufkreuzen, schließlich war das viel zu auffällig.

    Nach ausführlicher Packarbeit und unbändiger Vorfreude war es dann endlich soweit: Die Reise zum Herrenhaus am Mermaid‘s Pool stand bevor. Es waren nun schon ganze zwei Jahre vergangen, seitdem Skye zum letzten Mal dort gewesen war. Sie konnte sich noch gut an das riesige Anwesen mit dem marineblauen Anstrich, sprechendem Tor und flüsternden Wänden erinnern, dennoch war sie sogar ein wenig aufgeregt.
    Da gab es schließlich auch noch immer die Möglichkeit, dass der Zeitumkehrer sie an einen ganz anderen Ort bringen (sie hatte schon die wildesten Sachen erlebt) oder sich weigern würde, überhaupt zu funktionieren. Das war Skye auch schon ein paarmal passiert und sie schloss daraus, dass Nicolas Flamel die falsche Nutzung des wertvollen Artefakts einfach vermeiden wollte.
    Aber mit ein bisschen Glück würde alles gut laufen, also drehte Skye am Tag der Abreise sorgfältig an dem passenden Rädchen, umfasste ihren Koffer und Twigs Käfig so fest wie sie konnte und ließ sich mit geschlossenen Augen elegant in die nachtschwarze Ewigkeit fallen.

    Als Skye wieder in die helle Sonne blinzelte, fand sie sich in einem dunklen Gässchen wieder, das vollkommen gewöhnlich und ganz und gar nicht nach einem magischen Haus aussah. Sie runzelte verwirrt die Stirn, beschloss dann aber schulterzuckend, dass die Winkelgasse im Grunde auch nichts anderes war.
    Also rollte Skye ihren Koffer über den unebenen Steinboden und stand nicht viel später auf einer Marktstraße, wo die Leute geschäftig auf- und abliefen. Skye bemerkte schnell, dass das Muggel sein mussten (die viel zu gewöhnlichen Kleider und das ernste Gesicht waren eindeutig), also versuchte sie, Twig möglichst unauffällig zu tragen, was bei einer mehr oder weniger überfütterten Schleiereule gar nicht so einfach war.
    Einen Blick auf die Bäckerei, die „Hayfields bestes Brot“ anpries, war noch ein eindeutiges Zeichen, wo Skye sich befand. Ungünstig war dabei nur, dass sie nie von einem Ort namens „Hayfield“ gehört hatte. Zwar war Geographie nicht ihr bestes Fach, aber dennoch war sie ratlos und mehr als frustriert. Natürlich konnte der Zeitumkehrer es ihr nicht einmal einfach machen.
    Skye fühlte sich mit ihrem Koffer eindeutig fehl am Platz. Die Leute starrten sie auffällig verwirrt an, während sie unter den vielen Blicken immer kleiner wurde.
    „Entschuldigung, Ma‘am“, fragte Skye nach kurzer Überwindung eine Frau, die vor dem Schaufenster eines Modegeschäfts stand und die Auslagen begutachtete. „Ich suche den Mermaid‘s Pool.“
    „Mermaid‘s Pool?“, fragte die Frau in einem schrecklich liverpoolerischen Akzent. „Da musst du auf den Kinder Scout.“
    „Den Kinder Scout?“, fragte Skye ratlos.
    „Der Berg dort.“ Die Frau zeigte auf ein moosbewachsenes Plateu, das hinter den Häusern in den Himmel ragte. „Der Wanderweg beginnt hier in Hayfield.“
    „Wanderweg?“
    Skye wollte nicht glauben, was sie da hörte. Sie sollte wandern? Mit Koffer und Eule im Schlepptau?
    Die Frau musterte Skye verwirrt. „Warum solltest du sonst zum Mermaid‘s Pool wollen? Es ist schließlich ein Nationalpark.“
    „Ja, ja, hatte ich vergessen“, antwortete Skye matt. „Wo beginnt denn der Wanderweg?“
    Die Frau erklärte ihr bereitwillig, wie man von Hayfields Marktstraße auf den Weg zum Kinder Scout kam und Skye hörte stumm zu. Nach knappem Dank lief sie mürrisch los.
    Hayfield war kein besonders großes Dörfchen, ein bisschen erinnerte es sie an Rosewood, aber der Kinder Scout sah dafür ganz anders aus.
    2,087 Fuß, warb ihn das Schild am Anfang des Weges an.
    Skye stöhnte frustriert und ließ sich auf einen nahegelegenen Stein sinken. Twig schuhute anklagend und sah Skye mit wachsamen Augen an.
    „Ich weiß ja auch nicht“, sagte Skye wie als Antwort.
    Sie warf einen kurzen Blick auf den Koffer, der ganz und gar nicht geeignet für eine Wanderung schien. Twig könnte sie fliegen lassen, aber viel würde das auch nicht helfen.
    „Beim nächsten Mal frage ich Betty, ob sie mich abholt“, sagte Skye diesmal mehr zu sich selber.
    Twig gurrte zustimmend und das brachte Skye auf eine Idee.
    „Stimmt!“ Sie sprang auf. „Betty kann mich nicht abholen. Aber ihre Hauselfe kann!“
    Ihr war plötzlich wieder eingefallen, dass Hauselfen auch apparieren und disapparieren konnten. Höchst zufrieden über diese Idee öffnete Skye ihren Koffer und wühlte zwischen den vielen Kleidern, Büchern und Kleinkram ein Stück Pergament hervor. Einen Kugelschreiber hatte sie schnell gefunden und so kritzelte sie eine Nachricht an Betty.
    Hastig sah sie sich um, denn wenn ein Muggel sie nun beobachtete, musste das äußerst eigenartig wirken. Aber der Wanderweg schien nicht gerade begehrt, also konnte sie ungestört Twig aus dem Käfig lassen und das Pergament an seinem Bein befestigen.
    „Beeil dich“, befahl sie ihm. „Es ist nicht besonders gewöhnlich, mit einem Koffer irgendwo in der Natur zu hocken.“
    Bei Eulen hatte Skye immer das seltsame Gefühl gehabt, als würden sie Menschen verstehen und auch Twig sah so entschlossen aus, dass sie das direkt geglaubt hätte. Er schraubte sich in die Höhe, bis er nur noch ein brauner Klecks inmitten des blauen Himmels zu erkennen war.
    Skye setzte sich wieder auf ihren Stein und ließ ihren Blick über die Landschaft schweifen. Das war genau einer dieser Orte, den ihre Eltern lieben würden. Große Wiesen, zwitschernde Vögel und ewige zu erklimmende Höhen.
    Skye hasste Wandern. Das war auch genau der Grund, warum sie hoffte, dass Twig sich beeilen würde.
    Und sie wartete.
    Sie wartete so lange, dass sie schon überlegte, ob ihre Idee überhaupt funktionieren würde. Konnten Hauselfen vielleicht doch nur sich selbst transportieren? Würde Betty ihre Nachricht überhaupt empfangen?
    Aber plötzlich erschütterte ein Knall die idyllische Landschaft.
    „Hier bin ich, Freundin der Herrin“, quiekte Tiny, die kleine, in in blaues Geschirrtuch gekleidete Hauselfe der Warringtons.
    „Endlich!“ Skye hätte das zierliche Geschöpf vor Freude am liebsten umarmt.
    Aber stattdessen raffte sie ihren Koffer auf und sah Tiny fragend an.
    „Du kannst mich doch mitnehmen, oder?“
    „Natürlich!“ Die Elfe nickte heftig. „Tiny hat auch schon den Tee aufgesetzt!“
    Skye schmunzelte etwas verschüchtert. Es war wirklich seltsam, wie unterwürfig Hauselfen waren. Aber für Leute wie Betty musste das wohl normal sein.
    „Sie müssen Tinys Hand nehmen!“, piepste diese und streckte Skye ihr winziges Händchen hin, das so zerbrechlich wie ein paar Salzstangen wirkte.
    „Und jetzt?“, fragte Skye.
    „Festhalten!“
    Es fühlte sich an, als würde Skye plötzlich in ein viel zu enges Rohr gepresst werden. Ihre Organe schienen sich zusammenzuballen, Farben und Formen wirbelten vor ihrem Auge umher und auch Luft schien sie keine zu kriegen. Das Gefühl war ganz anders als das Reisen mit dem Zeitumkehrer und eins stand fest: Es war schrecklich.
    Die paar Sekunden schienen sich ewig in die Länge zu ziehen, aber dann hörte es auf. Die Umgebung beruhigte sich wieder, marmorne Treppen erschienen wie aus dem Nichts und plötzlich hatte Skye wieder festen Boden unter den Füßen.
    „Alles in Ordnung?“, quiekte Tiny fragend, während Skye sich zittrig auf ihren Koffer stützte.
    „Abgesehen davon, dass ich mich wahrscheinlich gleich übergebe, ja“, erwiderte sie matt.
    Nach kurzem Umsehen erkannte Skye schnell, dass das der Eingangsbereich des Warrington-Anwesens war. Wüsste man nicht, dass hier jemand wohnte, könnte man den riesigen Flur mit dem gläsernen Springbrunnen und den vielen Türen fast für ein Museum halten.
    Skye musste an ihren ersten Besuch vor zwei Jahren denken. Damals hätte sie niemals geglaubt, dass Leute wirklich so lebten. Aber die Warringtons waren keine einfachen Leute. Sie waren Zauberer, und reinblütige noch dazu.
    „Tiny? Bist du das?“, erklang plötzlich eine Stimme von der Treppe und Skye schaute nach oben.
    „Betty!“, rief sie so laut, dass es ein wenig echote und kurz darauf erschien ein Kopf mit dunkelbraunem Haarschopf auf der rechten Treppe.
    „Da bist du ja!“, frohlockte Betty, drehte sich um und brüllte „PADMA! Nimm deine Füße in die Hand, Skye ist hier!“ in die oberen Stockwerke, die alle mit den beiden Treppen verbunden waren.
    „Ich habe mich ein wenig verspätet“, grinste Skye.
    „Ein wenig?“ Betty polterte eine der verschlungenen Treppen herunter. „Du bist wirklich immer die letzte.“
    „Du weißt schon“, sagte Skye mit gesenkter Stimme. „Zeitumkehrer-Komplikationen.“
    „Schlimm, das Ganze“, stellte Betty fest und zog Skye in eine feste Umarmung, während eine andere Person auf der Treppe erschien.
    „Da bist du ja endlich!“
    Padma eilte die Stufen hinunter und drückte Skye fast schon erleichtert.
    „Du hast ganz schön lange gebraucht“, sagte sie.
    Skye deutete auf ihr T-Shirt, dort wo der Zeitumkehrer versteckt war. „Da kannst du dich bei dem bedanken. Er hat mich in Hayfield ausgesetzt.“ Sie wandte sich anklagend an Betty „Du hast nie erwähnt, dass dieser Kinder Scout irgendein Wanderziel ist!“
    Betty zuckte mit den Schultern. „Die Warringtons waren die ersten hier oben. Nur irgendwann haben dann die Muggel beschlossen, das Gebiet zu einem Nationalenpark oder so zu machen.“
    „Nationalpark“, verbesserte Padma sie und Betty verdrehte die Augen.
    „Jedenfalls hatte ich nicht vor, den Weg hierhin zu wandern“, stellte Skye fest.
    „Tiny war natürlich sofort Feuer und Flamme“, berichtete Padma. „Wo ist sie überhaupt?“
    „Hat wahrscheinlich schon deinen Koffer hochgebracht“, sagte Betty. „Und um den Tee muss sie sich noch kümmern.“
    „Wollen wir nach oben gehen?“, fragte Skye.
    Betty nickte. „Emma will dich sicher auch begrüßen.“
    „Sind Cho und Marietta noch nicht da?“, fragte Skye, während die Drei die Treppe hochstiegen.
    „Sie kommen erst morgen“, antwortete Betty. „Mum ist auch bei der Arbeit. Wegen dem Quidditch-Finale, da geht es im Ministerium drunter und drüber.“
    „Warum?“, erkundigte Skye sich neugierig.
    „Die Sicherheitsmaßnahmen müssen perfekt sein und alles. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend das für die in der Abteilung für Magische Spiele und Sportarten sein muss.“
    „Besser so“, ergänzte Padma. „Wenn man bedenkt, dass Sirius Black entkommen ist.“
    „Wenn du mich fragst, ist das eine Verschwörung“, sagte Betty. „Das meint Mum auch. Sie kennt Black von früher.“
    Mittlerweile waren die Mädchen im zweiten Stock angekommen; hier lagen sowohl Bettys als auch Emmas Zimmer, auf das sie zielstrebig zusteuerten.
    Emma hatte ihre Zimmertür in den letzten zwei Jahren mit noch mehr Postern, Stickern und Schildern zugekleistert; Skye konnte sich nur noch an das Plakat der Schicksalsschwestern, das unter einem großen Bitte-klopfen-Schild prangte, erinnern.
    Betty schien das kein Stück zu interessieren, sie rauschte ungeniert in Emmas Zimmer und Padma und Skye folgten ihr etwas schüchterner. Emma stöhnte genervt, diese Missachtung ihrer Regeln schien keine Neuheit zu sein.
    „Skye hat es auch endlich geschafft“, teilte Betty ihr großen Schwester mit.
    „Hey“, grinste Skye Emma zu, während diese schwungvoll aus ihrem Bett hüpfte und mit wenigen Schritten das Chaos in ihrem Zimmer überquert hatte.
    „Das hat aber lang gedauert“, stellte sie fest, während sie Skye durchs Haar wuschelte, als wäre sie ein Schoßhund.
    „Muggel-Eltern“, log Skye beflissen und Betty und Padma warfen sich einen bedeutungsvollen Seitenblick zu.
    „Schade, dass Mum nicht da ist“, sagte Emma. „Sie hätte sie sicher gerne kennengelernt.“
    „Schade“, antwortete Skye gedehnt und konnte sich ein Grinsen nur schwer unterdrücken.
    „Gibt es Neuigkeiten von deiner Eule?“, erkundigte Padma sich.
    „Gyth?“ Emma schüttelte den Kopf. „Wie vom Erdboden verschwunden.“
    „Und Mum will ihr erste eine neue Eule schenken, wenn sie mindestens acht ZAGs kriegt“, kicherte Betty schadenfroh.
    „Ratet mal, wer Mum diese bescheuerte Idee in den Kopf gesetzt hat“, sagte Emma säuerlich und Padma und Skye mussten gar nicht groß nachdenken.
    „Ich dachte nicht, dass sie das wirklich durchzieht“, meinte Betty scheinheilig und ging hinter der Tür in Deckung, da Emma nicht gerade friedfertig aussah.
    „Jetzt muss ich vorerst die Schuleulen benutzen“, berichtete Emma griesgrämig. „Und solange wir noch hier sind eine von unseren.“
    Während Betty hysterische lachte, wandte Padma sich begeistert an Skye. „Hier gibt es eine eigene Eulerei! Verrückt, nicht?“
    Kopfschüttelnd grinste Skye. Eine Eulerei im Haus, das war typisch Zauberer. Das Warrington-Anwesen war wirklich wie ein Museum. Aber ein schräges, das musste Skye zugeben.

    BILD: Hayfield

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    ((bold))((navy))Kapitel 3: ABSTECHER IN DIE SEKUNDÄRE DIMENSION((ebold))((enavy)) „Und deine Eltern, Skye?“ Mrs Warringtons Stimme riss Skye unsa

    Kapitel 3: ABSTECHER IN DIE SEKUNDÄRE DIMENSION

    „Und deine Eltern, Skye?“
    Mrs Warringtons Stimme riss Skye unsanft aus ihren Gedanken.
    „Wie bitte?“, fragte sie schnell.
    „Deine Eltern. Als was arbeiten sie?“ Mrs Warrington musterte sie seltsam genau, und Skye hoffte, dass man als Auror nicht darauf trainiert wurde, Lügen zu entlarven.
    Sie warf einen kurzen Blick zu Betty und Padma, die gegenüber von ihr an der langen Tafel saßen. Das Esszimmer wirkte seltsam verlassen ohne die vielen Leute, für die es gedacht worden war. Diese Leere schien von dem vielen Essen versucht gefüllt zu werden. Massen davon stapelten sich auf dem Tisch, liebevoll von Tiny angerichtet.
    „Sie sind Professoren“, antwortete Skye wahrheitsgemäß. „An einer Universität.“
    Mrs Warrington nickte interessiert. Obwohl es ihr freier Tag war, trug sie ein schwarzes, hochgeschlossenes Kleid. Skye fiel auf, dass sie Bettys Mutter noch nie ohne dunkle Umhänge gesehen hatte.
    „Es muss schwer für dich sein, dass deine Eltern kein Teil unserer Welt sind“, stellte Mrs Warrington dermaßen bestimmt fest, dass Skye erschrak.
    „Wie bitte?“
    Es dauerte kurz, bis ihr auffiel, dass Mrs Warrington wohl nicht die primäre Dimension meinte, sondern die Welt der Zauberer.
    „Ähm, ja“, fügte sie schnell hinzu. „Sehr schwer. Wirklich - ähem - hart.“
    Skye spürte, wie augenblicklich Röte in ihre Wangen kroch. Natürlich hatte Mrs Warrington nicht die primäre Dimension gemeint. Das wäre vollkommen unlogisch gewesen.
    Betty prustete belustigt in ihren Kürbissaft und schien sich sehr zu amüsieren. Das brachte ihr einen verwirrten Blick Emmas ein, was sie nur noch mehr zum Lachen brachte.
    „Du bist blöd“, stellte Emma fest und schnippte ihrer kleinen Schwester einen Brotkrumen ins Gesicht.
    „Emma!“, warnte Mrs Warrington streng und Betty sah so aus, als würde sie ihren Kürbissaft gleich über den Truthahn spucken.
    Skye beobachtete, wie Padma Betty ihren Ellenbogen in die Seite hieb, und musste selbst ein wenig über die Absurdität der ganzen Situation grinsen.
    „Gibt es denn Neuigkeiten von Bertha Jorkins?“, fragte Padma hastig, um das Thema zu wechseln.
    „Leider nicht“, antwortete Mrs Warrington bereitwillig. „Sie ist noch immer nicht wieder aufgetaucht. Das ist natürlich auch beunruhigend für das Ministerium . . . Gerade jetzt kommt es nicht besonders gut an, wenn Mitarbeiter verschwinden.“
    „Wegen der Weltmeisterschaft?“, fragte Skye.
    „Auch.“ Mrs Warrington holte kurz Luft. „Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum sie plötzlich noch Karten für uns hatten. Wir Auroren werden bei der Weltmeisterschaft sehr begrüßt.“
    „Und dann ist Sirius Black auch noch entwischt“, ergänzte Betty, die sich mittlerweile wieder etwas beruhigt zu haben schien.
    Das schien Padma auf eine Idee zu bringen. „Betty hat erzählt, Sie haben Black gekannt?“, fragte sie neugierig.
    Mrs Warrington blieb für einen Moment stumm und warf Betty einen dieser Mutter-Blicke zu, die Skye nur zu gut kannte.
    „Entfernt“, antwortete sie schließlich. „Er war schon immer viel zu leichtsinnig. James Potter und er waren in Hogwarts als Unruhestifter bekannt. Auch nach ihrer Schulzeit hat sich daran nicht viel geändert.“
    Skye fragte sich stumm, was Mrs Warrington wohl von ihrer Theorie halten würde. Ob sie Black gut gekannt hatte?
    „Hatten Sie auch nach ihrer Schulzeit mit ihm zu tun?“, hakte Padma nach.
    Skye bemerkte direkt, dass diese Frage zu viel war.
    „Ja“, antwortete Mrs Warrington. „Aber es gibt manche Dinge, von denen vierzehnjährige noch nichts wissen sollten.“
    Und damit war das Gespräch beendet.

    Es war später Nachmittag, als Cho und Marietta endlich eintrafen. Skye begrüßte ihre Teamkollegin eher verhalten, schließlich hatten die beiden nicht gerade das beste Verhältnis miteinander.
    Die drei endlich wieder vereinten Freundinnen verkrochen sich schnell in Emmas Zimmer, wo sie hinter verschlossenen Tür kicherten und tratschten.
    Auch Betty, Padma und Skye versammelten sich, denn es gab etwas Wichtiges zu erledigen.
    „Und was ist, wenn du mich loslässt?“, fragte Padma, die mit einem besorgten Gesicht auf dem Boden in Bettys Zimmer saß.
    „Werde ich schon nicht“, versicherte Skye. „Was ist denn plötzlich los mit dir? Du warst doch immer so scharf darauf, mal in die sekundäre Dimension zu kommen.“
    Padma zuckte mit den Schultern. „Ja, schon, aber dieses Zeitumkehrer-Reisen klingt irgendwie gefährlich.“
    „Es ist gar nicht schlimm“, sagte Betty. „Dabei war ich beim ersten Mal noch nicht einmal darauf vorbereitet.“
    Skye nickte beipflichtend. „Aber wenn du nicht willst, ist es auch nicht schlimm.“
    „Na gut, na gut, ich mach‘s. Aber pass auf Skye, ja?“, erwiderte Padma geschlagen.
    „Natürlich. Keine Angst, ich bin Profi“, grinste Skye. „Kommt her.“
    Folgsam trotteten Betty und Padma zu ihr und stellten sich neben sie.
    „Und jetzt?“, fragte Padma.
    „Nicht durchdrehen bitte“, antwortete Skye, während sie den Zeitumkehrer hervorzog. „Ich zähle bis drei, dann nehmt ihr meine Hände“, befahl sie und drehte geübt an dem winzigen Rädchen zum Wechseln der Dimensionen.
    „Eins -“ Skye warf einen prüfenden Blick auf die verschlossene Zimmertür.
    „Zwei -“ Padma wimmerte aufgeregt.
    „Drei.“ Sie ließ den Zeitumkehrer los und Betty und Padma ergriffen ihre Hände.
    „Gut festhalten“, sagte Skye noch, dann kippten die drei Freundinnen ins nachtschwarze Unendliche.

    „Das war mit Abstand das Gruseligste, was ich in meinem ganzen Leben gemacht habe.“
    Padma sah wirklich so aus, als hätte sie gerade einen Geist gesehen und schaute sich mit großen Augen um.
    „Du hast recht“, sagte Betty zu Skye. „Man gewöhnt sich dran.“
    „Siehst du.“ Skye grinste.
    „Wo sind wir hier?“, fragte Padma neugierig.
    Auch Skye sah sich mehr oder weniger ratlos um. Sie waren mitten auf einer Straße gelandet, unauffällige Kleinstadthäuser reihten sich nebeneinander auf und alles in allem sah es sehr nach Rosewood aus.
    „Ehrlich gesagt, bin ich mir selbst nicht ganz sicher“, sagte Skye. „Rosewood, schätze ich. Aber hier sieht alles gleich aus.“
    Du weißt nicht, wo wir sind?“, hakte Padma mit panischem Unterton nach. „Das heißt, dass -“
    „Komm runter“, unterbrach Skye sie. „Ich finde mich schon zurecht. Irgendwo hängt sicher ein Schild.“
    „Ich glaube, dein Zeitumkehrer ist kaputt oder so“, stellte Betty fest.
    Skye knirschte mit den Zähnen. „Wahrscheinlich. Erst Hayfield und dann das.“ Sie seufzte. „Kommt. Am Ende der Straße gibt es sicher ein Schild.“
    Die Drei liefen wortlos den Bürgersteig entlang, bis Padma plötzlich in die Ferne zeigte. „Da kommt jemand.“
    Skyes Blick folgte ihrem Finger und wirklich, eine Person stapfte den Weg entlang. Sie war zu weit entfernt, um ihr Gesicht zu erkennen.
    „Tut auf Muggel“, befahl Skye.
    Betty und Padma prüften augenblicklich, ob ihre Zauberstäbe unter ihren T-Shirts sichtbar waren und auch Skye hoffte innigst, dass sie die Person nicht kannte.
    „Die sieht aber schräg aus“, bemerkte Betty plötzlich.
    Auch Skye schaute nun genauer hin und bekam einen fürchterlichen Schreck. Kurzes braunes Haar, schwarze, kunstvoll zerfetzte Kleidung. Es war Harper.
    „Ich kenne die“, flüsterte Skye panisch. „Stimmt mir einfach immer zu, okay?“
    Padma warf ihr einen Seitenblick zu. „Ist das das Mädchen, von dem du erzählt hast?“
    Skye nickte. „Ja. Genau die.“
    „Dann hoffe ich, dass du eine gute Ausrede parat hast.“
    Mittlerweile kamen sich die Vier immer näher und Skye schluckte. Warum hatte sie nur zugestimmt, Betty und Padma in die sekundäre Dimension mitzunehmen?
    „Hey! Was machst du denn hier?“ Harper winkte Skye schon von weitem zu.
    „Hallo“, rief diese zurück und zwang sich ein Lächeln auf. „Nur - ähem - zufällig.“
    „Ist ja lustig.“ Harper blieb vor ihnen stehen und zeigte auf ein Haus. „Da wohne ich nämlich.“
    Skye grinste matt, aber verfluchte innerlich den Zeitumkehrer. „Cool.“
    „Und, was macht ihr so?“, fragte Harper und warf einen Blick auf Betty und Padma, die mit unschuldigem Blick neben Skye standen.
    „Das sind . . . Freunde“, sagte Skye schnell. „Aus London. Sie sind zu Besuch, weil - weil meine Eltern mit ihren Eltern zu tun haben.“
    Harper grinste Betty und Padma neugierig zu, die ebenso gezwungen wie Skye lächelten.
    „Ich bin Padma“, stellte diese sich schnell vor, als Harper erneut den Mund öffnen wollte.
    Skye warf einen Seitenblick auf Betty, die Harper ein wenig zu fasziniert musterte und keine Anstalten machte, sich vorzustellen.
    „Und das ist Betty“, sagte Skye langsam und legte ihre Hand auf Bettys Rücken, wo sie sie kräftig zwickte.
    Betty zuckte zusammen. „Bei Merlins schlabbriger -“, beschwerte sie sich und brach dann abrupt ab.
    Skye hatte schon darauf gewartet, dass so etwas passieren würde. „Sie hat einen Sprachfehler“, erklärte sie schnell und diesmal war Betty schlau genug, stumm zu nicken.
    „Ähm . . . ja.“ Harper schien ziemlich verwirrt, sie musterte Betty, die einen hochroten Kopf bekommen hatte, mit einer sehr verwunderten Miene.
    „Es war schön, dich kennengelernt zu haben“, sagte Padma übereifrig und hielt Harper die Hand hin, die sie eher zögerlich schüttelte.
    „Wir müssen jetzt aber auch weiter“, erklärte Skye. „Bis bald dann . . .“
    Bevor Harper noch etwas sagen konnte, zog sie Betty mit und Padma folgte ihr gehorsam.
    „Tut mir leid“, entschuldigte Betty sich direkt, als sie außer Hörweite waren. „Das war ein Reflex.“
    Skye seufzte. „Ist schon okay. Sie denkt wahrscheinlich jetzt, du hättest einen an der Klatsche oder so.“
    „Sind Muggel alle so?“, fragte Betty.
    Padma seufzte. „Ich habe dir doch gesagt, du hättest Muggelkunde wählen sollen.“
    Skye fragte sich, was Harper nun wohl von ihr dachte. Diese Begegnung war mehr als eigenartig gewesen und Bettys Ausrutscher nicht gerade hilfreich. Sie hoffte, dass Harper sie nie wieder darauf ansprechen würde, aber andererseits wollte sie es auch, damit sie Dinge klarstellen konnte. Die Sache war mehr als kompliziert.
    Dank eines rettenden Straßenschilds konnte Skye ihre Freundinnen durch Rosewood führen, was gar nicht so einfach war. Es gab zwar nicht viele Häuser in ihrem Heimatdorf, aber dafür sah jedes gleich aus. Eintönig, langweilig, muggelhaft.
    „Kein Wunder, dass du uns nie hiervon erzählt hast“, sagte Betty. „Besonders spannend ist Rosewood ja nicht.“
    Skye konnte gar nicht anders, als ihr zuzustimmen. Natürlich war Rosewood im Vergleich zu Mermaid‘s Pool oder Hogwarts ein Nichts.
    „Mein Familie lebt schon seit Ewigkeiten hier“, erzählte Skye.
    Padma sah sich zwar recht interessiert um, aber sie war wahrscheinlich auch ein bisschen enttäuscht. Selbst wohnte sie in Norwich, einer Stadt im Osten Englands und Rosewood musste ihr im Vergleich sicher auch ziemlich kläglich vorkommen.
    Skye führte ihre Freundinnen ein wenig herum, sie aßen ein Eis bei Giulia‘s (Betty kam zum Schluss, dass es nicht ganz so gut schmeckte wie bei Florean Fortescues Eissalon) und dann wollte Padma unbedingt ihr Haus sehen. Nach kurzem Zögern gab Skye nach, aber nur unter der Bedingung, dass sie es sich von außen anschauen würden. Damit gab auch Padma sich zufrieden, also schlenderten sie betont unauffällig durch den Goordonweg, bis sie schließlich vor dem Haus 12b angekommen waren. Skye scheuchte ihre Freundinnen schnell hinter eine Hecke, wo sie niemand sah.
    „Hier wohnst du also“, sagte Padma fasziniert und begutachtete das unauffällige Reihenhaus mit dem kleinen Vorgarten und der weißen Hauswand, an der sich Efeu emporrankte.
    Skye nickte. „Da ist mein Zimmer.“ Sie zeigte auf das vordere Fenster, das Richtung Straße zeigte. „Und in diesem Strauch hat sich damals mein Hogwarts-Brief verheddert“, erklärte sie mit einem Blick auf den Vorgarten eines Nachbarn.
    Sie konnte sich noch gut daran erinnern, als sie eines Nachmittags von der Schule nach Hause kam und ihr ein gelbes Ding ins Gesicht geflogen war. Es war stürmisch gewesen und damals hatte Skye sich sehr über den Brief gewundert, der erschreckend genau adressiert war. Nie hätte sie erwartet, dass damit das größte Abenteuer ihres Lebens beginnen würde. Es war so viel seit diesem bedeutungsvollen Tag passiert: Sie hatte neue Freunde gefunden, Abenteuer erlebt und eine ganz andere Welt entdeckt.
    „Dürfen wir rein?“, bettelte Padma.
    „Nein.“ Skye schüttelte entschieden den Kopf. „Ein anderes Mal, wenn es wirklich sicher ist.“
    Padma schien enttäuscht, aber sie sagte nichts mehr. Die Drei beobachteten schweigend das Haus, versteckt hinter ihrer Hecke.
    „Ich kann noch immer nicht glauben, dass deine Eltern nichts von unserer Welt wissen“, sagte Betty plötzlich.
    Skye sah zu ihr herüber. Ein Ast hatte sich in Bettys Haaren verfangen.
    „Rein gar nichts“, bestätigte sie.
    „Hast du vor, es ihnen irgendwann zu sagen?“, fragte Padma.
    „Ich weiß es nicht“, seufzte Skye.
    Im Grunde wusste sie gar nichts. Meistens verdrängte sie diese Tatsache, aber Padma hakte unerbittlich nach.
    „Und wie stellst du dir das vor? Wenn ich richtig verstanden habe, was du uns erzählt hast, wird da was kommen. Und irgendwann musst du dich vielleicht entscheiden. Was willst du dann machen?“
    Skye schnürte es die Kehle zu, als Padma aussprach, was sie sich auch schon so oft gedacht hatte.
    „Ehrlich gesagt“, antwortete sie, „habe ich keine Ahnung.“

    BILD: Skye Thomas mit vierzehn Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 4: VERBORGENE TÜRME((ebold))((enavy)) Der Besuch in die sekundäre Dimension schien Betty und Padma sehr zum Nachdenken gebra

    Kapitel 4: VERBORGENE TÜRME

    Der Besuch in die sekundäre Dimension schien Betty und Padma sehr zum Nachdenken gebracht zu haben. Sie philosophierten ständig über Rosewood und Skyes Zukunft.
    Natürlich nur, wenn Cho, Marietta und Emma nicht irgendwo herumlungerten, was sehr oft der Fall zu sein schien.
    Dann war da noch die Hauselfe Tiny, die immer zufällig dort zu putzen schien, wo Betty, Padma und Skye sich hinbewegen wollten, um ein privates Gespräch zu führen. Betty tat das direkt ab („Was erwartest du denn von ihr, sie ist eine Hauselfe. Die kann an gar nichts anderes als Putzen denken.“), aber Skye unterschätzte Tiny nicht. Also ging sie lieber kein Risiko ein.
    Bald trafen auch die Schulbriefe ein, was für große Aufregung unter den sechs Mädchen sorgte, denn für das nächste Jahr war ein Festumhang benötigt.
    „Wofür wir den wohl brauchen?“, fragte Padma aufgeregt.
    „Vielleicht will Professor Dumbledore die Schuluniform etwas umkrempeln“, erwiderte Skye trocken und Betty kicherte leise.
    Diese Neuigkeit ließ Emma, Cho und Marietta einen spontanen Ausflug in die Winkelgasse veranlassen und Betty, Padma und Skye folgten brav, schließlich vertrauten sie dem Geschmack der älteren Mädchen vollkommen. Stundenlang klapperten sie alle möglichen Läden der Winkelgasse ab, probierten Dutzende von Umhängen an und erfrischten sich ab und an mit einem Kürbissaft.
    Betty war als erste erfolgreich; sie suchte sich einen Festumhang von einer scharlachroten Farbe aus, die wahrscheinlich auch trotz meilenweiter Entfernung deutlich zu sehen war. Emma fand diese Auswahl eher fragwürdig, aber Skye musste zugeben, dass Betty wunderbar in solch eine Aufmachung passte.
    Padma war einer dieser Menschen, die in allem gut aussahen. Sie hatte riesigen Spaß an der ganzen Sache und probierte schrecklich viele Umhänge an, bis sie sich schließlich für einen türkisblauen entschied, in dem sie aussah wie eine indische Prinzessin.
    Skye fand solch eine Entscheidung gar nicht so einfach, schließlich hatte sie keine Ahnung, wofür der Festumhang überhaupt gebraucht wurde. Nach langen Beratungen der drei Modehauptkommissarinnen Emma, Cho und Marietta, wurde die Entscheidung getroffen, dass Skye am besten in einem marineblauen Festumhang von Madam Malkin aussah. Er war aus seidig weichen Stoff, der wunderschöne, königsblau schimmernde Falten warf, wenn man ihn bewegte und der hohe Preis war dabei keine Überraschung. Aber Skye erinnerte die Farbe an das Ravenclaw-Blau, und so gab sie schnell nach.

    Mrs Warrington war die meiste Zeit nicht zu Hause (nicht, dass Skye das etwas ausmachen würde) und so hatten Betty, Padma und sie fast das ganze Warrington-Anwesen für sich. Padma wollte unbedingt die Eulerei, ein kleiner Turm mit winzigem Fenster, gefüllt von einem beißenden Gestank und sechs Eulen, besichtigen, während Skye eher Interesse an den vielen Geheimgängen und versteckten Türen hegte. Nun, da das Geheimnis des Zeitumkehrers enthüllt war, schien Betty sich wohl verantwortlich zu fühlen, also offenbarte sie Padma und Skye jegliche Geheimgänge des verwirrenden Hauses.
    „Es gibt sicher noch mehr“, erzählte sie, als die Drei eines ruhigen Nachmittags durch den vierten Stock streiften. „Ich weiß nur von ein paar.“
    Hier lag das Schlafzimmer Cyneweard Warringtons, der Mann, der das Haus bei Mermaid‘s Pool erbaut und dort Wassermenschen studiert hatte. Es war zu einer Art Ahnengalerie geworden, in der unzählige Bilder der Warringtons hingen, Bilder von Hexen und Zauberern mit riesigen, weißen Perücken und prunkvollen Kleidern. Es gab Schriftstücke, die nur durch die Kraft der Zauberei erhalten worden waren, Zauberstäbe und seltsame Artefakte, die Skye äußerst suspekt vorkamen. Als Betty ihnen das gezeigt hatte, fragte Skye sich, wie es wohl sein musste, seinen Stammbaum so weit zurückverfolgen zu können. Sie selbst wusste nicht viel über ihre Familie und das machte ihr auch nichts aus, aber trotzdem fand sie die Vorstellung irgendwie interessant.
    Während die drei Mädchen die Treppe hinunterliefen, überlegte Skye, wie sie wohl aufgewachsen wäre, wenn sie aus einer reinblütigen Familie käme. Ob sie wie Betty ein riesiges Haus gehabt hätte? Zwar hatte Jay gesagt, dass dies nicht bei jedem Reinblut der Fall war, aber die Vorstellung gefiel ihr zu sehr. Sie hätte diese Welt von Kindheit an gekannt, vielleicht würden ihre Eltern auch im Zaubereiministerium arbeiten und am Abend würden sie über Dinge wie Quidditch oder Neuigkeiten aus der Zauberwelt sprechen. Skye hätte viel früher einen eigenen Besen bekommen und könnte Dinge wie Kugelschreiber als höchst sonderlich ansehen.
    Aber so war es nicht und so würde es auch nie sein. Sie war ein Teil der Muggelwelt und das würde sich nie ändern, egal was sie tat.
    „Ich glaube, Emma ist im Moment nicht besonders gut auf mich zu sprechen“, sagte Betty gerade zu Padma.
    Sie waren wieder im zweiten Stock angekommen und konnten leises Reden aus Emmas Zimmer hören.
    „Ich kann sie verstehen“, antwortete Padma schulterzuckend. „Wäre ich wahrscheinlich auch nicht.“
    Betty seufzte theatralisch. „Kaum vorzustellen, dass sie schon im fünften Jahr ist.“
    „Und dann noch die ZAGs . . .“, sagte Padma besorgt. „Da habe ich Riesenangst vor. Was ist, wenn wir die verhauen?“
    „Du bist viel zu ängstlich, Padma“, stellte Betty fest. „Natürlich wirst du sie nicht verhauen. Allein wenn man bedenkt, wie viel Mühe du dir immer gibst.“ Betty schüttelte sich. „Beängstigend.“
    „Manchmal frage ich mich, wie du es nach Ravenclaw geschafft hast“, seufzte Padma, während sie hinter Betty in deren Zimmer trat.
    „Der Sprechende Hut war sich ziemlich sicher“, erzählte Betty und vollführte einen Kopfsprung auf das Sofa. „Vielleicht, weil meine ganze Familie Ravenclaws sind.“
    Padma ließ sich auf das große Himmelbett fallen und zupfte die blaue Tagesdecke zurecht. Skye folgte ihr und betrachtete die Wendeltreppe, die zu einer verschlossenen Falltür an der Decke führte. Sie hatte sich schon vor zwei Jahren gefragt, was sich dahinter verbarg.
    „Betty“, begann sie. „Diese Wendeltreppe, wohin führt die eigentlich?“
    Betty zögerte kurz, gab dann aber nach. „Nur ein kleiner Turm. Nichts Besonderes.“
    „Dürfen wir ihn sehen?“, bettelte Padma mit leuchtenden Augen.
    Skye beobachtete genau, wie Betty überlegte. Was sie in dem Turm wohl versteckte?
    „Na gut.“ Betty stand auf und lief zu ihrem Schrank, den sie öffnete und in einem Fach herumwühlte. „Kommt.“ Sie stieg die kleine Treppe hinauf und fummelte am Schloss der Falltür herum, bis sie wie von Zauberhand aufging.
    Padma war schon längst aufgesprungen und spähte neugierig in den dunklen Raum hinter der Falltür. Betty kraxelte durch die Falltür und Skye wartete zögerlich auf der steilen Wendeltreppe, während Padma sich auch in den Raum hievte.
    Die Öffnung war gerade so groß, dass ein schmaler Mensch hindurchpasste und Skye hielt sich vorsichtshalber an Bettys Hand fest, während sie durch die Öffnung krabbelte.
    Vor ihr eröffnete sich ein kleines Kämmerchen, nur erhellt durch das dämmrige Licht einiger an der Wand befestigten Kerzen. Die Wände bestanden aus Holz, so wie das einzige Möbelstück, eine lange, wacklige Leiter.
    „Verrückt“, stellte Padma fest, aber sie war sichtlich begeistert, als sie der schweigenden Betty hinterherkletterte.
    Skye hoffte, dass die Leiter besser hielt als sie aussah und folgte den anderen über die knirschenden Sprossen.
    „Die Leiter solltest du dringend mal erneuern lassen“, rief sie zu Betty nach oben. „Lange hält die nicht mehr.“
    „Magie“, kam als Antwort herunter.
    Skye war froh, als Betty endlich die nächste Falltür öffnete und Padma ein begeistertes „Wow!“ ausstieß. So schnell wie möglich kletterte sie hinterher und schloss die Tür hinter sich.
    Betty hatte recht gehabt, die drei Mädchen hockten wirklich in einem Turm. Zwar war er schmal und nicht besonders hoch, aber dafür äußerst gemütlich. Kissen waren über den Boden verteilt, Skye entdeckte einige geöffnete Packungen Süßigkeiten und eine zusammengeknüllten Decke. Das kleine Fenster war viel zu hoch, um hinauszuschauen, aber Skye vermutete, dass man von hier oben einen großartigen Ausblick haben musste.
    „Warum hast du uns das nicht früher gezeigt?“, fragte Padma, während Betty die Falltür schloss.
    „Weißt du“, sagte sie und und lehnte sich an ein Kissen. „Es war irgendwie zu . . . privat.“
    „Privat?“, fragte Skye neugierig.
    „Früher . . . als ich noch nicht in Hogwarts war, da bin ich immer hier hoch geklettert, wenn es mir schlecht ging.“ Betty stützte das Kinn auf die Knie. „Wenn ich Emma oder Mum nicht sehen wollte, habe ich die Falltür abgeschlossen und hier stundenlang gesessen und gelesen.“
    Skye stellte sich augenblicklich eine kleine Betty vor, die in die Decke gekuschelt stundenlang in ihrem Turm saß und sich vor der Welt versteckte.
    Betty zuckte mit den Schultern. „Ich weiß, das klingt irgendwie dumm.“
    „Nein, tut es nicht“, erwiderte Padma mit Nachdruck.
    Skye nickte beipflichtend. Es überraschte sie immer wieder, wie viel Betty eigentlich von sich versteckte. Nur manchmal kam an die Oberfläche, was wirklich passiert war. So wie damals im Hogwarts-Express, als die Dementoren ihr so zugesetzt hatten. Oder jetzt, in dem Turm, den sie wahrscheinlich am liebsten für immer vor ihren Freundinnen geheimgehalten hatte. Skye konnte sich nicht vorstellen, wie es war, ihren Vater zu verlieren. Aber jetzt wusste sie, was Betty in ihrem Turm verbarg. Es waren Erinnerungen.

    BILD: Betty (Elizabeth) Warrington mit vierzehn Jahren

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    ((bold))((navy))Kapitel 5: ZELTPLATZ EINS((ebold))((enavy)) Es war schrecklich früh, als Betty am Morgen der Quidditch-Weltmeisterschaft ins Gästezi

    Kapitel 5: ZELTPLATZ EINS

    Es war schrecklich früh, als Betty am Morgen der Quidditch-Weltmeisterschaft ins Gästezimmer gestürmt kam und Padma und Skye unsanft aus dem Schlaf riss.
    „Aufstehen! Wir müssen gleich los!“
    „Halt die Klappe“, stöhnte Skye, während sie versuchte, Betty ihre Decke aus der Hand zu reißen, die sie aber unerbittlich wegzog.
    Sie fühlte sich so, als wäre sie gerade erst schlafen gegangen, und als sie sich endlich aus dem Bett schwang, wäre sie am liebsten wieder zurück und die warme Decke gekrochen. Skye liebte das späte Aufstehen in den Ferien, aber für eine Weltmeisterschaft musste man sich zusammenreißen.
    Nachdem Padma und Skye hektisch ins Bad gehastet waren, polterten sie die Treppen nach unten, wo Betty und Mrs Warrington schon warteten. Beide schienen hellwach, ganz im Gegensatz zu Emma, Cho und Marietta, die auch bald zu ihnen geschlurft kamen.
    „Wo gehen wir jetzt hin?“, fragte Skye, während sie ihren Rucksack schulterte, in den sie all ihre Habseligkeiten gepackt hatte.
    „Nicht weit ist ein Portschlüssel deponiert“, antwortete Bettys Mutter.
    „Portschlüssel?“
    „Wir dürfen noch nicht apparieren“, erklärte Betty. „Also müssen wir damit reisen.“
    Skye fragte sich zwar noch immer, was ein Portschlüssel denn überhaupt sei, aber trotzdem folgte sie den anderen aus der Eingangshalle.
    Ein Schauder durchfuhr sie, als sie in die kühle Morgenluft trat. Die Sonne hatte ihre roten Strahlen schon über den Himmel ausgebreitet, aber nächtlicher Tau ließ Skyes Turnschuhe beim Wandern ganz nass werden. Allesamt hatten sie Muggelkleider anziehen müssen, was ihr zwar nicht besonders schwer fiel, aber insgeheim fand Skye, dass Mrs Warrington in ihrem glatten, dunkelgrauen Hosenanzug für eine Weltmeisterschaft etwas zu adrett angezogen war.
    Das von dem mürrischen Adler bewachte Tor schloss sich mit einem metallischen Klicken, als die Warringtons ihr Anwesen verließen und Skye fragte sich, ob nun ein magischer Bann über dem leeren Haus lag.
    Aufgeregt redend stapften sie durch das nasse Gras am Mermaid‘s Pool vorbei, wo das Morgenrot sich auf seiner dunklen Oberfläche glitzernd kräuselte, und wanderten immer weiter in Richtung Hayfield, das in der Ferne ganz klein zu sehen war.
    „Wo ist eigentlich das Zelt?“, fragte Skye, während sie einen schmalen Pfad entlangliefen.
    Betty nickte zu ihrer Mutter hin, die ganz vorne lief. „Mum trägt es.“
    Skye hatte sich schon vorher gewundert, was Mrs Warrington da auf dem Rücken hatte, es sah aus wie ein Klumpen Stoff, aber viel zu klein für ein richtiges Zelt, in dem sieben Leute schlafen sollten.
    „Wir sind da“, sagte Mrs Warrington plötzlich und blieb mitten auf der Wiese stehen.
    Aufgeregt sah Skye sich um, aber nirgendwo sah sie etwas, das dem Hogwarts-Express oder Besen gleichkam.
    Da lag nur ein durchlöcherter Fußball.
    Mrs Warrington sah ihn prüfend an und blickte dann zu den Mädchen. „Kommt. Gleich geht er.“
    Wie selbstverständlich reihten sich alle um den alten Fußball auf, auch Skye machte mit, war aber ziemlich verwirrt.
    „Ist das ein Portschlüssel?“, fragte sie Betty, die wie die anderen den Finger auf den Ball gelegt hatte.
    „Was sonst?“ Sie grinste über ihren Witz, aber Skye fiel einiges ein, was der Portschlüssel sonst noch sein konnte.
    Plötzlich wehte eine kühle Brise über die hügelige Landschaft und zerrte an Skyes Kleider. Sie fröstelte. Was war das hier?
    „Bereit machen“, sagte Mrs Warrington.
    „Du musst deinen Finger drauflegen, Skye!“, rief Padma ihr panisch zu und im letzten Moment griff Skye nach dem Fußball, bevor der Wind sie plötzlich vom Boden zu reißen zu schien.
    Sie tauchte in einen Farbwirbel ein, aber der Fußball klebte weiter an ihrem Finger, kalte Luft trocknete ihre Augen aus und ließ sie die Orientierung verlieren . . .

    Skye fiel mit dem Gesicht voraus in feuchten Grasboden; irgendwo fluchte jemand und sie fühlte sich, als hätten ihre Organe nun schlussendlich aufgeben.
    Langsam stemmte sie sich hoch und ließ ihren Blick über die weite, moorige Landschaft schweifen. Vor Skyes Augen schien es sich noch immer zu drehen und Padma musste ihr hochhelfen, während sie versuchte, das Grummeln in ihrem Magen zu ignorieren.
    „Haben Sie Rufus irgendwo gesehen?“, fragte Mrs Warrington gerade einen müde aussehenden Mann in Tweed-Anzug.
    „Nun, da müssen Sie Shacklebolt fragen, Ma‘am“, erwiderte der Mann und kratzte sich an seinem Dreitagebart.
    Im Vergleich zu Mrs Warrington, die in ihrem glatt gebügelten Hosenanzug sehr fein aussah und deren Haarknoten trotz der Reise mit dem Portschlüssel keinen Schaden genommen zu haben schien, sah er ganz und gar nicht wie ein Angestellter des Ministeriums aus. Sein Kollege trug die selbe sonderliche Kleiderkombination - Poncho und Kilt - und wirkte auch genauso übermüdet.
    „Alles gut?“, flüsterte Padma, während Mrs Warrington sich weiterhin mit dem Mann unterhielt.
    „Mehr oder weniger“, sagte Skye matt und ließ dabei unerwähnt, dass sie vielleicht gleich einen Eimer benötigen würde.
    „Nun, Basil, wenn Sie Mr Scrimgeour sehen, dann schicken Sie ihn bitte zu mir“, sagte Mrs Warrington gerade streng zu dem Mann im Tweed-Anzug.
    „Ja, werde ich“, antwortete Basil. Er schien froh, als Mrs Warrington und die sechs Mädchen endlich davonstapften.
    „Das erste Feld, nicht wahr?“, fragte Marietta, während sie durch das Moor liefen, das wolkenverhangen und einsam so gar nicht einladend aussah.
    „Ja.“ Mrs Warrington führte sie zu dem Zeltplatz, der schon ziemlich voll schien.
    Skye war noch immer etwas wackelig auf den Beinen und war froh, als sie sich gegen den Zaun lehnen konnte, während Mrs Warrington sich dem Muggel-Zeltaufseher zuwandte.
    „Dafür, dass du ständig mit dem Zeitumkehrer unterwegs bist, kannst du andere magische Fortbewegungsmittel aber wirklich nicht gut vertragen“, sagte Padma leise zu Skye.
    Betty grinste. „Na dann viel Spaß beim Apparierkurs. Ich nehme dir einen Eimer mit.“
    Der Gedanke an einen Apparierkurs fand Skye auch ziemlich beunruhigend, aber Mrs Warrington befahl, dass sie nun ihren Platz suchen würden.
    Während sie über den Zeltplatz liefen, fragte Skye sich, warum der Muggel-Aufseher nicht misstrauisch wurde. Die Zelte gehörten eindeutig Zauberern, sie übertrafen sich geradezu an seltsamen Ausbauten, von Türmen bis zu Springbrunnen gab es alles.
    Nach einem kurzen Fußmarsch waren sie vor einer freien Stelle angekommen, in dem ein Schild mit der Aufschrift Warrington steckte. Mrs Warrington zückte ihren Zauberstab und sah sich prüfend um.
    „Ist das überhaupt erlaubt, Mum?“, fragte Emma.
    „Nicht ganz“, antwortete ihre Mutter.
    Skye war erstaunt, dass die überaus korrekte Mrs Warrington nun mit einem lässigen Schlenker ihres Zauberstabes die Stoffkugel, die sie die ganze Zeit auf dem Rücken getragen hatte, durch die Luft wirbeln ließ. Wahrscheinlich wollte sie das Zelt einfach nicht per Hand aufstellen und Skye konnte ihr dies bei dem Anblick auch nicht verübeln.
    Sie hatte noch nie so ein ungewöhnliches Zelt gesehen; einmal war sie mit der Klasse Campen gewesen, aber aus gestreifter Seide waren diese normalerweise ganz bestimmt nicht. Zwei Pfauen hielten den Stoff wie als Eingang zurück und als Skye hinter Betty hinein trat, fragte sie sich, was ihr bisheriger Physikunterricht überhaupt gebracht hatte.
    Mehrere Stockwerke, verbunden durch metallene Leitern, erinnerten sie an das Warrington-Anwesen. Ein Tisch, Sessel und sogar ein Kamin erweckten den Eindruck eines kuscheligen Wohnzimmers. Es war so außergewöhnlich, dass es Skye direkt gefiel.
    Betty warf ihren Rucksack von sich und ließ sich auf das knautschige Sofa fallen.
    „Unser Zelt ist nicht so groß“, sagte Padma neidisch, während sie sich umsah. „Wir haben nur einen Sessel. Parvati und ich streiten uns ständig darum.“
    Skye schnaubte. „Wart ihr jemals in einem Muggelzelt?“
    Betty und Padma sahen sie beide verwirrt an, also winkte Skye ab und schlenderte beeindruckt durch das Wohnzimmer.
    Bei den Warringtons schien wirklich alles groß zu sein. Ein Zelt in diesen Ausmaßen hatte sie noch nie gesehen.
    Emma, Cho und Marietta waren schon nach oben geklettert und Mrs Warrington diskutierte mit einer Person, die im Kaminfeuer erschienen war. Skye beobachtete sie unauffällig, sah aber schnell weg, als Bettys Mutter sich aufrichtete.
    „Tut mir leid, aber ich muss noch einmal los“, sagte Mrs Warrington und griff nach ihrem Zauberstab, der auf dem Kaminsims lag.
    „Was ist?“, fragte Betty neugierig.
    „Ich muss mit Rufus reden“, antwortete Mrs Warrington knapp. „Wenn ihr Hunger habt, könnt ihr euch was von dem Proviant holen. Sag bitte deiner Schwester Bescheid, Betty.“
    Während Betty folgsam nickte, rauschte ihre Mutter aus dem prunkvollen Zelt und Skye machte ein verwirrtes Gesicht.
    „Warum ist Tiny nicht mitgekommen?“
    „Ihr behagt es nicht, das Haus zu verlassen“, erklärte Betty.
    Skye tat die kleine Hauselfe augenblicklich leid. Den ganzen Tag putzen und kochen, das klang nicht besonders spannend. Und sie schien nicht anderes als das Warrington-Anwesen zu kennen.
    „Lasst uns doch mal schauen, was die anderen machen“, schlug Betty vor und nickte zu der Leiter.
    Skye war froh, dass diese nicht so lang war wie die in Bettys Turm, also schwang sie sich hinter Padma auf die zweite Ebene. Hier standen lauter Betten, zwar nicht so glamourös wie die in Mermaid‘s Pool, aber Skye fragte sich trotzdem, wie simpler Zeltstoff solch ein Gewicht aushalten konnte. Dabei war die Antwort ganz logisch: Magie.
    Emma, Cho und Marietta hatten es sich zu dritt auf einem der Betten gemütlich gemacht und Betty ließ sich einfach neben sie fallen.
    „Mum ist noch einmal los, um mit Scrimgeour zusprechen“, erklärte sie.
    „Und ihr?“ Emma sah von ihrer kleinen Schwester zu Skye und Padma, die etwas schüchtern neben dem Bett standen. „Wollt ihr unsere Gespräche belauschen?“
    „Ganz lustig drauf heute, nicht?“ Betty streckte die Zunge heraus. „Aber wenn du schon so fragst, Schwesterherz, warum nicht?“
    Sie winkte Padma und Skye zu, die sich auch dazu setzten, obwohl das Bett mittlerweile recht voll wurde.
    „Und, über was redet ihr Schönes?“, fragte Betty frech grinsend.
    Emma schlug ihr das Kissen ins Gesicht. „Erwachsenenkram.“
    Padma kicherte leise und Betty zog eine Schnute. „Erzähl doch mal. Über was tratschen Fünftklässler? Jungs? ZAGs? Snapes Lieblingsshampoo?“
    „Ha, ha.“ Emma verdrehte die Augen.
    „Eigentlich waren wir gerade dabei zu besprechen, was wir heute noch machen wollen“, fügte Marietta hinzu.
    „Und, was wollt ihr machen?“, erkundigte sich Padma.
    „Uns etwas umsehen vielleicht. Ihr könnt ja mitkommen.“
    „Immer gerne“, sagte Betty gut gelaunt und auch Padma nickte zustimmend.
    Skye und Cho wechselten diesen seltsamen Blick, eine stumme Einigkeit, dass sie sich heute zusammenreißen würden.
    „Also gut“, sagte Skye und richtete sich auf.

    Als die Mädchen aus dem Zelt traten, ging es auf dem Zeltplatz schon um einiges munterer zu. Skye beobachtete mit großen Augen, wie kleine Kinder auf Spielzeugbesen durch die Luft flogen oder herumliefen, während ihre Eltern im Zelt zugange waren.
    Hier und da liefen beschäftigt aussehende Ministeriumsarbeiter herum und Betty und Emma grüßten sogar manche von ihnen fröhlich. Skye fiel auf, dass sie noch nie besonders über Mrs Warrington und ihre Arbeit als Aurorin nachgedacht hatte. Sie wusste nur, dass man in diesem Beruf dunkle Zauberer bekämpfte, aber gab es davon heutzutage überhaupt noch welche?
    „Wer ist eigentlich dieser Scrimgeour, von dem deine Mutter gesprochen hat?“, fragte Skye, während sie an einer Gruppe russischer Hexer mit ernsten Gesichtern vorbeiliefen.
    „Der Leiter vom Aurorenbüro“, erklärte Betty.
    Emma schien auch zugehört zu haben und ergänzte: „Er gibt praktisch die Befehle.“
    Skye nickte nachdenklich. Diese ganzen Erzählungen vom Zaubereiministerium brachten sie zum Nachdenken. Irgendwann müsste sie sich auch für einen Beruf entscheiden. Ihre Eltern machten in unauffälligen Kommentaren gerne deutlich, dass sie eine Ausbildung in der Medizin äußerst empfehlenswert fanden, aber Skye sträubte sich noch.
    Und in der Zauberwelt? Da hatte sie schließlich niemanden, der ihr etwas vorschrieb.
    „Was wollt ihr denn mal werden?“, fragte Skye die anderen, die alle etwas erstaunt von dieser Frage schienen.
    „Keine Ahnung.“ Betty zuckte mit den Schultern. „Ich weiß ja noch nicht einmal, was ich zu Mittag essen will.“
    „Wir müssen uns dieses Jahr für eine Berufsrichtung entscheiden, wegen der ZAGs“, erzählte Marietta.
    Sie kannte sich gut mit solchen Dingen aus, schließlich arbeitete ihre Mutter auch im Ministerium.
    „Um Auror zu werden, braucht man echt gute Noten“, erklärte Emma, die mit dem Gedanken zu spielen schien. Plötzlich schlich sich jedoch ein Grinsen auf ihr Gesicht und sie klopfte Cho mütterlich auf die Schulter. „Und sie will Quidditch-Spielerin werden!“
    „Quidditch-Spielerin?“, fragte Padma neugierig.
    „Ach hör doch auf“, erwiderte Cho leise und errötete ein wenig.
    „Natürlich unterstützen wir sie dabei“, fügte Emma hinzu. „Nicht, Mar?“
    Marietta nickte zustimmend. „Logisch.“
    Kichernd liefen die Mädchen weiter und bewunderten die vielen Zelte, die teilweise sogar noch außergewöhnlicher als das der Warringtons aussahen.
    „Ich weiß es auch noch nicht genau“, überlegte Padma. „Aber vielleicht Professorin.“
    „Professorin?“ Betty grinste. „In Hogwarts? Du kannst ja Schulleiterin werden. Dumbledore macht glaube ich eh nicht mehr lange.“
    „Betty!“, tadelte Skye ihre Freundin, die grinsend abwinkte.
    „Ist doch so.“
    Mittlerweile kamen sie in eine Ansammlung von Zelten, die allesamt mit grünen Kleeblättern bedeckt waren. Irgendwo sang jemand und eine kleine, scheinbar lebendige Koboldfigur hüpfte über den abgetrampelten Pfad.
    „Die meinen es aber ganz schön ernst“, bemerkte Skye.
    „Irgendetwas müssen sie ja machen“, sagte Emma. „Nachdem Bulgarien Krum hat.“
    „Krum?“, fragte Padma. „Ist das eine Taktik?“
    „Viktor Krum.“ Diesmal meldete Cho sich zu Wort. Sie schien zu wissen, wovon sie sprach. „Er ist ein ein weltklasse Sucher. Nicht viel älter als wir, ich glaube, er geht noch zur Schule.“
    „Und der spielt heute Abend?“, hakte Skye nach.
    „Natürlich“, sagte Betty. „Jeder kennt ihn!“
    Skye behielt für sich, dass sie das vorher noch nicht getan hatte, und folgte lieber den anderen stumm aus dem Kleeblatt-Lager heraus. Mittlerweile waren sie fast beim Ende des Feldes angekommen und eine lange Schlange hatte sich schon bei dem Wasserhahn gebildet.
    „Brauchen wir kein Wasser?“, fragte Skye.
    „Wir haben doch ein Zelt“, sagte Betty dermaßen selbstverständlich, dass Skye beschloss, ihr irgendwann einmal ein Muggelzelt zu zeigen.
    Sie wollten gerade weitergehen, als jemand von irgendwoher ihren Namen rief. Ratlos sah Skye sich um, bis sie eine winkende Person mit Eimer in der Hand in der Schlange stehen sah.
    Als Skye weiter in Richtung Schlange lief, konnte sie nun endlich das Gesicht des Mädchens erkennen. Braune Haare und ein spitzes Gesicht, es war Emily Abercrombie.
    „Emily?“, fragte Skye überrascht. „Du auch hier?“
    „So ein Ereignis würde ich mir doch nie entgehen lassen!“, antwortete Emily fröhlich. Sie sah älter aus, und irgendwie reifer. Es war ungewohnt, sie nicht in der Quidditch-Montur oder Ravenclaw-Uniform zu sehen. „Du bist ja richtig groß geworden! Viertes Jahr, nicht?“
    Skye nickte. „Und du? Spielst du immer noch Quidditch?“
    „Gelegentlich. Im Moment mache ich eine Ausbildung zur Heilerin beim St. Mungo.“
    Beeindruckt nickte Skye. Heilerin, das klang wichtig.
    „Und das Team? Ich habe gehört, Roger ist euer neuer Captain. Wie schlägt er sich?“, erkundigte Emily sich.
    „Ganz gut. Er ist noch ein bisschen verschüchtert“, antwortete Skye wahrheitsgemäß. „Letztes Jahr war nicht gerade erfolgreich. Gryffindor hat den Pokal gewonnen.“
    Emily schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Das erzähle ich besser nicht Arthur.“
    „Ist er auch da?“
    Arthur Wright war der ehemalige Captain der Ravenclaw-Mannschaft gewesen. Er hatte für seinen Sport gelebt und deswegen schien Davies manchmal auch so besorgt, ihm gerecht zu werden.
    „Darauf kannst du wetten.“ Emily grinste. „Wir sind eigentlich auf einem anderen Zeltplatz, aber die Bulgaren haben dort den Wasserhahn eingenommen, also bin ich kurzerhand zu euch gelaufen. Arthur ist gerade dabei, sich bei Ludo Bagman einzuschleimen.“
    Skye bewunderte insgeheim, dass Emily und Wright noch immer ein Paar waren. Das war so gewesen, seit sie in Hogwarts war und irgendwie konnte sie es sich auch nicht anders vorstellen. Manche Leute passten einfach zueinander.
    „Wer ist Ludo Bagman?“, wollte Skye wissen.
    „Der Leiter der Abteilung für Magische Spiele und Sportarten. Eigentlich wollte Arthur weiter Quidditch spielen, hat sich dann aber doch dort beworben. Seine Mutter war an dieser Entscheidung nicht ganz unbeteiligt“, erzählte Emily schief grinsend.
    „Und schafft er es?“
    „Sicherlich“, winkte Emily ab. „Bagman ist ziemlich locker. Und er scheint Arthur zu mögen. Schade, dass er nicht hier ist, ich glaube, dich noch einmal zu sehen, hätte ihm auch gefallen.“ Sie grinste. „Aber genug von uns. Wer ist denn mein Nachfolger geworden?“
    „Cho Chang“, antwortete Skye mit einem leichten Kopfnicken zu den anderen, die sich in der Nähe herumtrieben.
    „Ach, das war doch das Mädchen, wegen dem du damals gefragt hast! Dann hat es ja doch noch geklappt, nicht?“
    Skye nickte mit einem gezwungenen Lächeln. Die ganze Geschichte war viel zu lang, um sie Emily jetzt zu erzählen.
    „Ich hoffe, du spielst noch fleißig weiter. Viertes Jahr schon . . .“ Emily schien in Erinnerungen zu versinken. „Langsam wird es spannend.“
    „Mir ist es schon spannend genug“, erwiderte Skye ehrlich. „Hogwarts ist wie eine Achterbahn.“
    Daraufhin musste Emily lachen. „Da hast du recht.“ Sie nickte zu den anderen hinüber. „Aber schau mal, deine Freunde werden langsam ziemlich ungeduldig.“
    Skye folgte ihrem Blick. „Scheint so.
    Na ja, dir jedenfalls viel Glück bei deiner Ausbildung. Und Grüße an Arthur!“
    „Richte ich aus.“ Emily lächelte. „Pass gut auf Roger auf. Ihr packt das schon!“
    Nachdem sich die beiden verabschiedet hatten, schlenderte Skye wieder zu den anderen Mädchen, die wirklich etwas ungeduldig schienen.
    „Das hat aber lange gedauert“, bemerkte Padma.
    „Tut mir leid, Mum.“ Skye verdrehte die Augen.
    Langsam spazierten die Mädchen an der immer länger werdenden Schlange zum Wasserhahn vorbei; der Zeltplatz schien nun endgültig erwacht zu sein und gähnende Hexen und Zauberer drängten sich an ihnen vorbei.
    „Seht mal, da ist Harry Potter“, bemerkte Padma plötzlich und nickte unauffällig in seine Richtung.
    Und wirklich: Harry, Ron und Hermine schleppten einige volle Wassereimer in Richtung der Zelte. Cho war die Schnellste, sie winkte Harry zu und setzte ihr charmantes Lächeln auf, was ihn ziemlich aus der Fassung zu bringen schien.
    „Ich glaube, Harry Potter steht auf dich“, kommentierte Betty kichernd, während Harry viel zu enthusiastisch zurückwinkte und einiges an Wasser über seine Hose kippte.
    Cho antwortete nichts, aber es schien ihr augenscheinlich zu gefallen, was Betty da sagte.
    Skye fiel auf, dass sie schon ewig nicht mehr mit Harry, Ron und Hermine geredet hatte. Und das, obwohl die Weasleys in ihrem ersten Jahr so nett zu ihr gewesen waren und sie den Drei damals sogar geholfen hatte, den Stein der Weisen zu retten.
    Sie nahm sich vor, im nächsten Jahr noch einmal Kontakt aufzunehmen, selbst wenn Harry, Ron und Hermine manchmal wie ein kleiner Privatvclub wirkten, der lauter Geheimnisse hatte. Das tuschelten viele; niemand traute es sich laut zu sagen, aber es wirkte ständig, als hätten sie eine äußerst wichtige Mission. So sehr manche gerne darüber redeten, hatte es Skye immer recht wenig interessiert. Im Grunde waren sie, Betty und Padma schließlich auch nichts anderes.
    Auf weiterem Wege trafen sie noch Indiana Scott, eine winzige Zweitklässlerin aus Ravenclaw, die scheinbar ein riesiger Quidditch-Fan war und mit Hilfe ihres großen Bruders (der um einiges älter war und ziemlich beängstigend wirkte) Skye und Cho versuchte davon zu überzeugen, sie nächstes Jahr in die Mannschaft aufzunehmen. Es dauerte etwas, bis Skye ihr klarmachen konnte, dass Davies dafür zuständig war, und so zog Indiana mit ihrem Bruder im Schlepptau endlich wieder ab.
    Nun kamen sie auch an den Zelten der Bulgaren vorbei, die alles mit dem Gesicht des berühmten Viktor Krums verziert hatten. Er blickte Skye recht ernst von Zeltwänden und Fahnen entgegen und die auffällige Deko der Iren gefiel ihr um einiges besser.
    Als sie wieder im Zelt ankamen, war Mrs Warrington noch immer weg und so beschaffte Emma das noch warme Porridge von Tiny und die Mädchen verteilten sich auf die Sessel und das Sofa, wo sie zufrieden ihr Frühstück mampften. Marietta erzählte von einem Hufflepuff aus ihrem Jahrgang, der ihr Zugang zur Küche verschafft hatte, wo sie sich nun jederzeit bedienen konnte, da die vielen Hauselfen ihr Küchlein und Pasteten nahezu hinterherwarfen.
    Skye musste bei dieser Unterhaltung wieder an die Hufflepuff Victoria Stewart denken; sie war das Mädchen gewesen, dem ihr Großonkel Edward Thomas alles erzählt hatte. Im Gegensatz zu Tom Riddle schien sie vertrauenswürdig gewesen zu sein und Skye fragte sich öfter, was mit ihr passiert war.
    Nachdem sie das Frühstück beendet hatten und schon fleißig über Quidditch-Taktiken diskutierten, kam auch endlich Mrs Warrington wieder. Sie sah gestresst aus und war in Begleitung eines großen, dunkelhäutigen Mannes, der zwar Knickerbocker und eine bunte Krawatte trug, dennoch aber ziemlich beeindruckend wirkte.
    „Em, setzt du bitte einen Tee für Mr Shacklebolt auf?“, befahl Mrs Warrington, während sie kurz den Zauberstab durch die Luft schwenkte und einen zusätzlichen Stuhl wie aus dem Nichts erschuf.
    Emma huschte eifrig los und Skye musterte Shacklebolt neugierig, der bisher noch kein Wort gesagt hatte.
    „Meine Töchter“, stellte Mrs Warrington Betty und Emma mit einem Kopfnicken vor. „Und ihre Freundinnen.“
    „Eine große Gruppe“, sagte Shacklebolt mit einer dunklen, ruhigen Stimme. Er wirkte freundlich, aber wachsam, wie Mrs Warrington meistens auch war.
    Skye wusste nicht, ob sie sich vorstellen sollte, also blieb sie lieber stumm und hörte aufmerksam zu, während Mrs Warrington von irgendwelchen Sicherheitslücken, dank der Leuchte, die sich Ludo Bagman nannte, erzählte. Von dem gleichen Mann hatte Emily am Wasserhahn auch schon gesprochen, er war der Leiter der Abteilung Magischer Spiele und Sportarten, aber als Shacklebolt von einem scheinbar sehr gestressten Mr Crouch anfing, wusste sie nicht mehr weiter. Es schien so, als wäre auch Shacklebolt ein Auror im Dienst bei der Weltmeisterschaft, der sich wie Mrs Warrington freiwillig gemeldet hatte.
    Nach einiger Zeit verzogen sich die Mädchen wieder nach oben, während die zwei Erwachsenen unten ihren Tee schlürften und Gespräche über Dinge führten, die Skye weder kannte, noch verstand.
    Mittlerweile war es fast Nachmittag und von draußen drang ein derartiger Lärm ins Zelt, dass Betty, Padma und Skye sich schließlich dazu entschlossen, nachzusehen, was dort passierte.
    Als sie aus dem pfauenbewachten Eingang traten, wären sie fast von einem Mann umgerannt worden, der einen riesigen, von tanzenden Kleeblättern bedeckten Hut trug und mit schreienden Rosetten, T-Shirts und Schals in den irischen Farben warb. Erstaunt liefen die Drei an ihm vorbei, aber er war bei weitem nicht der einzige: Überall apparierten Zauberer, die alles mögliche an Krimskrams verkauften und so offensichtlich Magie einsetzten, dass Skye sich fragte, wo da das Ministerium blieb.
    Betty war derartig begeistert, dass sie noch einmal zum Zelt sauste, ihr Geld holte und dann so aussah, als hätte sie vor, gleich alles auszugeben.
    „Solch ich eine kreischende Rosette holen?“, fragte Betty, während sie an einem Händler mit Krum-Fanartikeln vorbeischlenderten.
    „Kauf dir doch so einen Hut“, schlug Skye vor, während sie sich staunend umsah.
    Überall sammelten sich aufgeregte Fans und alles leuchtete in den roten und grünen Farben der beiden Mannschaften.
    „Was ist das?“, fragte Skye und blieb vor einem Stand mit fernglasähnlichen Geräten stehen, die sie ein bisschen an Professor Trelawneys Brille erinnerten.
    „Omnigläser“, erklärte der Händler. „Ideal für Quidditch, sie verlangsamen und wiederholen das Geschehen und diese Modelle hier“, er deutete auf seine Waren, „geben sogar genau Erklärungen zu den Taktiken ab.“
    „Darf ich eins ausprobieren?“, fragte Skye und der Mann drückte ihr eines der Omnigläser in die Hand.
    Erst kam es Skye wirklich vor, als würde sie durch ein Fernglas schauen, aber als sie an einem der Rädchen drehte, wurde das Geschehen in der Ferne plötzlich viel langsamer. In Zeitlupe konnte sie beobachten, wie ein kleines Mädchen von ihrem Spielzeugbesen fiel und sein Vater es im letzten Moment auffangen konnte. Je öfter Skye die Szene wiederholte, desto lustiger wurde sie.
    „Das ist irre!“, sagte Skye begeistert, als sie das Omniglas sinken ließ.
    „Wie viel kostet es?“, erkundigte Betty sich.
    „Zehn Galleonen“, antwortete der Händler. „Ein echtes Schnäppchen.“
    „Dann einmal bitte.“ Betty kramte in ihrem ledernen Geldbeutel herum.
    „Nein, dass musst du wirklich -”
    „Betrachte es als frühes Weihnachtsgeschenk“, unterbrach Betty Skye.
    Der Verkäufer prüfte zufrieden die Galleonen und reichte Skye schließlich das Omniglas. Tausendmal bedankte sie sich bei Betty, während die drei Freundinnen gemächlich weiterliefen.
    „Ist schon gut“, sagte Betty beschwichtigend. „Aber Padma müssen wir jetzt auch noch etwas besorgen.“
    „Mir?“, fragte Padma. „Nein, ist schon in Ordung -”
    „Quatsch.“ Betty wedelte mit ihrem Geldbeutel. „Ich fühle mich spendabel. Eine dieser schreienden Rosetten, das klingt gut, nicht?“
    „Natürlich“, grinste Skye und fünf Minuten später hatte Padma eine spitz kreischende Rosette am Shirt stecken, die Dinge wie „Tod den Bulgaren!“ und „Stoppt Krums krummes Spiel!“ über den Zeltplatz brüllte.

    BILD: Der Sonnenaufgang über Mermaid‘s Pool

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    ((bold))((navy))Kapitel 6: DAS FINALE((ebold))((enavy)) Langsam brach die Dämmerung ein und Aufregung erfüllte das Warrington-Zelt. Die Mädchen lie

    Kapitel 6: DAS FINALE

    Langsam brach die Dämmerung ein und Aufregung erfüllte das Warrington-Zelt. Die Mädchen liefen geschäftig herum, suchten ihre Fanartikel zusammen, kramten warme Pullover aus ihren Rucksäcken und Emma hatte grüne Farbe dabei, mit der sie den anderen Kleeblätter auf die Gesichter malte.
    „Halt still!“, befahl sie, während Skye sich unter ihrem Pinsel wand.
    „Du hast mir fast das Auge ausgestochen, wie soll ich da stillhalten?“, wetterte Skye.
    „Siehst du.“ Zufrieden senkte Emma den kleinen Farbtopf. „Sieht gar nicht so schlecht aus.“
    Skye betrachtete ihr Gesicht in Mariettas Handspiegel. „Na ja.“ Das Kleeblatt auf ihrer Wange war verrutscht und ziemlich unförmig geraten.
    „Es sieht einfach aus wie ein Batzen grüner Farbe“, rief Betty zu ihnen hinüber, während sie sich auf einen Sessel fläzte.
    „Ich zeig dir einen Batzen Farbe!“ Mit wedelndem Pinsel stürmte Emma auf ihre kleine Schwester zu.
    Skye schnappte sich währenddessen das Omniglas und hängte es sich an dem dünnen Lederriemen um ihren Hals. Prüfend tastete sie nach ihrem Zauberstab - der aber wie immer an seinem Platz war - und vergrub die Hände in der Bauchtasche ihres Pullovers. Jetzt war es soweit.
    „Ich hasse das Ding!“ Diese wütende Stimme gehörte Padma, die zornig die Leiter heruntergeklettert kam. „Rot wie das Blut der Bulgaren!“, kreischte ihre grüne Rosette mordlustig.
    „Geht sie nicht ab?“, fragte Skye, während Padma durch das Zimmer stapfte.
    „Wie du siehst . . . nein!“
    Schon den ganzen Nachmittag wollte Padmas neue Rosette nicht aufhören zu schreien und ihre Sprüche wurden nicht nur brutaler, sondern auch immer schwerer zu ertragen.
    Betty kicherte leise, während Padma sich händeringend auf einen Stuhl am Esstisch fallen ließ.
    „Willst du auch ein Kleeblatt, Padma?“, fragte Emma und wedelte fröhlich mit ihrem Farbtopf.
    „Nicht nötig, ich -“, begann Padma, wurde dann aber durch das laute Dröhnen eines Gongs unterbrochen, das das Zelt erschütterte.
    Betty sprang auf. „Endlich! Das Spiel beginnt!“
    In ein paar Sekunden hatten sich alle am Eingang gesammelt und Mrs Warrington scheuchte die aufgeregt tratschenden Mädchen aus dem Zelt. Sie reihten sich in die laute Menge ein, die über einen laternenbeschienenen Weg durch die Dunkelheit lief.
    „Wie lange brauchen wir?“, fragte Skye, während sie sich gespannt umsah.
    „Keine Ahnung.“ Betty schien ebenso erwartungsvoll und es war das erste Mal, das sie von der Zauberwelt genauso wenig wusste wie Skye.
    Nach etwa zwanzig Minuten Fußmarsch durch ein dunkles Waldstück traten sie auf eine Lichtung, auf der sich noch mehr Hexen und Zauberer tummelten. Am auffälligsten war jedoch das Stadion, das ganz und gar unpassend in solch einer Landschaft schien.
    Eine riesige, goldene Mauer ragte vor Skye in die Höhe und sie staunte nicht schlecht, als sie weiterlief und die Mauer nicht enden zu wollen schien.
    „Das ist gigantisch“, sagte sie leise und ließ den Blick voll freudiger Erwartung über die riesige Menschenmenge schweifen, die lachend und singend auf den Einlass warteten.
    „Komm!“ Betty zog sie am Arm mit sich und schleifte sie hinter Mrs Warrington her, die sich einen Weg durch die Menge bahnte.
    Bald standen sie vor einem der Eingänge, wo sich schon eine Schlange bildete. Ein dicklicher Zauberer kontrollierte der Reihe nach ihre Karten und winkte gerade eine große Gruppe ins Stadion.
    „Links nach oben, Ma‘am, gleich neben der Werbetafel“, erklärte er Mrs Warrington.
    Aufgeregt quetschte Skye sich durch den Eingang, wo laute Pulks sich die von roten Läufern belegten Treppen hinaufdrängten. Sie drückten sich an einer Gruppe leuchtend rot gekleideter Bulgaren vorbei und Padmas Rosette begann sofort wieder zu krakeelen: „Nicht nur armselige Spieler, sondern auch hässlich sind die Bulgaren!“
    „Tsch-tschuldigung“, haspelte Padma verlegen und hielt ihrer Rosette schnell das winzige Mäulchen zu.
    Skyes Füße begannen schon müde zu werden, als sie endlich auf ihrer Tribüne ankamen. Die Plätze waren gleich neben ein paar Deutschen, die sich erwartungsvoll umschauten und miteinander diskutierten.
    Betty beugte sich so weit über die Balustrade, dass niemand ihre panische Flugangst erwartet hätte, und winkte Padma und Skye zu sich. „Seht nur!“
    Die drei Mädchen schauten aus schwindelerregender Höhe auf das riesige Spielfeld, das von oben wie ein grüner Teppich wirkte. Die vielen Leute sahen aus wie winzige Ameisen und tausende von ihnen füllten das ovale Stadion. Der Mann am Eingang hatte recht gehabt; die Werbetafel, dessen Licht über das ganze Feld blinkte, war nah bei ihnen direkt neben der nächsten Treppe angebracht. Skye versuchte neugierig, einen Blick auf die leuchtende Schrift zu erhaschen, aber von der Seite war das fast unmöglich. Schließlich ließ sie sich wieder auf ihren Sitz sinken, während sich eine Familie mit den gleichen grünen Hüten wie Betty ihn hatte an ihr vorbeidrückte.
    Plötzlich hörte sie von der nahegelegenen Treppe wütendes Schimpfen und neugierig beobachtete Skye den Pulk, der sich vor zwei Männern gebildet hatte, die den ganzen Verkehr aufhielten. Keinen von ihnen schien das zu interessieren.
    Der eine hatte langes, weißblondes Haar und neben ihm stand ein blasser Junge, der ihr nur zu bekannt vorkam. Es war Draco Malfoy in einem viel zu edel aussehenden schwarzen Jacket, der da neben seinem Vater stand. Skye hatte diesen noch nie gesehen, aber wie er sich zu dem anderen Mann lehnte und einen verschwörerischen Blick aufsetzte, kam er ihr nicht besonders sympathisch vor.
    Es dauerte kurz, bis Skye den zweiten Jungen bemerkte, der an das Geländer gelehnt daneben stand. Er war in seiner Jeans um einiges unauffälliger als Draco Malfoy gekleidet und Skye hätte ihn fast übersehen.
    Jay wirkte ziemlich gelangweilt und schien kein großes Interesse daran zu haben, sich mit Malfoy zu unterhalten. Skye vermutete, dass der Mann mit den gleichen schwarzen Haaren wie Jay sein Vater sein musste. Mehr als das konnte sie auch nicht erkennen, denn sein Gesicht war im Schatten verborgen.
    Jay hatte sich mittlerweile zum Spielfeld gewandt und zog ein Omniglas aus der Jackentasche, wie auch Skye eins hatte. Sie fragte sich schon, ob er ihr Rufen über den vielen Lärm hinweg hören würde, aber das war nicht nötig. Als hätte er ihr Starren gespürt, schaute Jay sich um und entdeckte schließlich Skye auf ihrer Tribüne.
    Wie am letzten Schultag vor einigen Wochen zog er einen unsichtbaren Hut und Skye grinste ihm zu, während sie aus dem Augenwinkel die Zauberer beobachtete, die sich über die Versperrung der Treppe beschwerten. Endlich schienen die beiden Männer ihr Gespräch beendet zu haben; sie verabschiedeten sich mit einem knappen Nicken und während die Malfoys zu einer ebenso blondhaarigen Frau nach oben stiegen, verschwanden Jay und sein Vater in der nächsten Tribüne.
    „Wer war das auf der Treppe?“, fragte Padma neugierig, als Skye sich wieder zum Feld wandte.
    „Jay“, antwortete sie. „Und die Malfoys.“
    „Die Malfoys?“, mischte Betty sich ein. „Was wollten die denn von ihm?“
    „Eher von seinem Vater“, berichtete Skye. „Vielleicht sind sie befreundet oder so.“
    Padma runzelte zwar etwas skeptisch die Stirn, aber sagte nichts mehr, und so schaute auch Skye erwartungsvoll hinunter auf das riesige Feld. Mittlerweile schienen sich alle Reihen gefüllt zu haben und es konnte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das Spiel endlich begann. Sie setzte das Omniglas vor die Augen und beobachtete die Ameisen auf der gegenüberliegenden Tribüne, die plötzlich wieder wie Leute aussahen. Irgendwo sangen Bulgaren ihre Nationalhymne und Skye wartete geradezu darauf, dass Padmas Rosette wieder losschrie.
    Sie war gerade dabei, einige angetrunkene Fans mit irischen Flaggen zu beobachten, als eine laute Stimme aus den Ritzen des goldenen Stadions drang. „Meine Damen und Herren . . . willkommen! Willkommen zum Endspiel der vierhundertundzweiundzwanzigsten Quidditch-Weltmeisterschaft!“, rief der Mann.
    Skye tat es Betty und Padma neben sich gleich, die jubelnd aufstanden und laut klatschten. Das ganze Stadion tobte und sie glaubte fast zu spüren, wie es unter ihren Füßen vibrierte.
    „Und jetzt möchte ich Ihnen ohne weiteres Brimborium unsere Gäste vorstellen . . . die bulgarischen Mannschaftsmaskottchen!“
    Neugierig sah Skye sich nach dem Urheber der Stimme um, aber sie schien über das Feld zu schallen, als würde das Stadion selber reden.
    Erwartungsvoll spähte sie über die Brüstung zum Spielfeld, auf das plötzliche hunderte von Frauen liefen. Nein, sie liefen nicht, sie schienen zu schweben. Trotz der weiten Entfernung konnte Skye den Glanz ihrer langen Haare und die zarten Gesichter erkennen. Es war, als würde sie von ihrer Schönheit geblendet.
    Die Frauen begannen zu tanzen und Stadion schien sich plötzlich zu regen. Von überall kam wildes Geschrei und zu Skyes Überraschung kletterte plötzlich einer der Deutschen neben ihnen auf die Balustrade. Er brüllte etwas und sah so aus, als würde er gleich von der Tribüne hüpfen, doch seine Freunde schien das nicht zu interessieren. Sie gafften mit leeren Augen zu den Frauen, während Mrs Warrington sich des Deutschen annahm und ihn von der Brüstung pflückte.
    Nachdem sie ihren Tanz beendet hatten, zogen sich die Frauen langsam wieder zurück, was zu zornigen Rufen der Menge führte.
    „Passen Sie vor den Veela lieber auf“, sagte Mrs Warrington kurz angebunden, als der Deutsche blinzelnd wieder zu sich kam.
    „D-Danke“, antwortete er sichtlich verwirrt mit einem harten Akzent.
    Skye fragte sich stumm, warum die Männer so auf diese Wesen reagiert hatten, aber viel nachdenken konnte sie nicht mehr, denn die herrenlose Stimme sprach wieder.
    „Und nun heben Sie bitte alle Ihre Zauberstäbe in die Luft . . . für die Maskottchen der irischen Nationalmannschaft!“
    Lautes Jubeln erfüllte das Stadion, als ein riesiger, leuchtender Ball über das Feld schoss. Skye konnte nicht erkennen, aus was er bestand, aber der Ball teilte sich in glitzernde Teilchen und fügte sich immer wieder zusammen. Ein Regenbogen entstand, dann ein Kleeblatt, das wie ein Feuerwerk explodierte. Skye konnte im letzten Moment den Kopf einziehen, als ein goldener, dicker Klotz nach unten gerade auf sie zugeschossen kam. Dann folgten mehr und mehr - es war ein Regen aus Gold.
    Nun erkannt sie, dass die glitzernden Wesen, die den Ball geformt hatten, eigentlich winzige Männchen waren, die sich aber nun wie die Veela auf ihre Plätze setzten.
    „Und jetzt, meine Damen und Herren, ein herzliches Willkommen für die bulgarische Quidditch-Mannschaft!“, dröhnte die Stimme über das Feld.
    Sie zählte der Reihe nach die Namen der Spieler auf, während jeweils scharlachrote Wirbel auf das Spielfeld schossen. Sie waren schrecklich schnell und Skye vermutete, dass sie alle den besten Rennbesen, den Feuerblitz, besaßen.
    Nun raste auch die irische Nationalmannschaft über das gigantische Feld und Skye jubelte fleißig, während Padmas Rosette wieder Morddrohungen hinausbrüllte. Sie fragte sich, wie es wohl war, bei so einem wichtigen Match zu spielen und zu wissen, dass Hunderttausende Menschen dir dabei zusahen. Skye war sich sicher: Die Spiele in Hogwarts reichten ihr schon.
    Nachdem der ägyptische Schiedsrichter vorgestellt worden war, gingen alle Spieler in Position und Spannung erfüllte die Tribünen. Skye kannte dieses Gefühl des Drucks vor einem Spiel nur zu gut, also drückte auch sie die Daumen, als die Bälle entlassen wurden.
    Jetzt kam ihr ihr Omniglas zugute, denn Skye hatte noch nie in ihrem Leben solch schnelle Spielzüge gesehen. Die beiden Mannschaften rasten als rote und grüne Schleier über das Feld, der Quaffel wechselte sekündlich den Spieler und Klatscher schossen umher wie Kanonenkugeln. Selbst die dröhnende Stimme schien irgendwann nicht mehr mitzukommen und Skye war froh, dass das Omniglas die vielen Spielzüge langsam wiederholte. Beeindruckt beobachtete sie die irischen Jäger und bei jeder Technik, die sie aus dem Training kannte, fühlte sie sich mehr von Stolz erfüllt.
    „Die Jäger sind genial!“, sagte Skye beeindruckt, während sie beobachtete, wie die Iren sich so fließend den Quaffel zupassten, als könnten sie die Zukunft voraussehen.
    „Da könntet ihr euch mal was von abschauen“, kicherte Betty und spielte damit auf die letzte Quidditch-Saison in Hogwarts an, die nicht gerade die erfolgreichste für Ravenclaw gewesen war.
    Skye streckte ihr die Zunge heraus und wendete sich wieder dem Spielfeld zu, über dem mittlerweile schon die grünen Kobolde der Iren fröhliche Siegestänze vollführten. Und das zu Recht - sie lagen weit in Führung.
    Skye fand dieses Quidditch um einiges brutaler als das, das sie aus Hogwarts kannte. Die Bulgaren schienen vor Fouls nicht abgeneigt und so kamen die irischen Jäger oft nur knapp davon. Auch die Maskottchen mischten sich gerne ein; die kleinen grünen Männchen (die Mrs Warrington als „Leprechans“ bezeichnete) sausten ständig durch die Luft und kommentierten jedes Tor der eigenen Mannschaft mit einer wüsten Geste oder anderen Sticheleien. Die Veela wirkten schon so, als würden sie das nicht mehr lange mitansehen wollen, als der ägyptische Schiedsrichter sie nach einem Foul des bulgarischen Hüters fast vom Feld schickte. Skye beobachtete das Ganze neugierig mit ihrem Omniglas, während der Kommentator Freiwürfe für die irische Mannschaft ankündigte.
    „Ja! Steckt ihnen den Quaffel in den -“, plärrte die Rosette und Padma hielt ihr schnell den Mund zu.
    „Lass sie doch“, grinste Betty. „Sie scheint es ja richtig zu genießen.“
    Padma beugte sich unauffällig zu ihr. „Ganz sicher nicht! Hast du gesehen, wie diese Deutschen neben uns mich die ganze Zeit anstarren?“
    Skye schmunzelte belustigt und wandte sich wieder dem Spielfeld zu, auf dem sich die irische Jägerin Moran auf ihren Freiwurf vorbereitete. In Zeitlupe wiederholte das Omniglas immer wieder, wie einer der bulgarische Treiber sie brutal rammte. Während die irischen Fans das Stadion mit lauten „Foul!“-Rufen füllten, richtete Skye ihren Blick nach unten, wo die Leprechans wieder einmal ihre Schadenfreude zum Ausdruck brachten. Und diesmal machten die Veela nicht nur reizend schmollende Gesichter, sondern sprangen auf. Zu Skyes Überraschung waren sie plötzlich gar nicht mehr so wunderschön. Die Veela erinnerten sie eher an Furien, wie sie mit wutverzerrten Gesichtern Hände von Feuer auf die irischen Maskottchen warfen. Es dauerte ein wenig, bis Ministeriumsangestellte angerannt kamen und die kämpfenden Wesen auseinanderbringen konnten.
    „Skye, sieh nur!“ Aufgeregt zerrte Padma an ihrem Ärmel und deutete irgendwo in die Luft. „Hol ihn mal ran!“
    Folgsam setzte Skye das Omniglas vor die Augen, das sofort den plattgesichtigen Viktor Krum vergrößerte. Aber diesmal wirkte er noch ein weniger zermatschter als vorher und schwebte reglos in der Luft, während er hastig versuchte, die Blutung seiner Nase zu stoppen.
    „Er ist verletzt!“ Skye drückte Padma das Glas in die Hand. „Was ist passiert?“
    „Ein Klatscher“, berichtete Betty. „Sah echt übel aus. Ein wenig wie du letztes Jahr, aber mit mehr Blut.“
    Padma, die immer noch durch das Omniglas schaute, schrie plötzlich auf: „Schnell, seht nur! Er ist wieder in den Sturzflug gegangen!“
    Skye sah von weitem nur einen grünen und roten Punkt, die nebeneinander Richtung Boden schossen. Eine Wolke aus Anfeuerungsrufen erfüllte das Stadion und Skye ahnte, dass es diesmal ernst war. Schnell riss sie Padma das Omniglas aus der Hand und sie kam gerade richtig: In Zeitlupe konnte sie beobachten, wie der irische Sucher Lynch mit einem unangenehm aussehen Aufprall auf das Feld krachte. Krum wiederum hatte den Besen im letzten Moment hochreißen können.
    „Er hat ihn!“ Skye gab das Omniglas an Betty weiter, die fordernd die Hand ausstreckte. „Viktor Krum hat den Schnatz gefangen!“
    Es dauerte einige Sekunden, bis die Zuschauer das bemerkt hatten, aber dann schien das Stadion wahrhaftig zu explodieren; es war nichts im Vergleich zu den Gewinnen in Hogwarts.
    Skye wollte sich schon enttäuscht auf ihren Sitz zurückfallen lassen, schließlich schien Bulgarien gewonnen zu haben, als wieder die körperlose Stimme erklang.
    „Irland gewinnt! Krum holt den Schnatz - aber Irland gewinnt - mein Gott, ich glaube keiner von uns hätte das erwartet.”
    Was?“ Skye sprang wieder auf.
    Das hatte sie noch nie erlebt. Normalerweise war die Mannschaft, deren Sucher den Schnatz fing, stets der Gewinner. Aber die irischen Jäger waren so gut gewesen, dass sie dies verhindern konnten, und Skye machte das in gewisser Weise stolz auf ihre Position.
    Die irische Nationalhymne dudelte mittlerweile in voller Lautstärke von überall her und grün gekleidete Fans auf allen Tribünen sangen fröhlich mit. Auch Betty, Padma, Skye und die anderen Mädchen jubelten fleißig, während die Leprechans wieder ihr klotziges Gold rieseln ließen und die Veela äußerst bedröppelt dreinblickten.
    „Irland ist der neue Weltmeister!“, frohlockte Betty, während sie laut klatschte.
    „Wusste ich es doch!“, quiekte die Rosette. „Kleine, foulende, dreckige Bulgaren . . .!“
    Padma machte ein Gesicht, als würde sie gleich einen Nervenzusammenbruch erleiden „Hör endlich auf!“
    Aber die Rosette ließ sich nicht beirren und krakeelte weiter: „Grün wie das Glück! Grün wie das Glück! Grün wie die weltbeste Quidditch-Mannschaft!“

    „Wir sind Soldaten, deren Leben Irland geweiht . . .“
    Die heiseren Klänge der irischen Nationalhymne schallten noch immer über das Feld, als Skye mit einer Schar grün gekleideter Fans aus dem Stadion geschwemmt wurde. Überall schwangen sie ihre Schals und wiederholten die Namen der irischen Spieler noch einmal und noch einmal in einem fröhlichen Singsang.
    Betty quetschte sich zwischen Padma und Skye und legte den beiden zufrieden die langen Arme um die Schultern. „Und, wie fandet ihr es?
    Skye grinste zufrieden. „Großartig! Das war das beste Quidditch-Spiel, das ich jemals gesehen habe.“
    Die drei Freundinnen schlenderten nebeneinander über den laternenbeschienen Weg und Betty deutete mit einem Kopfnicken auf Cho, die vor ihnen ging.
    „Sicher, dass du nicht auch Quidditch-Spielerin werden willst?“, fragte sie, während ein gehässig lachender Leprechan über ihre Köpfe schoss und mit seiner Laterne wedelte.
    „Ich werde niemals so gut werden“, erwiderte Skye.
    „Übung macht den Meister“, belehrte Padma sie.
    Auf dem Weg zurück durch das Waldstück mussten sie sich in mitten der Massen anderer Hexen und Zauberer eng aneinander drücken und hier und da schlugen Skye kleine Äste ins Gesicht oder Spinnweben verfingen sich an ihrer Kleidung. Dennoch wurde der laute Gesang nicht schwächer, als sie auf ihrem Zeltplatz ankamen, und angeführt von Mrs Warrington liefen sie zielstrebig zurück zum Zelt, dessen Pfauen im Licht des Mondes glitzerten.
    Innen war es angenehm warm und Skye hätte sich gleich ins Bett legen können, aber noch dachte niemand daran zu schlafen. Die Mädchen holten sich ihre Decken von oben und kuschelten sich eng aneinander geschmiegt auf das Sofa und die Sessel. Mrs Warrington setzte noch einen Tee auf und schließlich saßen sie zufrieden mit einer heißen Tasse in der Hand beisammen.
    „Warum glaubt ihr, hat Krum den Schnatz gefangen?“, fragte Padma. „Schließlich wusste er, dass sein Team nicht gewinnen würde.“
    „Vielleicht hat er erkannt, dass es keinen Zweck mehr hatte“, überlegte Skye.
    Sie kannte dieses Gefühl nur zu gut, manchmal lief ein Spiel so gar nicht so wie geplant und die Hoffnung war verschwunden. Natürlich konnte man noch immer sein Bestes geben, aber innerlich wusste man, dass es aus war. Skye warf einen kurzen Blick zu Cho hinüber, schließlich waren sie trotz allem noch Teamkolleginnen und sie wusste sicher auch, was sie meinte.
    „Er ist irgendwie komisch, dieser Krum“, stellte Marietta fest und rührte gedankenverloren in ihrem Tee.
    „Warum?“, fragte Betty.
    „Na, anders irgendwie. Für solch einen weltklasse Sucher verhält er sich gar nicht so.“
    „Ist das nicht gut?“, wunderte Skye sich.
    Auch sie hatte gesehen, wie ungelenk er auf festem Boden gewirkt hatte, und sich so gar nicht prahlerisch verhielt.
    „Natürlich“, antwortete Marietta. „Es ist nur . . . ungewöhnlich.“
    Für einen Moment schwiegen die Mädchen und lauschten dem gedämpften Geschrei und Gejubel von draußen. Die Iren feierten wohl noch immer und hier und da konnte Skye leise Fetzten der Nationalhymne erkennen.
    Nachdem alle ihren Tee getrunken hatten, breitete sich langsam eine müde Stimmung im Zelt aus. Skye dachte an die paar Stunden Schlaf der letzten Nacht und so dauerte es nicht lange, bis sich alle zurückzogen. Das Feldbett war angenehm weich und nachdem sie ihren Zauberstab auf den Nachtisch gelegt hatte, kuschelte Skye sich genüsslich ein. Gehüllt in die wohlige Wärme der Decke starrte sie noch ein paar Minuten an die Zeltwand, bis der immer leiser werdende Gesang von draußen sie langsam eindösen ließ. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis Skye in einen traumlosen Schlaf fiel.

    BILD: Das Stadion

    7
    ((bold))((navy))Kapitel 7: BRENNENDE ZELTE((ebold))((enavy)) Blinzelnd setzte Skye sich auf und runzelte die Stirn. Sie hatte geträumt, wilde Träume

    Kapitel 7: BRENNENDE ZELTE

    Blinzelnd setzte Skye sich auf und runzelte die Stirn. Sie hatte geträumt, wilde Träume waren es gewesen, von besenreitenden Leprechans und körperlosen Stimmen. Aber da war noch etwas: Schreie, die Geräusche hunderter Füße auf unebenem Boden. Skye brauchte einen Moment, bis sie merkte, dass dies kein Traum gewesen war.
    Die anderen schlummerten friedlich in ihren Betten, keine schien die Geräusche von draußen zu hören. Der Gesang, der vor ein paar Stunden noch über den Zeltplatz geschallt hatte, war verklungen. Stattdessen waren da Schreie, Schreie, die sich ganz und gar nicht gut anhörten.
    Nachdem sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, schob Skye ihre Decke beiseite und schwang sich aus dem Bett. Vorsichtig tastete sie sich an der dünnen Zeltwand entlang und schlich leise zum nächsten Bett. Hier lag Betty, von der nichts als ein dunkelhaariger Haufen unter der Bettdecke zu sehen war.
    „Betty“, sagte Skye und rüttelte an dem Arm ihrer Freundin.
    Erneut hörte sie einen Schrei, aber Betty stöhnte nur leise und vergrub ihr Gesicht tief ins Kissen.
    „Wach auf!“
    Skye rüttelte heftiger und endlich drehte Betty sich um.
    „Was‘n los?“, stöhnte sie und gähnte herzhaft.
    „Da stimmt etwas nicht“, flüsterte Skye.
    Immer noch gähnend richtete Betty sich langsam auf. „Du weißt schon, was Träume sind, nicht?“
    „Das ist kein Traum!“ Langsam wurde Skye ungeduldig. „Hör doch! Draußen schreit jemand. Und da ist Fußgetrappel!“
    Für einen kurzen Moment herrschte Stille und beide Mädchen lauschten in die Dunkelheit. Das Geschrei war lauter geworden.
    „Du hast recht“, antwortete Betty und schob ihre Decke beiseite. „Das klingt nicht gerade normal.“
    „Weck deine Mum.“ Skye richtete sich auf. „Vielleicht kann sie nachschauen.“
    Folgsam nickte Betty und stand überraschend schwungvoll auf. „Kümmere du dich um die anderen.“
    Die Schreie von draußen trieben Skye an, während sie zu Padmas Bett lief und ihr unsanft die Decke wegzog. Mit ein paar Worten war alles erklärt und so stolperte Skye fast über einen Rucksack, als sie in die nächste Nische hastete. Dabei hatte sie ganz vergessen, dass hier Cho lag, aber im Eifer des Gefechts sah sie über diese Tatsache hinweg und riss auch sie aus dem Schlaf.
    Cho hatte sich gerade aufgerappelt und angelte unter dem Bett nach ihrem Zauberstab, da lief Skye fast in eine plötzlich aufgetauchte Mrs Warrington hinein.
    Skye wollte schon losreden, aber Mrs Warrington stoppte sie mit einem beiläufigen Winken.
    „Betty hat mich geweckt. Bleibt kurz hier, ich werde nachschauen gehen.“ Sie knotete hastig ihren langen, wollenen Morgenrock zu und tauchte das Zelt mit einem weit ausholenden Schwung ihres Zauberstabes in grelles Licht. „Und haltet eure Zauberstäbe bereit.“
    Mit diesen Worten verschwand sie auf der Leiter und die sechs übriggebliebenen Mädchen versammelten sich besorgt vor Emmas Bett. Skye hatte sich noch schnell ihren Zauberstab geschnappt, den sie nun fest umklammert hielt, während sie stumm dasaßen und warteten.
    „Ich will wissen, was los ist“, brach Padma die Stille.
    Fünf Augenpaare richteten sich auf sie, aber niemand sagte etwas.
    Es dauerte nicht lange, da hörten sie ein Rascheln von unten, und Skye ging in Angriffshaltung.
    „Holt eure Jacken“, rief Mrs Warrington von unten und die Mädchen atmeten erleichtert aus. „Beeilt euch.“
    Skye sprang auf, schnappte sich ihre Jacke von der Bettkante und folgte dann Marietta über die Leiter nach unten. Mrs Warrington wartete schon vor dem Eingang und machte ein ernstes Gesicht. Das beruhigte Skye. Ernst, aber nicht besorgt.
    „Lauft so schnell wie möglich zum Wald“, sagte Mrs Warrington, als sich alle gesammelt hatten, und sah dann zu ihrer ältesten Tochter. „Ich werde den anderen Ministeriumsleuten helfen müssen. Bleibt im Wald, bis alles vorbei ist.“
    Mit einem letzten eindringlichen Blick und folgsamen Nicken der Mädchen, traten sie aus dem Zelt; Skye, Betty und Padma hatten sich fest aneinander gedrückt.
    Der Himmel über den Zeltdächern war düster. Aber darunter loderte wildes Feuer. Noch war es entfernt, aber wie ein Waldbrand schien es sich auszubreiten.
    „Schnell!“ Emma scheuchte sie los. „Ihr habt gehört, was Mum gesagt hat. Zum Wald!“
    Sie waren nicht die einzigen, die über den Zeltplatz rannten. Von überallher kamen Menschen: Kinder, Erwachsene, alle schienen erfüllt von Panik. Skye achtete nicht darauf, sie achtete nur auf ihre Füße, die sich stolpernd und schlitternd einen Weg über den Trampelpfad bahnten. Betty und Padma liefen vor ihr; keine redete ein Wort, bis sie um die nächste Ecke bogen und Padma ruckartig stehenblieb.
    „Was ist?“ Erst, als Skye gebremst hatte und Marietta ihr auf die Fersen trat, sah sie auf.
    Mittlerweile waren sie dem Feuer immer näher gekommen, überall brannten Zelte lichterloh und füllten die Luft mit Rauch und züngelnden Flammen. Und mittendrin lief eine lange Prozession maskierter Gestalten mit Kapuzen und hocherhobenen Zauberstäben. Sie schienen die Auslöser des Chaoses zu sein; seelenruhig spazierten sie an den brennenden Zelten vorbei. Noch immer erfüllten Schreie die Luft, doch mittlerweile gesellte sich auch gehässiges Johlen dazu und Skye beobachtete, wie sich mehr und mehr Leute der Prozession anschlossen. Aber das Schlimmste hätte sie fast übersehen: Über den erhobenen Zauberstäben der vermummten Person schwebten vier weitere, die aber ganz und gar nicht ins Bild zu passen schienen. Ein Mann, eine Frau und zwei kleine Kinder wirbelten in der Luft umher, als würden sie fliegen. Aber auf ihren Gesichter spiegelte sich Angst. Angst, Fassungslosigkeit und das blanke Entsetzten.
    Schließlich fiel Skye ein, woher sie den Mann kannte. Es war der Platzaufseher gewesen, ein Muggel, der scheinbar von nichts eine Ahnung hatte. Ihr lief ein Schauer über den Rücken. Muggel. Auch sie war nicht viel mehr als das.
    „Skye!“
    Jemand packte sie am Arm, und als Skye sich umdrehte, sah sie direkt in Emmas weit aufgerissene Augen, in denen sich züngelnde Flammen spiegelten.
    „Was stehst du hier herum? Komm schon!“
    Skye schaute sich hastig um, aber von Betty und Padma war weit und breit nichts mehr zu sehen. Nur Emma, Cho und Marietta standen noch da, während andere Hexen und Zauberer an ihnen vorbeirannten.
    „Betty und Padma! Wo sind sie?“, fragte Skye schnell. „Eben waren sie noch da!“
    Emma fluchte herzhaft. „Wahrscheinlich sind sie schon weitergerannt.“
    „Komm jetzt, sie werden den Weg zum Wald schon alleine finden“, mischte auch Cho sich ein. Ihre dunklen Mandelaugen huschten besorgt umher.
    „Dann kommst du jetzt mit uns“, befahl Emma. „Aber nicht trödeln!“
    Skye nickte stumm und folgte den älteren Mädchen, die um die nächste Kurve bogen und sich so von der seltsamen Prozession entfernten. Das Gejohle war noch immer zu hören, auch als die Flammen wieder kleiner wurden und Skye die Familie des Platzaufsehers nicht mehr beobachten musste. So schnell wie sie konnte rannte sie über den Zeltplatz. Den Zauberstab mit zittrigen Fingern umklammert lief sie einfach, warf keinen Blick über die Schulter, weil diese Leute ihr Angst machten. Das Bild der Muggelfamilie wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen; es war widerlich, was die Zauberer ihnen antaten.
    Vor dem Waldrand angekommen legten die vier Mädchen eine kurze Verschnaufpause ein. Im Schutz der Bäume fühlten sie sich sicher; die brennenden Zelte waren mittlerweile weit entfernt. Leute rannten umher, die sich auch in den Wald flüchteten, aber in der Dunkelheit erkannte Skye kein einziges Gesicht.
    „Alles klar?“, fragte Emma mit einem prüfenden Blick in die Runde.
    Stummes Kopfnicken war die Antwort; Skye konnte die Gesichter der anderen nur schemenhaft erkennen, die Dunkelheit des Waldes verschlang sie wahrhaftig.
    „Was ist mit Betty und Padma?“, fragte sie.
    „Vielleicht finden wir sie auf dem Weg“, antwortete Emma. „Lasst uns weitergehen.“
    Überall liefen Hexen und Zauberer durch den Wald, besorgt suchten sie nach Familienmitgliedern oder Freunden. Skye suchte vergeblich nach einem bekannten Gesicht, genauso wie Emma, die ziemlich beunruhigt schien.
    „Betty kann so was“, versuchte Marietta ihre Freundin zu beruhigen.
    Skye bezweifelte, dass das etwas half, aber darüber konnte sie nicht weiter nachgrübeln, denn ein hübsches Mädchen war neben ihr aufgetaucht.
    „Lazare et Romain cherchent ici, je -“
    „Ähm . . .“, unterbrach Skye das Mädchen vorsichtig. „Ich glaube, du hast mich verwechselt. Also, ähem . . . Je crois . . . que tu . . .“
    Französisch war noch nie ihr Lieblingsfach gewesen und in solch einer Situation fiel ihr das passende Wort natürlich nicht ein. Aber das Mädchen schien sie zu verstehen und senkte beschämt den Blick.
    „Pardon, isch wusste nischt -“
    Schnell ließ sie sich zurückfallen und schien weiter nach ihren Freunden zu suchen. Skye holte schnell wieder zu den anderen auf, aber die richtige Vokabel war ihr noch immer nicht eingefallen.
    Wortlos stapften sie über den blätterbedeckten Boden und tasteten sich an knochigen Bäumen vorbei. Skye hätte nun sehr den beleuchteten Weg vom Abend begrüßt, denn so stolperte sie ständig über abgebrochene Äste, Wurzeln oder Zweige verfingen sich in ihren Haaren. So waren sie auch bei weitem nicht so schnell wie auf dem Zeltplatz, aber irgendwann war das Geschrei nicht mehr zu hören und drückende Stille machte ihm Platz. Die Flüchtenden Fans verteilten sich überall im Wald; so wie Emma, Cho, Marietta und Skye suchten sie nach einem sicheren Ort.
    Skye dachte an Betty und Padma. Sicherlich trieben sie sich auch irgendwo umher und sie hoffte innerlichst, ihnen gleich zu begegnen. Aber das einzige, was ihren Weg kreuzte, war ein verwirrter Fuchs.
    „Wohin gehen wir überhaupt?“, brach Skye irgendwann die Stille.
    Mittlerweile fühlte es sich so an, als wären sie schon genug gelaufen, aber Emma hatte schließlich so gewirkt, als hätte sie einen Plan.
    „Ehrlich gesagt weiß ich es selbst nicht“, antwortete diese frustriert. „Sollen wir warten?“
    „Ist vielleicht besser“, gab auch Marietta hinzu, während sie sich fester in ihre Jacke hüllte.
    Auch Skye fröstelte ein wenig. Aber sie glaubte nicht, dass das die Kälte war.
    Bald kamen sie auf eine winzige Lichtung, auf der ein moosbewachsener Felsen stand, und setzten sich eng aneinander gedrückt auf ihn. Skye dachte an das französische Mädchen und fragte sich, ob sie ihre Freunde mittlerweile gefunden hatte.
    Und dann waren da noch die maskierten Zauberer und die Muggelfamilie. Plötzlich war Skye froh, jetzt in einem stillen Wald zu sitzen.
    „Meine Mutter wird mich nie wieder alleine irgenwohin gehen lassen, wenn sie das erfährt“, sagte Marietta, den Blick auf eine Baumwurzel vor ihren Füßen gerichtet.
    „Das war doch nicht deine Schuld“, erwiderte Cho.
    Emma blieb stumm. Mit einem schnellen Seitenblick stellte Skye fest, dass sie die Umgebung musterte. Oder jedenfalls das, was man in der Schwärze der Nacht erkennen konnte. Ob sie nach ihrer kleinen Schwester suchte?
    „Und was ist mit den Muggeln?“, fragte Skye. „Was diese Leute da gemacht haben, ist schrecklich.“
    Die drei älteren Mädchen wandten sich Skye zu. Natürlich; keine von ihnen war eine Muggelstämmige so wie sie. Vielleicht wussten sie gar nicht, wie sich das für Skye anfühlte.
    „Klar“, antwortete Marietta. „Hast du nicht die ganzen Ministeriumsleute gesehen?“
    Skye pulte ein wenig Moos von dem Felsen. „Eben sah es aber nicht so aus.“
    Marietta setzte schon zu einer Antwort an, als Emma sie zischend unterbrach. „Sei leise!“
    Es wirkte so, als würde sie konzentriert in die Dunkelheit lauschen. Und da hörte Skye es auch: Fußstapfen. Nicht weit entfernt lief irgendjemand über knisternde Blätter.
    Emma deutete den anderen wortlos an, den Mund zu halten, und Skye versuchte angestrengt, so leise wie möglich zu atmen. Mit Wäldern hatte sie nie gute Erfahrungen gemacht.
    Langsam entfernen sich die Schritte, aber noch immer konnte sie niemanden hinter den Bäumen erkennen. Langsam entspannten sich die Mädchen wieder.
    „Sollen wir weggehen?“, hauchte Cho leise.
    Emma warf einen kurzen Blick zur Seite und schien zu überlegen. „Nein. Warten wir lieber“, flüsterte sie. „Aber schraubt mal eure Lautstärke runter.“
    Skye nickte stumm und zog vorsichtig den Zauberstab. In solch einer Situation schien ihr das angemessen. Schweigend wartete sie darauf, dass die Fußstapfen wiederkamen.
    Erst hörte sie nichts, doch dann war da ein Schrei. Er schien entfernt, aber dennoch nah.
    „Was zum?“ Emma sprang schlagartig auf und sah sich hektisch um.
    „Wer war das?“, fragte Cho.
    Es hatte nicht nach einem Hilfeschrei geklungen, eher nach einem Wort, das Skye aber nicht kannte. Konzentriert ließ sie ihren Blick durch die Dunkelheit wandern, und da entdeckte sie es: Am Himmel war etwas erschienen. Ein giftgrün leuchtendes Zeichen.
    „Schaut nur“, keuchte sie und zupfte Emma unsanft am Ärmel.
    Es war ein riesiger Totenkopf, der da glitzernd am Himmel prangte. Aus der Mundhöhle schien eine gigantische Schlange zu kriechen, die fast so aussah, als würde sie sich zwischen den Sternen entlangschlängeln.
    „Oh, verflucht“, schimpfte Emma, während die Blicke der anderen an dem immer höher steigenden Zeichen hafteten.
    „Das ist doch“, begann Marietta leise, „ist das nicht das Dunkle Mal?“
    „Das Dunkle Mal?“, wiederholte Skye verwirrt.
    Emma drehte sich blitzschnell zu ihr um. „Wir sollten schleunigst verschwinden. Das ist das Zeichen von von Du-weißt-schon-wem.“
    „Aber, der . . .“, begann Skye, wurde jedoch immer leiser. Der ist tot, wollte sie sagen. Wie konnte er ein Dunkles Mal an den Himmel zaubern? Außer . . . Nein. Das widersprach allem, das sie von der Geschichte der Welt der Zauberei wusste.
    Gehetzt liefen die Mädchen los. Insgeheim wusste keine von ihnen, in welche Richtung sie laufen sollten. Aber es fühlte sich besser an, als einfach stehenzubleiben. Schreie erfüllten den Wald und überall schienen die Leute in Aufruhr geraten zu sein. Skye dachte an Betty und Padma. Hoffentlich waren sie in Sicherheit.
    „Wartet mal“, sagte Cho plötzlich und blieb stehen. „Ist das wirklich schlau? Wenn wir noch weiter laufen, finden wir hier nie mehr raus.“
    Niemand konnte widersprechen.
    „Ich weiß sowieso nicht mehr, wo wir überhaupt sind“, sagte Emma.
    Marietta stöhnte auf. „Das ist eine Katastrophe.“
    „Hey, du hättest schließlich auch mal auf den Weg achten können“, erwiderte Emma gereizt.
    Während Marietta irgendetwas entgegnete, schlenderte Skye ein Stückchen weiter und versuchte, sich irgendwo zu orientieren. Aber sie konnte sich an nichts erinnern, die Bäume hatten in der Dunkelheit alle gleich ausgesehen. Und die Lichtung von eben schien auch schon weit entfernt zu sein.
    Aber plötzlich hörte sie Stimmen. Sie schienen nicht weit entfernt und wirkten auch nicht so, als würden sich ihre Besitzer gerne versteckt halten.
    „Kommt mal her.“ Sie winkte die anderen zu sich. „Da ist irgendwer.“
    Emma und Marietta hörten auf sich zu zanken und allesamt horchten sie konzentriert.
    „Sollen wir hingehen?“, fragte Skye nach ein paar Sekunden.
    Emma schien nachzudenken. „Vielleicht, ich weiß -“
    „Ja“, unterbrach Marietta sie. „Langsam vergeht mir der Spaß an nassen Blättern und dieser schrecklichen Lauferei.“
    Es schienen viele Leute zu sein, die sich da im Wald versammelt hatten. Manche schienen aufgebracht, hier und da jedoch hörte Skye eine Stimme, die ihr irgendwie bekannt vorkam. Sie hoffte, dass es nicht die maskierten Leute vom Zeltplatz waren, aber das schien ziemlich unwahrscheinlich. Die waren sicherlich schon längst geschnappt.
    „Bleibt mal stehen“, befahl Emma plötzlich, als sie sich immer weiter näherten. „Ist das . . . Mum?“
    Und wirklich, als Emma das sagte, erkannt auch Skye die Stimme. Es war unverkennbar die von Mrs Warrington.
    Das beflügelte die Mädchen dermaßen, dass sie die letzten Meter rennend zurücklegten, damit Mrs Warrington auch ja nicht wieder verschwinden konnte. Skye betete stumm, dass Betty und Padma auch dabei waren.
    Aber erst, als sie die Gruppe erkennen konnte, merkte sie, dass das wohl nicht der Fall vor. Dafür standen einige Erwachsene beisammen - dabei tippte Skye auf Ministeriumsleute - und hatten sich in einem Kreis versammelt. Was oder wer in der Mitte war, konnte sie nicht richtig erkennen.
    „Zu spät“, sagte Mrs Warrington ganz in der Nähe und Skye atmete erleichtert aus. „Die sind bestimmt schon disappariert.“
    „Da bin ich anderer Meinung“, erwiderte ein Mann neben ihr.
    „Ich könnte heulen“, flüsterte Emma leise, bevor sie schnurstracks auf die Gruppe zulief.
    Im Bruchteil einer Sekunde richteten sich etwa zwanzig Zauberstäbe auf sie und Skye blieb gezwungenermaßen stehen.
    „Mum!“, rief Emma, schien sich aber auch nicht zu trauen, weiterzugehen. „Wir sind es nur.“
    „Noch mehr Kinder“, murmelte ein Zauberer.
    „Emma?“ Mrs Warrington war mit wenigen Schritten bei ihnen. Sie trug noch immer ihren wollenen Morgenrock und sah alles andere als begeistert aus, als sie die Mädchen betrachtete. „Wo habt ihr Betty und Padma gelassen?“, fragte sie streng.
    „Auf dem Zeltplatz sind sie verschwunden“, antwortete Emma kleinlaut und schien unter dem Blick ihrer Mutter geradezu zu schrumpfen.
    Skye beobachtete das Ganze, hielt sich aber möglichst unauffällig. Die meisten der Ministeriumsleute hatten ihre Zauberstäbe sinken gelassen, hier und da flüsterte jemand etwas; nur ein Mann mit streng gestutzten Oberlippenbart schien keine Anstalten zu machen, sich zu entspannen.
    „Barty, nun hör doch auf“, sagte Mrs Warrington leise.
    Der Kiefer des Mannes schien sich zu verkrampfen, aber dann trat er langsam zurück. Für einen kurzen Moment schaute er Skye direkt in die Augen und sein Blick war so hart, dass sie sofort wegschaute. Was dachte er von ihr? Dass sie das Dunkle Mal heraufbeschworen hatte?
    Unauffällig musterte Skye die anderen Ministeriumsarbeiter. Manche von ihnen waren in den Schatten der Bäume gehüllt, aber überall huschten wachsame Augen durchs Dickicht und Zauberstäbe wurden entzündet.
    Erst jetzt fiel ihr auf, um was sich die vielen Erwachsenen da gedrängt hatten - oder eher um wen. Skye sah Brillengläser in der Dunkelheit aufblitzen und das war ihr Zeichen genug. Harry, Ron und Hermine standen da und lauschten stumm.
    „Unsere Schocker sind doch direkt durch diese Bäume geflogen . . . vielleicht haben wir sie sogar erwischt . . .“ Der Mann, der eben mit Mrs Warrington gesprochen hatte, sah auffordernd in die Runde. Skye konnte seinen stoppeligen Bart erkennen, während er prüfend über die Lichtung streifte.
    Mrs Warrington sagte leise etwas zu einem dicklichen Zauberer, bevor sie sich den Mädchen zuwandte.
    „Kommt.“
    Ihr Blick war schwer zu deuten, während sie ein Stück weiter ging und die Gespräche der Minusteriumszauberer immer leiser wurden. Skye warf einen schnellen Blick zu Harry, Ron und Hermine, die noch immer dort standen. Natürlich waren sie direkt mitten im Geschehen, aber Skye konnte sich nicht erklären, warum. Nur für Fragen schien jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.
    „Wo habt ihr Betty und Padma zum letzten Mal gesehen?“, fragte Mrs Warrington und sah die Mädchen der Reihe nach an.
    „In der Nähe von unserem Zelt“, antwortete Emma leise. „Sie sind einfach weitergerannt. Tut mir leid, Mum.“
    Cho, Marietta und Skye hielten sich unauffällig im Hintergrund, während Mrs Warrington zu ihren Kollegen hinübersah.
    „Ich bringe euch zum Zelt“, sagte sie. „Betty wusste sicherlich, was zu tun ist.“
    Den ganzen Weg lang redete niemand ein Wort. Mrs Warrington führte sie zielstrebig durch den Wald - sie musste einen sehr guten Orientierungssinn haben - und da Emma ihr wie ein trauriger Hund hinterhertrottete, blieben auch Marietta, Cho und Skye recht wortlos. Bei solch einer Stimmung schien eine Unterhaltung sowieso keine gute Idee zu sein.
    Skye überlegte noch immer, was Harry, Ron und Hermine mit dem Ganzen zu tun hatten, während sie auf einen ausgetretenen Pfad kamen. Doch dann konnte sie in der Ferne den Waldrand entdecken.
    Über dem Zeltplatz lag Rauch in der Luft, abgebrannte Stofffetzen bedeckten qualmend den Boden. Skye hielt sich die Nase zu, um den Gestank der Asche und Angst nicht riechen zu müssen. Fast vermutete sie, dass auch das Warrington-Zelt abgebrannt war, aber sie hatte unrecht. Unbeschädigt stand es auf seinem Platz und schien nur darauf zu warten, seine Besitzer wieder zu empfangen.
    Nacheinander traten sie ein, Mrs Warrington ganz am Schluss. „Bleibt hier“, befahl sie. „Ich suche die anderen.“
    Sie wandte sich schon wieder zum Ausgang, als Emma die Stimme erneut erhob. „Mum. Es tut mir leid“, sagte sie leise.
    Mrs Warrington schien kurz innezuhalten, trat dann aber wortlos aus dem Zelt. Skye fand so etwas viel schlimmer. Wenn Eltern laut schimpften war es eine Sache, aber Enttäuschung konnte sie gar nicht leiden.
    Emma schlurfte zum Sofa und setzte sich langsam. Sie sah ziemlich mitgenommen aus; in ihrem Haar hatten sich Blätter verfangen und Schatten lagen unter ihren Augen. Marietta und Cho folgten ihrer Freundin stumm und nach ein paar Sekunden setzte auch Skye sich dazu.
    Sie war todmüde, aber das würde sie sich nicht anmerken lassen, bis Betty und Padma wiederkamen. Also kuschelte sie sich in einen Sessel und zog die Beine so fest an den Körper, wie sie konnte. Vom Wirbel der Weltmeisterschaft war nichts mehr übrig.
    Und die vier Mädchen warteten. Sie warteten gefühlte Ewigkeiten, wechselten nur wenige Worte und jeder schien mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt zu sein. Skye wäre fast eingedöst, hielt sich aber wild blinzelnd wach. Und endlich, endlich öffnete sich der Eingang.
    Emma sprang schlagartig auf. Mit wenigen Schritten hatte sie den Raum durchquert und schloss ihre kleine Schwester wortlos in die Arme.
    „Ruhig, Brauner“, sagte Betty verwundert, während sie sich losmachte.
    Auch Padma trat hinter ihr ins Zelt, gefolgt von Mrs Warrington. Skye lief erleichtert zu ihren besten Freundinnen. Auch sie sahen angeschlagen aus, aber schienen unverletzt.
    „Alles in Ordnung?“, fragte Padma.
    „Mir geht‘s super“, erwiderte Skye bedeutungsvoll.
    Mrs Warrington lief langsam zu den anderen auf dem Sofa, während sich Betty, Padma und Skye verschwörerisch zusammendrängten.
    „Wo wart ihr?“, fragte Skye. „Wir haben euch nirgendwo gesehen.“
    „Nachdem ihr einfach verschwunden seid, sind wir eben alleine weitergerannt“, berichtete Betty. „Im Wald haben wir dann nach euch gesucht, aber das hat nichts gebracht.“
    „Also sind wir tiefer in den Wald gelaufen“, ergänzte Padma. „Und Betty hat sich mit so einem Leprechan angefreundet -“
    „Er heißt Alfredo“, fügte Betty hinzu. „Netter Kerl. Hat uns mit seiner Laterne Licht gemacht.“
    „Dann haben wir gewartet“, fuhr Padma fort. „Als das Dunkle Mal auftauchte und alle geschrien haben, wollten wir wegrennen. Aber Alfredo meinte, wir sollen einfach still sein.“
    „Und dann war Mum da“, sagte Betty mit einem Nicken zu Mrs Warrington, die etwas mit Emma beredete.
    „Ich muss euch was erzählen“, kündigte Skye leise an. „Aber erst morgen.“
    „Besser so.“ Betty gähnte herzhaft. „Ich brauche nämlich jetzt meinen Schönheitsschlaf.“

    BILD: Der brennende Zeltplatz

    8
    ((bold))((navy))Kapitel 8: GLYNIS SHAFIQ((ebold))((enavy)) Am nächsten Morgen fühlte Skye sich, als würde sie schlafwandeln. Die Mädchen sprachen

    Kapitel 8: GLYNIS SHAFIQ

    Am nächsten Morgen fühlte Skye sich, als würde sie schlafwandeln. Die Mädchen sprachen nur wenige Worte miteinander, während sie gähnend ihre Rucksäcke packten. Padmas Rosette war mittlerweile fast vollkommen verstummt, hier und da brachte sie noch ein heiseres Krächzen zusammen.
    Das Zelt faltete sich unter Mrs Warringtons Zauberstab folgsam zusammen und dann liefen sie langsam über den fast leeren Zeltplatz. Die meisten Menschen schienen schnellstmöglich nach Hause zu wollen - was Skye ihnen nicht verübeln konnte. Auch sie selbst war froh, bald wieder im sicheren Warrington-Anwesen schlafen zu können.
    Nachdem sie den Platz verlassen hatten, schloss der dunkelhäutige Kollege von Mrs Warrington, Shacklebolt, zu ihnen auf. Skye beobachtete, wie er leise ein paar Worte mit Bettys Mutter wechselte, konnte aber nicht verstehen, um was es ging. Er schien sich über etwas aufzuregen und nachdem Mrs Warrington geantwortet hatte, lief Shacklebolt hastig davon.
    Sie mussten lange anstehen, um einen Portschlüssel zu ergattern, bekamen aber schließlich von dem müde aussehenden Basil eine zerknautschte Suppendose in die Hand gedrückt. Diesmal wusste Skye schon, was auf sie zukam, aber trotzdem war sie froh, dass sie noch nichts gegessen hatte, als sie am Mermaid‘s Pool ankamen.
    Das Anwesen stand wie ein riesiger, marineblauer Koloss mitten in der grünen Landschaft und als Mrs Warrington vor das hohe Tor trat, schwang es knirschend auf. Plötzlich fühlte Skye sich wieder sicher.
    Betty, Padma und Skye verzogen sich schnell in Bettys Zimmer und schlossen die Tür. Die Drei kuschelten sich in Bettys warme Daunendecke und sahen nachdenklich aus dem Fenster.
    „Was wolltest du uns nun erzählen, Skye?“, fragte Padma neugierig.
    „Wir sind Harry, Ron und Hermine im Wald begegnet. Sie waren umringt von einigen Ministeriumsleuten, die ziemlich gestresst wirkten“, erzählte Skye.
    „Na, kein Wunder“, erwiderte Betty. „Bei dem, was letzte Nacht passiert ist.“
    „Ich frage mich nur, was die Drei damit zu tun haben“, fuhr Skye fort. „Ein Mann hat etwas von Schockern oder so geredet und jemand muss wohl disappariert sein.“
    „Sie sind doch immer irgendwie involviert“, sagte Padma abwinkend.
    „Da hat sie recht.“ Betty zuckte mit den Schultern.
    Skye seufzte. Sie konnte das nicht einfach so abtun. Die Muggel, das Dunkle Mal und der brennende Zeltplatz; all das ging ihr nicht aus dem Kopf.
    „Was wollte Shacklebolt denn von deiner Mutter?“, erkundigte sich Padma.
    „Der erste Artikel im Tagespropheten ist schon erschienen. Irgendeiner vom Minusterium muss wohl eine ungenaue Aussage gemacht haben und das wird dann immer ausgeschlachtet wie sonst was. Von wegen, nichts ist unter Kontrolle und was auch immer . . .“, berichtete Betty.
    „War es ja auch nicht so wirklich.“ Padma runzelte die Stirn.
    „Aber wie soll man das ahnen? Und so viele zu evakuieren, ist auch nicht gerade leicht“, erwiderte Betty.
    „Konnten sie denn diese maskierten Leute fassen?“, fragte Skye.
    „Nein.“ Betty schüttelte den Kopf. „Ich habe Mum heute morgen belauscht, wie sie mit jemandem im Feuer gesprochen hat. Sie glauben, dass es Todesser, die Anhänger von Ihr-wisst-schon-wem, waren. Das Dunkle Mal hat sie wohl in Panik versetzt und sie sind disappariert.“
    „Ich verstehe das nicht.“ Skye sah Betty fragend an. „Warum sollte jemand dieses Dunkle Mal heraufbeschwören? Und die Muggelfamilie so quälen? Du-weißt-schon-wen gibt es doch gar nicht mehr.“
    „Keine Ahnung“, erwiderte Betty schulterzuckend.
    „Es ist wirklich komisch“, stellte Padma fest. „Erst das mit Srius Black im letzten Jahr, der einfach entkommen ist. Und dann das.“
    „Sag das nicht so.“ Skye schüttelte sich. „Das klingt ja, als wäre er wieder da.“
    „Aber sie hat recht“, sagte Betty leise. „Da stimmt etwas nicht. Ich weiß nicht, ob es mit Harry Potter zu tun hat, aber das ist nur die Wahrheit.“
    „Glaube ich nicht“, widersprach Skye.
    Dabei wusste sie in ihrem Inneren, dass es stimmte, was Betty und Padma sagten. Aber zu wissen und zu glauben war nicht das Gleiche. Nachdenklich sah Skye aus dem Fenster in den wolkenverhangenen Himmel. Sie wusste, dass sie das nicht glauben wollte.

    „Mum, wo ist meine weiße Bluse?“, brüllte Skye ungeduldig durchs Haus.
    Die Stimme ihrer Mutter kam gedämpft von oben. „Sie hängt noch draußen zum Trocknen, sieh mal nach, ja?“
    Stöhnend schlurfte Skye aus ihrem Zimmer und schnappte sich ein paar Turnschuhe aus dem Schuhschrank. Draußen war es angenehm warm und Skye gähnte herzhaft, während sie zur Wäscheleine an der Hauswand lief, die von einer Hecke verdeckt wurde. Die Nacht der Quidditch-Weltmeisterschaft war schon ein paar Tage her, aber trotzdem fühlte sie sich noch schrecklich übermüdet.
    Schnell schnappte Skye sich die Bluse von der Wäscheleine und machte sich auf den Rückweg. Der Saum war noch immer etwas nass, also wedelte sie damit in der Luft herum, um ihn zu trocknen.
    Sie wollte gerade ins Haus gehen, als von hinten eine Stimme kam.
    „Zeitung ist da!“
    Ein braunhaariger Junge mit einem Bollerwagen im Schlepptau kam zeitungswedelnd in die Einfahrt gelaufen.
    „Ich kann sie gleich mitnehmen“, bot Skye an, und lief dem Jungen entgegen.
    „Gute Idee.“ Er drückte ihr eine Zeitung in die Hand und gerade wollte Skye sich wieder umdrehen, als er noch einmal etwas sagte. „Wir gehen doch auf die selbe Schule, nicht?“
    Sie drehte sich verwundert um. „Nun, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, wenn man bedenkt, dass es hier nur eine gibt“, antwortete sie.
    Der Junge schmunzelte belustigt. „Da hast du wohl recht. Ich habe dich schon mal im Gang gesehen.“
    „Das klingt komisch.“ Skye grinste.
    „Du weißt schon, was ich meine.“ Er nickte zu seinem Bollerwagen. „Ich muss noch ein bisschen weiter. Leider kriegt man beim Zeitungsaustragen keinen Stundenlohn. Aber vielleicht sehen wir uns ja mal.“
    „Ja, vielleicht. Viel Spaß, schätze ich mal“, erwiderte Skye.
    Sie sah dem Jungen mit den Zeitungen noch kurz nach, bevor sie wieder ins Haus trat. Noch nie hatte sie ihn irgendwo in der Schule gesehen - wahrscheinlich war er in einer höheren Stufe.
    „Zeitung ist da!“, rief sie nach oben zu ihren Eltern.
    Dann lief sie in ihr Zimmer, wo noch aufgeschlagene Bücher und Hefte auf dem Schreibtisch lagen. Aber denen schenkte Skye keine Beachtung und ließ sich lieber auf ihr Bett fallen. Noch immer gähnend tastete sie nach dem Buch, das Harper ihr geliehen hatte.
    Seit die Schule wieder angefangen hatte, verschlang Harper Bücher über soziale Strukturen und seltsame Ratgeber für überforderte Mütter. Und als ob das nicht genug wäre, nötige sie Skye dazu, diese Bücher auch zu lesen. Mittlerweile wusste sie mehr über das Lösen von Teenagerproblemen, als ihr lieb war.
    Mit Alice hatte sie in diesem Jahr noch kein einziges Wort gewechselt. Zwar lächelten sie sich höflich zu, wenn sie in den Gängen aneinander vorbeiliefen, aber Skye war mittlerweile zu einem wichtigen Entschluss gekommen: Warum sollte sie sich anstrengen?
    Eine Zeit lange hatte sie diese ganze Alice-Sache viel zu sehr beschäftigt. Dabei war es viel angenehmer, einfach zu machen, was man wollte.
    Schule war nicht da, um während des Unterrichts zu kichern und nur die neuen Schuhe einzulaufen. Skye hatte das verstanden. So lebte es sich um einiges leichter, da es sie einfach nicht mehr interessierte, was andere von ihr dachten. Und nicht nur das; es half ihr auch, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren und einen dieser Momente der Stille zu haben, von denen so viel in Harpers Büchern stand.

    Es war fast halb zwei, aber Skye war noch immer nicht eingeschlafen. Schon seit Stunden starrte sie an die hohe Zimmerdecke, rollte sich im Bett herum und hatte ihr Kissen sicher schon fünfmal auf die kühle Seite gedreht - doch nichts funktionierte. Skye hasste es, wenn sie zu viele Gedanken im Kopf hatte und diese alle hervorkamen, wenn sie schlafen wollte.
    Padma atmete leise und gleichmäßig neben ihr und hatte sich fast noch gar nicht bewegt. Aber selbst das hatte Skye nicht eingeschläfert.
    Sie seufzte leise und richtete sich auf. Natürlich wollte sie ihre Freundin nicht wecken, aber Skye war schrecklich langweilig. Ihr Zauberstab lag wie immer auf dem hölzernen Nachtschränkchen, dabei durfte sie ihn außerhalb von Hogwarts nicht einmal benutzen.
    Also entzündete sie eine Kerze und schob so leise wie möglich die Decke beiseite, um aus dem Bett zu steigen. Das flackernde Licht reichte gerade dafür, dass Skye nicht in die Kommode stolperte und langsam zur Tür schleichen konnte.
    Vor zwei Jahren hätte sie sich das noch nicht getraut; das Warrington-Anwesen war damals so beängstigend gewesen, manchmal hatte sie bei Nacht leises Flüstern oder knarzende Schritte in der Dunkelheit gehört. Aber jetzt hatte Skye die Angst vor solchen Dingen verloren, also drückte sie vorsichtig die schwere Eichenholztür des Gästezimmers auf, während Padma seelenruhig weiterschlief.
    Der Gang war in nächtliche Schwärze gehüllt, nur Skyes Kerze in der schmalen Goldhalterung spendete etwas Licht. Das Gästezimmer lag direkt neben der Treppe, an deren Geländer Skye sich langsam nach oben tastete. Trotz allem fühlte sich das Herrenhaus manchmal noch fremd für sie an. Und jetzt war es, als wäre sie dort ganz alleine.
    Im vierten Stock herrschte drückende Stille. Skye mochte es hier am liebsten; der mit Teppichen ausgelegte Boden und die hohen Wände erinnerten sie an Zeiten, in denen sie noch gar nicht geboren war.
    Sie beobachtete ihren Schatten, wie er an der Wand mit den prächtigen Bildern mit Generationen von Warringtons darauf vorbeihuschte. Außer ihrem leisen Atem war nichts zu hören und der Teppichboden dämpfte ihre vorsichtigen Schritte.
    Die kleine Hausbibliothek war verschlossen, ebenso wie die Ahnengalerie der Warringtons. Das war Skye auch lieber so. Erst vor kurzem hatte sie erfahren, dass das morsche Bettgestell dort drinnen dem altehrwürdigen Cyneweard Warrington gehört hatte. Es war sein Totenbett.
    Schnell vertrieb sie diesen Gedanken aus ihrem Kopf und lief weiter. Der vierte Stock war der höchste des Hauses am Mermaid‘s Pool. Betty hatte erzählt, dass hier am wenigsten verändert worden war.
    Am Ende des Ganges wartete eine breite Holztür auf sie, der Aufgang zum höchsten Turm des Anwesens. Skye war schon einmal mit Betty und Padma dort oben gewesen und es erinnerte sie ein wenig an den Astronomieturm in Hogwarts. Natürlich um einiges weniger hoch, aber trotzdem hatte man eine beeindruckende Aussicht.
    Also drückte sie die schnörkelige Messingklinke der Tür langsam nach unten, die den schmalen Treppenaufgang freigab. Im Gegensatz zu Bettys Türmchen musste man hier kleine Kletterkünste beweisen - es war eine einfache Wendeltreppe. Vorsichtig stieg Skye auf die erste Sufe und hielt die brennende Kerze so vor sich, dass sie einigermaßen sehen konnte, wohin sie trat.
    Die Treppe war schmal und steil, also tastete sie sich achtsam voran, um nicht zu fallen. Hier gab es keine Bilder oder Dekorationen, und nicht nur die Stufen und das Geländer, auch die Wände waren aus dunklem Holz.
    Das Licht der Kerze flackerte unter Skyes Atem, als sie oben angekommen war.
    Ein kühler Luftzug fegte über den Turm; Skye fröstelte es plötzlich in ihrem dünnen Pyjama. Hier oben sah es aus wie auf einer Aussichtsplattform der Muggel, zwar ragte über Skye eine Turmspitze in den Himmel, aber ein breites Geländer statt einer Wand, das jedoch irgendwann in festes Mauerwerk überging, erinnerte sie an einen Balkon. Der Mond stand hoch am Himmel und spiegelte sich in dem von hier oben pfützenartigen Mermaid‘s
    Pool.
    Der Anblick der hügeligen Wiesen zu Füßen des Anwesens erinnerte Skye wieder an Hogwarts. Die Ferien waren nun so gut wie vorbei und bald würde sie sich ans Packen machen müssen. Die Zeit am Mermaid‘s Pool war unglaublich schnell vergangen; Skye würde das mysteriöse Herrenhaus vielleicht sogar etwas vermissen, aber im Vergleich zu Hogwarts war es nichts. Ob es nun die hunderten Kerzen in der Großen Halle, die endlosen Gänge, der Gemeinschaftsraum oder die exzentrischen Lehrer waren; sie freute sich darauf wie ein kleines Kind.
    Manchmal fragte Skye sich, wie sie gelebt hätte, wenn eines stürmischen Nachmittags nie der Hogwarts-Brief in ihr Gesicht geweht worden wäre. Ein Leben ohne die magische Welt konnte sie sich gar nicht mehr vorstellen. Es war ihr Unterschlupf, ihre Flucht vor all den anderen Dingen. Magie war das Beste, das ihr jemals hätte passieren können.
    „Findest du es nicht etwas spät für einen nächtlichen Spaziergang?“
    Für einen törichten Moment dachte Skye, die uralte Seele einer verstorbenen Warrington war hinter ihr aufgetaucht. Aber dann erkannte sie die Stimme, was das Ganze nicht unbedingt besser machte.
    „Oh, ja, tut mir leid, ich -“ Skye wurde augenblicklich rot, als sie sich beschämt umdrehte.
    Vor ihr stand Mrs Warrington, die seltsamerweise noch immer den Umhang vom Vortag trug und nicht so wirkte, als hätte sie schon geschlafen.
    „Es ist nett hier oben, nicht?“, fragte sie, während sie langsam an das eiserne Geländer trat.
    Skye war es immer noch etwas peinlich, um diese Uhrzeit draußen erwischt zu werden. Plötzlich fühlte sie sich wie eine Einbrecherin, obwohl sie nichts Böses im Sinn gehabt hatte.
    „Ich konnte nicht schlafen“, nuschelte Skye kleinlaut und sah zu der hochgewachsenen Mrs Warrington auf.
    Sie hatte den Blick in den Himmel gerichtet und ihr dunkles Haar wehte in der nächtlichen Brise.
    „Das ist nicht verwunderlich“, antwortete Mrs Warrington. „Viele Fremde haben mit dem Schlafen hier Probleme. Ich anfangs auch.“
    Zum ersten Mal fiel Skye auf, dass Bettys Mutter gar keine echte Warrington war. Sie hatte nicht ihre Kindheit in diesem Anwesen verbracht und erst durch Heirat wurde sie Teil der Familie.
    „Warum?“, fragte Skye.
    „Angeblich wollen Geister der Ahnen nur Leute mit Warrington-Blut in ihren Adern hier leben lassen. Deswegen stören sie die Seelen der Fremden, um sie zu vertreiben.“
    „Padma scheint ziemlich immun dagegen zu sein“, bemerkte Skye.
    Mrs Warringtons Mundwinkel kräuselten sich belustigt. „So ist jeder anders.“
    „Mir gefällt es hier.“
    „Es ist sehr schön, nicht?“ Mrs Warrington ließ ihren Blick langsam über die Landschaft wandern. „Als Henry es mir erstmals gezeigt hat, war ich völlig aus dem Häuschen.“
    Neugierig horchte Skye auf. Mrs Warrington erzählte normalerweise nicht viel von ihrer Vergangenheit, geschweige denn ihrem Mann. All ihr Wissen darüber hatte Skye von Betty, aber die ganze Geschichte hatte sie nie gehört.
    „Ich bin eine Shafiq“, sagte Mrs Warrington so, als sollte Skye diesen Namen schon einmal gehört haben. „Für die meisten reinblütigen Familien sind solche Häuser kein Alltag.“
    „Das hat ein Freund von mir auch schon gesagt.“ Dabei dachte Skye natürlich an Jay, dessen Familie genau das Gegenteil der Warringtons zu sein schien.
    „Und du, Skye?“, fragte Mrs Warrington und sah sie mit einem eigenartig Blick an.
    „Ich?“
    „Manchmal fühlt es sich so an, als wärst du gar keine Muggelgeborene.“
    Skye runzelte verwirrt die Stirn. Wie hatten Muggelstämmige denn zu sein? „Bin ich aber“, versicherte sie schnell.
    Mrs Warrington schien sie unauffällig von der Seite zu mustern. Skye hatte schon immer Angst vor der Auffassungsgabe einer Aurorin gehabt. Natürlich würde sie ihrem Geheimnis nie auf die Spur kommen, aber selbst Misstrauen beunruhigte sie.
    „Weißt du, was ich gelernt habe?“ Mrs Warrington wandte sich zu Skye und ihre sturmgrauen Augen, die so anders waren als die von Betty oder Emma, musterten sie lange. „Sei niemals von deiner Gewöhnlichkeit überzeugt.“
    Skye erwiderte nichts darauf, da sie das Gefühl hatte, dass alles, was sie nun sagen könnte, falsch war.
    „Ich glaube, du solltest langsam wieder ins Bett gehen.“ Mrs Warrington löste sich plötzlich vom Geländer. „Deine Mutter würde sicherlich nicht gerne sehen, dass du so lange aufbleibst.“
    Meine Mutter, dachte Skye, meine Mutter würde sicherlich auch nicht gerne sehen, dass ich seit drei Jahren auf eine Schule für Zauberei gehe und nie etwas davon erzählt habe.
    „Ja“, antwortete sie aber stattdessen. Langsam wurde ihr wirklich ziemlich kalt.
    „Gute Nacht.“
    Mrs Warrington nickte ihr ein letztes Mal zu, bevor sie zur Treppe ging. Skye beobachtete sie dabei und atmete erleichtert auf, als sie nach unten verschwand.
    Jetzt standen zwei Dinge für Skye fest: Die Warringtons waren äußerst eigenartige Leute. Und von diesem Gespräch würde sie niemals jemandem erzählen.

    BILD: Die Tür zum höchsten Turm des Anwesens

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Kommentare (399)

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vor 3 Stunden
Lebt ihr noch? Ich mache mir langsam Sorgen...
Etwas seltsam: Da gibt es Tage an denen echt viel los ist und dann gibt es Tage, da ist wirklich nichts los...
vor 2 Tagen
@Halbiblu: Ah, deshalb! Wirklich schwer ist es nach einiger Zeit nicht mehr... Man gewöhnt sich daran...
Umgekehrt genauso xD

Ich bin irgendwie so ein Mensch, der immer Energie vorig hat. Ich finde auch schlafen unnötig... wo man doch etwas viel nützlicheres machen könnte!

Mit den Lernplänen hast du recht. Kennt ihr die Basisschrift? Wir lernen die nämlich.

Koala: Ja, muss ich wirklich! Ich werde dir dann mitteilen wie es gelaufen ist xD

Ist doch schön, wenn du es nicht so schlimm findest ^^ Bei unserer Klasse hat das Klassenlager schon Wunder bewirkt!
vor 2 Tagen
Ich verpasse euch immer so knapp!
vor 2 Tagen
Okay, Halbiblu war da, während ich getippt habe...

Du hast Recht, das Schulsystem ist beknackt... Die Idee soll ja wohl sein, dass die Länder Dinge ausprobieren sollen, und dann alle das übernehmen können, was funktioniert, aber irgendwie versteift sich nur jeder in sein eigenes Ding, keiner schaut über den Tellerrand, alle wollen Recht haben.

In den USA finde ich es aber noch krasser, da sind die Noten teilweise anders, das F heißt teilweise E oder U. Und im UK ist Schottland der "Sonderling", der sein eigenes Süpplein kocht...
vor 2 Tagen
@Serial Reader: Ich tippe auf Unsicherheit auf beiden Seiten, ihrer und deiner. Klar, ihre Beschreibung klang ein bisschen, als könnte man in NRW mit Plätzchen-backen und Stricken durch's Abi kommen, Integralrechnung nicht erforderlich, aber was soll's? Das hat sie sicher nicht so geschrieben, um uns runter zu machen, auch wenn es ihr sicher einen kleinen Confidence boost (Wortfindungsstörung, wie heißt das auf deutsch???) gegeben hat. Und sei ehrlich, bei uns wird doch auch gemault, dass es auf der Gesamtschule leichter wäre. Jeder, der in NRW ein Gymi besucht kennt doch jemanden oder hat von jemandem gehört, der auf die Gesamtschule gewechselt hat, um bessere Noten zu kriegen. Und trotzdem hat meine Mutter es mit ihrem Gesamtschul-Abi nach Oxford geschafft...

@Leonie: Ich weiß, keiner möchte bemitleidet werden, und ich bemitleide dich auch nicht, aber mir tut es trotzdem leid, dass das Schicksal dir so miese Karten zugeteilt hat.

Ich kenne auch ein Mädchen, dass Latein als "erste" Fremdsprache hatte, obwohl sie schon Englisch in der Grundschule hatte. Muss an unserem Substandard-Matheunterricht liegen, dass nicht mal die Lehrer zählen können! xD

@Liliana: Glückwunsch zu deiner deutschen Eins Minus! Eigentlich müsstest du das mal machen, deinen Eltern erzählen, du hättest eine 1 oder 2, statt einer 5 oder 6, und dann sagen: aber eine Deutsche! Ich lerne Fremdsprachen im Internet.

Mit dem Internatsleben hast du Recht. In England gibt es mehr Internate als hier, glaube ich, jedenfalls war es da ziemlich normal, dass Schüler auf ein Internat gingen, teilsweise schon im Grundschulalter, und viele Erwachsene waren Internatsschüler und schwärmen davon, dass das die beste Zeit ihres Lebens gewesen wäre und sie da ihre Freunde für's Leben gefunden hätten.

Trotzdem bin ich nicht so traurig, dass meine Eltern sich dagegen entschieden haben, mich auf's Internat zu schicken. Das war lange Thema, wegen ihrer Arbeit (lange Arbeitszeiten und viele Reisen). Wobei das wahrscheinlich ist, wie mit der Schuluniform: Gewöhnungssache. Wobei ich meine Eltern mehr vermissen würde, als meinen Blazer!

@Halbiblu: Wie war der Herbstball???
vor 2 Tagen
Nachtrag: Ich wollte fragen, wie das bei euch in Hessen mit den verschiedenen Zweigen ist @Leonie. (Da gibt es wahrscheinlich auch Unterschiede von Schule zu Schule.)
vor 2 Tagen
@Liliana: Achso, ich dachte, dass ihr das auch in der Schule habt, wegen dem italienischen Teil und so. Ist es nicht kompliziert, von Schweizerdeutsch auf das „normale“ umzusteigen?
Nein, wir haben kein Italienisch. Ich bin auch auf dem naturwissenschaftlichen Zweig, sonst könnte ich es aber wählen.
Das mit den Noten ist ja echt verwirrend für uns Deutsche. xD

Ich finde, dass Internate nicht so schlimm sind, wenn die Eltern nicht schrecklich weit weg wohnen. Ich konnte sie damals öfter an Wochenenden und natürlich in Ferien sehen, außerdem gibt es Dinge wie Facetime usw., also war das Heimweh nicht so groß. Wir hatten auch Einzelzimmer, also kein Hanni-und-Nanni-mäßiger Spaß; ich persönlich brauche nach einem langen Tag sowieso meine Ruhe, um „aufzuladen“, könnte man sagen, deswegen war mir das gerade recht so.
Aber wenn die Eltern mehrere Stunden entfernt in einem ganz anderen Ort wohnen, würde ich auch nicht ins Internat gehen. Da bräuchte ich schon (Hogwarts-) Magie, um mich überzeugen zu lassen. :)

@Leonie: Bei uns ist das mit den Fremdsprachen so ähnlich, wir haben aber der dritten Englisch und Ende der fünften wird der Zweig gewählt, sprachlich oder naturwissenschaftlich. Mein Internat war eines mit Schwerpunkt in Naturwissenschaften, also musste ich auf der öffentlichen Schule logischerweise in den passenden Zweig kommen. Im Gegensatz zu manch anderen habe ich diese Entscheidung noch nicht bereut, sonst würde ich Latein und Französisch wahrscheinlich ständig verwechseln. xD
Hier gibt es nur eine Fremdsprache (Französisch) und die Sprachler haben Latein, können dann später noch Französisch und irgendwann Italienisch wählen. Dafür haben sie dann natürlich weniger Chemie, Bio und Physik.
Wie ist das bei euch in Hessen?

@Cereal: Natürlich nicht, dazu habe ich doch gar keinen Grund.
Wie gesagt habe ich selbst Familie in NRW und das sind nur Erzählungen, jede Schule macht natürlich gerne ihr eigenes Ding. Außerdem habe ich „Klischees“, nicht Fakten geschrieben und wollte lediglich aufzeigen, wie unterschiedlich Lehrpläne sein können, was schließlich ziemlich hirnrissig ist. Ich dachte, die Meinung, dass das deutsche Schulsystem echt beknackt ist, teilt man in allen Bundesländern. Mehr wollte ich nicht damit sagen.(Schließlich ist es nicht sehr schlau ist, überall so verschiedene Lehrpläne zu haben.)
Falls du dich davon angegriffen gefühlt hast, entschuldige ich mich, schließlich war das nicht so gemeint.
vor 2 Tagen
@Leonie: Es war schön meine Freunde wieder zu sehen und wir hatte uns auch so einiges zu erzählen! Und nein, du darfst stolz auf mich sein: da war ne -6 dabei!

Ich habe erst in der sechsten mit Latein begonnen. Und das ist ja auch noch so was besonderes, da ich da eben irgendsoein spezielles Ding habe.. schwer zu beschreiben...

Ich glaube, ich würde in den Ferien schon nach Hause gehen wollen.... Natürlich, hat man ein wenig Heimweh, aber du hast danach höchstwahrscheinlich ein „Bündnis“ zu deinen Freunden, das du in einer normalen Schule nur schwer bekommst...
vor 3 Tagen
@Halbblutprinzessin: Bist du einfach unsicher oder willst du bewusst uns aus NRW beleidigen? Oder warum musst du so darauf rumreiten, dass ihr angeblich besser seid in Bayern? Das hätte ich nicht von dir erwartet!
vor 3 Tagen
Wie war der erste Tag nach den Ferien, Liliana? Keine 1er, hoffe ich! 😉 Bei mir lief's ganz gut...

Wir lernen Englisch ab der dritten Klasse, dann auf der weiterführenden Schule geht es meistens mit Englisch weiter. Ab der 7 dann die zweite Fremdsprache, oft Französisch oder Latein, ab der 9 und ab der 11 kann man auch eine Fremdsprache als Wahlfach nehmen, oder was anderes... Aber an manchen Schulen haben die auch was anderes ab der 5, z.B. gibt es hier im Ort eine Schule, die machen Latein ab der 5. Kann man das dann noch als erste Fremdsprache bezeichnen? 🤔😆

Ich denke immer, dass viele das unterschätzen, wie schwer es ist, auf einem Internat so weit weg von Zuhause und den Eltern zu sein. Ich meine, wenn du das hier so beobachtest, alle meinen immer, sie würden unbedingt nach Hogwarts wollen und sie würden Weihnachten natürlich auch da verbringen usw. Als wenn es sowas wie Heimweh nicht gäbe...

Ehrlich, meine Mutter ist... Und trotzdem vermisse ich sie manchmal. Nicht nur das Wunschbild von einer Mutter, sondern die echte Person. Meine Mutter, nicht eine Mutter. Falls man das verstehen kann.
vor 4 Tagen
@Halbiblu: Immerhin meldest du uns das und lässt uns nicht ahnungslos verharren. Und deinem Vater dann mal herzliche Glückwünsche meinerseits!

Cool! Ich würde auch gerne mal auf ein Internat gehen... Früher habe ich mir das total Horror-mässig vorgestellt, aber das hat sich spätestens dann geändert, als ich Hanni und Nannni gelesen habe... Die hatten eine MEHRSTÖCKIGE BIBLIOTHEK?!?!?! Ich will da hin!

Bei uns ist das glaub sogar so, das einige aus dem Nachbarskanton einfach in der dritten mit Französisch beginnen und in der fünften mit Englisch und die aus dem Kanton nebenan, in der dritten Englisch und in der fünften Französisch.

Nein, hab ich nicht... Du? Französisch lernen wir, da man es bei uns eben spricht. Deutsch auch und weil wir eben so schreiben. Wir lernen Deutsch schon in der ersten und müssen es im Unterricht auch immer sprechen. Englisch lernen wir, weils einfach so ziemlich die wichtigste Sprache ist. Und Schweizerdeutsch können wir schon. Für mich ist das wie für dich: seltsam. Es ist eben total anders als man es sich gewohnt ist.

Only to your Information: Ich war mal wieder elf Minuten nach dir da xD

@Alle: Bei mir beginnt die Schule morgen wieder... Drückt mir die Daumen, das ich gute Noten habe!
vor 4 Tagen
Ja, ich weiß, diese Woche gab es kein neues Kapitel? Warum? Aus Zeitgründen! Ich würde es ja morgen schreiben, aber da hat mein Vater Geburtstag. Trotzdem beeile ich mich. :)

Wenn wir hier schon über Schule reden, haue ich mal einen kleinen Fun Fact über mich raus: Ich war mal auf einem privaten Internat! (Es ist sogar recht bekannt, vielleicht habt ihr mal davon gehört - logischerweise posaune ich jetzt aber nicht den Namen herum.)
Hogwarts, dies das, ich weiß, aber die Wirklichkeit ist dann doch etwas anders. Natürlich bei weitem nicht so . . . magisch!
Obwohl der Großteil der Schülerschaft nicht gerade arm war, habe ich keinen wirklichen Snob kennengelernt. Die meisten wahren ziemlich cool und haben eingesehen, dass das Geld nicht ihnen, sondern ihren Eltern gehört.
Dann sind wir aber umgezogen, die nächste Privatschule war zu weit weg und es gab eine öffentliche in meinem Dorf. Das fand ich dann total super (weil ich irgendwie dachte, dass das so eine Schule wie in den amerikanischen Filmen ist) und so habe bei eigenem Leibe ich den direkten Vergleich erlebt. (Klar, Internat und normale Schule ist unterschiedlich.) Natürlich hat so eine Privatschule Dinge wie größere Sportanlagen, ein schöneres Gebäude (das war so richtig alt), eine bessere Aussattung (es gab einfach eine mehrstöckige Bibliothek) und coolere Wahlfächer, aber so eine öffentliche Schule ist auch gut. Die Lehrer sind weniger streng, jeder macht irgendwie, was er will, man muss keine Gespräche führen, um überhaupt angenommen zu werden, und es gibt keine Kleiderordnung (das ist wahrscheinlich das Beste). Ich vermisse aber die Sauberkeit. :)
Und in der öff. Schule dürfen wir keine Handys benutzen.
Ich könnte jedoch nicht sagen, welche ich lieber mag.


@Cereal: Ja, das sind halt eben so die Klischees . . . Die Lehrpläne sind auch recht verschieden, meine Verwandten in NRW haben Dinge teilweise zwei Jahre später als ich durchgenommen.

@Liliana: Das schweizer System fand ich ja schon immer irgendwie lustig. xD Hast du auch Italienisch in der Schule?

@Koala: Früher war ich eher andersherum verwirrt und habe nicht verstanden, dass public schools in der US was anderes sind . . .
vor 4 Tagen
PS: Schon wieder ne Viertelstunde!
vor 4 Tagen
@Cereal: Ja, stimmt schon. Und in den Büchern beklagen sich die immer, das ihre Schuluniformen total hässlich sind und so!

Dann viel Spass dir! Hört sich cool an!
vor 4 Tagen
Irgendwie fänd ich es cool, wenn wir Schuluniformen hätten... Keine Ahnung, irgendwie sieht das immer schick aus, wenn man das so sieht! 😄

Ich fahre übrigens morgen an die Nordsee zu so einem Ferienlager/Kur. Keine Ahnung, ob ich dann on kommen kann.
vor 5 Tagen
@Koala: Also wir sprechen 5-, als „fünf bis“ aus. Eine 5-6 spricht man demnach „fünf bis sechs“ und eine -6 „bis sechs“.

Interessant! Das E haben sie wohl einfach vergessen... Armes E... xD

Das ist doch schön!

Finde ich auch... aber es geht eben einfach wirklich ums angewöhnen...

Das ist dann schon irgendwie fast ein wenig krank... Fast so wie dieses Reinblut-Muggelstämmig Verhältniss...

@Leonie: Ja, da könnte wohl wirklich jeder aufs Gymi gehen...

Wie schon gesagt: Wirklich interessant wie unterschiedlich das ist!

@Leonie, Cereal und Koala: Tigerin und Halbiblu werden schön viel zu lesen haben...

PS: Zu kommentierende Kommentare, welche zum kommentieren kommentiert wurden, kommentieren wir mit kommentierbaren Kommentaren zum kommentieren, der kommentierbaren Kommentare, kommentierter Kommentare.
vor 5 Tagen
*ich...
vor 5 Tagen
@Koala: Ja, och hab mich um ne Viertelstunde verspätet...
vor 5 Tagen
Ich habe bewusst noch ein bisschen gewartet, damit ich nicht wieder verpasse, falls ich gleichzeitig mit Liliana on bin.
vor 5 Tagen
@Liliana: Wie spricht man denn dieses -6? Minus 6 kann es ja nicht sein...

In England ist das mit den Noten so, dass es die Buchstaben von A bis G gibt und das U für Nicht bestanden. Aber alles außer A bis C ist de facto auch nichts. Und es gibt noch das A*, für besonders gute Leistungen.

In Amerika ist es mit der Benotung in den meisten Staaten so, dass es A, B, C und D jeweils mit + und - gibt, und dann ein F für failed. Kein E dazwischen.

Ich bin froh, dass ich mich an meine Zeit in London bewusst erinnern kann, aber ein Umzug ist ja auch nicht das Gleiche, wie eine Trennung der Eltern. Manchmal vermisse ich London auch, mein Leben da, aber ich sehe meine Freunde von da auch immer noch zwei bis dreimal im Jahr und mein Leben hier ist auch nicht schlecht.

@Leonie: Am Anfang fand ich es überhaupt nicht gut, dass hier in Deutschland keine Schuluniform getragen wird. Inzwischen ist es mir eigentlich egal. Ich glaube, es ist ein bisschen eine Frage der Gewöhnung. Ich glaube, jeder kennt ja die Argumente für und gegen einheitliche Schulkleidung, und ich finde beide Seiten vertretbar.

Dass die Privatschulen in England public schools heißen ist historisch bedingt. Früher war es nämlich so, dass Schulen oft nur einer bestimmten Gruppe zugänglich waren, z.B. Angehörigen einer Religion, oder es gab private schools, die von Leuten betrieben wurden, um damit Geld zu machen. Die public schools (oft wird der Begriff auch nur für die besonders prestigeträchtigen Schulen wie Eton oder Westminster verwendet), standen jedem offen, der sie bezahlen konnte. Man kann auch independent school sagen, aber das verwirrt meinen Vater nicht so schön!

Oh, von solchen "engagierten" Eltern kann ich auch Stories erzählen! Besonders schlimm sind die, wenn sie selbst schon auf der Schule waren und daher meinen, sie und ihr Nachwuchs wären besser als die "Neuen", was Schüler und Lehrer betrifft, wenn sie nicht schon da waren, wenn die Eltern dort zur Schule gingen.