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Doppelgänger / BTS - Got7 - Fanfiktion (V, Jackson)

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39 Kapitel - 64.926 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 8.893 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.2 von 5.0 - 5 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 12 Personen gefällt es

Eigentlich wolltest du nur einen harmlosen Ausflug nach Seoul machen, doch du wirst von deinen Freunden getrennt und mit der Geliebten eines der größten Drogendealers Koreas verwechselt…

    1
    Zwanzig Minuten Verspätung. Oh man, nervig. Du stehst mit deinen zwei besten Freunden am Bahnhof in Gwangju und wartest auf den Nachtbus, der euch nach Seoul bringen soll.
    „Soll ich uns noch einen Kaffee kaufen?“, fragt Kia.
    Sora schüttelt ihren Kopf: „Lieber nicht, ich will im Bus schlafen.
    „Und was ist mit dir, dN (= dein Name)?“
    „Ich hätte gerne einen! Bring mir bitte ‘nen großen Americano mit!“
    Kia zwinkert dir zu und stürzt sich in die Menschenmenge, die sich um einen Kiosk in der Nähe der Gleise gebildet hat. Für elf Uhr nachts ist hier noch einiges los.
    Sora lässt sich seufzend neben dir auf einen Sitzplatz fallen: „Na, freust du dich schon auf Seoul?“
    Du zuckst mit den Schultern: „Ich weiß nicht. Ja doch, irgendwie schon. Aber so begeistert wie Kiki Bin ich nicht.“
    Sora fängt an zu grinsen: „Das ist auch unmöglich. Von allen Städten, die wir besuchen, ist Seoul ihre liebste.“
    „Sie hat sich wahrscheinlich schon entschieden.“
    „Gut möglich. Aber du auch, oder?“
    Du überlegst. Seit knapp zwei Wochen reist ihr durch Südkorea und schaut euch die größten Städte des Landes an. Einerseits wolltet ihr schon lange zu dritt verreisen, andererseits fangt ihr im Oktober an zu studieren und wollt euch davor noch die unterschiedlichen Unis anschauen. Kia redet schon seit eurem Abschluss davon, dass sie in Seoul studieren will und deine Eltern meinen, die Hochschule in Busan wäre das Beste für dich. Nur Sora ist völlig planlos, wo sie nach den Ferien anfangen soll.
    „Ich bin mir nicht hundert Prozent sicher“, meinst du.
    Sie nickt verständnisvoll: „Wir haben ja noch ein bisschen Zeit, um uns zu entscheiden.“
    Du willst nicht weiter über deine Zukunft reden und Sora scheint das zu bemerken, weil sie dich nichts mehr darüber fragt. Ihr schweigt, bis sie nach einer Weile sagt „da ist Kiki“ und auf eine Person deutet, die sich durch die Menschenmenge schlängelt. „Hm, wo hat sie denn den Kaffee? “
    Sofort erkennst du ihren roten Lockenkopf zwischen den Leuten. Kia färbt sich ihre Haare schon so lange, dass du gar nicht mehr weißt, wie eigentlich ihre natürliche Haarfarbe aussieht.
    „DN, du musst mir Geld leihen!“, ruft sie dir von weitem entgegen.
    Doch als du in dein Portemonnaie schaust, bemerkst du, dass du auch nur noch wenige Münzen besitzt.
    „Ich hab auch keins mehr“, sagst du, sobald Kia wieder bei euch ist.
    Du siehst dich in der Bahnhofshalle um und entdeckst einen Geldautomaten.
    Als du ihn den anderen zeigst, schüttelt Kiki nur ihren Kopf: „Hab meine Karte überzogen. Ich kann erstmal nichts abheben.“
    Du grinst: „War ja klar, dass dein Konto diesen Trip nicht überlebt.“
    Kia öffnet ihren Mund, um etwas zu erwidern, aber Sora unterbricht sie, indem sie losprustet. Du schließt dich ihrem Lachen an und schließlich muss auch Kiki kichern.
    Immer noch grinsend läufst du zu dem Automaten, um ein paar hundert Won abzuheben.
    Statt einen vierstelligen Pin-Code einzugeben, wirst du aufgefordert, deine Identität durch Fingerabdruck zu bestätigen.
    Verrückt. In meinem Heimatsdorf gibt‘s sowas nicht.
    Doch tatsächlich spukt der Automat die Geldscheine aus, sobald du deinen Daumen auf den Touchscreen drückst.
    An dem Kiosk kaufst du zwei Kaffees und danach macht ihr euch auf den Weg zu der Bushaltestelle direkt neben dem Bahnhof.
    Hier sind deutlich weniger Leute.
    Nach zehn Minuten kommt ein großer Bus und parkt direkt vor euch. Einige Menschen steigen aus. Als ihr dem Busfahrer eure Tickets vorzeigt, schüttelt der nur seinen Kopf: „Eure Namen stehen nicht auf der Liste.“
    „Was?“, du machst große Augen „das kann nicht sein.“
    „Schauen Sie noch einmal nach“, fordert Kia ihn auf. Sora boxt sie in die Seite: „Bleib freundlich!“
    „Tut mir leid, Mädchen“, meint der Busfahrer, nachdem er weiteres Mal die Teilnehmer durchgegangen ist.
    „Aber ich hab gestern gebucht und sogar eine Bestätigung bekommen“, sagst du und hältst ihm einen weiteren Zettel hin.
    Er schaut ihn sich genauer an: „Tatsächlich … hm, ich ruf mal in der Zentrale an.“
    „Machen Sie das!“, Kia verdreht ihre Augen „die werden uns ja hoffentlich nicht vergessen haben.“
    Nachdem der Fahrer kurz telefoniert hat, wendet er sich wieder euch zu: „Anscheinend wurdet ihr spontan noch auf einen anderen Bus umgebucht. Der hier ist schon voll.“
    Du schaust an ihm vorbei in den halbleeren Bus: „Ähm … okay. Und wann kommt dann der andere?“
    „Er sollte auch gleich da sein.“
    Ihr drei schaut euch an und Sora sagt: „Na gut, dann warten wir eben noch.“
    Und tatsächlich kommt nach wenigen Minuten ein kleines Busshuttle, auf dem in leuchtenden Buchstaben SEOUL steht.
    Ohne euch nur eines Blickes zu würdigen oder eure Tickets zu kontrollieren, lässt euch der Busfahrer einsteigen. Ihr seid die einzigen hier und sobald ihr sitzt, fährt das Shuttle los.
    Die Luft ist stickig und du wirst sofort müde. Da hat der Kaffee wohl nicht viel gebracht.
    „Ist ja cool! Ein ganzer Bus nur für uns allein“, freut sich Kia.
    „War ja klar, dass du das super findest. Mir kommt das alles ein wenig seltsam vor“, meint Sora und schaut sich erneut um.
    „Ach quatscht. Du hast zu viele Verschwörungstheorien gelesen. DN, was meinst du? Ist es nicht mega, dass wir allein hier sind?“
    Du willst eigentlich nicht zwischen die Fronten gelangen, stimmst aber Kiki zu: „So kann ich wenigstens in Ruhe schlafen.“
    Der Fahrer lässt – ähnlich wie in einem Taxi – eine Trennwand herunter und nun seid ihr vollkommen unter euch in dem hinteren Teil des Shuttles.
    Es wird immer wärmer in dem kleinen Bus.
    Auf einmal kannst du kaum noch wach bleiben und kuschelst dich in einen der Sitze. Kia ist bereits eingeschlafen.
    Nun gähnt auch Sora: „Vielleicht mache ich auch ein kurzes Nickerchen.“
    Die Hitze wirkt erdrückend und innerhalb weniger Sekunden bist du tief eingeschlafen.


    Du hast einen seltsamen Traum….
    „Ist sie das?“, fragt eine tiefe Stimme.
    „Ja, ich bin mir ganz sicher.“
    „Okay, dann nehmen wir sie mit.“
    „Und was machen wir mit den anderen?“, eine dritte Person spricht.
    „Keine Sorge. Wir kümmern uns um sie.“
    Oder träumst du überhaupt….


    Als du aufwachst, hast du starke Kopfschmerzen und dein Hals ist sehr trocken. Du brauchst unbedingt Wasser. Vorsichtig tastest du nach links, wo dein Rucksack liegen sollte, aber du greifst ins Leere. Deine Augen können sich kaum an das helle Licht gewöhnen. Ist es etwa schon morgen? Wie lange habe ich geschlafen? Sind wir schon in Seoul? Du versuchst dich aufzurichten, aber dir ist zu schwindelig.
    Eine Weile konzentrierst du dich nur auf deinen Atem. Als du dich stark genug fühlst, setzt du dich hin. Endlich kannst du dich umschauen und dein Herz beginnt zu rasen. Wo bin ich?
    Alles um dich herum ist schneeweiß. Du liegst auf einem Bett in einem kleinen Raum, der sonst nichts beinhaltet. Du bist vollkommen allein.
    Dein Kopf pocht und dir wird wieder schwindelig. Das ist nicht echt. Das kann einfach nicht echt sein.
    Alles dreht sich um dich herum, du kippst nach hinten weg und wirst ohnmächtig.


    Du spürst ein feuchtes Tuch auf deiner Haut und endlich wird es kühler.
    Wenn ich jetzt meine Augen aufmache, bin ich in dem Shuttle und neben mir sind Kia und Sora, versuchst du dich zu beruhigen.
    Du atmest tief ein und aus.
    „Bist du wach?“, fragt dich jemand.
    Aber die Stimme gehört weder Kia noch Sora, sondern einem fremden Mann. Wieder beginnt dein Herz schnell zu schlagen.
    Der Unbekannte tupft dir den Schweiß von der Stirn und du zwingst dich, ruhig zu bleiben. Ich muss träumen.
    Eine Zeit lang hörst du ihm zu, wie er im Raum umherläuft.
    Dann öffnest du vorsichtig deine Augen.

    2
    „Wasser“, krächzt du.
    Dein Hals schmerzt so sehr, dass du das Wort kaum über deine Lippen bringst.
    Der Unbekannte nickt und reicht dir eine Flasche.
    Gierig trinkst du sie in wenigen Schlucken aus.
    Sobald dein Durst gestillt ist, traust du dich den Fremden zu mustern. Er starrt dich mit großen braunen Augen an; er ist groß, sportlich, vielleicht so Mitte zwanzig und hat dunkle wuschelige Haare. Trotz der seltsamen Situation fällt dir auf, wie gut er aussieht. Das macht dich nur noch nervöser.
    Du räusperst dich: „Wo bin ich? Was mache ich hier?“
    „Sheila, du bist im Hauptquartier der Chil Sung Pa.“
    „Was?“ Sheila, Chil Sung Pa? Von was spricht er?
    „Wo ist Baekhyun?“ Hä.
    „Ähm keine Ahnung. Wo sind denn Sora und Kiki?“, fragst du vorsichtig und zwingst dich, ruhig zu bleiben.
    „Wer?“, er zieht seine Augenbrauen hoch.
    „Die beiden Mädchen, die mit mir im Bus waren.“
    „Oh die“, er zögert „die mussten wir loswerden.“
    „Loswerden?“, deine Augen weiten sich.
    „Ist das ein bescheuerter Witz?“, du wirst hysterisch „Wo sind die versteckten Kameras?“
    Der Unbekannte schaut dich durchdringend an und spricht ganz ruhig: „Sheila, du weißt doch, wie das hier ablaufen wird. Du sagst uns, wo Baekhyun ist und wir lassen dich gehen.“
    Du springst auf und stößt ihn nach hinten. Ich muss hier raus. Hilfesuchend schaust du dich im Raum um. Auf der anderen Seite ist eine Tür.
    Du willst darauf zu rennen, doch der Unbekannte stellt sich dir sofort entgegen: „Sheila, beruhig dich!“
    „Ich heiße nicht Sheila!“, schreist du und trittst ihm auf den Fuß; er zuckt zusammen, schaffst es aber dennoch, dich am Arm zu packen und festzuhalten.
    Dein Herz klopft wie wild und das Adrenalin schießt dir in die Venen. Du schlägst um dich und schließlich lässt er dich los. Sofort rennst du zur Tür, öffnest sie mit zitternden Händen und sprintest durch den Gang, der hinter dem kleinen Raum liegt, in dem du gerade noch warst. Hinter dir hörst du den Fremden irgendwas auf Chinesisch schreien, aber du läufst einfach weiter. Ich muss hier weg.
    Auf einmal packt dich jemand von hinten. Du spürst noch ein Stechen in deinem Arm, dann wird dir schwarz vor Augen.


    Ein plötzlicher Schmerz.
    „Wach auf!“
    Deine Wange brennt. Irgendjemand muss dich geohrfeigt haben. Du schaust dich um und stellst fest, dass deine Arme und Beine an einen Stuhl gefesselt sind. Als du anfängst zu schreien, schlägt dir jemand auf die andere Wange. Du schluchzt und Tränen laufen dir dein Gesicht herunter.
    „Fang jetzt nicht an zu heulen!“ Eine bekannte tiefe Stimme.
    Du musterst den Mann, der vor dir steht, kannst ihn aber nicht einordnen.
    Er zieht einen Stuhl zu sich heran und setzt sich dir direkt gegenüber: „Also Sheila, wo ist Baekhyun?“
    „Ich bin nicht Sheila“, stotterst du.
    Dein Gegenüber verdreht die Augen: „Natürlich nicht… Kleine, jetzt hör mir mal zu“, er bringt dein Gesicht so nah an deins, dass du seinen schlechten Atem auf deiner Haut spürst „du sagst uns, wo Baekhyun ist, dann passiert dir nichts. Andererseits ….“, er verstummt und deutet nur auf seinen Gürtel.
    Als du daran eine Waffe erkennst, verschluckst du dich und fängst an stark zu husten.
    Er verdreht erneut die Augen: „Wie kann Baekhyun nur so ein Weichei zu seiner Partnerin machen. Du weinst ja, sobald du ‘ne Pistole siehst.“
    Du starrst ihn an, sprachlos und versuchst deine Tränen zu unterdrücken. Baekhyun. Diesen Namen hast du nun schon so oft gehört, aber du hast keine Ahnung, wer das ist. Dein Gegenüber lehnt sich in seinem Stuhl zurück „die meistgesuchte Frau Südkoreas“ er mustert dich von oben bis unten „ist so eine Heulsuse.“ Er schüttelt seinen Kopf und grinst hämisch: „Wie einfach es war, dich zu fassen.“
    „Das stimmt nicht“, deine Stimme zittert.
    „So?“, er zieht seine Augenbrauen nach oben.
    Du atmest tief durch, du musst das Missverständnis irgendwie auflösen: „Mein Name ist dN, ich bin aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Andong und wollte in Seoul nur Urlaub machen.“
    „Langsam habe ich keine Geduld mehr“, er fängt an zu schreien „du Miststück sagst mir jetzt, wo Baekhyun ist.“
    Als er mit seiner Hand weit ausholt, schließt du deine Augen und drehst deinen Kopf zur Seite, um den Schlag nicht mit voller Wucht abzubekommen.
    Aber plötzlich ruft jemand „Yong, lass das“ und du schaust auf. Dein Gegenüber hat mitten in der Bewegung innegehalten und sich von dir weggedreht.
    Auf der anderen Seite des Raumes steht eine Person im Türrahmen, die dir vertraut vorkommt: es ist der junge Mann mit den wuscheligen braunen Haaren.
    Du schluckst. Er muss dich vorhin betäubt haben, als du weggelaufen bist.
    „Lass uns allein“, blafft er Yong an, welcher sofort aufsteht und den Raum verlässt.
    Der Fremde mustert dich eine Zeit lang, dann sagt er vollkommen ruhig: „Ich binde dich jetzt los. Wenn du wieder versuchst wegzulaufen, breche ich dir die Beine. Verstanden?“
    Du starrst ihn an und wünscht dir, dass Yong wiederkommt. Der war dir irgendwie lieber.
    „Ob du verstanden hast?“, fragt er dich und beugt sich zu dir hinunter. Seine großen braunen Augen starren dich eindringlich an.
    Schnell nickst du und er schneidet die Kabel durch, mit denen deine Hände und Beine zusammengebunden waren.
    Er setzt sich auf den Stuhl, auf dem vor wenigen Minuten noch Yong saß: „Sheila –“
    Du seufzt. Schon wieder dieser Name. Wer soll das sein? Er hält inne und schaut dich an.
    Du realisierst, dass er denkt, du wolltest etwas sagen, also wiederholst du noch einmal, was du bereits Yong gesagt hast: „Mein Name ist dN, ich bin aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Andong und wollte in Seoul nur Urlaub machen.“
    Zu deiner Überraschung fängt er zu lachen an.
    Dir laufen erneut Tränen die Wangen hinunter. Niemand wird mir hier glauben.
    Als der Unbekannte bemerkt, dass du weinst, holt er ein Taschentuch aus seiner Jacke und tupft damit vorsichtig über dein Gesicht: „Schschh Sheila, solange du kooperierst, wird dir nichts passieren.“
    Du stößt seine Hand weg: „Ich bin nicht Sheila.“
    Er starrt dich an: „Lass doch die Spielchen.“
    „Ich spiele nicht“, du wirst hysterisch „Ich wollte mit meinen zwei besten Freunden nach Seoul, um die Uni da anzuschauen. Dann schlafe ich im Bus ein und sobald ich wieder aufwache, bin ich hier. Gefesselt und –“
    „Die beiden Mädchen, die bei dir waren“, unterbricht er dich „sind das deine Freunde, von denen du sprichst?“
    Du nickst und fängst wieder an zu schluchzen.
    Er mustert dich wieder: „Ich werde jetzt jemanden anrufen. Solange ich spreche, hältst du die Klappe. Alles klar?“
    Bevor er antworten kann, holt er ein Handy aus seiner Hosentasche, tippt eine Nummer ein und legt seine andere Hand auf deinen Mund, sodass du keinen Ton von dir geben kannst.
    Nach wenigen Sekunden hebt jemand ab und der unbekannte Typ fängt an auf Chinesisch zu sprechen. Irgendwann wechselt er zu Koreanisch und endlich verstehst du etwas.
    „Das kann nicht … nein … wie soll … “, schließlich schreit er „das darf nicht wahr sein!“
    Wütend legt er auf und starrt dich an. Er atmet schwer. Anscheinend überlegt er sich, was er als nächstes tun soll. Dein Herz schlägt schnell und dein ganzer Körper zittert.
    Er schaut sich wie ein gehetztes Tier um und nach einer Weile schiebt er sein Oberteil nach oben, um seinen nackten Oberkörper zu entblößen. Entsetzt schaust du ihm zu. Was ist jetzt los? Doch dann siehst du, dass irgendetwas mit Klebeband an seiner Brust befestigt ist. Er dreht sich um und man hört ein reißendes Geräusch. Du zuckst zusammen. Was auch immer an seinem Oberkörper geklebt hat, hat er gerade runtergerissen. Er wendet sich wieder dir zu und hält dir etwas ins Gesicht. Es dauert eine Weile bis du realisiert, was er da in der Hand hält. Es ist eine Polizeimarke.
    „In drei Minuten verschwindest du von hier. Die nächste Tür rechts, dann zweimal links. Danach musst du durch einen Schacht am Boden in die Kanalisation und bei der nächsten Gelegenheit auf die Straße raus. Verstanden?“
    Du nickst und er stürmt aus dem Raum.
    Verwirrt schaust du ihm nach und wiederholst innerlich immer wieder die Wegbeschreibung, die er dir gerade gegeben hat. Soll ich ihm vertrauen? Wie viel Zeit ist schon vergangen? Schließlich stehst du auf und streckst dich. Dein Körper schmerzt, da du so lange gesessen bist. Dein Herz schlägt immer schneller und deine Hände zittern. Draußen hörst du jemanden schreien, du zuckst zusammen und rennst los.

    3
    Du stolperst in die Polizeistation. Angewidert starrt dich eine Polizistin an. Die Kanalisation muss ihren Geruch hinterlassen haben. Aber im Moment ist es dir egal, ob du stinkst.
    „Ich wurde entführt“, schreist du und brichst zusammen.
    Ein paar Männer in Uniform kommen auf dich zu und helfen dir wieder auf: „Mädchen, was redest du da?“, fragt dich einer von ihnen.
    Du atmest schwer. Dank der Beschreibung des braunhaarigen Typen hast du es nach draußen geschafft. Einmal hätte dich fast jemand gesehen, aber du bist durch den Schacht in die Kanalisation entkommen. Wieder an der Oberfläche hast du dich ins nächstbeste Taxi gesetzt und bist hierhergefahren. Der Fahrer sitzt jetzt draußen und wartet, dass du ihn bezahlst. Aber du hast kein Geld, weil man dir all deine Sachen weggenommen hat, als du bewusstlos warst.
    Da du immer noch außer Atem bist und nicht richtig sprechen kannst, wirfst du ihnen nur die Polizeimarke entgegen, die dir der junge Mann gegeben hat.
    Ein Polizist starrt dich an: „Woher hast du die?“ Er klingt unfreundlich.
    Du versuchst in Kürze zu erklären, was geschehen ist und alle starren dich an. Um dich herum hat sich mittlerweile eine Traube von uniformierten Leuten gesammelt.
    Schließlich nimmt dich die Polizistin, die anfangs angeekelt von dir war, an die Hand und führt dich in einen kleinen Raum. Dort stellt sie sich dir vor und erklärt, dass sie von nun an euer Gespräch aufnehmen wird.
    Nun erzählst du ausführlich von dem Bus-Shuttle, das euch abgeholt hat, von dem weißen Raum, in dem du aufgewacht bist, von Yong und dem braunhaarigen Unbekannten, der dir letztendlich zur Flucht geholfen hat. Das Reden hilft dir, um dich wieder ein wenig zu beruhigen. Die Polizistin hört dir ruhig zu und unterbricht dich nur, damit du die Personen genauer beschreibst.
    Als du fertig bist, lächelt sie dir zu und reicht dir ein Glas Wasser: „Tatsächlich haben wir gehofft, dass du jeden Moment kommen würdest. Es waren bereits Streifen unterwegs, um dich zu suchen.“
    „Was?“, du bist schockiert.
    „Der braunhaarige Mann, der dir geholfen hat, ist einer unserer Kollegen und –“
    „Aber er war auch einer der Entführer“, unterbrichst du sie und wirst lauter „er hat mich betäubt, als ich fliehen wollte.“
    Die Polizisten nickt verständnisvoll: „Das mag vielleicht seltsam wirken, aber er arbeitet undercover als Mitglied der Chil Sung Pa.“ Dir wird schlecht, als sie fortfährt: „Es ist sein Job, dich so zu behandeln wie es auch ein anderes Gangmitglied getan hätte.“
    „Gangmitglied?“, fragst du vorsichtig.
    „Ja, die Chil Sung Pa sind eine der mächtigsten Untergrundgruppen Südkoreas. Es hat Monate gedauert, Jackson dort einzuschleusen. Du kannst froh sein, dass du lebend dort rausgekommen bist.“
    Dein Magen dreht sich um und du musst dich übergeben.
    Die Polizistin springt von ihrem Stuhl auf: „Ohje, das war wohl etwas zu viel für dich.“
    Sie bringt dich in einen Waschraum, in dem du dein Gesicht und Körper reinigen kannst und gibt dir frische Kleidung.
    Sobald du dich ein wenig beruhigt hast, fragst du: „Wer ist diese Sheila überhaupt?“
    Sie seufzt: „Ich bin leider nicht befugt, dir das zu sagen und –“
    „Ich wurde entführt und gefangen genommen, weil ich mit dieser Tussi verwechselt wurde. Es ist ja wohl mein Recht zu erfahren, wer sie ist.“
    Die Polizistin sieht dich intensiv an und deckt schließlich ein kleines Mikrofon ab, welches sie am Körper trägt und das alles aufzeichnet, was sie sagt.
    „Also gut. Sheila – wenn sie überhaupt so heißt – ist die Geliebte und Partnerin von Baekhyun Hwan, dem Anführer der Hwan Song Sung Pa. Eine andere mächtige Straßengang und der größte Gegenspieler der Chil Sung Pa.“
    Du schnappst nach Luft, all die Namen verwirren dich: „Also wollten die Sheila fangen, um aus ihr rauszubekommen, wo Baekhyun ist.“
    „Genau. Die Chil Sung Pa wollen Baekhyun und seine Gang vernichten.“
    Dir schwirrt der Kopf, aber du glaubst, die Situation halbwegs verstanden zu haben.
    Du denkst eine Weile nach, schließlich entscheidest du dich, das Thema zu wechseln: „Darf ich zu meinen Eltern?“
    Die Polizistin nickt: „Natürlich. Wir werden uns um alles kümmern und dich nach Hause bringen.“

    Du musst noch einige Papiere unterschreiben, eine Urinprobe abgeben und dir wird Blut abgenommen, um zu untersuchen, durch welche Betäubungsmittel du bewusstlos wurdest. Danach wirst du in einen weiteren Raum geschickt, in dem du warten sollst, bis du abgeholt wirst. Nach kurzer Zeit kommt ein großer, gutaussehender uniformierter junger Mann ins Zimmer.
    „Hi, ich bin Taehyung und soll dich nach Hause begleiten.“
    Du starrst ihn an und wünscht, du würdest deine normale Kleidung tragen und wärst wenigstens etwas geschminkt. Er ist so hübsch, dass du ziemlich eingeschüchtert bist. Auch wenn er sehr nett ist.
    Du folgst ihm aus der Polizeistation und steigst in ein kleines Auto. Er setzt sich neben dich ans Steuer. Im Rückspiegel siehst du, dass euch zwei Streifenwagen folgen.
    „Warum so viele?“, fragst du und deutest nach hinten.
    Er lächelt dich an: „Du wurdest von einer der mächtigsten Gangs der Stadt entführt. Die nächsten Wochen wirst du rund um die Uhr überwacht.“
    Du seufzt. So hast du dir deinen Urlaub nicht vorgestellt.
    „Deine Freunde haben schon eine Vermisstenanzeige gestellt“, sagt er nach einer Weile.
    „Was?“, du bist schockiert. Seit du aus dem Versteck der Chil Sung Pa geflohen bist, hast du nicht mehr an sie gedacht; du bekommst sofort ein schlechtes Gewissen. Entsetzt erinnerst du dich daran, was der Braunhaarige – Jackson war sein Name – gesagt hat. Die mussten wir loswerden.
    Ängstlich fragst du: „Also sind sie noch am Leben?“
    Taehyung mustert dich von der Seite bevor er sich wieder auf die Straße konzentriert: „Ja, das sind sie. Jackson hat die beiden in das Polizeirevier von Seoul gebracht. Er darf keine Unschuldigen in Gefahr bringen außer –“
    Du unterbrichst ihn: „Was ist mit mir? Ich bin unschuldig und mich hat er auch in Gefahr gebracht.“
    „Außer es gibt keinen anderen Ausweg“, fährt er ruhig fort „außerdem hat er dich ja für Sheila gehalten.“
    „Hm … warum eigentlich? Wieso haben mich alle mit ihr verwechselt? Sehe ich ihr ähnlich?“
    Taehyung zuckt mit den Schultern: „Niemand weiß wirklich, wie sie aussieht“, er zögert kurz „tatsächlich wurde ihr Fingerabdruck am Bahnhof in Gwangju gefunden.“
    Du zuckst zusammen: Das ist der Bahnhof, an dem du vor wenigen Tagen noch mit Sora und Kia warst. Vielleicht haben sie mich deswegen mit ihr verwechselt.
    Taehyung hat bemerkt, dass du plötzlich unruhig bist und versucht dich zu beruhigen: „Mach dir keine Sorgen, dN! Das wird nicht noch einmal passieren. Du wirst ab jetzt ständig überwacht. Keiner kann dir etwas antun.“
    Du nickst, aber Angst hast du trotzdem. Eine Weile denkst du über alles nach, was er gesagt hat. Schließlich fragst du: „Wenn Sora und Kia auch auf der Polizeistation waren, warum fahren sie dann nicht mit uns zurück? Werden sie auch befragt?“
    Als Taehyung zu lachen beginnt, bist du überrascht: „DN, weißt du, wo wir gerade sind?“
    Du bist verwirrt und schaust dich um.
    Zum ersten Mal konzentrierst du dich auf die Straßen und Häuser, an denen ihr vorbeifahrt: Du warst zwar noch nie in Seoul, aber die Stadt, in der du dich gerade befindest, kennst du. „Wir sind in Busan“, rufst du aus.
    Er lacht immer noch: „Das fällt dir aber spät auf.“
    Du wirst rot: „Ich hab nicht darauf geachtet, als ich im Taxi war und dann in der Polizeistation –“ das Taxi!
    „Hat eigentlich jemand den Fahrer bezahlt?“, fragst du schüchtern.
    Er nickt: „Wurde schon erledigt.“
    „Aber wie bin ich denn nach Busan gekommen? Und warum sind die anderen in Seoul?“
    „Jackson hat deine Freunde auf das Polizeirevier in Seoul gebracht, damit sie dort über Sheila befragt werden können und warum sie mit ihr unterwegs sind. Naja“, er räuspert sich „dann kam ja raus, dass das alles ein Missverständnis war.“
    Dieser Jackson scheint ja nicht so gut in seinem Beruf zu sein.
    Taehyung spricht ruhig weiter: „Das Hauptquartier der Chil Sung Pa ist in Busan, deswegen hat man dich dort hingebracht.“
    Du schluckst. Das muss alles passiert sein, nachdem du in dem Busshuttle eingeschlafen bist.
    Plötzlich realisierst du, dass du bereits dort betäubt wurdest. Wie konnte ich mir einbilden, dass ich nur geschlafen habe?
    „Wie konnten die mich so ausknocken? Dass ich nicht mal mitbekommen habe, wie ich nach Busan gebracht wurde?“, fragst du ihn entsetzt.
    „Wir vermuten, dass es Schlafgas war, aber durch deine Blutprobe sollte das alles genau aufgeklärt werden.“ Wie kann er nur so ruhig bleiben?
    Du bist den Tränen nahe, weil du langsam verstehst, was alles passiert ist.
    Taehyung schaut dich an und streicht dir vorsichtig mit seinen Fingern über deinen Oberarm, bevor er wieder beide Hände ans Steuer legt. Es ist nur eine schnelle Geste, aber sie beruhigt dich ein wenig: „Tut mir leid, ich wünschte, ich könnte das alles ungeschehen für dich machen.“
    Du schweigst, weil du weißt, dass du – wenn du jetzt zu sprechen beginnst – die Tränen nicht zurückhalten kannst.
    Eine Weile denkst du über alles nach, was dir Taehyung erzählt hat.
    Schließlich fragst du ihn: „Vertraust du ihm? Diesem Jackson?“
    „Natürlich!“, sagt er ohne zu zögern „wir haben zusammen unsere Ausbildung an der Akademie in Seoul abgeschlossen. Er wollte unbedingt in der Hauptstadt bleiben und undercover arbeiten. Manchmal ist er vielleicht … etwas aufbrausend und hyperaktiv, aber im Grunde ist er ein guter Kerl.“
    Aufbrausend? Du erinnerst dich, wie er geschrien hat, sobald er rausfand, dass du nicht Sheila bist. Vielleicht wäre aggressiv das bessere Wort, um ihn zu beschreiben.
    Du lehnst dich im Sitz zurück und atmest tief durch.
    „Du solltest ein wenig schlafen. Wir fahren noch eine Weile und am besten ruhst du dich aus, bevor wir das Haus deiner Eltern erreichen“, hörst du Taehyung sagen. Seine Stimme ist sanft.
    Beim Gedanken an deine Eltern wird dir mulmig. Was werden sie wohl zu der ganzen Sache sagen?
    Du schließt deine Augen und versuchst dich wieder zu beruhigen. Taehyung beginnt leise vor sich hinzusummen und du hörst ihm so lange zu bis du einschläfst.

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    Was würdet ihr von einem Lesetag halten, an dem ich alle zwei Stunden ein Kapitel veröffentliche? 😊

    Taehyung bleibt mit dem Auto in der Einfahrt deiner Eltern stehen und schaut dich erwartungsvoll an. Du zögerst und steigst aus. Sobald du die Haustür öffnest, springt dir deine Mutter entgegen und zieht dich in eine enge Umarmung.
    „DN, wir haben uns solche Sorgen gemacht!“, sie drückt dich so fest, dass du kaum atmen kannst. „Es waren schon mehrere Polizisten da, wir warten schon seit Stunden darauf, dass du endlich ankommst“, ruft sie aus und wirft Taehyung einen vorwurfsvollen Blick zu.
    „Ma“, sagst du keuchend „du zerquetscht mich.“
    Sie lässt dich los und erst jetzt bemerkst du, dass sie weint. Du küsst sie auf die Wange und wischt vorsichtig ihre Tränen weg, um sie zu beruhigen: „Alles ist gut! Ich bin wieder sicher zu Hause!“
    Als du dich umdrehst, siehst du deinen Vater mit verschränkten Armen im Türrahmen stehen.
    „Warum haben Sie so lange gebraucht?“, fährt er Taehyung an, bevor auch er dich umarmt.
    „Ihre Tochter musste noch eine Aussage machen und einige Formulare unterschreiben, um –“
    „Was musste sie unterschreiben?“, unterbricht dein Vater ihn „Warum wurde dN nicht sofort zu uns gebracht?“ Er ist kurz davor richtig auszuflippen. Du bezweifelst, dass du ihn jemals so wütend gesehen hast.
    Taehyung bleibt vollkommen ruhig: „Wir haben dN’s Erlaubnis gebraucht, um eine Urin- und Blutprobe zu nehmen. Sobald wir fertig waren, sind wir sofort hierhergefahren.“
    Warum reden alle so, als wäre ich nicht anwesend?
    Nun mischt sich auch deine Mum in das Gespräch ein: „Wissen Sie schon etwas über die Gang, die unsere Tochter entführt hat?“
    „Leider darf ich Ihnen dazu keine Auskunft geben, aber –“
    Wieder fällt ihm dein Vater ins Wort: „Pah, das heißt, Sie wissen noch gar nichts.“
    „Herr deinNachname, sobald wir die Leute gefasst haben, die Ihre Tochter gefangen hielten, geben wir Ihnen Bescheid. Solange das noch nicht der Fall ist, wird dN von meinen Kollegen rund um die Uhr bewacht“, Taehyung deutet auf die zwei Streifenwagen, die vor eurem Haus stehen.
    Deine Mutter nickt und meint „Wir wissen das zu schätzen!“, aber dein Dad schweigt und starrt nur mürrisch auf die Polizeiautos.
    Vermutlich ist er schon froh, dass sie da sind, aber will es nicht zugeben.
    „Ich möchte Sie noch daran erinnern, dass Ihre Tochter eine Schweigepflicht unterschrieben hat …“Hab ich? Du bist verwundert: Allerdings warst du auf der Polizeistation noch ziemlich neben der Spur und hast einfach alles unterzeichnet, was dir die Polizistin vorgelegt hat. „… weswegen sie außer Ihnen niemanden über diesen Vorfall berichten darf. Das gilt auch für deine Freundinnen“, sagt er schließlich an dich gewandt.
    „Wissen Kia und Sora nichts von der Entführung?“
    Taehyung schüttelt seinen Kopf: „Nein, die beiden denken, du seist einfach verschwunden, als das Busshuttle in Seoul angekommen ist.“
    Du seufzt. Wie soll ich denn den beiden das alles erklären, ohne die Wahrheit zu sagen?
    Schließlich sagst du zu Taehyung: „Alles klar, ich werde ihnen nichts erzählen. Vielen Dank, dass du mich hergefahren hast. Ich würde mich jetzt gern ein wenig ausruhen.“
    „Natürlich“, er lächelt dich an und dir wird warm „ich muss eh wieder zurückfahren. Sobald mir die Ergebnisse der Proben vorliegen, rufe ich dich an.“
    Dein Vater schaut zwischen euch hin und her und schüttelt seinen Kopf, dann zeigt er Taehyung den Weg nach draußen, während du dich mit deiner Mum an den Küchentisch setzt.
    Sobald dein Dad zurückkommt, wollen deine Eltern genau wissen, was passiert ist.
    Seit ein paar Minuten hast du starke Kopfschmerzen und eigentlich willst du das Ganze nicht noch einmal durchleben, indem du darüber sprichst, aber deine Mutter weint und auch dein Vater ist den Tränen nahe.
    Du wiederholst die Geschichte, lässt aber die Schläge und Beleidigungen aus, um deinen Eltern nicht noch größere Angst zu machen.
    Als du endlich fertig bist, schluchzt deine Mum immer noch und dein Dad schließt dich erneut in eine Umarmung: „Jetzt bist du wieder daheim und in Sicherheit!“
    Du knuddelst ihn zurück und seufzt. Für die beiden muss ich stark sein und so tun, als wäre alles nur halb so schlimm gewesen.
    Da dein Kopf immer noch schmerzt und du sehr erschöpft bist, legst du dich schlafen.


    Mitten in der Nacht wachst du schreiend auf. Es dauert einige Sekunden bist du realisierst, dass du in deinem Bett liegst, in deinem eigenen Zimmer und nicht in diesem weißen, sterilen Raum. Dein Vater kommt rein und du brichst in Tränen aus. Sofort zieht er dich in seine Arme.
    „Kannst du hier bleiben bis ich wieder eingeschlafen bin?“, fragst du ihn und flüsterst dabei.
    „Natürlich, Kleines“, dein Dad streichelt dir über deinen Kopf „ich bleibe so lange du willst.“
    Du kuschelst dich an ihn und bald schläfst du wieder ein.


    Am Frühstückstisch redet ihr über den Geburtstag deiner Tante, der bald bevorsteht. Du merkst, dass deine Eltern dich von den Erlebnissen der letzten Tage ablenken wollen und du bist ihnen dafür dankbar. Sie haben sich sogar die Woche freigenommen, damit du nicht allein zu Hause sein musst.
    Weil die Chil Sung Pa alle deine Sachen beschlagnahmt haben und du bei deiner Flucht keine Gelegenheit hattest, danach zu suchen, hat dir deine Mum versprochen heute in der Stadt ein neues Handy und ein paar Kleidungsstücke zu kaufen.
    Nach dem Frühstück duschst du: Das warme Wasser auf deiner Haut beruhigt dich und du hältst dein Gesicht so lange unter den Strahl bis du es nicht mehr aushältst und nach Luft schnappen musst.
    Du bleibst noch eine Weile unter der Dusche bis deine Finger so schrumpelig sind, dass sie aussehen als wären sie von einer alten Frau.
    Nachdem du dich abgetrocknet, angezogen und ein wenig geschminkt hast, fahren deine Mum und du in die Stadt.
    „Es ist so seltsam, ständig die Polizeiautos im Rückspiegel zu sehen.“
    Deine Mutter nickt: „Tja, daran müssen wir uns wohl gewöhnen.“ Du seufzt.
    Nachdem ihr ein paar Hosen und Oberteile besorgt habt, entschließt ihr euch, in ein Café zu gehen. Die Polizisten folgen euch immer auf wenige Meter und sitzen nun am Nebentisch.
    Du versuchst sie zu ignorieren und in Ruhe deinen Latte Macchiato zu schlürfen, aber leider klappt das nicht besonders gut. Auch weil jeder um euch herum zu euch herüberstarrt.
    Du stehst auf, um auf die Toilette zu gehen, aber deine Mutter hält dich am Arm fest: „Warte, ich komm mit dir.“
    Du verdrehst die Augen: „Mum, ich kann allein aufs Klo gehen. Außerdem sind die ja da“, du deutest auf die Polizisten, die dich mustern.
    Als du zur Damentoilette gehst, folgt dir einer der beiden.
    Kurz vor der Tür, drehst du dich zu ihm um: „Ab hier schaff ich’s allein.“ Du bist genervt und fühlst dich wie ein kleines Kind, auf das man aufpassen muss.
    Er nickt und bleibt stehen.
    Du betrittst den kleinen Raum, in dem es zwei Kabinen gibt, von denen eine besetzt ist. Sofort gehst du zum Waschbecken und wäscht dir deinen Nacken und Hals, um dich ein wenig abzukühlen. Draußen war es sehr warm und die Situation mit den Polizisten ist dir immer noch unangenehm.
    Als du dich wieder aufrichtest und in den Spiegel schaust, siehst du plötzlich eine Gestalt hinter dir. Bevor du anfangen kannst zu schreien, presst er seine Hand auf deinen Mund.

    5
    Der Unbekannte. Der Typ mit den braunen Haaren. Der Mann, der bei dir war, als du in diesem schrecklichen weißen Raum aufgewacht bist. Jackson.
    „Schschh, sei leise.“
    Du starrst ihn an und versuchst in deinen Blick so viel Wut wie möglich zu legen. Er schaut sich um – der Raum ist so klein, hat er Angst es kommt jemand durchs Fenster? – und zieht dich dann in eine der beiden Kabinen, in der er sich zuvor versteckt hat.
    Noch immer liegt seine Hand auf deinen Lippen.
    „Du darfst nicht schreien, verstanden?“
    Du nickst, aber er lässt dich immer noch nicht los.
    „Ich hab‘ was für dich“, sagt er ruhig und greift mit seiner linken Hand unter seine Jacke.
    Du brichst in Panik aus: Hat er eine Waffe dabei? Will er mich jetzt erschießen? Wie komme ich hier wieder lebend raus?
    Bevor er den Gegenstand rausholen kann, beißt du ihn in seinen Finger und stößt ihn gewaltsam von dir weg.
    Er flucht und starrt auf seine blutende Hand. Schnell öffnest du die Tür und sprintest nach draußen, er will dich noch packen, aber dieses Mal duckst du dich weg.
    „Er ist da drin“, schreist du dem Polizisten zu, der vor der Toilette auf dich gewartet hat, und zeigst auf das Damen-WC.
    Sofort stürmt er in den kleinen Raum. Schweratmend wartest du darauf, dass er mit Jackson im Schlepptau zurückkommt. Auch der andere Polizist ist mittlerweile zu dir gerannt und will genau wissen, was los ist.
    Deine Mutter versucht dich zu beruhigen, aber du bist sehr aufgebracht. Du zitterst am ganzen Körper und willst nur noch nach Hause.
    Wie ist er überhaupt in die Toilette gekommen?
    Der Polizist kehrt zurück: „Da ist niemand.“
    „Aber … aber wie kann das sein? Gerade war er noch da!“
    „Sind Sie sicher, Frau deinNachname?“
    „Natürlich bin ich mir sicher! Er ist plötzlich hinter mir aufgetaucht.“
    Die uniformierten Männer schauen sich zweifelnd an. Sie glauben mir also nicht.
    Einer der beiden kommt auf dich zu und legt dir eine Hand auf die Schulter: „Sie haben ein schreckliches Erlebnis hinter sich und hatten noch nicht genug Zeit es zu verarbeiten, da ist es ganz normal, dass Sie Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigen.“
    „Posttrauma-was?“, du schiebst seine Hand zur Seite „meinen Sie, ich hab mir das alles nur eingebildet?“
    Der Polizist nickt.
    Ohne etwas zu sagen, drehst du dich um und stürmst zum Auto zurück. Du zitterst immer noch, aber diesmal nicht aus Angst, sondern vor Wut. Was denkt dieser bescheuerte Polizist sich eigentlich? Deine Mum folgt dir und setzt sich auf den Fahrersitz: „Ich glaube dir, mein Schatz!“
    Sie zwingt sich ruhig zu bleiben und startet den Wagen. Dankbar siehst du sie an.
    Eine Weile schweigt ihr, bis du die Stille unterbrichst: „Wie ist das überhaupt möglich? Wie konnte er unbemerkt an den Polizisten in die Toilette gelangen? Oder war er schon vorher da und hat auf mich gewartet? Was hatte er dabei?“
    Dein Kopf schwirrt von all den Fragen.
    Deine Mutter zieht ihr Schultern hoch: „Ich weiß es leider auch nicht, aber von nun an wirst du nichts mehr allein machen. Dein Vater oder ich werden ab jetzt ständig bei dir sein.“
    Du schluckst. Na toll, das wollte ich eigentlich auch nicht. Einerseits freust du dich, dass deine Mum sich so um dich kümmern will, allerdings graust es dir schon vor einer 24/7 Überwachung.
    Kurz bevor ihr in eure Garage einfahrt, räuspert sich deine Mum: „Weißt du, was ich an der ganzen Sache nicht verstehe?“
    „Hm?“
    „Sollte dieser Jackson nicht einer von den Guten sein? Warum hat er dich nicht aufs Polizeirevier kommen lassen, wenn er mit dir sprechen will? Oder lässt das seine Undercover-Mission nicht zu?“
    Du überlegst, weißt aber nicht, was du darauf antworten sollst. In dem Versteck der Chil Sung Pa war er nicht besonders freundlich zu dir, aber immerhin netter als Yong und geschlagen hat er dich auch nicht. Ist er einer von den Guten?


    Zurück in deinem Zimmer lässt du dich aufs Bett fallen und schließt einen Moment deine Augen. Du versuchst dich genau an Jacksons Gesichtsausdruck zu erinnern, als er in der Toilette hinter dir aufgetaucht ist. Er sah nicht wütend aus. Zumindest nicht solange bis du ihn gebissen hast. Irgendwie hat er eher … ängstlich gewirkt, aber warum? Wie er sich immer wieder umgeschaut hat: Vielleicht dachte er, er wird verfolgt. Du schüttelst deinen Kopf, als du merkst, dass du dir Sorgen um ihn machst.
    DN, reiß dich zusammen. Dieser Typ hat geholfen, dich zu entführen; du solltest ihn eigentlich hassen und dich nicht fragen, ob bei ihm alles in Ordnung ist. Er hat seinen Job schließlich selbst gewählt. Sein Problem, wenn er sich in Gefahr bringt.
    Zum Glück hast du deinen Laptop nicht mit nach Seoul genommen, sonst wäre er nun auch im Besitz der Chil Sung Pa. Du beschließt, diese Gang zu googeln, um ein bisschen mehr über die Leute zu erfahren, die dich entführt haben.
    Sobald du ihren Namen in die Suchleiste eingibst, werden dir zahlreiche Zeitungsartikel vorgeschlagen, die bis in die Neunzigerjahre reichen.


    Wirtschaftsminister von illegaler Gruppierung Chil Sung Pa entführt (08.02.1991)

    Drei Leichen am Han River gefunden: stecken die Chil Sung Pa dahinter (13.11.2002)

    Chil Sung Pa: nun auch in Hongkong aktiv? (30.09.2007)

    Bewaffneter Raubüberfall der Chil Sung Pa auf die Bank of Korea (09.05.1998)

    Chil Sung Pa und Hwan Song Sung Pa – wenn Banden Kriege führen (20.04.2015)



    Je mehr du über diese Gang liest, desto entsetzter bist du. Ab 2016 hören die Artikel plötzlich auf. Du findest nichts, was in den letzten drei Jahren über die Chil Sung Pa geschrieben wurde. Erschöpft lässt du dich zurückfallen. Dein Vater ruft dich zum Abendessen und du bist froh, abgelenkt zu werden.

    Als du dich an den Tisch setzt, siehst du, dass neben deinem Teller eine kleine Packung steht. Du nimmst sie in die Hand und schaust sie genauer an. Schlaftabletten.
    „Dad, was soll das?“
    „Ich dachte …“, er schaut dich traurig an „also ich hab mir gestern solche Sorgen gemacht, als du mitten in der Nacht zu schreien angefangen hast. Vielleicht wäre es gut, wenn du mal durchschläfst.“
    Du stehst auf und umarmst ihn. Eigentlich hast du keine Lust, Medikamente zu nehmen, aber wenn es deine Eltern beruhigt und du nicht mehr schreiend aufwachst, wirst du sie ausprobieren.
    Nach dem Essen schluckst du eine Tablette und legst dich hin, weil dein Kopf wieder schmerzt.
    Trotzdem kannst du nicht einschlafen und wälzt dich im Bett hin und her. Als du anfängst, dir Schatten am Fenster einzubilden, beschließt du, dass es Zeit ist, eine weiter Schlaftablette zu nehmen.
    Vorsichtig und möglichst leise tappst du in die Küche und kochst dir einen Kamillentee. Mittlerweile sind auch deine Eltern schon im Bett.
    Während der Teebeutel zieht, betrachtest du dein Spiegelbild im Glas des Küchenfensters. Deine Pupillen sehen riesig aus und deine Haare sind verwuschelt.
    Du wartest noch kurz, dann nimmst du eine Schlaftablette und spülst mit dem Tee nach. Du seufzt, starrst auf die Packung in deiner Hand, zuckst mit den Schultern und schluckst eine weiter Tablette. Dann schlafe ich wenigstens tief und fest.
    Nachdem du deinen Tee ausgetrunken hast, kuschelst du dich wieder ins Bett und tatsächlich bist du wenig später eingeschlummert.
    Du hast einen seltsamen Traum: Jemand sitzt an deinem Bett, streicht dir übers Haar und wiederholt immer wieder „Was machst du nur?“
    Als du aufwachst, fühlst du dich groggy. Du schaust dich um und deine Wanduhr zeigt 2:47Uhr an. Solange habe ich geschlafen? Es ist ja schon Nachmittag. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, hätte ich die letzte Tablette weggelassen.
    Du stehst auf und dir wird sofort schwindelig, sodass du dich gleich wieder hinsetzen musst. Sobald dein Kreislauf wieder einigermaßen in Ordnung ist, gehst du langsam in dem kleinen Raum auf und ab. Neben deinem Fenster bleibst du stehen und schaust nach draußen, allerdings kannst du nicht viel erkennen, weil direkt vor deinem Zimmer ein großer Baum steht. Du drehst dich wieder um und bleibst wie angewurzelt stehen.
    Deine Augen sind auf deinen Schreibtisch fixiert. Darauf liegt dein Handy, das dir von den Chil Sung Pang abgenommen wurde und daneben ein kleiner Zettel.


    Das wollte ich
    dir zurückgeben
    – J


    Du nimmst dein Smartphone in deine Hand und inspizierst es genau. Mit deinem gewohnten Code kannst du es entsperren, aber all deine Kontakte und Fotos sowie Daten sind verschwunden. Wütend wirfst du es auf dein Bett. Warum hat er es denn dann überhaupt zurückgebracht?
    Eine Weile liegst du nur so da und starrst die Decke an. Was sollst du jetzt machen? Plötzlich vibriert dein Handy.

    6

    Hey Leute,
    also am Sonntag wird es einen Lesetag geben 🤗
    um 12 Uhr geht es los. Ich denke, ich werde alle zwei Stunden ein neues Kapitel posten.
    Ich hab schon angefangen zu schreiben, weil ich einfach super langsam bin 😅
    Weil ich es nicht so gern mag, wenn Kapitel so kurz sind, lade ich dann vielleicht immer ein halbes Kapitel hoch 🤔
    Hm, war das jetzt logisch? lol, weiß auch nicht... 😂😂😂
    hoffentlich seid ihr am Sonntag dabei!
    Bis dann ❤❤❤❤




    Du weißt nicht genau, warum du es deinen Eltern nicht gesagt hast. Jackson muss gestern Nacht im Haus gewesen sein und dir dein Handy zurückgebracht haben. Bei dem Gedanken daran kriegst du Gänsehaut.
    Warum bin ich nicht aufgewacht, als er da war? Deine Augen weiten sich: die Tabletten! Du springst vom Tisch auf, an dem du und deine Eltern gerade zu Mittag essen, und rennst in dein Zimmer. Du schnappst dir die kleine Packung und ignorierst dein Handy, das seit gestern Nachmittag ununterbrochen blickend auf deinem Bett liegt. Im Bad schüttest du all die Tabletten in die Toilette und spülst runter.
    Dann setzt du dich wieder zu deinen Eltern und stocherst in deinem Essen herum, dein Vater schaut dich fragend an.
    „Ich musste nur mal pinkeln.“
    Schweigend esst ihr weiter. Seit dem Vorfall in dem Café hat dir dein Vater verboten das Haus zu verlassen. Er macht das nur aus Angst um dich, aber du fängst an hier langsam durchzudrehen.
    Du würdest gerne ins Kino gehen oder einfach spazieren, außerdem vermisst du Kia und Sora. Was die beiden wohl machen? Wissen sie überhaupt, dass ich wieder zu Hause bin?
    „DN, reichst du mir bitte den Salat rüber?“
    „Klar“, murmelst du und reichst deiner Mum die Schüssel.
    Diese seufzt: „Ich weiß, dass ist gerade eine schwere Zeit für dich. Aber sobald sich die Situation ein wenig beruhigt hat, darfst du auch wieder allein nach draußen.“
    „Ach ja und wann soll das sein? Wenn die Chil Sung Pa alle verhaftet werden? Das wird nie passieren“, blaffst du sie an und bekommst sofort ein schlechtes Gewissen. Deine Mum ist auch nicht schuld, dass du entführt wurdest und jetzt unter ständiger Bewachung stehst.
    „Solange wird es bestimmt nicht dauern. Sobald die Polizei sicher ist, dass die Chil Sung Pa dich nicht mehr suchen, wird alles so wie früher“, antwortet sie ruhig.
    „So wie früher?“, du springst auf und fängst an zu schreien „Ma, es wird nie mehr wie früher! Ich wurde entführt, misshandelt und die gefährlichste Gang Koreas denkt, ich wäre mit ihrem größten Gegner zusammen! Ich werde nie mehr allein rausgehen können“, du beginnst zu schluchzen „geschweige denn ein normales Leben führen.“
    „Misshandelt?“, dein Vater starrt dich mit großen Augen an. Verdammt, das wollte ich doch eigentlich nicht sagen.
    „Wer von ihnen hat dich misshandelt? Doch nicht dieser Polizist, oder? Warum wissen wir nichts davon? Bist du verletzt?“, seine Stimme wird lauter.
    „Es ist nicht so schlimm, Dad!“, versuchst du ihn zu beruhigen.
    Weil er dich immer noch anstarrt, fügst du hinzu: „Nein, es war nicht Jackson. Ein anderer hat mich geohrfeigt. Mehr nicht, okay?“
    Bevor dein Vater irgendwas erwidern kann, stehst du auf und läufst zu deinem Zimmer. Du sperrst dich ein und wirfst dich aufs Bett. Als du dich zur Seite drehst, spürst du etwas Hartes an deinem Arm. Dein Handy.
    Nach kurzem Zögern entsperrst du es und öffnest WhatsApp.

    Unbekannte Nummer, 15:01: Vertraust du mir?

    Was für eine bescheuerte Frage? Warum sollte ich ihm vertrauen?
    Du überlegst eine Weile, ob du ihm überhaupt antworten sollst, doch schließlich schreibst du doch zurück:

    DN, 13:10: Nein

    Du schließt deine Augen und wartest auf das vibrierende Geräusch deines Handys, aber es bleibt still. Warum schreibt er dir nicht? Ach ja, er hat ja einen Job und ist wahrscheinlich gerade damit beschäftigt irgendjemanden zu entführen.
    Du stehst auf und gehst zu deinem Bücherregal, um dich abzulenken. Aber du findest nichts, was du gerade lesen möchtest. Nachdenklich setzt du dich auf deinen Schreibtischstuhl und rollst hin und her. Möchte ich überhaupt, dass er mir antwortet?
    Du beschließt, dass es Zeit ist, Kia und Sora zu schreiben. Da du ihre Handynummern nicht auswendig kennst, öffnest du dein Emailfach und tippst eine kurze Nachricht, in der du schreibst, dass du wieder zuhause bist und ob sie dich treffen wollen.
    Du schickst ihnen den Text und scrollst danach durch YouTube, aber findest nichts, was dich interessiert. Plötzlich vibriert dein Handy, du springst auf und läufst zum Bett.

    Unbekannte Nummer, 14:12::)

    Ein Smiley? Was soll das denn jetzt? Du zögerst kurz, dann tippst du:

    DN, 14:13: Warum fragst du mich, ob ich dir vertraue?

    Diesmal dauert es nicht lange bis Jackson dir antwortet.

    Unbekannte Nummer
    , 14:15: dN, ist dir langweilig?

    DN, 14:16: Ne, überhaupt nicht

    Unbekannte Nummer, 14:17:: D

    Diese bescheuerten Smileys! Langsam wirst du wütend. Warum schreibe ich überhaupt mit ihm?

    DN, 14:18: Also ich hab jetzt auch besseres zu tun als mit dir zu chatten. Bye

    Unbekannte Nummer
    , 14:20: Ach ja?
    Dieser Idiot! Was bildet er sich ein? Du beschließt ihm nicht zu antworten und dich mit irgendwas anderem zu beschäftigen. Auf deinem Schreibtisch liegt dein Terminkalender; du blätterst ihn durch und siehst, dass nächste Woche der Tag der offenen Tür an der Universität Busan ist. Da werden dich deine Eltern auf jeden Fall hinschleppen, egal ob entführt oder nicht. Wenn es um deine Zukunft geht, sind sie strikt. Wütend streichst du den Termin so oft durch, dass das dünne Papier reißt. Du seufzt und zuckst zusammen, als dein Handy erneut vibriert.

    Unbekannte Nummer, 14:31: So viel kannst du ja nicht zu tun haben. Sitzt du nicht nur in deinem Zimmer am und Schreibtisch und zerstörst Bücher?

    7
    Ein Schauer läuft dir den Rücken hinunter und du bekommst eine Gänsehaut: Woher weiß er das?
    Du springst von deinem Stuhl auf und stößt ihn dabei um. Panisch schaust du im Raum umher. Eigentlich gibt es nur eine Möglichkeit. Er muss dich durchs Fenster beobachten. Schnell lässt du die Jalousien nach unten und ziehst zusätzlich die Vorhänge zusammen.
    Wieder vibriert dein Handy:

    Unbekannte Nummer, 14:33: Das ist es nicht

    Was meint er damit: das ist es nicht? Kann er mich immer noch sehen?

    Mittlerweile stehst du mitten im Raum und schaust dich immer noch um. In der linken Hand hältst du dein Handy und die rechte streckst du in die Luft.
    „Wie viele Finger?“, flüsterst du.
    Ein vibrierendes Geräusch:

    Unbekannte Nummer, 14:35: Vier

    Du zuckst zusammen: Wie kann er das wissen?
    Du wirst immer panischer und dein Herz schlägt schneller. Fuck fuck fuck, was soll ich tun? Du raufst deine Haare zusammen und drehst dich im Kreis. Hier muss eine Kamera sein. Plötzlich erstarrst du: Dein Handy!
    Du schnappst dir Tesa von deinem Schreibtisch und klebst sowohl über deine Frontkamera als auch über die Linse auf der Rückseite eine Abdeckung. Du atmest erleichtert durch bis dein Handy erneut vibriert.

    Unbekannte Nummer, 14:38: Ich kann dich immer noch sehen

    Aaaaahhhh. Du rennst aus dem Raum, sprintest die Treppen nach unten und stürmst aus eurem Haus. Schnell läufst du zu dem Auto, in dem die beiden Polizisten sitzen, die dich nun schon seit Tagen bewachen.
    Stürmisch klopfst du an ihr Fenster und schreist „ich werde beobachtet!“
    Langsam lässt einer der beiden die Scheibe hinunter: „Was ist los, Mädchen?“
    „Er ist hier irgendwo! Jackson! Er weiß die ganze Zeit, was ich mache“, panisch schaust du dich um „vielleicht ist er hier irgendwo.“
    Der andere Polizist seufzt: „Frau deinNachname, Sie müssen sich wirklich beruhigen. Wir sind doch hier. Ihnen kann nichts passieren!“
    Du starrst ihn an und überlegst kurz, ob du ihm sagen sollst, dass Jackson dir auch dein Handy vorbeigebracht hat, obwohl sie da waren oder dass du keinen Wert auf ihren Schutz legst.
    Aber du reißt dich zusammen, zwingst dich zu lächeln und sagst: „Natürlich! Mir kann nichts passieren.“ Langsam drehst du dich um und stapfst zurück zum Haus. Die kann ich vergessen, da wird mir keiner helfen.
    Wieder im Haus, setzt du dich in die Küche und überlegst, wie es möglich ist, dass Jackson weiß, was du machst.
    Er war in meinem Zimmer, als er das Handy vorbeigebracht hat. Du ärgerst dich erneut, dass du die Schlaftabletten genommen hast. Irgendwo muss eine Kamera sein.
    Du nimmst all deinen Mut zusammen und gehst wieder zu deinem Schlafzimmer. Vor der Tür atmest du tief durch, dann drückst du die Klinke nach unten.
    Er hat mich gesehen, als ich am Schreibtisch saß und als ich in der Mitte vom Raum stand, also muss er die Kamera so angebracht haben, dass er das ganze Zimmer im Blick hat. Du stellst dich in die vier Ecken, aber nie stimmt der Winkel. Eigentlich muss die Kamera an irgendeiner Wand sein, sonst hätte er meine Finger nicht zählen können, als ich sie in die Luft gestreckt hab. Aber die Wände in deinem Zimmer sind leer. Du lässt dich aufs Bett fallen und starrst an die Decke. Dein Blick fällt auf die Lampe. Kann das sein? Du stehst auf und inspizierst sie genauer. Sie hängt in der Mitte des Raumes sehr nah an der Decke. Du steigst auf einen Stuhl und schaust sie dir von nahem an. Tatsächlich entdeckst du an der Innenseite des dunklen Lampenschirms eine winzige Kamera, die du vom Boden aus niemals gesehen hättest.
    Schnell reißt du sie weg und schmeißt sie auf deinen Teppich, dann trittst du darauf bis du ein knackendes Geräusch hörst.
    Zufrieden lehnst du dich gegen die Wand und schließt die Augen. Endlich ist es vorbei.
    Dein Handy vibriert, aber diesmal machst du dir keine Sorgen.

    Unbekannte Nummer, 14:57: Kluges Mädchen

    8

    Heyo,
    Teil 4 vom Lesetag kommt um 21Uhr und Teil 5 um 22Uhr 🙂
    Sorry, dass ich später angefangen habe!



    „Aber warum bist du einfach gegangen? Wir haben uns solche Sorgen gemacht?“, fragt dich Kiki zum gefühlt hundertsten Mal.
    „Das hab ich doch jetzt schon so oft erklärt: ich wollte euch nicht aufwecken, deswegen bin ich einfach gegangen. Der Busfahrer muss vergessen haben, euch meine Notiz zu geben, dass ich nach Busan fahre.“
    „Aber warum? Wir waren doch schon in Busan? Als nächstes stand Seoul auf der Liste und du haust ab, sobald wir ankommen“, deine Freundin lässt nicht locker.
    „Für mich steht doch schon lange fest, dass ich in Busan studieren werde. Seoul hat mich einfach nicht so interessiert“, sagst du und ziehst dein Schultern hoch. Kia starrt dich an; du bemerkst, dass sie dir nicht glaubt. Du warst noch nie gut im Lügen.
    „Wir haben eine verdammte Vermisstenanzeige aufgegeben!“, Kia fängt an zu schreien „du bist nie an dein Handy gegangen! Und jetzt behauptest du, du wolltest uns bloß nicht aufwecken!“
    Du zuckst zusammen. So wütend hast du sie nur einmal gesehen, als sie sich im Einkaufszentrum mit einem anderen Mädchen um ein Paar Schuhe gestritten hat.
    Vielleicht hättest du noch warten sollen bevor du sie und Sora zu dir einlädst, aber du hast die beiden so sehr vermisst und wolltest sie unbedingt sehen, dass du nicht mehr länger warten konntest.
    Nun sitzen deine beiden beste Freunde auf dem Sofa in deinem Wohnzimmer und starren dich an.
    „Mein Handy ist kaputt, all meine Daten sind weg. Ich hatte eure Nummern nicht, deswegen konnte ich euch nicht schreiben.“
    „Darf ich mal sehen?“, fragt Sora vollkommen ruhig. Seit sie da ist, hat sie geschwiegen und dich nur gemustert. Du reichst ihr das Handy, ziehst es aber im letzten Moment zurück. Du willst nicht, dass sie deinen Chat mit Jackson sieht.
    Es ist nun schon ein paar Tage her, dass du die Kamera in deinem Zimmer gefunden hast und seitdem hast du auch keine neuen Nachrichten mehr von ihm bekommen, aber da er der einzige Kontakt in deinem Telefon ist, würde sie ihn sofort bemerken.
    „Später, okay?“
    Sie nickt, antwortet aber nicht.
    Kia seufzt: „Und warum steht ein Polizeiauto vor deinem Haus?“
    „Die äh …“ lass dir schnell was einfallen! Du hast sie gebeten, wegzufahren, aber natürlich haben sie das nicht gemacht „die haben mich in Busan gefunden nach eurer Anzeige und bewachen mich, sollte ich tatsächlich verschwinden.“
    Kiki verdreht ihre Augen: „Das glaubst du wohl selbst nicht, dN!“
    Du antwortest nicht, sondern starrst auf den Teppich am Boden. Es schmerzt dich, deine Freunde so anzulügen.
    Nach einer Weile beugt sich Kia zu dir herüber, sie kommt dir so nah, dass ihre roten Locken fast dein Gesicht berühren.
    „Hast du etwas Dummes gemacht, dN?“, sie zieht ihre Augenbrauen nach oben „Drogen? Banküberfall?“, sie macht eine dramatische Pause „Prostitution?“
    „So ein Quatsch!“, du schüttelst deinen Kopf. Was Kia nur denkt? Obwohl … Entführung ist da gar nicht so weit weg.
    Sie lehnt sich wieder zurück: „Warum lügst du uns dann an? Sag uns doch einfach, was passiert ist.“
    „Ich lüge nicht“, langsam bist du den Tränen nahe.
    Sora schaut dich lange an, während Kia sich von dir weggedreht hat. Schließlich sagt erstere: „Komm Kiki, lass uns gehen. Ich glaube nicht, dass dN im Moment mit uns reden will.“
    „Doch das will ich!“, rufst du aus und die erste Träne rollt dir die Wange hinunter. Du würdest es nicht aushalten, wenn sie jetzt einfach gehen.
    „Schschh dN, es ist alles gut“, Soras Stimme beruhigt dich. Sie streicht dir über deine Haare, aber du weinst nur noch stärker.
    Ich kann es ihnen nicht länger verschweigen Du schluchzt und beginnst von der Entführung zu erzählen; von dem Moment an, ab dem du in diesem schrecklichen weißen Raum aufgewacht bist, bis zu deiner Flucht durch die Kanalisation und deinem Aufenthalt in der Polizeistation in Busan. Kia starrt dich mit weit aufgerissenen Augen an, während Sora sich die Hände vor ihren Mund hält.
    „Und dieser Typ, der undercover arbeitet, hat mich in einem Café gefunden, als ich auf der Toilette war und –“
    „Aber die Polizisten sind doch ständig bei dir?“, fällt dir Kia ins Wort.
    Du zuckst mit den Schultern: „Ich weiß auch nicht, wie Jackson plötzlich hinter mir auftauchen konnte. Er muss schon davor in der Kabine auf mich gewartet haben.“
    Sora und Kiki schauen sich an: „Hast du gerade Jackson gesagt?“

    Du nickst.
    „So hieß der Taxifahrer. Das kann kein Zufall sein“, meint Sora nachdenklich.
    „Wer?“, hakst du nach.
    „Als wir in dem Busshuttle aufgewacht sind, waren wir bereits in Seoul, aber du warst nicht mehr da und wir konnten dich auch nicht übers Handy erreichen. Wir dachten sofort, dass etwas nicht stimmt und wollten gleich zur Polizei. Als wir dann ausgestiegen sind, stand schon ein Taxi bereit. Dieser Jackson meinte, das gehört zum Service des Busunternehmens dazu … also, dass man direkt ins Hotel gefahren wird. Du hattest unsere Tickets gebucht, deswegen haben wir ihm geglaubt.“
    „Wir haben ihn dann gebeten uns statt zum Hotel zur nächsten Polizeistation zu fahren“, fügt Kia hinzu „er war eigentlich ziemlich nett.“ Sie zuckt mit ihren Schultern, sichtlich überrascht davon, dass Jackson mehr als nur der freundliche Taxifahrer war.
    Taehyung hatte schon erwähnt, dass Jackson die beiden zum Polizeirevier gebracht hat, aber du bist trotzdem überrascht. Wie konnte er nur so schnell bei ihnen sein?
    Wahrscheinlich war ich zu der Zeit immer noch bewusstlos.

    Schnell erzählst du deine Geschichte zu Ende und zeigst ihnen schließlich den Chat mit Jackson.
    Kia zuckt zusammen: „Das ist so gruselig. Dass er dich all die Zeit beobachten konnte.“
    „Es waren nur zwei Tage, aber trotzdem …“, dir wird übel bei dem Gedanken „ich wünschte, ich hätte nicht so viele Schlaftabletten genommen.“
    Sora versucht dich aufzumuntern: „Du konntest ja nicht wissen, dass er in dein Haus einbricht, um dir dein Handy zurückzubringen und eine Kamera an deine Lampe zu kleben.“ Aufmunterung fehlgeschlagen.
    Kia seufzt: „Dass immer die gutaussehenden Kerle die Bösen sind.“
    Du starrst sie an: Ist er nun doch einer der Bösen? Meinte meine Mum nicht, dass er als Polizist zu den Guten gehören sollte?
    Sora dreht sich zu Kiki um: „Wie kannst du jetzt daran denken, dass er gut aussah?“
    Die Wangen deiner Freundin färben sich rötlich, aber dann beruhigt sie sich wieder: „Wie kann man nicht daran denken? Hast du nicht seinen Körper gesehen; wie durchtrainiert er war!“
    Sora verdreht ihre Augen und sie fangen eine Diskussion darüber an, ob Kiki den Typen heiß finden sollte, der dabei geholfen hat, dich zu entführen.
    Du hörst nur halbwegs zu, weil deine Gedanken sich darum drehen, auf welcher Seite Jackson nun steht.
    Vertraust du mir? Das waren seine Worte. Aber wie soll ich ihm vertrauen können, wenn ich nicht weiß, ob er einer der Guten oder der Bösen ist?
    „Ich mein ja nur; es ist einfach nicht so angebracht, wenn du –“
    „Ist nicht so wichtig, ob sie ihn hübsch findet. Echt nicht“, unterbrichst du Sora, die immer noch auf Kia einredet „ich brauche eure Hilfe!“

    Nun konzentrieren sich deine Freunde ausschließlich auf dich: „Was soll ich wegen Jackson machen? Ich glaube nicht, dass er als Polizist einfach eine Kamera in meinem Zimmer anbringen darf und außerdem – was wollte er mir in der Toilette geben?“
    „Hm, du könntest die Polizisten vor deinem Haus fragen, ob sie was davon wissen“, schlägt Kiki vor.
    „Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist. Sie glauben mir ja nicht mal, dass Jackson in ihrem Haus war… meinen Eltern will ich auch nichts davon erzählen, sonst machen sie sich noch zu große Sorgen.“
    Deine Freunde nicken verständnisvoll. Eine Weile schweigt ihr, weil ihr alle in Gedanken versunken seid.
    Schließlich sagt Sora: „Ich glaube, die einzige Person, die mehr wissen könnte und der du vertrauen kannst ist Taehyung.“
    Du richtest dich auf: „Du hast recht. Ich muss mit ihm reden … aber mein Dad wird das nicht zulassen. Er mochte ihn von Anfang an nicht.“
    „Ich kann dich hinfahren!“, ruft Kia plötzlich aus.
    „Was? Wohin?“, du bist überrascht.
    „Nach Busan!“
    „Aber ich kann doch nicht einfach nach Busan fahren?“
    „Warum nicht? Ich fahre dich hin: direkt vor die Polizeistation. Du steigst aus, redest mit Taehyung und dann fahre ich dich sofort wieder nach Hause. Dir kann nichts passieren. In meinem Auto wird dich Jackson wohl kaum überfallen.“
    „Ich weiß ja nicht …“
    „Komm schon, dN!“
    Fragend schaust du Sora an. Diese überlegt kurz: „Eigentlich finde ich die Idee gar nicht so schlecht.“
    „Klar, ist ja auch von mir.“
    Ihr ignoriert Kias Kommentar und Sora spricht einfach weiter: „Aber dein Dad wird wahrscheinlich trotzdem nicht zustimmen.“
    „Wir könnten heute Nacht noch fahren, dann bist du morgen Mittag spätestens wieder da. Erzähl ihnen einfach, dass du mal wieder tief schlafen willst und deswegen die Schlaftabletten nimmst. Letztes Mal hast du da ja auch bis in den Nachmittag hinein geschlafen.“
    Du starrst deine Freundin an: „Kiki, du bist genial! Das könnte tatsächlich funktionieren!“
    „Sag ich ja schon immer, ich bin ein Genie“, sie lacht und wirft ihre Haare in den Nacken.
    „Dann gibt es nur noch ein Problem“, wirft Sora ein.
    „Ja?“, du schaust sie fragend an.
    „Die Polizisten vor deinem Haus.“

    9
    Wenn Jackson so leicht in meinem Zimmer ein- und ausgehen kann, ohne dass jemand es bemerkt, kann ich das ja wohl auch.
    Du stehst in eurem Eingang vor der Haustür und versuchst dein klopfendes Herz ein wenig zu beruhigen. Mehrmals atmest du tief durch und drückst dann die Klinke nach unten. Du schiebst die Tür einen Spalt weit auf und lugst nach draußen. Gerade heute Abend müssen die Polizisten genau vor dem Eingang parken. Einer der beiden trägt Kopfhörer, der andere wirkt als würde er schlafen. Einen Moment lang überlegst du, ob du einfach an dem Auto vorbei zu Kias Haus spazieren solltest, aber dann entscheidest du dich doch um.
    Die beiden Polizisten sehen zwar nicht so aus, als würden sie überhaupt irgendwas wahrnehmen, was um sie herum passiert, aber riskieren möchtest du es trotzdem nicht.
    Dein Handy vibriert:

    Kia, 23:12: Ich warte an dem Kreisverkehr zwei Straßen weiter auf dich

    Du schickst ihr einen Smiley zurück und steuerst auf die Tür zu, die zum Garten führt. Jetzt muss ich wohl doch durchs Gebüsch. Während du dich duckend an der Hecke vorbeischleichst, überlegst du, ob Jackson auch diesen Weg gewählt hat. Bei dem Gedanken, dass er hier nachts rumgeschlichen sein könnte, bekommst du wieder eine Gänsehaut. An dem Teil der Hecke, der nicht allzu buschig ist, bleibst du stehen und sendest ein Stoßgebet zum Himmel, dass dich bitte keine Zecken beißen sollen. Danach beginnst du durch das Gestrüpp zu kriechen: Deine Hose bleibt an einem Ast hängen und es macht ein reißendes Geräusch. Du zuckst zusammen, bahnst dir aber weiter deinen Weg bis du wieder auf normaler, geteerter Straße stehst.
    Während die Polizisten an der Vorderseite des Hauses parken, befindest du dich nun auf der Rückseite und kannst so problemlos in die Richtung des Kreisverkehrs laufen.
    Das war fast zu einfach.
    Erleichtert klopfst du dir den Dreck von deiner Jeans und bedauerst den Riss, der nun einen Teil deines Knöchels freigibt. Du schreibst Kia, dass du gleich bei ihr bist, worauf sie nur mit Taehyung, wir kommen! antwortet.
    Du musst grinsen: Zum Glück ist Kiki dabei, allein würde ich mich das nicht trauen.
    Dein Handy vibriert erneut und du erwartest, dass dir deine Freundin noch ein Mal schreibt, aber sobald du die Nachricht liest, lässt du vor Schreck beinahe dein Telefon fallen.

    Unbekannte Nummer, 23:24: Keine gute Idee

    Voller Panik fängst du an zu rennen. Woher weiß er das? Du biegst um die Ecke und kommst schließlich schnappatmend bei Kias Auto an. Ängstlich schaust du dich um, aber es sieht nicht so aus, als wäre dir jemand gefolgt. Du setzt dich neben sie auf den Beifahrersitz und versuchst deinen Atem ein wenig zu beruhigen.
    „Alles okay, dN? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“
    Ohne etwas zu sagen, streckst du ihr dein Handy mit Jacksons Nachricht entgegen. Sie atmet scharf ein, sobald sie den Text liest. Dann reißt sie dir dein Telefon aus der Hand und schaltet es sofort aus. Bestimmt kann er dich damit orten. Sie schaut dich vorwurfsvoll an. Verdammt, daran hab ich gar nicht mehr gedacht.
    „T’schuldigung“, murmelst du.
    „Schon gut, wir fahren ja jetzt zur Polizei. Dann bist du diesen Jackson endlich los“, sie lächelt dich aufmunternd an und startet den Motor.
    „Hoffentlich … vielleicht weiß Taehyung mittlerweile auch, wie ich betäubt worden bin.“
    Kia nickt: „Und frag gleich nach neuem Personenschutz. Ich bin vorhin an deinem Haus vorbeigefahren und bin mir ziemlich sicher, dass einer der beiden Polizisten geschlafen hat.“

    Nachdem ihr euch noch eine Weile unterhalten habt, schaltet Kia den Radio an und ihr hört Musik. Deine Freundin konzentriert sich auf die Straße und du überlegst, was du Taehyung alles fragen möchtest:
    Warum hat Jackson eine Kamera in meinem Zimmer angebracht? Wollte er kontrollieren, dass ich das Haus nicht verlasse? Gehört das auch zu seiner Arbeit als Undercover-Agent?
    Arbeitet er vielleicht doch für die Chil Sung Pa? Und überhaupt – wird da mal jemand festgenommen, damit ich nicht mehr zwei unfähige Polizisten vor meinem Haus ertragen muss?

    Ein Piepsen reißt dich aus deinen Gedanken. Kia flucht und fährt von der Autobahn herunter.
    Fragend schaust du sie an.
    „Der Tank ist bald alle.“
    Du seufzt, das hatte euch gerade noch gefehlt.
    Kia lacht: „DN, zieh kein so langes Gesicht. Bei der Ausfahrt gerade stand ein Schild, dass hier eine Tankstelle sein sollte.“
    Und tatsächlich: wenige Minuten später steht ihr an einer Zapfsäule und Kiki füllt den Tank.
    Du bist auch ausgestiegen, weil du nicht allein im Auto bleiben wolltest. Nervös schaust du dich immer wieder um.
    „Mach dir keine Sorgen, dN! Ich glaube kaum, dass Jackson uns verfolgt. Wie sollte er uns denn hier finden?“
    Du zuckst mit den Schultern: „Der Typ ist hinter mir in der Damentoilette aufgetaucht, dem trau ich alles zu.“
    Kia grinst, dann sagt sie: „Setz dich schonmal ins Auto. Ich muss noch schnell bezahlen.“
    Zuerst willst du ihr nachlaufen, aber Kiki zieht ihre Augenbrauen nach oben und deutet auf den Beifahrersitz: „Jetzt stell dich nicht so an, dN.“
    Sie hat recht, ich muss mich zusammenreißen.
    Also setzt du dich wieder ins Auto und machst den Radio an. Im Rückspiegel siehst du, einen schwarzen Van hinter dir parken.
    Oh mein Gott, jetzt passiert es. Er wird mich kidnappen.
    Aber dann steigen zwei Frauen aus, die eine hält ein Baby im Arm, die andere telefoniert und schaut dich nicht einmal an. Erleichtert atmest du aus. Ich muss mich echt beruhigen.
    Kia kommt zurück und setzt sich neben dich: „Huch, du bist ja immer noch da. Wollte dich wohl doch keiner mitnehmen.“
    Du kneifst sie.
    „Autsch.“
    „Beinahe hätten mich die beiden Frauen da entführt“, sagst du gespielt entrüstet und deutest nach hinten.
    Kia schaut in den Rückspiegel: „Die mit dem Baby?“, sie lacht „ich denke eher nicht.“ Dann wird ihr Blick auf einmal ernst: „Weißt du dN, als wir in diesem Bus aufgewacht sind und du nicht da warst … ich glaube nicht, dass ich jemals mehr Angst in meinem Leben hatte. Du hättest Sora sehen müssen … sie war so aufgebracht. Ich habe sie noch nie so erlebt.“
    Du schluckst: „Tut mir leid.“
    Kia starrt dich an: „Warum entschuldigst du dich? Wir hätten auf dich aufpassen sollen. Es ist unsere Schuld.“ Sie dreht sich von dir weg und startet den Motor, aber du siehst, dass ihr eine Träne die Wange herunterrollt.
    „Nein Kiki, es ist nicht eure Schuld. Die haben mich verwechselt, das hättet ihr auch nicht verhindern können und außerdem: wir wurden alle betäubt.“
    Du streichst ihr über den Arm, dann schweigt ihr und hört nur noch dem Radio zu.
    Irgendwann lehnst du dich gegen das Fenster und machst deine Augen zu.


    „Hatschiiie.“ Irgendwas kitzelt an deiner Nasenspitze.
    „Gesundheit“, Kia lacht und lässt die Haarsträhne los, mit der sie gerade über dein Gesicht gestrichen hat, um dich aufzuwecken.
    „Na gut geschlafen?“
    Du nickst und streckst dich: „Sind wir schon da?“
    „Ja und wie versprochen“, sie deutet nach draußen „hab ich dich direkt vor die Polizeistation gefahren.“
    Du schaust aus dem Fenster. Tatsächlich steht ihr direkt vor dem Eingang des Polizeireviers in Busan. Mitten auf dem Bürgersteig.
    „Ähm Kiki, glaubst du, du darfst hier einfach stehen bleiben?“
    „Klaro. Wer sollte mich denn hier abschleppen? Die Polizei?“, bei ihren Worten muss sie heftig lachen und ihre roten Locken springen um ihren Kopf.
    Du starrst sie an: „Du solltest dich echt hinlegen, du warst jetzt sechs Stunden am Steuer. Ich hätte auch mal fahren sollen.“
    „Schon okay“, sie kichert immer noch „na los, nun geh schon rein. Ich warte hier auf dich.“
    Du küsst sie auf die Wange: „Vielen Dank, dass du mich gefahren hast, Kia!“
    Sie lächelt und lehnt sich nach hinten. Du siehst die Müdigkeit in ihren Augen und schmunzelst: „Ruh dich ruhig ein wenig aus.“
    Gähnend gibt sie dir ein Zeichen, dass du endlich aussteigen sollst. Obwohl es noch früh am morgen ist, sind schon einige Leute unterwegs. Du stehst an der ersten Stufe einer langen Treppe, die zum Eingang der Polizeistation führt. Nervös schaust du nach oben.
    Die Tür öffnet sich immer wieder und uniformierten Männer und Frauen kommen heraus. Einige starren Kias Auto an und schütteln den Kopf. Solange wird sie hier wohl doch nicht parken können. Du drehst dich zu ihr um, um ihr zum Abschied noch zu winken, aber sie ist schon eingenickt.
    Langsam machst du dich an den Aufstieg, Stufe um Stufe. Du wirst nervös und legst dir schonmal die Fragen zurecht, die du Taehyung stellen willst.
    Deine Nase juckt immer noch, weil Kia dich mit ihrem Haar gekitzelt hat und du niest erneut. Dabei stolperst du und rutscht nach hinten weg, aber bevor du stürzen kannst, fangen dich zwei Hände auf.


    Kias Sicht
    Klopfen.
    Ich drehe mich zur Seite und ziehe meine Jacke über meinen Kopf.
    Stärkeres Klopfen.
    Wütend schlage ich meine Augen auf. Wer wagt es, mich aufzuwecken?
    Ich kurble das Fenster nach unten und starre in braune Augen: „Was?“
    „Sie wissen, dass Sie hier nicht parken dürfen, oder?“
    Ich mustere ihn von oben bis unten. Weißes Shirt und blaue Jeans, ganz normaler Typ also: „Und wer verbietet mir das?“, raunze ich ihn an, meine Stimme immer noch rau vom Schlafen.
    „Ähm also zuerst mal das Straßenverkehrsgesetz der Republik Korea und –“ er holt eine Marke aus seiner Hosentasche.
    Ich inspiziere sie genau, dann seufze ich: „Sie sehen gar nicht aus wie ein Polizist.“
    Er grinst: „Weil ich gerade keine Uniform trage, aber ich kann Ihnen meine Waffe zeigen.“
    Ich ziehe meine Augenbrauen hoch: „Nein danke, ich verzichte.“
    Er lacht und seine Wangen färben sich rot: „So habe ich das nicht gemeint … aber Sie dürfen hier wirklich nicht parken.“
    Ich atme tief durch und versuche die Situation zu erklären: „Ich warte auf eine Freundin und habe ihr versprochen genau hier zu bleiben.“
    „Genau hier, hm? Und nicht am Parkplatz?“, er deutet auf ein paar Autos, die ein paar Meter weiter stehen.
    „Genau hier“, sagst du entschlossen.
    Der Polizist fängt wieder an zu lachen: „Und wie heißt diese Freundin? Dann kann ich mal nachfragen, wie lange sie noch braucht.“
    Kritisch mustere ich ihn und entschließe mich dN’s Namen nicht sofort zu verraten, stattdessen sage ich: „Sie redet gerade mit einem gewissen Taehyung und –“
    „Kim Taehyung?“
    „Ähm ja?“, du bist verdutzt „kennen Sie ihn?“
    „Ganz gut sogar, das bin nämlich ich.“
    „Was? Aber dN sollte eigentlich gerade bei dir äh bei Ihnen sein.“
    Er sieht mich verwundert an: „Ich schaue mal rein, ob sie drinnen auf mich wartet. Bleiben Sie solange hier!“
    Ich nicke: „Genau hier.“
    Schnell läuft er die Stufen nach oben und verschwindet in der Polizeistation. Nach wenigen Minuten kommt er zurück: „Tut mir leid, aber dN ist nicht da.“
    „Was? Das kann nicht sein. Sie müssen noch einmal nachschauen. Bestimmt sitzt sie in irgendeinem Raum und spricht mit jemandem.“
    Kopfschüttelnd sagt er: „Nein, niemand hat sie gesehen. Sie hat das Polizeirevier nie betreten.“

    10

    Deine Sicht

    „Also ich müsste nun echt mal pinkeln.“
    Jackson, der neben dir am Steuer sitzt, verdreht die Augen: „Du wirst es ja noch zwei Stunden aushalten.“
    „Nein, es ist wirklich dringend.“
    Als er nicht antwortet, sagst du leise: „Bitte, Jackson!“
    Er schnaubt, fährt aber nach einer Weile in der Nähe eines kleinen Waldstücks links ran. Dort steigt er aus und öffnet deine Beifahrertür. Du streckst ihm deine gefesselten Hände entgegen, aber er schüttelt nur seinen Kopf.
    Wird er mich etwa nicht losbinden?
    „Aber“, du starrst ihn mit großen Augen an „ich will nicht, dass du zuschaust.“
    Er atmet tief ein: „Das hatte ich nicht vor. Ich kann dich aber nicht einfach losbinden, sonst läufst du mir noch davon.“
    „Nein, das werde ich nicht“, widersprichst du ihm vehement.
    „Ach ja?“, er zieht seine Augenbrauen nach oben und beugt sich zu dir herunter.
    „Ich renne nicht weg“, flüsterst du.
    Er kommt dir so nahe, dass sich eure Nasen fast berühren. Dein Herz klopft schneller und du hältst den Atem an. Plötzlich macht es ein klickendes Geräusch und du realisierst, dass er dich gerade abgeschnallt hat. Jackson richtet sich wieder auf und schaut dich erwartungsvoll an. Du versuchst, irgendwie auszusteigen, aber deine Hände und Füße sind so fest mit Kabelbinder gefesselt, dass du es nicht aus dem Auto schaffst.
    Jackson schaut dir eine Weile zu, dann seufzt er und legt einen Arm um deinen Rücken, den anderen schiebt er unter deine Beine. Du zuckst bei der Berührung zusammen und willst zurückweichen, aber da ist kein Platz, sondern nur das Polster des Beifahrersitzes, auf dem du die letzte Stunde gesessen hast. Jackson hebt dich aus dem Auto und setzt dich vorsichtig auf dem Gehweg ab. Du kommst dir wie ein kleines Kind vor, als er dir helfen muss, aufzustehen und du willst ihn zurückstoßen, aber er wehrt dich problemlos ab.
    „Bleib hier“, fährt er dich an, als er den Kofferraum öffnet.
    Wie sollte ich denn weglaufen? Ich kann ja nicht mal einen Schritt machen, denkst du dir und versuchst das Gleichgewicht zu halten, um nicht sofort wieder hinzufallen.
    Vor knapp zwei Stunden hat Jackson dich kurz vor der Polizeistation in Busan abgefangen. Als du ausgerutscht bist, stand er auf der Treppe direkt hinter dir und hat dich aufgefangen. Du wolltest dich schon umdrehen, um deinem Retter zu danken, aber er hat dich festgehalten und geflüstert: „Wenn du anfängst zu schreien oder dich wehrst, siehst du deine Freundin nie wieder.“
    Als du Jacksons Stimme erkannt hast, bist du zusammengezuckt und hast sofort eine Gänsehaut bekommen. Dein erster Instinkt war es, einfach wegzurennen, aber er hatte einen Arm um deine Hüfte gelegt, sodass du nicht davonlaufen konntest. Er nahm einfach deine Hand und hat dich die Treppen wieder hinuntergeführt. Für andere saht ihr wahrscheinlich wie ein Paar aus, das gerade aus dem Polizeirevier kommt. Sehnsüchtig hast du dich immer wieder zu der Eingangstür umgedreht. Du warst so kurz vorm Ziel.
    Ein Polizist hat dich sogar aus Versehen angerempelt, sich entschuldigt und ist dann einfach weitergelaufen. Er hat nicht mal bemerkt, dass du gerade dabei warst, entführt zu werden. Mal wieder.
    Auf deine Fragen, wo er dich hinbringt, hat Jackson dir nicht geantwortet. In einer Seitengasse fesselte er dich schließlich und hat dich in ein Auto gestoßen. Seitdem wart ihr unterwegs.
    Du hast versucht dich zu orientieren, aber ihr wart nur auf unbefahrenen Landstraßen unterwegs, sodass du keine Ahnung hast, wo ihr euch im Moment befindet.
    Zumindest bringt er mich nicht zurück in das Hauptquartier der Chil Sung Pa.
    Jackson schließt wieder den Kofferraum und kommt mit einem Seil und einem Taschenmesser in der Hand zurück. Beim Anblick des Messers weiten sich deine Augen und du springst ein wenig zurück, weil deine aneinander gefesselten Füße es nicht zulassen, dass du davonläufst.
    Jackson grinst: „Glaubst du wirklich, dass ich dir damit etwas antun würde? Mit diesem kleinen Messer?“
    „Ich weiß nicht“, meinst du und springst noch weiter von ihm weg.
    „Ach ja, stimmt. Du vertraust mir ja nicht“, sagt er und spielt dabei auf seine WhatsApp-Nachricht an.
    „Warum sollte ich? Du hast mich jetzt zum zweiten Mal –“
    „Reich mir deine Hände!“, unterbricht er dich barsch.
    Als du nicht reagierst, schnaubt er wütend und zieht dich einfach zu ihm heran. Du hast Probleme dein Gleichgewicht zu halten und schwankst hin und her. Er wickelt das eine Ende des Seils um den Kabelbinder, mit dem deine Hände gefesselt sind, das andere Ende behält er.
    „So jetzt kannst du hier ins Gebüsch gehen und pinkeln – ganz ungestört, ohne dass ich dich verliere.“
    „Ich bin doch kein Hund, den du an eine Leine legen kannst.“
    „Nächstes Mal sollte ich dir auch deinen Mund zukleben. Entweder du gehst jetzt oder du wartest damit bis wir ankommen.“
    Schweigend deutest du auf deine Fußfesseln.
    Jackson seufzt, kniet sich hin und schneidet sie mit dem Taschenmesser durch: „So, jetzt beeil dich aber.“
    Du schüttelst kurz deine Beine aus, die ganz steif geworden sind und gehst dann in das kleine Waldstück. Hinter einem großen Baum setzt du dich hin und versuchst zu pinkeln, bist aber zu nervös. Das Seil um deine Hände spannt schon und schneidet in deine Handgelenke. Du zuckst vor Schmerz zusammen.
    Wahrscheinlich zieht Jackson daran, um mir zu zeigen, dass ich wieder zurückkommen soll. Wenn ich den Kabelbinder loswerde, wäre auch das Seil weg, dann könnte ich fliehen.
    Du schaust dich um, siehst aber nur Bäume. Verzweifelt drehst du dich im Kreis, um irgendwas zu finden, das dir helfen könnte. Dein Herz schlägt schnell und es bilden sich Schweißperlen auf deiner Stirn.
    Ich muss mich beeilen.
    Plötzlich fällt dein Blick auf einen Baum, in dessen Stamm ein kleiner Gegenstand steckt, der aussieht, wie ein schmales Rohr. Du erinnerst dich, dass du mit der Schule mal einen Ausflug in einen Wald gemacht hast und der Förster meinte, dass man so Harz aus dem Baum gewinnen könne. Wieder spürst du, dass jemand an dem Seil zieht. Panisch zerrst du an dem Rohr, aber es steckt fest in der Rinde.
    „Wo bleibst du?“, hörst du Jackson schreien.
    „Einen Moment noch.“
    Du stemmst ein Bein gegen den Stamm und ziehst erneut an dem Rohr. Endlich löst es sich und du taumelst zurück. Die Seite, die gerade noch in dem Baum gesteckt hat, ist spitz und sehr klebrig von dem Harz. Mit beiden Händen hältst du das Rohr fest und versuchst mit dem scharfkantigen Ende das Seil zu durchtrennen. Es dauert einen kurzen Moment, aber dann reißen einzelne Fäden.
    Ich brauche mehr Zeit.
    „Ich komm jetzt und hol dich“, ruft Jackson.
    „Nein, bitte nicht!“
    Verzweifelt bohrst du die Spitze des Rohrs in das Seil und endlich reißt es in der Mitte durch. Mit deinen Zähnen durchtrennst du die letzten Fäden.
    Der Kabelbinder fesselt deine Hände zwar immer noch aneinander, aber zumindest bist du nicht mehr an Jackson gebunden.
    „DN!“
    Sobald du deinen Namen hörst, zuckst du zusammen und stürmst los. Du hörst hinter dir Jackson vor Wut schreien, traust dich aber nicht, dich umzudrehen, sondern rennst immer weiter und weichst dabei den Bäumen aus. Deine Beine schmerzen, da sie so lange gefesselt waren und du kommst nur langsam voran. Hinter dir hörst du Schritte und du versuchst noch schneller zu laufen.
    In ein paar Metern siehst du das Ende des kleinen Waldstücks. Auf der anderen Seite erkennst du eine Straße.
    Vielleicht sieht mich dort jemand und hilft mir.
    Aber bevor du den Wald hinter dir lassen kannst, packen dich zwei Hände und werfen dich zu Boden. Schnell rollst du dich zur Seite und kannst gerade noch Jackson ausweichen, der sich auf dich werfen wollte. Er flucht. Du versuchst dich wieder aufzurappeln, aber er hält dich an deinem Knöchel fest. Du stürzt wieder zu Boden und schlägst dir dein Knie auf, Blut läuft dein Bein herunter und deine Hose färbt sich dunkelrot.
    Jackson hat dich losgelassen und steht nun über dir. Du versuchst vor ihm weg zu robben, aber er packt dich wieder an deinen Füßen. Er zieht dich über den Waldboden und du spürst wie sich Äste und Steinchen in deine Kleidung und Haut bohren. Vor Schmerzen schreist du auf, da hörst du plötzlich das Geräusch von quietschenden Reifen.
    Sofort haltet ihr beide inne. Du starrst gebannt auf die Straße, wo gerade ein Auto parkt. Bevor du um Hilfe schreien kannst, dreht Jackson dich auf den Rücken, setzt sich auf deinen Oberkörper und presst beide Hände auf deinen Mund. Du versuchst ihn abzuschütteln, aber er ist zu schwer. Sterne tanzen vor deinen Augen und deine Bewegungen werden panischer.
    Luft. Ich brauche Luft.
    Jackson starrt zu dem Auto und schaut dich nicht einmal an. Du versuchst ihm ein Zeichen zu geben, dass er auch deine Nase zudrückt und nicht nur deinen Mund, da kommt dir ein Gedanke in den Kopf: Er will mich ersticken.
    Mit letzter Kraft berührst du sein Gesicht; du bist mittlerweile so schwach, dass du nur noch an seiner Wange entlang streichen kannst. Sein Blick richtet sich wieder auf dich und er zuckt zusammen. Sofort lässt er dich los. Du schnappst nach Luft und genießt das Gefühl, dass sich deine Lungen wieder damit füllen. Nach ein paar Atemzügen legt Jackson wieder eine Hand auf deinen Mund, aber diesmal achtet er darauf, dass du durch deine Nase atmen kannst.
    Du hörst Stimmen. Jemand muss aus dem Auto gestiegen sein.
    Jackson duckt sich und liegt nun beinahe auf dir. Du nimmst seinen Geruch wahr und dir wird schwindelig, aber als du deinen Kopf zur Seite drehen willst, lässt er es nicht zu. Mittlerweile tut dir alles weh; vor allem dein pochendes Knie und deine Rippen, auf die Jackson sich abstützt. Du versuchst immer noch ihn von deinem Körper runter zu schieben, aber mit seiner freien Hand packt er deine aneinander gefesselten Handgelenke und drückt sie in den Waldboden über deinem Kopf. Vor Schmerz stöhnst du auf und Jackson schaut dich verwirrt an, dann rollt er sich von dir herunter, immer noch eine Hand auf deinen Mund gepresst.
    Du versuchst von ihm weg zu robben, aber er schlingt seinen Arm um dich und zieht dich zu sich heran. Du wehrst dich, aber er presst dich nur noch fester gegen sich. An deinem Rücken spürst du seine Brust und hörst seinen schnellen Atem. Dein Kopf ruht auf seinem Arm, mit dessen Hand er immer noch deinen Mund zuhält.
    Ein paar Minuten liegt ihr nur so da und lauscht den Stimmen, aber du verstehst kein Wort. Jacksons Körper ist warm und du spürst, wie sein Herz schnell in seiner Brust schlägt.
    Dein Adrenalinrausch ist langsam vorbei und du wirst müde. Du hast Schmerzen und möchtest nur noch nach Hause.
    Plötzlich hört ihr eine Tür zuschlagen und einen Motor starten.
    Sobald das Auto weggefahren ist, lockert Jackson seinen Griff und er steht auf. Er zieht dich auf deine Füße und du stöhnst, als dein verletztes Knie belastet wird.
    „Mach das nie wieder!“, fährt er dich an, packt deine gefesselten Hände und zerrt dich zurück durch den Wald.
    Du traust dich nicht noch einmal wegzulaufen, deswegen stolperst du ihm hinterher. Da Jackson dich nicht mehr wärmt, ist dir nun auch noch kalt.
    An dem Auto angekommen, öffnet er die Beifahrertür und deutet dir dich hinzusetzen. Ohne Wiederstreben lässt du dich auf das schwarze Polster fallen und stöhnst erneut auf. Dein Knie hat zwar aufgehört zu bluten, schmerzt aber immer noch. Deine Hose ist an mehreren Stellen aufgerissen und Kratzer ziehen sich überall über deine Haut. Du willst schon die Autotür zuziehen, als du bemerkst, dass Jackson dich anstarrt.
    „Warte hier!“
    Wo sollte ich denn hin? Ich kann ja nicht mal richtig laufen.
    Er geht wieder zum Kofferraum und kommt nach ein paar Sekunden zurück. In seiner linken Hand hält er eine Wasserflasche, in seiner rechten einen Verbandskasten, den er neben sich auf den Boden stellt.
    Er öffnet die Flasche und hält sie dir hin. Du nimmst sie und trinkst. Eigentlich hattest du gehofft, er würde vielleicht den Kabelbinder von deinen Handgelenken entfernen, aber bisher hat Jackson noch keine Anstalten gemacht, deine Fesseln zu lösen.
    Warum sollte er auch? Gerade habe ich noch versucht zu fliehen.
    Er nimmt dir die Flasche wieder weg und trinkt den Rest des Wassers selbst. Dann kniet er sich hin, zieht dein Bein vorsichtig zu sich heran und reißt die Jeans rund um dein verletztes Knie auf. Du starrst ihn böse an, weil du die Hose echt gerne mochtest, auch wenn sie durch euren Kampf im Wald schon ziemlich zerstört wurde, greifst aber nicht ein.
    Als er die Wunde desinfiziert, zuckst du zusammen: „Ah, es brennt.“
    „Da musst du jetzt durch“, sagt er kalt. Er drückt eine Kompresse auf dein Knie und bindet danach einen Verband darum.
    Dann mustert er dich von oben bis unten; sein Blick ist dir unangenehm und du drehst deinen Kopf zur Seite. Plötzlich spürst du seine Hand in deinem Haar und du zuckst zurück.
    „Ganz ruhig, du hattest da nur ein Blatt im Haar“, sagt er leise. Du schaust Jackson an, aber da du nicht weißt, was du sagen sollst, schweigst du lieber.
    Er desinfiziert auch die restlichen Kratzer und Schrammen und klebt Pflaster auf die Wunden an deinen Handgelenken, an denen das Seil deine Haut aufgerieben hat.
    „Alles nicht so schlimm“, murmelt er und steht wieder auf.
    „Warum machst du das alles?“, fragst du ihn vorsichtig.
    „Ich hab dir doch gesagt, du sollst mir vertrauen.“
    Du verdrehst die Augen. Jetzt kommt er wieder damit an.
    Er lächelt schwach: „Das wird schon noch.“
    Nachdem er die leere Flasche und den Verbandskasten wieder in den Kofferraum gepackt hat, setzt er sich neben dich auf den Fahrersitz.
    Du starrst ihn an: „Du willst also, dass ich dir vertraue?“
    „Ja“, er nickt „ich bin auf deiner Seite.“
    „Hm, wenn das so ist … wo fahren wir dann hin?“
    Er schweigt eine Weile und du glaubst, dich schon mit deinem Schicksal abgefunden zu haben, wieder zu irgendeinem Versteck der Chil Sung Pa gebracht zu werden, da sagt Jackson: „Wir fahren zu deinen Eltern.“


    Wow, das ist wahrscheinlich das längste Kapitel, das ich je hochgeladen habe. Zumindest habe ich ewig dafür gebraucht 😅
    Es ist grad 03:52 … sorry, dass ich es nicht mehr gestern Abend geschafft habe 🧡


    11
    Hello Leute,
    morgen (Karfreitag) würde ich gerne wieder einen Lesetag machen. Diesmal versuche ich auch pünktlicher hochzuladen 😅
    um zwölf soll es los gehen.
    Bis dann💚💚
    oh ich freu mich schon:))




    Kias Sicht
    Ich sitze mit Taehyung in einem Café in der Nähe der Polizeistation in Busan. Es hat eine knappe Stunde und mehrere Telefonate mit Sora gebraucht, um mich ein wenig zu beruhigen, aber jetzt kann ich wenigstens wieder ein halbwegs normales Gespräch führen, ohne hysterisch rum zu schreien, dass meine Freundin gekidnappt wurde. Taehyung versucht gerade mich zu überreden, erneut eine Vermisstenanzeige aufzugeben, aber ich bin dagegen.
    „Denken Sie nicht, dass es besser wäre, zumindest dN’s Eltern Bescheid zu geben?“, seufzt Taehyung.
    Ich schüttle vehement meinen Kopf: „Nein, die beiden würden das nicht verkraften. DN meinte, dass ihre Eltern schon beim ersten Mal völlig fertig waren und sie nicht mehr allein gelassen haben. Deswegen mussten wir uns ja auch mitten in der Nacht rausschleichen. Wenn sie erfahren, dass ihre Tochter wieder verschwunden ist … ich weiß nicht, ob sie das aushalten würden.“
    „Was schlagen Sie also vor, was wir machen sollen?“
    Ich weiß es auch nicht. Wenn dN nicht bald wieder auftaucht, werden ihre Eltern eh bald rausfinden, dass etwas nicht stimmt und sie heute nicht nur ausnahmsweise mal länger schlafen will. Ich nehme einen Schluck von meinem Getränk; meine Hände zittern vor Nervosität. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es bereits mein vierter Kaffee ist.
    „Kannst du eigentlich aufhören mich zu siezen? Du bist doch wahrscheinlich nur ein paar Jahre älter als ich.“
    Verblüfft schaut er mich an: „Na gut, dann: Was schlägst DU vor, was wir machen sollen? Wenn wir keine Anzeige aufgeben und nicht mal ihre Eltern informieren, kann ich kaum etwas für dN tun.“
    „Oh, ich weiß doch auch nicht“, seufze ich, während ich meine Schläfen massiere und mich frage, was Sora wohl tun würde. Vielleicht sollte ich sie noch einmal anrufen. „Ich will ihre Eltern da einfach nicht unnötig mit reinziehen.“
    „Unnötig?“, er zieht seine Augenbrauen nach oben „dN wurde wahrscheinlich von der gefährlichsten Gang Koreas entführt und –“
    „Du meinst wohl Jackson?“, unterbrichst du ihn.
    Taehyung schüttelt seinen Kopf: „Jackson steht auf unserer Seite. Er würde so etwas niemals tun, außer …“, er hält inne.
    „Außer was?“, hake ich nach.
    Er sieht aus, als würde er bereuen, überhaupt etwas gesagt zu haben.
    „Außer was?“, wiederhole ich mich.
    Er rauft sich durch die Haare, irgendwie sieht er süß dabei aus. Seine braunen Augen mustern mich und ich schaue schnell zur Seite. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man meine Gedanken viel zu leicht von meinem Gesicht ablesen kann und was ich auf jeden Fall vermeiden will, ist, dass der Polizist, der das Verschwinden meiner Freundin untersucht, weiß, dass ich ihn süß finde.
    Taehyung räuspert sich: „Außer Jackson hat den Auftrag erhalten, dN naja ähm auf sie aufzupassen.“
    „Von wem sollte er so einen Auftrag bekommen? Von dieser Gang? Den Chilis?“
    Er kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, dann wird er wieder ernst: „Chil Sung Pa. Nein, das glaube ich nicht. Jackson würde keinen Unschuldigen in Gefahr bringen, selbst wenn deswegen seine Tarnung auffliegen könnte. Schließlich hat er dN auch sofort gehen lassen, als …“, er zögert wieder.
    „Als er rausgefunden hat, dass sie nicht diese Sheila ist?“
    „DN hat euch wirklich alles erzählt, oder?“, besonders überrascht klingt er nicht.
    Ich zucke mit den Schultern: „Wir kennen uns schon so lange. Es war nur eine Frage der Zeit bis sie mit uns darüber redet.“
    „Lange hat sie ja nicht gerade durchgehalten“, meint er kopfschüttelnd, dann mustert er mich eindringlich. Wieder weiche ich seinem Blick aus und schütte noch mehr Zucker in meinen Cappuccino.
    „Aber bei so einer Freundin kann sie wahrscheinlich nichts lange geheim halten“, fügt er hinzu.
    „Was soll das denn heißen?“, frage ich mürrisch.
    Taehyung lächelt und schaut mir immer noch in die Augen: „Kia, vielleicht solltest du Polizistin werden. Du wärst bestimmt großartig darin, Leute zu verhören.“
    Ich werfe meine Haare in den Nacken, unsicher, ob das nun ein Kompliment oder eine Beleidigung war: „Ich weiß nicht … blau ist nicht so meine Farbe.“
    Taehyung verschluckt sich fast an seinem Kaffee und prustet los.
    „Wer würde Jackson denn den Auftrag geben, dN zu entführen?“, frage ich weiter.
    „Wir wissen gar nicht, ob er das überhaupt gemacht hat.“
    „DN hat schon die ganze Zeit gemeint, dass er sie verfolgt. Ich dachte, sie wäre nur ein wenig paranoid nachdem, was ihr passiert ist, aber …“, ich bringe meinen Satz nicht zu Ende, weil ich ein schlechtes Gewissen habe. Wäre ich nur nicht eingeschlafen.
    „Sollte Jackson tatsächlich dN ähm abgefangen haben“ (bei seiner Wortwahl ziehe ich meine Augenbrauen nach oben) „dann wahrscheinlich nur, weil ihm das sein Vorgesetzter in Seoul befohlen hat.“
    „Und wo finde ich diesen Vorgesetzen?“
    „Ähm … in Seoul?“
    Ich werfe ihm einen bösen Blick zu.
    „Sorry, das war blöd. Also wenn du mit ihm reden willst, dann“ er zögert einen Moment lang „Kia, ich glaube kaum, dass es dazu kommen wird. Das ist alles streng geheim.“
    Na toll. Ich verschränke meine Arme vor meiner Brust. „Kannst du ihn dann fragen, ob er Jackson irgendeinen Auftrag gegeben hat?“
    Taehyung fängt an zu lachen, aber als er deinen Blick sieht, hält er sofort inne: „Was das eine ernstgemeinte Frage?“
    „Natürlich!“ Ich bin genervt, er sollte mich mal ernst nehmen.
    „Auf keinen Fall! Ich habe nichts mit Jacksons Mission zu tun, also –“
    „Wer hat denn was mit seiner Mission zu tun? Irgendjemand muss doch wissen, was er gerade macht oder wo er ist.“
    „Oh wow, du wirst nicht lockerlassen, oder?“
    Ich schüttle meinen Kopf.
    Taehyung seufzt: „Eine meiner Kolleginnen ist für die Betreuung der Undercover-Agenten in Busan zuständig. Vielleicht kannst du mit ihr sprechen.“
    Ich nicke zufrieden und trinke meine Tasse leer. Wieder mustert mich Taehyung, aber diesmal weiche ich seinem Blick nicht aus.
    „Du solltest wirklich Polizistin werden.“
    Ja, klar doch.



    Circa zwanzig Minuten später sitzt mir eine junge Frau gegenüber, die Taehyung mit „Juhee Noona“ angesprochen hat. Sie ist zwar nicht besonders sympathisch, aber zumindest hört sie mir zu. Sobald ich fertig gesprochen habe, meint sie: „Tut mir leid, aber ich kann Ihnen diesbezüglich keine Auskunft geben.“
    Ich seufze: „Wer kann mir denn dann eine Auskunft geben? Irgendjemand muss doch wissen, ob Jackson den Auftrag hatte, dN abzufangen.“ Bei dem Wort „abzufangen“ mache ich mit meinen Fingern zwei Gänsefußzeichen und werfe Taehyung, der neben mir sitzt, einen vielsagenden Blick zu.
    Allerdings ignoriert er mich und wendet sich Juhee zu: „Kannst du dann mir irgendetwas darüber sagen?“
    Die Polizistin schüttelt ihren Kopf: „Nein Taehyung, leider nicht.“ Sie sieht aus, als würde es ihr tatsächlich leidtun.
    Er starrt sie an bis sie schließlich seinem Blick ausweicht. Juhee dreht ihren Kopf zur Seite und ich erkenne an ihrem Hals den Ansatz eines Tattoos. Es sieht aus wie ein Schriftzug, aber da der Rest von ihrer Uniform überdeckt wird, kann ich nicht lesen, was sich sich tätowiert hat. Sie schaut immer noch zur Seite. Ich bin also nicht die Einzige, die Taehyungs Augen nicht standhalten kann. Moment mal. Ich schaue zwischen den beiden hin und her und fühle mich plötzlich fehl am Platz. Taehyung legt seine Hand auf ihre und sagt „Bitte!“
    Warum fasst er sie denn jetzt an? Ich räuspere mich, aber werde von den beiden ignoriert. Na toll, was jetzt?
    Juhee atmet tief durch, dann sagt sie: „Ich bin zwar für den Kontakt zu den Undercover-Agenten in Busan zuständig, aber Jackson ist immer noch in Seoul angestellt, auch wenn er gerade hier in Busan arbeitet. Sollte er einen neuen Auftrag bekommen haben, dann direkt von seinem Vorgesetzen in Seoul. Wenn es nichts mit seinen Angelegenheiten in Busan zu tun hat, werde ich darüber auch nicht informiert.“ Sie zuckt mit ihren Schultern
    Hm, dann muss ich wohl doch nach Seoul…
    Taehyung lässt immer noch nicht ihre Hand los bis sie schließlich seufzt und aufsteht: „Ich kann dort mal anrufen und versuchen irgendwas zu erfahren. Jackson hätte sich gestern eh bei mir melden sollen, aber ich habe nichts von ihm gehört. Dann ist mein Anruf wenigstens nicht völlig aus der Luft gegriffen.“
    Wow. Seine Hände können also Wunder bewirken. Taehyung nickt Juhee zu und sobald sie den Raum verlässt, wendet er sich mir zu: „So, bist du jetzt zufrieden?“
    Ich lächle: „Ja! Falls nichts dabei rauskommen sollte, gebe ich eine Vermisstenanzeige auf, okay?“
    „Das hättest du gleich machen sollen.“
    Ich ignoriere sein Kommentar und schweige. Eine Weile spricht keiner von uns beiden. Am liebsten würde ich ihn fragen, was da zwischen ihm und dieser Polizistin läuft, aber ich reiße mich zusammen. Warum interessiert mich das überhaupt?
    „Juhee arbeitet hier noch nicht so lange, vielleicht ein knappes Jahr, aber sie ist eine gute Polizistin. Sie wird uns solange helfen, bis wir dN gefunden habe“, unterbricht Taehyung die Stille.
    Ich nicke nur.
    „Du scheinst sie nicht zu mögen?“, schmunzelt er. Warum lächelt er denn jetzt?
    „Ähm doch, sie ist … nett.“
    Er schaut mich direkt an: „Nett, ja?“
    Ich zwinge mich seinem Blick standzuhalten und wir starren uns an, schließlich dreht er seinen Kopf zur Seite. Innerlich jubiliere ich: Dieses Blick-Battle habe ich gewonnen.
    „DN hat auch mit Juhee gesprochen, als sie hier war“, sagt er „du kannst ihr also vertrauen.“
    „Das ist es nicht. Sondern …“, verzweifelt suche ich nach Worten. Wie kann ich denn unauffällig sagen, dass es mich irgendwie stört, dass sie sich nahestehen. Eigentlich sollte mir das egal sein.
    Zum Glück kommt in diesem Moment Juhee zurück und bewahrt mich davor, den Satz zu Ende zu bringen.
    „In Seoul hat sich Jacksen gestern gemeldet, alles läuft so wie immer. Keine weiteren Missionen.“
    Ich zucke zusammen. Das kann nicht sein.
    Taehyung neben mir seufzt: „Danke Juhee, dass du gefragt hast.“
    Sie lächelt: „Kein Problem. Es könnte natürlich sein, dass Jackson ohne Auftrag gehandelt hat.“
    „Das glaube ich auch“, sage ich sofort.
    Taehyung schaut zwischen mir und der Polizistin hin und her, dann schüttelt er seinen Kopf: „Auf keinen Fall.“
    Zumindest ist Juhee auf meiner Seite. Auf einmal mag ich sie wieder ein wenig mehr.
    „Also Kia, dann nehmen wir jetzt die Anzeige auf. Es ist höchste Zeit“
    Oh nein, … aber Taehyung hat recht. Ich stöhne auf: „Na gut, aber vielleicht sollte ich“, ich schlucke und fahre mir nervös durch meine Haare „vielleicht sollte ich zuvor dN’s Eltern informieren.“
    „Ich kann das für dich erledigen“, schlägt er vor, aber ich lehne ab: „Ich glaube, es ist besser, wenn ich das mache.“
    Da ich nicht vor Juhee und Taehyung telefonieren möchte (ich befürchte, dass ich anfangen werde zu weinen), verlasse ich den kleinen Raum und laufe nach draußen.
    Einige Polizisten mustern mich und ich bin froh, als ich an die frische Luft komme. Die Nachmittagssonne scheint und ich muss meine Augen zusammenkneifen. Wie lange ich da drin war… Meine Finger zittern, als ich die Nummer wähle. Nach ein paar Mal Klingeln nimmt ihr Vater ab.
    „Ähm hallo, hier ist Kiki. Ich äh …“, nervös kaue ich auf meiner Lippe rum. Ich hätte mir vielleicht besser überlegen sollen, was ich genau sagen will „also ich –“
    „Ah hallo Kia! Wie geht’s dir denn? Möchtest du mit dN reden?“, unterbricht er mich.
    „Ja, also deswegen rufe ich an … vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum sie nicht da ist …“ ich atme tief durch und will schon weitersprechen, als dN’s Vater sagt: „Von was redest du da? DN sitzt hier auf dem Sofa.“

    12
    Deine Sicht
    Ihr fahrt in die Einfahrt vor deinem Haus und bleibt dort stehen. Eine Weile dachtest du, Jackson hätte dich angelogen, aber irgendwann hast du die Straßen wiedererkannt und wusstest, dass er dich tatsächlich zu deinen Eltern bringt. Du schaust dich um. Das Auto der beiden Polizistin, die eigentlich auf dich aufpassen sollen, befindet sich immer noch dort, wo es stand, als du dich aus dem Haus geschlichen hast.
    Auf der Fahrt hierher hast du versucht, mehr von Jackson zu erfahren. Für wen er tatsächlich arbeitet? Warum er dich vor der Polizeistation abgefangen hat, nur um dich wieder nach Hause zu fahren? Was er als nächstes plant?
    Irgendwann hat er angehalten und dir Duct Tape auf den Mund geklebt mit den Worten: „Du stellst mir zu viele Fragen.“
    Da deine Hände immer noch gefesselt sind, konntest du dich auch nicht wehren. Die restliche Fahrt war es dann ziemlich ruhig.
    Jackson schnallt sich ab und will schon aussteigen, als du ihm deine Hände entgegenstreckst und etwas Unverständliches murmelst.
    Er schaut mich an: „Kannst du dich nicht allein befreien?“
    Ähm nein, sonst würde ich hier ja wohl kaum sitzen. Du starrst ihn böse an, aber er muss nur grinsen.
    „Heb deine Arme über deinen Kopf!“
    Ich bewege mich kein Stück.
    „Ach komm schon, du musst es so machen.“ Er hält seine Hände nach oben, formt sie zu Fäusten und führt sie in einer ruckartigen Bewegen nach unten. Bei ihm sieht das so leicht aus, aber als ich es versuche, schließt sich der Kabelbinder nur enger um meine Handgelenke. Aua.
    Jackson schüttelt seinen Kopf: „Du musst das schneller machen!“
    Ich wiederhole es noch einmal und tatsächlich reißt dabei der Verschluss des Kabelbinders auf. Ich reibe meine schmerzenden Handgelenke und ziehe dann vorsichtig das Klebeband von meinem Mund.
    „Das hättest du mir ruhig früher zeigen können.“
    Er lächelt mich nur an und steigt aus.
    Schnell folge ich ihm. Sobald wir vor der Haustür stehen, frage ich ihn: „Was hast du jetzt vor?“
    Er schaut auf seine Uhr, dann dreht er sich um und starrt zu dem Polizeiauto: „Eigentlich sollten die doch mal Schichtwechsel haben.“
    „Hey, ignorier mich nicht! Was machen wir jetzt?“, unterbrichst du seine Gedanken.
    Er mustert mich wieder: „Du gehst rein, ich komme in fünf Minuten nach.“
    „Aber was ist mit meinen Eltern?“
    „Was soll mit ihnen sein?“
    „Sie machen sich doch bestimmt Sorgen.“
    „Ich glaube nicht, dass ihnen bisher aufgefallen ist, dass du nicht da bist. Zumindest haben sie noch nicht die Polizei gerufen.“
    Du schluckst. Vermutlich denken sie, ich liege immer noch in meinem Bett und schlafe.
    Jackson holt einen Schlüssel aus seiner Hosentasche und steckt ihn ins Schloss.
    „Was?“, du bist schockiert „woher hast du den?“
    „Schon vergessen? Dir wurden all deine Sachen weggenommen, als du bei den Chil Sung Pa warst. Dein Handy und den Schlüssel habe ich behalten.“
    Du starrst ihn an. Sprachlos. So ist er also in Haus gekommen. Du hast gar nicht mehr daran gedacht, dass man dir nicht nur dein Handy abgenommen hat.
    Er dreht den Schlüssel im Schloss herum, stößt die Tür auf und deutet dir hineinzugehen.
    Wütend zeigst du ihm den Mittelfinger, gehst in den Eingang und ziehst die Haustür hinter dir zu.
    Schnell huschst du in dein Zimmer und ziehst deine zerrissene Hose aus und deinen Schlafanzug an. Danach gehst du ins Wohnzimmer, wo dein Vater auf der Couch sitzt. Aus der Küche hörst du deine Mum singen, während sie den Abwasch macht. Sie haben wirklich nicht gemerkt, dass ich nicht zuhause war.
    Dein Dad gibt dir einen Kuss auf die Stirn und fragt: „Na meine Kleine, gut geschlafen?“
    Du nickst nur und kuschelst dich an ihn. Er streicht dir über den Kopf und liest weiter seine Zeitung. Alles wirkt friedlich und du bist schon kurz davor neben deinem Dad auf dem Sofa einzuschlafen, als ein Klingeln dich zusammenzucken lässt.


    „Ich geh schon“, ruft deine Mum aus der Küche und du hörst wie sie zur Haustür läuft. Kurz danach erkennst du Jacksons Stimme und zuckst zusammen. Das hat er also gemeint mit ‚er kommt in fünf Minuten nach.‘
    Als deine Mum und er das Wohnzimmer betreten, fragt deine Mutter: „Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“
    „Vielleicht einen Kaffee?“
    Sie nickt und verschwindet wieder in der Küche.
    Dein Vater schaut von seiner Zeitung auf und mustert Jackson.
    „Guten Tag, ich bin Special Agent Jackson Wang und hier, um mit Ihnen über ihre Tochter zu reden“, meint er und streckt deinem Dad seine Hand entgegen.
    Dieser schaut ihn skeptisch an, schüttelt aber seine Hand: „Wir wussten nicht, dass heute jemand von der Polizei kommen würde.“
    Jackson zieht seine Augenbrauen nach oben: „Eigentlich sollten Sie meine Kollegen darüber informieren?“
    Du schaust zwischen ihm und deinem Vater hin und her. Alles wirkt so surreal.
    „Die da draußen?“, fragt dein Dad und deutet mit seinem Kopf in Richtung Haustür.
    Jackson nickt.
    Lügt er oder ist es wahr? Du versuchst seinen Blick zu lesen, aber weißt nicht, ob du ihm glauben sollst. War es tatsächlich geplant, dass er heute hierherkommt?
    „Das haben die wohl vergessen“, seufzt dein Papa „setzten Sie sich gerne hin!“ Er deutet auf den Sessel, der neben dem Sofa steht und Jackson lässt sich darauf nieder.
    „Also warum sind Sie genau hier?“
    „Ich würde gerne über eine stärkere Bewachung ihrer Tochter mit Ihnen und natürlich dN sprechen“, Jackson wirft dir einen Blick zu und du weißt nicht, was du sagen sollst.
    Dein Vater nickt und legt seine Zeitung beiseite: „Wie haben sie gesagt, heißen sie? Jackson Wang? Waren sie nicht in der Toilette in dem Café, als –“
    „Nein, das war ein anderer“, fällst du deinem Dad ins Wort. Deine Stimme zittert, aber dein Vater scheint es nicht zu bemerken.
    Jackson spricht ruhig weiter: „Aber das ist auch einer der Gründe, warum ich hier bin. So etwas darf nicht noch einmal passieren. Niemand darf ihrer Tochter auflauern und sie in Gefahr bringen.“ Du verdrehst deine Augen, bisher hat nur er mich in Gefahr gebracht, aber dein Dad stimmt ihm zu.
    Das Telefon klingelt und dein Vater steht vom Sofa auf.
    „Einen Moment bitte“, er nimmt den Hörer und verlässt den Raum, um ungestört telefonieren zu können. Jetzt bist du mit Jackson allein.
    „Süßer Schlafanzug.“ Er grinst.
    Deine Wangen färben sich sofort rot und du versuchst mit einem Kissen zumindest einen Teil deines rosa-weiß-gemusterten Schlafanzugs abzudecken.
    Du ignorierst sein Kommentar: „Was machst du immer noch hier? Und von welcher ‚stärkeren Bewachung‘ sprichst du? Reichen die Polizisten vor meinem Haus nicht aus?“
    „Diese beiden Idioten? Ich konnte dich nachts problemlos besuchen und du hast dich erst gestern rausgeschlichen, ohne dass sie irgendwas bemerkt hätten.“
    „Besuchen? Du bist hier einfach eingebrochen und –“, du hältst inne als dein Vater ins Zimmer kommt und dir das Telefon hinhält.
    „Das ist Kia, sie scheint leicht verwirrt zu sein.“
    Schnell reißt du ihm den Hörer aus der Hand und sprintest in dein Zimmer. Du hättest sie durch den Stress beinahe vergessen. Sie muss sich schlimme Sorgen gemacht haben.
    „Ja?“
    „Dn … aber wie … warum … was machst du zuhause?“, stottert sie.
    Du erklärst ihr, was passiert ist. Sobald du Jacksons Name erwähnst, ruft sie „Wusste ich’s doch.“
    Als du fertig bist, fragt sie dich: „Und was macht er jetzt bei dir?“
    „Keine Ahnung, er redet von stärkerer Überwachung, aber ich weiß nicht, was das bedeuten soll.“
    „Hm, lass dich nicht von ihm einlullen. Auch wenn er gut aussieht!“
    Du grinst. Ach Kia. „Hab ich nicht vor. Tut mir leid, dass du jetzt ganz allein in Busan bist.“
    „Ich bin gar nicht allein, ich hab mit Taehyung gesprochen.“
    „Du hast was?“
    „Ja, er meinte, dass ich nicht auf dem Bürgersteig parken kann und dann hätte ich beinahe eine Vermisstenanzeige für dich aufgegeben.“
    „Also, das geht mir jetzt ein wenig zu schnell. Was ist genau passiert?“
    Deine Freundin erzählt dir von dem Gespräch mit Taehyung und dieser Polizistin Juhee.
    Du hörst ihr aufmerksam zu: „Du bist dir also sicher, dass Jackson keinen neuen Auftrag bekommen hat? Dann soll es auch keine stärkere Überwachung geben.“
    „DN, ich vertraue ihm nicht. Du musst dich von ihm fernhalten.“



    nächstes Kapitel kommt um neun, ich muss schnell mit meinem Hund spazieren gehen und bin noch nicht ganz fertig 🙂



    Als du wieder zurück ins Wohnzimmer kommst, sitzen deine Eltern auf dem Sofa und unterhalten sich mit Jackson. Sobald du den Raum betrittst, schauen alle drei zu dir auf. Du zupfst deinen Schlafanzug zurecht und quetscht dich aufs Sofa.
    „Was hab ich verpasst?“
    Alle drei schweigen. Was ist hier los?
    Schließlich räuspert sich dein Vater: „DN, wir haben uns entschieden, dass es besser wäre, wenn du nicht mehr hier wohnen würdest. Zumindest vorübergehend.“
    Du starrst deinen Dad an. Ist das sein Ernst?
    „Wenn es jemand schafft, dir in der Toilette eines Cafés aufzulauern, dann findet er dich auch hier.“
    „Deswegen sind doch die Polizisten da“, fahre ich ihn an „ich will hierbleiben. Wo soll ich denn sonst hin?“
    „Das Zeugenschutzprogramm hat für solche Situationen –“, fängt Jackson an.
    „Zeugenschutzprogramm?“, unterbreche ich ihn und springe auf.
    „Versteh doch, Schatz, du bist hier einfach nicht sicher genug“, sagt deine Mum und tätschelt deine Hand.
    Du stößt sie weg: „Ich will nicht ins Zeugenschutzprogramm. Ich will hierbleiben. Bei euch.“
    Dein Dad sieht dich traurig an und deiner Mum laufen Tränen über die Wangen.
    Als Jackson anfängt zu sprechen, ist seine Stimme vollkommen ruhig: „Du würdest auch nicht in das Programm kommen, sondern nur in einer ihrer Wohnungen untergebracht werden, die sie für solche Situationen zur Verfügung stellen. Solange bis sich die Situation entspannt hat. Die Chil Sung Pa haben deine Sachen behalten, also wissen sie, wer du bist und wo du wohnst.“
    Du wirfst ihm einen bösen Blick zu. Du hast meine Sachen behalten, du weißt, wo ich wohne. Du bist der Böse hier.
    „Es ist nur eine Frage der Zeit bis sie hier auftauchen, auch wenn du nicht Sheila bist“, fährt Jackson fort „deswegen werden deine Eltern weiterhin von Polizisten rund um die Uhr geschützt.“
    „Ma, Pa, lasst das nicht zu. Ich will nicht gehen“, du bemerkst, dass deine Augen feucht werden.
    Deine Mum schluchzt und zieht dich in ihre Arme: „Wir wollen auch nicht, dass du gehst, aber wir können dich nicht beschützen.“
    Ihr Geruch beruhigt dich ein wenig und du beherrscht dich, nicht zu weinen.
    Nun steht auch dein Vater auf und umarmt euch. Als er dich loslässt, siehst du seine traurigen Augen: „Herr Wang wird dich heute noch in ein neues Apartment bringen.“
    „Nein!“, du zuckst zusammen „bitte nicht!“
    Dir wird schwindelig. Das alles ist zu viel auf einmal. Du drohst umzukippen, aber dein Dad stützt dich.
    „Er wird uns auf dem Laufenden halten, wie es dir geht und dich regelmäßig besuchen“ deine Mum wischt sich ihre Tränen aus dem Gesicht. An ihrer Stimme erkennst du, dass sie ihn mag und ihm vertraut.
    Er hat sie schon um seinen Finger gewickelt? Du wirst wütend. Wie können sie ihm glauben? Wahrscheinlich gibt es dieses Apartment gar nicht. Wer weiß, wo er mich hinbringt.
    „Mama, ich glaube ihm nicht. Ich will nicht mit ihm mitgehen“, sagt du und versuchst die Wut in deiner Stimme zu unterdrücken.
    Deine Mum schluchzt. Du siehst, dass sie versucht für dich stark zu bleiben, aber sie bricht erneut in Tränen aus. Jackson legt ihr seine Hand auf die Schulter, um sie zu beruhigen. Du starrst ihn an. Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus? Ich will nicht mit ihm mitgehen.
    Die Polizisten! Auch wenn sie bisher nicht sehr hilfreich waren … sie können zumindest bestätigen, dass Jackson mich nicht abholen soll. Hoffentlich.

    Vorsichtig schiebst du deine Mum zur Seite und rennst dann raus. Dein Dad ruft dir noch hinterher, aber du bist schon zur Haustür raus und am Auto der Polizisten. Der eine sieht aus, als würde er schon wieder schlafen. Du fängst an wie wild gegen die Scheibe zu klopfen, aber keiner reagiert. Plötzlich greifen dich zwei Hände und ziehen dich von dem Auto weg.
    Jackson hält dich fest, sodass du nicht mehr mit den Polizisten reden kannst.
    „Lass mich los“, schreie ich ihn an und schlage um mich „sie müssen mir helfen.“
    „Beruhig dich, dN.“
    Du hörst jemand nach Luft schnappen und siehst, wie deine Mutter sich ihre Hände vor ihr Gesicht schlägt. Sie steht direkt vor dem Polizeiauto.
    „Mum, was ist los?“ Du wirst nervös.
    Dein Vater eilt zu ihr und nimmt sie in den Arm. Als er ins Auto schaut, keucht er.
    „Dad?“, du wirst hysterisch und willst zum Auto, aber Jackson ist zu stark.
    „Schauen Sie, ob sie noch atmen!“, fordert er deinen Vater auf.
    „Was?“, du starrst Jackson an. Das kann nicht sein.
    Vorsichtig legt dein Vater seine Hand an die Beifahrertür, während deine Mutter sich von dem Auto wegdreht.
    Du schaust zwischen deinen Eltern hin und her, dein Herz schlägt schneller. Einen Moment zögert er, aber dann zieht dein Vater die Tür auf. Sofort fällt ihm ein Körper entgegen. Du fängst an zu schreien.

    13
    Du starrst vor dich ins Leere. Jackson hat dich ins Haus getragen und aufs Sofa gelegt. Das muss vor ungefähr einer Stunde gewesen sein oder vielleicht vor zwei. Du bist dir nicht mehr sicher. Alles, an was du denken kannst, sind die beiden Polizisten. Sie haben nie geschlafen, sie waren tot. Dein Dad hat versucht dich zu beruhigen. Deine Mum hat versucht dich zu beruhigen. Obwohl sie selbst so ängstlich ist, dass sie bereits drei Beruhigungstabletten geschluckt hat, doch sie zittert immer noch am ganzen Körper. Sogar Jackson wollte dich ein wenig ablenken, aber du ignorierst alle um dich herum und starrst nur an die Decke.
    Die Polizisten wurden wegen mir getötet.
    Weder deine Eltern noch Jackson haben es ausgesprochen, aber ihr alle wisst es.
    Niemand hat gemerkt, dass sie sich nicht mehr bewegen. Es war kein Blut im Auto. Du weißt nicht, wie sie gestorben sind.
    Jackson hat sofort seine Kollegen angerufen und ein wenig später waren mindestens 15 Leute da. Deine Eltern mussten beide eine Aussage abgeben, die Leichen wurden untersucht und der Tatort abgesichert. Vor eurem Haus hat sich eine kleine Menschenmenge versammelt, um das „Spektakel“ zu betrachten, aber sie wurden von den Polizisten verscheucht. Bei dem Anblick der Gaffer ist dir schlecht geworden.
    Wie kann man nur zwei tote Männer anschauen wollen?
    Auch euer Haus wird genau inspiziert, da die Polizei hofft, hier Spuren der Täter zu finden. Überall wuseln Menschen herum. Du fühlst dich wie betäubt und starrst immer noch an die Decke.
    „DN?“
    Es ist deine Mum. Du willst dich zu ihr drehen, aber dein Kopf gehorcht nicht. Immer wieder glaubst du das Geräusch zu hören, wie der leblose Körper des Polizisten auf dem Boden aufgeschlagen ist.
    „DN, du musst jetzt stark bleiben!“
    Tränen rollen über dein Gesicht, die Stimme deiner Mutter klingt so traurig und ängstlich. Du wünschtest, alles wäre so wie früher, aber du weißt, dass es niemals wieder so werden wird.
    Deine Mum nimmt deine Hand und endlich kannst du ihr ins Gesicht sehen.
    „Mami, ich hab Angst.“
    Sie nickt: „Ich weiß, ich auch.“
    „Sie sind wegen mir tot“, flüsterst du. Deine Mutter starrt dich an, schweigend.
    Was soll sie auch sagen? Es ist schließlich die Wahrheit.
    „Du musst mit Jackson zu diesem Apartment des Zeugenschutzprogramms!“
    Du lächelst schwach. Jetzt duzt deine Mum ihn sogar! Wie kann sie ihm nur so vertrauen? Vielleicht hat er die beiden Polizisten getötet...
    „Bitte dN! Du bist hier nicht sicher, wir können dich nicht beschützen.“
    Langsam richtest du dich auf und setzt dich hin. Deine Mutter nimmt deine Hand, kniet sich vor dich hin und sieht dir direkt in die Augen.
    Du weichst ihrem Blick aus und schaust zu Jackson, der im Türrahmen steht und sich mit einem Kollegen von ihm unterhält. Sie diskutieren leise, sodass du sie nicht verstehen kannst. Auf einmal drehen sich beide zu dir um und starren dich an. Du ziehst die Augenbrauen hoch. Was ist nun wieder los?
    „DN, tu es für deinen Vater und mich, ja? Wenn du hierbleibst, würden wir vor Sorge sterben.“
    Du schaust wieder deine Mum an und überlegst:
    Ich weiß nicht, auf welcher Seite Jackson steht. Vielleicht arbeitet er für die Polizei. Vielleicht für die Chil Sung Pa.
    Vielleicht bringt er mich tatsächlich irgendwo hin, wo er mich beschützen kann. Vielleicht tötet er mich, sobald er die Chance dazu hat … vielleicht … vielleicht wäre es besser so. Dann würde niemand mehr verletzt werden.

    Dein Kopf schmerzt und du musst dich zwingen, deiner Mum in die Augen zu sehen.
    „Ok“, sagst du leise. Sie atmet sichtlich erleichtert aus und fällt dir um den Hals.
    „Geh schnell rauf und pack deine Sachen. Ich gebe deinem Vater Bescheid.“ Sie gibt dir einen Kuss auf die Wange und steht auf.
    Du schaust deiner Mutter nach, wie sie sich an all den Polizisten vorbei nach draußen schiebt.
    Langsam stehst du auf. Als du durch die Wohnzimmertür gehst, spürst du, dass Jackson dich anstarrt, aber du ignorierst ihn.
    Sobald du das Notwendigste zusammengepackt hast und deinen Schlafanzug durch eine bequeme Jeans und ein weißes Shirt eingetauscht hast, gehst du zur Haustür, vor der deine Eltern schon warten.
    Es sind immer noch einige Polizisten da, manche von ihnen mustern dich.
    „Jackson wird deine Aussage aufnehmen, sobald du dich beruhigt hast. Dann musst du auch noch mehrere Papiere unterschreiben, aber das wird er dir alles zeigen“, meint deine Mum und streicht dir übers Haar. Du siehst, dass sie wieder geweint hat. Vermutlich versucht sie für mich stark zu bleiben.
    Statt einer Antwort, ziehst du sie in eine Umarmung: „Ich hab dich lieb, Mami!“
    Du hörst sie schluchzen.
    Vorsichtig löst du dich von ihr und gibst deinem Vater ein Küsschen, der ebenfalls mit den Tränen kämpft.
    „Wir sehen uns bald wieder“, flüstert er.
    „Wirklich? Wann?“
    „Herr Wang meinte, er regele das schon irgendwie.“
    Herr Wang also. Du seufzt.
    „Wissen die, wo ich hinkomme?“, du deutest auf die Polizisten um dich herum.
    Dein Dad schüttelt seinen Kopf: „Niemand weiß es … aber wahrscheinlich ist es auch besser so.“
    Du schaust deinen Vater an und hoffst, dass du ihn nicht zum letzten Mal siehst. Dann atmest du tief ein und setzt dich schnell in Jacksons Auto, damit deine Eltern nicht sehen, wie du weinst.

    14
    Am Freitag um acht Uhr kommt ein neues Kapitel 😊😊


    Auf dem Weg zu dem Apartment sprichst du kein einziges Wort mit Jackson. Die Strecke, die ihr fahrt, kommt dir bekannt vor und irgendwann realisierst du, dass es derselbe Weg ist, den du gestern Nacht mit Kia zurückgelegt hast. Bringt Jackson mich zurück nach Busan?
    Doch irgendwann wechselt er die Autobahn und du hast wieder keine Ahnung, wo ihr euch befindet. Langsam wird es dunkel.
    Nach einer Weile nickst du ein, aber dein Schlaf ist unruhig und immer wieder träumst du von den toten Polizisten. Plötzlich spürst du etwas an deiner Schulter und zuckst zusammen. Du wachst sofort auf.
    „Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken“, entschuldigt sich Jackson.
    „Was ist los?“, murmelst du schlaftrunken und schaust dich um. Ihr steht auf dem Parkplatz einer Rastplatzstelle. „Sind wir schon da?“
    Jackson schüttelt seinen Kopf: „Nein, wir warten hier auf jemanden.“
    Schlagartig bist du wach. „Das war so nie ausgemacht“, fährst du ihn an.
    Er zieht fragend seine Augenbrauen hoch.
    „Dass wir jemanden treffen. Du solltest mich doch nur zu diesem Apartment bringen.“ Du verschränkst deine Arme vor deiner Brust.
    Jackson will schon zu einer Antwort ansetzen, aber dann beginnt sein Handy zu vibrieren. Du versuchst einen Blick auf das Display zu werfen, aber er dreht sich zur Seite und steigt mit den Worten „da muss ich ran“ aus dem Auto aus.
    Eine Weile beobachtest du ihn, während er telefoniert. Mehrmals fährt er sich durch die Haare und läuft auf und ab. Er scheint wütend zu sein.
    Du lässt dich tiefer in deinen Sitz sinken und überlegst, wer die Person sein könnte, die ihr hier treffen sollt. Wer auch immer es sein mag, du würdest eine Begegnung lieber vermeiden. Dein Blick bleibt am Autoschlüssel hängen, der immer noch im Schloss unterhalb des Lenkrads steckt. Du starrst ihn an.
    Ich könnte einfach wegfahren und Jackson zurücklassen. Aber wohin sollte ich? Wieder zu meinen Eltern? Die wären vermutlich nur enttäuscht und besorgt, dass sie mich nicht beschützen können. Außerdem wüsste ich gar nicht, ob ich den Heimweg finde. Oder soll ich mein Glück versuchen und einfach irgendwo hinfahren, um mich vor den Chil Sung Pa zu verstecken?
    Deine Gedanken werden unterbrochen, als Jackson die Fahrertür aufreißt: „Steig aus!“
    Du zuckst zusammen, schnallst dich aber ab und verlässt das Auto.
    Er öffnet den Kofferraum und nimmt deinen Koffer heraus.
    „Ähm … was machst du da?“
    Wütend stapft er in Richtung Tankstelle los. Er ist so schnell, dass du Probleme hast, ihm zu folgen.
    „Jackson, wo gehen wir hin?“
    „Wir müssen heute Nacht hier schlafen“, er deutet auf ein kleines Haus direkt neben der Tankstelle, auf dem in pinken Leuchtbuchstaben MOTEL steht.
    „Ist das dein Ernst? Sollten wir hier nicht irgendjemanden treffen?“
    „Er wird heute nicht kommen“, meint Jackson.
    „Aber … aber ich geh doch nicht mit dir in ein Motel.“
    Abrupt dreht er sich um: „Warum nicht?“
    Er steht nun direkt vor dir. Die plötzliche Nähe zu ihm überfordert dich.
    „Weil ähm … naja, warum kommt dieser Typ nicht?“, wechselst du das Thema.
    „Er hatte … Schwierigkeiten.“
    „Schwierigkeiten?“, du ziehst deine Augenbrauen nach oben.
    Jackson seufzt: „Das ist jetzt egal. Wichtig ist nur, dass wir heute Nacht hier schlafen und morgen früh weiterfahren.“
    Er läuft wieder weiter, aber du ziehst ihn am Ärmel.
    „Du willst doch, dass ich dir vertraue, oder? Also sag mir bitte, was –“
    „Er sollte uns ein neues Auto besorgen, okay?“, unterbricht er dich „Mit dem alten sind wir schon zu lange unterwegs.“
    „Und bringt er dir dann morgen ein neues?“
    Jackson nickt und betritt das Motel. Es ist stickig, hinter einer kleinen Theke steht eine ältere Frau und schaut von ihrer Zeitschrift auf.
    „Zimmer für zwei bitte“, sagt Jackson.
    Die Frau mustert euch beide von oben bis unten, dann grinst sie und schiebt ihm einen Schlüssel über den Tresen zu. Jackson will schon danach greifen, da meint die Frau: „Das macht dann 35.000 Won (ca. 27€).“
    „Wir zahlen morgen früh.“
    „Nein jetzt“, sie schüttelt ihren Kopf.
    „Morgen“, wiederholt er. Die beiden starren sich an und du fühlst dich extrem unwohl.
    Ich würde lieber im Auto schlafen als hier, denkst du dir und schaust immer wieder zwischen Jackson und der Frau hin und her.
    Schließlich lässt sie den Schlüssel los: „Na gut, morgen.“
    Jackson nickt wieder und steuert auf eine Tür zu, die zu den Zimmern der Gäste führt. In der einen Hand hält er deinen Koffer, in der anderen den Schlüssel. Du folgst ihm, drehst dich aber noch einmal zu der älteren Frau um, da du ihre Blicke in deinem Rücken spürst.
    Sie zwinkert dir zu und grinst wieder. Gruselig. Was denkt die bloß?
    Als dir aufgeht, dass sie dich und Jackson vermutlich für ein Pärchen hält, färben sich deine Wangen rot. Das werden wir bestimmt nicht machen.
    Die Gänge des Motels sind schmal, aber es gibt doch einige Zimmer.
    Vor Raum 1.12 bleibt Jackson stehen und sperrt das Schloss auf. Du folgst ihm nach drinnen, bleibst dann aber wie angewurzelt stehen.
    „Da … gibt es ja nur ein … nur ein Bett“, stotterst du. Das Zimmer ist sehr klein und neben dem Doppelbett steht nur ein schmaler Schrank und ein einziger Holzstuhl.
    Er schaut dich an und verdreht seine Augen: „Warst du noch nie in einem Motel?“
    „Ähm nein“, zickst du ihn an und willst schon umdrehen, als er dich am Handgelenk festhält.
    „Wo willst du hin?“
    „Ich bevorzuge es, im Auto zu schlafen.“
    „Auf keinen Fall.“
    Du willst dich losreißen, aber sein Griff ist eisern. Warum muss er bloß so stark sein?
    „Ich kann nicht auf dich aufpassen, wenn du nicht bei mir bist.“
    Du seufzt. Er wird nicht lockerlassen. „Okay, aber ich geh zuerst ins Bad.“
    Er stimmt zu und lässt dich los. Du schnappst dir deinen Koffer und verschwindest in dem winzigen Badezimmer.
    Nachdem du dich mehrmals versichert hast, dass du den Raum abgesperrt hast, steigst du unter die Dusche und genießt das warme Wasser auf deinem Körper. Du wäscht deine Haare, peelst deine Haut und putzt dir die Zähne. Danach trägst du eine Gesichtsmaske auf, die von dem Motel zur Verfügung gestellt wurde. Du bleibst so lange in dem kleinen Raum bis deine Haare beinahe wieder vollkommen trocken sind. Dann schlüpfst du in ein großes Shirt, das du aus dem Schrank deines Vaters mitgenommen hast und in eine bequeme kurze Schlafanzughose.
    Als du das Bad endlich verlässt, siehst du, dass Jackson bereist im Bett eingeschlafen ist. Kurz spielst du mit dem Gedanken, doch noch im Auto zu schlafen, aber du siehst den Schlüssel nicht und traust dich nicht Jacksons Sachen zu durchsuchen.
    Er liegt ziemlich mittig im Bett. Na toll, wie soll ich mich denn da auch noch reinquetschen.
    Vorsichtig versuchst du ihn ein wenig nach links zu schieben. Im Halbschlaf murmelt er „sorry“ und rollt sich zur Seite. Dabei verrutscht die Decke und entblößt seinen Oberkörper.
    Du atmest scharf ein. Er trägt kein Shirt und du kannst nun deutlich seine muskulösen Arme und Brustmuskeln sehen. Kein Wunder, dass er mich einfach so festhalten kann.
    Deine Augen wandern nach unten und du fragst dich, ob er auch ein Sixpack hat, aber dieser Teil seines Körpers ist immer noch durch die Decke verborgen.
    Reiß dich zusammen, dN, dieser Typ ist dein Feind, rufst du dir in den Kopf und zwingst dich, deinen Blick von ihm abzuwenden.
    Langsam legst du dich auf die freie Seite des Bettes und deckst dich mit der Decke zu.
    Neben dir hörst du Jacksons gleichmäßigen Atem.
    Eine Weile liegst du nur so da und versuchst einzuschlafen. Du hast dich ganz an den Rand gelegt, damit du Jackson nicht zu nahekommst, aber die Position ist ziemlich unbequem und schon bald schmerzt dein Rücken. Du drehst dich hin und her und versuchst eine angenehmere Lage zu finden, doch schließlich bleibst du genauso wie zuvor liegen; mit dem Rücken zu Jackson, die Beine eng an dich gezogen.
    So werde ich die ganze Nacht nicht schlafen können.
    Plötzlich rollt er sich im Schlaf zu dir herüber und legt einen Arm um dich. Du erschrickst und willst von ihm wegrobben, aber da ist kein Platz. Du liegst ja bereits an der Kante. Dein Herz schlägt schneller und du wirst nervös. Soll ich ihn aufwecken?
    Während du überlegst, was du nun machen sollst, zieht er dich auf einmal noch näher an sich heran und du spürst seinen warmen Körper an deinem Rücken.
    Die Situation erinnert dich an deine Flucht im Wald, als er dich genauso festgehalten hat, damit du nicht weglaufen konntest. Nur diesmal liegt seine Hand nicht auf deinem Mund, sondern neben deinem Bauch. Ach ja, und in dem kleinen Wald hatte er wenigstens ein Oberteil an. Du entschließt dich, ihn vorsichtig nach hinten zu schieben, damit du wieder mehr Platz hast.
    Aber dein Plan geht nach hinten los: Er bewegt sich kein Stück und nun bist du nur noch enger an ihn gepresst. Du spürst seinen Atem in deinem Nacken und bekommst eine Gänsehaut. Wie komme ich hier wieder raus?
    Vorsichtig bewegst du dich hin und her, um wieder ein wenig Platz für dich zurück zu gewinnen, doch plötzlich fühlst du etwas ganz anderes und erstarrst. Er ist erregt.
    Du beschließt, dass es jetzt an der Zeit ist, zu handeln, auch wenn du ihn dabei aufweckst und versuchst, seine Arme zur Seite zu schieben, aber selbst im Schlaf ist er stärker als du. Aber noch viel schlimmer ist, dass du merkst, wie dein Körper auf seinen reagiert und du dich am liebsten noch näher an ihn pressen würdest.
    Als du seinen Geruch wahrnimmst und du wieder seine kräftigen Arme um deinen Körper spürst, bist du kurz davor dem Drang nachzugeben, dich an ihn zu kuscheln, aber dann reißt du dich zusammen und zwingst dich, wieder ruhig zu atmen. Danach rutschst du nach unten und tauchst so unter seinen Armen durch.
    Schnell stehst du auf und gehst ins Bad. Am Waschbecken spritzt du dir etwas Wasser ins Gesicht und sobald dein Herz wieder normal schnell schlägt, kehrst du zurück in das kleine Zimmer.
    Dort sitzt Jackson aufrecht im Bett und schaut dich an: „Was ist los?“
    Jetzt kannst du auch den Rest seines Oberkörpers sehen und ja, er hat ein Sixpack. Du drehst dich zur Seite, um ihn nicht anzustarren.
    „Ähm … du nimmst mir meinen Platz weg“, du deutest auf das Bett „so kann ich nicht schlafen.“
    „Oh“, er mustert dich kurz, dann rutscht er zurück zu seiner Seite und dreht dir den Rücken zu.
    Du legst dich auf deinen Teil des Bettes und kuschelst dich in die Decke ein, die Jackson dir zu großem Teil überlässt. Eine Weile liegt ihr schweigend so da, aber an seinem Atem erkennst du, dass er nicht wieder eingeschlafen ist. Du schaust auf die Uhr; es ist kurz vor zwei.
    Deine Gedanken wandern zurück zu der Umarmung und du kannst nicht anders als dich zu fragen, ob er immer noch erregt ist. Dir wird warm und du versuchst dich auf etwas anderes zu konzentrieren.
    Irgendwann steht Jackson auf und verschwindet im Bad. Kurz danach hörst du die Dusche. Bei dem Geräusch des prasselnden Wassers wirst du müde und bald danach schläfst du ein.

    15
    Langsam wachst du auf und kuschelst dich noch einmal enger an dein Kissen. Dann bemerkst du, dass dein Kissen atmet. Dein Kopf liegt auf Jacksons Brust, du hast beide Arme um seinen Oberkörper geschlungen und deinen Körper eng an seinen geschmiegt. Du spürst, dass seine Hand auf deinem Rücken ruht.
    Wie lange liegen wir schon so da?
    Vorsichtig versuchst du, von ihm runterzurutschen.
    „Na, bist du wach?“ Fuck.
    Du rollst dich zur Seite und setzt dich auf – mit dem Rücken zu Jackson, weil du nicht willst, dass er sieht, wie sich deine Wangen rot färben. Wie konnte ich mich nur an ihn kuscheln?
    Du räusperst dich: „Wie lange bist du schon wach?“
    „Eine Weile.“
    Du drehst dich zu ihm um: „Warum hast du mich nicht geweckt?“
    Er zuckt mit seinen Schultern und grinst: „Du hast so friedlich geschlafen … und außerdem kommt Yugyeom erst um acht“, er deutet auf die Uhr; es ist erst kurz nach sieben. Da habe ich aber nicht lange geschlafen.
    „Der Typ mit dem Auto?“
    Jackson nickt, dann dreht er sich zur Seite und murmelt: „Ich versuch noch einmal zu pennen.“
    Am liebsten würdest du dich auch wieder ins Bett legen, aber beim Anblick von Jacksons nacktem Rücken beschließt du, dich schonmal umzuziehen. Im Bad wäschst du dein Gesicht und überlegst, ob du dich ein wenig schminken solltest. Einerseits würdest du gerne deine dunklen Augenringe abdecken und vielleicht noch die Wimpern tuschen, andererseits willst du nicht, dass Jackson denkt, du würdest dich für ihn hübsch machen.
    Aber nach einem weiteren Blick in den Spiegel, holst du dein Schminktäschchen aus deinem Koffer. Jackson liegt mittlerweile auf der anderen Seite des Bettes und schläft tief.
    Nachdem du im Bad fertig bist, fühlst du dich zwar wacher, aber dein Bauch beginnt zu knurren. Du hast seit gestern Abend nichts mehr gegessen und bist nun richtig hungrig.
    Hm, kann man in einem Motel frühstücken? Aber bei dem Gedanken an die seltsame Frau vom Tresen beschließt du, doch lieber etwas an der Tankstelle zu holen. Als du das kleine Badezimmer verlässt, siehst du Jackson aufrecht im Bett sitzen und etwas in sein Handy tippen. Er sieht schon wieder wütend aus. Sobald er dich bemerkt, legt er sein Telefon zur Seite und fragt: „Kann ich jetzt ins Bad?“ Du nickst nur.
    Jackson mustert dich und du musst dich zwingen, seinem Blick nicht auszuweichen. Seine Haare sind verwuschelt, aber sonst sieht er aus, als würde er gleich für irgendeine Unterwäsche-Marke modeln so wie er halbnackt auf dem Bett sitzt, eines seiner Beine leicht angewinkelt.
    Er atmet tief ein: „Weißt du eigentlich, dass du im Schlaf redest?“
    Du schüttelst deinen Kopf: „Ne … hab ich etwas wichtiges gesagt?“ Auf einmal wirst du nervös.
    „Also zuerst hast du irgendwas von diesen Polizisten gebrabbelt und dann“, er fängt an zu grinsen und legt seinen Kopf schief „dann hast du immer wieder meinen Namen gesagt.“
    Du starrst ihn an und bist dir sicher, dass dein Kopf rot wie eine Tomate ist.
    „Hm, vielleicht nur, damit du mich loslässt“, versuchst du dich zu verteidigen. Fragend zieht er seine Augenbrauen nach oben.
    „Ja, du hast mich gestern Nacht so festgehalten, dass ich nicht wegrutschen konnte. Außerdem hast du mir meinen Platz weggenommen“, schmollst du.
    Er lacht kurz auf: „Wer hat mich denn heute Morgen als Kissen benutzt?“
    „Also ich werde hier jetzt nicht mit dir rumdiskutieren“, blaffst du ihn an und schnappst dir deinen Geldbeutel. Dann drehst du dich um und willst zur Tür, aber Jackson springt aus dem Bett und hält dich fest. Irgendwie wird das langsam zur Angewohnheit.
    Du seufzt: „Was?“
    „Wo willst du jetzt wieder hin?“
    „Nur schnell zur Tankstelle; Kaffee und Croissants kaufen.“
    Wieder mustert er dich. „Na gut, wenn du in zehn Minuten nicht zurück bist, komme ich dich suchen.“
    Du verdrehst deine Augen, schweigst aber und verlässt den kleinen Raum.

    Morgen die andere Hälfte des Kapitel 🤗

    Hinter dem Tresen, an dem gestern noch die ältere Frau saß, steht heute ein großer Mann. Aber weil er dich keines Blickes würdigt, gehst du einfach an ihm vorbei. In der Tankstelle bestellst du vier Croissants (du weißt schließlich nicht, wie lange ihr heute noch unterwegs sein werdet) und zwei Kaffees. Die Kassiererin lächelt dir freundlich zu und du bist froh, endlich wieder ein nettes Gesicht zu sehen. Du schaust auf deine Armbanduhr, um die Uhrzeit zu checken, da du dein Handy zu Hause bei deinen Eltern lassen musstest. Vier deiner zehn Minuten sind schon vorbei. Du schnaubst. Ob Jackson mich wirklich holen würde. Du überlegst eine Weile, beschließt aber dann, dass es besser ist, es nicht herauszufinden. Er war letztes Mal schon so wütend, als ich weggelaufen bin und ich habe immer noch keinen Plan, wo ich überhaupt bin.
    Dir kommt eine Idee und du drehst dich wieder zu der Kassiererin um: „Entschuldigung, wo sind wir hier denn eigentlich genau?“
    Sie schaut zwar etwas irritiert, beschreibt dir dann aber exakt die Lage der Autobahnauffahrt, wo ihr euch gerade befindet. Anscheinend will mich Jackson nach Seoul bringen.
    Schnell bedankst du dich und machst dich auf den Rückweg, doch auf dem Parkplatz bleibst du wie angewurzelt stehen:
    Neben dem Auto, in dem Jackson und du gestern hierher gefahren seid, steht ein weiterer Wagen, in dem du zwei Männer in schwarzen Anzügen siehst. Außerdem lehnt ein weiterer Typ an der Fahrertür und raucht.
    Sollte nicht nur einer hier auftauchen? Warum gleich drei?
    Du schaust wieder auf deine Uhr. Noch zwei Minuten. Du wirst immer nervöser. Vielleicht ist das ja gar nicht dieser Yugyeom, sondern irgendjemand anderes, versuchst du dich zu beruhigen.
    Aber der Mann, der gerade noch geraucht hat, wirft seine Zigarette auf den Boden und öffnet danach den Kofferraum von Jacksons Auto. Du schluckst. Dein Herz klopft immer schneller. Der Unbekannte holt einen Aktenkoffer aus dem Wagen und steigt danach in sein eigenes Auto.
    Du schaust wieder auf die Uhr. Zehn Minuten sind um. Verdammt.
    Doch statt zu Jackson zurück zu kehren, drehst du dich um und läufst wieder in die Tankstelle.
    „Könnte ich kurz telefonieren, der Akku meines Handys ist leer“, lügst du die Kassiererin an.
    Die zögert: „Ich bin leider nicht befugt, Sie hinter den Tresen zu lassen.“
    Du schiebst ihr 5000 Won zu und lächelst sie an: „Bitte!“
    Sie seufzt: „Na gut, benutzen Sie mein Handy.“
    „Vielen Dank!“, du nimmst ihr das Telefon aus der Hand und wählst Kias Nummer. Weil du ihre Handynummer nicht auswendig kennst, rufst du bei ihr zu Hause an. Zuerst ist ihre Mum am Apparat. Sie hört sich verschlafen an, ist aber trotzdem sehr freundlich.
    Du fragst nach Kiki.
    „Ja?“, fragt deine Freundin gähnend.
    „Kiki, ich bin’s.“
    „Was? DN? Wo bist du?“, sie ist sofort hellwach.
    Schnell fast du zusammen, was seit gestern passiert ist. Du kannst kaum glauben, dass du vor 24 Stunden noch mit ihr in Busan warst, um mit Taehyung zu sprechen.
    Als du fertig bist, schweigt Kiki. Dann flüstert sie: „Die Polizisten … waren sie … also wie –“
    „Ich weiß auch nicht“, schluchzt du und bist den Tränen nahe. Es tut zwar gut mit deiner Freundin darüber zu reden, aber du hast Angst: Du weißt nicht, ob du Jackson trauen kannst. Diese Typen vor dem Auto wirken gefährlich und beim Gedanken an die toten Polizisten vor deinem Haus bekommst du Schweißausbrüche.
    „Was soll ich nur machen? Ich bin nirgendwo sicher“, sagst du verzweifelt.
    „Ich hole dich ab!“
    „Nein! Jackson weiß, wie du aussiehst. Sobald er dich hier sieht, wird er wissen, dass etwas nicht stimmt.“
    Kiki seufzt, dann atmet sie scharf ein: „DN, hör mir genau zu: Ich habe eine Idee!“

    16

    Nachdem du der Kassiererin ihr Handy zurückgegeben hast, wagst du dich wieder auf den Parkplatz. Du versteckst dich hinter einem großen Truck und schielst zu den drei Männern in Anzügen. Dein Atem stockt. Jackson steht bei ihnen und unterhält sich mit dem Typen, der zuvor geraucht hat. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Du bist dir nicht sicher, ob das nun ein gutes oder schlechtes Zeichen ist.
    Wie auch immer. Du hast dich entschieden und wirst Kikis Plan befolgen. Langsam tastest du dich zum nächsten Auto vor und dann wieder zum nächsten. Solange bist du auf der anderen Seite des Parkplatzes bist; Jackson und die unbekannten Männer lässt du dabei nicht aus den Augen. Ersterer schaut sich immer wieder um.
    Vermutlich sucht er mich.
    Circa fünfzig Meter von dir entfernt ist die Ausfahrt, die zum einen wieder auf die Autobahn führt, zum anderen geht davon auch eine Bundesstraße ab. Kias Plan ist zwar riskant, aber bevor du zu Jackson und diesen drei seltsamen Männern gehst, versuchst du doch lieber zu fliehen.
    Du wartest ab, bis Jackson und die anderen Männer dir den Rücken zugedreht haben, dann rennst du los. Auf die Bundesstraße zu. Deine Lunge beginnt zu schmerzen.
    Sobald du sie erreicht hast und Jackson außer Sicht ist, läufst du langsamer bis du letztendlich am Rand der Straße entlang gehst.
    Das erste Auto fährt an dir vorbei und du hältst deinen Daumen raus, aber der Fahrer ignoriert dich. Die Minuten vergehen und mehrere Fahrzeuge fahren an dir vorbei, aber niemand hält an. Du seufzt. Das hab ich mir irgendwie leichter vorgestellt.
    Genervt stapfst du weiter voran, immer darauf achtend, nicht auf die Fahrbahn zu geraten. Das nächste Auto fährt an dir vorbei und du stöhnst auf. Soll ich wieder umdrehen? Schnell legst du den Gedanken bei Seite. Und wenn ich nach Busan laufen muss. Dort willst du dich mit Kia treffen.
    Frustriert packst du eines der Croissants aus, die du immer noch mit dir rumträgst (die Kaffees musstest du leider auf dem Parkplatz zurücklassen) und isst es in wenigen Bissen auf. Das Essen stärkt dich und du greifst gleich nach dem nächsten.
    Nach einer Weile hält endlich ein Wagen neben dir. Zwei Mädchen lächeln dich an und fragen, wo du hinmusst.
    „Busan? Hm, das ist genau in die andere Richtung“, meint die eine, als du dein Ziel nennst.
    „Wir könnten dich aber beim nächsten Bahnhof rauslassen, dann könntest du den Zug nehmen.“
    Dankbar stimmst du zu und bietest ihnen gleich mal eins deiner Croissants an.
    Lachend nimmt es das Mädchen im Beifahrersitz – sie kann kaum älter als du sein – und fragt dich, was du in Busan machen willst.
    „Ach, nur eine Freundin besuchen“, meinst du und hoffst, dass du nicht rot wirst. Lügen war nie deine Stärke.
    „Oh, könnte ich vielleicht dein Handy benutzen?“, fragst du sie.
    „Klar“, sie reicht dir ihr Telefon.
    Schnell rufst du noch einmal bei Kia an und gibst ihr Bescheid, wo du bist. Ihr macht Zeit und Ort aus, wo ihr euch in Busan treffen wollt.
    „Danke“, du gibst dem Mädchen vor dir sein Telefon zurück.
    „Hast du dein Handy verloren?“
    „Ähm …“, schnell versuchst du dir eine Geschichte auszudenken „nein … es wurde mir geklaut. Genauso wie meine Autoschlüssel. Deswegen konnte ich auch nicht selbst fahren.“
    „Oh man, wie blöd. Hast du das schon gemeldet?“
    Du schluckst. Verdammt, hätte ich nicht einfach nur ‚ja‘ sagen können.
    „Äh meine Freundin hat das gemacht. Wo fahrt ihr eigentlich hin?“, lenkst du das Gespräch auf ein anderes Thema.
    Eine Weile quatscht ihr über alles Mögliche, bis ihr eine kleine Stadt passiert, deren Namen du noch nie gehört hast.
    „Hier gibt’s einen Bahnhof, da lasse ich dich raus, okay?“, fragt die Fahrerin.
    Du nickst.
    Sie fährt auf einen Parkplatz vor einer schmalen Halle, durch die die Züge fahren müssen. Du bedankst dich mehrmals und steigst dann aus.
    Sofort steuerst du auf einen freien Automaten zu. Der nächste Zug kommt zwar erst in einer Stunde, fährt dafür aber direkt nach Busan. Du bezahlst dein Ticket mit Karte und steckst es in deinen Geldbeutel. Zumindest hab ich den dabei, sonst wäre ich echt aufgeschmissen.
    Dann setzt du dich auf eine Bank und isst das letzte Croissant.
    Du wirst müde, zwingst dich aber wachzubleiben. Ich darf meinen Zug nicht verpassen.
    Die Minuten verstreichen quälend langsam. Du läufst in der kleinen Halle auf und ab und kaufst dir eine Zeitung, um dich ein wenig abzulenken.
    Irgendwann ist es endlich soweit und dein Zug fährt ein. Du läufst zum Gleis und wirst sofort kontrolliert. Da hat sich das Ticket ja gelohnt.
    Nach ein paar Minuten fährt der Zug los und du spürst die Müdigkeit wiederaufkommen. Diesmal gibst du ihr nach und lehnst dich gegen das kühle Fenster. Wenig später bis du eingeschlafen.

    Du wachst auf, als der Zug abrupt stehen bleibt. Alle Türen öffnen sich auf einmal.
    „Polizeikontrolle!“, hörst du jemanden schreien. Die Stimme kommt dir bekannt vor. Das kann nicht sein. Wie konnte er mich hier finden?
    Du siehst einen Mann im schwarzen Anzug durch den Gang laufen und kannst gerade noch die Zeitung vor dein Gesicht halten. Dann hörst du wieder Jackson: „Bitte halten Sie Ihre Ausweise bereit!“
    Dir läuft eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Warum ist er hier? Wie ist das möglich?
    Panisch schaust du dich um: zwei Männer in Anzügen – einer davon ist der Raucher – kontrollieren bereits die Leute zwei Abteile vor dir. Jackson kannst du nicht sehen. Der Zug setzt sich wieder in Bewegung.
    Du beschließt, dass du hier nicht sitzen bleiben kannst, da sie dich sonst sofort entdecken. Du läufst in die entgegengesetzte Richtung der Anzugträger, vorbei an einem Zugabschnitt, in dem nur Koffer stehen, in das Abteil mit der Spielecke. Auf der anderen Seite steht Jackson. Wie angewurzelt bleibst du stehen. In diese Richtung kannst du also auch nicht weiter. Du bist gefangen. Schnell drehst du dich wieder um, bevor er dich sehen kann. Bei den Koffern machst du halt und duckst dich.
    Hilfesuchend schaust du dich um, aber nirgends gibt es einen Platz zum Verstecken. Nicht einmal eine Toilette ist in der Nähe. Dein Atem geht schneller. Was soll ich nur tun?
    Du hast Angst, was Jackson tun könnte, sobald er dich findet. Du kriechst neben einen Koffer, bist dir aber sicher, dass man dich hier sofort entdeckt. Dort kauerst du dich zusammen und kämpfst mit den Tränen. Wie konnte er mich nur finden?
    Dein Blick fällt auf einen leeren Kinderwagen. Er ist für Zwillinge gedacht und deswegen doppelt so groß.
    Im nächsten Abteil siehst du die Besitzerin: eine Mutter mit ihren zwei jungen Kindern auf dem Schoß. Sie wird gerade von Jackson kontrolliert.
    Eine Zehntelsekunde überlegst du, dann steigst du in den Kinderwagen, ziehst die Abdeckung über deinen Kopf und betest, dass er nicht durchbricht.
    Im nächsten Moment öffnet sich die Tür und Jackson betritt den Zugabschnitt mit den Koffern. Von der anderen Seite kommen die beiden Anzugträger hinzu.
    Du hältst deinen Atem an. Alle drei sind nun mit dir in dem kleinen Abteil. Dein Herz schlägt so schnell, dass du befürchtest, man könne es hören.
    „Habt ihr sie gefunden?“
    „Keine dN deinNachname (^^).“
    Du hörst Jackson fluchen: „Aber sie hat sich ein Ticket gekauft. Warum sollte sie nicht hier sein?“
    Niemand antwortet ihm.
    Vielleicht haben sie auch Angst vor ihm.
    Jackson flucht erneut und tritt gegen einen Koffer. Du zuckst zusammen.
    „Schaut hier noch einmal durch, ich sehe in den Toiletten nach. Vielleicht versteckt sie sich da.“
    Mit diesen Worten stürmt er ins nächste Abteil und auch die anderen beiden lassen dich allein.
    Du schnappst nach Luft, traust dich aber nicht, aus dem Kinderwagen zu steigen. Dein linkes Bein ist mittlerweile eingeschlafen und kribbelt. Du schaust auf die Uhr; in vierzig Minuten seid ihr in Busan. Du versuchst eine bequemere Position zu finden und drehst dich zur Seite. Während du wartest, dass die Zeit vergeht, überlegst du, wie Jackson dich finden konnte.
    Was hat er gesagt? ‚sie hat sich ein Ticket gekauft‘ Woher wusste er das? Du erstarrst: Ich habe mit Karte gezahlt. Kann er etwa meine Kontobewegungen verfolgen? Dir wird schlecht. So wird er mich überall finden.
    Die Tür öffnet sich und jemand betritt das Abteil. Erneut hältst du deinen Atem an, aber es ist nur ein Fahrgast, der etwas aus seinem Koffer holt. Alles tut dir weh, am liebsten würdest du aufstehen und rumlaufen, aber du zwingst dich, weiterhin in dieser Position zu verharren. Irgendwann fängst du an, die Sekunden zu zählen.

    Kurz vor der Ankunft kommen mehrere Leute in das Abteil, um ihre Sachen zu holen. Du beschließt, dass es nun Zeit ist, aus dem Kinderwagen zu steigen. Bevor die Mutter den Schock ihres Lebens bekommt.
    Langsam streckst du dich und stellst einen Fuß nach dem anderen auf den Boden, dann hievst du dich aus dem Kinderwagen. Du stöhnst auf, deine Glieder schmerzen.
    Ein Mann, der gerade das Schloss an seinem Koffer schließen wollte, starrt dich mit großen Augen an. Hättest du nicht immer noch panische Angst, dass Jackson dich finden könnte, hättest du die ganze Situation wohl witzig gefunden. Schweigend schiebst du dich an ihm vorbei und setzt dich in die Spielecke. Zwei kleine Mädchen quietschen, weil du sie bei irgendeinem Spiel unterbrochen hast, aber als du ihnen einen bösen Blick zuwirfst, schweigen sie sofort.
    Endlich hält der Zug an und du springst raus. Schnell schaust du nach links und rechts, kannst Jackson nirgends erkennen und rennst los. Überall sind Menschen, die dich in verschiedene Richtungen drängen, aber du schaffst es dennoch zum Ausgang. Draußen atmest du kurz durch, dann schaust du dich um und läufst zu der Reihe von Taxis, die vor dem Bahnhof stehen. Du steigst in das erste ein und sagst dem Fahrer die Adresse, an der du dich mit Kia treffen willst.
    Nach zwanzigminütiger Fahrt gibst du dem Taxifahrer dein letztes Geld und steigst aus.
    Du schaust wieder auf die Uhr.
    Kiki soll hier erst in einer Stunde auftauchen.
    Seufzend setzt du dich auf eine Bank und streckst deine Beine aus. Wie so oft an diesem Tag musst du warten.

    17
    Hey Leute, ich bin leider total krank und schlafe eigentlich nur 🤒, deswegen kam die letzten Tage auch kein neues Kapitel.
    Aber ich versuche Freitag ein neues zu posten. 🤗
    Bis dahin, euch allen noch eine schöne Restwoche!
    💙


    „Du bist in den Kinderwagen gestiegen?“, deine Freundin starrt dich mit weit aufgerissenen Augen an. Dann bricht sie in Lachen aus. Du boxt sie in die Seite: „Hey, ich hatte keine Wahl.“
    Kiki kichert immer noch und du musst lächeln. Du bist so froh, sie zu sehen. Im Moment sitzt ihr in ihrem Auto und fahrt durch Busan.
    „Und wo willst du jetzt hin?“, fragt dich Kia.
    „Ähm …“, das hast du dich auch schon gefragt. Zu deinen Eltern kannst du nicht zurück. Zuerst wolltest du dir es nicht eingestehen, aber sie hatten recht. Dort ist es nicht mehr sicher. Es wäre zu offensichtlich, bei Kiki oder Sora zu bleiben. Dort würde Jackson dich sofort finden. Schließlich weiß er, dass sie deine besten Freunde sind. (Zur Erinnerung: Jackson hat Sora und Kiki zur Polizeistation in Seoul gefahren, als sie eine Vermisstenanzeige für dN aufgeben wollten.)
    „Ich weiß noch nicht“, sagst du nach einer Weile.
    Kia zuckt mit ihren Schultern: „Ich hatte auch keine Idee. Aber was macht man in so einem Fall?“ Sie grinst.
    Du lächelst, dann sagt ihr im Chor: „Sora fragen!“
    Deine Freundin nickt: „Ich hab sie gleich angerufen, nachdem ich mit dir telefoniert habe.“
    „Und?“
    „Sie meinte, es gibt nur eine Person, bei der du unterkommen kannst. Weil wir nur ihm vertrauen können.“
    Du ziehst deine Augenbrauen hoch. Wer soll das sein? Dann fällt es dir schlagartig ein.
    „Wir fahren zu Taehyung?“
    Wieder nickt Kia: „Er weiß schon Bescheid, dass wir auf dem Weg zu ihm sind und er meinte auch, dass du erstmal bei ihm unterkommen kannst.“
    Du lässt dich tiefer in deinen Sitz sinken: „Was hast du ihm erzählt?“
    Kiki biegt um eine Kurve, dann dreht sie sich kurz zu dir um bevor sie sich wieder auf die Straße konzentriert: „Alles, was ich für wichtig gehalten habe. Dass Jackson dich auf den Treppen abgefangen und wieder nach Hause gefahren hat, dass …“ sie hält kurz inne „dass die Polizisten vor deinem Haus ermordet wurden. Dass du eingewilligt hast, mit Jackson mitzugehen und dann doch geflohen bist und dass du jetzt Schutz suchst.“
    Du nickst: „Dann ist er über alles informiert.“
    „Naja, die Sache mit dem Kinderwagen weiß er noch nicht“, sie grinst wieder. Du verdrehst die Augen, musst aber auch lächeln. Kia sieht in allem das Positive. Für sie ist nichts schwer. Manchmal wünschst du dir, du wärst mehr wie sie.

    Ein wenig später fahrt ihr auf einen Parkplatz vor einem Mehrfamilienhaus.
    „Hier wohnt er?“, du musterst das Gebäude.
    „Glaubst du, er lebt allein“, Kia stockt „oder mit seiner Freundin?“
    „Keine Ahnung, das werden wir wohl gleich rausfinden“, du steigst aus.
    Ihr klingelt und fahrt dann mit dem Aufzug in den zwölften Stock.
    Taehyung öffnet euch die Tür und lächelt. Er ist allein.
    Kiki sieht erleichtert aus.
    Seine Wohnung ist klein und man sieht, dass er hier nicht viel Zeit verbringt. Vermutlich ist er ständig auf der Polizeistation oder im Einsatz.
    „Na, wie geht’s dir, dN?“, er schaut dich an und seine Augen sehen dabei so freundlich aus, dass du ihn einfach nicht anlügen kannst.
    „Nicht gut“, du seufzt „ich fühle mich so verloren und weiß einfach nicht weiter.“
    Er nickt: „Hinter dir liegen ein paar schwere Tage. Was da vor deinem Haus passiert ist …“, er bricht ab.
    Deine Augen füllen sich mit Tränen und Kiki zieht dich schnell in eine Umarmung.
    „Tut mir leid, das war taktlos“, entschuldigt sich Taehyung.
    „Nein, ist schon okay“, flüsterst du und wischt dir mit der Hand über die Augen „es ist schließlich meine Schuld, dass sie tot sind.“
    „Sag so was nicht“, mischt sich nun auch Kiki ein „du kannst nichts dafür. Du bist an gar nichts Schuld, was in letzter Zeit passiert ist.“
    Taehyung nickt zustimmend und führt euch in die kleine Küche. Während er Tee kocht, schweigt ihr. Nicht mal Kia redet. Irgendwann entschließt du, etwas zu sagen: „Danke, dass ich hierbleiben darf.“
    Er reicht dir eine Tasse und lächelt: „Klar, kein Problem. Aber vielleicht solltest du dir das mit Jackson noch einmal überlegen.“
    Bääm. Du schaust auf. Kia starrt Taehyung wütend an. Sie hat ihre Tasse auf den Tisch geknallt und dabei die Hälfte ihres Tees verschüttet: „Was hast du gerade gesagt?“
    Er seufzt und holt einen Schwamm. Dann wischt er die Flüssigkeit auf. Kiki schaut ihm kurz schuldbewusst zu, dann funkelt sie ihn wieder böse an: „Wie kannst du immer noch auf Jacksons Seite sein?“
    Taehyung atmet tief durch: „Wir haben zusammen die Polizeiakademie besucht und … und er hat mir einmal sehr geholfen. Ich würde ihm mein Leben anvertrauen.“
    Kia schnaubt.
    „Ich fühle mich nicht sicher bei ihm“, werfe ich ein. „Ich traue ihm nicht.“
    „Das kannst du aber: Er ist einer von den Guten.“ ‚Einer von den Guten‘, das habe ich schon mal gehört.
    „Hast du nicht gemeint, er würde niemals dN einfach so entführen? Und was hat er gemacht? Sie direkt vor der Polizeistation eingepackt“, blafft Kiki ihn an.
    Du wirfst ihr einen bösen Blick zu. Sei netter, schließlich hilft Taehyung uns gerade.
    Aber der lässt sich nicht von Kia beeindrucken und antwortet vollkommen ruhig: „Ich habe auch gesagt, dass er das nur machen würde, wenn er den Auftrag dazu –“
    „Aber er hatte keinen Auftrag, er hat allein gehandelt“, unterbricht ihn deine Freundin.
    Du willst sie unterm Tisch treten, damit sie endlich ein wenig freundlicher ist, aber stattdessen haust du deinen Fuß gegen ein Stuhlbein. Du quietscht auf.
    Kiki und Taehyung starren dich an: „Alles okay?“
    „Klar, der Tee ist nur etwas heiß“, meinst du und versucht deine Tränen zurückzuhalten. Aua, das hat wehgetan.
    „Doch, hatte er“, fährt Taehyung die Diskussion mit Kia fort.
    „Aber Juhee hat doch –“
    „Sie hat sich geirrt. Beziehungsweise man hat ihr tatsächlich gesagt, dass er keinen Auftrag hätte. Vermutlich wollte Jacksons Vorgesetzter diese Information nicht an Juhee weitergeben. Schließlich ist sie nicht direkt in den Fall involviert und er arbeitet undercover. Da ist alles top secret.“
    „Aber sie ist doch für die Undercover-Agenten zuständig“, hakt Kia nach.
    Jetzt wird Taehyung doch ein wenig ungeduldig: „Sie ist nur dafür verantwortlich, regelmäßig zu überprüfen, ob alle noch leben und ob sie Unterstützung brauchen.“
    Kiki zieht ihre Augenbrauen hoch und setzt schon zur Gegenantwort an. Du schaust zwischen ihr und Taeyung hin und her. Irgendwie kommst du dir vor, als wärst du gar nicht anwesend, sondern würdest einem streitenden Pärchen im Fernsehen zusehen.
    „Ihr passt gut zusammen“, unterbrichst du sie und schlürfst deinen Tee. Die beiden halten inne und starren dich an.
    „Also so als Gesprächspartner. Das ist wie in einer Krimiserie“, versucht du dich zu rechtfertigen. Taehyung seufzt und Kiki kneift ihre Augen zusammen. Oh man, da hab ich wohl was falsches gesagt.
    „Ich hatte echt einen harten Tag, okay?“
    Taehyung nickt: „Schon gut. Aber dN, was ich dir nur noch einmal sagen will: Du kannst Jackson wirklich vertrauen! Ich hab das alles noch einmal überprüft. Er hat dein Handy untersuchen lassen, um vollkommen sicher zu gehen, dass du nicht Sheila bist und von da an hat er alles getan, um sicher zu stellen, dass dir nichts zustößt. Er hat sofort einen Antrag beim Zeugenschutzprogramm für dich gestellt und sich sogar bereit erklärt, seine Undercover-Mission zu beenden, um auf dich aufpassen zu können.“
    Du schluckst. Ist das wirklich wahr?
    „Ich glaube, du bist bei keinem sicherer als bei ihm. Du solltest wirklich mit ihm in dieses Apartment“, fährt er fort. „Ähm … ich werde drüber nachdenken“, stotterst du, dann fragst du „kann ich mich vielleicht ein wenig hinlegen?“
    Du bist erschöpft und willst erstmal, deinen Kopf klar bekommen bevor du eine Entscheidung triffst.
    Taehyung gibt dir eine Decke und du kuschelst dich aufs Sofa. Kurz danach bist du eingeschlafen.


    Kias Sicht
    Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Ich vertraue Taehyung. Und er vertraut Jackson.
    Handelt er also doch nicht auf eigene Faust? Sondern war das alles geplant?
    Sobald sich dN hinlegt, schläft sie ein. Ich streiche ihr Haare aus dem Gesicht. Sie sieht so müde aus, hoffentlich kann sie sich hier ein wenig erholen.
    „Du bist eine gute Freundin“, flüstert Taehyung neben mir, um dN nicht zu wecken. Ich lächle ihn an und bekomme sofort ein schlechtes Gewissen, dass ich zuvor so patzig war.
    Als wir wieder in der Küche sind, will ich mich entschuldigen, aber er unterbricht mich: „Schon gut, du machst dir nur Sorgen.“
    Er wuschelt sich durch die Haare und schaut mich an: „Ich hoffe bloß, sie entscheidet sich dafür, Jackson zu vertrauen.“
    „Kann man sich für so was einfach entscheiden?“
    Taehyung grinst: „Zum Glück muss ich nicht dich überzeugen. Da hätte ich wohl keine Chance.“
    Ich sage nichts, sondern nippe an meinem Tee, aber der ist mittlerweile leer. Enttäuscht schaue ich in meine Tasse.
    „Willst du noch einmal was?“, fragt er und hält die Kanne in die Höhe.
    „Gerne! Hast du hier eigentlich auch was zu essen?“
    Er zuckt mit den Schultern: „Ähm …“
    Ich ziehe meine Augenbrauen hoch: „Irgendwas? Wirklich, ich bin nicht anspruchsvoll.“
    Während er meine Tasse mit Tee füllt, gehe ich zum Kühlschrank und öffne ihn. Nichts. Naja, fast nichts. Eine halbe Gurke liegt im Gemüsefach, aber die hat auch schon bessere Tage gesehen.
    „Ich bin eher so der Bestell-Typ“, versucht Taehyung sich zu rechtfertigen.
    Ich fange an zu lachen: „Ja, ich seh schon. Aber wir müssen was essen. Vor allem dN. Sie wird hungrig sein, wenn sie aufwacht.“
    „Um die Ecke ist ein Emart (google sagt, das ist ein koreanischer Supermarkt^^), da könnten wir schnell was holen. Der hat auch vierundzwanzig Stunden offen.“
    Ich schiele zu dN, die tief schläft: „Können wir sie allein lassen?“
    „Ich denke schon, schreiben wir ihr einfach einen Zettel. Falls sie aufwachen sollte.“


    Deine Sicht
    Du wachst auf und brauchst erstmal ein wenig, um zu realisieren, wo du bist. Dann streckst du dich und setzt dich auf.
    „Hallo?“
    Niemand antwortet. Du bekommst Panik, aber dann entdeckst du einen Zettel neben dem Sofa auf dem Boden liegen.
    SIND KURZ EINKAUFEN. GLEICH WIEDER DA.
    Dein Bauch knurrt und du schlürfst in die Küche. Als du den Kühlschrank öffnest, schaut dir eine verschrumpelte Gurke entgegen. Zum Glück sind sie einkaufen.
    Du trinkst noch den Rest des Tees, der mittlerweile kalt geworden ist und setzt dich wieder aufs Sofa. Dir ist langweilig und du bist hungrig.
    Da klingelt es an der Tür. Das werden sie sein. Schnell läufst du in den schmalen Eingang und reißt – voller Vorfreude auf das Essen – die Haustür auf.
    Du erstarrst. Dein Atem stockt und sofort schlägt dein Herz schneller. Jackson steht vor dir.
    Der schüttelt nur seinen Kopf: „Warum machst du auch die Tür auf?“

    18
    Er schiebt dich zur Seite und schaut sich in der Wohnung um. „Ist Taehyung da?“
    Du schüttelst deinen Kopf und schielst zur Tür: Deine Glieder sind angespannt. Bereit wegzurennen.
    Jackson scheint deinen Blick zu bemerken. Er seufzt: „DN, das solltest du lassen. Ich bin schneller als du, du kannst nicht weglaufen.“
    Du schluckst. Er hat recht, ich sitze in der Falle.
    „Was willst du hier?“
    Jackson lächelt schwach: „Na, was denkst du? Ich bin wegen dir hier. Also, wo ist Taehyung?“
    „Er ist einkaufen.“
    Jackson nickt: „Gut, dann warten wir bis er zurückkommt.“
    „Aber…?“
    Jackson zieht seine Augenbrauen hoch. Du traust dich nicht, deinen Satz zu Ende zu bringen und schweigst. Er starrt dich an. Als du versuchst seinem Blick auszuweichen, schnappt er sich dein Handgelenk und zieht dich zurück ins Wohnzimmer. Du stöhnst, als er dich grob aufs Sofa schubst.
    „Bleib da sitzen! Ich habe keine Lust, dich wieder zu suchen.“
    Er verlässt den Raum und du hörst, wie er den Wasserhahn in der Küche aufdreht.
    Kurz überlegst du, aufzustehen und doch wegzurennen, aber da betritt er mit einem Glas Wasser das Wohnzimmer und setzt sich auf den Sessel dir gegenüber.
    Wütend schaut er dich an und du starrst zu Boden.
    Nach einer Weile sagt er: „Der Kinderwagen also?“
    Du reißt deinen Kopf nach oben und siehst ihn geschockt an. Woher weiß er das?
    Er grinst und nimmt einen Schluck von seinem Wasser: „Ein Mann hat dich gesehen, wie du aus dem Kinderwagen ausgestiegen bist und hat uns sofort Bescheid gegeben.“
    Dieser Typ hat mich tatsächlich verpetzt.
    Du vergräbst dein Gesicht in deinen Händen und wünscht dir, an einem ganz anderen Ort zu sein.
    Jackson lacht kurz auf, dann wird er wieder ernst: „Eigentlich ziemlich kreativ. Das muss ich mir merken.“
    Böse funkelst du ihn an.
    „DN, schau mich nicht so an. Ich bin nicht derjenige, der dir versprochen hat, zu dem Apartment vom Zeugenschutzprogramm zu fahren und dann bei der erstbesten Gelegenheit abgehauen ist.“
    Du schweigst immer noch.
    Er trinkt erneut aus seinem Glas, dann fährt er sich durch deine Haare. Er sieht müde aus. Eine Zeit lang spricht keiner von euch beiden bis du die Stille endlich unterbrichst: „Wie hast du mich hier gefunden?“
    Jackson legt seinen Kopf schief: „Glaubst du, du könntest bei einem Polizisten unterkommen ohne, dass ich davon erfahren würde?“
    In deiner Brust breitet sich ein beklemmendes Gefühl aus: „Also hat mich Taehyung an dich verraten?“
    Er stellt das Glas auf den Tisch und beugt sich nach vorne: „DN, wie kann er dich verraten, wenn er nie auf deiner Seite war?“
    Deine Augen weiten sich: „Was redest du da?“
    Ihr hört das Schloss klicken und Kias fröhliche Stimme: „Wir sind wieder da, ich hab uns Chips und –“, sie hält mitten im Satz inne, sobald sie Jackson im Wohnzimmer sitzen sieht. Ihr Mund steht weit offen. Hinter ihr kommt Taehyung mit zwei Tüten in der Hand durch die Tür. Auch er sieht überrascht aus: „Jackson, was machst du denn hier? Du solltest doch erst in ein paar Tagen kommen.“
    Kiki schaut zwischen den beiden Männern hin und her und lässt sich dann zu dir aufs Sofa fallen: „DN, alles okay?“
    Du schüttelst deinen Kopf und wirfst Taehyung einen bösen Blick zu.
    „Ich konnte nicht warten, dN darf nicht hier in Busan bleiben. Das ist viel zu gefährlich“, antwortet ihm Jackson.
    Taehyung nickt und schaut dich schuldbewusst an: „Tut mir leid. Ich musste ihm Bescheid geben, schließlich hat er den Auftrag dich zu beschützen.“
    Kiki verdreht neben dir ihre Augen und nimmt dich vorsichtig in den Arm.
    „Was soll ich tun?“, flüsterst du, so dass nur Kia dich hören kann. Deine Freundin schaut dich traurig an und zuckt mit den Schultern.
    „Wo ist dieses Apartment?“, fragst du Jackson.
    Der seufzt: „Glaubst du, ich darf das einfach so rumerzählen?“ Er wirft einen Blick auf Kiki. Die hebt ihre Hände: „Schon gut.“
    „Aber…“ alle drei sehen dich erwartungsvoll an, dir wird schlecht „ich will nicht.“
    „Das ist jetzt egal, du musst“, blafft dich Jackson an.
    Verzweifelt schaust du zu Taehyung, aber der sieht nicht so aus, als würde er dir helfen. Dann lächelt er dich an: „Das wird schon, dN. Es ist ja nur vorübergehend.“
    Du schließt deine Augen. Ich hab wohl keine andere Wahl. „Na gut. Wann gehen wir?“
    „Jetzt. Sofort.“
    „Aber“, du wirfst der Tüte in Taehyungs Hand einen traurigen Blick zu „können wir nicht noch essen?“
    Jackson verdreht seine Augen: „Du kannst in dem Apartment essen.“
    Unsanft zieht er dich in die Höhe. Kiki funkelt ihn böse an.
    „Lass sie los!“ Kia schubst ihn beiseite und zieht dich in eine Umarmung. Du atmest ihren Geruch ein und hoffst, sie bald wieder zu sehen. „Grüß Sora von mir“, flüsterst du.
    Als sie dich loslässt, streckt ihr Jackson sein Handy entgegen. „Speicher da deine Nummer ein, dann kann dich dN mal anrufen.“
    Du bist überrascht. Das ist ja nett von ihm.
    Auch Taehyung umarmt dich kurz: „Alles wird gut, du wirst sehen.“
    Kurz darauf zieht dich Jackson aus der Wohnung in den Aufzug. Er lässt dich nicht aus den Augen.
    „Wirst du mich jetzt die ganze Zeit so anstarren?“, fragst du ihn vorsichtig.
    Er schüttelt seinen Kopf, sagt aber nichts.
    Als ihr im Erdgeschoss ankommt, nimmt er dich bei deinem Handgelenk und zieht dich hinter sich her. Du stolperst ihm nach bis zu einem dunklen Wagen.
    Er hat also nun doch ein neues Auto.
    Jackson öffnet die Beifahrertür und stößt dich auf den Sitz.
    „Könntest du wenigstens ein bisschen vorsichtiger sein?“, fragst du ihn genervt, während du dein Handgelenk reibst, das von seinem Griff schmerzt.
    Er zuckt mit seinen Schultern: „Klar, ab jetzt werde ich dich nicht mehr anfassen.“
    Dann holt er etwas aus seiner Hosentasche. Du zuckst zusammen und schaust ihn mit großen Augen an.
    Als er wieder nach deiner Hand greift, willst du ihn wegstoßen, aber er ist zu stark und kurz darauf hat er beide deine Hände über deinem Kopf an den Beifahrersitz gefesselt. Mit Handschellen.
    Du stöhnst. Das wird eine unangenehme Fahrt.
    „Warte hier“, meint Jackson, knallt die Tür zu und läuft wieder zu dem Haus, aus dem ihr gerade gekommen seid.
    Wo soll ich denn hin?
    Ein paar Minuten vergehen bis er wieder kommt. Er hält irgendwas in seiner Hand, aber du kannst nicht erkennen, was es ist.
    Neugierig drehst du deinen Kopf, als er an der Beifahrertür vorbei zum Kofferraum läuft, doch du siehst immer noch nicht, was er aus dem Haus geholt hat.
    Schließlich lässt er sich neben dir auf den Fahrersitz fallen und mit den Worten „damit du mich nicht nerven kannst“ bringt er dich mit Klebeband zum Schweigen.
    Es ist stockdunkel, als ihr aus dem Parkplatz fahrt. Irgendwohin, wo du vielleicht sicher bist.

    Heyo 🤗, ich bin immer noch krank:/ aber wenigsten muss ich nicht mehr die ganze Zeit schlafen, also kann ich schreiben. whoop whoop 😄
    deswegen heute Abend noch einmal ein neues Kapitel:)

    19

    Kias Sicht
    „Wie konntest du Jackson erzählen, dass sie hier ist?“, schreie ich Taehyung an, sobald die beiden im Aufzug sind.
    „Beruhige dich, Kia. DN ist bei ihm sicher.“
    „Wir sind doch extra hierher gekommen, damit sie nicht mit ihm in dieses Apartment muss“, blaffe ich ihn an.
    Er legt mir beruhigend eine Hand auf die Schulter, aber ich stoße sie weg.
    „Hör mir zu, Kiki. Jackson ist ein guter Polizist. Er wird auf sie aufpassen und außerdem“, er hält kurz inne und mustert mich „mischt du dich eh zu viel in diese ganze Sache ein.“
    „Was?“ Was soll das denn heißen?
    Taehyung seufzt: „Du bist keine Polizistin und trotzdem weißt du –“
    Jetzt flippe ich richtig aus: „Was kann ich dafür, wenn die Polizei versagt!“
    Er zieht seine Augenbrauen nach oben.
    „Du hast ja nicht mal geglaubt, dass Jackson sie entführt hat bevor Juhee meinte, er hatte den Auftrag dazu“, bei dem Wort ‚Auftrag‘ mache ich mit meinen Händen Gänsefüßchen.
    Taehyung versucht noch einmal mich zu beruhigen, aber ich stoße ihn weg und schreie: „Ich hab dir vertraut!“
    Dann stürme ich aus der Wohnung und renne die Treppen runter, weil ich nicht auf den Aufzug warten will. Sobald ich draußen bin, lehne ich mich gegen die Hauswand und atme mehrmals tief durch.


    Deine Sicht
    Ihr wurdet von der Polizei kontrolliert. Sie haben in das Auto geleuchtet und gesehen, dass du an den Sitz gefesselt bist. Jackson musste nur seine Marke vorzeigen und schon haben sie ihn weiterfahren lassen. Sie haben nicht mal nachgefragt. Irgendwann bist du dann auf dem Sitz eingeschlafen, aber von deinen schmerzenden Handgelenken wieder aufgewacht. Du bist dir sicher, dass mittlerweile all dein Blut aus deinen Händen verschwunden ist. Sie fühlen sich ganz taub an. Du stöhnst auf.
    „Was? Musst du wieder pinkeln?“, fragt Jackson genervt „Weil diesmal lasse ich dich nicht aus dem Auto, selbst wenn du dir in die Hose machst.“
    Du deutest mit deinem Kopf auf deine Hände und stöhnst erneut. Da Jackson nicht reagiert, fängst du an mit deinen Beinen zu strampeln.
    „Na, hör schon auf damit.“
    Aber du windest dich weiterhin in dem Sitz. Deine Hände jucken nun wie verrückt. Das ist bestimmt kein gutes Zeichen.
    „Kannst du bitte aufhören, so rum zu stöhnen?“
    Du erinnerst dich an die Nacht im Motel und hörst sofort auf, Geräusche zu machen, rüttelst aber weiterhin an den Handschellen.
    „Okay“, Jackson zieht das Auto ruckartig auf den Seitenstreifen und bremst abrupt ab bis es zum stehen kommt.
    Wärst du nicht angeschnallt, hätte es dich vermutlich aus dem Auto geschleudert. Du starrst ihn an. Er dreht sich zu dir um und reißt dir das Klebeband vom Mund. Du musst dir auf die Lippe beißen, um nicht vor Schmerz aufzustöhnen.
    „Was ist es?“
    „Meine Hände“, stotterst du „sie tun so weh.“
    Er schaut sich deine Finger an und nickt. Dann löst er die Handschellen.
    „Wir fahren jetzt eh nur noch auf der Autobahn. Du wirst ja nicht so bescheuert sein, mir ins Lenkrad zu greifen oder aus dem fahrenden Auto zu springen.“
    Du schweigst und schüttelst deine Hände, um die Blutzirkulation anzuregen.
    „Aua“, jammerst du.
    Jackson verdreht seine Augen: „Stell dich nicht so an!“
    „Aber sie sind ganz kalt.“ Können Finger so schnell absterben?
    Er mustert dich: „Gib mal her!“ Er nimmt deine Hände in seine und kurz meinst du Sorge über sein Gesicht huschen zu sehen, doch dann sind seine Züge wieder ausdruckslos.
    Er reibt deine Finger zwischen seinen. Langsam spürst du deine Hände wieder.
    „Besser?“, er lässt dich wieder los.
    Du nickst, weißt aber nicht, was du sagen sollst.
    Jackson startet erneut den Motor, schert nach links ein und überholt das nächste Auto.

    Zwei Stunden später fahrt ihr auf den Parkplatz vor einem riesigen Hochstockhaus. Von den Schildern auf der Autobahn weißt du, dass ihr irgendwo in der Nähe von Seoul sein müsst.
    „Hier ist es?“, du schaust dich um.
    Jackson steigt aus und du beeilst dich ihm zu folgen. Dein Bauch knurrt laut. Ich hab solchen Hunger.
    Er öffnet den Kofferraum und reicht dir deinen Koffer, den er anscheinend vom Motel mitgenommen hat.
    „Den kannst du ja wohl selbst tragen.“ Er packt seine Reisetasche und geht voraus. Hat er jetzt keine Angst mehr, dass ich wegrennen könnte?
    Du schaust zu dem riesigen Haus hinauf, dann seufzt du und läufst Jackson hinterher.

    Als Jackson die Wohnungstür aufsperrt, klappt dir die Kinnlade runter: „Das ist das Apartment? Bist du dir sicher?“ Du drehst dich mehrmals im Kreis. Die Wohnung ist riesig. Von dem Gang, in dem ihr gerade steht und der wahrscheinlich schon allein so groß wie euer Wohnzimmer zuhause ist, gehen mehrere Türen weg.
    Jackson beobachtet dich: „Ich habe Freunde im Zeugenschutzprogramm, die konnten … was organisieren.“
    Du schaust ihn mit großen Augen an. Vielleicht wird das hier doch nicht so schlimm.
    Als du die Tür zu einem Raum öffnest, beginnst du zu quietschen: „Ein Pool!“ Du läufst zum Becken und streichst mit deiner Hand über die Wasseroberfläche.
    „Fall nicht rein“, Jackson steht direkt hinter dir. Du drehst dich zu ihm um: „Wie kann das sein, dass ich in so einem Apartment wohnen darf?“
    Er atmet tief durch: „Mach dir keine Gedanken deswegen.“ Du schaust ihn immer noch fragend an. „Sagen wir mal so: die Polizei in Seoul hat besonderes Interesse daran, dass du es dir gut geht.“
    Jetzt verstehst du, was los ist: „Mit anderen Worten: dass ich mich nicht beschwere, dass ich von einem ihrer Geheimagenten fälschlicherweise gekidnappt wurde.“
    Er streicht sich mit einer Hand über seinen Nacken: „Es ist komplizierter, aber …“ Er beendet seinen Satz nicht.
    Du zuckst mit den Schultern und schaust dir die nächsten Räume an. Die Zimmer sind groß und schön. Als du ein Schlafzimmer erreichst, hievst du deinen Koffer aufs Bett und öffnet den Reisverschluss. Du schaust auf und siehst Jackson in der Tür stehen. Erst jetzt fällt dir auf, dass er seine Reisetasche immer noch auf der Schulter trägt.
    „Was machst du damit?“, du deutest auf die Tasche.
    „Ich werde auch hierbleiben.“
    Du zuckst zusammen: „Nein, oder?“
    „DN, wie hast du dir das vorgestellt. Wie soll ich auf dich aufpassen, wenn ich nicht mal in der Nähe wohne?“
    „In der Nähe? Okay. In derselben Wohnung? Nein!“
    Er zuckt mit den Schultern: „Das Apartment ist so groß, vielleicht laufen wir uns ja nicht mal über den Weg.“
    „Haha, witzig“, du verdrehst die Augen. Das hat mir gerade noch gefehlt.
    „Ich hab eh in Seoul zu tun, das passt mir also gut, wenn wir eine Weile hier wohnen.“
    Du schaust ihn an. „Du bist also nicht hier in der Wohnung?“
    „Die meiste Zeit wahrscheinlich nicht. Aber ich werde regelmäßig nach dir schauen. Und hier schlafen.“
    Du erstarrst: „Aber in einem anderen Bett, oder?“ Kurz erinnerst du dich an die Nacht im Motel.
    Jackson grinst: „Klar, außer …“ Er beendet seinen Satz nicht, sonder verlässt das Zimmer.
    „Außer was?“, schreist du ihm nach.
    Du hörst ihn lachen: „Außer du willst mal wieder kuscheln.“ Uugh.

    20
    Nachdem du alles gegessen hast, was du in der Küche finden konntest (genau zwei Äpfel), schlürfst du zurück in das Schlafzimmer. Es ist zwar früh am Morgen, aber du bist so müde, dass du die Jalousien runterlässt und dich in das große Bett kuschelst.
    Nach ein paar Stunden erholsamen Schlaf ohne irgendwelche Albträume von toten Polizisten oder weißen Räumen, wachst du auf.
    Du bleibst noch ein paar Minuten so liegen, dann treibt dich der Hunger aus dem Bett. Langsam gehst du in die Küche. Da muss es doch noch irgendwas zu essen geben.
    Sobald du die Tür zu dem hellen Raum öffnest, erstarrst du. Jackson sitzt nur mit Schlafanzughose bekleidet am Küchentisch und liest Zeitung. Irgendwie überrascht dich das: so hast du ihn nicht eingeschätzt, mehr so Schläger-Typ als Zeitungsleser.
    Er schaut auf, nickt dir zu und konzentriert sich dann wieder auf den Artikel. In der Küche riecht es nach Kaffee. Den muss Jackson gekocht haben. Du nimmst dir eine Tasse, füllst etwas von der schwarzen Flüssigkeit hinein und schaust im Kühlschrank nach Milch. Aber er ist leer – genau wie zuvor. Du seufzt.
    „Ich geh später noch einkaufen“, meint Jackson, ohne aufzuschauen.
    Vorsichtig nimmst du einen Schluck von dem Kaffee und verziehst dein Gesicht. Ohne Milch schmeckt er dir überhaupt nicht.
    „Haben wir gar nichts zu essen da?“, fragst du ihn.
    Er deutet auf die Anrichte, wo ein halbes Croissant liegt: „Das kannst du haben. Ist aber noch von gestern. Hab ich an dieser Tanke neben dem Motel gekauft.“
    „Verrückt, dass das erst gestern war, oder?“
    Genervt schaut er von der Zeitung auf: „Ich möchte das hier eigentlich lesen.“
    „Oh, sorry!“ Du siehst zu Boden und beißt in das Croissant.
    Da du dich unwohl fühlst, entschließt du dich, wieder zurück ins Schlafzimmer zu gehen. Du kuschelst dich ins Bett und fragst dich, was du die nächsten Tage, Wochen oder Monate hier wohl machen sollst. Du wirst müde und kurz darauf bist du eingeschlafen.

    Als du aufwachst, ist es wieder hell. Du musst den Rest des Tages und die ganze Nacht verschlafen haben. Eine Weile wälzt du dich im Bett hin und her, doch dann beschließt du, wieder aufzustehen. Hat Jackson nicht gesagt, dass er noch einkaufen gehen wollte?
    Voller Vorfreude sprintest du in die Küche. Sofort siehst du eine Schale mit Obst auf dem Tisch stehen. Glücklich schnappst du dir eine Banane und willst schon die Kühlschranktür öffnen, als du einen Zettel auf der Anrichte siehst.

    SOLLTEST DU JEMALS WIEDER AUFWACHEN: (Du verdrehst die Augen: so lange hab ich nun auch wieder nicht geschlafen)
    BEDIEN DICH RUHIG AM ESSEN.
    VERSUCH GAR NICHT ERST ZU FLIEHEN. DER EINZIGE WEG NACH DRAUßEN SIND DIE FENSTER
    UND WIR SIND IM 21. STOCK…

    Du seufzt. Er hört sich schlecht gelaunt an. Dann erinnerst du dich an das Essen und öffnest den Kühlschrank. Deine Augen weiten sich. So viele leckere Sachen.
    Nachdem du gefrühstückt hast, durchquerst du die Wohnung. Sie ist wirklich riesig. Fast zu groß. Du fühlst dich einsam. Bis auf einen Raum, lassen sich alle Zimmer öffnen. Du vermutest, dass Jackson ihn beansprucht hat, da du auch seine Sachen nirgends finden kannst.
    Als du den Raum mit dem Pool betrittst, zögerst du einen Moment, dann ziehst du dich bis auf deine Unterwäsche aus und springst ins Wasser. Zuerst ist dir kalt, aber dann genießt du es, durch das Wasser zu gleiten. Nachdem du eine Weile hin und her geschwommen bist, lehnst du dich glücklich an den Beckenrand. Vielleicht wird das hier doch nicht alles so schlimm.

    Kias Sicht
    Ich laufe in das Polizeirevier in Busan. Die Bewerbungsmappe unterm Arm. Schon lange habe ich mich nicht mehr so gut gefühlt.
    Die Frau am Eingang leitet mich zu einem Polizisten weiter, aber ich steuere auf ein anderes Büro zu. Ich will sein Gesicht sehen, wenn ich es ihm sage. Außerdem kann er sich bestimmt auch um die Unterlagen kümmern.
    Meine Eltern waren überrascht, dass ich mich hierfür entschieden habe. Aber ich war mir sowieso nicht sicher, was ich in Zukunft machen will, also warum nicht das hier ausprobieren?
    Sora meinte, ich sollte keine so wichtigen Entscheidungen auf emotionaler Ebene treffen. Emotionale Ebene. Ich lache innerlich. Das ist so Sora. Sie wird bestimmt eine gute Anwältin. Vielleicht werden wir irgendwann Mal zusammen arbeiten.
    War meine Entscheidung zu spontan? Zu emotional? Vielleicht… Schließlich meinte er, ich würde mich zu viel einmischen, obwohl ich keine Polizistin bin. Das wird jetzt geändert.
    Ich klopfe an seiner Bürotür.
    „Herein!“
    Ich betrete den Raum.
    „Kia, was machst du denn hier?“, Taehyung ist sichtlich überrascht.
    „Ach ich dachte, ich bringe meine Bewerbungsunterlagen vorbei.“
    „Deine was?“, ihm klappt die Kinnlade runter.
    „Hast du nicht mal gesagt, ich wäre eine gute Polizistin?“
    „Ja, aber …“, er beendet seinen Satz nicht, sondern starrt mich immer noch mit großen Augen an.
    Ich lege ihm die Mappe auf seinen Tisch.
    „Mit Abitur darf man gleich in den gehobenen Dienst einsteigen, richtig?“, frage ich ihn.
    Taehyung nickt.
    „Na dann, man sieht sich … Kollege“, mit diesen Worten werfe ich meine Harre in den Nacken und stolziere raus.


    Deine Sicht
    Zwei Wochen später

    Du hast dich geirrt: Es ist schrecklich hier. Du kannst die Wohnung nie verlassen, da Jackson sie mit drei (!) Schlössern versperrt hat. Es sind keine elektronischen Geräte im Haus, die dich mit der Außenwelt verbinden könnten. Nicht mal ein Radio. Nach zwei Tagen hast du Jackson angefleht, dir wenigstens ein Buch mit zu bringen, welches du innerhalb des nächsten Tages zu Ende gelesen hattest.
    Zwar schwimmst du gerne im Pool, aber auch das wird langweilig. Zuerst hast du mehrere Gerichte ausprobiert, die du von deiner Mutter kennst, aber als einmal der Feuermelder beim Kochen losging, da du die Zwiebeln etwas anbrennen hast lassen und in Folge dessen die gesamte Küche von automatisch startenden Wassersprinklern überschwemmt wurde, hältst du dich an einfache Pfannkuchen.
    Jackson siehst du kaum. Er geht früh morgens und kommt spät abends zurück. Einmal hat er in dem Fitnessraum – in dieser Wohnung ist wirklich alles – trainiert, aber das war’s auch schon. Er geht regelmäßig einkaufen und versucht dich mit allem Notwendigen zu versorgen.
    Vor drei Tagen musstest du ihn fragen, ob er dir Tampons und Binden mitbringen kann.
    Das war vermutlich das unangenehmste Gespräch, das du je hattest, vor allem, weil er mal wieder oberkörperfrei in der Küche stand und du dich konzentrieren musstest, nicht seine Bauchmuskeln anzustarren.
    Aber er hat nur mit den Schultern gezuckt und „klar“ gesagt.
    Im Moment stehst du auf dem Laufband im Fitnessstudio – ja, es ist so weit gekommen, dass du aus Langeweile Sport treibst – und der Schweiß läuft dir den Rücken runter. Nach einer Weile hältst du Inne und lässt deinen Atem zur Ruhe kommen.
    Du wischst dir den Schweiß vom Gesicht und ziehst dich aus. Dann springst du in den Pool, um dich abzukühlen. Du plätscherst eine Weile durch das Wasser, während du überlegst, was du heute noch machen sollst. Wie immer fällt dir nichts ein. Seufzend steigst du aus dem Becken, trocknest dich ab und läufst in dein Zimmer.
    Genervt stellst du fest, dass du all deine Anziehsachen schon mal getragen hast und sie nicht mehr frisch sind. Die muss ich wohl waschen.
    Du nimmst deine gesamte Kleidung unter den Arm und gehst zur Waschmaschine. Zuhause hat sich immer deine Mum um deine Wäsche gekümmert. Aber so schwer kann das ja nicht sein. Du stopfst alles zusammen in die Trommel, schüttest Waschpulver hinzu und stellst die höchste Stufe ein.
    Zufrieden schaust du der Maschine zu, wie sie deine Kleidung immer wieder im Kreis herumschleudert. Und wie lange wird das jetzt dauern?
    Du trägst immer noch nur ein Handtuch und langsam wird dir kalt. Da fällt dir auf, dass sich im Trockner Kleidung befindet. Jackson muss auch gewaschen haben. Kurz zögerst du, dann schnappst du dir eins seiner großen T-Shirts und wirfst es dir über.
    Du gehst in die Küche, kochst dir einen Kaffee und beginnst zu schreiben. Aus Langeweile hast du damit angefangen, aber weil du merkst, dass es eine therapeutische Wirkung auf dich hat und du so deine Erlebnisse verarbeiten kannst, versuchst du nun jeden Tag zu schreiben. Was auch funktioniert, da du nichts anderes zu tun hast. Deine Texte handeln von Polizisten, von Gangs, die im Untergrund arbeiten, von engen Freunden und einem kleinen Mädchen, das sich sehr einsam fühlt.
    Irgendwann hörst du auf, da du Hunger bekommen hast. Du machst dir ein kleines Abendessen. Dann gehst du ins Bett. Wieder einen Tag rumgebracht.

    Am nächsten Morgen weckt dich die Sonne. Es muss noch sehr früh sein. Gähnend gehst du ins Bad und nachdem du dein Gesicht gewaschen hast, schlürfst du in die Küche. Jackson sitzt – wie immer oberkörperfrei – auf seinem gewohnten Platz, trinkt Kaffee und liest Zeitung. Du nickst ihm zu und schenkst dir was von der schwarzen Flüssigkeit in deine Tasse. Du drehst dich um und willst zum Kühlschrank, um Milch zu holen, als du bemerkst, dass Jackson dich anstarrt. Was hat er denn?
    Nachdem du einen Schuss Milch und zwei Zuckerstücke hinzugefügt hast, lehnst du dich an die Anrichte und nimmst einen Schluck von dem heißen Getränk.
    Jackson hat dich nicht aus den Augen gelassen und die Arme vor seiner Brust verschränkt.
    „Was?“, blaffst du ihn an. Warum starrt er mich so an?
    Er zieht seine Augenbrauen hoch und schaut dein Oberteil an. Beziehungsweise SEIN Oberteil. Er jetzt realisierst du, was los ist und verschluckst dich fast an deinem Kaffee.
    „Ich kann das erklären.“
    „Ach ja?“
    „Meine Wäsche … also ich musste waschen und da hatte ich nichts anzuziehen.“
    „Und da dachtest du, du nimmst einfach eins meiner Shirts?“
    „Ähm … ja.“
    Sichtlich genervt streckt er seine Hand aus.
    Fragend schaust du ihn an.
    „Gib es mir wieder!“
    „Was? Aber“, du wirfst einen Blick unter das Shirt und errötest „das geht jetzt nicht.“
    Jackson seufzt: „Ist deine Wäsche noch nicht trocken?“
    Schnell springst du zur Waschmaschine und reißt die Trommel auf. Verdammt, das darf nicht wahr sein.
    Du bemerkst, dass Jackson direkt hinter dir steht.
    „Ähm … könnte ich das T-Shirt vielleicht noch etwas länger behalten?“
    Er schiebt dich zur Seite und als er in die Maschine sieht, schüttelt er nur seinen Kopf. Alles ist rötlich verfärbt und sichtlich eingegangen.
    „Hast du etwa noch nie gewaschen?“, fährt er dich an.
    „Hm …“, du weißt nicht, was du sagen sollst.
    „Scheiße dN, jetzt müssen wir dir neue Sachen besorgen.“ Er ist wütend.
    Kurz schaust du beschämt auf den Boden, dann reißt du deinen Kopf nach oben: „Heißt das etwa, ich darf aus dieser Wohnung raus?“
    Er funkelt mich böse an: „Hast du das etwa mit Absicht gemacht?“
    Traurig schaust du deine Lieblingsjeans an, die jetzt in der Kinderabteilung verkauft werden könnte und schüttelst den Kopf.
    „Also bist du einfach zu blöd, Wäsche zu waschen?“
    Du wirst wütend. Warum muss er mich so behandeln?
    „Das kann ja wohl mal passieren. Du bist auch nicht perfekt, okay?“
    „Ach ja?“, er macht einen Schritt auf dich zu „wann habe ich je so etwas dummes gemacht?“
    „Du hast …“, dein Gehirn rattert „du läufst immer oberkörperfrei durch die Wohnung.“
    Jackson lacht auf. Du wirst rot. Warum konnte mir nicht besseres einfallen?
    „Und das stört dich?“, er kommt wieder einen Schritt näher und du kannst nun seinen Atem auf deinen Wangen spüren.
    „J-ja“, stotterst du und willst zurückweichen, aber da ist die Waschmaschine im Weg.
    „Warum? Lenkt dich das ab?“ Jackson steht nun so nah vor dir, dass seine Brust nur wenige Millimeter von deiner entfernt ist.
    Ohne etwas zu sagen, drückst du ihn von dir weg und willst zur Tür, aber er hält dich am Handgelenk fest. Fragend schaut er dich an, aber du willst ihm nicht antworten. Du weichst seinem Blick aus und versuchst dich loszureißen, aber er lässt nicht locker. Ein paar Augenblicke steht ihr so da, dann seufzt er und gibt endlich deine Hand frei.
    „Du hast mein T-Shirt also nicht angezogen, weil …“, er bricht ab.
    „Weil was?“, du ziehst deine Augenbrauen nach oben.
    Auf einmal fängt er an zu grinsen und will sich an der vorbei aus dem Raum schieben.
    Du wirst wütend: „Weißt du was.“ Dieser Idiot. Du drehst dich um, ziehst sein Shirt aus, bedeckst mit einer Hand deine Brüste und wendest dich wieder ihm zu. Dann klatschst du ihm sein Oberteil gegen die Brust und als er dich sprachlos anstarrt, fragst du: „Lenkt dich das ab?“
    Ohne eine Antwort abzuwarten, rauscht du an ihm vorbei in dein Zimmer.

    21
    Du sitzt auf deinem Bett und gehst das Szenario im Kopf noch einmal durch. Deine Hände zittern vor Wut.
    Was fällt diesem Idioten überhaupt ein? Erst behandelt er mich die ganze Zeit wie eine Gefangene und dann was – flirtet er mit mir? Oder was sollte das sein? ‚Lenkt dich das ab?‘ Natürlich lenkt mich das ab. Jeder halbnackte, durchtrainierte Typ würde mich ablenken. Vor allem, weil ich mich hier zu Tode langweile und er der einzige Mensch ist, mit dem ich in den letzten Wochen gesprochen habe. Muss er mir da noch ständig seine Bauchmuskeln präsentieren?
    Seufzend lässt du deinen Oberkörper nach hinten kippen und streckst deine Beine aus. Dann kuschelst du dich unter die Bettdecke. Ohne Jacksons Shirt ist dir kalt geworden.
    Warum musste ich sagen, dass mich das stört? ‚wann habe ich je so etwas dummes gemacht?‘ Eigentlich hätten mir da dutzend Sachen einfallen können: als er mich fälschlicherweise gekidnapped hat, als er mich vor der Polizeistation abgefangen hat, als er mich im Auto an den Sitz gefesselt hat und und und …
    Du wälzt dich im Bett hin und her. Sofort fällt dir wieder ein, dass all deine Klamotten eingegangen sind und du nun nichts mehr zum Anziehen besitzt. Wirklich alle? Du stehst auf, die Decke um deinen Körper geschlungen, und tappst in den Raum mit der Waschmaschine. Jackson muss die Wohnung bereits verlassen haben, da sein Zimmer abgesperrt ist und nun ein viertes Schloss an der Haustür hängt. Er ist wirklich ein wenig paranoid.
    Du holst deine Kleidung aus der Maschine und inspizierst jedes Teil einzeln. Ein T-Shirt könnte vielleicht als bauchfrei durchgehen und nachdem du eine Leggins gedehnt hast, kannst du dich auch wieder in die Hose quetschen. Prüfend schaust du in den Spiegel. Das ist zwar nicht das Outfit des Jahres, aber wenigstens bin ich nicht mehr halbnackt.
    Nachdem du dir einen Tee gekocht hast, setzt du dich mit deinem Notizbuch ins Wohnzimmer und fängst an zu schreiben. Als du das Klicken von Schlössern hörst, springst du auf und sprintest zurück in dein Zimmer. Was macht Jackson schon zurück? Sonst kommt er doch immer erst spät abends?
    Es klopft an deiner Tür. Du antwortest nicht. Es klopft erneut, diesmal mit mehr Nachdruck. Als du immer noch nicht antwortest, hört das Klopfen kurz auf, dann schlägt jemand gegen den Türrahmen. Du zuckst zusammen: „Was?“
    „Bist du … immer noch nackt?“, hörst du Jackson fragen.
    Du reißt die Tür auf: „Was willst du?“
    Er mustert dich kurz von oben bis unten, dann grinst er: „Süßes Outfit!“
    Du verdrehst die Augen und willst die Tür schon wieder zuknallen, aber Jackson ist schneller und schiebt sich in dein Zimmer.
    „Ich hab dir was mitgebracht.“ Er hält eine Tüte hoch.
    Skeptisch schaust du ihn an. Dann nimmst du sie ihm aus der Hand und betrachtest den Inhalt: Ein Hoodie und eine dunkle Jeans.
    „Bisschen groß“, murmelst du. Aber besser als nichts.
    Jackson zuckt mit den Schultern: „Ich dachte, wenn dir meine Sachen passen …“ Du funkelst ihn böse an.
    Er hebt beschwichtigend seine Hände: „Hey, hätte ich gewusst, dass du doch noch was zum Anziehen hast“ – er deutet auf dein T-Shirt, das dir nicht mal bis zum Bauchnabel reicht – „dann wäre ich gleich so mit dir zum einkaufen gegangen.“
    „Wir gehen doch einkaufen?“, deine Augen beginnen zu leuchten. Endlich komme ich hier raus.
    Er nickt: „Nur ein Geschäft! Du suchst dir ein paar Sachen aus, wir zahlen und gehen dann sofort wieder.“
    „Und wann?“
    „Am besten gleich.“
    Dein Herz schlägt höher, du freust dich endlich diese Wohnung zu verlassen: „Gib mir fünf Minuten.“
    Mit diesen Worten springst du ins Bad und ziehst die Klamotten an, die Jackson dir mitgebracht hat. Besser als mit Leggins und zu kleinem T-Shirt in die Stadt zu gehen.
    Als du in den Spiegel schaust, beschließt du ein wenig Mascara aufzutragen. Dann kehrst du zu Jackson zurück. Er nickt dir zu, schließt die Schlösser auf und zum ersten Mal seit Wochen machst du einen Schritt aus der Wohnung. Die Aufzugtüren schließen sich hinter euch. Du atmest tief durch, bald wirst du wieder an der frischen Luft sein.
    Neben dir räuspert sich Jackson: „Wegen vorhin…“ Verdammt. Auf dieses Gespräch hattest du eigentlich keine Lust. Deine Wangen röten sich bei dem Gedanken, wie du ihm sein Shirt zurückgegeben hast. Halbnackt. „Also tut mir leid, wenn ich dich irgendwie …“, er hält kurz inne und fährt sich durch die Haare. Du schaust nervös auf die Anzeige; Noch zehn Stockwerke.
    „Ja?“
    „Wenn ich … ach keine Ahnung. Es ist nicht so einfach, mit dir zusammen zu wohnen.“
    Du verschränkst die Arme vor deiner Brust: „Was soll das denn heißen? Wir sehen uns kaum und du sprichst fast nie mit mir. Was ist daran bitte schwierig?“
    „Ich bin einfach nicht gewohnt, ständig auf jemanden aufzupassen, okay?“
    „Ist das nicht irgendwie dein Job?“
    Der Aufzug hält an und du willst schon aussteigen, als Jackson dich zurückhält: „Bitte dN, hör mir kurz zu, ja? Ich versuch gerade, mich zu entschuldigen.“
    Die Türen schließen sich wieder. „Das läuft bisher aber nicht so gut“, blaffst du ihn an.
    Er rauft sich durch die Haare: „Du machst es einem auch nicht leicht … das heute Morgen war bescheuert von mir. Die Waschmaschine, also ähm das hätte echt jedem passieren können. Als ich das erste Mal Kleidung gewaschen habe, stand danach alles unter Wasser. Und … und ich werde ab jetzt auch immer ein Shirt tragen, okay?“
    Du weichst seinem Blick aus. Unsicher, was du sagen sollst, streichst du dir eine Strähne aus dem Gesicht, schiebst dich an ihm vorbei und verlässt den Aufzug. Jackson ist direkt hinter dir. Auf dem Parkplatz schaust du dich um, siehst aber nicht das Auto, mit dem ihr hierhergekommen seid.
    „Suchst du das?“, Jackson deutet auf ein Motorrad.
    „Oh nein.“ Damit werde ich nicht fahren.
    „Was ist los?“, Jackson beginnt schon wieder zu grinsen: „Hast du etwa Angst?“
    „Ach ich glaube, diese eine Hose reicht mir“, du drehst um und willst schon wieder zurück zum Haus, als Jackson deine Hand nimmt.
    „DN, mach dir keine Sorgen. Dir passiert nichts … solange du dich gut festhältst.“
    Du schluckst. Du bist noch nie auf einem Motorrad gefahren und hattest es eigentlich auch nicht vor. Skeptisch beobachtest du Jackson, der den Sitz nach oben drückt und darunter einen Helm hervorholt. Vorsichtig stülpt er ihn über deinen Kopf und macht den Verschluss zu; dabei klemmt er deine Haare ein.
    „Aua“, schmollst du.
    „Tut mir leid“, Jackson lächelt dich an und streicht dir kurz mit dem Daumen über dein Kinn. Dann schwingt er sich auf das Motorrad.
    „Moment, trägst du keinen Helm?“
    Er schüttelt seinen Kopf: „Wir haben nur den einen.“
    Einen Moment lang zögerst du, dann setzt du dich hinter Jackson auf das Motorrad. Sofort schlingst du deine Arme um seinen Oberkörper. Dein Herz schlägt schneller. Warum hat er denn das Auto gegen dieses Ding eingetauscht?
    „Ähm, dN?“
    „Was?“, murmelst du, dein Gesicht gegen seinen Rücken gepresst.
    „Wir sind noch nicht mal losgefahren und ich kann jetzt schon kaum atmen, wenn du so zudrückst.“
    „Oh“, hatte er nicht gesagt, ich solle mich gut festhalten? Du lässt ein wenig lockerer. Aber sobald Jackson die Maschine startet, wirst du wieder panischer: „Hast du überhaupt einen Führerschein für so ein Motorrad?“
    „Das ist eine Vespa.“ Na und, mir doch egal.
    Langsam fährt er aus dem Parkplatz raus, doch kurz bevor er aufs Gas drückt, meint er: „Nein, hab ich nicht. Aber ich bin Polizist. Das geht schon.“
    Wie beruhigend.

    22
    Heyo 🤗 morgen wird es wieder einen Lesetag geben. Um zwölf soll es losgehen und dann werde ich wieder alle zwei Stunden ein halbes Kapitel hochladen 😊

    Ich hab mal hier mal die Personen/Namen (außer dN's Eltern) aufgelistet, die bis jetzt vorkamen (hoffentlich habe ich niemanden vergessen ^^), damit man den Überblick nicht so leicht verliert.

    dN = du
    Kia = Freundin (auch Kiki genannt)
    Sora = Freundin
    Taehyung und Jackson = beide Polizisten
    Baekhyun Hwan = Anführer der Hwan Song Sung Pa
    Sheila = Geliebte von Baekhyun
    Chil Sung Pa (Gang mit Sitz in Busan) <--> Hwan Song Sung Pa (Gang)
    Yong = arbeitet für die Chil Sung Pa (Typ, der dN verhört hat)
    Juhee = Polizistin
    Yugyeom = Verbündeter von Jackson


    Falls ich jemanden vergessen habe, gebt mir bitte Bescheid 🙂

    So, hier noch der Anfang des 22. Kapitels als "Teaser" für morgen😊


    Deine Sicht
    Sobald Jackson anhält, springst du von dem Motorrad und ziehst dir den Helm vom Kopf.
    „Das war ja schrecklich.“
    „Wenigstens konntest du atmen.“
    Du ignorierst seinen Kommentar und schaust dich um. Jackson hat in einer schmalen Seitengasse neben einer großen Einkaufsstraße geparkt. Nachdem er den Helm wieder verstaut hat, geht ihr gemeinsam an den Geschäften entlang bis du einen Laden entdeckst, in dem du gerne einkaufen würdest. Schweigend läuft Jackson neben dir her. Er ist wohl nicht so der Shopping-Typ.
    Als ihr das Geschäft betretet, schaut er auf die Uhr: „Schaffst du das in zehn Minuten?“
    Du bist empört: „Zehn Minuten? In der Zeit kann ich mir nicht mal Socken aussuchen.“
    Er seufzt: „Auf was hab ich mich da eingelassen?“
    Du schlenderst durch den Laden und suchst dir ein paar Kleidungsstücke aus, dann gehst du zur Umkleide. Jackson ständig im Schlepptau. Er schaut immer wieder genervt auf die Uhr, sagt aber nichts.
    Als du wieder aus der Umkleide kommst, schaut er dich erwartungsvoll an: „Fertig?“
    Du schüttelst deinen Kopf. Eigentlich könntest du dich mehr beeilen, aber du weißt nicht, wann du mal wieder aus der Wohnung kommst, deswegen genießt du jeden Augenblick.
    Seufzend meint er: „Ich hol mir einen Kaffee, okay?“
    Du ziehst deine Augenbrauen hoch: „Hast du keine Angst, dass ich weglaufen könnte?“
    Jackson zuckt mit den Schultern: „Wo willst du denn hin?“
    Da hat er leider recht. Du schaust ihm nach, wie er das Geschäft verlässt.
    Sobald er weg ist, gehst du in die Unterwäsche-Abteilung und stöberst weiter.


    Jacksons Sicht
    Ich stehe an einem Kiosk und habe gerade eine Tasse schwarzen Kaffee bestellt. Während ich warte, schaue ich mich um. Da fällt mein Blick auf einen großen Typen, der gerade aus einem Geschäft auf die Straße läuft. Das kann nicht sein. Was macht er hier?
    Noch bevor mir die Bedienung meinen Kaffee geben kann, drehe ich mich um und renne in die andere Richtung. Ich muss zu dN.



    Los geht's! Viel Spaß mit dem Lesetag 🧡

    Deine Sicht
    Mittlerweile hast du so viele Teile gefunden, dass du sie fast nicht mehr alle tragen kannst. Du entschließt, sie bei der Kasse zurücklegen zu lassen und auf Jackson zu warten. Wo bleibt der nur?
    Eine Weile stehst du in der Schlange, als dir plötzlich von hinten jemand eine Hand auf die Schulter legt. Du zuckst zusammen und drehst dich um.
    „Hier bist du also“, meint Jackson. Er ist vollkommen außer Atem und der Schweiß läuft ihm die Schläfe hinunter. „Wir müssen hier weg.“
    „Aber ich bin gleich dran“, du deutest auf die Kasse, von der dich nur noch eine weitere Kundin trennt.
    „Wir bestellen einfach die Sachen, okay?“, er zieht an deinem Arm, aber du bewegst dich kein Stück.
    „DN!“, Jackson wird wütend und zerrt heftiger an dir bis ein anderer Kunde einschreitet: „Belästigt Sie dieser Mann?“
    „Nein, schon gut!“, du winkst ab und lächelst dem Unbekannten zu, der Jackson einen bösen Blick zuwirft. Dem scheint das vollkommen egal zu sein und sieht sich immer wieder um.
    Dann bist du an der Reihe. Du legst deine Klamotten auf den Tresen. Jackson neben dir ist sichtlich nervös. Was ist nur mit ihm los?
    „Können Sie das nicht schneller machen?“ fährt er die Frau an der Kasse an.
    Sofort entschuldigst du dich bei ihr und haust Jackson mit dem Ellbogen gegen die Rippen: „Was stimmt denn jetzt wieder nicht mit dir?“
    Er schaut dich wütend an, dann ändert sich sein Gesichtsausdruck und er seufzt: „Ich habe gerade Yong gesehen.“
    Du wirst blass. Yong, der Mann, der dich in dem Versteck der Chil Sung Pa verhört und geschlagen hat, ist hier? Dein Herz schlägt schneller und nun beginnst auch du dich umzusehen.
    Schnell bezahlt Jackson und ihr verlasst den Laden. Er steuert dich durch die Menschenmenge. Du versuchst dich zu beruhigen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er euch hier zwischen all den Leuten entdeckt?
    Aber die Tatsache, dass Jackson beinahe anfängt die Straße entlang zu rennen, um schnell zu dem Motorrad zu kommen, macht dich nur noch nervöser. Du hast Schwierigkeiten ihm zu folgen, bis er deine Hand nimmt und dich einfach mit sich zieht. Während du ihm nachstolperst, achtest du darauf, die Tüten, in denen sich die neuen Klamotten befinden, nicht zu verlieren.
    Plötzlich bleibt Jackson stehen und murmelt „scheiße.“
    Er schubst dich gegen eine Hauswand und presst sich gegen dich. Von außen muss es so aussehen, als wärt ihr ein Pärchen und würdet euch gerade küssen, aber eigentlich versucht Jackson dich mit seinem Körper zu verbergen.
    Als du Yongs Stimme hörst, erstarrst du und bekommst eine Gänsehaut. Sofort kommen die Erinnerungen an das Versteck der Chil Sung Pa hoch und du bekommst Probleme zu atmen.
    Jackson engt dich ein, du kannst dich nicht bewegen. Am liebsten würdest du ihn wegstoßen und wegrennen. Weg von dieser schrecklichen Stimme.
    Yong spricht mit einem anderen Mann, aber du kannst nicht verstehen, worüber sie reden.
    Als Jackson merkt, dass dein ganzer Körper zu zittern angefangen hat, streicht er dir über den Arm: „Schschh.“
    Du drückst deinen Kopf gegen seine Brust und hörst nun sein Herz schlagen. Du konzentrierst dich ausschließlich auf das pochende Geräusch und blendest den Rest der Welt aus, bis Jackson einen Schritt zurück geht und dich weiterzieht.
    Eine ältere Frau wirft euch einen tadelnden Blick zu, aber du ignorierst sie. Nun freust du dich auf die Sicherheit und Abgeschottenheit der Wohnung.
    Jackson schaut sich immer noch um, aber Yong ist nirgends zu sehen. Erleichtert atmest du aus. Du willst nur noch nach Hause.
    „Das Problem ist, dass die nie allein auftauchen“, raunt dir Jackson zu. Ängstlich siehst du dich um. Er biegt in die Seitenstraße ein, in der das Motorrad steht.
    Wie angewurzelt bleibt er stehen und du läufst gegen ihn. Als du an ihm vorbeischaust, erkennst du, dass eine Gestalt neben der Vespa steht.
    Es ist ein großer, muskulöser Mann. Aber nicht Yong.


    Er deutet auf das Motorrad: „Dachte ich mir doch, dass dieses Baby dir gehört“, lachend geht er auf Jackson zu und schließt ihn in eine kurze Umarmung.
    Verwirrt schaust du zwischen den beiden Männern hin und her. Du verstehst die Welt nicht mehr. Wer ist der Fremde?
    „Und ist das dein anderes Baby?“, der Unbekannte mustert dich von oben bis unten und grinst dich an. Dir wird schlecht und du wendest dich mit flehendem Blick zu Jackson. Ich will hier weg.
    Der würdigt dich keines Blickes, sondern zuckt nur mit den Schultern und meint „nichts festes.“
    „Oh, das sieht die Kleine wohl anders“, der Fremde starrt dich immer noch an und leckt sich über die Lippen. Du wirst immer unruhiger und trittst einen Schritt zurück. Der Unbekannte lacht kurz auf „süß“, dann wendet er sich wieder Jackson zu: „Und bist du heute auch dabei? Oder hast du die Einladung gar nicht bekommen?“
    Von was spricht er? Du bist verwirrt, aber Jackson scheint genau zu verstehen, was der Unbekannte meint: „44281.“
    Der andere will antworten, aber Jackson lässt ihn nicht zu Wort kommen: „Ich lasse heute Mal ausfallen“, er deutet auf dich „ich hab besseres zu tun.“
    Auf dem Gesicht des Fremden breitet sich ein Grinsen aus: „Verstehe … na dann, man sieht sich.“
    Er tritt zur Seite und lässt euch zu dem Motorrad durch. Dann dreht er sich um und verschwindet in der Einkaufsstraße.
    Bevor du Jackson etwas fragen kannst, schüttelt der nur seinen Kopf, drückt dir den Helm in die Hand und verstaut die Einkaufstüten unter dem Sitz. Dann schwingt er sich auf die Vespa und lässt den Motor an. Schnell setzt du dich hinter ihn und schlingst deine Arme um seine Brust.
    Sofort gibt er Gas und ihr fahrt davon.
    Sobald ihr den Parkplatz vor dem Wohnhaus erreicht, in dem du die letzten Wochen verbracht hast, drückt dir Jackson die Taschen und den Schlüssel in die Hand.
    Er nimmt dir den Helm vom Kopf und setzt ihn sich selbst auf.
    „Was machst du?“, fragst du ängstlich
    Kurz zögert er, dann sagt er: „Mach niemandem außer mir auf. Verstanden?“
    Du schaust auf den Schlüssel in deiner Hand, dann nickst du.
    Als er den Motor anlässt, gehst du einen Schritt zur Seite. Er nickt dir noch kurz zu, bevor er davonfährt.
    Wie betäubt drehst du dich um und steuerst auf das Haus zu.

    In der Wohnung räumst du die Sachen in deinen Kleiderschrank ein, dann gehst du in die Küche und kochst dir einen Tee. Es ist kurz nach sechs Uhr abends.
    Während der Tee zieht, überlegst du, was Jackson wohl gerade macht.
    Ist er bei diesem Fremden? Oder bei Yong? Und was bedeutet 44281?
    Du rührst Zucker in dein Getränk und nimmst einen Schluck, wobei du dir beinahe die Zunge verbrennst.
    Wer war dieser komische Typ? Auch ein Polizist? Oder woher kannte ihn Jackson? Ein Schauer fährt dir über den Rücken. Arbeitet er vielleicht auch für die Chil Sung Pa? Hat er mich dann etwa erkannt? Du schüttelst deinen Kopf. Das kann nicht sein. In dem Versteck haben mich nur Jackson und Yong gesehen, oder?
    Von all den Fragen beginnt dein Kopf zu schmerzen und du entschließt ein Bad zu nehmen, um dich zu entspannen. Mit dem Tee in der Hand läufst du ins Badezimmer und lässt Wasser in die Wanne laufen. Kurz zögerst du, ob du überhaupt baden solltest, falls Jackson plötzlich zurückkommen sollte, aber dann ziehst du dich doch aus und gleitest in das warme Wasser. Es sah nicht so aus, als würde er bald wiederkommen.
    Deine Muskeln entspannen sich und du wirst müde. Doch kurz bevor du einschlafen kannst, siehst du Jackson vor deinem inneren Auge und zuckst zusammen. Du setzt dich auf und dabei schwappt Wasser auf die Fließen. Auch wenn du es dir nicht eingestehen möchtest, machst du dir große Sorgen um ihn.
    Auf einmal kommt dir das Wasser kalt vor und du steigst aus der Badewanne. In ein Handtuch gewickelt gehst du zurück in die Küche. Dort setzt du dich auf den Stuhl, auf dem morgens immer Jackson saß und versuchst ein wenig zu schreiben, um dich abzulenken. Aber deine Gedanken wandern zurück zu dem Fremden, der euch vor dem Motorrad abgefangen hat und du wirst immer nervöser. Du fängst an, im Raum auf und abzugehen. Was wenn Jackson nicht zurückkommt? Du raufst dir durch die Haare. Nein, das wird nicht passieren. Es wird gleich klingeln und dann steht er vor der Wohnungstür so wie damals, als ich bei Taehyung war.
    Aber es klingelt nicht. Stundenlang malst du dir die schlimmsten Szenarien aus bis du entschließt, dich schlafen zu legen, da es mittlerweile schon spät geworden ist. Aber im Bett wälzt du dich hin und her. Du schaffst es einfach nicht die negativen Gedanken aus deinem Kopf zu verbannen. Mittlerweile bist du kurz vorm Weinen und bereust jeden Augenblick, in dem du nicht freundlich zu Jackson warst. Was, wenn ihm doch etwas zugestoßen ist?
    Es klingelt. Dein Puls geht in die Höhe. Du springst sofort vom Bett auf und rennst zur Tür. Doch bevor du sie aufreißen kannst, fallen dir wieder Jacksons Worte ein. ‚Mach niemandem außer mir auf. Verstanden?‘
    Vorsichtig fragst du: „Wer ist da?“
    „Mach die scheiß Tür auf!“ Okay, das ist Jackson.
    Sofort öffnest du ihm. Schwankend betritt er den Raum. Blut tropft auf das Parkett. Als er zusammenbricht, kannst du ihn gerade noch davon abhalten, auf dem Boden aufzuschlagen.

    23

    Kikis Sicht
    Ich kann nicht schlafen. Morgen ist mein erster Tag in der Polizeiakademie. Meine Eltern wollen mich morgen früh mit nach Seoul begleiten, wo ich dann die erste Woche meiner Ausbildung verbringe. Die zweite bin ich dann in Busan, die dritte wieder in Seoul und so weiter.
    Vielleicht hatte Sora doch recht und ich habe mich zu spontan dazu entschieden, Polizistin zu werden. Sie wird morgen ihr Studium beginnen. Vielleicht ist sie ja auch noch wach? Schnell schreibe ich ihr eine Nachricht, aber sie antwortet nicht. Vermutlich schläft sie tief und fest und macht sich gar keine Sorgen wegen morgen.
    Meine Gedanken wandern zu dN. Einmal hat mir Jackson geschrieben, dass es ihr gut geht. Ansonsten habe ich keine Ahnung, was so los bei ihr ist. Ich seufze und wälze mich auf die andere Seite des Bettes.

    „Und ruf uns jeden Abend an, hörst du?“
    „Ja, Mama“, ich verdrehe die Augen, aber eigentlich freue ich mich darüber „wir sehen uns ja auch schon am Wochenende wieder.“
    „Trotzdem, wir wollen genau wissen, wie es so läuft und ob es dir gefällt“, mein Stiefvater zieht mich in eine Umarmung.
    Wir stehen direkt vor der Polizeiakademie in Seoul.
    Irgendwann muss ich gestern dann doch noch eingeschlafen sein, aber besonders viel Schlaf habe ich nicht abbekommen.
    Langsam gehe ich auf den Eingang zu, ein letztes Mal drehe ich mich zu meinen Eltern um und winke ihnen zu. Dann öffne ich die Tür und gehe auf eine Gruppe von Leuten zu, die alle auch ein wenig planlos aussehen. Ich quatsche ein Mädchen an, die vermutlich in meinem Alter ist. Sie meint, dass uns demnächst jemand abholen wird und tatsächlich kommt ein paar Minuten später eine junge Polizistin vorbei, die uns alle begrüßt und in ein großes Klassenzimmer führt.
    Die Wochen in Seoul werden wir uns mit theoretischen Themen beschäftigen, wie zum Beispiel, was einem Polizisten rechtlich alles erlaubt ist und in Busan werden wir dann praktische Dinge erlernen, wie Selbstverteidigung oder das Schießen mit Waffen.
    Ich freue mich eher auf den praktischen Teil.
    Als nächstes spricht der Vorsitzende der Polizeiakademie. Ich frage mich, ob das auch Jacksons Chef ist. Weiß er, wo sich dN befindet?
    Danach stellen sich unsere zukünftigen Lehrer vor. Innerlich seufze ich. Vielleicht hätte ich nach dem Abi doch erst Mal ein Jahr Pause machen sollen. So viel Lust habe ich nicht, wieder unterrichtet zu werden. Aber gut, das gehört wohl dazu.
    Nachdem gefühlt zwanzig Personen uns alle herzlich willkommen geheißen haben, geht es endlich los.
    Die Polizistin, die uns vorhin abgeholt hat, scheint sehr nett zu sein und die ersten Stunden sind sogar ganz interessant.
    Kurz vor dem Läuten der Klingel, sagt sie noch: „Bevor Sie alle gehen, will ich Ihnen noch mitteilen, dass Sie sowohl in Seoul, als auch in Busan einen persönlichen Betreuer haben, an den Sie sich bei Fragen oder Problemen wenden können. Ich werde Ihnen jetzt die Telefonnummern Ihrer jeweiligen Betreuer austeilen.“
    Sie beginnt Namen vorzulesen und einer nach dem anderen meiner Klassenkameraden läuft nach vorne und holt sich sein Blatt mit den Daten ab.
    Als mein Name vorgelesen wird, gehe ich zum Pult. Die Polizistin lächelt mich an. Ich beschließe, dass ich sie mag. Wieder auf meinem Platz schaue ich auf die beiden Namen.
    Mein Betreuer in Seoul ist eigentlich eine Betreuerin und in Busan – ich stocke. Nicht sein Ernst. Hat er sich freiwillig gemeldet oder ist das nur ein Zufall?
    Ich starre auf den Namen.
    BUSAN: KIM TAEHYUNG

    24

    Deine Sicht
    „Jackson, was ist passiert?“, stotterst du.
    Er hat Mühe sich auf den Beinen zu halten und stützt sich auf dich.
    „Mach dir keine Sorgen“, murmelt er.
    Er riecht nach Blut und Alkohol.
    „Hast du etwa getrunken?“
    Er schüttelt seinen Kopf.
    „Und wie bist du hierher gekommen? Du bist doch wohl nicht selbst gefahren?“
    „Taxi.“
    „Aber wie –?“
    „Kannst du mal die Klappe halten?“, fährt er dich an.
    Du lässt ihn los und er fällt beinahe zu Boden. Warum habe ich mir gleich noch einmal Sorgen um ihn gemacht?
    „Tut mir leid“, flüstert er und streckt seinen Arm nach dir aus.
    Vorsichtig stützt du ihn und führst ihn langsam zu seinem Zimmer. Seine andere Hand presst Jackson gegen seine Rippen. Er läuft gekrümmt. Du musterst sein Gesicht. Seine rechte Wange ist geschwollen und seine Lippe aufgeplatzt. Von seiner linken Schläfe tropft Blut auf den Boden. Er muss sich geprügelt haben.
    Vor der Tür hältst du an und schaust fragend zu Jackson. Normalerweise sperrt er sein Zimmer immer ab.
    „Der Schlüssel“, keucht er. Es dauert einen Moment bis du verstehst. Vorsichtig lässt du ihn los und er lehnt sich gegen die Wand. Du sprintest in die Küche und holst den Schlüsselbund, den er dir zuvor auf dem Parkplatz gegeben hat. Dann sperrst du den Raum auf. Sein Zimmer ist kleiner als deines und es liegen die verschiedensten Dinge herum: Bücher, Landkarten, Zeitungen und sobald du seine Waffensammlung siehst, stockt dir kurz der Atem. Wann hat er das alles hierher gebracht?
    Auf seinem Schreibtisch steht ein Laptop. Und mir erlaubt er nicht mal, einen Radio zu besitzen.
    Du hilfst Jackson sich ins Bett zu legen. Er stöhnt auf und presst wieder seine Hände an seinen Oberkörper. Du siehst dir die Verletzungen in seinem Gesicht genauer an. Sie scheinen nicht allzu tief zu sein. Die Lippe wird bald verheilen und seine Wange abschwellen, aber die Wunde an seiner Schläfe sieht nicht gut aus. Du zögerst: Sollte man sie desinfizieren? Wahrscheinlich schon.
    Kurz denkst du daran, wie sich Jackson um deine Verletzungen gekümmert hat, nachdem du im Wald weggerannt bist und von Steinen und Ästen zerkratzt wurdest. Du atmest tief durch. Wenn er das kann, schaffe ich das auch. So schwer kann das ja nicht sein.
    Als du Jackson nach Desinfektionsmittel fragst, antwortet er nicht. Sein Atem ist gleichmäßig. Ist er eingeschlafen?
    Du schaust dich im Zimmer um, öffnest seinen Schrank und findest schließlich einen Verbandkasten in einer der Schreibtischschubladen, in dem sich auch ein kleines Fläschchen für die Reinigung von Wunden befindet.
    Du träufelst etwas von der Flüssigkeit auf ein sauberes Taschentuch und drückst es auf Jacksons Verletzung. Macht man das so?
    Er zuckt zusammen und atmet scharf ein.
    „Tut mir leid, gleich wird es besser“, du streichst ihm durchs Haar, um ihn ein wenig zu beruhigen.
    Als du überlegst, wie Jackson damals deine Wunden im Wald versorgt hat, fällt dir ein, dass er nach dem Desinfektionsmittel eine Kompresse und danach einen Verband benutzt hat. Du kramst in dem Erste-Hilfe-Set und klebst schließlich ein großes Pflaster auf die Verletzung. Wenigstens blutet es jetzt nicht mehr.
    Jacksons Augen sind geschlossen, aber du vermutest, dass er immer noch wach ist. Die Schwellung auf seiner rechten Seite ist mittlerweile größer geworden. Schnell läufst du in die Küche und holst einen Kühlbeutel.
    Mit den Worten „das wird jetzt ein wenig kalt sein“, drückst du Jackson den Beutel ins Gesicht.
    Er zuckt wieder zusammen, beschwert sich aber nicht.
    Wieder musterst du ihn von oben bis unten. Sein Oberteil ist rot verfärbt. Hat er wirklich so viel geblutet? Du erstarrst: Oder ist das überhaupt alles sein Blut?
    Vorsichtig ziehst du an seinem Shirt, um seinen Oberkörper zu untersuchen. Bevor du es ihm über seinen Kopf ziehen kannst, hält Jackson deine Hand fest. Dir fällt auf, dass mehrere seiner Knöchel an den Fingern aufgeplatzt sind.
    „Du musst das nicht machen, dN.“
    Du schüttelst deinen Kopf: „Doch.“
    Er lässt zu, dass du ihm sein Oberteil ausziehst, dann schaust du dir seine Brust an.
    Es haben sich bereits blaue Flecken gebildet und überall ist Blut, aber du siehst keine offenen Wunden. Du läufst ins Bad und hältst ein Handtuch unter den Hahn. Sobald es das warme Wasser aufgesogen hat, gehst du wieder zu Jackson, setzt dich neben ihn aufs Bett und wischt das Blut von seinem Oberkörper.
    Er stöhnt laut auf und presst sich wieder eine Hand an die Brust.
    Du siehst keine schlimmeren Verletzungen, aber machst dir Sorgen: „Was tut dir weh?“
    „Meine Rippen“, stottert er „ich glaub, ich glaub … es müssen mindestens zwei gebrochen sein.“
    Sofort hältst du inne: „Sollen wir dann nicht besser ins Krankenhaus? Was macht man bei gebrochenen Rippen?“
    Jackson versucht zu lächeln, zieht aber dabei eher eine Grimasse: „Nein, schon okay. Das heilt von allein.“
    „Hm“, vorsichtig wischt du das restliche Blut von seinem Oberkörper. Dann holst du ein frisches T-Shirt aus seinem Schrank und ziehst es ihm über den Kopf. Dabei fallen dir wieder seine Knöchel auf.
    „Die müssen wir noch desinfizieren, dann sind wir fertig.“
    Jackson nickt und beobachtet, wie du vorsichtig die Wunden an seinen Händen reinigst. Wen er wohl damit geschlagen hat?
    Zuletzt bindest du noch einen Verband um die Verletzungen. Zufrieden schaust du ihn an.
    „Fertig?“, fragt er zögernd.
    Du nickst.
    „Kannst du mir dann noch einen Drink bringen?“
    „Was?“, du starrst ihn böse an „auf keinen Fall!“
    „Gegen die Schmerzen“, bettelt er.
    „Nein“, du bleibst stur.
    Jackson seufzt, dann schließt er seine Augen. Eine Weile beobachtest du ihn. Du bist unsicher, was du nun machen sollst. Du willst ihn nur ungern allein lassen, falls es ihm schlechter gehen sollte. Andererseits hast du auch nicht vor, neben ihm zu schlafen.
    Du bist hin- und hergerissen, was du tun sollst. Jackson ist mittlerweile eingeschlafen. Du lauschst seinem ruhigen Atem und entscheidest dich, doch hierzubleiben. Mit gebührend Abstand legst du dich auf die andere Seite des Bettes. Du wirst müde und schließt deine Augen. Kurz bevor du ins Land der Träume entschwindest, murmelt Jackson neben dir: „Zumindest hab ich gewonnen.“


    Ich wache auf und merke, dass Jackson nicht mehr neben mir liegt. Langsam richte ich mich auf und schaue im Raum umher, aber auch hier ist er nicht. Verwundert stehe ich auf und gehe in die Küche. Dort sitzt er am Tisch, trinkt Kaffee, liest Zeitung. Alles so wie immer – auch der Fakt, dass er kein Oberteil trägt. Als ich den Raum betrete, schaut er kurz auf, nickt mir zu und konzentriert sich wieder auf den Artikel. Ich starre ihn an. Er sieht vollkommen normal aus.
    ‚Wo sind deine Verletzungen?‘
    Ohne sich vom Lesen ablenken zu lassen, meint er nur kurz: ‚Schon verheilt.‘
    Ich schüttle meinen Kopf. So schnell kann das doch nicht gehen. Vielleicht muss ich einfach wacher werden. Ich drehe mich zur Anrichte um und schenke mir etwas von dem Kaffee ein, den Jackson – wie jeden Morgen – bereits gekocht hat. Plötzlich spüre ich etwas an meinem Rücken. Ich will mich umdrehen, aber Jackson hält mich fest.
    ‚Ich muss mich noch für gestern bedanken‘, flüstert er in mein Ohr und mir läuft ein Schauer den Rücken hinunter. Er drückt seinen Oberkörper gegen mich und ich fühle seinen warmen Atem in meinem Nacken.
    ‚Ist schon okay, du musst dich nicht –‘, ich halte inne, als er meine Haare zur Seite schiebt und anfängt, meinen Hals zu küssen.
    ‚Jackson –‘, ich will ihn zuerst abhalten, aber als er seine Arme um mich schlingt, gebe ich nach und lege meinen Kopf zur Seite, damit er mich leichter küssen kann. Ich seufze. Das fühlt sich so gut an.
    Plötzlich fasst Jackson an meine Hüften und dreht mich zu sich um. Jetzt kann er mir direkt in die Augen sehen. Meine Wangen färben sich rot und ich will seinem Blick ausweichen, aber er nimmt meinen Kopf zwischen seine Hände und schaut mich fragend an.
    Statt etwas zu sagen, lächle ich und lege meine Hände um seinen Oberkörper, um ihn enger an mich heranzuziehen. Er kommt mir immer näher und schließlich legt er seine Lippen auf meine. Vorsichtig öffne ich meinen Mund ein wenig und wir beginnen uns zu küssen. Meine Hände fahren über seinen nackten Oberkörper bis ich sie um seinen Hals schlinge. Mein Herz schlägt schnell, aber diesmal nicht aus Angst, sondern Aufregung. Ich genieße unseren Kuss. Schließlich hebt er mich an meiner Hüfte nach oben und setzt mich auf der Anrichte ab. Ich schlinge meine Beine um seinen Körper und meine Hände wuscheln durch seine Haare.
    Unser Kuss wird leidenschaftlicher, seine Hände wandern unter mein T-Shirt bis sie auf meiner Taille liegen bleiben. Schließlich löst er vorsichtig seine Lippen von meinen. Ich murmle seinen Namen und will ihn wieder näher an mich heranziehen, will wieder seine Nähe spüren. Jackson lächelt mich an und gibt mir einen Kuss auf die Stirn.


    Du wachst auf.
    Jackson liegt neben dir und starrt dich an: „Warum sagst du eigentlich im Schlaf immer meinen Namen?“



    Hello 🤗
    der Lesetag ist also vorbei - zumindest fast. Ein Kapitel lade ich heute vielleicht noch hoch, aber zehn Uhr schaffe ich wahrscheinlich nicht. Eher später. Ich hoffe, ihr hattet einen schönen Tag und hattet Spaß beim Lesen
    💚💙

    25
    Sofort setzt du dich auf und drehst Jackson deinen Rücken zu. Deine Wangen glühen und du bist dir sicher, dass dein Kopf rot leuchtet. Warum hab ich nicht in meinem Zimmer geschlafen?
    „Ich hatte einen Albtraum“, murmelst du.
    „Ach ja?“
    Du nickst.
    „Worum ging es?“, Jackson lässt nicht locker.
    „Dass du“, mich auf die Küchenanrichte gehoben hast und mir den schönsten Kuss meines Lebens gegeben hast „äh, gestorben bist … und dann war ich hier allein … und dann sind die Chil Sung Pa gekommen…“, du brichst ab. Dir fällt nichts mehr ein.
    Jackson, der deine Stille falsch interpretiert, streicht dir über den Rücken: „Schschh dN, ist schon okay. Ich bin ja da.“
    Du zuckst unter seiner Berührung zusammen und stehst schnell auf.
    Langsam drehst du dich wieder zu ihm um und musterst sein Gesicht. Seine Wange ist etwas abgeschwollen, aber hat eine blau-lila Farbe angenommen. Der Verband an seiner Schläfe ist blutgetränkt. Die Wunde muss im Schlaf neu aufgerissen sein.
    „Ich sollte das noch einmal neu einbinden“, du deutest auf die Seite seines Gesichts.
    Er schüttelt seinen Kopf und zuckt dabei vor Schmerzen zusammen. Keuchend hält er sich eine Hand an die Brust.
    „Deine Rippen?“, du bist besorgt. „Vielleicht sollten wir doch –?“
    „Nein“, er unterbricht dich abrupt und steht auf. Dann steuert er auf die Tür zu. „Ich geh schnell duschen.“
    Du nickst und im nächsten Moment bist du allein.
    Nachdem du die Fenster geöffnet hast, gehst du in die Küche und kochst Kaffee. Deine Gedanken schweifen zurück zu dem Traum von letzter Nacht.
    So schön war der Kuss nun auch wieder nicht, versuchst du dir einzureden.
    Du holst dir einen Joghurt aus dem Kühlschrank und ignorierst dabei die Anrichte neben dir.
    Ich muss mich irgendwie ablenken.
    Aber dein Plan geht schief, als Jackson in die Küche platzt – natürlich oberkörperfrei. Er geht zum Waschbecken und füllt sich ein Glas mit Wasser ein. Dann nimmt er zwei Tabletten und spült sie mit dem Wasser runter. Skeptisch schaust du ihn an.
    „Gegen die Schmerzen.“
    „Hm“, vermutlich besser als Alkohol.
    Du atmest tief ein: „Jackson, wir ähm müssen reden.“
    Fragend zieht er seine Augenbrauen nach oben, dann grinst er. Du fühlst dich, nicht ernst genommen.
    Seufzend verschränkst du deine Arme vor der Brust: „Findest du nicht, dass du mir das schuldig bist?“
    Er zuckt mit den Schultern, setzt sich aber auf den Stuhl dir gegenüber: „Na gut, leg los.“
    Du musterst seinen Oberkörper, der von blauen Flecken übersäht ist: „Das sieht nicht gut aus.“
    „Stimmt, ich hatte schon mal einen Eight-Pack. Jetzt ist es nur ein Sixpack, da muss ich wohl wieder mit dem Training anziehen.“
    „Das meinte ich nicht“, sagst du genervt.
    Jackson zwinkert dir zu: „Keine Sorge, das verheilt alles wieder.“ Er steht auf.
    „Hey“, sofort springst du auch von deinem Platz auf. So leicht wirst du ihn nicht davon kommen lassen „wo warst du gestern noch?“
    „Nicht so wichtig. Denk nicht darüber nach“, sagt er ruhig, während er aus der Küche läuft.
    Du wirst wütend: „Nicht so wichtig? Spinnst du jetzt! Natürlich ist das wichtig. Es hat dich ja offensichtlich jemand zusammengeschlagen.“
    Abrupt bleibt er stehen und dreht sich zu dir um: „Vielleicht habe ich ja auch jemanden zusammengeschlagen.“
    „Hast du? Der kann ja wohl kaum schlimmer aussehen als du.“
    Jackson schüttelt seinen Kopf: „DN, du hast ja keine Ahnung.“
    Du zuckst mit den Schultern: „Hab ich auch nicht. Du sprichst ja nie mit mir. Ich sitze hier immer allein in der Wohnung und dann kommst du blutend von was-weiß-ich zurück und willst mir nicht mal sagen, wer dich verletzt hat.“
    „Ich will dich da nicht noch mehr mitreinziehen“, fährt er dich an.
    „Jackson, du schützt mich nicht, indem du mir nichts erzählst.“
    Er schaut dich eine Weile an, dann massiert er sich seine unverletzte Schläfe und überlegt.
    „DN, tut mir leid, aber ich kann nicht“, mit den Worten verschwindet er in seinem Zimmer.
    Mit offenem Mund starrst du auf die geschlossene Tür. Dieser Arsch. Warum kann er mir nicht mal sagen, wo er gestern Nacht war?
    Du hast eine Idee: Schnell läufst du in die Küche und holst den Schlüsselbund, den Jackson dir gestern gegeben hat. Dann stellst du dich wieder vor sein Zimmer und rufst: „Wenn du einfach so verschwinden kannst, dann darf ich das auch.“
    Als er nicht reagiert, schüttelst du den Schlüsselbund bis er klimpert: „Jaaaacksoon, ich geh jetzt. Mach’s gut!“
    Sofort reißt er die Zimmertür auf. Mittlerweile hat er sich ein frisches Oberteil angezogen und seine Wunde an der Stirn versorgt. Du springst vor ihm ein paar Schritte zurück.
    Zornig schaut er dich an: „Gib mir die Schlüssel“, er streckt seine Hand nach dir aus.
    Aber du schüttelst nur deinen Kopf und läufst rückwärts in Richtung Haustür.
    Langsam folgt dir Jackson. Er scheint richtig wütend zu sein. Selbst mit seinen Verletzungen sieht er bedrohlich aus.
    „DN, gib ihn her!“, schreit er dich an.
    „Gestern hast du mich doch auch mit dem Schlüssel allein gelassen.“
    „Das war was anderes. Du musstest in die Wohnung“, fährt er dich an.
    „Und jetzt muss ich hier raus.“
    Er folgt dir immer noch. Du spürst die Klinke in deinem Rücken. Jetzt musst du dich nur noch umdrehen und die Tür aufsperren.
    Vorsichtig steckst du den Schlüssel ins Schloss und lässt Jackson dabei nicht aus den Augen. Er fasst sich wieder an den Oberkörper, anscheinend müssen seine gebrochenen Rippen ihm tatsächlich große Schmerzen bereiten. Du drehst dich um und willst die Tür schon aufziehen, als Jackson sie mit aller Gewalt wieder zuschlägt.
    Du zuckst zurück und versteckst die Schlüssel hinter deinem Körper, um sie zu schützen.
    „DN!“, Jackson hält dir immer noch seine Hand entgegen.
    „Sag mir, wo du gestern warst!“
    Er verdreht seine Augen.
    „Ich meine es ernst! Sag mir, wo du warst oder ich bin hier weg.“
    „Und wie willst du hier rauskommen?“
    Du atmest tief ein. Dann atmest du wieder aus. Und dann trittst du ihm mit voller Wucht gegen seinen Oberkörper. Jackson schreit vor Schmerz auf, krümmt sich zusammen und fällt zu Boden. Du nutzt die Gelegenheit und rennst an ihm vorbei. Leider blockiert er immer noch die Tür, weswegen du nur in die andere Richtung ausweichen kannst.
    Schnell läufst du in dein eigenes Zimmer und sperrst zu. Du hörst Jackson im Gang fluchen und deinen Namen schreien. Dann schlägt er mehrmals gegen deine Tür: „DN, mach sofort auf!“
    „Sag mir, wo du gestern warst!“
    Er lacht kurz ironisch auf: „Erst willst du mich damit erpressen, dass du die Wohnung verlässt, wenn ich es dir nicht sage und dann, dass du in deinem Zimmer bleibst.“ Hm, vielleicht geht mein Plan nicht ganz auf.
    Du schweigst.
    Dann hörst du Jackson schwer atmen. Er stöhnt vor Schmerz auf: „Du hast mich genau an einer Rippe erwischt.“ Sollte ich ein schlechtes Gewissen bekommen?
    Plötzlich hörst du einen dumpfen Schlag. Ist er etwa bewusstlos geworden?
    „DN“, Jackson Stimme ist nur noch schwach „ich blute.“ Fuck.
    Du reißt die Tür auf, schmeißt die Schlüssel zur Seite, die du gerade noch in der Hand hattest, kniest dich zu Jackson auf den Boden, schiebst sein Oberteil hoch und betrachtest seine Brust.
    Aber da ist kein Blut.
    Fragend schaust du ihn an.
    Vorsichtig schiebt er dich zur Seite und schnappt sich den Schlüssel. Dann steht er auf und grinst dich an: „Tja, Kleine. Da musst du nächstes Mal wohl schneller sein.“ Du zuckst zusammen. ‚Kleine‘, so hat mich auch der Fremde vor Jacksons Motorrad genannt. Immer noch auf dem Boden sitzend, lehnst du dich nach hinten gegen die Wand und schließt deine Augen.
    Als du bemerkst, dass Jackson immer noch neben dir steht, flüsterst du: „Nenn mich bitte nicht so, okay?“
    Du hörst, wie er sich neben dich auf den Boden setzt. Er ächzt.
    „DN“, zögernd legt er eine Hand auf dein Knie, aber du schiebst sie weg.
    Dann öffnest du deine Augen und schaust ihm direkt ins Gesicht.
    „Jackson, weißt du noch, was du mir als erstes geschrieben hast? Also damals, als du mir mein Handy zurückgebracht hast.“
    Er nickt: „Natürlich: Ich habe dich gefragt, ob du mir vertraust.“ Ihr schweigt beide einen Moment, dann fährt er fort: „Du hast sofort mit ‚Nein‘ geantwortet.“
    „Ich hätte … also ich würde dir gerne vertrauen, aber solche Aktionen“, du deutest auf seine Brust, die offensichtlich NICHT blutet „machen es mir schwer.“
    Jackson schweigt. Du bist den Tränen nahe.
    „Ich will eigentlich nur nach Hause zu meinen Eltern.“ Als er immer noch nicht antwortet, seufzt du und willst aufstehen, aber Jackson hält dich zurück.
    „DN“, er sieht dich traurig an „ich wünschte, das Alles wäre nicht passiert … und ich bin mir bewusst, dass es meine Schuld ist, dass du hier bist. Ich hätte, ach ich weiß auch nicht. Der Fingerabdruck war so eindeutig, aber naja, vielleicht hätte ich noch einmal überprüfen sollen, ob du wirklich Sheila bist und –“
    „Welcher Fingerabdruck? Von was redest du da überhaupt?“, verwirrt starrst du ihn an.
    „So haben wir dich überhaupt gefunden. Du hast deinen Fingerabdruck an einem Automaten abgegeben und unser System hat dich sofort mit Sheila in Verbindung gebracht.“
    Es dauert einen Moment, aber dann fällt dir wieder ein, dass du an dem Tag, als du entführt wurdest, Geld abgehoben hast, um Kaffee für dich und Kiki zu kaufen. Damals hat es dich noch gewundert, dass du deinen Fingerabdruck statt eines Pins eingeben musst.
    „Aber … aber warum dachtet ihr dann, dass ich Sheila bin?“, stotterst du.
    „Das ist ja das seltsame. Baekhyuns Leute haben einmal versucht, in das Versteck der Chil Sung Pa einzubrechen. Sie sind gescheitert, aber haben einige Fingerabdrücke zurückgelassen. Nur ein Abdruck war von einer weiblichen Person. Wir sind davon ausgegangen, dass es Sheila sein muss. Aber dein Fingerabdruck, also den du an dem Geldautomaten abgegeben hast, passt zu dem Abdruck des Einbruchs.“
    Sprachlos schaust du ihn an: „Willst du mir damit sagen, ich hätte denselben Fingerabdruck wie diese Sheila? Das ist doch gar nicht möglich, oder?“
    Jackson zuckt mit seinen Schultern: „Deswegen waren wir uns so sicher, dass du Sheila warst. Jeder Mensch hat einen individuellen Fingerabdruck. Also hat sie entweder absichtlich deine Abdrücke bei dem Einbruch positioniert oder unser System spinnt.“
    Du bekommst eine Gänsehaut: „Ist sowas schon mal vorgekommen?“
    Jackson schüttelt seinen Kopf: „Das ist ein Programm, das vom FBI rausgebracht wurde. Fast jede Polizeistation in Asien benutzt es.“
    Du schluckst: „Aber was heißt das denn jetzt? Kennt mich diese Sheila etwa?“ Du kauerst dich zusammen. Das wird dir alles zu viel.
    „Vielleicht war es auch nur Zufall. Wir wissen es noch nicht“, Jackson streicht dir über den Arm, um dich zu beruhigen, aber du schrickst von seiner Berührung zurück. Du siehst die Trauer in seinen Augen. Er sieht so aus, als würde ihm tatsächlich leidtun, was alles geschehen ist.
    „Wer ist überhaupt ‚wir‘?“, fragst du ihn zögernd. Du bist dir gar nicht sicher, ob du es wirklich wissen willst.
    Jackson atmet tief durch: „Damit meine ich die Chil Sung Pa.“
    Du rutschst ein Stück von ihm weg: „Also arbeitest du doch für die und nicht für die Polizei?“
    Er schüttelt seinen Kopf: „Nein, so ist das nicht.“
    Fragend schaust du ihn an. Eine Träne rollt dir über die Wange. Gerade vermisst du deine Eltern und Freunde so sehr wie noch nie zuvor. Du willst nur nach Hause. Dich in dein Bett kuscheln. Oder mit deinem Dad fernsehen. Oder deiner Mum beim Kochen helfen. Oder mit Kiki und Sora ins Kino.
    Jackson seufzt: „DN, du kannst mir wirklich vertrauen.“
    Du schüttelst energisch deinen Kopf: „Nein, Jackson. Das kann ich nicht. Nicht nachdem, was passiert ist … nicht nachdem du blutverschmiert hier herkommst und mir nicht mal sagen willst, was du gemacht hast.“
    Eine Weile schaut er dich an. Du wischst dir die Tränen aus dem Gesicht, da du nicht willst, dass er dich weinen sieht.
    Dann flüstert er: „Na gut, lass uns reden.“


    26
    Heyo, heute Abend kommt ein neues Kapitel. Ich denke, so gegen neun Uhr 😊


    Jackson und du sitzen immer noch auf dem Boden vor deinem Zimmer. Du hast deinen Rücken gegen die Wand gelehnt und schaust Jackson direkt an. Er fährt sich immer wieder durch die Haare und wirkt nervös. Du musterst ihn, während du überlegst, was du ihn zuerst fragen sollst.
    Du musst an die Worte von deiner Mum denken: „Also bist du einer von den Guten oder Bösen?“
    Jackson lacht kurz auf, was aber eher verzweifelt wirkt: „So einfach ist das alles nicht, dN.“
    Als du nichts sagst, seufzt er: „Ich arbeite für die Polizei in Seoul, also gehöre ich wohl zu den Guten.“
    Du nickst. Das wolltest du hören. Klare Antworten. Nur schwarz und weiß. Keine Grauzone.
    Dir schwirren so viele weitere Fragen im Kopf, aber eine drängt sich immer wieder in den Vordergrund: „Weißt du, wer die Polizisten vor meinem Haus getötet hat?“
    Jackson schüttelt seinen Kopf: „Ich hab keine Ahnung. Mein Chef dreht fast durch deswegen. Das waren geplante Morde, die beiden wurden vergiftet –“
    „Vergiftet?“, du zuckst zusammen.
    „Ja, man hat eine Droge in ihrem Blut gefunden, das Seltsame ist nur“, Jackson zögert, unsicher, ob er weitersprechen soll.
    Du siehst ihn fragend an.
    „Diese Droge wird gern von den Chil Sung Pa verwendet, um Gegner … zu eliminieren. Weil sie nur schwer nachzuweisen ist, wenn sie sich längere Zeit im Blut befindet. Aber …“, er bricht ab.
    „Jackson, bitte“, du rutscht näher an ihn heran. Dir fällt auf, dass die Wunde an seiner Schläfe wieder aufgeplatzt ist und sich eine Blutspur bis zu seinem Kinn hinunterzieht.
    Er fährt fort: „Ich hab die letzten Wochen ein bisschen nachgeforscht und niemand innerhalb der Chil Sung Pa hat den Auftrag erhalten, diese Polizisten zu töten.“
    „Aber wer kommt sonst noch in Frage?“, du stehst langsam auf.
    Jackson zuckt mit seinen Schultern: „Ich habe keine Ahnung. Vielleicht jemand von außerhalb oder von den Hwan Song Sung Pa. Aber ich bezweifle, dass die Interesse daran haben, jemanden vor deinem Haus zu töten. Wenn sie überhaupt wissen, wo du wohnst.“
    Du ziehst Jackson in die Höhe. Dieser ächzt und hält sich wieder eine Hand an seine gebrochenen Rippen. Vorsichtig führst du ihn in die Küche, wo du dich um seine Wunde kümmern willst.
    „Aber wissen die Hwan Song Sung Pa überhaupt, wer ich bin? Mit denen hatte ich doch gar nichts zu tun.“
    „Naja, sie wissen, dass die Chil Sung Pa dachten, sie hätten Sheila gefangen. Und natürlich ist ihnen auch klar, dass es nicht die echte Sheila war.“
    „Aber können sie das zu mir zurückverfolgen?“, du bist entsetzt. Auf eine weitere Gang, die dich verfolgt, kannst du wirklich verzichten.
    „Ich weiß nicht, dN. Ich habe leider keine Ahnung, was die Hwan Song Sung Pa planen und ob sie Interesse daran haben, dich aufzuspüren.“
    Du atmest tief durch und gehst zum Waschbecken, wo du ein sauberes Tuch unter den Hahn hältst. Dann reinigst du damit Jacksons linke Gesichtshälfte. Er lässt es über sich ergehen.
    „Hast du noch frische Pflaster?“
    Er nickt und will schon aufstehen, aber du deutest ihm, sich wieder hin zu setzen. Schnell holst du den Verbandkasten aus seinem Zimmer und klebst dann ein großes Pflaster auf seine Schläfe.
    „Danke“, murmelt Jackson, nachdem du fertig bist.
    „Schon gut“, du lässt dich auf dem Sitz ihm gegenüber fallen: „Und wer hat dich so zusammengeschlagen?“
    „Das war nicht nur eine Person. Aber das meiste hab ich wohl von Chiron abbekommen.“
    „Chiron?“
    „Ja, der Typ, der uns gestern in der Stadt begegnet ist.“ Bei dem Gedanken an den Unbekannten, der vor Jacksons Motorrad auf euch gewartet hat, läuft dir ein Schauer über den Rücken. Chiron heißt er also.
    „Dann hast du mit einer Gruppe einen Streit angefangen?“, du versuchst die Situation mehr zu verstehen.
    „Nicht ganz … ich hab mit jedem einzeln gekämpft. Nacheinander.“
    Du ziehst deine Augenbrauen hoch: „Was soll das denn heißen?“
    Jackson schaut dich an und atmet tief durch: „Gestern war die night of fights.“
    „Soll ich das etwa kennen?“, du stemmst deine Hände gegen deine Hüften. „Sag mir jetzt bitte nicht, du hast dich zum Spaß geprügelt?“
    „Es ist nicht nur Spaß, es geht um die Rangordnung innerhalb der Chil Sung Pa.“
    Du hebst deine Hände: „Na und? Kann dir nicht egal sein, welchen Rang du in dieser Gang hast?“
    „Nein“, er schüttelt seinen Kopf und steht auf.
    Du läufst ihm nach bis in sein Zimmer. Erschöpft lässt er sich auf sein Bett fallen.
    „Und hast du … naja gewonnen?“, zögernd setzt du dich auf die Bettkante neben ihn.
    „Nachdem ich mit Chiron gekämpft habe, bin ich zurück zu dir“, er streicht sich wieder über seine Brust „eine weitere Runde hätte ich wohl kaum überstanden.“
    Du nickst. Eine Weile schweigt ihr.
    Als du dir wieder seine Wunden anschaust, zuckst du zusammen. Er sieht mitgenommen aus. Jackson bemerkt deine Reaktion und streicht über dein Knie, um dich zu beruhigen.
    „Keine Sorge, das wird schon alles wieder … Chiron sieht schlimmer aus.“
    „Ich weiß nicht, ob mich das beruhigt.“
    „Ich musste ihm einfach eine Lektion erteilen“, Jackson ballt seine Hände zu Fäusten „wie er dich angestarrt hat …“
    Du ignorierst seinen letzten Kommentar: „Und welche Position hast du nun? Also bei den Chil Sung Pa?“
    Jackson zuckt mit den Schultern: „Das wird sich in den nächsten Tagen herausstellen. Wenn ich mit Jonghyun rede.“
    Als du ihn fragend anschaust, fügt er hinzu: „Er ist quasi der Boss der Chil Sung Pa …, wenn man ihn so bezeichnen kann.“
    Du nickst. Wieder ein Name, den du dir merken musst.
    „Hast du viel mit ihm zu tun? Diesem Junghyun?“
    „Hin und wieder.“
    Du starrst Jackson an, langsam geht dir auf, wie tief er da mit drinsteckt. Geheimagent hin oder her. Irgendwie ist er Teil dieser Gang. Du rückst ein Stück weg von ihm.
    „Und was bedeutet 44281?“
    „Das war das Passwort für den Fight Club.“
    „Hm … also wusstest du, dass die Chil Sung Pa in der Stadt sind, um sich gegenseitig zu verprügeln?“
    „Ich“, er schüttelt den Kopf „nein, ich hab Jonghyun länger nicht mehr gesehen. Ich hatte keine Ahnung, aber als wir Chiron getroffen haben, wusste ich, was los ist. Es kann kein Zufall sein, wenn Yong und Chiron in derselben Straße auftauchen.“
    „Und woher kanntest du dann das Passwort?“
    „Jonghyun nimmt immer dasselbe, manchmal verdreht er die Zahlen … es ist das Geburtsdatum seiner Mutter. Der 28. Januar 1944.“
    Du rechnest kurz nach: „Wie alt ist dieser Jonghyun denn?“
    „Hm, so Anfang fünfzig vielleicht.“
    „Ziemlich alt für den Anführer einer Gang, oder?“
    „Deswegen sind diese Kämpfe gerade auch so wichtig“, antwortet Jackson. „Es geht um die Nachfolge Jonghyuns. Chiron will unbedingt seinen Platz einnehmen, aber nach gestern Abend – keine Chance.“
    Du starrst ihn an: „Aber du willst doch nicht – “
    „Jonghyuns Nachfolger werden? Nein, aber wer immer es wird: Mit ihm muss ich gut da stehen.“
    Langsam verstehst du mehr von all dem, was passiert ist.
    Dein Gehirn rattert und du überlegst, was du Jackson noch alles fragen willst.
    „Wer ist dieser Yugyeom?“
    Jackson stöhnt: „DN, du willst aber auch alles ganz genau wissen, oder? Das war ein Polizist. Er hat uns das neue Auto gebracht.“
    „Aber –“
    „Nicht alle Polizisten tragen ständig ihre Uniform.“
    „Er kam mir suspekt vor.“
    Jackson grinst: „Kommt dir nicht jeder suspekt vor?“
    „Nur jeder, der mit dir spricht.“
    Jackson schmollt: „Jetzt habe ich dir doch alles gesagt. Also kannst du anfangen, mir zu vertrauen.“
    Du seufzt. Das scheint ihm echt wichtig zu sein.
    Jackson schließt seine Augen und du lässt ihn ein wenig ausruhen.
    Du gehst in die Küche und kochst dir etwas. Auf einem extra Teller hebst du einen Teil davon für Jackson auf.

    Nach ein paar Stunden, die du größten Teils mit Schreiben verbringst, kommt Jackson in den Raum. Gähnend schnappt er sich eine Gabel und isst in wenigen Bissen alles auf, was du ihm gekocht hast. Dann schaut er in den Kühlschrank.
    Du stehst auf: „Ich geh schlafen.“
    Jackson dreht sich um: „Jetzt schon?“
    „Klar“, du deutest auf die Uhr „es ist schon spät. Du hast bloß den ganzen Tag verschlafen.“
    „Oh“, er sieht traurig aus „und was soll ich jetzt machen?“
    Du zuckst mit deinen Schultern: „Keine Ahnung. Das, was du immer machst?“ Eigentlich hast du keine Ahnung, wie Jackson seinen Tag verbringt. Er ist ja kaum in der Wohnung.
    „Aber ich kann nicht trainieren. Ich bin verletzt“, schmollt er. Du verdrehst deine Augen. Mein Job ist es auch nicht, dich zu beschäftigen.
    „Schau mit mir einen Film an, dN!“
    „Und wo? Wir haben ja nicht mal einen Fernseher.“
    „Ich hab Netflix auf meinem Laptop.“
    Seit Wochen hast du keinen Film oder Serien mehr gesehen. Du wirst schwach: „Na gut, aber nicht in deinem Zimmer.“
    Jackson nickt und beeilt sich, seinen Laptop aus seinem eigenen Raum zu holen. Dann steuert er auf das Wohnzimmer zu.
    „Netflix and chill“, er grinst „das wird ein super Abend.“

    27
    Hey Leute 😊, heute Abend ein neues Kapitel:)


    Kias Sicht
    Die ersten Tage in der Polizeiakademie waren ganz in Ordnung. Ich mag meine Lehrerin und die meisten der Leute hier sind auch ganz freundlich. Aber wegen nächster Woche bin ich ziemlich aufgeregt. Anscheinend übernimmt mein Betreuer in Busan einen Teil meiner praktischen Ausbildung. Er wird mir einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Polizisten geben. Was das so ganz genau bedeutet, weiß ich leider auch noch nicht. Vielleicht, dass wir gemeinsam auf Streife fahren? Bei dem Gedanken daran, mehrere Stunden neben Taehyung im Auto zu verbringen, werde ich nervös. Ich kaue auf meiner Lippe. Vielleicht hätte ich doch ein wenig freundlicher zu ihm sein sollen.
    Mein Handy vibriert und ich sehe, dass ich eine neue Nachricht bekommen habe. Als ich den Namen sehe, setze ich mich sofort gerade hin und öffne den Text.

    Jackson, 22:01: Hey Kiki, hier dN. Jackson hat mir endlich sein Handy gegeben. Wie geht’s dir? Ich vermisse dich sehr 🧡🧡 Was gibt’s Neues von Sora? Ich langweile mich hier zu Tode, aber mir geht’s gut

    Sofort tippe ich eine Antowort:

    Kia, 22:03: DN! Endlich schreibst du. Ich bin so froh, dass es dir gut geht 😊 😍 Sora und ich vermissen dich auch. 💓 Gibt es sonst irgendwelche Neuigkeiten? Darfst du mir endlich sagen, wo du bist? Dann komm ich vorbei und vertreib die Langeweile 😂😂 behandelt dich Jackson auch gut? Wenn nicht, kann er was erleben. Ich bin jetzt seine Kollegin…

    Jackson, 22:03: Du bist WAAS? OMG, was hab ich verpasst? 😲

    Kia, 22:04: Ich wusste doch nie, was ich genau machen will. Jetzt bin ich halt zur Polizei ^^ dann kann ich dich hoffentlich bald bewachen und Jackson kann einpacken 😅

    Jackson, 22:04: Wtf
    Jackson, 22:05: Und wie ist das so? Machst du dann jetzt auch den Waffenschein? Oha, das ist ja so krass 🤯 Ich hätte echt lieber dich als Aufpasser:/

    Kia, 22:06: Sora studiert Jura in Busan, dann sehen wir uns öfter. Aber dN, erzähl! Was machst du die ganze Zeit so?

    Jackson, 22:06: Passt zu Sora 😊 Ich würde euch auch so gern wiedersehen. Eigentlich sitze ich nur in der Wohnung rum und mache rein gar nichts … Jackson ist ganz nett
    Jackson, 22:07: Okay, er ist doch nicht so nett. Er meint gerade, ich muss ihm sein Handy wiedergeben. Bis dann, Kiki. Ich hab dich lieb! 💕 Grüß und drück Sora von mir

    Kia, 22:08: Schreib mir bald wieder! ❤️ u 2

    Zufrieden lege ich mein Handy beiseite. Endlich hat sich dN gemeldet. Nachdem Jackson nicht mehr geschrieben hat, habe ich mir große Sorgen um sie gemacht. Letzte Woche ist ein Zeitungsartikel erschienen, der sich mit den Polizistenmorden vor dN’s Haus beschäftig hat. Anscheinend geht die Polizei von einem Einzeltäter aus. Die Chil Sung Pa wurden nicht erwähnt. Vielleicht weiß Taehyung ja mehr darüber. Langsam fange ich an, mich auf die nächste Woche zu freuen.



    Deine Sicht
    „Bist du jetzt zufrieden?“, fragt dich Jackson und nimmt dir sein Handy ab.
    „Ja schon … darf ich sie nächstes Mal anrufen?“
    Er verdreht seine Augen: „Mal sehen.“
    „Ach komm schon. Wenn ich sie eh nur einmal in der Woche kontaktieren darf, ist ein Anruf doch drin.“
    „Meinetwegen“, Jackson zuckt mit den Schultern und überfliegt den Chat von dir und Kia.
    „Kontrollierst du etwa, was ich geschrieben habe?“
    Er nickt: „Dir würde ich zutrauen, dass du Kia sofort schreibst, wo du bist … können wir jetzt den Film anschauen?“
    „Klar“, du setzt dich im Schneidersitz aufs Sofa und siehst ihn erwartungsvoll an „welchen willst du sehen?“
    „Den neuen Film mit Chris Hemsworth.“ Action also.
    „Na gut … Moment Mal. Meinst du den Film, der gerade im Kino kommt? Woher hast du den denn schon?“
    Jackson zwinkert dir zu, während er seinen Laptop auf den kleinen Tisch vor der Couch stellt: „Das ist das Gute daran, Polizist zu sein. Die Kollegen vom Cyber-Crime haben immer die neuesten Filme, die irgendjemand illegal veröffentlich hat.“
    Du nickst. Bei dem Wort ‚Kollegen‘ musstest du wieder an Kia denken: „Was sagst du dazu, dass Kiki Polizistin wird?“
    „Finde ich gut. Wir brauchen Leute wie sie. Loyal und mutig ist eine gute Kombination.“
    Du stimmst zu. Das ist Kia wirklich.
    Jackson öffnet den Film und lässt sich neben dich aufs Sofa fallen. Er stöhnt auf.
    Besorgt schaust du ihn an: „Deine Rippen machen mir Sorgen.“
    „Ach“, er winkt ab „das wird schon wieder.“
    „Hm…“, du musterst ihn. Wie lange das wohl dauern wird bis alle seine Wunden verheilt sind?
    „DN, der Film geht los“, erinnert dich Jackson und du wendest deinen Blick von ihm ab.
    Eine Weile versuchst du dich auf die Handlung zu konzentrieren, aber deine Gedanken schweifen immer wieder ab. Du denkst über alles nach, worüber Jackson und du zuvor gesprochen habt und fragst dich, ob du jemals wieder nach Hause kannst.
    Gerade wird ein Freund von Chris Hemsworths Rolle erschossen und es kommt eine dramatische Abschiedsszene, aber das ist dir egal; du beachtest den Laptop nicht einmal.
    Plötzlich stoppt Jackson den Film und reist dich aus deinen Gedanken: „DN, du passt ja gar nicht auf.“
    „Tut mir leid. Ich bin einfach überfordert.“
    „Von der Handlung?“, er deutet auf den Laptop „das ist ganz einfach. Chris ist einer von den Guten und muss die Bösen alle ausschalten, damit er wieder mit seiner Freundin zusammen sein kann.“
    Du verdrehst deine Augen: „Ich spreche nicht von dem Film und außerdem – hast du nicht gesagt, das Leben wäre nicht so leicht und dass man nicht in Gut oder Böse unterteilen kann.“
    Er ignoriert deinen letzten Kommentar: „Und von was sprichst du dann?“
    „Von den Chil Sung Pa und den Hwan Song Sung Pa und wie sie alle heißen. Das macht mich ganz fertig“, du fasst dir an die Schläfen „ich bekomm schon Kopfschmerzen davon.“
    „Hey“, Jackson zieht dich näher an sich heran und nimmt deine Hände in seine „dN, du musst dich ein wenig beruhigen. Du bist sicher bei mir.“
    Du seufzt: „Ich weiß, aber …“ Du beendest deinen Satz nicht und weichst seinem Blick aus, indem du dich ein wenig von Jackson wegdrehst.
    Als du seine Hände auf deinen Schultern spürst, zuckst du zusammen: „Entspann dich, alles ist gut.“
    Er fängt an, deinen Rücken zu massieren. Zuerst ist es dir unangenehm, aber nach einer Weile genießt du die Berührung und beginnst tatsächlich, dich zu entspannen.
    „Sollte ich nicht lieber dich massieren, du bist doch der Verletzte?“, fragst du vorsichtig.
    Jackson lacht kurz auf: „Ein ander Mal vielleicht. Wenn du jetzt versuchst, mich zu massieren, würde ich vermutlich vor Schmerzen schreien.“
    Du nickst. Das kann gut sein.
    Dein Kopf fällt zur Seite und du atmest tief ein und aus. Langsam wirst du schläfrig, da deine Muskeln völlig entspannt sind.
    „Du machst das gut“, murmelst du. Das ist viel besser als diesen Film anzuschauen.
    Als Jackson seine Lippen auf deinen Hals legt und dich küsst, erstarrst du. Das erinnert dich zu sehr an deinen Traum. Du springst vom Sofa auf: „Ich sollte wohl ins Bett. Es ist schon spät.“
    „Tut mir leid, das war dumm von mir“, meint Jackson. Langsam steht auch er vom Sofa auf, aber bevor er dir zu nahe kommen kann, flüsterst du „schon in Ordnung“ und läufst in dein Zimmer, wo du sofort deine Tür absperrst.
    Du lehnst dich gegen die Wand und versuchst dein klopfendes Herz ein wenig zu beruhigen. Deine Hand wandert zu deinem Hals, wo dich Jackson gerade geküsst hat. Irgendwie kommt es dir so vor, als würde diese Stelle glühen. Sobald sich dein Puls wieder halbwegs normalisiert hat, legst du dich in dein Bett. Aber es dauert Stunden bis du einschläfst.

    28
    Heute Abend um 18 Uhr kommt ein neues Kapitel 😊

    Du weichst Jackson bereits den ganzen Morgen aus. Eigentlich weißt du, dass du das nicht viel länger durchziehen kannst, aber du bist dir unsicher, wie du Jackson begegnen sollst. Lieber die Sache ansprechen oder so tun, als wäre nichts passiert? Du musst mit jemanden darüber reden, was gestern passiert ist. Als du mitbekommst, dass Jackson ins Bad geht und du kurz darauf die Dusche prasseln hörst, schleichst du dich in sein Zimmer und suchst nach seinem Handy. Es liegt neben seinem Bett. Schnell wählst du Kikis Nummer.
    Nachdem es mehrmals geklingelt hat, geht sie endlich ran.
    „Jackson?“, fragt Kia vorsichtig.
    „Ich bin’s.“
    „DN!“, sie atmet erleichtert aus „ist alles okay?“
    „Ich … ich, also ja mir geht’s gut. Aber ich muss mit dir sprechen.“
    „Okay, leg los!“
    „Warum flüsterst du denn?“, fragst du sie.
    „Ich bin grad in der Akademie, hab mich auf der Toilette versteckt.“
    Du grinst. Typisch Kia, riskiert sogar Ärger in der Schule zu bekommen, um mit mir zu reden: „Dann beeil ich mich. Jackson hat mich gestern geküsst und –“
    „Er hat was?“, vorbei ist es mit dem Flüstern.
    „Schschh Kia, nicht so laut! Nur auf den Hals! Er hat mich nur auf den Hals geküsst. Ich bin dann einfach aufgestanden und weggegangen, aber –“
    „Gut so! Dieser Idiot, was denkt der sich denn? Nur weil ihr zusammenwohnt, kann er ja nicht einfach –“
    „Kia, lass mich ausreden!“
    „Oh ja, sorry.“
    „Ich bin zwar weggegangen, aber eigentlich hätte ich …“, du beendest deinen Satz nicht.
    „Ja?“
    „Oh man, also irgendwie hätte ich ihn glaub schon ganz gerne geküsst.“
    Kia schweigt am anderen Ende.
    „Kiki, jetzt wäre der Zeitpunkt mich zu unterbrechen.“
    „Stockholm-Syndrom“, sagt sie kurz angebunden.
    „Was? Was soll das sein?“
    „Wenn sich jemand in seinen Entführer verliebt.“
    „Aber Jackson hat mich ja nicht entführt.“
    „Ah doch, das kann man schon damit vergleichen. Warte kurz“, du hörst sie auf ihrem Handy tippen „hier: Wikipedia sagt‚ unter dem Stockholm-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen.“
    „Ah ja“, du bist ein wenig skeptisch „und was macht man gegen dieses Syndrom?“
    „Hm, ich weiß auch nicht. Soll ich mal meine Lehrerin fragen? Die ist Polizistin, vielleicht weiß sie das ja.“
    Du überlegst kurz: „Ja gut, warum nicht?“
    Einen Moment schweigt ihr, dann fragt Kiki: „Aber sonst ist nichts zwischen euch passiert, oder?“
    Du musst an deinen Traum denken und beschließt, ihr davon zu erzählen.
    Deine Freundin hört dir geduldig zu: „Hm dN … ich weiß auch nicht, was du tun sollst. Aber ich würde dir wirklich raten, nichts mit ihm anzufangen. Das wird nur alles verkomplizieren.“
    Du nickst, dann fällt dir wieder ein, dass Kia dich ja nicht sehen kann: „Du hast ja recht. Würde er hier bloß nicht immer ohne Shirt rumlaufen…“
    „Sieht er so gut aus?“
    „Oh ja“, seufzt du. Einen Moment hängt ihr beide euren Gedanken nach. Dann hörst du im Hintergrund eine Stimme, die mit Kiki spricht: „Frau Choi meinte, ich soll mal nach dir schauen. Ist alles okay?“
    „Ja, komme gleich. Mir war nur ein wenig schlecht“, hörst du deine Freundin rufen. Kurz darauf flüstert sie: „DN, ich muss jetzt auflegen, aber ruf mich an, sobald du kannst.“
    Ihr verabschiedet euch und legt auf.
    Du löscht das Telefonat aus der Anrufliste, damit Jackson es nicht sieht und legst das Handy zurück an den Platz, wo du es gefunden hast. Dann huschst du zurück in dein Zimmer.

    Wenig später klopft es an deiner Tür.
    Hat Jackson doch mitbekommen, dass ich telefoniert habe?
    Schnell öffnest du ihm und er betritt sofort den Raum, seine Haare sind noch nass und Wasser tropft auf den Boden.
    Du machst dich darauf gefasst, dass er wegen des Anrufs sauer ist und dich anschreien wird, aber er ist vollkommen ruhig: „Ich muss weg und … ich weiß nicht, wann ich wiederkomme.“
    Du starrst ihn mit großen Augen an: „Was soll das heißen?“
    „Jonghyun will mit mir sprechen. Vermutlich wegen seiner Nachfolge.“
    „Aber …“, du bist entsetzt. Du willst nicht, dass er dich allein lässt.
    „Vielleicht bin ich auch schon heute Abend wieder da. Ich weiß es wirklich nicht.“
    „Bitte geh nicht“, flüsterst du.
    „DN“, er macht einen Schritt auf dich zu „ich komm ja wieder. Mach dir keine Sorgen.“
    Du deutest auf seine Wunden: „Pass auf, dass dir sowas nicht wieder passiert, okay?“
    Er grinst: „Mach ich.“
    Kurz zögert er, dann holt er etwas aus seiner Hosentasche. „Hier“, er gibt dir den Schlüssel.
    Fragend schaust du ihn an.
    „Ich will dich nicht einsperren … aber ich hoffe, dass du noch da bist, wenn ich wiederkomme.“
    Du lächelst: „Danke.“
    „Ich hab dir auch etwas Geld in der Küche hingelegt. Falls ich länger weg sein sollte und du etwas zu essen brauchst.“
    Du bedankst dich erneut. Einen Moment schweigt ihr, dann fragst du: „Wann gehst du?“
    „Sofort. Ich wollte dir nur kurz Bescheid geben.“
    Du nickst und begleitest ihn dann zur Haustür, wo bereits seine schwarze Reisetasche steht. Es entsteht eine unangenehme Stille und du weißt nicht, wie du dich verabschieden sollst. Du schaust zu Boden.
    „DN“, Jackson streicht dir eine Strähne aus dem Gesicht, woraufhin du ihm direkt in die Augen schaust „mach dir keinen Kopf, ja? Es wird alles gut.“
    Du seufzt. Das hat er schon so oft gesagt.
    Schließlich ringst du dich dazu durch, ihn zu umarmen. Als du deine Arme um seine Brust legst, stöhnt er auf.
    Besorgt schaust du ihn an: „Tut mir leid, ich weiß ja: deine Rippen …“
    „Nein, ist schon okay“, er streichelt dir über den Rücken. Du atmest seinen Geruch ein und widerstehst dem Drang, deinen Kopf an seine Schulter zu lehnen.
    „Wir sehen uns.“ Mit diesen Worten löst er eure Umarmung und verlässt das Apartment.

    29

    Kias Sicht
    Ich kaue nervös auf meiner Lippe, während ich auf Taehyung warte. Seit fast fünfzehn Minuten sitze ich vor seinem Büro. Immer wieder schaue ich auf die Uhr. Ich bin wirklich viel zu früh da.
    Mit einem Kaffee in der Hand biegt Taehyung um die Ecke und bleibt sofort stehen, als er mich sieht: „Kia, was machst du denn schon hier?“
    „Ich wollte auf keinen Fall zu spät kommen.“
    Er lächelt und sperrt sein Büro auf: „Das ging mir auch so, also an meinem ersten Tag.“
    Ich folge ihm in den kleinen Raum und setzte mich ihm gegenüber, während er in seiner Schublade kramt. Dann reicht er mir einen Stapel Blätter.
    „Hier, die musst du alle unterschreiben.“
    Fragend schaue ich ihn an.
    „Das sind so Sachen wir Schweigepflicht oder Krankenversicherung.“
    Nickend nehme ich den Stapel Blätter entgegen und fange an, die ersten Seiten auszufüllen. Nach knapp einer halben Stunde bin ich fertig.
    „Was machen wir jetzt?“, frage ich ihn neugierig.
    „Eigentlich sollte ich dir eine kleine Führung geben, damit du dich auskennst, aber du warst ja schon öfter hier.“
    „Aber ich weiß noch nicht, wo die Cafeteria ist“, ich deute auf seinen Kaffee.
    Er grinst: „Alles klar, dann schauen wir da mal vorbei.“
    Zusammen gehen wir in die Mensa, wo ich mir einen Eistee kaufe: „Also, was steht heute so an? Wann fahren wir los?“
    „Losfahren?“, er zieht seine Augenbrauen nach oben.
    „Ja, irgendjemanden verhaften oder eine Hausdurchsuchung machen oder sowas.“
    Taehyung fängt wieder an zu grinsen: „Da musst du dich noch gedulden, Kia. Gestern habe ich jemand wegen eines Autounfalls befragt, da muss ich noch einmal drüber schauen und dann muss ich einen Bericht über meine letzte Streife schreiben.“
    „Also nur Papierkram?“, ich bin enttäuscht, versuche es aber nicht allzu sehr zu zeigen.
    Taehyung bemerkt es trotzdem: „Das gehört leider auch zum Job. So wie im Film ist es selten.“
    Juhee läuft an uns vorbei, aber als sie mich bemerkt, dreht sie wieder um: „Hey Kia, cool, dass du da bist!“
    Sie umarmt mich, was mich ein wenig überrascht: „Ich wollte eigentlich auch dein Betreuer sein, aber Taehyung hier hat darauf bestanden“, sie lacht „aber ich bin wenigstens deine Schwimmlehrerin.“
    Überrascht schaue ich zu Taehyung, also hat er sich doch freiwillig dafür beworben. Dann drehe ich mich wieder zu Juhee um: „Moment was? Schwimmlehrerin?“
    Sie nickt: „Ja, du musst den Schein zum Rettungsschwimmer machen. Morgen ist unsere erste Stunde. Hat dir Taehyung noch gar nicht deinen Trainingsplan gegeben?“
    Ich schüttle meinen Kopf.
    „Der Plan liegt im Büro“, meint Taehyung.
    Juhee nickt: „Alles klar, wir sehen uns morgen.“ Sie winkt uns noch kurz zu und setzt sich dann in die Cafeteria, vor der wir gerade noch standen.
    „Du wolltest also unbedingt mein Betreuer werden?“, necke ich Taehyung.
    „Ich … also“, er fährt sich durch seine Haare „du solltest halt den Besten haben.“
    Ich muss grinsen. Den Besten also. Soso.
    Wieder im Büro gibt mir Taehyung den Trainingsplan. Er ist ziemlich voll. Da muss ich wohl die nächste Woche auf Netflix verzichten.
    Neben dem Schwimmtraining lerne ich auch den Umgang mit Schusswaffen. Der Rest sieht hauptsächlich theoretisch aus. Meine Gedanken schweifen zu dN, kurz zögere ich, dann frage ich: „Kann man eigentlich irgendetwas gegen das Stockholm-Syndrom machen?“
    „Was?“, Taehyung schaut von seinen Papieren auf, die er gerade mit einem Marker bearbeitet hat „Wie kommst du denn jetzt auf das Stockholm-Syndrom?“
    Ich zucke mit meinen Schultern.
    „Das hat aber nichts mit dN und Jackson zu tun, oder?“
    Verdammt, war das so offensichtlich?
    „Ne ne, gar nicht. Letzte Woche haben wir das in der Akademie besprochen.“
    „Ach ja?“
    Ich nicke: „Ja und dass man dann diesen Leuten nicht mehr trauen kann, da sie ja ihren Entführer beschützen wollen.“
    Immer noch skeptisch schaut mich Taehyung an: „Also ich weiß nicht, ob man präventiv etwas tun kann, aber falls ein Opfer tatsächlich Gefühle für seinen Entführer entwickelt … ich bezweifle, dass man da viel machen kann. Vielleich könnte eine Therapie helfen. Aber wenn jemand verliebt ist …“, er zuckt mit seinen Schultern und lässt das Ende des Satzes offen.
    „Hm“, ich habe mir mehr erhofft.
    „Aber mach dir keine Gedanken darüber, solche Fälle gibt es selten“, Taehyung reicht mir eine Mappe „jetzt müssen wir erst mal einen Autounfall rekonstruieren.“


    Deine Sicht
    Das erste, was du gemacht hast, nachdem Jackson die Wohnung verlassen hat, war dir ein Handy zu kaufen. Da er dir nicht besonders viel Geld gegeben hat, hat es nur für einfaches Klapphandy und eine SIM-Karte gereicht, aber zumindest kannst du jetzt mit Sora und Kiki SMS schreiben.
    Mittlerweile bist du dir aber nicht mehr ganz so sicher, ob das die beste Idee war. Jackson ist jetzt schon ein paar Tage weg und langsam wird das Essen knapp.
    Im Küchenschrank steht nur noch eine einzige Dose Bohnen und die magst du nicht mal besonders. Genervt schüttest du sie in einen Topf und machst den Herd an. Wenn Jackson morgen nicht da ist, muss ich Kiki beten, mir Essen vorbeizubringen.
    Du gehst in dein Zimmer und schreibst ihr schon mal eine SMS. Beim Tippen der Adresse zögerst du kurz, aber dann zuckst du mit den Schultern. Sollte Jackson doch bald kommen, muss Kia ja nicht vorbeischauen.
    Plötzlich bemerkst du einen unangenehmen Geruch. Als du realisierst, was es ist, springst du auf und rennst in die Küche, wo deine Bohnen gerade anbrennen.
    „Fuck, fuck, fuck“, schnell ziehst du den Topf von Herd und reißt das Fenster aus. Seufzend inspizierst du die Bohnen, die schon ganz schwarz geworden sind. Graue Rauchschwaden hängen über dir und du bist froh, dass wenigstens der Feuermelder nicht schon wieder angegangen ist. Vielleicht hätte ich nicht die höchste Stufe am Herd einstellen sollen.
    Fluchend läufst du durch die Wohnung und öffnest auch die anderen Fenster. Sogar die Wohnungstür machst du auf, damit die Luft gut durchziehen kann.
    Dann gehst du wieder in die Küche und kratzt die Bohnen aus dem Topf, um sie wegzuwerfen.
    „Was hast du jetzt schon wieder angestellt?“
    Du zuckst zusammen. Jackson steht hinter dir in der Küchentür, in einer Hand hält er eine Tüte. Sein Blick sagt dir, dass er nicht gerade glücklich ist.
    „Hi“, du hebst deine Hand „ich ähm … mir ist was angebrannt.“
    „Ja, das riecht man“, meint er energisch „und unsere Nachbarn wissen das jetzt auch“, er deutet Richtung Wohnungstür „glaubst du, es ist sicher, die Tür offen stehen zu lassen?“
    „Ich wollte nur kurz durchlüften.“
    Jackson schüttelt seinen Kopf und stellt die Tüte auf den Tisch. Erst jetzt erkennst du, dass sie von deinem Lieblingsrestaurant ist.
    „Du hast Ramen mitgebracht?“, mit großen Augen starrst du ihn an.
    Er nickt nur und öffnet den Kühlschrank: „Du hast ja kaum mehr was zu essen. Hast du dir nichts von dem Geld gekauft?“
    Du beschließt ihm nichts von dem Handy zu erzählen: „Äh doch. Bloß … ich hatte Hunger.“
    „Hm“, er reicht dir eine Packung mit Nudeln und als du sie öffnest, läuft dir das Wasser im Mund zusammen. Du schnappst dir eine Gabel und setzt dich an den Küchentisch. Jackson macht es dir nach.
    „Und wie war’s mit Jonghyun?“, fragst du und schiebt dir eine Portion Nudeln in den Mund. So lecker.
    „Gut.“ Das ist alles?
    „Und wer wird sein Nachfolger?“
    „Zumindest nicht Chiron.“
    Der ist wohl heute nicht so gesprächig.
    Du musterst Jacksons genauer. Seine aufgeplatzte Lippe ist verheilt und auch die Wunde an seiner Schläfe sieht bereits viel besser aus.
    „Wie geht’s deinen Rippen?“
    „Gut.“
    „Jackson, was ist los? Bist du echt so sauer wegen der Wohnungstür oder warum willst du nicht mit mir –“
    „Du hattest keinen Albtraum, oder?“, unterbricht er dich.
    „Was?“ Du starrst ihn an.
    Jackson verdreht seine Augen: „Dachtest du echt, du könntest mit Kiki telefonieren ohne, dass ich davon erfahre?“
    Ähm ja.

    30
    Als du schweigst, fährt er fort: „Jeder Anruf, den ich betätige, wird aufgezeichnet. Ich bin schließlich Polizist, da wird alles festgehalten.“
    Sobald du realisierst, was das heißt, verschluckst du dich fast an deinen Nudeln. Er hat das Gespräch also gehört.
    Schnell stehst du auf. „Vielleicht sollte ich die Fenster wieder schließen.“
    „DN, setzt dich bitte wieder hin. Ich will mit dir reden.“
    Du schluckst und versuchst, das Telefonat mit Kiki wieder zu rekonstruieren. Er weiß also, dass ich finde, er sieht gut aus. Naja, nicht so schlimm. Das weiß er selbst ja auch. Aber als du dich erinnerst, dass du Kiki von dem Traum erzählt hast, färben sich deine Wangen rot. Nicht gut.
    Jackson mustert dich: „Warum wirst du denn jetzt rot?“
    „Ich ähm“, du fängst an zu husten „hab mich verschluckt.“
    „Es ist also nicht wegen deinem Traum?“, er legt seinen Kopf schief und schaut dir direkt in die Augen.
    Du weißt nicht, was du antworten sollst. Hätte ich doch nur gewusst, dass das Telefonat aufgezeichnet wird.
    „Es war kein Albtraum, oder?“, er schmunzelt. Verdammt.
    „Das ist bestimmt nur wegen diesem Stockholm-Syndrom“, versuchst du dich zu rechtfertigen.
    „Glaubst du das wirklich?“, Jackson beugt sich zu dir über den Tisch.
    Du weichst seinem Blick aus: „Ich sollte jetzt wirklich gehen.“
    „DN, ich … ich wünschte, das wäre wirklich passiert.“
    Du starrst ihn an, dann wandert dein Blick zu der Küchenanrichte, auf die dich Jackson in deinem Traum gehoben hat, dann flüsterst du: „Ich auch … aber das … das können wir nicht machen.“
    „Warum nicht?“, er lehnt sich wieder in seinem Stuhl zurück.
    „Ich“, du windest dich unter seinem Blick „also … du solltest doch … du musst mich doch beschützen. Wäre das überhaupt legal?“
    Er zuckt mit den Schultern: „Es war auch nicht legal, dass ich in dein Zimmer bin und dir einfach das Handy vorbeigebracht hab oder dass ich deine Kreditkarte überwachen lasse.“
    Du starrst ihn an: „Wusst ich’s doch!“
    Langsam stehst du wieder auf: „Jackson, ich weiß nicht…“


    Hey Leute🤗, ich weiß, das war jetzt super kurz. Aber: ich hab mir überlegt evtl ein Kapitel mit smut zu schreiben und das würde hier ganz gut passen. Ich bin mir nur ein bisschen unsicher, weil ich sowas noch nie zuvor geschrieben habe und es vielleicht schlecht oder extremst kitschig wird. 🤔 Außerdem will ich niemanden „offenden“, der sowas nicht lesen möchte. 😳Was meint ihr denn dazu? 😊
    Viele Grüße und genießt die Ferien!
    💜💙


    Bin mit dem nächsten Teil dieses Kapitels fast fertig 😊 lade ihn aber erst so um zwölf hoch, da ich jetzt dann nicht zu hause bin. Wünsche euch allen einen schönen Abend 💓







    Hey Leute, hab mich dazu entschieden, Smut zu schreiben. Also falls ihr das nicht lesen möchtet, beginnt einfach nach dem größeren Abschnitt 😊 es ist schon ein bisschen cringy geworden 😅 trotzdem viel Spaß beim Lesen!

    Du kannst nicht einschlafen, liegst in deinem Bett und starrst an die Decke. Schon die ganze Zeit musst du über Jacksons Worte nachdenken. Wünscht er sich wirklich, dass mein Traum wahr wird? Du beschließt, dich irgendwie abzulenken und stehst auf, um ein paar Runden im Pool zu drehen.
    Während du schwimmst, denkst du an Kia.
    Die Ausbildung an der Polizeiakademie scheint doch das Richtige für sie zu sein. Bei dem Gedanken daran, dass sie jetzt ständig Zeit mit Taehyung verbringt, musst du grinsen.
    Nach ein paar Runden steigst du wieder aus dem Becken und steuerst auf das Bad zu. Als du an Jacksons Zimmer vorbeikommst, lauscht du an der Tür, kannst aber nichts hören. Schläft er schon?
    Im Badezimmer steigst du unter die Dusche. Das warme Wasser prasselt auf deine Haut. Du denkst wieder an deine Freundin und dir fällt ein, dass du ihr noch schreiben musst, dass Jackson wieder da ist und sie nun doch kein Essen mehr vorbeibringen muss. Du seufzt. Eigentlich hätte ich sie schon mal gerne wiedergesehen.
    Während du deine Haare mit Shampoo einschäumst, überlegst du, ob du Jackson doch von dem Handy erzählen solltest. Besser nicht, da wird er nur wieder wütend.
    Heute Morgen hast du kurz deine Eltern angerufen, um Bescheid zu geben, dass alles in Ordnung ist und deine Mum hat sogar vor Freunde geweint, was dich sehr berührt hat. Bei dem Gedanken daran bekommst du wieder einmal Heimweh.
    Nachdem du das Shampoo ausgewaschen hast, steigst du aus der Dusche und beginnst dich abzutrocknen.
    Plötzlich geht die Tür auf und Jackson kommt in den Raum. Er schaut dich an und du versuchst deinen Körper mit dem Handtuch zu bedecken.
    „Hey, hier ist besetzt“, blaffst du ihn an.
    Er zuckt mit den Schultern: „Du hast nicht abgesperrt.“
    „Aber…“ Hab ich das echt vergessen?
    Jackson schnappt sich ein Tuch und dreht sich wieder zu dir um. Du wirst rot und schlingst das Handtuch enger um deinen Körper.
    „Ich hab nicht gewusst, dass du hier drin bist“, er streicht sich nervös durch sein Haar „sonst wäre ich nicht reingekommen.“
    Du nickst. Jackson sieht aus, als würde er es ernst meinen.
    Er verlässt das Badezimmer und du bist wieder allein. Sofort schlüpfst du in einen Bademantel und kämmst dir deine noch nassen Haare. Was wollte er denn hier? Wozu braucht er das Tuch?
    Als du wieder zurück in dein Zimmer willst, siehst du, dass Jacksons Tür offensteht. Langsam näherst du dich seinem Raum und beobachtest, wie er am Boden kniet. Er trägt eine dunkle, bequeme Jogginghose und ein weißes Shirt.
    Als er aufsieht, fragst du ihn: „Alles okay?“
    „Ja, hab nur was verschüttet“, er deutet auf eine leere Wasserflasche, die neben ihm steht.
    Schnell holst du ein weiteres Handtuch und kniest dich neben ihn, um ihm zu helfen, die Flüssigkeit aufzuwischen. Als du fertig bist, fällt dir auf, dass Jackson in deinen Ausschnitt starrt, den der Bademantel freigibt.
    Du verdrehst deine Augen: „Ernsthaft, Jackson?“
    „Tut mir leid“, sofort wendet er seinen Blick ab und steht auf. Dann streckt er dir seine Hand entgegen. Du nimmst sie und er zieht dich in die Höhe.
    Auf seinem Schreibtisch liegt eine Karte von Seoul, auf der mehrere Orte markiert sind.
    „Was ist das?“, fragst du ihn.
    „Mögliche Verstecke der Hwan Song Sung Pa. Jonghyun will, dass ich die Inhaber der Grundstücke überprüfe, aber ich lasse mich ständig ablenken. Also komme ich kaum voran.“
    „Echt?“, du schaust wieder die Karte an „was lenkt dich ab?“ Hier gibt es ja nicht mal einen Radio. Dann erinnerst du dich wieder an seinen Laptop und Netflix.
    Als er dir nicht antwortet, drehst du dich wieder zu ihm um. Er hat seinen Kopf schief gelegt und sieht dich an: „Wer denkst du, lenkt mich ab?“
    „Oh“, du ziehst deinen Bademantel enger um deinen Körper und verschränkst deine Arme vor deiner Brust „aber ich mach doch gar nichts.“
    Jackson lacht kurz auf: „Jetzt da ich dich nackt gesehen hab, werde ich mich gar nicht mehr konzentrieren können … sondern muss ständig an dich denken“
    Deine Wangen färben sich rot.
    Er kommt einen Schritt auf dich zu, bleibt dann aber abrupt stehen.
    Es entsteht eine angespannte Stille zwischen euch.
    „Wie geht’s denn nun eigentlich deinen Rippen?“, fragst du, um das Schweigen zu beenden.
    „Sind okay“, er zieht sein T-Shirt nach oben und du siehst seinen durchtrainierten Oberkörper, auf dem sich immer noch blaue Flecken abzeichnen – allerdings kleiner als noch vor einer Woche „aufstehen und hinsetzen tut noch weh.“
    Du nickst und machst einen Schritt auf ihn zu. Vorsichtig streichst du mit deinen Händen über seine Brust: „Tut das weh?“
    Er schüttelt seinen Kopf. Du starrst auf seinen Oberkörper und erinnerst dich an die Nacht, als er von dem Fight Club zurückgekommen ist.
    „Da war alles voller Blut“, murmelst du.
    Jackson zieht sein T-Shirt wieder nach unten: „Aber das war nicht meins.“
    Du nickst wieder und bemerkst, dass du sehr nah bei ihm stehst. Aber du weichst nicht zurück, sondern schaust ihm direkt in die Augen.
    Jackson weicht deinem Blick aus: „Mach das nicht, dN!“
    „Was meinst du?“
    „Wenn du mir so nahekommst und ich nicht … naja, ich dich nicht berühren darf … das macht mich wahnsinnig.“
    Du musst lächeln und legst deine Hände wieder auf seine Brust. Du spürst, wie schnell sein Herz schlägt, aber du bist dir sicher, dass dein Puls noch höher ist als seiner.
    Du beugst dich nach vorne und willst ihn küssen, aber er weicht zurück.
    Enttäuscht schaust du ihn an, dann reißt du dich wieder zusammen und wendest deinen Blick ab: „Tut mir leid, ich weiß auch nicht, was mit mir los ist, ich wollte nur…“, du lässt deinen Satz offen.
    Jackson legt seine Hand an dein Kinn und hebt deinen Kopf leicht an, sodass du ihm in die Augen sehen musst. Er beugt sich nach vorne, hält aber kurz vor deinem Gesicht inne: „Ich werde das nur machen, wenn du es auch sicher willst.“
    Er lächelt dich an und als du wieder in seine braunen Augen siehst, bist du dir sicher.
    Du legst deine Lippen auf seine und schlingst deine Arme um seinen Hals. Er zieht dich näher zu sich heran und du atmest seinen Geruch ein. Dir wird schwindelig. Er riecht so gut. Du musst dich auf Zehenspitzen stellen, um größer zu sein. Seine Hände streichen über deinen Rücken. Du öffnest deinen Mund und eure Zungen berühren sich. Zuerst ist der Kuss sanft und zärtlich, wird aber bald immer leidenschaftlicher.
    Deine Hände wandern unter sein T-Shirt und streichen über seine Muskeln, dann unterbrichst du den Kuss, um ihm sein Shirt über den Kopf zu ziehen. Er lächelt dich an und du willst, dass er dich so wie zuvor küsst, weswegen du dich an ihn presst.
    Er stöhnt auf: „Vorsichtig, dN. Meine Rippen sind immer noch gebrochen.“
    Schuldbewusst lächelst du ihn an und küsst seinen nackten Oberkörper.
    „Vielleicht solltest du dich hinsetzen“, meinst du ihn ziehst ihn in Richtung Bett. Er grinst und setzt sich auf die Matratze.
    Kurz zögerst du, dann setzt du dich auf seinen Schoß; dein Gesicht an seinem, sodass ihr euch direkt anschauen könnt.
    Jackson streicht dir durch die Haare, die nun beinahe wieder trocken sind und beginnt deinen Hals zu küssen. Als seine Lippen deine nackte Haut berühren, stöhnst du auf.
    Seine Hände wandern zu dem Gürtel, der deinen Bademantel zusammenhält und öffnen ihn. Vorsichtig zieht Jackson den Stoff über deine Schultern und dann über deine Hüfte bis der Mantel zu Boden gleitet.
    Nun bist du vollkommen nackt. Als Jackson über deine Brüste streicht, zitterst du. Er hält inne: „Sollen wir vielleicht noch warten?“
    Du schüttelst deinen Kopf und gibst ihm einen kurzen Kuss: „Ich will doch wissen, was nach meinem Traum passiert.“
    Er grinst dich an und küsst dich auf den Mund, dann wandern seine Lippen an deinem Hals entlang zu deinen Brüsten. Du stöhnst erneut auf, als er einen Nippel in den Mund nimmt und den anderen mit seinen Fingern streichelt.
    Dann hebt er dich von seinem Schoß und du legst dich aufs Bett. Während er seine Hose auszieht, schaut er dich von oben bis unten an.
    „Du bist so schön, dN.“
    Als er deinen Namen sagt, ziehst du ihn wieder zu dir heran und schlingst deine Beine um seinen Körper, sodass er auf dir liegt. Jackson trägt immer noch seine Boxershorts, aber du kannst spüren, wie erregt er ist. Ihr küsst euch wieder und du bewegst deine Hüften, worauf er sofort eingeht. Mittlerweile bist du feucht und dein ganzer Körper kribbelt. Du willst endlich mit ihm schlafen und ziehst an seiner Boxershorts, aber er hält dich fest.
    „Warte kurz“, er steht auf und geht zu seinem Schrank. Was hat er vor?
    Er nimmt eine Packung Kondome aus einer Schublade und holt ein einzelnes Kondom daraus hervor. Du setzt dich auf und beobachtest, wie er vor dem Bett steht und Problem hat, die Packung zu öffnen. Du grinst und nimmst sie ihm aus der Hand. Vorsichtig reißt du das Plastik mit deinen Nägeln auf, ohne das Kondom kaputt zu machen.
    Er steht immer noch vor dir und du nutzt die Gelegenheit, um seinen Oberkörper zu küssen. Du fährst mit deiner Zunge über seine Muskeln bis zu dem Ansatz seiner Boxershorts. Bevor du die Hose nach unten ziehst, lächelst du ihn noch einmal an.
    Er atmet unregelmäßig und du merkst, wie erregt er ist. Um ihn ein wenig zu necken, küsst du zuerst seinen Bauch und Oberschenkel und achtest darauf, seinen Penis nicht direkt zu berühren. Du schaust zu ihm auf.
    „Bitte dN!“, er stöhnt auf, als du ihn endlich dort berührst, wo er am meisten erregt ist.
    Du kicherst und deutest ihm, dir deine Haare aus dem Gesicht zu halten, was er sofort macht. Dann küsst du mehrmals die Spitze seines Penis bis du ihn schließlich ganz in den Mund nimmst und anfängst deinen Kopf zu bewegen. Als Jackson wieder aufstöhnt, beginnst du mit schnelleren Bewegungen. Mit deiner Zunge massierst du ihn, während du deine Lippen fest zupresst und darauf achtest, ihn nicht mit deinen Zähnen zu berühren.
    Nach ein paar Minuten hörst du auf und schnappst nach Luft.
    Jackson beugt sich zu dir nach unten und küsst dich: „Leg dich hin!“
    Du nickst und befolgst seine Anweisung.
    Während er das Kondom überzieht, wandert sein Blick wieder über deinen Körper: „Weißt du, wie lange ich das schon machen will?“
    Jackson spreizt deine Beine auseinander und fährt mit seinen Fingern mehrmals über deine Klitoris. Sobald er dich berührt, stöhnst du auf und wirfst deinen Kopf in deinen Nacken. Vorsichtig legt er sich wieder auf dich und stützt sich auf seinen Armen ab. Du küsst ihn und vergräbst deinen Kopf in seinem Nacken, als er in dich eindringt. Du brauchst einen Moment bis du dich an ihn gewöhnst. Immer wieder flüsterst du Jacksons Namen. Er lächelt dich an und küsst dich. Sein Kuss ist fordernd und du gehst darauf ein. Er beginnt seine Hüften zu bewegen und du stöhnst auf. Du ziehst ihn noch näher zu dir heran und deine Hände fahren seinen Rücken entlang. Jacksons Bewegungen werden schneller und du spürst seinen heißen Atem an deinem Hals.
    Plötzlich hält er inne und fasst sich mit einer Hand an seine Rippen. Er hat wieder Schmerzen.
    Vorsichtig schiebst du ihn von dir runter und setzt dich auf ihn.
    „So besser?“
    Lächelnd nickt er und fängt an, deine Brüste zu streicheln.
    Du schiebst deinen Körper ein wenig nach hinten, sodass er wieder in dich eindringen kann.
    Du stöhnst auf und hältst deinen Atem an. In dieser Position berührt er genau deinen G-Punkt. Sofort beginnst du deine Hüfte vor und zurück zu bewegen und wirst immer schneller. Du keuchst, als du ihn tiefer in dir spürst.
    Deine Bewegungen werden immer unregelmäßiger und du merkst, dass du bald kommen wirst. Du musst dich an Jackson festhalten und gräbst deine Finger in seine Schultern, während du immer lauter stöhnst. Seine Hände ruhen auf deiner Hüfte und steuern deine Bewegungen.
    Du verlierst die Kontrolle über deinen Körper und zuckst zusammen, als du endlich kommst. Nach ein paar Momenten erreicht auch Jackson seinen Höhepunkt. Du lässt dich auf seine Brust sinken und versuchst, seine Rippen nicht zu verletzen. Jackson atmet schwer und streicht dir durch die Haare.
    Nach einer Weile habt ihr euch beide ein wenig beruhigt und du rutscht von ihm herunter. Er schlingt seine Arme um dich und küsst deine Stirn.
    Du beobachtest ihn und wuschelst durch seine Haare. Er lächelt und dreht seinen Kopf zu dir: „Und war es so schön wie in deinem Traum?“
    Du küsst ihn: „Viel besser!“



    Als du aufwachst, hat Jackson immer noch seine Arme um dich geschlungen. Ein paar Minuten liegst du nur so da und genießt seine Nähe, dann schiebst du vorsichtig seine Hände zur Seite und stehst auf. Im Badezimmer gehst du auf die Toilette, wäscht dein Gesicht und putzt deine Zähne. Dann schleichst du dich zurück in Jacksons Zimmer, um ihn nicht zu wecken. Du schlüpfst in sein weißes Shirt, das er zuvor noch anhatte und deine Unterwäsche. Danach kuschelst du dich wieder an ihn.
    Er flüstert im Schlaf deinen Namen und schlingt einen Arm um dich. Du lächelst und schläfst bald darauf ein.

    Ein lautes Geräusch weckt dich und du richtest dich sofort auf. Das Bett neben dir ist leer.
    Langsam stehst du auf und gehst auf den Gang.
    Während du dich streckst, rufst du nach Jackson, um ihn zu fragen, was das Geräusch war. Plötzlich hältst du mitten in der Bewegung inne. Vor dir stehen zwei Männer. Daneben Jackson, der dir den Rücken zugewandt hat.
    Du weichst zurück, aber sie haben dich schon gesehen.
    Als du erkennst, dass einer der beiden Yong ist, stockt dir der Atem und dein Puls geht in die Höhe.
    „Und was sollen wir mit ihr machen, Boss?“, fragt der andere Typ Jackson und deutet auf dich.
    Boss?
    Jackson dreht sich zu dir um und mustert dich.
    Überrascht schaust du zwischen ihm und den beiden Männern hin und her.
    Yong fängt an zu grinsen: „Na Kleine, das hättest du nicht gedacht, oder? Vor dir steht der neue Chef der Chil Sung Pa.“

    31

    Kias Sicht
    Ich schaue über meine linke Schulter und überhole einen Lastwagen. Im Moment fahre ich auf der Autobahn nach Seoul. Morgen früh muss ich dort wieder zur Akademie und heute will ich noch zu dN fahren. Gestern hat sie mir geschrieben, dass sie kein Geld mehr hat und der Kühlschrank leer ist. Also bringe ich ihr jetzt Essen vorbei.
    Die Arme darf ja nicht verhungern.
    Das Navi lenkt mich auf eine Bundesstraße. Bald sollte ich da sein.
    Zuerst war ich überrascht, dass dN mir die Adresse geschickt hat, aber sie war wirklich verzweifelt, weil Jackson nicht mehr aufgetaucht ist.
    Letzte Woche habe ich noch einmal versucht mit Juhee über seinen Undercover-Einsatz zu reden, aber sie hat mich abgewimmelt.
    Ich fahre auf einen Parkplatz und steige aus. Vor mir erhebt sich ein riesiges Wohnhaus. DN wohnt im 21.Stock, aber als ich klingle, reagiert niemand. Seltsam. Ich drücke die Taste erneut, aber auch diesmal antwortet mir niemand. Schläft sie etwa? Ich mustere das Klingelschild und beschließe, es bei einem anderen Bewohner zu probieren.
    Bereits bei der dritten Person, bei der ich klingle, antwortet mir ein Mann durch die Sprechanlage.
    „Ähm … ich hab meinen Schlüssel verloren und … und komme nicht ins Haus“, stottere ich.
    Der Mann seufzt, aber kurz darauf summt es und ich drücke die Tür auf.
    Mit dem Aufzug fahre ich in den einundzwanzigsten Stock und klopfe an der Wohnungstür. Niemand antwortet mir. Langsam werde ich unruhig. Ist Jackson wieder zurückgekommen? Aber das hätte dN mir doch geschrieben. Dann wäre ich nicht vorbeigekommen.
    Ich trommle immer noch gegen die Tür und rufe den Namen meiner Freundin, als eine Nachbarin auf den Gang tritt.
    „Müssen Sie so viel Lärm machen?“
    „Tut mir leid. Hier wohnt eine Freundin von mir, aber sie macht mir nicht auf.“
    „Haben Sie keinen Schlüssel?“
    „Ähm nein.“
    „Dann gehen Sie doch zum Hausmeister. Wohnt im zwölften Stock“, mit diesen Worten dreht sie sich um und verschwindet wieder in ihrer Wohnung.
    Ich starre ihr hinterher. Vielleicht gar keine so schlechte Idee.
    Im Aufzug überlege ich kurz, wie ich den Hausmeister überreden kann, mir die Wohnung aufzusperren. Als ich auf dem zwölften Stock aussteige, habe ich eine Idee.
    Kurz nachdem ich geklingelt habe, öffnet mir ein kleiner Mann.
    Bevor er irgendetwas sagen kann, halte ich ihm meinen Ausweis entgegen, der bescheinigt, dass ich bei der Polizei arbeite und meine: „Ich müsste im 21.Stock in eine Wohnung und –“
    „Haben Sie einen Durchsuchungsbefehl?“, unterbricht er mich.
    Ich schlucke. Verdammt.
    „Nein, die Wohnung muss auch nicht durchsucht werden. Es geht hier um Personenschutz und ich muss mit einem Bewohner des Apartments sprechen.“
    Der Mann mustert noch einmal meinen Ausweis. Hoffentlich schaut er nicht auf das Datum am Rand, sonst wüsste er, dass ich erst seit zwei Wochen Polizistin bin.
    „Na gut“, er sperrt seine Wohnung ab und geht mit mir in den Aufzug. Ich atme erleichtert aus.
    Wieder im 21. Stock angekommen, öffnet er das Schloss für mich und sagt: „Wenn Sie hier fertig sind, ziehen Sie einfach die Tür hinter sich zu.“
    Ich nicke und schaue ihm nach, wie er wieder in den Aufzug steigt.
    Vorsichtig betrete ich das Apartment. Sofort bemerke ich, dass innen an der Tür Schlösser hängen, die allerdings nicht abgeschlossen wurden. Das alles wird immer seltsamer.
    Mehrmals rufe ich dN’s Namen, aber niemand antwortet mir.
    Mein Herz schlägt schneller und ich fange an, die Zimmer zu durchsuchen. Die Wohnung ist riesig, aber schließlich komme ich in einen Raum, in dem sich dN’s Sachen befinden. Ich beginne alles zu durchwühlen und finde schließlich das Handy, mit dem sie mir geschrieben hat.
    Langsam breitet sich die Angst in mir aus.
    DN hätte niemals das alles einfach so freiwillig zurückgelassen.
    Ich raufe mir durch die Haare und rufe ein weiteres Mal nach meiner Freundin. Aber die Wohnung ist leer. Ich bin allein hier.

    Um acht kommt der zweite Teil des Kapitels 😊

    Ich rase um eine Kurve und fahre auf den Parkplatz vor dem Polizeirevier in Busan. Nachdem weder dN, noch Jackson in dem Apartment waren, habe ich sofort Taehyung angerufen. Er wollte mich zuerst beruhigen, aber als ich ihm von dN’s Sachen und dem Handy erzählt habe, ist auch er nervös geworden.
    Ich springe aus dem Auto und renne die Treppen nach oben.
    Sofort kommt mir Taehyung entgegen.
    „Hast du mit Juhee gesprochen? Weiß sie, wo Jackson ist?“
    Er schüttelt seinen Kopf: „Sie versucht gerade ihren Vorgesetzen in Seoul zu erreichen.“
    Ich nicke. Meine einzige Hoffnung ist irgendwie über Jackson an dN ranzukommen. Es muss etwas passiert sein, sonst hätte sie mir geschrieben.
    Taehyung führt mich in sein Büro, wo er mir erstmal Wasser anbietet.
    Dankend nehme ich das Glas an und lasse mich in den Sitz fallen.
    „Kia“, Taehyung mustert mich „du weißt, dass du eigentlich nicht zu der Wohnung fahren durftest.“
    „Ich dachte, dN verhungert“, versuche ich mich zu rechtfertigen.
    Er zieht seine Augenbrauen hoch: „Wirklich? Und woher hatte sie überhaupt dieses Handy? Das hätte Jackson nie erlaubt.“
    Schnell fasse ich die ganze Geschichte noch einmal für ihn zusammen.
    „Ich mache mir solche Sorgen … dN hätte mir auf jeden Fall geschrieben“, füge ich am Ende hinzu.
    Taehyung streicht mir über den Arm und versucht mich zu beruhigen: „Wir finden die beiden schon, Kiki. Jackson wird sich bestimmt melden.“
    Hoffentlich hat er recht. Ich ziehe dN’s Klapphandy aus der Tasche: „Vielleicht kann man das auch untersuchen … auf Fingerabdrücke oder so. Kann ja sein, dass es noch jemand außer dN in der Hand hatte.“
    „Du hast es mitgenommen?“, er sieht geschockt aus.
    „Klar!“ War das jetzt falsch?
    „Kiki“, ruft Taehyung aus „das ist ein Beweisstück eines möglichen Tatorts. Du kannst doch nicht einfach –“
    „Tatort?“, ich starre ihn an.
    „Nein … so meinte ich das nicht … dN geht es bestimmt gut … aber“, stottert er „ich musste meine Kollegen in Seoul informieren. Die werden die Wohnung auf Spuren untersuchen … falls es … einen Kampf gab oder eben einen –“
    „Mord? Willst du das damit sagen?“, ich springe auf „glaubst du Jackson hat sie umgebracht?“
    „Nein, das meine ich nicht. Kia, beruhige dich“, er deutet mir mich wieder hinzusetzen. Aber ich bin zu aufgebracht.
    Doch bevor ich schreien kann, dass ich Jackson eh nie vertraut habe, kommt Juhee in den Raum.
    Sie sieht blass aus.
    „Woher wusstest du, wo die Wohnung ist?“, fragt sie mich leise.
    Ich bekomme eine Gänsehaut und erzähle auch ihr von dem Handy.
    Sie nickt nur und lässt sich auf den Stuhl fallen, auf dem ich eben noch saß.
    „Deine Freundin macht auch, was sie will“, seufzt Juhee.
    Sie fährt sich durch die Haare und murmelt: „Im Zeugenschutz und dann erstmal die Adresse verraten…“
    Einen Moment schweigt ihr alle, dann fragt Taehyung: „Weißt du, wo Jackson ist? Ist dN bei ihm?“
    Juhee schaut ihn lange an, dann atmet sie tief durch: „Normalerweise melden sich die Undercover-Agenten regelmäßig bei mir, aber Jackson … naja, er ist jetzt in Seoul und deswegen sollte er sich direkt an meinen Vorgesetzen wenden. Bloß hat er das nicht getan.“
    Taehyung und ich schauen uns an.
    „Was soll das heißen?“, hake ich nach.
    „Mein Chef meinte, er hat seit Wochen nichts mehr von Jackson gehört. Nicht einmal er wusste, wo dieses Apartment ist, in dem die beiden waren. Niemand weiß es“, sie stockt „naja außer dir“, sie sieht mich direkt an.
    Ich schlucke: „Aber warum wurde nichts unternommen, als ein Undercover-Agent einfach verschwunden ist?“
    Juhee schüttelt ihren Kopf: „Es wurde einiges unternommen. Mehrere Teams suchen ihn; sein Auto wurde in einem Wald in der Nähe von Seoul gefunden, aber vermutlich hat er sich einfach ein neues gemietet. Man war sich nicht einmal sicher, ob er noch in Korea ist.“
    Ich schaue sie an. Das kann alles nicht wahr sein.
    Taehyung neben mir hat sich tief in seinen Stuhl sinken lassen und starrt ins Leere. Die Enttäuschung ist ihm ins Gesicht geschrieben. Er hat Jackson wirklich vertraut.
    „Aber … aber was machen wir denn jetzt?“, flüstere ich.
    Juhee zuckt mit den Schultern: „Ich weiß es nicht. Jackson hat den Kontakt abgebrochen. Wir wissen nicht, wo er ist. Oder wo dN ist. Wir haben keine einzige Spur.“

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    Hey Leute, also erstmal danke für die vielen süßen Kommentare, die ihr in letzter Zeit geschrieben habt 🧡🧡
    das motiviert mich total und freut mich auch sehr, wenn es euch gefällt 😊💖

    ich habe mir überlegt, nun doch zwei feste Tage in der Woche festzulegen, an denen ich ein neues Kapitel hochlade. Vielleicht Mittwoch und Samstag🤔 was haltet ihr davon? 🙃
    Und wenn es dann mal ein drittes Kapitel oder einen Lesetag gibt, informier ich euch einfach hier 😊
    Aber das nächste Kapitel kommt diesmal am Sonntag

    Schönes Wochenende euch allen! 💕



    Deine Sicht

    Du sitzt wieder in dem weißen Raum in dem Versteck der Chil Sung Pa, in dem du vor ein paar Wochen aufgewacht bist und zitterst vor Angst. Die Fahrt von Seoul hierher war schrecklich: Yong saß neben dir und hat dich ununterbrochen angestarrt, während Jackson gefahren ist und sich ständig mit dem anderen Mann auf Chinesisch unterhalten hat. Du musstest dich beherrschen, um nicht loszuheulen. Diese Genugtuung wolltest du ihnen nicht gönnen.
    Nicht ein einziges Mal auf dem Weg hierher hat Jackson dich angeschaut. Du hast Löcher in seinen Sitz gestarrt, aber er hat dich ignoriert.
    Wie konnte er mich nur verraten?
    Als ihr bei dem Versteck angekommen seid, hat Yong dich einfach gepackt und in diesen Raum gezerrt. Jetzt sitzt du hier an eine Liege gefesselt und wartest bis irgendetwas passiert. Mittlerweile kannst du deine Tränen nicht mehr zurückhalten und sie tropfen auf deinen Schoß. Du frierst, weil du immer noch nur Jacksons viel zu großes T-shirt trägst.
    Deine Beine zittern und du schluchzt laut auf. Wenigstens hat dir Yong nicht auch noch deinen Mund zugeklebt.
    Als die Tür aufgeht, zuckst du zusammen. Angsterfüllt starrst du den Mann an, der den kleinen Raum betritt.
    Er ist bereits etwas älter und lächelt dich an.
    In einer Hand hält er eine Decke: „Dir muss kalt sein, Mädchen.“
    Der tiefe Klang seiner Stimme erinnert dich an jemanden, aber du kannst ihn nicht zuordnen.
    Langsam faltet er die Decke auseinander und schlingt den weichen Stoff um deine Schulter. Als er dich berührt, hältst du deinen Atem an.
    Der Mann zieht einen weiteren Stuhl – ebenfalls weiß, wie alles andere hier – zu sich heran und setzt sich dir direkt gegenüber.
    „Weißt du, wer ich bin?“
    Du schüttelst deinen Kopf und schniefst.
    „Vielleicht ist das besser so.“ Sein Blick wandert durch den Raum und bleibt an etwas hängen, das du nicht erkennen kannst „manchmal weiß ich es auch nicht mehr.“
    Du verstehst nicht, was er meint und schaust ihn fragend an.
    Er richtet seine Aufmerksamkeit wieder auf dich und mustert dein Gesicht. Dann holt er ein Stofftaschentuch aus seiner Jacke und tupft dir damit vorsichtig über deine verweinten Augen. Als du deinen Kopf zur Seite drehen willst, hält er ihn fest, tut dir aber nicht weh.
    „Du darfst nicht weinen. Das macht dich hässlich“, murmelt er.
    Du starrst ihn an und erinnerst dich, wo du seine Stimme schon einmal gehört hast.
    „Sie haben mich entführt – damals im Bus!“
    Der Mann schaut dich an, dann beginnt er zu lächeln: „Hast du mich gesehen?“
    Du schüttelst deinen Kopf: „Nein, nur gehört. Sie haben immer wieder gefragt ‚ist sie das?‘“
    Er mustert dich: „Dann war die Dosierung des Schlafgases wohl zu gering.“
    „Warum bin ich hier?“, flüsterst du „ich bin nicht Sheila.“
    Er nickt: „Ich weiß. Auch wenn deine Fingerabdrücke etwas anderes sagen.“
    Du bist dir nicht sicher, ob du nun erleichtert oder noch mehr verzweifelt sein sollst. Was mache ich dann hier?
    Deine Augen füllen sich wieder mit Tränen.
    Der Mann wiederholt sich: „Ich weiß, dass du nicht Sheila bist und Jackson weiß das auch.“
    Als du seinen Namen hörst, zuckst du zusammen und die Tränen laufen dir über die Wangen.
    Dein Gegenüber seufzt: „Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht weinen.“ Er legt seinen Kopf schief und starrt dich an. Du bekommst eine Gänsehaut und zwingst dich, das Schluchzen zu unterdrücken.
    „Braves Mädchen“, wieder trocknet er deine Wangen.
    „Für alle anderen wirst du aber Sheila sein. Jeder wird wissen, dass du hier bist.“
    „Wie … wie meinen Sie das?“, stotterst du.
    Einen kurzen Moment scheint er zu überlegen, ob er dir antworten soll bis er schließlich sagt: „Seit einiger Zeit haben wir ein Spitzel der Hwan Song Sung Pa in unseren Reihen und du wirst uns dabei helfen, ihn zu identifizieren.“
    Verständnislos starrst du ihn an: „Aber wie? Wenn er wirklich zu den Hwan Song Sung Pa gehört, wird er doch erkennen, dass ich nicht wirklich Sheila bin?“
    „Oh, er wird dich nicht sehen. Wir werden die Nachricht verbreiten, dass wir Baekhyuns Partnerin gefangen genommen haben. Er wird erst überprüfen wollen, ob das überhaupt wahr ist bevor er irgendetwas unternimmt. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder er kommt direkt hierher, um zu sehen, wen wir da gefangen genommen haben oder er tritt mit den Hwan Song Sung Pa in Kontakt. So oder so werden wir ihn schnappen“, erklärt er dir gelassen.
    „Und dann? Was werden Sie mit ihm machen“, flüsterst du ängstlich.
    „Vermutlich werden wir ihn foltern bis er uns das Versteck der Hwan Song Sung Pa verrät bevor wir ihn qualvoll töten. Dann stürmen wir ihr Lager, bringen jeden um, den wir dort finden und danach widmen wir uns Baekhyun und seiner Schlampe Sheila.“
    Er spricht vollkommen ruhig als würde er über das Wetter reden.
    Du starrst ihn an, deine Augen weit aufgerissen, sprachlos.
    Er lehnt sich zurück in seinen Stuhl: „Ich dachte mir damals schon, dass es zu einfach war, dich zu fangen. Sheila hätte es uns niemals so leicht gemacht.“
    Du schluckst und krächzt: „Warum erzählen Sie mir das alles?“
    Der Mann zuckt mit seinen Schultern: „Du bist mir egal. Wenn das alles vorbei ist, kann Jackson mit dir machen, was er will. Er wird die Chil Sung Pa leiten und dann bist du sein Problem.“
    Du schaust zu Boden und musst dich erneut ermahnen, nicht zu weinen.
    „Verzeihung“, der Mann fasst vorsichtig an dein Kinn und dreht deinen Kopf in seine Richtung, so dass du ihm in die Augen sehen musst „das war etwas unhöflich von mir.“ Sein Blick wandert wieder im Zimmer umher: „Ich war nicht immer so“, er schweigt kurz und schaut sich wieder um „ich hasse diesen Raum.“
    Du nickst und flüsterst: „Ich auch.“
    Der Mann mustert dich, dann steht er auf: „Vor fast dreißig Jahren bin ich in genau so einem Zimmer aufgewacht, alles war weiß und leer … es war in einem Krankenhaus – und es war fürchterlich“, er legt eine Hand auf die weiße Wand und schließt seine Augen „ich kann mich noch so gut daran erinnern: zuerst war ich ganz allein und habe nicht verstanden, was los ist“, er lacht kurz auf „ich dachte sogar einen Moment, ich sei jetzt im Himmel – aber eigentlich war es die Hölle.“
    Er spricht so leise, dass du ihn kaum verstehen kannst. Mittlerweile steht er mit dem Rücken zu dir und du bist dir sicher, dass er nicht mehr mit dir, sondern nur noch mit sich selbst redet. „Die Ärzte haben mir erzählt, dass das Restaurant meiner Eltern überfallen wurde. Beide waren tot. Mein Vater war mir egal, ich hätte diesen Bastard schon viel früher selbst umlegen sollen, aber meine Mutter … meine arme Mutter“, wieder schweigt er, dann scheint er zu realisieren, wo er gerade ist und dreht sich langsam wieder zu dir um.
    Er wirkt, als würde er aus einer Trance erwachen.
    Du bekommst erneut eine Gänsehaut. Niemals zuvor hat dir jemand so viel Angst gemacht wie dieser Mann, der gerade vor dir steht.
    Er legt seinen Kopf schräg: „Du bist eine gute Zuhörerin“, er atmet tief ein und aus „oder vielleicht habe ich diese Geschichte einfach schon zu oft erzählt.“
    Ein letztes Mal schaut er sich in dem weißen, kleinen Zimmer um, dann wendet er sich zur Tür.
    Doch bevor er den Raum verlässt, dreht er sich noch ein letztes Mal zu dir um: „Wie unhöflich von mir: ich hätte mich vorhin vorstellen sollen. Mein Name ist Jonghyun.“

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    Du bist wieder allein. Nachdem Jonghyun gegangen ist, bist du irgendwann auf der Liege eingeschlafen. Aber Albträume haben dich verfolgt, sodass du bald wieder aufgewacht bist.
    Dein Körper schmerzt und du fühlst deine Arme und Beine kaum noch, da du immer noch an Händen und Füßen gefesselt bist.
    Du hast seit Stunden nichts getrunken, weswegen dein Kopf pocht und dein Hals trocken ist. Immer wieder hörst du Schritte vor der Tür. Dann beginnt dein Herz wie wild zu schlagen und du kauerst dich zusammen, aber bisher hat niemand außer Jonghyun den weißen Raum betreten.
    Der Besuch des Anführers der Chil Sung Pa war beängstigend.
    Wir werden ihn foltern bis er uns das Versteck der Hwan Song Sung Pa verrät bevor wir ihn qualvoll töten. Dann stürmen wir ihr Lager und bringen jeden um, den wir dort finden… seine Worte klingen in deinem Kopf nach und du bekommst eine Gänsehaut.
    Wie ruhig er die ganze Zeit war. Nur als er von seiner Mutter gesprochen hat, hat sich seine Stimme verändert.
    Die Tür geht auf und du schrickst aus deinen Gedanken hoch.
    Yong betritt den kleinen Raum. Bitte nicht.
    „Na Kleine, lebst du noch?“, er fängt an zu kichern „wir waren uns nicht sicher, was Jonghyun mit dir vorhat. Aber sieht nicht so aus, als hätte er dir was getan.“
    Du antwortest nicht, sondern starrst ihn nur böse an.
    Er kommt näher und zückt ein Messer. Sofort zuckst du zurück, aber deine Fesseln halten dich an der Liege fest. Du starrst auf die scharfe Klinge und dein Herz beginnt wie wild zu klopfen. Sichtlich amüsiert fährt Yong mit einem Finger über die stumpfe Kante des Messers bevor er die Schnüre um deine Handgelenke durchtrennt. Doch bevor du irgendetwas unternehmen könntest, bindet er deine Hände mit Kabelbinder so fest aneinander, dass du vor Schmerz aufstöhnst. Deine Augen füllen sich mit Tränen. Sofort drehst du deinen Kopf zur Seite, um ihm nicht die Genugtuung zu geben, dich weinen zu sehen.
    Danach kniet er sich vor dir auf den Boden, um deine Fußfesseln durchzuschneiden: „Ich soll dich aufs Klo bringen und dir danach etwas zu essen geben.“ Er scheint nicht besonders erfreut über seinen Auftrag zu sein, aber du bist erleichtert. Das hört sich nicht so an, als würde man dich demnächst misshandeln, foltern oder gar töten. Außerdem musst du dringend auf die Toilette.
    Als sich Yong wieder aufrichtet, blafft er dich an: „Steh auf, ich habe keine Lust dich zu tragen.“
    Vorsichtig schüttelst du deine Beine, die mittlerweile ganz taub geworden sind und stehst langsam auf. Ungeduldig schaut er dir zu und deutet dir, vorauszugehen. Deine Füße kribbeln immer noch.
    Der Gang ist grell erleuchtet, aber vollkommen leer. Warum ist hier denn keiner?
    Als hätte Yong deine Gedanken gelesen, sagt er: „Wir mussten alle Leute abziehen. Jonghyun will, dass niemand dich sieht“, er atmet tief ein und spuckt dann auf den Boden – Igiit „und jetzt müssen Jackson und ich Aufpasser spielen.“
    Du denkst über seine Worte nach. Yong ist vermutlich kein Spitzel der Hwan Song Sung Pa, sonst hätte Jonghyun ihm nicht den Auftrag gegeben, mich zu bewachen. Er wüsste ja sofort, dass ich nicht Sheila bin.
    Er läuft hinter dir und schubst dich immer wieder in eine Richtung.
    „Kannst du das vielleicht lassen und mir einfach sagen, wo ich hinmuss?“, fauchst du ihn an.
    Du hörst ihn kurz lachen: „So macht es mehr Spaß.“
    Immer wieder schaust du dich um und suchst nach einer Fluchtmöglichkeit, aber der Gang ist lang und von ihm gehen viele Türen ab. Welche führt wohl nach draußen?
    Plötzlich packt er dich am Arm und zieht dich in eine kleine Toilette.
    „So, du hast zwei Minuten“, er deutet in Richtung der beiden Kabinen.
    Du schaust dich um. Keine Fenster. Keine weiteren Türen außer die, durch die ihr gerade gekommen seid. Kein Ausweg.
    Langsam gehst du in einer der beiden Kabinen und schließt die Tür. Da deine Hände immer noch an einander gebunden sind, hast du Schwierigkeiten, deine Unterhose nach unten zu ziehen. Yong schreit dich durch die Tür an, dass du dich beeilen sollst. In einer normalen Situation hättest du niemals vor ihm pinkeln können, aber nun weißt du nicht, wann du wieder die Gelegenheit hast, auf die Toilette zu gehen.
    Nachdem du fertig bist, verlässt du die Kabine und gehst zum Waschbecken. Yong steht hinter dir und beobachtet dich. Deine Beine fühlen sich wieder normal an, trotzdem bezweifelst du, dass Wegrennen eine Option wäre.
    Mit den zusammengebundenen Händen komme ich nicht weit und den Ausweg kenne ich auch nicht.
    Während du deine Finger gründlich reinigst, starrst du auf den Kabelbinder. Ein Gedanke schießt dir durch den Kopf. Hat Jackson mir nicht gezeigt, wie man die Dinger öffnet? Damals, als er mich vor dem Polizeirevier in Busan abgefangen und wieder nach Hause gebracht hat. Wie ging das gleich noch einmal?
    Dein Blick wandert zum Spiegel und du siehst, dass Yong dich von oben bis unten mustert. Du trägst immer noch nur Jacksons T-Shirt und Unterwäsche und plötzlich wird dir bewusst, warum er dich so anstarrt.
    Schnell drehst du dich zu ihm um: „Kann ich jetzt etwas essen?“
    „Oho, jetzt stellt die Kleine auch noch Anforderungen.“
    „Du meintest doch, du sollst –“
    „Ich entscheide, was ich soll und was ich nicht soll und gerade hab ich Bock auf was ganz anderes.“
    Er kommt einen Schritt näher und du versuchst zurückzuweichen, aber da ist das Waschbecken im Weg.
    „Komm schon, Kleine. Jackson hatte schon seinen Spaß mit dir, oder? Dann bin ich jetzt an der Reihe.“
    Entsetzt starrst du ihn an. Das darf nicht wahr sein. Vielleicht ist Wegrennen doch eine Option. Als er eine Hand nach dir ausstreckt, trittst du ihm mit voller Wucht zwischen seine Beine. Sofort krümmt er sich zusammen und sinkt fluchend zu Boden. Bevor er sich wieder aufrappeln kann, reißt du deine Arme über deinen Kopf und ziehst sie in einer ruckartigen Bewegung nach unten, sodass der Kabelbinder an deinen Handgelenken reißt – genauso wie es dir Jackson gezeigt hat.
    Yong schaut dich überrascht an und will – immer noch beide Hände an seinem Schritt – aufstehen, doch du ballst deine Finger zur Faust und schlägst ihm mitten ins Gesicht.
    Es gibt ein knackendes Geräusch und Schmerz durchzuckt deine Hand, als deine Knöchel von dem Schlag aufplatzen.
    Schnell schiebst du dich an ihm vorbei zur Tür.
    Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, abzuhauen.
    Yong fängt an, dich wie wild zu beschimpfen und hält sich mit einer Hand die blutende Nase, mit der anderen versucht er sich an der Wand hochzuziehen, sackt aber wieder zusammen.
    Du rennst auf den Gang und entschließt dich, in die entgegengesetzte Richtung zu fliehen aus der ihr gekommen seid.
    Immer noch ist niemand zu sehen und du fragst dich, ob das auch weiterhin so bleiben wird. Du läufst bis zum Ende und biegst dann rechts ab. Verzweifelt schaust du dich um. Noch immer kannst du Yong fluchen hören, er muss dir auf den Fersen sein.
    Du hast keine Ahnung, wo du bist und rennst um die nächste Ecke.
    Autsch.
    Du bist mit voller Wucht gegen eine Wand gelaufen und zu Boden gefallen. Als du deine Stirn reibst und aufschaust, siehst du jedoch, dass es keine Wand war. Vor dir steht Jackson.

    34
    „Was machst du hier?“, schreit Jackson dich an.
    Schnell springst du wieder auf und willst schon durch den schmalen Gang zurück rennen, wo du hergekommen bist, als euch Yong entgegenkommt.
    Eine Hand hält er sich immer noch an sein Gesicht und seine Nase blutet wie verrückt. Wütend stapft er auf dich zu und du kannst gerade noch seinem Schlag ausweichen.
    „Yong“, bellt Jackson, während er deinen Arm packt „was ist hier los?“
    „Diese Schlampe hat versucht zu fliehen und mir dabei die Nase gebrochen.“
    Du zuckst zusammen, als du hörst, wie aggressiv Yong ist. Er macht dir Angst.
    „Wie konnte sie entkommen? Du hast sie doch gefesselt, oder?“, Jacksons Stimme zittert vor Wut. Du willst dich von ihm losreißen, aber sein Griff wird nur fester und er wirft dir einen bösen Blick zu.
    „Bist du etwa zu blöd, ein Mädchen zu bewachen?“, fährt er Yong an.
    „Nein, Boss, aber –“
    Sofort wird er von Jackson unterbrochen: „Kein aber! Geh mir sofort aus den Augen. Jetzt muss ich mich um die Kleine kümmern.“
    Er zieht dich in die entgegengesetzte Richtung, stoppt dann aber und dreht sich noch einmal zu Yong um: „Gib den anderen Bescheid: sie sollen wieder ihre gewohnten Posten einnehmen.“
    „Aber was ist dann mit ihr?“, Yong deutet auf dich „werden sie dann nicht alle sehen.“
    Jackson schüttelt seinen Kopf: „Ich bring sie in die Dunkelkammer.“
    Auf Yongs Gesicht breitet sich ein Grinsen aus, dann nickt er „wird gemacht, Boss“ und dreht sich um.
    Was immer auch diese Dunkelkammer ist, du willst sie nicht kennenlernen.
    Du sträubst dich, als Jackson dich weiterziehen will.
    „Beweg dich“, fährt er dich an.
    „Jackson!“, du versuchst seinen Griff zu lockern, aber bist erfolglos.
    „Bitte, lass mich los. Du tust mir weh“, schluchzt du, aber er zieht dich gewaltsam weiter. Deine nackten Füße stolpern über den Boden, du frierst.
    „Bitte Jackson“, flüsterst du ein letztes Mal. Wie konnte ich nur mit ihm schlafen? Warum habe ich ihm überhaupt vertraut?
    Plötzlich bleibt er abrupt stehen, dreht sich zu dir um und nimmt dein Gesicht in seine Hände. Du willst zurückweichen, aber deine Beine bewegen sich kein Stück. Er schaut dir in die Augen; sein Blick ist nicht mehr wütend, sondern besorgt: „Warum konntest du denn nicht bei Yong bleiben? Alles lief doch nach Plan.“ Welcher Plan?
    Du kannst ihm nicht in die Augen sehen und versuchst noch einmal zurückzuweichen, diesmal lässt er dich los: „Er … er wollte mich …“, du beendest deinen Satz nicht und schaust nur zu Boden.
    Jacksons mustert dich und als er realisiert, was los ist, ballt er seine Hände zu Fäusten: „Das wird er büßen.“
    Wieder hört er sich so wütend an.
    „Jackson“, du nimmst seine Hand „bitte lass mich gehen. Ich will nur nach Hause. Ich werde auch niemandem sagen, was hier passiert ist oder dass du … dass du der neue Boss der Chil Sung Pa bist.“
    Seine Augen sehen dich traurig an, er schüttelt seinen Kopf: „So leicht geht das nicht.“
    Du lässt seine Hand los und machst einen Schritt zurück.
    „DN, du musst mit mir mitkommen, okay? Ich weiß nicht, was Yong oder die anderen dir antun würden, wenn sie dich hier finden.“
    Du schluckst. Werde ich hier jemals wieder rauskommen?
    Vorsichtig nimmt Jackson wieder deine Hand und führt dich den Gang entlang: „Es ist alles ganz anders als du denkst. Wenn wir wieder zu Hause sind, werde ich dir alles erklären, okay?“

    Hey Leute, morgen (Sonntag) um 15 Uhr kommt der zweite Teil des Kapitels 😊

    Du würdest ihm gerne glauben, aber es spricht zu viel dagegen.
    Nach ein paar Minuten erreicht ihr einen kleinen Raum.
    Als Jackson die Tür aufsperrt, flüsterst du: „Ich will nicht in diese Dunkelkammer.“
    „Dort kommst du auch nicht hin, niemand außer Jonghyun kann dich dort einsperren. Außerdem würde ich dir das nie antun.“
    Du folgst Jackson in das Zimmer. Wieder ist alles weiß. Du seufzt: „Sieht hier jeder Raum so aus?“
    „Nur ein paar. Jonghyun benutzt sie gerne als Folterzimmer. Er hasst weiße Räume wegen –“
    „Wegen seiner toten Mutter. Ich weiß“, unterbrichst du ihn.
    Jackson mustert dich: „Also hat er dir die Geschichte auch schon erzählt.“
    Wieder nickst du und setzt dich auf die Liege. Deine Füße schmerzen, du musst in irgendwas getreten sein, als du vor Yong weggelaufen bist.
    „Hat er dir auch erzählt, dass das der Grund für seinen Krieg mit den Hwan Song Sung Pa ist?“, Jackson tritt näher und betrachtet deinen Fuß.
    Du schüttelst deinen Kopf: „So weit ist er nicht gekommen.“
    „Du musst die Wunde desinfizieren“, meint Jackson skeptisch und streicht über deine Fußsohle.
    Du zuckst zusammen: „Und wie soll ich das machen, wenn du mich hier festhältst?“
    Als du wieder realisierst in welcher Lage du dich gerade befindest und dass Jackson an allem schuld ist, springst du von der Liege auf und stößt ihn zurück.
    „Was soll das alles? Warum sagst du mir, dass du mich magst und schläfst mit mir, wenn du mich dann am nächsten Tag an die Chil Sung Pa verrätst? Und überhaupt“, du steigerst dich immer mehr in die Situation „wie konntest du deren Anführer werden? Ich dachte, du bist Polizist. Ich dachte, du bist einer von den Guten und –“, Jackson hält deine Hände fest.
    „Ich hab dir gesagt, dass das nicht so leicht ist. Es gibt keine Guten und keine Bösen“, er funkelt dich an. „Außerdem wusste ich nicht, dass Yong mir gefolgt ist. Er ist einfach vor der Wohnung aufgetaucht … und dann hat er noch diesen Schlägertypen mitgebracht. Wahrscheinlich hat er uns doch in der Stadt gesehen“, Jackson seufzt „ich musste meine Tarnung halten und dich hierherbringen.“
    Du brauchst einen Moment, um zu verarbeiten, was er gesagt hast: „Also bist du –“
    „Immer noch Polizist? Ja!“
    Eine Sirene beginnt zu heulen und ihr zuckt beide zusammen. Jackson schaut auf seine Uhr: „Das ist die Generalversammlung. Da muss ich hin.“
    Schnell geht er auf die andere Seite des Raumes und drückt an einer Stelle seine Hand gegen die Wand. Es öffnet sich eine Vorrichtung und mehrere Folterinstrumente kommen zum Vorschein.
    Dir stockt der Atem.
    Jackson nimmt einen ca. dreißig Zentimeter langen Stab mit scharfer Spitze hervor und reicht ihn dir.
    „Was … was soll ich damit?“
    „Ich wollte dich eigentlich heute Nacht befreien, aber jetzt hab ich einen besseren Plan“, Jackson drückt dir den Stab in die Hand.
    Du starrst auf die Waffe: „Und der wäre?“
    „Zur Generalversammlung muss jeder kommen außer die Wachen an den großen Eingängen. Das heißt, du hast freie Bahn.“
    „Und was soll ich dann mit dem hier?“, du hältst den Stab in die Höhe.
    Jackson zuckt mit den Schultern: „Nur zur Vorsicht. Falls jemand zu spät kommt und dich doch noch sehen sollte. Ich hätte dir ja eine Schusswaffe gegeben, aber du hast noch nie geschossen, oder?“
    Du schüttelst deinen Kopf: „Jackson, ich kann das nicht. Ich kann doch niemandem mit diesem Stab aufspießen.“
    „Musst du ja nicht, du kannst ihn ja nur ein wenig anpicksen“, er grinst.
    Du verdrehst deine Augen: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für Späße. Erklär mir lieber, wie ich hier rauskomme.“
    Jackson spricht von zwei Fluchtwegen; der eine führt durch die Kanalisation – wie du beim ersten Mal rausgekommen bist – der andere führt an Jonghyuns Büro vorbei. Du merkst dir jedes seiner Worte ganz genau.
    Als er fertig ist, schaut er noch einmal auf die Uhr: „Ich muss jetzt wirklich los. Jonhyun will mich heute offiziell als seinen Nachfolger einführen.“
    Du musterst ihn: „Darüber müssen wir auch noch reden.“
    „Machen wir“, er zieht dich zu ihm heran und küsst dich auf die Nase.
    Vorsichtig schiebst du ihn von dir weg: „Ich weiß immer noch nicht, ob ich dir wirklich vertrauen kann.“
    Jackson sieht verletzt aus: „Wenn wir uns wiedersehen, erkläre ich dir alles, okay?“
    Du nickst, dann fällt dir etwas anderes ein: „Was passiert, wenn die da draußen rausfinden, dass du mich einfach gehen lassen hast?“
    „Das werden sie nicht“, er streicht dir eine Strähne aus dem Gesicht „Jonghyun vertraut mir. Ich werde sagen, dass du Yong entwischt bist. Das ist nicht einmal gelogen.“
    Langsam öffnet er die Tür und schaut auf den Gang: „Wahrscheinlich sind schon alle bei der Versammlung“, dann wendet er sich wieder zu dir „du kennst den Weg?“
    Du gehst in Gedanken noch einmal seine Beschreibung durch und nickst. Ein letztes Mal sieht Jackson dich an, dann verschwindet er in Richtung Generalversammlung.
    Du atmest mehrmals tief ein und aus und verlässt den Raum.

    Es gibt noch einen dritten Teil (das Kapitel ist ein wenig länger geworden). Den lade ich dann um 20:00Uhr hoch 😊

    Draußen befolgst du genau Jacksons Anweisungen und kommst zu dem Ausgang, der durch die Kanalisation führt. Doch bevor du in das Loch rutschen kannst, hörst du Schritte.
    Panisch schaust du dich um: Woher kommen die?
    Du siehst nirgends einen Platz, an dem du dich verstecken könntest, also huscht du in den Gang zurück, aus dem du gekommen bist.
    Dein Griff um den spitzen Stab festigt sich und du starrst aufmerksam zu der Stelle, an der du eben noch standest.
    Ein dir unbekannter Mann läuft an dem schmalen Loch im Boden vorbei. Du wartest mehrere Augenblicke ab und wieder geht der Unbekannte daran vorbei.
    Er muss dort patrouillieren. Wahrscheinlich wird dieser Ausgang nun auch bewacht, da ich letztes Mal so fliehen konnte.
    Einen winzigen Augenblich zögerst du und starrst auf den Stab in deiner Hand. Dein Blick wandert wieder zu der Wache, die erneut den Gang entlang läuft.
    Doch schließlich entscheidest du dich doch dafür, den Ausweg zu wählen, der an Jonghyuns Büro vorbeiführt.
    Schnell drehst du dich um und läufst zu dem Zimmer zurück, in dem du dich vorhin noch mit Jackson unterhalten hast. Du kennst den Weg nur von diesem Raum aus.
    Mittlerweile bist du froh, dass du barfuß bist, auch wenn deine Füße schmerzen, da du so vollkommen lautlos durch die Gänge huschen kannst.
    Ohne Jacksons Hilfe hättest du hier niemals rausgefunden. Jeder Flur sieht gleich aus.
    Schließlich kommst du an einem großen Zimmer vorbei, das Jonghyuns Büro sein muss. Gleich daneben muss ein schmaler Gang sein, den nur der Boss der Chil Sung Pa selbst benutzen darf.
    Er soll in eine Tiefgarage führen, so dass man im Notfall schnell fliehen könnte. Du läufst den Flur auf und ab, aber findest keinen Geheimgang.
    Panisch schaust du dich um. Deine Verzweiflung wächst. Wie lange ist wohl noch diese Generalversammlung? Wie viel Zeit bleibt mir?
    Da du nicht weißt, was du machen sollst, versuchst du die Tür zu dem Büro von Jonghyun zu öffnen. Du bist überrascht, als sie mühelos aufschwingt. Sperrt er nie ab?
    Das Zimmer ist riesig: Schwere Eichenmöbel stehen um einen mit goldverziertem Tisch. Überall liegen Bücher und Papierstapel. Hier hat Jonghyun wohl einiges an Geld reingesteckt.
    Du schaust dich in dem Zimmer um und dein Blick fällt auf einen schweren Safe.
    Deine Finger beginnen zu kribbeln. Du weißt, dass du dich eigentlich auf deine Flucht konzentrieren solltest, aber deine Neugierde ist zu groß.
    Du betrachtest das Zahlrad an dem riesigen Eisenschrank und überlegst, welchen Code Jonghyun wohl wählen würde.
    Kurz schaust du zur Tür und überlegst, ob du das Büro wieder verlassen sollst, doch dann fällt dir die Zahl 44281 ein, mit der Jackson in den Fightclub gekommen ist. Seine Worte klingen noch in deinem Ohr. Jonghyun nimmt immer dasselbe, manchmal verdreht er die Zahlen … es ist das Geburtsdatum seiner Mutter. Der 28. Januar 1944.
    Du probierst die Zahlen 28 1 44 in verschiedenen Kombinationen aus und beim dritten Mal knackt das Schloss.
    Vor dir öffnet sich langsam der Safe des Anführers der Chil Sung Pa.

    35
    Zuerst fällt dein Blick auf die Waffen: Verschiedenste Revolver, Pistolen und Gewehre sind untereinander aufgebaut. Außerdem erkennst du eine vergol
    Zuerst fällt dein Blick auf die Waffen: Verschiedenste Revolver, Pistolen und Gewehre sind untereinander aufgebaut. Außerdem erkennst du eine vergoldete Axt und mehrere geschärfte Messer.
    Neben einigen Stapel von 50.000-Won-Scheinen siehst du eine große schwarze Mappe. Ein letztes Mal schaust du dich im Raum um, aber du bist vollkommen allein.
    Dann nimmst du die Mappe aus dem Safe und öffnest sie: Zwei kleine Jungen lächeln dich auf einem Foto an. Der ältere von beiden kann kaum älter als sieben sein.
    Du musterst das Bild genauer. Sieht aus, als wäre es aus den Achtzigern, vielleicht Neunzigern. Wer sind diese Jungs? Jonghyun kann es nicht sein, er wäre damals um die zwanzig gewesen.
    Du ziehst ein weiteres Bild aus der Mappe. Es ist schwarz-weiß und man erkennt darauf ein Ehepaar mit ihrem kleinen Sohn. Der Mann sieht genauso aus wie Jonghyun. Das muss sein Vater sein. Sichtlich genervt schaut er in die Kamera, während sein Kind in den Armen der Mutter weint.
    Ein letztes Dokument befindet sich in der Mappe. Es ist der Stadtplan, den du neulich auf Jacksons Schreibtisch gesehen hast. Einige Orte sind durchgestrichen und um eine U-Bahn-Station wurden mehrere rote Kreise gezogen. Ist dort das Versteck der Hwan Song Sung Pa? Daneben steht in dicken schwarzen Buchstaben das morgige Datum. Was bedeutet das? Was wird morgen passieren?
    Kurz zögerst du, dann entschließt du dich, die Mappe mitzunehmen. Vielleicht können Kia und Taehyung mehr damit anfangen.
    Du schließt die Tür des Safes und drehst an dem Rand, um sicherzugehen, dass sie wirklich verschlossen ist. Trotzdem bezweifelst du nicht, dass Jonghyun bald bemerken wird, dass die Mappe nicht mehr da ist. Bei dem Gedanken an das Gespräch mit ihm, bekommst du eine Gänsehaut.
    Hoffentlich sehe ich ihn nie wieder.
    Ein letztes Mal durchquerst du den Raum; dein Blick bleibt an einem Schlüssel hängen, der auf dem goldverzierten Tisch liegt. Es ist ein Autoschlüssel.
    Ohne lange zu überlegen, schnappst du ihn dir und verlässt den Raum.
    Wieder läufst du auf und ab, um die Tür zu dem Geheimgang zu finden. Nach Jacksons Angabe sollte sie direkt neben dem Eingang zu Jonghyuns Büro sein, aber du siehst sie nicht.
    Verzweifelt lässt du dich gegen die Wand sinken. Bald wird die Generalversammlung vorbei sein und dann werden sie mich finden.
    Als du deinen Kopf anlehnst, bewegt sich etwas hinter dir. Du zuckst zusammen und drehst dich um. Die Geheimtür! Vorsichtig drückst du mit der Hand gegen den Spalt, der sich gerade geöffnet hat. Sobald er so groß ist, dass du durchpasst, schlüpfst du hinein und ziehst die Tür wieder hinter dir zu.
    Es ist stockdunkel. Du wartest ein paar Augenblicke, aber deine Augen gewöhnen sich nur langsam an die Dunkelheit. In der einen Hand die Mappe, in der anderen die Autoschlüssel stolperst du voran.
    Als du mit deinem bereits verletzten Fuß gegen irgendetwas am Boden stößt, musst du einen Schrei unterdrücken. Nach gefühlten Ewigkeiten endet der schmale Gang. Vor dir ist eine Wand und du kannst nicht weiter. Panisch tastest du sie ab, findest aber keinen Hebel oder Schalter, also schlägst du mit voller Wucht dagegen.
    Deine Knöchel, die seitdem du Yong die Nase gebrochen hast, bereits wieder angefangen haben, zu heilen, platzen erneut auf. Du keuchst und warmes Blut fließt an deinen Fingern hinunter. Du starrst die Wand vor dir an. Als du dich mit deinem ganzen Körpergewicht dagegen lehnst, gibt sie endlich nach und eine Tür öffnet sich. Jonghyun muss diesen geheimen Ausgang schon lange nicht mehr benutzt haben, denn er öffnet sich nur spärlich und du musst dich durch die schmale Öffnung zwängen.
    Sobald du draußen bist, schaust du dich um. Tatsächlich stehst du inmitten einer Tiefgarage. Dutzende Autos stehen um dich herum.
    Du musterst deine Arme und Beine, die nicht nur dreckig, sondern auch blutig sind. Du seufzt und zwingst dich, weiter zu gehen.
    Immer wieder drückst du auf den Knopf an dem Autoschlüssel, den du aus Jonghyuns Büro mitgenommen hast, aber keines der Autos blinkt auf. Du kommst zu einer großen Schranke, hinter der der Ausgang liegen muss. Verzweifelt schaust du dich. Wo ist dieses verdammte Auto?
    Noch einmal läufst du durch die Reihen und endlich piepst es, als du den Knopf betätigst. Du folgst dem Geräusch und es führt dich zu einem Jeep. Du schluckst. Noch nie bist du mit so einem großen Auto gefahren. Vorsichtig kletterst du hinters Steuer und kurbelst den Sitz erstmal dreißig Zentimeter nach oben. Danach drehst du den Schlüssel im Schloss um, aber der Moter stirbt dir ab. Erst einmal, dann zweimal, dann dreimal. Du atmest tief durch. Ich kann das. Endlich macht er ein normales Geräusch und du fährst rückwärts aus der Parklücke. Du drehst das Steuer, fährst gerade aus auf die Absperrung zu und trittst auf Gas. Mit voller Wucht reißt es die Schranke zu Boden und du bretterst durch den Ausgang nach draußen auf die Straßen Busans.


    Hey Leute, heute füge ich zum ersten Mal ein Bild hinzu 🤗 ich finde, Jackson sieht hier richtig gut aus - wenn auch ein bisschen böse 😅 aber irgendwie stelle ich ihn mir in dieser Ff genau so vor. Das nächste Kapitel ist aus seiner Sicht und ich denke, einen Teil davon poste ich schon morgen 💚




    Jacksons Sicht

    Ich komme zu der Generalversammlung in der großen Aula und setze mich in die erste Reihe. Die meisten sind schon da und unterhalten sich. Alle wissen, was heute geschehen wird. Die Versammlung ist nur ein formeller Akt. Jonghyun wird sie möglichst kurz gestalten, er hasst solche Veranstaltungen. Ob dN schon draußen ist? Heute Nacht werde ich sie bei Taehyung treffen. Dann ist meine Zeit bei den Chil Sung Pa endlich vorbei.
    Morgen werden sie das Versteck der Hwan Song Sung Pa überfallen, wo mein Boss und meine Kollegen bereits auf sie warten werden. Die beiden gefährlichsten Gangs Koreas auf einen Schlag festnehmen: das ist der Plan, auf den ich seit fast zwei Jahren hinarbeite.
    Jonghyun tritt auf das Podest in der Mitte der Aula. Sofort wird es still. Er spricht ruhig und langsam wie immer. Nur ein einziges Mal habe ich ihn jemals schreien hören; Einer der Jungs hier wollte mehr Geld für einen Auftrag, den er für die Chil Sung Pa ausgeführt hatte. Als sich Jonghyun weigerte, ist der Typ ausgerastet und hat angefangen ihn zu beleidigen. Jonghyun hat ihn einfach ausgelacht bis der andere so wütend war, dass er einen großen Fehler machte: er hat Jonghyuns tote Mutter beschimpft. Noch nie habe ich den Anführer der Chil Sung Pa so außer sich gesehen. Er hat den Typen sofort in die Dunkelkammer gesperrt und Tage lang gefoltert bis er ihn endlich getötet hat.
    Ich habe Jonghyun so oft morden sehen. In Südkorea gibt es die Todesstrafe und auch wenn sie nur noch selten eingesetzt wird, bin ich mir sicher, dass sie Jonghyun treffen wird.
    Gerade spricht er von dem morgigen Einsatz und dass das sein letzter Tag als Boss der Chil Sung Pa sein wird. Bereits vor Wochen hat er sich eine kleine Insel im Mittelmeer gekauft, auf die er sich für den Rest seines Lebens zurückziehen will.
    Als er mich auf die Tribüne bitten will, kommt ein Wächter in die Aula gerannt.
    „Sheila …“, er schnappt nach Luft „sie ist weg.“ In der großen Halle bricht Gemurmel aus.
    Jonghyun schaut mich fragend an, doch bevor ich etwas sagen kann, steht Yong auf: „Sie ist nicht abgehauen, Jackson hat sie in die Dunkelkammer gebracht.“
    Ich spüre die Blicke aller auf meinem Rücken und stehe auf: „Ich habe sie nirgends hingebracht. Wir alle wissen, dass niemand ohne die Erlaubnis von Jonghyun in die Dunkelkammer darf.“
    Ich drehe mich zu Yong um, der mich sprachlos anstarrt.
    „Dann ist es deine Schuld, dass sie verschwunden ist. Du solltest auf sie aufpassen“, meint Jonghyun an Yong gerichtet. Er ist immer noch vollkommen ruhig.
    „Das ist nicht wahr … sie ist vor mir weggerannt, hat mir sogar die Nase gebrochen“, er deutet auf sein Gesicht „Jackson hat sie wieder eingefangen … ich bin mir sicher: er wollte sie in die Dunkelkammer bringen“, stottert Yong.
    Wieder schaut Jonghyun mich fragend an. Ich schüttle meinen Kopf und er gibt zwei Wachen ein Zeichen, die langsam auf Yong zugehen. Es hat Monate gedauert sein Vertrauen zu gewinnen, aber nun bin ich Jonghyuns engster Berater und wenn ich sage, dass er belogen wird, glaubt er mir.
    Yong ist mittlerweile aufgesprungen und hat begonnen zu schreien. Immer wieder beschimpft er mich als Verräter. Er versucht sich gegen die beiden Wachen zu wehren, aber der eine schlägt ihm einfach mitten ins Gesicht auf seine bereits gebrochene Nase. Yong zuckt vor Schmerz zusammen und fällt zu Boden. Die anderen Mitglieder der Chil Sung Pa starren ihn gebannt an. Keiner würde wagen, jetzt einzugreifen. Die Wachen packen Yong an beiden Armen und schleifen ihn nach draußen.
    Man hört ihn schreien und flehen bis es plötzlich vollkommen still wird.

    36
    Hey Leute, ich schaff's heute leider nicht mehr ein neues Kapitel hochzuladen 😓
    das kommt dann morgen um 18Uhr. Schönes Wochenende euch allen 💜



    Jonghyun hat die Versammlung aufgelöst und mich gebeten, ihm in sein Büro zu folgen, um den morgigen Angriff noch einmal durchzugehen. Eigentlich wollte er bis dahin das Spitzel gefunden und eliminiert haben, aber da dN nun geflohen ist, muss er sich etwas anderes überlegen. Vielleicht wird er auch einfach das Risiko hinnehmen, dass die Hwan Song Sung Pa von dem morgigen Überfall in Kenntnis gesetzt werden.
    Als Jonghyun mich fragt, wie Yong sich die Nase gebrochen hat, zucke ich nur mit den Schultern und meine „dN hat einen ziemlich festen Schlag, vermutlich hat sie sie ihm bei ihrer Flucht gebrochen.“
    „Die Kleine hat mehr Mut als ich dachte.“
    Ich nicke.
    Jonghyun weiß, dass ich dN bewacht habe, seitdem wir sie das erste Mal fälschlicherweise für Sheila gehalten haben. Allerdings denkt er, dass ich es für die Chil Sung Pa getan habe, obwohl ich den Auftrag von meinem Vorgesetzen in Seoul erhalten habe. Er dachte, ich wäre besonders daran interessiert, dass sie uns nicht verrät, da ich derjenige war, der dN damals in das Versteck gebracht hat und meinte wohl, ich würde sie eh bald töten. Vermutlich war er überrascht, dass sie noch lebt.
    Auch Jonghyun kann sich nicht erklären, wie dN’s Fingerabdrücke in das Versteck der Chil Sung Pa gelangen konnte, nachdem die Hwan Song Sung Pa unter der Führung Sheilas hier eingebrochen sind. Er hat mir versprochen, es herauszufinden bevor er Sheila töten würde. Aber dazu wird es nicht kommen.
    Am morgigen Tag soll ich vor allen anderen am Versteck der Hwan Song Sung Pa sein und das Zeichen für den Überfall geben. Was Jonghyun nicht weiß, ist, dass ich dort nicht allein sein werde. Circa vierzig Polizisten werden auf ihn und die Chil Sung Pa warten.
    Wir gelangen in den Gang, der zu seinem Büro führt. Als wir neben der Tür stehen, mustere ich die Wand. Ob dN den Geheimgang gefunden hat?
    Jonghyun neben mir schaut auf die Klinke. Irgendetwas stimmt nicht. Ich werde unruhig, lasse mir aber nichts anmerken und öffne ihm die Tür.
    Als er den Raum betritt, sieht er sich sofort um. Sie wird doch nicht –
    „Irgendjemand war hier“, Jonghyun läuft zu dem vergoldeten Tisch, auf dem sein iPad liegt.
    Ich versuche ihn zu beruhigen: „Niemand würde wagen, dieses Büro zu betreten.“
    „Doch. Der Bewegungsmelder ist aktiviert“, er deutet an die Decke, wo ein Kronleuchter hängt, zwischen dessen vielen Perlen eine Kamera versteckt ist.
    „Vielleicht war es nur ein Zufall und –“
    „Jackson, jemand war hier“, unterbricht mich Jonghyun ruhig. Ich kenne ihn lange genug, um zu wissen, dass ich ihm nun nicht mehr widersprechen darf.
    Mein Herz schlägt schneller. DN wird doch nicht Jonghyuns Büro betreten haben. Er entsperrt das iPad und öffnet die App, die die Aufzeichnungen des Bewegungsmelders verwaltet.
    Ein Video beginnt und man sieht, wie eine junge Frau das Zimmer betritt. Ich atme scharf ein. Mein Herz bleibt fast stehen, als ich sie erkenne. DN trägt immer noch nur mein Shirt, das ihr viel zu groß ist. Sie sieht ängstlich aus und stolpert mehr als sie geht, da ihr Fuß verletzt ist. Zuerst schaut sie sich in dem Zimmer um, dann nähert sie sich dem Tresor.
    Gebannt starre ich auf ihre Bewegungen. Nach ein paar Versuchen öffnet sich der Safe und sie nimmt eine Mappe daraus hervor. Eine Weile starrt sie auf ein Foto, dann nimmt sie die Unterlagen mit.
    Ich merke, dass Jonghyuns Blick auf mir ruht, während ich dN zuschaue, wie sie das Büro wieder verlässt. Er hat kein einziges Wort gesagt, während das Video abgespielt wurde.
    Mein Herz rast. Wie soll ich ihm das erklären?
    Das Video endet und das Bild wird schwarz.
    Langsam drehe ich mich zu Jonghyun um, bereit ihn anzulügen.
    „Woher kannte sie den Code?“, fragt er mich ruhig.
    Ich zucke mir den Schultern: „Ich weiß nicht … vielleicht von Yong?“
    „Von Yong? Soso“, er lässt sich auf einen schweren Sessel fallen und starrt mich an.
    Auch wenn Jonghyun mir vertraut, so vertraut er seinen eigenen Instinkten doch mehr. Er ist nicht dumm und zieht eins und eins zusammen.
    „Und glaubst du, dass Yong ihr auch den Auftrag gegeben hat, diese Mappe zu stehlen … oder warst vielleicht doch du das?“
    Ich schüttle meinen Kopf und mache einen Schritt zurück.
    Jonghyun streicht über die lederne Armlehne: „Du hast sie lange bewacht und viel Zeit mit ihr verbracht, da entwickelt man schnell Gefühle und … und entscheidet sich leicht für die falsche Seite.“
    Ich schlucke und überlege: Niemals schaffe ich es hier schnell genug raus.
    „Jackson“, Jonghyuns Stimme ist so leise, dass es kaum noch ein Flüstern ist „vielleicht sollten wir doch noch mal über deine Zukunft bei den Chil Sung Pa sprechen.“


    Es riecht nach Blut. Ich wache auf und sitze in vollkommener Dunkelheit. Mein ganzer Körper schmerzt und ich merke, dass mir mehrere meiner Knochen gebrochen wurden. Ich versuche mich aufzurichten und schreie vor Schmerz auf. Es riecht nach meinem Blut. Mir wird schwindelig und mein Kopf pocht. Erst jetzt bemerke ich, dass meine Füße und Hände an irgendetwas befestigt sein müssen. Aber es ist viel zu dunkel als dass ich etwas erkennen könnte. Der Geruch macht mich ganz wahnsinnig. Immer wieder schreie ich Jonghyuns Namen. Er muss mich hier wieder rauslassen. Er muss einfach.

    37
    Hey Leute, tut mir leid, dass letzte Woche kein Kapitel mehr kam. Diese Woche will ich auf jeden Fall eins hochladen.
    War bloß so im Stress, freue mich total auf die Ferien. Nur noch zwei Wochen 😍😍
    Ich glaube, andere Bundesländer haben schon Ferien 🤔
    Also habt eine schöne Zeit, bis bald 🧡





    Deine Sicht
    Du bretterst auf den Parkplatz der Polizeistation in Busan. Sofort springst du aus dem Jeep und rennst auf den Eingang zu. Deine Füße schmerzen von den Wunden und du beißt die Zähne zusammen, damit du nicht anfängst zu weinen.
    Du reißt die Tür auf und fällst beinahe zu Boden. Sofort kommen dir Polizisten zu Hilfe, aber du stößt sie weg und schreist nach Kia und Taehyung. Hoffentlich sind sie da.
    Juhee biegt um die Ecke und sobald sie dich erkennt, reißt sie ihr Augen auf und rennt zu dir, aber auch mit ihr willst du nicht sprechen.
    Eines deiner Beine gibt von den Schmerzen nach und du knickst ein, doch bevor du zu Boden fallen kannst, fängt Juhee dich auf.
    Endlich kommt nun auch Kia um die Ecke gerannt, die deine Schreie gehört hat.
    „DN! … warum hast du nichts an? Ist das Jacksons Shirt?“ Ist das etwa das erste, was ihr auffällt?
    „Kiki, die Chil Sung Pa … und Jackson … er ist doch einer von den Guten … aber sie wollen morgen die Hwan Song Sung Pa angreifen … die Pläne“, stottere ich und halte die Mappe in die Höhe.
    Für einen kurzen Moment wird dir vor Aufregung schwarz vor Augen und als du wieder zu dir kommst, tragen Taehyung und Juhee dich zusammen in ein kleines Zimmer, in dem eine Liege steht. Es muss ein Sanitätsraum sein, denn alles ist weiß und sieht steril aus.
    Du beginnst zu schreien. Hier kannst du auf keinen Fall bleiben. Die Erinnerungen an den weißen Raum im Versteck der Chil Sung Pa kommen hoch und du reißt dich aus den Armen von Taehyung los, drehst dich zur Seite und übergibst dich.
    „Bitte nicht hier“, flüsterst du.
    Kiki streicht dir über deinen Kopf und nimmt dich in den Arm. Vorsichtig zieht sie dich wieder in die Höhe und führt dich in ein anderes Zimmer.

    Ein paar Minuten später hast du dich wieder ein wenig beruhigt. Du sitzt auf einem gemütlichen Sofa in einem schönen Raum, der wie ein Besprechungszimmer aussieht. Deine Wunden werden von einem Sanitäter versorgt, du konntest deinen Mund ausspülen, hast eine warme Decke bekommen und nippst jetzt an einer heißen Schokolade.
    Langsam beginnst du von den Ereignissen zu erzählen, die geschehen sind seit Yong und dieser andere Typ einfach bei Jackson und dir im Appartement aufgetaucht sind.
    Taehyung, Kiki, Juhee und drei andere Männer hören dir aufmerksam zu. Alles, was du sagt, wird aufgezeichnet. Als du von dem Gespräch mit Jonghyun erzählst, musst du stoppen. Nur der Gedanke an ihn, löst bei dir erneut ein Gefühl der Übelkeit aus. Kia nimmt deine Hand und du setzt die Erzählung fort. Du berichtest von jedem kleinsten Detail, an das du dich erinnern kannst – außer, dass Jackson dich geküsst hat.
    Als du fertig bist, füllt Schweigen den Raum.
    Einer der unbekannten Männer öffnet die Mappe und inspiziert die Karte.
    „In der Tat wissen wir bereits von dem geplanten Überfall auf die Hwan Song Sung Pa. Dort wollen wir die Mitglieder beider Gangs festnehmen bevor ein Bandenkrieg ausbricht.
    Dir klappt die Kinnlade runter. Sie wissen bereits davon?
    Der Mann reicht die zwei Fotos an seinen Kollegen weiter: „Finden Sie heraus, wer die Personen auf den beiden Fotos sind.“
    Du musterst den Unbekannten. Dir fällt erst jetzt auf, dass die anderen gebührend Abstand von ihm halten und seinem Blick ausweichen.
    Kurz zögerst du. Ach, was soll’s? „Wer sind Sie?“
    Der Mann lächelt dich an. Es ist ein freundliches und aufrichtiges Lächeln: „Ich bin der Vorsitzende der Korean National Police Agency und leite die Polizeistation in Seoul.“
    Du zuckst zusammen: „Sie sind Jackson’s Chef?“




    Am Samstag kommt hier der weitere Teil
    😊



    Als alle außer Kia, Juhee und Taehyung den Raum verlassen haben, atmest du erleichtert aus.
    Kia umarmt dich: „DN, ich bin so froh, dass du da wieder heil rausgekommen bist. Ich habe mir solche Sorgen gemacht“, sie wischt sich Tränen aus den Augen „und ich bin so stolz darauf, wie mutig du warst. Wie eine echte Polizistin“, sie kichert.
    Schwach lächelst du sie an; du bist sehr müde, aber die Angst und Aufregung der letzten Tage halten dich wach.
    Juhee schaut aus dem Fenster, sie sieht sehr ernst aus.
    Taehyung mustert dich und Kia, dann sagt er: „Also hatte ich doch recht und Jackson hat nie gegen die Regeln verstoßen … er hat gute Polizeiarbeit geleistet.“
    „Pah“, Juhee dreht sich ruckartig zu euch um „glaubst du das wirklich? Dass er nicht gegen die Regeln verstoßen hat? Was denkst du, musste er alles tun, um Jonghyuns Vertrauen zu gewinnen?“, sie stößt Taehyung gegen die Brust und er weicht ein paar Schritte zurück „Man wird nicht einfach so Nachfolger des Chefs einer der gefährlichsten Gangs Koreas“, böse funkelt sie Taehyung an, der ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt hat.
    Doch sie stößt ihn erneut weg, murmelt „was muss er nur alles getan haben, um diesen Titel zu erhalten“ und stürmt aus dem Raum.
    Geschockt starrst du ihr nach. Darüber hast du noch überhaupt nicht nachgedacht. Sofort beginnen die Zweifel an dir zu nagen, doch Taehyungs Worte beruhigen dich, als er sagt: „Jackson würde nie einem Unschuldigen wehtun. Ich bin mir sicher, dass er nichts falsches gemacht hat. Juhee ist nur sauer, dass Jacksons Chef ihr nicht anvertraut hat, dass er doch noch mit Jackson in Kontakt steht.“
    Kia nickt zustimmend.
    Du atmest erleichtert aus. So wird es sein.

    Kias Sicht
    Ich stehe mit circa vierzig anderen Polizisten vor dem Versteck der Hwan Song Sung Pa. Wir haben die riesige Halle umzingelt, in der angeblich Autoteile hergestellt werden. Von außen sieht es tatsächlich wie eine gewöhnliche Werkstatt aus; die eigentlichen Räume der Hwan Song Sung Pa müssen im Untergrund liegen.
    Meine Augen liegen auf Jacksons Chef, der jeden Moment das Zeichen geben sollte, auf das hin die Hälfte von uns das Versteck stürmen wird.
    Taehyung hat versucht, mich zu überreden, in der Polizeistation zu bleiben, aber ich habe darauf bestanden mitzugehen und letztendlich hat er – nach Absprache mit seinen Vorgesetzen – zugestimmt. Allerdings darf ich die Halle nicht betreten, sondern dem Einsatz nur von außen zu sehen.
    DN ist wieder in Taehyungs Wohnung und hat mehrere Beruhigungstabletten eingenommen, sodass sie nun tief und fest schläft. Ich bin sehr froh und vor allem erleichtert, dass sie nun in Sicherheit ist. Mehrmals habe ich über Juhees Worte nachgedacht: Man wird nicht einfach so Nachfolger des Chefs einer der gefährlichsten Gangs Koreas.
    DN hat nur allzu gern Taehyungs Worten geglaubt, dass Jackson sicherlich nie gegen die Regeln verstoßen hat. Ich bin davon nicht wirklich überzeugt. Auch wenn sie es nicht gesagt hat, bin ich mir sicher, dass dN sich Hals über Kopf in Jackson verliebt hat. Sollte er tatsächlich Angelegenheiten für Jonghyun geregelt haben, die gegen sein Gelübde als Polizist sprechen, wird sie am Boden zerstört sein. Ich seufze und konzentriere mich wieder auf den Einsatz.
    Direkt vor mir steht Juhee; sie hat ihre Haare zu einem Pferdeschwanz hoch gebunden und ihre helle Haut am Hals leuchtet im Dunkeln. Hatte sie da nicht mal ein Tattoo? Doch bevor ich ihren Nacken genauer betrachten kann, gibt Jacksons Chef das Zeichen und sie rennt mit den anderen los.
    Mein Puls geht in die Höhe.
    Ich warte auf Schüsse. Auf Geschrei. Auf irgendwas. Aber es bleibt stumm. Die Minuten vergehen und ich werde unruhig. Sollte nicht bald etwas passieren?

    Taehyung kommt als erster zurück. Er taumelt aus der Halle. Sein Gesicht ist weiß, ihm steht der Schweiß auf der Stirn. Er ist zwar unverletzt, aber ich habe ihn noch nie so fertig gesehen. Mein Herz schlägt noch schneller.
    „Was ist los?“
    „Kiki … sie sind –“, er beendet seinen Satz nicht, sondern krümmt sich zusammen und würgt. Seine Hände auf die Knie gestützt steht er zitternd vor mir.
    Ich schaue mich um. Auch die anderen Polizisten, die aus der Halle kommen, sehen nicht gerade besser als Taehyung aus.
    Einer fällt auf die Knie und vergräbt sein Gesicht in den Händen.
    Stolpernd laufe ich in Richtung Eingang.
    „Kiki … bitte, bleib hier“, ruft mir Taehyung nach, aber ich laufe einfach weiter und werde immer schneller.
    Plötzlich hält mich eine Hand fest. Es ist die von Jacksons Chef.
    „Mädchen, geh da nicht rein. Das ist nichts für schwache Nerven.“ Ich starre ihn an.
    Im Augenwinkel nehme ich wahr, wie Taehyung näherkommt.
    Der Mann nickt mir zu, lässt mich los und geht zu einem anderen Polizisten, um mit ihm etwas zu besprechen.
    Bevor mich Taehyung erreichen kann, schlüpfe ich durch den Eingang und betrete die Halle. Sie ist nur spärlich beleuchtet. Überall stehen Fließbänder. Die Materialen müssen ihren Geruch hinterlassen haben, denn die Luft ist schwer und riecht metallisch.
    Hinter mir höre ich Taehyung nach mir rufen, aber ich gehe immer weiter in den Raum hinein. Es ist dunkel und ich sehe kaum, wo ich hinlaufe. Wo sind nur alle?
    Plötzlich stolpere ich und muss mich an einem Fließband abfangen. Was war das? Ich drehe mich um und zucke zusammen. Am Boden liegt ein Mann, dessen Schädel zertrümmert wurde. Mein Atem stockt. Darauf war ich nicht vorbereitet. Noch nie habe ich einen Toten gesehen. Ich weiche zurück und spüre erneut etwas an meinem Fuß.
    Die nächste Leiche liegt am Boden. Der Junge kann kaum älter sein als ich. Seine Brust ist zerfetzt. Seine Augen starren mich an. Aber sie nehmen mich nicht wahr. Ich stolpere weiter.
    Mein Atem geht wieder schnell, mir wird schwindelig. Dann sehe ich schon den nächsten Toten.
    Hände fassen mich und Taehyung zieht mich zu sich heran. Ich vergrabe mein Gesicht in seiner Brust. Nun verstehe ich auch den metallischen Geruch. Es ist der Geruch von Blut.
    Meine Hände zittern und Taehyung umarmt mich fester. „Wir müssen hier raus“, flüstert er.
    „Sind sie alle –“, schluchze ich, aber kann meine Frage nicht beenden.
    Taehyung nickt: „Sie sind alle tot. Wir sind zu spät.“

    38


    Deine Sicht
    Du blinzelst und öffnest langsam deine Augen. Es dauert ein paar Momente bis du dich an die Helligkeit gewöhnst und realisierst, wo du bist. Vorsichtig rappelst du dich von Taehyungs Couch auf und setzt dich aufrecht hin. Langsam streckst du deine Arme und reibst dir den Schlaf auf den Augen. Du bemerkst Stimmen im Hintergrund; Kiki und Taehyung unterhalten sich leise in der Küche. Dein Kopf pocht von all den Schmerzmitteln, die du bekommen hast, aber als du dich konzentrierst, verstehst du was sie sagen.
    „Sie können das doch nicht von ihr verlangen?“, flüstert deine Freundin.
    „DN ist die einzige, die ihn gesehen hat. Nur sie kann eindeutig sagen, ob er es ist.“
    „Was ist mit Jackson? Er kennt Jonghyun viel besser als sie.“
    „Aber wir wissen immer noch nicht, wo er ist“, antwortet Taehyung energisch „sie muss es machen.“
    „DN ist noch viel zu schwach! Und traumatisiert. Wir können ihr das nicht antun“, Kikis Stimme wird lauter.
    „Vielleicht sollten wir sie einfach selbst fragen?“
    „Was wollt ihr mich fragen?“, hakst du nach und betrittst die kleine Küche.
    Die beiden zucken zusammen und drehen sich sofort zu dir um.
    „Du … du bist ja wach“, stottert Kia „waren wir zu laut?“
    Du schüttelst deinen Kopf.
    Taehyung gießt dir Kaffee in eine Tasse und reicht sie dir.
    Dankend nimmst du sie an und fragst erneut: „Was wollt ihr mich fragen?“
    Die beiden wechseln Blicke und Kia schaut betreten zu Boden: „Ich bin dagegen.“
    „Gegen was?“, du wirst langsam unruhig.
    „DN, gestern sollten wir doch das Versteck der Hwan Song Sung Pa stürmen, sobald die Chil Sung Pa bei ihnen sind –“, beginnt Taehyung, aber du unterbrichst ihn „das war schon gestern? Wie lange habe ich denn geschlafen?“
    Kia zuckt mit ihren Schultern: „An die dreißig Stunden.“
    „Dreißig?“, geschockt lässt du dich auf den Stuhl fallen.
    Deine Freundin versucht dich zu beruhigen: „Das ist ganz normal. Du hast eine extreme Stresssituation hinter dir und einige Beruhigungsmittel eingenommen.“
    Taehyung nickt zustimmend: „Du hast den Schlaf gebraucht.“
    Du schaust auf deine Kaffeetasse, dann fällt dir wieder ein, was das bedeutet: „Und habt ihr sie alle geschnappt? Auch Jonghyun? Ist Jackson nun endlich mit seinem Undercover-Einsatz fertig? Darf ich wieder nach Hause?“
    Betretenes Schweigen. Wieder schauen sich die beiden an.
    Was bedeutet das?
    In deiner Brust breitet sich ein beklemmendes Gefühl aus.
    „Was ist passiert?“, flüsterst du.
    Kia dreht sich von dir weg, aber du kannst die Tränen noch in ihren Augen sehen. Das Atmen fällt dir schwerer.
    „Taehyung“, du wendest dich ihm zu „sag mir, dass es Jackson gut geht!“
    Er weicht deinem Blick aus und du springst von deinem Stuhl hoch: „Wo ist er? Ich muss ihn sehen! Wo ist Jackson?“
    „Wir wissen es nicht“, Taehyungs sonst so ruhige Stimme zittert.
    „Was heißt das?“, du starrst ihn an.
    „Er war nicht in dem Versteck“, meint Kia. Sie hat sich wieder ein wenig gefangen.
    „Aber … aber sollte er nicht bei euch Polizisten sein?“
    Taehyung zuckt traurig mit den Schultern: „Er war nicht bei dem Einsatz dabei. Diesmal hat sein Chef tatsächlich nichts mehr von ihm gehört. Zumindest …“, er schluckt „zumindest war er nicht bei den Toten da-“
    „Toten? Welche Toten?“, du wirst hysterisch.
    Kia versucht dich zu beruhigen, aber du stößt sie zur Seite. Dabei stolperst du nach hinten und dir wird kurz schwindelig. Die Medikamente müssen immer noch wirken. Du hältst dich keuchend an dem kleinen Küchentisch fest. Besorgt schaut Kiki dich an: „DN, vielleicht solltest du dich noch einmal hinlegen. Du wirkst noch sehr schwach.“
    Energisch schüttelst du deinen Kopf. Sofort wird dir schwindelig und vor deinen Augen tanzen schwarze Punkte. Du lässt dir von Taehyung auf das Sofa helfen, wo du dich zu einer kleinen Kugel zusammenrollst.
    Kia setzt sich neben dich und streichelt dir über den Rücken. Erst jetzt bemerkst du, dass du zitterst.
    „Wer ist tot?“, fragst du verzweifelt.
    Kia zögert, dann spricht sie langsam und vorsichtig: „Als wir gestern bei dem Einsatz die Halle der Hwan Song Sung Pa gestürmt haben, waren alle …“, sie zögert „alle waren tot.“
    Du willst dich zu ihr umdrehen, aber deine Glieder fühlen sich zu schwer an, also greifst du nach ihrer Hand. Deine Freundin drückt sie vorsichtig und einen Moment schweigt ihr.
    Taehyung, der sich auf den Boden neben euch gesetzt hat, unterbricht die Stille: „Anscheinend wurden nur Mitglieder der Chil Sung Pa getötet. Wir sind uns aber noch nicht sicher, die Untersuchungen haben ja erst begonnen. Aber das spricht stark dafür, dass es tatsächlich ein Spitzel innerhalb der Reihen der Chil Sung Pa gibt, der die Hwan Song Sung Pa vor dem Angriff gewarnt hat.“
    Du nickst schwach. Die Nachrichten schocken dich, aber Wirkung der Beruhigungsmittel hält immer noch an. Du spürst dein Herz in deiner Brust schlagen, aber es fühlt sich an, als wäre es von einer anderen Person. Alles um dich herum wird dunkler und du kannst dich kaum noch auf Taehyungs Worte konzentrieren.
    „DN, Jacksons Chef denkt, dass auch Jonghyun getötet worden ist.“ Du willst deinen Kopf drehen, um ein Anzeichen zu geben, dass du ihm noch zuhörst, aber du bist zu erschöpft.
    Taehyung fährt fort: „Jetzt da Jackson nicht aufzufinden ist, will er dich bitten, Jonghyuns Leiche zu identifizieren.“
    Du murmelst zustimmend bevor du überhaupt realisierst, was das bedeutet und verschwindest ins Land der Träume.



    Am nächsten Morgen sitzt du frisch geduscht und neu eingekleidet auf einer Sitzbank vor der pathologischen Station des Polizeireviers in Seoul. Taehyung hat dich begleitet. Kia ist nicht mitgekommen, da sie keinen weiteren Tag von der Berufsschule fehlen durfte.
    „Sobald du erkennst, dass es Jonghyun ist, sagst du es dem Arzt und dann darfst du sofort wieder gehen. Das ist nur eine formelle Sache, da du die Einzige bist, die ihn tatsächlich gesehen hat. Jacksons Chef kennt ihn schließlich nur von Bildern.“
    Du nickst. Ich will ihn eh nicht länger als nötig anschauen.
    Dein Name wird aufgerufen und du stehst auf.
    Taehyung lächelt dich aufmunternd an und du folgst dem Mann, der dich gerade gerufen hat.
    Ihr betretet einen eiskalten Raum, in dem alles grau ist und die Wände Fächer haben. Werden dort die Leichen aufbewahrt?
    Der Unbekannte, der anscheinend der Pathologe selbst ist, mustert dich: „Hast du was gefrühstückt, Kleine?“
    Du zuckst zusammen, weil dich der Ausdruck sofort an Yong erinnert. Schnell schüttelst du deinen Kopf. Du hast keinen Bissen runterbekommen.
    „Besser so, das ist kein schöner Anblick.“
    Er deutet dir, dich neben ihn zu stellen und zieht eine Liege aus einem der Fächer der grauen Wand. Die Person, die darauf liegt, ist von einem weißen Tuch bedeckt. Du betrachtest die Umrisse. War Jonghyun tatsächlich nur so klein?
    Der Pathologe räuspert sich: „Ich werde dir nur den Kopf zeigen, okay? Der Körper ist … ist zu verunstaltet. Das musst du nicht sehen.“
    Du nickst.
    Langsam zieht er das Tuch zur Seite. Sofort erkennst du Jonghyun. Trotz des Bluts. Trotz der Verletzungen. Trotz der ausgestochenen Augen.
    Du starrst ihn an. Den Mann, der dir solche Angst gemacht hat. Den Anführer der gefährlichsten Gang Koreas. Nun vollkommen machtlos.
    „Und ist es Jonghyun?“, fragt der Pathologe ungeduldig.
    Bevor du antwortest, taucht vor deinem inneren Auge noch einmal das Foto von Jonghyun als kleines Kind auf, wie er weinend in den Armen seiner Mutter liegt. Du verdrängst dieses unschuldige Bild von ihm und räusperst dich. Mit fester Stimme sagst du: „Das ist eindeutig Jonghyun.“
    Der Pathologe nickt: „Sehr gut. Sie können nun gehen.“ Nun siezt er mich?
    Schnell verlässt du den Raum und steuerst auf den Ausgang der Polizeistation zu. An einem Mülleimer bleibst du stehen und würgst bei der Erinnerung an Jonghyuns ausgestochene Augen, aber du kannst dich nicht übergeben.
    Also läufst du weiter. Vorbei an Taehyung, der dir nachruft, wo du hinwillst. Du ignorierst ihn und verlässt das Polizeirevier. Als du draußen bist, hältst du kurz inne und atmest tief durch. Dann läufst du weiter. Ich muss Jackson finden.




    Hey Leute, da ich bald in den Urlaub fahre, wird das erstmal das letzte Kapitel sein. Das nächste kommt wahrscheinlich erst so am 10. August. Bis dahin könnt ihr aber gerne die Geschichte noch einmal lesen, weil in den nächsten Kapiteln viel aufgeklärt wird und ich schon einige Hinweise gegeben habe. 😊 Vielleicht habt ihr die aber auch alle schon bemerkt. Also bis bald. Wünsche euch allen eine schöne Zeit 🤗💚

    39

    Hey Leute, ich bin zurück. 🙌 Jetzt sollten die Kapitel wieder regelmäßig kommen. Viel Spaß beim Lesen! 🤗


    Du biegst um die Ecke und fährst auf den Parkplatz vor dem riesigen Haus, in dem du und Jackson noch vor ein paar Tagen zusammen gewohnt habt. Mittlerweile kommt dir das alles wie eine Ewigkeit vor.
    Die Sorgen um ihn machen dich fast wahnsinnig.
    Nachdem du Jonghyuns Leiche identifiziert hast, bist du zu deinen Eltern nach Hause. Erst hat deine Mutter angefangen zu weinen, dann du und zuletzt auch dein Vater. Erst aus Freude, dann aus Angst um dich und zuletzt aus Schock darüber, was dir passiert ist. Beide haben bereits von den Toten in der Zeitung gelesen. Zuerst haben sie den Artikel übersehen. Es wurden nur wenige Zeilen darüber geschrieben, dass letzten Samstag jedes Mitglied der gefährlichsten Gang Koreas brutal ermordet wurde. Bei dem Gedanken daran wird dir schlecht. Wirklich jedes Mitglied? Was ist mit Jackson?
    Vermutlich wollte der Polizeichef den Medienrummel so gering wie möglich halten und hat deswegen kaum Informationen über den Vorfall herausgegeben. Nur so kannst du dir erklären, warum nicht mehr darüber berichtet wird.
    Nach dem Gespräch mit deinen Eltern hast du dir den Wagen von deinem Vater ausgeliehen und bist sofort nach Seoul gefahren. Du musstest mehrmals anhalten, um dich zu beruhigen und tief durchzuatmen.
    Deine Hände zittern am Lenker, als du einparkst. Du bist dir nicht ganz sicher, warum du hier bist.
    Aber du wusstest auch nicht, wo du sonst anfangen solltest, nach Jackson zu suchen.
    Juhee hat dir die Schlüssel für das Appartement gegeben.
    Du steigst in den Aufzug und fährst in den einundzwanzigsten Stock. Vor der Wohnungstür hältst du kurz inne, aber als du keine Geräusche aus dem Appartement hörst, hältst du Luft an und drehst den Schlüssel herum. Das Schloss klickt und die Tür geht auf.
    Juhee meinte, dass du nichts mitnehmen oder verändern darfst, weil die Wohnung auf Spuren untersucht wird, falls Jackson nicht in den nächsten Tagen auftauchen. Schließlich ist das sein letzter Wohnort.
    Langsam gehst du durch das Appartement und schaust in jedes Zimmer. Keine Spur von Jackson. Alles sieht so aus wie an dem Morgen, als Yong und dieser andere Typ hier einfach aufgetaucht sind.
    Letztendlich stehst du vor Jacksons Raum. Du atmest tief durch und betrittst das Zimmer. Es riecht nach ihm und du bist den Tränen nah, doch versucht dich noch zusammen zu reißen. Du schaust dich genau um, aber alles was dir auffällt, ist, dass sein Lapotop nicht mehr da ist. Vermutlich hat er den in das Versteck der Chil Sung Pa mitgenommen. Schließlich waren dort alle Daten für den geplanten Überfall auf die Hwan Song Sung Pa gespeichert.
    Du drehst dich im Kreis, doch auch hier findest du nichts, was auf Jacksons Aufenthalt schließen könnte.
    Wo ist er nur?
    Verzweifelt setzt du dich aufs Bett. Die Hilfslosigkeit überrennt dich und du lässt dich auf die Matratze fallen. Eine Weile starrst du an die Decke, dann vergräbst du dein Gesicht im Kissen und beginnst zu weinen.


    Kias Sicht
    „Und wenn ich’s dir doch sage, die roten sind viel besser als die grünen“, meint ein Mädchen, das mit mir in dieselbe Klasse geht.
    Wir haben gerade eine kurze Pause bevor es mit der nächsten Stunde weitergeht und stehen draußen, um ein wenig frische Luft zu schnappen.
    „Überhaupt nicht, die sind viel zu süß“, erwidert ein anderes Mädchen.
    Ich höre den beiden kaum zu. Mich interessiert ihre Diskussion auch nicht, welche Gummibärchen denn nun die schmackhaftesten sind. Meine Gedanken schweifen immer wieder ab. Zu Jackson, zu dN und zu Taehyung.
    Ich höre Kreischen und drehe mich auf.
    Ein dunkles Auto ist plötzlich auf den Pausenhof gefahren und hat dabei beinahe eine Mülltonne gestreift bevor es quietschend zum Stehen gekommen ist.
    „Wer ist das?“, fragt eine der beiden Klassenkammeraden mit großen Augen.
    DN steigt aus dem Wagen aus und mir fällt die Kinnlade herunter. Was macht sie hier?
    „Spinnt die? Die kann doch nicht hier einfach parken?“, meint die andere.
    „Kann sie nicht?“, ich lache und laufe auf dN zu.
    Eine ruft mir noch nach: „Die darf hier aber nicht stehen bleiben; das ist nicht erlaubt.“
    Ich ignoriere sie und gehe einfach weiter.
    „Irgendwie dachte ich, dass hier weniger Leute sind. Aber egal“, dN zuckt mit den Schultern bevor sie mich zur Begrüßung umarmt. Dann deutet sie mir, mich auf den Beifahrersitz zu setzen.
    Ohne zu überlegen, setze ich mich sofort ins Auto.
    DN steigt ebenfalls in den Wagen und lässt den Motor an. Seufzend sagt sie: „Jackson war nicht in dem Appartement und ich habe auch nichts gefunden, was mir weiterhelfen würde.“
    Ich mustere sie. Sie sieht entschlossen aus. Und mutig. Ich bin sehr stolz auf sie.
    „Und was machen wir jetzt?“, frage ich.
    DN legt den Rückwärtsgang ein, dann sieht sie mich an: „Was machen wir sonst immer, wenn wir nicht weiterkommen?“
    Ich grinse: „Wir fragen Sora.“
    DN nickt „genau“, tritt aufs Gas und fährt mit einer Geschwindigkeit, die ich ihr niemals zugetraut hätte, rückwärts aus dem Pausenhof.


    Jacksons Sicht
    Wie lange bin ich schon hier? Stunden? Oder doch schon Tage? Ich habe mein Zeitgefühl vollkommen verloren. Meine Hand- und Fußgelenke sind durch die Fesseln aufgerieben und entzündet. Meine Beine spüre ich kaum noch. Immer öfter werde ich bewusstlos und wache dann schreiend wieder auf.
    Es gibt keinen Ausweg. Niemand wird mich hier finden. Dafür hat Jonghyun gesorgt. Niemand würde es wagen, seine Dunkelkammer zu betreten.
    Irgendwann habe ich draußen mal Schritte gehört und angefangen, um Hilfe zu schreien, aber es hat mich niemand gehört. Natürlich nicht. Hier ist alles schalldicht.
    Ich komme hier nicht mehr raus. Nie mehr. Mein Hals ist trocken – ich brauche Wasser – und das Knurren meines Magens nehme ich schon gar nicht mehr wahr. Mittlerweile bin ich so schwach, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen kann. Nur dN’s Gesicht taucht immer wieder vor meinem inneren Auge auf.
    Zumindest weiß ich, dass sie es hier rausgeschafft hat. Hoffentlich ist sie in Sicherheit bei Taehyung.
    Mal wieder bin ich dabei, in die Dunkelheit abzuschweifen, als mich auf einmal ein neuer Schmerz durchfährt. Es dauert Minuten bis ich zuordnen kann, woher es kommt.
    Es ist das Licht. Plötzlich ist es viel zu hell geworden und meine Augen, die nur noch an die Dunkelheit gewohnt waren, halten es kaum aus.
    Vor mir taucht eine Person auf. Kann das sein? Ich bin mir nicht sicher, ob ich halluziniere.
    Sie kommt immer näher und beugt sich zu mir herunter, sodass ich ihr Gesicht sehen kann. Ich erkenne ihre Züge. Hoffnung durchströmt mich.
    Ich werde dN wiedersehen.
    „Du…“, meine Stimme bricht ab. Ich bin viel zu schwach, um zu sprechen.
    Sie richtet sich wieder auf und wendet sich meinen Fesseln zu. Vorsichtig löst sie sie. Woher hat sie den Schlüssel? Alles passiert sehr schnell, aber ich brauche eine Ewigkeit, um zu verarbeiten, was gerade geschieht. Sie beugt sich wieder zu mir herunter. Ohne ihre Hilfe werde ich nicht aufstehen können.
    „DN“, bringe ich gerade so heraus.
    „Willst du sie wiedersehen?“
    Ich nicke. Natürlich.
    „Dann musst du noch eine Weile warten.“
    Ich verstehe nicht.
    „Wir werden jetzt erstmal woanders hingehen“, sie spricht so schnell. Oder bilde ich mir das nur ein?
    „Wohin?“, flüstere ich.
    Sie lacht kurz auf: „Ich bringe dich zu Baekhyun.“
    Ich weiß nicht, wie lange es dauert bis ich realisiere, was sie soeben gesagt hat.
    „Du … du bist …“, keuche ich.
    Sie nickt: „Sheila.“


    40

    Deine Sicht
    Ihr sitzt in Soras Zimmer und deine Freundin steht vor einer großen Tafel, auf der sie euch früher Matheprobleme erklärt hat und auf der jetzt mehrere Namen stehen. In der Mitte mit großen roten Buchstaben ist JACKSON geschrieben.
    Auf dem Weg zu Sora hat Kiki sie bereits angerufen und sie auf den neuesten Stand gebracht. Innerhalb von Sekunden hat Sora die Lage durchblickt und versprochen, euch zu helfen.
    Es war seltsam, ihr Haus zu betreten, obwohl du schon tausendmal dort warst.
    Alles hier ist so friedlich, so unschuldig. Du hast das Gefühl, diese Ruhe durch deine Probleme zu zerstören und fühlst dich sehr unwohl. So als würdest du nicht mehr hierher gehören.
    Sogar auf dem Sofa in dem Zimmer deiner Freundin zu sitzen, auf dem du schon so oft übernachtet hast, verunsichert dich.
    Sora starrt kopfschüttelnd auf die Tafel, die mit Strichen und Pfeilen übersäht ist: „Da lässt man euch mal ein paar Wochen allein und dann sowas…“, sie seufzt „also noch einmal kurz zusammengefasst: Jackson ist verschwunden, obwohl er an dem Überfall auf die Hwan Song Sung Pa teilnehmen sollte, der eigentlich nur als Vorwand diente, damit die Polizei sowohl die Hwan Song Sung Pa als auch die Chil Sung Pa festnehmen konnte. Wozu es nicht gekommen ist, weil zuvor alle Mitglieder der Chil Sung Pa getötet worden sind. Vermutlich von den Hwan Song Sung Pa, aber das wissen wir nicht sicher“, sie hält kurz inne, während sie ein weiteres Wort auf die Tafel schreibt „allerdings haben sowohl Jackson, also auch Jonghyun – der Anführer der Chil Sung Pa – von einem Spitzel in den eigenen Reihen gesprochen. Wahrscheinlich hat er die Hwan Song Sung Pa über den geplanten Angriff informiert, woraufhin diese sich dann auf den Überfall vorbereitet haben und … sagen wir mal, sich zur Wehr setzten“, sie zuckt mit den Schultern und seufzt erneut „aber auch das können wir nicht mit Sicherheit sagen.“
    Sora tritt zur Seite und du erkennst das neue Wort an der Tafel: SPITZEL
    „Soweit sind wir auch gekommen“, meint Kiki „aber wann in diesem ganzen Drama“, sie deutet auf die Pfeile „ist Jackson verschwunden? Und vor allem wohin? War er bei dem geplanten Überfall dabei und ist danach abgehauen oder hat er diese Halle überhaupt jemals betreten? Und warum sollte er denn Kontakt zu seinem Vorgesetzen abbrechen?“, sie lässt sich tiefer ins Sofa sinken und streicht sich die roten Locken aus dem Gesicht.
    Sora schweigt und starrt auf die Tafel, dann dreht sie sich plötzlich zu dir um: „Vertraust du ihm, dN?“
    Sofort nickst du: „Vollkommen.“
    Kia neben dir verdreht ihre Augen: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihm wirklich vollkommen vertrauen können.“
    Böse starrst du sie an.
    Sie zuckt mit ihren Schultern: „Tut mir leid, dN, aber du bist total in ihn verknallt. Du kannst nicht mehr klar denken, geschweige denn urteilen. Was ist zum Beispiel mit der Tatsache, dass er sich einfach Zugang zu deinem Zimmer verschafft hat, um dir das Handy zurückzubringen? Das hätte er nicht machen dürfen. Jemand von der Polizeistation in Busan hätte es dir wiedergeben müssen. Da hat Jackson einfach auf eigene Faust gehandelt. Oder als er deine Kontobewegungen nachverfolgt hat, um rauszufinden, wo du dich gerade befindest. Oder..“
    „Ja ja, ich hab schon verstanden. Trotzdem glaube ich, dass wir ihm vertrauen können. Er … er wollte das alles nur schnell hinter sich bringen und die Chil Sung Pa verlassen.“
    „Ja, aber zu welchem Preis?“, fragt Sora.
    „Wie meinst du das?“, hakst du leicht genervt nach.
    Deine Freundin schweigt und starrt auf die Tafel. Dann nimmt sie die Kreide in die Hand und zieht einen Strich zwischen zwei Wörtern.
    JACKSON und SPITZEL.
    „Ist das jetzt dein Ernst, Sora?“, langsam wirst du wütend. „Jackson würde nie für die Hwan Song Sung Pa spionieren. Er…“
    „Warum nicht?“, unterbricht dich Kia „vielleicht dachte er, so würde er ihr Vertrauen gewinnen und könnte am Schluss beide Gangs problemlos verhaften.“
    Du schüttelst deinen Kopf: „Nein! Das hätte er mir sicherlich gesagt“, du ballst deine Hände zu Fäusten „und außerdem – er hatte ja schon einen Plan, wie er diesen Bandenkrieg beenden konnte. Schließlich sollte in dieser Halle eigentlich niemand getötet werden.“
    Bevor Kia etwas erwidern kann, hebt Sora ihre Hand und bringt sie zum Schweigen. Sofort konzentriert ihr euch auf sie: „Ich weiß nicht, was es Jackson genutzt hätte für die Hwan Song Sung Pa zu spionieren. Er hatte ja bereits eine hohe Position innerhalb der Chil Sung Pa, sogar Jonghyun hat ihm vertraut. Warum sollte er dann Informationen an die Hwan Song Sung Pa weitergeben?“
    Du nickst zustimmend und auch Kia widerspricht nicht.
    „Aber es ist schon ein wenig seltsam“, murmelt Sora und dreht sich wieder der Tafel zu.
    „Was meinst du?“, fragst du zögernd.
    „Naja … es gab anscheinend jemanden, der den Hwan Song Sung Pa verraten hat, dass ein Überfall auf sie geplant war. Sie bereiten sich also auf den Angriff vor und töten jeden Einzelnen der Chil Sung Pa … bis auf Jackson. Er war nicht bei den Toten dabei.“
    „Was willst du damit sagen, Sora?“, flüsterst du.
    Deine Freundin geht einen Schritt zur Seite, sodass du freien Blick auf die Tafel hast: „Warum sollten sie ausgerechnet Jackson am Leben lassen?“
    Du starrst erst Sora an, dann wandern deine Augen zu den roten Buchstaben, die durch einen Pfeil miteinander verbunden sind. SPITZEL und JACKSON.
    Kann das wirklich sein?



    Hey Leute 🤗 am MITTWOCH wird es einen LESETAG geben!
    Ich beginne um zwölf und lade dann im zwei Stunden Takt Kapitel hoch. Bis dann ❤

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1553214058
Doppelgänger / BTS - Got7 - Fanfiktion (V, Jac...
Doppelgänger / BTS - Got7 - Fanfiktion (V, Jac...
Eigentlich wolltest du nur einen harmlosen Ausflug nach Seoul machen, doch du wirst von deinen Freunden getrennt und mit der Geliebten eines der größten Drogendealers Koreas verwechselt…
https://www.testedich.de/quiz59/quiz/1553214058/Doppelgaenger-BTS-Got7-Fanfiktion-V-Jackson
https://www.testedich.de/quiz59/picture_veeseo/pic_1553214058_35.jpg
2019-03-22
40HC
Bangtan Boys, BTS

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (98)

autorenew

Gestern
@Chimchim @Kookie♡ du nervst gar nicht! Am Mittwoch kommen neue Kapitel. Tut mir leid, dass ich lange nicht mehr geschrieben hab 😞 habe ja eigentlich Ferien und dachte, dass ich da mehr schreiben kann. Aber irgendwie mache ich jeden Tag was anderes... aber das wird auf jeden Fall wieder besser. Hab das ende jetzt schon genau geplant und freue mich total weiterzuschreiben 😊❤

@Anonym und @J- Hope verr�ckte dankeschön 💙💙
Gestern
Wann schreibst du weiter??? Oder habe ich als einzige keine weiteren kapitel?
vor 7 Tagen
@ Anonym
Du hast recht. Sie hat echt Talent.
vor 9 Tagen
Wow, du hast Talent!
vor 9 Tagen
Sorry wenn ich nerve ,aber wann schreibst du weiter 😅❤
vor 15 Tagen
@Mark Tuan love
das ist süß von dir, hoffentlich gefällt es dir 💜
vor 16 Tagen
Wann schreibst du weiter ?😅
vor 20 Tagen
Freue mich auf das nächste Kapitel❤
vor 28 Tagen
Danke @Leni BTS♡V 💜💜
vor 32 Tagen
Coole Geschichte
😁😁😁😳💙💙
vor 39 Tagen
@Rap Monster bei "Erstelle" gibt es die Kategorie "Fanfiktion schreiben", da kannst du deine Geschichte hochladen 🙂
es dauert ein paar Tage, aber dann wird die Ff veröffentlicht :)

@armyxstay das ist süß von dir 😊 tut mir leid, dass ich nicht früher geschrieben habe. war einfach sehr im stress 😓
vor 39 Tagen
Kommt die neuen Kapitel so wie immer, denn diese Woche?
vor 41 Tagen
@sophie.abc ist alles gut bei dir? Iwie mach ich mir Sorgen☹
vor 41 Tagen
@Chimchim ich hab auch keine neuen Kapitel 🤷‍♀️

Vllt hat sie keine Zeit, um Kapitel zu schreiben oder so...
vor 42 Tagen
Ist das nur bei mir so oder hast du keine neuen Kapitel runter geladen?
vor 45 Tagen
Mit schreiben meinte ich zB. hochladen und/oder verfassen.Wäre nett wenn mir das mal jemand erklären könnte:))
vor 45 Tagen
Sollte nicht gestern das neue kapi kommen?
vor 47 Tagen
@Rap Monster
Ich weiß nicht ganz genau, wie viele noch kommen. Würde spontan sagen. Vielleicht so 6-10 😊
Wie meinst du schreiben? Meinst du das hochladen oder das Verfassen selbst? ☺️
vor 49 Tagen
Finde ich cool,wie viele Kapitel kommen eigentlich noch?Und ich hab da noch ne Frage,und zwar könnte mir mal jemand erklären wie man ffs schreibt?Würde mich freuen wenn ja:))
vor 49 Tagen
Omg, als das mit dem Blut und so kam, ist mir mein herz in die hose gerutscht. Omg es ist soo spannend, und so gut. Und mir tut jackson gerade soooo leid.