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Red Paper

Meine Geschichte für den Write your story - Schreibwettbewerb

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    28.11.
    Liebes Tagebuch

    Eigentlich sollte heute ja ein schöner Tag werden. Ich habe mich seit Tagen - Wochen auf heute gefreut. Heute ist Dad endlich wieder Nachhause gekommen. Er war fast sechs Jahre im Gefängnis, wegen der Sache, die er vor 20 Jahren gemacht hat. Ich habe dir ja schon ein mal davon erzählt. Als ich nach sieben langweiligen Schulstunden voller Aufregung endlich die Haustür aufriss, sah ich ihn nicht wie erwartet am Küchentisch oder in der Garderobe. Seine Tasche hatte ich auch nicht gesehen. Deshalb dachte ich, dass es Probleme gegeben hatte, weshalb er später kommen würde. Ich hatte mich also in mein kleines Zimmer verschanzt und über mein Leben nachgegrübelt, dass Heute hoffentlich etwas besser werden würde. Du weisst ja, dass es mir zur Zeit schlecht geht, weil Mom im Krankenhaus ist und es ihr von Tag zu Tag schlechter geht. In der Zeit, in der Mom sich nicht um mich kümmern konnte, hat Oma ja auf mich aufgepasst. Aber sie wird schon bald neunzig Jahre alt, weshalb auch sie langsam die Lebensgeister verlassen. Und zu allem Übel musste Noah, mein bester Freund, vor zwei Monaten von hier wegziehen. Ich wartete also auf Dad, bis ich schliesslich seine Schritte im Flur hörte. Ich dachte, dass er nun endlich Zuhause war, aber aus ich meine Zimmertüre aufriss, sah ich, wie er aus dem Schlafzimmer torkelte, in dem er und Mom all die Jahre geschlafen hatten. Ich rannte zu ihm, sprang ihm in die Arme und rief: "Papa! Endlich!" Er aber sah mich nur an, rülpste, wodurch ich einen starken Alkoholatem wahrnehmen konnte und stiess mich weg. "Eine Göre wie dich brauch ich nicht. Geh doch zu deiner Mom, der Arzt hat gesagt dass sie wohl noch ein paar Tage zu leben hat!" Lalte er. Dann torkelte er zurück in das Schlafzimmer. Das war der Moment, als meine Welt endgültig zerbrach. Ich sitze jetzt seit bald zwei Stunden auf dem Boden meines Zimmers, auf dem Teppich, den ich vor einigen Jahren von meinen Eltern zu meinem elften Geburtstag bekommen habe, und starre auf die Klinge in meiner Hand. Sie stammt aus dem Rasierset meines Dads. Ich weiss nicht, ob ich es tun kann. Ob ich mein Leben einfach so beenden soll. Aber meine Mom... Mein besoffener Vater... Ich glaube, ich muss mich von dir verabschieden, liebes Tagebuch. Danke für die Seiten, die ich füllen durfte. Danke für die schönen Erinnerungen, die ich durch dich aufbewahren konnte. Danke für unsere gemeinsame Zeit.
    Danke.
    Liebe Grüsse, deine Melyssa.

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    Ich lege den Kugelschreiber zur Seite, schliesse mein Tagebuch ein letztes Mal und versuche die Tränen, welche sich bereits in meinen Augenwinkeln sammeln, zu ignorieren. Ich greife nach dem Stück Metall und halte es an meinen linken Arm, knapp über dem Handgelenk. Ich schliesse die Augen und denke an alle, die mich verletzt haben. Mom - Weil sie mich einfach so verlassen will. Noah -Weil er so weit von mir entfernt ist und sich kaum noch meldet. Oma-Weil sie mich auch verlassen will. Die Mädchen aus meiner Klasse mit ihren doofen Sprüchen, die mir jedes Mal Tränen in die Augen treiben. Und Dad. Dad der mich nach sechs Jahren Gefängnis hasst. Dad, dem ich egal bin. Ich ramme das silberne, scharfe Ding in meinen Arm. "Für Mom! Für Noah! Für Oma! Für Dad! Für diese verdammte Welt!" Mit jedem Wort wird meine Stimme lauter. Dann ist der andere Arm dran. Langsam wird mir schummrig. Ich sehe, wie Blut auf mein Tagebuch tropft. Mein armes Tagebuch! Ich kichere, während mir die Tränen silberne Linien auf die Wangen malen. Blutrote Seiten. Blutrotes Papier. Ich lasse meinen Kopf auf den Boden sinken und starre auf die Tür. Die Tür, die sich auf einmal öffnet. Die Tür, in der mein Vater steht. Er starrt mich an. Sieht den wahrscheinlich blutgetränkten Teppich. Den Teppich, den er und Mom mir mal geschenkt haben... Von weitem höre ich eine Stimme. "Melyssa! Nein! Bleib hier! Melyssa, es tut mir ja so leid..!" Das letzte was ich sehe, sind die grauen Augen meines Dads, die sich mit Tränen füllen. Dann wird langsam alles heller und heller und heller...

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