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Die Liebe stirbt zuletzt (Taehyung FF) -> Fortsetzung

Hallo, mein Name ist (d/n) und das ist meine Geschichte. Die Geschichte, wie ich Teil eines alten, irreal wirkenden Geheimnisses wurde und die Liebe meines Lebens fand - Kim Taehyung, ein Teil der weltberühmten Band BTS.
Doch dieses wundersame Geheimnis brachte mehr mit sich als nur die Liebe. Auch, brachte es viele Gefahren und Opfer mit sich.
Und so ereignete sich eine kummervolle und gefährliche Geschichte, voller Wundern und Liebe.
Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade 22 Jahre alt und es begann alles damit, dass ich abends von der Arbeit zurückkam...

Dies ist die Fortsetzung meiner Ff. Um zum ersten Teil zu gelangen, musst du den Link im folgenden Kapitel ganz oben anklicken.

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    ((url=https://www.testedich.de/quiz64/quiz/1586551192/Die-Liebe-stirbt-zuletzt-Taehyung-FF)) Die Liebe stirbt zuletzt (Taehyung FF) ((eurl)) ((big))Ka
    Die Liebe stirbt zuletzt (Taehyung FF)


    Kapitel 142

    Vielsagend schaute ich direkt Hobi und Tae an. Wir alle wussten, dass es jetzt an der Zeit war. Kurz nickte ich nur als Zeichen, woraufhin wir sofort lossprinteten, geradewegs auf den gewaltigen Feuerstrahl in der Luft zu, welcher uns zeigte, wo Callum und seine Leute als auch Preecha und Juan waren. Wir rannten über den weiten See, welcher durch meine Kraft vollkommen vereist war. Es dauerte nicht lange, bis wir erneut am Ufer angekommen waren. Links von uns sah ich schon die Truppe aus dem Norden, sprich Via, Renzo und Akiko. Die drei rannten ebenso wie wir auf unsere Feinde zu und ich hörte Akiko im Sprint sprechen:„Ihr kennt eure Positionen. Machen wir die anderen platt!" Kurz nickten wir nur alle, von Akikos Zuversicht ermutigt.
    Wir rannten einen leichten Anstieg hinauf, bis wir direkt dahinter auch schon eine kleine Menschenanammlung antrafen. Ich erkannte sowohl unsere Feinde als auch unsere Verbündeten, welche gleichzeitig mit uns eintrafen. Wir hatten unsere Feinde umzingelt und tatsächlich konnte ich in ihren Gesichtern teilweise so etwas wie Angst erkennen. Jedoch hatten sie Juan in ihrer Gewalt, sodass wir erst einmal innehielten und nicht direkt angriffen.
    Callum starrte uns mit seinem eisigen Blick an und ein gewisses Maß an Überraschung funkelte in seinen Augen. Er hatte den Spanier in seinem Griff und hielt ein Messer an seine Kehle. Neben ihm stand Finlay, der 12-jährige Ire mit der Kraft der Luft. Irina stand mit gekrümmten Rücken neben den zweien und hielt sich verkrampft die Seite, welche mit Blut getränkt war. Auch auf dem Boden war Blut zu sehen. Der Anblick verwunderte uns alle, doch mehr überraschte uns ein neues Gesicht. Es war eine schlanke Frau, mit roten, gewaltigen Locken und einem frechen, grünen Blick. Ich wusste, dass es sich bei der Frau um eine weitere Mitstreiterin handelte - Elektro weiblich. Ich kannte sie vom Ball und von Lorenzos Erzählung. Sie schien nun den Bösen anzugehören. Sie wirkte beinahe freudig, uns zu sehen, ebenso wie der Anführer der Gruppe - Callum. Ein Schmunzeln legte sich auf sein Gesicht und er spottete:„Oh, wir haben Besuch. Damit hätte ich nicht gerechnet. Immerhin hatten wir gerade noch welchen." Ich wusste sofort, von wem der Mann aus New York sprach: Michal und Karolin. Sie mussten ihm über den Weg gelaufen und getötet worden sein. Immerhin waren zwei Personen in der Zwischenzeit noch gestorben. Akiko fauchte den Mann an:„Uns ist egal, ob du gerade schon Besuch hattest! Sie haben uns verraten. Uns lässt also kalt, dass du sie umgebracht hast!" Überrascht runzelte der blasse Mann die Stirn und fragte verwirrt:„Verraten? Karolin und Michal? Nun, Michal hat es wohl an sich, seine Truppen zu verraten. Aber Karolin? Ich dachte, sie sei eure Anführerin?" Seine Stimme verriet Triumph und dennoch wohl auch Neugier. Akiko hingegen wollte wohl nicht auf seine Frage antworten, bis auf einmal Amba zornig ihre Stimme hob:„Hör auf mit den Spielchen, Callum! Sie haben uns sehr wohl verraten! Sie haben uns verlassen und wollten uns an dich ausliefern! Doch das schwächt uns nicht! Und du brauchst auch gar nicht versuchen, uns irgendetwas einzureden, damit wir verwirrt sind und nicht angreifen!" Das brachte den dürren Mann jedoch nur noch mehr zum Schmunzeln und er kicherte:„Oh, da wird aber jemand wütend. So mutig, mich überhaupt anzusprechen, hätte ich dich nicht eingeschätzt.
    Aber jetzt müsst ihr mir das noch einmal erklären. Inwiefern haben Michi und Karo euch verraten?" Ich murrte:„Warum sollten wir dir das erklären? Lass einfach Juan los und dann kämpfen wir fair!" Wieder breitete sich in dem gegnerischen Gesicht Schadenfreude aus und er murmelte spielerisch:„Jetzt brauchen wir hier aber nicht aggressiv werden!
    Ich will das nur verstehen. Michal und Karolin waren vor nicht allzu langer Zeit hier. Sie haben Spuren hinterlassen, wie ihr sehen könnt." Dabei deutete er auf Irina und fuhr fort:„Die zwei griffen uns aus dem Nichts an. Sie wollten uns töten. Sie überraschten uns, nicht wir sie! Ich frag mich an der Stelle, wo da Verrat ist. Ihr wart nicht dabei, ja, aber wart ihr so erpicht auf den Tod, dass ihr deren alleiniges Gehen als Verrat seht?" Federica protestierte:„Nein, nein, nein. Sie hat uns eingesperrt und ist mit Michal gegangen, damit du uns irgendwann finden und töten kannst! Sie hat uns allein gelassen, um sich selbst ihren Hintern zu retten!" Langsam fing Callum jetzt an, breit zu grinsen und er brummte:„Hörst du nicht zu? SIE hat UNS angegriffen! Sie hätte davonkommen können, während sie sich jedoch dazu entschieden hat, uns geradewegs anzugreifen.
    Seid ihr euch also sicher, dass sie vielleicht nicht versucht hat, EUREN Hintern zu retten? Hat sie euch nicht eingesperrt, damit ihr nicht folgen könnt und sie und Michal in der Zeit uns um die Strecke bringen können? Sicher, dass es kein Opfer war, das sie und Michal für euch brachten?" Nach und nach sah ich in den Gesichtern meiner Kumpanen so etwas wie Angst, dass sie falsch lagen und ebenso Fassungslosigkeit sowie das Bedürfnis, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Akiko fauchte in der Zeit:„Nein, das ergäbe gar keinen Sinn! Sie hat sich selbst als egoistisch bezeichnet! Sie wollte gewinnen, um ihre Familie stolz zu machen! Das hat nichts mit einem Opfer zu tun! Du kannst uns nichts einreden, damit wir ein schlechtes Gewissen bekommen und dann schwächer werden! Wir hören nicht auf deine Lügen!" Abermals grinste der Feind nur, presste das Messer etwas mehr gegen Juans Kehle und erwiderte:„Gut, glaubt, was ihr glauben wollt! Ich persönlich hätte Karolin aber auch verstehen können, wenn sie euch wirklich verraten hätte - Ihr seid ein verdammt undankbarer Haufen! Sie opfert sich für euch und ihr beschuldigt sie als Verräterin. Tja, das ist die Ironie des Lebens. Aber vielleicht auch einfach die Natur der Menschen. Mir persönlich ist schnuppe, was es ist. Ihr müsst damit leben können, ich nicht. Aber auch das darf euch nicht stören. Immerhin werdet ihr nicht mehr so lange leben." Triumphierend schmunzelte der Feind erneut und drehte sich nun langsam zu seinen Kumpanen um:„Was meint ihr? Sollen wir sie gleich umbringen oder noch etwas leiden lassen?"

    Gerade wollte Irina antworten, da fing auf einmal der Boden an, zu beben und Juan riss sich von Callum los, da dieser dadurch abgelenkt war. Dies sahen wir als Zeichen, dass der Kampf begonnen hatte. In den Gesichtern der Feinde sah ich Schrecken, was mich irgendwie erfreute und ich ging sofort auf meine Position sowie auch alle anderen.
    Preecha schuf eine gigantische Flamme mit seinen Händen und ließ sie auf Callum zuschießen, doch dieser wehrte sie sofort mit seiner Kraft ab. Dies verwirrte uns, da doch eigentlich Feuer gegen Eis effektiv war. Dennoch blieben wir bei Sinnen und machten einfach weiter.
    Tae und Rica stürmten auf Irina zu, während Juan sich nun zu Finlay herüberschlängelte. Ich vereiste in der Zeit den Boden, löste damit aus, dass der Ire fast ausrutschte und rannte dann zu Hobi rüber, welcher mit seinem Schwert auf Callum losrannte, um ihn von hinten anzugreifen. Dieser jedoch bemerkte den Koreaner sofort, drehte sich um und schoss einen Eisblitz auf ihn zu, bevor er sich geschwind wieder um Preechas Angriff kümmerte. Ich hingegen wehrte Callums Attacke zu Hobi ab, da ich mit meiner Kraft das Eis zurückschmelzen lassen konnte. Hoseok zuckte noch kurz zusammen, wurde leztendlich aber ja nicht getroffen und schaute mich dankbar an. Schnell nickte ich ihm nur zu und schaute mich dann weiter um. Amba ließ gerade eine gewaltige Ranke wachsen, welche sich um Irinas Beine schlängelte. Lívia verließ nicht Lorenzos Seite und Jimin lenkte im selben Moment Finlay ab, damit Juan besser angreifen konnte. Ich eilte herum, als ich plötzlich die Rothaarige sah, die ein gewaltiges Unwetter aufbrauen ließ. Blitze zuckten damit über den Himmel und wollten gerade auf Akiko einschlagen, doch ich schubste sie schnell an die Seite und rettete sie damit aus der Situation. Glücklicherweise passierte mir dabei selbst nichts. Das Kämpfen ging weiter und irgendwie wurden auch alle im Zaun gehalten. Nur die Rothaarige wurde nicht wirklich bekämpft. Dadurch, dass sie nicht als Feind mit eingeplant war, hatten wir auch niemanden eingeteilt, der gegen sie kämpfte. Also musste ich mir schnell etwas einfallen lassen. Mir fiel ein, dass Elektrizität und Wasser nicht sehr gut miteiandner klarkamen, also schaute ich mich schnell nach Tae um. Er kämpfte gerade Seite an Seite mit Rica gegen Irina, doch die zwei hatten sie schon praktisch auf dem Boden, weshalb ich meinen Freund zu mich herüberwinkte und ihm zumurmelte:„Wir müssen zum See - jetzt. Wir müssen die Rothaarige loswerden. Mit Waser können wir sie im Zaun halten. Wir locken sie also zu dem See.“ Verstehend nickte Tae, nahm meine Hand und sofort liefen wir schnell zu dem See, in der Hoffnung, dass die anderen solange ohne uns klarkommen würden. Die mit der Kraft der Elektrizität folgte uns auch sofort, scheinbar in der Angst, dass wir entwischen könnten. Tae und ich rannten auf den See, das Wasser wandelte ich mit jedem Schritt zu Eis. Die Rothaarige folgte, ließ ihre Blitze weiter hinter uns her zucken. Als wir weiter mittig auf dem See angekommen waren, blieben wir stehen, ich schaute zu der Feindin zurück, welche nur noch einige Meter entfernt war und ließ das Eis unter ihr anhand meiner Kraft wieder leicht schmelzen. Sofort krachte das Eis unter ihr zusammen und sie selbst sank in den tiefen See. Kurze Sekunden später tauchte ihr Kopf jedoch wieder an der Wasseroberfläche auf und sie versuchte verzweifelt, aus dem Nass herauszukommen und an dem Eis erneut Land zu greifen. Tae und ich standen wenige Meter vor ihr und irgendwie fühlte ich mich schuldig, die Frau hilflos in dem Wasser paddeln zu sehen. Doch ich wusste, dass sie auch kein Erbarmen mit uns haben würde, also flüsterte ich mit zittriger Stimme zu meinem Freund:„Lass sie ertrinken...“ Kurz nickte Tae, scheinbar selbst etwas darunter leidend, dass er jemanden töten würde, hob aber augenblicklich seine Hände. Mit ihnen hob sich auch das Wasser. Hohe Wellen schlugen der Rothaarigen nun um die Ohren und rissen sie immer wieder unter Wasser. Sie rang nach Luft, wollte panisch wieder an die Oberfläche, doch versagte. Die Kraft des Wassers war zu stark, zog sie weiter nach unten und nahm ihr die Kraft. Etwa eine Minute kämpfte die Frau um ihr Leben, bevor sie nicht mehr auftauchte und die Wellen nur noch mit sich selbst kämpften. Zwei Sekunden später ertönte das Geräusch des Todes. Langsam ließ Tae das Gewässer wieder still werden, sich noch einmal versichernd, dass die Frau wirklich nicht mehr auftauchte. Leise seufzte ich:„Wir haben sie getötet. Aber es ist zu unserem eigenen Schutz. Wir konnten nicht anders...“ Wieder nickte Tae kurz und flüsterte dann:„Wir müssen zurück. Lass den See wieder vollkommen gefrieren und wir kämpfen mit den anderen.“ Verstehend tat ich, wie er mir befohlen hatte und sofort rannten wir zurück zum Schlachtfeld.
    Dort schien noch alles wie vorher. Alle kämpften und auch lebten noch alle dort. Tae rannte erneut an Ricas Seite, während ich nun zu Jimin eilte, welcher gerade mit dem Wind von Finlay ring. Der dunkelblonde Junge wollte dem Koreaner gerade das Schwert im Gefecht seiner Kraft entwenden, als ich ihn wegstieß, sodass er rückwärts hinfiel und seine Kraft unterbrochen wurde. Jimin sprang dann augenblicklich auf und hielt das Schwert gegen Finlays Kehle, jederzeit in der Lage, dem 12-jährigen den Lebensfaden zu durchtrennen. Doch er tat es nicht. Scheinbar konnte er sich selbst nicht ganz dazu überzeugen, ein Kind um sein Leben zu bringen. Stattdessen passte er nur weiter auf, dass der Junge nicht entkommen konnte.
    Ich drehte mich in der Zeit wieder um und sah auf einmal, dass Lorenzo mit seinem Schwert in der Hand auf Irina zulief, diese jedoch entfachte ihre Kraft und stieß ein Feuer in die Richtung des Brasilianers. Das Feuer wirkte wie eine Atombombe und schleuderte den 15-jährigen davon, etwa 5 Meter weit, bis er mit seinem Kopf gegen einen Stein knallte. Eine Platzwunde zierte somit seine Stirn, doch weiter schien es ihm recht gut zu gehen und er blieb an dem Stein hocken, sich das Blut von der Stirn wischend, während es schon langsam in seine Augen tropfte. Lívia hatte den Vorgang beobachtet und rannte nun panisch auf ihren Bruder zu. In der Zwischenzeit waren Tae und Rica auf die Russin zugerannt, in der Intention, sie davon abzuhalten, noch jemanden zu verletzen. Doch die Wasserbändiger wurden beide von Irina zu Boden gerissen und die Russin schnellte mit einem Dolch in der Hand auf die beiden zu. Ich stand zu weit weg, um rechtzeitig auf die zwei zukommen zu können und mein Herz setzte einen Schlag aus. (Kursiv) Ein weiterer Schritt und sie wird Tae getötet haben...(EndeKursiv) Ich sah das Ende meines Freundes schon vor mir, doch in dem Moment, warf sich auf einmal wie aus dem Nichts Amba gegen die Blondine. Somit wurden beide zu Boden gerissen, während Amba unsanft auf ihren Arm fiel und Irina einen halben Meter von ihr entfernt auf den Rücken. Ein leises Knacken ertönte aus der Richtung der Inderin, woraufhin diese kurz schmerzverzerrt nach Luft schnappte und versuchte, sich mit ihrem rechten Arm, auf den sie gefallen war, abzustützen, doch ihr Arm wollte sich nicht von der Stelle bewegen. In der Zeit hatte sich Irina schon wieder berappelt, welche selbst noch die blutige Wunde an der Seite hatte und stürzte mit dem Dolch in der Hand auf Amba zu, die noch vollkommen hilflos auf dem Boden lag. Geschockt wollte ich der 17-jährigen zur Hilfe kommen, angsterfüllt, dass ich zu spät kommen würde. Immer näher schnellte der Dolch der Russin jetzt auf Ambas Bauch zu, doch die Inderin stieß die Gegnerin gekonnt mit den Beinen weg, woraufhin diese den Dolch fallen ließ. Darin ihre Chance sehend, kämpfte Amba sich vom Boden hoch, hatte den rechten Arm dabei schlaff zur Seite verbogen hinunterhängend und ergriff mit ihrer linken die Waffe. Die, mit der Kraft des Feuers, lag noch auf dem Boden, wollte angsterfüllt wegkriechen, doch die andere junge Frau war zu schnell, sprang auf sie zu und rammte ihr den spitzen Dolch mit voller Wucht in den Bauch. Leise hörte ich die Russin noch einmal kurz nach Luft ringen, während ihre Augen endlosen Schmerz verrieten und sie schließlich reglos liegenblieb. In dem Moment ertönte wieder das Geräusch, welches ihren Tod bestätigte. Langsam stand dann auch Amba von dem toten Körper auf und schaute mich mit funkelnden Augen an. Den Dolch hatte sie noch immer in der Hand und sie lächelte schwach. Sofort rannte ich auf sie zu und fragte mach ihrem Empfinden. Von Schmerz gequält murmelte die ehemalige fast-Freundin von Michal jetzt:„Ich habe mir den Arm gebrochen. Ich bin darauf gefallen, als ich gegen Irina gesprungen bin. Ist aber nicht schlimm. Immerhin lebe ich noch.“ Mit den Worten verschwand sie auch schon wieder im Gemetzel, während ich ihr beeindruckt hinterherschaute.
    (Kursiv) Amba hat sich verändert - nicht gerade wenig. Sie war dazu bereit, ihr Leben für Tae und Rica zu opfern. Vor einiger Zeit hatte sie uns noch für ihr Leben verraten... Sie ist nicht mehr das schwache, ängstliche Mädchen. Sie ist jetzt stark und mutig sowie dazu bereit, für ihre Gruppe zu sterben...(EndeKursiv)

    Schnell schaute ich mich jetzt erneut um. Jimin und Rica sorgten gemeinsam dafür, dass Finlay an Ort und Stelle blieb, ohne weitere Probleme zu bereiten. Amba half ihnen schnell dabei, indem sie den Jungen mit stabilen Ranken am Boden festbandt. Ansonsten blieb nur noch Callum als Feind übrig. Er wurde in dem Moment von Akiko, Tae, Juan, Hobi und Preecha umzingelt. Lorenzo hingegen lag noch an dem Stein gelehnt, Lívia neben ihm, wollte ihm helfen, doch der Bruder schüttelte nur schwach den Kopf und murmelte irgendetwas, worauf dann auch die 13-jährige sich wieder dem Kampf zuwandte. Auch ich kam hinzu, um den kaltherzigen Mann zu besiegen, doch er war zu geschickt und stark, als dass wir ihn töten konnten. Jeden Angriff wehrte er perfekt ab und attackierte dabei selbst noch. Er vereiste den Boden unter Juans Füßen, sodass dieser ausrutschte. Auf Akiko wollte er einen Eisstrahl schießen, welcher sie jedoch knapp verfehlte und sie doch beeinträchtigte. Anstatt nämlich die Japanerin zu vereisen, vereiste er den Boden so unter ihr, dass das Eis nicht nur den Boden, sondern auch Akikos Beine umhüllte. Somit war die Frau unfähig, sich von der Stelle zu bewegen und versuchte panisch, sich zu befreien. Tae bemerkte dies und eilte zu ihr, um das Eis mit seiner Kraft zurück zu Wasser zu wandeln. Ängstlich, dass Callum meinen Liebsten in der Zeit töten konnte, rannte ich nun vor diesen und der Gefangenen, um sie zu beschützen.
    Und doch gab Callum nicht nach. So langsam bekam ich Panik und ich steckte meine gesamte Kraft in das Eis, welches ich auf ihn schoss.
    Verzweifelt nutzten wir alle unsere Kräfte, doch der blasse Mann war einfach zu stark - seine Kräfte zu gewaltig und so langsam begriff ich, dass wir ihn mit unseren Kräften nicht töten konnten. Sie waren einfach zu schwach. Egal, was wir versuchten...

    Ich bemerkte, wie Callums Lächeln immer breiter vor Schadenfreude wurde, als er nach und nach uns alle irgendwie kampfunfähig machte und diese Mitglieder immer erst eine Weile brauchten, um sich berappeln zu können. Letztendlich waren praktisch nur noch Juan, Preecha und ich in dem Moment am Kämpfen, als mir plötzlich etwas einfiel.
    Unsere Kräfte waren zu schwach für die von Callum. Wir konnten sie nicht miteinander vergleichen. Die einzige Person, die stark genug war, um Callum zu besiegen, war Callum selbst. Er war auch nur ein Mensch, wie wir alle. Warum sollte er also gegen seine eigene Kraft immun sein?

    Schnell schaute ich mich um, sah meine Chance und schrie Juan zu:„Juan, bring die Erde zum Beben! Lass uns alle darunter leiden!" Vollkommen verwirrt schaute der Spanier mich an, während ich die Seite wechselte. Ich starrte bereits auf Callums Hand, die er immer wieder hob, um uns alle damit anzugreifen. Preecha bemerkte meinen Blick und ihm schien langsam zu dämmern, was ich vor hatte. Also rief er dem Spanier zu, er solle meinem Befehl nachkommen, was er dann auch skeptisch tat.
    Sofort bebte die Erde und ein tiefer Spalt zog sich durch den Boden, sodass die verschiedenen Schichten teils absackten und damit nicht nur Callum in Gefahr brachten, sondern uns alle. Jedoch brachten sich die anderen nun aus der Gefahrenzone heraus, während ich genau darauf zu rannte. Ich sprang über die tiefe Spalte in der Erde, genau auf Callum zu, welcher geschockt seine Hand hob, um mich zu Eis zu gefrieren.
    Ich hörte Taes panischen Schrei nach meinem Namen und sah aus dem Augenwinkel noch, wie er mir nachrennen wollte, doch Akiko und Hobi ihn festhielten.
    Ich hingegen streckte meinen Arm ebenso wie Callum aus, ergriff dessen Arm und drückte seine Hand mit voller Wucht gegen seine eigene Brust. Kurz hörte ich ihn noch erschrocken einatmen, bevor sein Körper langsam kälter wurde und blaues Eis sich ausbreitete, von der Stelle seiner Hand ausging und dann bis in seine Fingerspitzen kroch. Sein Körper erstarrte somit zu Eis.
    Allerdings sollte ich mich wohl nicht zu früh freuen, denn durch die Wucht, mit der ich gegen den Mann gesprungen war, verlor ich das Gleichgewicht und rutschte in den tiefen Spalt, den vereisten Mann mit mich ziehend und fiel einige Meter, bevor ich mich an einem kleinen Vorsprung festhalten konnte. Der vereiste Körper fiel jedoch weiter, bis er schließlich auf dem harten Boden der entstandenen Schlucht aufprallte und in tausend Teile zersplitterte. Mit dem Klang der Scherben ertönte auch das altbekannte Geräusch des Todes.

    Ich wusste, dass die anderen nicht hätten sehen können, dass Callum der Vereiste war und ich lebte. Somit hörte ich augenblicklich Taes panisches, verzweifeltes Brüllen nach mir und weitere Schreie der Angst seitens meiner Kumpanen. Um keinen Erdrutsch oder Ähnliches zu verursachen, rief ich nicht, kämpfte mich aber langsam die steile Steinwand hoch, bis ich mich mit meiner ersten Hand am Rand festhalten konnte. Akiko schien dies zu bemerken, denn sie murmelte leise:„Macht euch bereit, falls es Callum ist!" Doch ich zog mich nun so hoch, dass mein Kopf an der Kante erschien und ich sah, wie sich augenblicklich die Gesichter aufhellten. Tae eilte nun auch sofort zu mir, nahm meine Hand und zog mich endgültig in Sicherheit, bevor er mir einen liebevollen Kuss auf die Stirn drückte und mich fest in seine Arme schloss. Ich kicherte leise und atmete erschöpft von dem Klettern aus, während mir meine Hände weh taten, da ich mit ihnen an scharfen Kanten entlanggeschliffen war, sodass ich dort Schrammen hatte. Auch die anderen kamen zu uns und umzingelten mich nahezu. Preecha fragte:„Ist Callum tot?" Knapp nickte ich und lächelte:„Habt ihr doch gehört." Bevor nun jemand Anderes etwas sagen konnte, räusperte sich Tae streng und etwas zornig wirkend:„Ja. Ich hatte den Herzinfarkt meines Lebens! Ich dachte, du seist es! Warum hast du so eine hirnverbrannte Aktion durchgeführt? Ich dachte, ich hätte dich verloren!" Leicht lächelte ich daraufhin, küsste meinen Partner zärtlich und antwortete:„Weil es die einzige Aktion war, die etwas gebracht hätte. Und außerdem lebe ich doch, also ist alles gut." Leise seufzte Tae als Antwort nur, drückte mich fester an sich, als wolle er mich beschützen, während Akiko plötzlich breit lächelte:„Aber hey Leute... Wir haben es geschafft! Wir haben sie besiegt! Und wir leben alle noch! Ja, wir alle haben ein paar Verletzungen, doch auch die verheilen wieder."

    Dies brachte uns alle zum Jubeln und ich verspürte ein Glück wie selten zuvor. Endlich sollte alles zu Ende sein!
    Nach einigen Sekunden legte sich das Jubeln wieder etwas, weil die Anführerin ihre Stimme hob:„Nun müssen wir nur noch gucken, was wir mit Finlay machen. Immerhin gehört er den Feinden an..." Jimin nickte zwar, murmelte jedoch:„Ja, aber er ist ein Kind. Wenn wir ihn töten, werde ICH es ganz sicher nicht machen!" Rica stimmte dabei zu, während ich nun vorsichtig meine Stimme hob:„Er mag ein Feind gewesen sein, doch auch ich möchte ihm nicht sein Leben nehmen. Er ist noch ein Kind und diese sind nun mal naiv und können vielleicht nicht immer zwischen gut und böse unterscheiden. Ich denke, wir sollten ihn vielleicht bei uns aufnehmen. Was soll er schon noch machen? Wir sind 11 und er ist alleine. Er weiß selbst, dass er keine Chance gegen uns hat." Preecha brummte jetzt:„Ja, tolle Idee. Das letzte Mal, als wir einen Feind aufnahmen, hat er uns am Ende verraten!" Akiko griff jetzt ein:„Ich weiß, Preecha, aber er ist wirklich noch ein Kind und es gibt niemanden mehr, dem er sich sonst anschließen könnte. Ich tendiere ebenfalls dazu, ihn mitzunehmen. Wie (d/n) sagte... Wir sind 11 - es werden sich wohl 2 Leute finden, die dafür sorgen, dass er keinen Müll anstellt, sofern er selbst verspricht, uns beizustehen." Bei dem letzten Satz drehte sich die Japanerin direkt zu dem Iren, so wie wir alle. Dieser schaute uns mit großen, ängstlichen Augen an und murmelte dann verunsichert:„Ich werde euch nicht verraten. Ich meine... Ich habe mich Callum damals angeschlossen, weil er meine, ich könne ein wertvolles Mitglied sein und er würde mir zum Gewinn verhelfen. Ich glaubte ihm, also stimmte ich zu. Erst später lernte ich ihn kennen und wusste auch, dass er mich nur benutzte. Doch ebenso wusste ich, dass ich mir eine Flucht nicht leisten konnte, wenn ich nicht sterben wollte.
    Jetzt bitte ich euch um nichts Anderes, als mich am Leben zu lassen. Ich denke, ich bin zu jung, um diesem Leben ein Ende zu geben..." Lächelnd fragte Akiko jetzt:„Du versprichst also, uns beizustehen und uns nicht zu verraten?" Eifrig nickte der Junge nur, woraufhin die Asiatin dann zu uns sprach:„Gut. Dann sollten wir ihn aufnehmen. Er wird immer von zwei Leuten beobachtet werden und er wird sowieso keinen Schaden mehr anrichten können." Kurz nickten wir nur alle einverstanden, wenn auch teils etwas unerfreut, aber es dennoch akzeptierend. Wieder freuten wir uns alle.

    Doch auf einmal bemerkte ich, wie Lívia sich aus der fröhlichen Masse löste und langsam zum Rand ging. Verwirrt folgte ich ihrer Handlung mit meinem Blick, bis ich Lorenzo nach wie vor an dem Stein hocken sah. Sein Kopf war gesenkt, das Blut rann hinunter und sein Brustkorb hob und senkte sich nur schwach und zittrig.
    Besorgt schauten wir nun alle zu dem 15-jährigen, während seine Schwester sich langsam neben ihn hockte.
    Vorsichtig hob sie mit einem Finger sein Kinn an und sprach ihn leise an. Erst reagierte der Brasilianer nicht, bis Amba dazukam, sich vor ihm hinkniete und mit ihrem heilen Arm seine Wunden untersuchte. Ernst sprach die Inderin nach kurzer Zeit:„Wir müssen irgendwie die Blutung stoppen! Juan, hol mir..." Weiter kam die Ärztin nicht, denn Lorenzo unterbrach sie mit rauer, schwacher Stimme:„Ist schon gut, Amba. Ich brauche nichts..." Via hingegen schüttelte strikt den Kopf und murrte:„Nix da! Du wirst jetzt behandelt!" Doch ihr Bruder schüttelte schwach den Kopf und hauchte:„Es ist schon zu spät. Via, ich habe dich damals hier hineingebracht. Jetzt möchte ich dich auch wieder hinausbringen. Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass es mein Leben kosten würde, aber es ist jetzt nun mal so und das ist in Ordnung. Immerhin habe ich meinen Fehler somit begleichen können..."
    Tränen traten in Lívias Augen und sie schüttelte ungläubig den Kopf, während sie wimmerte, dass Renzo es schaffen würde. Doch der seufzte nur:„Via, lass gut sein. Wir beide wissen, dass ich es nicht schaffen werde. Aber ich verspreche dir, dass ich unsere Eltern von dir grüßen werde..." Abermals schüttelte die Schwester nur den Kopf und schrie nun Amba, welche wortlos danebehockte, verzweifelt an:„Tu etwas! Los, verbinde seine Wunden oder so!" Doch die Inderin senkte nur den Kopf, antwortete nicht, während mein Blick wieder zu Lorenzo huschte. Er hockte nun vollkommen schlaff an dem Stein, die Augen geschlossen, den Kopf reglos auf seinen Brustkorb herunterhängend, während dieser still stand. Doch es ertönte kein Klang. Die Arena blieb totenstill, während Lívia verzweifelt an Lorenzos Körper schüttelte, welcher nur schlaff mitwackelte. Amba hauchte bedrückt:„Es tut mir leid, Lívia..." Doch diese schrie weinend:„Nein, der Ton kam nicht! Er lebt also noch!" Doch Akiko flüsterte mitfühlend:„Via, er hatte keine Kraft. Er war kein Mitstreiter, sondern nur ein Helfer Hisokas. Sein Leben spielte für die Arena keine Rolle... Er bekommt für seinen Tod keinen Klang. Er ist tot, Lívia. Es tut mir leid..."


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    Kapitel 143

    Erneut traten Tränen in die Augen der Brasilianerin und sie schüttelte weinend den Kopf:„Nein, bitte nicht..." Verzweifelt rüttelte sie noch einmal an ihrem toten Bruder, welcher jedoch schlaff blieb. Endlich schien Via den Tod zu realisieren und die Tränen flossen ohne Ende. Verzweifelt drückte sie die Leiche an sich, vergrub ihr Gesicht in dessen dunklen Haaren, an welchen Blut von der Platzwunde klebte und schluchzte laut. Federica hockte sich unterstützend neben die Trauernde, nahm sie in den Arm und versuchte, sie zu trösten, doch die 13-jährige weinte nur:„Er war alles, was ich noch hatte!"
    Ich seufzte leise, trauernd, und erinnerte mich plötzlich an eine ähnliche Szene - Malous Tod. Als die Afrikanerin gestorben war, war für Karolin augenscheinlich eine Welt zusammengebrochen. Nun war es das für Lívia.
    Rica strich dem Mädchen weiterhin tröstend über den Rücken, doch sie ließ sich nicht beruhigen. Immer und immer wieder jammerte sie nur, dass sie jetzt ALLES verloren habe. Irgendwo hatte sie da aber auch recht. Lívias Eltern waren tot, sie war obdachlos und hatte wohl auch sonst nicht viel. Jetzt war ihr auch noch ihr Bruder genommen worden...

    Trauernd standen wir alle um Lorenzos Leichnam, mit Via weinend in unserer Mitte. Langsam hörte sie auch auf, zu weinen und starrte nur noch wie traumatisiert auf den reglosen Körper. Akiko stand nun auch bei Rica und Via, um die letztere zu trösten.
    Leise seufzte die Japanerin jetzt, bevor sie mit bedrücktem Gesicht die Stimme hob:„Lorenzo war ein ganz besonderer Junge. Er hatte zwar keine Kräfte, aber das heißt nicht, dass er weniger wert war. Er hat gekämpft, genauso wie wir.
    Leider ist er bei diesem Kampf gestorben. Doch er starb nicht einfach so, sondern um uns zu beschützen. Somit haben wir ein treues Mitglied verloren. Doch auch war es so viel mehr - ein Bruder, ein Freund.
    Letztendlich haben wir aber nicht ihn verloren, sondern nur seinen Körper. Denn er wird für immer in unseren Herzen bleiben, so wie auch Malou, die schon vor so langer Zeit starb.
    Wir wollen trauern, ja, aber was viel wichtiger ist, dass wir niemals vergessen, was er alles für uns geleistet hat und was für ein toller Mensch er war."
    Leise schluchzten wir alle. Akikos Worte waren so wahr und wir alle wussten, dass es trotz Lorenzos Tod weitergehen musste.
    So sprach letztendlich Lívia aus:„Das alles stimmt. Ich weiß aber, dass Lorenzo nicht wollte, dass wir um ihn trauern. Ich werde es trotzdem auf ewig tun, aber wir dürfen deswegen nicht aufgeben. Es fällt mir schwer, das zu sagen, weil ich gerade nichts Anderes als aufgeben tun möchte. Und doch weiß ich, dass es nicht das Richtige wäre...
    Lasst uns also endlich einen Ausweg finden und unser Leben weiterleben!" Zustimmend nickten wir nur alle, während uns die Trauer aber nach wie vor ins Gesicht geschrieben stand.

    Nachdem wir Lorenzo eine kleine Art, Grabstätte geschaffen hatten, entfernten wir uns jetzt langsam wieder und gingen zu dem See. Dort setzten wir uns alle an das Ufer und starrten auf das Wasser, nachdenklich und leise. Zwar war der Kampf wohl beendet und wir hatten ihn gewonnen, aber doch konnten wir nicht ganz glücklich darüber sein. Ohne Lorenzo war es kein echter Sieg...

    Ich hatte schutzsuchend Taes Hand ergriffen und legte meinen Kopf auf seine Schulter, während er mir sanft mit der anderen Hand über die Wange strich. Amba saß nur einige Zentimeter neben mir und betrachtete vorsichtig ihren gebrochenen Arm. Mit einem großen Palmwedel stabilisierte sie das Ganze etwas, damit der Arm nicht einfach die ganze Zeit schlaff hinunterhing. Die Inderin schien irgendwie so ruhig und in sich gekehrt, doch dabei gar nicht ängstlich, sondern eher erfüllt. Vorsichtig sprach ich sie an:„Ist alles in Ordnung, Amba?" Kurz nach den passenden Wörtern suchend, schaute die 17-jährige auf das Wasser, bevor sie antwortete:„Wie sollte schon alles in Ordnung sein? Wir haben den Kampf überlebt, großteils, aber dennoch sehe ich es nicht als Sieg. Lorenzo ist tot. Lívia wurde damit das genommen, was ihr am wichtigsten war. Auch mir wurde das Wichtigste im Leben genommen - Michal - doch er entzog sich mir selbst. Er und Karolin haben uns verraten. Wo ist es dann ein Sieg?" Langsam nickte ich, doch Tae murmelte jetzt:„Callum meinte doch so etwas, dass Karolin uns nur beschützen..." Weiter kam mein Freund nicht, denn Amba unterbrach ihn seufzend:„Das willst du doch wohl nicht glauben, oder? Callum wollte uns doch auch nur verunsichern, um uns zu schwächen. Er hat uns angelogen..." Ich meinte jedoch:„Ich weiß nicht. Es hörte sich nicht wirklich wie eine Lüge für mich an. Vielleicht stimmt es. Auch, wenn es unwahrscheinlich ist..." Sofort konterte die 17-jährige:„Siehst du? Du glaubst dir ja selbst nicht. Ist aber doch sowieso egal. Immerhin wurden Michal und Karolin von Callum getötet. Zu spät ist es allemal..."
    Akiko hatte bei dem Gespräch halbwegs mitgehört und sprach nun nachdenklich:„Wenn die zwei auch tot sind, fehlt aber dennoch noch eine Person. Nebel männlich dürfte es sein... Ihn müssen wir auch noch finden. Entweder töten wir ihn dann oder er schließt sich uns an. Mal sehen... Aber sobald wir ihn gefunden haben, können wir die Arena verlassen. Wir werden uns ja nicht gegenseitig umbringen..." Auf einmal räusperte sich Finlay, welcher einige Meter entfernt von Preecha und Juan bewacht wurde:„Nein, er ist tot..." Verwirrt hob Akiko eine Augenbraue, woraufhin der Ire erläuterte:„Er war ein Mitglied von uns. Als Karolin und Michal uns angriffen, wurde er von ihnen getötet. Ebenso wie zwei Gehilfen ohne Kräfte, die Hisoka in die Arena geschickt hatte, damit das Ganze vorankommt." Überrascht weitete ich die Augen und murmelte:„Aber das würde ja heißen, dass dann noch entweder Karolin oder Michal leben müssen! Immerhin gab es wohl zwei Tote und der eine ist eben Nebel männlich." Akiko fragte jetzt:„Finlay, weißt du, wer von den beiden noch lebt und vielleicht auch, ob sie wirklich euch angegriffen haben und ihr nicht sie? Das wäre wirklich wichtig für uns, da wir so sagen können, ob sie uns verraten haben oder Callum wirklich keinen Müll geredet hat." Kurz dachte der blonde Junge nach, bevor er entschuldigend murmelte:„Ich habe den Anfang des Kampfes nicht mitbekommen, weil ich Wasser holen war. Ich habe nur mitbekommen, wie sie kämpften und dabei Irina von Karolin verletzt wurde und die drei später getötet wurden. Callum hat später sowohl Karolin als auch Michal verletzen können und die beiden sind in den Wald geflohen. Wer von beiden jetzt also tot ist, weiß ich leider auch nicht... Genauso wenig eben, ob es Verrat war oder Opfer..." Langsam nickte Akiko nur, seufzte einmal und meinte:„Nun, wie es auch sein mag, mit Sicherheit kann ich sagen, dass wir die letzte Person finden müssen, um rauskommen zu können. Sprich, wir müssen Michal beziehungsweise Karolin finden. Ob wir dann kämpfen müssen oder es sich wirklich um dieses Opfer handelte, kann ich nicht sagen.“ Auf einmal hob Federica ihre Stimme:„Aber, wenn Karolin und Michal sich wirklich für uns geopfert haben, hätten wir ihnen Unrecht getan, als wir sie als Verräter betitelten...“ Akiko konterte sofort:„Mag sein, aber wir wissen doch immer noch nicht, ob es so ist. Und selbst wenn, ist es nicht unsere Schuld. Immerhin haben die zwei es dann ja so aussehen lassen, als wollten sie uns verraten und es ist, so grob das auch klingen mag, ihre eigene Schuld gewesen. Wir müssen uns deswegen nicht fertigmachen, wobei wir ja selbst nicht mal wissen, wie das jetzt ist.
    Ich persönlich gehe auch mit Amba - Ich glaube nicht, dass sie uns wirklich dieses Opfer bringen wollten. Callum wird uns wohl angelogen haben. Wir haben Karolin doch gehört und sie sagte, sie sei egoistisch und all sowas. Warum sollte sie so sprechen, wenn sie sich für uns opfern wollte? Das ergibt doch keinen Sinn.“ Ich mischte mich jetzt ein:„Das mag ja sogar sein, aber andererseits sah sie das vielleicht als Tarnung oder so, damit wir sie nicht aufhalten. Möglicherweise hat sie extra so gesprochen, damit wir sie eher gehen lassen.“ Kurz zuckte unsere neue Anführerin nur mit den Schultern, bevor sie murmelte:„Ist doch jetzt eh nicht so wichtig. Wir müssen einfach Karolin oder Michal finden. Wie es dann weitergeht, können wir ja schauen.“

    Mit den Worten packte Akiko ihre Sachen und deutete somit an, direkt loszuziehen. Wir taten es ihr alle gleich und folgten. Preecha grinste in der Zeit:„Wollen wir es so machen wie Karolin und Rica damals und wetten? Los, lasst uns um 5€ wetten, wer von beiden noch lebt!“ Ich rollte mit den Augen und erwiderte:„Preecha, denkst du nicht, dass es der falsche Zeitpunkt zum Wetten ist?“ Doch Lívia meldete sich jetzt:„Ich wette mit. So haben wir immerhin etwas zu tun. Ich sage, Karolin lebt noch. Sie ist irgendwie die Stärkere von beiden. Somit hat sie wohl überlebt. Zumal Michal sich ja kaum wehren konnte mit seiner Kraft.“ Auf einmal nickten Akiko, Juan, Jimin und Finlay zustimmend als Zeichen, dass sie es auch so sahen. Federica murmelte in der Zeit:„Vielleicht ist aber auch Michal noch am leben, weil Karolin ihn beschützt hat.“ Preecha murrte:„Letztendlich hängt es vermutlich davon ab, ob Karos Intention dahinter Verrat oder Opfer war. War es der Verrat, lebt sie noch und war es das Opfer, ist Michal vermutlich noch eher am Leben. Ich persönlich gehe aber weiter von dem Verrat aus, weshalb ich auf Karolin wette.“ Viele nickten zustimmend. Nur Amba, Hobi, Tae und ich wetteten irgendwie nicht mit. Die Inderin brummte:„Ich enthalte mich. Mir ist schnuppe, wer von beiden tot ist und ich will auch nicht darum wetten!“ Amba tat so als sei es ihr alles egal, doch in ihren Augen sah ich so etwas wie Angst oder Trauer. Wir beide wussten, dass sie tief im Inneren hoffte, dass es wirklich ein Versuch war, uns zu retten und Michal noch lebte. Aber genauso glaubten wir beide nicht so ganz daran.
    Hobi lief in der Zeit schweigend neben uns her, schaute auf den Boden, während er eine leichte Narbe an der Wange hatte, aus der langsam Blut tropfte. Sein Blick schien leer und doch so schmerzerfüllt. Sofort stupste ich Tae an, um ihm zu signalisieren, dass er einmal mit seinem Kumpel sprechen sollte, was er dann auch direkt tat. Vorsichtig sprach er ihn an:„Hey, Hobi... Woran denkst du gerade?“ Verwirrt blickte der Rapper auf, bevor er stammelte:„Ich denke daran, wie schrecklich es ist, dass wir hier darüber spekulieren, ob nun Michal oder Karolin tot ist. Es ist unmenschlich. Wir tun so als wäre es ein Witz, einer Wette wert!“ Ich verstand Hobis Wut darüber, doch Tae murmelte sofort:„Es ist vielleicht nicht sehr vernünftig, aber irgendwie erinnern wir uns dabei nur daran, wie Karolin sonst war. Wir wissen ja nicht mal, ob sie uns nun wirklich verraten hat oder, ob Callum die Wahrheit aussprach. Genauso wenig wissen wir eben, wer tot ist.“ Zornig zischte der Rapper:„Genau das ist es ja! Wir wissen es nicht, warum spekulieren wir also darüber? Egal, ob Karolin es nun für uns oder gegen uns getan hat, sie hat uns verlassen und in dem Sinne so oder so verraten! Sie hat uns doch nur benutzt! Außerdem, wären sie wirklich nur losgezogen, um sich für uns zu opfern, wäre der Überlebende doch wohl dazugekommen, als wir kämpften! Es ist einfach ein Verrat!“ Tränen traten in Hoseoks Augen und ich wusste, dass er eigentlich nur nicht mit dem Gedanken leben konnte, dass es wieder ganz anders war.
    Auch Tae bemerkte dies und nahm seinen Bandkollegen freundschaftlich in den Arm, während er meinte:„Ist schon gut, Hobi. Aber weißt du, wir sollten uns einfach darauf konzentrieren, dass wir hier vermutlich noch heute herauskommen.“

    Ich nickte zustimmend, doch plötzlich kam mir etwas Anderes in den Sinn.
    Was, wenn wir nun wirklich so weit sind, dass wir als alleinige Personen übrig sind? Werden wir hier wirklich herauskommen oder wird Hisoka vielleicht einfach seine Leute schicken, die uns dann nach und nach abmetzeln sollen? Er hat doch so viele Möglichkeiten! Warum sollte er uns dann einfach herauslassen? Er hat sein Ziel - den Auserwählten finden, um jemand Toten zurück ins Leben zu holen.
    Doch die Frage, um wen es sich dabei h andelt und wie weit diese Kraft des Auserwählten reicht, ist immer noch nicht beantwortet...
    Es kann genauso gut sein, dass es noch lange nicht vorbei ist und wir nur das „erste Level“ geschafft haben...


    Ich wurde aus meinen Gedanken herausgerissen, als Akiko auf einmal ihre Stimme hob:„Die Frage ist aber immer noch, wie es weitergehen wird, wenn wir wirklich alleine hier übrig sind. Wie weit können wir dann überhaupt noch kommen?“ Ich war verwirrt, da ich über genau das gerade nachgedacht hatte, als wenn die Japanerin Gedanken lesen könnte.
    Doch Juan antwortete:„Ich weiß nicht... Es kann ja auch sein, dass wir gar nicht heraus können und Hisoka uns quasi dazu zwingt, uns gegenseitig zu töten. Warum sollte er uns auch einfach herauslassen?“ Preecha murmelte:„Nun, ich habe ihn ja früher gekannt und weiß ein bisschen, wie er tickt. Ich glaube, er spielt gerne. Deswegen hat er ja zum Beispiel auch diesen Ball damals angesetzt - Er wollte sich über uns lustig machen, uns verspotten, indem er uns alles machen lässt, was er will. Ich kann mir genauso gut vorstellen, dass er versucht, uns irgendwie gegeneinander aufzuhetzen. Wenn wir mal überlegen... Er hat uns Kräfte verabreicht, die theoretisch gesehen gar nicht hätten da sein dürfen. Es gibt genug Chemikalien, die dem Menschen bekannt sind - Da gibt es auch Mittel, die einen gegeneinander aufhetzen. Er kann uns genauso gut so etwas verabreichen, bis wir uns ohne Sinn und Verstand niedermetzeln. Es ist alles ein Spiel für ihn. Er macht die Regeln und nach denen müssen wir spielen.“ Amba warf jetzt in den Raum:„Und was, wenn wir unsere eigenen Regeln machen?“ Überrascht schaute ich die 17-jährige an und dachte über das nach, was sie gesagt hatte.
    Das ist gar keine so dumme Aussage - unsere eigenen Regeln machen... Wir müssen einfach Hisoka loswerden, um unsere Regeln selbst zu gestalten. Wow. Ich hätte damals nie von Amba gedacht, dass sie so etwas Barbarisches in dem Sinne ausklügeln würde.
    Auch die anderen schienen direkt zu verstehen, was die Inderin damit meinte und Via hakte nach:„Du willst also Hisoka umbringen?“ Stumpf nickte Amba:„Ja. Wegen ihm sind wir doch hier, oder nicht? Wenn er nicht mehr da ist, kann er uns auch nichts mehr anhaben.“ Akiko dachte nach, wirkte irgendwie verunsichert, aber auch andererseits entzornt, warum auch immer, bis sie einmal ausatmete und antwortete:„Das ist eigentlich gar kein so schlechter Einwand. Die Frage ist natürlich nur, wie wir an ihn rankommen wollen. Er hat doch locker 20 Wachen mindestens, die ihn den ganzen Tag umzingeln und sowieso müssen wir hier erstmal rauskommen.“ Tae beteiligte sich jetzt auch an der Diskussion:„Dann müssen wir eben schauen, wo wir am Ende abbleiben. Wir werden wohl dahinterkommen und dann können wir Hisoka immer noch um die Ecke bringen.“

    Wir wurden unterbrochen von Federica, die murmelte:„Mag alles sein, aber wichtig ist doch, dass wir jetzt erstmal zusammenbleiben oder nicht? Ich bin ehrlich - ich möchte mich nicht noch in einen zweiten Kampf stürzen. Wir haben gerade erst Callum und seine Leute besiegt. Auch dort haben wir ein Opfer lassen müssen.
    Was, wenn beim zweiten Kampf auch noch jemand draufgeht? Falls es überhaupt der zweite Kampf sein wird. Mal angenommen, wir treffen auf Karolin oder Michal, die uns wirklich verraten haben und müssen auch noch gegen die kämpfen. Was meint ihr, wie viele dort noch auf der Strecke liegen bleiben? Karolin und Michal kennen uns besser als alle anderen. Sie kennen all unsere Schwächen und können diese jederzeit zu ihrem Nutzen machen. Wenn Wir jetzt auf den Überlebenden der beiden treffen und es zu einem Kampf kommt, wird mindestens noch eine Person sterben.
    Mit der Zeit werden wir ja auch nicht stärker. Gibt es dann noch einen dritten Kampf gegen Hisoka und seine ganzen Anhänger, können wir uns das Leben vermutlich sofort abschminken! Wollt ihr das wirklich noch alles riskieren?“
    Ich verstand Ricas Einwand - zu gut. Genauso war mir klar, dass sich die Italienerin dabei vorerst um Jimin sorgte. Mir ging es nicht anders mit Tae.
    Doch Akiko konterte:„Was willst du sonst tun? Möchtest du so lange in dieser Arena bleiben, bis Hisoka uns einfach von sich aus wegpustet? Rica, ein Kampf wird so oder so nicht auszuschließen sein. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber es ist nun mal so. Wir kommen nicht drum herum, unser Leben noch einmal aufs Spiel zu setzen...“ Leise seufzte die 20-jährige nur und hielt Jimins Hand fest, woraufhin dieser sie liebevoll in eine Umarmung zog und ihr etwas zumurmelte.
    Leicht lächelte ich, als ich diese zärtliche Berührung zwischen Federica und Jimin sah. Es war doch irgendwie schön, dass es noch im weitesten Sinne so wie vorher war und die Liebe immer noch hielt.
    Auf einmal spürte ich auch eine warme Hand an meiner und drehte mich um, woraufhin ich in Taes lächelndes Gesicht blickte. Ich lächelte liebevoll zurück, bevor mein Freund mir auf einmal einen Kuss auf die Lippen drückte und dann murmelte:„Ich hab dich lieb, Tomätchen. Und glaub mir, das wird sich niemals ändern!“ Lächelnd erwiderte ich dies, fragte dann aber:„Warum sagst du mir das so auf einmal? Befürchtest du, dass es wirklich zu einem weiteren Kampf kommen wird und wir...“ Weiter kam ich nicht, weil ich die Worte nicht aussprechen wollte. Stattdessen strich Tae mir nun eine Strähne aus dem Gesicht und murmelte:„Nein, Tomätchen. Ich sage es dir, weil es die Wahrheit ist. Und selbst wenn wir sterben, unsere Liebe stirbt nicht. Die Liebe stirbt zuletzt.“ Lächelnd, aber innerlich gequält von dem Gedanken an den Tod, murmelte ich:„Nein. Die Liebe stirbt nie...“ Lächelnd kam Tae mir näher, wollte gerade wieder mit seinen Lippen meine berühren, als auf einmal ein Geräusch ertönte.

    3
    Kapitel 144

    Erschrocken drehten wir uns sofort um, als ein Knarren hinter uns ertönte. Das schleppende Geräusch von schweren Füßen untermalte die Stille und sofort machten wir uns alle bereit, zu kämpfen. Möglicherweise war es ein Tier oder aber auch könnte es ein weiterer Kämpfer Hisokas sein. Mir persönlich schoss erstmal in den Kopf, dass es vielleicht Karolin oder Michal waren. Die Schritte schienen unregelmäßig, wie ein Humpeln und nur wenige Sekunden später erschien auf einmal ein bekanntes Gesicht.

    Bereit für einen Kampf zückten Hobi und Jimin ihr Schwert, während der Rest seine Kräfte in der Hand brodeln ließ. Augenblicklich taumelte die Person zurück, die dunklen Augen schienen müde und das dunkelbraune Haar fiel strähnig in das Gesicht. Die Hände des ehemaligen Mitglieds zitterten und waren mit Blut verschmiert, wobei eigentlich keine Wunde zu sehen war. Ängstlich schnellte der Blick der Person zwischen uns her und sie taumelte zurück, scheinbar unerwartet auf uns gestoßen.
    Wir sagten nichts, starrten den jungen Menschen nur an, bis dieser schließlich murmelte:„Ich... werde das alles erklären. Nur tötet mich nicht direkt!“ Akiko, als unsere neue Anführerin, antwortete in einem kalten Ton:„Versuch ja nicht, dich herauszureden, Michal!“ Um sich selbst zu schützen, hob der Mann jetzt langsam seine Hände als würden sie eine Art Schutzbarriere bilden und er stammelte:„Ich möchte mich aus nichts herausreden. Ich möchte nur alles erklären, bevor ihr mich tötet!“ Wütend antwortete darauf Amba, während sie einen Schritt vortrat:„Uns was erklären? Warum du und Karolin uns verraten habt? Uns sterben lassen wolltet? Das brauchst du nicht erklären! Das hat Karolin doch eh schon getan!“ Leise seufzte der Pole jetzt, senkte den Blick bei Karolins Namen und er sprach:„Es ist nicht so, wie es scheint. Wir haben es nach einem Verrat aussehen lassen, aber das war es nicht...“
    Hoffnungsvoll hob ich den Blick. Also hatte Callum wohl doch die Wahrheit gesagt!
    Langsam fuhr der Mann fort, während Jimin und Hobi ihm weiterhin die Klingen entgegenhielten:„Wir haben euch nie verraten. Wir haben versucht, euch vor dem Tod zu bewahren. Aber leider ist es nicht so ganz gelaufen, wie wir es uns vorgestellt hatten...“ Wir alle schwiegen, niemand gab einen Ton von sich, zu gespannt zuhörend, während der Mann zusammengekauert auf dem Boden kniete, um sich als harmlos zu zeigen. Wie gedemütigt fuhr er fort:„Wir haben euch eingesperrt in dem Wirbelsturm, damit ihr uns nicht folgen konntet, wenn wir Callum töten wollten. Es hatte nie wirklich etwas mit Verrat zu tun. Wir wollten euch alleinig vor dem Tod schützen, indem wir euch einsperrten und selbst kämpften.“ Preecha unterbrach:„Und warum sollten wir dir das jetzt glauben? Du könntest alles erzählen, um dein Leben zu retten. Am Ende verrätst du uns doch nur wieder!“ Bedrückt senkte der 21-jährige abermals den Blick und griff die Erzählung erneut auf:„Karolin hat euch gesagt, weshalb sie es tat. Sie hat mit keinem Wort gelogen. Doch hat sie es so ausgedrückt, dass man auch denken könnte, sie wollte euch verraten. Wir wollten nicht, dass ihr versucht, uns dann davon abzuhalten. Wisst ihr, Karolin hat sich entschuldigt, weil sie euch verließ. Jedoch verließ sie euch durch den Tod und deshalb wusste sie, dass ihr leiden würdet, wenn ihr davon erfahren würdet. Sie wollte ihre Familie stolz machen, indem sie zeigte, dass sie nicht egoistisch war. Die Rede davon, dass sie wirklich dieser egoistische Mensch sei, war zum Einen vielleicht Ironie und zum Anderen nur das, was es dennoch irgendwie war. Alles ist Egoismus, denn im Grunde genommen handeln wir, um uns selbst das Gefühl zu geben, dass wir ein guter Mensch sind und, dass wir eben nicht egoistisch sind. Niemand von uns handelt, um andere glücklich zu machen, sondern nur, um sich selbst tief im Inneren glücklich zu machen. So handelte auch Karolin, um sich selbst zu zeigen, dass sie es wert war und die Welt sie falsch sah.
    Zwar ging es ihr in erster Linie doch um euch, aber andererseits wollte sie ihre Forderungen an sich selbst befriedigen und zeigen, dass sie nicht der Mensch war, der sie zu sein schien.
    Karo gab oft mehr Liebe, als sie selbst erhielt und sie wollte, dass sie vielleicht wenigstens im Tod einmal mehr Liebe erhält. Sie gab ihr Leben für euch.
    Sie wurde in dem Kampf verwundet und starb wenige Minuten später, als wir in einem Waldstück waren. Sie sagte noch zu mir, dass ich euch etwas ausrichten soll. Das war ihr letzter Wunsch und den werde ich ihr auch erfüllen... Sie sagte:„Ich habe diese Menschen mit der Zeit liebgewonnen. Ich habe mich stets darum bemüht, sie glücklich zu machen und dafür zu sorgen, dass es ihnen gut geht. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass es wichtig ist, Opfer für die Gemeinschaft zu bringen. Das ist es, was ich tun wollte. Sie alle haben das Leben verdient und ich weiß, dass ihr Leben es auch wert ist. Man würde sie vermissen.
    Ich habe oft an dem Leben gezweifelt und war nicht wirklich glücklich. Demnach fand ich es wichtig, immerhin ihnen die Chance zu geben, das Leben weiterzuleben.
    Ich möchte aber auch, dass sie wissen, dass sie nie die Menschen waren, die mich an dem Leben überhaupt zweifeln ließen. Sie waren es, die mir zeigten, dass die Welt nicht NUR böse ist. Deswegen stehe ich in ihrer Schuld und deswegen habe ich es auch getan. Das sollen sie wissen!
    Ich bin dankbar für jede Minute, die ich mit ihnen verbracht habe, weil sie mir das Gefühl gaben, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Dieses Gefühl hatte ich vorher nie wirklich und ich möchte, dass ihnen bewusst ist, dass sie nichts mit dem zu tun haben, was mir vorher das Leben zerstörte.
    Besonders Hobi hat mir immer beigestanden. Er war mein bester Freund und er soll wissen, dass es mir leid tut, ihn allein zu lassen. Dennoch soll er sich bewusst sein, dass ich es tat, um ihn zu schützen - ihn und all die anderen.
    Letztendlich wollte ich die Person sein, die ich vielleicht auch damals gebraucht hätte. Mein Ziel war es, dafür zu sorgen, dass sie meinen Schmerz verstehen, aber auch, dass sie einen solchen Schmerz niemals erleben und auch nicht anderen zufügen werden.
    Ich habe mein Leben für sie gelassen, doch ich bereue es nicht. Es war die wohl beste Entscheidung, die ich in meinem Leben traf.
    Diese und weitere Menschen waren mir sehr wichtig. Genauso wie meine Familie. Auch, wenn sie mich einst verletzten und vielleicht sogar zu diesem Punkt brachten, liebte ich sie. Jetzt wissen sie, wie sehr man einen Menschen zerstören kann, doch ihn gleichzeitig dazu erzieht, andere über sich zu stellen. Ich bin nicht die, die ich zu sein schien...“
    Das ist es, was Karolin sagte. Sie hatte recht, dass sie nicht der Mensch war, der sie zu sein schien und genauso wenig war sie der Mensch, der immer glücklich war. Dennoch war sie nicht die Person, der alles egal war. Sie sah die Welt als den Platz, der ihr so viel nahm, doch das hielt sie nicht davon ab, weiter zu geben - sie gab ihr Leben. Das mag alles total kitschig klingen und so, als sei Karo der großartigste Mensch der Welt gewesen - Nein, das war sie nicht. Auch sie hatte ihre Fehler, doch ich möchte es sagen, weil sie es verdient. Letztendlich war ihr Tod vielleicht auch so etwas wie Suizid. Zumindest könnte man es irgendwie so sehen. Auch, wenn sie sonst nicht vor hatte, Suizid zu begehen. Vielmehr wollte sie andere davon abhalten...
    Ich wollte, dass ihr das wisst, damit ihr sie nachvollziehen könnt und sie nicht weiter als Verräterin im Gedächtnis behaltet...“

    Vollkommen geschockt von all dem und mit Tränen in den Augen schaute ich auf den Mann herab, während Hobi direkt komplett aufgelöst fragte:„Und du wusstest von all dem, Michal! Warum hast du sie nicht aufgehalten?“ Bedrückt erklärte der 21-jährige:„Sie hatte es mir alles erzählt, ja. Sie wusste, dass ich es ihr schuldete, nachdem sie mir selbst half. Ich konnte ihr nicht widersprechen, weil ich sie verstand und grundsätzlich das Selbe wollte.
    Ich wusste, dass es auf den Tod herauslaufen konnte, doch ich erwartete, dass es mich treffen würde. Sowieso, wisst ihr, dass man Karolin von nichts abbringen kann, was sie sich in den Kopf gesetzt hat.
    Wisst ihr, als Karolin mich fragte, ob ich ihr helfen könnte, wollte ich es erst nicht. Zum Einen hatte ich selbst Angst vor dem Tod und zum Anderen wollte ich nicht, dass sie stirbt - Das war dann damals auch der Streit. Letztendlich habe ich doch eingewilligt, weil ich es euch ebenso schuldete und ich vor allem Amba retten wollte...“

    Wie geschockt starrten wir den Polen an, unfähig, etwas zu sagen. Zwar wussten wir alle schon vorher, dass es diese Möglichkeit auch geben konnte, doch wir hatten wohl weiterhin einen Verrat erwartet. Der Mann hingegen kniete weiterhin auf dem Boden, die Hände mittlerweile anstarrend, während das Blut getrocknet an seinen Fingern klebte.
    Schließlich war es Finlay, der die Stille brach:„Ist das Karolins Blut?“ Wie traumatisiert schaute der Mann mit den Augenringen auf, schwieg einen Moment und antwortete dann:„Ja, es ist ihres. Sie starb an dem Blutverlust. Erst hatte Irina sie verbrannt, sodass sie eine ähnliche Narbe im Gesicht hatte, wie Preecha und dann schlitzte sie Karolin einmal an der Seite, kurz unter den Rippen auf. Erst schien die Verletzung sogar gar nicht so schlimm und sie kämpfte einfach weiter. Dabei tötete sie Nebel männlich und verletzte Irina. Die zwei ohne Kräfte hatte sie vor der Verletzung noch töten können. Ich habe eigentlich nur für Ablenkung gesorgt und einen der Gesandten Hisokas entwaffnet.
    Später, als wir vom Kampf geflohen waren und uns in den Wald verzogen, fiel mir die Wunde erst richtig auf. Ich versuchte noch, die Blutung zu stoppen, indem ich mit meinen Händen darauf drückte, doch da hatte sie schon zu viel Blut verloren...“ Vorsichtig und mit Tränen in den Augen fragte jetzt Hoseok:„Wirkte sie traurig, als sie starb?“ Augenblicklich schüttelte Michal den Kopf:„Nein. Sie wirkte eher erfüllt und zufrieden. Sie lächelte, als sie ihren letzten Atemzug tat. Sie war nicht traurig. Es wirkte eher so als würde sie sich schon darauf freuen, wenn es erstmal vorbei ist. Alles, was sie zuletzt noch sagte, war, dass sie sich wünschte, euch persönlich sagen zu können, was sie nun mal zu sagen hatte. Doch sie meinte, es sei in Ordnung und sie versprach mir, weiterhin immer auf uns aufzupassen...“

    Mit Tränen in den Augen schaute ich auf und bemerkte plötzlich, dass auch den meisten anderen die Tränen in den Augen standen. Federica hatte sich an Jimin geschmiegt und ihr Gesicht in seiner Schulter versteckt, während er seine Arme fest um sie geschlungen hatte. Akiko starrte nur ausdruckslos auf den zusammengekauerten Michal, während Amba es mit Schmerz in den Augen tat. Juan und Preecha standen beide bedrückt dort, Preecha starrte auf den Boden, Juan in den Himmel als suchte er dort nach der toten Österreicherin. Lívia hingegen hatte sich mittlerweile neben Hobi gestellt, welchem weiter die Tränen aus den Augen rannen und sie unterstützte ihn. Ich stand nur dort, wusste nicht, was ich tun sollte, bis Tae mich in den Arm nahm und ich endlich anfing, richtig zu schluchzen.
    Finlay stand eher unberührt zwischen uns allen und murmelte leise:„Ihr habt euch ziemlich getäuscht in Karolin, hm? Schon wieder...“ Doch Hobi erwiderte nur:„Nein, wir täuschten uns nur ein einziges Mal in ihr. Und das war, als wir sie als Verräterin betitelten. Wir haben ihr Unrecht getan.
    Alles, was Karolin jemals tat, tat sie, um uns zu beschützen und alles, was sie sich wünschte, war, genauso von uns geliebt zu werden! Sie starb in dem Glauben, nicht gut genug zu sein...“
    Langsam stand darauf Michal auf und sprach:„Nein, sie starb in dem Wissen, dass sie besser war, als ihr es damals oft gesagt wurde! Sie starb nicht als unglückliche Person, sondern als die, die andere glücklich machen wollte. Und ich denke, das war irgendwo ihre Bestimmung.“ Schweigend nickten wir nur alle, bis Hobi sich auf einmal erinnerte:„Karolin sagte einmal, dass es Menschen gibt, die einfach dazu geboren wurden, mehr Liebe zu geben als sie jemals selbst zurückbekommen würden. Sie war genau eine dieser Personen.“ Leise raunte ich jetzt:„Das mag sein, aber sie war auch die Person, die wir jetzt niemals vergessen werden! Genauso wie Malou und Lorenzo!“ Als ich Lorenzos Namen nannte, schaute auf einmal Michal auf und fragte geschockt:„Er ist tot? Ich habe nichts gehört?“ Ruhig erklärte ich ihm davon und sein Blick verfinsterte sich erneut. Leise murmelte er dann:„Der Kampf hat seine Opfer genommen...“ Akiko nickte daraufhin, sprach aber dann mit fester Stimme:„Es ist wahr. Der Kampf nahm sich seine Opfer, aber genau für die sollten wir nun weiterkämpfen! Sie alle gaben ihr Leben. Für uns. Egal, ob ihr für Malou, Lorenzo, Karolin oder nur euch selbst kämpfen wollt, wir müssen hier raus! Und wir werden auch hier herauskommen! Wir wollen nicht noch jemanden verlieren und das werden wir auch nicht, wenn wir nur weiterhin zusammenhalten!“ Zustimmend nickten wir alle, während Michal plötzlich näher auf mich zukam und leise fragte:„Ist Akiko irgendwie die neue Anführerin?“ Ich nickte:„Ja. Nachdem ihr gegangen seid und wir dachten, ihr wolltet uns verraten, haben wir Akiko als neue Anführerin gewählt. Ich weiß, dass sie das kann. Alleine an ihren motivierenden Reden merkt man es.“ Nachdenklich nickte der Pole, lächelte schwach und murmelte:„Man kann so schnell ersetzt werden...“ Betrübt schaute ich nur auf den Boden, bevor Akiko wieder ihre Stimme hob:„Die Frage ist natürlich, wie genau wir nun weitermachen wollen. Wir kommen hier ja nicht ohne Weiteres heraus. Und... ich mag es kaum sagen, aber ich weiß nicht, ob ihr es alle so seht... Was machen wir jetzt mit Michal? Er sagt, es war kein Verrat und ich glaube ihm das, doch ich weiß genauso, dass es dennoch einigen das Vertrauen in ihn genommen hat... Wollen wir ihn also wieder aufnehmen?“ Diese Worte sprach die Japanerin zu Amba und ich sah, wie sich in Michals Augen so etwas wie Angst bildete. Jedoch konnte ich nicht sagen, ob Angst vor einem möglichen Tod, der ihm mit der verweigerten Aufnahme entgegenkommen würde oder Angst, dass Amba ihm nicht verzeihen würde.
    Die Inderin selbst hingegen schaute den Polen erst kalt an, lächelte dann aber leicht und murmelte:„Selbst wenn ich es wollte, ich könnte ihn dennoch nicht gehen lassen. Ich liebe ihn...“ Sofort erhellte sich Michals Blick und auch Ambas Lächeln wurde breiter, bis sie auf ihren Liebsten zustürmte und ihn umarmte.
    Grinsend raunte jetzt Akiko:„Gut, dann ist Michal also wieder im Geschäft!“ Gerade wollte die Anführerin noch etwas sagen, als sich die Umarmung zwischen Michal und Amba wieder löste, doch Amba stattdessen plötzlich ihre Lippen auf seine presste. Das überrumpelte uns alle, eingeschlossen Michal, sodass wir nur sprachlos hingafften. Nach einigen Sekunden lösten sich dann auch die zwei wieder und ich sah, wie beide freudig grinsten. Vorsichtig beugte ich mich jetzt zu Tae und Hobi, welche rechts von mir standen und murmelte:„Wow, das hätte ich jetzt nicht erwartet. Ich meine, wir wissen ja, dass zwischen den zweien etwas ist, aber, dass Amba ihrer Glaubens-Barriere doch den Rücken zuwendet, ist überraschend.“ Wie benebelt nickten die zwei Koreaner nur.
    Endlich räusperte sich dann auch Akiko laut:„Nun, ähm. Gratulation. Ähm... Da nun auch ihr offiziell ein Paar zu sein scheint, ist ja eigentlich alles geklärt. Wollen wir uns dann wieder unserem Plan zum Rauskommen zuwenden?“

    Gerade wollten Amba und Michal jetzt etwas erwidern, als auf einmal ein lauter, seltsamer Klang durch die Arena pfiff, der sich wie eine Alarm-Sirene anhörte und ein Rauschen ertönte aus der Mitte der Arena, nicht weit von uns entfernt.


    Moin Leute.

    Hier ist das nächste Kapitel. Ich hoffe, ihr habt alle gut in die Fortsetzung meiner Ff hineingefunden.
    Leider habe ich bisher erst eine Rückmeldung unter der Fortsetzung bekommen. Für diese bedanke ich mich natürlich, aber dennoch erhoffe ich mir, dass auch weitere noch ein Feedback geben werden. Wie ich schon meinte, bin ich jetzt sozusagen auf dem Höhepunkt der Ff angelangt und gerade da ist es mir wichtig, eine Rückmeldung zu bekommen. Immerhin gibt es relativ viele Wendungen und all sowas. Da wäre es mir persönlich ein Anliegen, inhaltlich eure Meinung zu hören. Da dürft ihr dann auch gerne in die Tastatur hauen. Ich lese gerne.

    LG Emily W.

    4
    Kapitel 145

    Verwirrt und gleichzeitig ängstlich drehte ich mich ruckartig zu der Richtung um, aus der das Geräusch kam. Auch die anderen wandten sich dem zu und waren sichtlich unentschlossen. Schließlich flüsterte Akiko:„Wir müssen herausfinden, was da vor sich geht!" Augenblicklich setzte sich die Japanerin damit in Bewegung und wir folgten allesamt. Dabei unterstützte Amba Michal etwas, da er ebenso am Bein verletzt war. Ich hingegen lief Hand in Hand mit Tae, so schnell, dass ich die Bäume nur noch an mir vorbeiziehen sah.

    Es dauerte nicht lange, bis wir erneut in der Mitte angekommen waren und der Klang der Sirene dröhnte in meinen Ohren und verursachte Kopfschmerzen. Ich sah die kreisrunde Plattform, durch die wir damals in die Arena gelangt waren und ich merkte, dass sie sich langsam aber rauschend nach unten senkte, zurück in die Tunnel, die erst zu der Arena führten. Verwirrt blieben wir davor stehen, doch jederzeit bereit, zu kämpfen, sollte dies von Nöten sein. Ich vernahm Juans Stimme durch den ohrenbetäubenden Alarm:„Ich bin nicht sicher, ob es gut ist, hier zu stehen! Wer weiß, was das bedeutet und jetzt in die Arena kommt!" Ich verstand die Angst der Spaniers und mich ergriff die Furcht ebenso, doch andererseits wusste ich, dass wir bleiben mussten. Es könnte einen weiteren Kampf bedeuten, doch auch der würde uns die Freiheit schenken. Akiko schien ähnlich wie ich zu denken, denn sie rief:„Wir können nicht gehen! Es könnte unsere Rettung bedeuten!"
    So blieben wir also stehen, angespannt und unter dem Lärm leidend, bis ein Klicken ertönte, dass uns signalisierte, dass die Plattform unten eingerastet war. Unter dem warnenden Ton der Sirene konnten wir jetzt plötzlich Stimmen vernehmen, welche wohl aus dem Tunnel kamen. Sie klangen aufgeregt und hastig, doch ich konnte dennoch kein Wort verstehen. Nur eine Sekunde später löste sich die Plattform wieder und fuhr erneut nach oben. Nur wenige Momente später sah ich bereits schwarze Schöpfe, bis die Form oben eingerastet war. Augenblicklich drehten sich die zwei Fremden dann um und ich taumelte überrumpelt zurück, erkennend, dass ich die Gesichter kannte. Auch drei weitere unserer Truppe erkannten die zwei Männer sofort und Jimin rief überrascht aus:„Namjoon, Jungkook!" Die zwei neuen Koreaner fingen an, zu grinsen und der ältere von beiden fing jetzt an, hastig auf englisch zu erklären:„Ihr müsst mitkommen, wir haben nicht viel Zeit!" Einfach nur unfähig, vernünftig zu denken, starrte ich die zwei Männer nur an, während die anderen schon mit Joon und Kook die Plattform betraten. Tae zog mich schnell an der Hand hinterher, während der Alarm weiterhin unsere Sinne betäubte und augenblicklich durchfuhr den Boden ein Ruck und erneut fuhren wir nach unten. Der Anführer der Band erzählte in der Zeit auf Hobis Frage, was los sei, hin:„Wir wollen euch hier rausholen. Yoongi sitzt in der Technik-Zentrale und hat die anderen aus dieser ausgeschlossen, bevor er von dort aus dafür sorgte, dass sich die Plattform bewegt. Deswegen ist auch der Alarm an - weil die Sicherheit der Arena unterbrochen wurde.
    In der Zeit sind Jungkook und ich hier hingekommen um euch abzuholen und Jin hält gerade Hisokas Angestellte auf. Die sind nämlich natürlich auf dem Weg hier hin. Wir haben lange Zeit auf unseren Plan hingearbeitet, mussten aber darauf warten, dass ihr der Mitte nah genug seid, damit wir euch auch abholen können, bevor alles wieder gestoppt wird." Ich fragte jetzt vollkommen überfordert:„Aber woher wusstet ihr, dass wir in der Nähe waren?" Das jüngste Mitglied erklärte jetzt:„Es sind überall in der Arena Kameras angebracht, wo wir alles mitverfolgen konnten. Hobi und Jimin sind schon zu früh gegangen. Die Kameras hat Hisoka nämlich erst dann eingeschaltet. Wir haben einige Sachen mitbekommen wie zum Beispiel den Kampf zwischen euch und Callum. Als ihr den dann besiegt habt, sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass ihr rauskommen müsst." Wie eingefroren starrte ich den Koreaner nur weiter an, bis die Plattform dann auch wieder unten einrastete und wir im Tunnel angekommen waren. Sofort setzten wir uns wieder in Bewegung, mein Freund zog mich erneut mit und Akiko meinte:„Wir müssen jetzt also aus dem Tunnel heraus!" Knapp nickte daraufhin Namjoon und er fügte hinzu:„Ein Grund mehr übrigens, warum wir euch unbedingt rausholen wollten, ist, weil Hisoka euch sonst weiter in der Arena lassen wollte, aber Gefahren schicken. Er wollte sich seine technologischen Möglichkeiten zum Vorteil machen." Langsam nickte unsere Anführerin daraufhin und murmelte dann:„Dann ist es ja gut, dass ihr uns rausgeholt habt..."
    Gerade wollte Namjoon wieder antworten, als wir auf einmal am Ende des langen Ganges eine kleine Truppe von Männern erscheinen sahen. In der Hand hielten sie Waffen und als sie uns erblickten, rannten sie auf uns zu. Leicht panisch fragte ich dann:„Was machen wir jetzt? Wir haben keine Fluchtmöglichkeiten." Akiko fing an, triumphierend zu schmunzeln und sie murmelte sarkastisch:„Wozu haben wir denn unsere Kräfte?" Akiko hat recht. Wozu haben wir die Kräfte schon? Wir sind diesen einfachen Menschen weit überlegen! Sofort machten wir uns alle bereit, während die ohne Kräfte weiter hinten blieben.

    Die Männer kamen nun bei uns an, versuchten, uns außer Gefecht zu setzen, doch Preecha erschuf eine gewaltige Flamme, welche die Gesandten Hisokas schon vergraulte. Doch erstaunlicherweise gaben sie nicht auf, sondern versuchten es weiterhin. Also griff Amba sie mit ihren Pflanzen an und fesselte sie damit. Wir töteten nämlich nach wie vor eher ungerne und setzten unsere Gegner, so weit es ging, nur außer Gefecht. Doch kaum hatten wir die ersten Gegner besiegt, strömten auch schon neue Massen in die Tunnel. Wir liefen unbeirrt weiter, doch auf einmal kletterte einer der Feinde an einem Rohr hoch und riss es herunter. Dummerweise war es eine Wasserleitung und das Wasser sprudelte gleich heraus, genau in unsere Richtung, mit viel Druck. Eine riesige Welle kam somit auf uns zu, drohte, uns mitzureißen, doch Taehyung hob kurzerhand seine Arme und übernahm die Kontrolle des reißenden Wassers. Er ließ es zurücksprudeln, direkt auf die Feinde zu, welche nicht schnell genug davonkamen und somit einfach mitgerissen wurden.

    Als wäre nichts gewesen, liefen wir weiter, bis wir das Ende des Tunnels erreichten. Dort versperrte uns nur noch eine elektrische Tür den Ausgang, doch man konnte sie ganz einfach durch einen Knopf öffnen. Kurz drückte Jungkook dann darauf, da er das Prinzip schon kannte und augenblicklich schob sich die Tür rauschend zur Seite, sodass wir eintreten konnten. So taten wir es auch und kamen zurück in einen großen Raum, welchen wir schon vor der Zeit der Arena einmal betreten hatten. Namjoon sprach schnell:„Es wird jetzt nicht einfacher werden. Wie ihr seht, hat Hisoka schon einige seiner Gehilfen geschickt, doch sie stehen auch noch überall. Ab hier ist so gut wie alles irgendwie elektrisch geschützt und wir können eigentlich nicht ohne Weiteres voran. Allerdings wären ja auch wir nicht so weit gekommen, hätten wir nicht die Karte von Hisokas Berater gestohlen, mit der er in jeden Raum kann. Dennoch werden wir uns jetzt aufteilen müssen, da auch hier alles mit Kameras ausgestattet ist. Ich bin sicher, Yoongi hat nicht mehr die Macht über den Technik-Raum, also müssen wir jetzt ausschwärmen, damit sie nicht alle von einer Seite schicken können.
    Es gibt drei verschiedene Gänge, die wir gehen können. Kook und ich kennen die Wege, also teilen wir uns so auf, dass bei jeder Truppe einer bei ist, der den Weg kennt." Hobi unterbrach den anderen Rapper jetzt:„Du sagtest, es gibt drei Wege, ihr seid aber nur zu zweit. Jimin und ich kennen uns hier zwar aus, wissen aber doch nicht, welchen Weg du meinst. Was ist dann also mit der dritten Gruppe?" Lächelnd erklärte RM:„Dazu wollte ich gerade kommen. Jin wartet vor der Küche auf euch. Dort wollte er hin, nachdem er die anderen ein bisschen aufgehalten hat. Er kennt den Weg und wo die Küche ist, weiß Hobi ja auch." Das jüngste Mitglied von BTS fuhr nun fort:„Die erste Gruppe wird den Weg mit mir gehen. Das sind dann Juan, Jimin, Federica und Akiko. Preecha, Lívia, Finlay und Michal gehen mit Namjoon mit. Amba, (d/n), Tae und Hobi gehen dann den letzten Weg, wo ihr dann später auf Jin treffen werdet. Alles verstanden?" Kurz nickten wir, teilweise nicht ganz glücklich über die Einteilung, sagten aber nichts dagegen. Knapp nickte Jungkook dann abermals und rannte mit seiner Truppe direkt los, so wie Joon auch.
    Hobi schaute uns jetzt kurz an, zuckte mit dem Kopf zur richtigen Richtung und bedeutete uns, ihm zu folgen. So taten wir es auch und rannten dann mit dem Rapper an der Spitze den dritten Gang entlang. Nach kurzer Zeit kam erneut ein Schwung Feinde, den wir aber schnell außer Gefecht setzten. Wenige Meter weiter sahen wir einen Mann stehen - Jin. Er grinste uns schnell zu und fragte:„Na, seid ihr gut angekommen?" Grinsend nickte Tae nur, während wir direkt weiterliefen, diesmal mit Jin an der Spitze. Er warnte uns:„Ihr müsst nachher aufpassen und gewappnet sein, weil wir an der Halle vorbeikommen - und die ist voll der Hotspot, also kommen da bestimmt 20 Leute raus." Etwas ängstlich schaute ich zu Tae.
    Nun waren wir nur noch zu dritt mit den Kräften - Tae, Amba und ich. Konnten wir auch so 20 Leute besiegen?
    Schnell schüttelte ich die Angst ab und lief weiter. Schnellen Schrittes gingen wir durch den Flur, welchen ich selbst wieder erkannte - es war der Flur zur Tanzhalle. Wenige Meter später erkannte ich auch schon das riesige Tor zum Eingang der ebenso gewaltigen Halle. Stimmen kamen heraus und ich hörte, dass jemand über Tonanlagen in der Halle warnte, dass wir kommen würden. Leise seufzte ich, als sich das Tor dann öffnete und tatsächlich viele Menschen herauskamen. Neben mir hörte ich Amba ruhig atmen, als sie plötzlich konzentriert Pflanzen aus dem Boden wachsen ließ, die sogar die Fliesen durchbrachen. Die gewaltigen Schlingpflanzen wuchsen die Wände hoch, zerstörten das Mauerwerk und schlängelten sich um die Angreifer, welche schreiend versuchten, dem Griff des Grünzeugs zu entkommen. Einige andere wichen den Pflanzen gekonnt aus und griffen uns nun an. Hobi wehrte sich mit dem Schwert, welches er noch hatte, während Jin sich einfach mit den Händen wehrte. Da sich dort kein Wasser befand, konnte Tae nicht mit seinen Kräften kämpfen, weshalb er einfach ebenfalls mit den Händen kämpfte. Ich selbst vereiste den Boden, sodass die Angreifer ausrutschten und ich schuf so etwas wie Eisblitze, die die Feinde von mir fernhielten.

    Wir hatten so gut wie alle Angreifer außer Gefecht gesetzt, einige sogar getötet, als ich plötzlich sah, wie von hinten einer mit einem Schwert auf Tae zukam und es ihm in den Rücken rammen wollte. Ich eilte jedoch auf den Mann zu und stieß ihm meine Hand in den Rücken, welche so viel Kälte mit sich brachte, dass der Angreifer zu Eis gefror. Erschrocken drehte sich mein Freund dann um, lächelte jedoch schnell, als er realisierte, dass ich den Mann getötet hatte und er murmelte:„Du bist gut, Tomätchen." Leicht schmunzelte ich und murmelte:„Danke. Ich bin froh, dass ich jetzt vereisen kann, wen ich will und auch kontrollieren kann, wen ich nicht vereisen will." Knapp nickte Tae nur, bevor Jin rief:„Wollt ihr auch mal kommen?" Sofort kamen wir dann nickend hinterher, während Amba, Hobi und Jin schon ein Stück vorgelaufen waren. Der Führer der kleinen Gruppe sprach unterdessen:„Wir müssen quasi nur noch drei Räume durchqueren, bis wir am Treffpunkt sind, an dem dann auch alle anderen wieder rauskommen werden. Ich weiß nicht, ob Joon oder Kook euch das schon erzählt haben, aber, wenn wir hier endgültig herauswollen, müssen wir das Oberhaupt dieser Bewegung ausschalten - Hisoka. Der hat seinen Sitz, welcher jedoch noch einmal sehr stark bewacht ist. Es könnte auch sehr schwierig sein, da Hisoka wohl nicht gerade dumm ist und sein Berater und Sohn hängt ihm ja auch die ganze Zeit am Rockzipfel." Ich unterbrach Jin:„Warte mal. Das ist sein Sohn?" Etwas verwirrt nickte der Mann und erklärte weiter:„Ja, deswegen kann er ja auch die Zeichensprache. Ich selbst habe es auch erst vor etwa einer Woche herausgefunden, aber ja. Man kann sich eigentlich wohl ganz gut mit seinem Sohn unterhalten. Er erzählte, dass er mit seiner Familie in einem eher kleinem Dorf lebte und sein Vater schon immer stumm war. Jedoch erzählte Hisoka wohl stets Geschichten von seinem Vater und, dass dieser ihm eine Aufgabe gab - die Aufgabe, sein Lebenswerk zu vollenden - welches wohl genau das hier war.
    Daichi, wie Hisokas Sohn heißt, erzählte, dass seine Mutter ihm immer die Geschichten erzählte, die sein Vater eben nur in Zeichen erzählen konnte. Seine Mutter muss sehr liebevoll gewesen sein, doch eines Tages verschwand sie. Hisoka sprach nicht darüber, doch schien seit diesem Tage an wie ausgewechselt. Er kümmerte sich nicht mehr um seine Kinder, sondern steckte seine Nase nur noch in Bücher und ging auf Reisen." Tae unterbrach seinen Bandkollegen kurz:„Kinder? Hisoka hat also mehrere?" Kurz nickte der Ältere und fügte hinzu:„Er hat noch eine Tochter, welche aber wohl noch jünger sein muss als Daichi. Wie viel jünger weiß ich nicht. Darüber haben wir nie gesprochen. Er erwähnte sie nur in einem Nebensatz. Wovon er viel mehr sprach, war seine Mutter, die laut seinen Erzählungen eine Kraft hatte, wie ihr hier auch. Licht muss es gewesen sein." Nachdenklich murmelte jetzt Amba:„Lustig. Akiko hat auch die Kraft des Lichts und komm aus Japan. Man könnte fast denken, dass sie Daichis Schwester wäre, aber das wird wohl kaum so sein." Hobi nickte zustimmend, meinte aber dann:„Ich habe mich früher einmal mit Karolin darüber unterhalten, dass Hisoka erst ihre Schwester mitnehmen wollte, weil die auch fähig wäre, eine solche Kraft zu haben. Generell ist es aber eher selten, fähig für eine Kraft zu sein, weshalb sowas wohl vererbbar sein muss." Ich lachte:„Du willst doch wohl jetzt nicht sagen, dass du glaubst, dass Akiko Hisokas Tochter ist, oder?" Stumm schüttelte der Rapper den Kopf, während Amba für ihn sprach:„Es ist total unwahrscheinlich. Akiko hat auch gar keine Ähnlichkeit zu Hisoka. Hobi wollte nur Tatsachen darlegen. Uns ist wohl ganz klar, dass es nicht so ist."
    Kurz nickte ich nur lächelnd, während wir jetzt nahezu ungestört in dem Raum ankamen, den wir als Treffpunkt nutzen wollten. Genau mit uns traf die Gruppe von Namjoon ein, welcher wohl gerade eine kleine Auseinandersetzung mit Preecha hatte. Verwundert fragte ich kurzerhand:„Was ist los?" RM beschwerte sich:„Preecha hat einfach unseren Weg angezündet und jetzt brennt der ganze Norden des Gebäudes." Der Thai grinste:„Ja, das war sehr schön. Und immerhin sind die, die uns eigentlich angreifen wollten, jetzt damit beschäftigt, das Feuer zu löschen. Wir sind praktisch ohne auf andere zu treffen, durchgekommen."

    Namjoon verdrehte nur die Augen un schaute sich um:„Kooks Gruppe ist noch nicht wieder da?" Knapp schüttelte Jin den Kopf und murmelte:„Die kommen aber bestimmt jeden Moment."
    Wie gerufen öffnete sich in dem Moment die Tür und die letzte Truppe kam hereinspaziert, alle über beide Ohren grinsend. Hobi fragte die Neuankömmlinge verwirrt:„Was ist so lustig?" Via antwortete:„Naja, die Art und Weise, wie wir unsere Feinde besiegt haben eigentlich nur... Juan hat den Boden einstürzen lassen und das hat sie wohl alle ziemlich überrascht." Lächelnd schaute ich die Truppe nur an, bis Namjoon wieder das Wort an sich riss:„Ich denke, ihr wisst, dass wir jetzt weiter zu Hisoka müssen. Vorher möchte ich euch nur noch einmal warnen: Hisoka kennt die Kräfte besser als wir alle zusammen und er wird alles tun, damit wir den „Auserwählten" preisgeben. Stellt euch einfach darauf ein, dass es wohlmöglich sehr drastisch zugehen wird. Wir müssen aufpassen und stets füreinander da sein. Ich denke, das wurde euch gut beigebracht..."
    Ich wusste sofort, worauf Namjoon hinauswollte - er sprach Karolin an. Immerhin hat er, wie Kookie erzählt hatte, einiges über die Kameras mitbekommen und wusste demnach selbst, dass die 15-jährige alles daran setzte, dass wir füreinander da waren. Das war sogar so weit gegangen, dass sie sich selbst opferte, um für uns da zu sein.

    Als Antwort auf die Aussage des Rappers nickte jetzt Akiko und meinte:„Wir kennen uns gegenseitig und wir wissen genau, worum es geht." Dies sagte sie jedoch irgendwie in einem seltsamen Ton. Sie klang nachdenklich, nahezu in einer anderen Welt, aber dabei entschlossen. Diese undefinierbare Stimme erinnerte mich an etwas, doch ich konnte so schnell nicht sagen, an was, weshalb ich es einfach ignorierte. Stattdessen meinte ich:„Dann müssen wir jetzt ja nur noch zu Hisoka gelangen." Jin mischte sich ein:„Ich kenne den Weg genau und habe vorhin schonmal Yoongi bescheidgegeben. Wir treffen ihn dort. Tatsächlich konnte er Hisokas Leuten entkommen, als sie ihn wegen des Verrats fangen wollten.
    Das Wort „Verrat" löste irgendwie einen Schmerz in mir aus. Ich musste direkt an Karolin denken und ihren angeblichen Verrat. Ich denke, ich konnte noch nicht realisieren, dass die 15-jährige uns verlassen hatte, während wir ihr das schlechteste gewünscht hatten und hofften, dass sie tatsächlich tot war. Mir gingen die Worte nicht aus dem Kopf. „Ich werde niemals gut genug sein und von der Gesellschaft akzeptiert. Am Ende des Tages werde ich wieder das egoistische Mädchen sein, das niemals die erste Wahl sein kann und es auch niemals sein wird." - Karolin.
    Die Welt ist nicht gerecht und das wird sie wohl niemals sein. Und wegen dieser ungerechten Welt haben wir Karolin eigentlich erst verloren. Hätte man ihr das Gefühl gegeben, dass sie es wert war, wäre sie vielleicht noch hier. Andererseits wären wir auch nicht mehr hier, wäre sie noch hier...
    Leise seufzte ich, deprimiert von dem Fakt, dass es immer noch nicht vorbei war.
    Tae bemerkte diesen Seufzer und nahm mich direkt liebevoll in den Arm, während Namjoon noch etwas zu dem Vorhaben erklärte.

    Als er damit dann auch fertig war, löste ich mich von Tae, versuchte standhaft zu bleiben und murmelte:„Na dann mal los..."
    Mit den Worten setzten wir uns auch alle in Bewegung. Als gemeinsame, große Truppe rannten wir über die Flure. Zwischendurch kreuzten noch ein paar Feinde den Weg, welche wir jedoch alle ohne Probleme beseitigen konnten.
    Unterdessen unterhielten sich Akiko und Federica, dessen Gespräch ich zufällig mit aufnahm. Die Italienern meinte:„Ich glaube, wir könnten es wirklich schaffen. Wir sind so viele und Hisoka quasi alleine, während er nicht mal Kräfte hat." Akiko erwiderte:„Naja, er hat ja noch seinen Sohn und ein paar mehr Bedienstete. Ich hoffe natürlich auch, dass wir es schaffen, aber ganz sicher bin ich mir nicht. Hisokas Blut ist stärker als man denkt..." Verwirrt schaute ich zu Boden. Hisokas Blut? Was meint sie damit? Wahrscheinlich seinen Stammbaum, sprich er selbst und sein Sohn. Apropos Sohn... Woher wusste sie, dass es Hisokas Sohn ist? Sie war nicht bei uns hat es Jin sagen hören. Naja, wahrscheinlich hat Jungkook ihr davon erzählt.

    Im selben Moment bogen wir um eine Ecke und liefen geradewegs in die Arme eines weiteren bekannten Gesichtes - Yoongi. Er stand seelenruhig an einer Mauer gelehnt, schaute uns ausdruckslos an und murrte:„Ihr habt ja eine ganz schöne Leistung erbracht - der ganze rechte Flügel des Gebäudes steht in Brand und der Flur zur Lagerhalle ist vollkommen eingebrochen. Das nenne ich mal produktiv, hm?" Leicht schmunzelte ich, während der Andere fortfuhr:„Ich muss euch schonmal vorwarnen: Hisoka weiß davon, dass ihr hier seid. Er wird vorbereitet sein, aber sein Gemach ist gleich hinter dieser Tür." Dabei deutete er auf die Tür, 10 Meter von uns entfernt.

    5
    Kapitel 146

    Kurz musste ich schlucken, als ich die Tür erblickte. Ich wusste, was sich hinter ihr verbarg und ich wusste, dass es nicht gut war - wir alle wussten das und uns alle überkam ein Hauch von Furcht.
    Nur Yoongi stand irgendwie vollkommen unberührt weiter an der Wand gelehnt und sprach dann in einem gelangweilten Tonfall:„Wie lange wollt ihr noch reglos rumstehen?" Langsam beugte ich mich daraufhin zu Hobi und flüsterte:„Du hattest recht. Yoongi und Karo haben eine ähnliche Persönlichkeit." Langsam nickte Hoseok nur betrübt, wohl immer noch an Karolins ungerechten Tod denkend, bis er zielgerichtet den Kopf hob und laut murmelte:„Wir werden kämpfen! Ich werde nicht zulassen, dass Karolin und Lorenzo um sonst gestorben sind!" Akiko nickte zustimmend und fügte schnell Malous Namen hinzu. Auch Federica ließ ihren typischen Optimismus wieder heraushängen:„Wir schaffen das! Wir müssen es uns nur selbst sagen!" Teils überzeugt, teils zögerlich nickten wir, während Namjoon Rica anlächelte:„Das ist die richtige Einstellung!"
    Yoongi rollte gespielt genervt mit den Augen:„Na, was wartet ihr dann noch so lange, indem ihr plaudert?"

    Diese Worte gaben uns dann den letzten Anstoß und wir fielen allesamt in die Tür, stießen sie somit auf und standen plötzlich in einem großen Raum, mit einem gigantischen Balkon, auf welchem eine Person stand, mit dem Rücken zu uns. Neben dem Mann stand ein weiterer Mann, etwas größer und schlank. Er drehte sich nervös zu uns um, schaute uns in die Augen und schwieg. Wenige Sekunden später drehte sich der andere Mann auch um, begaffte uns, wie wir etwas verlegen im Raum standen und fing an, breit zu schmunzeln. Es war Hisoka, neben ihm sein Sohn - Daichi. Wie zu Eis erstarrt standen wir nur alle da. Niemand regte sich. Niemand sagte etwas.
    Die Stille zwischen dem Japaner und uns verwirrte uns, bis dieser auf einmal seine Hand hob, seinem Sohn und Berater etwas sagend. Dieser hob nämlich mit dem Zeichen die Stimme:„Ihr seid da. Wir haben euch erwartet." Nach wie vor bewegungslos standen wir vorerst da, nicht wissend, was wir tun sollten, während die zwei Männer vom Balkon in den Raum traten, immer näher auf uns zu.
    Ängstlich spannte ich meinen Körper direkt an, hob meine Hand augenblicklich an, jeden Moment dazu bereit, anzugreifen. Hisoka bemerkte dies natürlich und machte seine Zeichen, während Daichi übersetzte:„Warum so angespannt, (d/n)? Es gibt doch rein gar nichts zu befürchten." Ich schüttelte nur steif den Kopf und stammelte:„Du kannst uns nicht austricksen! Du bist der Feind! Ihr seid beide der Feind! Und wir werden euch töten!" Daraufhin fing Hisoka an, gehässig zu grinsen und der andere Japaner übersetzte:„Dass du deine Stimme so erheben kannst, hätte ich eigentlich nicht erwartet. Allerdings hast du mich schon ein paar Mal überrascht - zum Beispiel, als du deine Kälte in den Griff bekamst." Verwirrt schaute ich zu den zwei Männern und erinnerte mich an das, was Kookie erzählt hatte - die Kameras.
    In der Zeit sprach Daichi für seinen Vater weiter:„Ich habe in letzter Zeit viel von euch mitbekommen. Vieles hat mich überrascht." Hisoka fing an, die Personen quasi direkt anzusprechen:„Juan, dass du schwul bist, hätte ich nicht erwartet. Michal, deine Liebe zu Amba jedoch sehr wohl. Was mich jedoch am meisten überrascht hat, war Karolins Tod und das, was davor kam. Ein angeblicher Verrat - ein Kampf - das große Aufbäumen gegen sie - und dann die Erkenntnis, dass es alles für euch war. Nun ist Karolin tot. Schade drum eigentlich. Hätte ich gewettet, wer von euch gewinnt, hätte ich für sie gestimmt. Oder für Callum. Doch der hat ja auch sein Ende gefunden. An der Stelle hat mich dann wieder (d/n)s schlaues Denken überrascht."
    Vollkommen entgeistert, dass der Japaner augenscheinlich ein Pläuschchen, möglich gemacht durch seinen Sohn, mit uns hielt, starrten wir ihn an, bis er fortfuhr:„Eigentlich hätte ich es alles aufnehmen müssen. Man hätte einen guten Film daraus drehen können. Dramatische Musik hinter dem Kampf, qualvolle Schreie während Malous und Lorenzos Tod, düstere Stimmung bei Karolins einsamen Tod und Stille bei den fließenden Tränen.
    Ja, es wäre beinahe einen Roman wert. Bestimmt von Angst und Trauer, zerrissen durch dramatische Tode und geprägt von Verrat und dem Fehler, den falschen Leuten zu vertrauen.
    Und all die Charaktere: Federica, die Optimistische - Preecha, der Emotionen manipuliert - Callum, der brutale Mörder - Amba die Ängstliche - Karolin, die Missverstandene und all diese Personen.
    So viele Liebesgeschichten und alle werden das selbe Ende haben - den Tod."

    Dies reichte Federica und sie sprach mit zittriger, aber lauter Stimme:„Nein, die einzige Person, die hier noch den Tod finden wird, bist du, Hisoka!" Abermals grinste der Mann und Daichi übersetzte weiter:„Nein, davon gehe ich nicht aus. Weißt du, Rica... Alles findet sein Ende und das ist sowieso immer das gleiche - der Tod. Auch ich werde irgendwann mit dem Tod enden, doch die Frage ist, wie meine Geschichte sein wird.
    Was wirklich tragisch an eurer Liebe ist, ist, dass sie keine Geschichte haben wird. Denn sie wird enden, bevor sie wirklich angefangen hat. Und genau das wird nämlich eure Liebe. Federica, sag leb wohl, bevor es zu spät ist!"

    Das wiederum brachte Jimin dazu, sich zu mucken und er rannte los, direkt auf Hisoka zu, mit seinem Schwert in der Hand. Allerdings hob der Japaner blitzartig seine Hand und wie durch Geisterhand blieb Jimin stehen, wie eingefroren. Geschockt und angsterfüllt starrten wir auf den reglosen Körper, welcher nahezu in der Luft hing und ich hörte Federica neben mir angsterfüllt nach seinem Namen schreien. Auf Hisokas Gesicht hingegen machte sich ein höhnisches Grinsen breit und Daichi erzählte unabhängig von seinen Vater:„Ihr hättet doch wohl nicht gedacht, dass der Hüter der Legende nicht auch Teil der Legende ist, oder?“ Verwirrt fragte Lívia:„Was ist das für eine Kraft?“ Daichi antwortete ruhig:„Der Hüter der Legende hat die Macht über Zeit. Er kann sie jederzeit stoppen, doch niemals in ihr zurück gehen oder in die Zukunft gehen. Er hat lediglich die Macht, sie anzuhalten und jung zu erhalten. Wie sonst hätten eure Kräfte so lange erhalten bleiben können? Erinnert ihr euch nicht daran, als ihr eure Kräfte verabreicht bekamt? Es wurde in euer Blut gespritzt. Doch wie haben wir die Kräfte damals von den ehemaligen Auserwählten bekommen? - Auch über das Blut.
    Wer von euch ein bisschen Ahnung von Medizin hat, weiß, dass Blut nach einer Zeit austrocknet. Also musste der Hüter der Legende das Blut, also die Träger der Kräfte, in seiner Zeit stoppen. Nur so konnte es erhalten bleiben und letztlich an euch weitergegeben werden.“ Amba murmelte leise:„Das ergibt sogar Sinn...“ Federica fragte in der Zeit mit wackliger Stimme auf Jimin deutend:„Wie lange wird dieses Stoppen der Zeit anhalten?“ Hisoka machte seine Zeichen und sein Sohn übersetzte:„So lange, wie der Hüter will. Er kann es kontrollieren und es wird seinem Feind das Todesurteil sein, denn der Hüter selbst ist in der Zeit nicht eingeschränkt. Dein Freund hier könnte der Tod also ganz schnell ereilen.“ Panisch bettelte die Italienerin sofort:„Nein! Bitte lass ihn am Leben! Er wird nicht wieder versuchen, euch anzugreifen, wenn du ihn nur wieder gehen lässt!“ Kurz überlegte der ältere Japaner grinsend, nickte aber schließlich kurz und löste die Zeitspanne wieder auf, sodass Jimin weiterholperte, doch genauso schnell von Federicas Rufen gestoppt wurde und tatsächlich hörte er dann auf und kam zu uns zurück. Sofort schloss die 20-jährige ihn dann in ihre Arme, noch zu aufgelöst von der Angst, dass ihm etwas hätte passieren können.

    In der Zeit dachte ich nach. Es ist ein Spiel für Hisoka. Und es ist zu einfach für ihn... Mit seiner Macht kann er uns alle sofort außer Gefecht setzen. Er würde einen Kampf auf jeden Fall gewinnen. Wir haben praktisch gar keine Wahl... Ich wagte jetzt zu fragen:„Wenn deine Kraft so mächtig ist, warum bringst du uns nicht alle nacheinander um und suchst dir deinen Auserwählten selbst aus?“ Wieder schmunzelte der Mann und erklärte über Daichi:„Ich dachte, du könntest es dir denken. Das Blut derer, die eine Kraft besitzen, muss auch an den Fingern derer kleben. Wurde einer von euch von jemandem ohne Kraft getötet, bringt mir dieses ganze Zeugs gar nichts mehr. Blut bleibt unter dem Blut, sonst ist es kein Blutszeugnis mehr. Es wäre verunreinigt und würde die Chance eines Auserwählten gar nicht mehr zu Stande bringen. Deswegen darf ich euch nicht umbringen. Ich bin lediglich der Hüter all dessen und bin letztlich derjenige, der für ihre Existenz sorgt und nicht für ihren Untergang. Meine Aufgabe ist es nur, die Kräfte in dem Sinne zu verwalten.“
    Langsam nickte ich nur für mich selbst, senkte den Blick auf den Boden und dachte darüber nach, wie aussichtslos unsere Situation war. Ich denke, das wussten wir alle und wir schwiegen nur. Ich schaute auf und bemerkte all die Gesichter, welche auf Hisoka gerichtet waren. Ich konnte in jedem Gesicht das selbe sehen - Angst.

    Daichi hob in Hisokas Namen wieder die Stimme:„Es ist lustig, euch so zu sehen. Ihr wisst, dass ihr keinen Ausweg habt. Es ist amüsant, euch schwächeln zu sehen. All die Zeit hieltet ihr stets zusammen und fandet eine Lösung. Karolin hat sie meist für euch ausgeklügelt. Bis sie euch angeblich verraten hat. Wisst ihr was lustig ist?“
    Bedrückt schaute ich auf, nur noch darauf wartend, erneut in die Arena gebracht zu werden, während auch der Rest neugierig aufschaute. Der Japaner grinste, als er all unsere Augen auf sich ruhen sah und er fuhr fort:„Ihr dachtet, ihr hättet der falschen Person vertraut. Ihr habt nach Karolin Akiko zu eurer Anführerin gewählt. Sie hat euer Vertrauen erschlichen und hat euch nun so weit geführt. Wisst ihr... ihr hattet recht - ihr habt wahrlich der falschen Person vertraut.“ Verwirrt schauten wir Hisoka an und es bildete sich Angst in mir, die ich bis in meine Fingerspitzen klettern spürte. Ich wusste, dass wir alle Angst bekamen und Tae griff schützend nach meiner Hand als könnte er so die Angst vergessen und Daichi sprach für seinen Vater:„Ihr dachtet, Karolin wäre die Verräterin gewesen, doch die ganze Zeit über war sie die, die alles für euch getan hätte. Stattdessen habt ihr von eurer angeblichen Verräterin zur echten Verräterin gewechselt.
    Akiko, willst du es ihnen sagen?“

    Augenblicklich schwingen unsere Blicke zu der 18-jährigen über und ich sah sie nur vom Boden aufschauen. Ihr Blick war kühl und ohne wirkliche Emotion, doch gleichzeitig wirkte er ehrlich und ausdrucksstark. Kurz nickte die Japanerin nur und murmelte:„Ja, Vater.“

    Ich traute meinen Ohren nicht. Hatte ich geträumt? Wie konnte das Realität sein? Mein Verstand schien sich für einen Moment abzuschalten und ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, was ich gehört hatte. Ich konnte und wollte einfach nicht glauben, dass wir erneut hintergangen wurden, wobei das erste mal eigentlich gar kein Verrat war.
    Ich erinnerte mich an den Moment nach Karolins angeblichem Verrat, als wir alle Akiko als die Person sahen, auf die wir vertrauen konnten. Diejenige, die Skepsis gegenüber der ehemaligen Anführerin walten ließ und die, die gegen sie war. Erst jetzt kapierte ich, dass dieses Aufbäumen damals nur der Versuch war, Karolin von ihrer Position zu verscheuchen, damit sie ihr nicht mehr im Weg stand. Doch wusste Akiko tatsächlich die ganze Zeit, dass Karolin für uns handelte? Ist sie, nur weil sie seine Tochter ist, eine Verräterin? Wer bestätigt uns denn, dass sie deswegen gegen uns ist?

    Lívia hatte sich als erste gefasst und stammelte:„Akiko? Du bist seine Tochter?" Kalt schaute die 18-jährige auf die Brasilianerin herunter und sprach emotionslos:„Ja. Was glaubt ihr, warum ich fast nie ein Wort über ihn verlor? Oder meine Vergangenheit?" Fassungslosigkeit erfasste uns alle und wir gingen unterschiedlich damit um. Die meisten von uns schwiegen einfach nur bedeppert, während Lívia jedoch feststellte:„Du hast uns verraten. Du hättest uns das alles erzählen können und uns das alles ersparen! Wir hätten wissen können, dass wir keine Chance gegen Hisoka haben und du hättest uns alles erzählen können! Du hättest verhindern können, dass Karolin gestorben ist! Du wusstest, dass sie immer für uns war - deswegen warst du so gegen sie! Du hättest nicht nur ihren Tod verhindern können, sondern auch den von Malou und Lorenzo! Hätten wir all das gewusst, hätten wir nie versucht, so weit zu kommen!" Mit jedem Satz wurde die 13-jährige lauter und Wut ergriff sie - Wut und Verzweiflung. Doch gleichzeitig stand das Mädchen nur da und versuchte nicht, die Japanerin anzugreifen, wissend, dass Hisoka sie aufhalten könnte.
    Akiko antwortete jetzt endlich auch in ruhigem Ton:„Das ist reine Spekulation. Im Gericht würde die Aussage gar nicht erst beachtet werden. Aber ich kann dir dennoch sagen, dass diese Spekulation tatsächlich der Wahrheit entspricht. Ich habe von allem gewusst und ich war die Person, die euch bis hierhin brachte. Doch ich führte euch nicht, um euch zu retten, wie es Karolin tat, sondern ich tat es, um euch ins Verderben zu führen. Ich brauchte euch wirklich nur als Schutz und habe euch nun zur Endstation gebracht. Hier werdet ihr nicht weiterkommen.
    Ich habe mich gegen Karolin aufgelehnt, um euch gegen sie aufzuhetzen und das habe ich ja auch geschafft. Sie wollte nur das Beste für euch und sie hätte euch soweit gebracht, dass ihr gewinnt, hätte ich sie nicht aufgehalten. Ich sorgte dafür, dass ihr ihr nicht mehr voll vertraut und ich kannte ihren Plan. Doch erzählte ich euch nicht davon, damit ihr mich als neue Anführerin wählt und ich MEINEN Plan vollenden kann." Nun wandte sich die hübsche Asiatin an ihren stummen Vater und meinte:„Du hast recht, Vater. Es würde einen guten Roman abgeben. Mit mir als wahrer Verräterin und diesem Pack, das die einzige, die wirklich Gutes für sie wollte, als diese beschuldigte.
    Und das Ende des Romans ist der Tod." Ein Lächeln schlich sich auf Hisokas Gesicht und ich bemerkte, wie Daichi den Kopf senkte und jetzt erkannte ich auch, woher Akiko wusste, dass er Hisokas Sohn ist - weil sie Daichis Schwester ist. Plötzlich machte das alles einen Sinn und mir kam in den Sinn, wie wir einst darüber sprachen - Noch vor einigen Minuten mit Jin und Hobi, aber auch vor einigen Tagen oder Wochen, als Juan scherzte, Akiko habe Ähnlichkeit mit Hisoka. Wir hatten es alles als Scherz angesehen, doch es war die bittere Wahrheit...



    Moin.

    Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Schon wieder so eine extreme Wendung?
    Gleichzeitig fragt ihr euch wahrscheinlich, ob man mir, als Autorin, mit dieser Stelle wirklich vertrauen kann. Immerhin schreibe ich gerne verschlüsselt und auch der letzte „Verrat“ war kein echter.

    Ich möchte das einfach mal auf euch wirken lassen und ihr könnt überlegen, ob daran nun wirklich etwas dran ist und vielleicht warum. Irgendwelche Vorahnungen durch Aussagen in anderen Kapiteln oder irgendein Motiv von Akikos Seite aus?

    Teilt eure Gedanken gerne mit mir und, wenn ihr wollt, könnt ihr mich auch dafür zerfetzen, dass ich das Spiel immer so umdrehe und euch im Ungewissen lasse. XD

    Andererseits weiß ich, dass Akiko gerade in eurer Achtung aufgestiegen ist. Jetzt ist sie vermutlich wieder ganz unten durch. Dennoch würde mich eure Meinung dazu interessieren.

    Schreibt mir gerne all eure Gedanken zu diesem Kapitel (und vielleicht auch denen davor) in die Kommentare. Eigentlich bitte euch sogar darum, eure Gedanken mit mir zu teilen, weil das für mich selbst auch wichtig für einen eventuellen späteren Verlauf der Geschichte ist.

    LG Emily W.



    6
    Kapitel 147

    Nach wie vor fassungslos schauten wir die Japanerin nur an und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Weder wusste ich, wie ich fühlen sollte, noch, ob es überhaupt noch einen Ausweg gab. Wenn Akiko wirklich unser Feind ist, sind wir dem Tod doch schon ausgeliefert. Hisoka kann uns aufhalten und Akiko kennt all unsere Schwächen... Unser Tod ist nicht mehr weit entfernt...

    Daichi hob nun wieder, nachdem sein Vater ihn dazu anwies, seine Stimme und murmelte:„Es wird Zeit für uns alle, dem ein Ende zu setzen. Akiko, du hast es weit gebracht." Kurz gab es eine Pause und ich sah, wie auf Akikos Gesicht nach und nach ein triumphierendes Lächeln seinen Platz fand. Nun sprach Daichi für seinen Vater weiter:„Doch auch du musst dir deine Chance verdienen. Nur, weil du meine Tochter bist, wirst du nicht bevorzugt." Dann wandte sich der Bruder der Asiatin an die Wachen, die mittlerweile eingetreten waren:„Bringt sie in die Zellen, bis wir die Sicherheit der Arena wieder aufgebaut habt!" So schnell, wie es gekommen war, verschwand das Lächeln jetzt wieder aus Akikos Gesicht und stattdessen machte sich eine Mischung aus Wut und Enttäuschung breit, die sie jedoch ausschwieg.

    In der Zeit packten uns die Wachen an den Handgelenken, unter Hisokas Aufsicht und wir wurden allesamt in die Zellen gebracht, welche schon am Anfang unserer Gefangenschaft unser Zuhause darstellten. Es waren jedoch die Zellen im Keller, ungeheizt und so frei, dass man die Gespräche aus anderen Zellen noch mithören konnte, wenn die Personen denn laut genug sprachen. Dieses Mal bekamen wir jedoch eine Einzelzelle, scheinbar, um zu verhindern, dass wir uns ohne Kenntnisnahme der Wachen absprechen konnten.

    Unsanft wurde ich in meine Zelle geschubst, wie die anderen auch und die Tür wurde hinter mir zugeknallt und abgeschlossen. Schlecht gelaunt stand ich vom kalten Boden wieder auf und ging auf das Gitter in der Tür zu. Neben meiner Zelle war die von Tae und ich konnte sehen, wie er seine Finger durch die Stangen schob. Leise sprach er:„Keine Angst, Tomätchen. Wir werden auch das durchstehen." Yoongi murrte von weiter hinten:„Ja, lustig. Tae, sieh es doch ein, wir werden alle sterben. Aber wir müssen es so sehen, dass wir immerhin zusammen sterben. Auch, wenn ich einen Tod in Ruhe bevorzugen würde." Ich rollte mit den Augen, erinnerte mich bei Yoongis mürrischem Verhalten an Karolin. Hobi meckerte den Rapper von noch einer anderen Seite an:„Yoongi, jetzt sei doch nicht so! Tae versucht, (d/n) die Angst zu nehmen!" Als Antwort brummte Suga nur wieder und ich meinte laut:„Leute, ich habe nicht soo viel Angst, dass man sich Sorgen um mich machen muss. Der Tod war doch sowieso schon vorherzusehen." Preecha antwortete vom Ende des Ganges:„Ja, aber ich habe ihn mir so nicht vorgestellt! Ich dachte, wir werden von Callum oder so getötet und nicht durch Akiko." Juan fügte hinzu:„Aber ich glaube, ich weiß, warum Akiko uns verrät.“ Michal brummte:„Ach ja? Und warum?“ Federica schritt ein:„Leute, Akiko sitzt hier auch bei. Sie kann alles mithören!“ Juan erwiderte:„Genau das ist ja der Grund. Obwohl Hisoka ihr Vater ist, hat er sie in diese Arena geschickt, in dem Wissen, dass sie wahrscheinlich sterben wird. Er liebt sie offensichtlich nicht. Sie wollte ihm also beweisen, dass sie es wert ist, geliebt zu werden.
    Im Grunde genommen also gar nicht so unterschiedlich zu Karolin. Sie wollte auch nur geliebt werden.“ Hobi unterbrach den Spanier:„Vergleiche Akiko nicht mit Karolin!“
    Jetzt schwiegen wir alle, auf eine Antwort von Akiko wartend. Doch es kam nichts. Nicht ein Laut machte sich in der kalten Luft breit.

    Langsam schritt ich jetzt wieder in die Mitte der kalten Zelle und schaute mich um. Es war eine kahle Zelle, mit Dreck auf dem Boden und einem kleinen, spitzen Stein in der Ecke, genauso wie meine und Taes es damals war. Doch plötzlich bemerkte ich etwas an der Wand, dünne Striche in den Stein geritzt. Vorsichtig trat ich näher ran und erkannte nun eine Art Zeichnung. Es waren zwei Strichmännchen. Ein kleines, mit Afrolocken und und ein etwas größeres mit glattem Haar. Darunter wurden die Personen mit Pfeilen beschriftet. „Malou und Karo.“ Schmerz überkam mich, als ich die Namen las und die Figuren, gezeichnet von den zwei Toten, sah. Mit meinem Fingern fuhr ich sanft über die Ritze in dem Stein und erinnere mich schmerzerfüllt daran, als die zwei Mädchen noch lebten. Sie waren beide noch so jung und nun waren sie tot. Getötet von Callum, beide für uns gestorben. Meine Gedanken schweiften über zu dem Moment, als ich darüber nachdachte, ob Karolin ernsthaft um Malou getrauert hatte. Das war zu der Zeit gewesen, als ich noch davon ausging, dass uns die 15-jährige verraten hatte und sie als miese Verräterin betitelte.
    Heute wusste ich, dass die Österreicherin die Afrikanerin wirklich auf diese schwesterliche Art geliebt hatte und sie nur für uns gestorben war. Genauso wusste ich nun, dass Akiko die wahre Verräterin war und ich dachte erneut an den echten Verrat. Juan hat recht. Es macht Sinn, dass Akiko uns deswegen verraten hat - Ihr Vater schickte sie in den Tod und tat es erneut. Er sah sie nur als Werkzeug zu seinem Sieg.
    Akiko wollte ihren Vater nur stolz machen, indem sie gewann. Das war das, was Karolin uns damals vorgaukelte... Hat Juan auch damit recht, dass Akiko und Karolin das selbe wollten? - Nein... Karolin hat uns nicht wirklich verraten und ihr Frust darüber, dass sie als nicht gut genug gesehen wurde, hinderte sie nicht daran, für uns da zu sein. Sie stellte ihr Leben über unseres und Akiko möchte nur ihren Vater stolz machen.


    Leise seufzte ich und ließ mich an der Wand zu Boden sinken. Auf den Fluren herrschte nun Stille und ich wusste, dass alle anderen genauso nachdenklich an der Wand hockten und auf den Tod warteten. Ich glaube, das war der Moment, in dem ich wirklich aufgab und ich senkte meinen Kopf auf meine Knie. Wir mussten nur noch darauf warten, dass die Arena wieder sicher war und dann würden wir sterben. Irgendwie würde es soweit kommen. Und mit jeder Minute, die ich in der Kälte hockte, fühlte ich mich schwächer und wollte nur noch nach Hause. Seit Tagen hatte ich nicht mehr wirklich an meine Eltern und meinen kleinen Bruder gedacht. Nun vermisste ich meine Familie mehr denn je und plötzlich fragte ich mich, was sie wohl denken würden, wenn sie irgendwann hörten, was mit mir passiert war. Was denken sie jetzt? Was denken die Familien von den anderen? Michals Vater, der ihn nur schlug, Ambas Familie, die sie an einen älteren Mann verkaufte oder Karolins Familie, die sie, Karos eigenen Erzählungen nach, so oft vernachlässigt hatte. Was, wenn ihre Familie herausfindet, dass sich Karo für uns geopfert hat und wenn sie endlich wissen, wie Karolin sich all die Zeit fühlte? Würden sie sich schuldig fühlen und würde Karolin ihr Ziel erreichen?
    All die Gedanken kamen mir in den Sinn, überwältigten mich und ich bekam Kopfschmerzen. Doch, was viel schlimmer war, war dass ich wirklich die Hoffnung verlor. All die Erinnerungen schwappten in dem Moment über. Als ich gefangen genommen wurde, Tae und all die anderen traf, wir in der Arena ausgesetzt wurden, wir die Zeit bestanden, Menschen aber gleichzeitig starben, ich mit Tae zusammenkam und all das. Es waren zu viele Erinnerungen auf einmal. Auch, die Erinnerungen an die gemeinsamen Abende, als wir Spaß hatten und das Leben sich wie ein Leben anfühlte. Mir wurde klar, dass all das bald ein Ende finden würde. Ich würde nie wieder Liebe spüren, nie wieder Freude, aber auch nie wieder Angst. Dennoch machte es das nicht besser und ich merkte, wie ich wieder die Kontrolle über meine Kräfte verlor.

    Alles um mich herum wurde von einer Eisschicht überzogen und die Luft wurde kälter und kälter. Eine Träne entrann mir und ich sah noch, wie das Eis meine Zelle verließ und weiterzog, in alle anderen Zellen. Schon bald hörte ich dann Taes sanfte Stimme:„Tomätchen, dein Eis reicht zu mir rüber..." Leise fragte ich leicht schluchzend:„Ist es zu kalt?" Ich war schon bereit, das Eis zurückzuziehen, als mein Freund ruhig antwortete:„Nein. Ich bin froh, dass es da ist. Das gibt mir das Gefühl, direkt bei dir zu sein..." Leicht lächelte ich nur, während ich weiter auf dem Boden hockte und plötzlich hörte ich Ricas Stimme von weiter hinten:„Es ist verständlich, dass du aufgewühlt bist, (d/n). Du hast allen Grund dazu und deswegen stört das Eis auch nicht." Yoongi murrte von weiter hinten:„Bleib ruhig bei der Kälte. Vielleicht erfrieren wir alle daran und müssen nichts mehr tun.“

    Überraschenderweise meldete sich jetzt Via zu Wort:„Ich will nicht mehr, Leute... Ich will es einfach alles hinter mir haben..." Trauer und Verzweiflung waren klar aus der Stimme der Brasilianerin zu hören und es tat mir weh, weil Lívia sonst immer die gewesen war, die nicht wirklich die Hoffnung verlor. Finlay meinte laut:„Es ist seltsam für euch, das von mir zu hören, weil ihr mich kaum kennt, aber ich möchte mich bei euch bedanken. Ihr habt mich verschont und jetzt muss ich nicht alleine sterben. Es war mir ein großes Anliegen. Ich bin noch ein Kind... Ich wollte nicht einsam sterben, wenn ich es schon tun muss..." Die 13-jährige antwortete:„Das ist verständlich. Aber weißt du, du müsstest nicht sterben, wäre Akiko nicht gewesen. Sie ist schuld an all dem und sie wird die sein, die unsere Körper fallen sehen wird. Sie hat schon andere fallen sehen und sie ist dafür verantwortlich." Lívia stand nun vom Boden auf, ging zu dem Gitter an der Tür und wurde nach und nach lauter:„Hörst du Akiko? Es ist alles deine Schuld! Du hattest unser Schicksal quasi in der Hand! Du wusstest all das, doch du hast dich dazu entschieden, uns alles zu verschweigen und uns zu benutzen! Wegen dir sind wir erst hier! Wir hätten alle schon längst tot sein können und das wäre mir sogar recht gewesen! Oder aber wir würden noch leben, in der Höhle! Wer weiß, was du alles weißt! Möglicherweise wären wir auch so rausgekommen! Doch du hast dir selbst ins Bein geschossen! Denn nicht mal dein Vater ist stolz auf dich! Und jetzt bist du schuld an all den Toden! Malou, Karolin, Lorenzo - sie könnten alle drei noch leben!"

    Auf einmal hörte ich, wie sich etwas in Akikos Zelle regte und sie sprach ruhig, aber mit zittriger Stimme zurück:„Ich weiß, dass mein Vater mich nicht liebt. Ich weiß, dass ihr Blut an meinen Fingern klebt und ich weiß, dass ich euch verraten habe. Doch das alles war meine Intention, mit dem Ziel, den Stolz meines Vaters zu gewinnen. Ihr wisst nicht, wie es ist, wenn man einen Vater hat, der einen nicht liebt. Ein Vater, der seine Kinder nur benutzt und dem sie egal sind. Ein Vater, der nur weg war, um all die zu finden, die die Kräfte beherrschen konnten und dadurch seine Kinder ihr Leben lang vernachlässigte! Ein Vater, der nur Macht möchte und seine eigene Tochter dafür in den Tod schickt! Ein Vater, der die Mutter seiner Kinder in der Zeit stehen ließ, damit sie seine Pläne nicht zerstören konnte. Ein Vater, der das Leben seiner Kinder zerstörte!
    Doch wisst ihr, ich bin dankbar dafür. Ich habe nur gelernt, wozu ich fähig bin und, dass auch ich dafür geschaffen bin, diese Macht zu haben. Ja, anfangs tat ich es nur, um meinem Vater zu gefallen, doch seitdem er mir zum zweiten Mal in den Rücken fiel, möchte ich nur das sein, was er ist - der Machthaber. Und der werde ich sein!
    Ich bereue nichts und ihr könnt mich auch als das betiteln, als das ihr schon Karolin betitelt habt - einen Psychopathen. Ich glaube, wir sind auch beide welche. Nur mit dem Unterschied, dass Karolin einfach depressiv war und euch liebte und ich einfach machtgierig bin und keinen Wert auf euer Leben setze.
    Mein Vater hatte recht - ihr habt der falschen Person getraut!"

    Stille erfüllte die kalten Flure abermals und erneut überkam mich ein Schwung von Trauer und Wut. Tief im Inneren hatte ich wohl doch noch gehofft, dass auch Akiko nur in Rätseln sprach, wie Karolin es getan hatte. Doch dies war nun auch ausgeschlossen und ich schnappte zittrig nach Luft. Ich war zu müde, um etwas zu sagen und fühlte mich zu leer, um zu weinen. Jetzt verstand ich auch, was Karolin meinte, als sie sagte, sie hätte zu viele Tränen vergossen und könne manchmal nicht mehr weinen..
    Bei mir war es wohl doch noch einmal was Anderes, doch ich verstand diese Leere allmählich. Man hat sich zu sehr an Trauer und Hoffnungslosigkeit gewöhnt, sodass es einen gar nicht mehr reizt, seine Trauer auch zum Ausdruck zu bringen. Und ich konnte sagen, dass es ein schreckliches Gefühl war. Denn so recht fühlte ich nichts... Da war nichts, dass eine Emotion in mir auslöste, sondern einfach nur Leere. Möglicherweise war es die Erkenntnis, dass es nichts bringen würde, doch diese mochte ich nicht.

    Ich hörte nur noch, wie Amba langsam ihre Stimme hob:„Es ist doch egal, ob wir nun sterben... Ich habe mein Leben gelebt und es wird sowieso ein neues folgen. Zumindest ist es das, was ich glaube...
    In dem Sinne möchte ich mich bei euch bedanken - ihr habt mir beigebracht, zu leben und mich etwas zu trauen. Vor allem möchte ich mich bei Michal bedanken - ich liebe dich...“ Der letzte Satz starb etwas ab, von so etwas wie Bedauern erstochen. Kurze Zeit später hörte ich nur die tiefe Stimme des Polen durch den Flur hallen:„Ich liebe dich auch, Amba...“

    In dem Moment öffnete sich plötzlich eine Tür und ein weiterer Bediensteter kam herein, auf einen der Wachposten zulaufend. Gedämmt konnte ich seine raue Stimme vernehmen:„Die Sicherungssysteme sind geblockt. Wir wissen nicht, wodurch. Irgendjemand muss sie sabotiert haben oder so... Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Türen und all so wieder aktivieren. Andererseits sind wir nicht mehr sicher. Los, komm mit!“ Der Mann nickte knapp und etwas brummig, bevor er dem anderen Wachposten bedeutete, auf uns weiter aufzupassen. Auch der murrte als Antwort nur kurz und die anderen zwei verschwanden, sodass er nun die alleinige Aufsicht hatte.

    Kurz herrschte wieder absolute Stille und ich fragte mich in der Zeit, weshalb die Sicherungen wohl gesperrt waren. Yoongi war doch gar nicht mehr in der Zentrale und konnte es demnach nicht sein. Oder war es noch eine Nachwirkung oder ein Versehen?
    Schnell schüttelte ich den Gedanken ab, als plötzlich Schritte aus einer der Zellen ertönte, man das leise, nahezu lautlose Geräusch vom schallenden Metall hörte und kurze Zeit später Jimins Stimme an den Wachmann gerichtet:„Ich muss mal auf die Toilette... Darf ich kurz auf das Keller-Klo gehen? Sie können mich einfach eben hinführen und ich brauche nicht mal eine Minute.“ Mürrisch meinte der Wächter:„Kannst du es nicht aushalten?“ Ernst schüttelte der Koreaner mit dem Kopf:„Nein, sonst pinkel ich mir gleich in die Hose!“ Der Mann erwiderte schlecht gelaunt:„Dann mach in die Ecke der Zelle!“ Wie ein Kind erwiderte Jimin wiederum:„Igitt, nein. Es stinkt nicht nur in der Zelle, sondern dann auch bei Ihnen.“ Leise seufzte der Mann dann und stand von seinem kleinen Holzhocker auf und ging mit den Schlüsseln in der Hand zu Jimins Zelle. Kurz schloss er sie auf und packte den deutlich kleineren Mann direkt am Arm und zog ihn mit sich. Einige Meter liefen sie über den Flur, an den Zellen entlang, bis sie vor dem Bad standen. Dort ließ der Mann Jimin dann los, doch statt auf sie Toilette zu gehen, drehte sich der Koreaner blitzschnell um und versetzte dem Anderen einen Hieb mit dem Knie in den Bauch. Dadurch blieb dem Mann erstmal die Luft weg und er krümmte sich. Die Chance nutzte Jimin und entwendete ihm den Dolch vom Gürtel und rammte diesen in die Seite des Mannes, woraufhin der qualvoll aufschrie und zu Boden sackte, wo er weiter wimmerte. Er schrie um Hilfe, doch Jimin brummte ihm zu:„Halt den Mund oder ich steche dich ganz ab!“ Noch einmal versetzte der 24-jährige dem Anderen einen Tritt in die Seite, woraufhin er auch verstummte.
    Geschockt, aber gleichzeitig total überrascht schaute ich nur aus meiner Zelle und beobachtete, wie Jimin die Schlüssel nahm und nun anfing, die Zellen aufzuschließen. Namjoon murmelte:„Respekt... Wie hast du so schnell handeln können und davon ausgehen, dass du das überlebst?“ Ruhig murmelte Jimin, während er im Blitztempo Ricas und Joons Zelle aufschloss:„Du musst dir nur deine Möglichkeiten bewusst machen und dir klarmachen, mit wem du es zu tun hast. Der war groß, aber dumm. Die kann man mit so etwas überrempeln und der Bauch ist eine empfindliche Stelle. Ich brauchte nur noch den Dolch und war am Ende. Ermöglicht aber alles nur durch diese Systemabschaltung.“ Juan fragte jetzt:„Wer ist wohl für sie Systemabschaltung verantwortlich?“ Kurz murrte Michal:„Ist doch ganz egal. Was wir wissen müssen, ist, dass wir dank dieser Person eine zweite Chance auf's Leben haben.“
    Jetzt kam Jimin zu mir, öffnete das Schloss und murrte:„Gib dem mal den Rest! Wir wollen ihn nicht leiden lassen und außerdem wollen wir ja nicht, dass er doch noch nach Hilfe schreit.“ Dabei deutete er auf die Wache, welche ich schnell vereiste und ihm somit sein Leben endgültig nahm. Kurz rang der Mann dann noch um Luft und ich sah die Furcht in seinen Augen, bis er sich zu Eis erstarrte.

    In der Zwischenzeit hatte Jimin fast alle zügig befreit und ich spürte, wie Tae meine Hand ergriff. Schnell lächelte er mich an und meinte:„Die Hoffnung ist wohl doch noch nicht ganz vorbei..." Ich lächelte ebenso und schaute mich dann zu Jimin um, der noch gerade Jin frei ließ, welcher ihn fragte:„Wie hast du eigentlich so schnell denken können?" Schulterzuckend meinte der jüngere schnell:„Ich habe einfach keine Lust, mein Leben aufzugeben. Es gibt noch so viel, was ich erleben will. Das lasse ich nicht einfach hinter mir! Ich sehe meine Zukunft vor mir, mit Federica an meiner Seite!" Bei dem letzten Satz griff er nach der Hand seiner Partnerin, welche breit lächelte und ihm einen schnellen Kuss gab. Joon lächelte leicht, als er dies beobachtete, fragte aber im selben Moment:„Wie gehen wir jetzt vor?" Michal meldete sich:„Ist doch ganz klar - wir verschwinden möglichst schnell von hier, bevor Wachen wiederkommen." Finlay fügte hinzu:„Unsere Wege sind quasi sicher, da auch niemand mehr wissen wird, wo wir sind. Immerhin sind alle Systeme abgeschaltet." Jimin nickte nur knapp und schaute nun zu einer letzten Zelle, welche noch verschlossen war - Akikos.

    Die Japanerin schaute den Koreaner an und presste hervor:„Ihr wollt mich doch wohl nicht einfach hier lassen, oder?" Hobi brummte:„Das glaubst du doch wohl selber nicht! Wir werden dich hier verrotten lassen und ich hoffe, du bekommst nie, was du willst! Du bist an all dem schuld und du wirst jetzt dafür büßen!" Ein hasserfüllter Blick durchbohrte Hobi, doch dieser starrte nur genauso hasserfüllt zurück. Leise brummte er verhasst:„Wärst du nicht einmal ein Teil von uns gewesen, würde ich dir mit eigener Kraft das Schwert in den Hals rammen!" Mit den Worten wandte sich der Rapper dann auch ab und fragte ironisch:„Wollt ihr noch länger da stehen bleiben?" Das veranlagte uns alle dazu, zu folgen und wir verließen zügig den Kerker, während Akiko alleine eingesperrt hinter uns her blickte.

    Auf dem Weg zu einem Ausgang fragte Jungkook plötzlich:„Meint ihr, es ist so gut, Akiko einfach alleine zu lassen? Sie scheint nicht dumm zu sein und sie kennt sich hier sicher besser aus als wir..." Taehyung antwortete monoton:„Ich werde mich ganz sicher nicht daneben setzen und auf sie aufpassen! Am besten wäre tatsächlich gewesen, sie zu töten, doch ich denke, dazu hätten wir alle nicht das Herz gehabt.
    Sie war ein Teil von uns und irgendwie haben wir sie liebgewonnen. Es ist, als würdet ihr eure Mutter töten müssen, nachdem sie euren Vater getötet hat. Wir haben zu viel Zeit mit ihr verbracht, als dass wir sie ihr jetzt abschneiden könnten..." Zustimmend nickten nur alle bedauernd und Joon meinte:„Kook, Jin, Yoongi und ich haben zwar keine Zeit mit ihr verbracht, aber ich weiß, dass auch von uns niemand wirklich jemanden töten könnte..." Nachdenklich nickte ich nur, während wir gerade einen Flur durchquerten.

    Yoongi sprach jetzt:„Wir können aber auch nicht einfach das Gebäude verlassen und versuchen, schnellstmöglich zur Zivilisation zu gelangen. Das Gebäude selbst steht auch mitten im Regenwald und ich hatte Blick auf die Umgebung per Kameras. Es ist ein endlos scheinendes Gebiet. Sie würden uns in der Zeit einfach mit Hubschrauber einholen. wir würden eine Flucht nicht schaffen. Also müssen wir definitv kämpfen." Jungkook unterbrach den Älteren:„Ja, aber wie meinst du, machen wir das? Hisoka kann Zeit stehen lassen. Er kann uns zu einfach abschalten. Wir sind ihm keine Gegner." Yoongi zuckte mit den Schultern, während Amba vorschlug:„Es scheint doch so zu sein, dass er sich auf die Zeit konzentrieren muss, um sie zum Stehen zu bringen. Wenn er keinen Angriff mitbekommt, kann er uns nicht aufhalten." Preecha spottete:„Willst du ihn also im Schlaf überraschen? Mal eben den halben Tag irgendwo hier drin verstecken?" Gerade wollte die Inderin antworten, als auf einmal eine Person um die Ecke ging, mit verschränkten Armen und schmunzelte triumphierend:„Das würde ich nicht empfehlen."

    7
    Kapitel 148

    Augenblicklich blieben wir alle stehen, als wir die Person vor uns identifizierten und ich hörte Hobi stöhnen:„Wie oft wollen wir noch um die Ecke laufen und da steht jemand, der uns den Plan abschneidet?“ Die Person schmunzelte und antwortete belustigt:„Ich weiß nicht, aber ich kann euch etwas versichern: Ich werde euren Plan nicht behindern.“ Jin hob die Stimme:„Du bist Hisokas Sohn, Daichi. Natürlich wirst du uns den Plan vermiesen!“ Noch breiter grinste der Japaner und zog auf einmal eine Karte aus seiner Jackentasche und streckte sie uns hingegen.“ Namjoon fragte:„Die Personalkarte? Mit der kommt man überall in diesem Gebäude hin.“ Knapp nickte Daichi schmunzelnd und half uns auf die Sprünge:„Damit kann ich jederzeit in die Zentrale und habe dort Zugriff auf alle Technik in diesem Schuppen. Ich bin eine gehobene Person - ich kann alles machen, weil mir hier jeder vertraut.“ Lívia murmelte jetzt nachdenklich:„Eure Familie hat es wohl nicht so damit, den Leuten treu zu bleiben, oder? Du hast das System heruntergefahren.“ Knapp nickte Daichi wieder und meinte:„Richtig erkannt. Ich bin also auch dafür verantwortlich, dass ihr aus dem Kerker herausgekommen seid.“ Taehyung fragte verwirrt:„Aber wieso? Du hintergehst deinen Vater.“ Gleichgültig murmelte der Japaner:„Und er hintergeht alle. Ich kümmere mich nicht um meinen Vater. Er hat uns alle hinters Licht geführt und ich kenne ihn besser als jeder Andere. Er ist kein guter Mensch. Ich möchte nicht der sein, zu dem er mich zwang. Weder möchte ich, dass Menschen sterben, noch ist mir Macht wichtig. Alles, was ich möchte, ist das zurückbekommen, was er mir genommen hat - ein Leben und meine Mutter.“ Verunsichert schauten wir den Mann an, nach wie vor für einen Kampf gewappnet.
    Daichi merkte natürlich, dass wir ihm nach wie vor misstrauten und er seufzte:„Ich weiß, dass ihr mir nicht vertraut und das kann ich gut verstehen. Ihr denkt, ich würde im Auftrag meines Vaters hier hinkommen und euch auf meine Seite ziehen wollen, damit meine hinterhältige Schwester euch töten kann. Doch der Mensch bin ich nicht. Ich war nie für all das und ich bin auch nur hier, weil mein Vater mich sonst auch für immer in der Zeit hätte stehen lassen. So wie er es mit meiner Mutter tat.
    Mein Vater ist ein ekelhafter Mensch und ich bin ganz ehrlich: Akiko ist es auch. Ich weiß ja, was sie mit euch abgezogen hat und ich wünschte, ich hätte es ändern oder verhindern können, doch dazu hatte ich nicht die Möglichkeit.
    Ich möchte, dass mein Vater aus dem Weg geräumt ist, damit ich endlich wieder leben kann. Dafür brauchte ich Hilfe und die war in der Arena. Bis jetzt. Seitdem euch die Jungs befreit haben, habe ich Hilfe vor Ort.“ Nach wie vor skeptisch schauten wir den Asiaten an, bis dieser abermals seufzte und zum Punkt kam:„Ich möchte euch dabei helfen, hier herauszukommen. Im selben Zug werdet ihr meinen Vater töten müssen. Doch das werdet ihr ohne meine Hilfe sowieso nicht hinbekommen.
    Ich schlage Folgendes vor: Ich helfe euch und zur Gegenleistung helft ihr mir. Eigentlich haben wir alle das selbe Ziel - meinen Vater aus dem Weg räumen. In wie fern das passiert, ist mir selbst ganz egal. Ich möchte einfach wieder leben.“ Preecha schaute den Mann verachtend an und stellte in Frage:„Warum sollten wir dir glauben? Du gehörst zu ihnen und jetzt auf einmal bist du ein ganz anderer Mensch? Niemand kann sich so sehr tarnen!“ Herausfordernd hob Daichi jetzt eine Augenbraue und konterte:„Ach ja? Was ist denn mit Akiko gewesen? Sie hat sich getarnt. Und Karolin? - Sie auch. Versteht ihr nicht, dass wir alle nur mit einer Maske herumlaufen? Niemand von uns ist doch wirklich das, als was er sich gibt! Karolin war nicht das glückliche Mädchen, das für alle da war! - Sie war die, die sich als nicht gut genug identifizierte und ihr Leben lang Komplexe hatte.
    Akiko ist auch nicht das liebe, perfekte Mädchen, als das sie sich ausgab! - Sie ist die wahre Verräterin, zerstört von der Machtgier ihres Vaters und jetzt davon imponiert!
    Und so bin auch ich nicht der Sohn meines Vaters, der ihm bei der Machtfindung helfen will, sondern der Junge von früher, der sich nach seiner Mutter und einem Leben sehnt!“
    Ich schaute Akikos Bruder ruhig an, musterte seine Haltung, seine Mimik und das Funkeln in seinen Augen. Er stand gerade, doch er trat einen Schritt zurück und hielt seine Finger fest, als würde er nach einer passenden Position suchen. Sein Blick huschte vom einen zum anderen und ich erkannte Nervosität in seinen Augen. Er schien unsicher und suchte unter uns nach einem Redner. Obwohl seine Haltung gerade war und er nicht zitterte oder sonstiges, wirkte er schwach und verletzlich und auf einmal sah ich das, was Daichi meinte - das Kind in ihm, das Angst hatte und einfach nur ein normales Leben haben wollte.
    Der Rest schwieg, also fing ich ein Gespräch an:„Ich denke, wir müssen uns beraten. Daichi ist nun mal Akikos Bruder und ich weiß, dass ich nicht die einzige bin, die irgendwie zweifelt. Andererseits bin ich ehrlich damit, wenn ich sage, dass er nicht so wirkt, als würde er lügen." Preecha unterbrach mich:„Ja, aber wir können ihm nicht einfach vertrauen! Vielleicht ist er auch einfach nur ein guter Schauspieler und wurde von seinem Vater geschickt. Vielleicht hat er auch schon Akiko freigelassen, die nur noch auf uns wartet." Juan fügte hinzu:„Habt ihr vergessen, was Karolin sagte? Jeder einzelne Mensch handelt nur aus seinem Egoismus heraus und das tut auch Daichi sicherlich nur." Der Japaner redete nun dazwischen:„Oh, ja. Ich habe Karolins Rede gesehen - Kamera 7.
    Eure Anführerin hatte recht. Wir wollen wirklich alle nur das, was uns glücklich macht und mich macht es eben glücklich, ein Leben zu führen und nicht dieser zwanghafte Müll, den ich seit 22 Jahren durchlebe. Und ihr könnt mir nicht sagen, dass euer eigener Egoismus euch nicht auch zu so etwas führt." Jetzt richtete er sich konkret an uns:„Jimin, im Kerker sagtest du, du wollest dein Leben weiterleben. Habe ich übrigens auch über eine Kamera mitbekommen. Du wolltest etwas erleben und du sähst deine Zukunft mit Federica vor dir. Auch dieser Wunsch ist egoistisch und du wirst alles dafür tun.
    Egoismus muss nicht immer schlecht sein. Manchmal ist er einfach ein Grundbedürfnis."
    Amba seufzte jetzt und murmelte:„Ich mag naiv sein, aber ich glaube, dass Daichi uns wirklich helfen möchte. Wir können sowieso nur mit seiner Hilfe weiterkommen. Wir sterben so oder so, es sei denn, Daichi hilft uns tatsächlich. Und ich glaube, das wird er." Michal schaute den vermeintlichen Feind kurz skeptisch an, gab dann aber nach und willigte ein, dem Asiaten zu vertrauen. Auch der Rest, abgesehen von Preecha, stimmte letztlich zu. Jin fügte hinzu:„Ich glaube, ich kenne Daichi von uns am besten. Er wirkt vertrauenswürdig auf mich...“ Preecha seufzte nur als Antwort:„Gut, dann vertrauen wir ihm eben. Wenn er aber so wie Akiko ist, was ich stark vermute, ist es nicht meine Schuld, dass wir alle sterben. Also mur mal so zum Verständnis.“

    Schnellen Schrittes liefen wir nun durch die Flure, mit Daichi als Führer. Wir hatten noch hastig einen Plan ausgeklügelt, den der Japaner jedoch auch vorher schon so gut wie vollständig ausgeklügelt hatte. Nun waren wir auf dem Weg zur technischen Zentrale. Hisokas Sohn erklärte nämlich:„Wenn die anderen wieder Macht über die Zentrale haben, sind wir sozusagen verloren. Wir müssen also dort sein, bevor sie die Tür aufbekommen haben. Es haben in diesem Gebäude nämlich nur drei Leute die Personalkarte - Hisoka, der Chef der Zentrale und ich. Hisoka kommt quasi nie aus seinem Gemach raus, also wird seine Personalkarte wohl kaum zum Einsatz kommen. Von dem Chef der Zentrale weiß ich, dass er seine Karte immer in der Jackentasche hat und die hängt in der Küche. Dort habe ich sie hingehangen, weil sie die wohl kaum dort suchen. Allerdings ist unsere Truppe perfekt ausgebildet, um flächendeckend alles abzusuchen. Sie haben sie sicher bald gefunden. Deswegen müssen wir jetzt schnell sein.
    Es gibt zwei Eingänge zur Zentrale. Den einen versuchen sie gerade wahrscheinlich, aufzubrechen. Der andere ist so gut wie unbekannt. Dort müssen wir durch. Meine Personalkarte ermöglicht uns den Eingang. Mit der komme ich nämlich tatsächlich überall hin, im Gegensatz zu den Arbeiterkarten.“

    Ich hielt Taes Hand, um ihn nicht zu verlieren oder sonstiges und er murmelte jetzt leise, während wir gerade den geheimen Eingang zur Zentrale erreichten:„Ich kenne Daichi ja nicht, aber ich glaube, er will uns wirklich helfen. Ich kann seine Erklärung auch gut verstehen. Ich denke, wir könnten es doch noch schaffen.“ Zustimmend nickte ich nur, bis Hisokas Sohn die Tür geöffnet hatte und wir eintraten. Die Zentrale war leer, nur eine junge Frau saß vor einem der vielen Computer und hatte ein Headset auf, mit dem sie die Kameras überprüfte. Als wir eintraten, grinste sie uns zu und meinte:„Da seid ihr ja endlich!“ Daichi fing auch an, zu lächeln und meinte:„Ja, hat ein bisschen gedauert, weil ich es ihnen noch erklären musste.“ Mit einem Lächeln drehte sich die Frau dann zu uns und schien auf eine Antwort oder Ähnliches zu warten. Ich musterte die dunkelhäutige Frau mit Hijab nur. Sie war hübsch, wirkte aber sehr natürlich und freundlich. Eine einzelne schwarze Strähne ihres Haares fiel unter dem Kopftuch auf ihre Stirn und ihre Augen funkelten dunkel.
    Da niemand etwas sagte, räusperte sich die Frau schließlich wieder:„Falls ihr euch wundert... Ich bin Hadia - Angestellte hier. Allerdings arbeite ich hier eher zwangsweise. Ich komme aus Afghanistan und bin wegen des Kriegs geflohen. Hisoka gewährte mir Unterschlupf, nachdem man mich eigentlich wieder aus dem Land vertreiben wollte. Jedoch bin ich nicht gerade für Hisokas Vorgehen und möchte wieder unabhängig sein. Deswegen habe ich mich mit Daichi zusammengetan. Ich gehöre also zu euch.“ Ich lächelte nur höflich, doch Finlay fragte Hadia plötzlich:„Bist du nicht ein bisschen zu dunkel, um aus Afghanistan zu kommen? Also, ich will nicht rassistisch oder so sein. Einfach nur rein Interessehalber.“ Die Afghanin kicherte:„Ach, alles gut. Mein Vater war Afrikaner, deshalb bin ich schwarz. Vom Gesicht her bin ich ja trotzdem eher afghanisch.“ Daichi erklärte zusätzlich:„Hadia hatte Glück, entkommen zu können. Ihr Vater wurde damals noch vor dem richtigen Krieg von Einheimischen aus rassistischen Gründen getötet. Sie selbst wurde zum Glück verschont, doch die Führer des Kriegs hatten sie ganz oben im Visier.“ Leise murmelte Finlay nur:„Oh, das tut mir leid.“ Doch Hadia schüttelte knapp mit dem Kopf und meinte:„Alles gut. Es ist Vergangenheit und die lasse ich hinter mir. Jetzt geht es darum, euch zu helfen.“ Daichi nickte knapp und sprach:„Ich werde die Türen noch einmal doppelt verschließen, vor allem in der Küche, damit sie an die letzte Personalkarte nicht dran kommen. Hadia, behalte du bitte weiterhin die Kameras im Blick und Yoongi, du kannst einmal den Funk abchecken.“ Sofort tat jeder, wie es ihm befohlen war, während wir nur stumpf in dem eher dunklen Raum standen.

    Die anderen drei gingen hochkonzentriert vor und ich merkte, wie um uns herum mehr Sicherheitsanlagen aktiviert wurden. Schließlich war alles abgesichert und Daichi richtete sich wieder an uns, während Hadia und Yoongi auf ihren Posten blieben und sozusagen Wache hielten.
    Der Japaner sprach jetzt:„Also... als ich euch überrascht habe, habt ihr gerade überlegt, wie man Hisoka am besten angreifen kann. Darauf will ich eben zurückkommen.
    Amba hat in dem Fall recht, dass er die Zeit nicht stoppen kann, wenn er von ihr keine Ahnung hat. Sprich, wir müssen ihn überraschen. Problem ist: Hisoka hat einen unfassbar ausgeprägten Gehörsinn und ist extrem vorsichtig. Man kann ihn quasi nicht erschrecken.
    Allerdings habe ich als Hisokas Sohn ein bisschen nachgeforscht. Mein Vater hat dieses Buch, in dem alles drin steht, was man zu euren Kräften, der des Hüters und der Allgemeinkraft wissen muss. Das Schöne an der ganzen Geschichte ist nämlich, dass alles temporär ist. Nichts wehrt ewig. Es sei denn natürlich, Hisoka stoppt es in seiner Zeit. Hier kommt aber der runde Punkt: Stehende Zeit kann wieder freigesetzt werden btw. aufgehalten werden, auch wenn der Hüter es nicht tut. Um dies zu erreichen, müsst ihr jedoch alle zusammenhalten.“ Kurz schaute sich Daichi jetzt unter uns um, scheinbar nach einem Beispiel suchend. Kurze Zeit später zog er Hobi aus der Masse und fuhr fort:„Wenn du auf der Bühne stehst, geht die Zeit doch schnell vorbei, nicht?“ Knapp nickte der Rapper etwas verwirrt:„Wie im Flug.“ Sofort breitete sich so etwas wie Freude in dem Gesicht des Anderen aus und er erklärte:„Das hängt damit zusammen, weil du etwas machst, was dir Spaß macht. So kann auch Hisokas Kraft gebrochen werden. Naja, mehr oder weniger.
    Sagen wir es so: Hisoka ist kein guter Mensch. Von ihm geht schlechte Energie aus.“ Jetzt wendete sich der junge Mann an mich:„(d/n), du steuerst deine Kraft über Emotionen. Als du Angst hattest, jemanden verletzen zu können, hattest du deine Kraft nicht unter Kontrolle. Angst ist eine negative Emotion und verhindert deine Macht, weil du ein guter Mensch bist. Hisokas Kräfte jedoch werden durch negative Emotionen erst stark. So war es bei Callum übrigens auch. Wut, Trauer, Angst, Habgier und all so etwas bringen die Kräfte meines Vaters erst zum aufglühen. Doch nicht seine Emotion beeinflusst seine Macht, sondern die seines Umfelds. Wenn ihr also von all den negativen Emotionen losgelöst seid, wird es ihm schwerfallen, seine Kraft einzusetzen.“
    Tae nickte langsam und murmelte:„Das macht Sinn...“ Lívia warf jetzt jedoch ein:„Und wie stellst du dir vor, schaffen wir es, uns von unseren negativen Emotionen loszulösen? Wenn man Angst hat, hat man eben Angst und daran lässt sich nichts ändern. In Hisokas Fall ist es nicht gerade unwahrscheinlich, dass wir Angst haben.“ Scheinbar glücklich, dass diese Frage kam, erwiderte Daichi:„Das ist ganz einfach. Ihr müsst an etwas denken, dass euch die Angst und all die negativen Emotionen nimmt. Das kann ein Partner oder eine Partnerin sein, genauso gut aber auch eine schöne Erinnerung an frühere Zeiten. Das wird nämlich auch dazu führen, dass ihr entschlossener seid, das hier zu gewinnen.“ Federica fragte:„Was, wenn Hisoka uns wieder schlechte Emotionen einführt?“ Ruhig antwortete jetzt Hadia:„Das wird er nicht, solange ihr bei euch bleibt. Wisst ihr, es kann auch helfen, wenn ihr euch Witze erzählt.
    Am besten ist eigentlich, wenn ihr wie Kinder denkt. Die sind sorglos und sehen die Welt einfach. Es wird euch das Gefühl geben, dass das alles wirklich nur ein Spiel ist.“

    Yoongi meldete sich plötzlich zu Wort:„Ich habe mich in den Funk zwischen den Angestellten gehackt. Sie haben von diesem Raum zwar abgelassen, sind aber auf dem Weg zum Notstromkasten, um den abzuschalten. So wird alles im ganzen Gebäude abgeschaltet und unsere Sicherungssysteme sind dahin. Außerdem haben sich die Leute wieder in den Kerker begeben - Sie haben den toten Wächter gefunden und unsere Abwesenheit natürlich bemerkt. Daichi wird gerade gesucht, scheinbar haben sie keine Ahnung davon, dass du dahintersteckst. Das große Problem ist aber: Der Kerker ist leer - Akiko ist entflohen.“



    Hi.

    Hier ist das neue Kapitel. Ich hoffe natürlich, dass es euch gefällt. Über Feedback würde ich mich wie gesagt sehr freuen (auch wohl noch zum letzten Kapitel). Leider habe ich nämlich schon seit mindestens einer Woche nichts mehr von euch gehört.

    Wie ihr ja bemerkt habt, ist Hisokas Sohn, Daichi, jetzt etwas in seiner Bedeutung gestiegen. Eine neue Person ist ja auch dazu gekommen - Hadia.

    Eure Meinung dazu interessiert mich natürlich sehr. Meint ihr, Daichi und Hadia sind tatsächlich auf der Seite der Truppe oder ist es vielleicht doch ein Hinterhalt? Eine Frage, die sich mir aufwerfen würde, ist, wie Akiko entflohen ist. Immerhin war sie alleine Im Kerker und eingeschlossen. Oder war vielleicht doch zwischendurch noch jemand dort oder hat sie unauffällig befreit?
    Schreibt bitte eure Vermutungen dazu in die Kommentare und lasst mich eure Meinung wissen!^^

    LG Emily W.

    8
    Kapitel 149

    Leicht panisch wirkend drehte sich Daichi zu Yoongi um und fragte ungläubig:„Wie? Akiko ist weg?“ Zögerlich und schweigend nickte der Andere nur und deutete gleichzeitig auf einen der Monitore vor Hadia, bei dem die Afghanin gerade auf die berechtigte Kamera umgeschwenkt war. Dort war deutlich zu erkennen, dass die Tür zu Akikos Zelle weit offen stand. Zögerlich fragte Federica:„Und was machen wir jetzt? Akiko ist der Feind und sie streunt hier irgendwo herum...“ Schnell erwiderte der Japaner:„Wir werden die Kameras jetzt genau im Auge behalten. Möglicherweise werden wir sie so sehen können. Problem ist aber: Akiko ist sehr intelligent und ihrem Vater nicht gerade unähnlich. Sie kennt viele Abkürzungen innerhalb des Gebäudes und weiß, wie sie Personen manipulieren und ausschalten kann.“ Tae stellte in Frage:„Aber sie kann doch nicht an uns ran, solange sie keine Personalkarte hat, oder?“ Die Kameras umschaltend, antwortete Daichi:„Naja, so halb. Laut Yoongi wollen sie den Notstromkasten abschalten. Spätestens dann kann sie an uns ran und auch sonst wird sie ganz einfach die Karte unseres Vaters benutzen.“ Leise brummte mein Freund nur nachdenklich, während Namjoon jetzt in die Runde meinte:„Wie konnte sie denn entkommen? Sie war eingesperrt und wir hatten den Schlüssel.“ Preecha spekulierte mit skeptischem Blick:„Die Frage ist, wer sie hätte befreien können. Sie muss entkommen sein, bevor die Wachen zurückkamen und bevor wir hier waren. Sonst hätten wir sicher etwas davon mitbekommen. Sie wird aber auch nicht einfach ohne Hilfe entkommen sein! Irgendjemand muss ihr zur Flucht verholfen haben. Wo war Daichi, bevor er bei uns war? Wer versichert uns, dass er sie nicht herausgelassen hat? - Niemand, genau!
    Er ist ihr Bruder! Er kennt sich hier doch so gut aus und kennt die ganzen Abkürzungen! Es ist also durchaus möglich, dass er nach unserer Flucht Akiko befreit hat und uns dann hier in die Falle geführt hat!“ Der Thai trat Hisokas Sohn immer näher und war quasi kurz davor, ihm eine reinzuhauen. Amba zog ihn jedoch von dem anderen weg und murrte:„Wir können uns jetzt nicht streiten! Warum sollte Daichi uns denn überhaupt herausgelassen haben, wenn er uns dann in eine Falle lockt? Wo ist der Plan dahinter?“ Ungerührt sprach Preecha direkt:„Er hat uns gesagt, er ist gegen seinen Vater. Akiko sagt, sie möchte neue Machthaberin sein. Akiko sagt mit Sicherheit die Wahrheit. Daichi kann Teilwahrheiten sprechen. Sie könnten sich zusammengetan haben, um uns als ihre Werkzeuge zu nutzen! Sie wollen ihren Vater töten, um an die Macht zu gelangen und uns brauchen sie nur zur Hilfe. Und am Ende des Tages werden sie uns auch töten!“ Michal schritt ein:„Preecha, du kannst hier nicht einfach wild umher spekulieren! Ich kann dich im entferntesten Sinne verstehen, aber andererseits muss ich Amba damit recht geben, dass es keinen Sinn ergeben würde!“ Leise fauchte der 25-jährige:„Eben wohl!“ Doch Michal schüttelte nur stumm entmutigt den Kopf, während ich jetzt versuchte, die Spannung zu lockern:„Seht mal, wir dürfen keine Zeit mit Spekulationen verplempern, wenn wir kurz davor sind, wieder von den anderen geschnappt zu werden! Außerdem... Was will Akiko uns als alleinige Person schon groß anhaben? Sie kann Licht erzeugen, doch ist das eine Kraft, mit der du über 15 Leute erledigen kannst, die hauptsächlich auch noch mit Kräften ausgestattet sind?“ Daraufhin schwieg Preecha dann, doch plötzlich stachelte Finlay die Situation erneut an:„Ich kenne euch ja alle nicht so gut, aber ich frag mich, warum Preecha so gegen Daichi ist. Klar, er ist Akikos Bruder, aber warum muss das heißen, dass er auch für sie ist? Auf mich wirkt Preecha so, als wollte er einfach einen Schuldigen finden, wenn ihr mich fragt...“ Gereizt antwortete der Thai:„Dich hat aber niemand gefragt und du hast eh keine Ahnung, weil du auch zu den Feinden gehört hast und einfach nur ein dummes Kind bist!“ Der Ire zuckte kurz zusammen, als der Mann so harsche Worte sprach und Jungkook ging dazwischen:„Hey, das ist kein Grund, jetzt beleidigend zu werden! Er darf doch seinen Eindruck beschreiben! So, wie du reagierst, machst du dich tatsächlich verdächtig! Verheimlichst du etwas oder willst du einfach nur Stress anfangen?“
    Damit eröffnete sich eine Diskussion zwischen vielen und man konnte kaum ein Wort verstehen. Jeder beschuldigte irgendwie jeden und es ging drüber und drunter. Irgendwie blieben nur Hobi und ich ruhig und wir schauten uns seufzend an. Als würden wir die Gedanken des Anderen lesen können, zogen wir die beiden Ober-Streithähne, welche Preecha und Daichi darstellten, auseinander und Hobi sorgte für Ruhe:„Leute, es reicht! Wenn ihr streiten wollt, könnt ihr gleich alles vergessen! So kommen wir nicht weiter! Wer sagt überhaupt, dass Akiko von einem von uns befreit wurde? Sie kann genauso gut von jemand Fremden oder Hisoka Hilfe bekommen haben, genauso wie sie alleine hätte entkommen können! Es muss auch nicht immer einen Schuldigen geben!“ Lívia sprach jetzt gesittet, aber dennoch leicht provokant:„Ich habe mal über das nachgedacht, was Daichi meinte: Hisokas Kräfte werden durch negative Emotionen beeinflusst. Was, wenn Preechas Kräfte auch von negativen Emotionen beeinflusst werden? Das wäre eine Erklärung dafür, warum er immer alle anstachelt und sich an deren Emotionen vergnügt.“ Gereizt fragte der Thai augenblicklich:„Was hat das denn jetzt damit zu tun? Vielleicht ist es auch einfach eine Charaktereigenschaft! Warum wollt ihr mir jetzt anhängen, der Böse zu sein?“ Ich seufzte laut:„Das will doch niemand, Preecha!“ Zum Rest gewandt murrte ich mit ernstem Blick:„Ich verstehe auch nicht, warum ihr euch jetzt alle gegenseitig etwas vorwerfen müsst! Das fördert weder den Ernst der Situation, noch hilft es irgendwem. Es zerstört nur unsere Gemeinschaft!“ Juan krächzte:„Welche Gemeinschaft? Wir werden doch scheinbar die ganze Zeit nur hinters Licht geführt! Woher sollen wir wissen, wer wirklich Teil dieser Gemeinschaft ist oder, ob es diese „Gemeinschaft“ überhaupt gibt!“ Hobi kritisierte:„Du redest Käse! Wer hat uns hinters Licht geführt? - Nur Akiko!“ Juan redete dazwischen:„Nein! Akiko ist der Feind, doch hinters Licht geführt hat uns auch Karolin, genauso wie Michal! Zwar taten sie es für uns, aber es ist dennoch ein Betrug! Karolin hat uns verlassen, anstatt einfach mit uns darüber zu reden und Michal hat sie bei dieser hirnverbrannten Aktion unterstützt, anstatt sie davon abzuhalten und alles ohne ein Opfer zu regeln!“ Direkt schaute der Pole auf und verteidigte sich:„Du verstehst doch gar nicht, wie es abgelaufen ist! Es war weitaus mehr, als dass Karolin mich nur gefragt hat, ob ich ihr helfen kann! Du hättest an meiner Stelle nicht anders gehandelt!“ Provokant fragte der Spanier:„Was? - Du meinst, ich hätte Karolin bei ihrer Art Selbstmord geholfen? Diesen Tod in Kauf genommen?“ Ich merkte, wie die Augen des 21-jährigen glasig wurden und er stand Tränen sehr nahe.
    Die Situation artete aus und Michal wisperte, seinen Hass unterdrückend:„Du hast keine Ahnung! Du weißt nicht, wie es abgelaufen ist und du weißt nicht, was in Karolins Kopf vorging!“ Gerade wollte Juan wieder etwas sagen, als Hoseok der Diskussion ein Ende bereitete:„Es reicht! Wirklich! Ihr könnt nicht so reden ohne zu wissen, was wirklich Sache war! Ich kann jedes einzelne gesprochene Wort verstehen und nachvollziehen, aber es ändert die Vergangenheit nicht! Nichts kann die Vergangenheit ändern und damit müssen wir uns, so schwer es mir fällt, das zu sagen, einfach abfinden! Wir dürfen uns nicht auch noch unsere Zukunft zerstören!“ Dies brachte die Männer tatsächlich zum Schweigen und nur noch Michals leises Schluchzen war zu vernehmen, während Amba ihm beruhigend über den Rücken strich, während der gebrochene Arm weiter nach unten baumelte.

    Hadia, welche bisher die ganze Zeit geschwiegen hatte, sprach jetzt vorsichtig:„Ich weiß nicht, ob es die Situation und die Vorwürfe lockern kann, aber... Wir haben die gesamten Videoaufnahmen aus der Arena gespeichert... Nur meistens werden sie nicht noch einmal angeschaut...“ Überrascht schaute ich auf. Sie bietet uns an, die Wahrheit zu erfahren... Über Karolins Tod und Michals Packt mit ihr. All das ist wiederzufinden. Dennoch war ich unsicher, ob es eine gute Idee wäre. Würde es uns nicht vielleicht eher runterziehen?
    Hobi und Tae schienen ähnlich wie ich zu denken, denn sie schauten sich vielsagend an, während Finlay jetzt jedoch meinte:„Es könnte das Problem klären.“ Da sonst irgendwie auch niemand etwas sagte, suchte das Flüchtlingsmädchen nun eine Datei auf dem Computer heraus und übertrug sie auf einen der größeren Monitore.

    Wie gebannt schauten wir gleich alle auf den hellen Bildschirm in dem dunklen Raum. Die Kameraaufnahme zeigte vorerst den Abend, an dem der Streit zwischen Karolin und Michal stattfand.
    Die zwei standen im Schutze der dunklen Nacht hinter einem Baum, eher etwas abgelegen von dem Lager, während man uns im Hintergrund vereinzelt schlafen sah. Die Stimmen der Menschen waren leise und tief in der zirpenden Stille. Karolin schaute den Polen eindringlich an und sprach:„Michal, es ist mehr als nur das! Du verstehst nicht, was ich möchte! Du denkst, ich würde mich einfach all dem stellen wollen und die anderen retten, weil ich so ein guter Mensch bin. Die Wahrheit ist aber nicht nur das. Ich kann nicht leben, in dem Wissen, nichts erbracht zu haben. Mein gesamtes Leben lang war ich nicht die Person, die man sich in mir wünschte. Ich war niemals gut genug und hatte keinen richtigen Mehrwert. Es war nicht einfach nur so, dass mir die anderen schlechtes antaten, was mein Selbstwertgefühl nach unten zog! Ich habe in meinem Leben selbst nie einen Sinn gesehen. Jeden Tag war es das selbe und jeden Tag stand ich erneut auf, um auf der Straße Angst zu haben, dass mich Leute anstarren und über mich urteilen. Das ist die Wunde, die meine Mitmenschen mir zufügten. Aber ich habe einfach keine echte Freude spüren können. Es war nicht immer NUR mein Umfeld. Ich sehe keinen Sinn in diesem Leben, wenn ich es nicht für etwas Gutes nutze, wobei ich denen, die ich liebe, helfen kann!“

    Es tat weh, das mittlerweile tote Mädchen auf diesem Bildschirm lebendig zu sehen. Es war ein seltsamer Moment, ihre Stimme noch einmal zu hören, ihre Augen funkeln zu sehen, ihre Gedanken kennenzulernen, obwohl sie gar nicht mehr existierten. Ich wusste auch, dass nicht nur ich so fühlte. Es kam Unbehaglichkeit auf, doch wir schwiegen diese nur aus, darauf fokussiert, was als nächstes auf dem Video zu sehen und zu hören war.

    Michal antwortete der 15-jährigen:„Aber Karo, es gibt doch so viele andere Möglichkeiten! Deswegen musst du dich doch nicht opfern! Du würdet dein Leben wegwerfen!“ Ruhig erwiderte die Österreicherin:„Erstens... Wer sagt, dass ich sterben werde? Und zweitens... nein. Weißt du, wie oft ich schon versuchte, eine andere Möglichkeit zu ergreifen? So oft sprach ich meine Familie oder meine Freunde an, erzählte ihnen, was ich fühlte. Doch es schien ihnen nie wichtig gewesen zu sein. Meine Eltern sagten immer nur, ich würde übertreiben, während meine Freunde mit „same“ antworteten. Was zeigt das an Interesse? Es interessierte sich niemand für meine Probleme und sie wurden als selbstverständlich gesehen, weil sich alle nur auf sich fokussierten oder ihren Fehler nicht eingestehen wollten. Weder mein Leben, noch meine Gedanken und Gefühle, noch ich generell habe je irgendwen interessiert. Ich wollte über meine Probleme sprechen, doch mein Hilfeschrei wurde nie gehört. Ich habe genug geredet. Letztendlich wird sich dadurch doch nie etwas ändern. Wenn ich ehrlich bin, habe ich manchmal über Selbstmord nachgedacht. Doch diese Gedanken waren nicht lange da und eine Planung stand nie fest. Besonders, seitdem ich in das Alter kam, in dem ich verstand, dass nicht nur ich litt, wollte ich es nicht tun. Ich bemerkte, wie viele Leute in meinem Umfeld sich umgebracht haben, es vor hatten oder einfach depressiv waren. Ich verstand, dass Suizid definitv eine Verschwendung des Lebens wäre und sich dadurch meine Probleme nicht einfach auflösen würden. Ein Selbstmord würde nur noch mehr Probleme verursachen - ich dachte an die, die ich zurücklassen würde und die jeden Tag damit leben müssten, dass ich wegen ihnen nicht mehr unter ihnen weilte. Ich wollte nicht, dass Menschen wegen mir litten.
    Doch weißt du... Jetzt kann ich Leid verhindern, indem ich einen Verrat vortäusche, so tuhe als würde ich die Gemeinschaft verlassen, doch eigentlich rette ich ihnen den Hintern. Es würde mir das geben, was ich in meinem Leben vorher nicht fühlte - einen Sinn.“ Michal protestierte abermals:„Karolin, du musst für uns nicht dein Leben aufgeben! Dir mag in Vergangenheit niemand zugehört haben, doch jetzt hast du mich und ich verspreche dir, ich werde deinen Hilfeschrei hören und dir helfen! Doch ich möchte nicht, dass du so leichtfertig dein Leben hinter dir lässt!“ Sanft schüttelte die damalige Anführerin den Kopf und murmelte:„Michal, das tue ich nicht. Ich habe schon lange gelernt, mit all dem umzugehen und ich sehe mein Vorhaben nicht als Suizid.“ Ein leichtes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie fuhr fort:„Was ich sehe, ist meine Chance, der Mensch zu sein, der ich sein möchte. Und weißt du... Ob mit oder ohne deine Hilfe, Michal, ich werde es so oder so tun. Nur weiß ich, dass du mich am ehesten verstehst. Es geht mir nicht darum, mein Leben zu beenden, sondern das von denen, die ich liebe, zu retten. Es würde mir mein Herz brechen, die anderen sterben zu sehen. So wie es das schon bei Malou tat...
    Und Michal, es muss nicht heißen, dass ich wirklich sterbe. Es wird uns als Truppe nicht helfen, gemeinsam zu kämpfen. Ich muss das alleine tun. Ansonsten bringt es nichts. Doch ich brauche deine Hilfe, um sie abzulenken. Und ich verspreche, du wirst nicht dabei zu Schaden kommen und ich glaube, ich werde das auch nicht...“ Ein Lächeln, schmerzerfüllt und trauernd, kräuselte sich auf Karolins Lippen und die Frequenz endete.

    Kurz schaute ich traurig zu Boden, bis Hadia direkt eine neue Datei öffnete und sie übertrug. Ich erkannte das Feld wieder, auf dem die Kämpfe ausgetragen wurden. Callums Truppe stand vollständig dort und man sah Karolin und Michal in einem Waldstück stehen, noch einige Meter von den Feinden entfernt. Vorsichtig lukten sie zu den anderen hinüber und auf einmal hörte man Karolin sprechen:„Du kennst den Plan, Michal. Glaub mir, wir schaffen das. Ich versichere dir, dass du hier herauskommst, ja?“ Zögerlich nickte der Pole nur und auf einmal löste sich eines der Mitglieder aus der Truppe. Es war ein Mann, stämmig und eher klein mit Bart, den ich nicht kannte. Doch ich wusste, dass es einer der Gesandten Hisokas sein musste. Er lief auf das Waldstück, direkt auf Karo und Michal zu, jedoch ohne die beiden zu sehen. Er ging schnell, scheinbar pinkeln müssend.
    Die vermeintlichen Verräter huschten hinter einen Baum, darauf wartend, dass der Feind bei ihnen angekommen war. Als er dies tat, zog Karolin ihn flink hinter den Baum, hielt ihm den Mund zu und Michal eilte ihr zu Hilfe. Der Mann versuchte, zu schreien, doch die Hand vor dem Mund brachte nur ein gedämmtes Murren hervor. Kurzerhand trat Karolin dem Mann jetzt in den Nacken und man hörte sein Genick brechen. Schlaff sinkte der Körper zu Boden und wurde liegen gelassen.
    Als wäre nichts gewesen schauten die anderen zwei wieder auf das Feld. Kurz gab Karo dem Polen jetzt ein Handzeichen und er sorgte für Dunkelheit. Verwirrt schauten sich die Feinde dann um, bis Karo und Michal auch schon vorgesprintet waren.
    Somit begann dann die erste Schlacht, brachte noch zwei weitere Opfer mit sich. Karolins Winde zischten beherrscht durch die Lüfte, wirbelten den Feinden um die Ohren und hielten sie davon ab, ihre Kräfte einsetzen zu können. Schließlich befreite sich Irina jedoch aus dem ganzen Trubel, rannte auf Karolin zu und bediente sich ihrer Kräfte. Eine gewaltige Flamme schlug der 15-jährigen somit ins Gesicht und eine Brandnarbe entstand, dunkel und schmerzhaft. Von dem Angriff benebelt, taumelte die ehemalige Anführerin einige Schritte, während Michal auf sie zustürmte von weiter hinten. Doch Irina war zu schnell und rammte der Österreicherin ihren Dolch in die Seite. Schmerzerfüllt schrie diese dann auf, schaffte es jedoch, der Russin die Waffe aus der Hand zu treten und schlitzte auch ihr die Seite auf, sodass das Blut tropfte. Wimmernd lagen dann beide auf dem Boden und Michal half seiner Komplizin auf und rannte mit ihr zurück in das Waldstück. Man sah schon, wie Karo die Kraft verließ und sie wurde nahezu von dem 21-jährigen geschleppt. Als die zwei schließlich in Sicherheit waren, legte Michal die Verwundete auf dem Boden ab und versuchte, die Blutung zu stillen, indem er seine Hände darauf presste. Rote Flüssigkeit tränkte sowohl Karos Kleidung als auch den Boden und Michals Hände. Ihre Atmung ging unregelmäßig und schnappend, doch Michal versuchte panisch, die Situation zu retten.
    Karolin fing nun aber an, hustend zu sprechen:„Michal, ist gut... Du kannst mich nicht mehr retten. Rette dich selbst! Ich werde sterben. Du brauchst deine Energie nicht an mich verschwenden.“ Doch der Pole schüttelte energisch seinen Kopf, sodass sein dunkles Haar ihm direkt ins Gesicht fiel und er wimmerte:„Du hast mir versprochen, nicht zu sterben!“ Leicht lächelte Karolin schmerzerfüllt und antwortete:„Ich kann meine Versprechen eben nicht halten. Mir war doch vollkommen klar, dass ich sterben würde. Weißt du, Michal, am Ende bin ich doch die Verräterin. Ich habe dich belogen damit, dass ich es überleben würde... Weißt du, ich glaube, wir alle haben im Leben eine Aufgabe. Wenn wir herausgefunden haben, welche es ist und sie durchgeführt haben, sterben wir. Das war meine Aufgabe... Sekunden später fing die Österreicherin an, zu husten und sie spuckte Blut, während ihr ganzer Körper unter dem Energieaufwand zuckte. Nach dem Hustenanfall sackte sie wieder jämmerlich in sich zusammen und röchelte nur noch leicht. Michal hockte verzweifelt über ihr, gab weiterhin sein bestes, seine beste Freundin zu heilen und Tränen bildeten sich in seinen Augen. Doch diese meinte schwach:„Michal, du musst mir eines Versprechen: Wenn du hier wieder herauskommst, sag meiner Familie, dass ich sie liebe und sage den anderen, dass ich für sie gestorben bin, doch dass sie nicht traurig sein müssen. Sag das bitte auch vor allem Hobi. Ich weiß, dass ihm das alles das Herz brechen wird.
    Ihr wart alle wirklich tolle Freunde und ich werde euch nicht vergessen.“ Michal wollte protestieren, doch Karolin bäumte noch einmal ihre letzte Energie auf und murrte:„Sei ruhig jetzt und lass mich ausreden! Wenn ich sterbe, dann mit Stil!“ Dann griff sie die Rede auf, die Michal uns auch damals erzählte. Als sie damit fertig war, hob sich ihre Brust noch einmal und blieb dann stehen, bis die letzte Luft wieder nach außen gelang. Ihre Augen starrten leer und glasig in die Luft und sie lag reglos in Michals Armen. Der Ton des Todes ertönte.
    Der Pole fing augenblicklich an, zu weinen und drückte den toten Körper leicht an sich. Erst nach einigen Minuten legte er die tote Karolin erst in das weiche Gras und schloss mit seinen Fingern noch ihre Augen. Dann stand er auf, mit zittrigen Beinen und schaute seine tote Freundin noch ein letztes Mal an. Dann ging er mit Tränen in den Augen und humpelte davon.
    Somit endete auch dieses Video und der Monitor schaltete erneut auf die gewöhnliches Kameras um.

    Geschockt schauten wir alle auf und ich sah in fast allen Augen Tränen oder immerhin Trauer. Wir schwiegen und Michals Blick war betrübt zu Boden gerichtet. Es muss schrecklich für den 21-jährigen gewesen sein, den Tod seiner besten Freundin noch ein zweites Mal zu erleben. Amba nahm ihn daraufhin liebevoll in die Arme und streichelte ihm behutsam über den Rücken, während er sich verletzlich an sie schmiegte. Letztlich war es Namjoon, der etwas sagte:„Ich kannte Karolin nicht wirklich, doch ich weiß, dass sie ein guter Mensch war und den Tod nicht verdient hat.“ Laut schluchzte daraufhin Hobi, weshalb Yoongi ihn in den Arm nahm, dabei selbst doch eher weniger emotional aussah. In dem Koreaner sah ich irgendwie Charakterzüge von Karolin, weshalb er und Hobi sich wohl auch so gut verstanden. Trauernd lehnte Hoseok sich währenddessen in Yoongis Arme, während Joon weitersprach:„Aber ich bin mir sicher, dass Karolin nicht gewollt hätte, dass ihr trauert. Sie hat es selbst gesagt. Wir müssen allesamt für sie und all die anderen Opfer stark bleiben und uns gegen Hisoka wehren. Wir werden ihn heute töten und danach wird uns nie wieder so etwas widerfahren müssen. Wir tun es für Karolin!“ Jimin nickte eifrig und meinte:„Sie ist für uns gestorben. Jetzt wollen wir auch für sie überleben. Ihr Tod soll nicht umsonst gewesen sein! Wir kommen hier heraus und dann sind unsere Leben wieder normal!“
    Zustimmend nickten wir, noch von der Trauer überschwemmt und plötzlich meinte Daichi äußerst taktlos:„Wenn wir hier schon die Zukunft besprechen... Soll ich euch die Kameraaufnahmen auf DVD brennen?“ Sofort verpasste Hadia ihm jetzt eine, sodass er ein leises „Au“ von sich gab, während wir ihn verärgert abschauten.

    Schließlich sprach Preecha:„Na gut... Ich sehe ein, dass Michal irgendwie keine andere Wahl hatte. Karolin hätte es ja so oder so getan. Wir alle wissen, dass sie etwas durchzieht, wenn sie es sich in den Kopf gesetzt hat.“ Federica fragte jedoch:„Aber hätte Michal nicht einfach mit ihr reden können und dann mit uns? Wir hätten sie davon aufhalten können, hätten wir davon gewusst.“ Lívia schüttelte den Kopf und erklärte:„Wir hätten sie ja nicht die ganze Zeit bewachen können, damit sie nicht geht. Außerdem... Karolin sah es als ihre Bestimmung. Ich denke, wir sehen alle ein, dass es mit Sicherheit nicht nötig gewesen wäre, aber andererseits ist es jetzt schon geschehen und wir können es nicht ändern...“

    Juan hob jetzt den Kopf und murmelte:„Wir haben doch schonmal darüber gesprochen... Wenn der „Auserwählte“ gefunden wurde, kann Tod wieder zum Leben führen. Vielleicht können wir Karolin und die anderen wieder zurückholen.“ Darauf antwortete jedoch Hadia:„Nein. Erstmal müsste dann ja einer von euch den Rest umbringen und zweitens kann nur eine einzelne Person damit erneut ins Leben kommen. Auch so gibt es keinen weiteren Weg, die Toten wieder ins Leben zu bringen.“ Enttäuscht nickte der Spanier nur, bis ich interessiert fragte:„Wen möchte eigentlich Hisoka zurück ins Leben holen?“ Ruhig hob Daichi seine Stimme:„Seinen Vater... Er hat es ihm damals aufgetragen. Er war der letzte Hüter der Kräfte und wollte sie auch nur benutzen. Nun... eigentlich interessiert es meinen Vater nicht, seinen Vater zu erwecken, sondern seine Pläne. Mein Großvater hat damals Pläne geschmiedet, mit denen er ein gesamtes Reich an sich reißen konnte. Doch als er starb, starben auch diese Pläne mit ihm. Hisoka möchte eigentlich nur die Pläne.“ Tae fragte jetzt:„Und gibt es einen Grund, dass er diese Pläne unbedingt haben möchte?“ Leichthin murrte der Japaner:„Machtgier. Sagen wir es so... Mein Vater ist in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und es gab diesen einen Oberführer, der für Recht und Ordnung sorgte. Dies geschah nicht direkt in Japan, sondern in einem abgelegenen Dorf, das noch ziemlich in Elend und einer Monarchie lebte. Dieser Machthaber nahm der Familie meines Vaters viel. Sie mussten hungern, er verlor Freunde und Familie durch Kriegszwang. Er war weder frei noch ging es ihm in diesen Verhältnissen gut. Doch, als seine Mutter verschleppt wurde, um für den Befehlshaber zu arbeiten und sein Vater von den Kolonien getötet wurde, wurde mein Vater Angestellter im Palast. Er lernte, dass man mit Macht alles erreichen konnte und er fing plötzlich an, diesen Führer zu bewundern. Durch Macht konnte er das bekommen, was er wollte. Also wurde er machtgierig...“ Langsam nickte Tae und murmelte etwas Unverständliches.

    Gerade wollte Daichi etwas sagen, als auf einmal alle Lichter ausgingen und es vollkommen dunkel in dem Raum war. Die Sicherheitssysteme schalteten sich ab und die Türen öffneten sich automatisch. Leicht panisch murmelte Daichi:„Der Notstromschalter wurde umgelegt: Wir sitzen in völliger Blöße.“


    9
    Kapitel 150

    Nervös fragte Federica:„Und was machen wir jetzt? Eigentlich müssten wir zur Aktivierung des Stroms doch den Schalter wieder umlegen, oder nicht?“ Knapp, aber leicht panisch nickte Daichi und erklärte:„Ganz genau. Das wäre eigentlich der Plan, aber ich bin mir sicher, dass der Schalter bewacht wird. Uns bleibt also eigentlich erstmal nur eine Möglichkeit: Fliehen und Verstecken.“ Lívia protestierte:„Aber das können wir doch auch nicht die ganze Zeit machen! Sie werden dann die Technik wieder einschalten und uns über die Kameras finden.“ Ich antwortete, ohne lange nachzudenken:„Deswegen würde ich ja sagen, nutzen wir die Chance und greifen Hisoka an!“ Wie auf eine Bestätigung wartend drehten sich nun alle zu Daichi, welcher uns nur etwas verlegen anschaute. Schließlich nickte er nur:„Das wird der beste Plan sein.“

    Mit diesen Worten setzten wir uns auch schon sofort in Bewegung und verließen die Zentrale. Stattdessen liefen wir schnellen Schrittes durch den Gang, den noch am selben Tag Preecha teils abgefackelt hatte. Das Feuer war dort mittlerweile gelegt und die Wände nur noch schwarz verkohlt. Auf diesem Gang war niemand mehr zu sehen, da es darin noch ziemlich nach Feuer stank.
    Mit Daichi an unserer Spitze und Hadia als Nachhut liefen wir den Flur entlang. Ich lief neben der Afghanin und schaute sie von der Seite an. Es war etwas an ihr, das sie stark und unabhängig wirken ließ. Ihre dunkle Haut, die mich an Malou erinnerte, glänzte ein wenig im Licht und ihre dunklen, eher schmalen Augen blitzten. Ihre Nase war schmal und gerade - eigentlich sehr hübsch. Wieder fiel die eine Haarsträhne aus ihrem Hijab und ich fragte vorsichtig beim Gehen:„Ist es bei euch nicht so, dass ihr Männern eigentlich nicht eure Haare zeigen dürft? Du weißt schon... wegen deiner Religion.“ Lächelnd meinte Hadia:„Ja, eigentlich ist es so, aber ich schere mich nicht um die Regeln. Ich bin gläubig, aber ich halte mich nicht daran fest. Deswegen lasse ich immer diese eine Strähne heraushängen. Ich möchte allen zeigen, dass ich weder an meine Religion, noch an die Erde an sich gebunden bin. Ich möchte frei und unabhängig sein. Religion schränkt ein. Deswegen gestalte ich sie mir selbst.“ Nachdenklich nickte ich mit Bewunderung für das Flüchtlingsmädchen. Wieder stellte ich eine Frage:„Wie bist du überhaupt darauf gekommen, dich mit Daichi gegen Hisoka zu verbünden? Hat er dir erzählt, dass er dagegen ist oder andersrum?“ Kurz nachdenkend erklärte Hadia:„Das ist ein wenig kompliziert... Wir haben uns relativ früh kennengelernt, weil ich eben schon vor dem hier für Hisoka arbeitete. Vor etwa 4 Jahren bin ich geflohen und Hisoka eben geradewegs in die Arme gelaufen. Ich wollte ja nicht sterben, also blieb ich bei ihm. Ich lernte sowohl Akiko als auch Daichi kennen. Ich fand eigentlich beide ganz nett, aber Akiko war manchmal etwas... naja, wie nennt man das? Sagen wir, sie war etwas eifersüchtig und brauchte Aufmerksamkeit. Ich weiß wieso - weil sie all das nie von ihrem Vater bekam. Hisoka war auch meistens gar nicht da, sondern auf Reisen. Aber auf jeden Fall freundete ich mich mit den beiden an. Akiko hat nebenbei Jura studiert, weshalb auch sie oft nicht da war. Aber Daichi war schon fertig mit seiner Ausbildung, also war er quasi immer daheim. Wir redeten natürlich über vieles und eben auch Hisoka. Daichi vertraute sich mir an und erzählte auch von seinen Sorgen. Mit der Zeit kamen wir uns näher und irgendwann wollten wir uns zusammen gegen die Welt stellen...“ Etwas verwirrt fragte ich:„Warte mal... Ihr seid ein Paar?“ Etwas zögerlich, aber grinsend nickte die Afghanin-Afrikanerin und fügte hinzu:„Man merkt es nicht unbedingt, weil es eigentlich auch niemand wissen darf. Hisoka vor allem nicht. Er denkt, Liebe sei dumm und mache den „Kämpfer“ schwach. Damit Hisoka uns nicht voneinander trennt, schweigen wir über unsere Liebe...“ Verstehend nickte ich und bedauerte es irgendwie, doch meinte:„Naja, vielleicht könnt ihr es ja morgen schon der ganzen Welt mitteilen.“ Schwach lächelte die Frau nur und wir liefen weiter.

    Tae ließ sich nun auch etwas nach hinten fallen, sodass wir zu dritt liefen und er griff nach meiner Hand. Als Hadia dies sah, lächelte sie breit und erzählte auf einmal:„Ich habe eure Liebe mitbekommen. Es ist wirklich eine starke Liebe. Sie ist einer der sogenannten Höhepunkte.“ Vollkommen verwirrt schauten wir die Afghanin an, bis sie lachend erklärte:„Oftmals haben wir im Dienst nichts zu tun gehabt. Ich war meistens in dem Dienst für Verwaltung. Wenn nichts zu tun war, haben sich die Angestellten zusammengetan und ihre Lieblingskameraaufnahmen und Geschehnisse des Kampfes zusammengestellt. Damit haben wir dann die Höhepunkte bestimmt. Natürlich haben wir lange nicht alles dabei, da wir ja erst ab einer gewissen Zeit aufgenommen haben, aber von den Momenten sind die Top 3, als ihr zwei euch wieder verstanden habt, nach der ganzen Geschichte mit dem Vereisen. Die zweite ist, als Juan sich geoutet hat und von der dritten habt ihr, glaube ich, gar nichts mitbekommen. Naja, zumindest der Großteil. Karolin und Hobi haben Jimin dabei unterstützt, Federica zu sagen, dass er sie gerne hat. Das war relativ zu Anfang der Aufnahmen.“ Federica hatte das Gespräch wohl zum Teil aufgeschnappt und fragte überrascht:„Jimin hat sich vorher Unterstützung bei Hobi und Karo geholt?“ Knapp nickte die Frau mit dem Hijab grinsend und meinte:„Ja, er ist total aufgelöst zu den zweien gegangen und meinte, er habe Angst, dass du ihn nicht soo sehr mögen würdest.“ Jimin, welcher bei Rica an der Hand lief, errötete, während seine Freundin selbst nur lachte und ihm einen Kuss auf die Wange gab.
    Ich sprach in der Zeit belustigt:„Und ihr habt euch echt eure Lieblingsmomente ausgesucht?“ Etwas verlegen grinste Hadia nur und murmelte:„Mittlerweile wurden die Momente aber vermutlich schon von Karolins angeblichem Verrat und ihrem Tod übertroffen. Auch der Kampf mit Lorenzos Tod wird weit oben stehen. Da das heute passiert ist, ist es noch nicht zu einer Aufnehmung in die Rangliste gekommen.“ Etwas belustigt schüttelte ich nur schweigend den Kopf, während Tae nachdenklich sprach:„Locker hat Hisoka das aufgenommen, um es als Film zu verkaufen, wie er vorher schon meinte...“ Hadia erwiderte:„Nicht ausgeschlossen, dass die Aufnahmen an die Öffentlichkeit gelangen, aber der Sinn davon war es eigentlich nicht.“

    Daichi blieb vorne plötzlich stehen und ich lief fast in Lívia rein, welche vor mir lief. Verwirrt fragte ich:„Warum bleiben wir stehen?“ Kurz herrschte Stille, bis Daichi murmelte:„Wir sind vor Hisokas Gemach.“ In dem Moment fiel mir auf, dass Daichi fast nie von „Vater“ sprach, sondern den Mann so gut wie immer nur mit Vornamen betitelte. Es zeigte mir, dass Daichi seinen Vater wirklich nicht als seinen Vater sah, sondern einfach als den Mann, der ihm seine Kindheit nahm.

    Juan atmete ich einmal tief ein und fragte dann:„Also gehen wir jetzt einfach rein, unterdrücken unsere negativen Emotionen und töten ihn mit unseren Kräften?“ Kurz stockte der junge Japaner, bevor er antwortete:„Fast. Also, positive Emotionen machen es nicht unmöglich, die Zeit stehen zu lassen, sondern erschweren es einfach nur. Die Belastung der Zeit ist hoch und es können weniger Leute auf einmal in ihrer Zeit festgehalten werden. Damit er uns aber trotzdem nicht alle gleichzeitig aufhalten kann, schlage ich vor, teilen wir uns auf und eine Gruppe nutzt den geheimen Hintereingang. Offiziell kennt Hisoka den auch nur selbst, weil er generell niemandem vertraut. Hadia hat ihn mal per Zufall entdeckt. Nun, da mein Vater mit Leuten aus dem Hintereingang nicht rechnen wird, sollten wir diese als Angreifer einplanen und die anderen sind quasi Ablenkung. Hisoka lässt sich durch Gespräche aufhalten. Da ich der einzige hier bin, der Zeichensprache versteht, begleite ich die Ablenkenden und Hadia die Angreifer.“ Bevor der Mann noch großartig etwas sagen konnte, stellten sich auf einmal wie auf ein Kommando alle Paare zusammen, um Trennungen zu vermeiden. Doch der 22-jährige Daichi schüttelte den Kopf und murmelte:„Wir können nicht alle Paare in eine Gruppe stecken. Wir müssen euch auseinandersetzen. Die Gruppen werden nach Kräften gebildet.
    Perfekte Angreifer sind Amba, Juan, Preecha, Federica, Finlay und (d/n). Tae, Michal, Lívia und die Jungs bleiben mal einfach bei den Ablenkern. Damit wir aber eine gleiche Aufteilung haben, gehen mal noch Hobi und Yoongi rüber zu den Angreifern. Ihr bekommt dann noch ein Schwert in die Hand.“ Namjoon fragte skeptisch:„Und wo nehmen wir Schwerter jetzt her?“ Ruhig erwiderte der Andere:„Wofür habt ihr eure Kräfte? Juan, mache uns mal bitte ein schönes Schwert aus Stein und (d/n), du machst eines aus Eis. Um den Griff setzt du eine Art Dauer-Frost!“

    Wie gesagt, so getan und schneller, als wir gucken konnten, waren wir auch schon aufgeteilt. Kein einziges Paar war somit mehr in einer Gruppe, was der Japaner sicherlich so gemacht hatte, damit wir uns nicht zu sehr auf unseren Partner fokussieren.
    Schnellen Schrittes liefen wir durch einen Seitengang, bis Hadia vor einer Wand stehen blieb und dann sanft dagegen drückte. Wie von Zauberhand öffnete sich die Wand und ein dunkler, schmaler Gang kam zum Vorschein. Erstaunt murmelte Federica:„Hisoka scheint investiert zu haben in neumodische Sachen...“ Yoongi murrte:„Was erwartest du? Der Kerl selbst ist ein Mysterium.“ Leicht schmunzelte ich bei der Bemerkung, direkt an Karolin denkend.
    Allerdings blieb keine Zeit für Erinnerungen, weil Hadia uns direkt in den Gang zog. Preecha schuf eine kleine Flamme in seiner Hand, damit der Weg wenigstens ein wenig erleuchtet war. In dem Moment dachte ich an Akiko. Es war nach wie vor nicht klar, wo sie war und wie sie entkommen war. Genauso wenig wusste ich, ob sie uns überhaupt noch einmal über den Weg laufen würde. Doch darum kümmerte ich mich in dem Moment auch nicht. Ich war nur darauf erpicht, zu Hisoka zu gelangen, meine Hand in seinen Rücken zu rammen und sein eiskaltes Herz für immer zum Stehen zu bringen.
    Das mag klingen als sei ich ein Massenmörder, aber wenn wir ehrlich sind, wurden wir in der Zeit der Arena quasi zu solchen erzogen und man wollte einfach nur noch raus aus dem Albtraum, also scherte man sich auch nicht mehr richtig um alle. Nur eben um die, die man liebte.

    Schließlich kamen wir am Ende des Ganges an und fanden uns vor einer Tür wieder, die den Einlass zu Hisokas Gemach darstellte. Vorsichtig presste Amba ihr Ohr gegen die Tür, während ihr gebrochener Arm nach wie vor vollkommen schlaff ihren Körper hinunterhing. Behutsam lauschte sie den Geräuschen des Inneren. Es waren Stimmen zu vernehmen, mehrere. Amba gab uns ein Zeichen, dass sie Daichis Stimme erkannte und dazu die von Namjoon. Einen Moment warteten wir noch, bis wir auf einmal Daichi schreien hörten:„Ja, ich habe das Sicherheitssystem abgeschaltet und somit den anderen die Flucht ermöglicht! Ich war nie auf deiner Seite! Du hast mir zu viel genommen! Ich möchte keine Macht, ich möchte ein Leben! Hättest du einen machtgierigen Nachfolger haben wollen, hättest du dir Akiko herauspicken sollen! Stattdessen hast du sie in den Tod geschickt, welcher sie selbst zur Verräterin machte! Doch glaub mir, jetzt ist es zu spät!“
    Das war das Zeichen. Nun ist der Angriff fällig!

    Schnell stieß Preecha jetzt die Tür auf und wir liefen gleichzeitig in den gigantischen Raum. Hisoka stand in der Mitte und schnellte überrascht um, als er das Öffnen der Tür vernahm. In seinem Gesicht konnte ich sowohl Angst als auch Wut feststellen. Vor allem jedoch Überraschung, während die Ablenkenden hinter ihm standen und triumphierend grinsten. Preecha zögerte nicht lange und ließ eine gewaltige Flamme auf den älteren Japaner zuschießen. Doch er ließ sich davon nicht beirren und ließ das heiße Rot direkt in seiner Zeit stehen, indem er seine Hand hob, sodass es sich einfach nicht weiter bewegte. Doch auch hier konnte ich in seinen Augen wieder Angst erkennen und er schaute kurz auf seine Hände. Scheinbar stimmte es, was Daichi uns erzählt hatte - Hisokas Kraft wurde durch positive Energie geschwächt.
    Juan ließ nun den Boden beben und es fielen Möbel um, während er die Gewalt der Erde jedoch in Grenzen hielt, damit wir nicht alle einstürzten, in das Erdgeschoss. Das Erdbeben verunsicherte Hisoka zwar kurz, hielt ihn aber nicht davon ab, sich weiter zu wehren.
    Kurz warf ich einen Blick zu Michal, mit welchem ich mich noch vor wenigen Minuten abgesprochen hatte. Knapp nickte er als Zeichen, dass er verstanden hatte und sorgte für Dunkelheit. Kaum einer konnte sehen, doch ich hatte mir den Weg genau eingeprägt und rannte nun einmal um Hisoka herum, sodass ich ihn von hinten überraschen konnte und wollte ihm meine Hand in den Rücken schmettern, um ihn für alle Zeit zu vereisen. Doch auf einmal hörte ich Amba schmerzerfüllt aufschreien und kurze Zeit später erhellte sich der Raum wieder. Michal rannte sorgenvoll auf seine Liebste zu, welche wohl von Hisoka eine am Arm verpasst bekommen hatte. Ich blieb verwirrt stehen und sah jetzt, dass Daichis Vater hinter mir stand und gerade seinen Arm ausstreckte, um mich stehen zu lassen. Doch ich hob schneller die Hand und vereiste den Boden unter Hisoka, sodass dieser ausrutschte. Jungkook stand gerade am nächsten an Hisoka, also rannte er auf diesen zu, doch Hisoka hob abermals den Arm und ließ Kook schnell genug stehen bleiben. Wie eingefroren stand der Koreaner dann da, während Tae ihm etwas panisch hinterherschrie.
    Hilflos schaute ich mich in der Zeit um. Der Japaner hatte unseren Plan zerstört, indem er sich nun unsere Schwächen zum Vorteil nutzte - Amba verletzt, damit Michal seinen Posten verlässt und mir nicht mehr den Rücken deckt. Daichi rief in der Zeit nach Federica und deutete auf ein Wasserrohr. Verstehend nickte die Italienerin und rannte darauf zu, mit Juan an ihrer Seite, der ihr dabei half, das Rohr zu brechen. Das Wasser triefte dann erst langsam aus dem Rohr, doch Federica begnügte sich dessen und ließ es in seiner vollen Macht aufbrodeln. Damit diesmal nichts dazwischen kam, griff Preecha in der selben Zeit von der anderen Seite an und nahm Hisoka somit etwas die Tragfähigkeit seiner Kräfte. Doch auch dies war nicht lange eine Herausforderung für den Mann, denn er wich der Flamme aus und ließ das Wasser stoppen.

    Hobi griff in der Zeit nach seinem Schwert und lief auf den Feind zu. Hisoka war gerade mit Preecha beschäftigt und bekam den Angriff Hoseoks demnach nicht mit. Ich spürte schon den Sieg, doch dann ertönte auf einmal eine laute Stimme:„Vorsicht, Vater!“, und ein Lichtstrahl schoss auf Hobi zu. Sofort wurde der davon geblendet und stockte kurz. Die Zeit nutzte Hisoka, um sich umzudrehen und auch diesen Koreaner in seiner Zeit stehen zu lassen.
    Verwirrt schaute ich in der Zeit zu dem Ursprung des Lichts, auf einen Podest und erblickte Akiko. Selbstsicher stand sie dort und schaute kalt auf uns hinab. Kurz bildete sich Angst in mir, als ich das bekannte Gesicht erblickte und ich vernahm neben mir Daichis Stimme:„Akiko...“ Diese sprang nun leichtfüßig von dem Podest runter und landete wie eine seichte Feder auf dem Boden. Ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie schwenkte ein langes Schwert in der Hand, während die andere mit einer Kugel aus Licht gefüllt war. Die Aisatin lief anmutig und das Licht schien um sie, sodass sie wie ein hübscher Engel wirkte. Sprachlos schauten wir sie nur an, bis sie murmelte:„Ihr dachtet doch wohl nicht, dass ich nicht ausbrechen könnte! Nun, Hilfe war schon nötig, aber die habe ich ja auch bekommen - Naja, ich kann euch beruhigen, keiner von euch hat mich frei gelassen. Es war schlicht und einfach mein Vater. Er hat eure Flucht relativ schnell bemerkt und mich rausholen lassen, damit ich eich vernichten kann.“
    Ruhig, aber etwas aggressiv antwortete Lívia:„Was willst du schon tun? Uns blenden? Du wirst alleine nicht weit kommen und auch gegen deinen Vater kommen wir wohl an.“ Grinsend meinte die Japanerin:„Naja, lustig ist nur, dass ich meinem Vater schon all eure Schwächen erzählt habe. Eure Beziehungen und auch sonstiges. Er als auch ich wissen, wie man euch ausschaltet.“ Ich hob nun kalt meine Stimme:„Warum bist du überhaupt noch für deinen Vater da? Bist du zu dumm, um zu bemerken, dass er dich nur benutzt? Du liegst ihm nicht am Herzen, das hast du selbst gesagt. Warum stehst du wieder auf seiner Seite?“ Gelassen erwiderte die Japanerin:„Naja, ich bin eben treu, ganz im Gegensatz zu meinem Bruder.“ Nun wandte sie sich konkret an ihren Bruder:„Du bist eine Schande für die Familie, Daichi!“ Vollkommen gelassen meinte der junge Japaner aber nur:„Und du bist eine Schande für die Menschheit, also stell dich nicht an! Immerhin habe ich im Leben noch irgendwo einen Nutzen!“ Augenblicklich fing Akiko leicht an zu zittern und ich sah Trauer und Wut in ihren Augen aufglimmen. Abermals wurde mir bewusst, dass diese Machtgier und Boshaftigkeit Akikos eigentlich nur Schmerz war. Letztendlich tat sie das doch alles nur, weil sie sich nicht geliebt fühlte und ihren Platz in der Welt finden wollte - genauso wie Karolin. Ich sah in ihr gar nicht mal den schlechten Menschen, der uns alle töten wollte, sondern einen gebrochenen Menschen...

    Doch nun sah ich, wie Michal langsam einen Halbkreis um Akiko zog, da er etwas abseits stand, ohne dass die 18-jährige etwas davon mitbekam. Sie war zu beschäftigt damit, ihren Bruder runterzuziehen. Doch Hisoka bekam es im letzten Moment mit und ließ die Zeit augenblicklich stehen. Das bekam natürlich dann auch Akiko mit und sie fing an zu schmunzeln:„Ihr könnt uns nicht so einfach ausschalten.“ Doch mit diesen Worten verfielen wir wieder in einen Kampf. Amba stürmte wütend auf Akiko zu und ließ aus allen Ritzen Pflanzen wachsen, die die Beweglichkeit stark einschränkten. Die Brasilianerin setzte in der Zeit alles in einen trüben Nebel, der die Sicht fast bis auf letzte ausgrenzte.
    Das war jedoch nicht nur ein Nachteil für unsere Feinde, sondern auch für uns. Allerdings versuchte Akiko, die Sicht mit ihrem Licht wieder zu lockern, was aber nicht klappte. Stattdessen wussten wir jetzt nur genau, wo die Frau war und Namjoon nutzte seine Chance. Er kroch durch die Ranken auf die hübsche Asiatin zu, die ihn gar nicht bemerkte und griff sie mit bloßen Händen von hinten an. Doch Akiko wehrte sich mit ihrem langen Schwert und schnitt Joon dabei eine leichte Wunde an den Wangenknochen. Blut tröpfelte aus der Wunde, doch das störte ihn nicht weiter.
    In den Moment löste sich auf einmal der Nebel und die Fläche wurde wieder frei. Damit sah ich dann auch, dass jetzt auch Lívia in der Zeit stehen geblieben war. Sie und mit ihr Jin. Jin stand vor der 13-jährigen und wollte sie augenscheinlich beschützen, doch die Kraft war wohl übergeschwappt.
    Jetzt waren wir deutlich weniger Kämpfer, weshalb wir uns nun noch einmal richtig ins Zeug legten. Federica fing an, Wasser zu sammeln und ich merkte, wie langsam aber Kook sich wieder aus der Starre erhob. Scheinbar wurde das Stehen der Zeit überlastet und der Korenaer war somit wieder frei. Als wäre er nie in der Zeit stehengeblieben, rannte er weiter, verwirrt, als Hisoka nicht mehr da war.

    Juan hatte so langsam genug von allem und ließ einen Teil des Bodens einstürzen. Akiko rutsche dabei in einen Spalt und konnte sich gerade noch halten, während der Boden krachend unter ihr weg brach. Hisoka stand nicht weit entfernt von dem Abgrund und war stand eigentlich nur zwei Meter von der Hilflosen Akiko entfernt. Diese rief nun nach Hilfe. Hisoka schaute sie kurz an, doch ging dann von dem Abgrund davon, während ein weiteres Stück des Bodens weg bröselte und die Japanerin beinahe in den Tod fiel. Ich konnte es jedoch nicht über's Herz bringen, weil ich genauso nah an ihr stand. Ohne lange nachzudenken, eilte ich zur Kante und griff nach Akikos Hand. Angsterfüllt blickte sie mich dann an und ich konnte ihre Verwunderung erkennen. Mit großem Kraftaufwand zog ich sie schließlich in Sicherheit, wissend, dass ich skeptische Blick erntete.

    Als wir beide sicher am Rand saßen, fragte Akiko verwirrt:„Warum hast du mich gerettet? Ich bin euer Feind!“ Schwach lächelte ich und murmelte:„Aber einst warst du unser Freund und ich glaube, das könntest du immer noch sein. Akiko, das bist du nicht! - Du bist kein schlechter Mensch! Du kannst immer noch die Seite wechseln und wir werden dir verzeihen. Du musst niemand für dein Vater sein. Du hast einen Platz in der Welt. Und der ist bei uns...“ Kurz schaute mich Akiko mit großen Augen an, ungläubig, dieses Angebot zu hören. Lächelnd streckte ich ihr dann meine Hand entgegen. Wieder schaute sie mir ungläubig in die Augen, nahm meine Hand dann aber dankbar lächelnd an.

    Leider hatte Hisoka das Geschehen beobachtet und sofort loderte Zorn in seinen Augen. Akiko jedoch drehte sich nur zu ihm und schaute ihn hasserfüllt an. Leise fauchte sie:„Ich dachte, du würdest mich wenigstens dafür gebrauchen können. Doch in deinen Augen bin ich wohl doch rein gar nichts! Ich bin es leid, für dich da zu sein, weil nie etwas zurückkommt! Ich habe genug davon und (d/n) hat recht! - Ich muss nicht böse sein, um jemand zu sein!" Mit den Worten schmiss sie das lange Schwert zur Seite, als Zeichen, dass sie für uns nicht länger eine Gefahr darstellte.

    Zur selben Zeit hatte Federica eine Welle erzeugt, die geradezu auf den alten Japaner zurollte. Hisoka wollte sie zum Stoppen bringen, doch irgendwie bekam er es nicht hin. Die positiven Emotionen über die Rückkehr Akikos waren zu stark. Selbst panisch darüber wich der Mann schnell aus und landete hart vor dem Boden, jedoch direkt vor Akikos Schwert. Ohne lange nachzudenken, griff er danach und stürmte auf Federica zu, die am nächsten an ihm war. Er wollte durch die Attacke ihre Kraft stoppen, doch kurz bevor er Rica erreichte, schmiss sich Jimin gegen ihn und beide flogen ein Stück durch den Raum. Doch das Schwert lag weiterhin in Hisokas Hand und er fing an, Jimin damit angreifen zu wollen. Panisch schrie die Italienerin dann nach ihrem Liebsten und wollte auf ihn zu rennen. Doch Juan hielt sie davon ab, da sonst die Belastung auf den Boden zu hoch gewesen wäre und dieser somit eingebrochen wäre. So konnte die Frau nur hilflos dabei zusehen, wie Hisoka gegen Jimin kämpfte. Letztlich konnte Jimin sich umdrehen und hockte nun über dem Feind und versuchte, ihn außer gefecht zu setzen. Doch mit einem Mal rang Jimin nach Atem und die Kraft verließ ihn. Wir konnten kaum sehen, was vor sich ging, bis Jimin kraftlos zusammensackte und auf die Seite fiel, somit Hisoka freigebend. Jetzt erkannten wir auch das Schwert in seiner Brust steckend.
    Wieder fing Federica an, panisch zu schreien und Tränen flossen ihre Wange herunter . Auch Akiko wurde sichtlich wütend. Und doch konnten wir nicht auf die andere Seite, da sonst alles zusammenbrechen würde.

    Schließlich lächelte Hisoka nur bösartig und wollte über den geheimen Ausgang, welcher auf seiner Seite lag, fliehen. Doch auf einmal rannte seine Tochter los, sprang über das Loch im Boden und landete gerade auf dem Land. Aber der Druck war zu hoch und nach und nach brach der Boden weiter hinunter, riss sowohl Akiko als auch Hisoka mit sich und begrub beide unter der Last seines Betons.

    Letztlich beruhigte sich das Krachen wieder und alles blieb ruhig. Von Akiko und Hisoka war nichts mehr zu sehen. Einen Moment herrschte Stille und wir starrten auf den zerstörten Haufen, unter dem die zwei Körper begraben waren. Weiterhin regte sich nichts und Federica schüttelte nur aufgelöst den Kopf und murmelte:,, Ich muss zu Jimin!" Mit den Worten rannte sie aus dem Hauptausgang. Ich murmelte schnell zu Tae:„Ich gehe mit ihr! Schaut ihr nach, ob Akiko es geschafft hat! Grabt sie aus!"
    Somit rannte ich direkt Federica hinterher und auch Amba und Namjoon folgten mir.
    Zu viert rannten wir über den Flur, durch den geheimen Gang, durch den wir schon vorher gelangt waren und gelangen somit auf die andere Seite des Raums.
    Jimin lag weiterhin ungerührt auf dem Boden, eher in der Ecke, gerade vor dem Abriss verschont. Schreiend und weinend flog die 20-jährige quasi auf ihren Freund zu, kniete über ihm und versuchte, die Blutung zu stoppen. Vollkommen aufgelöst weinte sie und schluchzte Jimins Namen, während der jedoch nicht viele Lebenszeichen von sich gab. Plötzlich öffnete er jedoch seine Augen und schaute Federica an. Ein leichtes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht, als er ihres sah und er hob langsam seine Hand, um eine von Federicas schwarzen Locken hinter ihr Ohr zu legen. Schwach murmelte er:„Ich liebe dich Federica, aber meine Zeit ist gekommen. Ich weiß, dass du auch ohne mich zurecht kommst. Ich werde von oben auf dich aufpassen. Ich verspreche es dir! Aber bitte verliere niemals die Hoffnung und deine fröhliche Art!" Nur noch mehr weinte die Italienerin und wimmerte:„Nein, Jimin, bitte verlass mich nicht! Ich kann doch nicht ohne dich!" Doch Jimin atmete nur zittrig aus und sprach kraftlos:„Doch, das kannst du! Und Rica, ich werde dich nie ganz verlassen! Ich werde immer in deinem Herzen bleiben!" Wieder weinte Federica ganz jämmerlich und streichelte nur sanft durch Jimins Haar. Lächelnd nahm er ihre Hand und atmete nur noch unregelmäßig und kurz. Doch seine Freundin drückte ihn fest an sich und er murmelte:„Joon, pass auf Rica auf für mich und achte auch auf all die anderen! Ich werde auch auf euch alle aufpassen! Und Rica, ich liebe dich mehr, als alles Andere!" Das waren seine letzten Worte und nun sprach er nicht mehr.
    Ich wusste, dass dies sein letzter Atemzug gewesen war, doch ich glaube, Federica hatte es gar nicht wirklich realisiert. Sie hielt den mittlerweile toten Körper nur noch fest an sich gedrückt und wimmerte. Im selben Moment kam Tae hereingestürmt und schaute uns entsetzt und selbst vollkommen aufgelöst an. Ich schaute ihn traurig an und schüttelte nur kurz den Kopf. Taehyung realisierte, dass sein bester Freund tot war und auch er fing an, zu weinen. Still drückte ich meinen Freund an mich, während dieser in meine Schulter weinte.
    Federica hatte von Taes Ankunft und all dem gar nichts mitbekommen und wimmerte nur leise:„Jimin?" Doch es kam keine Antwort und nun realisierte auch sie, dass kein Leben mehr in ihm steckte. Bis aufs letzte aufgelöst ließ sie seinen Körper vorsichtig auf den Boden nieder und schluchzte laut. sie stand langsam vom Boden auf und starrte auf den leblosen Mann, bis Namjoon sie sanft in die Arme nahm. Diese Umarmung brauchte Rica wohl und sie weinte laut in die Arme des Anderen. Auch der weinte und war sichtlich aufgelöst, sodass sich beide gegenseitig trösteten. Amba stand nur ruhig neben uns, blickte traurig zu Boden und schwieg.

    Erst nach einer Weile verließen wir die Lokation, um ein wenig von Jimins Tod wegzukommen. In der Zwischenzeit gingen wir in das untere Stockwerk und beobachteten, wie die anderen Akiko aus den Trümmern gescharrt hatten. Sie sah schwach aus und lag schwer atmend auf dem Boden, doch schien zu leben. Neben ihr lag aber ein regungsloser Hisoka. In seinem Gesicht hatte er viele Kratzer und Wunden. Erwartungsvoll schaute ich Lívia an, welche nun sprach:„Akiko lebt, Hisoka ist tot. Die Schreckenszeit ist zu Ende..."



    Hi Leute...

    Ich möchte jetzt selbst gar nicht so viel zu dem Kapitel sagen, um euch nicht aus euren Gedanken dazu rauszuholen. Alles, was ich noch sagen wollte, ist, dass ihr mir dazu BITTE ein Feedback gebt. Ich weiß, dass dieses Kapitel bei euch seelisch möglicherweise etwas anrichten mag, weil naja. Ihr wisst es wohl.

    Gebt mir bitte einfach ein Feedback und sagt alles, was ihr loswerden wollt. UND DARUM BITTE ICH ALLE MEINE LESER UND NICHT IMMER NUR DIE SELBEN ZWEI!

    Im nächsten Kapitel werde ich mehr dazu sagen und auch Fragen werde ich gerne beantworten.

    LG Emily W.

    10
    Kapitel 151

    Ich konnte gar nicht realisieren, was alles geschehen war. Jimin war tot, genauso wie Hisoka und Akiko lebte gerade noch. Jimins Körper lag immer noch im oberen Stockwerk, während wir in den Trümmern scharrten und versuchten, Akiko vollends daraus zu befreien. Beide ihre Beine waren wohl gebrochen und sie wirkte schwach. Amba, welche selbst ihren Arm gebrochen hatte, kümmerte sich nun darum.

    Ich hielt nach wie vor Taes Hand und schaute ihn nun an. Seine Augen waren noch glasig wegen Jimins Tod, doch er wirkte dennoch irgendwie befreit. Leise murmelte ich:„Wir haben es geschafft, Tae... Wir haben Hisoka besiegt und sind wieder frei." Liebevoll lächelnd schaute Tae mich an und murmelte:„Ja, es ist vorbei. Wir müssen nur noch die ganzen Mitarbeiter ausschalten..."
    Daichi, der das Gespräch verfolgt hatte, kam auf uns zu und meinte:„Die Mitarbeiter sind kein Problem. Die sind großteils dumm und haben eh keinen Bock auf Hisoka. Die werden uns nicht noch zur Last fallen. Die sind eh alle nicht treu und werden jetzt nur noch versuchen, lebendig hier herauszukommen." Nachdenklich nickte Tae und betrauerte:„Ich wünschte, wir hätten alle lebendig hier herauskommen können..." Bedrückt nickte ich zustimmend, aber Hadia kam hinzu und tröstete uns:„Sie werden nur glücklich sein, dass ihr es geschafft habt. Sowohl Malou, als auch Lorenzo, Karolin und Jimin werden froh sein, dass ihr es geschafft habt. Und sie werden euch nie ganz verlassen. In euren Herzen sind sie sowieso alle da und ich persönlich glaube, dass wenn jemand stirbt, er als Stern weit entfernt auftaucht und über uns wacht. Was geht, sind ihre Körper, aber die Erinnerungen und ihre Seele werden bleiben. Und wenn wir irgendwann selbst sterben, werden wir neben dem Stern unseres Liebsten auftauchen. Der Tod wird dann auch unsere Seelen wieder direkt zusammenführen."
    Federica und Namjoon waren in der Zeit auch dazugekommen und die beiden schluchzten noch, doch die Italienerin murmelte unter Tränen:„Das ist eine sehr schöne Vorstellung... Ich denke, da ist etwas Wahres dran. Jimin sagte zu mir, ich solle nie die Hoffnung und meine fröhliche Art verlieren. Ich denke, ich sollte seinem Wunsch nachgehen. Ich werde ihn niemals vergessen, aber ich werde dennoch versuchen, mein Leben weiterzuführen - und wenn ich es auch nur für ihn tue..."
    Leicht lächelte ich, während Namjoon jetzt leise fragte:„Und wie wird es jetzt weitergehen?" Kurz schaute Daichi zum Himmel, als suche er dort nach etwas und meinte:„Ich denke, wir werden zu unseren alten Leben zuruckkehren. Aber das wollen wir nachher besprechen. Vorerst müssen wir uns um Akiko kümmern."

    Mit den Worten verschwand der Mann dann mit Hadia an seiner Hand bei seiner Schwester, während auch der Rest mit ging. So stand ich dann noch mit Tae da und ich sprach nachdenklich:„Es ist schon alles verrückt. Wie sowas auch den Menschen verändern kann... Noch vor einer Stunde war Akiko unser Feind, jetzt war sie bereit, sich für uns zu opfern." Mein Freund nahm mich daraufhin in den Arm und flüsterte:„Ich denke, sie hatte Schuldgefühle. Wir waren stets für sie da und sie hat uns verraten. Wir hätten uns all das sparen können, wäre sie direkt für uns da gewesen." Leise meinte ich, während ich Taehyung an mich drückte:„Aber wir wollen ihr nicht böse sein. Sie hat die richtige Seite erkannt und besser zu spät als nie..." Leicht nickte Tae nur, löste sich aus der Umarmung und schaute sich um. Die anderen standen noch relativ gut zufrieden dort und Tae murmelte:„Ich denke, sie wissen noch nichts von Jimins Tod. Wir sollten es ihnen erzählen..."

    Gemeinsam liefen wir wieder das Stockwerk höher, in Begleitung von allen außer Amba, die sich weiter um Akiko kümmerte. Wir hatten von Jimin berichtet und sofort war die Stimmung natürlich gesunken. Kein einziges Auge blieb trocken und wir liefen hoch zu seiner Leiche, damit wir uns von ihm verabschieden konnten.
    Bei dem Toten angekommen taten wir das alle und es war ein schreckliches Gefühl, um den Körper herumzustehen und sich von ihm zu verabschieden. Ich kannte das auch gar nicht - bei den anderen hatten wir gar keine Zeit uns zu verabschieden. Nun hatten wir auf einmal alle Zeit der Welt. Gleichzeitig erinnerte ich mich an den Tod von Karolin und, dass sich von ihr niemand verabschiedet hatte außer Michal. Ihr Tod war einsam gewesen und irgendwie tat es mir leid.

    Ich schlich nun etwas in die hinteren Reihen zu Daichi und fragte ihn leise:„Was ist eigentlich mit den anderen Toten passiert? Wurden sie in der Arena liegen gelassen?" Schweigend schüttelte der andere erst nur den Kopf und erklärte dann:„Sie wurden herausgeholt. Über Technik. Wir haben sie alle in Särgen liegen und mein Vater hat vor seinem Tod dafür gesorgt, dass ihre Körper nicht verwesen. Sprich, er hat sie in ihrer Zeit stehen gelassen. Wir lassen ihre Körper zu ihren Wohnorten verschiffen, damit sich deren Familien von ihnen verabschieden können. Ein klein wenig Menschlichkeit hat nämlich sogar noch mein Vater besessen." Leise redete ich dazwischen:„Wie ist das jetzt überhaupt mit der Zeit und so? Die, die oben damit bekämpft wurden, sind durch die Überlastung wieder frei geworden. Aber wie ist das mit dem Rest? Es gibt ja keinen Hüter mehr..." Ohne mich dabei anzuschauen erklärte Hisokas Sohn jetzt:„Doch, den Hüter gibt es noch. Er wurde nur gewechselt. Es wird in der Familie weitergereicht. Ich habe sie bekommen..." Überrascht fragte ich:„Und dann kannst du das jetzt alles auch?" Knapp nickte der andere nur.

    Wir saßen jetzt alle in der großen Halle, in der wir damals getanzt hatten. Jimins Körper wurde von Daichi auch in seiner Zeit festgehalten und wir hatten den Körper gemeinsam in einen Sarg getragen. Nun lag er also zwischen all den anderen Leichen, bei denen wir uns aber nicht weiter aufgehalten hatten.
    In dem Tanzsaal wollten wir jetzt alles besprechen und Preecha eröffnete das Gespräch:„Werden wir jetzt einfach alle zurück in unsere Heimaten fliegen und so tun als wäre nie etwas passiert?" Daichi antwortete:„Später vielleicht werdet ihr zurück in eure Heimaten fliegen, aber vorher denke ich, müssen wir hier noch ein bisschen etwas klären. Und zwar müssen wir noch entscheiden, was mit euren Kräften passiert..." Juan redete dazwischen:„Ich will sie nicht behalten. Sie würde mich nur an die grausamen Zeiten hier erinnern und außerdem können wir damit doch nicht auf das Volk losgelassen werden, oder? Man würde versuchen, uns gefangen zu nehmen und Experimente an uns durchzuführen." Daichi nickte und meinte:„Dazu wollte ich gerade kommen. Die Frage ist also, ob ihr die Krafte behalten wollt?"
    Die Antwort war ziemlich eindeutig - niemand von uns wollte sie weiterhin beherrschen können. So nickte der Japaner und erklärte:„Gut. Dann gibt es die Möglichkeit, euch Blut und damit die Kraft abzunehmen. Bei den ganzen Toten haben wir das auch schon gemacht. Dann würden wir gleich zu dem Arzt hier gehen und das beantragen. Der wird das auch machen. Er ist nämlich ein guter Freund von mir und auch kein Fan von dem." Zufrieden nickten wir nur, bis Lívia fragte:„Und wo wird das Blut dann aufbewahrt? Oder lassen wir es verkommen?" Daichi schüttelte direkt den Kopf und erklärte:„Wir dürfen sie nicht verkommen lassen. Sie richten zwar viel Schaden an, können aber auch für das Gute bestimmt sein. Eines Tages werden sie wirklich gebraucht werden und dann ist es besser, sind sie noch da. Wir müssen sie nur so verstecken, dass sie nie jemand findet auch nicht da dran kommt, abgesehen vom Hüter." Kurz überlegte ich, so wie der Rest auch, bis Hobi vorschlug:„Was ist mit der Höhle? Die, wo wir uns eine Zeit lang aufgehalten haben? Die wurde wohl seit Jahrtausenden vorher nicht mehr betreten und wir können durch das Stoppen der Zeit irgendwie dafür sorgen, dass da kein normaler Mensch bei kommt." Zustimmend nickten wir nur.

    So waren wir zu dem Arzt gegangen, der uns das Blut abnahm, in Reagenzgläser füllte und es zu anderen Reagenzgläsern stellte, auf denen Namen draufstanden. Rafael, Callum, Irina, Malou, Karolin... Es war ihr Blut - ihre Kraft. Ich seufzte bei dem Gedanken an all die Toten und mich überkam wieder Trauer. Tae bemerkte dies natürlich und drückte mich fest an sich.

    Während Amba gerade noch der gebrochene Arm von dem Arzt professionell fixiert wurde und Akiko im Hintergrund beatmet wurde, da sie noch nicht aus ihrem schwachen Zustand ausgebrochen war, griff Daichi wieder die Pläne auf. Wenn wir dann nachher das Blut in den Tempel gebracht haben, müssen wir mit dem Hubschrauber erstmal von hier weg. Ich habe eine Ausbildung zum Piloten hinter mir, also werde ich uns einfach fliegen. Die Särge werden mit anderen Hubschraubern mitgenommen. Dann ist es aber natürlich so, dass die Eltern und Angehörigen der Toten von all dem erfahren müssen. Sie werden ziemlich aufgelöst sein und es nicht verstehen wollen, aber dafür werde ich euch dann einige Kameraaufnahmen mitgeben. Die könnt ihr zeigen, sofern die Angehörigen das überhaupt sehen wollen. Somit zu dem, was ich sagen möchte: Ich fände es sehr schön, könntet ihr euch irgendwie aufteilen und erstmal zu den Angehörigen der Toten fliegen und es ihnen alles erklären.“ Rund herum nickten alle nur und Juan meinte:„Ich könnte Rafael übernehmen. Ich hatte zwar nichts mit ihm zu tun und er war ein Feind, aber er war Portugiese. Portugiesisch ist spanisch sehr ähnlich, also könnte ich mich mit seinen Angehörigen ganz gut verständigen.“ Knapp nickte Daichi und drehte sich dann zu mir:„Dann übernimm du doch Karolin. In Österreich spricht man schließlich auch Deutsch.“ Knapp nickte ich nur, während Hobi und Tae gleichzeitig sagten:„Ich gehe bei (d/n) mit!“ Tae erklärte es damit, dass er mein Partner sei, während Hobi es damit erklärte, dass er Karolins bester Freund gewesen war. Daichi nickte das nur kurz ab und teilte dann den Rest auf. So wollten der Rest der BTS-Jungs und Federica sich um Jimin kümmern und Lívia machte es für Malou. Die Unbekannten und die Feinde wurden hauptsächlich von Daichi, Hadia und Finlay abgeklappert. Nur noch Lorenzo wurde noch nicht verteilt und Via sprach:„Ich denke, das ist nicht nötig. Ich bin seine einzige Angehörige und ich weiß es ja schon. Ich werde mit ihm einfach nach Brasilien zurückfliegen und ihn dort bestatten lassen...“
    In dem Moment bildete sich großes Mitleid für die 13-jährige, aber auch ein riesiger Respekt in mir. Sie hatte keine Familie mehr, kein Zuhause und nichts. Und doch wollte sie das noch alles alleine machen. Federica schien Ähnliches zu denken wie ich, denn sie sprach jetzt an:„Du kannst aber doch nicht einfach weiterhin auf der Straße leben, diesmal ganz ohne Familie.“ Schulterzuckend erwiderte die Brasilianerin nur:„Mir bleibt eh keine andere Möglichkeit. Ich werde das schon schaffen...“ Kurz überlegte Federica und schlug dann vor:„Du könntest auch bei mir leben. Ich meine, ich habe eh keine Geschwister oder Eltern. Aber ich habe ein Dach über dem Kopf und einen Onkel. Er ist wirklich nett und ich weiß, dass er dich mit offenen Armen willkommen heißen würde.“ Überrascht schaute Lívia auf und wollte wohl erst protestieren, stockte aber kurz und seufzte nur leicht lächelnd:„Das ist nett von dir, aber ich möchte dir nicht zur Last fallen...“ Doch Rica lächelte nur mitfühlend und meinte:„Das tust du nicht. Ansonsten kannst du ja einfach mit mir mitkommen und es dir dann noch überlegen.“ Daichi mischte sich ein:„Über Flugkosten müsstest du dir keine Gedanken machen. Alles, was damit zu tun hat, werde ich mit dem Geld meines Vaters finanzieren.“ Breit und dankbar lächelte die 13-jährige jetzt und nickte nur:„OK, dann werde ich es einfach so machen.“

    Alles verlief wie geplant - wir hatten die Kräfte in unserem Blut in die geheime Schatzkammer unter dem Tempel gebracht und standen nun dort in der Höhle. Alte Schlafpolster von uns lagen noch dort und es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit, in diesem Raum zu stehen. Ich hatte das Gefühl, ich konnte in den kalten Steinwänden noch die Stimmen der Toten hören. Es war, als würden die Seelen der Toten hier unten leben und wieder überkam mich dieser Schwall von Trauer. Tae stand neben mir und legte liebevoll einen Arm um meine Schulter, bevor er murmelte:„Ich weiß genau, woran du denkst: Auch ich habe das Gefühl, dass sie hier sind...“ Überrascht, dass mein Freund diese Phantomstimmen auch hörte, schaute ich ihn an und er fing an, zu lächeln. Daichi, welcher hinter uns stand und das Gespräch verfolgt hatte, erzählte jetzt schwach lächelnd:„Es ist die Magie der Legende. Sie lässt Leben aufblühen, schon vergessen? Sie erweckt die Toten zwar nicht zum Leben, doch aktiviert ihre Seelen. Sie sind wirklich alle hier. Euer Blut birgt eure Erinnerungen, aber auch die der vergangenen Generationen. Alle, die durch eines eurer Blute gestorben sind, sind hier versammelt. Ob es nun Menschen mit Kraft waren oder nicht. Dass all die Kräfte versammelt sind, bewirkt, dass eine Art Leben aufblüht. So sind die Toten quasi direkt unter uns...“ Erstaunt schaute ich wieder auf, während das Wispern der zahlreichen Stimmen mich umhüllte und für einen Moment glaubte ich, Karolin und Jimin auf einem Haufen Gold sitzen zu sehen, wie sie es zu Lebzeiten taten und ein Lächeln umzierte ihre Gesichter. Auch Malou und Lorenzo konnte ich erkennen. Aber auch alle anderen. Es war, als wären trübe Erscheinungen von ihnen unter uns. Wie verblasste Bilder.
    Nur einen Augenblick sah ich all die lächelnden Gesichter und die Erinnerungen erneut aufblühen, bevor sie wieder verschwanden und nur noch das leichte Gemurmel die Stille untermalte.
    In dem Moment wusste ich aber, dass sie wirklich alle da waren und ich fragte Daichi:„Können wir hier in Zukunft noch einmal hinkommen?“ Lächelnd nickte der Mann und fügte hinzu:„Wir können das ja zur jährlichen Tradition machen...“ Ich lächelte nur, schloss meine Augen und lauschte den Stimmen der Toten, während ich Taes Arm um meinen Körper spürte. So werden Leben und Tod doch noch miteinander vereint. Die Legende birgt so viel mehr...



    Moin.

    Hier ist das neue Kapitel. Ich bin übrigens dem Ende sehr nahe. Ich denke, es werden noch 2 oder 3 Kapitel kommen, bevor die Ff fertiggestellt ist.^^

    LG Emily W.

    11
    Kapitel 152

    Nach einer Zeit waren wir wieder aus dem Tempel herausgegangen. Daichi hatte eine Art zeitloses Feld erschaffen. Wer es betritt, bleibt augenblicklich darin stehen und kommt nicht weiter. Befreit würde die Person erst können, wenn der Hüter, sprich Daichi, das Feld wieder auflöste. Somit waren die Kräfte dann gut beschützt. Zusätzlich hatte Hisokas Sohn seine Art Tagebuch mit all den Geheimnissen der Legende beigelegt.

    Jetzt standen wir auf dem gigantischen Gebäude, welches Hisoka als seine Art Hauptquartier errichtet hatte und schauten in die Landschaft. Wir hatten einen perfekten Blick auf die Arena und ich erkannte noch den Berg, den wir recht zu Anfang als Unterschlupf gesucht hatten, kurz nachdem wir uns alle verloren hatten. So viele Stellen erkannte ich wieder uns es überkamen mich wieder die Erinnerungen. Wir warteten auf Daichi, welcher gerade den Hubschrauber startete und wir starrten alle auf den Urwald. Kalter Wind fegte auf dem Gebäude um unsere Ohren und ich fühlte mich irgendwie befreit. Tae murmelte mir jetzt ins Ohr, während ich komplett abgelenkt war:„Lass uns schonmal in den Hubschrauber gehen. Daichi sagt, er ist gleich startbereit.“ Verwirrt schaute ich auf und bemerkte, dass die anderen auch schon auf dem Weg dort hin waren. Ein zweiter Hubschrauber stand ebenfalls auf dem Gebäude und ich sah, wie gerade all die Särge hineintransportiert wurden.
    Seufzend folgte ich Tae nur mit Blick zu den Toten und folgte in den deutlich windstilleren Hubschrauber. Es war ein überdurchschnittlich großer, sodass wir tatsächlich alle hineinpassten. Daichi saß auf dem Pilotenstuhl, zu seiner Rechten Hadia und er lächelte uns an:„Seid ihr alle soweit?“ Knapp nickten wir nur und die Maschine hob langsam ab. Erst herrschte noch Stille, bis Federica auf einmal schwach lächelte:„Es war schön, in der Höhle zu stehen. All die Seelen schienen dort zu sein. Ich hatte das Gefühl, sie wären alle hautnah da gewesen." Hobi nickte eifrig und fügte hinzu:„Ich konnte ihre Stimmen hören..." Zustimmend nickten wir nur alle, bis Preecha meinte:„So sind sie ja doch noch alle da. Sie werden uns wohl doch nie verlassen." Ich lächelte nur und fragte jetzt:„Was werdet ihr eigentlich als erstes machen, wenn ihr zuhause seid?" Juan hob seine Stimme:„Ich werde zu meiner Familie zurückkehren. Und ich denke, ich werde ihnen erzählen müssen, dass ich schwul bin. Ich hoffe, meine Freundin, Lucia, wird mir das nicht übelnehmen. Aber eigentlich ist sie sehr verständnisvoll..." Ich lächelte und meinte:„Sie wird es sicher verstehen. Und deine Familie ganz bestimmt auch. Sie werden froh sein, dass du wieder da bist." Zustimmend nickten alle und Preecha fügte nun hinzu:„Wenn du willst, kann ich ja mitkommen. Ich meine, ich habe keine Familie, zu der ich zurückgehen kann. Also könnte ich bei dir mitkommen und dich unterstützen." Breit lächelte der Spanier und nickte zustimmend. Daichi grinste in der Zeit von vorne:„Ich weiß schon genau, was ich machen werde! Erstmal werde ich meine Mutter aus der Zeit befreien und dann werde ich ihr Hadia vorstellen und mich wohl noch ein bisschen um Akiko kümmern. Leicht nickte ich, mich daran erinnernd, dass Akiko noch immer zu schwach war, um wirklich zu reden oder sonst was.
    Jungkook meinte jetzt:„Ich werde auch zu meiner Familie gehen, werde das Ganze aber auch noch den Fans erzählen müssen..." Jin murmelte nachdenklich:„Ich frag mich, wie sie reagieren werden. Auf alles..." Hadia antwortete:„Auf euer Verschwinden haben sie bereits reagiert. Wir haben all eure Handys und so aufbewahrt. Geht auf YouTube, da findet ihr die ganzen Nachrichten dazu und so. Es gibt zu fast jedem von euch irgendeinen Sender, der davon berichtet hat. Nur bei Lívia, Amba und Malou ist, glaube ich, nichts gekommen. Aber der Rest wurde wenigstens überall irgendwie thematsiert. Am meisten durch die Decke gegangen ist aber das verschwinden von BTS und Karo, da sie zusammen entführt wurden." Aufgeregt nahm Michal die Handys entgegen und verteilte sie. Über Yoongis Handy schauten wir uns dann die Nachrichten dazu an.
    Darin wurde davon berichtet, Fans wurden zitiert und es gab Aufnahmen von dem Ansturm der Leute Hisokas. Viele Fans schienen Angst zu haben, dass den Jungs etwas passiert war und auch Karolins Familie wurde kurz gezeigt. Um genau zu sein ihre Schwester, die Hisokas Leute damals ursprünglich mitnehmen wollten.

    Auch die Videos zu den anderen waren recht interessant. Scheinbar waren wir überall gesucht worden, doch dort, wo wir wirklich waren, war natürlich niemand drauf gekommen. Immerhin waren wir auch irgendwo im tiefsten Dschungel gewesen.
    Ich schaute nun aus dem Fenster und sah so langsam Häuser. Es war nur eine ärmlich aussehende Gegend mit kleinen Häusern, die weit auseinander lagen, aber immerhin war es Zivilisation. Als ich wieder in den Raum des Hubschraubers schaute, bemerkte ich, wie Amba Michals Hand hielt und schweigend aus dem Fenster schaute. Die Inderin hatte seit Hisokas Tod nicht mehr viel geredet und ich fragte sie jetzt:„Was wirst du als nächstes machen, Amba?“ Überrascht schaute die 17-jährige mich an und murmelte dann leise:„Ich weiß nicht... Eigentlich kann ich nicht zurück nach Indien. Meine Familie und mein Mann würden mich für all das umbringen. Außerdem liebe ich Michal und möchte bei ihm sein... Aber ich denke, unsere Wege werden sich wieder trennen müssen...“ Sofort schaute der Pole seine Freundin ernst an und meinte:„Du musst nicht zurück nach Indien! Komm doch mit nach Polen! Du kannst bei mir in der Wohnung wohnen und dort arbeiten oder so. Bei uns ist vieles anders und auch besser. Außerdem wärst du dann bei mir!“ Breit lächelte Amba und sprach etwas verlegen:„Das wäre wirklich schön...“ Glücklich umarmte Michal die junge Frau nur lächelnd und auch ich musste lächeln. Tae bemerkte dies und murmelte mir zu:„Sie haben sich wirklich alle verändert... Amba war früher ängstlich, heute ist sie mutig. Michal lächelte früher nie, heute tut er es. Ich denke, wir alle haben eine Art Verwandlung mitgemacht.“ Zustimmend nickte ich lächelnd und lehnte mich glücklich an meinen Freund, welcher mich daraufhin liebevoll in den Arm nahm und mich küsste.

    Der Hubschrauber landete langsam und wir befanden uns an einem großen Flughafen, irgendwo in Brasilien. Dort ließ Daichi uns raus und erklärte:„Von hier könnt ihr quasi überall hinfliegen. Ihr werdet dann vorerst zu den Familien der Toten fliegen. Hadia hat euch schon alle hier angemeldet. Ihr müsst euch nicht ausweisen können oder sonst was. Es ist alles geklärt. Und bevor ihr fragt - ich habe meine Leute. Ich kenne viele Menschen.
    Naja, die Toten werden auf jeden Fall separat in ihr jeweiliges Heimatland gebracht. Ihr werdet aber noch von allem hören und so. Ich habe mir eure Handynummern aufgeschrieben. Ich habe bereits eine Gruppe erstellt. Dort könnt ihr euch dann immer austauschen und so weiter und so fort. Jetzt müsst ihr euch aber ein bisschen beeilen. Eure Flüge gehen gleich.“
    Überwältigt von dem schnellen Reden schaute ich den Japaner an und beobachtete, wie um mich herum, sich nun alle mit Umarmungen und Tränen in den Augen verabschiedeten. Auch ich brachte mich dabei ein. Jeden, der nicht noch mit mir kam, umarmte ich und sagte ihnen auf Wiedersehen. Es war ein seltsames Gefühl, sich von diesen Menschen zu verabschieden. So lange Zeit hatte ich mit ihnen verbracht und war die Gesellschaft anderer Menschen nicht mal mehr gewohnt.

    Als sich alle voneinander verabschiedet hatten, trennten sich unsere Wege dann und Hobi, Tae und ich stiegen in das Flugzeug nach Österreich, auf dem Weg zu Karolins Zuhause. Die Flugbegleiter nahmen uns unser überschaubares Gepäck ab und geleiteten uns auf unsere Plätze. Um uns herum saßen viele Menschen und die meisten würdigten uns nicht mal eines Blickes. Es war wirklich das komischste Gefühl der Welt - in einem trockenen Flugzeug sitzen mit lauter Menschen, die man nicht kennt. Eigentlich wäre es vollkommen normal, doch ich war noch die selben Leute gewohnt. Plötzlich war fast keiner mehr von ihnen da. Es war ruhig und niemand schaute uns an, weil wir entflohen waren. Es herrschten keine Feindschaften zwischen irgendwelchen Menschen und der Anblick der Fremden bereitete plötzlich keine Angst mehr.

    Das Flugzeug hob ab und wir saßen zu dritt in einer Reihe, ich am Fenster, Tae neben mir und dann Hobi. Das Geplauder von anderen Passagieren dröhnte in meinen Ohren und ich hörte Hobi sprechen:„Es ist wirklich seltsam. Nicht nur, dass wir auf einmal nicht mehr diese Truppe sind, sondern auch, dass uns niemand erkennt. Ich meine, Tae und ich gehören einer weltweit berühmten Band an und niemand erkennt uns. Ich weiß ja, woran es liegt: Wir haben rausgewachsene Haare, ganz einfache Klamotten an und sehen eigentlich aus wie die letzten Penner. Aber trotzdem ist es ungewohnt." Zustimmend nickte Tae, lächelte aber:„Mich stört das Ganze gar nicht. So werden wir immerhin nicht die ganze Zeit angesprochen und müssen irgendetwas erzählen." Wieder nickte Hobi nur und schweifte dann vom Thema ab:„Was meint ihr, wie Karolins Familie reagieren wird?" Ich antwortete:„Ich weiß es nicht. Ich denke, sie werden uns wohl erst nicht glauben wollen und dann einfach nur geschockt sein. Wir haben genug Beweise, dass all das wirklich passiert ist. Ich denke, wenn sie es realisieren, werden sie traurig sein und sich schuldig fühlen..." Etwas brummig meinte Hoseok:„Das hoffe ich doch. Sozusagen wegen denen hat Karolin das alles gemacht. Sie werden stolz sein müssen! Aber ich bin sicher, das werden sie sein und dann hat Karolin das erreicht, was sie erreichen wollte..." Tae murmelte nur nachdenklich:„Wir werden es sehen..."

    Viele Stunden Flug vergingen und wir kamen am Flughafen in Österreich an. Die meiste Zeit über hatten wir geschlafen, also waren wir sehr müde, als wir ausstiegen. Etwas verwirrt wirkend taumelten wir aus dem Flugzeug, griffen unser Gepäck und suchten uns ein Taxi. Auf einem Zettel hatte Daichi uns die Adresse von Karolin gegeben. Die Adresse reichte ich nur wortlos an den Fahrer weiter und er fuhr uns augenblicklich dort hin."
    Nach etwa einer weiteren Stunde Fahrt hielt das Auto vor einem recht großen, eher ländlichem Haus. Wir stiegen aus, bezahlten den Fahrer und ich schaute dann noch einmal auf mein Handy, bevor wir an der Tür klingelten. Daichi hatte mir geschrieben, dass Karolins Körper wohl erst 5 Stunden später ankommen würde, aber wir schon mal von all dem berichten sollten.
    Die Information gab ich schnell an die Jungs weiter und. Hoseok antwortete:„Dann lass uns jetzt klingeln. (d/n), du sprichst am besten. Einfach auf Deutsch." Knapp nickte ich und ging dann in Richtung der Tür, mit den zwei Koreanern im Schlepptau. Ich war nervös, als ich den Knopf der Klingel tief drückte und ich ein Geräusch aus dem Inneren des Hauses hörte. Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür und eine Frau, die an eine ältere Version von Karolin erinnerte, schaute uns ausdruckslos an.
    Schief lächelte ich und fing verlegen an:„Hallo, mein Name ist (d/n) und das hinter mir sind Taehyung und Hoseok. Ähm... Sind Sie die Mutter von Karolin?" Verwirrt schaute uns die Frau an, nickte leicht und fragte überfordert:„Sind Sie von der Polizei? Haben Sie etwas herausgefunden?" Verlegen meinte ich:„Ähm... Nein, wir sind nicht von der Polizei, aber wir wissen etwas über Ihre Tochter..." Aufgeregt fiel die Mutter mir ins Wort:„Seid ihr Freunde oder wisst ihr, was mit ihr passiert ist? Ist sie weggelaufen oder?" Weiter kam die Frau nicht, denn ein etwa 10-jähriges Mädchen erschien neben ihr, gaffte uns neugierig an und rief dann aufgeregt:„Mama, ich kenne die!" Dabei deutete sie auf die zwei Jungs, welche nur verwirrt hinter mir standen. Schnell erklärte das Mädchen:„Das sind Tae und Hobi von BTS! Sie wurden mit Karolin mitgenommen!" Verwirrt, dass das Mädchen die Jungs erkannt hatte, schaute ich sie an. Ebenso überrascht und verwirrt schaute Karos Mutter uns wieder an und stammelte:„Das ist Karolins Schwester. Sie war mit ihr auf dem Konzert, als sie verschwand... Was ist passiert?" Seufzend sprach ich:„Ich denke, das erzähle ich Ihnen besser in Ruhe. Dürfen wir reinkommen?"

    Karolins Mutter hatte uns reingebeten und im Inneren des Hauses kam quasi ein Geschwisterkind von Karolin nach dem Nächsten aus seinem Loch und wollte wissen, worum es ging. Allerdings wurden sie sofort weggescheucht, sodass die Mutter alles mitbekam.
    Wir erzählten ihr von den Anfängen, dass wir entführt wurden und diese Kräfte verabreicht bekamen. Zuerst lachte sie über die Absurdität und erklärte uns für verrückt. Doch wir fuhren nur fort, erzählten ihr von Hisokas Plan und den Kämpfen in der Arena. Wie Karolin unsere Anführerin war und immer für uns da war. Wir erzählten ihr aber auch, wie wir gedacht hatten, Karolin habe uns verraten, sie es aber nicht getan hatte und sie später ihr Opfer gebracht hatte. Mit jedem neuen Detail verschwand das Lächeln langsam aus ihrem Gesicht und sie schaute uns bedeppert an. Letztlich kam ich zu dem Teil von Karolins Tod und schwieg dann eine Weile. Komplett fassungslos murmelte die Frau nun:„So viel Müll kann sich keiner ausdenken. Zumal alle Tätigkeiten auf Karolins Persönlichkeit zutreffen... Aber, sie kann doch nicht tot sein!" Ich nickte nur bedauernd und es bildeten sich Tränen in den Augen der Mutter. Vollkommen aufgelöst schaute sie uns an, schüttelte mit dem Kopf und wimmerte:„Nein, das kann doch nicht wahr sein. Ich glaube euch nicht! Wo ist Karolin denn? Ihr Körper kann ja nicht einfach weg sein und außerdem ist die ganze Geschichte vollkommen absurd!" Leise seufzte ich und meinte:„Doch, es ist leider wahr. Und wir sind hier hergekommen, um es Ihnen mitzuteilen. Ich komme aus Deutschland und wurde deswegen geschickt. Die Jungs hinter mir sind zum einen mein Freund und zum anderen Karos bester Freund. Für Hobi war es wichtig, hier herzukommen.
    Ich kann verstehen, dass Sie das nicht glauben wollen, aber es ist wahr. Dieser Organisator von dem Ganzen hat sogar einen großen Teil des Geschehens auf Kamera aufgenommen. Wir haben Aufnahmen dabei, aber ich weiß nicht, ob es so förderlich wäre, sie anzuschauen..." Schluchzend fiel mir die Mutter ins Wort:„Ihr habt ein Video von Karolins Tod?" Zögerlich nickte ich und wollte gerade erneut daran erinnern, dass es möglicherweise nichts sehr schön anzusehen ist, doch sie plapperte direkt:„Ich möchte das Video sehen! Sie ist meine Tochter und ich habe ein Recht darauf, sie noch einmal lebendig zu sehen!" Seufzend nickte ich nur und holte schnell die Aufnahmen. Wir schoben die DVD vorsichtig in den Computer und sofort öffnete sich die erste Datei - Karolins scheinbarer Verrat.
    Die Mutter starrte vorerst nur schweigend auf den Bildschirm, mit Tränen in den Augen, bis es zur nächsten Szene ging, in der der Kampf stattfand. Die Mutter der Verstorbenen schaute dabei zu, wie ihre Tochter von der Flamme erst sozusagen getroffen wurde und dann den Dolch in das Fleisch gerammt bekam. Sie beobachtete, wie Michal Karolin in den Wald begleitete und ihre Tochter letztlich starb. Zuletzt wurde noch einmal zurückgespult zu dem Gespräch mit Michal, in dem sie von den Suizidgedanken sprach.
    Mit dieser Frequenz endete dann das Video und die Mutter brach in Tränen aus. Laut weinte sie:„Die ganze Zeit über hatte sie solche Gedanken und ich habe es nicht bemerkt! Ich habe ihr Unrecht getan und es hat mich nicht geschert! Jetzt muss ich dafür büßen!" Schweigend und ohne zu verstehen, was die Frau gesagt hatte, nahm Hobi die Frau jetzt in die Arme und tröstete sie. Die nahm die Umarmung gerne an und wimmerte jetzt auf Englisch, damit Hobi es auch verstehen konnte:„Du warst der beste Freund meiner Tochter. Du fühlst dich sicher genauso schuldig für ihren Tod wie ich. Aber du hast wirklich rein gar nichts damit zu tun! Sie hat es selbst gesagt - sie ist für dich gestorben, nicht durch dich!" Leise rieb Hoseok als Antwort nur beruhigend über den Rücken der Frau und murmelte etwas, das ich aber nicht verstehen konnte.

    Später beruhigte sich Karolins Mutter wieder und sie beschloss, dass auch der Rest der Familie davon wissen musste, da bisher sozusagen alle direkt weggescheucht worden waren. Es war seltsam, als Karolins Mutter nur sagte, dass die Schwester der Kinder tot sei und nacheinander alle anfingen, zu weinen. Karolins Oma schaute nur ausdruckslos in die Gegend und verstand wohl gar nicht, worum es ging. Karos Mutter hatte uns vorher schon erzählt, dass die alte Frau während Karolins Abwesenheit dement geworden war und sich nicht vernünftig an ihre Enkelin erinnerte.
    Doch der gesamte Rest der Familie weinte ganz bitterlich, als sie die Nachricht erfuhren. Zwar weinten die kleinsten Geschwister, weil sie nur den Namen ihrer Schwester hörten und sie vermissten, aber den Tod verstehen taten sie auch keinesfalls.
    Während die Großfamilie so aufgelöst dort saß, standen Tae, Hobi und ich nur etwas verlegen am Rand und wussten nicht, was wir tun sollten. Aus allen Ecken vernahm ich nur das Gemurmel, dass es doch ihre Schuld sei und man merkte, dass die Familie sich wirklich schuldig fühlte. Immer wieder sprachen sie davon, dass sie mehr für die Verstorbene hätten da sein sollen und dass sie nie realisierten, was die Worte mit der 15-jährigen getan hatten. Karolins großer Bruder murrte nur irgendwie etwas wie:„Dieses ganze Gedöns mit den Suizidgedanken ist doch auch nur wieder für die Aufmerksamkeit! Karo hat doch früher schon so oft auf depressiv getan! Es war 100 pro nur ein blöder Unfall und Karolin dachte, sie macht mal wieder eine Show draus!“ Verwirrt schaute ich den jungen Mann an. Ich wusste nicht, ob der Bruder vielleicht einfach nicht mit dem Tod seiner Schwester klarkam oder ob es vielleicht doch Eifersucht oder Ähnliches war. Was ich aber auf jeden Fall sagen konnte, ist, dass mir die Situation auch für die verstorbene Karolin leid tat.
    Dem Gesagten zu urteilen hatte sie nämlich wohl durchaus versucht, Hilfe zu bekommen, doch dieser Hilfeschrei wurde schlicht und einfach abgelehnt. Man hat ihr wohl nicht helfen wollen.
    Karolins Familie ignorierte den Kommentar des Bruders.

    Nach einer Zeit löste sich Karos Vater aus der weinenden Masse und fragte zögerlich:„Wo ist Karolin jetzt? Also, ihr Körper?“ Schnell erklärte ich es ihm und man sah ihm an, dass er nicht alles verstand, doch er nickte dennoch brav. Auch Karolins Mutter kam wieder zu uns und murmelte bedrückt:„Ihr müsst sicher auch zurück zu euren Familien... Ich möchte euch hier nicht länger aufhalten. Ich weiß ja, wann sie ankommen wird und scheinbar wird uns noch einmal etwas dazu gesagt werden. Nun... ich danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt, es uns zu erzählen und ich möchte euch auch dafür denken, dass ihr für unsere Tochter da gewesen seid. Ich weiß, sie ist tot, aber da konntet ihr nichts für und ihr habt ihr wohl immerhin das Gefühl gegeben, etwas wert gewesen zu sein. Das war sie, aber wir gaben ihr nicht das Gefühl. Ihr habt es getan und ihr wart allesamt sicher gute Freunde.
    Ich meine, ich kenne nicht die ganze Geschichte, aber vielleicht könntet ihr mir eure Handynummern oder so geben und ihr erzählt es mir noch einmal?“ Den letzten Satz sprach sie in einer hoffnungsvollen Stimme aus und ich lächelte:„Ja, ich werde meine Nummer da lassen und Sie können mich jederzeit anrufen.“ Schwach lächelte die Frau nur und murmelte:„Du kannst mich auch duzen. Wie auch immer, ich denke, ihr wollt den nächsten Flug erreichen.“ Hobi und Tae, die mal wieder nichts verstanden, weil wir auf Deutsch redeten, schauten mich nur verwirrt an. Ich antwortete aber einfach Karolins Mutter:„Danke, wir werden dann wieder fahren. Nochmals unser tiefestes Beileid. Aber ich weiß, dass sie jetzt glücklich ist.“ Ein schmerzverzerrtes Lächeln breitete sich auf dem Gesicht der Mutter aus und sie nickte nur. „Ja, vermutlich ist sie glücklich...“

    Der Lärm des Flughafens drang in meine Ohren und ich saß mit meinen Begleitern auf einer Bank. Wir waren gerade mit dem Taxi angekommen und warteten nun darauf, ein Ticket zu bekommen. Leise fragte ich in der Zeit:„Wie wird es jetzt weitergehen? Werdet ihr zurück nach Korea fliegen und ich einfach nach Deutschland? Wir werden alle unsere Familien wiedersehen wollen, richtig?“ Tae schaute mich überrascht an und er merkte wohl, dass ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden konnte, ohne ihn nach Hause zu fliegen. Liebevoll lächelnd nahm er mich dann in den Arm und meinte:„Weißt du... eigentlich könnte ich auch erst mit zu dir fliegen für ein paar Tage und deine Familie direkt kennenlernen. Danach kannst du mit mir zu meiner Familie fliegen und lernst sie direkt kennen.“ Breit lächelte ich glücklich und versicherte mich:„Und es wäre wirklich in Ordnung für dich? Ich meine, Familie ist sehr wichtig...“ Grinsend küsste Tae mich nur und murmelte:„Ja, aber du bist mindestens genauso wichtig. Außerdem kann ich wohl auch noch ein paar Tage länger ohne meine Familie auskommen. Aber ohne dich will och nicht auskommen! Ich liebe dich, Tomätchen!“ Ich kicherte sanft:„Ich dich auch, Tae!“


    12
    Kapitel 153

    „Bist du gleich endlich fertig, Tomätchen?“ Laut rief ich vom Badezimmer aus:„Jaa, muss nur noch schnell Socken und Schuhe anziehen!“ Schnell schnappte ich nach beidem, stülpte sie über und rannte die Treppe herunter, zu Tae ins Wohnzimmer. Er stand bereits fertig und mit zwei Koffern neben sich dort und grinste mich an. Ich lächelte zurück und griff nach seiner Hand. Sofort verließen wir das Haus und stiegen ins Auto. Mein Partner murmelte leise:„Ruf mal bitte die Jungs schonmal an, damit sie pünktlich vor der Haustür stehen!“ Knapp nickte ich und tat, wie es mir befohlen war. Jemand nahm ab und ich hörte Hobis Stimme:„Ja?“ Freundlich erklärte ich:„Hi. Hier ist (d/n). Stellt ihr euch bitte schon nach draußen? Wir sind in fünf Minuten da.“ Knapp bejahte Hoseok die Frage und legte dann schon wieder auf.

    Nach fünf Minuten kam der Wagen zum Stehen und ich sah bereits vier bekannte Gesichter vor dem Haus. Tae und ich stiegen gleichzeitig aus und begrüßten Hobi, Kook, Yoongi und Jin. Alle grinsten gleichzeitig und begrüßten uns. Um nicht viel Zeit zu verschwenden, warfen wir eilig alle Koffer in den Kofferraum, stiegen wieder ins Auto und machten uns auf den schnellsten Weg zum Flughafen von Seoul. Jin meinte aufgeregt:„Ich freue mich schon total darauf, die anderen wiederzusehen!“ Zustimmend nickte ich und sprach:„Ja, ich auch. Es ist fast ein Jahr her...“

    - Es war fast ein Jahr vergangen, seitdem die Zeit in der Arena geendet hatte. Ich hatte meine Familie wiedergesehen und Tae seine. Dabei hatten wir gegenseitig die Familien des anderen direkt kennengelernt. Erst hatten wir einige Monate getrennt gelebt, bei unseren Familien, doch vor 6 Monaten waren Tae und ich dann zusammengezogen, in ein Haus in Seoul, nahezu nebenan zu den Jungs. Joonie lebte auch mit den anderen Jungs zusammen, war aber vor einigen Wochen zu Federica geflogen. Dies tat er oft, da sich die zwei wirklich gut verstanden und irgendwie eine starke Bindung zueinander hatten seit Jimins Tod.
    Nun waren wir eben auf dem Weg zum Flughafen, um anschließend auch nach Italien - zu Federica - zu fliegen. Es war das erste Treffen mit allen gemeinsam seit wir uns damals getrennt hatten.

    Beim Flughafen angekommen stiegen wir schnell ins Flugzeug und flogen praktisch sofort los. Wir saßen in der First Class, damit keine Fans uns entdeckten.
    Die A.R.M.Y hatte natürlich damals von Jimins Tod gehört. Ich denke, es hatte die ganze Welt erschüttert und für viele war es vollkommen unverständlich gewesen. Fans machten Randale und es gab öffentliche Trauerveranstaltungen von tausenden Fans. Als die Welt es erfahren hatte, schien sie für einen Moment still. Der Tod des Sängers hatte in den Herzen von vielen Schaden hinterlassen.
    BTS stellte seine Aktivität übrigens ein, nachdem das Mitglied gestorben war. Die Begründung war, dass es nicht mehr das selbe sei. Vorerst hatte BigHit den Jungs sogar einen Strich durch die Rechnung machen wollen, doch nachdem auch Fans sich öffentlich dazu geäußert hatten, dass BTS ohne Jimin nicht mehr BTS sei, sah das Entertainment es auch ein. Somit hatte die Zeit der Band geendet, doch die Jungs machten teilweise noch einzeln Musik - viele Songs zu Ehren der Toten der Arena und vor allem Jimin.
    Was in der Arena geschehen war, ist leider auch ziemlich schnell ans Licht geraten. Einer der Angestellten Hisokas hatte alle Aufnahmen im Internet hochgeladen und sie hatten schnell ihre Runde gemacht. Schon nach drei Stunden hatte eine ganze Schule das Video von Karolins Tod gesehen und weitergeleitet. Es war die Schule, auf die die 15-jährige früher gegangen war und natürlich kannten alle Schüler die Tote. Es gingen auch viele Gerüchte um und Aufnahmen wurden verfälscht. Alles in einem war es keine gute Sache, dass die Aufnahmen an die Öffentlichkeit gelangt waren.

    Nach einigen Stunden war das Flugzeug jetzt gelandet und wir waren mit einem Taxi in ein Hotel gefahren. Es war mitten in der Nacht, als wir ankamen, also gingen wir erstmal schlafen.
    Am nächsten Morgen frühstückten wir nur kurz und fuhren dann weiter, mehr in die Innenstadt Venedigs. Es war eine wirklich schöne Gegend mit den Kanälen, die sich direkt zwischen den Häusern herschlängelten. Kleine Holzboote paddelten über das Wasser und aus fast jeder Ecke drang Musik.
    Tae schaute auf sein Handy und murmelte:„Ricas Wohnung dürfte dort oben sein.“ Er deutete auf den zweiten Stock eines hübschen Hauses, welches direkt an dem Kanal lag und einen kleinen Balkon hatte, auf dem viele grüne Pflanzen wuchsen. Eilig liefen wir zur Tür, an der die Schilder der Bewohner waren. Auf dem Schild für den zweiten Stock lasen wir tatsächlich Federicas Namen und Jin klingelte. Nach einigen Sekunden hörten wir schnelles Laufen durch das Treppenhaus und kurz darauf öffnete sich die Tür. Ein Mädchen strahlte uns entgegen und grinste:„Hi, Leute.“ Kook grinste zurück:„Hi, Lívia.“

    Die 13-jährige ließ uns nun hinein und führte uns in die Wohnung. Auf dem Weg dahin plauderten wir ein wenig und ich war erstaunt, wie fröhlich das Mädchen schien. Ich kannte sie nur als ernstes Kind, das bestens auf ein hartes Leben vorbereitet war und nur selten wirklich fröhlich schien, wie man es für ein Kind erwartet hätte. Sie sah auch deutlich gepflegter aus als wie ich sie das erste Mal sah. Ihr schwarzes Haar glänzte seidig und war wohl vor ein paar Tagen erst auf Schulterlänge geschnitten worden. Die Brasilianerin war auch nicht mehr so dürr, sondern wirkte gesund. Sie trug hochwertigere Klamotten, welche ihr diesmal auch nicht viel zu groß waren. Sie grinste vom einen Ohr zum Anderen und ihre Augen glitzerten vor Freude. Aufgeregt erzählte uns das Mädchen:„Rica und Joon sind schon oben in der Küche und stellen was zum Trinken bereit. Amba und Michal sind auch schon da. Sie sind schon vor etwa einer viertel Stunde angekommen. Daichi hat uns gerade geschrieben: Er, Hadia und Akiko kommen mit Hubschrauber. Finlay ist noch nicht da. Er hat auch keine direkte Uhrzeit gesagt. Juan und Preecha sind schon in der Stadt, kommen in 15 Minuten oder so.“
    In dem Moment kamen wir dann auch in der Wohnung an. Es war eine eher kleine, aber dennoch gemütliche Wohnung, die viele Gemälde an der Wand hängen hatte. Es gab Wände mit verschiedenen Arten von Gemälden. An der einen Wand hingen hauptsächlich Portraits oder schöne Landschaften, während an einer anderen Wand viele Gewässer waren. Die schönen Seiten Venedigs waren mit vorsichtiger Hand gemalt. In einer anderen Ecke sah ich jedoch Landschaften, die mir sehr vertraut vorkamen. Verwachsene Bäume, bunte Pflanzen und ein großer Berg. Ich brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass es sich um Orte der Arena handelte, genauso wie der Tanzsaal und der Tempel.
    Wie magisch von den Kustwerken angezogen schritt ich auf sie zu, betrachtete sie schwach lächelnd, während Tae neben mir stand und meine Hand hielt. Die Jungs gingen in der Zeit in die Küche, von wo Stimmen drangen.
    Kurze Zeit später öffnete sich die Tür zur Küche noch einmals und ich nahm eine Stimme lauter wahr. „(D/n), Tae!“ - Federica.
    Lächelnd drehte ich mich um und sah die mittlerweile 21-jährige auf mich zulaufen. Mit offenen Armen nahm sie mich grinsend in Empfang und freute sich sichtlich, mich zu sehen. Auch Tae umarmte sie, allerdings eher kurz, um nicht zu sehr auf Körperkontakt zu gehen.

    Ich deutete jetzt auf die Bilder und fragte:„Hast du die alle gemalt?“ Heftig nickte die Italienerin freundlich und nun kam auch Namjoon dazu. Er legte einen Arm um Rica und fügte hinzu:„Das eine habe ich gemalt. Das ist aber nicht gut geworden.“ Dabei zeigte er grinsend auf ein eher krakeliges Bild, das etwas darstellte, was ich nicht zu 100% entziffern konnte. Doch Federica lächelte:„Ich finde, es ist ganz gut geworden. Via hat übrigens auch gemalt.“ Jetzt führte sie uns zu einer Wand an der ein einziges Bild hing, nämlich das von Via. Ein weißer Nebel hebte sich von einem Feld ab und weiter weg konnte man eine undeutliche Person erkennen. Sie war umhüllt von dem geheimnisvollen Grau und nicht sehr gut zu erkennen, aber dennoch wusste ich sofort, wen der Junge darstellen sollte - Lorenzo.
    Lívia erklärte lächelnd:„Federica hat mir ein bisschen beim Verblenden geholfen, sonst wäre es nicht so gut geworden. Ich denke, ich habe den Nebel gemalt, weil es meine Kraft war. Die Person darin ist...“ Kurz stockte sie, bevor sie fortfuhr:„...Lorenzo. Er steht in dem Nebel und langsam verliert man ihn aus den Augen, aber er ist immer da.“ Ich verstand den Schmerz der Brasilianerin, als sie die Worte aussprach und Rica nahm sie liebevoll kurz in den Arm und auch Joonie klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. Die drei sahen fast so aus wie eine Familie und ich wollte gerade etwas dazu sagen, als es an der Tür klingelte.
    Aufgeregt murmelte Rica:„Da kommt der Rest. Ich mache ihnen schnell die Tür auf.“ Somit verschwand sie auch und der Rest blieb oben stehen. Ich nutzte die Gelegenheit und fragte Lívia:„Wie ist es hier überhaupt? Du wohnst ja jetzt mit Rica zusammen. Versteht ihr euch immer?“ Lächelnd nickte Lívia und erzählte:„Federica ist für mich fast wie eine Schwester geworden. Sie ist immer für mich da und hilft mir immer. Ich gehe hier jetzt auch zur Schule, was ich früher nie getan habe. Am Anfang war es nicht so einfach, weil ich die Sprache nicht verstand, aber die habe ich recht schnell gelernt. Rica hat mir oft beim Lernen geholfen und in meiner Freizeit habe ich dann manchmal mit Federica gemalt. Sie hat hier eine Art Kunst-Atelier, in dem sie immer malt. Da helfe ich ihr auch manchmal beim Aufräumen und so. Wenn Rica dann doch mal keine Zeit hat, bin ich bei ihrem Onkel - Mario. Das ist sogar nicht mal so selten, weil sie viele Aufträge bekommt, seitdem sie aus der Arena raus ist. Aber bei Mario ist es echt cool. Er ist total nett und lustig. Manchmal ein bisschen verpeilt, aber das ist gerade das Lustige. Ich backe oft Pizza mit ihm und helfe dabei, sie auszutragen. Alles in einem bin ich wirklich glücklich hier.“ Breit grinste ich, mich ehrlich freuend für das Mädchen, als sich die Tür wieder öffnete.

    Herein trat Federica, aber mit Daichi, Hadia, Akiko und Finlay im Schlepptau. Alle vier lächelten uns an, aber irgendwie war es ein seltsames Bild. Akiko lief nicht, sondern saß in einem Rollstuhl und lächelte von dort aus zu uns hoch. Es war sowieso seltsam, die Japanerin so zu sehen, weil sie das letzte Mal nahezu tot war. Doch scheinbar hatten sich Daichi und Hadia gut um sie gekümmert.
    Ohne, dass ich es richtig mitbekam, kam es jetzt auch wieder zu vielen Umarmungen und zu lautem Geplauder. Einen Moment stand ich nur wie erstarrt da, zu überwältigt, diese Menschen zu sehen, doch Tae zog mich sanft an seiner Hand mit und lief mit mir zu den Neuankömmlingen. Mein Freund ging direkt auf Hadia zu, während Finlay und Daichi quasi auch besetzt waren. So lief ich lächelnd zu Akiko, umarmte sie kurz und begrüßte sie:„Hallo, Akiko. Schön, dich gesund zu sehen. Naja, halbwegs gesund.“ Dabei deutete ich auf den Rollstuhl und die hübsche Asiatin antwortete:„Oh, ja. Ich hatte mir damals beide Beine gebrochen. Leider ist der Knochen sehr gesplittert und hat einen Nerv getroffen. Laufen kann ich nie wieder, deswegen sitze ich wohl für immer in diesem Rollstuhl gefesselt...“ Mitleidig murmelte ich nur:„Oh, das tut mir leid...“ Doch Akiko schüttelte lächelnd den Kopf und meinte:„Nein, ist schon gut. Ich habe es verdient. Ich denke, es ist die Konsequenz, weil ich euch verraten habe. Auch, wenn ich dann am Ende doch noch die Seite gewechselt habe. Weißt du, so schlimm ist es auch nicht im Rollstuhl. Klar, ich würde lieber laufen, aber so langsam habe ich mich daran gewöhnt. Es ist nur blöd, wenn man irgendwo hinmöchte, wo es keinen Aufzug hin gibt. Aber den gab es hier ja zum Glück...“ Kurz lächelte ich nur, bis Tae kam und die Gehbehinderte begrüßte. Ich lief dann in der Zeit zu Daichi und Hadia rüber.
    Wir unterhielten uns alle eine Weile und Joon murmelte:„Fehlen ja nur noch Preecha und Juan.“ Finlay meinte:„Ich glaube, die zwei wollten mit der Bahn kommen, nicht?“ Knapp nickte Federica nur und wollte gerade etwas sagen, als es schon wieder klingelte und sie grinste:„Oh, das werden sie sein.“ Somit verließ die Italienerin uns für einen Moment, nur um wenig später in Begleitung von Preecha und Juan wiederzukommen. Kurz begrüßten die zwei alle und Federica hob die Stimme:„Also. Wir sind jetzt ja alle wieder beisammen. Ich bin ehrlich, es ist irgendwie seltsam, euch alle wiederzusehen, aber gleichzeitig bin ich total froh.
    Joon, Lívia und ich haben uns als Gastgeber natürlich etwas überlegt, bevor wir gemeinsam zur Arena fliegen und dort Erinnerungen wach rufen...“ Ich flüsterte grinsend Tae zu:„Aha? Joon wird also schon als Teil dieses Haushaltes gesehen?“ Tae grinste kurz und Rica fuhr fort:„Damals waren nicht alle da, aber... Erinnert ihr euch an den einen Abend, an dem wir darüber gesprochen haben, was wir in unserer Freizeit so machen und so? Ich habe erzählt, dass mein Onkel eine Pizzeria besitzt und dann haben wir über Pizza diskutiert. Ich habe gesagt, wenn wir hier rauskommen, werde ich euch auf eine Pizza bei meinem Onkel einladen.“ Kurz stockte die Frau, schluckte und fuhr dann fort:„Es sind nicht mehr alle da, die damals da waren, aber ein Teil ist noch da uns ich denke, ich möchte dieses Versprechen trotzdem einhalten...“ Sofort erinnerte ich mich an diesen Tag und an Malou und Karolin, die damals noch unter uns weilten und überlegten, was sie auf ihre Pizza tun würden.

    Ich bekam es gar nicht so recht mit, so sehr wie ich in Erinnerungen versunken war, aber die anderen brachen auf, unter Federicas Führung, zu der Pizzeria, die wohl nur ein paar Häuserblocks weiter war. Tae bemerkte natürlich, dass ich mal wieder in einer anderen Welt war und er zog mich langsam an der Hand zu sich und küsste mich sanft. Leise sprach er dann:„Kommst du mit?“ Knapp nickte ich etwas verlegen und folgte dem Rest nun.

    Auf dem Weg zur Pizzeria hatten wir uns viel unterhalten und die Stimmung war sehr gut. Bei dem Laden angekommen stürmte Via direkt hinein und ich vernahm eine herzliche Stimme von innen:„Via!“ Darauf folgte etwas, das ich nicht verstehen konnte, weil es auf italienisch war und Vias Antwort ebenfalls auf dieser Sprache. Langsam traten wir jetzt ein und ich erblickte einen kleinen, etwas moppeligen Mann mit einem Schnäuzer und Halbglatze. Er trug eine weiße Schürze, auf welcher Flecken von Tomatensoße waren. Als der Mann uns sah, grinste er und sprach auf etwas schäbigem Englisch:„Ah, meine Freunde! Ihr seid hier!“ Federica drängte sich zu dem Mann durch und stellte ihn dann vor:„Das ist mein Onkel - Mario.“ Lächelnd begrüßten wir ihn kurz, während er aber jeden einzelnen von uns herzlich umarmte. Grinsend erwiderte ich die kurze Umarmung und Mario meinte:„Du musst (d/n) sein, richtig? Rica hat mir von dir erzählt. Von euch allen hat sie mir erzählt!“ Ich lächelte:„Ja, genau. Federica hat auch viel von dir erzählt.“ Der Mann lachte nur laut und fröhlich und ging dann schon weiter zu Tae und umarmte ihn, wobei er einen Mehlfleck an seinem Oberteil hinterließ. Etwas schmollig schaute mein Freund mich an, als er den weißen Staub von seinem Oberteil abklopfte und ich kicherte nur. Rica erklärte in der Zeit:„Ihr solltet auch Schürzen tragen. Sonst seht ihr am Ende aus wie die letzte Pottsau.“ Ich grinste leicht, auf Taes jetzt schon verschmierte Klamotten schauend und nahm eine Schürze entgegen, die Preecha mir gab. Mit dem Thai hatte ich mich noch kaum unterhalten und er fragte jetzt neugierig:„Wie läuft es mit Tae? Alles gut bei euch?" Lächelnd nickte ich und erzählte:„Wir wohnen jetzt zusammen in Südkorea, in der Nähe von den anderen Jungs. Wir sind so glücklich zusammen wie am ersten Tag." Freudig lächelte Preecha nur, bis Mario wieder zu uns kam, seine Hände auf unseren Schultern plazierte und uns in die Küche schob, während er erzählte:„Ich habe schon ganz viele Belege für euch bereitgelegt. Teige müsst ihr nur ausrollen, Tomatensoße drauf und dann belegen." Der Mann redete sehr schnell, aber fehleranfällig mit einem lustigen Akzent, weshalb wir nicht alles verstanden, aber ich beschloss, dass ich den Italiener gerne mochte.

    In der Küche angekommen standen wir alle um einen großen Tisch herum, auf dem schon alles bereitstand. Rica hob ihre Stimme:„Am besten teilt ihr euch immer zu zweit eine Pizza, sonst bekommt ihr die nicht auf. Entweder geht ihr nach Geschmäcker oder ihr belegt einfach jeder eine Hälfte." Ich fragte Tae direkt:„Machen wir eine zusammen?" Lächelnd nickte mein Freund und ich beobachtete, wie die anderen sich zusammentaten. Rica und Joon belegten eine, sowie Hadia und Daichi. Natürlich auch Amba und Michal und Preecha und Juan. Akiko tat sich mit Yoongi zusammen und Hobi mit Via. Jin und Kook belegten ebenfalls eine zusammen. Finlay hingegen tat sich mit Mario zusammen, welcher ihm gerade enthusiastisch erklärte, wie man den Teig perfekt knetet. Ich schaute dem grinsend zu, bis Tae mich antippte:„Kannst du mir eben die Tomatensoße geben, die neben dir steht, Tomätchen?" Belustigt schob ich sie rüber und pickte mir schon mal meine Belege heraus. Joon rief in der Zeit zu Mario rüber:„Hey Mario, hast du auch Ananas?" Entrüstet drehte sich Ricas Onkel um und fragte angeekelt:„Du isst Ananas auf deiner Pizza!" Verlegen grinsend nickte Joonie und Mario murrte:„Alle Italiener haben Angst vor Leuten, die Ananas auf Pizza essen, aber auf solche Unmenschen wie dich sind wir natürlich vorbereitet." Mit den Worten torkelte der Onkel zum Kühlschrank, während Rica lachte:„Ananas gehört nicht auf Pizza, aber egal." Via redete dazwischen:„Karolin meinte damals auch, sie würde am liebsten Ananas auf ihrer Pizza essen. Mais, Ananas, Schinken - das gehörte Karos Meinung nach auf eine gute Pizza..." Hobi lächelte schwach und meinte:„Ich wünschte, sie wäre jetzt hier..." Zustimmend nickten wir alle, doch Juan meinte:„Ihre Seele ist noch bei uns, nur ihr Körper nicht mehr..."
    Mit den Worten kam auch Mario wieder und irgendwie wechselte sich das Gesprächsthema wieder.

    Amba erzählte jetzt, dass sie mit Michal in Polen lebte und die Sprache lernte. Sie sagte auch, sie habe einen Job im Krankenhaus bekommen. Zwar nur als Krankenschwester, weil sie kein Medizinstudium hinter sich hatte, aber dennoch einen Job, mit dem sie wohl sehr glücklich war. Michal erzählte fröhlich:„Mein Vater ist übrigens in der Zeit meiner Abwesenheit zu dem Schluss gekommen, dass er nicht mehr mit Alkohol leben möchte und ist trocken. Zur Ablenkung ist er Gärtner in einem Kindergarten geworden und unterhält sich da dann immer mit den Kindern. Er ist guter Dinge und wir sind es auch beide." Dabei zog er Amba näher zu sich und küsste sie. Ich fragte neugierig:„Und was ist mit deiner Familie, Amba? Hast du etwas von ihnen gehört?" Etwas betrübt murmelte die Inderin:„Naja, ich habe ihnen einen Brief geschrieben - Sie wollen nichts mehr mit mir zu tun haben und sehen mich als eine Schande für die Familie, weil ich meinen Mann betrogen habe. Mein Mann hingegen, welcher übrigens auch eigentlich nicht mehr mein Mann ist, war aber verständnisvoll und freut sich für mich. Er hat geschrieben, dass er eine Frau in seinem Alter kennengelernt hat, die er auch wirklich liebt. Sie ist zwar eine Kaste unter ihm, weshalb er auch als Schande gilt, aber er ist glücklich. Und ich bin es auch." Leicht lächelte ich nur, während Juan jetzt meinte:„Übrigens... Meine Familie hat mich akzeptiert. Lucía auch. Niemand ist mir wirklich böse und sie haben auch alle Preecha kennengelernt." Der Thai fügte grinsend hinzu:„Wir sind jetzt übrigens auch ein Paar seit etwa vier Monaten. Auch das hat seine Familie akzeptiert und ich helfe bei seiner Familie oft auf der Farm mit." Wir alle freuten uns und gratulierten den zweien.
    Ich bemerkte jetzt Hadia, die zu Daichi hochschaute und irgendetwas flüsterte. Lächelnd nickte ihr Freund dann und Hadia hob ihre Stimme:„Wenn wir schon dabei sind, alles zu erzählen... Daichi und ich müssen auch etwas erzählen..." Gespannt schaute ich von meiner Pizza auf und die Afghanin erzählte:„Daichi und ich erwarten ein Kind. Ich bin im dritten Monat." Akiko, die in dem Moment etwas getrunken hatte, verschluckte sich und fing an zu husten. Ungläubig fragte sie:„Jetzt echt? Ich werde Tante?" Knapp nickte Daichi grinsend und wir fingen an, zu jubeln. Besonders Daichis Schwester schien sich zu freuen und sie grinste breit von ihrem Rollstuhl aus über die Tischkante zu Hadias kleinem Babybauch.

    Wir unterhielten uns noch eine ganze Zeit, während wir die Pizzen belegten und zwischendurch kam es zu einer wilden Mehlschlacht. Akiko hatte dabei ziemlich Pech, weil sie in ihrem Rollstuhl nicht ausweichen konnte, sodass sie am Ende quasi mit Mehl eingekleidet war.
    Anschließend kamen die Pizzen in den Ofen, wurden gebacken und letztlich bei guter Stimmung verzehrt.

    Am Abend gingen wir wieder in Ricas Apartment rüber und unterhielten uns dort weiter. Wir sprachen erneut über Ricas Kunst und, dass Joon und Via auch etwas gemalt hatten. Finlay fragte plötzlich:„Seid ihr zwei eigentlich auch zusammen, Rica und Joon?" Scheinbar etwas überfordert mit der Frage stammelte die Italienerin:„Nein, nicht wirklich. Wir sind momentan einfach gute Freunde..." Lívia grinste:„Ja, momentan. Heißt, dass wir damit rechnen müssen, dass sie bald ein Paar sind. Ich meine, die zwei sehen sich schon oft und Namjoon ist quasi hier eingezogen. Sie gehen auch immer auf Dates und so. Oft tuckern sie mit so kleinen Booten über die Kanäle hier..." Weiter kam die Brasilianerin nicht, denn ihre neue Beziehungsberechtigte warf ihr ein Kissen an den Kopf, woraufhin das Mädchen in Lachen ausbrach. Federica murmelte in der Zeit verärgert:„Wir sind kein Paar!" Namjoon nickte schweigend und etwas bedrückt scheinend. Ich schaute die zwei in der Zeit nur etwas verwirrt an und merkte, wie plötzlich alle schwiegen, scheinbar merkend, dass etwas nicht ganz stimmte.
    Doch Hobi wollte die Stimmung wieder etwas auflockern, indem er das Thema wechselte:„Finlay, wie haben eigentlich deine Eltern reagiert, als du wieder da warst? Sie haben sich sicher gefreut, richtig?" Finlay antwortete direkt, doch ich hörte nicht zu.
    Mein Blick lag weiter auf der lockenköpfigen Italienerin, die etwas aufgelöst schien. Leise stand sie jetzt auf und murmelte schnell:„Ich hole mir kurz etwas zu trinken..." Mit den Worten verließ sie das Wohnzimmer und verschwand in der Küche. Ich stand ebenfalls auf und nutzte die Ausrede:„Ich gehe eben auf Klo." So verließ auch ich das Wohnzimmer und ging erst Richtung Bad, nutzte aber dann den zweiten Eingang zur Küche. Dort fand ich Federica, die mit Tränen in den Augen an einem Glas Wasser nippte und zittrig atmend aus dem Fenster schaute, in den Himmel. Besorgt trat ich langsam auf sie zu, legte vorsichtig eine Hand auf ihre Schulter und sprach sanft:„Hey, alles in Ordnung? Was ist los?" Etwas erschrocken schaute Rica mich an und schluchzte dann leise:„Ich... es ist wegen Joon..." Verwirrt schaute ich die Frau an und zog sie sanft in den Flur, damit die anderen unser Gespräch auch ja nicht mitbekamen. Ruhig fragte ich jetzt:„Wieso? Was ist mit Namjoon? Meinst du, weil Via meinte, ihr seid quasi ein Paar?" Zittrig nickte Rica und murmelte:„Es ist einfach... Ich liebe ihn wirklich, aber jedes Mal, wenn ich ihn anschaue, sehe ich Jimin in ihm. Auch ihn liebe ich nach wie vor und ich fühle mich als würde ich ihn betrügen, würde ich versuchen, eine neue Beziehung einzugehen. Weißt du... Ich komme einfach nicht über seinen Tod hinweg und Joonie hat mir dabei geholfen. Du weißt ja, dass er oft bei mir ist und immer für mich da ist. Möglicherweise ist er eine Art Ruhepol für mich und ich liebe ihn wirklich... Aber auf der anderen Seite muss ich wieder an Jimin denken und daran, dass ich ihm geschworen habe, ihn nie zu vergessen..." Wieder liefen meiner Freundin die Tränen herunter und ich umarmte sie liebevoll. In meine Schulter schluchzte sie:„Ich habe auch mit Joon darüber gesprochen. Er meinte, dass er auch mich liebt, aber ich meinte, dass ich nicht mit ihm zusammen sein könne. Er hat es akzeptiert, aber ich habe einfach Gewissenskonflikte. Einerseits möchte ich Jimin für diesen Moment vergessen können und auch für Joon da sein, wie er es für mich ist, aber andererseits kann ich mich nicht von Jimin trennen. Ich... ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich kann nicht einmal mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden..." Tröstend strich ich ihr über den Rücken, während sie weiter weinte und ich beruhigte sie:„Hey, Rica, ist schon gut. Ich kann dich total gut verstehen. Es ist eine schwierige Situation, aber erinnerst du dich, was Jimin damals zu dir sagte? Er meinte, du sollst die Hoffnung nicht verlieren und zu Namjoon sagte er, er solle für ihn auf dich aufpassen. Jimin wollte, dass du glücklich bist und sein Tod dich nicht einschränkt! Er wird dir weder böse sein, dass du noch mehr Liebe in dein Leben lässt, noch hätte er gewollt, dass du traurig bist. Er hat dich geliebt und so möchte er jetzt für dich, dass du auch lieben kannst. Ja, du liebst Jimin weiterhin, aber das darf dich nicht davon abhalten, auch Namjoon zu lieben. Denn, wenn du ihn wirklich liebst, darfst du diese Liebe nicht unterdrücken. Jimin wollte doch auch nur, dass du glücklich bist." Abermals schluchzte Rica:„Ja, aber Jimin ist nicht mal seit einem Jahr tot und ich habe das Gefühl, mich zu schnell in Joon verliebt zu haben. Es fühlt sich an, als hätte ich Jimin vergessen und als wäre seine Liebe mir nichts wert gewesen." Verständnisvoll lächelte ich und erwiderte:„Aber du weißt es doch besser! Außerdem kann Liebe schneller kommen, als du gucken kannst. Ich meine, ich kannte Tae vielleicht auch seit einem Monat oder so, als ich mich richtig in ihn verliebt habe und mit ihm zusammenkam. Sowas braucht nicht immer Jahre, wie man vielleicht denkt.
    Rica, wenn du Joon liebst, dann würde ich dem an deiner Stelle nachgehen. Jimin hätte es so für dich gewollt. Und nur, weil du dann mit Joon zusammen bist, heißt es ja nicht, dass du Jimin nicht mehr liebst." Schluchzend nickte Federica nur und drückte mich etwas an sich. Ich wischte ihr in der Zeit sanft die Tränen aus dem Gesicht und murmelte:„Jetzt musst du nicht mehr weinen, ja?" Knapp nickte Rica und lächelte schwach. Zufrieden klopfte ich meiner Freundin auf die Schulter und wollte mit ihr gerade wieder ins Wohnzimmer gehen, als Daichi schon herauskam, gefolgt vom Rest. Schnell erzählte er:„Ich starte jetzt den Hubschrauber und dann fliegen wir zur Arena. Die Toten „wiedersehen", weißt du?" Knapp nickte ich nur und wartete auf Tae, der geradewegs auf mich zukam. Sanft schnappte er meine Hand und fragte leise:„Wo warst du so lange? Hast du deine Tage bekommen oder so?" Lächelnd schüttelte ich den Kopf und beobachtete, wie Namjoon zu Rica lief und ihr liebevoll einen Arm um die Schulter legte. Dabei flüsterte ich Tae zu:„Ich habe noch mit Rica gesprochen..."

    Wir hockten alle in dem Hubschrauber, still und ein Großteil schlief. Es war mitten in der Nacht und ich starrte schweigend in den Himmel, beobachtete die hellen Sterne. Tae war neben mir eingeschlafen und sein Kopf hing schwer auf meiner Schulter, während ihm ein wenig Speichel aus dem Mund tropfte und geradewegs auf meinen Pullover triefte. Belustigt schob ich seinen Mund sanft zu, sodass der Speichel nicht mehr entrinnen konnte. Namjoon hatte dies beobachtete und grinste mich nun an, während ich flüsterte:„Tae ist mein kleines Riesen-Baby." Belustigt lächelte Joon und deutete gleichzeitig auf Federica, die genauso an seiner Schulter schlief. Ich lächelte nur und schaute mich nun weiter in dem Hubschrauber um. Es schliefen sonst alle, außer eben Daichi, der flog und Hobi, der schon mit tiefen Augenringen da hockte und in die Sterne gaffte. Leise fragte ich ihn:„Möchtest du nicht schlafen, Hobi? Du siehst müde aus." Stur schüttelte der Koreaner jedoch mit dem Kopf und antwortete:„Ich kann nicht. Ich muss an sie denken..." Ich wusste sofort, wovon der Mann sprach. Yoongi hatte es mir vor einigen Monaten erzählt - Hoseok schlief seit der Zeit der Arena oft schlecht. Er träumte von all den Toten und hatte das Gefühl, sie verfolgten ihn. Wenn seine Gedanken bei Jimin oder vor allem Karolin waren, konnte er einfach nicht schlafen. Vielleicht war es eine Art Schlafstörung, aber er wurde bereits deswegen behandelt. Leise seufzte ich nur. Der Tod von Karolin bringt noch mehr Opfer mit sich als nur sich selbst...

    Nach vielen Stunden kamen wir endlich an und mittlerweile war es auch schon Morgen. Das Licht schien durch die Wolken in den Hubschrauber und langsam wachte ich auf. Wir hatten wohl alle den restlichen Flug geschlafen, abgesehen von Daichi und Hobi. Daichi sah jedoch dennoch recht erholt aus, während Hobi krank aussah. Trotzdem war er kraftvoll wie immer und erhob sich kurzerhand aus seinem Stuhl.

    Wir alle hatten den Hubschrauber verlassen und standen jetzt auf dem Dach des Gebäudes, das zu viele Erinnerungen barg. Es war fast ein Jahr her, dass ich hier gestanden hatte und die Erinnerungen überschwemmten mich fast. Doch ich versuchte, sie auszubenden, während wir uns langsam, aber direkt auf den Weg zum Tempel machten.

    Es dauerte nicht allzu lange, bis wir beim Tempel angekommen waren, da wir einen Geländewagen nutzten, weil Akiko sonst nicht hätte mitkommen können. Mit Rollstuhl war es eben so eine Sache...
    Nun standen wir auf jeden Fall oben im Tempel und begaben uns nach unten. Durch Daichis Kraft, Zeit stehen zu lassen, kamen wir auch ohne Probleme in der Schatzkammer an.
    Es war seltsam - Alles sah genau so aus, wie als wir den Ort verlassen hatten. Unsere Kräfte standen unberührt in der Mitte des Raumes und die Stimmen der Toten wisperten in mein Ohr. Ich hörte die Stimme von Karolin, Malou und all den anderen. Hobi stand unruhig neben mir und starrte ehrfürchtig zu einem alten Schlafpolster. Ich wusste, dass es das von Karolin war und ich fragte mich, was Hoseok da wohl sah.
    Daichi hob nun seine Stimme:„Teilt euch ruhig ein bisschen auf und schwenkt euch in Erinnerungen. Dafür sind wir schließlich hergekommen." Wie auf ein Kommando strömten wir dann aus. Ich setzte mich mit Tae auf einen der goldenen Stühle und wir teilten unsere Erinnerungen über diesen Ort.
    Hinten saß Hobi alleine auf Karolins Polster, schaute in die Luft neben sich und redete. Ich war verwirrt, weil niemand bei ihm war, doch ich hörte ihn erzählen, was er jetzt in seinem Leben machte und er erzählte, wie Karolins Familie auf ihren Tod reagiert hatte. Tae und ich schauten beide etwas bedrückt zu dem besten Freund der toten Österreicherin rüber und Tae murmelte:„Meinst du, er redet mit Karolin? Also... versucht es? Bildet sich ein, dass sie da ist?" Ich zuckte seufzend mit den Schultern und murrte:„Wahrscheinlich..." Leise kam jetzt Daichi zu uns, bemerkte unsere besorgten Blicke und auch er schien besorgt. Leise murmelte er:„Sowas kommt vor... Vor allem bei dieser Legende. Er möchte mit Karolin sprechen. Ich weiß nicht, ob er es sich einbildet oder, ob sie wirklich da ist, aber es ist schon oft so gekommen, dass Überlebende so verzweifelt waren, dass sie mit den Toten Kontakt aufnehmen wollten. In Vaters Buch steht etwas darüber. Man weiß es auch nicht genau, aber dort steht, dass Teil der Legende der “
    „Seelensprecher“ sei. Er ist so etwas wie der Hüter der verlorenen Seelen. Mit jeder Generation, die Teil dieser Legende wird, soll es einen Überlebenden geben, der tatsächlich Kontakt zu den Toten aufnehmen kann. Es ist jemand, der all diese Menschen im echten Leben kennengelernt hat und nach ihrem Tod ihre Seelen behütet. Vielleicht ist auch dieser Teil der Legende wahr und Hobi wurde als Seelensprecher auserwählt. Das würde heißen, dass er gerade wirklich mit Karolin und Jimin spricht." Langsam nickte ich nur, während Tae meinte:„Das ist doch gut oder nicht?" Leise erwiderte Daichi:„Das kommt auf den Seelensprecher an. Es gab welche, die gut mit ihrer Gabe klarkamen und dann eben gelegentlich mit den Toten sprachen, aber es gab genauso welche, die es in den Wahnsinn trieb. Für sie entwickelte es sich zu einer Art Sucht. Oftmals blieben sie auf ewig bei der Stätte der Seelen, welche in diesem Fall hier ist. Manchmal brachte diese Gabe nichts Gutes mit sich." Angst erfüllte mich, als ich daran dachte, dass es auch Hobi in den Wahnsinn treiben könnte, doch Daichi fügte hinzu:„Ich glaube aber nicht, dass Hoseok darunter leiden wird. Ich glaube, es ist das erste Mal, dass er gerade Kontakt zu den Seelen aufnimmt und es kann auch einfach als guter Ausgleich dienen. Ich halte Hobi für eine mental stabile Person. Ich glaube nicht, dass er auch den Seelen verfallen wird..."

    Eine Weile waren wir noch dort unten und Hobi redete stundenlang mit den Toten. Doch er schien glücklich und auch ich war mir dessen sicher, dass Hobi nicht wahnsinnig werden würde. Federica und Joon hatten sich nach einer Zeit zu Hobi und den Toten gesellt und scheinbar richteten die zwei den Toten über Hoseok etwas aus.
    Ich saß in der Zeit bei Tae, welcher jetzt murmelte:„Weißt du, Tomätchen... Ich glaube, es wird wieder alles gut. Nicht einmal die Toten sind wirklich weg. Hobi kann mit ihnen reden und kann dann auch sozusagen übersetzen. Wir alle leben wieder ein normales Leben." Ich lächelte und murmelte:„Du hast recht, Tae. So langsam ergibt das Leben doch wieder richtig Sinn." Tae grinste:„Mit dir an meiner Seite sowieso!" Ich lächelte, kuschelte mich an ihn und flüsterte:„Ich liebe dich, Tae. Das wird sich niemals ändern." Leise kicherte Tae:„Ich dich auch, Tomätchen. Glaub mir, vor uns liegt noch viel..."



    Moin Leute.

    Das hier war wohl das letzte Kapitel dieser Ff. Wenn ihr unbedingt wollt, könnte ich theoretisch noch eine Art Spezial-Kapitel schreiben, aber dafür müsstet ihr mir dann Ideen geben. XD
    Eigentlich war dieses Kapitel ja auch schon so ne Art Sonder-Kapitel. XD
    Naja, aber da diese Ff jetzt eigentlich offiziell zu Ende ist, würde ich euch noch einmal bitten, mir ein Feedback zu geben. Nicht nur zu diesem Kapitel, sondern auch zur ganzen Ff. Es steckt wirklich unglaublich viel Arbeit und Zeit darin, weshalb auch gerne ein ausführliches Feedback gewünscht ist.
    Wenn man mal auf die Anzahl der Kapitel schaut, wird einem klar, dass es wirklich einem Buch ähnelt. XD

    Vielleicht könnt ihr noch einmal darauf zurückgreifen, was ich vor ein paar Kapitel schon gefragt habe - Wer sind eure Lieblingscharaktere und wieso? Ich denke, die Antwort auf diese Frage hat sich im Laufe der Ff noch einmal geändert und es würde mich wirklich interessieren.

    Auch würde ich mir wünschen, dass ihr mir schreibt, wie euch das Ende überhaupt gefällt. Hättet ihr andere Personen sterben lassen oder vielleicht sogar die gleichen und warum? Was haltet ihr von den Pärchen oder Fast-Pärchen? Was wünscht ihr euch sonst für die Charaktere für die Zukunft? Wie glaubt ihr, wird es weitergehen und meint ihr, Hobi wird als „Seelensprecher“ dem Wahnsinn verfallen? Großteils sind es wahrscheinlich Fragen, die ihr euch in eurer eigenen Fantasie beantworten müsst, aber mich würde es eben interessieren, weil ich natürlich auch eine ganz eigene Fantasie habe. XD

    Wie auch immer. Schreibt mir BITTE ein langeesss Feedback und vielleicht sehen wir uns ja zu einem Spezial-Kapitel wieder. Wer weiß? XD

    LG Emily W.




    13
    Kapitel 154 (Sonder-Kapitel)

    Die Sonne schien durch die Fensterscheibe des Busses in mein Gesicht und ich genoss die Wärme, die das Licht spendete. Häuser zogen an mir vorbei und Menschen begingen die Straßen. Ich erkannte so viel wieder. So viel war mir vertraut und so viel erweckte in mir Vorfreude. Es war mein Zuhause - das, was ich so lange nicht mehr gesehen hatte. Es war wie eine Zeitreise in die Vergangenheit und für einen Moment glaubte ich, dass es so war. Doch es dauerte nicht lange, dass ich zurück in die Realität kam, als Tae meine Hand berührte und leise fragte:„Tomätchen... Was machen wir, wenn deine Eltern mich nicht mögen?"

    Es war der Tag, an dem ich nach der Zeit der Arena zurück in meine Heimat kam und gerade saß ich mit Tae im zentralen Bus, auf dem Weg zu der Bushaltestelle, an der ich als Schülerin so oft ausgestiegen war.

    Ich lächelte Tae auf seine Frage hin an und erwiderte:„Mach dir keine Sorgen, Tae. Sie werden dich mögen, das weiß ich. Außerdem werden sie wohl erstmal darauf achten, dass ich wieder da bin und nicht darauf, dass du mein Freund bist. Du musst dir wirklich keine Gedanken machen!" Etwas ängstlich wirkend lächelte mein Freund schief, woraufhin ich ihm einen sanften Kuss auf die Wange gab. Als ich meine Lippen von seiner Wange löste, sah ich, dass eine der wenigen Leute im Bus mich anschaute. Es war eine mittelalte Frau mit Brille und kurzen Haaren. Ich erkannte ihr Gesicht wieder - sie war Kassiererin im naheliegenden Aldi. Sie kannte mich wohl vom Sehen und ich sie natürlich auch.
    Ihr jetziger Blick war nachdenklich, verwirrt und skeptisch. Sie zog langsam ihr Handy aus ihrer Handtasche, wandte den Blick dabei aber nicht von mir ab. Erst, als unsere Blicke sich direkt trafen, schaute sie schnell auf ihr Handy und tippte hastig etwas. Tae hatte das Ganze auch mitbekommen und murmelte nun leise:„Ich glaube, sie erkennt dich oder uns beide aus den Nachrichten wieder." Ich nickte nur und meinte:„Ja, scheint so. Mein Verschwinden hat sich sicher besonders im Dorf rumgesprochen. Sie wohnt hier auch in der Nähe, kennt mich also vom Sehen her." Nachdenklich murmelte Tae jetzt:„Ich hoffe, sie ruft nicht die Polizei oder so..." Plötzlich etwas unsicher nickte ich, ängstlich, dass sie es wirklich tat. Ich wollte meine Familie mit meiner Ankunft überraschen und nicht vorher von der Polizei abgefangen werden.

    Wenige Momente später bemerkte ich, dass wir an meiner Haltestelle angekommen waren und ich tippte kurz Tae an. Sofort stieg er dann mit mir aus und der Bus fuhr ohne uns weiter. Zu zweit standen wir nun händchenhaltend an der altvertrauten Bushaltestelle, welche nicht weit von dem Wohnhaus meiner Eltern entfernt war. Die wenig befahrene Straße rief quasi danach, sie zu überqueren und so taten wir es auch. Das Haus lag in einer kleinen Siedlung, nicht direkt zu sehen. Viele kleine und enge Straßen führten zu dem Haus, welche ich nun mit meinem Freund. ablief. Wir liefen an all den Nachbarshäusern vorbei und ich erinnerte mich an die Zeit vor der Arena. Damals war noch alles anders gewesen und mit jedem Schritt, den ich tat, sehne ich mich mehr danach, meine Familie wiederzusehen.

    Nach wenigen Minuten kamen wir schließlich vor dem kleinen, roten Haus an. Ich las meinen Nachnamen auf dem Namensschild der Klingel und ich stoppte einen Moment. Tae schaute mich von der Seite an und flüsterte:„Willst du nicht klingeln?" Leise erwiderte ich:„Doch, aber... ich habe irgendwie Angst." Verwirrt hakte Tae nach:„Angst wovor?" Gedankenverloren flüsterte ich:„Ich weiß es selbst nicht..." Im selben Moment drückte ich dann auf den Knopf für die Klingel. Ich vernahm das vertraute Geräusch dieser aus dem Inneren und einige Sekunden später herrschte Bewegung im Haus. Man hörte das Öffnen und Schließen einer Tür. Mein Herz setzte einen Schlag aus und ich war froh, als Tae meine Hand nahm. Das schnelle Runterlaufen der Treppen war zu hören und ich vernahm die Stimme meines jüngeren Bruders:„Ich gehe schon! Ist bestimmt das Paket, das ich bestellt habe!" Ich musste lächeln bei dem Gedanken, dass mein gerade mal 17-jähriger Bruder gleich nicht den Paketboten antreffen würde, sondern seine lang verschollene Schwester.
    Nur wenige Sekunden später öffnete sich die Haustür und der dunkle Haarschopf meines Bruders schaute mir entgegen. Der Junge schaute mich erst ausdruckslos an, bis er überlegte, wer ich war. Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde, bis er mich erkannte. Seine Kinnlade klappte herunter und er schaute stumm von mir zu Tae. Ich grinste nur verlegen, nicht wissend, was ich sagen sollte, während Tae nur stumm zurückschaute. Einige Momente verharrten wir so, bis ich die Stimme meiner Mutter vernahm:„War es dein Paket? Warum stehst du denn da noch so lange?" Sie drängte sich vor und stellte sich neben meinen Bruder, doch sie taumelte direkt wieder zurück, als sie mich erblickte. Ihre Gesichtszüge entglitten für einen Moment, bevor sie anfing zu strahlen und sich Tränen in ihren Augen bildeten. Ungläubig murmelte sie meinen Namen und ich lächelte:„Hallo, Mama." Mit diesen Worten stürmte sie direkt auf mich zu, umarmte mich und weinte vor Freude. Mein Bruder stand mehr oder weniger unberührt daneben, während Tae, überhaupt nicht von meiner Mutter beachtet, da stand.

    Es dauerte einige Momente, bis meine Mutter mich kurz losließ, dann aber mein Gesicht in ihre Hände nahm und ungläubig betrachtete. Sie war nahezu überwältigt, mich wiederzusehen und hörte gar nicht mehr auf, mein Gesicht zu berühren und zu weinen. Erst, als ich sprach:„Ich habe euch vermisst, Mama", fing auch sie an, zu fragen:„Wo warst du, (d/n)? Wir haben uns unendlich Sorgen gemacht! Wir dachten, du wärst vergewaltigt und ermordet worden oder so!" Ich schüttelte beruhigend den Kopf und sagte:„Ich werde euch alles erzählen, aber vielleicht sollten wir dafür reingehen." Meine Mutter nickte nur vollkommen überrumpelt und schaute dann Tae an. Verwirrt fragte sie:„Und wer ist das?" Knapp meinte ich lächelnd:„Das werde ich dir auch erzählen."

    Langsam betraten wir jetzt das Haus, während mein Bruder stumm die Tür schloss. Er hatte bisher gar nichts gesagt und hatte es wohl auch nicht vor. Er schaute mir nur ausdruckslos hinterher und zeigte meinem Freund per Handgeste, zu folgen, während meine Mutter mich überglücklich in die Küche schob. Dort hockte mein Vater, las Zeitung und hatte von all dem gar nichts mitbekommen. Erst, als ich die Küche betrat und meine Mutter von hinten rief:„Schau nur, wer wieder da ist!", schaute mein Vater auf. Sein Blick war genauso lustig wie der meiner Mutter. Während er vorher vollkommen gelangweilt aussah, war er jetzt einfach nur verwirrt und gaffte mich sprachlos an. Dann schaute er zu meiner Mutter und fragte:„Ist sie das wirklich?" Kurz nickte meine Mutter grinsend und schob mich näher zu meinem Vater. Dieser war in der Zeit auch aufgestanden und umarmte mich. Meine Mutter kam nun auch in der Umarmung dazu, während Tae und mein Bruder nach wie vor stumm dastanden und unberührt zuschauten, was mich innerlich zum Grinsen brachte. Auch mein Papa fragte mich jetzt, wo ich gewesen sei, also kämpfte ich mich aus der Umarmung frei und meinte:„Ich werde euch alles erzählen, aber dafür müsst ihr mich loslassen!"

    Wir setzten uns an den Küchentisch, meine Familie immer noch im Ungewissen. Tae verstand kein Wort von dem, was ich sagte, doch er setzte sich brav auch hin und schwieg weiterhin. Mein Bruder setzte sich schweigend daneben und ich konnte nicht deuten, was er dachte oder fühlte. Das war bei meinem Bruder aber auch sowieso immer schwierig gewesen, also wunderte es mich nicht.
    In der Zwischenzeit fing ich an, zu erzählen. Ich erzählte zuerst von der Entführung, dann von der Gefangennahme und von der ganzen Geschichte mit der Arena. Vieles ließ ich erstmal aus, doch ich erzählte wenigstens schon, dass Tae einer der anderen „Auserwählten“ war und nun mit mir mitgekommen war.

    Natürlich war meine Familie komplett verwirrt und geschockt. Genauso wie Karolins Familie hielten sie die Geschichte erst für einen Witz und dachten, ich hätte Drogen oder ähnliches zu mir genommen. Doch nach einer Zeit merkten sie, dass ich es ernst meinte und sie fingen an, zu begreifen. Als ich mit meiner Erzählung endete und Tae noch gar nicht als meine Beziehung klargestellt hatte, fing meine Mutter wieder an, vor Freude zu weinen. Sie stand auf einmal auf, ging auf Tae zu, umarmte ihn und schluchzte:„Danke, dass du auf meine Tochter aufgepasst hast!“ Tae verstand zwar nicht, was meine Mutter wollte, konnte es sich aber wohl so ungefähr denken und murmelte nur kurz auf Englisch:„Äh. Ja, klar. Gerne...“ Auch mein Vater nickte meinem Freund kurz dankbar zu und ich lachte:„Tja, ihr habt mich ja doch wohl ziemlich vermisst.“ Mein Bruder sagte jetzt zum ersten Mal etwas:„Ja, es wurde von nichts Anderem gesprochen als von dir.“ Dabei rollte er schnell mit den Augen und ich musste lächeln. Ich meinte:„Naja, jetzt habt ihr mich ja wieder, dann müsst ihr nicht mehr von mir sprechen.“ Doch der 17-jährige Bruder murrte nur:„Ja, jetzt wird erstmal ne Party für dich geschmissen, wie ich unsere Eltern kenne. Naja, wie auch immer... Schön, dass du wieder da bist und ich gehe jetzt auf mein Zimmer. Die Jungs warten auf mich. Wir wollten zocken.“ Mit diesen kalten Worten stand er dann auch auf und verließ die Küche. Meine Mutter rief ihm hinterher:„Kann das denn nicht warten? Deine Schwester ist wieder da! Da kannst du doch nicht so tun als wäre es ganz egal!“ Doch der Junge antwortete gar nicht und mein Vater murrte:„Ach, das ist die Pubertät!“ Ich lächelte nur knapp und widmete mich dann wieder meinen Eltern. Doch Tae schaute meinem Bruder irgendwie besorgt hinterher.
    Diese Besorgnis in den Augen meines Freundes besorgte mich und ich fragte leise:„Was ist?“ Kurz schüttelte mein Freund den Kopf, bedeutend, dass er nicht vor meinen Eltern darüber reden wollte und so ließ ich es erstmal gut sein.
    Doch meine Gedanken ließen nicht davon ab, also erzählte ich meinen Eltern von den Aufnahmen, welche wie erwartet ihr Interesse erweckten und mein Vater meinte:„Kannst du uns die zeigen? Es würde uns wirklich interessieren und außerdem möchte ich wissen, wie deine Mitstreiter abgesehen von Taehyung sonst so waren.“ Schnell sprach ich:„Ja, ich hole sie. Ihr könnt sie euch anschauen. Ich werde in der Zeit auf die Toilette gehen und dann zeige ich Tae mal mein Zimmer.“ Verwirrt hakte meine Mutter nach:„Willst du es nicht mit uns zusammen anschauen?“ Ich schüttelte nur knapp den Kopf und meinte:„Ich komme bestimmt nachher nach. Aber ich kenne ja sowieso alles und einige Szenen sind nicht immer so toll...“ Verständnisvoll nickte meine Mutter nur und ich holte die DVD.
    Kurzerhand drückte ich sie meinem Vater in die Hand und verschwand dann mit Tae im Bad.

    Dort schloss ich kurz ab, bevor jemand hereinkam und ich fragte:„Warum hast du jetzt so besorgt geschaut?“ Verlegen kratzte mein Freund sich am Hinterkopf und murmelte:„Ich habe nicht verstanden, was dein Bruder gesagt hat, aber ich konnte in seinen Augen sehen, dass er verletzt war...“ Ich hob kurz eine Augenbraue und erzählte Tae, was mein Bruder gesagt hatte, damit er die Situation eventuell besser verstehen konnte.
    Nachdenklich nickte der Koreaner jetzt und meinte:„Weißt du... Ich glaube nicht, dass er mit seinen Freunden zocken wollte. Ich glaube viel mehr, dass er der Situation entfliehen wollte. Nicht unbedingt wegen dir, aber...“ Kurz seufzte Tae und meinte:„Naja, ich glaube einfach, dass er irgendwie traurig ist. Ich weiß ja auch nicht, ob es nur mein Eindruck war oder, ob es so ist, aber auf mich wirkte er nicht glücklich, als er dich sah. Zumindest nicht so wirklich. Ich glaube wohl, dass er dich vermisst hat, aber ich habe das Gefühl, er war irgendwie eingeschränkt...“ Verwirrt schaute ich meinen Freund an, doch er fuhr bedrückt fort:„Sein Blick und seine Worte erinnern mich an jemanden...“ Tae sagte dies mit Schmerz in der Stimme und ich verstand erst nicht richtig, bis er fortfuhr:„Er sagte, man habe nur von dir gesprochen und man würde eine Party für dich schmeißen. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Sprache nicht verstehe, aber ich habe mehr auf seine Emotionen im Gesicht geachtet. Ich habe Schmerz gesehen. Schmerz, Eifersucht und das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
    Er ist der Bruder, der von seinen Eltern vergessen wurde, als seine Schwester verschwand. Der, der nicht die erste Wahl war.
    Das war mein Eindruck und mit diesen Eigenschaften und Emotionen werde ich jetzt wohl immer eine bestimmte Person in Verbindung bringen.“ Endlich dämmerte es mir und ich wusste auch, mit wem Tae meinen Bruder verglich:„Karolin...“ Stumm nickte Tae und ich fragte auch besorgt:„Meinst du, er fühlt auch so wie Karolin?“ Mein Freund zuckte mit den Schultern und erwiderte:„Möglich wäre es... Ich denke, es war schwierig für ihn, als du nicht da warst. Immerhin drehte sich alles um dich und er wurde womöglich vernachlässigt. Ich kann das sogar nachvollziehen, wenn man sich wie das Kind fühlt, dass am unwichtigsten ist... Ich meine, ich denke, dass meine Geschwister sich auch manchmal so fühlen. Immerhin bin ich berühmt und habe es weit geschafft. Sie müssen das Gefühl haben, nichts gegen mich zu sein und genau das wird wohl auch Karolin gefühlt haben und dein Bruder vielleicht auch.
    Aber die einzige Chance herauszufinden, ob es so ist, ist, ihn zu fragen.“ Ich nickte kurz und bedeutete Tae kurz, nun zu dem Zimmer meines Bruders zu gehen. Gemeinsam verließen wir das Bad, ich schloss auf und zu meiner Überraschung stand mein Vater dort mit einer Tasse Kaffee in der Hand und schaute mich verdutzt an. Verwirrt fragte er:„Wart ihr zu zweit pinkeln oder was?“ Ich stammelte:„Nein, ich habe ihm das Bad gezeigt und was machst du hier eigentlich? Wolltest du nicht die Aufnahmen sehen?“ Ruhig erwiderte mein Vater:„Deine Mutter schiebt die DVD gerade ein und ich habe mir einen Kaffee gemacht.
    Aber, wenn du ihm das Bad gezeigt hast, warum hast du abgeschlossen?“ Ich lief etwas rot an und stotterte:„Ist ne Gewohnheit. Ähm, ich zeige jetzt mein Zimmer.“ Es war mir unangenehm, da ich erstens nicht wollte, dass mein Vater unsere Gespräche belauschte oder so und meine Eltern zweitens nicht mal etwas von unserer Beziehung wussten und es demnach auch alles seltsam war.
    Doch mein Vater schien sich wohl nicht weiter zu kümmern und ging zu meiner Mutter ins Wohnzimmer.

    Ich drehte mich in der Zeit wieder zu Tae, griff nach seiner Hand und wir gingen die Treppe hoch, zu dem Zimmer meines Bruders. Mein Freund grinste mich dabei an und meinte:„Du bist wieder rot, Tomätchen.“ Ich warf ihm kurz einen verärgerten Blick zu und murrte:„Mein Vater denkt wahrscheinlich, wir hätten sonst was im Bad gemacht! Ich darf rot werden!“ Tae kicherte nur und gab mir einen schnellen Kuss.

    Mittlerweile waren wir auch vor dem Zimmer meines Bruders angelangt und ich klopfte etwas nervös an. Es dauerte nicht lange, dass der 17-jährige mürrisch antwortet:„Ja?“ Vorsichtig trat ich ein, mit Tae an meiner Seite und lächelte den Teenager schief an. Er fragte verwirrt:„Was suchst du hier?“ Spöttisch schob er hinterher:„Wollen Mama und Papa dich doch nicht mehr?“ Ich lächelte leicht und setzte mich neben meinen Bruder, der auf seinem Bett hockte. Tae winkte ich schnell hinterher, sodass er sich auf meine andere Seite setzte. Mein Bruder war offensichtlich verwirrt und ich fing zögernd an:„Ist alles in Ordnung bei dir? Wir haben kaum geredet...“ Sofort antwortete der andere:„Ja, ich hätte doch gar keine Chance gehabt, etwas zu sagen. Immerhin hat andauernd jemand geredet. Sowieso habe ich mir abgewöhnt, etwas zu sagen.“ Neugierig, aber besorgt hakte ich nach:„Wieso?“ Mürrisch meinte der Junge:„Das liegt doch auf der Hand! Nachdem du verschwunden bist, hat sich alles nur um dich gedreht und Mama und Papa haben nicht mal zugehört, wenn ich etwas gesagt habe. Und warum sollte ich schon etwas sagen, wenn eh niemand zuhört?“ Ich seufzte und lächelte leicht:„Ach, komm! Du weißt genau, dass es an dem Druck der Situation lag!“ Doch mein Bruder konterte nur:„Ich war bedeutunglos, als du nicht mehr da warst! Dein Auftauchen macht es nicht besser! Jetzt wird nur die ganze Zeit wieder von dir geredet!“ Ich seufzte:„Sie haben dich nicht vergessen oder so, sie waren einfach besorgt und...“ Weiter kam ich nicht, denn mein Bruder fiel mir dazwischen:„Weißt du, was vorgestern war?“ Verwirrt schüttelte ich nur den Kopf und der 17-jährige erklärte wütend:„Es war mein Geburtstag! Es war das erste Mal seit deinem Verschwindem, dass die ganze Familie zusammen war und ich dachte, es würde wieder Normalität einkehren und ich wäre wenigstens einmal im Mittelpunkt! Doch auch nicht! Alle haben nur über dich gesprochen und darüber, wie tragisch das alles sei! Ich habe meinen Kuchen alleine in der Küche gegessen, weil sich alle anderen nur im Garten über dich unterhalten haben! Dazu war es eine Tiefkühltorte und ich habe einen verdammten Füller bekommen, weil wir durch die ganzen Polizeiarbeiten und so knapp bei Kasse sind! Es war für mich nicht mein Geburtstag, sondern ein Tag, an dem wieder klar wird, dass ich unbedeutsam bin!“ Diese Worte sprach mein Bruder aus Wut und seine Augen blieben trocken, doch meine taten es nicht. Ich umarmte meinen Bruder und murmelte:„Bitte denke das nicht! Du wirst genauso geliebt wie ich auch! Und es tur mir leid, dass ich deinen Geburtstag versaut habe... Aber glaub mir, du wirst geliebt und das nicht weniger als ich! Denke niemals, du seist nichts wert!“ Vollkommen überrascht von meinen plötzlichen Emotionen und meiner Umarmung schaute der 17-jährige mich an und ich erklärte ihm:„Weißt du... Als ich in dieser Arena war, war dort ein Mädchen - 15 Jahre alt - die genauso dachte wie du. Sie dachte, sie sei nichts wert und ungeliebt. Sie sah sich selbst als zweite Wahl und nicht gut genug, weil ihre Familie es ihr immer gesagt hatte und sie mit ihren Geschwistern verglich. Sie litt unter diesen Worten, aber hatte sie nicht ausgesprochen. Sie behielt ihren Schmerz für sich und fing an, an Suizid zu denken. Letztlich hat sie es nie gemacht, weil sie ihr Leben nicht verschwenden wollte, doch letzten Endes hat sie sich für unsere Gruppe geopfert. Sie täuschte einen Verrat vor und rettete uns dann. Sie liebte uns und sie wollte uns beweisen, dass sie es auch wert war, geliebt zu werden - Sie wurde geliebt. Und wie... Ihr Tod hat bei uns allen Narben hinterlassen und wir wünschten, wir hätten von ihren Gedanken gewusst, um ihr helfen zu können. Es war aber zu spät dazu und ich möchte deswegen dir sagen, dass du niemals so denken sollst! Du wirst geliebt, glaube mir!“ Mein Bruder fing an, mit Tränen in den Augen aufzuschauen, umarmte mich plötzlich und wimmerte:„Ich habe dich vermisst, (d/n)...“

    Einige Minuten saßen wir noch zu dritt in dem Zimmer und unterhielten uns über alles. Mein Bruder sah zum Glück alles ein und freute sich einfach, dass ich wieder da war. Allerdings fragte er:„Kannst du mir mehr über diese Karolin erzählen? Ich habe das Gefühl, sie ist mir irgendwo ähnlich...“ Ich lächelte:„Klar, aber vielleicht kannst du am besten mit uns die Aufnahmen anschauen. So wirst du sie am besten kennenlernen.“ Zustimmend nickte der 17-jährige und erhob sich. Es war irgendwie seltsam, ihn so zu sehen. Immerhin war er schon fast erwachsen und ich kannte ihn nur als den manchmal abweisenden Jungen, aber gleichzeitig wusste ich nun, dass er eigentlich sehr emotional war und manchmal vielleicht etwas zu viel nachdachte - genauso wie eben Karolin und das war der Punkt, der mich so einnahm.

    Nun liefen wir nur die Treppen herunter und ich erzählte Tae noch leise, was genau gesagt wurde und all sowas.
    Mein Bruder lief voran, geradewegs in das Wohnzimmer, wo sich unsere Eltern gerade zu zweit die DVD anschauten. Als wir hereinkamen, lief ich dicht neben Tae und ich bemerkte, wie meine Eltern uns geschockt anschauten und das Video pausierte. Ich war verwirrt, bis ich genauer darauf achtete, welche Szene dort gestoppt auf dem Bildschirm zu sehen war.
    Der Moment, als Tae und ich uns damals vertragen hatten und alles klärten. Wir küssten uns. Jetzt wusste ich auch, weshalb meine Eltern so schauten und ich lief augenblicklich wieder rot an. Leise murmelte ich verlegen:„Genau. Das wollten wir euch noch erzählen..." In dem Moment wurde ich von endlosen Fragen überhäuft - wie wir zusammengekommen waren, was genau vorgefallen war, wie lange wir schon zusammen waren und all sowas.
    Tae stand nur grinsend neben mir, wissend, dass es sich um unsere Beziehung handelte und ich fing an zu erklären:„Ich erzähle euch einfach eben die Kurzversion: Tae und ich wurden quasi direkt in eine Zelle gesteckt, weshalb wir uns direkt kennenlernten und viel Zeit miteinandner verbrachten. In der Arena haben wir uns eben zu dieser Gruppe zusammengeschlossen und wir kannten uns am besten, also blieben wir auch ein kleines Duo. Später wurden wir als Gruppe getrennt und als wir uns wiedergefunden haben, hat Tae mich gerade vor dem Feind gerettet und kurz darauf hat er mir seine Liebe gestanden und ich ihm und so weiter und so fort.
    Irgendwann hat sich bei mir eine Angst gebildet, dass ich jemandem mit meiner Kraft schaden könnte und ich bin ihm aus dem Weg gegangen. Irgendwann habe ich ihm alles erzählt und er hat es verstanden. Als ich meine Kraft dann unter Kontrolle hatte, hat er sich die ganze Zeit mit Akiko unterhalten und wir hatten einen kleinen Konflikt, der sich aber schnel geregelt hat und von da an war in unserer Beziehung alles gut. Der Rest ist irrelevant.
    Auf jeden Fall ist er auch deswegen hier mit dabei und nicht bei seiner eigenen Familie."
    Ich musste einmal Luft schnappen, als ich mit meiner Erzählung fertig war und meine Eltern schauten uns mit offenen Mündern an. Mein Bruder hingegen schien es fast schon geahnt zu haben und lächelte nur.
    Es entstand eine peinliche Stille, bis mein Vater diese nur noch peinlicher machte:„Aber... Ihr habt gerade im Bad nichts - ähm - Beziehungshaftes gemacht, oder?" Augenblicklich lief ich wieder rot an wie eine Tomate und widerlegte das schnell:„Nein, sowas haben wir da nicht gemacht, keine Sorge."
    Mein Vater fing nur an zu lachen und meine Mutter lächelte:„Naja, wie es auch sein mag, wir freuen uns für euch! Und ich glaube, dass Tae ein guter Typ ist, also ist alles in Ordnung. Immerhin hat er lange auf dich aufgepasst, richtig?" Ich lächelte nur glücklich und lehnte mich etwas an Tae, woraufhin dieser mich lächelnd an sich drückte und dann auf englisch murmelte:„Ich habe kein Wort verstanden, aber es scheint nicht negativ zu sein. Schauen wir uns jetzt einfach zusammen die Aufnahmen an? Ich denke, so verstehen wir auch die ganzen Zusammenhänge und so besser." Zustimmend nickten jetzt alle und das Video wurde aus seinem Stehen befreit.

    Nach etwa einer Stunde hatten wir alle Szenen durchgeschaut. Alles Relevante wurde darin gezeigt, jedes bedeutsame Gespräch wurde aufgeführt. Mit diesen Aufnahmen hatte meine Familie dann auch all die anderen Mitstreiter kennengelernt und mein Vater sprach:„Wäre es nicht real, würde ich es sofort an irgendeinen Regisseure verkaufen. Aber leider ist es ja echt..." Meine Mutter seufzte:„Es muss eine schreckliche Zeit für euch gewesen sein..." Mittlerweile waren wir übrigens auf englisch umgeschwenkt, damit auch Tae mitreden konnte, welcher jetzt erwiderte:„Naja, schön war es nicht gerade. Der große Vorteil an dieser Geschichte ist nur, dass (d/n) und ich uns kennengelernt haben." Ich schmiegte mich lächelnd an Tae, da wir uns einen Sessel teilten und ich fügte hinzu:„Wir haben in dieser Zeit viele tolle Menschen kennengelernt. Leider mussten einige von ihnen uns ja verlassen. Euch ist ja zum Beispiel auch aufgefallen, dass manchmal von einer Malou gesprochen wurde." Knapp nickte meine Mutter und ich erzählte weiter:„Sie war anfangs auch dabei. Sie war eine 10-jährige Afrikanerin. Für Karolin war sie wie eine Art Schwester. Letztlich ist sie jedoch Callum zum Opfer gefallen..." Leise schluchzte meine Mutter und meinte:„Es ist grauenhaft. Wir können froh sein, dass dieser Hisoka nun tot ist. Er ist für so viele Tote verantwortlich... und für so viele Traumata. Wie schlimm es sein muss für die Familien der Toten, die 13-jährigen Lívia oder Hobi, der sich selbst die Schuld für den Tod seiner besten Freundin gibt..." Tae nickte bedrückt:„Ja, es ist wahrhaftig schrecklich - für alle Beteiligten. Auch besonders für die Angehörigen der Opfer, das ist wohl so. Wir haben es selbst so erfahren." Etwas verwirrt runzelte meine Mutter die Stirn - wir hatten ihr nichts davon erzählt, dass wir zuvor bei Karolins Familie waren. Deswegen erzählte ich kurzerhand:„Wir haben die Familien der Toten quasi unter den Überlebenden aufgeteilt. Wir haben Karos Familie bekommen. Wir sollten es ihnen erzählen und all sowas. Wir haben also ihrer Familie auch die Aufnahmen gezeigt (die wichtigen)." Neugierig fragte jetzt mein Bruder:„Und wie haben sie reagiert? Hat Karolin bekommen, was sie wollte?" Etwas bedrückt erzählte ich:„Joa, schon irgendwie. Ihre Familie war auf jeden Fall sehr von allem getroffen. Es war eigentlich schrecklich, sie so weinen zu sehen..." Tae nickte und fügte hinzu:„Andererseits weiß ich irgendwo, was Karolin meinte damals... als sie sagte, sie sei unbedeutend. Ich meine, das war sie keineswegs, aber ihre Oma konnte sich nicht mal an sie erinnern. Klar, sie ist dement, aber trotzdem.“ Mein Bruder meinte auf einmal:„Familien sind wie Hierarchien. Es gibt die, die ganz oben sind und die, die ganz unten sind. Die Erstgeborenen sind meistens ganz oben und dann kommt der Rest irgendwie aufgeteilt. Karolin hat wohl den Platz ganz unten erwischt. Obwohl sie eigentlich den ganz oben verdient hätte...“ Tae nickte:„Sie hatte ein Herz aus Gold.“ Doch mein Bruder murrte nur:„Naja, es geht der Menschheit aber nicht um die inneren Werte. Glaubst du, alle grausamen Herrscher sind früher an die Macht gekommen, weil sie so sympathisch waren? Sicher nicht, wenn ich mich an unseren Reichskanzler von 1933 und folgend erinnere... Das Leben ist nun mal nicht gerecht, aber was soll's?“ Ich seufzte nur leise, meinem Bruder recht geben müssend.
    Letztlich murmelte ich nur:„Wir können froh sein, dass wir alle noch leben.“ Zustimmend nickte meine Familie nur und Tae lächelte auch zustimmend.

    Ich war froh, wieder zuhause zu sein, vereint mit all den Leuten, die ich liebte. Ja, es war dennoch etwas schwierig und ich wusste, dass die finanzielle Lage meiner Familie nicht gerade die beste war, aber auch wusste ich, dass wir dort wieder herauskommen würden. Auch mein Bruder wollte noch einmal mit meinen Eltern über das sprechen, worüber ich vorhin schon mit ihm gesprochen habe und ich wusste, dass alles wieder gut war. Bald würde ich auch Taes Familie kennenlernen und alles würde sein wie früher...




    Hier ist das erste Sonder-Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch. Es wird noch ein paar mehr Sonder-Kapitel geben. Wie viele genau, muss ich noch schauen. XD
    Bleibt also gerne hier. ^^'

    14
    Kapitel 155 (Sonder-Kapitel)

    Hobis Sicht

    Leises Gewisper dröhnte in meinen Ohren und brachte mich dazu, mich umzuschauen. Ich stand in einem dunklen Raum, konnte die eigene Hand kaum vor Augen sehen und mich umhüllte diese unbehagliche Stille, welche von den undeutlichen Stimmen untermalt wurde. Ich konnte die Worte anfangs nicht entziffern und langsam erfüllte mich ein leichter Anflug von Panik. Ich sah nur schwarz, konnte meinen Standort nicht identifzieren und es war kalt. Nach einer Zeit wurde das Gemurmel deutlicher und ich erkannte meinen Namen - Hoseok. Von allen Seiten drangen die Stimmen in meine Ohren und ich erkannte sie direkt. Sie waren so vertraut und nah, aber doch so fern und irreal, dass ich einen Schritt nach hinten holperte. Ich wusste, dass die Stimmen gar nicht existieren dürften. Die Besitzer dieser waren tot, getötet worden. Ihre Existenz war unmöglich, doch ich spürte den kalten Wind um meine Ohren zischen. Er trug die Stimmen lauter zu mir und plötzlich bildete ich mir ein, den heißen Atem der Toten in meinem Nacken zu spüren und es lief mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich spürte ihre Stimmen förmlich auf meiner Haut und fühlte mich von ihnen eingeengt. Ich wirbelte herum, versuchte, in der Dunkelheit auch nur irgendetwas identifizieren zu können, doch ich stolperte nur über meine eignen Füße und ich verfiel der Panik. Laut fragte ich in die scheinbare Leere:„Karolin, Jimin, wo seid ihr? Was wollt ihr von mir?" Doch die Toten antworteten nicht direkt, sondern wiederholten nur immer wieder meinen Namen. Sie riefen mich, doch ich wusste nicht, warum und aus welcher Intention. Riefen sie um Hilfe oder war es vielleicht auch nur Einbildung - ein Produkt meines benebelten Verstandes? Ich wusste es nicht und ich rief wieder, aus Angst, in die endlose Leere. Die Stimmen wurden langsam lauter, kamen näher und schienen nicht mehr in der Luft, sondern in meinem Gehirn zu sein. Ich vernahm Karolins Stimme:„Hoseok, du hast mich verlassen!" Es war nur undeutlich, doch verzweifelt und gequält. Jimins Stimme kam hinzu:„Du hättest uns retten können!" Immer wieder sprachen sie diese Worte nun aus, die Echos überschnitten sich langsam und es war nichts mehr zu erkennen. Es war nur noch ein einziges, lautes Gewusel von Gewisper und mein Kopf begann, zu schmerzen. Die Stimmen drängten mich immer mehr ein und ich fühlte mich wie umzingelt. Platzangst machte sich in mir breit, obwohl nichts um mich herum war und Panik war alles, was mich noch erfüllte. Zusammengekauert saß ich auf dem Boden, schrie die Toten an, sie sollen schweigen und die Kopfschmerzen wurden schlimmer. Tränen ronnen in meiner Verzweiflung meine Wange herunter und fühlten sich an, als wären sie heiß, wie kochendes Wasser, das meine kalte Haut herunterfloss und Narben hinterließ. Ich schrie lauter, verzweifelter, panischer, bis ich die Stimmen übertrumpfte und meine eigene Stimme in meinem Kopf wiederhallte, bis ich irgendwann nicht mal mehr merkte, dass ich schrie.

    Plötzlich schreckte ich auf, öffnete meine Augen und wachte schweißgebadet in meinem Bett auf. Mein Kissen war feucht von den Tränen, die ich geweint hatte und mein Kopf schmerzte noch immer. Ich schaute mich panisch um und wurde geblendet von dem Licht, welches auf einmal in meine Augen schien. Ich erkannte eine Gestalt in meinem Türrahmen stehen. Es dauerte nicht lange, bis ich erkannte, dass es Yoongi war - verschlafen und in Schlafanzug. Er schaute mich ruhig an und fragte leise:„Wieder ein Albtraum?" Schnell atmend nickte ich stark zitternd und fügte hinzu:„Es waren wieder die Stimmen - Karolin und Jimin..." Leise seufzte Yoongi nun, kam aber langsam auf mein Bett zugetrottet und setzte sich auf die Bettkante. Beruhigend legte er seine Hand auf mein Knie und murmelte besorgt:„Hobi, so kann das nicht weitergehen. Fast jede Nacht schläfst du so schlecht und die Schlaftabletten helfen wohl auch nicht. Weißt du... du musst endlich loslassen! Karo und Jimin sind tot, aber das ist nicht deine Schuld! Du hast alles getan, was du hättest tun können." Hastig meinte ich, während mein Körper unter den Worten zitterte:„Ich weiß, aber ich kann sie nicht einfach vergessen. Es ist als wären sie in meinem Kopf gefangen. Ihre Stimmen verfolgen mich einfach überall hin!" Ruhig atmete Yoongi aus und sprach:„Ich weiß. Aber es muss doch eine Lösung dafür geben! Hilft die Therapie denn nicht wenigstens etwas?" Stumm schüttelte ich bedauernd den Kopf und zitterte noch immer etwas unter der Panik leidend. Man könnte sagen, dass ich sogar eine richtige Panikattacke hatte.
    Mein Kumpel hob jetzt wieder die Stimme:„Es kann doch aber nicht so weitergehen, dass Karolin und Jimin dich wie zwei Anhängsel verfolgen und dir den Verstand rauben. Wie willst du so auf Dauer leben? Du kannst nicht jeden Tag schon Angst vor der Nacht haben! Ich weiß ja, wie sich das anfühlt... Deswegen will ich dir helfen!" Darauf antwortete ich nur leise:„Ich weiß aber nicht, was ich dagegen machen kann. Ich habe schon so vieles ausprobiert! Und ich weiß, dass ich nicht verrückt werde..." Ruhig erwiderte Yoongi:„Ich weiß, Hobi. Ich weiß... Vielleicht trinkst du erstmal einen Schluck?" Zustimmend nickte ich leicht und stand vorsichtig auf. Für einen Moment verlor ich das Gleichgewicht, doch Yoongi stützte mich rechtzeitig von der Seite und begleitete mich in die Küche. Dort setzte ich mich an die Kücheninsel, während der andere ein Glas holte und es mit Wasser befüllte. In der Zeit warf ich einen Blick auf die Zeit-Anzeige des Backofens - 03:21 Uhr.
    Yoongi kam wieder, drückte mir das Glas in die Hand und ich nahm zögerlich einen Schluck. Anschließend murmelte ich schuldbewusst:„Tut mir leid, dass ich dich aus dem Bett geworfen habe mit meinem Albtraum..." Doch Yoongi schüttelte nur beruhigend den Kopf und antwortete verständnisvoll:„Ist schon in Ordnung. Ich bin doch für dich da." Dankbar lächelte ich müde und fragte ängstlich:„Was ist, wenn ich für immer diese Stimmen höre und verrückt werde? Wenn ich psychisch krank bin?" Sofort murrte Yoongi streng:„Jetzt red keinen Stuss! Du wirst nicht verrückt! Mach dir keine Sorgen, wir werden eine Lösung finden und dann ist alles wieder im Lot! Überlass das nur mir. Es wird alles wieder gut... Wir werden morgen einfach mal mit den anderen reden. Vielleicht haben sie eine Idee..."

    Der nächste Tag kam und ich hatte kaum mehr geschlafen. Die Angst, erneut von den Stimmen verfolgt zu werden, war zu groß. Statt zu schlafen hatte ich dann nur stundenlang neben Yoongi in seinem Bett gelegen und an die Decke gestarrt, extra ein kleines Licht angelassen. Immerhin war auch die Dunkelheit eine Angst geworden, da sie auch Teil des Albtraums war. Ich hatte mich dabei wie ein Kind gefühlt. Ich brauche ein Nachtlicht zum Schlafen... Naja, wenn es nur so wäre. Ich habe Angst vor dem Schlaf. Es ist lächerlich, ich bin wie ein Kind. Doch daran kann ich nichts ändern...
    Müdigkeit herrschte nun über mich, doch schlafen wollte ich dennoch nicht. Ich wartete nur darauf, dass Yoongi aufwachte und wir gemeinsam in die Küche gingen.

    Zusammen saßen wir nun in der Küche. Jin hatte Spiegeleier gekocht und Kook, Yoongi und ich aßen diese nun. Joonie war in Italien, bei Federica und half ihr, über Jimins Tod hinwegzukommen. Dort war er in letzter Zeit oft und wir sahen ihn kaum noch zuhause. Tae hingegen wohnte mit (d/n) zusammen, jedoch auch nur wenige Straßen weiter. Dennoch wirkte es leer im Haus. Plötzlich waren wir drei weniger in der Bude und so recht taten wir nichts mehr. Wegen Jimins Tod hatten wir BTS aufgegeben und lebten einfach nur noch in unserer Villa. Oftmals langweilten wir uns den ganzen Tag. Einfach rausgehen konnten wir auch nicht, weil es noch immer viele Fans gab. Im Grunde genommen, war es eine schreckliche Zeit für uns alle, die uns total runterzog.
    Meine Albträume machten das Ganze natürlich nicht besser und Yoongi sprach es jetzt bei dem Frühstück an:„Hobi hatte gestern wieder diesen Albtraum. So kann das nicht weitergehen...“ Jungkook schaute auf und murmelte:„Deswegen siehst du so müde aus... Naja, aber was sollen wir dagegen tun? Die Therapie hilft doch nicht. Schlaftabletten genauso wenig...“ Bedrückt senkte ich den Blick, während Jin jetzt überlegte:„Ich denke, wir müssen es einfach nur hinbekommen, dass Hobi mit Karolin und Jimin abschließt. Sie waren ihm nun mal sehr nahe im Leben, aber deswegen dürfen sie ihn in den Gedanken nicht so verfolgen.“ Yoongi nickte zustimmend und meinte:„Klar, so ist es. Aber wie genau soll er damit abschließen? Wir brauchen irgendeine Art Alternativ-Therapie.“ Jin erwiderte:„Das Leben ist wie ein Buch. Es ist gebildet aus Kapiteln und diese prägen das ganze Buch, also das ganze Leben. Aber jedes Kapitel wird irgendwann abgeschlossen und bleibt möglicherweise nur noch eine Erinnerung. Hobi muss mit diesem Kapitel endlich abschließen und ein neues anfangen.“ Ich schaute endlich auf und regte mich aus meinem Schweigen:„WIE soll ich das machen? Es ist verdammt noch einmal nicht einfach, mit dem Tod abzuschließen! Ich habe meine beste Freundin verloren und eine der wohl wichtigsten Personen meines Lebens! Ich kannte Jimin 7 Jahre lang! Und ich habe die ganze Zeit das Gefühl, ich hätte sie retten können! Hätte ich nur mit Karolin gesprochen und ihr zugehört, wäre sie vielleicht noch am Leben!“ Mir waren mittlerweile Tränen in die Augen gestiegen und Jin seufzte:„Das weiß ich doch, Hobi... Es ist für niemanden von uns einfach. Aber du musst mir glauben, dass du nichts hättest ändern können! Du hast alles getan, was du hättest tun können und Karolin hat doch selbst gesagt, dass es nichts mit jemandem von uns zu tun hatte. Letztlich hat sie sich aus Liebe zu uns geopfert und nicht, weil wir ihr Leid angetan haben!“ Für einen Moment verlor ich die Kontrolle über meine Emotionen und ich schrie:„Dann wünschte ich, hätte sie uns nie geliebt!“ Erschrocken über diese plötzliche Wut schauten mich alle drei an und ich murmelte eine schnelle Entschuldigung. Jungkook kam nun auf meine Seite rüber, nahm mich wie ein Bruder in seine Arme und murmelte:„Ist schon OK, Hobi. Es ist eben eine schwere Zeit. Aber sieh es mal so: Hätte Karolin sich nicht geopfert, hättet ihr vielleicht nicht mehr gelebt jetzt. Sie hat euch immerhin um drei Feinde erleichtert. Ja, vielleicht hättet ihr genauso gut einfach an ihrer Seite kämpfen können, aber dann hätte noch ganz Anderes passieren können. Sie hat euch sozusagen ihr Leben geschenkt. Ohne ihre Opfergabe würdest du vielleicht auch nicht mehr leben.“ Leise brummte ich:„Das wäre mir lieber...“ Jin schaute mich kurz wütend an, nahm mich dann aber in den Arm und murmelte:„Hör auf, so etwas zu sagen! Das Leben ist wertvoll, du darfst nicht so tun als wäre es nichts wert! OK?“ Langsam nickte ich nur traurig, bis Jin sich nun vom Küchentisch entfernte und meinte:„Ich gehe jetzt zur Arbeit. Ihr solltet gleich schonmal eure Sachen packen. Immerhin sehen wir morgen zum ersten Mal die anderem wieder! Und wer weiß? - Vielleicht wird uns das ja allen helfen.“ Mit den Worten verließ der Älteste uns, zu der Arbeit, die er seit einigen Monaten hatte. Er hatte sich nämlich in einer kleinen Bäckerei beworben, wo er sich dann den lieben langen Tag beschäftigte. Die Arbeit dort machte ihm Spaß und es war nur ein kleiner Betrieb, in dem so wenig Leute beschäftigt waren, dass er keine Sorge wegen Paparazzi oder aufdringlichen Fans haben musste. Es wusste nicht mal jemand von außerhalb, dass er dort arbeitete.
    Die meisten von uns hatten sich übrigens eine kleine Beschäftigung gesucht. Namjoon war eben andauernd bei Federica, wo wir morgen auch hinfliegen würden. Jin buk den lieben langen Tag und Yoongi schrieb einfach weiter Songs und brachte sich das ein oder andere Instrument mehr bei. Jungkook hingegen engagierte sich künstlerisch. Er zeichnete in letzter Zeit viel, oft in einem eigentlich winzigen Atelier bei unserer Nachbarin, welche eine alte Dame war. Ich selbst jedoch machte nicht wirklich viel. Ich war zu sehr damit beschäftigt, zur Therapie zu gehen und fand sowieso keine Beschäftigung, die ich machen wollte, beziehungsweise konnte.
    Allerdings band ich mich erstmal an den Gedanken, morgen alle anderen wiederzusehen. Vielleicht kann ich mit dem Treffen endlich mein „neues Kapitel“ aufschlagen...

    Hastig packte ich noch meinen letzten Kram ein und warf ihn in dem Koffer. Er war randvoll und es kostete mich Mühe, den Reißverschluss noch zuzuziehen. Jungkook half mir, indem er sich auf den Koffer setzte und den Spalt zwischen den Seiten des Reißverschlusses verkleinerte. Als ich das Gepäck endlich fertig verschlossen hatte, brüllte Jin von unten hoch:„Eyy, habt ihr meine Schuhe gesehen?“ Ich rief zurück:„Liegen vorm Fernseher! Hast du dort liegen gelassen, als du gestern vor der Glotze eingeschlafen bist!“ Ein lautes Danke kam zurück und ich stülpte mir auch meine Schuhe über. Im selben Moment bekam ich plötzlich einen Anruf. Ich erkannte die Nummer sofort und nahm ab:„Ja?“ Eine Stimme ertönte:„Hi. Hier ist (d/n). Stellt ihr euch bitte schon nach draußen? Wir sind in fünf Minuten da.“ Schnell erwiderte ich:„Ja, machen wir. Bis gleich.“ Dann legte ich auch schon wieder auf und schrie durch das Haus:„Wir sollen uns schonmal rausstellen! Tae und (d/n) sind in ein paar Minuten hier.“ Aus allen Ecken kamen die Antworten uns in weniger als zwei Minuten standen wir dann alle vier vor der Haustür, mit unseren Koffern in der Hand. Wenige Momente später fuhr Taes Auto vor und wir erkannten das Pärchen. Schnell warfen wir unsere Koffer rein und fuhren zum Flughafen. Dort stiegen wir in das Flugzeug und flogen über Stunden nach Italien.

    Wir waren nun schon lange bei Federica angekommen. Wir hatten alle wiedergesehen und verbrachten eine schöne Zeit miteinander. Es war wirklich ein gutes Gefühl, die anderen wiederzusehen. Auch, wenn ich mir irgendwo in meinem Kopf vorgestellt hatte, dass auch Jimin und Karolin da sein würden. Doch ich wurde natürlich enttäuscht. Wir hätte es auch anders sein sollen? Die zwei waren tot und nichts konnte sie wieder ins Leben bringen. Nichts...

    Plötzlich kam Namjoon auf mich zu, legte seinen Arm freundschaftlich um meine Schultern und fragte:„Hi. Ist es mit den Albträumen schon besser geworden?" Bedauernd schüttelte ich nur den Kopf und murmelte:„Nein, sie sind da. Ihre Stimmen dröhnen in meinem Kopf als würden sie mich verfolgen. Andauernd flüstern sie meinen Namen und ich schlafe kaum noch... Die Schlaftabletten helfen nur rege..." Joonie seufzte:„Du hast das jetzt schon seit fast einem Jahr... Hilft die Therapie denn nicht wenigstens?" Wieder schüttelte ich den Kopf und fügte hinzu:„Nicht wirklich. Ich meine, ich schlafe ja auch und ich hatte es in den ersten Monaten auch nicht so schlimm. Die Panikattacken und so habe ich erst seit vielleicht zwei Monaten. Ich kann in Gesellschaft dann auch besser schlafen. Wenn ich also zum Beispiel bei Yoongi penne... Es ist alles halb so wild." Langsam nickte Namjoon jetzt nur und ich senkte leicht den Kopf. Ich wusste, dass ich den ehemaligen Anführer von BTS angelogen hatte. In Teilen zumindest. Ich konnte bei Gesellschaft genauso schlecht schlafen und die Panikattacken beeinträchtigten mich mehr als ich zugab. Ich wollte nur nicht, dass sich jemand zu viele Sorgen machte. Ich hatte das Gefühl, ich würde nerven und mich vielleicht auch irgendwo anstellen. Andererseits wollte ich nicht alles erzählen, bevor ich in die Psychiatrie geschickt wurde. Ich sah mich selbst nicht wirklich als psychisch krank. Ich wollte mir selbst einreden, nicht durchzudrehen und ich glaubte, dass ich in Ordnung war. Auch, wenn ich eventuell nur die bittere Wahrheit vertuschen wollte. Möglicherweise wollte ich nur nichts als psychisch instabil gesehen werden, weil Karolin sagte, sie sei es wahrscheinlich gewesen.

    Nun hockten wir in Daichis Hubschrauber, geradewegs auf dem Weg zur Arena und dem Ort, wo all die Seelen wohl auf uns warteten. Es war Nacht und fast alle schliefen. Nur Namjoon, (d/n) und ich waren noch wach. Ich jedoch nur, weil die Stimmen mich verfolgten. Es war mir lieber, sie bei wachem Zustand zu hören als im Schlaf, also unterdrückte ich diese Müdigkeit, die meinen Verstand anbettelte, meinem Körper Ruhe zu schenken.
    Plötzlich fragte mich (d/n), warum ich nicht schlafen würde, also erzählte ich es ihr kurz. Sie nickte nur knapp. Sie konnte nicht verstehen, durch was ich durchmusste. Sie wusste zwar von meinen Schlafstörungen, weil Yoongi es ihr erzählt hatte, aber nachvollziehen konnte sie sie nicht wirklich. Weder sie, noch Yoongi noch irgendwer anderes. Es war etwas, das nur ich wirklich kannte und diese Einsamkeit in diesem Wissen machte mich nahezu depressiv. Doch auch das schloss ich einfach aus meinen Gedanken aus, versuchte, positiv zu bleiben und redete mir selbst ein, dass ich nicht dem Wahnsinn verfallen war. Ob es so aber nun wirklich so war... das wusste ich selbst nicht.

    Wieder kam es zu einer Landung und wir begaben uns auf den Weg zu der Schatzkammer, in der unsere Kräfte aufbewahrt waren. Es dauerte etwas, dort hinzugelangen, da Akikos körperliche Behinderung uns den Weg erschwerte. Zwischendurch mussten wir ihr etwas helfen, doch letztendlich schafften wir es in die Schatzkammer des Tempels. Nur noch die Zeit-Barriere mussten wir überwinden. Auch das war keine Schwierigkeit - immerhin hatten wir Daichi dabei. Kurzerhand löste er sie auf und wir betraten den Raum. Schon von Weitem kamen mir die Stimmen all der Verstorbenen entgegen. Ich wusste nicht, ob die anderen sie vielleicht auch hörten, da Jungkook mir erzählt hatte, dass er sie beim letzten Mal kurz gehört hatte. So war es wohl auch bei allen anderen gewesen, doch ob sie sie auch jetzt noch hörten, konnte ich nicht sagen. Ich hörte sie seit diesem Moment an nämlich durchgängig, was bei dem Rest ja nicht der Fall war.
    Ich sah mich um in der Halle, in welcher alles genauso aussah wie, als wir sie verlassen hatten. Mein Blick blieb an den Schlafpolstern hängen - an dem von Karolin. Dort hockte eine Gestalt, im Schneidersitz und schaute mich an. Ihre dunklen Augen blitzten mir entgegen und ihr langes, dunkles Haar fiel über ihre Schultern. Das vertraute Gesicht lächelte mich an und ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Träume ich? Bin ich wirklich verrückt? Sie ist tot. Sie kann dort nichts sitzen...

    Auf einmal meinte Daichi, wir sollten uns ruhig ein wenig verteilen und uns in Erinnerungen schwenken. Um mich herum strömten die anderen dann aus und ich beschloss, zu überprüfen, ob es nur eine Fata Morgana war, die ich sah. Mit unsicheren Schritten lief ich auf das Polster zu, auf welchem die tote Besitzerin hockte - Karolin. Ich war nur noch wenige Schritte entfernt und die Tote blieb genauso still dort sitzen. Ihr Blick verfolgte jeden einzelnen meiner Schritte und ich blieb einen Meter vor ihr stehen. Jetzt erkannte ich jeden einzelnen Gesichtszug von ihr. Sie sah genauso aus wie vor ihrem Tod, als ich sie das letzte Mal gesehen hatte. Jedoch zierte diese Brandnarbe ihr Gesicht, die Irina ihr kurz vor ihrem Tod zugefügt hatte. Somit hatte sie Ähnlichkeit mit Preecha. Die Narbe war nur oberflächlich, entstellte das Mädchen nicht. Es war lediglich eine rötliche Verfärbung, die sich über ihre Wange und ihren Hals erstreckte.
    Ich schwieg, als ich vor ihr stand, war wie eingefroren, bis sie breit lächelte und plötzlich Worte aus ihrem Mund kamen:„Hallo, Hobi." Mit offenem Mund schaute ich auf sie herab und stammelte:„Du- du bist tot... Wie- kannst du reden?" Die Tote kicherte:„Willst du dich nicht erstmal hinsetzen?" Verlegen nickte ich und ließ mich nieder, ihr gegenüber, auf meinem alten Schlafpolster. Wieder stellte ich jetzt meine Fragen und endlich antwortete die tote Freundin:„Ja, ich bin tot. Mein Körper ist dem Verfall versprochen, doch meine Seele ist geblieben." Ich fragte voller Angst vor der Antwort:„Bist du ein Produkt meiner Fantasie? Bin ich verrückt?" Karolin lächelte, schüttelte den Kopf und sprach:„Nein, ich bin wirklich hier. Du bist nicht verrückt. Dir wurde nur eine Aufgabe übertragen, die dir die Möglichkeit gibt, mit den Toten dieser Erinnerung zu sprechen." Vollkommen verwirrt schaute ich meine verstorbene beste Freundin an und fragte:„Wie meinst du das? Welche Aufgabe? Ich verstehe nicht..." Ruhig erwiderte Karo:„Du bist der Seelensprecher. Er ist Teil dieser Legende. Es ist ein Überlebender, der Kontakt zu den Toten dieser Legende aufnehmen kann. Das ist nichts mit Voodoo oder so, sondern eine Kraft, wie die von Daichi. Es ist etwas, was kaum zu verstehen ist, aber Teil der Legende. Es ist keine psychische Störung oder sonst etwas, sondern wie ein Geschenk. Weißt du, nachdem unsere Kräfte hier hingebracht wurden und ihr diesen Ort als neuen Standort der Legende ausgewählt habt, haben unsere Seelen auch ihre Unterkunft hier gefunden. Wir alle wohnen jetzt hier. Ich, Malou, Lorenzo, Jimin und all die anderen. Auch Callum und seine Leute sind hier, aber auch die Toten von vergangenen Jahren, die Teil dieser Legende wurden. Mit unserer neuen Generation musste auch ein neuer Seelensprecher auserwählt werden.
    Du weißt vielleicht, dass ihr uns alle kurz gesehen und gehört habt, als ihr hier vor etwa einem Jahr standet. Das war der Moment, in dem du gewählt wurdest. Jeder hat deine Kraft für einen Moment erfahren, aber letztendlich ausgesucht wurdest du." Überfordert mit diesem ganzen Wissen fragte ich:„Aber warum wurde ich auserwählt und nicht irgendwie Tae oder so?" Kurz zuckte Karolin mit den Schultern und meinte:„Das weiß ich doch nicht. Es ist quasi ein Zufallsprinzip. Damit haben wir Tote nichts zu tun, aber ich bin ganz froh, dass du es bist, wenn ich ehrlich bin. Ich habe dich irgendwo vermisst..." Ein verlegenes Lächeln breitete sich im Gesicht der Österreicherin aus und auch ich lächelte sanft:„Ich habe dich auch vermisst." Leiser fügte ich hinzu:„Und vor allem habe ich mir die Schuld für deinen Tod gegeben..." Laut seufzte die 15-jährige und meinte:„Hobi, du weißt, dass es nicht deine Schuld war. Es war MEINE Entscheidung und ich habe sie getroffen, weil ihr mir wichtig seid. Ich wollte euch nicht verlieren und deswegen habe ich mich geopfert. Du hattest rein gar nichts damit zu tun, Hobi und du hättest mich auch nicht davon abhalten können. Das hätte niemand gekonnt..." Verzweifelt murmelte ich:„Aber ich habe dich verloren!" Ein Schmunzeln erschien auf dem Gesicht meiner toten besten Freundin und sie fragte herausfordernd:„Hast du das wirklich?" Ich schaute nur auf, realisierte erst jetzt richtig, dass ich mit ihr sprach und sie lachte:„Hobi, du hast niemanden von uns verloren! Wir sind alle hier! Du hast jederzeit die Möglichkeit, mit uns zu reden, solange du hier bist." Im selben Moment tauchte plötzlich Jimin hinter mir auf und grinste mich an:„Na, Hobi?" Freudig, meinen Bandkollegen wiederzusehen, grinste ich breit und flüsterte leise seinen Namen. Er setzte sich jetzt neben Karolin und meinte:„Wir haben dich gerufen, weißt du? Wir wollten, dass du uns endlich mal besuchen kommst!" Überrascht fragte ich:„Ihr wart die Stimmen, die ich andauernd gehört habe?" Knapp nickte Jimin und fügte hinzu:„Wir wollten dir damit nicht auf den Sack gehen, aber es ist eigentlich fast schon unsere Pflicht gewesen, dich zu rufen. Nur so konntest du realisieren, dass du wirklich Seelensprecher bist. Aber keine Sorge, wir unterlassen das ab jetzt." Breit grinste Jimin, während ich erleichtert aufatmete:„Ich dachte, ich würde verrückt werden..." Beruhigend schüttelte Karo den Kopf und meinte:„Nein, das bist du nicht. Andererseits musst du trotzdem realisieren, dass wir tot sind und nicht WIRKLICH real. Ja, wir sind da, aber nur für dich. Du darfst nicht vergessen, dass wir nicht mehr leben." Jimin fügte hinzu:„Es ist wichtig, dass du wirklich dieses neue Kapitel in deinem Leben anfängst und mit uns abschließt. Das muss nicht heißen, dass du uns vergisst, sondern einfach, dass du weißt, dass wir tot sind." Verwirrt fragte ich:„Wieso?" Karolin seufzte:„Es gab für jede Generation dieser Legende einen Seelensprecher. Manche von ihnen haben vergessen, dass sie selbst leben und verbrachten nur noch Zeit mit den Toten. Nach einer Zeit vergaßen sie die Lebenden und wurden langsam wirklich verrückt. Sie versuchten, immer bei den Toten zu sein und verloren die Realität aus den Augen. Letztlich merkten sie gar nicht, wie die anderen starben und wurden wahnsinnig. Ich möchte nicht, dass dir das auch passiert, Hobi." Verwirrt hakte ich nach:„Aber warum muss ich euch dann als tot realisieren?" Jimin antwortete auf diese Frage:„Weil wir es sind. Die Aufgabe des Seelensprechers ist letztlich nur, die Erinnerungen an uns aufrecht zu erhalten. Es kam vor, dass der Seelensprecher mit anderen über seine Kraft sprach und diese dann auch immer mit den Toten sprechen wollten. Es ist aber wichtig, dass die Lebenden nicht zu sehr von uns Toten eingenommen werden. Ihr lebt, wir nicht. Irgendwann werden wir uns doch sowieso alle wiedersehen, also ist es wichtig, dass ihr euer Leben nicht aus den Augen verliert." Etwas enttäuscht fragte ich:„Also darf ich den anderen nicht davon erzählen?" Karolin schüttelte den Kopf:„Doch, darfst du. Aber du bist dazu verpflichtet, ihnen häufigen Kontakt zu uns zu verbieten. Deswegen solltet ihr uns wirklich nur jährlich besuchen." Leicht nickte ich verstehend und bemerkte plötzlich, dass Tae und (d/n) mich anschauten. In ihren Blicken konnte ich Skepsis lesen und Verwirrung. Daichi erzählte ihnen gerade etwas und sie schauten mehr oder weniger geschockt zu mir.
    Karo murmelte:„Sie können uns nicht sehen, deswegen verstehen sie es nicht zu 100%. Daichi weiß von der Kraft des Seelensprechers, aber er weiß nicht, ob es sie wirklich gibt. Im Buch wird sie lediglich als Legende erwähnt. Außenstehenden denken oft, diese Gabe sei einfach eine psychische Störung. Immerhin sind so viele dabei verrückt geworden. Das ist ein Grund mehr, weshalb du aufpassen musst." Langsam nickte ich nur:„Ich verstehe..."

    Ich unterhielt mich noch eine Weile mit Jimin und Karolin. Wir erzählten uns gegenseitig voneinander, wie es uns ging und all so etwas. Wir lachten viel und ich weiß, dass es seltsam ausgesehen haben muss. Immerhin sah der Rest mich alleine lachen.
    Federica und Namjoon kamen kurze Zeit später und setzten sich dazu. Ich zeigte ihnen, sie sollten sich neben mich setzen, da gegenüber von mir Karolin und Jimin saßen. Sie fanden es befremdlich, dass ich ihnen sagte, dass dort zwei Tote hockten, doch sie widersprachen nicht. Stattdessen murmelte Federica jetzt:„Hobi... Kannst du Jimin etwas von mir sagen?" Verwirrt nickte ich zögerlich, während ich sah, wie Jimin die Italienerin liebevoll anschaute. Diese sprach in der Zeit:„Kannst du ihm sagen, dass ich ihn vermisse und immer lieben werde?" Ich nickte und ohne, dass ich es sagen musste, antwortete Jimin:„Sag ihr, dass ich sie auch vermisse und liebe, aber sie loslassen soll. Sag ihr, dass sie mich nicht mehr lieben soll als die Lebenden. Sag ihr einfach, dass ich damit einverstanden bin, wenn sie eine Beziehung mit Joonie eingeht. Ich möchte, dass sie glücklich ist." Ich nickte, etwas überrascht, dass Jimin eine Beziehung zwischen Rica und Joon ansprach, doch ich gab diese Worte weiter. Ich sah, wie sich eine Freudenträne in Federicas Augen bildete und sie flüsterte leise:„Danke..."

    Der Tag verging und wir verbrachten noch eine Zeit in dem Gebäude, das Hisokas Hauptquartier darstellte. Tatsächlich hatte ich in der Schatzkammer auch ihn gesehen. Er schien jedoch nicht wirklich oft dort zu sein. Laut Karolin konnte man als Seele nämlich entweder dort sein oder im sogenannten „Jenseits". Was dies genau war, wollte sie mir nicht verraten.
    Auf jeden Fall hatte ich mich den Tag über noch mit sowohl Jimin und Karolin, als auch mit Lorenzo und Malou unterhalten. Auch ein paar der Fremden hatte ich kurz aufgesucht. Hauptsächlich war ich jedoch bei Karolin und Jimin. Es war schön bei ihnen gewesen und ich war erleichtert, dieses Gespräch mit ihnen gehabt zu haben.
    Seitdem hatte ich ihre Stimmen auch nicht mehr gehört und ich hatte das Gefühl, dass mein Körper langsam wieder zur Ruhe kam. Nun war ich mir sicher, dass ich nicht verrückt war.

    Ich saß nun auf meinem Bett in Hisokas Hauptquartier. Wir teilten uns jeweils zu zweit ein Zimmer und ich war mit Yoongi auf einem. Ich hatte ihm von allem erzählt und erst war er wirklich skeptisch. Er wollte es nicht verstehen und war durchaus kritisch, redete mir aber nicht dazwischen. Er wusste, dass ich davon überzeugt war und es mir damit besser ging. Er nickte nur und murmelte:„Dann hat dieses Treffen ja auf jeden Fall etwas gebracht. Aber du musst mir etwas versprechen." Fragend schaute ich ihn an:„Was?" Leise murmelte Yoongi:„Du musst mir versprechen, dass du auf Karolin hörst: Du darfst nicht vergessen, dass sie tot sind!" Ich nickte nur beruhigend:„Das werde ich nicht. Ich verspreche es."


    Moin Leute.

    Hier ist wieder ein neues Sonder-Kapitel. Diesmal aus Hobis Sicht.
    Soll ich noch mehr Sonder-Kapitel aus der Sicht von anderen Charaktere machen? Wenn ja, dann aus wessen Sicht und worum soll es in dem Kapitel genau gehen? Ich habe keine Ahnung, was euch so interessiert, deswegen lasst mir bitte ein paar Ideen da und ich schaue, was ich davon umsetzen kann.^^

    LG Emily W.


    15
    Kapitel 156 (Sonder-Kapitel)

    Hisokas Sicht

    Kalter Wind schlug in mein Gesicht und machte mir die Sicht beinahe unmöglich. Mir war kalt und ich zitterte am ganzen Körper, aber ich wusste, dass ich weiter musste. Ich redete mir ein, nur noch ein paar weitere Schritte tun zu müssen, bis ich auf der Spitze des Bergs ankommen würde. Regen prasselte auf meine Haut und in der Ferne hörte ich den Donner rollen. Zwischendurch zuckten immer wieder Blitze über den schwarzen Himmel und erleuchteten diese dunkle Welt für einen Augenblick. Die Kraft verließ mich langsam, aber ich konnte und wollte nicht aufgeben. Ich musste meinen eigenen Körper in Sicherheit wiegen, bis ich mit meiner eigenen Reise fortführen konnte.

    Endlich hatte ich mich hochgekämpft zu dem großen Gebäude auf der Spitze des Bergs. Einen Moment blieb ich vor der gewaltigen Tür stehen und las den Schriftzug über dem Türrahmen. Ich erkannte, dass es sich bei dem Gebäude wohl um ein Kloster handeln musste und ich überlegte nicht lange, bis ich heftig an die knarrende, schwere Holztür hämmerte. Ich wollte möglichst bald rein. Es war mir nicht geheuer, bei Sturm auf einer hohen Position zu stehen, aber es gab keinen anderen Unterschlupf. Das nächste Dorf war mehrere Kilometer entfernt und meine Beine taten vom ganzen Laufen schon weh. Ungeduldig, wie ich war, hämmerte ich erneut mit aller Gewalt gegen die Tür, in der Hoffnung, dass sie mir endlich jemand öffnete. Mein Gebet wurde wohl erhört und das Tor öffnete sich einen Spalt. Warme Luft strömte mir von innen entgegen und mir schauten zwei Männer entgegen. Sie schauten mich fragend an und sprachen:„Können wir Ihnen helfen?" Der Mann sprach thai und ich verstand es nur so gerade eben. Ich verstand nur wenig von dieser Sprache, aber es reichte aus. Ich schaute inzwischen nur auf, mit finsterem Blick und schwieg, während mir das Regenwasser die Wange herunter floss. Ich war schon immer stumm, wie sollte ich ihnen antworten? Obwohl ich keine Antwort gab, ließen mich die Männer in den langen Gewändern hinein und schlossen schnell die Tür hinter mir. Es kamen weitere Mönche hinzu, nahmen mir mein Gepäck ab und führten mich in einen recht großen Raum mit gewaltigem Kamin. Man brachte mich zu diesem und ich setzte mich augenblicklich vor das heiße Feuer. Ich wärmte mich daran und man fragte wieder:„Wie können wir Ihnen helfen?" Diesmal antwortete ich in Lautsprache, hoffend, dass auch nur einer dieser Trottel mich verstand. Doch vergebens, sie schauten sich nur verwirrt an, bis endlich jemand murmelte:„Ich glaube, er ist stumm..." Ich nickte nur als Antwort und ein anderer murrte nachdenklich:„Preecha wird ihn verstehen. Bringt ihn her!" Gehorchend nickten die anderen und der kleinste von ihnen rannte los, auf der Suche nach diesem Preecha.
    Der wohl führende unter ihnen fügte jetzt hinzu:„Holt dem Mann trockene Kleider und bereitet ihm ein warmes Mahl!" Wieder rannten zwei los, diese neuen Befehle befolgend. Ich blieb in der Zeit vor dem Kamin sitzen und wartete darauf, dass etwas geschah.

    Es dauerte nicht lange, bis alle drei Mönche wieder da waren. Der erste brachte mir trockene Klamotten, der zweite führte mich in den Speisesaal und der dritte erzählte prustend:„Preecha ist im Moment im Gebet, wird aber in einigen Minuten kommen." Zufrieden nickte der andere, während mir mein Essen vorgesetzt wurde. Schweigend aß ich nur, glücklich, dass ich endlich im Warmen war und nicht mehr weiter hungern brauchte. Die Gläubigen unterhielten sich neben mir, aber ich hörte gar nicht zu. Erst, als die Tür plötzlich aufgestoßen wurde und ein Junge hereinkam, wurde ich wachsam. Der Jugendliche eilte auf die anderen zu und fragte:„Ihr habt mich rufen lassen?“ Der wohl mächtigste unter ihnen nickte knapp und meinte:„Ein stummer Wanderer. Wir brauchen deine Gebärdensprache.“ Dabei deutete der Mann auf mich und der Junge fuhr zu mir herum. Erst jetzt konnte ich ihn auch vernünftig sehen. Er war normal groß für einen Jungen seines Alters, welches ich auf 15 Jahre schätzte und er trug eine lange, braune Robe. Sein schwarzes Haar war etwas länger und hing in einem Mittelscheitel nach unten bis etwa zu seinem Kinn und vielleicht noch etwas kürzer. Seine dunklen, schmalen Augen musterten mich neugierig und eine rot-violette Brandnarbe zierte sein Gesicht. Ich schaute ihn ebenso neugierig an und er begrüßte mich:„Hallo, mein Name ist Preecha. Ich bin kein richtiger Ordensbruder, lebe hier aber seit einiger Zeit und engagiere mich im Kloster.“ Nachdenklich nickte ich und antwortete von mir aus auf Gebärdensprache:„Mein Name ist Hisoka. Ich bin auf Durchreise und komme aus Japan. Ich suchte hier einen Unterschlupf, da das Dorf so weit entfernt ist.“ Überrascht meinte Preecha:„Oh, verstehen Sie die Sprache denn vernünftig?“ Schnell meinte ich:„Ich verstehe genug. Alles, was ich brauche...“ Doch der Junge antwortete plötzlich auf japanisch:„Ich kann mit Ihnen auch auf Ihrer Sprache reden.“ Überrascht nickte ich nur und stellte keine Gegenfrage. In der Zeit aß ich weiter, während sich der Junge weiter mit seinen Brüdern unterhielt.
    Schließlich wandte er sich wieder zu mir und meinte:„Wir können Ihnen für einige Nächte ein Zimmer bereitstellen. Meine Brüder haben beschlossen, dass Sie in das freie Bett meines Gemachs untergebracht werden können.“ Zufrieden nickte ich knapp, aß den letzten Löffel Suppe und erhob mich.

    Als hätte ich etwas gesagt, führte mich der Junge in das besagte Zimmer und ich setzte mich ohne ein weiteres Wort auf das freie Bett. Ich hatte keine Zeit, mich großartig zu unterhalten. Ich wollte mich meinem Ziel widmen und zog ein Buch aus meiner Tasche. Es war das Buch, das die Geheimnisse der Legende, weshalb ich unterwegs war, beherbergte. Die Legende barg die Kräfte der Naturgewalten, welche von bestimmten Menschen beherrscht werden konnten. Durch diese konnte ich an die Macht gelangen, die ich immer haben wollte. Die Legende befand sich lange in der Obhut unserer Familie und im Grunde genommen hatte ich alle Mittel zur Verfügung. Doch mir fehlte eine winzige Fähigkeit: Erkennen zu können, wer die Fähigkeit hatte, eine Kraft zu beherrschen. Dies war das Geheimnis, dem ich noch auf der Spur war und mein einziger Hinweis war momentan ein sogenannter Pierre, der irgendwo in Thailand wohnte. Deswegen war ich auch hier.
    In meinem Buch schrieb ich mir alles auf und ich musste noch einiges aufschreiben. Dem widmete ich mich jetzt, während der Junge auf seinem eigenen Bett saß und ebenso schwieg.

    Nach einer Weile schaute ich auf, hatte das Schreiben beendet. Der Junge mit der Brandnarbe hockte im Schneidersitz auf seinem Bett und las. Sein Haar fiel dabei auf diese Narbe und ich wurde neugierig. Da ich nicht sprechen konnte, gaffte ich ihn einfach an, bis auch er aufschaute. Verlegen lächelte er und ich fragte:„Was liest du?“ Genauso ruhig erzählte der Junge:„Nur ein Gebetsbuch.“ Langsam nickte ich und fragte wieder:„Sag mir, woher kannst du japanisch sprechen? Du siehst nicht so aus, als hättest du Wurzeln dort.“ Preecha erzählte:„Im Kloster macht man nicht sehr viel außer beten und lernen. Ich habe mich eher dem Lernen gewidmet und lerne eben vor allem Sprachen. Ich kann zusätzlich noch drei andere Sprachen. Ich habe sonst nicht viel zu tun.“ Wieder nickte ich nur und hakte nach:„Warum bist du hier und nicht zuhause? Du hast sicher nicht immer hier gelebt, oder?“ Etwas bedrückt erklärte der Junge:„Nein, nicht seit immer. Es hängt auch mit meiner Narbe zusammen. Da haben Sie sich bestimmt auch gefragt, was es damit auf sich hat... Ich werde die Kurzfassung erzählen: Als ich 6 Jahre alt war, lebte ich mit meiner Familie auf einem Hof. Er gehörte nicht uns, aber wir waren Angestellte. Eines Tages brach dort ein Feuer aus und ich war darin gefangen. Ich versuchte, einen Ausweg zu finden, sah Menschen sterben und kam letztlich mit den Zwillingen der Hausfrau heraus. Doch die Flammen leckten an meiner Haut und hinterließen die Narben. Auch der eine Säugling starb noch, aber an einer Rauchvergiftung. Es überlebten letzten Endes nur der eine Zwilling, der Hausherr und ich. Alle anderen, auch meine Familie, waren in dem Feuer gestorben. Da ich kein Zuhause mehr hatte und auch keine Familie, wurde ich in dieses Kloster geschickt. Seitdem lebe ich eben hier.“ Ich bemitleidete den Jungen:„Der Tod kann schrecklich sein. Ich habe meinen Vater auch verloren... Aber er ist nun mal unausweichlich. Letztlich macht der Tod uns stark und gibt uns Macht. Manchmal ist es besser so.“ Leicht verstört schaute der Junge mich an und ich wechselte das Thema:„Sind die Brüder denn gut zu dir?“ Knapp nickte der Junge nur und fragte plötzlich auch etwas:„Haben Sie jetzt noch Familie?“ Kurz nickte ich:„Ja, eine Frau und zwei Kinder.“ Verwirrt fragte Preecha:„Und Sie haben sie einfach alleine gelassen?“ Ich zuckte mit den Schultern:„Sie können sich um sich selbst kümmern. Ich bin oft auf Reisen, sie sehen mich nicht viel. Außerdem ist meine Reise wichtig. Ich bin schon seit Jahren unterwegs.“ Darauf horchte der 15-jährige auf und fragte:„Was suchen Sie denn und warum?“ Auf diese Frage antwortete ich nicht mehr, sondern stand auf und meinte:„Ich werde nun ein Bad nehmen und danach ins Bett gehen.“ Somit ging ich dem Gespräch direkt aus dem Weg und begab mich in das Badezimmer. Ich konnte ihm nicht davon erzählen. Wenn meine Pläne an die Öffentlichkeit gelangten, würde ich in die Psychiatrie geschickt werden. Daran gab es keine Zweifel.

    Ich hatte mein Bad vollendet und mir neue Klamotten angezogen. Ruhig ging ich wieder in das Schlafzimmer und entdeckte Preecha in seinem Bett, schlafend. Er hatte seine Gewänder abgelegt und schlief nur in T-Shirt und kurzer Hose. Seine Arme hingen unter der dünnen Decke hervor und ich erkannte auch dort noch mehrere Narben. Kurz beäugte ich diese und legte mich dann in mein eigenes Bett. Ich löschte noch die Kerze an meinem Bettrand, aber es dauerte noch einem Moment, bis ich einschlief. Ich dachte nach, über all die Sachen, die ich mit Preecha ausgetauscht hatte. Ich erinnerte mich an meine Familie. An meine Frau, meine Tochter und meinen Sohn. Ich liebte meine Familie, ja, aber sie waren mir nicht wirklich wichtiger als die Macht, auf dessen Suche ich war. Meine Tochter Akiko war gerade mal 8 jahre alt, während ihr Bruder Daichi bereits 12 Jahre alt war. Die Mutter der beiden Kinder? - Die hatte ich in der Zeit stehen lassen. Sie hatte mich von meinen Plänen abhalten wollen und so musste ich sie irgendwie loswerden. Ich wollte sie nicht gleich umbringen, also gefror ich sie in der Zeit. Wir hatten uns vor vielen Jahren kennengelernt und ich hatte mich in sie verliebt. Irgendwann erzählte sie mir davon, dass ihre Ahnen Teil einer Legende waren - Teil der Legende, die meine Familie stets geborgen hatte. Ich hatte nun versucht, sie der Kraft auszusetzen, die ihre Ahnen beherrschten - die Kraft des Lichts. Tatsächlich funktionierte es so. Sie beherrschte das Licht und wirkte nahezu wie ein Engel, wenn sie damit spielte. Erst hatte ich dann gedacht, ich hätte das Geheimnis gelüftet - einfach die Nachfolger der letzten Auserwählten. So begab ich mich auf dem Weg eines weiteren Nachfahren und spritzte ihm die Kraft. Doch es funktionierte nicht bei ihm. Vielmehr nahm es ihn auseinander und er starb jämmerlich an der Kraft. So musste ich also doch noch weiter. Als ich dann fort gewollt hatte, um das Geheimnis zu lüften, hatte meine Frau mich aufhalten wollen. Dort hatten wir bereits die Kinder und sie schrie mich an, dass ich die Familie nicht aufgeben könne für diese blöde Macht. Allerdings war mir meine Familie nie so wichtig, also schaltete ich die Mutter meiner Kinder aus und ging fort. Für diese Zeit besorgte ich mir eine Art Hausfrau, die auf die Kinder aufpasste.
    Mittlerweile waren fast 3 Jahre vergangen, seit ich meine Kinder das letzte Mal gesehen hatte. Irgendwo vermisste ich sie, glaube ich. Doch ich schlug mir den Gedanken aus dem Kopf. Ich durfte einfach nicht daran denken und musste weitermachen. Ich wusste, dass ich alleinig mit Macht weiterkommen würde. Das hatte meine Kindheit mir gezeigt. Mit Macht kann man alles erreichen. Ich erinnerte mich an meinen Vater, der getötet worden war, meine Mutter die verschleppt worden war und an all das Leid, das uns allen widerfahren war. Der einzige, der kein Leid erfahren hatte, war der mächtigste. Seither wusste ich, muss ich der mächtigste sein, um mein eigenes Leid zu verhindern. Ich wollte nicht einen Tag weiter der schwache Junge sein, der hin- und hergeschubst wurde und nur alles verlor. Mein Vater hatte die passenden Pläne dazu gehabt und nun musste ich diese wieder ins Leben bringen, um mein Leben in Macht wiegen zu können.

    Ich schlief fest, bis jemand eher unsanft an mir rüttelte und ich vernahm Preechas Stimme:„Es ist Zeit, aufzustehen.“ Verwirrt schlug ich die Augen auf und warf einen Blick auf die Uhr, um festzustellen, dass erst 05:00 Uhr morgens war. Sofort beschwerte ich mich:„Es ist doch erst fünf!“ Preecha grinste und meinte:„Sie können auch weiterschlafen, aber ich habe gedacht, Sie würden vielleicht gerne mit uns beten.“ Schnell zeigte ich:„Ich bin nicht gläubig.“ Kurz zuckte der 15-jährige mit den Schultern und erwiderte:„Na gut, dann schlafen Sie weiter. In zwei Stunden müssen Sie eh raus aus dem Bett.“ Mit den Worten verließ der Junge in seiner vollen Robe das Zimmer und ich lag mehr oder weniger schlafend im Bett. Müdigkeit umschlug mich, aber ich konnte nicht wirklich wieder einschlafen. Also entschied ich mich nach einer Zeit doch dazu, aufzustehen.

    Gähnend schlenderte ich über den Flur des Klosters und hörte gedämpften Gesang aus einem Saal. Dies musste wohl ein Ort des Gebets gewesen sein. Ich lief weiter, schaute mich um, bis ich an der Bibliothek vorbeilief. Ich blieb vor der Tür stehen, öffnete sie vorsichtig und ging hinein. Ich erkannte, dass ich alleine war und ich fing an, mich umzuschauen. Vielleicht finde ich hier noch etwas Brauchbares.
    Tatsächlich gab es viele Bücher über Magie und alte Legenden, aber keines, das für mich von Nutzen war. Letztlich hatte ich mehr als eine Stunde dort verbracht und ging wieder. Ich trottete weiter, bis ich in den Türmen angelangte. Ich kraxelte die Treppen hoch, bis ich irgendwann ganz oben stand, an der frischen Luft und von dem Berg einen überwältigenden Ausblick auf die gesamte Umgebung hatte. Das dunkle Laub der Bäume hob sich zwischen dem dichten Nebel des Morgens ab und Flüsse schlängelten zwischen ihnen her, gerade so zu erkennen. Es war eine geheimnisvolle Landschaft und ich genoss es, hier zu sein. Einige Minuten stand ich dort, bis ich von einer Stimme aufgeschreckt wurde:„Hier sind Sie also!“ Ich fuhr herum und erblickte Preecha. Seine Brandnarbe und sein dunkler Blick ließen ihn in mitten des Nebels etwas gefährlich wirken, doch ich wusste, dass er es keineswegs war. Ich antwortete ihm:„Ich habe mich umgeschaut.“ Gelangweilt nickte der 15-järhige und murrte:„Es wird nun gefrühstückt.“ Knapp nickte ich dann und folgte ihm.

    Das Frühstück war vorbei und ich stand wieder in meinem Zimmer, packte meinen ganzen Kram zusammen. In dem Moment kam Preecha wieder rein und fragte:„Wollen Sie schon wieder gehen?“ Kurz nickte ich wieder und erklärte:„Ich muss weiter. Am besten bin ich bald am Ziel.“ Fast schon etwas enttäuscht wirkend nickte der thailändische Junge und begleitete mich letztlich zur Tür. Er verabschiedete sich bei mir und ich nickte kurz. In diesem Moment sah ich ein Glitzern in seinen Augen, als würde Feuer durch dieses zischen, doch dies kam wohl von der Kerze, die am Tor stand. Schnell winkte ich ihm dann noch zu und drehte mich weg. Irgendwie war ich etwas traurig. Der Junge erinnerte mich an meinen Sohn. Er war ihm zwar eigentlich nicht ähnlich, doch er war ein Kind und es sehnte mich danach, meine eigenen wiederzusehen. Doch auch hier verdrängte ich den Gedanken wieder und lief weiter.

    Nach einigen Stunden war ich nun in dem Dorf angekommen, welches ziemlich klein war und ich stand auf dem ebenso winzigen Marktplatz. Die Bewohner starrten mich neugierig an, kannten mich nicht und ich ignorierte sie nur. Irgendwo hier in der Gegend musste der wohnen, den ich suchte und ich suchte nach seinem Namen auf irgendeinem Namensschild. Doch so recht fand ich nichts, also tippte ich einen Bürger an und zeigte ihm einen Zettel, auf den ich meine Frage geschrieben hatte. Etwas verwirrt schaute mich der Mann über diese Geste erst an, zeigte mir aber dann den Weg. Dankend nickte ich schnell und begab mich auf den Weg, doch ich spürte den Blick des Mannes noch lange auf meinem Rücken. Es war mir irgendwie unangenehm, so angestarrt zu werden. Ich wusste, warum - weil ich ihn nicht gefragt hatte - aber es war unangenehm. Die meisten Leute musste ich immer per Schrift fragen, weil sie einfach keine Lautsprache beherrschten und es nervte mich. Ich war nur froh, dass Pierre, den ich ja suchte, sie verstand.

    Nach fünf Minuten war ich dann auch vor seinem kleinen Haus angekommen und klopfte an die Tür. Wenige Sekunden später öffnete sie sich auch und das vertraute Gesicht sah mir entgegen. In seinem Blick konnte ich deutliche Überraschung lesen und ich schmunzelte. Schnell ließ er mich herein und fing direkt an, zu reden:„Hisoka, was erweist mir die Ehre?“ Ich antwortete:„Ich muss wissen, wie man die Auserwählten findet.“ Belustigt grinste der Franzose und deutete auf einen Stuhl, welchen ich besetzen sollte. So tat ich es auch, während der Mann weiter plapperte, ohne auf meine Aussage einzugehen:„Magst du Tee?“ Kurz nickte ich nur und wollte weiter erzählen, doch Pierre fragte:„Mit Zucker oder ohne?“ Schnell meinte ich, dass ich ihn ohne wolle und wollte weiter meine Zeichen machen, doch der Mann wandte sich mit dem Rücken zu mir. So blieb mir nichts Anderes übrig, als einfach zu warten, bis der Mann sich zu mir setzte.
    Endlich setzte er sich dann, schob mir meinen Tee zu und ich wiederholte mein Begehren, doch Pierre murrte:„Ach, Hisoka. Jetzt hör mal auf mit deinen blöden Auserwählten und erzähle mir, wie es dir geht!“ Ich verdrehte die Augen und erzählte knapp:„Gut.“ Ohne mich mein Begehren zum dritten Mal stellen zu lassen, fragte Pierre:„Seit wann bist du hier in dem Dorf?“ Sichtlich genervt meinte ich:„Seit 10 Minuten oder so. Pierre, ich will nicht mit dir plaudern, sondern bin hier, um dich zu fragen, wie man die Auserwählten findet. Ich weiß, dass du etwas weißt und ich lasse mich nicht länger aufhalten! Seit Jahren suche ich danach!“ Überrascht setzte Pierre seinen Tee ab und hakte provokant nach:„Seit Jahren? Was ist mit deiner Familie?“ Wütend schlug ich auf den Tisch und sprach in Lautsprache:„Ich habe sie lange nicht gesehen, OK? Jetzt beantworte endlich meine Frage.“ Auf einmal lachte der Mann:„Tut mir leid, aber ich kann dich nicht ernst nehmen, wenn du wütend bist! Deine Handbewegungen drücken einfach keinen Zorn aus!“ Mein Blick verfinsterte sich wieder und ich seufzte, während der andere weitersprach:„Hisoka, wir haben uns seit Jahren nicht gesehen und du stellst direkt all die unnötigen Fragen!“ Verwirrt fragte ich:„Unnötig? Es ist wichtig für mich!“ Ruhig murmelte Pierre:„Nein, es ist nicht wichtig. Warum sollte es das sein? Du verlierst aus den Augen, was wirklich wichtig ist. Siehst du das nicht, mein Freund? Du hast seit Jahren deine Familie nicht gesehen!“ Kurz stockte ich und erzählte aufgebracht:„Es ist wichtig! Ich tue es doch quasi für sie! Ich brauche die Macht, um sie vor dem Leid beschützen zu können!“ Herausfordernd fragte Pierre:„Du willst SIE vor Leid beschützen? Du bist nicht einmal bei ihnen und das zeigt nur, dass du bereit wärst, sie für deine Macht zu opfern, was rein gar nichts mit Beschützen zu tun hat.“ Es machte mich wütend, den Mann so sprechen zu hören und ich packte ihm kurz an den Kragen, bevor ich meine Zeichen machte:„Du weißt das doch alles nicht! Und selbst wenn es so ist, ist es mir egal! Es ist besser, jemanden nicht richtig zu lieben, bevor du sie auf ewig verlierst, wie es bei meinen Eltern war! Verstehst du nicht, dass nur der lieben darf, der Macht hat? Du wirst nur enttäuscht, wenn du liebst! Ich brauche die Macht, um zu lieben!“ Vollkommen entspannt schlürfte der mir gegenüber weiter seinen Tee und murmelte:„Und du denkst, dass Macht dich vor Enttäuschung beschützt? Was, wenn deine Liebsten Krankheiten bekommen und daran sterben? Da wird dir selbst Macht nicht helfen!“ Wieder packte mich die Wut, aber ich versuchte, mich selbst zu beruhigen und meinte:„Aber sie verbessert meine Chancen! Pierre, sag mir einfach, was du weißt und ich werde abhauen!“ Leise fragte der Mann:„Um deine Familie dann weiter im Stich zu lassen? Hisoka, du brauchst die Macht nicht.“ Doch ich ließ mich nicht abbringen und erwiderte:„Doch, ich muss sie haben! Du hast keine Ahnung, was bei mir im Kopf vorgeht!“ Nachdenklich und gleichzeitig provokant murrte der Franzose:„Ja, da hast du recht. Ich werde es aber auch nie nachvollziehen können.
    Aber leider, Hisoka, muss ich dir sagen, dass ich genauso wenig Ahnung habe wie du, was die Legende angeht.“ Aufgebracht fragte ich:„Aber du bist Nachfolger des letzten Seelensprechers! Ich weiß, dass die Geschichten an dich weitergegeben wurden! Irgendetwas musst du wissen!“ Seinen Tee trinkend erzählte Pierre:„Ich kenne die Auserwählten, aber nicht, wie sie gefunden wurden, Hisoka. Ich kann dir höchstens einen Hinweis geben.“ Erwartungsvoll schaute ich ihn an und er sprach weiter:„Der jetzige Ort der Seelen ist nicht bei den Kräften, wie du weißt, sondern an dem Ort ihrer Tode. Die letzten Auserwählten hatten keinen „Gewinner“, weil sich der letzte umgebracht hat, nachdem er den letzten getötet hatte, nur um ihm die Macht nicht zu geben. Die Ruhestätte der Seelen ist in dem Wald, in dem er sich selbst angezündet hat. Dort könntest du Hinweise finden. Du weißt, du bist nicht der Seelensprecher, aber mein Großvater erzählte, dass es manchmal Mutationen der Seelen gab, die bewirkte, dass auch andere die Stimmen hörten. Gehe dort hin und versuche, die Seelen zu hören!“
    Ich seufzte leise, entmutigt, dass ich noch weiter suchen musste. Pierre schaute mich dann von der Seite an und fragte plötzlich:„Wie? Keine Lust mehr auf das ewige Suchen?“ Ich erklärte bedrückt:„Weißt du, ich suche schon seit Jahren. Ich habe mich irgendwo von allem abgewandt, was ich liebte und so langsam verliere ich den Kontakt.“ Der Franzose lehnte sich unbekümmert zurück und murmelte:„Aber Macht ist doch wichtiger als Liebe? Hast du gesagt.“ Verlegen meinte ich:„Ja, aber auch nur, weil sie mir Leid erspart.“ Herausfordernd hakte Pierre nach:„Also willst du sagen, dass Liebe ein Träger von Leid ist und du die Macht nutzt, um Gier in dir hervorzurufen? Genauso klappt das nämlich. Mehr Macht führt dazu, dass du immer mehr willst und die Menschen um dich herum verlieren ihren Wert. Es ist wie eine Inflation. Du beschützt sich nicht vor Leid, sondern veränderst deine Sichtweise auf die Welt! Du suchst nach anderen Hauptgütern, die dein Leben erfüllen sollen.“ Verwirrt schaute ich den Mann an, gleichzeitig verunsichert und wollte etwas sagen, doch mein alter Freund murrte weiter:„Hisoka, du verlierst deinen Charakter. Du verlierst deinen Charakter, dein Mitgefühl und dich selbst. Du veränderst dich zu einem Menschen, der du nicht sein solltest! Du warst früher nie so! Warum gibst du es nicht einfach auf und lebst ein Leben? Deine Frau, deine Kinder, sie könnten ein wunderbares Leben haben, mit dir an ihrer Seite.“ Kurz dachte ich über die Worte nach, fing an zu zweifeln, aber besinnte mich wieder:„Nein, ich ermögliche ihnen dieses wunderbare Leben doch gerade erst! Ich sorge dafür, dass sie das Leben haben, dass ich nie haben konnte! Du kannst mir nichts davon sagen und jetzt lass mich in Ruhe!“ Wütend stand ich von dem Tisch auf, stellte meine Tasse ab und stapfte aus dem Raum, geradewegs auf den Ausgang zu. Doch Pierre rief mir hinterher:„Sieh dich vor, Hisoka! Bald schon wirst du erkennen, dass die Macht dich gierig macht! Deine Ziele werden sich ändern und deine Kinder werden leiden. Du gibst ihnen genau so ein Drecksleben wie du es hattest! Denk über meine Worte nach, aber wenn du bei deinem Plan bleibst, will ich dich nie wiedersehen!“ Einen winzigen Moment hielt ich inne, schüttelte aber zu mir selbst den Kopf und blendete aus, was der Mann sagte. Verärgert und mit eisernem Willen verließ ich sein Haus.

    Der dunkle Nebel des Waldes umhüllte mich, die Kälte lief mir den Rücken hinunter und Schatten bewegten sich hinter den wuchernden Ranken. Eine Art Ehrfurcht machte sich in mir breit und ich drehte mich um. Vor mir erblickte ich das starre Gesicht, wie gefroren, doch lebendig wirkend. Die dunklen Augen blitzten hervor und ich nannte meine Zeichen:„Seid gegrüßt. Ich bin der jetzige Hüter der Legende. Es wird Zeit, dass sie wieder auflebt. Ihr wart der letzte, der die Macht gehabt hätte, Leben hervorzurufen, bevor Ihr Euch umgebracht habt. Ihr kennt sein Geheimnis, drum frage ich Euch: Wie finde ich die Auserwählten?“ Ernst schaute der Mann mich an und erwiderte in tiefer Stimme:„Ich sehe keinen Sinn, die Kräfte aufleben zu lassen, doch einem Wächter darf man nicht widersprechen. Zwar bin ich tot und nur eine Mutation meiner Seele, doch werde ich es Euch erzählen.
    In den Augen werdet ihr die Kraft sehen. Nur ein Schatten seiner Seele, widergespiegelt in den Augen. Sind sie leer, ist es der Falsche, doch lodert eine Flamme, ein Wind oder eine andere Kraft, ist es der Richtige.
    Es wird eine lange Suche sein, aber wenn Ihr lange genug sucht, werdet Ihr sie finden. Doch seid gewarnt! Die Kräfte werden Unheil anrichten und sind Träger des Todes!“ Ich nickte:„Mir sind die Gefahren bewusst und ich werde sie gerne in Kauf nehmen.“ Mit diesen Worten wandte ich mich auch wieder ab und dachte nach. Das Geheimnis alleine liegt also nur in den Augen der Auserwählten... Ich muss ihnen nur in die Augen schauen und sehe darin, ob sie fähig sind oder nicht. Mich hat diese Reise lange Zeit benötigt, alleine den Wald zu finden, war eine Qual, aber nun kenne ich das Geheimnis. Obwohl Jahre verstrichen sind, weiß ich jetzt schon, wer dessen würdig ist. Ich sah die Kraft einst in seinen Augen und hielt sie für die Spiegelung einer Kerze. Preecha ist der erste Auserwählte, doch ich weiß, wer es noch beherrscht...

    Menschen strömten mir entgegen - bekannte Gesichter, die mich vollkommen überrascht anschauten. Eine Dame blieb vor mir stehen und fragte verwirrt:„Hisoka? Du bist von deiner Reise zurück? Es sind Jahre vergangen...“ Ich nickte nur knapp und erläuterte:„Ich habe gefunden, wonach ich suchte und kehre nun zurück, doch werde ich auch noch weiterreisen müssen, sobald ich hier fertig bin.“ Als Antwort nickte die Frau, welche eine Nachbarin war, nur und zog weiter, während ich geradewegs auf das Haus meiner Familie zuschritt. Es war groß, nahezu ein kleiner Tempel und dort lebten neben meinen Kindern mehrere Bedienstete. Es waren wieder Jahre verstrichen, wahrhaftig und ich war mir selbst nicht mal mehr sicher, wie alt meine Kinder jetzt sein mussten. Ich öffnete nur die Tür und trat in einen Raum, welcher gleich zwei Bedienstete barg. Als sie mich sahen, verbeugten sie sich kurz und einer sprach:„Ihr seid zurück...“ Ich nickte nur und gab ein Zeichen, dass die zwei abziehen sollten. So taten sie es und ich lief weiter, in das Zimmer meiner Tochter Akiko.
    Als ich die Tür öffnete, drehte sich eine junge Frau zu mir um, saß an einem Schreibtisch und schrieb etwas auf. Ihre schönen, wachen Augen musterten mich kurz etwas verwirrt, bis die Erkenntnis in sie traten. Das hübsche Mädchen erhob sich und flüsterte:„Vater, bist du es?“ Ruhig nickte ich, nichts weiter sagend, während die junge Frau mich nahezu erstaunt ansah. Schließlich hob sie wieder die Stimme:„Du bist wieder da... Du warst lange weg. Ich habe dich seit fast 10 Jahren nicht mehr wirklich gesehen...“ In ihrem Blick konnte ich Scheu erkennen und Verunsicherung sowie leichte Trauer. Sie wusste nicht, wie sie auf mich reagieren sollte und ich wusste nicht, wie ich auf sie reagieren sollte, also meinte ich:„Du siehst aus wie deine Mutter, als ich sie kennenlernte. Genauso wunderschön.“ Ein schwaches Lächeln legte sich auf die pfirsichfarbenen Lippen meiner Tochter und sie bedankte sich leise, bevor sie wieder Fragen stellte:„Hast du gefunden wonach du suchtest? Wirst du nun für immer hier bleiben?“ An ihrem hoffnungsvollen Blick erkannte ich, dass sie mich vermisst hatte und doch musste ich sie enttäuschen:„Ich werde wieder fort müssen. Ich bleibe nicht länger als einen Tag hier.“ Enttäuschung machte sich in dem hübschen Gesicht breit und Akiko murmelte leise:„Oh, in Ordnung. Ich bin es ja gewöhnt.“ Nachdenklich nickte ich, bevor ich erzählte:„Aber ich werde nicht alleine gehen - du wirst mich begleiten. Ebenso wie Daichi und alle Bediensteten.“ Überrascht und irgendwie freudig schaute meine Tochter auf und ich erklärte:„Ich habe gefunden, was ich suchte. Ich habe mir ein Imperium aufgebaut, eine Arena und Bedienstete eingestellt. Dort war ich in den letzten Jahren hauptsächlich beschäftigt. Ich hatte nach den intelligentesten Menschen dieser Zeit gesucht und sie dazu gebracht, mir elektrische Möglichkeiten zu bieten. Alles ist vorbereitet, nur brauche ich noch die Auserwählten.“ Gedankenverloren nickte Akiko und hakte nach:„Werden wir dann dort wohnen oder auch so eine Art Bedienstete sein? Benötigst du unsere Hilfe?“ Ich erwiderte ruhig:„So ähnlich. Du wirst in meinen Dienst treten, doch wirst du eine andere Aufgabe bekommen als Daichi oder alle anderen.“ Verwirrt starrte mich die junge Frau nur an, bis ich endlich erklärte:„Du wirst eine der Auserwählten sein!“
    Nahezu geschockt taumelte sie einige Schritte nach hinten und stammelte:„Aber... das heißt doch, dass ich dem Tod gewidmet wäre!“
    Sie hatte recht, das wäre sie. Der Tod wäre nahezu unausweichlich. Natürlich gibt es die Chance, dass sie gewinnt, aber die steht 1:20. Um sie dennoch überzeugen zu können, log ich sie an:„Du würdest natürlich unter meine Obhut gelangen. Du bist quasi jetzt schon Gewinner, aber du musst dennoch welche besiegen.“ Kurz überlegte Akiko und murmelte dann:„Es ist alles so plötzlich... Dass du wieder da bist, ich Auserwählte sein soll und Menschen töten muss. Aber ich werde es machen. Quasi bleibt mir ja keine andere Wahl...“ Zufrieden lächelte ich und bedeutete ihr, ihre Sachen zu packen. Sofort tat sie es auch und ich verließ ihr Zimmer. Vor ihrer Tür blieb ich einen Moment stehen und erinnerte mich an Pierres Worte. „Sieh dich vor, Hisoka! Bald schon wirst du erkennen, dass die Macht dich gierig macht! Deine Ziele werden sich ändern und deine Kinder werden leiden. Du gibst ihnen genau so ein Drecksleben wie du es hattest!“
    In dem Moment erkannte ich, dass der Franzose die Wahrheit ausgesprochen hatte. Ich ermöglichte meinen Kindern kein gutes Leben und mittlerweile handelte ich auch nur noch aus Machtgier. In der Zeit meiner Reise, hatte ich mich immer mehr auf mein Ziel fokussiert und nicht mehr seine Hintergründe behalten. Ich habe die Gefühle meiner Familie gegenüber irgendwo verloren. Immerhin hatte ich sie gut 10 Jahre nicht gesehen. Wie sollte ich jemanden lieben können, der nicht einmal bei mir ist?

    Das Rotieren des Propellers dröhnte in meinen Ohren und der Wind zischte in mein Gesicht, trug die lauten Stimmen der Bediensteten mit sich, die alles dafür bereit machten, mit dem Hubschrauber abzuheben. Alles, was noch für den Start fehlte, war die Besatzung der Flugmaschine. Neben mir standen die zwei, die am dringensten mitkommen sollten - Akiko und Daichi. Die Haare der zwei wehten bei dem Wind und sie sahen beide etwas gequält aus. Ob wegen des Winds oder der Situation, vermochte ich nicht zu sagen können. Allerdings glaubte ich, dass Akiko sich auf die Zeit freute. Sie war mir gegenüber naiv und dumm, genau wie ihre Mutter. Sie sehnte sich zu sehr nach Liebe und Stolz. Sie wollte etwas Besonderes sein und ihren Platz auch in Leben anderer finden. Sie sah nicht, was wirklich wichtig war: Macht.
    Daichi hingegen hatte sich nicht über mein Dasein gefreut. Er war eher enttäuscht. Im Gegensatz zu Akiko konnte er meine Pläne irgendwo durchschauen und wusste, dass es keine angenehme Zeit werden würde. Nicht nur für ihn, sondern für alle. Und da war wieder der Unterschied zwischen meinen Kindern: Daichi sorgte sich nicht nur um sein Wohlbefinden, sondern auch um das anderer. Er war ein Mensch, der glaubte, zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können. Ich selbst muss dazu aber sagen, kann man gar nicht entscheiden, ob etwas richtig oder falsch ist. Es liegt nämlich im Auge des Betrachters. Für mich war mein Handeln richtig, für viele andere war es das aber nicht. Genauso wie für ihn. Er verstand mein Handeln nicht, sah es als falsch und sah in der Aufgabe des Menschen, sich um alle zu kümmern.
    Akiko hingegen war auf ihr eigenes Wohlbefinden spezialisiert. Sie wollte einzig und allein geliebt werden. Sie hielt nicht viel von geben, aber das Nehmen war ihre Lebensquelle. Sie wollte in meinen Augen etwas sein, was sie zu meinem treuen Diener machte. In ihr sah ich kein Problem für meine Pläne. Sie würde mir sogar in den Tod folgen, davon war ich überzeugt. Anders als Daichi - er hatte seinen eigenen Kopf und er wusste, dass ich als Vater hätte für ihn da sein müssen. Er hielt wohl nicht viel von mir. Dennoch war er ein Angsthase, ein Schaf, das einem folgte. Er war nicht zu diesem Anführer geboren. Er fürchtete meine Kraft zu sehr, als dass er sich gegen mich aufbäumte. Somit würde also auch er kein Problem darstellen.

    Ich gab nun ein Zeichen:„Ab in den Hubschrauber, wir werden jetzt fliegen!“ Gehorsam liefen die zwei dann schon in die Maschine, dicht gefolgt von mir und noch einigen anderen Bediensteten. Daichi flog den Hubschrauber, da er erst vor kurzem wohl einen Flugschein gemacht hatte. Ich hatte davon nichts mitbekommen. Tatsächlich habe ich mich so gut wie gar nicht um meine Kinder gekümmert. Als mein Sohn mir schon vorher auf dem Flur über den Weg gelaufen war, hatte ich ihn nicht als meinen Sohn erkannt, sondern für einen Bediensteten gehalten. Ich wusste auch nicht mal mehr, wie alt er sein musste, wusste auch nicht, was meine Kinder beruflich taten oder ob sie noch in die Schule gingen. Manch einer würde sagen, ich hätte meine Pflicht als Vater ignoriert, aber ich denke, ich bin meiner Bestimmung nachgekommen. Außerdem habe ich ja meine Kinder durch die Bediensteten versorgen lassen und sie durften sich jederzeit alles von meinem Geld kaufen. Eigentlich dürften sie sich nicht beschweren.

    Der Flug dauerte einige Stunden, aber schließlich kamen wir unversehrt in Brasilien an, wo mitten im Dschungel meine Festung errichtet war. Hier waren schon alle anderen Bediensteten und als unser Trupp den Hubschrauber verließ, wurden wir direkt von ihnen entgegengenommen. Sie führten uns ins Innere, in den großen Tanzsaal, den ich extra anfertigen lassen habe. Daichi folgte mir mürrisch und fragte nahezu vorwurfsvoll:„Wozu brauchst du so einen Saal?“ Stumpf erwiderte ich:„Zum Tanzen.“ Genervt rollte mein Sohn heimlich mit den Augen, während ich mich zu einem Bediensteten drehte und ihn anheuerte:„Fliegt nach Thailand, in ein kleines Dorf, zu einem Kloster. Begebt euch auf die Suche nach einem Preecha. Ihr erkennt ihn an einer Brandnarbe im Gesicht und er müsste jetzt ungefähr 25 Jahre alt sein. Wenn es sein muss, holt ihn mit Gewalt! Er ist mein erster Kämpfer!“ Gehorchend nickte der Bedienstete und stellte seine Truppe zusammen. Akiko fragte in der Zeit:„Hast du schon einige der Auserwählten gefunden?“ Knapp nickte ich und erklärte:„Ich habe einige auf meiner Suche kennengelernt. Der erste ist er, ein Feuerbändiger. Ich lernte ihn als ersten kennen, aber es gibt noch viele mehr. Einer ist in New York, Geschäftsmann. Er wird für den Frost zuständig sein. Sein weibliches Gegenstück habe ich auch schon gefunden. Sie wohnt in Deutschland. Auch die beiden Erdkämpfer, den Schatten-Mann, die Pflanze-Frau und den Wasser-Mann habe ich gefunden. Dieser ist etwas Besonderes, sagen wir es so. Ich habe ihn auch nie persönlich getroffen, aber ich sah ihn auf Videos. Er ist Teil einer Band - BTS. Er und seine Leute haben einen Auftritt in Österreich, noch an diesem Wochenende. Ich werde persönlich mitfliegen, um in den Menschenmassen nach noch mehr Kämpfern Ausschau zu halten. Immerhin sind auf einem Konzert immer viele junge Leute. Alles in einem habe ich schon fast die halbe Truppe zusammen und meine Bediensteten werden sie entführen. Demnach werde ich auch jetzt noch nicht die ganze Zeit bei euch sein. Ich werde weiter auf Reisen sein, aber ihr habt ihr eure neue Unterkunft.“ Etwas enttäuscht senkte meine Tochter ihren Blick und meinte auf einmal:„Ich könnte helfen und...“ Weiter kam Akiko nicht, denn ich schnitt ihr das Wort ab:„Nein, du wirst hier bleiben.“ Verwirrt fragte die 18-jährige:„Aber warum?“ Nach einer Ausrede suchend meinte ich:„Ich möchte doch nicht, dass dir etwas passiert.“ Damit stimmte sie endlich zu, aber im selben Zug machte ich meine Zeichen:„Daichi, du wirst mitkommen! Ich brauche deine Flugkünste!“ Genervt seufzte der Sohn, widersprach aber nicht und folgte mir.

    Trubel, überall um uns herum. Menschenmassen strömten uns entgegen und panische Schreie dröhnten in meinen Ohren. Über die Lautsprecher wurde eine Durchsage gemacht, welche wohl noch mehr zur Aufruhr führte. Meine Männer und ich kämpften uns vor und ich beobachtete, wie andere meiner Bediensteten auf die Bühne stürmten und alles zerstörten und die Security aufhielten.
    Ich sah all die Gesichter an mit vorbeiziehen, keines barg eine Kraft. Doch plötzlich stand ein kleines Mädchen inmitten der Massen, wurde quasi von ihnen mitgerissen und schrie verzweifelt einen Namen:„Karolin!“ In ihren Augen sah ich einen hellen Hauch aufblitzen, der wie eine Windböe durch ihren Augapfel zischte. Ich tippte einen meiner Männer an und deutete schmunzelnd auf das Mädchen.
    Gehorchend nickten die Männer und gingen, um das Kind zu packen, doch auf einmal ertönte eine andere Stimme, genauso panisch und laut und ich drehte mich um. Ich erkannte eine Jugendliche, die verzweifelt gegen den Strom lief und wohl nach jemandem suchte. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie das Mädchen ins Visier nahm, welches meine Männer gegangen nehmen wollten und sie kämpfte sich zu uns durch. Doch meine Leute zerrten das Mädchen bereits an den Rand, während diese ängstlich wimmerte und um sich trat. Die andere, die augenscheinlich ihre große Schwester war, rannte auf sie zu, versuchte, meine Bediensteten aufzuhalten, doch wurde hart von ihnen zu Boden geworfen.
    Erst jetzt, als ich auch ihr direkt in die Augen sah, erblickte ich den selben weißen Schleier darin - auch sie hatte die Fähigkeit für die Kraft des Windes.
    Ich beobachtete nun, wie die junge Frau aufstand und mit Angst um ihre Schwester in der Stimme schrie:„Lasst sie los! Nehmt meinetwegen mich mit, aber lasst sie in Ruhe! Bitte, lasst sie gehen! Ich werde freiwillig mitkommen!“ Diese Aufopferung in ihrer Stimme gefiel mir und ich bedeutete meine Männer, zu sprechen, was ich ihnen zeigte. So antwortete der eine der Jugendlichen endlich:„Ich werde sie gehen lassen, aber dann wirst du für sie einstehen! Du wirst dich nicht wehren oder um Hilfe schreien, denn ansonsten nehmen wir auch deine Schwester mit!“ Eifrig nickte die Österreicherin jetzt, während meine Leute ihre Schwester losließen. Diese stürmte dann auf ihre Schwester zu, doch diese hielt sie kurz an den Schultern fest, schaute ihr tief in die Augen und sagte etwas auf Deutsch, was ich natürlich nicht verstand. Ich sah, wie sich Tränen in den Augen der kleinen Schwester bildeten, doch sie nickte und lief dann davon, mit dem Strom, hing sich an irgendwelche anderen und die ältere von beiden wurde stattdessen genommen. Sie schaute uns strikt in die Augen, zeigte keine Angst und war vollkommen ruhig, als würde ihr nichts Böses bevorstehen. Ich schmunzelte darunter, wie Liebe den Menschen schwach machte und dazu brachte, zu gehorchen. Es war nämlich die Liebe zu ihrer Schwester, die das Mädchen dazu verleitete, ruhig zu bleiben. Sie erblickte mich, schaute mir hasserfüllt in die Augen und ließ sich dann brav von meinen Leuten abführen. Ich folgte einige Schritte dahinter und beobachtete, wie das Mädchen in unseren Transporter gesperrt wurde. Gleichzeitig wurden sieben Koreaner von meinen Leuten festgehalten und auf zwei Transporter aufgeteilt. Wütend fragte ich:„Warum habt ihr alle sieben? Wir brauchen nur den einen!“ Einer entschuldigte sich:„Wir wussten nicht, welcher es war. Sie sehen sich so ähnlich!“ Ich murrte:„Ach, von wegen! Jetzt müssen wir die anderen sechs töten!“ Doch ein anderer meinte:„Sie könnten uns noch behilflich werden, indem sie für uns arbeiten.“ Langsam nickte ich nur knapp und befahl:„Sperrt sie ein, drei noch zu dem Mädchen und die anderen vier kommen in den anderen Transporter! Wir haben wieder zwei neue Kämpfer - Wasser männlich und Luft weiblich. Doch wir werden auch noch die anderen finden müssen, bevor wir den Kampf beginnen lassen können.“ Einer der Bediensteten fragte neugierig:„Und Ihre Tochter? Wann werden Sie es ihr erzählen? Dass sie nicht unter ihrer Obhut steht und genauso sterben wird?“ Ruhig erwiderte ich:„Das wird sie früh genug erfahren. Damit ihre Mitstreiter sie nicht direkt durchschauen, muss sie schon gefangen genommen sein, bevor sie da sind.“ Wieder stellte der andere eine Frage:„Denken Sie, sie wird dabei mitmachen?“ Nachdenklich zuckte ich mit den Schultern und gab von mir:„Ich weiß es nicht. Einerseits ist sie intelligent und kennt die Rechte, andererseits ist sie aber naiv und vielleicht auch schlau genug, den Kampf zu gewinnen. Wie es auch sein wird, sie hat eh keine Wahl. Möglicherweise wird es ihren Tod bedeuten, doch das liegt in ihrer Hand...“

    Moin.

    Hier ist wieder das neue Sonder-Kapitel. Hat etwas länger gedauert, aber jetzt ist es fertig. Gebt mir gerne Feedback und gebt mir bescheid, falls uhr noch weitere Kapitel wollt. Nennt mir dann bitte Ideen dazu und natürlich aus wessen Sicht.

    LG Emily W.





    16
    Kapitel 157 (Sonder-Kapitel)

    (d/N)s Sicht

    Leise Musik erfüllte meine Ohren aus der Ferne und ich summte leicht vor mich hin, während ich den Kohl in den Einkaufswagen schmiss und wieder einen schnellen Blick auf die Liste warf, die mein Eheman für mich geschrieben hatte. Taes Handschrift war nicht gerade die schönste, um ehrlich zu sein, weshalb es mich einige Momente abverlangte, um entschlüsseln zu können, dass dort „Äpfel“ stand.
    Es waren etwa drei Jahre vergangen seit dem Kampf ums Überleben in der Arena. In der Zeit hatten Tae und ich jetzt auch geheiratet. Es hatte mich viel Mühe gekostet, auch noch koreanisch zu lernen, damit Tae und ich uns ohne Fehlen des Wortschatzes unterhalten konnten. Aber es war in Ordnung, da wir immerhin ein gemeinsames Leben in Korea geplant hatten und ich dann auch all die anderen Leute verstehen wollte.
    In diesem Moment kaufte ich ein, während Tae zuhause war und dort sauber machte. Zumindest war das der Auftrag, den ich ihm gegeben hatte. Wir teilten uns unsere Aufgaben meist auf. Eigentlich war es immer sehr harmonisch, was das anging, da mein Mann mir gerne Last abnahm. Auch, wenn ich manchmal nach Hause kam und das Haus plötzlich in noch größerer Unordnung fand, weil Tae plötzlich überlegt hatte, dass er etwas kochen wollte und dann aber nicht richtig für Ordnung sorgte. Oder aber er ließ sich ablenken und baute irgendeinen Unfug. Das war oft so, aber ich liebte ihn dafür und musste grinsen, als ich daran dachte.

    Gerade wollte ich den Wagen zur Kasse schieben, als mein Handy vibrierte. Schnell zog ich es aus meiner Hosentasche und erkannte, dass Tae mir eine Nachricht geschickt hatte. Er wollte, dass ich ihm Batterien mitbrachte und im selben Zug schickte er ein Selfie, auf dem er wie ein Kind grinste und ein ferngesteuertes Auto in der Hand hielt. Sein Untertitel dazu lautete:„Das habe ich mal als Kind geschenkt bekommen. Habe ich gerade gefunden. Aber Batterien fehlen:(“
    Ich grinste und antwortete ihm, dass ich welche mitbringen würde. Dann holte ich diese schnell, stellte mich schließlich an die Kasse, bezahlte den Kram und bewegte mich zurück zu dem Auto. Als ich darin saß, musste ich etwas kichern, weil Tae sich wohl überschwänglich auf die Batterien freute. Irgendwo war er wohl doch noch ein Kind, aber das war ein Grund mehr, weshalb ich ihn so liebte.

    Zuhause angekommen öffnete ich die Tür und traf auf ein nach wie vor ungeputztes Haus, aber einen dafür breit grinsenden Taehyung. Er stürmte auf mich zu, drückte mir einen Kuss auf die Lippen und fragte aufgeregt:„Hast du die Batterien?“ Grinsend nickte ich und drückte sie ihm in die Hand, woraufhin er aufgeregt zu seinem Spielzeug eilte und es erneut ins Leben rief. Ich grinste, als ich die Einkäufe in die Küche brachte und rief etwas vorwurfsvoll von dort hinaus:„Wolltest du nicht eigentlich das Haus putzen?“ Mein Mann antwortete aus dem Wohnzimmer:„Ja, aber dann habe ich das Auto gefunden.“ Seufzend hakte ich nach:„Und wer putzt jetzt das Haus, bevor die Jungs mit Anhang kommen?“ Tae erwiderte:„Ich mache das trotzdem - nachdem ich mit dem Auto gespielt habe. Ich verspreche es!“ Sanft lächelte ich und murmelte:„Na gut.“
    Ich setzte mich nun neben Tae, welcher hochkonzentriert sein kleines Auto im Schneidersitz steuerte. Ich kicherte leise, als er gegen das Sofa fuhr und meinte:„Du musst wohl noch üben, hm?“ Darauf grinste Tae mich an und erwiderte:„Ich muss mich doch erst einfahren. Damit ich unseren Kindern auch später zeigen kann, wie man es fährt.“ Ich stand auf und lachte:„Was für Kinder, Tae?“ Er zuckte mit den Schultern und lächelte:„Wenn wir denn welche haben. Ansonsten schenke ich es irgendwann Jins Kleinen.“ Ich lächelte, als ich mich an Jins Zwillinge erinnerte. Jin hatte im Laufe der Zeit eine Freundin gefunden, mit der er dann eben die Zwillinge bekommen hatte. Sie waren gerade mal einen Monat alt und demensprechend noch sehr klein, also meinte ich:„Da musst du aber noch ein paar Jahre warten.“ Tae murmelte kichernd:„Ja, ich weiß. Sie kommen aber heute Abend ja auch, nicht?“ Ich nickte:„Ja, um 18:00 Uhr kommen sie. Jin, seine Frau, die Zwillinge, Kook, Yoongi und Hobi. Also alle, die dazu gehören. Yoongis Freundin übrigens auch.“ Zufrieden nickte mein Mann jetzt und warf einen Blick auf die Uhr. Kurz darauf stand er auf und meinte:„Ich fange dann mal mit dem Putzen an.“ Ich nickte:„Mach das. Ich werde in der Zeit schonmal die Süßigkeiten und so bereitstellen.“


    Taes Sicht

    Das vertraute Geräusch der Klingel schallte durch unser Haus und ich lief schnell zur Tür. Als ich sie öffnete, blickte ich direkt in das Gesicht unserer Gäste und sah ganz vorne Jin und seine Freundin, die jeweils einen Maxi-Cosi trugen. In jedem lag ein schlafendes Baby und ich lächelte breit bei dem Anblick. Schnell ließ ich unsere Freunde hinein und sie wurden von (d/n) in Empfang genommen. Auch sie grinste entzückt in die Gesichter der Babys und führte alle in das Wohnzimmer. Dort hatte ich alles geputzt und mein Tomätchen hatte Süßigkeiten und Getränke auf den Tisch gestellt. Wir setzten uns alle auf die Sofas und meine Freundin meinte sofort:„Eure Zwillinge sind voll süß!“ Jin lachte:„Das haben sie von mir.“ Seine Freundin schickte ihm kurz einen vernichtenden Blick, kicherte dann aber auch. Hobi meinte unterdessen:„Ich warte ja immer noch darauf, dass Yoongi Kinder bekommt, damit ich Patenonkel werden kann.“ Kook fragte neckend:„Yoongi kann Kinder gebären?“ Ärgerlich murrte Hobi:„Ich habe „bekommen“ gesagt! Kinder BEKOMMEN kann auch er! Heißt ja nicht, dass er sie rauspressen muss!“ Ich kicherte, während Yoongis Freundin grinste:„Also, momentan sieht es nicht so aus als würden wir Kinder bekommen, aber wenn es so weit ist, darfst du Patenonkel werden, Hobi.“ Darauf grinste der ehemalige Rapper breit und auch ich lächelte.
    Es war schön, Hoseok wieder richtig lächeln zu sehen. Lange Zeit nach der Zeit der Arena war dies nämlich nicht der Fall gewesen. Er war mit den Gedanken stets bei Karolin und Jimin gewesen. Er hatte sich die Schuld für ihre Tode gegeben und konnte nicht mehr schlafen. Seit der ersten Rückkehr zu der Arena hatte sich das aber zum Glück geändert. Hobi war Seelensprecher geworden und hatte eingesehen, dass ihn keine Schuld trifft. Seither ist er wieder glücklicher und redet jedes Mal, wenn wir dort sind, mit den Toten. Wobei ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es real ist oder ob er sich die Geister einbildet. Immerhin siehst sie sonst niemand und Daichi hatte damals davon geredet, dass es eine Legende sei und es nicht feststeht, ob es diesen Seelensprecher wirklich gibt. Ich glaubte es aber einfach. Möglicherweise glaubte ich es nur, um der bitteren Realität zu entkommen, doch andererseits war es mir auch egal, ob es real war oder Hobi verrückt, weil er glücklich war und immerhin nichts Blödes deswegen anstellte.
    Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als Jin plötzlich meinte:„Tae, (d/n), wann bekommt ihr denn mal Kinder?“ Verlegen zuckte ich mit den Schultern, während Jins Freundin grinste:„Wenn ihr euch beeilt, sind unsere und eure Kinder nur ein Jahr voneinander entfernt und dann können die immer zusammen spielen.“ Ich nickte nachdenklich:„Wäre eigentlich voll praktisch.“ Nahezu hoffnungsvoll schaute ich zu meiner Ehefrau, doch diese meinte:"Ach, mal sehen. Und wenn es später wird, ist es so. Dann warten wir halt darauf, dass Yoongis Kinder das selbe Alter sind.“

    Der Abend verlief sehr schön. Wir lachten viel, aßen Süßigkeiten und unterhielten uns über das Leben. Letztlich wurden wir nur etwas gestört, als die Zwillinge nahezu zeitgleich aufwachten und anfingen, zu schreien. Der eine, weil er Hunger hatte, der andere wegen einer vollen Windel. Jin seufzte:„Ich kümmere mich um die Windel...“ Seine Freundin stillte das andere Kind in der Zwischenzeit im Nebenraum.
    Jin hingegen suchte eine Fläche für's Wickeln und murrte:„Ihr braucht unbedingt einen Wickeltisch! Wenn auch nur für die Gäste!“ Ich lachte nur und führte meinen Kumpel in das Ehezimmer von (d/n) und mir. Dort stand nämlich ein Tisch, welcher sich halbwegs dafür eignete. Ich meinte:„Du kannst ihn hier wickeln.“ Verwirrt fragte der Ältere:„Bist du sicher? Er hat groß gemacht und das wird stinken.“ Ich meinte unbekümmert:„Wofür hat man Fenster? Wir können lüften. Außerdem hat Tomätchen sicher nichts dagegen.“ Dankbar lächelte Jin und öffnete die Windel seines strampelnden Babys. Kurz bevor er sie ganz öffnete, machte er sie aber wieder zu, drehte sich zu mir, grinste und sprach:„Hier. Du darfst ihm die Windel wechseln. Schon mal auf später vorbereiten und so. Weißt du? Das machst du doch sicher gerne.“ Ich schüttelte lachend den Kopf, gab aber nach:„Na, gut. Ich kann es wohl machen. Ist bestimmt voll erfüllend.“ In einem ironischen Ton lachte Jin:„Ja, voll. Es ist die pure Erleuchtung. Das gibt deinem Leben einen ganz neuen Sinn!“ Ich grinste und wechselte nun die Windel. Dabei hielt ich jedoch die Luft an, da es ziemlich stank, aber ansonsten war es gar nicht soo schlimm. Kein Hochgenuss, aber auch keine Qual.
    Zum Schluss legte ich eine frische Windel um den Babypopo und warf den alten Krams samt Tücher in den Bio-Müll.
    Jin klopfte mir grinsend auf die Schulter:„Super! Jetzt kannst du auch Vater werden!“ Dann nahm er sein Kind an sich und brachte den kleinen Mann zurück in die Küche, wo der Rest auf uns wartete. Jungkook fragte grinsend:„Warum habt ihr so lange gebraucht? Hat Jin vergessen, wie man die Windel bindet?“ Der Vater der Zwillinge schüttelte den Kopf und erwiderte:„Tae wollte UNBEDINGT die Windel wechseln, also habe ich ihn das machen lassen.“ Ich musste grinsen, weil er es mir ja angeboten hatte, bzw. aufgetragen hatte, aber seine Frau saß daneben und er schien ihr wohl nicht sagen zu wollen, dass er sich davor drückte, also sagte ich dazu nichts.
    Doch Jungkook lachte und richtete sich an meine Liebste:„Oh, Tae kann es wohl kaum erwarten, bis er sein eigenes Baby hat.“ (d/n) lachte nur und ich tat es auch, weil ich wusste, dass es der Wahrheit entsprach, was der Jüngere sagte... Jedoch schien es mir so, als würde meine Partnerin momentan noch kein Baby haben wollen. Ich wollte ihr die nötige Zeit geben, auch wenn das für mich hieß, dass ich warten musste...


    (d/n)s Pov

    Irgendwann wurden Jins Zwillinge wieder müde, genauso wie seine Arme, auf die er jeweils einen Zwilling gelegt hatte. Deswegen nahm ich ihm einen ab, damit er nicht so viel tragen musste und den anderen nahm Hobi. Auf unseren Armen schliefen die Säuglinge dann auch schließlich ganz ein und ich wippte den kleinen Jungen sanft, damit er entspannt blieb, während er seinen Daumen im Mund hatte und ich lächelte verzückt. Tatsächlich hatte das Kind relativ viel Ähnlichkeit mit Jin, nur eben in deutlich kleiner und mit einem rundlicheren Gesicht. Ich lächelte belustigt, als die Mini-Version des ehemaligen Sängers plötzlich im Schlaf nieste. Als ich wieder aufschaute, sah ich, dass Tae mich angrinste. Er saß direkt neben mir und flüsterte:„Du wärst eine wirklich gute Mutter.“ Ich kicherte:„Das kann man an der Technik, wie ich ein Kind halte, nicht bestimmen.“ Tae grinste daraufhin und strich dem Baby einen Sabberfaden vom Mund und wischte ihn an seiner Hose ab. Kurz darauf murmelte er mir zu:„Ich habe das Kind übrigens gerade in unserem Zimmer gewickelt. Könnte also sein, dass es da ein bisschen stinkt. Ich lächelte nur und meinte:„Ach, wird nicht so schlimm sein. Ansonsten schlafe ich heute auf dem Sofa.“

    Die Zeit verging und irgendwann verließen unsere Gäste uns wieder. Es war wirklich schön gewesen und gerade räumten Tae und ich wieder auf. Wir schwiegen, bis Tae plötzlich meinte:„Jins Zwillinge sind wirklich süß, meinst du nicht?“ Ich nickte lächelnd:„Ja, das sind sie wirklich. Aber ich stelle es mir sehr anstrengend vor, gleich zwei so kleine Buben auf einmal zu haben.“ Tae nickte grinsend und räumte den letzten Müll weg. Dann sprach er:„Ich bringe noch schnell den Bio-Müll raus, bevor die Windel ihren Geruch im Haus verteilt.“ Ich nickte kichernd und drückte Tae vorher noch einen Kuss auf die Lippen und murmelte:„Ich gehe schonmal ins Bett, ja?“ Als Antwort nickte mein Mann nur kurz und verschwand aus meinen Augen. In der Zeit trottete ich in unser Zimmer, zog mich um und legte mich ins Bett.
    Lächelnd schaute ich zur Decke. Das Leben schien momentan einfach so perfekt. Die Beziehung lief gut, im Beruf gab es keine Probleme und es gab keinen Hisoka mehr. Es ging Hobi wieder besser und die Jungs fingen an, Familien zu gründen. Auch Joonie hatte mittlerweile geheiratet - Federica. Wen wunderte es? Die zwei wohnten zusammen in Italien mit Lívia als eine Art Anhängsel. Sie verstand sich auch super mit den zweien und schien sehr viel Spaß in der Schule zu haben. Auch die anderen Mitstreiter von damals waren glücklich in ihrem Leben. Amba und Michal waren nach wie vor ein Paar und die Inderin war sogar zu einer Art Anführerin der Pflegekräfte im Krankenhaus aufgestiegen. Preecha und Juan hatten einen Hund adoptiert und waren genauso glücklich. Daichi und Hadia waren mittlerweile übrigens Eltern von einer kleinen Ayumi geworden und Akiko blühte in ihrem Job als Tante auf. Zwar fesselte der Rollstuhl sie immer noch an den Boden, doch damit schien sie umgehen zu können.
    Alles in einem war einfach alles schön und ich hatte das Gefühl, dass das Glück wieder auf unserer Seite war.

    In dem Moment kam Taehyung in das Zimmer und zog sich ein T-Shirt und eine kurze Hose an, bevor er sich zu mir unter die Decke kuschelte. Sein wuscheliges, schwarzes Haar fiel ihm dabei leicht lockig auf die Stirn und er grinste mich breit an. Seine Hände umfassten meinen Körper und er drückte mich an sich, während ich meine Beine um seine Hüfte schlung. Ich spürte seinen warmen Atem auf meinem Kopf, als er ihn sanft küsste und er murmelte leise in seiner tiefen Stimme:„Ich liebe dich, Tomätchen. Das weißt du, richtig?“ Ich lächelte:„Ja, das weiß ich. Und ich liebe dich, Taetae! Mehr, als alles andere auf der Welt.“ Glücklich lächelte mein Partner daraufhin und murmelte nachdenklich:„Ich möchte, dass sich das nie ändert...“ Etwas verwirrt schaute ich auf und reckte mich, um ihn zärtlich zu küssen, bevor ich erwiderte:„Das wird sich niemals ändern, keine Sorge...“ Etwas fester drückte Tae mich dann an sich und legte sein Kinn auf meinem Kopf ab. So fielen wir irgendwann in den Schlaf.

    Es vergingen einige Tage und es lief alles wie gewohnt ab. Es war früh am Morgen und Tae kochte Tee. Ich lag noch im Bett und stand gerade auf. Mir war schwindelig und irgendwie spürte ich einen starken Druck auf meiner Kehle. Mir war übel und ich lief schnell nach unten, zum Badezimmer. Mein Mann bekam dies mit und folgte mir etwas verwirrt. Er fragte unsicher:„Alles in Ordnung?“ Ich brachte leise hervor:„Mir ist übel...“ Im selben Moment lehnte ich mich über die Toilette und übergab mich. Glücklicherweise hatte Tae schnell genug meine Haare festgehalten. Besorgt fragte er:„Geht es wieder oder musst du noch einmal?“ Erschöpft murmelte ich:„Nein, ich glaube, das war's...“ Ruhig fragte Tae, während er noch meine Haare vorsichtshalber hielt:„Hast du vielleicht etwas Falsches gegessen oder so?“ Müde schüttelte ich mit dem Kopf und antwortete:„Nicht, dass ich wüsste. Wahrscheinlich ist es einfach Magen-Darm...“ Leicht nickte Tae und stand schnell auf, um ein Zopfgummi zu holen, während ich noch über der Toilette lehnte. Nach wenigen Sekunden kam er wieder und band mir meine Haare in einem Dutt zusammen, damit sie mir nicht nach vorne fielen. Leise meinte er:„Falls du dich noch einmal übergeben musst, bleibst du vielleicht noch einen Moment sitzen. Ansonsten solltest du dich eine Runde aufs Sofa legen und einen Schluck Wasser trinken...“ Schwach erwiderte ich:„Das zweite.“ Sanft lächelnd half mein Mann mir dann auf und führte mich ins Wohnzimmer, wo er mich auf dem Sofa absetzte und mir eine Decke überwarf. Darauffolgend rannte er schnell in die Abstellkammer und holte einen Eimer. Den stellte er neben mich und erklärte:„Wenn du noch einmal brechen musst, dann hier rein.“ Danach brachte er mir noch ein Glas Wasser und setzte sich besorgt neben mich. Ich trank ein paar Schlucke, während er Fragen stellte:„Hast du dich gestern Abend auch schon schlecht gefühlt oder erst heute? Hast du sonst noch Beschwerden? Kopfschmerzen und Schüttelfrost?“ Ich schüttelte nur mit dem Kopf:„Nein, nur Übelkeit seit heute Morgen.“ Ruhig nickte Tae und murmelte:„Magst du einen Film schauen oder so?“ Ich zuckte nur leicht mit den Schultern und Tae stellte einen Film an. Schließlich stand er auf, ging zur Küche und meinte:„Wenn du noch etwas brauchst, dann ruf mich einfach!“

    Den Rest des Tages kümmerte Tae sich sehr liebevoll um mich und behandelte mich quasi wie eine Königin. Auch, wenn er das sowieso immer tat. Er putzte das ganze Haus für mich, brachte mir alle Nase lang etwas neues zu trinken und wechselte meinen Eimer aus, nachdem ich mich noch einmal übergeben musste.
    Am Abend ging es mir schließlich wieder etwas besser und er gab mir Zwieback zum Essen. Er erzählte:„Meine Mutter hat mir früher immer Zwieback gegeben, wenn mir übel war. Sie meinte, das hilft. Naja, zumindest musste man davon nicht kotzen und der Magen war nicht so leer.“ Ich lächelte dankbar, glücklich darüber, einen so fürsorglichen Ehemann zu haben.

    Wieder verstrichen Tage und manchmal war mir noch ein bisschen übel, aber es wurde mit der Zeit besser. Allerdings war ich mittlerweile schon acht Tage überfällig und ich machte mir langsam etwas Gedanken. Normalerweise habe ich meine Tage ganz regelmäßig... Auch krank bin ich nicht oft... Vielleicht sollte ich einen Schwangerschaftstest machen... Ich muss heute einkaufen, also werde ich einfach einen mitnehmen und schauen.

    Am Nachmittag fuhr ich einkaufen, kaufte einen Test und zuhause angekommen, machte ich ihn, während Tae bei Hobi war. So hatte ich etwas Ruhe. Die Wartezeit fühlte sich wie Ewigkeiten an und ich bekam leicht Panik. Würde ich schon bereit für ein Kind sein? Nervös lief ich durch das Badezimmer, tausend Gedanken flogen durch meinen Kopf. Gefühlt alle zwei Minuten schaute ich auf den Test, nur um zu sehen, dass noch kein Ergebnis da war. Schließlich versuchte ich, mich etwas abzulenken und machte mir einen Tee. Als dieser fertig war, lief ich dann wieder ins Bad und lief auf das Waschbecken zu. Dort hatte ich den Schwangerschaftstest abgeladen und nahm ihn jetzt nervös in die Hand. Mein Atem ging etwas zittrig, als ich ihn aufnahm.
    Ruhig schaute ich nun auf das Feld und ließ beinahe meine Tasse fallen, als ich die Worte „schwanger“ las. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Einerseits hatte ich Angst, dass ich nicht bereit für ein Kind war, aber andererseits freute ich mich auf ein Kind. Ehrlich gesagt war ich überfordert, also griff ich als allererstes nach meinem Handy und wählte den Kontakt „Federica“ aus. Vollkommen aufgeregt rief ich sie an und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis sie abnahm. Verwirrt fragte sie:„(d/n)? Was ist los? Es ist mitten in der Nacht hier drüben...“ Aufgeregt erzählte ich:„Rica, ich bin schwanger.“ Plötzlich hellwach murmelte die Italienerin verwirrt:„Was, wirklich?“ Ich murrte nur kurz als Zustimmung und auf einmal fing die lockenköpfige Frau an, sich zu freuen:„Oh mein Gott, wie schön! In welcher Woche bist du und weiß Tae davon?“ Selbst vollkommen aufgeregt erklärte ich:„Keine Ahnung, ich habe gerade nur den Test gemacht, aber ich glaube, ich bin noch nicht sehr weit. Tae weiß es noch nicht, er ist bei Hobi. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Soll ich es ihm direkt sagen oder abwarten? Meinst du, er wird sich freuen oder ist er verstört oder?“ Weiter kam ich nicht, denn Rica unterbrach mich:„Hör auf, dir Sorgen zu machen! Er wird sich wahnsinnig freuen, da bin ich mir sicher! Wann du es ihm erzählst, musst du selbst entscheiden. Du musst dich dafür bereit fühlen. Aber oh mein Gott, ich freue mich so für euch!“ Ein aufgeregter Quietscher kam aus der Frau heraus und plötzlich hörte ich im Hintergrund Namjoons müdes Murren:„Was ist los? Es ist mitten in der Nacht...“ Aufgeregt erzählte Federica ihm direkt:„(d/n) ist am Telefon! Sie hat mir gerade erzählt, dass sie schwanger ist, aber Tae weiß es noch nicht und ich freue mich sooo!“ Diesen Text ratterte die Frau so runter, dass man denken könnte, sie würd einen Rap-Rekord aufstellen wollen und ich musste lachen. Joon hingegen war noch etwas verwirrt, aber freute sich genauso und beglückwünschte mich. Wenig später hörte ich das Klopfen an der Tür bei den zweien und Vias brummige Stimme:„Könnt ihr ein bisschen leiser sein? Ich will schlafen!“ Joon rief herüber:„Nein, können wir nicht, (d/n) ist schwanger!“ Daraufhin öffente sich die Tür wohl und die Brasilianerin war genauso aufgeregt. Die drei machten drüben praktisch eine Party, welche ich lachend unterbrach:„Danke, dass ihr euch so freut. Aber bitte erzählt erstmal nichts Tae. Ich möchte es ihm selbst erzählen...“ Fröhlich fragte Via:„Und wie willst du es ihm sagen? Den Schwangerschaftstest schenken?“ Belustigt erwiderte ich:„Nein. Da Tae gerade nicht da ist, werde ich losfahren und einen Babystrampler kaufen. Den werde ich ihm schenken und schauen, ob er es versteht.“

    Gesagt, getan. Zehn Minuten später hatte ich einen winzigen Strampler in der Hand und stand an der Kasse. Die Kassiererin packte ihn sogar extra für mich in Geschenkpapier ein und ich fuhr zurück nach Hause. Dort wartete ich dann auf Tae, der etwa eine halbe Stunde später wieder da war. Als er mich sah, drückte er mir direkt einen Kuss auf die Lippen und fragte schmunzelnd:„Hast du mich schon vermisst oder warum sitzt du hier wie das Huhn auf der Stange?“ Ich kicherte nur und fragte:„Wie war's bei Hobi? Hattet ihr Spaß?“ Nickend erzählte mein Mann:„Ja, wir haben Brettspiele gespielt und Süßigkeiten gegessen. Allerdings ein paar zu viele.“ Dabei deutete er grinsend auf seinen Bauch und ich lachte. Auch Tae grinste und ich griff jetzt nach dem Geschenk. Ich drückte es ihm in die Hand und meinte:„Ich habe dir was mitgebracht.“ Aufgeregt wie ein kleines Kind grinste er mich an und riss ungeduldig das Geschenkpapier herunter. Der Strampler war noch in einem Karton und er raschelte vorher noch damit, um zu schauen, wie es sich anhörte. Leise murmelte er aufgeregt:„Irgendwas Weiches...“ Ich lächelte nur, mit pochendem Herzen dabei zuschauend, wie er den Deckel der Box anhob. Verwirrt zog er dann das Kleidungsstück heraus und hielt es in die Höhe. Sein Blick war wirklich lustig - einfach nur verwirrt. Als er mich fragend anschaute, fragte ich belustigt:„Was hast du denn bekommen?“ Nach wie vor murmelte er:„Einen Strampler. Aber da passe ICH nicht mehr rein.“ Ich fing an, breit zu grinsen und so langsam schien es Tae zu dämmern, denn seine Gesichtszüge entflossen für einen Moment und er stammelte:„Sag nicht, du bist schwanger.“ Etwas verlegen lachte ich:„Doch...“ Augenblicklich erhellte sich Taes Blick wieder, er grinste vom einen Ohr zum anderen und er hüpfte aufgeregt herum:„Oh mein Gott, ich werde Vater!“ Hyperaktiv und überglücklich hob er mich hoch und umarmte mich. Ich lachte nur und als er mich wieder runterließ, hakte er vorsichtshalber nach:„Du verarschst mich nicht, oder?“ Grinsend sprach ich:„Nein, ich bin wirklich schwanger...“ Wieder überkam den Mann ein Schwall von Freude und er hörte gar nicht mehr auf, zu grinsen. Wie ein kleiner Junge hüpfte er durch das ganze Wohnzimmer, umarmte und küsste mich immer wieder und schrie durchs ganze Haus:„Ich werde Vater, endlich!“ Ich lachte nur und freute mich genauso wie er, bis ich sogar Tränen in den Augen stehen hatte. Tae bemerkte dies natürlich, küsste mich leidenschaftlich und flüsterte grinsend:„Du weißt gar nicht, wie glücklich du mich damit machst!“ Ich lächelte nur leicht und flüsterte genauso leise:„Ich hatte erst ein bisschen Angst, dass du vielleicht gar kein Kind willst. Also... noch nicht.“ Doch mein Mann lachte nur, nahm mich erneut in den Arm und rief:„Du machst Witze! Du siehst ja, wie sehr ich mich freue!“ Ich lächelte und drückte Tae etwas mehr an mich:„Ich bin froh, dass du glücklich bist. Ich habe gerade übrigens schon bei Rica angerufen. Habe damit nicht nur sie, sondern auch Joon und Via aus dem Bett geschmissen. Sie wussten es also schon eher als du. Aber ich weiß es auch erst seit höchstens einer Stunde.“ Liebevoll lächelte Tae nur und wollte gerade noch etwas sagen, als er auf einmal aufgeregt hüpfte und quiekte:„Wir müssen zu meinen Eltern fahren und meine alten Spielsachen abholen!“ Ich lachte liebevoll und meinte:„Ja, können wir machen. Dann können wir es ihnen ja gleich erzählen.“ Aufgeregt nickte Tae und erwiderte:„Wir können am Wochenende ja bei deinen Eltern vorbeifahren.“

    Weniger als eine halbe Stunde später standen wir dann bei Taes Eltern vor der Haustür. Mein Mann klingelte und sein Vater öffnete uns die Tür. Er schien sehr überrascht, aber auch sehr glücklich, uns zu sehen. Er lud uns schnell ein und setzte uns Kuchen vor, während wir im Wohnzimmer zu zweit auf dem Sofa saßen. Er saß uns gegenüber, im Sessel. Auch seine Mutter kam dazu und freute sich über unsere Ankunft. Taes Eltern waren immer total lieb zu mir und ich mochte sie wirklich gerne. Wir unterhielten uns erst eine Weile und gerade sprach Taes Mutter:„Ich freue mich sehr, dass ihr da seid. Apropos, warum überhaupt? Einfach so?“ Tae antwortete:„Wir wollten meine Spielsachen abholen.“ Dabei grinste er breit, während seine Eltern ihn verwirrt anschauten. Sein Vater hakte nach:„Deine Spielsachen von früher? Wofür brauchst du die? Ist dir so langweilig, dass du wieder damit spielen willst?“ Grinsend schüttelte mein Mann den Kopf und ich lächelte:„Wir machen ein Rätsel daraus: Auf diesem Sofa sitzen drei Personen. Wie kann das sein?“ Taes Mutter, welche auf der Sesselkante neben ihrem eigenen Mann saß, verstand es scheinbar sofort und ihr Mund öffnete sich glücklich. Der Vater hingegen war wohl etwas verwirrt und fragte:„Du hast jemanden gegessen?“ Ich grinste auf diese vollkommen dumme Frage und auch der Vater lachte über seinen eigenen Witz, während er aber immer noch nicht auf sie Antwort gekommen war. Seine Frau half ihm dann auf die Sprünge:„Nein, (d/n) hat einen Menschen im Bauch.“ Kurz ratterte es bei dem Mann, bis auch er endlich verstand:„Aso, du bist schwanger! Na, sag das doch gleich!“ Ich lachte nur, während Taes Mutter hingegen quasi vor Freude platzte und sie sprach aufgeregt:„Ich werde Oma! Awww, darf ich dann auch mal auf euer Baby aufpassen?“ Ich nickte nur grinsend, während Tae scherzte:„Ach, du kriegst das Kind dann jeden zweiten Tag!“ Seine Mutter grinste entzückt, stand auf einmal auf und meinte:„Wir haben noch ganz viele Strampler von dir, Tae! Warte, ich hole sie!“
    Mit den Worten verschwand die Mutter dann auch und kam etwa 10 Minuten später wieder. Tae holte in der Zeit auch seine Spielsachen aus dem Keller und ich unterhielt mich mit seinem Vater.

    Die Zeit verging und wir waren wieder gegangen. Alles in einem hatten sich Taes Eltern total gefreut. An dem nächsten Wochenende waren wir dann zu meinen Eltern geflogen und hatten es ihnen erzählt. Die freuten sich mindestens genauso und meine Mutter reagierte tatsächlich genauso wie Taes und holte erstmal meine Babyklamotten aus dem Keller. Mein Bruder hatte sich auch gefreut und hatte gescherzt:„Ich hoffe, du benennst das Kind nach mir.“ Ich hatte daraufhin nur gelacht. Wir waren dann noch einige Tage geblieben und schließlich wieder zurückgeflogen.
    In den nächsten Wochen war ich dann auch mit Tae zum Frauenarzt gegangen, um uns noch einmal richtig bestätigen zu lassen, dass ich auch schwanger war. Dies war auch der Fall und wir erfuhren, dass das Kind gesund sei, ich aber zu diesem Zeitpunkt gerade mal in der vierten Woche war.

    Jetzt waren wir gerade in einem Geschäft und kauften Wickeltisch, Babybett und all die Möbel, die wir dann bräuchten. Da wir uns dafür entschieden hatten, nicht das Geschlecht im Voraus zu erfahren, kauften wir den Großteil der Sachen in relativ neutralen Farben. Klamotten und Spielzeuge schoben wir auf später.
    Mittlerweile hatten übrigens auch schon alle anderen von meiner Schwangerschaft erfahren und wir bekamen von allen Seiten Glückwünsche. Jin hatte gescherzt:„Da habt ihr euch aber doch noch beeilt, damit unsere Kinder zusammen spielen können.“
    Irgendwo fand ich es sogar ganz schön, dass unser Baby dann nicht viel jünger war als die Zwillinge von Jin und seiner Freundin. So würden sie tatsächlich immer miteinander spielen können.

    Zuhause angekommen bauten wir die Möbel dann schonmal auf und stellten sie in das leere Zimmer, dass wir damals beim Kauf des Hauses tatsächlich schon für Kinder eingeplant hatten. Tae hatte auch schon seine alten Spielzeuge in Kisten gepackt und dort hingestellt. Die Klamotten, die wir von unseren Eltern bekommen hatten, räumten wir auch in den Schrank. Am Ende des Tages war das Zimmer schon mit allem Nötigen ausgestattet und das Badezimmer wurde um einen Wickeltisch erweitert.

    Monate verstrichen bis ich im siebten Monat war und man mir meinen Bauch schon durchaus ansah. Im Moment war ich bei Jungkook, weil mir langweilig war. Tae hatte nämlich gesagt, dass er auf der Arbeit noch etwas erledigen müsse und ich so lange was mit Kook machen könnte. Der hatte nämlich vorher schon bei uns angerufen und gefragt, ob einer von uns Zeit hätte. Also war ich dann kurzerhand zu ihm rübergelaufen und saß mit ihm nun in der Küche. Er lebte immer noch mit Hobi zusammen in der Villa, während Jin als Vater natürlich schon ausgezogen war und Yoongi mit seiner Freundin zusammen lebte. So waren es also nur noch die zwei und es schien wohl oft etwas langweilig zu sein. Jungkook meinte:„Ich freue mich schon, wenn euer Baby da ist. Dann haben Hobi und ich immer was zu tun und können auf es aufpassen.“ Ich lachte:„Ja, das ist ein guter Plan. Immer, wenn wir dann Ruhe haben wollen, wird das Kind einfach bei euch abgeladen.“ Hobi, welcher bis gerade noch im Wohnzimmer gesaugt hatte, kam nun zu uns und grinste:„Anstatt, dass Kook sich ne eigene Freundin und Familie zulegt, langweilt er sich wohl lieber mit mir und wartet auf eure Kinder.“ Jungkook verteidigte sich:„Ey, ich brauche halt noch Zeit. Es läuft dir nicht jeden Tag jemand nettes über den Weg, mit dem du dein ganzes Leben verbringen willst!“ Hobi kicherte:„Aber mit mir willst du dein Leben verbringen oder was? So wird es nämlich enden, wenn du hier noch länger hockst.“ Der jüngere beschwerte sich jetzt:„Ey, du hast auch keine Freundin, sag mal nichts!“ Hobi lehnte sich schmunzelnd zurück und erwiderte:„Ich brauche auch momentan keine. Ich habe Karo, die ich einmal im Jahr sehe.“ Jungkook murrte:„Ja, aber die ist tot...“ Ich seufzte nur leise und meinte:„Ihr zwei seid nicht ausgelastet. Vielleicht braucht ihr echt jemanden, mit dem ihr kuscheln könnt.“ Hobi lachte:„Tae war früher immer fürs Kuscheln zuständig. Der ist nachts bei einem ins Bett gekrochen und suchte nach Nähe. In der Hinsicht bin ich ganz froh, dass er dich hat. Sonst würde ich nachts wieder aufwachen, weil er mit seinen kalten Froschfüßen wieder neben mir liegt und kuschelt.“ Ich lachte laut, wusste, dass Tae tatsächlich fürchterlich gerne kuschelte und grinste dann:„Solltest du das Kuscheln jemals vermissen, kann ich ihn dir ja noch einmal für ne Nacht vorbeischicken.“ Hoseok schüttelte dramatisch mit dem Kopf, was mich noch mehr zum Lachen brachte.

    Wir unterhielten uns noch eine Weile über den jungen Tae und Jungkook meinte:„Vielleicht wird euer Kind ja genauso wie er. Oh Gott, du arme. Zwei Klammeräffchen in einem Haus...“ Ich grinste:„Ich hätte gar nichts dagegen. Ich kuschel gerne und eine Mini-Version von Tae wäre gar nicht schlimm.“ Hobi fügte belustigt hinzu:„So wie Jins Zwillinge. Die sehen jetzt auch schon genauso aus wie er.“ Ich grinste und schaute kurz auf die Uhr, um zu erkennen, dass es schon spät war und ich nach Hause zurück sollte. Kook nickte und sprach:„Ich fahre dich schnell nach Hause.“ Zustimmend nickte ich nur und setzte mich mit meiner riesigen Wampe in sein Auto. Hobi winkte uns vom Türrahmen aus noch hinterher, bis wir dann losfuhren. Nach nicht mal einer Minute waren wir schon bei mir zuhause angekommen und dort setzte mich mein Fahrer aus. Er lächelte mir zu und meinte zum Abschied nur noch:„Man sieht sich, (d/n)!“

    Einen Moment lang schaute ich dem davonfahrenden Auto hinterher, bis ich mich dann der Tür zuwandte und sie nichtsahnend aufschloss. Doch sobald ich das Haus betrat, sah ich Tae grinsend dort stehen, mit einem gewaltigem Blumenstrauß in der Hand und um ihn herum standen Kerzen und es roch nach leckerem Essen. Ich lächelte meinen Mann liebevoll an und lief kichernd auf ihn zu. Er erklärte:„Ich war nicht arbeiten. Ich habe Kook gesagt, dass er mal hier anrufen soll, damit du zu ihm gehst und ich in der Zeit das hier vorbereiten kann. Ich habe gekocht und geputzt, damit du das nicht machen musst.“ Dankbar fiel ich ihm um den Hals und küsste ihn zärtlich auf die Lippen. Ich murmelte gerührt:„Das ist total süß von dir... Das hättest du nicht machen müssen!“ Aber er lächelte nur:„Doch, das hätte ich machen müssen. Und jetzt komm mit, bevor das Essen kalt wird!“ Sanft zog er mich an der Hand mit in die Küche und fragte währenddessen:„Wie geht es dem Baby? Ist es fleißig am Treten?“ Dabei schaute er liebevoll auf meinen Bauch und ich erwiderte lächelnd:„Dem Baby geht es gut. Es ist heute relativ aktiv.“ Zufrieden lächelte mein Mann und führte mich zum Tisch. Dort setzte ich mich hin und Tae stellte. noch den Blumenstrauß in eine Vase.
    Wenig später fingen wir an, zu essen. Solche Überraschungen hatte Tae in letzter Zeit oft gemacht. Er nahm mir fast die ganze Arbeit ab, brachte mir vom Einkauf meine Lieblingssüßigkeiten mit und führte mich auf Spaziergänge aus oder fuhr mit mir los und wir suchten nach Spielzeug und Klamotten für das Baby. Auch Windeln hatte er schon im Überfluss gekauft und in dem Schrank verstaucht. Man hatte das Gefühl, er tat nichts Anderes als sich auf die Zeit mit dem Baby vorzubereiten. Oftmals schaute er im Internet nach, welche Babynahrung die beste ist, bestellte schonmal Wundsalben, falls die Windel zu lange voll war und schaute nach Babynamen in Büchern. Wir wussten zwar nicht das Geschlecht des Kindes, aber wir hatten schon einige Favoriten bei den Namen.
    Ich war wirklich glücklich, einen Partner wie Tae zu haben. Er kümmerte sich um so vieles und war extrem fürsorglich und liebevoll. Er würde ein guter Vater sein...

    Ein Tritt durchfuhr meinen Bauch und ich schlug müde meine Augen auf. Es war mitten in der Nacht, im neunten Monat. Leichte Krämpfe durchzogen meinen Bauch und ich spürte, dass ich auf die Toilette musste und stand auf. Tae lag noch tief schlafend im Bett und bekam von all dem nichts mit. Mein Rücken schmerzte mittlerweile schon von der Last, die ich immer mit mir herum trug und mein Schritt war etwas taumelnd. Mein Unterleib schmerzte, dadurch, dass das Kind trat und ich suchte im Dunkeln nach dem Lichtschalter des Badezimmers. Nach einigen Sekunden hatte ich ihn gefunden und knipste ihn an. Das Licht strahlte in meine Augen und ließ mich kurz aufzucken. Plötzlich durchfuhr mich ein stärkerer Krampf und ich hielt mich gequält am Waschbecken fest. Oh, bitte lass es nicht die Wehen sein... Nicht mitten in der Nacht! Leicht panisch schaute ich mich schonmal um und erkannte zu meinem Glück, dass der Koffer schon bereit stand. Ich hatte einige Tage zuvor mit Tae einen Koffer gepackt, wenn das Kind kommt und wir ins Krankenhaus fahren müssten, dass dann schonmal der ganze Kram bereit stand.
    Mühsam versuchte ich, einen Schritt weiter zu tun, doch die Krämpfe quälten mich weiterhin und plötzlich spürte ich etwas Nasses - die Fruchtblase war geplatzt.
    Ich seufzte leicht, genervt, dass ich das Baby die Nacht als Geburtszeitpunkt ausgesucht hatte und ich schrie laut und schmerzerfüllt nach Tae. Nur wenige Sekunden nach meinem ersten Schrei regte sich etwas im Haus und ich hörte Taes besorgte Stimme:„Tomätchen, wo bist du?“ Verkrampft machte ich mich wieder kurz hörbar und mein Mann kam mit zerzaustem Haar und in Schlafanzug in das Bad geholpert. Sofort erkannte er die Flüssigkeit und murrte müde:„Och ne. Hätte das Baby nicht bis zum Morgen warten können?“ Verkrampft gab ich von mir:„Scheinbar nicht... Aber wir müssen jetzt ins Krankenhaus.“ Knapp nickte Tae aufgeregt und brachte mich stützend zum Auto. Ich setzte mich hinein und wenig später warf er den Koffer in den Kofferraum. Schnell murmelte er:„Ich habe das Fruchtwasser schon aufgewischt, also können wir direkt los.“ Schnell stieg er dann auch ein und fuhr los, zum Krankenhaus.

    Einige Minuten später kamen wir an, Tae half mir hinaus und wir eilten hinein. Sofort wurden wir von einer Ärztin entgegengenommen und sie führte mich in den Kreissaal. Tae schleppte den Koffer hinterher und eine Hebamme grinste:„Toller Zeitpunkt, hm? Schon schön, wenn man in Schlafanzug ins Krankenhaus fährt.“ Kurz schickte Tae ihr einen vernichtenden Blick, was sie nur noch mehr zum Lachen brachte.
    Jetzt legte ich mich vorsichtig auf eine Liege, während Ärzte und Helferinnen um mich herum liefen und Tae hielt meine Hand. Sanft murmelte er:„Du wirst sehen, Tomätchen. In ein paar Stunden ist das Baby da. Ich bleibe bei dir und halte deine Hand. Du kannst sie so fest drücken, wie du möchtest, wenn es zu doll weh tut.“
    Eine Ärztin hob nun ihre Stimme:„OK, jetzt geht es los.“

    Es war eine schwere Geburt, mit einigen Komplikationen, aber ich werde nie das Gefühl vergessen, als ich zum ersten Mal meinen Sohn in der Hand hielt. Es war so ein winziges Geschöpf, schien so zerbrechlich und schrie. Ich spürte den Schweiß meine Stirn herunterlaufen, ich fühlte mich schwach und mein Körper zitterte noch von der Anstrengung. Doch all die Schmerzen waren vergessen, als ich diesen wunderschönen Jungen in meinen Armen hielt. Tränen der Freude liefen meine Wange herunter und ich spürte Taes Hand auf meiner Schulter. Stolz schaute er auf unseren neugeborenen Sohn hinab und seine Sorge von vorhin schien wie weggeblasen. Seine Augen waren genauso glasig wie meine und er strich sanft mit seiner Hand über die des zerbrechlichen Säuglings. Leise murmelte er gerührt:„Er ist perfekt.“ Ich nickte zustimmend und meinte:„Er ist dein Sohn. Wie sollte es dann anders sein? Dein Sohn - Taemin.“ Wir hatten uns lange Gedanken über diesen Namen gemacht. Einerseits wollte Taehyung gerne traditionell bleiben und wenigstens eine Silbe seines Namens einbringen. Andererseits wollten wir uns an jemanden erinnern, den wir in Vergangenheit verloren hatten - Jimin. Er war Taes bester Freund gewesen und eine extrem wichtige Person in seinem Leben. Sein Verlust schmerzt ihm noch heute und als Zeichen des Respekts seinem verstorbenen Freund gegenüber wollten wir auch eine Silbe seines Namens einbringen. So kam der Name „Taemin“ für unseren Sohn zustande.
    Und wir liebten Taemin vom ersten Moment an.

    Die nächsten paar Tage blieb ich noch im Krankenhaus und bekam viel Besuch. Tae selbst kam natürlich jeden Tag mehrfach vorbei, während Jungkook und Hobi auch zwei mal da waren. Auch Jin und seine Freundin kamen vorbei sowie Yoongi und seine Freundin. Taes Eltern waren ebenso da und meine hatten wir direkt nach der Geburt unseres Sohnes angerufen. Die Nachricht, dass das Kind geboren war, ging übrigens schnell rum und ich bekam von jedem Überlebenden Kämpfer der Arena einen Anruf. Inbegriffen das Personal, welches auf unserer Seite war, sprich Daichi und Hadia.
    Bisher hatten sie alle schon angerufen, bis auf Federica. Diese tat das nämlich jetzt. Glücklicherweise rief sie am Morgen an und ich hörte direkt ihre freudige Stimme:„Hey (d/n)! Ich habe gehört, ihr habt jetzt einen Sohn?“ Ich erzählte lächelnd:„Ja, der kleine Taemin wurde gestern Nacht geboren.“ Aufgeregt sprach die Italienerin:„Das ist aber ein schöner Name!“ Ich lächelte glücklich und schaute dabei hinab auf meinen Sohn, der auf meiner Brust schlief. Leise erklärte ich, wie wir auf den Namen gekommen waren und plötzlich vernahm ich ein leises Schluchzen von Federica. Sie wimmerte scheinbar unter Tränen:„Es ist schön, dass ihr Jimin so in Erinnerungen behaltet. Ich vermisse ihn selbst wirklich sehr. Auch, wenn Joonie mein Freund ist und ich ihn vom ganzen Herzen liebe, liebe ich irgendwo auch noch Jimin. Ich meine, mittlerweile habe ich verarbeitet, dass er tot ist, aber er wird immer ein Teil von mir sein. Das habe ich ihm versprochen.“ Ich lächelte leicht und versuchte, die Frau zu trösten:„Und das ist ein wunderschöner Gedanke...“ Aber Federica fuhr fort:„Und dennoch gibt es etwas, was ich dir erzählen wollte.“ Verwirrt fragte ich:„Klar, was ist es?“ Mit zitternder Stimme erzählte die Frau jetzt:„Ich bin schwanger, im dritten Monat. Du kannst dir nicht vorstellen, wie Joonie sich gefreut hat.“ Selbst total freudig für das Paar grinste ich breit und gratulierte ihr. Gleichzeitig meinte ich:„Lustig, dass wir quasi alle gleichzeitig Kinder bekommen. Dann können Taemin und euer Lütten immer miteinander spielen. Wenn sie sich sehen.“ Ich wusste, dass Rica auf der anderen Seite der Welt grinste und sie meinte:„Ja, es ist wirklich schön...“
    Eine Weile hatten wir uns dann noch unterhalten, bevor sie auflegte, weil sie noch einen Untersuchungstermin wegen des Babys hatte.

    Quasi als ich das Handy weglegte, kam Tae herein, mal wieder mit einem riesigen Blumenstrauß in der Hand. Ich grinste ihn an und verkündete ihm gleich die Botschaft von Rica und Joon. Natürlich freute er sich auch total für die zwei und kam nun auf Taemin und mich zu. Sanft küsste er unseren Sohn auf den Kopf und dann mir auf die Lippen und meinte:„Ich habe so ein Glück, euch zwei zu haben. Ich liebe euch beide!“ Ich lächelte breit:„Und wir lieben dich!“

    Die Tage im Krankenhaus vergingen und ich durfte endlich nach Hause. Tae hatte dort schon alles Andere vorbereitet und das erste, was wir tun durften, war eine volle Windel wechseln. Mein Mann lachte ironischerweise:„Das jeden Tag - welch ein Segen.“ Ich grinste:„Tja, du musst dich wohl darauf einstellen, dass das ein paar Jahre lang so geht. Taemin ist sicher nicht unser letztes Kind.“ Mein Mann grinste, drückte mir einen Kuss auf die Lippen und antwortete:„Das hoffe ich doch. Aber keine Sorge, ich mache die Windel gerne sauber.“ Ich grinste nur glücklich und nahm den frisch gewickelten Taemin wieder auf den Arm, wo er leicht schlummerte. Tae hatte recht - es war wirklich ein Segen.

    Die nächsten Tage waren laut und anstrengend. Es ist ja kein Geheimnis, dass Babys auch mal weinen und das war vor allem in der Nacht der Fall. Unser Sohn wachte auf und hatte eine volle Windel. Manchmal bekam mein Mann davon gar nichts mit und ich beneidete ihn um seinen festen Schlaf. Müde stand ich dann auf und wechselte die Windel. Der Tag schien mir dementsprechend kurz, da ich viel Schlaf nachholen musste.
    Dafür kümmerte sich der Vater aber tagsüber ganz rührend um unseren Sohn. Er spielte mit ihm und hielt ihn bei Laune. Nur, wenn er dann mal Hunger hatte, konnte er auch nicht helfen. Dann stillte ich ihn.

    Ich saß gerade im Wohnzimmer und hielt Taemin im Arm. Er war gerade gut zufrieden und sabberte auf meinen Arm, während Taehyung ihm ein neues Spielzeug aufbaute. So eines hatte ich zu Kindertagen auch. Meine Eltern nannten es immer „Rappel“, aber ob es so hieß, wusste ich nicht. Es war ein Gestell, das man über das liegende Baby stellte. Von oben hingen kleine Spielzeuge herab, die teilweise Geräusche von sich gaben und der Säugling konnte dann danach greifen und sich daran austoben.
    Den Rappel hatte Tae mitgebracht, als er vom Einkauf wiederkam und baute ihn nun eben voller Tatendrang auf. Ich schaute ihm lächelnd dabei zu, während Taemin nun meine Haare als Spielzeug nutzte und daran zog. Leise murrte ich kichernd:„Taemin, lass meine Haar los!“ Taehyung drehte sich daraufhin zu mir um und lachte:„Na, macht der kleine Mann wieder Ärger?“ Ich grinste und wollte gerade etwas erwidern, als es an der Tür klingelte. Sofort stand ich auf, mit Taemin im Arm und seinen Fingern in meinen Haaren.
    Ich öffnete die Tür und staunte nicht schlecht, als ich drei bekannte Gesichter vor mir sah: Federica, Namjoon und Lívia. Überrascht stammelte ich:„Hey, was macht ihr denn hier?“ Belustigt fragte die Brasilianerin:„Wonach sieht es denn aus? Dich besuchen!“ Namjoon ergänzte:„Wir machen so ne Art Urlaub und erzählen meinen Eltern, dass sie Großeltern werden. Aber vorher wollten wir noch bei euch vorbei.“ Rica entgegen schaute entzückt auf den kleinen Taemin, der sich immer noch in meine Haare krallte und rief aus:„Awww, wie süß euer Kleiner ist!“ Ich lächelte stolz und nun kam auch Tae von hinten an die Tür, genauso überrascht, die drei zu sehen. Seine erste Reaktion war jedoch, Joon zu umarmen und er prahlte direkt:„Schaut euch meinen Sohn an! Ist er nicht perfekt!“ Belustigt antwortete Namjoon:„Ja, aber er scheint frech zu sein, wenn er der Mama die Haare ausreißt!“ Ich grinste:„Ach, es hält sich in Grenzen“, und lud die Gäste gleichzeitig in unser Haus ein.

    Zusammen hockten wir nun im Wohnzimmer, Tae und Lívia bauten begeistert den Rappel auf und Namjoon erzählte grinsend:„Via hat auch als erstes das Kinderbett für uns aufgebaut, als sie erfahren hat, dass Rica schwanger ist. Sie scheint ein Händchen für Handwerkliches zu haben.“ Etwas vorwurfsvoll ergänzte seine Freundin:„Ja, ganz anders als du. Sie hat es nämlich aufgebaut, nachdem du alle Schrauben verloren hast.“ Unschuldig grinste Namjoon daraufhin und verteidigte sich:„Ey, niemand ist perfekt!“ Darauf grinste Rica, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und murmelte:„Aber du bist nah dran.“
    Ich lächelte nur und schaute wieder zu den zwei Handwerkern unter uns. Das Gestell war mittlerweile aufgebaut und Taemin schaute neugierig durch die Gegend, in meinen Armen. Sein Blick blieb an Federica hängen und ich grinste:„Ich glaube, Taemin mag dich, Rica. Möchtest du ihn auch mal auf den Arm nehmen?“ Heftig nickte die lockenköpfige Frau als Antwort und ich reichte ihr vorsichtig das Baby. Zärtlich wiegte sie es nun in ihren Armen und schaute ihn entzückt lächelnd an. Namjoon schaute den kleinen auch grinsend an und ich konnte mir jetzt schon vorstellen, was für eine süße, kleine Familie die zwei gründen würden.
    Namjoon fragte jetzt:„Darf ich ihn auch mal halten?“ Ich nickte und scherzte:„Aber lass ihn nicht fallen.“ Schmunzelnd versprach Namjoon dann, dass er aufpassen würde und nahm hin vorsichtig an sich. Taemin schaute ihn dann mit großen Augen an, bis er langsam müde wurde und einschlief. So lag er dann eine Weile pennend bei seiner Art Onkel im Arm und ich grinste:„Du scheinst gemütlich zu sein, Joon. So schnell schläft er sonst nicht ein.“ Federica grinste:„Ja, er scheint eine Art Ruhe auf Babys auszustrahlen. Jedes Mal, wenn er eines auf dem Arm hat, schläft es ein. Es scheint eine Art Phänomen zu sein.“

    Nach zwei Stunden oder so verließen die drei uns dann wieder und fuhren weiter, zu Joons Eltern, um ihnen endlich die frohe Botschaft zu verkünden.
    Tae und ich saßen dann noch eine Weile im Wohnzimmer und beobachteten, wie Taemin mit seinem neuen Spielzeug spielte. Er lag dort auf dem Boden, auf einer Decke, über ihm der Rappel und er lachte begeistert hoch, während er mit seinen Füßen gegen die hinunterhängenden Spielzeuge strampelte.
    Ich lächelte liebevoll und spürte plötzlich Taehyungs Hand an meiner. Überrascht schaute ich ihm in die Augen, während er mir sanft zulächelte. Leise murmelte er dann:„Ich liebe dich, Tomätchen.“ Dann drückte er mir einen Kuss auf die Lippen und ich kicherte leicht, während ich erwiderte.

    Der Abend rückte näher und Taemin war leider nicht mehr ganz so gut zufrieden - Windel voll und Hunger. Mein Mann kochte gerade, also kümmerte ich mich um unseren Sohn. Doch leider hörte er auch danach nicht auf, zu weinen und ich seufzte. Tae hörte das Geschrei aus dem Nebenraum und nahm mir Taemin ab. Lächelnd trug er unseren Sohn dann durch die Küche, küsste seine Wange andauernd ganz plötzlich, sodass der kleine Junge lachte und er summte, während er ganz ruhig die Soße in dem Topf schwenkte. Dankbar schaute ich meinen Mann lächelnd an und deckte den Tisch.
    Schließlich war das Essen fertig und wir setzten Taemin für die Zeit in den Maxi-Cosi, in der Hoffnung, dass er nicht anfangen würde, zu weinen.
    Nach dem Essen räumten wir dann den Tisch ab und Tae fragte grinsend:„Lust, auf einen Filmabend?“ Ich lächelte und meinte:„Meinst du nicht, dass Taemin uns da einen Strich durch die Rechnung macht?“ Stumpf schüttelte der andere den Kopf und erwiderte:„Darum kümmere ich mich.“ Zufrieden lächelte ich dann und begab mich schonmal in das Wohnzimmer. Wenige Sekunden später kam Tae hinterher, mit unserem Sohn auf dem Arm, der nur neugierig um sich herum schaute. Ich stellte den Fernseher schon mal an und setzte mich auf das Sofa. Mein Mann kam mit unserem Sohn dazu und setzte sich neben mich. Taemin ließ er dabei auf seinem Schoß sitzen und hüpfte mit seinem Bein leicht auf und ab, damit dem Baby nicht langweilig wurde.
    Doch nach einer Zeit wurde der kleine Mann müde und schlief langsam ein. Damit er schlafen konnte, legte sich mein Mann selbst hin und den Sohn auf seinen Bauch, damit dieser auch nicht das Gefühl hatte, alleine zu sein. Ich lag hingegen neben meinen beiden Taes und kuschelte mich an den älteren der beiden. Er lächelte mich an und küsste mich zärtlich. Ich grinste ihn an und atmete zufrieden aus.
    Niemals nach meiner Entführung damals dachte ich, würde das Leben doch noch einmal so perfekt werden... Aber jetzt ist es das und ich möchte, dass es nie endet...




    Moin.

    Hier wieder ein neues Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch.
    Durch dieses Kapitel ist mir aufgefallen, wie einsam ich eigentlich bin. XD
    Naja, sei's drum.

    Wenn ihr noch weitere Wünsche habt, dürft ihr die gerne äußern und über Feedback freue ich mich natürlich sehr.

    LG Emily W.

    17
    Kapitel 158 (Sonder-Kapitel)


    Akikos Sicht)

    „Akikooooo?“ Ich öffnete die Augen und schaute mich verwirrt um, als ich meine Nichte meinen Namen rufen hörte. Mühsam setzte ich mich auf dem Sofa auf, wo ich gerade einen Mittagsschlaf gemacht hatte und rief zurück:„Ja, Ayumi?“ Wenige Sekunden später stand die ungefähr 3-jährige in meinem Zimmer und grinste mich breit an. Ich lächelte nur und fragte freundlich:„Was ist denn, Ayumi?“ Aufgeregt lief sie auf mich zu, kletterte neben mir auf das Sofa und flüsterte mir kichernd ins Ohr:„Darf ich Schokolade haben?“ Ich grinste nur und meinte:„Na gut. Aber nicht so viel! Denk dran, eigentlich wollen deine Eltern nicht, dass du so viel Süßes isst.“ Doch das kleine Mädchen hüpfte nur freudig auf der Stelle, während ich meinen Rollstuhl zu mir zog.
    Seit ich damals meinen Vater getötet hatte und dabei selbst auch unter dem Beton verschüttet wurde, konnte ich nicht mehr laufen. Beide meine Beine waren gebrochen, leider sehr kompliziert, sodass sie nie wieder ganz richtig hätten zusammenwachsen können. Auch ein Nerv wurde von einem Knochensplitter damals getroffen und auch deswegen verschlechterte sich das alles. Ich konnte höchstens noch mal für ein paar Sekunden stehen, wenn ich mich irgendwo festhielt. Somit brauchte ich natürlich einen Rollstuhl und war quasi daran gefesselt.
    Als ich den Rollstuhl bei mir hatte, setzte ich mich darauf um und rollte rüber zum Küchenschrank. Die kleine Ayumi folgte mir fröhlich. Ich öffnete den Schrank und kam gerade noch an die Schokolade heran, die darin lag. Schnell steckte ich sie meiner Nichte zu und murmelte:„Iss aber schnell, bevor deine Eltern kommen.“ Gehorchend nickte das süße Mädchen und verschwand mit dem Schokoriegel in ihrem Zimmer. Ich schaute ihr nur lächelnd hinterher, seufzte dann aber leise.
    Es deprimierte mich, dass ich den ganzen Tag nur in meinem Rollstuhl saß und quasi nichts mehr zu tun hatte. So gerne würde ich mit Ayumi über den Flur laufen und richtig mit ihr spielen. Doch der Rollstuhl fesselte mich und machte mich zu einer Behinderten. Ich war es leid, nur zu sitzen und das Leben war seitdem sehr viel schwerer. Mein Jurastudium hatte ich angebrochen, nachdem ich erstens so lange weg gewesen war und zweitens einen riesigen Konflikt mit mir selbst hatte. Als Anwältin, wie ich es hätte sein sollen, muss man gerecht sein. Ich hatte in meiner Zeit der Arena nur Unrecht getan und verriet die, die mich brauchten. Ich sah mich selbst als unfähig, zwischen richtig und falsch zu entscheiden. Seelisch konnte ich das einfach nicht mitmachen und so war ich doch nicht Anwältin geworden. Stattdessen habe ich angefangen, zu schreiben. Ich hatte angefangen, Bücher zu verfassen und auch zu veröffentlichen. Mein Bestseller war meine eigene Geschichte. Aber nicht nur meine, sondern auch die von all den anderen Mistreitern der Arena. Ich hatte aufgeschrieben, was damals passiert war und weil es tatsächlich passiert ist, verkaufte sich das Buch überall. Geld verdiente ich also wohl und das auch nicht gerade schlecht, aber ich hatte dennoch Schuldgefühle. Schuldgefühle meinem Bruder gegenüber. Er ließ mich bei ihm und seiner Familie wohnen, fuhr mich überall hin und half mir, wenn immer ich etwas wegen meiner Behinderung nicht konnte. Er tat so viel für mich, obwohl ich damals nie für ihn da war. Immerhin lag mein Fokus früher auf Stolz und Macht. Ich war egoistisch und wollte nichts Anderes. Er war immer so anders als ich, wusste, was wichtig war. Ich habe es erst gelernt, als ich dem Tod in die Augen sehen musste und letztlich vom Feind gerettet wurde.
    Jetzt bin ich anders als früher. Ich denke nicht mehr nur an mich, sondern viel mehr an die anderen. Ich bin dankbar für jede Minute meines Lebens und für all die Menschen, die um mich herum sind.
    Aber doch ist das Leben langweilig...

    Daichi kam in das Wohnzimmer und sah mich in meinem Rollstuhl vor dem Fenster sitzen und hinausgaffen. Leise und belustigt fragte er:„Hey. Beobachtest du wieder die Nachbarn?“ Etwas erschrocken über seine plötzliche Anwesenheit drehte ich mich um und schaute hinauf zu ihm. Schnell stammelte ich:„Nein, ich habe nur nichts zu tun.“ Langsam nickte mein Bruder und kam dann auf mich zu. Ruhig stand er eine Weile neben mir und schaute ebenso aus dem Fenster hinaus. Dann hob er plötzlich wieder seine Stimme:„Akiko, du musst wirklich mal raus. Du isolierst dich total von dem Rest der Menschheit. Es liegt vermutlich an dem Rollstuhl, aber du solltest wirklich anfangen, dir vielleicht noch ein Hobby oder so zu suchen. Irgendetwas, wo du Menschen triffst.“ Unsicher unterbrach ich meinen älteren Bruder:„Nerve ich dich, wenn ich hier den ganzen Tag hänge?“ Stumm schüttelte der Mann den Kopf, bis er erklärte:„Ich mache mir nur Sorgen um dich. Es tut dir selbst auch nicht gut, immer nur hier zu sein. Du vereinsamst...“ Von dem Gedanken, mich wieder richtig unters Volk zu mischen, lief es mir kalt den Rücken runter und ich protestierte:„Aber ich sehe doch dich, Hadia und Ayumi den ganzen Tag. Ich bin nicht einsam.“ Streng erwiderte Daichi:„Bullshit! Du kannst nicht dein ganzes Leben hier sein und erwarten, dass wir immer Zeit für dich haben. Du musst auch mal andere sehen! Weißt du... Ich habe nachgedacht und mit Hadia gesprochen. Wir haben das Gefühl, nicht nur dein Rollstuhl fesselt dich hier. Auch deine Gedanken. Wir haben das Gefühl, du hast Angst, andere Leute zu sehen, nachdem die ganze Geschichte mit Vater passiert ist.“ Bedrückt senkte ich nur den Kopf, wissend, dass er irgendwo recht hatte.
    Daichi fuhr in der Zeit fort:„Wir dachten, es wäre vielleicht ganz gut, wenn du das Geschehene hinter dir lässt und einen Neuanfang machst. Klar, den hast du gemacht, als du Vater getötet hast, aber vielleicht einen Neuanfang mit Freunden. Denn seitdem du deine Gruppe in der Arena verraten hast, hast du Angst, keine gute Freundin zu sein. Ich weiß das doch.“ Etwas überrascht über das vielseitige Wissen meines Bruders schaute ich ihn an und er erklärte direkt schmunzelnd:„Ich habe dein Buch gelesen, Akiko. Alle deine Bücher. Die Gedanken, die der Autor in seinem Buch anspricht, sind auch die, die er im echten Leben hat. Alles, was aus deiner Sicht als Autor dort beschrieben ist, sind deine eigenen Zweifel, deine eigenen Ängste.“ Ich senkte wieder den Kopf, wusste, dass es wahr war und ich seufzte:„Es ist aber nicht einfach, Freunde zu machen. Sowieso, wer möchte schon mit einem Krüppel befreundet sein? Niemand will die ganze Zeit jemanden umherschieben! Ist das deine Definition von Spaß?“ Mein Bruder seufzte und murmelte:„Sie alle akzeptieren dich, Akiko. All deine Mitstreiter aus der Arena haben dich auch im Rollstuhl akzeptiert. Erinnere dich doch nur an unser jährliches Treffen! Sie alle schieben dich gerne mal herum. Echte Freunde legen keinen Wert darauf, ob der andere vielleicht irgendwie eingeschränkt ist.“ Kurz dachte ich nach und erinnerte mich an all die Treffen. Murmelnd dachte ich vor mich hin:„Die Treffen sind immer schön. Sie akzeptieren mich alle...“ Darauf nickte Daichi wieder und fügte hinzu:„Eben. Warum sollte also nicht auch jeder andere dich akzeptieren?“ Zögernd zuckte ich mit den Schultern und beobachtete, wie mein Bruder davonging. Als er in der Tür stand erklärte er noch:„Ich bin jetzt arbeiten. Hadia ist mit Ayumi beim Schwimmunterricht. Du bist also für ein paar Stunden alleine, aber du findest bestimmt eine Beschäftigung.“ Ich nickte nur traurig und beobachtete, wie er die Tür hinter sich schloss und ich seufzte, als ich alleine in dem großen Haus in meinem Rollstuhl saß. Das Leben ist so doch wirklich einsam...


    Hobis Sicht

    Ich hockte im Wohnzimmer, schaute Fernsehen und aß dabei ein bisschen Schokolade, als plötzlich Jungkook hereinkam. Laut murrte er in einer etwas kindischen Stimme:„Hobiii, mir ist so langweilig!“ Desinteressiert erwiderte ich:„Dann mach doch was.“ Wenig später fühlte ich das Gewicht von Jungkook auf meinen Beinen, als er sich auf mich legte und er brummte:„Aber wassss?“ Genervt, aber gleichzeitig belustigt rollte ich mit den Augen und meinte:„Keine Ahnung. Kannst ja Tae fragen, ob er und (d/n) nicht zusammen essen gehen wollen. Dann können die Taemin hier abliefern und wir können Onkels spielen.“ Der Jüngere antwortete:„Hab ich schon gefragt. Taemin ist bei Taes Eltern.“ Nach wie vor eher unberührt von Kooks Geschwafel meinte ich:„Oh, Pech. Dann koch mir was. Oder back mir mal einen Kuchen! Ich vermisse es, dass Jin das macht.“ Beleidigt brummte mein Mitbewohner:„Ganz sicher nicht! Back dir deinen Kuchen selbst!“ Ich kicherte nur und fokussierte mich weiter auf den Fernsehen, während Jungkook aber weiter quängelte. Das ging so weit bis ihn von meinen Beinen runterschob und ihn des Wohnzimmers verwies mit der Aussage, dass er einfach Overwatch oder sowas spielen soll.
    Somit verschwand Kook dann auch in sein Zimmer.


    Jungkooks Sicht

    Gelangweilt hockte ich nun auf meinem Drehstuhl statt auf Hobis Schoß und drehte mich im Kreis, das als meine einzige Beschäftigung sehend. Ich hatte keine Lust darauf, Overwatch zu spielen, weil ich das quasi schon den ganzen Tag gemacht hatte und kramte stattdessen mein Handy hervor. Ich kam auf die Gruppe von den Überlebenden der Arena und schaute mir all die Kontakte an. Ich schaute nach, ob jemand ein neues Profilbild hatte und sah das von Tae. Darauf war er, wie er Taemin auf dem Arm hatte und beide ziemlich doof in die Kamera grinsten. Beide hatten dieses Boxy-Smile, nur dass Taemin noch keine Zähne hatte und ich musste über die Ähnlichkeit von meinem besten Freund und seinem Sohn lächeln. Auch Juan hatte ein neues Profilbild: Sich mit seiner Oma und Preecha. Sie standen wohl bei ihm im Garten in der Sonne und waren alle gut gebräunt. Hadia hatte Ayumi als Profilbild, wie sie Tomatensoße im Gesicht hatte und Federica hatte ein Foto von ihrer ganzen Familie. Also sie, Lívia, ihr Onkel und jetzt auch Namjoon. Sie saßen alle vier in einem Boot auf den Kanälen Venedigs und es sah ziemlich unbequem aus, wie sie so eng dort hockten. Und doch wirkte es so gemütlich und fröhlich - all diese Profilbilder. Ich seufzte laut. Fast alle waren dabei, ihre eigene Familie zu gründen. Ich hatte das Gefühl, nur ich sei noch einfach hier und finge nichts mit meinem Leben an. Ich scrollte weiter durch die Kontakte, bis ich auf den von Akiko kam. Auf ihrem Profilbild war sie abgebildet, wie sie vor einem Fenster saß und hinausschaute. Es war ein schönes Bild, auch wenn man die Japanerin selbst eigentlich nur halb von der Seite und halb von hinten sah. Es fiel gar nicht so auf, dass die Frau auf dem Bild im Rollstuhl saß. Das Abendlicht des Bildes fiel auf das schwarze Haar der Asiatin und ließ es seidig und glänzend wirken. Man sah die orange-rote Sonne vor dem Fenster stehen und der Raum, in dem die Frau selbst saß, wirkte dunkel und trostlos. Das ganze Bild wirkte irgendwie einsam. So sehnsüchtig saß die junge Frau dort vor dem Fenster und schaute hinaus, wissend, dass sie nicht einfach hinausrennen könnte. Irgendwie wirkte Akiko so, als wäre sie alleine und ich seufzte leicht. Scheinbar bin ich doch nicht der einzige, der hier ganz alleine ist...
    Ich drückte auf den Chat mit Akiko, um zu sehen, dass ich vorher tatsächlich noch nie mit ihr geschrieben habe. Aber ich sah auch, dass sie im Moment online war, als hätte sie nichts zu tun. Ich überlegte nicht lange und schrieb sie einfach an:„Hey.“
    Es dauerte nicht lange, bis ich eine Antwort bekam:„Hey, was geht? Ò-o “
    Ich bemerkte sofort, dass Akiko verwirrt war, dass ich sie so plötzlich anschrieb, also schrieb ich zurück:„Nicht so viel. Mir war nur langweilig und ich wollte mit irgendjemandem schreiben. XD Und was geht bei dir?“ Nach wenigen Minuten schrieb die Japanerin zurück:„Naja, ich auf jeden Fall nicht. XD Verstehst du? Sitze im Rollstuhl. Lol. Mir ist aber auch langweilig.“ Ich musste etwas grinsen, als ich diesen ziemlich flachen Witz las und ich schrieb zurück:„Kann mir vorstellen, dass es für dich richtig langweilig sein muss, den ganzen Tag im Rollstuhl zu sitzen.“
    Akiko erwiderte:„Ja, ist schon ziemlich langweilig manchmal. Aber ich spiele immer viel mit Ayumi und schreibe auch. Ich bin jetzt so ne Art Autorin.“ Sofort schrieb ich zurück:„Ja, ich habe deinen Bestseller gelesen. Der wurde ja auch auf koreanisch und viele andere Sprachen übersetzt, obwohl ich auch wohl ein bisschen japanisch spreche. XD Aber meinen Respekt auf jeden Fall, dein Buch ist total gut!“


    Akikos Sicht

    Es überraschte mich sehr, als Jungkook mich auf einmal anschrieb, aber ich freute mich darüber. Immerhin war mir ohnehin total langweilig und ich verstand mich sonst auch ganz gut mit ihm.
    Als er schrieb, dass er mein Buch gelesen hatte, errötete ich. Ich wusste nicht genau, was ich davon halten sollte. Vielleicht hat Jungkook ähnlich wie Daichi meine Gedanken über das Buch nachverfolgt und denkt jetzt sonst was von mir... Andererseits ist es voll lieb von ihm, dass er mich so lobt. Ich antwortete etwas verlegen:„Dankeschön.^^ Ich glaube, das Buch zu schreiben hat mir auch ein bisschen dabei geholfen, das alles so zu verarbeiten. Außerdem kann ich es dann irgendwann mal meinen nicht vorhandenen Enkeln vorlesen.“ Der andere schrieb zurück:„Hahahah, ja das ist ein guter Plan. Aber die Enkel kommen bestimmt noch. Und ich kann mir gut vorstellen, dass dir das geholfen hat. Es war bestimmt auch irgendwo traumatisch. Ich meine, ich kenne das ja von Hobi.“ Ich schrieb:„Ich denke, wir haben alle irgendwo unsere Narben davongetragen.“ Für einen Moment legte ich mein Handy weg, dachte über das nach, was ich selbst geschrieben hatte. Die Zeit hat wirklich Narben hinterlassen. Nicht nur meine Behinderung, sondern auch meine Gedanken...
    Nach einigen Minuten nahm ich das Handy aber wieder in die Hand und las Kooks Nachricht:„Schon, aber die verheilen alle wieder. Am Ende sind es nur Erinnerungen, die uns klüger machen.“ Ich lächelte wegen des Optimismus und erwiderte:„Da hast du recht... Was machst du eigentlich momentan so? Wohnst du noch mit Hobi zusammen oder seid ihr auch schon auseinander gezogen?“ Der Mann schrieb:„Ne, wir leben noch zusammen. Wir uns auch den ganzen Tag XD“ Ich lächelte und war irgendwo erleichtert, dass ich nicht die einzige war, der stets langweilig war.
    Schnell tippte ich:„Geht mir genauso. Ich wohne halt bei Daichi und Hadia mit im Haus. Wenn Ayumi da ist, habe ich wohl was zu tun, aber sonst auch nicht wirklich. Irgendwie habe ich hier auch nicht so viele Freunde. Im Rollstuhl ist es ja sowieso alles ein bisschen schwierig und deswegen sitze ich halt den ganzen Tag nur rum.“
    „Ist ja voll doof:( Würden wir näher beisammen wohnen, könnten wir ja immer was zusammen machen. Haben ja schließlich beide nichts zu tun.“

    Wir schrieben noch einige Zeit, unterhielten uns über alles Mögliche und waren beide gut drauf. Schließlich fragte Jungkook:„Du hast doch bestimmt einen guten Computer, oder?“ Verwirrt fragte ich:„Ja, wieso?“ Sofort erwiderte Kook:„Lass mal zusammen irgendwelche Comouterspiele spielen. XD So können wir aktiv etwas miteinander machen, obwohl wir uns nicht sehen.“ Ich grinste und stimmte zu.

    Den Rest des Abends spielten wir online zusammen Videospiele und hatten eine Menge Spaß. Schließlich kam Daichi von der Arbeit wieder und sah, wie ich spielte. Verwirrt hakte er nach:„Seit wann spielst du?“ Knapp murrte ich konzentriert:„Seit heute.“ Belustigt schüttelte mein Bruder den Kopf und fragte:„OK und mit wem?“ Genauso knapp erwiderte ich:„Mit Jungkook.“ Jetzt noch überraschter gab mein Bruder nur ein erstauntes „Aha“ von sich und verschwand in seinem Zimmer.


    Hobis Sicht

    Der Abend verstrich und ich wurde müde. Gähnend schaltete ich den Fernsehen ab, stand auf und trottete in das Zimmer, das ich mir mit Jungkook teilte. Er lag bereits in dem Bett und grinste in sein Handy. Leise fragte ich neugierig:„Na, was grinst du so in dein Handy, Kook?“ Knapp erwiderte der andere:„Ich schreibe.“ Jetzt noch neugieriger lief ich auf ihn zu, drängelte mich neben ihn in sein Bett und fragte aufdringlich:„Mit wem?“ Fast verrenkte ich mir den Hals, als ich auf das Handy schaute und nur einen Chatverlauf erkennen konnte. Der Jüngere antwortete in der Zeit auch:„Mit Akiko.“ Überrascht schaute ich ihn an und murmelte:„Wie kommt es dazu? Ihr hattet doch sonst nie viel miteinander zu tun, oder?“ Jungkook schüttelte nur den Kopf und erläuterte:„Hab mir Profilbilder angeguckt aus Langeweile und gesehen, dass sie online ist. Deswegen habe ich sie angeschrieben. Sonst hatten wir nicht viel zu tun, aber sie ist total nett. Sie meinte, ihr sei auch total langweilig. Wir haben gerade schon ganz lange online zusammen gespielt.“ Interessiert nickte ich nur und las bei dem Chatverlauf der beiden mit. Es wirkte sehr freundschaftlich wie sie schrieben, so als würden sie sich schon seit Ewigkeiten kennen und sie erzählten gerade alles Mögliche, was sie in der Freizeit machten.
    Ich lächelte und erinnerte mich plötzlich daran, wie ich damals auch immer Karolin erzählt hatte, was ich so in meiner Freizeit machte. Sie war eine wirklich gute Zuhörerin gewesen und war auch sehr interessiert. Obwohl ich die Österreicherin damals noch gar nicht so lange gekannt hatte, waren wir gute Freunde gewesen. Wir waren irgendwie auf einer Wellenlänge. Wir waren zwar vom Charakter her total unterschiedlich eigentlich, aber dennoch klappte es so immer. Ich wurde traurig, als ich mich daran erinnerte, dass die 15-jährige, die mittlerweile auch schon fast 19 oder so hätte sein müssen, tot war. Gerne hätte ich mich noch heute mit ihr im lebenden Zustand unterhalten. Stattdessen konnte ich nur noch mit ihrer Seele sprechen, wenn wir bei unserem jährlichen Treffen zusammen waren.

    Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als Jungkook auf einmal murrte:„Willst du eigentlich noch länger wie so eine Klette an mir hängen und mitlesen? Hast du nichts Besseres zu tun?“ Belustigt stand ich nur auf, verkroch mich in mein eigenes Bett und meinte:„Gute Nacht, Kook.“ Der andere nickte kurz, wünschte mir ebenfalls eine gute Nacht, aber das helle Licht seines Handys schien noch immer in sein Gesicht.


    Akikos Sicht

    Tage vergingen und jeden Tag schrieb ich auf's neue mit Jungkook. Ich wachte morgens auf und griff als erstes nach meinem Handy, um Jungkook zu schreiben. Uns war beiden stets langweilig und so schrieben wir eben immer. Daichi beschwerte sich immer, dass es nicht gut für meine Augen sei, die ganze Zeit ins Handy zu gaffen, aber was sollte ich sonst tun? So viel gab es da nicht. Aber mit Jungkook wurde es nicht langweilig. Wir spielten oft zusammen irgendwelche Computerspiele online oder schrieben einfach. Zwischendurch machten wir immer eine Pause, weil wir irgendwelche Pflichten hatten oder ich mit Ayumi spielte.

    Gerade saß ich mit Ayumi am Küchentisch. Ich in meinem Rollstuhl, sie auf dem normalen Stuhl. Wir malten zusammen und aßen dabei Plätzchen, als die 3-jährige auf einmal fragte:„Mama meinte, du schreibst in letzter Zeit immer mit Jungkook. Wer ist das? Ist das dein Freund?“ Überrascht über die Frage schaute ich auf und erzählte:„Ich hab dir ja schonmal erzählt, dass ich früher bei so einer Art Kampf unfreiwillig mitgemacht habe. Jungkook war auch dabei, aber nur als Angestellter. Er und seine Freunde haben uns damals aus der Arena geholt und dann haben wir uns so ein bisschen mehr kennengelernt. Er ist ein Kumpel von mir.“ Neugierig fragte Ayumi wieder:„Wo wohnt er? Kann er mal zu Besuch kommen?“ Seufzend erzählte ich:„Ayumi, er wohnt in Südkorea. Er kann nicht einfach zu Besuch kommen. Wir bleiben nur über das Handy in Kontakt.“ Leicht beleidigt murrte das Kind, hob dann aber aufgeregt die Stimme:„Kannst du mir ein Bild von ihm zeigen?“ Ich zuckte kurz mit den Schultern und meinte:„Das ist kein Problem. Er war mal sehr berühmter Musiker. Bilder findet man von ihm überall im Internet.“ Schnell tippte ich dann seinen Namen ein und wenige Sekunden später konnte ich meiner Nichte schon ein Bild zeigen. Sehr sorgfältig betrachtete sie es und meinte dann:„Der sieht gut aus. Und nett. Kannst du ihm mal hallo von mir sagen?“ Ich kicherte und erwiderte:„Ja, er sieht schon wohl gut aus. Nett ist er auch. Und ja, ich werde ihn von dir grüßen.“ Gut zufrieden grinste das kleine Mädchen und kritzelte weiter.

    Am Abend saß ich im Rollstuhl an meinem Schreibtisch und schrieb weiter. Aus dem Nebenzimmer hörte ich die gedämpften Stimmen von Hadia und Ayumi. Die zwei putzten gerade zusammen die Zähne.
    Konzentriert tippte ich auf der Tastatur rum, als auf einmal mein Handy vibrierte. Als wäre es eine Sucht, nahm ich es direkt in die Hand und öffnete die Nachricht, welche von Jungkook kam. Er schrieb:„Akikoooo, mir ist so langweiligggg!“ Ich kicherte bei diesem Schreibstil und antwortete:„Gibt's doch nicht XD“
    Der Mann schrieb zurück:„Hast du Zeit zum Telen oder so? Hobi ist auf so einer Art Messe und alle anderen haben auch keine Zeit für mich.“ Ich lächelte belustigt und erwiderte:„Ja, können wir machen. Bin gerade auch nur am Schreiben.“
    Wenige Sekunden später startete Jungkook dann auch schon einen Videoanruf und tatsächlich war ich etwas nervös. Telefoniert habe ich so noch nicht mit ihm, sondern nur geschrieben. Hastig warf ich einen Blick in den Spiegel und nahm dann ab. Sofort erkannte ich Jungkooks grinsendes Gesicht und ich lächelte belustigt. Er fing an, zu sprechen:„Naaaa?“ Ich lachte über diesen etwas abstrakten Gesprächsanfang:„Naaa?“ Daraufhin lachte Kook auf und er meinte:„Das fängt ja schonmal gut an.“ Ich grinste:„Ja, schon richtig gut. Dabei sollte ich als Autorin doch wissen, wie man mit Worten umgeht.“ Der Mann grinste nur und erwiderte:„Ach, das passt schon. Ich finde es auch immer schwierig, ein Gespräch anzufangen. Smalltalk ist nicht unbedingt meine Stärke.“ Ich lachte:„Meine auch nicht, wie man sieht. Aber hey, was soll's?“ Der Koreaner stimmte zu und sprach dann:„Ey, Akiko. Es ist so gemein!“ Verwirrt fragte ich:„Was ist gemein?“ Der andere erzählte:„Ich habe heute den ganzen Tag schon Hobi gefragt, ob er was hat, was ich machen kann, weil mir langweilig ist und er meinte so NÖ. Und dann hat er mir vor 20 Minuten gesagt, dass er dann mal weg ist und auf diese Messe geht. Anstatt, dass er mich mitnimmt!“ Ich lachte:„Vielleicht glaubt er, dass du dann nicht stillsitzen kannst oder so.“ Jungkook kicherte kurz und antwortete:„Das will ich nicht mal ausschließen, aber trotzdem! Yoongi ist schon wieder mit seiner Freundin unterwegs und Jins Zwillinge haben eine Erkältung. Deswegen darf ich da nicht vorbeikommen. Tae und (d/n) sind bei seinen Eltern. Es ist schrecklich!“ Ich lächelte und meinte:„Das kann ich mir vorstellen. Ich habe heute auch nicht so viel gemacht. Nur mit Ayumi zusammen gemalt und zwischendurch die ganzen Pflanzen in unserem Haus gegossen. Irgendwie gibt es hier auch nicht viel zu tun. Daichi ist sonst auch den ganzen Tag arbeiten und Hadia hat auch viel zu tun. Ich bin froh, wenn ich ihr mal beim Kochen helfen darf.“ Jungkook nickte verständnisvoll und meinte:„Es ist bestimmt auch richtig langweilig für dich im Rollstuhl. Man kann ja oft nicht so wirklich was machen.“ Langsam nickte ich und wollte gerade noch etwas erwidern, als Ayumi das Zimmer betrat und mich neugierig anschaute. Erwartungsvoll drehte ich mich zu ihr um und Jungkook fragte:„Wer ist das?“ Als die 3-jährige dann die Stimme hörte, lief sie aufgeregt neben mich und schaute auf mein Handy, sodass auch Kook sie sehen konnte. Aufgeregt winkte das kleine Mädchen dann in die Kamera und rief:„Hallo, Jungkook!“ Überrascht fragte der andere:„Woher weißt du denn, wer ich bin?“ Ayumi erzählte:„Akiko hat mir von dir erzählt. Sie hat mit ein Bild von dir gezeigt und gesagt, dass du gut aussiehst und nett bist.“ Lachend hakte Jungkook nach:„Tatsächlich?“ Ich errötete in der Zeit und Ayumi plauderte weiter:„Sie hat mir ganz viele Sachen von dir erzählt, weil du ja immer mit ihr schreibst. Sie meinte letztens zu mir, dass sie abgesehen von dir keine richtigen freundschaftlichen Beziehungen hat und deswegen...“ Weiter kam das Mädchen nicht, denn ich schob sie weg und redete ihr dazwischen:„So, Ayumi. Du musst jetzt auch schlafen gehen! Los, ab mit dir. Sonst kommst du morgen nicht rechtzeitig aus dem Bett für den Kindergarten!“ Die 3-jährige kicherte nur und verschwand dann auch aus dem Zimmer. Ich wandte mich in der Zeit mit hochrotem Kopf wieder Jungkook zu, der nur grinste. Mir war es äußerst unangenehm, dass Ayumi ihm das alles erzählt hatte, aber Jungkook meinte nur:„Deine Nichte ist echt süß.“ Was das Kind sonst gesagt hatte, sprach er zum Glück nicht weiter an. Er schien auch wohl selbst zu merken, dass ich etwas verunsichert war und wechselte das Thema:„Sitzt du in deinem Zimmer?“ Ich nickte knapp und schaute zu der Wand hinüber, die Jungkook wohl gerade inspizierte. Fotos zierten diese, waren wie ein Nachweis meines Lebens. Kook murmelte:„Du hast aber viele Fotos an der Wand.“ Ich lächelte:„Ja, das stimmt. Die Fotos waren für mich stets die Erinnerung an ein Leben, das ich mir wünschte. Es sind viele Fotos von Daichi, meinen Eltern und mir, bevor Vater loszog, um diese Legende zu verfolgen. Es war für mich damals eine heile Welt. Zu der Zeit, als ich weder meine Mutter, noch meinen Vater hatte, habe ich sie mir oft angeschaut.“ Jungkook lächelte nur mitfühlend, während ich wie gebannt in den Erinnerungen der Vergangenheit schwelgte. Ich nahm mein Handy vom Schreibtisch, legte es kurz auf meinem Schoß ab, sodass mein Gesprächspartner nur die Decke sehen konnte und rollte zu der Wand rüber. Dort angekommen nahm ich mein Handy wieder in die Hand, stellte die Außenkamera ein und zeigte Jungkook darüber die Fotos.


    Jungkooks Sicht

    Akiko rollte in ihrem Rollstuhl zu der Wand, drehte die Kamera und fing an, mir die Fotos zu zeigen. Sie fing an bei einem verblassten Foto, auf dem ein junger Hisoka und eine hübsche junge Frau zu sehen war, die sehr viel Ähnlichkeit mit Akiko hatte. Hisoka hatte einen kleinen Jungen an der Hand, welcher wohl gerade etwa vier Jahre alt war. Er schaute grinsend zu seiner Mutter hoch, die ein winziges Baby im Arm hielt. Sie schienen wie eine glückliche, kleine Familie. Sie alle lächelten und ich konnte Liebe in den Augen des Vaters sehen. Akiko erzählte dazu:„Das ist das erste Foto von mir mit meiner Familie. Das sind meine Eltern, Daichi und ich als Neugeborenes. Damals war Vater noch bei uns und schien nicht so von Macht besessen zu sein. Er liebte seine kleine Familie...“ Sie fuhr fort mit einem Foto, auf dem sie wohl schon älter waren. Der Junge war wohl etwa 8 Jahre alt und die kleine, frech grinsende Akiko wohl etwa 4 Jahre alt. Die Mutter der Kinder schaute liebevoll auf sie hinab und hatte ihre Hand auf die Schulter ihres Sohnes gelegt. Hisoka hingegen hielt Akikos Hand und lächelte sanft. Auch hier sahen sie wie eine glückliche Familie aus. Doch Akiko erzählte:„Dieses Foto wurde ein Jahr vor dem Verschwinden meines Vaters aufgenommen. Damals dachte ich noch, mein Leben wäre perfekt. Aber seit fort an ging es bergab. Vater verließ uns.“ Darauffolgend zeigte sie noch zwei Fotos, auf denen sie alleine mit der traurigen Mutter standen. Doch dann war auf einmal auch die Mutter nicht mehr auf den Fotos dabei und Akiko erzählte traurig:„Und dann wurde Mutter zunehmend trauriger und bettelte Vater an, zurückzukommen. Sie sagte, er könne uns doch nicht alleine lassen wegen dieser Legende und sie versuchte, ihn aufzuhalten und zu Sinnen zu bringen. Aber Vater ließ sie in der Zeit stehen und hatte ihren Körper versteckt, damit wir dachten, sie sei tot. Von fort an lebten wir alleine in diesem riesigen Haus, nur noch mit Bediensteten...“ Traurig schaute ich mir die Fotos der zwei Kinder an, die immer älter wurden und zunehmend einsamer aussahen. Akiko sprach in schmerzunterdrückter Stimme:„Ich habe mir früher häufig alte Fotos von meinen Eltern angeschaut. Ich habe Fotoalben von ihnen durchgeblättert und mich nach den alten Zeiten gesehnt. Aber ich dachte, meine Mutter sei tot und mein Vater... von dem dachte ich, würde er bald wiederkommen. Ich dachte, er wäre ein guter Mensch und ich wollte, dass er zurückkam. Irgendwo dachte ich wahrscheinlicher, sei er enttäuscht von uns und ich wollte ihn stolz machen... Letztendlich war ich aber die, die ihn tötete.“ Leise murmelte ich:„Aber du hast das Richtige getan. Du musst dich nicht schuldig fühlen oder so.“ Daraufhin seufzte Akiko:„Ich weiß und ich bereue nicht, dass ich ihn getötet habe, aber letztendlich denke ich doch, dass er kein schlechter Mensch war. Er ist einfach nur dem Wahnsinn verfallen. Ein Opfer von einer traumatischen Kindheit war er, die ihn dazu führte, von Macht besessen zu sein. Er war kein schlechter Mensch, er war ein gebrochener Mensch. Ich meine, man sieht ja in den Fotos, dass er lieben konnte. Er war einfach nur verrückt geworden, paranoid, dass wieder so ein Trauma wie in seiner Kindheit ihn verfolgen könnte. Aber schließlich ist es gut, dass er tot ist. Man hätte ihm so oder so nicht mehr helfen können...“ Die junge Frau tat mir leid und ich hörte, wie sie die Nase hochzog, als würde sie weinen, doch ihre Kamera zeigte mir weiterhin das Foto der einst glücklichen Familie. Mitfühlend raunte ich:„Es war mit Sicherheit eine schwere Zeit für dich und ich verstehe deine Gedanken. Das tue ich wirklich. Aber, dass du dich gegen ihn und für das Richtige entschieden hast, zeigt, dass du eine starke Person bist.“ Ich hörte ein zittriges Lachen von der Frau, was darauf hindeutete, dass sie tatsächlich ein oder zwei Tränen verloren hatte bei dem Gedanken und sie bedankte sich:„Danke... Es hilft mir wirklich, das zu hören.“ Ich lächelte mitfühlend und fragte dann vorsichtig:„Was ist jetzt überhaupt genau mit deiner Mutter passiert? Konnte Daichi sie aus ihrer Zeitstarre befreien?“ Ruhig erzählte die Japanerin:„Ja, das konnte er. Sie ist auch oft bei uns zu Besuch. Allerdings ist es alles etwas kompliziert. Dadurch, dass sie während dieser langen Zeit nicht gealtert ist und von nichts etwas mitbekommen hat, ist sie jetzt quasi nur etwa 10 Jahre älter als ich. Es ist seltsam so. Für uns alle. Sie hat uns als kleine Kinder in Erinnerung und sie scheint, als könnte sie eine Freundin von uns sein. Sie ist manchmal selbst etwas irritiert und weiß nicht, wie sie reagieren soll, wenn wir Probleme haben und sie um Rat fragen.
    Sie trauert noch Hisoka hinterher, ist aber der selben Meinung wie du, nämlich, dass es besser so ist. Wir haben ihr natürlich auch alles erzählt und sie war komplett geschockt.
    Der Haken bei dem Ganzen ist, dass sie sich nicht wirklich wie unsere Mutter fühlt, weil sie eben körperlich nicht sehr viel älter ist als wir. Das ist so ein bisschen kritisch, aber ansonsten ist eigentlich alles so weit ein Butter.“ Ich lächelte:„Naja, immerhin eines, nicht?“ Akiko drehte jetzt auch wieder ihre Kamera, sodass ich ihr hübsches Gesicht sehen konnte. Ihre Augen waren leicht geschwollen, was auch noch einmal darauf hinwies, dass sie etwas geweint hatte, aber ihre Lippen zierte ein bezauberndes Lächeln. Ein aufmunterndes Lächeln schmückte auch mein Gesicht und Akiko fing an, etwas zu lachen. Verwirrt fragte ich:„Warum lachst du jetzt?“ Akiko kicherte weiter, wischte noch schnell eine Träne weg und murmelte:„Es ist einfach lustig, wie wir uns hier so gegenseitig anlächeln.“ Darauf musste ich auch etwas kichern und legte mich hin, auf mein Bett. Neugierig fragte Akiko:„Gehst du jetzt ins Bett?“ Ich schüttelte ruhig den Kopf und erzählte:„Nö, ich warte noch darauf, dass Hobi wieder da ist.“ Akiko scherzte:„Kannst gar nicht mehr ohne ihn einschlafen, hm?“ Ich lachte:„Doch, aber ich warte trotzdem. Der weckt mich sonst eh aus Versehen wieder, wenn er zurückkommt.“ Wieder lächelte Akiko belustigt und ich war froh, dass ich sie etwas von ihren schlechten Gedanken abhalten konnte. Leise murmelte die Japanerin jetzt vor sich hin:„Ich speicher eben das Dokument und fahre den Computer herunter. Dann lege ich mich auch schonmal ins Bett.“ Ich nickte dazu nur und wartete ruhig, bis sie damit fertig war. Als es dann soweit war, rollte sie zu ihrer Bettkante, legte ihr Handy wohl auf das Bett, auf jeden Fall sah ich nur die Decke. Kurze Zeit später hörte ich das leise Quietschen der Matratze, was darauf hinwies, dass sie nun in ihrem Bett war und das Handy wurde wieder bewegt. Akiko richtete es wieder ihrem Gesicht zu und ich konnte sie erneut sehen. Sie lächelte breit und man sah ein Funkeln in ihren Augen. Auch ich lächelte und fragte dann:„Ist es eigentlich anstrengend, von dem Rollstuhl ins Bett zu kommen oder so?“ Die Frau zuckte kurz mit den Schultern und erwiderte nachdenklich:„Naja, am Anfang war es schon anstrengend und ich hatte auch jedes Mal etwas Angst, dass ich vielleicht hinfalle, aber dann haben Daichi oder Hadia mir geholfen. Mittlerweile bin ich einfach geübt und habe mehr Kraft in den Armen, die ich dafür hauptsächlich brauche. Andererseits kann ich meine Beine ja auch wohl kurz belasten, aber eben nicht sehr lange, bevor die Kraft mich verlässt.“ Interessiert nickte ich und stellte wieder eine Frage:„Gibt es denn eigentlich wirklich keine Chance, dass du wieder laufen kannst oder so?“ Die Asiatin schüttelte den Kopf und erzählte:„Es war ein sehr komplizierter Bruch und auch ein Nerv war betroffen. Die Ärzte geben mir gerade mal eine zehnprozentige Chance, dass ich es irgendwann doch noch mal schaffe. Im Grunde genommen ist es auch nicht so, dass sie wieder brechen würden oder so, würde ich sie zu stark belasten, aber alle Muskeln haben sich in meinen Beinen abgebaut und sie konnten auch nicht wieder ganz richtig zusammenwachsen. Nach einer Zeit könnte der Knochen dann vielleicht anfangen, zu splittern oder ich bekomme durch den dauerhaften Versuch, zu gehen, eine Fehlstellung in den Beinen.“ Kurz gab ich noch ein nachdenkliches Murren von mir, bevor Akiko weitersprach:„Aber es ist für mich in Ordnung. Klar, lieber würde ich laufen können, aber ich denke, irgendwo ist es auch der Preis, den ich zahlen musste. Ich habe einen riesigen Fehler begangen und den musste ich wieder gutmachen. Manchmal muss man Opfer bringen und das ist meines. Ich komme damit zurecht und das ist die Hauptsache. Natürlich ist es oft langweilig und manchmal hat man das Gefühl, seine Zeit irgendwo zu verschwenden, aber ich glaube daran, dass meine Zeit noch kommen wird.“ Ich lächelte. Ich war stolz, dass Akiko so optimistisch blieb und ihre eigenen Fehler eingestand. Ich meinte:„Es ist toll, dass du dich davon nicht runterziehen lässt.“ Daraufhin schnaubte Akiko belustigt und konterte:„Was sollte ich auch sonst tun? Mein Leben aufgeben und depressiv werden? Ich weiß ja, dass das Leben einem alles zurückzahlt und deswegen denke ich, ist es in Ordnung. Ich hätte auch sterben können. Da ist mit ein Leben mit Behinderung doch lieber. Es passiert zwar nicht viel und ich bleibe wahrscheinlich mein ganzes Leben mehr oder weniger alleine, aber immerhin lebe ich.“ Mitfühlend lächelte ich und horchte auf, als sich die Tür plötzlich öffnete. Hobi kam hinein, starrte mich wortlos an, bis er fragte:„Mit wem telefonierst du?“ Akiko hörte seine Stimme wohl und kicherte:„Ist das Hobi?“ Hoseok erkannte Akikos Stimme direkt und eilte neben mich. Er grinste in die Kamera und winkte, woraufhin Akiko lachte und zurückwinkte.
    Ich lächelte nur und meinte:„OK, ich glaube, ich werde dann jetzt mal Hobi ausfragen.“ Akiko antwortete lächelnd:„Klar, mach das. Dann schlaf gut!“ Ich grinste:„Danke, mach ich. Gute Nacht!“ Lächelnd winkte Akiko mit noch ein letztes Mal durch das Handy zu und legte dann auf.

    Ich sprach dann noch kurz mit Hobi und wenig später gingen wir beide schlafen.


    Akikos Sicht

    Die Sonne ging auf, schien in mein Gesicht und ich gähnte ausgiebig, als ich die Augen aufschlug und mich in meinem Bett aufsetzte. Das Licht warf helle Flecken auf meine Decke und ich lächelte leicht, streckte meine Finger in das Licht und genoss die Wärme, die es spendete. In dem Moment kam Daichi hinein und lächelte mich an:„Guten Morgen, Sonnenschein.“ Ich lachte ironisch:„Haha, sehr witzig.“ Doch Daichi grinste weiter und murmelte:„Du hast lange geschlafen. Warst du noch lange wach gestern?“ Ich erzählte knapp:„Ich habe noch mit Jungkook telefoniert.“ Überrascht runzelte mein Bruder die Stirn und hakte nach:„Du hast in letzter Zeit relativ viel Kontakt mit ihm, nicht? Ayumi hat mir davon erzählt.“ Wieder errötete ich leicht, was Daichi gleich dazu veranlagte, zu grinsen und er fragte:„Hast du meinen Hinweis angenommen, soziale Kontakte aufzubauen?“ Während ich mich wieder in meinen Rollstuhl hievte, murrte ich:„Ja, so in etwa.“ Zufrieden nickte der Ältere und meinte:„Das finde ich gut. So, kommst du dann zum Frühstück?“ Ich nickte nur knapp und rollte meinem Bruder hinterher in die Küche. Dort entdeckte ich auch Hadia, die mich direkt anlächelte und begrüßte. Ich wiederholte den Morgengruß und rollte an den Tisch, wo Daichi mir direkt ein Spiegelei zuschob.
    Schweigend aß ich es, bis ich bemerkte, dass Hadia und Daichi sich irgendwie komisch anguckten. Verwirrt schaute ich auf, bis Daichi sich dann endlich räusperte:„Akiko, wir wollten noch über etwas mit dir sprechen.“ Etwas ängstlich, was kommen würde, schaute ich die zwei an, war sichtlich nervös. Doch mein Bruder fing sofort an:„Hadia und ich müssen in drei Tagen auf eine Art Geschäftsreise. Für mehrere Tage. Ayumi wird mit dir hier bleiben müssen. Traust du dir zu, auf sie aufzupassen?“ Überfordert mit diesem plötzlichen Wissen stammelte ich:„Ich? Alleine aufpassen auf Ayumi? Wie soll ich das machen? Ich kann sie doch nicht zum Kindergarten bringen in dem Rollstuhl und...“ Hadia unterbrach mich in ihrer ruhigen und freundlichen Stimme:„Du musst dir keine Sorgen machen, Akiko. Der Kindergarten ist nicht weit und der Weg ist barrierefrei. Du könntest ohne Probleme mitkommen, auch im Rollstuhl. Und sonst passt du ja auch oft auf Ayumi auf. Wir sind uns sicher, dass du das hinbekommen würdest.“ Aber ich stammelte weiter:„Aber ich gehe doch nie raus! Was glaubt ihr denn, warum ich auch keine Freunde habe? Ich möchte nicht die ganze Zeit angestarrt werden und was ist, wenn etwas passiert? Wenn ich mich verletze oder noch schlimmer Ayumi? Ich könnte keine Hilfe holen oder wenn ich aus dem Rollstuhl falle. Was soll ich denn dann machen? Ihr könnt mich hier doch nicht einfach alleine lassen!“ Daichi versuchte, mich zu beruhigen:„Akiko, nur weil du im Rollstuhl sitzt, heißt es doch nicht, dass du irgendwie unfähig bist! Du kannst damit umgehen und du könntest dich auch wieder hochziehen. Ich weiß, dass du das schaffst! Und was das mit dem Rausgehen betrifft... du kannst so oder so nicht dein ganzes Leben hier verbringen und du kannst auch nicht davon ausgehen, dass wir immer da sind! Du musst lernen, dich zu integrieren und die Blicke der Leute zu ignorieren! Es ist auch vollkommen normal, dass nicht alle Personen zu 100% gesund sind und die Leute wissen doch sowieso, was passiert ist. Die meisten haben doch dein Buch gelesen!“ Dennoch stieg irgendwie Panik in mir auf und ich fing an, schneller zu atmen. Hadia kam jedoch auf mich zu, legte ihre Hand auf meine Schulter und sprach ruhig:„Hey, du schaffst das! Mach dir bitte keine Sorgen und hab etwas Vertrauen in dich selbst!“ Damit beruhigte ich mich auch wieder etwas und nickte nur etwas zitternd. Zufrieden lächelte Hadia dann und meinte:„Dir bleibt ja auch noch etwas Zeit. Und wenn etwas ist, könntest du uns immer noch anrufen.“ Langsam nickte ich nur und versuchte, den letzten Bissen meines Frühstücks hinunterzuschlingen.
    Um ehrlich zu sein, beängstigte mich die Vorstellung wirklich sehr. Zwar kam ich selbst damit klar, aber wie sollte ich noch auf ein 3-jähriges Kind aufpassen? Ich verließ fast nie das Haus, was auch ein Grund mehr dafür war, dass ich so recht keine Freunde hatte. Jeder wusste durch mein Buch, was passiert war. Ja. Und das war es, was mir Angst machte. Ich wollte nicht wieder abgelehnt werden. Ich hatte mich selbst als Bösewicht in dem Buch dargestellt und ich wusste, dass auch jeder andere es so sah. Doch ich versuchte den Gedanken zu verdrängen und fuhr in meinem Rollstuhl wieder in mein Zimmer. Ich brauchte Zeit für mich und Zeit zum Nachdenken.

    Ich war gerade mal eine Stunde im Zimmer, als mein Handy wieder vibrierte. Ich nahm es in die Hand und erkannte, dass Jungkook mich erneut angeschrieben hatte. Seine Nachricht lautete:„Hi. Gut geschlafen? Was machst du so?“ Ich tippte schnell:„Hi. Hab gut geschlafen. Und du? Naja, mache momentan nichts. Ayumi ist schon im Kindergarten und habe gerade gefrühstückt.“ Als gäbe es für Kook keine andere Beschäftigung, war er direkt online und schrieb zurück:„Auch gut. Ich bin gerade auf dem Weg zu Tae. Er hilft bei seinen Eltern nachher kurz auf der Farm und (d/n) ist krank. Scheint hier momentan so ein bisschen umzugehen. Deswegen passe ich auf Taemin auf.“ Etwas enttäuscht, dass mein einziger Freund gleich nicht mehr erreichbar sein würde, seufzte ich, schrieb aber zurück:„Oh, na dann viel Spaß. Grüß mal alle von mir!“ Als Antwort schickte der andere nur einen Daumen hoch und ging dann offline.


    Jungkooks Sicht

    Schnell machte ich mich fertig und rief noch schnell Hobi zu:„Bin dann mal weg! Wenn was ist, ruf mich an!" Hoseoks Stimme ertönte aus einer anderen Ecke des Hauses:„Jo, viel Spaß! Richte (d/n) gute Besserung von mir aus!" „Mach ich!"
    Mit diesen Worten verließ ich das Haus, stieg in mein Auto und fuhr los.
    Nach wenigen Minuten war ich angekommen und ich ging zu der Haustür von Familie Kim. Ich musste nicht einmal klingeln, da kam Taehyung mir schon entgegen. Er wirkte etwas gestresst, aber gleichzeitig erleichtert, dass ich da war. Knapp meinte er:„Hi. Danke, dass du kommen konntest. (d/n) ist im Schlafzimmer und ruht sich dort ein bisschen aus. Wenn sie etwas braucht, wäre es nett, wenn du ihr es eben bringen würdest. Taemin ist im Wohnzimmer unter dem Rappel. Da kommt er so schnell nicht weg. Den Rest bekommst du bestimmt hin. Dass wir auf Flasche umgestiegen sind, weißt du ja. Das Milchpulver ist im Schrank und die Anweisung zum Zubereiten steht auf der Rückseite. Windeln sind unter dem Wickeltisch und wenn er sich wieder zusaut, sind Wechselklamotten auch unterm Wickeltisch, oberste Lade." Ich nickte knapp lächelnd:„OK, bekomme ich hin, keine Sorge. Sag deinen Eltern hi von mir und gutes Gelingen." Tae jauchzte mir schnellen Dank hinterher und stieg auch schon in sein Auto.
    Ich betrat in der Zeit das Haus und entdeckte auch direkt Taemin, wie sein Vater es beschrieben hatte. Das Baby schien gut gelaunt zu sein und zog an den Spielzeugen, die das Gestell des Rappels hinunterhingen. Als er mich sah, weiteten sich seine Augen kurz, aber er spielte einfach gut zufrieden weiter. Ich lächelte, ganz entzückt von dem winzigen Jungen und setzte mich auf das Sofa, um ihn von dort aus weiter im Blick zu behalten. Eifrig strampelte er mit den Beinen und erinnerte mich dabei an seinen Vater, wie er sich manchmal auf einen geschmissen hatte, wenn man eigentlich schlafen wollte. Ich grinste breit. Taemin ist wirklich putzig. Er hat ziemlich viel Ähnlichkeit mit Tae, scheint aber eher ruhig zu sein, was man von seinem Vater ja nicht behaupten kann. Aber doch, er ist wirklich ein putziges Kerlchen. Da hätte man doch glatt am liebsten selbst auch einen zuhause. Ich setzte mich jetzt direkt neben das Baby auf den weichen Teppich und kitzelte ihn an seinen winzigen Füßchen, was ihm wohl zu gefallen schien, da er ganz entzückt kicherte und mit seinen kleinen Händen nach meinen griff. Ich kicherte und kitzelte auch sanft seinen Bauch. Wieder grinste das Kind belustigt und schaute mich mit strahlenden Augen an.

    Etwa eine halbe Stunde war er so gut drauf und genoss, dass ich mit ihm spielte, bis er Hunger bekam. Ich nahm ihn vorsichtig auf den Arm und ging mit ihm in die Küche. Dort bereitete ich ihm seine Flasche und fütterte ihn schließlich.
    Sobald das geschafft war, legte ich ein Trockentuch über meine Schulter und legte ihn mit dem Bauch gegen meine Schulter, sodass sein Kopf direkt über dem Tuch war. Sanft klopfte ich auf seinen Rücken und wartete darauf, dass er sein Bäuerchen machte. Als er dann auch damit fertig war, brachte ich das Tuch schnell in den Wäschekorb und ging mit dem Baby zurück in das Wohnzimmer. Dort spielte ich wieder mit ihm, bis ich plötzlich (d/n)s heisere Stimme vernahm. Sie rief nach mir und ich ging mit Taemin auf dem Arm zu ihr ins Zimmer. Dort lag sie in ihrem Bett und hatte offensichtlich Fieber. Müde lächelte sie mir und ihrem Sohn zu, bevor sie leise krächzte:„Bist du so lieb und machst mir einen Tee?" Ich nickte lächelnd und verließ das Zimmer mit dem Baby wieder. Schnell kochte ich Tee und brachte diesen dann zu Taes kranker Frau. Den nahm diese dankend entgegen und lud mich ein, mich kurz auf den Schreibtischstuhl zu setzen und mit ihr zu plaudern. So tat ich es auch, behielt den kleinen Jungen weiter im Arm und die Frau fragte leise:„Wie geht es dir? Bist du noch gesund?" Ich nickte und erinnerte mich plötzlich:„Ich soll übrigens gute Besserung von Hobi ausrichten und schöne Grüße von Akiko." Verwirrt hakte die Kranke nach:„Akiko?" Ich nickte und erklärte:„Ja, wir schreiben seit ein paar Tagen miteinander und ich hab ihr erzählt, dass ich bei euch sein werde." Dies schien Taemins Mutter zu freuen und sie stellte erneut eine Frage:„Wie geht es ihr so?" Kurz erzählte ich:„Ganz gut scheinbar, aber ihr ist oft langweilig, weil sie in dem Rollstuhl ja auch nirgendwo hin kann." Nachdenklich nickte (d/n) und murmelte:„Es ist wirklich blöd, dass sie nicht mehr laufen kann." Direkt nach diesen Worten schüttelte ein Hustenanfall die Frau und ich fragte besorgt, ob alles in Ordnung sei. Doch (d/n) nickte nur und meinte:„Ja, alles in Ordnung. Ich habe mich wahrscheinlich bei Jins Zwillingen angesteckt. Die ganze Familie war vor ein paar Tage zu Besuch. Naja, aber ich möchte euch zwei nicht auch noch anstecken. Geht am besten wieder ins Wohnzimmer." Ich nickte nur und ging wieder.

    Etwa zwei weitere Stunden verbrachte ich noch dort, wechselte in der Zeit auch noch einmal Taemins Windel und zog ihm einen neuen Strampler an, da er seinen anderen ganz voll gesabbert hatte. Die restliche Zeit spielte ich dann noch mit ihm und schließlich schlief er ein.
    Zwanzig Minuten danach kam Tae dann auch wieder und schien sehr froh zu sein, dass es so friedlich bei uns zuging. Er grinste mich an und fragte:„Na, ist der kleine Mann eingeschlafen?" Ich nickte nur grinsend und schaute zu dem ratzenden Baby. Kurz erkundigte sich Tae, wie alles gelaufen war und ich erzählte kurzerhand alles. Zufrieden nickte er dann am Ende und wir unterhielten uns so noch ein bisschen. Auch ihm erzählte ich schließlich von Akiko und er fing an, nostalgisch zu werden:„In der Arena war ich auch sehr gut mit ihr befreundet. Da wusste ich zwar nicht, dass sie uns alle hintergeht, aber sie hat die Seiten ja gewechselt. Sie macht auf mich heute wieder einen äußerst netten Eindruck." Ich nickte:„Das ist sie auch." Nachdenklich lehnte Tae sich daraufhin zurück und fing plötzlich an, breit zu grinsen:„Verlieb dich aber nicht!" Ich lachte nur und wir unterhielten uns weiter. Ich dachte aber noch kurz über dies nach. Vom Aussehen her war sie auf jeden Fall eine Person zum Verlieben und sympathisch war sie eigentlich auch. Dennoch kannte ich sie aber natürlich gar nicht so gut und ich wusste, dass wir nur Freunde waren.


    Akikos Sicht

    Wieder näherte sich der Tag dem Ende und fast den ganzen Tag über hatte ich in meinem Zimmer gesessen und Panik geschoben. Ich hörte Daichi und Hadia im Nebenzimmer über mich reden und ich vernahm Daichis leises Raunen:„Sie muss es doch lernen! Sie kann nicht ihr ganzes Leben lang nur hier hängen!" Seine Frau murrte streng:„Sie ist deine Schwester, Daichi!" Mein Bruder erwiderte:„Ich weiß und ich habe sie wirklich lieb und möchte ja, dass sie bei uns ist, aber das kann sie doch nicht für immer! Irgendwann werden auch wir älter und dann können wir uns nicht immer um sie kümmern." Hadia konterte:„Es ist aber doch nicht so als würde sie alleine nicht klarkommen." Ihr Mann erwiderte:„Das ist es ja! Sie könnte das alles, aber sie will einfach nicht! Sie will ja nicht mal das Haus verlassen, weil sie zu scheu ist und hat Angst, dass sie es nicht hinbekommt, ein paar Tage auf Ayumi aufzupassen. Dabei könnte sie es!" Die Muslimin murmelte:„Und wenn vielleicht noch jemand für die Zeit hier hinkommt?" Irgendwelche Freunde oder so?" Daichi brummte:„Ach, sie ist doch total menschenscheu geworden! Wir brauchen jemanden, dem sie vertraut, den sie kennt und da hat sie hier niemanden! Unsere Mutter ist jetzt ja auch weggezogen und möchte eine Art neues Leben anfangen. Wir sind nicht mehr ihre Kinder, sondern nur noch Fremde"
    Ich seufzte laut und versuchte, diese Diskussion auszublenden. Ich wollte dem nicht weiter zuhören und setzte mir Kopfhörer auf, die die Stimmen verscheuchen sollten. Es war nicht so als wollte ich das alles nicht können, ich hatte einfach nur Angst. Lange hatte ich nicht mehr so viel Verantwortung und als ich diese das letzte Mal hatte, habe ich sie missbraucht und Malou, Karolin, Jimin und Lorenzo starben.

    Auf einmal bekam ich einen Anruf und ich nahm ab. Es war Jungkook, der einen Videoanruf mit mir starten wollte. Ich lächelte ihn durch das Handy nur etwas verlegen an und er sprach sofort:„Hi! Ich bin jetzt wieder zuhause." Ich lächelte:„Das ist schön. War es denn angenehm mit Taemin?" Der Koreaner nickte:„Ja, es war sehr angenehm. Zwischendurch musste ich ihn mal füttern oder die Windel wechseln, aber das passte wohl." Ich grinste:„Dann kannst du ja jetzt direkt Vater werden." Jungkook lachte:„Ne, lass mal. Alleinerziehender Vater wäre ich nicht gerne. Außerdem müsste ich dann adoptieren, weil ich keine Freundin habe." Ich lächelte sanft:,, Ach, du findest bestimmt noch jemanden." Nachdenklich nickte Kook:,, Hoffentlich. Sonst muss ich mich weiter 24/7 langweilen." Ich kicherte kurz und Jungkook fragte, mich wie mein Tag so war. Schulterzuckend erwiderte ich:„Keine Ahnung, langweilig. Daichi hat mir heute erzählt, dass er demnächst auf eine Geschäftsreise mit Hadia geht und ich auf Ayumi aufpassen soll für ein paar Tage." Jungkook meinte lächelnd:„Ist doch gut, dann kannst du dich den ganzen Tag mit Ayumi beschäftigen." Doch ich schaute unsicher hinab und meinte:„Naja, ich freue mich nicht wirklich. Ich weiß nicht, ob das mit dem Rollstuhl alles so klappen wird. Ich gehe sonst ja auch nie raus und bin seitdem tatsächlich ein bisschen scheu. Wenn ich ehrlich bin, habe ich Angst, dass die Leute in mir das sehen werden, was ich in mir sehe: ein Monster. Denn nachdem alle das Buch gelesen haben, werden sie das denken." Daraufhin schüttelte mein Gesprächspartner energisch den Kopf und brummte:„Du bist kein Monster, Akiko! Das weißt du selbst und es wird auch niemand von dir denken! Mittlerweile stehst du auf der richtigen Seite und hast dein Vermögen, laufen zu können, für unsere Leben aufgegeben. Du bist kein Monster und ich bin mir ziemlich sicher, dass du das auch alles schaffen wirst." Schwach lächelte ich:„Danke für die Aufmunterung. Ich bin mir trotzdem nicht sicher... Wenn Ayumi etwas passiert, kann ich ihr nicht helfen und wenn ich aus dem Rollstuhl falle oder so, kann ich mir selbst auch nicht helfen." Kurz dachte der andere nach, bis er vorschlug:„Und wenn du irgendwie einen Kumpel fragst, ob er helfen will?" Etwas peinlich berührt meinte ich:„Ayumi hat nicht gelogen, als sie sagte, dass du mein einziger Kumpel bist..." Als wäre es nichts, zuckte er mit den Schultern und meinte:„OK, dann komme ich eben zu dir und helfe dir." Überrascht schaute ich auf:„Du? Aber du wohnst doch gar nicht..." Weiter kam ich nicht, denn Jungkook schnitt mir das Wort ab:„Juckt doch niemanden! Ich fliege zu dir und dann helfe ich dir. Es macht mir nichts aus. Langweilig ist mir eh immer und das Geld für den Flug habe ich auch wohl übrig. Wo ist also das Problem?" Nahezu geschockt schaute ich den Mann nur an und stammelte:„Das würdest du tun?" Unbeschwert nickte er:„Klar. Wir sind doch Freunde, oder nicht?" Ich lächelte nur breit und so auch Jungkook. Nach wie vor verwirrt meinte ich:„Und dann würdest du wirklich einfach hier überfliegen und mit mir auf meine Nichte aufpassen?" Jungkook nickte:„Ja, habe ich doch gesagt. Ich meine, natürlich nur, wenn du das überhaupt möchtest." Verlegen nickte ich schüchtern:„Das wäre wirklich toll..." Zufrieden grinste Jungkook:„Gut. Dann stehe ich übermorgen bei euch auf der Matte. Schreib mir am besten noch einmal deine Adresse und dann komme ich." Verlegen nickte ich nur, glücklich, dass er sich dazu bereitstellte, mir zu helfen und mir somit etwas Angst nahm.
    Im selben Moment kam Ayumi hinein und fragte etwas. Schnell sprach ich Jungkook zu:„Ist es in Ordnung, wenn ich kurz auflege? Ayumi möchte etwas von mir." Zufrieden nickte der andere nur knapp und und verabschiedete sich noch schnell, bevor er auflegte.
    Ich hingegen war immer noch fassungslos, dass er das für mich machen wollte.


    Jungkooks Sicht

    Ich stand von meinem Bett auf, in welchem ich vorhin lag und schlenderte in die Küche, wo Hobi gerade Nudeln machte. Als er mich bemerkte, drehte er sich zu mir um und fragte:„Na, wieder mit Akiko telefoniert?" Knapp nickte ich nur und stellte mich neben Hobi, um eine Nudel aus dem Topf entwenden zu können. Etwas angepisst schaute er mich dann an, während ich schmatzend erzählte:„Ich werde ab übermorgen für ein paar Tage weg sein." Verwirrt fragte Hoseok:„Was meinst du? Wo wirst du denn sein?" Stumpf erklärte ich:„Akiko muss für ein paar Tage auf Ayumi aufpassen und ich habe ihr versprochen, zu helfen." Erschrocken ließ der Mann daraufhin den Löffel in den Topf fallen und hakte geschockt nach:„Du hast was?" Stirnrunzelnd gaffte ich ihn nur an, wusste, dass er das Richtige verstanden hatte. Schließlich murrte der ehemalige Rapper:„Es ist ja alles in Ordnung, dass du ihr helfen möchtest, das ist nett. Aber du musst das doch mal ein bisschen mit mir besprechen! Du kannst doch nicht einfach sagen:„Jo, ich bin dann mal weg" Wie soll das funktionieren?" Unbeschwert murmelte ich:„Wofür brauchst du mich denn? Außerdem bin ich ein erwachsener Mann und darf hingehen, wo ich will!" Hobi seufzte:„Ich weiß und davon will ich dich nicht abhalten, aber es wäre trotzdem ganz nett gewesen, hättest du vorher mit mir gesprochen. Was wäre gewesen, hätte ich dich gebraucht, um den Garten umzugraben oder so?" Herausfordernd grinste ich kopfschüttelnd:„Du würdest nie einfach auf die Idee kommen, den Garten umzugraben! Hobi, du denkst zu viel über die Zukunft nach. Ich glaube, dass hat von Karolin oder so auf dich abgefärbt." Ich sah, wie mein Mitbewohner daraufhin die Augen verdrehte und murrte:„Es ist gut, wenn man sich Gedanken über die Zukunft macht. Pläne schmieden und so." Ich lachte:„Pläne schmieden wofür? Willst du jemanden ermorden?" Grinsend erwiderte der Ältere:„Steht momentan nicht in Planung, aber dafür mache ich ja Pläne, nicht?" Ich schüttelte nur grinsend den Kopf und kam wieder darauf zu sprechen:„Ich habe gerade schon online ein Ticket gekauft und packe morgen den Koffer. Übermorgen bin ich dann weg." Ruhig nickte Hobi nur, während er das Nudelwasser abgoss und fragte dann neugierig:„Wie kommst du überhaupt wirklich dazu, so viel mit Akiko zu scheiben? Du hattest vorher nie wirklich etwas mit ihr zu tun und jetzt habt ihr euch innerhalb von nicht mal einer Woche angefreundet als würdet ihr seit Jahren beste Freunde sein." Ich scherzte, während ich mir wieder eine Nudel in den Mund stopfte:„Pläne schmieden und so, weißt du?" Daraufhin lachte Hobi:„Achso, du bist jetzt also auf der Suche nach einer Freundin!" Ich verschluckte mich bei dieser Aussage und schüttelte strikt den Kopf:„Wir sind nur Freunde!" Wieder lachte Hobi und murmelte belustigt:„Jaja, ist schon klar."

    Die Tage vergingen schnell und es war so weit, dass ich nach Japan flog. Meinen Koffer hatte ich gepackt, hatte mich von allen schnell verabschiedet und saß nun in der ersten Klasse des Flugzeugs. Der Flug sollte insgesamt nur etwa 150 Minuten dauern, also wirklich nicht sehr lange. Ich lehnte mich auf meinem Platz zurück und wartete auf den Start.


    Akikos Sicht

    Als ich Daichi und Hadia erzählte, dass Jungkook kommen würde, waren sie überrascht, regelrecht geschockt, hatten aber kein Problem damit. Ich denke, sie hatten eher nicht damit gerechnet, dass Kook und ich uns wirklich doch so gut verstanden, dass er gleich zu mir rüber fliegen wollte. Ayumi hatte sich wohl noch mehr gefreut. Sie war vor Aufregung durch das ganze Wohnzimmer gehüpft.

    Jetzt war es der Morgen des Tages, an dem die Geschäftsreise beginnen sollte und Jungkook kommen wollte. Ich war bereits wach, hockte aufgeregt im Wohnzimmer mit Ayumi auf dem Schoß und beobachtete, wie Hadia und Daichi ihre Koffer hinter sich her zogen. Ihr Taxi wollte in fünf Minuten vor der Haustür stehen und ich hatte Angst. Naja, richtige Angst hatte ich vielleicht nicht, aber ich war nervös. Nervös, weil Daichi und Hadia gehen würden und nervös, weil Jungkook kommen würde. Ich hatte über Monate keinen richtigen Kontakt mehr zu anderen Menschen gehabt und jetzt würde mein einziger Freund für ein paar Tage hier sein und mir helfen.
    Mit den Augen verfolgte ich, wie Ayumis Eltern zur Tür schritten und sich dann noch einmal zu ihrer kleinen Tochter umdrehten. Beide gaben sie ihr noch einen schnellen Kuss auf die Wange und verabschiedeten sich von ihr als auch mir. Daichi sprach mir gut zu:„Ihr schafft das! Sollte doch mal etwas sein, könnt ihr mich einfach anrufen." Zögernd nicke ich und beobachtete, wie die zwei das Haus endgültig verließen. Aufgeregt atmete ich tief ein, als die Tür sich geschlossen hatte und meine Nichte fragte direkt:„Wann kommt Jungkook?" Knapp antwortete ich:„Er will in einer Stunde hier sein. Sein Flug ging schon vor etwa 2 Stunden und er muss dann ja noch mit Taxi hier hinkommen." Zufrieden nickte das 3-jährige Mädchen und grinste:„Ich freue mich schon, das wird bestimmt lustig!" Ich lächelte sanft, wuschelte ihr einmal über den Kopf und meinte:„Das ist gut. Ich glaube, ich freue mich auch schon."

    Die Zeit verging weiter und ich wurde zunehmend nervöser. Schließlich entschloss ich mich dazu, Kaffee aufzusetzen, um etwas herunterzukommen. Gerade hatte ich die Kaffeemaschine dann angestellt und Ayumi legte Plätzchen auf einen Teller, als es an der Tür klingelte. Wir wussten ja, wer es war und Ayumi schrie aufgeregt:„Jungkook ist da!“ Ich lächelte belustigt und rollte zu der Tür, während die 3-jährige hinterherlief. Ruhig öffnete ich die Tür und direkt erkannte ich das grinsende Gesicht von Jungkook. Er hatte seinen Koffer neben sich stehen und einen kleinen Blumenstrauß mit Tigerlilien in der Hand. Ich wollte ihn gerade hereinbeten, als Ayumi schon auf ihn zustürmte und ihn an der Hand hineinzog. Ich grinste nur und beobachtete, wie der Mann sich kichernd mitziehen ließ und uns zwei dabei begrüßte. Ich lachte:„Hi. Bist du gut übergekommen?“ Nickend sprach Kook:„Ja, die Anreise war sehr angenehm. Ich hab dir übrigens was mitgebracht.“ Dabei streckte er mir den Blumenstrauß entgegen und lächelte verschmitzt. Überrascht nahm ich den Strauß an mich und stammelte überrumpelt:„Für mich?“ Der Mann nickte grinsend:„Ja. Ich habe ihn am Flughafen erworben. Da war so ein Mann, der Blumen verkauft hat und ich dachte, warum nicht?“ Geschmeichelt lächelte ich und betrachtete die hübschen Blüten. Schnell fuhr ich dann in meinem Rollstuhl zum Schrank und holte eine Vase heraus, um den Strauß am Leben zu erhalten. Währenddessen bot ich Jungkook schonmal an, sich hinzusetzen und vielleicht Plätzchen und Kaffee zu nehmen. So tat er es auch direkt und ich stellte die Vase samt Blumen auf den Tisch in die Mitte. Ayumi plauderte in der Zeit direkt mit unserem Gast, was ich gar nicht so schlecht fand, da es mir sonst schwer gefallen hätte, ein Gesprächsthema zu finden. Jungkook hingegen hörte entzückt den eifrigen Erzählungen des Mädchens zu und knabberte währenddessen an seinem Plätzchen. Ich grinste dabei nur leicht. Irgendwann hatte aber auch Ayumi keine Idee mehr, was sie noch erzählen könnte und schaute nur mit einem zuckersüßem Lächeln zu Kook hinüber. Dieser lehnte sich währenddessen zu mir rüber und flüsterte belustigt:„Ayumi scheint nicht gerade schüchtern zu sein.“ Ich lachte:„Ja, das ist sie wirklich nicht. Sie kann reden wie ein Wasserfall und das tut sie auch bei jeder Gelegenheit. Eigentlich wundert es mich. Weder Daichi noch ich waren so redselig wie Ayumi im Kindesalter, also kommt es nicht von unserer Seite. Hadia ist aber auch schon immer eher ruhig gewesen. Keine Ahnung, wo das also her kommt, aber mir gefällt es.“ Grinsend nickte Kook:„Ja, es ist lustig. Ich war auch eher ein schüchternes Kind.“ Ich lächelte:„Tja, so sind die Menschen unterschiedlich.“ Jungkook nickte und fragte plötzlich:„Muss Ayumi denn eigentlich auch zum Kindergarten?“ Ich nickte und erklärte:„Ja, in der Woche jeden Morgen von 8-13 Uhr ist sie da.“ Interessiert nickte der andere und fragte das kleine Mädchen dann grinsend:„Ist es schön im Kindergarten?“ Sie nickte eifrig und ich lächelte breit.


    Jungkooks Sicht

    Am Flughafen war ich an einem Stand vorbeigelaufen, an dem Blumen verkauft wurden. Davor war ich einen Moment stehen geblieben und sah einen Strauß Tigerlilien, welche meine Lieblingsblumen waren und ich hatte mich daran erinnert, dass meine Mutter einst zu mir gesagt hatte, wenn ich ein Mädchen treffe, solle ich ihr Blumen mitbringen. Egal, ob feste Freundin oder einfach eine Kumpeline.
    So hatte ich den Strauß dann gekauft und war per Taxi zu Akikos Haus gefahren. Dort hatte man mir sofort aufgemacht und ich wurde freundlich eingeladen. Ayumi war ein sehr offenes, kleines Mädchen und nutzte jede Gelegenheit, um etwas zu erzählen. Schüchtern war sie ganz und gar nicht. Ihre Tante hingegen schien schon eher schüchtern zu sein. Sie saß dort in ihrem Rollstuhl am Tisch und schaute lächelnd dabei zu, wie ich mit Ayumi hantierte. Sie hatte sich scheinbar sehr über den Blumenstrauß gefreut, wirkte aber auch etwas verlegen. Tatsächlich merkte man, dass sie nicht sehr oft andere Menschen sah, da sie doch sehr ruhig war und etwas nervös wirkte.
    Dennoch kamen wir ganz gut ins Gespräch, bis Akiko meinte:„Vielleicht zeige ich dir mal das Haus ein bisschen und auch dein Zimmer. Du kannst ja nicht auf dem Boden schlafen.“ Ich lächelte und folgte der Rollstuhlfahrerin. Zuerst zeigte sie mir mein Zimmer. Es war ein relativ großer Raum mit einem Bett in der Ecke, einem kleinen Kleiderschrank und einem Schreibtisch. Das Bett sah gemacht aus und Ayumi erzählte auf einmal:„Akiko hat gestern die ganze Zeit dein Bett gemacht und Staub gewischt.“ Daraufhin lief Akiko leicht rot an und ich lächelte nur. Es war irgendwie putzig, wie sie direkt rot anlief, wenn ihr etwas peinlich war und ich erinnerte mich daran, wie Tae seine Frau stets „Tomätchen“ nannte. Scheinbar aus dem selben Grund.

    Am Nachmittag hatte sie mir dann schon alles gezeigt und wir saßen mit Ayumi im Wohzimmer und spielten ein Brettspiel - SOS Affenalarm. Es war lustig, weil bei Ayumi die ganze Zeit Affen hinterfielen, wenn sie einen Stab hinauszog und sie dann immer anfing, brummig zu sein, wenn bei Akiko nicht einer runterfiel. Deswegen nahm ich dann immer die mit besonders vielen Affen, welche dann auch alle hinunterfielen, damit Ayumi nicht so traurig war. Akiko hingegen zog zum Schluss hin einige der hinuntergefallenen Äffchen von ihrer Nichte unauffällig zu sich, sodass Ayumi scheinbar gewonnen hatte. Das Mädchen freute sich dann und Akiko und ich schauten uns grinsend an. Leise flüsterte mir die junge Frau zu:„Wenn Ayumi verliert, fängt sie immer an, zu weinen. Also ist es ganz gut so, dass wir sie gewinnen lassen haben.“ Ich kicherte und schaute wieder zu der 3-jährigen, die gerade ein Freudentänzchen aufführte. Auch Akiko musste grinsen und fragte schließlich:„Was wollt ihr eigentlich zu Abend essen? Ist zwar noch ein bisschen hin, aber in einer Stunde oder so sollten wir schon mit dem Kochen anfangen.“ Aufgeregt rief Ayumi sofort:„Ich weiß es, ich weiß es! Pfannkuchen!“ Ich stimmte zu:„Ja, das ist eine gute Idee.“ Akiko bewegte sich kurzerhand zum Kühlschrank und schaute skeptisch hinein:„Wir haben aber keine Eier mehr...“ Ich zuckte jedoch unbekümmert mit den Schultern:„Macht doch nichts. Der Laden ist doch nur ne Straße weiter. Wir kaufen einfach eben alles, was wir brauchen.“ Ayumi schaute Akiko daraufhin erwartungsvoll an und ich sah so eine Art Pein in den Augen der Tante:„OK, aber ich war lange nicht mehr einkaufen... Es ist mir unangenehm, die Nachbarn und alle zu sehen, die wissen, warum ich an diesem Rollstuhl gefesselt bin.“ Doch ich erwiderte:„Macht doch nichts. Dann gehst du heute eben nach langer Zeit wieder einkaufen. Ich bin ja dabei und wenn jemand starrt oder so, starren wir einfach zurück. Ich bin Augen auf mir gewöhnt, weil ich berühmt bin. Man muss es manchmal einfach ausblenden oder freundlich lächeln. Meistens will dir niemand etwas und wenn doch, dann schüchtert man sie mit dem Blickkontakt ein.“


    Akikos Sicht

    Ich nickte letztlich nur nachgebend und meinte:„Du hast recht. Irgendwann muss man sich ja auch seinen Ängsten stellen, nicht?“ Der andere lächelte daraufhin und wir schrieben sofort auf, was wir brauchten. Ich schaute dafür nach, was in dem Rezept stand und Kookie schaute nach, ob wir dies noch im Haus hatten. Schließlich hatten wir eine recht lange Einkaufsliste und wir machten uns bereit. Ich holte schnell Geld aus meinem Zimmer, während Jungkook Ayumi dabei half, ihre Jacke anzuziehen.
    Als wir dann soweit waren, öffnete Jungkook die Tür und schob mich in meinem Rollstuhl, bevor ich einen Krampf in den Armen bekam. Ayumi lief dabei dicht neben dem Mann und hielt sich an seinem Ärmel fest.
    Es war seltsam für mich. Die ganze Situation. Ein Kumpel war da, er schob mich und ich war in der Öffentlichkeit. Nichts von diesen drei Sachen, war seit meinem Unfall geschehen. Zumindest nicht so richtig. Denn wenn ich rausgegangen war, dann entweder in den eigenen Garten oder mit Maske, um nicht erkannt zu werden. Jetzt starrten mich plötzlich alle Menschen an und erkannten mich. Ich sah, wie die Leute sich zuflüsterten und ich erkannte auch Nachbarn unter diesen. Doch, wie Jungkook es mir gesagt hatte, lächelte ich sie einfach nur an, während der Mann selbst alle freundlich grüßte.
    Schließlich im Laden angekommen suchten wir all unsere Sachen zusammen und es war eigentlich...lustig. Ja, es machte mir Spaß. Ich sah mal wieder andere Leute, unterhielt mich sogar mit einigen und alle waren freundlich zu mir. Ganz anders, als ich erwartet hätte. Wir kauften unsere Lieblingssüßigkeiten und scherzten miteinander. Es wirkte so unbeschwert für mich, obwohl so viele Menschen um mich herum waren. Auf einmal schämte ich mich nicht, wenn die Leute mich anschauten und ich fühlte mich sicher. Ich glaube, das war tatsächlich Jungkooks Ausstrahlung und dafür war ich ihm sehr dankbar.

    Eine Stunde später saßen wir wieder in der Küche. So langsam wurde es schon dunkler und wir fingen an, die Pfannkuchen zu machen. Jungkook rührte den Teig, Ayumi stellte sich alle möglichen süßen Soßen auf den Tisch und ich stellte schonmal den Herd an. Als dann der Teig fertig war, buk ich die Pfannkuchen in der Pfanne, während die anderen zwei den Tisch deckten.

    Schließlich, als alles fertig war, aßen wir zusammen. Es war ein überraschenderweise mal lustiges Abendessen. Wir unterhielten uns dabei über den Tag, erzählten uns Witze und sprachen über witzige Ereignisse in unseren normalen Hausgemeinschaften. Es war wirklich schön und ich wusste, dass es irgendwie an Kookie lag. Er brachte frischen Wind in die Bude und schien so unbeschwert. Es hört sich seltsam an, aber mit ihm schien das Leben wieder so normal. Ich lachte in seiner Gegenwart viel mehr. Ich war irgendwie richtig glücklich. Ich meine, ich war vorher auch glücklich, aber das Leben schien zuvor so langweilig. Vielleicht war es auch nur der Moment, weil endlich etwas Anderes passierte. Aber wann habe ich mir das letzte Mal fast drei Kilo Süßigkeiten gekauft oder lustige Gesichter mit Soße auf meinen Pfannkuchen gemalt? Ich glaube, ich fühlte mich wie ein Kind, weil Jungkook einfach auch noch irgendwie wie ein Kind war. Naja, wie auch immer es war...es war schön.

    Auch nach dem Essen hatten wir noch Spaß. Jungkook spielte nämlich mit uns verstecken und er suchte. Ayumi und ich kannten natürlich die besten Verstecke. Für mich war es zwar etwas schwieriger, weil ich mit meinem Rollstuhl etwas sperrig war, aber dennoch fand ich ein Versteck: im Schrank. Ayumi hingegen versteckte sich im Wäschekorb. Ich glaube, insgesamt hat Jungkook bestimmt 20 Minuten gebraucht, uns zu finden, aber es war wirklich lustig. Wir spielten noch einige Runden, bevor wir uns dazu entschlossen, einen Film zu gucken. Dafür kramten wir die alten DVDs durch und fanden den Disney-Film „König der Löwen". Jungkook schob die Disc in den DVD-Player, während ich mich umsetzte, auf das Sofa und Ayumi die Süßigkeiten aus dem Einkaufskorb holte. Dann krümelte meine Nichte sich zu mir und unser Gast belegte den Sessel. Gut gelaunt schauten wir dann den Film und stopften uns Gummibärchen in die Münder.

    Schließlich schlief Ayumi in den letzten 20 Minuten des Filmes ein und Jungkook und ich schauten den Film noch zu Ende. Anschließend trug der Mann das kleine Mädchen vorsichtig in ihr Bett, während sie ruhig weiterschlief. Als Jungkook dann wiederkam, grinste er mich breit an und fragte leise:„Alles in Ordnung?" Ich nickte lächelnd und murmelte:„Ja, alles bestens. Weißt du, ich hatte lange nicht mehr so viel Spaß wie heute. Daichi und Hadia sind immerhin ihre eigene Familie und ich möchte mich nicht so da einnisten. Deswegen erlebe ich meistens nicht so viel mit ihnen. Ich isoliere mich tatsächlich etwas, weil ich nicht wie so ein nerviges Anhängsel sein möchte. Sie sollen ihre Zeit in der Familie genießen und sich nicht immer um mich kümmern müssen. Aber da du quasi wegen mir hier bist, behandelst du mich wie eine richtige Freundin. Dafür möchte ich dir danken." Jungkook lächelte sanft, setzte sich neben mich und schaute mir direkt in die Augen, was mich etwas nervös machte. Ruhig sprach er:„Du bist ja auch meine Freundin, deswegen behandle ich dich auch so. Du brauchst dich nicht für unsere Freundschaft bedanken.
    Ich kann verstehen, was du mit Hadia und Daichi meinst. Aber du darfst nicht vergessen, dass du auch zu ihrer Familie gehörst und sie sicher gerne etwas mit dir erleben. Du solltest dich deswegen nicht von ihnen isolieren." Wieder lächelte ich sanft und murmelte leise:„Ich weiß. Aber wer möchte schon sein Leben lang seine nervige, kleine Schwester am Rockzipfel kleben haben? Daichi sicher nicht und das nehme ich ihm nicht übel." Daraufhin lächelte der Koreaner wieder verständnisvoll und klopfte mir kurz aufmunternd auf die Schulter.
    Leise murmelte er dann:„Es ist schon spät. Vielleicht sollten wir jetzt auch schlafen gehen." Ich nickte und stieg wieder auf meinen Rollstuhl um. Langsam fuhr ich dann in die Richtung meines Zimmers und wünschte Jungkook eine gute Nacht. Er lächelt und wiederholte dies. Dabei sprach er vorsichtig:„Wenn du dann gleich noch Hilfe oder so brauchst, kannst du mich rufen." Ich nickte nur:„Werde ich, danke."

    Und so endete der erste Tag, an dem Jungkook bei uns war.
    Auch der nächste Tag war schön. Morgens brachten Jungkook und ich Ayumi zum Kindergarten. Mittags holten wir sie dann wieder ab und in der Zwischenzeit waren wir zuhause gewesen und plauderten einfach, bis wir dann das Mittagessen schon mal kochten.
    Am Nachmittag entschlossen wir uns dann dazu, mit Ayumi in den nahliegenden Zoo zu gehen. Auch das war wieder eine andere Erfahrung für mich - wieder viele Menschen und diesmal auf recht engem Raum. Man sah praktisch immer irgendwelche Eltern mit ihren Kindern neben sich. Ich glaube, wir waren für die anderen Besucher des Zoos auch eine Art Attraktion, ein seltsames Trio. Ich im Rollstuhl, Jungkook als Promi und ein Kind, welches keinem von uns ähnlich sah. Ayumi kam nämlich eher nach Hadia, hatte eine recht dunkle Haut und sah im Allgemeinen einfach nicht aus wie wir. Die meisten dachten wahrscheinlich, wir seien die Eltern und hätten Ayumi adoptiert oder so, weil ich ja eh im Rollstuhl saß.
    Aber auch hier störten mich die Blicke tatsächlich nicht sonderlich. Ich fühlte mich wohl, da Jungkook in der Nähe war und irgendwie schaffte er es, alles schön zu reden. Er scherzte viel und spielte dabei mit Ayumi. Die zwei schienen so dicke miteinander zu sein, dass man denken könnte, sie würden sich seit Ewigkeiten kennen. Tatsächlich kam es einem rein vom Umgang her schon so vor als sei Kook Ayumis Bruder oder Vater.
    Am Ende aßen wir alle noch ein Eis und fuhren dann nach Hause. Zum Abendessen gab es dann einfach einen Joghurt und schließlich brachten wir meine Nichte ins Bett. Sie wollte unbedingt noch eine Geschichte hören und Jungkook schlug vor, ich könne etwas aus dem Buch vorlesen, an dem ich momentan schrieb. Jedoch meinte ich kichernd:„Ach, lass mal. Wenn ich das vorlese, langweilt Ayumi sich. Das Buch ist eher für Erwachsene oder Jugendliche." So las ich dann einfach ein Kinderbuch vor, was wir noch im Schrank liegen hatten. Die 3-jährige schlief schon nach fünf Minuten ein und ich schüttelte grinsend den Kopf.
    Leise verließen Jungkook und ich dann das Zimmer und ich begab mich bereits in mein Zimmer, um mich schonmal umzuziehen. Jungkook tat das selbe in seinem Zimmer.

    Ich war gerade dabei, mir mein Oberteil zum Schlafen anzuziehen, als es an der Tür klopfte und ich vernahm Jungkooks Stimme:„Darf ich reinkommen oder ziehst du dich noch um?" Schnell zog ich das Oberteil dann ganz runter und antwortete:„Bin gerade fertig, kannst reinkommen." So öffnete sich die Tür dann langsam und Jungkook grinste mich an. Ich grinste zurück, als ich ihn in seiner Schlafkleidung sah, die eigentlich nur aus T-Shirt und Boxershorts bestand. Er kam auf mich zu, wie ich auf meinem Bett saß, setzte sich neben mich und fragte auf einmal:„Kannst du MIR etwas aus dem Buch vorlesen, an dem du gerade schreibst?" Überrascht runzelte ich die Stirn und stammelte:„Klar, aber wieso?" Der andere sprach:„Einfach so. Ich habe ja dein Buch über die Arena gelesen und es hat mir wirklich gut gefallen. Mich interessiert einfach, woran du jetzt so schreibst. Dann lese ich das Buch bestimmt auch noch." Ich grinste und murmelte:„OK, dann mache ich das. Ich lese dir einfach das letzte Kapitel vor. Es ist relativ spannend, glaube ich. Ich habe es auf meinem Handy gespeichert." Zufrieden grinste Jungkook dann und legte sich richtig in mein Bett. Ich setzte mich einfach an das Kopfende und fing an, zu lesen.
    Zwischendurch lunste ich rüber zu Jungkook und sah, wie er mild lächelnd zur Decke schaute, meine Bettdecke über sich geworfen hatte, die Arme hinter seinem Kopf verschränkte und gespannt zuhörte.
    Schließlich war ich am Ende des Kapitels angekommen und Kookie murmelte beeindruckt:„Wow, das war wirklich toll. Ich habe meine Entscheidung übrigens schon getroffen: Ich werde mir das Buch auf jeden Fall kaufen!" Ich lachte leise und war froh, dass er überhaupt gefragt hatte, ob ich ihm etwas vorlesen könne. Irgendwie fand ich es süß von ihm und auf einmal murmelte er nachdenklich:„Du könntest echt die beste Autorin der Welt sein." Ich lachte:„Na, jetzt übertreibst du aber!" Als Antwort grinste Jungkook nur und meinte:„Naja, ich bin ehrlich: Ich habe in meinem Leben gefühlt fünf Bücher gelesen. Aber von denen, die ich gelesen habe, ist deines mit Abstand das beste!" Grinsend schüttelte ich den Kopf und meinte:„Lob genug, dass du dir dann bei den Millionen von Büchern auf der Welt meines ausgesucht hast, zu lesen." Abermals grinste der Koreaner und er fragte dann:„Hast du auch das nächste Kapitel schon?" Ich kicherte:„Ich habe nur angefangen." Doch das schien den Mann nicht zu stören und er hakte nach, ob ich ihm dies auch noch vorlesen könne. Schmunzelnd tat ich dies und schaute nach fünf Minuten auf, nur um zu sehen, dass Jungkook eingeschlafen war. Belustigt schüttelte ich den Kopf und piekste dem Mann leicht in die Wange, um zu schauen, ob er auch wirklich schlief. Da er sich nicht rührte, ging ich davon aus und kicherte leise. Ich wollte ihn nicht wecken, weil er so friedlich aussah und fing stattdessen an, eine seiner dunklen Haarsträhnen zu flechten.
    Schließlich wurde ich selbst auch müde und legte mich einfach mit etwas Abstand neben den schlafenden Jungkook, bis ich auch einschlief.


    Jungkooks Sicht

    Das leise Vibrieren meines Handys riss mich aus meinen Träumen und als wäre es ein tägliches Ritual stellte ich den Wecker meines Handys aus, ohne überhaupt die Augen zu öffnen. Ich seufzte noch vom Schlaf ermüdet und öffnete endlich die Augen. Ich lag gegenüber von einer friedlich schlafenden Akiko. Kurz überlegte ich, was genau passiert war und ich erinnerte mich daran, wie die Frau mir ein weiteres Kapitel von ihrem Buch vorgelesen hatte. Dabei musste ich wohl eingeschlafen sein und sie hatte mich offenbar nicht wecken wollen. Belustigt beäugte ich die friedlich schlafende Frau, die den Wecker nicht einmal gehört hatte. Sanft strich ich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und begutachtete ihr hübsches Gesicht. Ich wollte sie nicht beängstigen oder so, indem ich sie direkt weckte, weil es in ihr vielleicht Unsicherheit auslösen könnte. Immerhin war sie vielleicht auch unabsichtlich eingeschlafen und ich wollte ihr in keinster Weise zu nahe treten. Also stand ich vorsichtig auf, zog mich erstmal wieder um und weckte vorerst Ayumi. Diese musste nämlich an diesem Morgen in den Kindergarten. Sanft rüttelte ich das Mädchen, um es zu wecken. Mürrisch öffnete sie dann ihre Augen, machte aber keine Anstalten, aufzustehen. Belustigt hob ich sie deswegen aus ihrem Bett und trug sie kurzerhand in die Küche. Ich schüttete ihr Müsli in eine Schüssel und stellte diese vor sie, damit sie frühstücken konnte. Auch, wenn ich befürchtete, dass sie einfach direkt wieder einschlafen würde. Doch in der Zeit lief ich zurück in Akikos Zimmer, in dem ich die Nacht verbracht hatte und rüttelte sanft an Akikos Körper, während ich kicherte:„Aufstehen, Schlafmütze! Ich habe Ayumi schon aus dem Bett geholt, steh du mal auch schonmal auf.“ Gähnend reckte Akiko sich und schaute mich etwas verwirrt wirkend an. Ich grinste nur und verschwand wieder, ihr Zeit gebend, sich umzuziehen.
    In der Küche traf ich, wie erwartet, auf die schlafende Ayumi. Belustigt stupste ich sie erneut an und murrte:„Ey, du willst doch in den Kindergarten, oder nicht?“ Müde murrte das Kind nur, setzte sich aber gerade auf und fing an, sich das Müsli in den Mund zu löffeln. Ich lächelte in der Zeit uns machte für Akiko und mich Kaffee und für Ayumi einen Kakao.
    Als ich damit gerade fertig war, kam dann auch Akiko in ihrem Rollstuhl in die Küche und lächelte mir müde entgegen. Auch ich lächelte und stellte ihr direkt einen Kaffee hin, welchen sie dankend annahm.

    In der nächsten halben Stunde hatte Ayumi sich auch endlich fertig umgezogen und ihre Kindergartentasche auf dem Rücken. Akiko zog sich eine Jacke an und wir brachten ihre Nichte zusammen zum Kindergarten.
    Den Vormittag verbrachten wir dann wieder im Haus, eigentlich genauso wie den vorherigen Tag auch und holten Ayumi mittags wieder aus dem Kindergarten ab. Es war irgendwie lustig, weil die Erzieherin dachte, ich sei Akikos Freund im Sinne einer Beziehung, was ich jedoch grinsend als inkorrekt erklärte.

    Den Nachmittag gingen wir zum Spielplatz, ließen Ayumi dort spielen und unterhielten uns, während wir der Kleinen beim Spielen zuschauten. Akiko erzählte mir davon, wie sie selbst oft als kleines Kind auf diesem Spielplatz war und ich lächelte bei der Vorstellung. Am Ende gingen wir wieder zurück zum Haus und ich baute mit Ayumi eine Höhle aus Decken, während Akiko grinsend dabei zuschaute.


    Akikos Sicht

    Als ich am Morgen aufgewacht war, lag Jungkook nicht bei mir im Bett, sondern war derjenige, der mich geweckt hatte. Es verwirrte mich, weil ich mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob ich dieses Szenario wirklich erlebt oder nur geträumt hatte. Aber eigentlich war ich mir ziemlich sicher und war dann einfach aufgestanden.
    Kook und ich hatten Ayumi zum Kindergarten gebracht, später wieder abgeholt und am Nachmittag waren wir auf dem Spielplatz mit ihr.
    Jetzt waren wir im Wohnzimmer, Kookie baute mit meiner Nichte eine Höhle aus Decken und ich schaute grinsend zu. Der Mann wirkte selbst noch wie ein Kind, als er so voller Tatendrang eine Decke zwischen den Sofas aufspannte. Plötzlich erinnerte ich mich wieder an den letzten Abend und wie gemütlich Jungkook und ich in meinem Bett gelegen hatten. Der Moment hatte sich irgendwie sehr intim angefühlt, obwohl er es eigentlich gar nicht war. Es waren einfach nur zwei Freunde, die in einem Bett eingepennt waren und das war auch, weshalb mich selbst so verwirrte, dass ich darüber so viel nachdachte. Und obwohl ich mir sagte, dass es kein besonderes Erlebnis war, konnte ich nicht aufhören, daran zu denken, wie ich neben ihm gelegen und seine Haare berührt hatte.

    Schließlich war die Höhle fertig gebaut und Jungkook und Ayumi lagen darin, Jungkooks Beine schauten dabei hinten heraus und ich hatte ihnen Plätzchen und Milch gebracht, die sie dort aßen. Belustigt schaute ich ihnen dabei zu und sah, wie Jungkook mich breit angrinste.
    Später kamen sie wieder aus der Höhle heraus und wir fuhren gemeinsam zu einem Restaurant, welches nur einige Straßen weiter war. Es war der letzte Abend, den wir gemeinsam verbringen würden, also wollten wir noch einmal zusammen essen. Es war ein kleines, recht gemütliches Restaurant von einem Griechen. Das Essen war gut und die Bedienung sehr freundlich. Am Ende zahlte Jungkook für uns alle, was mich etwas störte, weil ich es auch hätte tun können.
    Als wir dann zurück nach Hause fuhren, ging Ayumi direkt ins Bett und war so müde, dass ich ihr nicht mal mehr etwas vorlesen brauchte. Kookie und ich gingen danach wieder in das Wohnzimmer und wir schauten uns gemeinsam ein altes Fotoalbum von mir an, während wir leise Musik dabei hörten. Wir hatten es nämlich am Vortag in einem Schrank entdeckt und ich hatte selbst lange nicht mehr hineingeschaut. Wir blätterten es durch und amüsierten uns über die teilweise echt peinlichen Fotos. Schließlich kamen wir bei Fotos an, bei denen ich etwa sieben oder acht Jahre alt war. Ich stand in einem pinken Kleidchen aus Tüll stolz dort und hielt grinsend einen Pokal in der Hand. Jungkook fragte neugierig:„Was ist das? Also, wofür war der Pokal?" Lächelnd erzählte ich:„Ich habe früher Ballett getanzt. Ich war ziemlich gut und habe an vielen Wettbewerben teilgenommen." An diesen Tag erinnerte ich mich sehr gut. Es war der erste Pokal, den ich gewonnen hatte und ich war so stolz. Tanzen war mein großes Hobby gewesen. Das Foto hatte damals eine Angestellte aufgenommen. Sie hat alle Fotos von mir gemacht. Da nämlich mein Vater auf Reisen gewesen war und meine Mutter in der Zeit eingefroren, war sie es, die sich um Daichi und mich kümmerte und auch die, die mich richtig groß zog. Sie war bei all meinen Aufführungen dabei gewesen. Anders als mein Vater...“
    Kookie blätterte weiter und es kamen noch mehr Bilder von mir. Es waren welche bis zu meinem 18. Lebensjahr. Bis dahin hatte ich nämlich Ballett getanzt. Erst, als mein Vater mich damals abgeholt hatte, hatte ich aufgehört. Und jetzt war ich nicht mehr in der Lage zu tanzen, da meine Beine kaputt waren.
    Der Koreaner fragte ruhig:„Du hast offensichtlich gerne getanzt, hm?" Ich nickte, in Erinnerungen schwelgend:„Ja, das habe ich. Es war meine größte Leidenschaft. Es fehlt mir mittlerweile. Ich glaube, das Tanzen ist tatsächlich das, was ich am meisten vermisse. Ich meine, wenn es sogar einfach nur so etwas wie im Kreis drehen wäre, was ich noch könnte. Aber meine Beine halten der Belastung nicht stand..." Zum Ende hin wurde ich immer leiser. Ich war wirklich traurig, als ich mich so daran erinnerte.
    (Kurze Anmerkung: Ich würde an eurer Stelle jetzt das Lied „The Night We Met“ von Lord Huron über Spotify oder so beim Lesen hören. Nur so für's Feeling. Einfach n kleiner Tipp.) Bedrückt senkte ich daraufhin den Kopf und Jungkook legte mitfühlend einen Arm um mich. Kurz schwieg er dann und fragte plötzlich leise:„Du kannst doch auch stehen, wenn du dich festhälst, nicht?" Verwirrt nickte ich und stammelte:„Ja, ich kann theoretisch meine Beine auch bewegen, aber es darf nicht so viel Belastung auf ihnen liegen. Wieso..." Weiter kam ich nicht, denn Jungkook stand plötzlich grinsend auf und meinte:„Ich habe eine Idee." Er legte sein Handy an die Seite, während die Musik weiterlief, stellte sich bei dem Sofa vor mich, hockte sich dann etwas nieder und grinste:„Halte dich an meinem Nacken fest!" Verwirrt stotterte ich:„Was?" Doch wieder unterbrach Jungkook mich:„Frag nicht, mach einfach! Mit beiden Händen und gut festhalten!" Nach wie vor verwirrt und etwas verlegen tat ich es dann, nicht wissend, was Jungkook vor hatte. Sobald ich mich dann mit beiden Händen an seinem Nacken festhielt, legte Jungkook vorsichtig seine Hände an meine Taille, was mich Schmetterlinge im Bauch fühlen ließ und er zog mich daran und durch meine Hände an seinem Nacken von dem Sofa hoch. Vollkommen überrascht und auch etwas ängstlich hielt ich mich etwas mehr fest und hielt kurz die Luft an, während der andere mich nicht losließ, sondern den Großteil meines Körpergewichtes trug, sodass ich mit meinen Füßen quasi nur den Boden berührte, aber nicht wirklich stand. Fragend schaute ich zu Jungkook hoch und er begann zu grinsen:„Du willst doch tanzen, oder nicht?" So langsam verstand ich, was der Mann vorhatte und ich lächelte breit. Ohne weiter zu fragen, fing er an, Schritte zu machen, welche einen Walzer andeuteten und ich tat es ihm gleich. Er grinste mich an, während ich ihm wie verzaubert in die Augen schaute und im Hintergrund „The Night We Met" von Lord Huron lief. Es war ein langsames, schönes Lied, perfekt geeignet für diesen langsamen Tanz durch das Wohnzimmer. Jungkooks große Hände hielten weiterhin fest meine Taille und je länger es währte, umso mehr kribbelte es in meinem Bauch.
    Die Musik drang in meine Ohren und ließ diesen Moment so besonders und nahezu romantisch erscheinen. In meiner Fantasie war es auch ein romantischer Moment. Immerhin tanzten wir bei langsamer Musik Walzer durch das Wohnzimmer, während das gedämmte Licht nur wenig den Raum mit Helligkeit erfüllte und wir standen nicht gerade weit voneinander entfernt. Genau genommen konnte ich Jungkooks warmen Atem schon in meinem Gesicht spüren, während ich zu seinem hübschen Gesicht hochschaute. Er war bestimmt einen Kopf größer als ich. Ein Lächeln zierte seine Lippen und er schaute auch mir tief in die Augen.
    Irgendwo war es ein wirklich seltsamer Moment für mich. Erstens war ich am Tanzen, was sowieso absurd genug für eine Gehbehinderte ist. Zweitens stand ich noch nie einem Mann so nah und drittens war diese Stille zwischen uns überhaupt nicht unangenehm. Alles, was an Geräuschen noch den Raum erfüllte, war die romantische Musik von Kooks Handy.
    Nach einiger Zeit begann ich, die Stille zwischen uns zu lösen und murmelte:„Ich habe fast 5 Jahre oder so nicht mehr getanzt." Jungkook kicherte:„Dann wurde es ja so langsam Zeit, nicht?" Ich lächelte schief und gab nur ein verträumtes „Ja" von mir. So tanzten wir weiter und wandten die Augen dabei nicht voneinander ab. Wie hypnotisiert starrte ich in seine schönen, dunklen Augen und ließ geschehen, dass Jungkook mir so nah stand. Um ehrlich zu sein, genoss ich es.
    Langsam neigte sich das Lied seinem Ende zu und ich murmelte:„Vielleicht sollten wir nun eine Pause machen... Meine Arme tun langsam weh." Jungkook nickte verständnisvoll und setzte mich vorsichtig zurück auf das Sofa. Etwas verlegen setzte sich Jungkook dann wieder neben mich. Doch ich lächelte ihn dankbar an und flüsterte etwas peinlich berührt:„Danke, dass du mit mir getanzt hast..." Daraufhin nickte er lächelnd und murmelte:„Klar, war mir eine Freude." Ich grinste und spürte, wie Jungkook auf einmal mit seiner Hand meine berührte. Überrascht schaute ich ihn an und erneut flatterten die Schmetterlinge durch meinen Bauch, doch ich sah, dass es wohl eine unabsichtliche Berührung gewesen war, da der Koreaner gar nicht in meine Richtung schaute. Enttäuschung machte sich daraufhin in mir breit und ich zuckte zusammen, als ich bemerkte, dass es Enttäuschung war. Was ist los mit mir? Warum bin ich enttäuscht? Ich meine, was habe ich denn erwartet? Warum fühlt es sich so seltsam an mit Jungkook bei mir? Ist es, weil sich endlich mal jemand so richtig um mich kümmert? Denn das hatte ich vorher nie erlebt. Nie hatte jemand seine volle Aufmerksamkeit auf mich gelegt, geschweige denn, mit mir so getanzt. Jungkook geht mit mir anders um als alle anderen. Nie hat jemand so etwas für mich getan wie er - mit mir getanzt, obwohl ich nicht laufen kann... Ist es das, was für dieses Gefühl verantwortlich ist? Weil endlich jemand wirklich für mich da ist? Nicht so wie mein Vater...
    Kookie unterbrach meinen Gedankengang als er murmelte:„Ich werde müde, vielleicht gehe ich so langsam ins Bett. Du auch?" Verwirrt, weil ich gerade noch gedanklich in einer ganz anderen Welt gewesen war, nickte ich langsam und stammelte dann:„Ja, Daichi und Hadia werden morgen früh wieder da sein und dein Flug geht sicher auch früh." Kurz nickte Jungkook lächelnd und achtete noch darauf, dass ich mich wieder in meinen Rollstuhl setzte, bevor ich in mein Zimmer fuhr. Dann gingen wir beide in unsere Zimmer und ich blieb diese Nacht noch lange wach. Ich konnte einfach nicht vergessen, wie seine Hände meinen Körper berührten und mir ermöglichten, zu tanzen.

    Der nächste Morgen war eigentlich wie immer. Ich wachte auf, weckte Jungkook und Ayumi und machte für uns schonmal Frühstück. Wir aßen zusammen und ich war sehr geistesabwesend, was man wohl zu merken schien, da Jungkook mich mehrfach fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich nickte dann nur kurz und meinte, dass ich noch müde sei. Aber in Wahrheit ging mir einfach nur der letzte Abend nicht aus dem Kopf. Und ich schämte mich dafür, weil ich wusste, dass Jungkook nicht so viel darüber nachdachte. Für ihn war es einfach eine Art freundschaftlicher Dienst gewesen, während es für mich eine Erinnerung für's Leben war.

    Auf einmal vibrierte mein Handy und ich las eine Nachricht meines Bruders. Er und Hadia wollten in 20 Minuten wieder zuhause sein. Das hieß für mich, dass wieder eine Zeit der Langeweile beginnen würde. Jungkook war es, der diese Zeit so lustig machte und der mir ein Gefühl von Halt gab, wenn wir in der Öffentlichkeit waren. Ich wusste nicht, ob es ohne ihn das selbe sein würde und ich seufzte leise. Ehrlich gesagt wollte ich einfach nicht, dass diese Zeit endete. Mit Ayumi und Jungkook fühlte es sich an wie die perfekte, kleine Familie, an der ich nie Teil hatte. Weder hatte es diese perfekte Familie in meiner eigenen Kindheit gegeben, noch gab es sie jetzt - zumindest nicht mit mir als Teil. Denn, was Hadia, Daichi und Ayumi hatten, war nicht meins. Es war IHRE Familie und ich wollte ihnen diese kostbaren Momente nicht verderben. Ich fühlte mich nicht wirklich als Teil dieser Familie, weil ich keine Rolle darin spielte. Sie liebten mich zwar und ich liebte sie, aber dennoch war es nicht MEINE Familie. Es war Daichis und ich war nur wie ein überfälliges Anhängsel. Ich leistete keinen wirklichen Beitrag und ich wusste, dass sie genauso gut ohne mich klarkommen würden. Deswegen tat es mir Leid ab, zu wissen, dass dieses Gefühl einer Familie jetzt enden würde. Eigentlich war es albern, weil Jungkook nur ein Kumpel war und mich nur als seine Kumpeline sah, womit ich an sich auch kein Problem hatte, aber er gab mir einfach dieses Gefühl von Dazugehörigkeit. Dies würde bald enden, aber ich wusste genauso, dass ich mich damit abfinden musste.

    Ich tippte Kookie unauffällig an und meinte:„Hadia und Daichi werden in 20 Minuten da sein.“ Knapp nickte der Koreaner etwas enttäuscht wirkend und warf einen Blick auf seine Uhr:„Oh, es ist doch schon später als erwartet... Mein Flug geht auch schon in zwei Stunden...“ Ich nickte langsam und schaute zu der gerade spielenden Ayumi. Ich wusste, dass auch sie Jungkook vermissen würde.

    Die Minuten vergingen schneller als erwartet und ich hörte das Klicken des Schlosses. Die Haustür öffnete sich und herein kamen Ayumis Eltern. Diese sah meinen Bruder und seine Frau natürlich sofort und rannte aufgeregt auf sie zu. Übermütig erzählte sie ihnen, was alles Cooles passiert war und die beiden grinsten belustigt. Dann schauten sie zu Jungkook und mir und Daichi fragte:„Na, hat alles geklappt?“ Gleichzeitig nickten wir, woraufhin mein Bruder noch breiter grinste. Ein bisschen fragte er uns noch, was passiert war und so, als Jungkook sich plötzlich räusperte. Mein Taxi ist in zwei Minuten da. Ich muss dann mal los.“ Geschockt drehte Ayumi sich zu dem Mann um, rannte auf ihn zu und umarmte ihn, während sie brummte:„Nein, du sollst noch etwas bleiben! Es ist so lustig mit dir!“ Doch der Koreaner schüttelte bedauernd den Kopf:„Ich kann nicht noch länger bleiben. Meine Freunde in Südkorea warten doch auf mich.“ Traurig schmollte die 3-jährige und fragte dann plötzlich:„Können Akiko und du später heiraten? Dann kannst du hier immer wohnen!“ Ich grinste breit bei dieser Frage und auch Jungkook lachte, genauso wie Ayumis Eltern. Hadia zog ihre Tochter von Kookie weg und meinte:„Das müssen die zwei selbst entscheiden, Ayumi. Aber sicherlich nicht mehr heute. Sag noch tschüss und vielleicht kannst du ihn ja mal anrufen.“ Nach wie vor traurig nickte das Mädchen und verabschiedete sich. Auch Kook verabschiedete sich bei uns. Ich winkte ihm lächelnd hinterher und beobachtete, wie er schließlich aus der Tür verschwand.


    Die Tage vergingen. Ich saß oft alleine in meinem Zimmer und schrieb an meinem Buch weiter. Ich hatte Jungkook alle Kapitel als Pdf-Datei geschickt und jedes Mal, wenn ein neues Kapitel fertig war, schickte ich es ihm auch. Wir schrieben nebenher viel, genauso wie vor seinem Besuch bei uns. Seit seiner Abreise hatte ich mich quasi durchgängig gelangweilt und mein einziger Kontakt war wieder über das Handy zu Kook. Nur selten ging ich mal alleine raus und kaufte ein. Es war anders als wie wenn der Koreaner dabei war, aber es war erträglich. Ich hatte keine Angst mehr, angestarrt zu werden und unterhielt mich oft mit den Kassierern. Und dennoch war es so fürchterlich langweilig. Der frische Wind Jungkooks fehlte.
    Doch immerhin rief er mich jeden Abend an und wir plauderten. Er erzählte mir dann von dem kleinen Atelier seiner Nachbarin, in dem er manchmal arbeitete und von den Kindern, die die ehemaligen BTS-Member hatten. Er erzählte viel und Ayumi sprach auch oft mit ihm, wenn sie mitbekam, dass wir telefonierten. Immer wieder fragte sie, ob er nicht noch einmal kommen wolle, doch da erwiderte der Koreaner nur, dass Hobi dann wütend auf ihn sei. Ich lächelte bei dem Gedanken immer.

    Jetzt saß ich mit Daichi, Hadia und Ayumi am Abendessen. Wochen waren mittlerweile vergangen und ich stocherte gedankenverloren in meinem Gemüse. Ich war oft abwesend und dachte darüber nach, wie schön es doch wäre, wäre Jungkook da - mein einziger Freund.
    Hadia bemerkte dies und sprach mich besorgt an:„Alles in Ordnung, Akiko? Du wirkst so abwesend.“ Verwirrt von den plötzlichen Worten an mich schaute ich auf und murmelte schnell:„Ja, alles gut.“ Doch das schien meine Schwägerin mir nicht glauben zu wollen. Sie gab ein schnelles Zeichen an Daichi, dass er mal mit mir sprechen sollte und so räusperte er sich:„Bist du sicher?“ Abermals nickte ich nur und fügte nach skeptischen Blicken hinzu:„Nur das tägliche Maß an Langeweile.“ Leise seufzte mein Bruder, wusste, dass er mir dabei nicht helfen konnte. So viel konnte eine Person wie ich nicht machen.

    Nach dem Essen verzog ich mich dann wie gewohnt in mein Zimmer und schrieb das Kapitel weiter. Nach etwa einer Stunde klingelte dann mein Handy und ich wusste sofort, wer es war. Ohne lang nachzudenken, nahm ich ab und grinste in Kookies Gesicht. Auch er grinste und fragte:„Na, gute Laune?“ Ich kicherte:„Klar. Immer, wenn du anrufst.“ Dies war nicht mal eine Lüge und ich freute mich, als Jungkook meinte:„Kann ich nur zurückgeben. Und was machst du so?“ Stumpf erwiderte ich:„Schreiben.“ Daraufhin lehnte sich Jungkook grinsend zurück und brummte:„Schon wieder? Wird es nicht so langsam langweilig?“ Ich lächelte verlegen:„Doch, ehrlich gesagt schon.“ Das brachte Jungkook zum Grinsen und er meinte auf einmal:„Mir ist auch langweilig. Deswegen habe ich gerade mit Hobi spekuliert, was ich machen könnte und er hat mir etwas vorgeschlagen. Rate mal, was!“ Stirnrunzelnd riet ich:„Putzen?“ Der Koreaner lachte und erwiderte:„Ja, das ist seine Standart-Aussage dazu. Aber diesmal hat er etwas Besseres vorgeschlagen. Er meinte, dass du vielleicht hier hinkommen könntest für eine Woche und wir können uns zusammen langweilen.“ Freudig riss ich die Augen auf und klatschte in die Hände:„Ja, das ist wirklich eine gute Idee!“ Jungkook grinste:„Das habe ich mir gedacht. Frag mal Daichi, ob das geht.“ Eifrig nickte ich und tat, wie man mir gesagt hatte.
    Daichi stimmte zu und meinte:„Du bist erwachsen, du kannst machen, was du möchtest. Aber frag mal, ob das Haus barrierefrei ist. Ist ja nicht ganz unwichtig.“ Wieder nickte ich und kehrte zurück zu dem Anruf. Ich berichtete Jungkook davon und er erklärte auch:„Das Haus ist auch relativ barrierefrei. Und wo es das noch nicht ist, arbeiten Hobi und ich dran.“ Ich grinste und freute mich, dass ich mich nicht mehr langweilen müsste.
    Kook und ich besprachen dann noch die Einzelheiten und freuten uns offensichtlich beide sehr.



    An der Stelle werde ich das Kapitel im folgenden Kapitel fortführen, weil es sonst zu lang ist. Lol

    18
    Jungkooks Sicht

    Ich freute mich, als Akiko sagte, dass sie kommen könnte. Sofort rannte ich nach dem Anruf mit ihr ins Wohnzimmer, wo Hobi auf dem Sofa saß und in sein Handy schaute und rief aufgeregt:„Sie kommt Anfang nächster Woche!“ Belustigt schaute Hobi auf und murmelte:„Ihr scheint euch ja wirklich super zu verstehen, wenn du dich so dermaßen freust. Oder generell - du hast mich ja die letzten Tage quasi mit ihr zugetextet.“ Ich grinste:„Na, weil sie eben wirklich nett ist! Mit ihr ist es auch richtig lustig! Auch, wenn man vielleicht gar nicht soo viel machen kann wegen des Rollstuhls, aber alleine die Gespräche mit ihr sind toll. Überhaupt ist sie richtig toll, weil sie irgendwie so menschlich wirkt.“ Daraufhin schaute Hobi auf und zog mich auf:„Ist da jemand verliebt?“ Murrend warf ich mich auf ihn und brummte:„Nein, du Hong! Wir sind einfach Freunde!“ Der andere erwiderte etwas ungläubig:„Tja dann... Naja, mir ist relativ wumpe, ob ihr nun Freunde seid oder mehr oder weniger. Ich finde es nur lustig, wie du von ihr schwärmst.“ Ich lächelte und fing an, zu erzählen:„Weißt du, Akiko ist einfach voll fürsorglich, aber auch lustig. Als ich bei ihr war, hat sie mir einige Kapitel aus ihrem neuesten Buch vorgelesen und jetzt schickt sie mir immer die ganzen Kapitel, damit ich das ganze Buch lesen kann. Sie ist so dankbar und ich fühle mich in ihrer Gegenwart einfach wohl. Sie ist auch irgendwie so richtig... Ich weiß nicht, wie ich es sagen kann. Wenn sie einen anschaut, dann hat man das Gefühl, man wird von einem Engel angeschaut.“ Hoseok grinste schelmisch:„Von wegen du bist nicht verliebt. Du redest von ihr als sei sie eine Göttin oder so.“ Böse schaute ich den älteren an und haute ihn sanft:„Nein, bin ich nicht! Man kann auch so über Leute sprechen, ohne sich so zu ihnen romantisch hingezogen zu fühlen!“ Grinsend schwieg Hobi dann und mir fiel plötzlich auf, dass ich aber tatsächlich relativ oft über Akiko nachdachte. Mein Herz machte immer einen Satz, wenn sie mir schrieb und wenn ich sie anschaute, fühlte es sich ganz anders an als wenn ich andere Mädchen anschaute. Ich ging mit ihr auch anders um als mit den anderen Frauen, die ich kannte. Ich ging fürsorglicher mit ihr um und lächelte sie stets an. War ich vielleicht doch irgendwie verliebt oder auch nur am Schwärmen? Schnell schlug ich mir diesen Gedanken aus dem Kopf. Sie war einfach eine gute Freundin und diese Fürsorge kam wahrscheinlich da her, dass sie im Rollstuhl saß.

    In den nächsten Tagen baute ich mit Hobi einige Rampen zusammen, die man dann einfach über die Treppen legte. Damit Akiko dann nämlich auch die paar Stufen hinaufkam, musste diese Barriere überwunden werden. Die Treppe war zum Glück nicht sehr steil, sodass dies bestens funktionierte. Allerdings mussten wir dafür viel schrauben und sägen, weshalb ich gleich im Baumarkt einen Akkuschrauber und eine Säge kaufte. Yoongi kam auch manchmal vorbei und half uns.
    Zum Schluss, als alles barrierefrei war, machte ich mich daran, Akikos Zimmer etwas umzuräumen. Der Schrank ließ zwischen zwischen Bett und seiner eigenen Kante nämlich nicht viel Platz zu und ich schob ihn etwas zur Seite, sodass man mit dem Rollstuhl besser zum Bett gelang. Ich bezog das Bett neu und wischte einmal durch. Ich wusste auch, dass Akiko helle Räume mochte und es gut fand, wenn viel Licht hineinkam. Deswegen öffnete ich die Vorhänge weit.

    Schließlich verging auch der letzte Tag vor Akikos Ankunft und ich saß in der Küche mit Hobi. Wir frühstückten und unterhielten uns darüber, wann Akiko da sein würde. Diese sollte nämlich irgendwann gegen Mittag eintreffen und ich freute mich schon den ganzen Morgen darauf. Ich war relativ aufgedreht, rannte durchs ganze Haus und ging Hobi ziemlich auf den Sack. Dies machte mein Mitbewohner auch deutlich, indem er brummte:„Hoffentlich kommt Akiko bald, damit du sie nerven kannst und nicht mehr mich.“ Ich grinste breit und meinte:„Freu dich doch mal für mich!“ Der andere rollte mit den Augen:„Mache ich doch, aber nicht, wenn du mir den ganzen Tag am Rockzipfel hängst und von Akiko redest!“ Ich grinste wieder und fragte dann:„Hast du eigentlich die Tiefkühlpizza gekauft?“ Der Ältere nickte:„Ja, die Salami. Du meintest ja, dass Akiko dir erzählt hat, dass sie die am liebsten isst.“ Zufrieden lächelte ich nickend und freute mich. Jetzt mussten wir nur noch einige Stunden warten.

    Das Geräusch der Klingel tönte durch das Haus und ich schrie zu Hobi, der irgendwo in der Küche rumlungerte:„Ich gehe schon!“ Schnell lief ich zur Tür und öffnete sie grinsend. Wie erwartet schaute ich in Akikos lächelndes Gesicht und ich begrüßte sie aufgeregt. Sie saß in ihrem Rollstuhl dort und im Hintergrund sah ich noch den Taxifahrer wieder wegfahren und ihre Koffer standen neben ihr, vermutlich von dem Fahrer hier hingeschleppt. Ich nahm die Koffer an mich und bat Akiko darum, einzutreten. So rollte die Japanerin in ihrem Rollstuhl hinein und ich schleppte die Koffer hinterher. Neugierig, wie Hobi war, war er auch sofort zur Tür gekommen. Er lächelte Akiko nun an und begrüßte sie. Sie unterhielten sich über Akikos Anreise und ich hörte selbst interessiert zu.
    Als die zwei schließlich ihr Gespräch beendet hatten, räusperte ich mich:„Soll ich dir dein Zimmer zeigen, Akiko?“ Daraufhin nickte sie und ich ging voran. Sie folgte und murmelte überrascht:„Ihr habt ja Rampen für die Treppen besorgt...“ Ich korrigierte:„Nicht besorgt, sondern gebaut. Ich habe extra Akkuschrauber und Säge dafür gekauft.“ Verlegen murmelte Akiko dann:„Ihr hättet euch doch nicht so eine Mühe geben müssen...“ Doch ich erwiderte stumpf:„Doch, mussten wir.“ Aus dem Augenwinkel sah ich, wie Akiko dann grinsend mit dem Kopf schüttelte und auch mir huschte ein Lächeln über die Lippen. Nun zeigte ich ihr ihr Zimmer und sprach:„Hier wirst du die nächste Woche schlafen. Ich hoffe, es so in alles Ordnung. Hier vorne ist der Kleiderschrank. Solltest du mehr Platz brauchen, kannst du bei mir im Schrank etwas zwischenlagern und wenn du den Bettbezug nicht magst oder so, kann ich den noch einmal wechseln. Yoongi hat sich immer beschwert, der sei ihm zu rau, aber ich weiß nicht, wie du es findest...“ Akiko redete nun sanft dazwischen:„Hey, alles in Ordnung, Jungkook. Das Zimmer ist wirklich hübsch und der Stoff ist auch gut. Mach dir keine Sorgen.“ Ich lächelte beruhigt, gleichzeitig überrascht, dass sie gemerkt hatte, dass ich etwas Sorge hatte, dass es ihr nicht gefiel. Doch diese Sorge schien ja umsonst zu sein und Akiko hob wieder die Stimme:„Die Beleuchtung hier ist sehr schön. Und wegen des Schranks auch keine Sorge, ich habe gar nicht so viel mitgenommen.“ Verlegen lächelte ich und erzählte dann:„Hobi hat gestern Tiefkühlpizza gekauft. Du meintest, Salami magst du am liebsten, deswegen haben wir die mitgenommen.“ Akiko grinste belustigt:„Dass du dir sowas merkst...“ Verlegen lief ich leicht rot an und räusperte mich, um der Peinlichkeit zu entkommen:„Wollen wir wieder zu Hobi? Er wartet bestimmt auf uns.“ Knapp nickte die andere und fuhr voraus. Ich lief ihr schweigend hinterher. Warum bin ich so nervös? So bin ich doch auch sonst nicht...


    Akikos Sicht

    Als ich angekommen war, bin ich direkt sehr freundlich in Empfang genommen worden. Kook hatte mir mein Zimmer gezeigt und nun waren wir auf dem Weg zurück zu Hobi. Ich fuhr voran und lächelte insgeheim, als ich daran dachte, wie viele Sorgen sich Jungkook gemacht hatte, dass ich das Zimmer nicht mögen würde oder so.
    Im Wohnzimmer angekommen, trafen wir direkt auf Hobi. Er grinste:„Na, hat Kookie dir alles gezeigt?“ Ich nickte lächelnd und fügte hinzu:„Es gefällt mir sehr gut hier.“ Zufrieden nickte Hoseok und aus dem Augenwinkel sah ich Jungkook erleichtert lächeln. Hobi sprach nun ruhig:„Ich habe gerade übrigens mit Tae telefoniert. Sie haben sich für heute Nachmittag angekündigt. Taemin bringen sie auch mit. Sie wissen ja, dass du hier bist und wollten mal vorbeikommen.“ Dabei schaute der Ältere mich an und ich nickte knapp:„OK, hört sich gut an. Ich freue mich schon, die zwei endlich mit ihrem Nachwuchs zu sehen.“ Jungkook trat näher zu mir und fing an, zu erzählen:„Taemin ist echt ein süßer. Er hat voll viel Ähnlichkeit mit seinem Vater, wirkt aber nicht so aufdringlich. Aber er ist ja auch noch ein Baby.“ Ich grinste und meinte:„Dann müsstet ihr euch ja bestens verstehen.“

    Es dauerte nicht lange, bis es an der Tür klingelte und Taehyung, (d/n) und Taemin kamen. Hobi öffnete ihnen die Tür und die drei traten direkt ein. (D/n) hatte einen Rucksack in der Hand, in welchem wahrscheinlich Babynahrung und so waren. Tae hingegen trug den gemeinsamen Sohn im Maxi-Cosi mit sich herum. Als mich die Eltern sahen, lächelten sie mich direkt an und begrüßten mich. Auch Taemin gab mir die Hand, mehr oder weniger ungewollt. Seine Hände waren winzig und ich lächelte, als der kleine Junge, welcher tatsächlich aussah wie sein Vater, etwas sabberte. Seine Mutter bemerkte mein Grinsen und lächelte sanft, stolz ihren Sohn begutachtend. Schließlich meinte sie zu mir:„Möchtest du eigentlich auch mal Kinder haben, Akiko? Oder hast du überhaupt einen Freund?“ Ich schaute auf und sprach etwas verlegen:„Naja, nein. Also ich meine, dass ich keinen Freund habe. Wenn ich einen hätte, hätte ich auch nichts gegen Kinder. Ich kann recht gut mit ihnen umgehen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich überhaupt Kinder bekommen könnte. Mein Arzt meinte, theoretisch würde es sogar gehen, aber ich könnte vermehrt Atem-Beschwerden bekommen, weil ich ja nur sitze und das wäre auch nicht gut für das Kind. Andererseits muss ich mir darüber aber ja gar keine Gedanken machen, weil ich ja eh keinen Freund habe.“ Ich lächelte, als ich dies sagte, aber eigentlich machte es mich irgendwo traurig. Ich werde wohl niemals eine Beziehung haben. Immerhin treffe ich fast keine Leute und wer will schon sein Leben lang jemanden im Rollstuhl herumfahren? Naja, sei's drum.
    Mitfühlend lächelte Taes Frau nur und meinte:„Naja, einen Partner findest du ganz sicher noch und man muss ja auch keine eignen Kinder haben. Adoption kann genauso schön sein. Ich stelle mir vor, dass alleine das Gefühl, einem Kind ein schöneres Leben zu ermöglichen, toll ist. Außerdem habe ich mal mit einer Freundin auch über Adoption gesprochen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich viel besser ist, als selbst Kinder zu bekommen. Es ist ja kein Geheimnis, dass die Weltbevölkerung viel zu groß ist und wenn wir Kinder adoptieren und nicht selbst bekommen, würde das dieses Problem etwas lindern. Andererseits ist es natürlich so, dass es gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass ein Kind vielleicht Depressionen bekommt.“ Damit wurde die Frau kurz still und murmelte schnell:„Naja, es sind heutzutage viele Jungendliche depressiv und sind nicht wirklich mit ihrem Leben zufrieden. Wir kennen das ja irgendwie alle... Meine Freundin sagte, es sei doch viel besser, ein Kind zu „recyclen“ und ihm ein schöneres Leben zu schenken, als ein Kind zu gebären, dass vielleicht eh nie leben wollte...“ Ich nickte bei dem Gedanken leicht und meinte, um die Stimmung etwas aufzulockern:„Eigene Kinder zu haben ist aber bestimmt auch sehr schön und es ist ja auch nicht so als hätten alle Leute Depressionen. Es hängt bestimmt auch ein bisschen davon ab, wie man sein Kind aufzieht. Ihr macht es ja gut, also...“ (d/n) nickte langsam und mein Blick schwenkte zu Hobi, welcher auf dem Sofa saß. Er schaute starr auf den Boden und biss sich auf die Lippe, als würde er sich so von etwas ablenken wollen. Ich sah, wie seine Augen leicht glasig waren und ich konnte mir vorstellen, an was der Mann gerade dachte - an die Art Rede, die Karolin kurz vor ihrem Tod gehalten hatte. Darin hatte sie gesagt, dass sie in ihrem Leben nie wirklich einen Sinn sah, was Depressionen offenbar ziemlich nah kam. Ob sie diese nun wirklich hatte, bleibt offen, aber dennoch war sie nie wirklich glücklich gewesen und das war es wohl, worüber Hobi nachdachte.
    Mir tat es weh im Herzen, den sogenannten Seelensprecher immer noch so verletzt zu sehen...

    Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile über alles Mögliche und setzten uns später an den Tisch, wo wir Kaffee und Kuchen zu uns nahmen. Ich saß dabei neben Jungkook und bemerkte seinen Blick, der dem kleinen Taemin gewidmet war. Der ehemalige Sänger versteckte sein Gesicht hinter seinen Händen, nahm sie dann wieder weg und flüsterte dabei belustigt „Peekaboo“. Ich grinste, als ich sah, wie Taemin daraufhin lachte und wild mit seinen Beinen stramplete. Für mich dachte ich, dass Jungkook bestimmt auch ein guter Vater wäre. Jetzt erst fiel mir auch auf, dass Kook ja auch gar keine Beziehung hatte. Zumindest nicht, als ich mit ihm das letzt Mal darüber gesprochen hatte. Es wunderte mich, weil er ein toller Typ war und obendrauf auch noch gut aussah. Dennoch graute mir der Gedanke, dass er vielleicht eines Tages eine haben würde und ich nach wie vor alleine wäre. Ich weiß nicht genau, wieso, aber irgendwie wollte ich nicht, dass Jungkook eine Beziehung hat...

    Nach einiger Zeit begab sich Familie Kim dann auch wieder nach Hause und da es schon Abend war, entschlossen wir uns dazu, die Pizza in den Ofen zu schieben. In der Zeit schauten wir ein bisschen Fernseh. Später aßen wir die Pizzen dann zu dritt vor dem Fernseher und schauten währenddessen einen Film. Hobi saß auf dem Sessel und ich hatte mich von meinem Rollstuhl auf das Sofa umgesetzt. Jungkook saß neben mir und weil es nur ein Zweiersofa war, saßen wir recht dicht beieinander, sodass ich seine Oberschenkel an meinen spürte. Irgendwie war mir dieser Körperkontakt etwas unangenehm. Naja, eigentlich wäre er das nicht gewesen, würde nicht mein ganzer Körper wieder unter dieser normalen Berührung kribbeln. Es war so seltsam für mich, Nähe zu spüren, nachdem ich Jahre lang niemanden hatte und von meinem eigenen Vater verstoßen wurde. Auf einmal war einfach wieder jemand da, der mir das Gefühl gab, mich wirklich zu mögen und das nicht nur, weil er mein Bruder war. Jungkook mochte mich und sah mich als eine Freundin und so eine Freundschaft habe ich nie wirklich gehabt, sodass ich in meinem ganzen Körper die Zuneigung ihm gegenüber spürte. Aber dennoch hatte ich das Gefühl, war das Kribbeln in meinem Bauch nicht wirklich normal. Nie zuvor war es mir so ergangen. Warum jetzt auf einmal?

    Irgendwann hatten wir die Pizza zu Ende gegessen und schauten nun nur noch den Film weiter. Irgendwann war es ungemütlich geworden, die ganze Zeit so steif nebeneinander zu sitzen, weshalb Jungkook sich etwas an die Seite lehnte und sein eines Bein mit auf das Sofa legte. Er meinte zu mir:„Wenn ich dir den Platz wegnehme oder so, sag es einfach.“ Ich lächelte nur, aber nach einer Zeit wurde es tatsächlich etwas unangenehm. Ich setzte mich etwas um und versuchte, eine gemütlichere Position zu finden. Kook merkte diese Aufruhe und hielt mich plötzlich vorsichtig an den Schultern fest und zog mich daran etwas zu sich, sodass ich nah an ihm saß und mein Oberkörper direkt an seinem lehnte. Belustigt fragte er:„So gemütlicher?“ Verlegen nickte ich und spürte, wie mein Kumpel dann noch seinen Arm um mich legte und wir wirklich quasi aneinander klebten. Aber es war gemütlich, also verblieb ich so... Doch auch hier wurde ich leicht nervös. Diese Nähe kannte ich einfach nicht und sie war mir regelrecht befremdlich. Seltsam daran war für mich aber, dass ich mich nicht wirklich unwohl fühlte. Ich mochte diese Art von Kontakt und ich fühlte mich in seinem Arm geborgen. Leicht lächelte ich und kuschelte mich etwas an ihn, woraufhin ich ein leises Kichern von ihm vernahm.


    Jungkooks Sicht

    Akikos Körper lag nah an meinem und ich spürte an meinem eigenen Körper, wie sich der Brustkorb der Frau beim Atmen hob und senkte. Ich lächelte ruhig, während sich die Japanerin an mich schmiegte und sie wie ein großes Kuscheltier wirkte. Mir wurde warm, aber nicht wirklich physisch, sondern psychisch. Es war ein Gefühl, welches nicht von außerhalb nachweisbar war. Ich wusste, dass es irgendwo Zuneigung war und ich lächelte bei dem Gedanken leicht.
    Kurz schaute ich zur Seite und sah Hobi, der Akiko und mich grinsend anguckte. In seinem Blick erkannte ich Belustigung und er zuckte herausfordernd mit den Augenbrauen, darauf hindeutend, dass ich Akiko so nah war. Ich schüttelte nur grinsend den Kopf und wandte meinen Blick wieder dem Fernseher zu. Mir war vollkommen klar, dass Hobi meinte, dass ich mich in Akiko verliebt hätte, aber davon wollte ich nichts wissen. Doch je länger ich darüber nachdachte, umso mehr sah ich ein, dass Akiko für mich tatsächlich nicht nur eine normale Freundin war. Jedes Mal, wenn ich sie lächeln sah, wurde mir warm ums Herz und immer, wenn ich mit ihr sprach, verging die Zeit wie im Flug. Stundenlang konnte ich mit ihr reden und allein ihre Stimme ließ mein Herz höher schlagen. Wenn sie mich anschaute, sah ich in ihren Augen ein Funkeln wie Sterne und es zauberte mir automatisch ein Lächeln auf die Lippen. Ich ging mit ihr relativ viel Körperkontakt ein und dachte stets darüber nach, ob ich wohl die richtigen Entscheidungen in ihrer Gegenwart traf.
    Doch, Akiko war nicht nur eine Freundin. Ich sah in ihr mehr und ich schämte mich insgeheim dafür, weil ich sie noch gar nicht so lange kannte. Ich wusste auch irgendwie gar nicht, warum es so war. War sie nicht, wie auch jeder andere Mensch? Ich meine, warum war es ausgerechnet SIE, in die ich mich verliebt hatte? Falls es überhaupt wirklich Verliebtheit war...
    Ich dachte viel über diese Frage nach, während ich eigentlich den Film hätte schauen sollen. War es, weil sie so anders war? Ich meine, sie war gehbehindert und etwas scheu, schüchtern, aber lieb. Sie hatte irgendwo wahrscheinlich kleine Komplexe mit sich selbst, traute sich nicht genug zu. Aber ich sah sie mir der Zeit in ihrem Herzen wachsen. Sie öffnete sich immer mehr, traute sich mehr zu und erkannte langsam, was sie selbst konnte. War es vielleicht dieser Prozess, den ich miterlebt hatte, der Grund für meine Schwärmerei? Oder war es ihr bezauberndes Lachen, ihre funkelnden Augen und ihre dankbare Seele? Denn jedes Mal, wenn ich sie anschaute, sah ich in ihr auch, dass sie mir dankbar war. Dankbar dafür, dass ich da war und Zeit mit ihr verbrachte. War er das? Ich war mir nicht sicher und ehrlich gesagt war ich mir nicht mal sicher, ob ich wirklich verliebt war oder ich nur nie so eine starke Freundschaft erlebt hatte...

    Der Film endete und Hobi gähnte:„Jo, ich gehe jetzt ins Bett.“ Akiko und ich nickten quasi gleichzeitig und ich sprach scheinbar für uns beide:„Ich werde auch schlafen gehen. Bin schon etwas müde.“ Anschließend stand ich vom Sofa auf und Akiko stieg wieder auf ihren Rollstuhl um. Ruhig lächelte sie dann sowohl Hobi als auch mich an und meinte:„Gute Nacht. Bis morgen.“ Ich nickte und fragte noch vorsichtshalber:„Brauchst du noch irgendwie Hilfe oder so? Ich glaube, du hast deinen Koffer auch noch gar nicht ausgeräumt, oder?“ Doch die Japanerin lehnte ab:„Ach, alles gut. Ich brauche keine fünf Minuten, um meine Klamotten umzuräumen. Aber danke.“ Etwas verlegen lächelte ich daraufhin und ging dann in mein Zimmer, welches ich mir ja auch mit Hobi teilte. Er zog sich gerade um, als ich hineinkam und er grinste direkt:„Du und Akiko habt ja ganz schön gekuschelt, nicht?“ Ein Lächeln huschte über mein Gesicht und ich redete mich heraus:„Ja, aber man kann ja auch kuscheln, wenn man kein Paar ist. Tae hat ja früher auch immer mit uns allen gekuschelt, bevor er zu (d/n) abgedüst ist. Und du hast doch auch oft mit Karolin gekuschelt!“ Hobi berichtigte mich:„So kann man das nicht sagen! Wir haben einfach nur nebeneinander geschlafen und sind dann im Schlaf aneinandergerollt oder so!“ Ich rollte mit den Augen:„Naja, so war es ja auch nicht. Karolin hat schon richtig gerne gekuschelt und es war nicht so eine Art Versehen, sondern teilweise auch Absicht, dass die dich beim Pennen umarmt hat.“ Belustigt fügte ich hinzu:„Aber keine Sorge, es sah süß aus!“ Daraufhin lächelte mein Zimmergenosse leicht und schwelgte in Erinnerungen:„Karo war wirklich sehr anhänglich manchmal... Man hätte es nie von ihr erwartet, weil sie stets so ernst schien und so brummig. Aber das war teilweise auch nur der Schein. Sie war manchmal wirklich aufgedreht und super anhänglich. Sie liebte kuscheln und eigentlich war sie wirklich liebevoll.“ Ich erwiderte:„Ja. Und ihr wart auch nur Freunde, also muss es nicht heißen, dass ich in Akiko verliebt bin oder so.“ Diese Aussage war für mich tatsächlich ein Argument und ich dachte, dass ich vermutlich auch gar nicht wirklich in die Asiatin verliebt war. Immerhin schienen Hoseok und Karolin genauso zärtlich miteinander umgegangen zu sein und die waren bestimmt kein Paar.
    Hobi nickte in der Zeit und murmelte:„Lass uns über etwas Anderes reden. Ich möchte mich nicht stets an Karo erinnern. Mein Therapeut meinte, dass sei nicht gut für mich...“ Ich nickte nur und legte mich ins Bett, wie der Ältere es jetzt auch tat. Schweigend lagen wir dann nur da, bis Hobi in das dunkle Zimmer murmelte:„Manchmal vermisse ich die Zeit in der Arena. Es hört sich verrückt an, weil es eigentlich eine Zeit von Angst und Tod geprägt war, aber dort waren wir noch beisammen. Karolin und Jimin. Sie waren beide noch bei uns. Und obwohl diese Zeit so schrecklich für uns schien, war sie eigentlich ganz behaglich. Wir waren wie eine kleine Familie und mit jedem neuen Tag fühlte es sich normal an, so zu leben. Ich vermisse die Zeiten, als wir am Lagerfeuer saßen und uns Geschichten erzählten...“ Ich seufzte leise und erinnerte Hobi:„Aber es ist besser so, dass es nun vorbei ist. Natürlich waren Jimin und Karolin damals noch am Leben, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass sie für uns gestorben sind. Wir sollten ihnen nicht zu sehr hinterhertrauern. Sie sagten selbst, dass wir es nicht sollten. Wir müssen uns auf das Hier und Jetzt fokussieren und uns um die Leute kümmern, die noch bei uns sind...“ Leise murrte Hobi nur zur Zustimmung und schlief dann scheinbar ein. So tat ich es schließlich auch und dachte daran, wie Akiko sich in der Arena benommen hatte. Ich bin froh, dass diese Zeit vorbei ist...


    Hobis Sicht

    Eine leise Stimme wisperte in mein Ohr und ich öffnete erschrocken die Augen und schaute mich schnell atmend im Zimmer um. Erleichtert atmete ich dann auf, als ich mich im wachen Zustand wiederfand. Es war nur ein Traum. Kein Grund zur Panik, Hobi... Müde stand ich auf und wankte aus dem Zimmer, während Jungkook weiterschlief. Die Stimmen aus meinem Traum aber schienen mir noch einen Moment zu folgen und ich seufzte leise. Schweigend begab ich mich in die Küche und holte mir dort ein Glas Wasser, während ich über meinen Traum nachdachte. Es war ein Albtraum gewesen:
    Ich stand in der Arena und es war dunkel. Ich konnte nur wenig sehen und schien alleine zu sein. Panisch drehte ich mich um und versuchte, andere Personen ausfindig zu machen. Wo war Karolin? Und der Rest der Truppe? Ungeschickt holperte ich durch das Gras, als ich plötzlich eine Stimme hinter mir vernahm:„Du bist nicht alleine, Hobi.“ Verwirrt drehte ich mich um und wurde von einem Lichtstrahl geblendet. Es dauerte einen Moment, bis sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnten, doch schon bald erkannte ich Akikos freundliches Gesicht. Erleichtert atmete ich auf und fragte dann:„Wo sind die anderen?“ Ruhig erwiderte Akiko:„Die anderen? Du brauchst sie nicht, Hobi. Sie sind fort. Du musst loslassen, ohne sie zurechtkommen. Denn das tun auch sie.“ Verwirrt und ängstlich schaute ich die Frau an und beobachtete, wie sie in einem Halbkreis um mich herum lief. Schließlich blieb sie stehen, schaute mich einen Moment schweigend an und murmelte dann:„Weißt du, Hobi... Manchmal werden einem Sachen oder Menschen genommen, aber du musst lernen, ohne sie klarzukommen.“ Ich wollte gerade etwas sagen, als eine weitere Stimme ertönte. Ich drehte mich zu dem Ursprung um und erkannte Jungkook:„Menschen nehmen, was sie brauchen und das musst du akzeptieren. Wir können nicht für immer bleiben.“ Mit diesen Worten griff Akiko nach Kooks Hand und zog ihn in den Wald hinein. Ich wollte folgen, aber ich konnte nicht. Meine Füße waren am Boden wie festgefroren und ich konnte nur beobachten, wie Jungkook und Akiko immer weiter in der Dunkelheit verschwanden und mich alleine zurückließen. Ich bekam Panik und wollte folgen, doch ich konnte nicht. Ich wollte schreien, doch ich konnte nicht. Und so musste ich mich damit zufriedengeben, dass Akiko mir Jungkook als einzigen noch genommen hatte und ich vollkommen alleine war.

    Ich wusste, dass es nur ein Traum war.
    Aber warum kam dieser Traum auf einmal? Waren es wieder die Albträume oder war es vielleicht sogar eine Art Warnung von außerhalb? Ein Zeichen von Karolin an mich, dass Akiko uns wieder hintergehen würde? Immerhin hatte sie mir im Traum den genommen, der noch übrig war, nachdem sie mir meine beste Freundin und einen meiner besten Freunde nahm. Sie war verantwortlich für ihre Tode und nun nahm sie mir auch noch den letzten. Sollte es ein Zeichen sein, dass sie mir Jungkook auch im echten Leben nehmen würde? Schnell rüttelte ich diesen Gedanken von mir ab. Ich wusste, dass Akiko sich geändert hatte und genauso wusste ich, dass es schwachsinnig war. Es war ein Traum und damit hatte sich das Thema erledigt. Nicht jeder Traum muss eine Bedeutung haben...

    Einige Momente saß ich noch in der Küche, schweigend und trank mein Wasser, bis ich Akikos Stimme vernahm. Vorsichtig hob sie die Stimme:„Guten Morgen, schon so früh wach?“ Beinahe etwas panisch drehte ich mich zur ihr um, scheinbar noch in der Angst meines Traums gefangen und sah sie mit erschrockenen Augen an. Das ließ sie zusammemzucken, da sie ja nichts falsch gemacht hatte und ich versuchte, sie zu beruhigen:„Äh ja. Guten Morgen. Ich habe dich nicht kommen hören oder sehen... Ich hatte einen Albtraum und bin etwas eher wach geworden. Und du?“ Scheinbar etwas erleichtert, dass ich wieder normal schien, erwiderte sie:„Ich stehe meistens etwas früher auf. Außerdem habe ich jetzt nach Jahren mal wieder woanders geschlafen. Es war seltsam und ich konnte quasi nicht länger schlafen.“ Langsam nickte ich nur und zwängte mir ein Lächeln auf:„Es ist bestimmt schön, mal wieder anderswo zu sein.“ Heftig nickte die Japanerin daraufhin und fügte hinzu:„Ja, ihr seid auch wirklich nett zu mir. Vor einigen Monaten hatte ich noch gedacht, würde ich niemals richtige Freunde haben.“ Schwach lächelte ich und schwieg auf diese Aussage. In der Zeit hob die andere dann wieder die Stimme:„Ist Jungkook noch am Schlafen?“ Ich nickte leicht und meinte:„Er liegt noch in seinem Bett. Du kannst ihn wecken gehen, wenn du möchtest. Aber ich glaube, er hat Boxershorts zum Schlafen an. Also zieh ihm nicht die Decke vom Leib oder so.“ Daraufhin grinste Akiko und auch mir fuhr ein Lächeln über die Lippen. Die Japanerin meinte in der Zeit:„Keine Sorge, bei uns hat er auch in Boxershorts geschlafen. Aber zum Glück auch mit T-Shirt.“ Ich grinste und erklärte:„Jaja, T-Shirt hat er auch an. Naja, in dem Sinne kannst du ihm die Decke dann doch einfach wegziehen. Seine Unterplinte kennst du dann ja eh schon.“
    Ein breites Grinsen zierte Akikos Gesicht und sie rollte dann mit ihrem Rollstuhl zu Jungkook, um diesen zu wecken.
    Ich schaute der Frau in der Zeit hinterher. Sie ist wirklich in Ordnung. Ich muss mir keine Sorgen machen...

    Der Rest des Tages lief sehr gut. Nachdem Akiko Jungkook geweckt hatte, aßen wir zu Frühstück. Anschließend hatte Jungkook mit unserem Gast das Atelier unserer Nachbarin begutachtet, in dem er selbst manchmal arbeitete. Ich war in der Zeit zuhause geblieben, aber die zwei schienen viel Spaß gehabt zu haben. Später, nachdem sie wieder da waren, fuhren wir zu dritt zu dem BigHit Entertainment. Wir waren zwar nicht mehr BTS, aber Kook wollte Akiko unbedingt zeigen, was wir früher so gemacht hatten und wo wir gearbeitet hatten. Auch hier war die Stimmung recht gut, was mich etwas überraschte, da ich persönlich immer schlechte Laune bekam, wenn ich dieses Gebäude betrat. Es erinnerte mich einfach alles zu sehr an Jimin. Aber die anderen zwei schienen guter Laune zu sein und ich schwieg hauptsächlich nur.
    Damit war der Tag auch schon wieder so gut wie zu Ende und den Abend verbrachten wir eher einzelnd. Akiko duschte, Jungkook wartete scheinbar in seinem Zimmer darauf, dass Akiko fertig wurde und ich kochte mir etwas. Währenddessen dachte ich wieder über alles nach und ich überlegte, ob mein Traum nicht vielleicht doch etwas zu bedeuten hatte.


    Akikos Sicht

    Ich befand mich im Badezimmer, kam gerade aus der Dusche heraus und trocknete mich ab. Es war etwas kompliziert, zu duschen, seitdem ich nicht mehr laufen konnte, aber es war machbar und ich hatte ein Handtuch um mich geschlungen. Ich wollte nach meinen Klamotten greifen, aber dort war nichts. Ich hatte meine Klamotten offenbar in meinem Zimmer vergessen. Seufzend überlegte ich, ob ich vielleicht einfach eben selbst meine Sachen holen sollte, aber die Gefahr, dass das Handtuch hinunterrutschte, war mir zu groß, also entschied ich mich dazu, mir meinen Kram bringen zu lassen. Laut rief ich also nach Jungkook, der irgendwo in dem Nebenzimmer sein sollte. Tatsächlich antwortete er auch direkt und fragte, was los sei. Etwas beschämt erklärte ich ihm durch die Tür:„Ich habe vergessen, Klamotten mitzunehmen ins Bad. Kannst du mir eben was bringen? Schlafsachen am besten, ist ja schon Abend. Dürfte alles im Schrank liegen.“ Jungkook erwiderte knapp:„Jap, mache ich.“ Mit den Worten verschwand er dann in mein Zimmer, während ich im Bad sitzen blieb. Mir war etwas unwohl bei dem Gedanken, dass Jungkook meinen Kleiderschrank durchstöberte und mir auch meine Unterwäsche mitbringen sollte. Allerdings schob ich diesen Gedanken einfach an die Seite und redete mir selbst ein, dass es nicht so schlimm sei.
    Nach einigen Minuten klopfte es dann an der Tür und Kooks Stimme ertönte:„Soll ich die Klamotten eben reinschmeißen oder so? Ich gucke auch nicht.“ Ich schüttelte grinsend den Kopf und meinte:„OK, leg die Sachen einfach eben auf den Rand der Badewanne. Da kannst du ja auch einfach mit deinem Arm eben hingreifen.“ Ein zustimmendes Murren ertönte und wenige Sekunden später öffnete sich die Tür einen Spalt breit. Der Arm des Koreaners lukte hervor und ich sah, wie er die Klamotten vorsichtig ablegte und dann die Tür wieder schloss. Kurz bedanke ich mich und Jungkook ergänzte noch:„Ach ja, ich habe übrigens deinen Schlafanzug nicht gefunden. Deswegen habe ich einfach ein Oversize T-Shirt von mir dazugelegt. Das kannst du anziehen. Ist quasi auch 2 in 1, weil es bis zu den Knien reicht.“ Belustigt lächelte ich und antwortete:„Alles gut. Danke noch einmal für's Bringen.“ Schnell erwiderte der andere etwas und ich zog mich schnell an. Tatsächlich hatte Jungkook mir meine Unterwäsche und sein schwarzes Oversized T-Shirt geholt. Als ich es angezogen hatte, setzte ich mich in meinen Rollstuhl um und verließ das Bad. Dort stand Jungkook direkt und grinste mich entzückt an, während er erklärte:„Du siehst süß aus in meinem T-Shirt.“ Verlegen brachte ich ein leises Danke heraus und errötete leicht. Ich weiß, was Jungkook mit „süß“ meinte: Ich sah in dem Oberteil einfach winzig aus, weil es so groß war. Es war mir irgendwie peinlich, dass ich seine Klamotten trug, aber er meinte:„Du kannst das T-Shirt ruhig anbehalten. Du musst dich jetzt also nicht direkt wieder umziehen oder so.“ Dankbar lächelte ich und wir begaben uns gemeinsam in die Küche, wo auch Hobi sich aufhielt. Als er mich in Kooks Kleidung sah, grinste er belustigt und fragte:„Ist das Kooks?“ Ich nickte und erklärte ihm kurz, wieso ich es trug. Das brachte den Älteren noch mehr zum Grinsen. Schließlich scherzte er:„Fehlt nur noch, dass Kook jetzt deine Kleidung trägt, Akiko.“ Ich kicherte daraufhin etwas und meinte:„Ich glaube nicht, dass Kookie meine Nummer passt.“ Gespielt entrüstet atmete der jüngere Mann daraufhin ein und sprach:„Wasssss? Ich passe überall rein, ich beweise es dir!“ Ich kicherte, während Jungkook meine Hand nahm und mir bedeutete, ihm zu folgen. So tat ich es auch und Hobi kam ebenfalls mit. Kookie führte uns in mein Zimmer, öffnete den Kleiderschrank und holte ein rosa, bauchfreies Top heraus, welches schon bei mir sehr hauteng war. Kurz schaute er mich an als wollte er eine Erlaubnis, woraufhin ich auch lächelnd nickte. Grinsend drehte der Mann sich dann um, zog eben sein Oberteil aus, sodass wir nur seinen Rücken sehen konnten und zog mein Top an. Ich schaute in der Zeit belustigt Hobi an, welcher mir schmunzelnd zuflüsterte:„Das Anziehen sieht schonmal nicht sehr elegant aus.“ Ich lachte leise, während Jungkook mittlerweile wohl fertig war und meinte:„Ha, passt perfekt!“ Somit wandte ich mich ihm wieder zu und brach in Lachen aus, als ich den Mann in meinem Top sah. Die Träger des Tops waren sehr gedehnt, weil er deutlich breitere Schultern als ich hatte und der Stoff war an seinem Brustkorb links und rechts gespannt, während er vorne, wo normalerweise die Oberweite der Frau wäre, etwas schlackerte. Das Rosa sah an Jungkook sehr lustig aus und auch, dass das Top bauchfrei war, trug dazu bei, dass das Ganze sehr komisch aussah. Doch der Mann drehte sich stolz und meinte sarkastisch:„Ich finde, es steht mir ausgezeichnet.“ Hobi und ich, die mittlerweile komplett im Lachen ausgebrochen waren, nickten nur und Hobi fragte:„Hast du auch noch einen Rock oder so?“ Ich nickte grinsend und zog einen ziemlich kurzen, schwarzen Rock heraus. Den drückte ich Kook in die Hand und sprach belustigt:„Der passt bestimmt besser, weil deine Hüften nicht so breit sind.“ Auch den zog der Koreaner mit Freude an und Hobi und ich kriegten uns gar nicht mehr ein. Doch ich lachte:„Warte, da fehlt noch etwas.“ Kurzerhand rollte ich zu meinem Kulturbeutel rüber und holte ein Zopfgummi heraus. An der Schulter zog ich den Mann etwas zu mir herunter und machte ihm eine süße, kleine Assipalme auf den Kopf. Nun war der Look vollendet und wir lachten alle drei. Wie eine Prinzessin drehte sich Kookie vor uns und lachte ironischerweise:„Ich bin wunderschön!“ Somit lachten wir noch mehr und das bestimmt fünf Minuten lang. Hobi machte zwischendurch ein Foto von der „Prinzessin“ und meinte:„Das drucke ich aus, rahme es ein und stelle es mir an mein Bett.“ Daraufhin mussten wir noch mehr lachen und ich meinte:„Das Foto musst du hervorkramen, wenn Kook heiratet. Dann nennt seine Freundin ihn dann immer Prinzessin.“ Hobi lachte:„Jaaaa, das mache ich!“ Jungkook schaute uns nur etwas brummig an, fing dann aber auch wieder an, zu lachen.

    Irgendwann kriegten wir uns dann auch wieder ein und Jungkook zog sich wieder um. Mein Top war dabei ziemlich ausgeleiert und der Mann versprach mir:„Ich kaufe dir ein neues.“ Doch ich schüttelte nur grinsend den Kopf:„Ist schon in Ordnung, Prinzesschen. Du darfst es behalten. Ich habe es eh nicht oft angezogen und dir steht es viel besser.“ Schmunzelnd murrte der Koreaner jetzt:„Danke. Aber lass das nicht zur Gewohnheit werden, dass du mich Prinzesschen nennst.“ Provokant erwiderte ich:„Ist in Ordnung, Prinzesschen.“ Gespielt angriffslustig stürmte Kookie jetzt auf mich zu, rüttelte mich leicht an den Schultern als würde er ausrasten und lachte:„Eyyyyyy! Hör auf, sonst nenne ich demnächst Krüppelchen!“ Ich grinste:„Kannst du gerne machen, Prinzesschen. Damit habe ich kein Problem. Ich stehe dazu, dass ich ein Krüppel bin.“ Belustigt grinste Jungkook nur und meinte noch:„Na gut. Und jetzt lass uns wieder zu Hobi gehen!“ Dieser war nämlich wieder in die Küche gegangen, bevor sein Essen anbrannte.


    Jungkooks Sicht

    Gemeinsam gingen Akiko und ich dann wieder zu Hobi. Ich musste immer noch darüber grinsen, wie die Japanerin mich „Prinzesschen“ nannte. Irgendwo war es ein lustiger Spitzname, aber ich hatte trotzdem keine Lust, mein gesamtes Leben von ihr so angesprochen zu werden. Andererseits war es mir auch egal, weil es irgendwie süß war, dass Akiko mir überhaupt so einen spezifischen Namen gab.
    In der Küche angekommen schmiss ich etwas Toast in den Toaster, da Hobi nur für sich kochte. Als es dann fertig getoastet war, setzte ich es Akiko vor und wir belegten und aßen es beide. Wir unterhielten uns dabei wieder und lachten noch über meinen Look von gerade eben. Hoseok hatte sich mittlerweile auch wieder dazugesetzt und hatte offenbar bemerkt, dass Akiko mich stets mit „Prinzesschen“ ansprach und ich sie mit „Krüppelchen“. Belustigt fragte er:„Nennt ihr euch jetzt immer so?“ Als teilten wir die Gedanken nickten wir gleichzeitig mit vollem Mund und Hobi grinste.

    Nach dem Essen verzogen wir uns eigentlich alle wieder in unsere Zimmer und ich spielte ein paar Videospiele. Doch nach einer Zeit wurde es langweilig, Hobi schlief schon und ich schlenderte zu Akikos Zimmer rüber. Es war schon sehr spät, fast Mitternacht und ich erwartete, dass sie schlief. Doch als ich ganz leise, quasi nur einmal berührt, an der Tür klopfte, ertönte zu meiner Überraschung Akikos ruhige Stimme:„Ja?“ Verlegen öffnete ich die Tür und schaute hinein, um die Gehbehinderte auf ihrem Bett sitzen zu sehen. Sie schaute mich sanft lächelnd an und ich fragte ruhig:„Du bist noch wach, Krüppelchen?“ Lächelnd erwiderte Akiko:„Ja. Du doch auch, Prinzesschen.“ Sanft lächelnd betrat ich das Zimmer nun ganz und ging auf Akiko zu, setzte mich neben sie, auf die Bettkante. Die Japanerin schaute mich erwartungsvoll an, scheinbar wissen wollend, warum ich hier war. Also fing ich wieder das Gespräch auf:„Ich kann irgendwie noch nicht schlafen und mir war langweilig. Deswegen habe ich geschaut, ob du noch wach bist. Warum bist du es?“ Schulterzuckend meinte die hübsche Frau:„Keine Ahnung... Ich habe noch ein bisschen an dem Kapitel weitergeschrieben und habe nachgedacht.“ Nun setzte ich mich direkt neben sie und fragte wieder:„Nachgedacht worüber?“ Sanft lehnte sich die Frau an die Wand mit dem Kopf als würde er ihr langsam zu schwer werden uns sie murmelte:„Naja, über alles irgendwie. Personen wie ich, die nicht viel machen können, denken eben mehr. Oft zumindest... Ich denke oft über abstrakte Dinge nach wie über die Zeit. Zeit war für mich ja sowieso immer ein großer Teil in meinem Leben wegen meinem Vater und so, aber ich denke er darüber nach, ob Zeit jemals enden wird. UNSERE Zeit ja: Wenn wir sterben. Aber ob Zeit irgendwann wirklich ganz endet und nichts mehr ist.“ Nachdenklich erwiderte ich:„Ich weiß nicht. Ich glaube, es ist eine schwere Vorstellung. Ich denke nicht, dass Zeit einmal ganz enden kann. Irgendwie muss es ja weitergehen. Und eine Fortsetzung ist immer verbunden mit Zeit. Wahrscheinlich werden wir Menschen einfach nur irgendwann keine Zeit mehr spüren.“ Ruhig nickte Akiko und murmelte:„Ja, das ergibt Sinn...“ Dann lachte sie leicht:„Du denkst wahrscheinlich, dass ich einen Lattenschuss habe, dass ich über sowas nachdenke.“ Ich lächelte jedoch:„Nein, das denke ich nicht. Manchmal denkt man eben über seltsame Dinge nach.“ Wieder nickte Akiko schweigend, bis sie die Stimme hob:„Vermutlich denke ich so oft darüber nach, weil ich Angst habe, dass es irgendwann alles vorbei ist. Dass ich irgendwann nicht einmal mehr das Zeitgefühl verlieren kann. Weißt du... für mich fühlt es sich schon seit Jahren so an als würde ich in der Zeit stehen bleiben. Tag ein Tag aus das selbe und es scheint nie zu enden. Im Moment scheine ich wieder Zeit zu spüren. Es ist so anders als sonst momentan. Mit dir habe ich irgendwie das Gefühl, dass es weitergeht. Es scheint nicht mehr alles still zu stehen.
    Aber ich habe Angst, dass irgendwann die Eintönigkeit zurückkehrt. Wahrscheinlich wird sie das schon am Ende der Woche, aber irgendwann wird das Leben ganz verschwinden und dann wird eine Eintönigkeit herrschen, die sich niemals unterbrechen lässt.“ Neugierig fragte ich:„Redest du über den Tod?“ Stumpf nickte die andere und ich meinte:„Ich denke, der Tod ist nichts, was man fürchten muss. Er ist vollkommen normal und vielleicht geht es ja auch nach dem Tod noch irgendwie weiter. Es gibt so viele verschiedene Glauben. Vielleicht werden wir ja, wie Amba es glaubt, wiedergeboren.“ Still nickte Akiko, bevor sie sprach:„Irgendwie möchte ich gar nicht wiedergeboren werden. Ich würde alles vergessen, was in diesem Leben passiert ist. Ich würde die Zeit in der Arena vergessen, wer ich bin und dich auch... Einfach alles. Aber ich möchte das gar nicht vergessen. Weder die Zeit in der Arena, noch mich und dich auch nicht!“ Ich erwiderte nur:„Ich möchte das auch nicht. Aber ich denke, wenn es dann so weit ist, interessiert es uns auch nicht mehr, weil wir uns eben nicht erinnern können. Wir würden wieder genauso dumm wie am Anfang sein. Eigentlich voll unnötig, dass man dann zur Schule gegangen ist und so. Im nächsten Leben hast du es eh wieder vergessen.“ Schwach lächelte Akiko jetzt und meinte:„Ich glaube, dass es wahrscheinlich sowieso egal ist, wie es endet, weil wir jetzt eh leben. Man soll ja in der Gegenwart leben und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft.“ Zustimmend nickte ich und fügte hinzu:„Man sollte genießen, was jetzt ist und sich nicht darum kümmern, was morgen passiert oder was gestern passiert ist.“ Wieder nickte Akiko und murmelte:„Manchmal habe ich Angst vor der Zukunft. Nicht, weil ich sterben werde, sondern, weil sich nach meinem Tod vielleicht niemand mehr an mich erinnern wird. Du lebst dein Leben, stirbst und niemand wird sich jemals daran erinnern, dass du gelebt hast. Davor habe ich Angst, aber irgendwie auch davor, dass ich in meinem Leben nie etwas erleben werde. Stell dir mal vor, ich lebe noch weitere 70 Jahre und niemals passiert auch nur irgendetwas. Jeder Tag ist gleich und ich verbringe ihn alleine. Ich habe einfach Angst, mein Leben lang alleine zu sein.“ Verwirrt fragte ich:„Wie meinst du das - alleine sein?“ Verlegen erklärte die Japanerin:„Naja... Ich erinnere mich an Daichi. Er hat Hadia und Ayumi - er hat eine Familie. Genauso Tae und (d/n) oder Amba und Michal. Sie alle haben sich gegenseitig und noch so viele andere Familienmitglieder. Menschen, die sie niemals verlassen werden. Manch einer würde es auch Seelenverwandter nennen, Liebe des Lebens oder wie auch immer. Ich habe Angst, diese Person nie zu finden.“ Überrascht schaute ich die Frau an, doch sie schaute weg, während sie hinzufügte:„Ich meine nicht mal unbedingt eine Beziehung, sondern einfach jemanden, der mich nicht verlassen wird. Eine Person, die meinem Leben einen Sinn gibt.“ Langsam fing die Frau an, leicht zu schluchzen, doch ihr Gesicht sah ich nicht. Dennoch wusste ich, dass sie weinte und sie wimmerte:„Ich glaube manchmal, eine Person in meinem Leben zu haben, die ihm einen Sinn gibt, aber dann erinnere ich mich daran, dass niemand für immer bleiben kann und es auch nicht wird.“ Nun wischte die Frau sich die Tränen weg und ich blickte sie nach wie vor verwirrt an, überrascht, dass sie so feinfühlig und verletzlich war. Leise schluchzte sie:„Entschuldigung, dass du dir das anhören musst. Ich bin nachts irgendwie immer etwas sensibler und denke mehr nach. Wahrscheinlich, weil ich müde bin...“ Doch ich nahm die weinende nun in den Arm, was sie offenbar überraschte und ich murmelte:„Ist schon in Ordnung. Du brauchst dich nicht entschuldigen. Ich weiß, was du meinst und ich kann es gut nachvollziehen. Ich denke das selbe. Es ist auch manchmal gut, zu weinen. Du musst dir deswegen wirklich keine Gedanken machen. Außerdem bist du doch mein liebstes Krüppelchen! Du kannst mit mir über alles reden und ich werde immer für dich da sein!“


    Akikos Sicht

    Ich weiß nicht, warum ich an jenem Abend so emotional geworden bin. Ich denke, ich bin einfach müde gewesen und es musste alles irgendwie raus. Es war eben wirklich nicht immer einfach für mich. Als ich Jungkook von dieser Person erzählte, die mir einen Sinn im Leben gab, sprach ich von ihm... Er war die Person, die mir das Gefühl gab, Teil einer Art Familie zu sein und der mir stets ein Gefühl von Geborgenheit gab.
    So auch jetzt, als ich weinend in seinen Armen lag. Es tat gut, umarmt zu werden und ich schmiegte mich etwas mehr an ihn, sodass ich seinen Herzschlag hören konnte und er schlang seine Arme etwas fester um mich und legte seinen Kopf auf meinem ab. Ich schluchzte noch leicht, aber seine Nähe beruhigte mich und er blieb ganz verständnisvoll und schwieg einfach nur, während er mir diesen Schutz bot. Sanft strich er mit seinen Fingern über meinen Rücken, während ich wie zusammengeschrumpft zwischen seinen Armen hockte. Leise flüsterte er mir noch beruhigende Worte zu und ich wurde immer ruhiger.
    Wieder mal stellte Kook für mich eine Person dar, die für mich da war und ich war ihm so dankbar dafür. Andererseits war genau das meine Angst: dass er irgendwann nicht mehr da sein würde. Vermutlich hatte ich tatsächlich Angst, dass er eine Freundin bekommt und ich eine vergessene Freundschaft bleibe. Oder so wie Karolin es gesagt hätte: die zweite Wahl.
    Jetzt wusste ich so ungefähr, was Karo damals meinte und ich verstand, welch schreckliches Gefühl dies war...

    Noch einige Stunden war Jungkook bei mir geblieben und wir hatten geredet und uns gegenseitig Beistand geleistet. Erst um etwa 02:00 Uhr nachts schlief ich dann ein und er deckte mich noch zu, bevor auch er in sein Zimmer ging.
    Dass er gegangen war, stellte ich dann auch erst am nächsten Morgen fest, als ich alleine in meinem Bett aufwachte. Ich fühlte mich recht gut, als wenn ich all die Trauer in der Nacht herausgelassen hätte.
    Ich zog mich um und rollte dann in die Küche. Wie jeden Morgen scheinbar, saß Hobi schon dort und frühstückte. Ich begrüßte ihn lächelnd und fragte dann etwas verlegen:„Wo ist Jungkook?“ Hobi erwiderte:„Dein Prinzesschen schläft noch. Er ist wohl zu lange wach gewesen.“ Ich nickte nur knapp und aß dann auch selbst.
    Nach etwa einer Stunde kam dann auch Jungkook dazu und er lächelte mich freundlich an. Ich lächelte zurück und beobachtete, wie der Koreaner sich neben seinem Kumpel niederließ und ihm seinen Kaffee klaute. Ich grinste daraufhin, während Hobi augenrollend einen neuen Kaffee für sich machte.

    Nach dem Frühstück besuchten Federica, Joon und Via uns. Diese waren nämlich für ein paar Tage bei Namjoons Eltern und verbrachten dort ihre Zeit. Nun kamen sie zu uns und wir saßen auf der Terrasse, da das Wetter sehr schön war. Auch hier war es wieder schön, die Mitstreiter zu sehen. Alle drei schienen sehr glücklich zu sein. Federica sah man ihren Babybauch durchaus schon an und Joonie streichelte immer wieder liebevoll darüber, während Lívia grinste. Es war erschreckend, wie groß die Brasilianerin mittlerweile war und sie wirkte gar nicht mehr wie das kleine 13-jährige Mädchen. Doch ihr Charakter war eigentlich noch ziemlich gleich und sie erzählte gerade davon, wie die kleine Familie am Wochenende die Wohnung unter Federicas Wohnung gekauft hatte, um den Wohnraum somit zu erweitern. Immerhin würde es mit vier Leuten auf dem kleinen Raum etwas eng werden. Den neuen Teil der Wohnung hatten sie dann auch gleich gestrichen und aufgeteilt, wo welches Zimmer hinsollte. Lívia hatte somit als einzige ihr Zimmer in der unteren Etage, was sie aber wohl gar nicht so schlecht fand. Sie flüsterte mir belustigt ins Ohr:„Es ist manchmal nervig, Rica und Joon nachts knutschen zu hören und so.“ Ich konnte mir ein kleines Lachen nicht verkneifen. Federica erzählte in der Zeit, dass das Kind ein Mädchen werden würden und sie sich immer noch nicht ganz einig über den Namen waren. Allerdings wollten sie uns die bisherigen Ideen für einen Namen nicht verraten.
    Den Rest über unterhielten wir uns noch sehr gut und es war wirklich süß, das Paar so glücklich zusammen zu sehen. Ich lächelte bei der Vorstellung, einer richtigen Familie anzugehören und schaute nahezu unbewusst zu Jungkook. Als ich zu ihm sah, bemerkte ich, dass er mich anstarrte und als auch er bemerkte, dass ich ihn ansah, schaute er mit hochrotem Kopf weg, was mich etwas verlegen machte.

    Am Abend gingen unsere Gäste dann wieder und wir räumten alles etwas auf. Hobi ging gerade aus der Tür hinaus und meinte:„Ich bin dann mal duschen.“ Ich nickte knapp, während der Koreaner schon in die entsprechende Richtung ging. Doch auf einmal lief Jungkook ihm wie ein aufgescheuchtes Huhn hinterher, obwohl er schon aus dem Raum verschwunden war und ich schaute ihm verwirrt nach.


    Jungkooks Sicht

    Ich freute mich darüber, dass Joon, Rica und Lívia da waren. Wir saßen auf der Terrasse und unterhielten uns über alles mögliche. Und obwohl es eigentlich Themen waren, die mich wirklich interessierten, hörte ich nicht zu. Meine Gedanken waren ganz wo anders - um genau zu sein links neben mir. Bei Akiko. Sie schaute mit strahlenden Augen zu der Italienerin und ihrem Partner, während diese von der letzten Ultraschalluntersuchung erzählten. Ich erinnerte mich an die letzte Nacht, in der Akiko sich in meinen Armen ausgeweint hatte und mit mir darüber sprach, dass sie die Person finden wollte, die ihr einen Sinn im Leben gibt. Sie hatte gesagt, dass sie manchmal glaubt, diese Person gefunden zu haben... Mich ließ der Gedanke nicht los und ich wollte wissen, wen sie meinte. Hatte sie sich vielleicht verliebt und denkt, dass diese Liebe nur einseitig ist? Der Gedanke machte mich rasend und irgendwie bekam ich Angst, dass es so war. Ich konnte es nicht länger leugnen: Ich hatte mich in die Japanerin verliebt und ich war eifersüchtig darauf, dass eventuell noch jemand anderes in ihrem Leben war als ich. Ich weiß, dass ich nicht eifersüchtig hätte sein sollen, weil sie so sehr diese Person in ihrem Leben finden wollte, aber andererseits konnte ich nichts dagegen tun.
    Ihr Lachen ließ mein Herz höher schlagen und wenn sie traurig war, war ich es augenblicklich auch. Ich schaute sie gerne an und erfreute mich an ihrer Schönheit. Es war manchmal wie ein Bann und ich bemerkte nicht, wenn ich starrte. Genauso wie jetzt...
    Ich starrte sie mal wieder an und plötzlich schaute sie auch mich an. Erschrocken schaute ich dann weg. Ich wollte nicht, dass sie dachte, ich würde sie beobachten oder so. Doch gleich, nachdem ich mich so hysterisch weggedreht hatte, bereute ich es wieder. Es war auffällig und jetzt dachte sie wahrscheinlich genau das, was sie nicht denken sollte.

    Später, nachdem Joon und CO. wieder gegangen waren, räumten wir noch auf. Ich schwieg währenddessen, mied den Blickkontakt mit Akiko.
    Plötzlich meinte Hobi, dass er duschen wollte. Nein, ich muss mit ihm reden! Schnell lief ich ihm hinterher und hielt ihn am Arm fest, kurz bevor er ins Bad verschwinden konnte. Verwirrt schaute er mich an und fragte:„Was ist?“ Ich zog ihn in den Nebenraum, schloss die Tür und murrte:„Ich muss mit dir über etwas reden.“ Stirnrunzelnd riet der Ältere:„Du hast schon wieder meine Zahnbürste benutzt?“ Verärgert schaute ich ihn an:„Nein, du Nuss! Diese voreiligen Spekulationen hast du dir auch von Karolin angewöhnt! Hör auf damit!“ Belustigt grinste Hoseok, bis ich sprach:„Es geht um Akiko.“ Plötzlich sehr aufmerksam musterte der andere mich, während ich fortfuhr:„In letzter Zeit haben Akiko und ich uns ja sehr gut befreundet... Als ich bei ihr war, habe ich mit ihr Walzer getanzt, weil sie sagte, dass ihre größte Leidenschaft tanzen war und...“ Weiter kam ich nicht, denn Hobi unterbrach mich komplett überrascht:„Du hast was?“ Mürrisch meinte ich:„Du hast mich schon richtig verstanden und jetzt hör bis zum Ende zu!“ Ich atmete noch einmal tief durch, bis ich die Erzählung wieder aufgriff:„Aber nicht nur das. Wir haben in einem Bett geschlafen, nachdem sie mir damals ihr Kapitel vorgelesen hat. Gestern Nacht hat Akiko sich bei mir ausgeweint, weil sie sagte, dass sie eine Person in ihrem Leben haben möchte, die dem einen Sinn verleiht, aber sie glaubt nicht, dass diese Person jemals auftreten wird. Ich habe sie getröstet und dabei ist mir etwas klargeworden...
    Weißt du, immer wenn ich sie anschaue, klopft mein Herz schneller. Wenn ich sie berühre, bekomme ich Schmetterlinge im Bauch und jedes Mal, wenn ich sie lächeln sehe, freue ich mich. Knapp gesagt - ich habe mich verliebt.“ Sofort klappte Hoseok die Kinnlade runter und ich fragte direkt:„Was soll ich machen, Hobi?“ Der ehemalige Rapper schien sich erst berappeln zu müssen, bevor er nach wie vor komplett überwältigt sprach:„Ähm, schwierig. Ich meine, Akiko möchte eine Person haben, die ihrem Leben einen Sinn verpasst. Sprich, sie möchte geliebt werden und selbst lieben.“ Ich sprach Hobi dazwischen:„Ja, aber sie hat gesagt, dass sie manchmal glaubt, fiese Person bereits gefunden zu haben.“
    „Hat sie einen Namen genannt?“
    „Nein.“
    „Also könntest es auch du sein. Diese versteckten Andeutungen sind sehr beliebt, habe ich gehört.“ Ich stellte in Frage:„Wo treibst du dich rum, dass du sowas hörst?“ Hobi grinste:„Ist geheim. So mein Vorschlag: Erzähle es ihr! Sag ihr, dass du dich in sie verliebt hast!“ Augenblicklich bekam ich Nervenflattern:„Aber was, wenn sie mich nicht auch liebt? Ich würde mich total blamieren und sie würde vielleicht die Freundschaft abbrechen. Vielleicht bilde ich mir auch nur ein, dass ich in sie verliebt bin...“ Hobi brummte:„Bullshit. Erstmal: Ist eine vertane Chance besser als eine Blamage? - Ich glaube kaum. Zweitens: Sie wird die Freundschaft nicht abbrechen.
    Kook, wenn du sie liebst, musst du es ihr sagen! Was, wenn sie dich auch liebt und nur darauf wartet, dass du ihr sagst, dass du es tust? Aber nichts ist schlimmer, als aus Angst zu schweigen! Manchmal muss man sich etwas trauen!“ Zwar war ich nach wie vor komplett nervös, gab aber nach:„Du hast recht... Ich sollte es ihr sagen. Aber wann?“ Knapp brummte Hoseok:„Nachdem ich mit dem Duschen fertig bin. Es ist besser, wenn ich dann in der Nähe bin. Denk dir was Nettes aus, wie du es ihr erzählst und kaufe Blumen oder so. Noch haben die Läden auf. Obwohl... Ne, Blumen sind zu schnulzig und das wirkt wie ein Heiratsantrag. Weißt du... Sei einfach du selbst und sag ihr, was du fühlst.“ Nervös biss ich mir auf die Lippen und wollte gerade etwas kontern, aber Hobi schnitt mir sofort das Wort ab:„Nah, sag's nicht! Ich gehe jetzt duschen und du hörst auf, dir Sorgen zu machen. Bis dann mal.“ Mit den Worten verließ Hobi den Raum und verpieselte sich unter die Dusche.
    Ich hingegen blieb mehr oder weniger hilflos zurück und überlegte, wie ich es ihr sagen sollte. Regelrecht Panik überkam mich, während ich daran dachte. Noch nie hatte ich so Gefühle für ein Mädchen, geschweige denn, ihr etwas davon gesagt. Wenn sie mich auslacht? Es für einen Witz hält? Was soll ich machen, wenn sie mich ablehnt? Würden wir Freunde bleiben können? Ich möchte sie in keinster Weise verlieren...

    Einige Minuten vergingen und Hobi kam wieder aus dem Bad heraus, frisch geduscht und angezogen, während ich unverändert im Nebenraum stand und Panik schob. Hoseok kam direkt herein, verdrehte die Augen und murrte:„Als ob du hier jetzt 20 Minuten lang gestanden hast. Los, raus hier jetzt! Du schaffst das, mach dir keine Sorgen! Sei einfach du selbst!“ Ich seufzte nur und wimmerte schließlich:„Na gut. Ich werde es versuchen...“ Mit den Worten und mit Hobi als Begleitung ging ich in die Küche. Doch hier war Akiko nicht mehr. Sie muss schon wieder in ihr Zimmer gegangen sein. Ich wollt gerade vorschlagen, es ihr morgen zu sagen, doch mein Kumpel meinte direkt:„Na los, geh in ihr Zimmer. Sie freut sich sicher, wenn du vorbeischaust und dann sagst du es ihr einfach. Ich werde in unserem Zimmer sein. Wenn du fertig bist, kannst du kommen. Vorher lasse ich dich nicht rein. Dann werfe ich dich auf die Terrasse und dann kannst du da schlafen.“ Murrend gab ich nach und ging langsam auf Akikos Zimmer zu.


    Akikos Sicht

    Ich vernahm ein leises Klopfen an der Tür und schaute verwundert auf, bevor ich die Person hineinbat. Jungkook betrat mein Zimmer zögerlich, lächelte verlegen und begann ein holpriges Gespräch:„Hey...“ Ich lächelte den Mann breit an und erwiderte:„Hi. Wie geht's?“ Etwas unruhig wirkend murmelte Kook:„Äh gut, denke ich. Ähmmm.... hast du mal kurz Zeit zu reden?“ Verwirrt nickte ich, den Mann etwas ängstlich begutachtend. Diese Frage bereitete mir Sorgen, weil es sich anhörte wie ein Problem, das er ansprechen wollte, doch ich sprach mit fester Stimme:„Klar, setz dich.“ Dabei deutete ich neben mich, auf die Bettkante. Zögerlich trat Jungkook dann näher und setzte sich, während ich im Schneidersitz auf dem Bett hockte und den Laptop, auf dem ich bis gerade noch geschrieben hatte, weglegte. Neugierig, aber gleichzeitig nervös schaute ich Kook dann an, während er nervös seine Finger knackte. Ich brachte die Frage wieder auf:„Worum geht es denn, Prinzesschen?“ Seinen Spitznamen fügte ich extra hinzu, damit er vielleicht weniger nervös ist. Tatsächlich lächelte Kookie auch leicht, als ich das sagte und schaute mir dann direkt in die Augen. Wieder fing er an:„Es ist etwas kompliziert und ich weiß nicht, wie du reagieren wirst, deswegen hoffe ich einfach, dass du es gut aufnehmen wirst.“ Diese Aussage konnte im Grunde alles bedeuten, aber schien eher negativ zu sein, also nickte ich nur langsam. Jungkook atmete noch einmal tief durch und hob dann erneut die Stimme:„Es geht um dich. Und darum, wie ich fühle. Es wird dich möglicherweise schockieren und ich will nicht ausschließen, dass du danach nichts mehr mit mir zu tun haben möchtest, aber... es ist besser, wenn du es weißt. Ich habe selbst lange darüber nachdenken müssen und ich war mir lange Zeit nicht sicher. Ich verdrängte den Gedanken einfach und tat so als wäre alles in Ordnung.“ Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Es hörte sich alles andere als gut an und ich bekam am ganzen Körper Gänsehaut, weil ich Angst hatte, dass er die Freundschaft beenden würden oder sonst was. Ich wollte nicht, dass das, was auch immer er sagen wollte, unsere Freundschaft zerstört. Denn er war mein einziger Freund und er war noch so viel mehr für mich. Er war die Person, die meinem Leben einen Sinn zu geben schien und ich glaubte, dass sich meine größte Angst erfüllen würde - dass er mich verlässt...
    Doch der Mann atmete wieder tief durch und er schien auch meine Angst zu bemerken. Noch nervöser biss er sich auf die Lippen und stammelte endlich:„Ich habe in letzter Zeit realisiert, dass ich dich nicht als meine beste Freundin sehe.“ Nahezu geschockt schaute ich ihn an und es fiel mir tatsächlich schwer, meine Tränen zu halten. Ich war der festen Überzeugung, dass er nicht mehr mit mir befreundet sein wollte. Doch den Grund konnte ich mir nicht erschließen. Denkt er vielleicht doch, dass ich zu langweilig bin, weil ich im Rollstuhl sitze? Oder habe ich gestern Nacht in dem Gespräch zu viel Schwäche gezeigt? Ich weiß es nicht...
    Jetzt sprach Jungkook:„Du bist für mich mehr als nur eine Freundin und auch mehr als meine beste Freundin. Akiko, ich habe mich in dich verliebt und ich wollte es nicht wahrhaben, weil du so wenig Kontakt zu Menschen hast und ich Angst hatte, dich irgendwie verletzen zu können und...“ Weiter kam Jungkook nicht, denn ich unterbrach ihn komplett überfordert:„Du bist in mich... verliebt?“ Zögernd nickte Jungkook und er schaute beschämt zu Boden, während er murmelte:„Es ist in Ordnung, wenn du nicht das selbe fühlst. Wirklich! Ich möchte nur nicht, dass ich damit unsere Freundschaft zerstöre.“ Ein Lächeln zierte mein Gesicht und ich hob Kooks Kinn zärtlich mit den Fingern an, sodass er mir in die Augen schaute und ich beruhigte ihn sofort:„Hey, es ist vollkommen in Ordnung. Ich werde deswegen garantiert nicht die Freundschaft beenden und ich bin froh, dass du es mir gesagt hast.“ Hoffnungsvoll schaute Kook mich an und ich meinte lächelnd:„Weißt du... Als ich gestern sagte, dass ich glaube, die Person gefunden zu haben, die meinem Leben einen Sinn gibt... meinte ich dich. Ehrlich gesagt fühle ich das gleiche wie du und ich hatte Angst, dass du nichts mit mir zu tun haben möchtest auf Dauer, weil ich eben im Rollstuhl sitze und so...“ Plötzlich erschien ein breites Grinsen in Jungkooks Gesicht und ich sah, wie sehr er sich über diese Worte freute. Dann stürmte er auf einmal auf mich zu, umarmte mich und murmelte:„Ich liebe dich, Krüppelchen!“ Ich lächelte, erwiderte die Umarmung und flüsterte, während mir eine Träne die Wange hinunterlief:„Ich liebe dich auch, Prinzesschen.“ Daraufhin kicherte Jungkook leise und löste die Umarmung langsam wieder, um mir direkt in die Augen zu schauen und ich sah die pure Liebe in seinem Blick. Augenblicklich kribbelte mein ganzer Bauch und Serotonin durchschoss meinen Körper. Noch nie hatte mich jemand so angeschaut und es war das wundervollste Gefühl der Welt. Ich lächelte breit und plötzlich lehnte Jungkook sich vor und küsste mich sanft. Überrascht zuckte ich für einen winzigen Moment zusammen, aber erwiderte den Kuss glücklich. Es war ein komplett neues Gefühl und ich war regelrecht verwirrt, weil es auch alles so schnell ging, aber ich war gleichzeitig der wohl glücklichste Mensch der Welt. Endlich wusste ich, dass ich Teil von etwas war und dann auch noch mit der Person, die ich am meisten liebte. Kook war der einzige, der mir jemals dieses Gefühl gegeben hatte und ich war mir dessen bewusst, dass auch ich schon vorher richtige Liebe für Jungkook empfunden hatte.
    Auf einmal öffnete sich die Tür und ich vernahm Hobis nichtsahnende Stimme:„Ist Jungkook irgendwie gestorben oder so, dass er hier immer noch hängt?“ Unsere Lippen berührten sich in dem Moment noch immer, doch wir schnellten augenblicklich auseinander, als wir die Stimme des Älteren hörten. Er hatte den Kuss scheinbar gesehen, denn er schaute uns mit offenem Mund an, aber grinste dann sofort und meinte verlegen:„Ähm ja... Ich lasse euch dann mal wieder alleine, aber schön, dass ihr gleich fühlt...“ Somit schloss Hobi wieder langsam die Tür und Kook und ich schauten uns gegenseitig belustigt an. Ich kicherte und Jungkook murmelte grinsend:„Es war so klar, dass er reinkommt. Ich habe ihm gerade davon erzählt und er meinte auch, dass ich es dir sagen sollte.“ Ich grinste:„Gut, dass er dir das gesagt hat.“ Gleich darauf zog ich Kookie wieder sanft zu mir und küsste ihn erneut.

    Nach diesem Abend waren Jungkook und ich dann offiziell ein Paar. Als erstes redeten wir natürlich mit Hobi darüber, welcher sich unglaublich für uns freute. Den anderen erzählten wir noch nicht direkt davon, weil wir erstmal Zeit für uns so haben wollten. Wir gingen die nächsten Tage oft auf Dates und ich verlängerte meinen Aufenthalt bei ihnen. Als ich Daichi dann davon erzählt hatte, rastete dieser förmlich aus - vor Freude. Er scherzte:„Scheinbar hat Ayumis Bitte, dass ihr zwei heiratet, geholfen.“
    Jungkook und ich waren unfassbar glücklich zusammen, wir erzählten es später auch allen anderen, was für ziemlich viel Aufregung sorgte, wobei sich aber alle für uns freuten.
    Die Tage waren nicht mehr eintönig, sondern jeder einzelne war anders und mein Zeitgefühl hatte ich zurück. Das Leben fühlte sich wieder an wie ein Leben...




    Moin Leute

    Hier ist endlich das neue Kapitel. Ich habe ein paar mehr Sichtwechsel eingebaut, weil ich es in diesem Fall wichtig fand, beide Seiten zu sehen. Ich hoffe natürlich, dass euch dieses Kapitel gefallen hat. Lasst mir gerne ein Feedback da und schreibt vielleicht mal euren persönlichen Lieblingsmoment dieses Kapitels in die Kommentare. Darüber würde ich mich sehr freuen.
    Und wenn ihr dann schon dabei seid, würde ich mich übrigens auch sehr über eine Sternebewertung der ganzen Ff freuen und, wenn ihr auf „gefällt mir“ drückt. XD Ist aber natürlich keine Pflicht.

    LG Emily W.


    19
    Moin.
    Wie ich im ersten Teil dieser Ff geschrieben habe, hat sich ein Teil hinten gelöscht aufgrund von zu viel Text, weshalb ich diese fehlenden Kapitel hier noch einmal einfügen wollte. (Ja, sehr umständlich, lässt sich aber leider nicht ändern.)
    Ab hier werden dann noch einmal die Kapitel 108-141 sein.





    Kapitel 108

    Karolin und Michal unterhielten sich noch eine Weile, aber irgendwann sackte ich weg, in einen tiefen Schlaf.
    Am nächsten Morgen wachte ich erst wieder auf, geweckt dadurch, dass Tae laut nieste. Müde schlug ich dann die Augen auf, schaute den Koreaner kurz an und schaute wieder weg, als er auch mich anblickte. Sein Blick war schmerzerfüllt und starrend, was mir klarmachte, dass er mich nach wie vor lieben musste und es brach mir wiedermal das Herz. Ich erhob mich einfach und lief zu der schlafenden Karolin rüber. Neben ihr hockte Michal bereits wach auf seinem Polster, gewohnt mit seinem kalten, gelangweiltem Blick, welcher auf nicht eine einzige Emotion hinwies. Starr schaute er mich nur an und beobachtete mich dabei, wie ich neben Karolin stehenblieb und versuchte, sie zu wecken, indem ich nur sprach:„Karolin, die Futter-Truppe muss noch zusammengestellt werden. Soll ich das einfach eben machen?“ Erst regte sich die 15-jährige daraufhin überhaupt nicht, aber ich stupste sie einmal kurz mit dem Fuß an, zog ihn aber schnell wieder weg, bevor die Kälte übergriff und die Anführerin regte sich auch endlich. Mit weiterhin geschlossenen Augen murrte sie:„Nimm Tae und Michal mit! Ihr drei seid die einzigen, die richtig wach sind.“ Leise seufzte ich dann und drehte mich zu den zweien um. Na, das wird bestimmt toll... Michal, der nicht spricht und nur wie ein Schatten hinter einem herläuft und Tae, mit dem ich nicht reden kann...

    Schweigend liefen wir durch den Wald, hielten die Augen nach etwas Essbarem offen. Wir liefen alle auf einem Haufen, doch niemand unterhielt sich. Michal unterhielt sich ja sowieso nur sehr selten und Tae schien weder mit mir, noch mit Michal reden zu wollen. Naja, ich hatte ihm ja auch gesagt, er solle nicht mit mir reden...
    Michal öffnete nach einer Weile seinen Mund:„Ich hab gar keine Ahnung, was wir hier jetzt suchen. Früchte, ja. Aber ich weiß nicht, was man davon essen kann und was nicht.“ Etwas verwirrt fragte Tae nun:„Was habt ihr denn bei Callum gegessen? Eis gelutscht oder wat?“ Ruhig, aber kalt erwiderte Michal darauf:„Nein. Wir haben uns von Fleisch ernährt. Einfach ein paar der Viecher hier zum Frühstück gemacht.“ Langsam nickte der 24-jährige daraufhin, scheinbar etwas angewidert und murmelte:„Ich will gar nicht wissen, was ihr gegessen habt. Wahrscheinlich Papageienschenkel und Affenrippen. Igitt...“ Darauf musste ich leicht lächeln, denn ich musste Tae recht geben.
    Dieses Lächeln schien Tae bemerkt zu haben, denn er lächelte mich nun auch leicht an, worauf ich jedoch den Blick abwandte. Doch ich spürte Taes Blick dennoch auf mir ruhen und ich wusste, dass in diesem Blick Liebe und Schmerz lag - genau, wie in meinem auch...

    Wir hatten Michal einfach schnell gezeigt, was man essen konnte, woraufhin er die Früchte dann schnell vom Baum holte.
    Nach einer Weile hatten wir dann auch genug gesammelt und gingen zurück zum Lager. Dort waren mittlerweile auch alle wach und ich sah, dass sich Akiko leise mit Lívia, Amba und Juan unterhielt. An ihrem nervösem Blick konnte ich erkennen, dass es wohl um Michal ging. Karolin hockte einfach teilnahmslos am Rand und auch Federica saß noch gemächlich in ihrem Polster. Langsam ging ich zu der Italienerin, nachdem ich die Früchte abgelegt hatte und fragte leise:„Worüber reden die da?“, und deutete dabei auf die Traube um Akiko. Gähnend erwiderte die 20-jährige nun:„Naja, es geht um Michal. Sie trauen ihm eben immer noch nicht und Akiko meint, sie sei sich nicht sicher, ob es wirklich eine gute Idee ist, ihn hierzubehalten.“ Etwas verwirrt erwiderte ich:„Das kann ich ja soweit verstehen, aber was wollten sie denn schon gegen ihn machen? Wir können ihn ja schlecht rauswerfen...“ Schulterzuckend antwortete Federica nun:„Ich denke, sie wollen ihn einfach weiter beobachten. Mehr nicht.“ Gedankenverloren nickte ich und murmelte eher zu mir selbst:„Das ist vielleicht gar nicht so schlecht“, während mein Blick an dem Polen hing.

    Das Essen war beendet und nun wollten wir weiterziehen. Hierbei hatte sich jedoch wieder eine kleine Meinungsverschiedenheit gebildet. Federica meinte ruhig:„Was wollen wir denn überhaupt machen, wenn wir das vermeintliche Ende der Arena erreichen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einfach durch eine Art Mauer abgegrenzt ist.“ Amba zuckte nun mit den Schultern und meinte:„Vielleicht hat Hisoka die Arena auch so riesig gemacht, dass er dachte, wir würden nie so lange überleben und zum Ende gelangen. Vielleicht ist das hier ja auch einfach ein sehr großer Wald, der nicht eingegrenzt ist und nichts. Hisoka erwartet vielleicht einfach, dass wir schon alle getötet sind, bevor wir das „Ende“ erreichen.“ Akiko erwiderte:„Das könnte theoretisch sein, aber eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen. Schließlich könnten wir so ganz einfach ausbrechen. Ich meine, wenn wir unsere Kräfte noch besser beherrschen würden, könnten wir wahrscheinlich ziemlich schnell hier wegkommen.“ Federica warf ein:„Vielleicht hat er auch irgendwie eine uns ganz neue Kraft angewandt, um dieses Feld einzugrenzen. Ich meine, er hat uns Kräfte verliehen, mit denen wir Naturgewalten beherrschen können. Weiß der Geier, was er dann noch alles kann.“ Das löste dann eine kleine Unruhe aus. Ich stand etwas hilflos daneben, nicht wissend, was ich nun machen sollte. Mein Blick wanderte nach links, wo Karolin seelenruhig und mit einem kleinen Schmunzeln im Gesicht an einen Baum gelehnt stand und dem Trubel zuschaute. Beinahe etwas flehend schaute ich sie an, sie solle die Unruhe legen und endlich einen richtigen Plan auf den Tisch legen und sagen, was zu tun war. Das tat sie dann auch zum Glück so halberlei, indem sie sich räusperte:„Wollt ihr dort noch länger stehen und diskutieren oder vielleicht endlich etwas unternehmen?“ Daraufhin kehrte dann etwas Ruhe ein und alle drehten sich zu Karolin. Diese wiederum kam nun etwas näher in die Mitte und meinte:„Also, wenn ihr wollt, könnt ihr auch noch ein paar Theorien mehr aufstellen und euch den Kopf zerbrechen, da habe ich nichts gegen. Aber ich persönlich würde vorschlagen, dass wir endlich weiterziehen. Wir werden es eh nie herausfinden, wenn wir nicht mal weiterziehen.“ Juan widersprach nun:„Es geht doch darum, dass es ungewiss ist, ob wir überhaupt je ein Ende finden werden.“ Ruhig erwiderte Karolin:„Ich weiß. Doch auch das werden wir nie herausfinden, wenn wir nicht weiterziehen. Also, entscheidet euch! Entweder steht ihr hier noch weiter rum und diskutiert oder wir gehen weiter.“ Akiko meinte nun:„Ja, dann gehen wir weiter.“ Zufrieden nickte die 15-jährige daraufhin und gestikulierte Akiko, vorzugehen. So tat die Japanerin es dann auch und die Reise wurde fortgesetzt.

    „Tae, kannst du mal kurz deines Amtes walten?“, hörte ich Akikos Stimme. Vorsichtig drängelte sich Tae dann nach vorne durch, zu dem reißenden Fluss, vor dem wir gerade standen. Akiko meinte:„Kannst du das Waser stilllegen? Dann können wir hindurch.“ Knapp nickte Tae und tat, wie es ihm befohlen war. Der Fluss war nicht tief, also sprang Akiko sofort hinein, als das Wasser still war. Auch Amba, Juan und Lívia folgten. Darauf gingen Michal und Karolin zusammen hindurch, wobei Karolin nachdem sie wieder an Land waren, einen kleinen Wirbelsturm um sich und Michal tanzen ließ, sodass ihre Klamotten direkt wieder trocken waren, während die der anderen noch vor Nässe trieften.
    Als nächstes durchquerten dann Tae selbst und Federica den Fluss, spalteten das Wasser aber anhand ihrer Kräfte, wie man es aus der Bibel von Moses kannte und blieben ebenso vor Nässe beschützt.
    Am Ende war dann noch ich dran und ich berührte einfach mit meinem Fuß das Wasser, wissend, was ich tun wollte und augenblicklich gefror die obere Wasserschicht Stück für Stück zu Eis, sodass ich einfach hinüberlaufen konnte. Als ich dann auf der anderen Seite war, löste ich dass Eis wieder auf und der Fluss riss erneut wild um sich, wie er es vorher tat. Warum kann ich meine Kräfte kontrollieren, wenn ich sowas mache, aber nicht, wenn es sich um Personen handelt? Ist es vielleicht wirklich nur die Angst, die ich habe, wenn ich mich näher mit Personen umgebe?
    Somit standen wir nun alle auf der anderen Seite des Flusses. Wir alle hatten einen Weg gefunden, den Fluss zu überqueren, bzw. durchqueren. Dabei waren wir alle trocken geblieben oder im Nachhinein wieder geworden. Nur Akiko, Juan, Amba und Lívia waren nass geworden und ihre Klamotten trieften immer noch. Beleidigt schaute Akiko uns nun an und scherzte:„Hättet ihr uns nicht auch die Möglichkeit geben können, trocken zu bleiben?“ Federica erwiderte nun grinsend:„Tja, selbst schuld, dass ihr sofort hineingehüpft seid!“ Michal schmunzelte nun etwas, schaute Karolin an und murmelte:„Oder, dass sie sich nicht an dich gehalten haben. Sonst wären sie jetzt auch trocken.“ Schwach lächelte die 15-jährige darauf, machte jedoch keine Anstalten, den Nassen eine Trocknung durch ihren Wind anzubieten und ging einfach direkt weiter. Nur Lívia, schloss schnell zu ihr auf und fragte mit einem verschmitztem Lächeln:„Kannst du mich kurz trocken?“ Knapp nickte die Anführerin daraufhin und ließ ihren Wind um die 13-jährige fegen, während die anderen drei von dem Wind ausgeschlossen wurden. Das erregte bei diesen eine gewisse Angepisstheit und Juan hinterfragte direkt:„Und was ist mit uns?“ Ruhig schaute Karo die drei dann an und sprach kalt, aber mit einer minimalen Befriedigung in der Stimme:„Ihr habt nicht gefragt.“ Leise stöhnte Juan dann und hakte nach:„Kannst du uns bitte auch trocknen, Karo?“ Nun erschien ein schwaches Lächeln auf Karos Gesicht und sie murmelte halbherzig:„Sicher doch. Wer so nett fragt...“ Mit diesen Worten trocknete sie dann auch die letzten drei, sodass wir nun alle trocken waren.

    Leise bedankte sich Akiko und erhob dann die Stimme:„OK, weiter geht's!“ Nach kurzem Zögern, weil Karo sich noch nicht in Bewegung gesetzt hatte, gingen wir alle weiter. Lívia lief neben Juan her, weshalb ich plötzlich niemandem mehr zum Laufen hatte. Also gesellte ich mich einfach zu Federica und Amba. Diese waren meiner Meinung nach ein sehr unterschiedliches Paar. Federica redete immer ohne Punkt und Komma, war stets gut drauf, lachte viel und war recht aufgedreht. Amba hingegen war schüchtern, ängstlich und hielt sich lieber aus dem Geschehen heraus. Sie redete nur selten, was vielleicht an ihrem mangelndem Wortschatz lag und hatte gefühlt Angst vor allem und jedem. Gewissermaßen konnte ich die Inderin, was das anging, verstehen. In ihrem Heimatland hatten Frauen kaum Rechte und mussten tun, was ihnen befohlen war, weil es sonst zu Gewalt führen konnte. Die Lebensbedingungen dort waren wohl wirklich nie gut, aber plötzlich lebte sie in so einer ganz anderen Welt. Auf einmal stand eine Frau als Anführerin vor ihr, man durfte mit anderen Männern reden und man hielt zusammen. Das war für sie Neuland und möglicherweise bereitete ihr das viel mehr Angst als ihre alte, eigentlich fast noch grausamere Welt. Demnach konnte ich verstehen, weshalb sie war, wie sie eben war. Dieses Verständnis, das sowohl ich als auch die meisten anderen in unserer Gruppe aufbrachten, war auch der Grund, weshalb sie noch Teil von uns war. Wir alle wussten, dass Amba es vorher wohl von uns allen am schwersten hatte. Allerdings muss ich dazu sagen, liefen wir alle ein ziemliches Wettlaufen, was das anging. Sicher, Amba lebte in Indien, wurde mit 14 Jahren an einen mehr als 10 Jahre älteren Mann verheiratet und musste in ständiger Angst leben, möglicherweise sexuellen Missbrauch oder Gewalt erleben zu müssen, aber auch Lívia führte ein schweres Leben. Sie lebte mit ihrem zwei Jahre älterem Bruder alleine auf der Straße. Sie hatte kein Geld, keinen Unterschlupf, keine Familie, nichts... Sie hatte nur noch sich selbst und ihren Bruder Lorenzo. Aber immerhin das...
    Wie ich die letzte Nacht erfahren hatte, hatte scheinbar auch Michal ganz und gar kein gutes Leben. Sein Vater war Alkoholiker und schlug ihn und seine Mutter sowie Oma, woraufhin seine Mutter sich erhang und seine Oma einfach irgendwann starb. Fortan lebte er alleine mit seinem Vater, musste jeden Tag Prügel einstecken und nicht einer in seinem Umfeld bemerkte es. Ich persönlich glaube, dass Michal dadurch vielleicht die ein oder andere psychische Belastung mit davon getragen hatte. Dem Rest schien es eigentlich ja wohl relativ gut zu gehen. Sicher hatten die ein oder anderen mal irgendwelche Sorgen, aber ernst war das alles nicht. Zumindest nicht im Gegensatz zu dem, was Lívia, Amba und Michal erlebt hatten.

    Schweigend lief ich neben Federica, welche gerade Ambs und mich zugetextete. Ich war jedoch in Gedanken und hörte gar nicht wirklich zu. Stattdessen schaute ich verträumt auf den Boden, als mir plötzlich etwas auffiel. Das hohe Gras, durch welches wir stapften, schien löchrig. Es fehlten zwischendurch kleine Büschel und, wenn ich den Boden dort genauer betrachtete, erkannte ich, dass Fußabdrücke in der feuchten Erde zu sehen waren, welche nicht von uns kommen konnten. Die paar Stummel, die von dem Gras noch aus der Erde ragten, waren verkohlt. Abrupt blieb ich stehen, woraufhin Karolin in mich lief und etwas verärgert fragte:„Was ist? Warum bleibst du einfach stehen?“ Schweigend deutete ich einfach auf den Boden, wo die Spuren zu sehen waren. Ruhig lehnte sich Karo dann vor, um sie besser identifizieren zu können. Nach einigen Minuten winkte sie Michal zu sich und murmelte gerade so laut, dass ich es noch hören konnte:„Scheint so, als wäre hier jemand mit der Kraft des Feuers entlanggekommen. Irina?“ Kurz betrachtete also auch der Pole die auffälligen Spuren und schüttelte dann sicher den Kopf:„Nein, ihre Füße sind kleiner.“ Akiko, welche das Gespräch verfolgt hatte, fragte nun laut:„Woher sollen wir wissen, dass er uns nicht anlügt? Was, wenn es Irina war und er uns jetzt anlügt, damit sie und der Rest uns überfallen können? Vielleicht hat er sie ja irgendwie gerufen und deshalb wissen sie nun, wo wir sind und wollen uns jetzt jeden Moment umbringen.“ Leise zischte Karo nun:„Red keinen Müll! Keine Frau hat so große Füße. Die Spuren kommen von einem Mann. Und dieser Mann muss in Verbindung zu Feuer stehen, also kommt nur einer in Frage.“ Federica vollendete ihre Theorie:„Preecha!“ Knapp nickte die Anführerin und fügte nun hinzu:„Die Spuren sehen noch recht frisch aus. Haltet die Augen offen! Vielleicht ist er hier noch irgendwo.“
    In dem Moment erklang auf einmal ein dumpfer Laut, als wäre jemand irgendwo heruntergsprungen und eine fremde Stimme ertönte hinter uns:„Ja, er ist noch da.“

    20
    Kapitel 109

    Erschrocken fuhr ich herum und erblickte einen fremden Mann. Er war relativ klein und schlank, aber nicht schmächtig. Er hatte schwarzes kurzes Haar, welches einen ähnlichen Schnitt hatte wie Tae, doch sein Haar war vollkommen glatt. Er hatte es außerdem an der Stirn gespalten und leicht nach hinten gekämmt. Seine Augen waren schwarz wie die Nacht und zu kleinen Schlitzen verzogen. Er hatte einen leichten Bart, der jedoch eher ein drei-Tage-Bart war. Seine gebräunte Haut war geziert von einer Brandnarbe, die sich über seine linke Gesichtshälfte zog, ihn jedoch nicht entstellte. Es war lediglich eine leichte Verfärbung der Haut, die Narbe scheinbar schon alt. Ruhig schaute der Mann uns an, scheinbar jedoch stets in der Bereitschaft, sich zu wehren. Sein Blick glitt über jeden einzelnen von uns und blieb plötzlich an Federica hängen. Dann huschte ein Lächeln über seine Lippen und er murmelte:„Rica...“ Daraufhin lächelte die Italienerin breit und rief dann laut:„Preecha!“ Dieser wiederum stand nun etwas entspannter da und fragte ruhig, aber scheinbar recht freudig:„Was suchst du denn hier?“ Die 20-jährige erwiderte nun:„Wir waren eigentlich gerade auf der Durchreise zum Rand, aber jetzt haben wir dich gefunden. Das ist gut, denn wir haben dich vorher gesucht!“ Überrascht hob der Thai nun die Augenbrauen:„Mich? Wieso?“
    Karolin trat nun vor und erklärte:„Federica sagte uns, du könntest uns eventuell helfen.“ Noch überraschter schaute der Mann sie nun an und meinte:„Erstmal... Mit wem genau habe ich jetzt die Ehre? Und zweitens... Im wie fern sollte ich euch helfen können?“ Die Anführerin erwiderte:„Mein Name ist Karolin und falls es dir hilft, wir alle gehören zusammen. Wir haben eine Art Gruppe gebildet und wollen versuchen, alle zusammen hier herauszukommen. Wir sind gegen das Kämpfen und Gegenseitig-Töten. Zu deiner zweiten Frage... Laut Rica hast du Hisoka auch vorher schon gekannt. Wir möchten nun also von dir wissen, was du über ihn weißt. Es könnte helfen.“ Nachdenklich nickte der Thailänder nun und meinte:„Tja, Rica hat euch keinen Mist erzählt. Ich kannte Hisoka schon vorher.“ Erwartungsvoll fragte die 15-jährige nun vorsichtig:„Also? Hilfst du uns?“ Kurz schaute Preecha nun auf, nickte und sprach:„Ja, ich werde euch helfen. Ich meine, ich kenne euch alle eigentlich nicht. Aber ich kenne Federica und von ihr weiß ich, dass sie mir wohl nichts tun wird.“ Nun schweifte sein Blick wieder über uns und blieb diesmal an Akiko hängen. Diese schaute ihn etwas nervös an und sie trat auf die Stelle, als würde sie sich nicht wohl fühlen. Preechas Blick lag jedoch weiter auf ihr und er sprach nun, ohne seinen Blick abzuwenden:„Vielleicht kommt ihr erstmal mit. Ich habe ein Versteck. Dort werde ich euch alles erzählen... Nachdem ich euch ein wenig kennengelernt habe...“

    Der Mann lief voran und wir zögerlich hinterher. Preecha war irgendwie eine seltsame Erscheinung. Man konnte ihm kaum Gefühle zuordnen, aber er schien dennoch freundlich. Er sprach sehr gewählt und schnell, was auf seine Intelligenz hindeutete. Er war etwas seltsam, wie er uns teilweise begutachtet hatte. Er schien Blickkontakt nicht zu scheuen. Vielmehr schien er ihm standzuhalten und nicht ausweichen zu wollen. Das war etwas, was einen etwas nervös machen konnte. Normalerweise kannte man es so, dass, wenn jemand einen einfach anstarrt und man zurückstarrt, die Person den Blick abwendet, meist peinlich berührt. Zumindest war es bei mir immer so gewesen, wenn ich in der Bahn saß und mich jemand anstarrte. Sobald die Person beim Starren erwischt wurde, schaute sie weg.
    Doch bei Preecha war es ganz anders. Er starrte zurück und er hörte auch nicht auf, wenn man selbst wegschaute. Er durchbohrte einen förmlich mit seinem Blick. Das machte viele von uns nervös, das wusste ich. Besonders abgesehen bei seinen Starr-Attacken, hat der Mann es wohl auf Akiko. Warum, wusste ich nicht. Ich stellte mir vor, dass er sich möglicherweise in Akiko verliebt hatte. Sie war schließlich sehr hübsch und auch freundlich. Zweiteres konnte Preecha selbst in dem Moment zwar noch nicht beurteilen, aber es war dennoch ein Fakt. Akiko wurde praktisch von jedem geliebt. Ich kannte niemanden, der sie nicht mochte. Wie sollte es auch anders sein? Akiko war hübsch, nett, schlau und sehr höflich. Sie verstand sich mit jedem gut, nur mit einer Person bekam sie sich manchmal in die Haare - Karolin. Was genau der Grund dafür war, konnte ich nicht sagen. Wahrscheinlich einfach die Meinungsverschiedenheiten, die die beiden hatten und der Fakt, dass Karolin gerne ihre Meinung durchsetzte und dadurch auch ganz gerne mal kleine Konflikte verursachte. Ich will nicht sagen, dass Karolin Streit suchte, denn sie war eigentlich sehr friedliebend, aber, was Akiko anging, traf das dann vielleicht doch zu. Karolin und Akiko waren eben wirklich kein Dreamteam. Womit sich das bildete, kann ich nicht genau sagen. Was ich aber sagen kann, ist, dass sich diese zunehmenden Konflikte zwischen den zweien gebildet hatten, nachdem sie alleine zusammenblieben, als wir damals getrennt wurden. Dort waren die zwei noch zusammengeblieben und ich vermutete, dass sie sich in dem Moment einfach sehr nahestanden und niemanden dazwischen hatten. Doch ich glaubte, dass dieses Nahestehen nicht zu Liebe in dem Sinne führte, sondern zu der Erkenntnis, dass zwei Charaktere aufeinander getreten waren, die einfach nicht sehr gut miteinander konnten.

    Wie auch immer... Preecha führte uns nun schweigend zu seinem Versteck, welches sich als alte Ruinen eines Tempels herausstellten. Er zwängte sich durch eine kleine Öffnung in der Wand, welche ins Innere führte. Dort war alles von Pflanzen überwuchert und das Sonnenlicht sickerte trüb durch die Ritzen der Steine in der Decke. So wurde der Raum in ein gelbliches Licht getaucht und es sah aus wie gemalt, so geheimnisvoll und schön.
    Erstaunt schaute ich mich um, als Preecha uns schon weiterwinkte, in eine Art Keller. Immer noch wie verzaubert von diesem zerfallenem Tempel blickte ich nicht nach vorne, sondern einfach in die Luft. Ich lief recht weit vorne. Nur Preecha war noch ein Stück vor mir und meinte plötzlich:„Achtet darauf, wo ihr hinlauft. Tretet nicht auf die hervorstehenden Steine und stolpert nicht über diese gespannten Fäden, sonst...“ Weiter kam der Mann nicht, denn schon trat ich aus Unachtsamkeit auf einen der Steine und plötzlich schoss ein Pfeil aus der Wand, direkt auf mich zu. Ich kniff bereits die Augen zu, nur noch drauf wartend, dass das spitze Eisen an der Spitze des Pfeils mein Fleisch durchbohrte, doch ich wurde gerade rechtzeitig noch weggezogen. Als ich mich zu meinem Retter umdrehte, erkannte ich, dass es Tae war, welcher noch meinen Arm hielt und ich zog ihn schnell weg, denn an Taes Hand bildeten sich schon feine Eiskristalle. Leise murrte ich nur ein „Danke“ vor mich hin und lief schon weiter, diesmal auf das achtend, was vor mir war und aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie Tae enttäuscht den Kopf senkte und auf seine Hand schaute. Er schien die Kälte also bemerkt zu haben, doch ich hoffte, dass er sich nicht weiter Gedanken darüber machte, damit er mein Geheimnis nicht lüftete.

    Mit Preecha an der Spitze hatten wir den Gang voller Gefahren nun durchquert und standen nun vor einer Falltür. Diese öffnete Preecha jetzt, drehte sich dann zu uns um und meinte:„Hier geht es zu dem richtigen Versteck. Dort kann uns niemand finden. Aber dafür müsst ihr tauchen. Kann jemand von euch nicht schwimmen?“ Ich schaute mich um und sah nun Amba, wie sie zögerlich ihre Hand hob und murmelte:„Ich kann nicht schwimmen...“ Gerade wollte Preecha etwas erwidern, da hob wie aus dem Nichts Michal seine Stimme:„Es ist nicht schwer. Du kannst mit mir schwimmen. Halt einfach die Luft an und halt dich an mir fest. Dann passt das schon.“ Preecha nickte nun und sagte:„Gut, dann haben wir das ja auch geklärt. Also, ich springe einfach hinein, ihr hinterher und ihr folgt mir dann, OK? Bleibt also dicht zusammen!“ Mit diesen Worten sprang der Thai plötzlich schon durch die Falltür und wenige Momente später hörte man das Platschen von Wasser. Ich sprang jetzt auch schnell hinterher und traf wenige Momente später auf das Wasser. Es schien etwas grünlich und ich sah Preecha schon in dem Wasser schwimmen. Nach und nach tauchten nun auch die anderen im Wasser auf und Preecha tauchte sofort los. Schnell folgte ich ihm und sah aus dem Augenwinkel, dass auch der Rest es tat. Dabei sah ich auch, wie Michal plötzlich zu mir aufholte, während Amba sich schutzsuchend an ihn klammerte und stark die Luft anhielt. Alle anderen kamen auch schnell hinterher und ich folgte dem Thai weiterhin.

    Plötzlich sah ich schwaches Licht vor mir über dem Wasser und ich sah, dass Preecha bereits die Luft erlang. Wenige Momente später war dann auch ich wieder an der Luft und ebenso kamen all die anderen hoch. Keuchend, weil wir so lange die Luft anhalten mussten, paddelten wir nun an das unterirdische Land. Dabei hielt Amba sich immer noch an Michal. Sie hatte ihre Arme um seinen Bauch geschlungen, wie bei einer Umarmung und ließ erst dann los, als Michal das Land betrat. Dann ließ die Inderin auch zögerlich los und betrat vorsichtig den Erdboden. Zögerlich lächelte die 17-jährige dann auch den Polen an und schloss schnell wieder zu Akiko und Federica auf. Ich hingegen schaute weiterhin zu Michal. Er schaute Amba nachdenklich hinterher und wartete dann kurz auf Karolin, welche direkt hinter ihm war. Diese wiederum lächelte ihn nur belustigt an und schubste ihn leicht, freundschaftlich. Sie schien es lustig zu finden, dass Michal sich sofort gemeldet hatte, Amba beim Tauchen zu helfen. Aber möglicherweise fand sie es auch einfach nur lustig, wie Amba sich an ihn geklammert hatte.
    Ich allerdings, muss sagen, war etwas überrascht, dass Michal sich überhaupt angeboten hatte. Andererseits war ich ganz froh, denn es zeigte Initiative und ich war mir sicher, er wollte somit das Vertrauen von Akiko und den anderen gewinnen, um in der Gruppe aufgenommen zu werden.

    Wir standen nun vor einem schweren, steinernem Tor, auf welchem ein seltsames, fiktives Wesen abgebildet war. Preecha blieb davor stehen, legte seine Hand dagegen und drückte dann fest. So wurde das Tor aufgestoßen und wir traten in einen gigantischen Raum, voller Gold und Edelsteinen. Erstaunt starrte ich die Kostbarkeiten an, während Preecha nur strikt in die Mitte des Raumes ging, wo ein Tisch mit Stühlen stand.
    Vorsichtig traten wir nun auch herein und Juan sprach meine Gedanken aus:„Und das hier ist dein Versteck? Wie hast du es gefunden?“ Beinahe etwas verlegen erzählte der Mann nun:„Ja, das ist mein Versteck. Naja, gefunden habe ich es, als ich weggelaufen bin - vor einem Jaguar. Ich habe mich eben vor ihm hier in den Ruinen versteckt, bin ein bisschen umhergeirrt und habe dann das hier gefunden. Wie genau, ist ne lange Geschichte. Kann ich euch wann anders mal erzählen, aber nicht jetzt. Ich möchte erstmal, dass IHR mir etwas erzählt - von euch.“

    21
    Kapitel 110

    Ruhig, aber etwas seufzend sprach Karo:„Na gut und was genau willst du von uns wissen? Namen?" Seelenruhig erwiderte Preecha:„Zum Beispiel. Eure Namen würden mir für's erste schon ganz nützlich sein. Was ich aber eher meinte, sind eure Kräfte, was ihr bisher versucht habt, um rauszukommen und, was eure momentanen Pläne sind." Zögerlich nickte die 15-jährige nun und nannte erstmal jeden beim Namen und erzählte, wer welche Kraft besaß. Preecha hörte sich das mit verschränkten Armen und zufriedenem Gesichtsausdruck an. Als Karo jedoch auf Michal deutete und von ihm erzählte, hob der Thai plötzlich seine Hand, Karolins Reden unterbrechend und fragte nun, während ein leichtes Schmunzeln auf seinen Lippen lag:„Warte einen Moment. Michal mit der Kraft des Schattens - War der nicht mal Teil von den Bösen?" Michal schaute ihn nun mit seinem bevorzugt kaltem Gesichtsausdruck und finsteren Augen an, während er ruhig sprach:„Ja, ich bin bin mal mit denen rumgelaufen, aber ich habe die Seiten gewechselt. Im Grunde genommen war ich auch nie einer der „Bösen"." Daraufhin nickte Preecha langsam, begutachtete Michal einmal von unten nach oben und leckte dabei nachdenklich langsam mit seiner Zunge über die Lippen. Dies wiederum brachte den 21-jährigen dazu, den anderen Mann dunkel anzublicken, dann leicht den Kopf zu schütteln und den Blick schließlich abzuwenden.
    Dem zu urteilen war Preecha wohl nicht die Art von Mensch, mit der Michal sich sofort anfreunden würde. Den Polen schien diese ruhige, aber überlegene Art nicht zu gefallen, was vielleicht damit zusammenhing, dass er selbst tatsächlich gar nicht so anders war. Allerdings kam diese Überlegenheit bei Michal durch seine kühle Art rüber, während sie bei Preecha von dem stetigem Schmunzeln und Starren übermittelt wurde.

    Karolin stellte noch eben schnell den Rest vor, woraufhin Preecha langsam nickte und dann meinte:„OK, sehr schön. Ich nehme an, du bist die Führerin dieser Truppe?", während er auf Karo deutete. Diese hob langsam und kühl das Wort:„Ja, so könnte man das sagen. Aber diese Truppe steht scheinbar nicht so darauf, geführt zu werden, weshalb ich mich selbst einfach als die bezeichnen würde, die ihre Zustimmung bei Vorschlägen gibt und ihre eigenen durchsetzt." Darauf schmunzelte der Mann wieder und meinte mit einer leichten Belustigung in der Stimme, welche ihn überlegen scheinen ließ:„Also betiteln wir dich wohl besser als ungewollte Führung? Oder sagen wir wohl besser „noch nicht gestürzte Führung"? Vielleicht benennen wir deine Position auch „schlechte Führung". Keine Ahnung, was am besten passt. Such du es dir aus." Wütend ballte Karolin nun ihre Hände zu Fäusten, scheinbar bereit, zuzuschlagen, doch Michal hielt sie am Arm fest und raunte ihr leise etwas zu, woraufhin sich die Österreicherin wieder etwas beruhigte. Allerdings stand ihr die Wut weiterhin im Gesicht, während Preecha wohl von einer gewissen Schadenfreude erfüllt wurde.
    An Federica gewandt fragte der Mann nun:„Und du sagtest, euer Plan war es erst, mich zu finden und was war der jetzige noch einmal eigentlich?" In ihrer gewohnt freundlichen und gut gelaunten Art erzählte die Italienerin:„Wir wollten zum Rand der Arena vorschreiten und schauen, ob wir dort vielleicht irgendwie weiterkommen oder..." Weiter kam die lockenköpfige Frau nicht, denn der intelligente Thai unterbrach sie:„Sinnloser Plan. Das Land ist abgegrenzt durch eine hochmoderne, elektrobedingte Wand. Es führt kein Weg hindurch, ich habe es bereits ausprobiert. Hisoka hat sich die schlausten Menschen der Welt zusammengekratzt. Er hat alles von vorne bis hinten durchgeplant. Glaub mal nicht, du könntest da durch. Weiter?" Etwas verunsichert fing die Italienerin das Wort wieder auf:„Naja, einen anderen Plan hatten wir eigentlich nicht. Also geht es nicht wirklich weiter. Der vorherige Plan war eben, dich zu finden und dich um Hilfe zu bitten. Wir dachten, du könntest etwas wissen, das uns vielleicht helfen könnte. Du weißt schon, sowas wie ne Schwachstelle Hisokas oder so." Langsam, aber verstehend nickte Preecha nun und meinte:„Naja, ob ich euch im Endeffekt tatsächlich helfen können werde, wird sich noch herausstellen. Ich habe mir sowieso schon alles durch den Kopf gehen lassen, was ich weiß. Eine richtige Schwachstelle über Hisoka oder sein Werk konnte ich dabei nicht direkt identifizieren. Aber möglicherweise kennt ihr ja noch ein paar Informationen, die kombiniert mit meinem Wissen zu einer guten Lösung für unser kleines Problem hier führen können. Aber ich würde sagen, dafür werde ich euch erstmal alles erzählen müssen. Setzt euch einfach hier an den Tisch.“

    „OK, ich nehme an, Rica hat euch schon ein bisschen etwas erzählt“, meinte Preecha, als wir allesamt um den Tisch verteilt saßen und ihm zuhörten, während andere jedoch vielmehr auf die Schätze um uns starrten. Juan, welcher direkt gegenüber von Preecha saß und dadurch des Öfteren von ihm mal angeschaut wurde, nickte nun leicht und meinte in seinem eher brüchigem Englisch:„Ja, das hat sie. Aber eher die Anfangssache, dass du ihn kennegelernt hast und es waren nicht alle dabei, als sie das erzählte. Ich glaube, Amba und Michal waren erst später da. Am besten erzählst du noch einmal alles von vorne.“ Daraufhin nickte Preecha leicht, ohne den Blick von Juan abzuwenden und fing an:„OK. Also... es war so, dass ich damals in einem Kloster lebte. Es lag auf einem hohen Berg, abgeschieden von dem nächsten Dorf und es kam nicht oft Besuch vorbei. Doch eines Nachts, als es sehr stark stürmte, hämmerte auf einmal jemand von außen gegen unser schweres Tor. Meine Brüder öffneten das Tor und es trat dieser seltsame Mann in unseren regenüberströmten Innenhof. Mit „Brüder“ meine ich übrigens die anderen Mönche und Leute in dem Kloster, nicht meine Verwandten. Wie auch immer, der Mann redete nicht, sein Blick war finster und er hatte recht wenig Gepäck auf dem Rücken. Seinem Aussehen zu urteilen kam er aus irgendeinem anderem asiatischen Land. Wie sich später auch herausstellte, kam er aus Japan.
    Naja, auf jeden Fall brachten meine Brüder ihn in unseren großen Treffraum. Dort nahmen sie ihm sein Gepäck ab, gaben ihm trockene Klamotten und versuchten, ihn zum Reden zu bringen. Doch er schwieg weiterhin. Stattdessen machte er Bewegungen mit seinen Händen, was sie darauf schließen ließ, dass der arme Wanderer stumm sein musste. Sie konnten keine Lautsprache, also riefen sie nach mir. Ich wusste, wie die Lautsprache ging, nachdem meinem Opa damals die Zunge aus dem Mund geschnitten wurde, weil er seinen Führer beleidigte. Seitdem mussten wir uns mit ihm verständigen können und ich lernte, ebenso wie er, die Lautsprache.
    Wie dem auch sei, ich wurde geholt und musste übersetzen. Dabei erfuhren wir eben, dass der Name des Mannes Hisoka war. Er war auf Durchreise und kam aus Japan. Er war seit Geburt an stumm und suchte nun nach etwas. Was genau, sagte er uns jedoch nicht. Jedoch musste es wohl von großer Wichtigkeit sein. Er sagte, er sei seit Jahren danach auf der Suche.
    Wir gewährten ihm Unterschlupf und bereiteten ihm ein Mahl. Danach gaben wir ihm nur noch ein Bett. Dieses war das, was in meinem Zimmer noch frei war. Die Mönche sagten, es sei besser für ihn, wenn er sich noch mit jemandem unterhalten könne, denn, wer auf Durchreise war, hatte viel erlebt und wollte sich eventuell austauschen und sie meinten, der arme Mann könne das wahrscheinlich eh nur sehr selten, da eben nicht viele die Lautsprache verstehen. Was noch ganz nett war, war, dass auch ich japanisch reden konnte. Ich spreche viele verschieden Sprachen. Ich lernte die meisten von ihnen im Kloster.
    Auf jeden Fall teilte sich Hisoka ein Zimmer mit mir. Erst zeigte er gar kein Interesse daran, sich zu unterhalten. Er hockte nur in seinem Bett und kritzelte etwas in ein kleines Buch. Ich hielt es für eine Art Tagebuch, aber es sah sehr besonders aus. Es hatte einen braunen Ledermantel, doch geziert war es von seltsamen Ranken aus Gold. Diese Ranken verflochten sich über den gesamten Umschlag zusammen und bildeten somit eine seltsame Figur. Es sah aus wie ein toter Körper, was diese Ranken am Ende bildeten, doch irgendwie schien dieser tote Körper gleichzeitig so lebendig. Ich weiß auch nicht so genau, wie ich das beschreiben soll... Worauf ich hinaus will, ist, dass jede dieser einzelnen Ranken eine besondere Art hatte. Sie alle unterschieden sich voneinander und waren auf ihre eigene Weise ganz besonders. Eine dieser Ranken zum Beispiel hatte sehr viele Spiralen und glich dem zischendem Wind. Noch eine andere bestand aus lodernden Flammen und eine andere war von scheinbaren Blüten geziert. Bei näherem Hinsehen erkannte man jedoch, dass es eigentlich kunstvolle Schneeflocken waren. Es waren 10 verschiedene Ranken. Sie alle beschrieben jeweils eine Naturgewalt. Diese Naturgewalten, welche nun an uns verteilt sind.
    Nachdem er in sein Buch geschrieben hatte, setzte er sich jedoch auf und fing an, mich zu beäugen. Er musterte mich von Kopf bis Fuß und fragte mich plötzlich allerlei Sachen. Ich beantwortete ihm jede seiner Fragen und irgendwann unterhielten wir uns sehr nett. Naja, Hisoka machte seine Zeichen, ich verstand sie und antwortete ganz normal. Ich fragte ihn irgendwann, was er denn suche und, warum er es suchte. Doch diese Frage beantwortete er mir nicht, obwohl er mir vorher jede einzelne beantwortet hatte. Statt diese letzte Frage zu beantworten, meinte er, er wolle nun ein Bad nehmen und dann zu Bett gehen. Also ließ ich ihn ins Bad gehen und machte mich selbst bettfertig. Doch, als ich meine Gewänder ablegte, blieb mein Blick an etwas hängen - an seinem Buch. Mich ließ meine Frage nicht los und ich erhoffte mir durch einen Blick in das Buch eine Antwort. Also schlich ich hinüber zu dem Buch, öffnete es und fand halberlei, wonach ich suchte. Er hatte diese 10 Naturgewalten jeweils auf eine Doppelseite geschrieben und jede Menge Begriffe dazu aufgeschrieben. Es stand bei jeder Kraft ein Name und zu diesem Namen Eigenschaften. Ich kannte keinen der Namen und ich konnte wirklich nichts damit anfangen. Die Zahlen, welche bei der Kategorie „Tod“ dortstanden, waren auch ganz anders, als die, in der ich lebte. Vor tausenden Jahren waren diese Zahlen einmal gewesen und mir war klar, dass es sich um Personen aus der fernen Vergangenheit handeln musste.
    Damals wusste ich nicht, was das für Personen sein sollten, doch heute weiß ich es. Es wurde mir auf dem Ball klar, den Hisoka veranlagte. Er erzählte es selbst. Er erzählte von dieser Legende von den Menschen mit diesen Kräften und, dass sie sich alle gegenseitig töteten. Bei dem, was er dort erzählte, war mir auf einmal klar, dass es sich bei diesen Personen aus dem Buch um genau diese Leute aus der Legende handelte.
    Er versuchte, auf diesen Seiten ihre Schwachstellen und Stärken herauszufinden. Er wollte eine Art Plan finden, wer von ihnen der Mächtigste war. Er wollte sich seine „Chance“, wie er es nun nennt, selbst ausrechnen. Doch, wie er dann später wohl herausfand, ließ sich das nicht einfach so ausrechnen. Es gab diese Personen mit solchen Kräften schon immer vorher und sie alle unterschieden sich. Egal, dass sie die selben Kräfte hatten. Niemand von ihnen war gleich und er verstand, dass es immer ein anderer war, welcher am stärksten war. Also musste er wohl einen anderen Plan finden.
    Auf den folgenden Seiten hatte er diesen aufgeschrieben. Naja, indirekt. Er wollte Menschen finden, die dazu befähigt waren, diese Kräfte zu beherrschen, sie zusammenführen und sie gegeneinander kämpfen lassen. Der, der gewinnt, sollte der Auserwählte sein.
    Doch sein Problem war, dass er nicht wusste, wie man herausfindet, wer die Veranlagung dazu hat und wer nicht. Also musste er erstmal dafür eine Lösung finden. Und er war auf der Suche nach dieser Sache, die ihm die Fähigkeit gab, sehen zu können, wer diese Kraft beherrschen konnte und wer nicht.
    Ich war verwirrt von dem, was ich las und nahm es nie wirklich ernst. Doch loslassen tat es mich nie. Es blieb mir immer in Erinnerung und, als mir eines Tages plötzlich wieder Hisoka gegenüber stand, wusste ich, warum er gekommen war.
    Naja, damals verließ er unser Kloster einfach wieder am nächsten Morgen und das war's. Danach sah ich ihn lange Zeit nicht. Ich war damals 15 Jahre alt, also ist es mittlerweile 10 Jahre her. Ja, heute bin ich 25 Jahre alt und weiß nun, dass ich mir wünsche, Hisoka niemals getroffen zu haben. Doch so ist es ja leider nicht und jetzt hocke ich hier in einem verlassenem Tempel, voller Gold und Leuten, die meine Hilfe wollen, die ich ihnen aber wahrscheinlich nicht geben kann.“

    22
    Kapitel 111

    Preecha saß gerade dort, das eine Bein über das andere gelegt, und die Hände auf den Knien abgelegt. Mit seinem stetigem Schmunzeln schaute er uns an, besonders jedoch Juan, Michal und auch Tae und fragte:„Könnt ihr etwas mit dem anfangen, was ich gesagt habe?“ Die Männer antworteten jedoch nicht, allesamt verwirrt, warum der Thai ausgerechnet sie anschaute und nicht Karolin, welche die Anführerin war. Diese antwortete jetzt nämlich:„Danke, Preecha, dass du uns an deinem Wissen Teil haben hast lassen. Momentan wüsste ich persönlich noch nicht, ob uns das irgendwie beim Überleben helfen kann, aber es ist ein wirklich nettes Wissen für später.“ Daraufhin schaute der 25-jährige sie an und sprach mit dieser leichten Belustigung in der Stimme:„Gerne doch. Du, als ungewollte Führung, wirst ja wahrscheinlich nun entscheiden, was du und deine Truppe machen werden. Also? Was ist jetzt dein Plan, noch-nicht-gestürzte-Führung?“ Erst wurde Karolin auf Preechas schelmische Bemerkungen wieder wütend, atmete dann jedoch einmal langsam aus und verdrang, was Preecha gesagt hatte und sie somit beleidigt hatte und sprach:„Ich weiß es noch nicht. Momentan steht die Gruppe eher darauf, dass Akiko die Vorschläge macht und der Rest zustimmt. Ich muss den Plan dann nur absichern. Also, Akiko, was ist dein Plan?“ Mit diesen Worten drehte sich die Österreicherin zu der 18-jährigen, welche auf einmal etwas erschrocken schaute und sich etwas klein machte, da sie sich wohl scheinbar nicht so ganz wohlfühlte. Allerdings konnte ich nicht verstehen, warum. Möglicherweise lag es daran, dass Karolin immer noch angepisst wegen ihr war, was man alleine an ihrer herablassenen Stimme hören konnte. Seitdem Akiko von den anderen unterstützt wurde, aber Karo nicht, sprach die 15-jährige sowieso sehr herablassend. Sie machte zu jeder Zeit eine Bemerkung, die auf diesen Konflikt und die Ungerechtigkeit, die sie darin sah, hindeutete. Sie unterhielt sich immer noch nicht oft mit den anderen. Nur Michal war ihr ständiger Begleiter und nun ihr bester Freund.
    Vielleicht schüchterte das Akiko ein, denn ich wusste auch, dass Akiko Michal nicht traute und je mehr Karolin in seiner Gesellschaft war, umso mehr distanzierte sie sich teils von den anderen. Ich glaube, wir alle hatten die Befürchtung, dass Karolin sich vielleicht nur noch an Michal binden würde und dieser wahrlich keinen guten Einfluss auf die Anführerin hatte. Um es auf den Punkt zu bringen, hatten wir Angst, dass Michal tatsächlich ein Verräter war und Karolin, gesteuert von ihrer Wut, ihm folgen würde. Ich jedoch konnte mir das bei bestem Willen nicht vorstellen. Karolin war sehr treu und vernünftig. Auch, wenn sie einmal wütend war, entschied sie sich dennoch für das Wohlergehen der anderen. Sie war nicht der Typ dazu, einfach die Seiten zu wechseln und uns zu hintergehen. Alleine, wenn man überlegt, dass sie sich bei Amba so aufgeregt hat.

    Naja, auf jeden Fall stellte ich mir vor, dass das der Grund für Akikos Verhalten sein konnte. Andererseits fühlte sie sich vielleicht auch nicht bei Preecha wohl. Der Thai war irgendwie seltsam, das fand auch ich. Möglicherweise kam es mir nur so vor, aber ich fand ihn wirklich komisch. Er wirkte auf mich weder gefährlich noch hinterhältig. Ich wusste nicht mal, ob er mir sympathisch war oder nicht. Er war einfach irgendwie seltsam. Er schien so ruhig und gesittet, aber andererseits schien er gerne mal einen rauszuhauen und Leute zu ärgern. Ich glaube, er wusste ganz genau, wie er die Leute zur Weißglut brachte und genau das machte ihm Spaß. Ich glaube, es amüsierte ihn, Leute wütend zu sehen und da hatte er bei zum Beispiel Karolin genau die richtige Person gefunden. Sie konnte man sehr schnell verärgern und das besonders durch Worte. Ein Wort genügte schon, um sie wütend zu stimmen. Meist zeigte sie diese Wut nicht offensichtlich durch so etwas wie Schreie oder Schläge. Man sah ihr die Wut einfach im Gesicht an und daran, dass sie immer ihre Hände zu Fäusten ballte und die Lippen aufeinander presste, scheinbar, um schnippische Worte für sich zu behalten.
    Und Preecha fand Vergnügen darin, die Anführerin wütend zu sehen. Ich glaube, er spielte gerne mit Gefühlen. Nicht auf eine romantische Art, sondern einfach so. Er nutzte seinen Verstand und diese Fähigkeit, mit Worten umgehen zu können dafür, die Gefühle von anderen in Brand zu setzen. Er tat dies zur Belustigung seiner selbst. Wenn ich so recht darüber nachdachte, war das ziemlich asozial. Mich persönlich störte es aber nicht, da ich noch nicht zu seinem Opfer geworden war. Ich war ihm nur dankbar, dass er uns in seinen Unterschlupf geführt hatte und dort erzählte, was er wusste. Sicher, er war seltsam, wie er manche Personen so anstarrte und andere ärgerte, aber er war an sich kein Verkehrter, meiner Meinung nach. Er half uns und zu Federica war er wirklich lieb. Sie ärgerte er so gar nicht, was wohl daran lag, dass die beiden sich schon kannten. Aber daran sah man, dass Preecha eigentlich sehr nett war. Er war höchtens ein bisschen frech, aber damit konnte ich leben.

    Akiko hob nach einer Weile leise das Wort:„Naja, ich habe jetzt eigentlich keinen richtigen Plan. Jetzt, wo wir wissen, dass wir am Rand nicht weiterkommen werden, wird es nichts bringen, dort hinzugehen. Aber ich denke trotzdem, dass wir irgendwie weiterziehen sollten...“ Verwirrt hob Karo nun die Augenbrauen, schaute Akiko an und fragte:„Du hast doch gerade gesagt, dass es keinen Sinn ergibt, zum Rand zu ziehen, wo ich dir auch recht gebe. Aber warum sollten wir dann weiterziehen? Mit welchem Ziel? Wir brauchen nicht weiterziehen, um zu wandern!“ Schulterzuckend stand die Japanerin nun da, während sich Karolin wieder Preecha zuwandte und meinte:„Könnten wir theoretisch ein wenig hierbleiben? Wir könnten gemeinsam überlegen, was wir nun tun könnten oder, was es genau mit Hisoka auf sich hat.“ Preecha lehnte sich nun etwas zurück und meinte schlechthin:„Sicher, da habe ich nichts gegen. Es ist sonst sowieso etwas einsam.“ Dankend nickte die Österreicherin dem Thai nun knapp zu und wandte sich wieder an uns alle:„Also, wir bleiben dann noch ein wenig hier. Und bevor jetzt Proteste kommen, von wegen, ich hätte wieder alleine entschieden. Ja, ich gebe euch recht. Diesmal habe ich alleine entschieden, aber, solange kein besserer Vorschlag kommt, werde ich meinen Hintern hier nicht wegbewegen.“ Darauf antwortete niemand und eigentlich schienen auch alle recht einverstanden mit dem Plan zu sein. Nur Akiko schaute sich etwas unbeholfen um und man merkte, wie unwohl sie sich fühlte.

    Während nun alle mit Preecha gingen und sich ein bisschen umschauen wollten, ging ich leise zu Akiko rüber. Ich war neugierig, was sie von Preecha hielt, aber viel mehr, warum sie sich hier so unwohl fühlte. Also fragte ich einfach leise:„Hey, Akiko... Alles gut? Du siehst nicht sehr glücklich aus.“ Mit huschendem Blick durch die Gegend murmelte die 18-jährige nun:„Naja, ich fühle mich hier nicht sehr wohl. Es ist dunkel, feucht und kalt. Die Dunkelheit jedoch schwächt mich. Ich habe nun mal die Kraft des Lichts...“ Verstehend nickte ich und meinte:„Das stimmt. Da habe ich gar nicht dran gedacht. Vielleicht können wir ja einfach Preecha fragen, ob er ein Feuer entfachen kann. Das spendet auch Licht.“ Schulterzuckend folgte Akiko nun auch Preecha, ich neben ihr.
    Nach einer Weile fragte sie jedoch:„Wie ist es überhaupt mit dir? Wie geht es dir? Wenn ich ehrlich bin, wirkst du auf mich in letzter Zeit komisch. Mir ist aufgefallen, dass du dich immer mehr distanzierst. Auch das mit Tae hat mich und uns alle sehr überrascht. Aber gerade seitdem wirkst du nicht glücklicher. Ist alles OK?“ Etwas ertappt und innerlich fast schon panisch, was ich antworten sollte, schaute ich weg. Schließlich stammelte ich einfach leise:„Ja, es ist alles in Ordnung...“ Sanft schaute mich die Japanerin daraufhin an und sprach:„(d/n), ich sehe doch, dass nicht alles in Ordnung ist. Ich habe mit den anderem gesprochen. Mit Rica, Lívia und auch Juan und Amba. Mir alle waren uns einig, dass etwas mit dir nicht ganz stimmt. Du bist so anders als sonst. Ist etwas vorgefallen? Auch mit Tae habe ich gesprochen. Er ist am Boden zerstört, er liebt dich und er kann vor allem überhaupt nicht verstehen, was er falsch gemacht hat.“ Laut fauchte ich nun:„Er hat nichts falsch gemacht! Wie oft soll ich ihm das denn noch sagen?“ Überrascht drehten sich die vor uns nun zu mir um. Alle, außer Tae. Der blickte nur traurig auf den Boden, scheinbar wissend, worum es ging.
    Als ich den Blick von all den Leuten auf mir spürte, senkte ich den Blick und murmelte mit Tränen in den Augen:„Es ist alles in Ordnung bei mir. Lasst mich einfach meine Entscheidungen treffen und hört auf, sie zu hinterfragen. Ich kann es doch selbst nicht wirklich beantworten. Ihr sollt auch aufhören, über mich zu reden. Es geht mir gut und mir ist egal, dass ich Tae das Herz gebrochen habe!“ Schockiert schaute mich die 18-jährige nun an, während mir die Tränen das Gesicht runterrannen. Ich hatte wieder gelogen und diesmal war es schlimmer als je zuvor. Ich sagte, es sei mir egal, Taes Herz gebrochen zu haben. In diesem Moment sagte ich also, dass Tae und seine Gefühle mir vollkommen egal seien. Doch das waren sie ganz sicher nicht und das war es, was mein Herz in Stücke riss.
    Akiko nickte nun langsam und murmelte dann:„OK... Tut mir leid, dass ich gefragt habe. Mit diesen Worten ging die Japanerin dann vor und gesellte sich zu Federica.

    Somit lief ich nun vollkommen alleine hinten, während der Rest mindestens fünf Meter vor mir lief. Ich hatte meinen Blick weiter gesenkt, die Blicke der anderen meidend, doch ich wusste, dass ein ganz bestimmter Blick auf mir lag - der von Michal. Der Pole kannte die Wahrheit und auch wusste er, dass es mich schmerzte, lügen zu müssen. Doch er behielt mein Geheimnis für sich. Mittlerweile wünsche ich mir, glaube ich, fast schon, er hätte es verraten. Dann hätte ich wahrscheinlich gar nicht mehr in dem Schmerz leben müssen. Die Gruppe hätte mich, aus Angst um ihre eigene Sicherheit, verstoßen und ich hätte niemanden mehr anlügen müssen, denn ich wäre alleine gewesen und am Ende wahrscheinlich gestorben.

    Preecha führte uns wieder in den großen Raum voll all diesen Kostbarkeiten und meinte:„Es wird gleich dunkel draußen, also sollten wir hier vielleicht schlafen gehen. Der Boden ist ein bisschen hart, aber ich kann von oben ein paar Palmwedel oder so holen. Da brauche ich dann vielleicht nur ne helfende Hand für.“ Karolin meinte:„OK, such dir einfach wen aus.“ Es war irgendwie seltsam, dass Karolin das gesagt hatte. In jedem normalen Moment hätte sie sich direkt selbst angeboten, doch diesmal mied sie das wohl. Ich denke, sie hatte einfach keine Lust auf Preecha. Er war ein Klugscheißer und ärgerte Karolin augenscheinlich sehr gerne. Er mochte es, sie wütend zu sehen, aber Karolin fand das wohl ganz und gar nicht lustig.
    Preecha schmunzelte nun leicht, schaute sich um und zeigte dann auf mich:„Kommst du mit? Wir haben uns bisher fast gar nicht unterhalten. Ich würde dich gerne etwas näher kennenlernen.“ Langsam nickte ich und ging zu ihm rüber, wobei ich sah, dass Tae Preecha etwas wütend musterte.

    „Wir müssen gleich wieder ne Runde schwimmen. Ich hoffe, das stört dich nicht“, sagte Preecha in seiner gewöhnlich ruhigen, aber leicht spottenden Art. Ich schüttelte nur den Kopf und erwiderte:„Nein, das stört mich nicht.“ Lächelnd meinte der Thai:„Sehr schön.“ Dann zögerte er einen Moment im Reden und fragte dann plötzlich:„Warum hast du deine Freundin vorhin angelogen?“ Überrascht und gleichzeitig überfordert stammelte ich:„Ich... habe nicht gelogen.“ Ruhig antwortete Preecha, während wieder dieses überlegene Schmunzeln auf seinen Lippen lag:„Lüg mich nicht an! Wir beide wissen, dass du gelogen hast. Ich möchte nur wissen, warum. Du liebst den Jungen. Warum tust du so, als würde er dich nicht kümmern?“ Mit gesenktem Blick murrte ich:„Das geht dich nichts an...“ Belustigt grinste der 25-jährige nun und redete dann wieder:„Nein, du hast recht, es geht mich nichts an. Aber ich könnte dir helfen.“ Als er das sagte, hob ich leicht den Kopf und blickte den Thai an. Er grinste mich triumphierend an, wobei sich seine seltsame Narbe im Gesicht nach oben verzog und seine spitzen Eckzähne zum Vorschein kamen. Er hatte ein breites und irgendwie charmantes Grinsen, was ihn jedoch gleichzeitig irgendwie unsympathisch wirken ließ. Es war ein Lächeln, das eine gewisse Sicherheit ausstrahlte und eigentlich war es wirklich hübsch, aber es störte mich, weil ich wusste, dass er dachte, seinen Willen bekommen zu werden. Kalt fragte ich den Mann:„Wie willst du mir helfen können?“ Schlechthin sprach der Thai, während er rückwärts lief, um mich direkt anschauen zu können:„Tja, sagen wir's so. Ich kenne mich aus. Ich habe viel gelesen und ich will ja nicht angeben, aber dumm bin ich wohl nicht. Womit auch immer es zu tun hat, ich werde etwas dazu sagen können.“ Nachdenklich schaute ich wieder auf den Boden und brummte dann:„Sympathie kann man sich wohl nicht anlesen.“ Breit grinste der Mann nun wieder und meinte gespielt empört:„Wie jetzt? Ich bin dir nicht sympathisch? Warum nicht? Ich habe dir nur eine Frage gestellt und sir gleichzeitig meine Hilfe angeboten.“ Kalt erwiderte ich:„Und ich habe dir gesagt, dass es dich nichts angeht!“ Darauf schmunzelte Preecha natürlich sofort wieder, drehte sich nach vorne und meinte:„Gut, wie du willst. Ich will dich ja auch zu nichts zwingen. Es ist deine Sache. Ich will mich da nicht einmischen. Ich wollte dir nur sagen, dass dir die Möglichkeit der Hilfe besteht.“ Leise murmelte ich:„Du wirst mir so oder so nicht helfen können...“ Beinahe siegessicher meinte der Mann jetzt:„Oh, das glaube ich wohl. Aber gut.“
    Nun schwiegen wir eine Weile und ich schaute den Thai nachdenklich an. Mein Blick blieb an seiner seltsamen Verfärbung der linken Gesichtshälfte hängen, welche wohl ehemals eine Narbe gewesen sein musste. Sie schien von einem Feuer zu sein.
    Preecha merkte, dass ich ihn anstarrte und starrte zurück. Schnell wandte ich dann den Blick ab, doch Preecha schaute mich weiter an.
    Irgendwann fragte ich dann leise:„Was ist diese leicht violette Färbung in deinem Gesicht?“ Preecha lächelte nun leicht und meinte:„Ich dachte mir, dass du das fragen würdest. Oder irgendjemand Anderes. Naja, es ist eine Brandnarbe.“ Neugierig fragte ich weiter:„Und woher kommt sie?“ Plötzlich das Lächeln aus dem Gesicht verschwunden meinte Preecha leise:„Es war, als ich gerade sechs Jahre alt war... Ich lebte mit meiner Familie auf einer Art Hof. Er gehörte nicht uns. Wir waren dort nur Angestellte. Wir mussten uns mit um die Kühe und Ziegen kümmern. Die Besitzer des Hofes und somit die Arbeitgeber meiner Eltern, die uns eine Lebensmöglichkeit mit ihrem Hof gaben, hatten einen großen Speicher für Heu auf dem Dachboden. Weißt du, es war Sommer und sehr heiß und irgendwie war ein Feuer ausgebrochen. Ich weiß nicht, wie genau. Nur, dass es auf einmal da war und ich als 6-jähriger in dem großen Haus stand und auf einmal nichts mehr sehen konnte vor lauter Rauch. Ich hörte nur die lauten, qualvollen Schreie meiner Eltern und das wilde Gebrüll des Mannes, der von draußen versuchte, seine Frau und Kinder zu finden, welche mit mir noch irgendwo im Haus waren. Ich versuchte, einen Ausgang zu finden und sah dabei auf einmal die Frau des Hofbesitzers mit ihren Zwillingen. Sie waren gerade noch Babies. Sie saßen zusammengekauert auf dem Boden in einem Zimmer, welches nur so von Feuer umzingelt war. Die Frau schrie mich an, ich solle ihr helfen und die Zwillinge nehmen, doch ich wusste nicht, wie ich zu ihr gelangen sollte. Ich sah nur, wie die Flammen plötzlich die Frau umschlungen und ihre Haut langsam dunkel wurde und sie schrie wie am Spieß. Die Zwillinge strampleten einen Meter vor ihr auf dem Boden und weinten ganz jämmerlich, während ihre Mutter qualvoll hinter ihnen starb. Ich hatte Angst, aber wollte nicht mehr, als die Zwillinge noch aus dem Feuer holen. Also rannte ich durch das Feuer auf sie zu und eine Feuerzunge schlug direkt in mein Gesicht und ich erinnere mich noch an diesen schrecklichen Schmerz, den ich verspürte. Doch ich lief weiter, ließ zu, dass das Feuer auch noch mehr von meinem Körper berührte und verbrannte. Ich griff nach den zierlichen, erst ein paar Tage alten Zwillingen und versuchte, einen Weg hinauszufinden. Doch der eine Zwilling starb schon direkt in meinem Arm. Endlich fand ich dann auch einen Weg nach draußen. Mein Körper war von Brandnarben übersät und der eine Zwilling lag beinahe unversehrt in meinen Armen, während der andere bereits leblos war. Ich weiß noch, wie der Vater der Zwillinge mir entgegenstürmte, voller Tränen in den Augen und mir seine Kinder abnahm. Er schrie nach seiner Frau, doch ich sagte ihm, dass ich ihr nicht helfen konnte und sie in den Flammen liegen blieb. Er klammerte sich an seine zwei Söhne, der eine tot, der andere schreiend und er blickte auf sein brennendes Haus, welches das Leben seiner Frau und meiner Eltern mit sich nahm sowie vieler weiterer Bediensteten.
    Ich, sechs Jahre alt, ohne Eltern und mit einem von Brandnarben übersäten Körper stand nur weinend neben ihm. Ich weinte um meine Eltern und, weil mir meine Haut schrecklich schmerzte. Schließlich kam Hilfe und sie löschten die Flammen, in denen so viele Menschen gestorben waren, während sie uns drei Überlebenen und den toten Zwilling borgen und versorgten. Sie versorgten meine Narben in der nahen Krankenstation und ich wurde soweit wieder gesund. Doch der zweite Zwilling starb an einer Rauchvergiftung. So blieben nur noch der Familienvater und ich übrig. Doch ich sollte ganz alleine sein, denn der Mann nahm sich das Leben und ich hatte gar keinen mehr. Es wollte sich auch niemand um den kleinen, hässlichen Jungen, der seine gesamte Familie verloren hatte, kümmern und so wurde ich ins Kloster gebracht. Dort wuchs ich recht glücklich auf und ich lernte nach und nach mit all dem umzugehen. Das Trauma schwand, doch die Angst vor dem Feuer blieb.“ Leise und geschockt raunte ich:„Oh, das tut mir wirklich sehr leid...“ Doch Preecha sprach einfach weiter:„Ich glaube, deswegen bekam ich die Kraft des Feuers. Es war erst schwer für mich, damit umzugehen, aber jetzt geht es. Es ist mittlerweile eine Erleichterung für mich. Ich kann diese leckenden Feuerzungen nun beherrschen und muss keine Angst mehr davor haben...“

    23
    Kapitel 112

    Mitleidig und gleichzeitig irgendwie schuldbewusst senkte ich den Kopf und murmelte leise:„Das tut mir wirklich sehr leid. Ich hatte nicht erwartet, dass da doch so viel hinter deiner Narbe steckt...“ Ruhig erwiderte der Thai plötzlich:„Es ist nicht nur eine Narbe.“ Mit den Worten zog er sein Oberteil aus und hervor kamen riesige Verfärbungen seiner Haut durch die Brandnarben über seinen gesamten Brustkorb verteilt. Geschockt starrte ich auf seinen Körper, welcher leicht zitterte und der Mann zog sein Oberteil wieder an. Leise murmelte er:„Sie dachten damals nicht, dass ich das überleben würde. Doch sie haben sich geirrt. Ich habe es überlebt und bin wieder vollkommen gesund geworden. Im Gegensatz zu dem Zwilling war ich ohne Rauchvergiftung davongekommen. Alles, was ich davongetragen habe, waren diese Narben. Äußerlich und innerlich. Doch sie sind alle geheilt, auch die im Inneren. Sie haben mich im Grunde genommen nicht geschwächt, sondern gestärkt. Aber vielleicht war es letztendlich auch das Kloster, welches mich gestärkt hat. Hauptsache ist für mich, dass diese Narben mich nicht mehr einschränken. Man sieht sie noch, aber sie schmerzen nicht mehr. Anfangs war es schwer, die inneren Narben verheilen zu lassen, doch auch die haben es geschafft. Ich konnte vergessen, was damals passiert ist und ich konnte damit leben, dass ich keine Familie mehr hatte und Menschen sterben sah. Das Kloster hat mich gelehrt, dass sie nun an einem besseren Platz sind und ich sie eh irgendwann wiedersehen werde. Solange möchte ich mein Leben hier unten in Frieden zubringen.“ Dann huschte ein kleines Lächeln über Preechas Gesicht und er meinte:„Aber dann kam Hisoka und hat mir meinen Frieden zerstört. Naja, jetzt bin ich hier und suche Palmwedel. Auch mal ne ganz nette Abwechslung.“ Irgendwie glücklich, dass der 25-jährige trotz seiner Vorgeschichte so positiv blieb, lächelte ich und meinte:„Ja, ich denke, es könnte schlimmer.“ Schmunzelnd nickte der Mann nun und meinte:„Durchaus. Dann lass uns mal die Wedel holen, sonst denken die anderen wahrscheinlich, ich hätte dich ersaufen lassen oder so.“ Leicht grinste ich und folgte ihm wieder.

    „So, ich denke, wir haben alles“, meinte Preecha, während er seinen Arm voller Palmwedel hatte. Knapp nickte ich dann und erwiderte:„Jap. Ich denke, wir können gehen.“ So machten wir uns auf den Weg zurück.
    Wir waren schon fast wieder bei den anderen, als Preecha auf einmal stehenblieb, sich zu mir umdrehte, lächelte und auf einmal sprach:„Ich mag dich, (d/n). Du bist wirklich nett. Ich meine, ihr seid alle ganz nett und ich habe gegen niemanden etwas, aber dich mag ich besonders.“ Ich lächelte den Mann an und wollte gerade etwas erwidern, als plötzlich Tae um die Ecke kam, uns finster anschaute, Preecha dabei eifersüchtig fixierte und dann brummte:„Was macht ihr da?“ Verwirrt schaute ich ihn an und murmelte:„Wir haben die Palmwedel geholt, was sonst?“ Wütend musterte Tae den Thai und murrte:„So sieht es aber nicht aus, so nah wie ihr da beieinandersteht und der Kerl dir sagt, wie gern er dich doch hat. Ja, verarschen kann ich mich selber!“ Mit den Worten drehte sich der Koreaner um und ging schnellen Schrittes und ohne sich noch einmal umzudrehen wütend zurück zu den anderen.

    Etwas ratlos schaute ich Preecha an, wich einen Schritt vor ihm zurück, da es wirklich stimmte, dass er mir recht nah stand und ich murmelte bedrückt:„Tut mir leid, dass Taehyung so wütend auf dich ist. Er ist eifersüchtig...“ Knapp erwiderte Preecha mit diesem leichten Schmunzeln im Gesicht:„Das kann ich verstehen.“ Etwas überrascht schaute ich ihn an und wich noch einmals einen Schritt vor ihm zurück, da er mir in dem Moment vielleicht doch etwas zu aufdringlich wurde. Dies bemerkte der Mann natürlich sofort und er lachte:„Keine Sorge, (d/n), ich will nichts von dir! Sag das deinem Tae und auch, dass du nichts von mir willst. Wer will denn schon von einem vernarbten Kerl wie mir etwas?“ Erst war ich erleichtert, dass Preecha dies sagte, aber andererseits wurde ich wütend, weil er selbst schlecht von sich redete und ich meinte:„Preecha, nur, weil du Narben hast, heißt es nicht, dass du unattraktiv oder so bist!“ Herausfordernd und schmunzelnd hob der Mann nun eine Augenbraue und ich fügte hinzu:„Ich finde dich attraktiv. Die Narben sind doch vollkommen egal. Die ändern doch auch nicht viel an deinem Aussehen und erst recht nichts an deinem tollen Charakter! Es sind einfach nur rosa-violette Flecken, mehr nicht.“ Belustigt grinste der Thai nun und murmelte dann beinahe etwas verlegen:„Danke, (d/n)...“ Dann beugte er sich etwas vor und flüsterte mir plötzlich ins Ohr:„Aber das solltest du nicht Tae erzählen.“ Leicht lächelte ich dann und murmelte:„Werde ich wohl nicht machen, aber es würde für mich wahrscheinlich eh keinen Unterschied machen, würde ich es tun. Wir sind schließlich kein Paar... nicht mehr...“ Schwach lächelte der 25-jährige nun und murmelte dann leise:„Ich weiß. Aber, was ich auch weiß, ist dass ihr euch trotzdem noch gegenseitig liebt. Ich weiß nicht, was dazwischengekommen ist, aber, sollte es doch noch einmal in deinem Sinne sein, deine Liebe zu ihm zeigen zu können, kannst du mich um Hilfe bitten. Ich habe bestimmt eine Lösung parat.“
    Schon ging der Mann weiter und ich ihm nun hinterher, während ich seine Worte noch einmal durch den Kopf gingen ließ. Sollte ich ihm vielleicht doch davon erzählen? Er könnte mir vielleicht tatsächlich helfen. Er kennt sich mit vielem aus, vielleicht also auch damit... Nein, ich werde es ihm nicht sagen. Ich darf nichts riskieren. Nachher sieht er in mir dann doch eine Gefahr...

    Wir betraten wieder den Raum, in dem all die anderen bereits auf uns warteten und legten unsere Palmwedel ab. Dabei bemerkte ich nun plötzlich, dass fast alle auf Preecha und mich starrten. Alle, außer Tae. Der hatte sich mit verschränkten Armen hingesetzt und gegen einen Stein gelehnt, während sein Blick wütend auf den Boden gerichtet war. Verwirrt ging ich nun zu Federica rüber und fragte diese leise:„Warum gafft ihr uns alle so an? Ist etwas passiert?“ Schnell erwiderte diese nun ebenso leise:„Karolin hat Tae geschickt, um zu schauen, wo ihr steckt und jetzt kam er gerade richtig angepisst wieder und hat kein Wort gesagt. Wir wundern uns, was bei euch vorgefallen ist.“ Nun verstehend schaute ich zu Preecha rüber, welcher sich hingesetzt hatte und Juan gerade nachdenklich musterte. Leise sprach ich dann zu der Italienerin:„Preecha und ich haben uns nur unterhalten und dann hat Preecha eben gesagt, dass er mich sehr gern habe und ich sehr nett sei. Ich glaube, das hat Tae eifersüchtig gemacht.“ Nun grinste Rica plötzlich und ich schaute sie verwirrt an. Die Lockenköpfige erklärte ihr seltsames Verhalten nun:„Tae muss nicht eufersüchtig sein. Eher könntest du eifersüchtig sein.“ Verwirrt hob ich eine Augenbraue und Federica murmelte für alle anderen kaum hörbar:„Preecha ist schwul.“

    Komplett überrascht starrte ich die 20-jährige nun ungläubig an, während sie weiter erzählte:„Ich habe es erfahren, als ich ihn damals kennengelernt habe. Weißt du, das ist ein Grund mehr, weshalb Preecha so nett zu mir ist. Er hat es mir erzählt und ich habe ihn so akzeptiert, was nicht viele tun. Deshalb ärgert er mich auch nicht, aber den Rest schon. Also, demnach würde er dich niemals angraben wollen. Eher müsste Tae Angst haben, dass Preecha ihn abgräbt.“ Immer noch total überrascht starrte ich Federica an. Ich konnte es irgendwie nicht glauben, weil er auf mich nicht schwul wirkte. Federica schien meinen Unglauben erkennen zu können, denn sie flüsterte weiter:„Ist dir nie aufgefallen, wie er immer die Männer unter uns anschaut? Deswegen zeigt er auch so wenig Interesse bei den Mädchen hier. Er wendet sich meist den Männern zu, weil er eben auf diese steht und nicht auf Frauen.“ Langsam nickte ich. Ich war wirklich überrascht. Ich hatte nichts dagegen, wenn jemand homosexuell war. Es hatte mich einfach nur überrascht, aber ehrlich gesagt war ich andererseits sogar ganz froh, dass der Thai nicht auf Frauen stand, da ich so definitiv nicht in sein Visier geraten konnte.

    Ich schaute nun Federica an und murmelte leise und irgendwie belustigt:„Dann braucht Tae sich ja wirklich keine Sorgen machen.“ Darauf antwortete die Italienerin:„Jap. Jetzt musst du nur Angst um Tae haben. Nicht, dass Preecha ihn dir wegschnappt.“ Leise murrte ich:„Also, erstens glaube ich nicht, dass das passieren wird und zweitens, selbst wenn es so wäre, würde es mich nicht stören. Tae ist für mich nur ein Kumpel, mehr nicht...“ Langsam nickte Federica nun und murmelte dann plötzlich:„Ich kann irgendwie immer noch nicht so richtig glauben, dass ihr kein Paar mehr seid. Ihr wart so süß zusammen...“ Bedrückt nickte ich und flüsterte:„Tja, nichts hält ewig...“ Aber ich wünschte mir, dass diese Liebe ewig gehalten hätte...

    Wir lagen alle auf dem Boden, auf unseren Palmwedeln, in dem Raum voll all dieser Kostbarkeiten, kalt, dunkel und feucht. Preecha hatte schließlich ein großes Feuer für uns entfacht, damit es nicht ganz so kalt und dunkel war. Dies kam Akiko sehr zugute, doch sie schien dennoch nicht ganz glücklich. Die 18-jährige saß neben Lívia und Juan am Rand des Geschehens und unterhielt sich mit den beiden. Federica gesellte sich zu Preecha und spielte mit ihm aus Spaß um ein paar Goldmünzen und Diamanten. Karolin war natürlich wieder mit Michal unterwegs. Das oft emotionslos wirkende Duo hatte den Berg aus Gold erklimmt, saß dort nun oben auf dem Münzhügel und warf von dort aus mit Diamanten auf den Nachbarshügel, wo einige Silber-Kelche standen. Diese warfen sie mit den Efelsteinen ab, sodass die metallenen Becher klirrend den Berg hinunterkugelten. Ich saß am Rand dort, neben mir Amba und wir beide starrten zu dem Berg hinauf, auf dem Karolin und Michal schweigend und werfend hockten. Tae hingegen saß vollkommen alleine auf seinem Polster und spielte gedankenverloren mit seiner Kraft, indem er kleine Wassertropfen aus der Luft zog und sie in regelmäßigen Abständen auf den Boden tropfen ließ.
    Ich schaute nur kurz zu dem Mann hin, den ich so sehr liebte und richtete dann jedoch recht schnell wieder meinen Blick auf Karolin und Michal. Die beiden Brummköpfe saßen nebeneinander dort, schweigend und sahen so aus als würden sie einfach an nichts und niemanden denken. Sie wirkten wie zwei Freunde, die sich vor ihren Pflichten verstecken und stattdessen Becher abwerfen.
    Amba schaute gedankenverloren hinauf und meinte plötzlich leise:„Es war sehr nett von Michal, dass er mir beim Schwimmen geholfen hat...“ Etwas verwirrt schaute ich die Inderin an und murmelte:„Naja, ich denke, er wollte einfach nett sein. Oder, er wollte zeigen, dass er zu uns gehört und sich ebenso engagiert. Jedoch bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher manchmal, ob er wirklich zu uns gehört.“ Kurz zuckte die 17-jährige daraufhin mit den Schultern, schaute dann wieder hoch zu Michal und sprach wieder:„Ich denke, er ist ein guter Kerl. Ich glaube nicht, dass er uns verraten wird.“ Leise fragte ich:„Bist du sicher, dass du nicht vielleicht etwas naiv bist? Er hat zu den Bösen gehört...“ Mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen antwortete die Inderin:„Menschen ändern sich. Man sollte sie nicht nach ihrer Vergangenheit beurteilen.“ Langsam nickte ich und erwiderte:„Du hast recht. Wir sollten jeden gleich behandeln. Wie wir dir vergeben haben, sollten wir auch den Glauben in Michal haben, dass er sich geändert hat. Oder vielleicht auch einfach seine wahre Seite zeigt.“ Wieder nickte Amba und kam wieder auf Michal zu sprechen:„Was glaubst du, warum er sich direkt gemeldet hat, mir zu helfen?“ Belustigt erwiderte ich scherzend:„Vielleicht hat er sich ja in dich verliebt.“ Darauf errötete Amba nun etwas und murmelte:„Das glaube ich nicht, aber es wäre echt mal was Neues. Ich glaube, Michal ist ein guter Typ.“ Grinsend fragte ich:„Was willst du mir damit jetzt sagen? Dass du dich in ihn verschossen hast?“ Schnell und etwas entsetzt wirkend schüttelte die Inderin den Kopf und meinte:„Nein, mein Ehemann würde mich umbringen! Ich wollte damit nur sagen, dass ich ihn mag.“ Beinahe etwas herausfordernd hakte ich nach:„Liebst du deinen Ehemann überhaupt? Du solltest doch die Freiheit haben, den Mann zu deinem Gemahl zu machen, den du auch liebst. Siehst du das nicht so?“ Verlegen und leise sprach die 17-jährige nun:„Nein, ich liebe ihn nicht. Es war eine Zwangsheirat. Er ist mein Ehemann, ja. Aber das heißt nicht, dass ich ihn liebe... Doch ich kann ihn nicht verlassen, um den Mann zu heiraten, den ich liebe, weil er dann das Recht hätte, mich zu steinigen. Zumindest tun das viele Männer mit ihren Frauen in Indien, wenn sie sie betrogen haben...“ Mitfühlend schaute ich die Inderin an und fragte:„Und wenn du einfach in ein anderes Land ziehen würdest? Du könntest zum Beispiel in Deutschland leben. Dort würde dir sicher nichts passieren, denn dort wird das als Straftat gesehen und man kommt ins Gefängnis. Dort darf man lieben, wen man will.“ Etwas betrübt zuckte Amba mit den Schultern und murmelte:„Ich brauche mir da wahrscheinlich eh keine Gedanken drüber machen. Ich werde hier sterben und niemals mehr etwas Anderes sehen. So wie Malou...“ Aufmunternd, aber gleichzeitig traurig murmelte ich:„Hey, Amba, so darfst du nicht denken. Sieh mal, wir sind alle zusammen hier und wir beschützen uns gegenseitig. Solange wir zusammenhalten, können wir alle gemeinsam überleben.“ Schwach lächelte die Inderin jetzt und hauchte:„Aber Karolin vertraut mir nicht und ich glaube auch nicht, dass sie das noch jemals tun wird. Sie lässt mich nicht mal mehr die Nachtwache machen oder sowas in der Art. Ich werde irgendwie immer überwacht. Sie sagte, sie würde mir verzeihen, aber das tut sie nicht...“ Leise erklärte ich:„Sieh mal, Karolin hat es auch nicht immer einfach. Sie ist die Anführerin und wird gerne mal kritisiert. Oft ist das zurecht, aber es macht sie dennoch wütend. Karolin ist eine Person, die schnell wütend wird und ist auch recht nachtragend. Sie braucht immer eine Art Schuldigen, um sich etwas erklären zu können und ihre Wut rauszulassen. Und, als Malou gestorben ist, hat sie dich zur verantwortlichen Person gemacht. Malou war ihr wirklich wichtig und es hat sie unfassbar mitgenommen, als sie auf einmal nicht mehr an ihrer Seite war. Es nimmt sie auch immer noch mit und sie sieht dich immer noch als Grund für ihren Tod. Sie versucht nun, dir mehr und mehr anzuhängen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass du schuldig bist. Karolin kann nicht gut verzeihen oder vergessen, das weiß ich. Sie hat mir von ihrer Familie erzählt, die nicht immer nett zu ihr war. Auch ihnen kann sie wohl nicht verzeihen. Es ist ihre Macke und jeder hat seine Macken und Fehler. Doch irgendwann, Amba, wird sie einsehen, dass sie dir Unrecht tut. Du musst ihr nur Zeit geben. Glaube deswegen nicht, dass du ein weniger wertvolles Mitglied bist oder ein weniger wertvoller Mensch! Denn dein Leben und deine Gefühle zählen genauso wie die von uns allen anderen! Das weiß auch Karolin. Sie braucht eben nur ihren Sündenbock. Auch Karolin wird irgendwann darüber hinweg sein und einsehen, dass sie nicht die Menschen schützen muss, die schon tot sind, sondern die, die noch hier bei ihr sind. Und genau dann wird sie auch einsehen, dass sie Unrecht hat und dir endlich vertrauen muss.“ Dankbar lächelte Amba nun und murmelte:„Danke, (d/n). Du bist eine wirklich gute Freundin.“ Schwach lächelte ich nur und schaute dann wieder zu Karolin und Michal. Eine gute Freundin bin ich nur in dem Sinne, dass ich meinen Mitmenschen helfe. Aber im Bezug auf Tae bin ich eine schreckliche Freundin...

    24
    Kapitel 113

    Es wurde immer später und so langsam begaben sich auch alle in ihre Betten. Amba hatte sich neben mir schon hingelegt, bereit zum Schlafen und blickte verträumt zu Michal. Ich musste etwas schmunzeln, als ich das sah, denn ich wusste, dass Amba in Michal nun eine Art Held sah. Sie mochte ihn und doch war sie wohl zu schüchtern, mit ihm zu reden. Vielleicht war Amba auch naiv, ihm direkt so zu vertrauen und ihn als so aufopfernd und freundlich zu sehen. Doch andererseits war ich irgendwie ganz froh, dass die Inderin ihm vertraute. Das zeigte nämlich, dass Amba sich bei uns wohl und beschützt fühlte und nun auch die Eigeninitiative hatte, auch uns zu schützen. Sie hatte erkannt, dass man sich gegenseitig schützen muss und, dass man nicht nur auf sein eigenes Leben Wert legen muss. Und doch wusste ich nicht, ob es so glücklich geraten war, dass Amba dies ausgerechnet durch Michal gelernt hatte. Der Pole, welcher ehemals Teil von Callums Truppe war und bei vielen Toden mitgewirkt hat, hatte mein Vertrauen noch nicht ganz erlangt und ich wusste, dass ich nicht die einzig misstrauische in unserer Gruppe war. Auch Akiko, Juan und Tae sowie Federica wussten nicht genau, was sie von dem 21-jährigem halten sollten. Lívias Einstellung war ihm gegenüber recht neutral. Akiko zum Beispiel hingegen zeigte ganz deutlich, dass sie dem Mann nicht traute. Wer Michal im Grunde genommen richtig traute, waren nur Amba und Karolin. Karos Trauen ihm gegenüber hing vielleicht damit zusammen, dass Michal so ziemlich der einzige war, der noch wirklich zu der Anführerin hielt und sich aus allen anderen Gelegenheiten heraushielt. Er vertraute sich ihr an und niemand anderem. Ich denke, das weckte in der 15-jährigen das Vertrauen, doch ich war mir auch nicht ganz sicher, ob ich Fan von dem Ganzen sein sollte. Michal zeigte sich mir gegenüber zwar als vertrauenswürdig, da er mein Geheimnis kannte und niemandem davon erzählte, aber doch regte sich in mir diese Unsicherheit, wenn ich den Mann anschaute. Er schien einfach so düster und, dass ich seine Geschichte kannte, machte es nicht besser. Seine Vergangenheit zeigte mir nur, was er durchgemacht hatte und, dass er dadurch eventuell gebrochen war. Und dieses Gebrochene in ihm konnte mehrere Seiten haben. Entweder hatte es ihm gelehrt, dass er ein soziales Leben braucht und er uns deswegen helfen muss oder aber, es löste in ihm nur eine psychische Belastung aus, die sich nun nach nichts weiter sehnt als nach einem friedvollem Leben, welches er nur erreichen kann, wenn er alleine lebend herauskommt.
    Demnach war ich nicht ganz entschlossen, ob man ihm trauen konnte oder nicht, doch ich entschied mich dafür, ihn einfach weiter im Auge zu behalten und ihm nicht zu 100% zu trauen.

    Mein Blick ruhte auf Amba, welche mittlerweile eingeschlafen war und das Gesicht noch zu dem Polen gedreht hatte. Dieser wiederum hatte das vorherige Starren der 17-jährigen bemerkt, ihr kurz zugelächelt und sich dann wieder Karolin zugewandt, welche ihm irgendetwas erzählt hatte. An Michals Lächeln hatte man gesehen, dass er die Inderin mochte. Zumindest hatte es so ausgesehen. Es war irgendwie ein ehrliches Lächeln gewesen, sodass ein kleines Funkeln in den Augen des Polen entstanden war. Er war auch etwas errötet, als er die 17-jährige so sanft angelächelt hatte. Auch die Inderin hatte sich nicht anders getan. Sie war etwas rot geworden, hatte beschämt gelächelt und den Blick leicht gesenkt, sobald er auf den des 21-jährigen getroffen war.
    Ich hatte natürlich diese Verlegenheit zwischen den zweien bemerkt und auch Karolin, welche ja bei Michal gewesen war, hatte das bemerkt. Sie hatte ihren Kumpel nämlich belustigt angegrinst und, als mein Blick ihren gestreift hatte, lächelte sie mich auch an und hatte ein kleines Herz mit ihren Händen geformt und dabei auf Amba und Michal gedeutet. Darauf hatte ich dann leicht kichern gemusst, denn irgendwie hatte Karo recht. Es lag etwas zwischen den beiden in der Luft. In dem Moment war es zwar wahrscheinlich nur eine kleine Schwärmerei gewesen, doch es war etwas und das fanden sowohl Karolin als auch ich tatsächlich lustig. Michal jedoch hatte das wohl gar nicht so lustig gefunden, denn er hatte die Geste seiner Kumpeline auch mitbekommen, hatte sie darauf kurz geboxt und sie finster angeschaut. Doch auch das hatte ich nur als Zeichen gesehen, dass auch Michal wusste, dass da irgendwie etwas dran war.

    Nun schaute der Pole nachdenklich zu der schlafenden Amba und wandte den Blick wieder ab, als ich ihn erwischte. Doch ich lächelte nur leicht und schaute mich weiter um. Karolin redete immer noch mit Michal, während Akiko und Federica schon pennten. Lívia lag an Juan gelehnt und beide schliefen. Sie sahen dabei ein bisschen wie Geschwister aus und ich musste schwach lächeln, als ich mich daran erinnerte, wie sehr die Brasilianerin sich zu Anfang von uns allen ferngehalten hatte. Sie war eigentlich nur zu Liebe ihres Bruders mit uns gegangen und wäre, glaube ich, erst am liebsten alleine losgelaufen. Sie mochte es wohl nie, sich in neuen Gruppen zurechtzufinden. Sie war eigentlich eher der Einzelgänger gewesen und mied es, in Gruppen unterwegs zu sein. Sie hatte sich anfangs überall herausgehalten und unterhielt sich auch kaum mit wem. Sie war eher wie ein Schatten gewesen, der uns einfach auf Schritt und Tritt gefolgt war.
    Doch mittlerweile war sie wirklich ein Teil von uns. Sie fühlte sich wohl bei uns und zeigte, dass sie dabei war. Sie kümmerte sich auch mit um jeden und war mittlerweile einfach wirklich Teil unserer „Familie". So sah sie sich selbst auch und das machte mich glücklich. Mittlerweile konnte auch sie nicht mehr ohne uns und ich wusste, dass sie, genau wie wir alle, alles für uns tun würde.

    Mein Blick wanderte weiter, bis er auf einmal auf Tae traf. Er war noch wach und schaute mich mit leer wirkendem Blick an. Trauer lag in seinem Gesicht, aber gleichzeitig so etwas wie Eifersucht. Ich wusste auch, woher diese Eifersucht kam - Er dachte, ich würde mich vielleicht langsam in Preecha verlieben oder er sich in mich. Dabei wusste ich nun, dass es definitiv nicht so weit kommen würde, weil Preecha schwul war. Doch Tae wusste das nicht und er schaute mich weiterhin an. Ich jedoch wandte meinen Blick ab und schaute stattdessen zu Preecha. Dieser hatte es sich auf seinem Polster gemütlich gemacht, seine Beine quer über seine Schlaf-Nachbarin Federica gelegt, welche damit wohl kein Problem hatte und schaute gedankenverloren zu Michal. Ich musste etwas lächeln, weil ich ja wusste, warum der Thai gerade immer zu den Männern blickte und senkte dann den Blick.
    Auf einmal wurde ich traurig. Ich lag mit Tae in einem Raum, doch es schien mir so als würde er Meilen von mir entfernt sein. Ich vermisste seine Umarmungen, seine Küsse, dass er mich „Tomätchen" nannte und einfach die Liebe, die er mir gab. Ich war so glücklich mit ihm gewesen und jetzt war es vorbei. Es war von mir beendet worden, weil ich Angst um ihn hatte. Angst, dass ich ihn verletzte und Angst, dass man mich verstoßen würde. Was sollte man denn schon Anderes machen, wenn man erfährt, dass sich jemand in deinem Umfeld bewegt, der so gefährlich für einen ist, wie Callum, mit dem Unterschied, dass diese Person ihre Kraft nicht unter Kontrolle hat? Noch war zwar nichts passiert, doch ich rechnete jeden Moment damit, dass ich aus Versehen jemanden berührte und diese Person einfach zu Eis gefror. Michal wusste davon und er wusste auch, dass er gefrieren würde, würde er mich zu lange berühren, doch er verstoß mich nicht. Und doch hatte ich Angst, dass der Rest es tun würde. Karolin sagte stets, dass wir das tun müssten, was am besten für uns alle ist und nicht das, was für einen einzelnen am besten ist. Karo setzte ihren Willen gerne durch und, falls sie mich als Gefahr sah, müsste ich gehen...

    Schließlich fielen mir müde die Augen zu, während ich im Hintergrund nur noch Karos und Michals leises Reden vernahm. Es musste diese Nacht auch niemand Wache halten, denn wir befanden uns an einem Ort, an dem wohl niemand so schnell hinkonnte. Ich meine, wer findet schon so schnell eine riesige geheime Schatzkammer, welche sich im Keller eines verrotteten Tempels befindet und man, um dort hinzukommen an mindestens fünf Fallen vorbeimuss und durch ein endlos erscheinendes, dunkles Becken aus Wasser tauchen muss? Tja, die Antwort war wohl nicht sehr schwer. Wobei ich mich immer noch fragte, wie Preecha dieses Versteck überhaupt gefunden hatte. Er musste doch Ewigkeiten dafür geraucht haben! Andererseits wusste ich ja, dass der Thai unfassbar intelligent war und zudem sehr aufmerksam. Kein Wunder, dass er die Fallen also sofort erkannt hat und für den Rest hat er wahrscheinlich einfach ein wenig mehr Zeit investiert. Was sich dadurch auf jeden Fall über den Homosexuellen sagen ließ, war, dass er wirklich clever, aufmerksam, zielstrebig, orientiert und auch neugierig war. Doch das waren nur ein paar von Preechas Charakterzügen. Dazu gehörten nämlich auch noch, dass er sich immer wieder gerne eine Spaß daraus machte, andere Leute zu ärgern, aber dennoch wirklich freundlich war. Hilfsbereitschaft gehörte auch zu ihm, welche sich jedoch oft erst durch Neugierde in Schwung setzte. Außerdem hatte der Thai Humor und war auch aufopfernd und konnte sich gut beherrschen. Er wirkte nicht verschlossen, aber auch nicht so, als würde er sofort alles erzählen, was er wusste.
    Alles in einem kann man sicherlich sagen, dass der 25-jährige ein wirklich vielseitiger und interessanter Mensch war.

    Ich schlief tief und fest, während alles um mich herum ruhig schien. Doch irgendwann vernahm ich leise, aber schallende Schritte, welche sich durch den Raum zogen und scheinbar immer weiter von mir entfernten. Auf einmal verklungen die Schritte, da die Person scheinbar stehen geblieben war. Doch dafür ertönte plötzlich ein lauter Klang, welcher mich urplötzlich aus dem Schlaf riss und ich blickte mich verschlafen um. Auch all die anderen waren wie ich aufgeschossen und suchten nun nach dem Ursprung des Geräuschs und schon bald entdeckten wir ihn. Preecha stand breit grinsend neben einem goldenem Gong, welcher noch leicht wackelte, da der Thai ihn wohl geschlagen hatte. Dieser lachte nun los und meinte:„Haha, ihr müsstet eure Gesichter sehen!" Karolin murrte daraufhin:„Ja, total witzig. Kannst du uns nicht das nächste Mal etwas weniger gehörschädigend wecken?" Darauf kicherte Preecha:„Für meine liebste ungewollte Anführerin doch gerne!" Leise stand Karolin nun mit finsterem Blick ganz auf und brummte ironisch:„Herzallerliebst." Darauf lachte der Thai jedoch nur noch mehr und er warf seinen Kopf nach hinten. Etwas verärgert schüttelte die Österreicherin unterdessen den Kopf und schnappte sich einen der goldenen Kelche, welche sie noch am Vortag mit Michal abgeworfen hatte. Diesen Kelch warf sie nun Tae zu, welcher ihn gekonnt fing und sie meinte:„Sei so lieb und schenk mir ein bisschen Wasser ein!" Gehorchend nickte Tae, zog mit seiner Kraft etwas Wasser aus der Luft und ließ es in den Kelch fließen. Dann gab er den Kelch an Karo zurück, welche ihn in einem Zug austrank.

    Währenddessen standen auch die anderen auf. Die meisten taumelten verschlafen in die Mitte und unterhielten sich dort mit den anderen. Nur ich stand noch mit Amba am Rand, während die Inderin mal wieder zu Michal rüberschaute. Leicht lächelte ich für mich und schaute mich dann weiter um. Karolin war mittlerweile zu Preecha getrottet und murrte ihm zu, er solle sich in Zukunft morgens nicht so laut machen, denn sonst würde sie laut werden. Darauf grinste Preecha wieder und ließ erneut eine schnippische Antwort ab. Mein Blick jedoch wanderte weiter nach rechts, wo ich Tae entdeckte. Er starrte mich an, wandte seinen Blick jedoch ab, als ich ihn erwischte und schlenderte stattdessen zu Akiko. Leise seufzte ich nun und drehte mich wieder zu Amba. Diese jedoch war ganz in Gedanken versunken und lächelte Michal leicht an, welcher nur zögerlich zurücklächelte. Dies erregte auch wieder Karolins Aufmerksamkeit, welche mir nun zuwinkte, als Zeichen, dass ich kommen solle.
    So ging ich unauffällig zu ihr rüber und sie flüsterte mir belustigt zu, während sie auf den Polen und die Inderin deutete:„Was meinst du, wie lange die zwei brauchen, um überhaupt mal miteinander zu reden?" Grinsend zuckte ich nur mit den Schultern, während Karolin murmelte:„Ich wette mit dir um 5€, dass es erst heute Abend zu einem Gespräch zwischen den zweien kommen wird. Wettest du mit?" Ich wiederum kicherte:„Ne, lass mal. Mit dir will ich nicht wetten. Du gewinnst eh. Außerdem schuldet dir ja auch Federica noch 5€ von der letzten Wette." Leicht schmunzelte die 15-jährige nun und erwiderte:„Ja, das war ne wirklich schöne Wette..."
    So langsam schwand nun das Lächeln aus meinem Gesicht, denn ich erinnerte mich, worum es in der Wette ging - Darum, wann Tae und ich zusammenkommen würden. Als die Wette abgeschlossen wurde, waren Tae und ich noch nicht zusammen, doch ich war schon in ihn verliebt und er in mich. Es machte mich wirklich traurig, darüber nachzudenken, denn ich erinnerte mich, dass ich damals noch viel glücklicher war als jetzt. Zu dem Zeitpunkt musste ich mich noch nicht von denen, die ich liebte, fernhalten und sie anlügen. Jetzt leider schon...

    25
    Kapitel 114

    Mein Magen knurrte leicht, was Karo hörte, da sie neben mir stand und sie wandte sich an Preecha:„Wie sieht das hier mit etwas zu essen aus? Gehst du einfach in den Wald und holst was oder wie machst du das sonst?" Knapp erwiderte der Thai:„Ja, genau das. Es gibt ne Stelle, wo viel wächst. Ich kann es euch zeigen." Zufrieden nickte die 15-jährige jetzt und wandte sich dann zum Rest:„Juan, Rica und Tae, ihr kommt bitte mit. Der Rest bleibt hier und ich übertrage (d/n) in der Zeit die Führung!" So befolgten alle Karos Wunsch, während Preecha die Österreicherin wieder aufzog:„Suchst du schon deinen Nachfolger, wenn sie dich stürzen werden?" Stöhnend schüttelte die Anführerin nun den Kopf und murrte:„Ach, halt doch den Mund! Wir wissen, meine Führung ist manchmal nicht gewünscht, aber deswegen brauchst du mir damit nicht auf den Zwirn gehen. Such dir dafür wen anderes!" Darauf grinste der 25-jährige wieder:„Es ist einfach nur so schön, dich zu ärgern. Du wirst so wunderbar wütend." Schweigend rollte Karo nur noch mit den Augen und ging dann mit dem Futter-Trupp inklusive Preecha los.

    Ich blieb natürlich da und schaute in die Runde. Akiko und Lívia hockten gerade an dem herrschaftlichen Tisch und unterhielten sich über dieses und jenes. Amba hingegen hatte sich auf den Boden gehockt und ließ kleine, aber wirklich hübsche Blümchen wachsen, während Michal noch müde auf seinem Bett aus Palmwedeln hockte und verschlafen, aber sanft lächelnd zu Amba schaute. Es war ein interessiertes Lächeln, das manchmal fast etwas belustigt wirkte, aber dennoch herzlich und ehrlich. Belustigt schaute ich zu dem Polen, welcher meine Anwesenheit wohl auch gar nicht merkte und ging langsam zu ihm rüber. Ich setzte mich einen Meter weiter neben ihn und grinste leicht:„Du magst Amba, oder?" Beinahe etwas beschämt senkte der 21-jährige nun den Blick und murrte:„Das hat Karo mich auch schon gefragt. Um deine Frage zu beantworten... Ja, ich mag sie. Aber nicht in einem romantischen Sinne, sondern freundschaftlich." Belustigt hakte ich nach:„Du hast noch nicht mal ein Wort richtig mit ihr gewechselt. Wie kannst du sie dann also als Freundin sehen?" Kühl erwiderte der Pole:„Wie sollte ich sie in einem romantischen Weg sehen, wenn ich doch noch nie mit ihr geredet habe? Ich kann dir sagen, warum ich sie als Freundin sehe - Sie ist nett, das merkt man auch, ohne sich mit ihr zu unterhalten. Sie verurteilt mich nicht für meine Vergangenheit. Vielleicht auch nur, weil sie für ihre Vergangenheit nicht verurteilt wird und ihrem daraus folgendem Handeln. Amba ist schüchtern und etwas ängstlich, aber sie ist freundlich. Und alleine der Fakt, dass sie mich nicht verurteilt, ist Grund dafür, dass ich sie als Freundin sehe." Leise, kaum hörbar murmelte ich:„Sie kennt ja auch nicht deine echte Vergangenheit. Nur, mit wem du dich hier abgegeben hast in der Vergangenheit." Darauf antwortete Michal jedoch nicht, weshalb ich davon ausging, dass er es nicht gehört hatte. Stattdessen starrte er nur weiterhin auf Amba, welche von all dem jedoch gar nichts mitbekam und fügte leise hinzu:„Deswegen vertraue ich auch Karolin und sehe sie als Freundin. Sie und Amba sind die einzigen, die mir vertrauen." Etwas überrascht, dass er mich nicht erwähnte, schaute ich ihn von der Seite an, doch er blieb starr. Statt mich anzuschauen, lächelte er seicht, doch wissend, dass ich ihn anschaute und ebenso wissend, was ich dachte und murmelte:„Auch du vertraust mir nicht, (d/n). Das ist in Ordnung. Ich verstehe ja auch, wieso. Und auch, wenn du mir nicht traust, in einem kannst du mir definitiv trauen - Darin, dass ich niemals ein Geheimnis aussprechen werde. Ebenso werde ich also auch nicht deines aussprechen."
    Mit den Worten stand der 21-jährige nun auf und murrte:,„Wenn du mich einen Moment entschuldigen würdest, ich gehe kurz pinkeln." Daraufhin schlenderte Michal dann um eine Ecke und verschwand für einen Moment aus meinem Blickfeld. In der Zeit dachte ich nach. Er weiß, dass ich ihm nicht vertraue. Ist er mir deswegen vielleicht böse oder so? Wenn ja, wie weit könnte seine Wut gehen?

    Karo und ihre Truppe kamen wieder, die Arme voller Früchte. Sie legten schnell alles ab und dann wurde direkt gegessen. Ich saß dabei wieder bei Amba und dachte nach. Es war irgendwie seltsam, wie sich meine besten Freunde irgenwie immer wieder änderten. Erst war es Tae, dann Federica, dann ne kurze Zeit mal Karo, wieder Federica, Malou, darauf Akiko, dann plötzlich Lívia und nun Amba. Ich hatte also gefühlt schon fast alle durch. Mir fiel auf, dass es bei vielen so war. Doch die Person, die tatsächlich alle durchgenommen hat, war Karolin. Ich erinnerte mich, wie sie ganz am Anfang, noch in der Gefangennahme Hobi als besten Freund hatte. Als die beiden dann voneinander getrennt wurden, war es Juan. Später wurde die ganze Truppe getrennt und ihr blieb nur noch Akiko. Nachdem wir wieder zusammengefunden hatten, war es lange Zeit Malou und nur zwischendurch mal ich oder Rica. Auch Amba hatte am Anfang ihrer Tage viel Zeit mit ihr verbracht. Doch, nachdem die Afrikanerin gestorben war, hatte sie erstmal niemanden. Kurzzeitig klammerte sie sich dann an Lívia und war dann wieder auf ihrem Einzelpfad. Erst, als Michal kam, hatte sie wieder einen besten Freund und das war er bis jetzt. Mir fiel jedoch bei der ganzen Geschichte auf, dass Karolin eigentlich nie wirklich jemanden abgewimmelt hatte. Sie ließ die Leute kommen und behielt den Kontakt mit ihnen, bis diese jemand Anderen gefunden hatten. Karolin selbst war also nie die Person, die die enge Freundschaft unterbrochen hatte. Freunde waren wir alle untereinander und dennoch hatten wir alle immer mal unsere besten Freunde. Karolins war momentan Michal. Demnach hing sie fast nur bei dem Polen herum und irgendwie störte mich das. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Michal einen sonderlich guten Einfluss auf die 15-jährige hatte. Denn, seitdem die beiden so viel miteinander machten, zog Karo sich augenscheinlich immer mehr zurück. Sie überließ Akiko praktisch die Führung und sicherte ihre Pläne oft nur noch ab. Sie kam nicht mehr so direkt zu uns und fragte uns, wie es uns ging. Sie wurde irgendwie stiller und lachte weniger. Doch vielleicht lag das auch einfach an der Situation, dass sie tatsächlich von einigen, wie Preecha es sagte, als ungewollte Führung gesehen wurde. Dies war von uns sicherlich nicht böse gemeint, sondern einfach nur, um Karolins Willen etwas enkommen zu können und doch machte es die Österreicherin verärgert. Sie zeigte es meist nicht offensichtlich, aber dennoch merkte man es ihr an. Und ich hatte das Gefühl, dass Michal diese Wut in ihr vielleicht nur noch etwas anfeuerte...

    Wir hatten zu Ende gegessen und nun sollte überlegt werden, wie es weitergehen sollte. Dazu versammelten wir uns allesamt an dem großen Tisch in der Schatzkammer und Preecha eröffnete das Gespräch:„Nun, wie ihr ja alle wisst, ist laut Hisoka die einzige Möglichkeit, zu überleben, alle anderen hier zu töten. Vielleicht mag das stimmen, bis wir alle außer unsere Gruppe abgeschafft haben. Doch die Frage ist erstmal ja, wie wir es schaffen können, zu überleben, während die anderen tot sind und zweitens könnten wir auch auf einen anderen Ausweg hoffen. Nun müssen wir also entscheiden, welchen Weg wir wählen und wie wir ihm folgen können." Karo schilderte nun ganz knapp die Streitfrage:„Hat jemand Ideen oder gewisse Vorstellungen?" Sofort meldete sich nun Akiko:„Nun, ich denke, es wäre vielleicht gar nicht so schlecht, erstmal an einem sicheren Ort zu bleiben. Möglicherweise lässt sich von hier aus alles ganz entspannt beobachten und wir sind zuletzt sowieso die einzigen." Amba nickte nun zustimmend, während Michal plötzlich einwarf:„Darauf werden wir lange warten können. Callum wird hier jeden einzelnen umbringen und zum Schluss werden also nicht nur wir, sondern auch er und seine Truppe übrigbleiben. Einem Kampf können wir also so oder so nicht entkommen." Karolin fügte hinzu:„Mit der Zeit wird Callum stärker werden und dann wird es für uns zu spät. Dann können wir ihn definitiv nicht mehr besiegen." Juan fragte nun ruhig:„Aber es sind doch bestimmt noch andere übrig. Eventuell sind diese sehr stark." Sofort gab Michal jedoch wieder seinen Senf dazu:„Das sind dann noch Elektro weiblich und Nebel männlich. Was willst du damit schon großartig reißen? Wir haben die zwei die ganze Zeit über nicht gesehen. Ich denke, es sind Leute wie wir momentan, die sich einfach verstecken und auf Rettung hoffen. Sie werden wohl keine große Macht darstellen. Wenn sie nicht lange genug mit uns hierbleiben, werden auch sie von Callum getötet. Im Zweifelsfall wird es irgendein Tier tun. Auf die können wir also nicht zählen." Herausfordernd fragte die Japanerin:„Und was sollen wir dann deiner Meinung nach machen? Callum direkt in die Arme laufen? Nein, das kannst du vergessen!" Kalt blickte der Pole Akiko nun an, während Amba der 18-jährigen einen leichten Stoß verpasste. Michal schaute die Inderin darauf kurz schwach lächelnd an und hob dann seine Stimme:„Nun, wenn ihr mich fragt, ist ein Kampf das einzig Sinnvolle. Jedoch müssen wir das strukturiert angehen und ich kann jetzt schon sagen, dass es Opfer kosten wird - aber das wird es sowieso. Was ich sagen will... Callum ist extrem stark. Es gibt nichts und niemanden, der stärker als er ist oder überhaupt an seine Macht rankommt. Höchstens, wenn wir uns alle gemeinsam gegen ihn stellen, hätten wir eventuell eine Chance." Etwas spottend fügte der 21-jährige nun hinzu:„Und, wenn ich mich so umschaue, muss ich sagen, seid ihr alle ziemliche Lappen. Naja, was eure Kräfte anbelangt. Ihr könnt praktische Dinge wie kleine Steinbrucken schaffen oder ein paar Kräuter wachsen lassen oder das Licht einer Nachttischlampe aufleuchten lassen, doch etwas Größeres ist da nicht. Eure kleinen Schaffungen könnten Callum nicht im Entferntesten etwas anhaben. Ich meine, was wollt ihr machen? Ihn mit eurem Taschenlampenlicht blenden und ihn über eine Wurzel stolpern lassen? Kommt schon, ihr könnt nichts gegen ihn tun!" Karolin vollendete seine Rede nun:„Aber ihr könnt lernen! Strategie könnte unsere Waffe sein und, wenn ihr dann ein wenig etwas beherrscht, wird das schon was." Akiko sprang nun entrüstet auf und murrte:„Es wird Opfer kosten - das hat Michal selbst gesagt! Damit hat er recht. Aber willst du ernsthaft noch mehr Opfer bringen? Hat Malous Tod dir keine Lehre erteilt?" Wütend sprang nun auch Karo auf, schaute die Japanerin finster an sprach bedrohlich und aufgewühlt:„Jetzt hör mal gut zu! Es ist nicht meine Schuld, dass Malou tot ist! Und überhaupt, was ändert das? Willst du, dass vielleicht vier von uns sterben oder willst du, dass wir am Ende alle draufgehen?" Verärgert erwiderte Akiko:„Und du denkst, es wäre besser, andere für Malous Tod zu beschuldigen und dann wahrscheinlich genau diese Leute sterben zu lassen? Was hat das mit Gemeinschaft zu tun - andere Leute sterben zu lassen zugunsten der stärksten? Eine Gemeinschaft hält zusammen und im Zweifel geht sie gemeinsam unter! Aber die Schwächsten zu opfern, das ist für dich die Lösung? Zu sagen, dass die Stärksten schlussendlich durchkommen und alle anderen nur die Schoner sind? Das hat nichts mit Gemeinschaft zu tun! Das ist das Ausnutzen von Macht zu seinem eigenen Vorteil, was eine Führungsposition nicht in Erwägung ziehen sollte!" Wutentbrannt schaute die 15-jährige die drei Jahre ältere Frau an, scheinbar kurz davor, vollkommen auszurasten, beruhigte sich dann jedoch scheinbar wieder und murrte bedrohlich leise, während sie sich langsam setzte:„Nenne mir einen besseren Plan! Nenne mir einen Plan, der die Gemeinschaft schützt! Finde eine Möglichkeit, jeden einzelnen lebend hier herauszubekommen!" Ruhig setzte sich darauf auch die Japanerin wieder und sprach mit etwas zitternder Stimme:„Dafür ist diese Runde gedacht - genau diese Lösung zu finden. Wer hat noch einen Vorschlag?"
    Alle etwas schockiert von dem Streit kauerten wir uns etwas zusammen und Preecha, welchen das alles wohl gar nicht beeindruckt hatte, sprach nun ruhig aber herausfordernd:„Gehört es denn nicht auch zu einer Gesellschaft, dass alles getan wird, damit sie bestehen bleibt? Also sollte man doch, wenn man Teil dieser Gemeinschaft ist, diese auch über sein Leben stellen?" Knapp und kalt erwiderte Akiko nun, wobei ich ihr tatsächlich recht gab:„Doch es wird niemand dazu gezwungen, ein Held zu sein und sich zu opfern. Es gehört schließlich ebenso zu einer Gemeinschaft, dass jedes Leben zählt und niemand dazu bedrängt wird, sein Leben einzusetzen. Muss denn jemand wirklich unfreiwillig bezahlen, um andere zu retten?
    Stellen wir uns vor, ein Zug fährt mit hoher Geschwindigkeit auf fünf Menschen zu. Sie alle würden sterben, würde der Zug nicht irgendwie gestoppt werden. Es gibt jedoch nur eine Möglichkeit, um den Zug zu stoppen - es muss ein großer Mann aktiv von dem Bahnsteig geschubst werden, damit der Zug dadurch gebremst wird. Dies würde natürlich den Tod dieses vollkommen unbeteiligten Mann bedeuten. Würdet ihr den Mann auf das Gleis schubsen, um die anderen fünf zu retten? Nun... ich kann mir vorstellen, dass einige von euch das tun würden, doch ich würde es nicht. Der Mann hat ebenso ein Recht auf sein Leben wie die anderen. Er ist vollkommen unbeteiligt und kann nichts dafür, dass diese Menschen auf den Gleisen stehen. Diese Menschen selbst hingegen schon. Warum gehen sie auch die Gefahr ein, sich auf die Gleisen zu stellen? Ich könnte niemanden für die opfern, die selbst für sich verantwortlich sind."
    Teilweise wurde nun genickt und auch ich gab Akiko tatsächlich recht. Es ist ungerecht, andere Leben zu opfern, um seines zu retten.
    Karolin antwortete darauf jedoch nichts. Und dennoch sagte mir ihr Blick, dass auch sie Akiko irgendwie recht geben musste. Aber doch wollte sie bei ihrer Meinung bleiben und starrte nur stur auf die Tischplatte.
    Federica hob nun plötzlich die Stimme:„Nun... Es ist eine wirklich schwierige Frage, was wir nun machen und ich weiß, dass wir nicht ewig Zeit haben. Ich persönlich sehe beide Seiten und denke, dass sie beide etwas Wahres an sich haben. Nun, wir würden ALLE sterben, wenn wir nichts tun und einfach warten. Und doch dürfen wir nicht zulassen, dass nur ein Teil von uns es schafft! Wir sollten also eine Lösung finden, die uns alle durch den Kampf bringt. Ich denke, wir sollten uns noch einen Tag Zeit geben. Vielleicht denken wir einfach alle noch einmal darüber nach. Wir sollten uns alles genau durch den Kopf gehen lassen und vielleicht einen Zusammenhang zwischen dem finden, was wir wissen. Möglicherweise haben wir irgendetwas übersehen." Karolin erfasste nun endlich wieder das Wort:„Ich denke, das hört sich nach einem guten Plan an. Wir werden also einfach weiter überlegen und dann morgen noch einmal darüber sprechen. Ich gebe also sozusagen die Hausaufgabe, sich über alles Gedanken zu machen und eventuell auch ein bisschen, die Kräfte zu trainieren."

    Mit diesen Worten löste die Österreicherin die Versammlung dann auf und ich musste wieder still den Kopf für mich schütteln. Wir sollen unsere Kräfte trainieren - Und wofür, wenn ich fragen darf? Genau, für den Kampf. Karolin ist also der Überzeugung, dass sie ihren Plan wieder durchsetzen kann...
    Ich weiß, dass Karo nur versucht, das Beste für uns zu entscheiden, aber sie muss endlich einsehen, dass ihre Lösung nicht immer die beste für uns ist...

    26
    Kapitel 115

    So gingen wir alle auseinander und jeder machte wieder, was ihm passte. Karolin verschwand also direkt wieder mit Michal, während Akiko sich mit Juan und Lívia zusammentat. Unterdessen ging Amba diesmal zu Federica. Tae hingegen stand erst etwas planlos da, gesellte sich dann jedoch auch zu der Inderin und der Italienerin. Ich schaute mich nun um und bemerkte, dass Preecha mich anschaute. Als ich das bemerkte, lächelte ich kurz und ging dann auf ihn zu. Direkt begrüßte er mich:„Hey, (d/n), wie geht's dir?" Schwach lächelnd erwiderte ich eher leise:„Naja, könnte besser. Es ist nicht so toll, wenn gestritten wird, weißt du? Ich habe immer Angst, dass es zu einer Trennung ausarten könnte. Naja, besser gesagt, habe ich Angst, dass Karo sich von uns abspalten wird. Doch ohne sie würden wir zugrunde gehen..." Langsam nickte Preecha nun und wollte eine Hand auf meine Schulter legen, doch ich wich schnell aus. Dies schien den Thai kurz zu verwirren, doch er lief einfach ein Stück voraus, wissend, dass ich ihm folgen würde. Nachdenklich sprach er nun:„Ich denke tatsächlich auch, dass ihr ohne eure ungewollte Führung nicht weit kommt. Sie ist ehrlich gesagt die einzige unter euch, die Potential zur Führung hat. Sie ist, wenn ihr mich fragt, auch keine schlechte Führung. Sie hält euch zusammen und sorgt für Ruhe und einen Plan. Ihr gehorcht und vertraut ihr - meistens... Sie ist wahrlich keine schlechte Anführerin. Sie sorgt für Ordnung und all das. Ihr seht in ihr das Problem, dass sie ihren Willen durchsetzen will und vielleicht manchmal etwas egoistisch scheint. Ihr denkt, sie würde das noch zur Diktatur machen. Nun... ich persönlich glaube nicht, dass das passieren wird. Sie möchte euch eben weiter im Griff haben und setzt ihre Meinung deshalb durch. Es ist eher der Gegenwind dieser Akiko, der euch auseinanderreißen könnte. Jedoch möchte ja auch sie nur ihre Meinung verteidigen, von sofern... Ich muss sagen, teils hat Akiko recht und Karolin müsste auf jedermanns Wohl achten. Und dennoch werdet ihr ohne eure Führerin zugrunde gehen. Ihr wärt dann nur noch ein Haufen aufgescheuchter Hühner." Langsam nickte ich:„Das stimmt wahrscheinlich wohl. Aber dennoch ist es nicht richtig, was Karolin macht." Schulterzuckend erwiderte der 25-jährige:„Es liegt im Auge des Betrachters. Ich sehe durchaus, warum Karolin handelt wie sie es eben tut und ich denke, dass ihre Ansätze auf jeden Fall richtig sind. Sie wird nur an dem Detail noch feilen müssen. Aber mit Akiko in der Gruppe wird sie dazu wahrscheinlich gar nicht erst die Möglichkeit dazu bekommen." Verwirrt fragte ich, während wir schon recht weit von den anderen entfernt waren:„Also denkst du, dass Karos Plan eigentlich der richtige ist und nur seinen Feinschliff braucht, aber Akiko das verhindern will?" Ruhig meinte Preecha:„Ja, so ähnlich." Nachdenklich lief ich nun neben ihm her, während ich auf den Boden starrte. Karolin hat in sofern recht, dass ein Kampf das Ganze beenden würde und auch wohl die einzige Lösung zum Entkommen ist. Andererseits ist es zu gefährlich, weil nicht alle durchkommen würden...
    Doch es ist eigentlich die einzige Chance und es stimmt, dass Akiko diese Chance vielleicht ganz unter den Teppich kehren wird...


    Preecha und ich waren noch ein wenig herumgelaufen und beschlossen nun, zurück zu den anderen zu gehen. Stumm liefen wir nun nebenher, bis Preecha plötzlich fragte:„Wie sieht es jetzt eigentlich mit Tae und dir aus? Habt ihr das irgendwie geklärt oder so? Auch, weil er so wütend wurde, als er uns zwei gesehen hat?" Ruhig, aber bedrückt schüttelte ich nun den Kopf und sprach:„Nein, wir reden überhaupt nicht miteinander. Aber ich habe mit Rica gesprochen. Und sie hat mir erzählt, dass du wohl nichts von mir willst." Herausfordernd hakte der Thai nach:„Und?" Ich fügte nun hinzu:„Und, dass du schwul bist." Leicht nickte Preecha nun und fragte dann etwas unsicher:„Wie... Wie findest du das?" Verwirrt meinte ich:„Wie? Was soll ich schon davon halten? Ich habe natürlich gar kein Problem damit. Es ist doch vollkommen egal, ob du eine Frau oder einen Mann liebst. Mensch ist Mensch. Geht es nicht so ziemlich darum?" Etwas erleichtert atmete der Mann nun auf und erklärte seine Angst:„Es ist nicht für jeden normal. Viele Leute finden es ekelhaft oder so. Sie sagen, man dürfe nur das jeweils andere Geschlecht lieben. Ich bin in einem Kloster aufgewachsen. Als es rauskam, dass ich schwul bin, waren sie nicht sehr glücklich darüber. Ganz im Gegenteil, sie verstoßen mich richtig. Naja, sie warfen mich nicht aus dem Kloster raus, aber bei einigen war eine starke Abneigung zu erkennen. Sie sagten, Gott habe Mann und Frau geschaffen und sie dürfen sich nur gegenseitig lieben. Sie sagten, der Mensch sei nicht dafür geschaffen, jeden lieben zu können. Schließlich können nur Mann und Frau gemeinsam Kinder bekommen. Deshalb bin ich letztendlich aus dem Kloster ausgetreten und habe ein normales Leben angefangen. Doch erzählen, dass ich schwul bin, tue ich nur sehr ungerne. Ich weiß, dass ich deswegen noch oft verstoßen werde." Sanft lächelte ich den Thai nun an und meinte:„Von mir wirst du nicht verstoßen und sicherlich auch nicht von den anderen. Man darf doch lieben, wen man will!" Dankbar lächelte der 25-jährige mich nun an, während wir wieder bei den anderen angekommen waren. Ruhig meinte Preecha jetzt:„Ich denke, wir gesellen uns dann mal wieder zu den anderen. Vielleicht müssen wir auch ein wenig die Stimmung lockern." Mit den Worten verschwand Preecha dann bei den anderen, während ich noch am Rand stand.

    Unauffällig gesellte ich mich nun zu Akiko und den anderen, da ich nicht zu Amba konnte, weil dort auch Tae stand. Also stellte ich mich in den kleinen Kreis aus Akiko, Lívia und Juan. Die drei unterhielten sich gerade sehr leise und ich vernahm Akikos Stimme:„Michal will uns augenscheinlich in einen Kampf stürzen. Er ist total erpicht darauf. Doch gleichzeitig sagt er, dass wir gegen Callum keine Chance haben. Will er uns also vielleicht eigentlich geradewegs in den Tod stürzen? Möglicherweise hat er sich uns nur angeschlossen, um uns beeinflussen zu können. Diesen Plan möchte er erstmals dadurch wahrmachen, dass er sich an Karolin hält und ihr sein Vorhaben einredet, weil sie hier die meiste Macht hat. Das Problem ist, dass Karolin sich scheinbar sehr leicht von ihm beeinflussen lässt. Sie denkt, er wäre ihr Freund und er redet ihr ein, dass wir es nicht sind. Ist euch denn noch nie aufgefallen, dass Karo sich seit Michals Dasein immer mehr von uns abschottet? Sie lässt sich von ihm einreden, dass wir nicht zu ihr halten und in der Wut, die sie in sich trägt, glaubt sie das und nimmt es immer mehr an." Ich schaltete mich nun dazu:„Aber... Ist es nicht tatsächlich so, dass wir nicht zu ihr halten? Ich meine, du hattest vorhin einen ziemlichen Streit mit ihr und, wenn ich das so sagen darf, wirfst du ihr manchmal ganz schön verletzende Sachen an den Kopf." Akiko schaute mich nun ruhig an und protestierte:„Sicher, aber es ist doch die Wahrheit. Außerdem bin ich dabei nicht wirklich beleidigend, sondern nenne die Tatsachen. Und, würden wir nicht zu ihr halten, würden wir sie stürzen. Das haben wir nicht getan. Wir kritisieren sie lediglich. Wenn sie mit Kritik nicht klarkommt, ist sie selbst schuld." Darauf erwiderte ich nichts, doch Juan schien etwas mit sich selbst zu kämpfen und er meinte:„Aber es ist auch nicht richtig, sich hier im Geheimen um sie und ihr Handeln zu unterhalten und sie zu kritisieren. Das sollten wir ihr dann schon direkt sagen. Ich sehe es als Verrat, sie hinter ihrem Rücken zu verurteilen. Man kann über alles reden, aber dafür braucht man beide Seiten. Wie soll Karo sich schon wehren können, wenn wir ihr nicht die Chance dazu geben?" Darauf schwieg die Japanerin erst, doch seufzte dann:„Na, gut. Ihr habt recht. Wir werden morgen darüber reden." Zufrieden nickten wir jetzt alle und Akiko wechselte das Thema:„Ich finde es immer noch irgendwie lustig, dass wir uns hier in dieser riesigen Schatzkammer befinden, während wir eigentlich alle da oben sein sollten und um unser Leben Angst haben sollten." Zustimmend nickte ich jetzt und meinte:„Ich finde es vor allem lustig, dass Preecha diesen Ort überhaupt gefunden hat. Ich meine, ich hätte das mit Sicherheit nicht." Schwach lächelnd nickte Akiko und erwiderte:„Schon irgendwie verrückt..." Lívia fügte jetzt hinzu:„Ich bin total froh, dass wir Preecha gefunden haben. Dank ihm haben wir dieses Versteck gefunden und wir können uns nun etwas mehr Zeit lassen, um über alles nachzudenken." Juan und ich stimmten der Brasilianerin nun sofort zu. Nur Akiko schaute einfach gedankenverloren und etwas verunsichert wirkend auf den Boden. Schließlich nickte jedoch auch sie:„Ja, wir haben echt Glück..."

    Der Tag verging recht schnell. Wir spielten Spiele wie Schiffeversenken miteinander, setzten uns Kronen von den Schätzen auf und hatten recht viel Spaß. Doch die ganze Zeit über hatte ich mich von Tae ferngehalten und doch wusste ich, dass sein schmerzerfüllter Blick auf mir lag. Er hatte nicht wirklich Spaß, was ihn mir direkt auch versaute. Ich erinnerte mich, wie glücklich er stets war und wie süß und, dass er so fürsorglich war und, dass das Leben mit ihm einfach schien. Ich erinnerte mich daran, dass ich glücklich gewesen war in seiner Nähe. Wenn ich bei ihm war, hatte ich gedacht, würde das Leben einen Sinn ergeben. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich bei ihm wohlgefühlt hatte und, dass ich mich gefühlt hatte als würde die Zeit stehenbleiben. Ich war glücklich gewesen...
    Doch nun war ich es nicht mehr und es schmerzte mich mehr als jemals sonst. Ich realisierte, dass ich ohne Tae an meiner Seite einfach nicht glücklich war und, dass ich ein Teil von mir verloren hatte. Und doch entschied ich mich dazu, den Schmerz auszuhalten und weiterhin mein Geheimnis für mich zu bewahren sowie ihm aus dem Weg zu gehen. Ich wollte ihn weiterhin vor mir schützen...

    Wir hockten nun alle oben in dem Tempel, das Licht beobachtend, wie es so mystisch durch die Ritzen der Steine sickerte und die alten Ruinen so wunderschön erscheinen ließ. Es dämmerte gerade, weshalb es natürlich ein besonders schönes Schauspiel war. Ich stand neben Amba, welche wie verzaubert durch die Ruinen schaute. Links von uns standen Karolin und Michal und ich bemerkte, dass die 15-jährige ihren polnischen Kumpel aufmunternd anstupste und ihm etwas zuraunte. Darauf schaute der 21-jährige dann etwas nervös zu Amba und mir und kam plötzlich auf uns zu, was Karo mit einem Lächeln auf den Lippen beobachtete. Der Mann mit der Kraft des Schattens schaute uns etwas verunsichert an und sprach dann:„Hey... Äh... wie geht es euch so?" Belustigt grinste ich und erwiderte nur:„Gut", während Amba ihn etwas beschämt anschaute und lächelnd und mit roten Wangen antwortete:„Mir geht es auch gut. Wie geht es dir?" Verlegen meinte Michal nun:„Auch gut. Aber ich bin ein bisschen nervös..." Verwirrt hakte die Inderin jetzt nach:„Nervös? Wieso das?" Noch nervöser stammelte der Pole jetzt:„Naja... Ich wollte dich etwas fragen und ich bin nervös, weil ich nicht weiß, was du sagen wirst..." Jetzt auch selbst etwas nervös fragte die 17-jährige:„Was willst du mich denn fragen?" Beinahe etwas ängstlich schaute der Mann nun noch ein letztes Mal kurz zu Karo, bevor er seine Frage ausspach:„Ich wollte fragen, ob du vielleicht mit mir einen Spaziergang oder so machen willst." Überrascht, aber freudig und etwas aufgeregt schaute mich Amba jetzt an als wolle sie meine Zustimmung. Belustigt grinste ich jetzt und meinte:„Was schaust du mich an? Geh ruhig, wenn du willst." Dankbar schaute Amba mich nun erst an und lächelte dann Michal an, während sie eifrig nickte:„Ja, sehr gerne!" Erleichtert lächelte daraufhin auch der Pole und reichte ihr seinen Arm, woraufhin sich die Inderin bei ihm einhakte und die beiden gingen los. Ich rief Michal noch hinterher:„Aber pass mir gut auf Amba auf!" Lächelnd erwiderte der Mann jetzt:„Keine Sorge, (d/n), ich werde auf sie aufpassen, versprochen!" Belustigt schaute ich den beiden nun noch hinterher, während sie langsam in den Ruinen verschwanden.
    Nun kam Karo auf mich zu und grinste:„Die Wette hätte ich gewonnen, aber du hast ja nicht mit mir wetten wollen." Leise lachte ich jetzt:„Ja, aber du hast ja scheinbar auch nachgeholfen!" Etwas zufrieden lächelte die Anführerin jetzt und sprach dann ruhig und ehrlich:„Tatsächlich, habe ich ihm nur den letzten Stoß gegeben. Die Idee, sie auf einen Spaziergang einzuladen, hatte er selbst. Ich habe ihm nur den letzten Schubs gegeben, damit er sich auch traut, sie zu fragen." Leicht schmunzelte ich nun vor mich hin, bis plötzlich Akiko zu uns trat und verwirrt und beinahe etwas besorgt fragte:„Wohin geht Amba mit Michal?" Ich erzählte nun:„Die beiden gehen auf einen Spaziergang. Michal hat sie dazu eingeladen." Beinahe etwas ängstlich hakte die Japanerin nach:„Aber so ganz alleine? Was, wenn etwas passiert oder Michal sie in eine Falle führt oder so?" Bevor die 18-jährige nun weitersprechen konnte, unterbrach Karolin sie mit überzeugter und beinahe etwas verärgerter Stimme:„Ich habe ihnen erlaubt, alleine zu gehen. Es wird nichts passieren. Michal hat mir versprochen, dass er auf sie aufpassen wird und, dass er mit ihr nirgendwo hingehen wird, wo etwas passieren könnte. Außerdem würde Michal sie in keine Falle locken. Falls es dir nicht aufgefallen ist, schwärmt er doch total für unsere kleine Amba. Er wird nicht zulassen, dass ihr überhaupt etwas passiert." Langsam nickte die Japanerin nun und murmelte noch leise:„Tja, wenn das so ist..." Mit diesen Worten ging die hübsche, junge Frau dann.

    Während wir anderen wieder in die Schatzkammer gingen, holte ich zu Akiko auf. Sie schien besorgt und ich fragte sie flüsternd, wieso. Nur für mich hörbar erklärte sie:„Ich habe Angst um Amba... Was, wenn Michal sie wohl in eine Falle lockt? Karolin sagt, das würde er nicht tun. Aber was, wenn Karolin uns anlügt? Wir alle wissen, dass sie Amba nach wie vor nicht sehr gerne mag und Michal ihr bester Freund ist. Was, wenn Karo ihm gesagt hat, er solle sie auf einen Spaziergang einladen und so tun als wäre er in sie verliebt, aber bringt sie dann auf diesem vermeintlichen Spaziergang um und tut so als sei es ein Unfall gewesen? Was, wenn Karolin Amba loswerden will?" Geschockt, dass die Japanerin Karolin sowas zutraut, antwortete ich etwas verärgert:„Hey, sowas würde Karolin nie tun! Vielleicht mag sie Amba nicht sehr gerne, aber deswegen wird sie nicht zur Mörderin oder so! Sie ist uns treu und sie würde so viel für uns tun! Das weißt du! Akiko, es ist nur ein Spaziergang! Mach dich mal von deinen Sorgen frei! Michal würde ihr tatsächlich nichts tun, das weiß ich." Schwach nickte Akiko jetzt und meinte:„OK, du hast wahrscheinlich recht..."

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    Kapitel 116

    Es verging fast eine Stunde, seitdem Michal und Amba auf ihren Spaziergang gegangen waren. Wir hockten in der Zwischenzeit einfach in der Schatzkammer und beschäftigten uns irgendwie. Juan, Lívia, Federica und Tae spielten gemeinsam Limbo, was wohl scheinbar zu einen von Ricas Spezialitäten gehörte. Die vier schien es überhaupt nicht wirklich zu interessieren, dass der Pole und die Inderin unterwegs waren. Da war Akiko ganz anders. Sie hatte sich zu Preecha, Karolin und mich gesellt, wie wir uns eigentlich einfach gut gelaunt darüber unterhielten, dass die zwei ein süßes Paar abgeben würden. Doch die 18-jährige schien wirklich nervös. Sie meinte:„Sollten die zwei nicht schon lange wieder da sein?" Ruhig erwiderte darauf Karo:„Akiko, so ein Spaziergang dauert und es ist gerade mal ca. eine Stunde vergangen." Preecha fügte hinzu:„Mach dir mal keine Sorgen, dass sie abhanden kommen. Sowieso, warum sorgst du dich überhaupt darum? Die zwei können selbst auf sich aufpassen." Leise fauchte die Japanerin jetzt:„Immerhin sorge ich mich um meine Kameraden und achte darauf, wo sie abbleiben. Das sollte man eigentlich als Anführerin machen." Aus dem Augenwinkel sah ich jetzt, dass die Österreicherin auf Akikos Bemerkung hin mit den Augen rollte. Es war klar, dass die 18-jährige mit dieser nämlich wieder eine Kritik an unserer Anführerin loswerden wollte. Einerseits gab ich Akiko zwar in der Hinsicht recht, dass es die Pflicht der Führung war, auf alle achtzugeben, doch ich sah es dennoch so, dass Karo dies immer tat und in diesem Fall eine Ausnahme machen konnte, weil es eben eine Art Date war und man sowas nicht stören sollte. Genau das sagte ich der hübschen Frau auch, woraufhin sie nur leise seufzte:„Na, gut. Hast ja vielleicht recht. Wir warten einfach."

    So taten wir es auch noch etwa eine weitere halbe Stunde, bis Amba und Michal endlich in dem Eingang des Raums auftauchten. Die beiden waren noch nass von dem Schwimmen, bei dem Michal ihr wohl wieder geholfen hatte. Es war irgendwie ein ganz süßes Bild, wie die zwei in den Raum spaziert kamen. Amba hatte sich bei Michal eingehakt und lächelte mit leuchtenden Augen zu dem wohl 1 ½ Köpfe größeren Polen auf, während dieser sanft lächelte und gerade wohl etwas erzählte. Die zwei liefen sehr dicht aneinander und Amba zitterte leicht, da sie ja nass war. Deshalb hatte Michal nun auch einen Arm um sie gelegt, um sie dadurch ein wenig zu wärmen.
    Als die zwei ganz den Raum betreten hatten, schaute sich Michal direkt nach seiner besten Freundin, Karolin, um und rief sie:„Hey, Karo! Kannst du deines Amtes walten und uns kurz trocknen?" Sofort nickte die 15-jährige, welche jedoch eher aussah wie bereits 18 Jahre und ging auf die beiden zu. Schnell ließ sie dann einen etwas frischen Wind um die beiden fegen, sodass sich ihre Klamotten trockneten. Allerdings war es ein wirklich kalter Wind, sodass Amba abermals zitterte und Michal sie etwas fester in den Arm nahm. Dann schaute er sich zu Preecha um und murmelte ihr zu:„Ich werde mal kurz zu Preecha gehen und ihn dazu anstiften, ein Feuer zu machen. Daran wirst du dich dann aufwärmen können." Leicht lächelnd nickte Amba nun, während Michal dann zu Preecha stürmte.

    Die Gelegenheit nutzte ich, um mit Amba zu reden. Ich lief schnell neben sie und fragte lächelnd:„Na, wie war es?" Schnell und begeistert erzählte Amba etwas stockend durch ihren fehlenden Wortschatz:„Es war wirklich gut. Michal ist total nett und wir haben uns viel miteinander unterhalten. Weißt du, er ist gar nicht so wortkarg und gefühllos wie er manchmal scheint. Er ist eigentlich richtig süß..." Bei dem letzten Satz wurde die 17-jährige etwas rot und lächelte etwas beschämt. Darauf musste ich grinsen und meinte nur:„Das freut mich."
    In dem Moment kam Michal dann auch schon wieder, mit Preecha im Schlepptau, lächelte Amba kurz an und sprach:„Preecha meinte, er macht eben das Feuer. Wollen wir uns dann zusammen davorsetzen?" Sofort nickte die Inderin eifrig, hakte sich wieder bei dem 21-jährigem ein und die zwei hockten sich vor das Feuer, wärmten sich dort etwas auf.

    Ich beobachtete das mit einem Lächeln auf den Lippen und bemerkte jetzt, dass auch Karolin die zwei lächelnd anschaute. Doch es war irgendwie ein seltsames Lächeln. Es schien stolz und gleichzeitig etwas bedauernd. Es sah aus als würde sie sich freuen und gleichzeitig wäre sie traurig. Ich konnte es nicht so ganz identifizieren, weshalb ich mich dazu entschloss, zu ihr zu gehen und mit ihr zu reden.
    Als ich bei ihr ankam, schien sie meine Ankunft erst gar nicht zu bemerken. Erst, als ich sie ansprach, schaute sie mich an und begrüßte mich:„Oh, hey, (d/n)." Darauf lächelte ich und meinte:„Amba und Michal sehen echt knuffig zusammen aus." Zustimmend nickte die Anführerin einfach in diesem seltsamen Lächeln und meinte:„Sie erinnern mich ein bisschen an Tae und dich. Ihr wart am Anfang auch so ähnlich. Naja, ihr habt euch mit dem selben Blick angeschaut." Ich senkte nun leicht den Blick. Jetzt weiß ich, glaube ich, auch, weshalb Karo dabei so bedauernd aussieht - Sie erinnert sich an Tae und mich... Leise erwiderte ich nun:„Naja, Zeiten ändern sich. Gefühle ebenso und manchmal folgt auch die Erkenntnis, das da gar keine Gefühle waren." Darauf schaute mich Karo ruhig von der Seite an und sprach mit einem Wissen in der Stimme:„(d/n), an deinen Augen sehe ich, dass das nicht stimmt. Da waren Gefühle und das sind sie auch noch. Ich weiß nicht, was letztendlich der Grund ist, aber diese scheinbar „nicht existenten Gefühle" sind es auf jeden Fall nicht." Etwas ertappt schaute ich bedrückt zur Seite und plötzlich sprach Karolin sanft:„Du erinnerst dich daran, dass ich nicht an wahre Liebe glaubte, richtig? Nun... meine Meinung hat sich etwas geändert - Ich glaube, dass ich wahrer Liebe noch nicht begegnet bin. Zumindest nicht für mich und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass ich dieser noch begegnen werde. Damit meine ich nicht einmal einen Beziehungspartner, sondern einfach irgendjemanden, der mich so sehr liebt, wie ich die Person auch. Egal...
    Aber meine Meinung, dass es GAR KEINE wahre Liebe gibt, hat sich geändert. Weißt du, wieso?" Leicht schüttelte ich nur den Kopf:„Wieso?" Nun lächelte Karo und erklärte:„Wegen dir. Wegen dir und Tae. Ihr beide liebt euch und ihr liebt euch gegenseitig mehr als jeden anderen. Das ist, was ich unter wahrer Liebe verstehe - Das Lieben einer Person mehr als jeden anderen und, dass der andere genauso fühlt und sich das auch nicht ändern wird. Dieses Unersetzbare. Das ist für mich wahre Liebe und ich sehe, dass es bei euch genauso ist. (d/n), das ist wahre Liebe zwischen euch beiden und ich habe selten gesehen, dass diese überhaupt existiert. Das ist etwas ganz Besonderes. Bitte bewahre das! Sonst wirst du es irgendwann als Fehler erkennen." Irgendwie zu Tränen gerührt schaute ich Karolin an und erwiderte leise:„Danke, Karo. Ich denke, du hast tatsächlich recht." Grinsend sprach die 15-jährige mir nun dazwischen:„Ja, ich weiß. Ich habe immer recht." Leicht schmunzelte ich nur, bevor mich die Trauer wieder überkam und ich murmelte:„Für mich ist wahre Liebe, wenn man bereit ist, Opfer zu bringen für diese Person. Ich muss das tun. Ich möchte für Tae nur das beste... Deshalb kann ich nicht mit ihm zusammen sein. Er würde mit mir wahrscheinlich eh nicht glücklich werden." Leise seufzte Karo jetzt:„Nun... Ich denke, du wirst mir nicht sagen, was genau du damit meinst. Du musst es mir auch nicht sagen. Genauso ist es deine Entscheidung, was du tust... und dennoch möchte ich dir sagen, dass er mit dir glücklich werden würde. Ich weiß nicht, ob es das ist, aber du bist gut genug für ihn und ebenso wird er dir jeden Fehler verzeihen und mit dir eine Lösung finden. Glaube nicht, dass Tae nicht alles für dich tun würde." Mit diesen Worten wandte sich Karo dann ab und ging zu ihrem Bett. Dort setzte sie sich dann hin und schaute einfach nachdenklich zu Michal und Amba.
    Ich dachte in der Zeit über das nach, was die Österreicherin gesagt hatte. Sie sagt, Tae würde alles für mich tun. Vielleicht stimmt das. Alles, was Karolin gerade gesagt hat, stimmt... Ich denke, Karo ist wirklich überzeugt von dem, was sie sagte. Sie ist der Meinung, ich müsste mit Tae wohl einfach darüber sprechen. Karolin ist, ehrlich gesagt, recht weise für ihr Alter. Sie wirkt ganz und gar nicht wie eine 15-jährige. Weder äußerlich, noch innerlich. Vielleicht liegt es fast schon an ihrer pessimistischen Ader. Sie sieht die Dinge schlecht, kann aber nicht leugnen, dass das Leben auch mal schön ist und so wird sie oft zur Realistin. Sie hört gut zu und denkt viel nach. Ich denke, sie ist manchmal auch einfach im Bezug auf sich selbst pessimistisch, aber für die anderen ist sie optimistisch. Ich weiß nicht, womit das zusammenhängt oder, ob das überhaupt wirklich stimmt, aber, was ich sagen kann, ist, dass ich Karolin vertraue und weiß, dass sie die Beziehungen zwischen Menschen oft richtig einschätzt und ich ihrem Vorschlag möglicherweise eine Chance geben sollte...

    Der Abend verging relativ unspektakulär. Amba und Michal wärmten sich einfach noch ein wenig am Feuer auf, während die anderen sich einfach alle miteinander unterhielten. Wir hatten uns zusammengesetzt und einfach miteinander geredet. Leute wie Federica übernahmen dabei die Führung und andere, wie Karolin, saßen einfach nur dort und hörten zu. Auch ich beteiligte mich nicht wirklich am Gespräch. Ich lachte manchmal über Federicas Erzählungen, aber selbst etwas sagen tat ich nicht wirklich. Eigentlich hätte ich sogar liebend gerne einfach mal ein wenig geplaudert, mich von allem freigemacht, aber ich konnte die ganze Zeit nur auf Tae starren. Er hockte schweigend neben der ebenso schweigsamen Karolin, beide im Schneidersitz, sodass sie fast wie Zwillinge aussahen, auch, wenn sie ansonsten gar keine Ähnlichkeit hatten. Sie wirkten einfach beide so schweigsam und verträumt. Sie schienen beide gerade nicht wirklich in der Realität zu sein und ehrlich gesagt, auch ich war es nicht. Ich musste nach wie vor über das nachdenken, was Karolin sagte und je länger ich das tat, kam ich meinem Entschluss näher. Ich liebe Tae und er mich. Karo hat recht - das zwischen uns ist tatsächlich wahre Liebe und das kommt nicht so oft vor. Ich darf das nicht einfach kaputtgehen lassen. Ich meine, vielleicht zerstöre ich sie auch, wenn ich es ihm erzähle, aber auch dann, ist es besser als diese unbegründete Trennung. Tae verdient es, den Grund zu wissen und vielleicht hat Karo ja auch damit recht, dass wir eine Lösung finden werden. Ja, ich werde es ihm sagen, ich werde endlich erklären, was los ist. Ich gebe zu, ich habe Angst davor, aber ich denke, diese Angst muss einfach überwunden werden. Ich kann sowieso nicht ewig davor weglaufen. Ich kann mich dem besser jetzt stellen und vielleicht dadurch verstoßen werden, als dass ich mein Geheimnis bewahre, getötet werde durch meine Inkompetenz und dann dieses Geheimnis mit ins Grab nehmen muss. Nein, dass will ich auf jeden Fall nicht, also werde ich einfach mit der Sprache rausrücken. Jedoch noch nicht jetzt... Ich werde es dann erzählen, wenn es sich richtig anfühlt...

    28
    Kapitel 117

    Das leise Knistern des Feuers untermalte die Stille der Nacht und erwärmte die alte Schatzkammer, welche ansonsten dunkel, feucht und kalt war. An den goldenen Schätzen spiegelten sich die tanzenden Flammen und gaben dem Raum eine ganz besondere Atmosphäre. Ich lag in meinem Bett aus Palmwedeln, wie fast alle anderen auch. Nur Michal und Amba saßen nämlich immer noch gemeinsam vor dem Feuer, welches Preecha extra für die beiden geschaffen hatte.
    Es waren auch schon alle abgesehen von den zwei Turteltauben, Karolin und mir am Schlafen. Karo und ich jedoch warteten noch auf unsere Freunde. Schließlich war der Pole der beste Freund der Anführerin und Amba meine beste Freundin im Moment.

    Ich vernahm Ambas leise Stimme mit dem brüchigem Englisch:„Danke, Michal, für diesen Abend mit dir. Es hat mir wirklich gut gefallen." Darauf ertönte dann auch schon die tiefe Stimme des Polen:„Das freut mich. Danke auch überhaupt, dass du „ja" gesagt hast. Mir hat es nämlich auch sehr gut mit dir gefallen." Kurz stockte der 21-jährige nun und fügte dann hinzu:„Du bist sehr nett, Amba. Ich mag dich wirklich gerne." Die Inderin erwiderte nun leise, aber mit einer gewissen Verlegenheit und Dankbarkeit in der Stimme:„Ich mag auch dich gerne. Vielleicht... vielleicht können wir das ja mal wiederholen." Sofort stimmte Michal zu:„Ja, liebend gerne."
    Dann wünschten sich die zwei noch schnell eine gute Nacht und eilten zu ihren Betten. Ambas Bett war hierbei natürlich direkt neben meinem und sie merkte auch sofort, dass ich noch wach war. Überrascht fragte sie flüsternd:„Noch wach?" Schwach nickend erklärte ich:„Ich wollte noch auf dich warten." Lächelnd bedankte sich die 17-jährige dann und legte sich direkt hin. Sie starrte lächelnd an die Decke, scheinbar in Gedanken, was mich auch direkt dazu brachte, leicht zu lächeln und ich fragte leise:„War es denn schön mit Michal?" Eifrig nickte meine Freundin jetzt und fing direkt an, zu erzählen. Dabei brauchte sie zwar oft etwas, da ihr der Wortschatz fehlte, doch sie schien wirklich glücklich. Sie sprach mit funkelnden Augen:„Michal ist irgendwie ganz anders als ich. Ich hätte am Anfang nie gedacht, dass ich mich so gut mit ihm verstehen würde. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich zuerst sogar fast schon etwas vor ihm gefürchtet. Er schien immer so kalt und finster. Ich dachte immer, er wäre total herzlos und wir alle würden ihn überhaupt nicht interessieren. Aber scheinbar ist er gar nicht so. Er spricht zwar nicht wirklich viel, aber er wirkt trotzdem nett. Irgendwie ist er eher der Zuhörer und Beobachter." Daraufhin sprach ich nun meine Gedanken aus:„Naja, ihr seid total unterschiedlich und doch irgendwie gleich. Ihr redet beide nicht so furchtbar viel, doch dir fehlt oft einfach das Vokabular und auch der Mut. Du bist schüchtern. Als das würde ich Michal nicht bezeichnen. Er ist einfach nur wortkarg, weil er keine Lust hat, zu reden und soziale Kontakte aufzubauen. Oft scheint es mir so als würde er andere Menschen meiden. Er kümmert sich nicht wirklich aktiv darum, sich Freunde zu machen. Er ist eher der Einzelgänger. Du bist einfach nur schüchtern und vielleicht etwas ängstlich. Ich persönlich glaube, dass er deine Art einfach mag und vielleicht auch etwas unterstützen möchte. Aber ich habe auch keine Ahnung."
    Leicht nickte die Inderin nur gähnend und ich fragte etwas schmunzelnd:„Müde?" Wieder nickte die bereits verheiratete Frau und ich murmelte:„Wir sollten jetzt auch wohl schlafen gehen..."

    Der Schlaf überkam mich, nachdem auch Amba eingeschlafen war. Vorerst träumte ich nicht, doch langsam überkamen mich Bilder im Schlaf. Es schienen Erinnerungen vom Tag zu sein, einzelne Szenen, die ich noch an dem Tag erlebt hatte. Sie kamen wie schnelle Bilder auf einem Film über mich und ich konnte mich nur wenige Momente an ihnen festkrallen. Doch plötzlich blieb ein bestimmtes Bild stehen - Ich erinnerte mich an Preechas Erzählungen über Hisoka. Denn, was ich sah, war ein braunes Lederbuch, überzogen von kunstvollen Ranken aus Gold. Es waren 10 verschiedene Ranken, welche alle unterschiedlich waren. Sie stellten jeweils eine der Kraft dar. Doch diese Ranken führten in der Mitte zusammen und bildeten ein seltsames Konstrukt. Es erinnerte einen an einen toten Körper, abgemagert und zusammengekauert. Doch irgendetwas ließ diesen Körper lebendig erscheinen. Und je länger ich auf die Leiche aus Gold starrte, gebildet aus den Ranken, umso lebendiger erschien sie mir. Es war als würde sie sich auf einmal bewegen, als würden die Ranken sie dazu bringen, sich zu erheben und wieder Blut durch ihre Adern zu pumpen.
    Ich wusste, dass ich träumte und doch schien es so unfassbar real. Es war eine Erinnerung, ummodeliert von meinen Träumen. Das Buch, welches eine Art Tagebuch für Hisoka darstellte, schien auf einmal in meinen Träumen lebendig zu werden und plötzlich schreckte ich auf.

    Ich war wieder hellwach, während alle anderen noch schliefen. Es war dunkel und ich gerade aus meinen Träumen gerissen. Nicht, weil jemand laut war oder sonst etwas, sondern, weil ich auf einmal durch meinen Traum den Sinn erkannte. Auf einmal verstand ich, warum Hisoka all das tat und, was er mit „Chance" meinte - die Kräfte konnten gemeinsam die Toten zurückholen!
    Das war es zumindest, was der Bund des Buches erzählte. Die Ranken vereinten sich und bildeten diesen toten Körper, welcher durch ihre Kraft langsam wieder lebendig wurde. Wer also alle tötete, hatte die Kraft aller in sich und konnte, wie auch immer das gehen sollte, Tote wieder ins Leben bringen.
    Plötzlich machte es für mich einen Sinn, warum Hisoka all das überhaupt tat. Er möchte irgendjemanden wieder zum Leben erwecken. Möglicherweise eine geliebte Person... Oder vielleicht möchte er sich selbst damit ewiges Leben schenken? Naja, wie es auch sein mag, ich muss unbedingt den anderen davon erzählen! Es mag vielleicht nicht wichtig sein, für die Frage, wie wir hier lebend herauskommen, aber naja... Doch ich denke, damit werde ich bis morgen früh warten müssen...

    Gerade wollte ich mich einfach wieder hinlegen, da hörte ich jedoch eine leise Stimme hinter mir. Augenblicklich fuhr ich herum und blickte in Michals dunkle Augen, welche durch den Fakt, dass sie durch die ständigen Augenringe weiter im Kopf lagen, noch finsterer aussahen. Sein dunkles, mittelkurzes Haar, welches er normalerweise in einem Mittelscheitel hatte und dann leicht nach hinten und zur Seite gekämmt hatte, fiel verwuschelt auf seine Stirn und liess ihn so wirken als hätte er sich gerade nach der fertigen Dusche einmal durch die Haare gewuschelt. Seine eher blasse Haut zeichnete sich klar von der Dunkelheit im Raum ab und ich konnte ihn gut erkennen. Er stand nur etwa einen Meter hinter mir und fragte nun ruhig:„Weshalb bist du wach?" Etwas vorsichtig erwiderte ich beinahe gereizt:„Das könnte ich dich auch fragen!" Doch der Pole ließ sich von meinem schnippischen Verhalten nicht beeindrucken und meinte:„Meine Kraft ist die des Schattens und der Dunkelheit. Sehe ich so aus als würde ich dann tagaktiv sein? Ich dachte, die Diskussion hatten wir schonmal." Als wäre mir ein Licht aufgegangen murmelte ich jetzt etwas entspannter:„Achja, stimmt. Da war ja was." Der 21-jährige wiederholte nun seine eigentliche Frage und ich antwortete endlich:„Ich hatte einen Traum und bin aufgewacht." Verwirrt hob Michal eine Augenbraue:„Wachst du jedes mal auf, wenn du etwas träumst? Karolin träumt jede Nacht, meinte sie, allerdings nur Müll." Ich erklärte jetzt wieder etwas genervt:„Nein, ich wache nicht bei jedem Traum auf. Es war nur ein seltsamer Traum, deswegen. Ich werde euch da morgen früh sowieso von erzählen." Nachdenklich und nicht weiter interessiert nickte der Pole jetzt nur und sein Blick fiel auf die schlafende Amba. Ich bemerkte das natürlich und plötzlich packte mich die Neugierde, woraufhin ich einfach fragte:„Was ist jetzt eigentlich zwischen dir und Amba? Seid ihr ein Paar oder so?" Schnell murrte Michal jetzt:„Um Gottes Willen, nein. Wir haben gestern nur miteinander gesprochen. Heißt doch nicht, dass ich gleich verliebt bin oder so." Beinahe etwas enttäuscht hakte ich nach:„Und was ist da dann jetzt zwischen euch?" Knapp erwiderte der Pole nur:„Nicht viel. Freundschaft eben." Diese Antwort genügte mir natürlich nicht und ich fragte weiter, während wir uns etwas zum Rand begaben, um niemanden zu wecken:„Was ist mit Amba? Hat sie irgendetwas bezüglich ihrer Gefühle oder so gesagt?" Kalt schaute mich der 21-jährige an und meinte:„Du fragst ja ganz schön viel, dafür, dass es dich nichts angeht... Naja, aber um deine Frage zu beantworten... Nein, sie hat dem bezüglich nichts gesagt. Doch sie sprach von ihrem Ehemann, von dem ich vorher ehrlich gesagt gar nichts wusste. Sie sprach davon, dass es eine Zwangsheirat war und sie ihn gar nicht liebte, aber naja. Aber, da siehst du, da würde eh nichts bei rauskommen, weil ihr Mann sie dann umbringen würde." Beinahe etwas herausfordernd murmelte ich:„Und was, wenn er davon doch gar nichts mitbekommen würde? Ich meine, wie will er denn überhaupt etwas mitbekommen? Er ist in Indien, sie irgendwo im Nirgendwo." Kurz schien Michal jetzt zu überlegen, schüttelte dann aber strikt den Kopf und brummte:„Da wird nichts draus, (d/n). Wir sind Freunde, nicht mehr! Sie will auch gar nichts von mir. Sie hat richtig Angst vor Berührungen, wenn man sie nicht vorwarnt. Es ist in Indien einfach etwas Anderes. Andere Bräuche, andere Traditionen, anderes Verhalten. Ich passe da eh nicht rein." Mit diesen Worten wandte sich der Pole dann auch ab und murrte leise:„Du solltest jetzt eh wieder ins Bett gehen! Ansonsten kommst du morgen früh nicht raus!"

    Ich war also wieder schlafen gegangen, nachdem Michal mir genau dies sagte, jedoch wahrscheinlich nur, um dem Thema auszuweichen.
    Auf jeden Fall brach so langsam der Morgen an, was wir da unten in der Schatzkammer jedoch gar nicht so wirklich mitbekamen. Allerdings war Preecha schon früh aufgestanden und hatte etwas zu Essen mitgebracht. Dabei hatte er scheinbar Karolin und Federica mitgenommen, denn die zwei waren auch wach und unterhielten sich bereits mit dem Thai.
    Alle anderen schliefen noch. Ich selbst wurde davon geweckt, dass Karolin nah an mir vorbeilief, um eben etwas zu holen.
    Als ich aufgewacht war, setzte ich mich müde auf und musste erst etwas überlegen, was die Situation war. Ich hatte zuvor geträumt, zuhause zu sein, bei meinen Eltern und meinem Bruder. Deswegen war ich sichtlich verwirrt, als ich mich mit all diesen Leuten in dieser dunklen Kammer voller Schätze wiederfand. Preecha sah mich direkt, grinste etwas bei meinem Anblick, woraufhin auch Karo und Federica zu mir schauten. Die Anführerin spottete:„Was ist denn mit dir passiert? Vergessen, dass du lebst?“ Leise murrte ich ironisch„Ja, genau.“ Die Italienerin kicherte leise und winkte mich dann zu sich und den anderen. Somit stand ich etwas demotiviert auf, aber erinnerte mich plötzlich während des Wegs zu den dreien an meinen ersten Traum dieser Nacht, welcher mich aus dem Schlaf gerissen hatte.
    Federica bemerkte meinen auf einmal aufgeregten Gesichtsausdruck und hinterfragte diesen. Schnell erzählte ich nur knapp:„Ich habe mich gerade an einen Traum erinnert, den ich diese Nacht hatte. Ich muss euch nachher davon erzählen, aber das sollte ich machen, wenn alle wach sind.“ Die 15-jährige stand nun auf, synchron mit Preecha, und meinte:„Jetzt machst du mich neugierig. Da eh schon Morgen ist, können wir die anderen auch einfach jetzt schon wecken. Dann kannst du uns schnell davon erzählen. Es scheint ja wichtig zu sein.“ Knapp nickte ich nur, während sich Karolin, Preecha und Rica sofort aufmachten, um den Rest zu wecken und murmelte:„Ja, das ist es, glaube ich...“

    29
    Kapitel 118

    Alle waren geweckt und wir bereits um den Tisch versammelt. Einige von uns wie Michal und auch Tae schienen total verschlafen und konnten wohl kaum ihre Augen offenhalten, während andere es gar nicht abwarten konnten, zu hören, was ich sagen wollte.
    Karolin leitete die Runde wieder ein und gab das Wort direkt an mich weiter:„(d/n) sagte, sie müsse noch mit uns über etwas Wichtiges sprechen. Also, hau raus." Mit diesen Worten hellte sich plötzlich Taes Mine etwas auf als würde er erwarten, dass ich etwas Weltbewegendes sagen würde. Ich beachtete dies jedoch nicht weiter und fing sofort an, zu erzählen:„Nun... ich hatte diese Nacht einen Traum. Es ging um Hisoka und dieses Buch, in das er laut Preechas Erzählungen geschrieben hat. Preecha hatte ja von dem Aussehen des Buchumschlags erzählt und mir ist im Traum etwas klargeworden. Ich glaube, dieser Umschlag erzählt das Geheimnis der Kräfte. Sie alle verbinden sich am Ende und bilden zusammen diesen Körper, welcher wohl eigentlich tot war, aber dennoch lebendig schien. Was, wenn dieser Buchumschlag sozusagen einen Akt der Wiederbelebung darstellt? Möglicherweise möchte Hisoka all diese Kräfte in einer Person vereinen, um jemandem wieder zum Leben zu erwecken oder sich selbst ewiges Leben zu schenken?"
    Ich merkte, wie mich alle etwas erstaunt und überrascht anschauten. Viele schienen zu überlegen und Lívia fragte plötzlich:„Die Frage, die ich mir gerade stelle, ist, wie viele Leute durch die vereinten Kräfte wieder das Leben erlangen können und, wie das funktionieren soll." Preecha meldete sich nun zu Wort:„Davon weiß ich nichts. Dazu stand leider nichts in dem Buch. Weißt du da etwas, (d/n)?" Sofort schüttelte ich den Kopf:„Nein, woher sollte ich denn auch etwas wissen?" Nachdenklich überlegten nun nur alle und plötzlich hob Juan seine Stimme:„Wenn die Kräfte vereint Tote zum Leben zurückbringen können, könnten wir uns dann später nicht alle wieder zum Leben erwecken? Wir könnten Malou zurückholen und alle anderen, die zu Unrecht gestorben sind."
    Als Karolin den Namen der toten Afrikanerin hörte, horchte sie kurz auf. Federica stellte nun eine Idee auf:„Wir könnten uns auch sozusagen einfach alle opfern und die Person, die übrig bleibt, erweckt uns alle wieder zum Leben. Wir müssten gar nicht so viel Angst haben! Wir müssen es nur hinbekommen, dass jemand überlebt, der uns auch sicher zurückbringt. Wir alle wären wieder zusammen. Sogar Malou!"
    Die Anführerin schien einen Moment wie versucht, sprach dann jedoch fest entschlossen und streng:„Wir wissen nicht, wie viele damit tatsächlich zurückgeholt werden können. Wir können uns nicht einfach alle opfern, für die Frage, ob einer überleben wird, der uns zurückholt plus die Frage, ob wir überhaupt alle zurück KÖNNEN! Nein, das ist keine Option. Außerdem hätte Hisoka uns das doch bestimmt auch gesagt. Er hätte uns ganz einfach sagen können, dass er uns alle zurückholt, wenn tatsächlich unendlich viele Leute damit zurückkönnen."
    Akiko, welche bisher nur still gewesen war, öffnete jetzt ihren Mund:„Aber jetzt überleg doch mal. Es werden 19 Leben dafür geopfert, dass Tote wiederbelebt werden können. Müsste es dann nicht auch so sein, dass auch wieder 19 Leben erweckt werden können? Alles andere wäre doch nicht gerecht! Wir müssen am Ende ja auch nicht alle zurückholen. Callum und seine Truppe gehören doch eh nicht auf die Welt, so wie die sich benehmen! Somit kann Hisoka seine Leute dann auch zurückholen!" Karolin jedoch widersprach mit wütendem Blick:„Die Welt ist nicht gerecht, Akiko! Warum sollte sie es in diesem Fall sein? Sowieso, es ist eine übernatürliche Gabe, dann muss sie auch ein paar mehr Opfer bringen als nur 19. 19 für eine Person, das kann ich mir vorstellen! Aber nicht, dass 19 Leute sterben, die dann sofort alle zurück ins Leben können! Demnach werden wir das Ganze sicherlich nicht riskieren!" Verärgert konterte die 18-jährige jetzt:„Ist es nicht übernatürlich genug, dass solche Leute wie wir sterben müssen? Wir beherrschen die Naturgewalten! Ist das denn nicht Lohn genug, um die Toten zurück ins Leben zu holen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch unsere 19 besonderen Leben nur ein Leben gerettet werden kann!" Nun noch wütender und wirklich laut, weil Akiko sich ihr so strikt widersetzte, stand die 15-jährige auf, schlug auf den Tisch und meinte:„Und ich kann mir nicht vorstellen, dass du dein Leben geben musst, es dann aber zurückbekommst! Nichts, was du in dieser Welt gibst, bekommst du tatsächlich genauso wieder! Es wird immer entweder verändert oder einfach anders sein oder aber du bekommst es gar nicht zurück! Was glaubst du, was ich alles gegeben habe und wirklich NICHTS dafür wiederbekommen habe! Und damit meine ich keinen Lolli oder so, den ich mal wem geschenkt habe! Dabei geht es um weltliche Sachen und das ist das Leben auch! Du wirst nichts für das Opfer deines Lebens zurückbekommen!" Überrascht, dass die Österreicherin plötzlich so wütend geworden war, schauten wir sie alle an, während sie sich langsam wieder setzte und sich auch der starke Wind, den sie während ihrer Wut scheinbar unkontrolliert erzeugt hatte, wieder legte. Ich war, ebenso wie die anderen, sichtlich verwirrt.
    Was ist denn mit Karolin los? Sie zeigt sich nie so wütend oder überhaupt emotional. Meistens wirkt sie einfach müde und zu ruhig, um einen Aufstand zu machen. Irgendeine Erinnerung oder so muss in ihr ausgelöst worden sein... Irgendeine Art Schwachpunkt oder einfach ein schlechter Gedanke. Keine Ahnung... Was ich auf jeden Fall weiß, ist, dass ich Karo so noch nicht erlebt habe und es mich irgendwie fast schon beängstigt... Doch auch sie scheint in irgendeiner Art das selbe Problem zu haben wie ich - wenn sie ihre Emotionen nicht unter Kontrolle hat, hat sie auch ihre Kräfte nicht unter Kontrolle. Möglicherweise ist sie im Grunde genommen also genauso gefährlich wie ich...

    Einigermaßen ruhig saßen wir nun alle wieder da. Amba schaute jedoch noch ängstlich zu Karolin und rückte etwas näher zu Michal, welcher ebenfalls etwas angespannt schien. Es schien fast so als würde der Pole befürchten, dass Karolin uns alle jeden Moment angreift. Zumindest war es das, was seine Korperspannung verriet - Seine Muskeln waren angespannt, bereit sich und andere zu verteidigen, während sein Blick ruhig, aber etwas besorgt auf Karolin ruhte. Ich hingegen versuchte, einfach ganz entspannt und normal zu sein und hob nun auch langsam die Stimme:„Wir brauchen jetzt einen Plan. Das war sowieso ein Plan, aber jetzt brauchen wir den nächsten. Wir können uns auch nicht ewig verstecken. Irgendwann würden wir gefunden werden und dann haben wir nicht mal ne Fluchtmöglichkeit. Was machen wir also jetzt?"
    Karolin, welche mittlerweile einfach nur noch mit ihrem gewohnt brummigem Gesichtsausdruck dasaß, sprach wieder vollkommen ruhig:„Bisher stehen verschiedene Pläne zur Debatte.
    1. Wir verstecken uns weiterhin.
    2. Wir versuchen, eine Schwachstelle der Arena zu finden.
    3. Wir opfern uns alle mit der Ungewissheit, ob wir überleben, oder
    4. Wir bereiten uns auf einen Kampf gegen Callum und seine Truppe vor.
    Was sagt ihr?"
    Vorerst herrschte großes Schweigen und beinahe die Angst, etwas Falsches zu sagen, bis Federica meinte:„Nun... Wahrscheinlich ist die vierte Möglichkeit die sinnvollste..." Akiko redete nun dazwischen:„Das ist die Möglichkeit, die Karo bervorzugt! Sie möchte, dass wir uns für einen Kampf entscheiden, bei dem möglicher- und sogar wahrscheinlicherweise ein Teil von uns draufgehen wird! Und zwar wahrscheinlich der schwächste! Wo ist da die Gleichberechtigung? Unsere ach so tolle Anführerin meinte immer, sie setze auf Gerechtigkeit und wäre dafür, dass wir ALLE lebend hier rauskommen! Jetzt meint sie auf einmal, dass ein Teil sich opfern müsse, damit die Stärksten herauskommen! Das widerspricht gegen all das, womit sie als Anführerin geworben hat! Sie will doch nur sich selbst retten!" Nun schaute die Japanerin Karolin direkt in die Augen und meinte, während sich Ansätze von Tränen in den Augen der Sprechenden bildeten:„Ich habe dir immer vertraut und ich wollte dir nie irgendetwas vorwerfen. Doch du hast einfach diese Art an dir, immer recht haben zu wollen und dich durchsetzen zu wollen. Es muss alles nach deiner Pfeife tanzen. Weißt du, ich möchte das aber nicht! Ich möchte nicht, dass wir sterben, damit ein paar andere überleben. Entweder alle oder keiner! Das hast du immer gesagt. Warum bleibst du nicht dabei? Ich weiß nicht, was falsch damit ist?"
    Zu der Überraschung von allen blieben die Augen der 15-jährigen trocken. Sie antwortete einfach kalt und mit finsterem Blick:„Ich glaube, du verstehst nicht ganz, was ich meine. Wenn ich „Kampf" sage, meine ich kein wildes Gemetzel, sondern einen strategischen Plan, um sie zu überwältigen. Wenn du mich deswegen gleich als Verräterin sehen willst, dann tue das. Wisst ihr, mir soll auch egal sein, was ihr von mir haltet oder wofür ihr euch entscheidet. Es ist euch überlassen. Alles, was ich hier tue, ist versuchen, euren und meinen Hintern zu retten. Wenn ihr nicht dankbar sein wollt, ist das OK. Aber siehst du, ich habe mal wieder recht. Auf dieser Welt bekommst du nichts für das wieder, was du gibst. NICHTS! Nicht mal ein Danke." Mit diesen Worten wandte sich die junge Frau nun ab und sprach ruhig:„Erzählt mir, wofür ihr euch entschieden habt! Ich werde mich ne Runde auf's Ohr hauen."
    So verließ die Österreicherin die Runde und verschwand in die Ecke des großen Saales, weit weg von uns, sodass wir sie auch nicht mehr sehen konnten und legte sich hin.

    Ich drehte mich nun wieder zu dem Rest. Ich sah, dass alle etwas geschockt schauten. Sie waren verwirrt darüber, dass Karo sich so desinteressiert zeigte und einfach gegangen war. Normalerweise war sie immer die erste bei einer Diskussion und ließ sich auch nicht entgehen, ihre Meinung kundzutun. Doch diesmal war es anders. Sie hatte sich einfach der Diskussion entzogen und uns alles überlassen. Es schien ihr egal zu sein. Und genau das war es, was uns Sorgen bereitete. Uns war klar, dass wir Karolins Gefühle verletzt hatten. Zwar hatte sie kaum eine Emotion gezeigt, als sie davongegangen war, doch zumindest ich wusste auch, dass es der 15-jährigen unheimlich schwerfiel, ihre Emotionen zu zeigen und über das zu reden, was ihre Emotionen anfeuerte. Man konnte fast schon denken, dass sie einfach gefühlskalt war, doch ich wusste, dass sie das nicht war. Nein, das war sie ganz und gar nicht. Ich glaubte, sie habe einfach Angst, Schwäche zu zeigen.

    Obwohl mich Schuldgefühle Karo gegenüber plagten, war ich noch auf Akikos Seite, wenn ich ehrlich war. Die Japanerin vertrat ihre und unsere Meinung. Wir konnten nicht zulassen, dass ein Teil von uns stirbt. Entweder stirbt keiner von uns oder alle. So ein Zwischending gab es nicht. Karolin behinderte dieses Motto, indem sie unsere Leben auf's Spiel setzen wollte. Sicher, auch sie versuchte nur, das Beste für uns zu entscheiden und möglicherweise konnte sie sich einfach nicht dazu durchringen, uns alle sterben zu lassen... Doch auch Akiko wollte das Beste für uns entscheiden und ich wollte bei meiner Einstellung bleiben. Entweder alle oder keiner!

    Zwar diskutierten wir noch etwas, doch zu einem Entschluss kamen wir nicht wirklich. Juan setzte sich etwas mehr für Karolin ein:„Uns bleibt doch fast keine andere Möglichkeit! Wir können auch nicht noch länger warten! Wir müssen endlich handeln!" Federica schlug vor:„Warum hören wir uns nicht einfach noch einmal Karos Plan genauer an? Sie sagt, sie möchte strategisch vorangehen. Sie hat einen Plan. Wir können uns den doch erstmal genau erläutern lassen und hier alles planen. Sollten wir stark genug sein, können wir angreifen und wenn nicht, dann halt nicht!" Erst schien es so als wolle Akiko wieder protestieren, ließ es dann aber doch und seufzte:„Na gut. Das ist besser als nichts. Wer weckt das Dornröschen?" Sofort meldete ich mich:„Ich wecke Karo schnell!" Augenblicklich rannte ich dann auch schon los, raus aus dem Trubel und auf Karolins Schlafplatz zu, welcher gerade hinter einer Säule lag.
    Ich bog gerade um die Ecke, als ich wie erstarrt stehenblieb. Laut und beinahe etwas ängstlich rief ich nach hinten:„Leute, Karolin ist nicht hier!"

    30
    Kapitel 119

    Sofort kamen alle angerannt und ich vernahm Akikos besorgte, aber gleichzeitig verwirrte Stimme:„Wie? Sie ist weg?" Schnell deutete ich nur auf den leeren Schlafplatz und erwiderte noch:„Ja, in ihrem Bett ist sie nicht und da wollte sie ja schließlich sein." Als die anderen neben mir zum Stehen kamen, sah ich sofort eine gewisse Panik in einigen Augen. Federica sorgte sich:„Was, wenn sie weggegangen ist, weil sie sich von uns schlecht behandelt oder so fühlt und nun in Callums Arme läuft?" Amba meinte:„Vielleicht will sie auch ihren Plan irgendwie alleine ausführen oder wollte sich einfach von uns abspalten." Akiko murmelte nun nachdenklich vor sich hin:„Solange sie nicht abgehauen ist, um uns zu verraten, weil sie sich von uns verraten fühlt..." Als ich das hörte, machte sich fast schon eine gewisse Angst in mir breit und ich meinte:„Karo ist gerade für ihre Verhältnisse total ausgerastet. Möglicherweise hat sie uns wirklich verlassen. Aber was sollen wir dann machen? Ohne sie kommen wir eh nicht weit und was, wenn sie dann wirklich von Callum getötet wird oder oder..." Ich fing an, zu haspeln woraufhin mich Lívia etwas beruhigte:„(d/n), es geht Karo sicher gut. Mach dir keine Sorgen. Wir werden sie finden." Leise murrte jetzt Akiko vor sich hin:„Die Frage ist, ob wir das überhaupt wollen..." Verwirrt fragte ich:„Was meinst du damit?" Ruhig, aber mit einer gewissen Nervosität in der Stimme erklärte die Japanerin:„Du hast damit recht, dass sie ziemlich ausgerastet ist. Wir alle wissen auch, dass unsere werte Anführerin momentan ne ziemliche Hass-Krawatte auf mich hat. Wer versichert uns, dass sie in ihrer Wut jetzt nicht irgendwas Dummes anstellt?" Juan sprach jetzt meine Worte aus:„Und wer versichert uns, dass sie jetzt nicht vielleicht in Gefahr ist? Niemand, ganz genau! Sie ist ein Teil unserer Gruppe und vielleicht auch etwas wütend, aber dennoch gehört sie zu uns. Selbst, wenn wir nicht immer ihrer Meinung sind und sie vielleicht auch manchmal ein bisschen besitzergreifend wird!" Augenrollend sprach die 18-jährige:„Etwas Anderes wollte ich damit doch auch gar nicht sagen. Alles, was ich gesagt habe, ist, dass wir uns hüten müssen, weil sie gerade vielleicht Gott weiß was vorhat. Und ihr könnt mir nicht sagen, dass sie nicht der Typ dazu ist! Ihr habt gesehen, wie wütend sie war und ebenso wisst ihr, dass man sie von ihrer Meinung kaum abbringen kann und sie wohl nicht mehr unter unserem alten Motto steht. Wir alle wissen, dass sie sehr wohl der Typ dazu sein könnte!
    Aber wir werden sie suchen, also kommt in die Hufe! Juan, Lívia, ihr beide sucht hier unten! Preecha, Michal, ihr sucht in den restlichen Gängen hier unten! (d/n) und Tae, ihr macht euch in der nahen Umgebung der Ruinen auf die Suche und lauft nicht zu weit davon! Amba passt hier auf, falls sie wiederkommt und ich gehe mit Rica die Ruinen ab! Los!"

    Sofort wollten wir ausströmen, als plötzlich ein Schatten durch den Eingang trat. Augenblicklich blieben wir alle wie angewurzelt stehen und starrten zum Eingang. Hindurch lief mit sicheren Schritten eine Person. Es war eine eher kleine Gestalt, etwas pummelig, aber auch nicht richtig dick. Dunkle Haare und Augen, mit von der Sonne gebräunten Haut und leicht geröteten Wangen wie immer. Ihre dunklen Augenbrauen waren etwas nach unten verzogen, was sie brummig schienen ließ. Es war eine Person, welche wir nur allzu gut kannten - Karolin. Verwirrt schaute uns diese an und murrte schlecht gelaunt:„Was habt ihr denn für einen Auftrag?" Ebenso verwirrt stammelte ich:„Wir wollten dich suchen gehen. Du warst weg und wir dachten, dir wäre etwas passiert oder du hättest uns verlassen." Spottend schaute die 15-jährige uns nun an und brummte:„Kriegt euch wieder ein! Ich war nur kurz auf der Toilette! Glaubt mir, mich werdet ihr nicht ganz so schnell los!"
    Erleichtert atmeten wir nun alle auf, während Karo wieder näher zu uns trat und scheinbar wieder in ihrer alten Ruhe verfallen fragte:„Habt ihr euren Plan mittlerweile aufgestellt?" Akiko anwortete in leicht herablassend klingendem Ton:„Nicht wirklich. Hast du dich denn auf der Toilette ein bisschen abregen können?" Sofort schickte die Österreicherin der Japanerin einen bösen Blick und antwortete nicht, während Federica die Stimmung jetzt etwas lockerte:„Wir haben wohl einen Plan. Naja, so halb. Wir wollten uns deinen genau anhören, Karo. Du sagtest, du wolltest es strategisch angehen. Naja, wie stellst du dir das denn genau vor?" Die 15-jährige wandte sich jetzt leicht lächelnd an die Italienerin und sprach:„Naja, kennt ihr Pokémon?" Verwirrt schauten wir die junge Frau an, woraufhin sie anfing, breit zu grinsen und erzählte:„Pokémon sind Fabelwesen, welche, ähnlich wie wir, einige Naturgewalten beherrschen. Ziel bei diesen Tierchen ist es, sie zu trainieren und gegen andere Pokémon antreten zu lassen. Dabei hat jeder Typ seine Stärken und Schwächen. So ist es zum Beispiel so, dass die Schwächen von den Pokémon vom Typ Wasser Pflanze und Elektro sind. Dafür ist es aber stark gegen Feuer, Boden und Gestein - Muss man nicht zu 100% verstehen.
    Auf jeden Fall hat jeder Typ bei den Pokémon Stärken und Schwächen. Genauso müsste es doch auch hier sein. Zwar haben wir hier nicht auch Typen wie Fee, Psycho, Geist oder, was es da sonst noch alles gibt, aber naja. Das Grundprinzip dürftet ihr verstehen.
    So muss es also doch auch so sein, dass zum Beispiel die Kraft Wasser effektiv gegen Feuer ist. Also heißt es, dass Rica und Tae effektiv gegen Irina sind. Callum hingegen dürfte schwach gegen Hitze sein - also schwach gegen Preecha. Boden ist gegen Flug effektiv und andersrum ebenso bei den Pokémon. Also heißt es, dass Juan gegen Finlay gute Chancen haben dürfte. Wer nicht in Berührung kommen sollte, wären zum Beispiel Amba und Callum oder auch Irina und (d/n). Sie würden euch besiegen.
    Klar, wenn du ein Feuer-Pokémon Level 70 gegen ein Wasser-Pokémon Level 30 antreten lässt, wird trotzdem das Feuer-Pokémon gewinnen. Aber dennoch werden unsere Chancen dadurch maximiert und, wenn wir uns für die anderen noch ein paar Tricks oder so einfallen lassen, haben wir wirklich nicht die schlechtesten Schnitten.“
    Vorerst etwas überfordert schauten wir die 15-jährige an und Lívia fragte:„Sag, womit hast du dich damals in deiner Freizeit beschäftigt?“ Ruhig, aber leicht schmunzelnd erwiderte Karo:„Mit allerlei. Naja, aber Hauptgrund, warum ich die so gut kenne, ist, dass meine Brüder die Karten gesammelt haben und ich habe damals auch auf dem Nintendo Spiele davon gespielt. Ich kenne alle Pokémon der ersten Generation. Danach nehmen die Kenntnisse dann zwar ab, aber naja.“ Etwas belustigt schüttelte ich nun den Kopf vor mich hin und meinte dann:„Wenn ihr mich fragt, hört sich das alles gar nicht so schlecht an. Vielleicht sollten wir dem eine Chance geben.“
    Mit diesen Worten drehten sich nun alle zu Akiko, welche erst mit verschränkten Armen dastand, dann jedoch seufzte:„Na gut. Warum denn nicht? Wir werden ja sehen, was wir für Fortschritte machen. Im schlimmsten Fall machen wir eben noch einen Rückzug.“

    Karolin stellte nun zusammen mit Michal, der Pokémon nämlich auch kannte, einen Plan auf, was wogegen effektiv ist und wogegen nicht. So hatten die beiden dann schließlich einen Plan entworfen und die Anführerin schaute sich zufrieden um:„Also, gegen Irina sollten sich Federica und Tae starkmachen. Callum wird von Preecha bekämpft und Finlay ist schwach gegen Juan. Der Rest wird für anderweitige Ablenkung sorgen. Die „Kämpfer“ nenne ich sie jetzt mal, kommen bitte kurz zu mir!“ Sofort kamen die genannten Personen und Karolin gab ihnen die Aufgabe, zu trainieren. Dies taten sie dann auch, während sich dann der Rest bei ihr versammelte. Karo erklärte:„Wir müssen uns irgendwie überlegen, wie wir sie überwältigen können. Nun... am besten nehmen wir ihnen erstmal irgendwie die Sicht. Da sind unsere Spezialisten Lívia und Michal. Ihr solltet also dafür sorgen können, dann bestimmte Flächen von eurem Nebel und eurer Dunkelheit bedeckt sind. Am besten übt ihr zwei, größere Flächen zu bedecken.“ Sofort gingen dann die beiden nickend und verschwanden zum Trainieren. Die Anführerin richtete sich unterdessen an die anderen:„Weitere Ablenkungen wären ebenso nicht schlecht. Akiko könnte ihnen mit ihrem Licht ins Gesicht strahlen und sie blenden. Dadurch werden sie abgelenkt sein. Auch Fluchtmöglichkeiten oder Ähnliches würden durchaus hilfreich sein. Amba, du könntest Ranken oder Derartiges wachsen lassen, womit wir uns gegebenenfalls irgendwo abseilen könnten oder sonst was. Auch als Blockade können Pflanzen durchaus praktisch sein. Bitte übe das ein wenig!“ So verschwanden dann die Inderin und ebenso die Japanerin, welche bei dem Ganzen jedoch etwas widerwillig schien. Zuletzt stand also nur noch ich dort.
    Die Österreicherin lächelte mich schwach an und meinte dann:„Du und ich könnten uns möglicherweise zusammentun. Wir können für eisigen Wind sorgen und, wenn du willst, kannst du ebenso für Blockaden sorgen.“ Knapp nickte ich einfach und meinte:„Ich werde mich darum kümmern.“

    Also ging auch ich, um etwas zu trainieren. Mein Blick schweifte dabei durch die Menge. Ich sah, wie Amba etwas von Michal unterstützt wurde und die beiden sich wohl wirklich gut verstanden. Tae trainierte mit Rica, während Juan sich gerade mit Karolin zusammentat, damit die beiden gegeneinander kämpfen konnten sozusagen und der Spanier so ungefähr wusste, womit er es zu tun haben würde. Lívia stand bei Akiko und sie trainierten gemeinsam. So hatten alle ihren Partner zum Trainieren. Alle, abgesehen von mir.

    Ich schaute mich jetzt um und erblickte Preecha. Er stand am Rand, schaute mich an und fragte jetzt:„Willst du mir ein wenig helfen? Schließlich haben du und mein Gegner die selbe Kraft.“ Leicht lächelte ich und meinte:„Ja, sicher.“
    Langsam schlenderte ich zu ihm rüber, während ich einen Blick auf mir spürte. Ich drehte mich im Gehen etwas um und erblickte dunkle, eifersüchtige und beinahe hasserfüllte Augen auf mir ruhen. Nervös blickte ich zurück in das schöne Augenpaar, welches mich einst so voller Liebe anblickte - Tae. Ich wusste, dass er nicht direkt wütend auf mich war, sondern auf Preecha. Mein Ex-Freund dachte, ich hätte nun etwas mit dem Thai am Laufen. So war es jedoch definitv nicht, da der 25-jährige sowieso schwul war. Doch das wusste der Koreaner natürlich nicht und er blickte mich weiterhin an.
    Sofort drehte ich mich jetzt wieder um, seinem Blick ausweichen wollend. Ich wusste, ich könnte seine Eifersucht augenblicklich beenden und ebenso seine Unwissenheit. Möglicherweise könnte ich das Band zwischen uns wieder herstellen, doch die Zeit dafür war für mich noch nicht gekommen. Ich sah mich dafür noch nicht bereit, also musste ich Taes eifersüchtigen Blick wohl weiter auf mir ertragen.

    Ich trainierte mit Preecha und tatsächlich hatte ich dabei etwas Angst. Der Thai hatte die Kraft des Feuers und stellte somit meine Schwäche dar. Sein Feuer machte mich schwach. Ich wusste zwar, dass er es nicht direkt gegen mich anwenden würde und, dass ich mich auch dagegen wehren konnte und doch hatte ich Angst.
    Ich versuchte immerzu, sein Feuer durch Eisschwaden abzublocken, doch diese schmolzen einfach dahin. Sie und ihre Kälte kamen nicht gegen seine Hitze an. Irgendwann hatte der 25-jährige mich mit seiner Kraft vollkommen umschlossen und ich wusste, dass ich diesen Kampf auf jeden Fall verloren hatte. Das wusste auch er, weshalb er sein Feuer direkt zurückzog.
    Er kam nun auf mich zu, streckte mir die Hand hin und fragte:„Brauchst du vielleicht ne kurze Pause?“
    Sofort stand ich, ohne die Hilfe seiner Hand auf, lächelte kurz und meinte:„Jap, hört sich gut an.“

    Wir verließen die große Halle, in welcher wir alle trainierten und Preecha führte mich zu einem kleinen Nebenraum, in welchem sich auch eine Art Springbrunnen mit klarem Wasser befand. Der Thai warf mir noch kurz einen Kelch aus der Schatzkammer zu und meinte:„Hier, trink etwas!“ Dankbar lächelnd fing ich den Kelch auf, ging zu dem Springbrunnen und füllte mir etwas von dem Wasser ein. Ich war froh, etwas trinken zu können, da Preechas Feuer mir ziemlich viel Wasser und Kraft entzogen hatten.
    Ich hockte nun also am Rand des Springbrunnens und nippte an meinem Wasser, während Preecha mich mit seinem etwas seltsamen Grinsen anschaute und meinte:„Ich glaube, wir werden tatsächlich Fortschritte machen. Zwar glaube ich nicht, dass es so einfach sein wird, Callum, Irina und Finlay zu besiegen, aber wir könnten es dennoch schaffen. Allerdings wohl nicht, ohne das ein oder andere Leben dazulassen. Callum und seine Truppe sind wirklich unfassbar stark. Sie sind nur zu dritt, aber dennoch unfassbar mächtig. Sie alle beherrschen ihre Kräfte sehr gut. Vor allem Callum. Er kann dich durch eine bloße Berührung töten.“ Ich nickte nur leicht und meinte:„Ja, aber deine Kräfte sind auch sehr stark. Deine Feuer sind heiß und werden Callums Eis zum Schmelzen bringen.“ Nun grinste der Mann mit der Brandnarbe im Gesicht breit und spaßte:„Ja, genauso heiß wie ich.“ Darauf lachte ich:„Ja, ganz genau.“ Preecha grinste nur und ging etwas auf mich zu, um sich neben mich zu setzen. Er grinste mich an und wollte gerade noch etwas sagen, als plötzlich eine wütende Stimme erklang.

    „Was macht ihr da?“, ertönte die wutentbrannte Stimme im Eingang des Raumes. Sofort schauten Preecha und ich zu dem Ursprung und direkt erkannte ich, wer es war - Tae. Der Koreaner schaute uns mit finsterem Blick an und kam näher auf uns zu. Der Thai neben mir fing plötzlich an, noch breiter zu grinsen und meinte nun mit einer Art Triumph in der Stimme:„Ach, hallo Taehyung. Na, was führt dich zu (d/n) und mich?“ Unsere beiden Namen betonte er dabei, als wollte er andeuten, dass etwas Besonderes zwischen uns sei. Dies stieß bei Tae jedoch überhaupt nicht auf Begeisterung. Er ging festen Schrittes auf den Thai zu, packte ihn am Kragen und zog ihn hoch, sodass die beiden in etwa auf Augenhöhe waren. Jetzt fauchte der 24-jährige leise und bedrohlich, während seine Augen starr in die seines Gegenüber schauten:„Ich habe gefragt, was ihr da macht?“ Preecha grinste jetzt noch breiter. Er genoss es, Tae so wütend zu sehen und er wollte es wohl weiter provozieren, indem er unschuldig fragte:„Wieso fragst du? Darf ich etwa keine Zeit mit (d/n) verbringen?“ Auch dies feuerte Taes Wut an, da Preecha sich auf dumm stellte und der Koreaner rüttelte einmal mehr an dem Thai und sprach nun direkt seine Vermutung aus:„Hast du etwas mit (d/n) am Laufen?“ Anstatt zu verneinen und somit die Wahrheit zu sagen, schmunzelte der Mann jetzt:„Was wirst du machen, wenn ich dir sage, dass ich dich ersetzt habe? Sie war einmal DEINE Freundin. Nun ist sie es nicht mehr. Sie hat jetzt mich und du kannst nichts dagegen tun, richtig? Ich habe dich ersetzt in einer Art!“ Nun vollkommen am Höhepunkt seiner Wut, schlug Taehyung dem Thai auf einmal mit voller Wucht ins Gesicht, sodass ein leises Knacken seiner Nase ertönte und warmes Blut hervorquoll.
    Vollkommen überfordert und sogar angsterfüllt rief ich nach Preecha und stürmte hervor. Preecha in der Zeit, welcher immer noch von Tae am Kragen gehalten wurde, grinste nur weiter, während ihm schon das Blut aus dem Mund lief. Es schien ihn überhaupt nicht zu stören, dass seine Nase gebrochen war und ihm das Blut das Gesicht hinunterlief. Er genoss es nur, Tae wütend zu sehen. Darüber war ich wirklich verwirrt. Ich meine, ich wusste, dass Preecha diese Art von Mensch war, die das Drama genoss und nicht versuchte, es zu beenden, sondern es im Grunde genommen nur noch anfeuerte. Er fand Spaß daran, andere wütend zu sehen und wusste ebenso, wo die Schwachstellen der einzelnen Personen lagen und wie er sie zur Weißglut bringen konnte. Und doch verwirrte mich, dass er dafür sogar seine eigene Gesundheit auf's Spiel setzte und er murmelte nun leise und grinsend:„Warum wirst du wütend, mein Freund?“ Nun noch wütender brüllte Tae ihn an:„Du bist einfach nur hässlich mit deiner komischen Narbe!“, und holte bereits aus, um ihn noch einmal zu schlagen. Doch ich stürmte hervor und schrie laut und verzweifelt, weil ich Tae auch nicht körperlich aufhalten konnte, weil ich ihn damit nur verletzen würde:„Hör auf, Tae! Preecha und ich sind überhaupt kein Paar!“ Damit stoppte der Koreaner in seiner Bewegung, schaute mich an und fragte laut, während seine Wut immer noch über ihn herrschte:„Ach ja? Und warum sagt er dann etwas Anderes?“ Tatsächlich schon mit Tränen in den Augen, weil ich Angst hatte, dass Tae den Thai noch weiter verletzte:„Er will dich doch nur provozieren! Das macht er doch andauernd. Wir sind kein Paar!“ Nun an Preecha gewandt meinte ich:„Na los, sag ihm, dass wir es nicht sind!“ Nun sprach auch Preecha unter stetigem Grinsen:„Deine Ex hat recht. Wir sind kein Paar. Ich wollte dich nur ärgern. Außerdem würde ich mich eh nicht an sie ranmachen wollen. Ich bin schwul.“ Als der Thai diese Worte aussprach, ließ Tae ihn überrascht runter und stammelte:„Oh... Warum sagst du mir dann auch, dass du was mit ihr hast?“ Darauf antwortete Preecha jedoch auch nur mit einem Grinsen. Gerade wollte Tae noch etwas sagen, da kam plötzlich Karolin herein. Sie starrte uns streng und gleichzeitig verwirrt an, während sie ruhig fragte:„Was ist hier los?“ Preecha fasste schnell für die Anführerin zusammen, während das Blut weiterhin auf den Boden tropfte und Tae nur den Blick senkte.
    Ärgerlich murrte Karo nun:„Tja, selbst schuld würde ich da mal sagen, Preecha. Deine Nase muss trotzdem versorgt werden.“ Mit diesen Worten rief die 15-jährige nach Amba und befohl dieser, sich um Preecha und seine Nase zu kümmern.
    Somit verschwanden die zwei dann auch und es standen nur noch Karo, Tae und ich dort. Während ich einfach noch komplett geschockt war, stand Tae nur mit gesenktem Blick dort. Karo schaute uns an und sprach dann ruhig und ernst:„Tae, du weißt, dass du das auch anders hättest lösen können und auch hättest müssen. Entschuldige dich gleich bei Preecha und (d/n), du klärst das bitte auch! Mir geht so langsam echt auf den Zeiger, dass hier über nichts gesprochen wird. Du musst nichts erzählen, kläre es einfach!“

    31
    Kapitel 120

    Mein Blick senkte sich. Ich wusste nicht, ob aus Scham oder Angst. Ich sollte es klären - das war es, was Karo von mir verlangte. Aber konnte ich es klären, ohne gleich alles zu erzählen? Ich fühlte mich einfach noch nicht dazu bereit. Ich glaubte, ich brauchte mehr Zeit.
    Doch Tae starrte mich an, auf die Erklärung wartend. Ich hob nur zögerlich den Blick, schaute den Koreaner mit traurigen Augen an und sprach:„Tae, ich kann es dir nicht einfach alles erklären. Noch nicht... Alles, was ich dir jetzt sagen kann, ist, dass es mir leid tut. Und ich habe dich nicht verlassen, weil ich jemand anderen liebe. Ich habe also keine andere Beziehung oder sonst was." Verzweifelt fragte Tae jetzt:„Aber warum hast du mich dann verlassen? Ich kann nicht glauben, dass du mich einfach nicht geliebt hast." Mit Tränen in den Augen murmelte ich:„Ich habe dir doch gesagt, dass ich es dir nicht sagen kann. Irgendwann werde ich es erklären. Aber nicht jetzt..." Traurig und enttäuscht richtete der 24-jährige den Bick auf den Boden und erwiderte leise und schwach:„In Ordnung. Tut mir leid, dass ich so ausgerastet bin, Tomätchen..."
    Mit diesen Worten verschwand der, den ich immer noch liebte und ich stand alleine dort. In meinen Augen bildeten sich langsam Tränen und diese kullerten still meine Wange herunter, bis sie hinunterfielen und auf dem harten Boden zersprangen. Irgendwie erinnerten mich meine Tränen an mein Herz. Es fühlte sich an als zerspringe es. Ich fühlte mich einfach schlecht und ich wusste, dass ich eine Umarmung gut hätte gebrauchen können. Aber ebenso war mir klar, dass ich eine solche nicht bekommen durfte, denn sonst hätte ich nur jemandem wehgetan. Und genau das war schließlich der Grund, weshalb ich überhaupt so viel Schmerz erlitt.

    Einfach nur traurig betrat ich wieder den großen Saal, in dem sich alle befanden. Ich sah, dass Preecha dort auf einem der Stühle vor dem Tisch hockte und sich sein T-Shirt vor seine noch immer blutende Nase hielt, damit die Blutung stoppte. Amba stand neben ihm und zermahlte gerade auf dem Tisch einige Kräuter, welche sie wohl selbst hat wachsen lassen. Michal wiederum stand neben der Inderin und half ihr dabei. Tae und Karolin standen ebenso dort. Der Koreaner stand vor dem Thai, schaute verlegen zu Boden und schien sich zu entschuldigen, während die 15-jährige nur mit verschränkten Armen lauschte.
    Ich trat nun etwas näher und hörte nur Preechas ruhige Stimme:„Schon in Ordnung. Ich habe dich schließlich auch provoziert. Also bin ich, wie Karo schon sagte, eigentlich selbst schuld." Leise raunte Tae:„Ich hätte dennoch nicht zuschlagen dürfen... Mir tut auch leid, was ich gesagt habe über deine Narbe..." Verständnisvoll lächelnd antwortete der 25-jährige jetzt:„Mach dir keinen Kopf! Du warst wütend und im Grunde genommen hattest du ja auch recht. So schön sind meine Narbe und ich auch nicht. Naja, wie auch immer... Sorg dich nicht um mich oder um das, was vorgefallen ist! Wenn du mich fragst, hattest du alle Berechtigung dazu." Tae protestierte nun leise:„Aber ich habe deine Nase gebrochen..." Darauf grinste Preecha nur und meinte:„Ja, der Schlag war ziemlich ordentlich. Meine Nase muss da jetzt zwar drunter leiden, aber das ist mir egal. Ich würde sagen, wir beide vergessen das hier einfach und dann ist es in Ordnung. OK?" Etwas erleichtert nickte Tae jetzt und sprach noch leise:„Ich denke, ich werde mich jetzt vielleicht ein wenig ablenken..." Somit drehte er sich dann um und für einen winzigen Moment trafen sich unsere Blicke. Doch sobald das geschah, wandte der Mann seinen Blick ab und ging einfach an mir vorbei, geradewegs zu Akiko und Federica.

    Einen Moment stand ich nun einfach etwas wehleidig da, Tae hinterherblickend, aber ging dann doch voraus, auf Preecha und das Gewimmel um ihn zu. Der Thai sah mich direkt, blickte zu mir hinüber und lächelte leicht. Ich schenkte ihm ein zögerliches Lächeln zurück und fragte besorgt:„Wie geht es deiner Nase?" Grinsend meinte mein Kumpel:„Naja, geht so. Aber ich muss sagen, Tae hat einen wirklich sauberen Schlag. Der kam richtig mit Schmackes." Nur schwach lächelte ich und murmelte:„Scheinbar hat er einen etwas zu starken Schlag. Tut mir leid, dass das passiert ist..." Preecha winkte einfach ab:„Also erstens, kannst du da doch gar nichts für! Nur Tae und viel mehr ich können etwas dafür. Und zweitens, sei doch froh, dass er so einen festen Schlag hat. So wird er dich immer beschützen können. Will jemand was von dir? - Er schlägt denjenigen für dich zusammen, ist doch praktisch." Leicht schüttelte ich nur den Kopf, während ich durch Preechas Ausdrucksweise tatsächlich leicht schmunzeln musste und ich protestierte leise:„Ich muss aber nicht beschützt werden! Er soll sich selbst beschützen!" Leiser, kaum hörbar und eher zu mir selbst, fügte ich hinzu:„Er hat es nötig, beschützt zu werden. Er muss auf sich aufpassen, sonst verletze ich ihn auf eine Weise, bei der seine Wunden niemals mehr heilen werden. Dann ist es zu spät..." Doch mir schien es so als habe Preecha diese unbedachte Bemerkung wohl gehört, denn er flüsterte fragend:„Was meinst du damit?"
    In dem Moment kam jedoch Amba mit einer Kräuterpaste oder so und sprach zu Preecha:„Iss diese Kräuter! Sie werden deinen Knochen stärken und die Nase kann besser verheilen. Was noch wichtig ist... Dein Nasenrücken hat sich durch den Bruch ziemlich verschoben. So können wir das nicht lassen, da der Knochen sonst wieder falsch zusammenwächst. Das sieht dann nicht nur doof aus, sondern könnte auch noch die Atemwege behindern, was wiederum zu Atemproblemen führen wird." Nun abgelenkt von seiner Frage an mich fragte der Thai die Inderin:„Wie stellst du dir das vor? Du müsstest doch den Nasenrücken zurückschieben!" Ruhig erwiderte die 17-jährige:„Genau das ist mein Plan. Nun, normalerweise würde man dafür gewisse Instrumente nutzen. Da wir diese nicht hier haben, werde ich ihn einfach mit der Hand an seinen Platz bringen. Das wird eventuell etwas schmerzen. Such dir am besten jemanden, dessen Hand du halten kannst oder so!" Beinahe etwas beängstigt schaute der 25-jährige erst Amba und dann mich an, woraufhin ich ihm direkt lächelnd meine Hand entgegenstreckte. Diese griff er dankbar und vorerst nur leicht, während sich die Inderin noch kurz vorbereitete und dann fragte, ob der Thai bereit sei. Dieser nickte nur kurz, woraufhin Amba dann ihre Finger an Preechas Nase legte und plötzlich mit einem Ruck an seine rechte Stelle schob. In diesem Moment schrie Preecha auf und griff meine Hand so fest, dass ich dachte, er würde sie mir gleich brechen. Laut wehrte sich der Mann, nachdem Amba den kleine Eingriff schon durchgeführt hatte:„Ich dachte, es würde EVENTUELL ETWAS schmerzen! Das war qualvoller, als die Flammen damals!" Belustigt schüttelte Amba daraufhin nur den Kopf und fertigte gerade mit Michals Hilfe eine Schiene zur Stabilisierung der Nase an. Preecha hingegen beschwerte sich weiterhin, doch Karolin murrte beinahe etwas belustigt aus der Ecke:„Was bist du? Ein Mann oder eine Memme? Komm, es ist doch eh schon vorbei! Außerdem ist es nach wie vor deine Schuld, dass du jetzt Schmerzen erleiden musst!" Beleidigt äffte der Mann die Anführerin daraufhin nach, woraufhin diese ihn jedoch spielerisch gegen den Arm boxte und er nur wieder ein kleines, aber scheinbar einsichtiges „Aua" von sich gab.
    Ich schenkte dem Verletzten nun ein mitleidiges Lächeln und meinte:„Ich kann dir ein wenig Eis beschaffen, damit du die Schmerzen dadurch etwas lindern kannst." Darauf erwiderte der Thai:„Ach, ist schon in Ordnung. Ich brauche kein Eis. Aber danke trotzdem.“ In dem Moment schaltete sich jedoch Karo ein, welche wohl fast alles mitgehört hatte:„(d/n), gib ihm ruhig etwas Eis. Es wird die Schwellung etwas dämpfen. Danke.“ Mit diesem Worten wandte sich die 15-jährige dann auch schon an Amba, welche die Schiene gerade fertig hatte und sie nun sanft auf Preechas gebrochenen Nasenrücken auflegte und schließlich vernünftig befestigte. Ich schuf in der Zeit ein Stück Eis, welches ich dem 25-jährigen reichte, der es jedoch eher widerwillig entgegennahm. Leise murrte er:„Ich hasse die Kälte...“

    Es ging einige Zeit vorüber und es war irgendwie anders zugegangen. Es fühlte sich seltsam an, zu der Zeit unter den anderen zu sein, da es irgendwie total familiär wirkte, aber andererseits so, als sei man unter vollkommen Fremden. Ich hatte so recht niemanden, mit dem ich Zeit verbringen konnte. Preecha sollte sich ausruhen und Kontakt mit Tae mied ich vollkommen. Normalerweise hätte ich mich dann zu Amba gesellt, doch diese war nur mit Michal unterwegs. Darunter litt jedoch nicht nur ich, sondern auch Karo. Diese hatte Michal zu der Zeit als ihren besten Freund gesehen und nun war dieser mit Amba beschäftigt. Zwar schien Karolin nicht verärgert darüber, ganz im Gegenteil, sie freute sich für die zwei, dass sie sich anfreundeten und doch schien es sie zu bedrücken. Sie wirkte beinahe etwas verloren unter uns. Sie stellte sich einfach immer irgendwo dazu, aber unterhielt sich so recht nicht. So ähnlich ging es auch mir. Deshalb hatte ich mich einfach zu Karo gesellt, welche gerade bei Federica stand und dessen Erzählungen lauschte. Dort stand jedoch auch noch Lívia und irgendwie fiel man gar nicht so auf. So standen ich als auch Karolin also einfach nur dort und hörten zu.

    Erst, als der Abend anbrach, kehrte etwas Leben ein. Die Aufgaben wurden eingeteilt und Karolins laute Stimme hallte durch die große Schatzkammer:„Wenn ich mich so umschaue, könnten wir auch mal wieder die Palmwedel für die Betten austauschen. So langsam werden sie trocken und ungemütlich. Ich brauche zwei Leute, die mir nachher dabei helfen, neue zu holen.“ Die Österreicherin schaute sich kurz um und blieb an Federica und mir hängen:„Kommt ihr zwei mit?“ Sofort nickten die Italienerin und ich und folgten Karolin nach oben, aus der Schatzkammer heraus und wieder an die frische Luft. Ruhig murmelte die Anführerin, während ich gerade in einem Gespräch mit der 20-jährigen vertieft war:„Die hier sehen gut aus... Sammelt einfach so viele Palmwedel, wie ihr tragen könnt.“
    Dafür unterbrachen wir unser Gespräch dann auch kurz und fingen an, zu sammeln.

    Schließlich hatten wir genug gesammelt und verschwanden wieder in die dunkle Schatzkammer, welche tief unter der Erde lag.
    Dort angekommen hatten wir nur noch schnell unsere Polster aufgebaut und wollten nun zu Abend essen.
    Dabei saß ich neben Preecha. Er kaute genüsslich auf seiner Frucht herum, welche er sich etwas angebrannt hatte, was ich jedoch eher abstoßend fand und nuschelte durch sein Essen hervor:„Du hattest vorhin etwas gesagt, als du bei mir warst. Du sagtest, Tae müsse beschützt werden, bevor du ihn auf eine Weise verletzt, bei der die Wunden niemals mehr heilen werden. Nun... ich habe darüber nachgedacht und mittlerweile glaube ich, weiß ich, was los ist. Es ist mir schon vorher aufgefallen, aber ich hatte es damit nicht verbunden... Naja, ich werde jetzt nicht all meine Vermutungen auf den Tisch legen, weil es ja erstens keiner wissen soll und zweitens, will ich dir nicht zu nahetreten. Ich weiß ja nicht einmal zu 100%, ob es das wirklich ist, aber... eigentlich bin ich mir ziemlich sicher damit. Ich möchte dir sagen, (d/n), die Zeit ist gekommen. Du musst es ihm endlich erzählen. Sonst wirst du deine Angst sowieso nie durchbrechen können.“

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    Kapitel 121

    Mit großen Augen schaute ich Preecha an. (Kursiv) Weiß er wirklich, was los ist? Wird er es weitersagen? (EndeKursiv) Es schien fast so als konnte der Thai Gedanken lesen, denn plötzlich meinte er leise:„Keine Sorge, (d/n), ich werde bestimmt nichts sagen. Das musst du selbst tun! Aber ich denke wirklich, dass die Zeit gekommen ist, es zu sagen. Du kannst da nichts für und ich bin mir sicher, dass Tae Verständnis zeigen wird. Er liebt dich und du liebst ihn. Deine Kraft darf dir nicht im Weg stehen!" Als der 25-jährige dies sagte, war ich mir nun auch sicher, dass er wirklich wusste, was los war. Leise fragte ich den Mann mit der Brandnarbe im Gesicht:„Woher weißt du es?" Ruhig erzählte Preecha, während sein Blick auf den anderen lag, die etwas weiter von uns entfernt saßen und somit auch nichts hören konnten:„Naja, ich habe lange darüber nachgedacht. Zum Einen hat mich eben das darauf gebracht, was du gesagt hattest. Diese „Wunden, welche nicht mehr heilbar seien". Du schienst dich selbst ja als Gefahr zu sehen und alles, was ich mit deinem Gesagten verbinden konnte, war der Tod. Jede andere Narbe, egal ob innerlich oder äußerlich wird mit der Zeit verheilen. Alles, was später bleibt, ist die schlechte Erinnerung.
    Wie auch immer... Ich dachte erst einfach lange darüber nach und vesuchte dann, alles, was ich über dich wusste und, was mir an dir aufgefallen war, zu sammeln. Ich erinnerte mich daran, wie scheu du bist, was Körperkontakt angeht. Du scheust jeglicher Art davon. Bis du dann heute nicht daran gedacht hast, weil etwas Anderes dich beschäftigte und du mir die Hand hinhielst, weil Amba mir dazu riet, eine zu halten. In dem Moment hattest du nicht daran gedacht. Aber die Kälte war dennoch da. Jetzt fragst du dich, warum ich jetzt nicht zu Eis erstarrt und tot bin? Die Antwort darauf ist einfach - meine Kraft ist effektiv gegen deine. Feuer schmilzt das Eis und somit bin ich auch nahezu resistent gegen deine Kraft. Naja, als ich deine Haut berührte, spürte ich sofort die Kälte und ich merkte auch, wie sie langsam meinen Arm hochkrabbelte, aber ich nutzte meine Kraft einfach dagegen. Ich verhinderte mit meiner Kraft durchgängig, dass die Kälte mich überkam. Ich bin ehrlich, hätte ich nicht die Kraft des Feuers, wäre ich jetzt tot. Aber so ist es ja zum Glück nicht." Beinahe etwas entgeistert starrte ich meinen Kumpel an und hätte mir am liebsten gegen die Stirn geschlagen. (Kursiv) Ich habe ihm die Hand gereicht... Fast hätte ich ihn getötet! Ich muss vorsichtiger sein! Ich kann von Glück sprechen, dass er die Kraft des Feuers hat...
    Aber, warte mal... Wenn er mit seiner Kraft verhindern konnte, dass ich ihn gefrieren lasse, kann er das doch bestimmt auch bei Callum! Er würde also gar nicht in der Gefahr schweben, von ihm getötet zu werden! (EndeKursiv)
    Sofort murmelte ich ihm zu, was ich dachte, doch er schüttelte leicht den Kopf und brummte:„Erinnerst du dich, was Karo über die Pokémon sagte? Wenn das Feuer-Pokemon Level 70 ist und das Wasser-Pokemon nur Level 30, wird das vom Typ Feuer trotzdem gewinnen. Es kommt auch auf die Stärke an! Callum ist definitiv stärker als ich! Bei ihm stehe auch ich unter der Gefahr, zu sterben. Du hingegen bist deutlich schwächer als er. Deine Kraft ist nicht ganz so aggressiv. Sie kann ich bekämpfen, seine ist zu stark." Enttäuscht senkte ich den Blick, während Preecha weitersprach:„Was aber nicht heißt, dass du schwach bist! Deine Kräfte sind auch stark und können jeden hier, der nicht gerade meine Kraft besitzt, des Lebens berauben! Ich will dir keine Angst machen, aber ebenso wenig will ich dich belügen... du bist dennoch gefährlich..."
    Ich wusste, dass Preecha damit recht hatte, aber dennoch löste diese ausgesprochene Wahrheit eine gewisse Panik in mir aus. Ich stotterte vor negativer Aufregung:„Aber, wie sollte ich es dann Tae sagen können? Ich bin gefährlich und könnte ihn töten. Er wird Angst vor mir haben und wenn er mich verpfeift, werde ich vielleicht rausgeschmissen, gerade weil ich eine Gefahr bin und...“ Ich begann, zu haspeln und ebenso wurde meine Atmung kürzer, weshalb der Thai mich schnell beruhigte:„(d/n), jetzt mach dir nicht so viele Sorgen! Komm runter! Deine Kraft ist gefährlich, aber du selbst bist es nicht! Dich wird niemand hier herauswerfen und außerdem glaube ich auch nicht, dass Tae das ohne deine Zustimmung verraten wird. Er liebt dich und er wird alles dafür tun, dass du bei ihm bleiben kannst. Glaub mir, er wird Verständnis haben!“ Überfordert hauchte ich:„Ich glaube, ich kann das nicht. Ich kann es ihm nicht sagen. Ich habe zu viel Angst...“ Warmherzig lächelte Preecha daraufhin, schaute dann jedoch sehr ernst und sprach ruhig, aber eindringlich:„Doch, du kannst das, (d/n)! Ich verstehe deine Angst, aber du musst sie überwinden! Lass deine Angst dich nicht beherrschen! Ich weiß, dass du das kannst! Wenn du etwas Zeit brauchst, ist das in Ordnung. Du musst nur wissen, dass du dazu bereit bist! OK?“ Schwach nickte ich, während ich ihn mit Tränen in den Augen anschaute. Leise murmelte ich:„Ich muss nur den richtigen Moment dazu finden...“ Knapp, aber ermutigend nickte der vernarbte Mann:„Den wirst du finden!“

    Der Abend neigte sich immer mehr der Nacht zu. Unten in der Schatzkammer bekamen wir jedoch nicht wirklich viel davon mit. Dort war es immer dunkel, was Akiko immer noch sehr zu stören schien. Sie murrte:„Warum muss es hier immer so dunkel sein? Diese blöde Dunkelheit nimmt mir die Kraft...“ Leicht lächelte ich sie an:„Hilft dir denn nicht das eigene Licht, das du erzeugst?“ Seufzend sprach die Japanerin daraufhin:„Doch, schon irgendwie. Aber es ist nicht das selbe wie bei dem Sonnenlicht. Es ist kein warmes Licht. Es wirkt so kalt und irgendwie leblos. Es spendet keine Wärme. Es stärkt, aber dennoch trägt es nicht die selbe Kraft wie das Licht der Sonne.“ Etwas mitleidig lächelte ich nun und meinte:„Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich doof ist. Michal hingegen scheint es hier unten gern zu haben. Er ist seit wir hier sind viel aktiver. Er liebt die Dunkelheit wohl einfach. Ist in dem Sinne ja auch seine Kraft...“ Beinahe etwas spöttisch murrte die 18-jährige daraufhin:„Mir scheint es so als würde er nicht die Dunkelheit lieben, sondern Amba.“ Dabei deutete sie hinter mich, wo die Inderin mit dem Polen auf ihrem Bett hockte und sich die beiden lächelnd unterhielten und sogar Händchen hielten. Mit einem sanftem Lächeln auf den Lippen murmelte ich:„Ich glaube, es tut den beiden gut, dass sie sich anfreunden. Auch, wenn sie sich wirklich lieben sollten, hätte ich da nichts gegen. Ich meine, die beiden machen sich gegenseitig irgendwie zu anderen Menschen. Ich will nicht sagen, dass sie sich „besser“ machen, aber sie lösen ihre Schwächen etwas.
    Seitdem die beiden mehr miteinander unternehmen, ist Amba nicht mehr so schüchtern und ängstlich. Michal hingegen wirkt nicht mehr so kalt. Er lächelt oft und bindet sich tatsächlich manchmal in Gespräche ein. Er scheint menschenbezogener und fast schon empathischer. Ich glaube, die beiden unterstützen sich gegenseitig sehr gut und zeigen dem jeweils anderem seine Schwächen und bügeln sie aus. Sie tun sich gut.“ Leicht zuckte Akiko jetzt mit den Schultern und meinte:„Naja, du hast schon irgendwie recht. Ich habe einfach Angst, dass Michal sie nicht richtig behandelt oder ihr irgendwelche Sachen einredet. Ja, möglicherweise tue ich Michal Unrecht, aber ich kann ihm immer noch nicht wirklich vertrauen. Es kommt mir fast so vor als schliche er sich bei uns ein. Er macht sich nach und nach jeden zum Freund. Ich habe aber das Gefühl, dass er zuerst die nimmt, welche am besten zu manipulieren sind und gleichzeitig eine höhere Position bei uns tragen. Klar, wir alle haben eine tragende Rolle, aber Karo ist nun mal unsere Anführerin und Amba die Person, die sozusagen unsere Ärztin darstellt.
    Wahrscheinlich mache ich mir zu viele Sorgen oder so, aber ich bin eben lieber vorsichtig. Ich gehe nicht sehr gerne Risiken ein, weißt du?“ Verständnisvoll lächelte ich:„Gedanken machen wir uns doch alle und ich kann deine auch sehr gut verstehen. Er war eben ein Feind und manchmal fällt es einem schwer, sich damit anzufreunden, dass dieser Feind jetzt ein Freund werden soll. Ich glaube aber mittlerweile, dass Michal wirklich Teil von uns sein will und uns unterstützen wird. Er hat eben einfach nur so eine andere Art. Diese muss jedoch nicht schlecht sein...“ Schwach nickte Akiko nur und fing an, zu gähnen. Leise murrte sie:„Ich denke, ich werde mich jetzt schlafen legen, wenn das für dich in Ordnung ist.“ Sofort wünschte ich ihr eine gute Nacht und ging dann zu meinem eigenen Schlafplatz.

    Ich starrte an die Decke und dachte nach. (Kursiv) Es steht fest - Ich werde es Tae erzählen. Preecha weiß davon und jetzt bleibt mir fast schon keine andere Wahl... Eigentlich hat mich Preecha dazu überzeugt. Naja, er hat ja auch mit jedem Wort recht gehabt. Ich habe zwar dennoch etwas Angst, aber ich werde sie ja auch überwinden müssen. Also werde ich es Tae sagen. Dann, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist... (EndeKursiv)

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    Kapitel 122

    Müde öffnete ich meine Augen, als ich eine vertraute Stimme vernahm. „(d/n), komm schon, wach auf, du sollst Preecha neues Eis geben!" Sofort schrak ich auf, als ich dann einen leichten Windstoß spürte, welcher mir zeigte, dass mich die Person wachrütteln wollte. Noch schlaftrunken murrte ich:„OK, mach ich sofort und wich leicht zurück, bevor die Hand mich berühren konnte. Ruhig schaute mich die junge Frau, welche mich geweckt hatte, jetzt an und nickte zufrieden. Leise burmmte ich, während ich mich umschaute:„Wo ist er denn, Amba?" Sofort deutete die Inderin jetzt in die Ecke, wo ich den Thai auch sofort erkannte. Er saß mit müdem und gleichzeitig schmerzverzerrtem Gesicht dort. Seine gebrochene Nase war unter der Schiene stark angeschwollen und rot. Der 25-jährige hielt sich außerdem wieder sein T-Shirt davor, da seine Nase wieder angefangen hatte, zu bluten.
    Sofort erhob ich mich und trottete gemeinsam mit Amba zu dem Verletzten rüber. Dort standen auch Michal, welcher augenscheinlich auf Amba wartete und Karolin, welche wiederum gerade dafür sorgte, dass Preecha seine Kräuter zermahlen bekam.
    Besorgt fragte ich:„Wie geht es dir, Preecha? Warum blutet deine Nase schon wieder?" Darauf antwortete der Mann:„Hab heute Nacht wohl drauf gelegen und Amba meinte, es sei normal, dass es später noch zwischendurch blutet." Langsam nickte ich, erschuf jetzt ein Stück Eis und reichte es dem Thai, welcher es leise dankend annahm. In der Zeit ging Amba zu Michal, welcher ihr die Hand entgegenhielt, woraufhin die Inderin sie ergriff. Händchenhaltend standen die zwei dann also da und zermahlten ebenfalls einige Kräuter. Mein Blick blieb dabei auf den beiden Turteltauben kleben, bis Karo sich zu mir umdrehte und leise raunte:„Die zwei kommen sich wohl immer näher, hm?" Schwach lächelnd nickte ich nur. Ich freute mich wirklich, dass die beiden sich so gut verstanden und ich murmelte zu der Anführerin:„Die beiden werden bestimmt noch ein Paar, wie es momentan aussieht." Daraufhin lächelte die Österreicherin schwach und irgendwie mit einer gewissen Emotionslosigkeit, während sie leise und monoton sprach, ohne ihren durchdringlichen Blick von den beiden abuwenden:„Ja, das kann gut sein. Ich warte eigentlich nur noch darauf, dass Michal sie auf ein richtiges Date oder so fragt." Ich lächelte nur schnell und wandte mich dann wieder ab. (Kursiv) Irgendwie benimmt sich Karo etwas seltsam. Sie scheint sich nicht wirklich für die beiden zu freuen. Zumindest wirkt sie irgendwie versteift oder so. Es wirkt fast so, als wäre sie eifersüchtig oder so... Aber warum? Naja, vielleicht hängt es einfach damit zusammen, dass Michal ihr bester Freund ist. Oder aber es ist einfach wieder ihre mürrische Art. Oder ist da vielleicht doch mehr hinter? Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht, ist ja auch egal. (EndeKursiv)

    Wir frühstückten und ich hockte wieder bei Preecha, welcher durch seine Nase etwas beim Essen eingeschränkt war. Er brummte vor sich hin:„Diese Nase ist nerviger als der Neuling, den ich damals beim Kloster betreuen musste..." Leicht lächelte ich und murmelte:„Naja, du bist selbst schuld, nicht?" Darauf gab der Thai jedoch nur ein leises Brummen von sich, während sein Blick auf Juan und Akiko lag. Die beiden hockten etwas abseits und unterhielten sich gerade. Irgendwann jedoch wich Juans Blick zu Preecha, wodurch er bemerkte, dass dieser ihn und Akiko anstarrte. Jetzt sah ich, wie er mit einem kurzen Kopfzucken zu dem Thai deutete und dann irgendetwas Akiko zuraunte. Diese schaute dann auch kurz zu uns, wandte ihren Blick aber schnell ab und schien mit dem Spanier in eine Art Diskussion zu verfallen, wobei ich davon kein Wort verstand. An ihren Blicken konnte ich jedoch feststellen, dass der Spanier sich in einer Form beschwerte, während die Japanerin wohl dagegen stand und sich für etwas einsetzte.
    Preecha murmelte unterdessen neben mir:„Sieht ganz danach aus als hätte sich herumgesprochen, dass ich schwul bin." Verwirrt hakte ich nach, wie der Thai darauf komme, woraufhin er erklärte:„Naja, ihre Blicken sagen es mir. Außerdem kann ich Lippenlesen. Juan meint, dass er es seltsam findet, dass ich schwul bin. Akiko setzt sich dafür ein und meint, es sei das normalste der Welt. Ich denke, Juan ist etwas homophob..." Langsam nickte ich und sprach:„Naja, nicht alle haben den nötigen Verstand, es zu akzeptieren..." Darauf nickte Preecha nur schnalzend und murrte nachdenklich:„Eigentlich ist es schade. Ich mag Juan. Er sieht meiner Meinung nach nicht schlecht aus und ich mag seine Ruhe. Aber naja, man kann ja nicht alles haben..." Zuletzt huschte dem 25-jährigen ein schnelles Lächeln über die Lippen und ich fragte etwas verwirrt:„Also willst du mir gerade sagen, dass du auf Juan stehst?" Belustigt und beinahe etwas beschämt grinste der Thai jetzt und meinte:„So kann man das nicht sagen. „Schwärmen" würde eher zutreffen. Aber du musst wissen, dass ich gerne mal für Männer schwärme. Das heißt nicht, dass ich verliebt bin oder so. Ich würde es als eine Art erste Voraussetzung für eine Beziehung sehen. Jedoch habe ich das, wie gesagt, bei vielen Männern. Eigentlich bei allen, die gut aussehen." Etwas herausfordernd hob ich nun eine Augenbraue, woraufhin Preecha lachte:„Keine Sorge, bei Tae ist es nicht so! Naja, ich meine, er sieht wirklich gut aus, aber ich bin nicht so asozial. Außerdem liebt er dich und würde mit niemand Anderem etwas eingehen!" Fast schon etwas erleichtert lächelte ich und meinte nur:„Gut so."

    Nach dem Essen rief Karo den Befehl aus:„Trainiert noch ein wenig! Wir müssen jede Minute nutzen, um stärker zu werden! Der Kampf wird sowieso nicht einfach werden. Also, ran ans Werk! Nach einer Stunde werde ich euch in Zweier-Teams einteilen und ihr müsst gegeneinander kämpfen!"
    Wir gehorchten und fingen sofort an, zu üben. Vorerst alleine und später zu zweit. Dabei war ich froh, dass ich Federica als Partnerin bekam. Beinahe wäre mir nämlich Tae zugeteilt worden. Dem war ich schließlich nur knapp entkommen, als Karo meinen flehenden Blick gesehen hatte und scheinbar wissend Rica als meine Partnerin bekanntgegeben hatte. Tae hatte dann Lívia bekommen.
    Und obwohl wir nicht zusammen trainierten, spürte ich seinen Blick die ganze Zeit auf mir. Er schien zu gar nichts Anderem zu schauen, was mich etwas aus der Fassung brachte, was wiederum dazu führte, dass ich den Zweikampf zwischen Rica und mir verlor.

    Nach der Übung fanden wir wieder alle zusammen. Auf Karolins Befehl hin machten wir alle einen kleinen Bericht, was wir konnten, wer gewonnen hatte und all sowas. Am Ende nickte die Anführerin nur stumm und meinte schließlich:„Das hört sich doch schon ganz nett an. Nun... ich würde euch dann darum bitten, weiter zu üben, falls ihr euch nicht sicher fühlt. Überanstrengt euch bloß nicht! In der Zeit könnten wir schonmal was zum Abendessen holen." Der Blick der Anführerin schweifte durch die Runde, bis er plötzlich an Tae als auch mir hängenblieb. Die 15-jährige sprach nun ruhig:„Tae, (d/n), übernehmt ihr das?" Erst wollte ich protestieren, doch Karo sprach schon weiter:„Ihr beide schient heute sehr abgelenkt zu sein. Ich glaube, ihr solltet euch ein wenig die Füße vertreten. Lívia, gehst du auch mit?" Die Brasilianerin nickte gehorsam und ging sofort los, was mich praktisch dazu zwang, auch mitzugehen. Zuletzt schenkte ich Karolin noch einen etwas verärgerten Blick. Sie wusste, dass ich Kontakt mit Tae meiden wollte und ich konnte an ihrem Blick sehen, dass sie genau das im Hinterkopf hatte, uns aber trotzdem zusammensteckte. Das dunkelhaarige Mädchen bemerkte meinen Blick natürlich sofort und ein leichtes Lächeln huschte über ihre Lippen. Dies machte mich fast schon etwas wütend, aber anmerken ließ ich es mir nicht.

    Ich folgte Tae und Lívia, welche ungefähr auf selber Höhe liefen und sich zwischendurch unterhielten. Als wir schließlich oben, in den Ruinen angekommen waren, verstummten die zwei. Sie schauten sich um, falls jemand in er Nähe sein sollte und liefen erst weiter, als sie sich sicher waren, dass niemand in der Nähe war. Wir mussten nämlich Vorsicht walten lassen, wenn wir die Schatzkammer verließen - Anordnung von Karo. Es war natürlich gefährlich, sich an der Oberfläche aufzuhalten. Dort konnten die anderen sein und es war oberste Priorität, dass sie nicht herausfanden, wo wir uns aufhielten. Also mussten wir stets die Augen offenhalten, ruhig und möglichst schnell sein.
    Die 13-jährige murmelte leise:„Ich würde sagen, ich werde hier vorne Wache halten und ihr geht weiter rein und holt die Früchte. Lasst euch nicht zu viel Zeit, ja?" Knapp nickte Tae direkt und ging los. Schweigend ging ich ihm einfach hinterher und achtete dabei darauf, wo Früchte hingen.
    Schließlich kamen wir an einem Baum voller Früchte an und Tae murmelte:„Du kletterst hinauf, ich werde am Fuße des Baums aufpassen und die Früchte entgegennehmen!" Schwach nickte ich einfach und kletterte sofort hinauf. Ich war irgendwie froh, dass er nicht versuchte, weiter ein Gespräch aufzubauen. Ich kletterte einfach durch die Äste, pflückte die Früchte und ließ sie dann einfach fallen, in der Annahme, dass Tae sie fing.

    Als ich genug Früchte beisammen hatte, kletterte ich den Baum wieder hinunter und landete direkt vor Taehyung.
    Dieser schaute mich einfach nur etwas leer an, den Blick nicht abwendend und ich konnte direkt in seine dunklen, traurigen Augen starren. Sein Blick blieb ebenfalls unverwandt auf meinen Augen liegen und plötzlich murmelte Tae leise:„Wir sollten zurückgehen, bevor Lívia uns vermisst..." Gerade wollte der Koreaner dann auch schon umdrehen, als ich ihn aufhielt:„Tae, bleib stehen! Ich muss noch mit dir reden und ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt..."

    34
    Kapitel 123

    Erst etwas überrascht, aber dann hoffnungsvoll schaute mich Tae an. Ich atmete tief durch und fing an:„Ich... Ich habe es dir lange genug verschwiegen und es kostet mich viel Überwindung, aber ich weiß, dass ich es dir sagen muss. Du verdienst es, die Wahrheit zu wissen und ebenso möchte ich nicht länger lügen und mich verstecken müssen." Verwirrt schaute mich der Koreaner nun an, während sich in seinen Augen leichte Tränen bildeten. Ich sah ihm an, dass er einerseits erleichtert war, dass ich endlich mit ihm redete, aber andererseits hatte er Angst. Doch da war er nicht der einzige - auch ich hatte Angst. Angst, dass er mich, sobald er die Wahrheit wusste, verstoßen würde oder ich vielleicht die Truppe verlassen musste. Kurz war ich sogar versucht, einfach aufzuhören mit dem Reden und einfach kehrtzumachen, aber dann erinnerte ich mich an Preechas Worte. (Kursiv) Du musst es ihm sagen, sonst wirst du deine Angst nie überwinden...(EndeKursiv)
    Tief holte ich Luft und sprach zitternd:„Tae, ich habe dich nicht verlassen, weil ich dich nicht liebe. Ich habe dich verlassen, um mein Geheimnis zu wahren und dich zu beschützen." Tränen flossen meine Wange herunter, während ich die Worte herauspresste. Ich merkte, wie Taes Gesichtsausdruck sich veränderte, mit jedem einzelnen Wort. Allerdings konnte ich ihn nicht deuten und ich stammelte weiter:„Es fing alles an dem Tag an, an dem Callum Rafael tötete. In der Nacht hatte ich einen Traum. Karolin hatte ich gesagt, es sei nichts gewesen, doch es war ein Traum, welcher langsam Wirklichkeit wurde und heute frage ich mich, ob es vielleicht sowas wie eine Vision war oder der Anfang... In meinem Traum wart ihr alle tot, zu Eis gefroren, doch Callum war nicht der, der euch das antat. Es war ich... Und ich tötete auch dich, durch eine einzige Berührung...
    Es war nur ein Traum, doch, als ich aufwachte, umgab mich diese Kälte und ich spürte, dass etwas nicht stimmte. Jedes Mal, wenn ich jemanden berührte, ging meine Kälte auf diese Person über und ich hätte sie getötet, hätte ich sie nur ein wenig länger berührt...
    Von diesem Augenblick an hatte ich Angst, dass ich dich oder jeden anderen töten könnte. Also habe ich mich erst distanziert und dann mit dir Schluss gemacht..."
    Mittlerweile weinte ich bitterlich und schaute nur kurz auf, um zu sehen, dass auch Tae die Tränen entrannen. Er schaute mich etwas fassungslos an und stammelte meinen Namen.
    Weinend murmelte ich nun:„Es tut mir so leid, Tae! Ich wollte dich nie verlassen und es tut mir leid, dass ich es dir erst jetzt sage, aber ich hatte einfach Angst um dich. Ich konnte nicht mit euch darüber reden, weil ich Angst hatte, dass ihr mich dann als Gefahr seht... Es tut mir so schrecklich leid..." Leise und schluchzend fügte ich hinzu, während ich mein Gesicht in meinen Händen versteckte:„Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben..."
    Jetzt hörte ich Taes sanfte, leicht schluchzende Stimme:„Ist schon in Ordnung, Tomätchen. Bitte höre auf, zu weinen! Ich liebe dich und dann ist alles andere egal! Ich bin so froh, dass du es mir erzählt hast... aber jetzt höre bitte auf, zu weinen. Ich liebe dich..." Glücklich, aber immer noch schluchzend schaute ich auf, direkt in seine schönen Augen, welche mich liebvoll anschauten. Leise seufzte Tae:„Ich würde dich jetzt am liebsten in den Arm nehmen, aber ich denke, das wäre nicht die allerbeste Idee..." Leicht lächelte ich jetzt und meinte, während ich mir die Tränen wegwischte:„Schon gut. Es ist genug Trost, dass du mich nicht verstößt und ich es endlich los bin." Leise raunte der 24-jährige jetzt:„Ich würde dich niemals verstoßen, Tomätchen. Ich liebe dich und nichts ändert das!" Erleichtert lächelte ich meinen Freund nur an und hauchte:„Ich liebe dich, Tae." Darauf erwiderte dieser nur:,, Ich dich auch, Tomätchen. Und glaub mir, wir bekommen das hin, OK? Wir werden eine Lösung finden und dann werde ich dich bald wieder ganz fest umarmen, in Ordnung?" Vor Freude weinend nickte ich nur:„Ja, in Ordnung." Darauf lächelte Tae nur und meinte leise:„Wir werden es auch den anderen erzählen können. Ich weiß, du hast Angst, dass du rausgeworfen werden könntest, aber das wird nicht passieren! Ich werde alles dafür tun und solange Karo an der Macht ist, wird es sowieso nicht soweit kommen." Hoffnungsvoll fragte ich:„Meinst du wirklich? Ich meine, was machen wir, wenn Karo sich für das Wohl der anderen einsetzen will?" Ruhig antwortete Tae jetzt:„Mach dir keine Sorgen, Tomätchen! Karolin ist dafür, dass wir ALLE zusammenbleiben! Das schließt auch dich ein. Karo wird ganz sicher einen Weg finden, dass du bleiben kannst und dich niemand als Gefahr sehen wird! Ich kenne Karo, ich habe viel Zeit mit ihr verbracht, nachdem du dich von mir getrennt hattest. Sie tut alles, um die Gruppe zusammenzuhalten und sie ist wie eine richtige Mama. Und eine Mama lässt keins ihrer Kinder zurück und lässt auch nicht zu, dass eines von ihnen traurig ist. Glaub mir, sie wird sich um alles kümmern." Erleichtert lächelte ich Tae voller Liebe im Blick an und wusste in dem Moment, dass er recht hatte und ich war glücklicher als je zuvor. Ich hatte endlich Hoffnung, dass alles gut werden würde...

    Plötzlich ertönte ein lauter Schrei und kurz darauf hörte ich Lívias laute Stimme. Sie klang gleichzeitig ängstlich und wütend, während sie irgendwie vorsichtig klang. Verwirrt schauten Tae und ich uns an, während sich so langsam Panik in mir bildete. (Kursiv) Wird Lívia angegriffen? Der Schrei kam nicht von ihr, aber auch von keinem der anderen... Sollten wir zu ihr oder versuchen, die anderen zu holen? (EndeKursiv)
    Jetzt ertönte noch eine andere Stimme, welche mir zwar bekannt vorkam, ich aber nicht identifizieren konnte. Ich konnte nur feststellen, dass wohl zwei Leute bei Lívia waren und die eine Person angsterfüllt war, während die andere Person sich so anhörte als wollte sie seine Begleitperson beschützen und Lívia von sich fernhalten oder beruhigen.
    Kurz wechselte ich einen Blick mit Tae, welcher komplett verwirrt schien und gleichzeitig etwas ängstlich. Mit einem Kopfnicken bedeutete er mir jetzt, dass wir unbedingt zu Lívia mussten, um ihr zu helfen und wir rannten los.
    Wir schängelten uns durch die Bäume, doch nach und nach war es im Wald vernebelter und ich konnte kaum etwas erkennen. Lívia hatte also augenscheinlich ihre Kraft angewandt, was darauf hindeutete, dass sie tatsächlich in Gefahr war, denn sonst hätte sie sich durch ihre Kraft nicht verstecken wollen.
    Ich hörte nur Taes schnelle Schritte noch einige Meter neben mir und so langsam bekam ich Panik. Wir hörten keine Stimmen mehr und wir sahen nichts.
    Ich rannte einfach weiter und plötzlich sah ich direkt vor mir eine Person. Unfähig, rechtzeitig zu bremsen, lief ich beinahe in die Gestalt hinein, konnte es aber gerade noch verhindern, indem ich jedoch hinfiel und nun sozusagen auf dem Präsentierteller für diese Person lag, welche in dem Moment noch den Rücken zu mir gedreht hatte und ich sie somit nicht erkennen konnte. Doch dann drehte sich die Person etwas panisch um und blickte mich an. Wie erstarrt starrte ich zurück, war unfähig, zu sprechen, bis ich Taes Stimme, welche nach mir rief, vernahm und er wenige Momente später auch bei uns auftauchte. Sofort blieb auch er wie eingefroren stehen und starrte die Person fassungslos an.
    Ich denke, wir beide konnten nicht glauben, diese Person zu sehen...

    35
    Kapitel 124

    Einen Moment lang starrten wir uns gegenseitig an, komplett überfordert und einfach nur verwirrt. Die Person, welche uns gegenüber stand, schien genauso geschockt zu sein wie wir und brachte nicht ein Wort heraus. Schließlich stammelte Taehyung:„Hobi?" Darauf machte sich ein Lächeln auf dem Gesicht des Genannten breit, er stürmte auf Tae zu und rief aufgeregt:„Tae! Wir haben dich überall gesucht, aber dann kam dieses Mädchen und sie dachte, wir wollten sie angreifen. Ich hab geschrien, sie hat den Wald unter Nebel gesetzt und in dem Trubel bin ich in (d/n) gelaufen, habe aber Jimin verloren und..." Weiter kam der Mann nicht, denn Tae unterbrach ihn in seiner Rede, welche einem Rap glich:„Hobi, ganz ruhig! Warum bist du überhaupt hier?" Etwas beruhigt erwiderte der Koreaner:„Ich werde es euch erklären, aber erstmal müssen wir schauen, wo Jimin und dieses Mädchen sind. Ich nehme mal an, sie gehört zu euch?" Ich beantwortete die Frage, indem ich nickte und ihn aufklärte:„Ihr Name ist Lívia." Langsam nickte Hoseok daraufhin, während wir schon losgingen und Tae fragte:„Sind die anderen auch hier irgendwo oder nur Jimin und du?" Knapp erzählte das Bandmitglied:„Nur Jimin und ich. Ich werde aber gleich auch noch einmal alles genau erklären." Damit gaben wir uns dann erstmal zufrieden, während ich laut nach Lívia rief und Hobi nach Jimin.

    „Da seid ihr! Warte... ihr kennt die?" Lívia tauchte bei uns auf, Jimin hatten wir schon gefunden, wobei er sich übrigens sehr gefreut hatte und auch etwas überrascht gewesen war. Tae erklärte jetzt:„Ja, es sind meine Freunde. Sie wurden mit mir gemeinsam hier hingebracht, wurden aber letztendlich eigentlich nur als so ne Art Mitarbeiter eingebracht." Etwas verwirrt nickte die 13-jährige jetzt und hakte nach:„Und was machen sie dann hier?" Hobi sprach abermals:„Erklären wir gleich alles. Dann, wenn euer Rest auch dabei ist." Ruhig nickte die Brasilianerin nur wieder, etwas skeptisch und meinte:„OK, dann gehen wir mal zurück zu dem Rest..."

    Wir liefen durch die Ruinen, gerade durch die Tunnel, welche später zur Schatzkammer führten und Jimin staunte:„Ihr habt hier ja ein hübsches Versteck gefunden..." Tae erwiderte jetzt:„Naja, wir haben es nicht gefunden, es wurde uns gezeigt. Aber wir sind hier geblieben, da es ja doch ganz nett hier ist und Preecha gehört jetzt zu uns." Fragend hob Hobi eine Augenbraue:„Preecha?" Knapp erklärte ich:„Der Typ, der uns das hier gezeigt hat." Knapp nickten die zwei Freunde meines Partners daraufhin, bis wir bei den Unter-Wasser-Tunneln ankamen, durch welche wir natürlich durchmussten. Lívia sprach jetzt zu den zwei Jungs:„Wir müssen hier nun durchtauchen. Könnt ihr schwimmen?" Brav nickten die zwei, woraufhin die Brasilianerin zufrieden murrte und bereits hineinsprang. Tae sprang auch schon rein und ich schaute noch kurz die zwei Jungs an und meinte:„Haltet euch nah an uns, man kann da unten schnell verloren gehen und, wenn das passiert, kommt ihr nicht wieder hoch. Also bleibt nah an uns dran!" Als Zeichen, dass sie verstanden hatten, nickten die zwei und sprangen dann gleichzeitig mit mir ins kühle Nass.
    Schnell und sicher schwommen wir nun hindurch, bis wir wieder an Land kamen. Von dort gingen wir dann auch schon weiter in die Schatzkammer, woraufhin die beiden Musiker erstaunt den Mund öffneten wegen der vielen Schätze.
    Ich meinte jetzt:„OK, die anderen sind gleich da vorne um die Ecke."

    Schon liefen wir um die Ecke, wo Karolin stand. Diese erschrak, als sie die beiden Neulinge bei uns sah und wandte aus Vorsicht ihre Kraft an, was dazu führte, dass Hobi und Jimin von einem gewaltigem Windstoß umgeschubst wurden und nun etwas ängstlich auf dem Boden hockten. Karolin hingegen, welche die beiden nicht so schnell erkannt hatte, griff nun nach einem Schwert, welches in der Schatzkammer lag und richtete es auf die beiden. Das allerdings hatte die Folge, dass die zwei wie am Spieß kreischten, aus Angst, dass die 15-jährige sie aufspießen würde.
    Aber diese erkannte jetzt, wer dort vor ihr war und fragte ungläubig:„Jimin? Hobi?" Etwas verlegen grinsten die beiden erst, doch dann rief Hoseok aufgeregt:„Karolin!" Komplett verwirrt warf die Anführerin die gefährliche Klinge auf den Boden, während die zwei Jungs langsam wieder aufstanden und der ältere der beiden zu Karo lief und sie mit einer freundschaftlichen Umarmung begrüßte.
    Die Situation schien die Österreicherin etwas aus dem Konzept zu bringen und sie stammelte:„Sag, was macht ihr hier?"
    Auch der Rest der Truppe hatte sich mittlerweile bei uns versammelt und starrte die Neuankömmlinge teils einfach verwirrt und teils ängstlich an. Ich antwortete unterdessen auf Karos Frage:„Das wollten sie uns jetzt erzählen." Noch immer überfordert mit der Situation nickte die 15-jährige nur und murmelte:„OK, dann würde ich sagen, setzen wir uns einfach mal hin und ihr erklärt dem Rest erstmal, wer ihr seid..."

    Wir hockten alle an dem großen Tisch und es wussten nun alle bescheid, wer genau Jimin und Hobi waren. Erwartungsvoll schauten wir sie nun an, wissendurstig danach, warum sie nun hier waren und, was mit dem Rest war. Tae griff die Frage also noch einmal auf, woraufhin Hobi ganz von vorne anfing, zu erzählen:„Also... wir wurden weiterhin dort festgehalten. Wir bekamen alle eine Aufgabe und mussten dieser nachgehen. Da Jimin und ich keine besonderen Fähigkeiten in dem Sinne hatten, wurden wir einfach zum Putzen verdonnert. Dadurch, dass ihr nicht mehr bei uns aufgehalten wurdet, waren die ganzen Wächter auch zum Putzen eingestellt. Demnach hatten wir ziemlich viele Putzfeen und für diese eher wenig Arbeit.
    Hisoka, welcher natürlich der Fokus von allem war, hat euch seelenruhig dabei zugeschaut, wie ihr euch tötet und flieht. Wir selbst haben da nicht viel von mitbekommen. Aber, was ich mitbekommen habe, ist, dass Hisoka zwischendurch immer wieder über Kameras oder so schauen konnte, was ihr so macht.
    Irgendwann wurde er müde davon, dass so wenig Leute starben. Sind ja schließlich erst vier Tote oder so... Naja, wie auch immer, Hisoka wollte, dass das Ganze schneller ein Ende findet. Also hat er sich überlegt, muss er noch mehr Leute in die Arena schicken. Er hat sich einfach momentan eher nutzlose Angestellte herausgepickt, welche jung und dynamisch sind und sie als so ne Art Aufmischer eingesetzt. Wir wurden hier hineingesetzt und sollten den Laden in irgendeiner Art und Weise aufmischen. Jimin und ich haben uns eben dazu entschieden, Tae und sein Gefolge zu finden.“
    Tae unterbrach Hoseok nun:„Du musst eher sagen, dass ihr Karolin und ihr Gefolge finden wolltet. Anführerin hier ist nämlich sie.“ Darauf grinste der stets gut gelaunte Rapper seine Kumpeline an und fragte:„Echt? Cool, dass du die Gruppe anführst, aber mit die jüngste bist...“ Darauf zuckte die 15-jährige leicht lächelnd mit den Schultern und murmelte:„Es hat nicht jeder das Potenzial zur Führung... Da muss eben die Person ran, die es hat. Egal, wie alt sie ist...“ Plötzlich hustete Akiko daraufhin und murmelte etwas. Ich konnte nicht viel verstehen von dem, aber was ich definitiv sagen konnte, war, dass sie sich über Karolins Qualitäten als Anführerin beschwerte und sowas sagte wie von dem Motto, sie habe doch selbst kein richtiges Potenzial zu einer Anführerin.
    Das führte dazu, dass sowohl Karolin als auch überraschenderweise Hoseok der Japanerin einen verärgerten Blick schenkten. Das brachte mich insgeheim zum Schmunzeln. Ich wusste zwar, dass Hoseok Karolin einfach als gute Freundin sah und deswegen in einer gewissen Art und Weise schützen wollte, aber dennoch war es eine süße Geste.
    Federica fragte unterdessen:„Und was ist mit den anderen Jungs? Was waren denn deren Aufgaben, dass sie nicht mit hierhin gekommen sind.“ Knapp erzählte Jimin jetzt:„Yoongi haben sie in die Abteilung für Informatik und so gepackt, Jin muss kochen, Joon ist Dolmetscher und Kookie ist so ne Art Mädchen für alles. Der wird den ganzen Tag nur herumgescheucht... Wir als ehemalige Tanzlehrer hatten keine tragende Rolle.“ Das brachte die Italienerin nun etwas zum Schmunzeln, woraufhin auch Jimin grinste.
    Lívia hingegen fragte jetzt aufgeregt:„Und ihr seid die einzigen zwei, die in die Arena geschickt wurden?“ Hobi schüttelte direkt den Kopf, schien kurz zu überlegen und murmelte:„Es sind noch drei weitere hier drin... Zwei sind welche von den Wachen. Sie wurden mit Waffen ausgestattet und sollen einfach umbringen. Der Dritte ist der Junge, welcher euch immer das Essen gebracht hat.“ Kurz seufzte Hobi, drehte sich dann zu Jimin und fragte:„Wie hieß der Bursche noch gleich?“ Knapp antwortete der andere:„Lorenzo.“
    Zu diesen Worten sprang die Brasilianerin auf und fragte aufgebracht:„Was! Das ist mein Bruder! Wo ist er? Ist er bei euch gewesen? Wie geht es ihm? Muss er auch töten? Was, wenn er getötet wird?“ Die 13-jährige schien komplett panisch, woraufhin Karo sofort aufstand und versuchte, sie zu beruhigen:„Lívia, komm runter! Es geht ihm sicherlich gut!“ In den Augen der Brasilianerin bildeten sich langsam Tränen und sie schluchzte aufgelöst:„Und wenn ihm nun doch etwas passiert ist?“ Hobi trat nun neben Karolin und legte eine Hand auf Lívias Schulter. „Lívia, es geht ihm gut, mach dir keine Sorgen!“, sprach der Koreaner. Nun senkte sich etwas sein Blick und er murmelte:„Wir hatten ihm angeboten, mit uns zu kommen, aber er sagte, er wolle seine Schwester finden, dich... Aber mach dir wirklich keine Sorgen, der Junge kann gut auf sich aufpassen.“ Schnell wischte sich die 13-jährige ihre Tränen weg und murmelte:„Nein, er macht immer dumme Sachen! Alleine, dass ich hier bin, habe ich ihm zu verdanken. Er hat mich sozusagen verkauft! Ich nehme es ihm nicht übel, aber das war eben eine seiner dummen Entscheidungen. Auch, dass er nicht mit euch mitgegangen ist, ist dumm gewesen... Ich habe einfach Angst, dass er noch mehr dumme Entscheidungen trifft und sich irgendwann selbst umbringt! Ich meine, wenn er mich schon fast umbringt, dann wird er es bei sich selbst ganz bestimmt auch schaffen!“ Seufzend nahm Karolin die 13-jährige jetzt in den Arm und murmelte:„Hab ein bisschen mehr Vertrauen in deinen Bruder! Ich bin sicher, es geht ihm gut. Vielleicht findet er uns ja auch...“ Nachdem sich das junge Mädchen erst in Karolins Arme geschmiegt hatte, löste sie sich nun langsam, hatte sich augenscheinlich etwas beruhigt, murmelte aber plötzlich:„Wir müssen ihn suchen!“ Daraufhin protestierte die Anführerin sanft:„Das geht nicht, Lívia... Wenn wir ihn jetzt suchen, riskieren wir unser aller Leben!“ Wütend fauchte die Brasilianerin jetzt wie aus dem Nichts:„Und wenn wir ihn nicht suchen, schicken wir ihn in den Tod! Außerdem riskierst du doch sowieso schon unser aller Leben, indem du uns gegen Callum kämpfen lässt! Da können wir uns doch auch auf sie Suche nach Lorenzo begeben!“ Leise seufzte die 15-jährige jetzt nur, schüttelte den Kopf und senkte enttäuscht den Blick.
    Akiko hob nun die Stimme:„Lívia, du hast meiner Meinung nach schon irgendwie recht, aber es wäre dennoch nicht schlau, nach deinem Bruder zu suchen... Ich bin mir sicher, er kann auf sich selbst aufpassen und, wenn wir ihn jetzt tatsächlich suchen, setzen wir vielleicht ja auch sein Leben trotzdem auf's Spiel... Ich denke, wir sollten jetzt vielleicht auch schlafen gehen. Es ist spät, wir alle sind müde und können nicht mehr so klar denken. Morgen werden wir einfach noch einmal über alles sprechen, in Ordnung?“
    Scheinbar durch die Ansprache der Japanerin beruhigt nickte die mittlerweile Jüngste in der Gruppe nur und schluchzte noch:„Aber wenn ihm etwas passiert?“ Karolin hob nun wieder den Blick, der etwas brummig wirkte und murrte:„Wir werden von nun eine Wache in den Ruinen aufstellen, welche schaut, ob Lorenzo vorbeischaut.“ Sofort protestierte die 18-jährige Akiko:„Jetzt im Ernst? Das ist doch viel zu gefährlich, alleine da oben zu hocken und...“ Bevor sie ihren Protest vollenden konnte, murrte Karo schlecht gelaunt:„Reg dich ab, ich mache das! Du musst dich da eh nicht drum kümmern, du bist schließlich nicht für die Führung zuständig!“ Daraufhin schaute Akiko die Österreicherin beleidigt an und seufzte:„Mach doch, was du willst! Immerhin ist Lívia dann etwas beruhigt...“ Leise brummte Karolin jetzt:„Was glaubst du, was die Intention dahinter war?“ Darauf antwortete die Japanerin jedoch nicht und Karolin begab sich bereits auf den Weg nach oben, in die Ruinen. Hoseok schaute ihr jetzt hinterher und sprach dann in seiner gut gelaunten Art:„Ich werde mit dir mitgehen!“
    So verschwanden die beiden unterschiedlichen Charaktere dann in die Ruinen, während ich, ebenso wie viele andere, verwirrt hinterherschaute. Es war seltsam, wie Karolin so schlecht gelaunt wurde. Ich meine, sicher, wir kannten es eh nicht anders von der 15-jährigen, aber dennoch war es anders als sonst. Allerdings konnte ich mir auch vorstellen, warum sie so reagierte - Akiko nahm die Führung für einen Moment an sich und Karo konnte das nicht abhaben. Schließlich wirkte es dann oft so als würde man sie als Führung nicht akzeptieren, aber die der perfekten Akiko wohl...
    Warum Hoseok mit ihr mitgegangen war, konnte ich mir auch gut erklären - Die beiden waren Freunde und Hoseok konnte die mürrische Anführerin stets aufmuntern. Tae sagte einmal, es sei so wie mit Yoongi. Der war auch meist schlecht gelaunt und negativ eingestellt, aber doch verstanden sich die zwei wirklich unterschiedlichen Jungs sehr gut. Es lag wohl daran, dass der eine den anderen aufmunterte oder auf den Boden der Tatsachen behielt. Sie ergänzten sich einfach gut. Oder wie man auch so schön sagt, Gegensätze ziehen sich an! Und genauso war es wohl bei Karo und Hobi.

    Nachdem die zwei verschwunden waren, um Wache zu halten, trennten sich unten in der Schatzkammer die Wege. Lívia und Juan legten sich schlafen, während Akiko einfach wach neben ihnen saß und mit ihrer Kraft spielte. Amba und Michal waren wieder beisammen und steckten ihre Köpfe zusammen, sich scheinbar über die neuen Ereignisse unterhaltend. Jimin hatte sich zu Federica gesellt und baute gerade mit ihr zwei weitere Betten für Hoseok und sich. Preecha beobachtete das Treiben von seinem Platz aus und schien dabei wirklich nachdenklich.
    Ich hingegen blieb bei Tae, allerdings mit Abstand. Da er jetzt wusste, was los war, brauchten wir uns nicht mehr aus dem Weg zu gehen und wir redeten noch einmal über alles. Dabei schlug Tae vor, was wir versuchen könnten, dass meine Kräfte sich kontrollieren ließen und wir redeten darüber, wann wir es dem Rest erzählen wollten und wie genau wir es ihnen vermittelten.
    Bei unserem Beisammensitzen ernteten wir viele überraschte Blicke. Schließlich hatten wir uns vorher praktisch die ganze Zeit ignoriert oder waren am Streiten und jetzt hockten wir ganz plötzlich seelenruhig zusammen dort und blickten uns zum ersten Mal seitdem wieder richtig mit Liebe an. Das sah man natürlich sofort, was alle nur noch mehr verwirrte. Auch Preechas Blick lag auf uns, doch seiner schien eher wissend und stolz. Mir war auch klar, warum. Schließlich hatte er mir gesagt, ich müsse mit Tae darüber reden und er hatte mein Geheimnis als auch mein Vorhaben gekannt. Demnach war es keine große Überraschung mehr für ihn gewesen.

    36
    Kapitel 125

    „Ich würde sagen, wir erzählen es ihnen morgen. Gemeinsam!", sprach Tae mir leise zu, während er liebevoll lächelte. Ich nickte nur schwach lächelnd, ängstlich vor dem, was sie wohl sagen würden und, als ob er meine Gedanken lesen konnte, munterte Tae mich nun auf:„Aber keine Sorge, Tomätchen, sie werden es akzeptieren, das weiß ich. Sie werden es verstehen und gemeinsam finden wir eine Lösung! Du brauchst also keine Angst zu haben, OK?" Leicht nickte ich nun dankbar lächelnd und rieb mir dann vor Müdigkeit die Augen. Das bemerkte Tae natürlich und er murmelte fürsorglich:„Ich denke, wir gehen dann mal besser schlafen, nicht?" Wieder nickte ich nur müde und stand bereits auf, um zu meinem Bett aus Palmwedeln zu torkeln. Mein Freund stand ebenso auf und murmelte leise:„Ich bin sofort wieder da..."
    Somit ging er dann weg, direkt auf Amba zu, welche natürlich noch bei Michal hockte. Die beiden saßen vor dem Feuer, welches abends immer von Preecha entfacht wurde, hielten Händchen und Amba hatte ihren Kopf auf Michals breiter Schulter ruhen. Es sah so aus als wären sie ein Paar, doch ich wusste, dass es nicht so war. Allerdings rechnete ich fest damit, dass es sich noch zu diesem entwickeln würde.
    Als Tae bei den beiden ankam, lächelte er kurz und fragte etwas, was ich von meinem Platz aus jedoch nicht verstehen konnte, da ich doch etwas zu weit entfernt war. Ich erkannte, wie Amba den Koreaner erst total überrascht anschaute und dann etwas fragte. Tae antwortete sehr knapp, woraufhin Amba nur nickte, dann mit den Schultern zuckte und wieder etwas sagte. Dies wiederum schien Tae zu erfreuen, denn er lächelte und verbeugte sich kurz zum Dank, wie es in Korea wohl Brauch war.
    Dann kam er wieder zu mir hinüber, grinste dabei breit und meinte:„Amba und ich haben abgemacht, dass ich heute Nacht in ihrem Bett penne, damit ich bei dir liegen kann. Sie wollte dann in Karos Bett, welches ja ohnehin frei ist, sodass sie bei Michal liegt." Freudig lächelte ich, fragte dann aber etwas besorgt:„Hat sie nicht gefragt, ob wir uns vertragen haben oder so?" Tae erwiderte, während er es sich schon in Ambas Bett gemütlich machte:„Doch, hat sie. Aber ich habe ihr einfach gesagt, dass wir uns nie tatsächlich zerstritten hätten und wir uns nicht mehr aus dem Weg gehen. Damit hat sie sich zufrieden gegeben, von sofern ist doch alles in Butter." Zustimmend nickte ich lächelnd und legte mich ganz hin, während mein Blick liebevoll auf Tae ruhte, welcher in dem Nebenbett lag, aber auf meinen Wunsch hin immer noch genug Abstand hielt. Tae lächelte zurück und murmelte jetzt leise:„Gute Nacht, Tomätchen." Grinsend erwiderte ich diesen Gruß und machte bereits die Augen zu, als ich Jimins laute Stimme aus der Ecke vernahm:„Gute Nacht, TaeTae und (d/n)!" Ich schmunzelte nur, während Tae jetzt grinsend für uns beide antwortete:„Danke, dir auch, Jiminie!"

    „Aufstehen, meine Freundeeeeee!" Verwirrt öffnete ich die Augen und erblickte die, wie immer, gut gelaunte Federica, wie sie auf dem Berg aus Schätzen stand und von dort aus zu uns hinunterrief. Neben ihr stand der grinsende Jimin. Auch Tae neben mir war durch die gute Laune der Italienerin aufgewacht und schaute nun gähnend zu ihr und seinem Bandmitglied auf. Dann schaute er zu mir, wie ich mich gerade aufsetzte, lächelte und sprach leise:„Guten Morgen, Tomätchen! Gut geschlafen?" Lächelnd nickte ich nur und schaute mich jetzt noch schlaftrunken um. Preecha war ebenfalls wachgeworden und schaute nun um sich herum, während er sich vorsichtig seine angeschwollene Nase rieb. Akiko und Lívia wurden gerade nahezu gleichzeitig wach, während Juan jedoch sich noch nicht regte. Amba und Michal lagen zusammengekuschelt dort und hoben nun langsam ihre Köpfe. Jetzt huschte mein Blick nach rechts, wo die letzten zwei Schnarchnasen schliefen - Karolin und Hobi. Die beiden Nachtwachen für Lorenzo schliefen tief und fest, während Karolin den älteren wie ein Kuscheltier im Schlaf umarmte und dieser sein Bein auf ihr abgelegt hatte und ebenso einen Arm um sie hatte. Belustigt grinste ich zu den zweien hinüber und meinte dann zu Tae:„Die zwei sehen aus als wären sie ein Paar. Oder als wären sie zwei Babys, die sich gegenseitig als Kuscheltier nutzen - richtig süß." Grinsend nickte Tae nun, während wir gleichzeitig aufstanden und meinte:„Stimmt wohl, aber für ein Paar ist der Altersunterschied wahrscheinlich zu groß, wobei ich ja immer sage, dass Alter nur eine Zahl ist, aber dennoch. Aber ich sehe die beiden eher als gute Freunde. Karo klammert sich am Schlaf doch immer an irgendetwas, noch nie aufgefallen?" Schmunzelnd antwortete ich:„Doch, ist es. Sonst hat sie immer einen der Palmwedel oder so im Arm. Heute ist es wohl Hobi..."
    Darauf nickte mein Freund wieder und schlenderte nun zu den Schlafenden hinüber. Leise murmelte er:„Ach, wie gerne ich jetzt doch mein Handy hätte, um ein Foto zu machen..." Zustimmend nickte ich jetzt, während Tae sich nun einfach auf die beiden drauflegte, um sie so zu wecken und rief laut in ihre Ohren:„Aufsteheennnn!" Dies schreckte die Anführerin und den Rapper sofort auf und sie murrten verschlafen.
    Als Tae sich dann wieder von ihnen runterrollte, setzten sich beide auf und blickten uns müde an. Tae lachte jetzt:„Ihr zwei seht ja echt gut aus! Ihr hättet euch aber mal gerade sehen müssen! Ihr habt euch gegeneitig umarmt wie ein Kleinkind, das mit seinem übergroßen Kuscheltier schmust! Das war richtig süß!" Als Antwort bekamen wir von Karo nur ein müdes Murren und Hoseok grinste jetzt:„Na, immerhin sind wir in unserem Alter noch süß und nicht so alt, schrumpelig und hässlich wie ihr!" Daraufhin mussten wir alle grinsen und Federica rief von Weitem rüber:„Jetzt steht endlich auf! Ich habe Hunger und Karo muss die Truppe einteilen!"

    So hatte Karo dann schnell die Truppe eingeteilt, welche auch sofort losgegangen war und nach etwa einer Stunde direkt wiedergekommen war.
    Schnell aßen wir jetzt, während Lívia hoffnungsvoll fragte:„Habt ihr irgendetwas von Lorenzo gesehen, Karo, Hobi?" Karolin schüttelte nun müde den Kopf, während sie an ihrer Frucht knabberte und sprach:„Wir haben die ganze Nacht nichts von ihm gesehen, aber mach dir keine Sorgen, es geht ihm bestimmt gut!" Daraufhin seufzte die Brasilianerin nur leise, während die 15-jährige Österreicherin schon weitersprach:„Wir werden uns aber heute ein bisschen etwas dazu überlegen, in Ordnung?" Schwach nickte die 13-jährige nur und aß, ebenso wie der Rest, schweigend weiter.

    Nach dem Essen trafen wir uns direkt zu einer großen Runde an dem Tisch, welche Karo wie immer eröffnete und direkt ansparch, was wir nun wegen Lorenzo tun sollten. Akiko, welche ihre Meinung ja gerne sagte, meinte nun:„Wenn ihr mich fragt, sollten wir ihn suchen, allerdings nicht direkt dafür aufbrechen. Er kann bestimmt auf sich selbst aufpassen und, wenn wir dann soweit sind, dass wir Callum und seine Truppe angreifen, können wir ja gleichzeitig Ausschau nach ihm halten." Karolin nickte langsam und sprach ruhig:„Da sind wir tatsächlich mal einer Meinung. Ich denke nicht, dass es so intelligent wäre, jetzt einfach aufzubrechen und Lorenzo zu suchen..." Lívia stand nun auf und sprach mit ruhiger, aber fast schon bedrohlicher Stimme:„Wir können hier doch nicht einfach sitzen und nichts tun! Er ist mein Bruder und er hat keine Kräfte, die ihn beschützen! Wenn er Callum in die Arme läuft, ist er tot!" Preecha kam nun wieder seinem Hobby, dem Wütend-Machen, nach und fragte in herausfordernder Stimme und einem Schmunzeln auf dem verbranntem und angeschwollenem Gesicht:„Aber war dein Bruder denn nicht der, der dich hier überhaupt hereingebracht hat? Es ist doch alles seine Schuld?" Das brachte die 13-jährige tatsächlich direkt zur Weißglut und sie brüllte:„Und? Deswegen ist er doch trotzdem mein Bruder!" Das brachte den Thai wieder zum Grinsen, wohingegen Lívia am liebsten weitergebrüllt hätte, doch die Anführerin hob nun zum Zeichen, dass alle Ruhe geben sollten, die Hand und sprach ruhig:„Lívia, ich verstehe dich sehr gut. Preecha, du reißt dich jetzt mal am Riemen! Sieh mal, Lívia, wir können nicht einfach alles, was wir uns hier erarbeitet haben, mit einem Mal wegwerfen. Dein Bruder ist 15 Jahre alt, älter als du und auch du konntest auf dich aufpassen. Er wird es ebenso können! Traue ihm etwas mehr zu!" Wütend fauchte die Brasilianerin jetzt aber kein Stück beruhigt:„Nur, weil er älter ist, heißt es nicht, dass er auch auf sich aufpassen kann! Am Ende wird er sterben, ebenso wie Malou!" Diese Aussage ließ die 15-jährige jetzt für einen Moment verharren und in ihrem Blick spiegelte sich pure Trauer wieder. Gleichzeitig ballte die Österreicherin jedoch die Hände zu Fäusten, als wenn sie wütend wäre.
    Hobi und Jimin, welche komplett verwirrt schienen, schauten nun beide zu Karolin und Hoseok fragte leise:„Wer war Malou und was ist mit ihr passiert?" Mit zitternder Stimme berichtete Karolin, während sie auf dem Boden nach Ablenkung suchte:„Sie war Mitglied von uns, eine 10-jährige Afrikanerin. Sie war wie eine weitere kleine Schwester für mich. Doch Callum tötete sie. Sie starb in meinen Armen..." Schockiert und gleichzeitig bedrückt legte Hoseok einen Arm um die trauernde Karo, welche jedoch trockene Augen behielt und er murmelte:„Das tut mir leid..." Leicht schüttelte die Anführerin nur noch den Kopf, als wollte sie den Gedanken loswerden und sprach nun mit lauter Stimme:„Ich kann dich verstehen, Lívia, wirklich. Ich meine, ich habe sechs Geschwister. Ich möchte sie auch nicht verlieren. Wir werden nun jede Nacht eine Wache aufstellen, die nach Lorenzo Ausschau hält! Wer das nicht möchte, wird einfach nicht als Wache aufgestellt!" Den letzten Satz sagte sie in Richtung Akiko, welche sich noch am Vortag beschwert hatte. Wieder wollte nun Lívia etwas sagen, doch Karolin schnitt ihr das Wort ab:„Das ist alles, was wir momentan tun können." Daraufhin seufzte die Brasilianerin jetzt nur und bedankte sich dann leise, während die Österreicherin immer noch in Gedanken zu Malou auf den Boden starrte. Hoseok, welcher neben ihr saß, schaute mittlerweile nur noch selbst bedrückt zu ihr.
    Mein Blick wanderte unterdessen zu Tae, welcher mich bedeutungsvoll anschaute und dann mit dem Kopf unauffällig zu Karo zuckte. Sofort wusste ich, was er wollte - Er meinte, es wäre jetzt der Zeitpunkt, den anderen mein Geheimnis zu erzählen. Leicht, aber entschlossen nickte ich ihm nur kurz zu und hob dann meine Stimme:„Tae und ich müssen euch noch etwas erzählen..." Sofort fragte Federica nicht sehr taktvoll:„Du bist schwanger?" Fast hätte ich mich dann an meinem eigenem Speichel verschluckt und entwarnte:„Nein, so schlimm ist es dann, glaube ich, auch nicht!" Karolin hingegen schaute daraufhin auf, lächelte schwach und meinte:„Hätte mich aber ehrlich gesagt gar nicht verwundert. Stimmungsschwankungen hattest du in letzter Zeit genug." Beleidigt murrte ich nur:„Haha, sehr witzig... Aber nein, das ist es, wie gesagt, nicht." Ich merkte nun, wie mich alle anstarrten, vor allem Preecha und Michal. Die beiden kannten mein Geheimnis nämlich und schienen sich denken zu können, dass ich das sagen wollte. Der Rest jedoch schien sehr neugierig zu sein und ich fing etwas zögerlich an:„Nun... Wie ihr alle wisst, habe ich mich vor einiger Zeit von Tae getrennt. Damals sagte ich, ich habe einfach realisiert, dass ich ihn nicht liebe, aber damit habe ich gelogen..." Weiter kam ich erstmal nicht, denn Jimin, welcher gerade Wasser aus einem der Silberkelche trank, verschluckte sich und spuckte das ganze Wasser aus, während Hoseok seine Gedanken aussparch:„Ihr zwei wart ein Paar!" Vorsichtig nickte ich nur und murmelte:„Ja, waren wir. Wir erzählen das Jimin und dir später noch einmal genauer." Damit gaben sich die zwei dann erstmal zufrieden, obwohl ihnen die Neugierde ins Gesicht geschrieben stand. Ich fuhr unterdessen fort:„Naja, auf jeden Fall habe ich gelogen. Ich habe nie aufgehört, ihn zu lieben. Das Ganze hatte einen ganz anderen Grund..." Knapp erzählte ich alles und ich merkte, wie nach jedem Satz die Kinnladen der anderen ein Stückchen mehr hinunterfielen.
    Als ich schließlich zu Ende erzählt hatte, schloss ich das Ganze noch unter Tränen ab:„Ich habe es nicht erzählt, weil ich Angst habe, dass ihr mich dann als Gefahr sehen werdet und mich vielleicht verstoßt oder so..." Karolin fasste sich so ziemlich als erste wieder und sprach etwas verunsichert, aber dennoch überzeugt:„(d/n), du hättest uns ruhig davon erzählen können! Das hätte eine Menge erspart! Ich meine, ich kann deine Angst verstehen, aber du kannst dir sicher sein, dass ich dich auf jeden Fall nicht verstoßen werde! Du kannst schließlich nichts dafür, es sind keine bösen Absichten. Schon, irgendwie bist du eine Gefahr für uns, aber das wird mich nicht davon abhalten, dich bei uns zu behalten!" Hoffnungsvoll schaute ich das Mädchen mit den dunklen Haaren nun an und fragte freudig:„Wirklich?" Aufmunternd lächelte diese jetzt und nickte dabei:„Ja, natürlich. Wir werden eine Lösung finden, da bin ich mir sicher." Tae rief nun plötzlich wie aus dem Nichts:„Ha, ich habe dir gesagt, dass sie so reagieren wird!" Etwas belustigt murmelte die Anführerin jetzt:„Ah, Tae wusste also schon davon..." Lívia schaltete sich dazu:„Sie muss ihm gestern gesagt haben, als wir was zu Essen geholt haben. Also hat dein Plan praktisch funktioniert, Karo!" Verwirrt drehten wir uns nun alle zu der Österreicherin und ich sprach unser aller Gedanken aus:„Was für ein Plan?" Etwas verlegen grinste die 15-jährige:„Naja, mir war klar, dass du damals gelogen haben musst. Ich wollte euch zwei einfach wieder ein wenig zusammenbringen. Also habe ich euch extra zusammen eingeteilt und Lívia gesagt, sie solle euch schön alleine lassen. So konntet ihr reden und naja, es hat ja scheinbar funktioniert. Lívia und ich waren uns nämlich einig, dass ihr euch eigentlich wohl beide noch liebt und wollten euch wieder zusammenführen. Lívia hat also sozusagen für mich gearbeitet." Vollkommen überrascht schauten wir die Anführerin nun alle an und ich fing langsam an, zu lächeln:„Naja, du scheinst ja echt ganz schön ausgeklügelt zu sein..." Darauf grinste die 15-jährige nur und meinte:„Jetzt liegt es noch daran, eine Lösung zu finden..."

    37
    Kapitel 126

    „Solange wir keine Lösung haben, würde ich darum bitten, dass ihr euch alle etwas von (d/n) fernhaltet!“, sprach Karolin nun zu uns allen. Da nun alle mein Geheimnis kannten, mussten sie selbst für ihre Sicherheit sorgen, während Karolin jetzt darüber grübelte, was man dagegen tun könnte. Die Anführerin fragte mich jetzt auch:„Wussten abgesehen von Tae und dir eigentlich noch jemand eher davon?“ Ruhig erzählte ich:„Naja, Tae weiß es ja erst seit gestern, aber Michal wusste es schon eher. Ich habe es ihm kurz nachdem er sich uns angeschlossen hat, erzählt. Ich hatte mir erhofft, er wüsste vielleicht eine Antwort, da er ja immer mit Callun unterwegs war und er seine Kräfte beherrschte. Allerdings konnte Michal mir nicht helfen und schwor mir, nichts weiterzuerzählen. Preecha weiß es seit ein paar Tagen, er ist so ziemlich selbst drauf gekommen. Er hat mir dann auch geraten, ich solle es Tae erzählen. Der Rest wusste, soweit ich weiß, nicht eher etwas davon.“ Nachdenklich nickte die Österreicherin jetzt und murmelte dann:„Scheint so als könne Michal gut Geheimnisse bewahren. Zumindest hat er mir nichts davon erzählt...“ Leicht lächelte ich nur und meinte:„Tja, scheint so... Er hat mir damals gesagt, dass es von Person zu Person unterschiedlich sei, wie sich die Kräfte kontrollieren lassen.“ Langsam nickte die 15-jährige wieder und schaute sich dann etwas um.
    Die anderen wurden dazu beauftragt, ein wenig weiterzutrainieren. Nur Tae, Karo und ich redeten gerade miteinander.
    Plötzlich schien Karolin etwas in den Sinn zu kommen und sie hakte nach:„Du hattest deine Kräfte doch damals auch nicht richtig unter Kontrolle... Wie hast du es hinbekommen, sie das tun zu lassen, was sie sollten?“ Leise erzählte ich:„Naja, ich denke, bei mir arbeiten die Kräfte emotionsbedingt. Ich habe damals all meine negativen Emotionen zur Seite geschoben. Somit habe ich dann gelernt, sie richtig einsetzen zu können...“ Etwas triumphierend wirkend schaute das dunkelhaarige Mädchen mich nun an und meinte dann mit einem stolzen Lächeln im Gesicht:„Du sagtest, du spürest die Kälte seit Rafaels Tod. Du hattest in der Nacht diesen Traum, auf den ich dich auch ansprach. Wie ich mittlerweile weiß, waren wir dort alle zu Eis gefroren, durch dich. Du hattest also das Szenario im Kopf, dass du uns alle ungewollt getötet hast. Seitdem hattest du Angst, dass das die Wirklichkeit sein könnte. Angst ist eine negative Emotion.“ Tae machte neben mir nun große Augen und führte Karos Gedankengang weiter:„Durch diese Angst wurde also die Kälte freigesetzt!“ Knapp nickte Karolin nun:„Ganz genau! Also müsste es doch auch eigentlich so sein, dass die Kälte sich kontrollieren lässt, wenn sich auch die Angst kontrollieren lässt!" Überfordert schaute ich die Österreicherin an und murmelte:„Das sagt sich so leicht! Probier du mal, deine Angst zu überwinden! Ich könnte euch alle jederzeit töten, wenn ich euch nur berühre!" Leicht seufzte Karo nun erst, während Tae mich nur mitfühlend anschaute, bis die 15-jährige dann endlich ruhig erklärte:„Sieh mal, (d/n)... Du hast diese Angst, seitdem Callum Rafael getötet hat. Die Kälte wird durch die Angst freigesetzt und gleichzeitig wird sie davon auch noch angefeuert. Schließlich hast du ebenso Angst vor der Kälte, welche sich dadurch nur verschlimmert. Es ist also quasi ein ewiger Teufelskreis. Aus diesem kannst du nur ausbrechen, wenn du deine Angst durchbrichst. Denn, wenn du keine Angst mehr hast, wird auch die Kälte dadurch nicht verschlimmert, bis sie ganz weg ist, ebenso wie die Angst. Ist also deine Angst weg, ist auch die Kälte futsch.
    Und ich weiß, das wird dich sicher eine Menge Überwindung kosten, aber du musst das verstehen und die Angst einfach mal abschalten!" Verärgert fauchte ich:„Es ist nicht so einfach, seine Gefühle abzuschalten! Du verstehst das wahrscheinlich nicht, aber egal!" Das wiederum schien Karolin wirklich wütend zu machen, denn sie kam mir einen Schritt näher, schaute irgendwie bedrohlich und konterte in ruhiger, aber dennoch vor Wut kochender Stimme:„Jetzt hör mal gut zu! Es ist nicht so als hätte ich keine Gefühle oder so, das brauchst du mir gar nicht erst vorwerfen! Meine Gleichgültigkeit lässt sich vielleicht damit erklären, dass ich keine Lust habe, einen Riesen-Aufstand zu machen! Es ist sehr wohl einfach, seine Emotionen zu unterdrücken! Ich gebe zu, vielleicht dauert es seine Zeit, bis man es hinbekommt, aber sobald du es hast, ist es das leichteste der Welt! Tue nicht so als würde ich nichts davon verstehen!"
    Mit den Worten verließ die 15-jährige uns dann, um sich zu Hobi und Jimin zu gesellen, welche gerade am Rand hockten und den anderen beim Trainieren zuschauten. Karolins Ausraster verwirrte mich, obwohl ich ihn sogar gewissermaßen verstehen konnte. Ich meine, es war nicht schwer zu verstehen, dass ich der Anführerin vorwarf, sie würde keine Emotionen haben und somit auch nicht wissen, dass es schwer ist, sie zu verdrängen. Schließlich schien es eigentlich fast immer so als würde der Österreicherin vieles einfach am A*sch vorbeigehen. Ich sah sie eigentlich nie wirklich weinen. Nur, als Malou gestorben war, tat sie es. Aber sonst schien sie meist wirklich emotionslos. Die einzige Emotion, die sie wohl wirklich nicht sehr gut verstecken konnte, war die Wut.
    Allerdings fühlte ich mich nun auch nicht wirklich schuldig. Ich fand es dreist von Karolin, mir zu sagen, es sei doch so einfach, seine Emotionen abzuschalten. Denn das war es, zumindest für mich, ganz und gar nicht.
    Doch, was Karolin gesagt hatte, brachte mich zum Nachdenken. (Kursiv) Sie hat auch Emotionen, natürlich. Aber warum macht es sie so wütend, wenn ich ihr vorwerfe, sie habe sie nicht oder vielleicht einfach nicht so sehr ausgeprägt wie manch andere? Ich gebe zu, es war vielleicht auch nicht sehr taktvoll von mir, aber es ist einfach dreist von ihr, so zu tun, als wäre das Verstecken von Emotionen das einfachste der Welt! Doch sie blieb bei ihrer Meinung... Heißt es, dass sie vielleicht eigentlich gar nicht so emotionslos ist, sondern ihre Gedanken und Gefühle auch einfach verdrängt und quasi auslöscht? Möglicherweise ist Karolin eigentlich sehr emotional und versteckt dies durch ihre brummige Art? (EndeKursiv)

    Tae riss mich nun aus meinen Gedanken, indem er sprach:„Tomätchen, du darfst es Karolin nicht so krummnehmen. Sie versucht nur zu helfen. Aber ich kann dich dennoch verstehen, wenn du dich dadurch vielleicht auf den Schlips getreten fühlst. Sie hat es tatsächlich ziemlich einfach dargestellt..." Den Kopf schüttelnd murmelte ich nun:„Ich weiß, ich hätte mich auch nicht so benehmen müssen. Ich war einfach wütend, weil ich schon so lange versuche, meine Angst einfach verschwinden zu lassen und Karo jetzt so tut als wäre es ein Klacks..." Sanft lächelte mich mein Freund daraufhin an und meinte:„Das verstehe ich, Tomätchen. Weißt du, du kannst dir so viel Zeit lassen, wie du eben brauchst. Wir werden dir alle dabei helfen, aber du musst es auf jeden Fall weiterhin versuchen!" Entschlossen schaute ich Tae nun an und sprach:„Das werde ich! Ich werde nicht aufgeben!" Leiser fügte ich hinzu:„Vielleicht muss ich mich auch bei Karo entschudligen oder so. Obwohl ich das eigentlich gar nicht einsehe..." Tae zuckte daraufhin mit den Schultern:„Naja, du kannst nie wissen, welchen Nerv du damit getroffen hast. Vielleicht hast du sie irgendwie verletzt..." Langsam nickte ich nur, während ich mich schon nach der Anführerin umschaute.

    Karolin hockte zwischen Hobi und Jimin, schweigend und schaute mit leerem Blick auf die anderen, wie sie trainierten. Die beiden Jungs hingegen unterhielten sich über die 15-jährige hinweg und schienen dabei gut gelaunt und etwas so als würden sie ihre Anwesenheit gar nicht wirklich bemerken.
    Ich ging nun zu den dreien rüber, mit Tae an meiner Seite, während mir ein Seufzer entfuhr. Schließlich bei den dreien angekommen, räusperte ich mich kurz, woraufhin auch Hobi und Jimin innehielten. Karolin hingegen schaute nur kurz auf, bevor sie wieder ihren starren Blick senkte. Ich fing nun an:„Karolin, mir tut leid, was ich gesagt habe, falls ich dich damit irgendwie verletzt habe oder so. Du hast natürlich auch Gefühle und ich wollte mich auch nicht so anhören als hättest du keine..." Weiter kam ich nicht, denn die 15-jährige schaute nun hoch und murmelte mit einem schwachen Lächeln auf den Lippen:„Ist schon in Ordnung, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Wir haben uns beide danebenbenommen. Ich kann ja auch dich verstehen. Es kostet seine Zeit, bis man seine Emotionen verdrängen kann. Ich hätte es nicht so auf die leichte Schulter nehmen sollen. Ist jetzt aber ja auch egal... Ich will nicht wieder streiten oder so..." Verständnisvoll lächelte ich nur und meinte:„Naja, wir brauchen jetzt noch eine Idee, wie wir meine Angst verschwinden lassen." Jimin und Hobi, welche beide nicht so richtig informiert waren, schauten uns nur verwirrt an, während die Österreicherin nun nachdenklich murmelte:„Wir müssen dir irgendwie zeigen, dass die Kälte zurückgeht... Preecha könnte helfen." Mit erhobener Augenbraue fragte Tae jetzt:„Wie sollte Preecha uns helfen können?" Ruhig erwiderte Karo:„Ist ganz einfach. (d/n)s Kälte kann ihm nichts anhaben, weil er die Kraft des Feuers hat. Das heißt, dass (d/n) ihn einfach berühren kann und Preecha die Kälte im schlimmsten Fall abstoßen könnte. Wie stark die Kälte ist, kann er ja selbst sagen, weil er gegen sie ankämpft. (d/n) kann an ihm also trainieren, ihre Angst loszuwerden." Verstehend nickte Tae nun, während die Anführerin den Thai schon zu sich rief. Diesem erklärte sie den Plan schnell, woraufhin der 25-jährige murmelte:„OK, dann fangen wir doch einfach direkt an!"

    38
    Kapitel 127

    Etwas verunsichert blickte ich den Thai vor mir an. Dieser grinste mich nur herausfordernd an und meinte:„Na los, berühre mich! Gib mir einfach deine Hand oder so!" Zögerlich schaute ich den 25-jährigen an und sorgte mich:„Und was, wenn meine Kräfte nun stärker sind oder so und ich dir doch wehtue?" Verständnisvoll lächelte der andere daraufhin nur und meinte:„Keine Sorge, (d/n), das wird nicht so sein!" Karolin, welche mit Tae am Rand stand und zuschaute, fügte hinzu:„Solange du dir nicht zu viele Gedanken machst, kann nichts passieren! Denk dran, der Teufeskreis kann nur durchbrochen werden, wenn du deine Angst vergisst!" Langsam nickte ich daraufhin nur, während ich mir nervös auf die Lippen biss und dann langsam meine Hand ausstreckte, geradewegs auf Preechas zu. Ich spürte nun seine warmen Fingerspitzen, welche sich nicht ein Stückchen von der Stelle bewegten und schloss meine eigenen, eisigen Finger nun ganz um seine Hand. Dabei verzog der Thai keine Mine, sondern stand vollkommen entspannt dort. Leise fragte ich:„Und?" Darauf erwiderte der Mann:„Du hast immer noch Angst, aber keine Sorge, (d/n), das bekommst du schon hin!" Tae munterte mich nun vom Rand aus auf:„Sieh mal, Tomätchen, du tust Preecha ja nicht weh! Also brauchst du auch gar keine Angst haben! Es kann überhaupt gar nichts passieren!" Dies nahm mir tatsächlich etwas die Angst, was man wohl sofort merkte, denn Preecha sprach aufgeregt:„Hey, die Kälte ist weniger geworden! Scheint so als hättest du jetzt tatsächlich weniger Angst!" Stolz grinste ich daraufhin, während ich meine Finger immer noch um Preechas Hand geschlossen hatte. Darauf nahm ich sie langsam ab und lächelte etwas verlegen:„Und wie genau soll ich das jetzt trainieren? Die ganze Zeit Preechas Hand halten, bis er mir sagt, dass die Kälte weg ist?“ Etwas belustigt erwiderte daraufhin Karolin:„Nein, so nun auch nicht direkt. Du sollst einfach versuchen, den Körperkontakt mit ihm nicht zu scheuen und dir zu merken, dass du ihn berühren kannst ohne, dass ihm etwas passiert. Es ist wichtig, dass du es als normal betrachtest, ihn zu berühren, damit sich auch die Angst dämmt. Denn, was man schon lange kennt, davor hat man keine Angst mehr. Klar, es gibt Ausnahmen, aber ich sehe das als Regel und schließlich bestätigen Ausnahmen ja auch die Regel.“ Als Zeichen, dass ich verstanden hatte, nickte ich nun, woraufhin Karolin zufrieden lächelte und jetzt laut für alle rief:„Ihr könnt jetzt auch aufhören mit dem Trainieren! Ihr habt für heute genug getan und solltet euch jetzt eine Weile ausruhen! Wer will, darf natürlich trotzdem noch ein bisschen was tun, aber es ist jetzt offiziell keine Anweisung mehr!“ Daraufhin hörten die anderen dann auch abrupt mit dem Trainieren auf und zerflossen in alle möglichen Richtungen.
    Nun drehte sich die Anführerin wieder zu uns und sprach ruhig:„(d/n), Preecha, ihr verbringt am besten ein bisschen Zeit miteinander und gewöhnt euch aneinander! Tae, du kannst noch ne Runde mit mir trainieren, da wir das ja nicht so richtig getan haben und Hobi und Jimin, für euch habe ich auch eine Aufgabe...“ Überrascht schauten die zwei Jungs ohne Kräfte zu der 15-jährigen, welche sich gerade zu dem Haufen Kostbarkeiten begab und zwei Schwerter hinauszog. Diese wiederum drückte sie den jungen Männern in die Hand und erklärte:„Lernt, damit umzugehen! Wenn wir Callum und seine Truppe demnächst angreifen, werdet ihr sicher dabei sein. Ihr müsst euch wenigstens etwas schützen können!“ Sofort nahmen die beiden die scharfen Klingen an sich und fingen enthusiastisch an, damit rumzufuchteln, woraufhin Karolin sofort mit strengem Blick auswich und murrte:„Aber stecht euch nicht gegenseitig ab! Auch die anderen hier sollen unversehrt bleiben!“ Scherzend fragte Hobi nun:„Wieso? Das schränkt dich doch nicht ein, sind ja nur wir!“ Kopfschüttelnd brummte Karo jetzt:„Es ist nicht so als würdet ihr mich nicht kümmern! Ihr habt sehr wohl euren Platz hier. Außerdem habe ich keine Lust, eure Körper entsorgen zu müssen!“ Daraufhin grinsten die beiden Koreaner nur und willigten nun ein:„Na gut, wir bringen uns schon nicht um!“ Als Antwort nickte die Österreicherin nur knapp, begutachtete das Schwertgefuchtel der Jungs kurz und verschwand dann mit Tae weiter in der Ecke, wo die zwei gemeinsam trainierten. Ich musste etwas lächeln, da Karolin mich gerade doch tatsächlich stark an eine Mutter erinnerte, die auf ihre Kinder achtgibt. In ihrem Blick sah ich, dass sie besorgt war, dass die zwei Jungs sich vielleicht verletzten und irgendwie brachte mich diese Fürsorge den zwei älteren gegenüber zum Lächeln. Sicher, es war kein Geheimnis, dass Karolin sehr fürsorglich und vernünftig war, aber, dass sich diese mütterliche Sorge selbst bei den zwei deutlich älteren Koreanern auftat, fand ich irgendwie lustig und gleichzeitig süß. Mal ganz abgesehen davon, dass man auf dem ersten Blick nie von Karolin vermuten würde, dass sie sich so sehr um alle kümmert. Oft wirkte sie kalt und als würde sie nichts interessieren, aber ich denke, mittlerweile wussten wir alle, dass sie das nicht war. Schon, manchmal war sie tatsächlich sehr kalt und ignorant, wobei sie so wirkte als würde sie niemanden so recht von uns tatsächlich mögen, doch das kam nicht sehr oft vor. Ihre mütterliche Seite zeigte sich viel öfter und das war es, was ich so lustig und gleichzeitig knuffig fand. Wann sieht man sonst schonmal eine 15-jährige, die sich um einen 24-; und 26-jährigen kümmert wie um die eigenen zwei Kinder, welche immer Unfug stiften?

    Nun wandte ich mich wieder dem Thai zu und fragte etwas verunsichert:„Und was genau machen wir jetzt?“ Kurz zuckte der 25-jährige mit den Schultern und meinte dann:„Wir können ja einfach ein bisschen unherlaufen oder so und schauen, was die anderen machen.“ Zustimmend nickte ich wieder und folgte dem Mann dann zu der Truppe, die sich dort versammelt hatte. Um genau zu sein zu Akiko, Lívia und Juan. Der Rest hatte sich anderweitig aufgeteilt. Federica war nämlich zu Jimin und Hobi gegangen, um zuzuschauen, während Michal und Amba natürlich nach wie vor zusammenklebten. Mittlerweile konnte man die zwei kaum noch voneinander trennen. Dabei stellte sich uns allen jedoch die Frage, ob der Pole und die Inderin wohl noch ein Paar werden würden oder, ob sie lediglich Freunde waren.

    „Hey Leute, was geht bei euch so?“, fragte Preecha gut gelaunt. Akiko und Lívia schauten nun gleichzeitig überrascht, aber lächelnd zu dem Homosexuellen auf, während der Spanier sich jedoch wegdrehte. Ihm schien nicht gerade der Sinn nach einem Gespräch mit dem Thai zu sein. Dies allerdings verstand ich nicht ganz, da die zwei sowieso fast nie miteinander redeten und ein Streit somit ausgeschlossen werden konnte. Jedoch fiel mir recht bald ein, dass Preecha davon gesprochen hatte, dass der Spanier homophob sei. Doch dafür hatte ich kein Verständnis, da schließlich jeder so leben darf, wie er will und es ja niemanden etwas zu interessieren hat, aber ansprechen tat ich Juan darauf auch nicht.
    Stattdessen erwiderte Akiko in der Zeit:„Hey. Naja, nicht sehr viel, würde ich sagen. Wie ist es bei euch?“ Ich antwortete:„Ich denke, nicht viel anders...“ Darauf lächelte Lívia, deutete nach links, zu Amba und Michal und kicherte:„Ich glaube, bei denen geht mehr ab. Vielleicht müsst ihr sie mal fragen!“ Daraufhin grinsten wir alle, während Preecha murmelte:„Ja, vielleicht stimmt das, aber möglicherweise auch nicht. Ich denke, momentan läuft da noch nicht mehr, aber die Chancen stehen gut. Ich finde aber, dass die zwei auf jeden Fall ein süßes Paar abgeben würden.“ Darauf antwortete Juan zu aller Verwunderung mit herablassendem Ton als wollte er auf etwas hinweisen:„Ja, das kann man aber auch bei jedem MÄDCHEN und JUNGEN sagen, die sich auch nur angucken.“ Darauf verfinsterte sich der Blick des Thai etwas und auch ich war nicht begeistert von dem, was der sonst so friedliche Spanier dort von sich gab. Denn an seiner Betonung konnte man deutlich erkennen, dass der Mann etwas gegen die Sexualität des Thai sagen wollte. So nach dem Motto, zwei Männer könnten kein süßes Paar sein. Dies schienen wir alle wohl nicht so zu sehen, denn Akiko schaute den Spanier kalt an und sprach ruhig:„Jeder Mensch kann mit einem anderem Menschen ein süßes Paar abgeben! Da ist es vollkommen egal, welche Nationalität, welches Aussehen, Alter oder auch Geschlecht!“ Daraufhin schien der Spanier etwas antworten zu wollen, doch Lívia kam ihm zuvor:„Bei mir zuhause, in Brasilien, gibt es auch einige homosexuelle Paare. Auf der Straße lebten mit meinem Bruder und mir auch noch viele weitere Obdachlose. Unter dem Nachbar-Abdach lebten immer zwei Schwule und zwei Straßen weiter eine gute Freundin, welche bisexuell ist. Sie hatte allerdings keinen Partner oder Partnerin. Jedoch muss ich sagen, dass sie alle drei immer total nett waren und ich finde auch, dass die zwei Schwulen total süß zusammen waren. Was sie heute alle so machen, keine Ahnung. Bin schließlich nicht zuhause... Aber ich kann sagen, dass homosexuelle Pärchen genauso süß sind wie heterosexuelle.“ Daraufhin wusste Juan dann nichts mehr zu sagen. Es schien ihn einzuschüchtern, dass wir alle für ein tolerantes Verhalten Homosexuellen gegenüber waren. Stattdessen senkte er nur brummig den Blick und hielt den Mund. In der Zeit meinte ich, in Anspielung auf Juan:„Ich finde, Leute, die nicht Akzeptanz demgegenüber besitzen, gehören sonst wo hin.“ Das wiederum brachte den Spanier jetzt zum Reden:„Ich will ja nichts sagen, aber denkt ihr denn nicht, dass die Natur so etwas nicht erlaubt? Ich meine, nicht ein einziges Tier würde auf die Idee kommen, sich mit einem gleichgeschlechtigem Tier paaren zu wollen. Wieso nicht? - Ganz einfach: Es geht nicht! Es ist von der Natur nicht vorgesehen, dass es sowas gibt! Auch die Kirche würde das niemals erlauben!“ Lívia rollte nun mit den Augen:„Also erstmal, die Kirche ist in der Beziehung echt beknackt! Und außerdem stimmt das, was du da sagst, nicht mal! Heutzutage ist eine künstliche Befruchtung möglich, sodass zumindest zwei Frauen ein gemeinsames Kind haben können. Also, da das möglich ist, scheint es ja doch irgendwie von der Natur vorgesehen zu sein!“ Akiko fügte hinzu:„Wo ist denn überhaupt das Problem dabei? Sollte nicht jeder den lieben dürfen, den er lieben will? Leben und leben lassen! Es gibt keine Regel oder so, wer wen zu lieben hat! Das heißt ja nicht gleich, dass du deswegen auch auf Männer stehen musst!“ Darauf entgegnete der 19-jährige Spanier:„Im Grunde genommen kann mir das ja auch alles vollkommen egal sein, aber...“ Weiter kam der Mann erstmal nicht, denn Lívia unterbrach ihn wieder:„OK. Wo ist denn dann das Problem, wenn dir das egal sein kann? Wenn es dir egal wäre, würdest du die Diskussion hier doch gar nicht erst anfangen!“ Gleichzeitig verärgert und eingeschüchtert murrte der Mann jetzt:„Ist ja gut, dann habe ich halt vielleicht etwas dagegen! Es ist bei uns eben nicht gut gesehen, wenn man schwul ist und außerdem komme ich aus einem katholischen Haushalt! Mir wurde es nie anders beigebracht als diese Leute zu verachten!“ Akiko sprach darauf nun seelenruhig:„Nur, weil es dir nicht anders beigebracht wurde, musst du es doch nicht annehmen! Wenn ich dir erzähle, dass die Erde eine Scheibe ist, glaubst du es dann? Das taten die Menschen früher lange Zeit, bis endlich jemand aus der Reihe tanzte und das Gegenteil bewies. Sei du doch der eine, der aus der Reihe tanzt uns sich sein eigenes Bild macht! Warum immer an dem festhalten, was einem beigebracht wurde? Wer weiß, wo wir jetzt wären, wenn jeder an dem Alten festhalten würde? Denk mal ne Runde drüber nach!“ Mit diesen Worten drehte sich die Japanerin dann von dem verdutzten Mann weg, während auf ihrem Gesicht ein fast schon siegessicheres Lächeln befand. Juan hingegen senkte nun nachdenklich den Blick als würde er ernsthaft über Akikos Worte nachdenken.
    Die 18-jährige bewundernd murmelte ich jetzt:„Du hast sehr gut gesprochen.“ Preecha fügte hinzu:„Es ist sehr nett von dir, wie du mich verteidigt hast - von euch allen!“

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    Kapitel 128

    Lächelnd schaute Akiko Preecha nun an und erwiderte:„Ist doch ganz klar, dass wir dich verteidigen, da brauchst du dich gar nicht zu bedanken! Juans Meinung dazu ist veraltet! Es ist Zeit, dass er sich von dieser Meinung befreit und sich ein eigenes Bild macht. Eigentlich müsste sich also Juan bei uns bedanken, weil wir ihm diesen Weg zeigen." Darauf lächelte der Thai nur breit und meinte:„OK, danke trotzdem, Leute!" Lívia schlug in der Zeit vor:„Wollen wir vielleicht etwas zusammen machen? Ein bisschen umherlaufen oder so?" Ich stimmte zu und meinte:„Ich persönlich interessiere mich dafür, wie Jimin und Hobi vorankommen. Wollen wir mal nachschauen?" Knapp nickten darauf alle und wir liefen gemeinsam zu den zwei Kämpfenden rüber. Diese schwangen ihre Schwerter enthusiastisch durch die Lüfte, wodurch sie manchmal aneinander klangen. An sich sah das Ganze eigentlich ziemlich sicher aus, so als wären sie schon lange mit den scharfen Klingen vertraut.
    Federica, welche vom Rand aus zuschaute, entdeckte uns nun und winkte uns zu sich rüber. Sie grinste uns an:„Na, wolltet ihr den beiden auch dabei zuschauen, wie sie sich gegenseitig aufspießen?" Karolin, welche gerade mit Tae vom Trainieren kam, schimpfte mit brummigem Gesicht:„Hör auf, Witze darüber zu machen, Rica! Nachher passiert das noch wirklich und da habe ich herzlich keine Lust drauf!" Daraufhin kicherte die Italienerin:„Sind dir die Jungs soo wichtig? Hobi bestimmt, oder? Ihr seid ja kaum voneinander zu trennen!" Gekonnt konterte die Anführerin darauf:„Das sagt die, die sich an Jimin ranmachen wollte! Ich erinnere mich gerade an dieses Gespräch, wo du meintest, wir müssten dir ein Date mit ihm beschaffen!" Das wiederum ließ die 20-jährige rot anlaufen und sie bettelte leise:„Erzähl das Jimin aber nicht!" Ich lachte jetzt:„Ist da etwa jemand verliebt?" Bevor Rica es tun konnte, antwortete Karo jetzt mürrisch:„Sowas kann man nicht als Verliebtheit bezeichnen! Das ist nur ne Schwärmerei, wenn überhaupt und außerdem hat das etwas mit dem Ehrgefühl zu tun!" Darauf grinste ich nur, während Rica wohl recht erleichert darüber schien, dass Karo geantwortet hatte. Akiko zog die 15-jährige nun etwas auf:„Wieso? Hättest du denn etwas dagegen, wenn Rica in Jimin verknallt wäre?" Stumpf antwortete die Österreicherin nur:„Ja, wir haben genug Turteltauben hier! Wenn wir noch mehr haben, seid ihr demnächst alle zu zweit und ich GANZ allein!" Lívia fobbte die zwei Jahre Ältere weiter:„Aber du hättest doch Hoseok, oder nicht?" Dadurch fing sich die Brasilianerin jedoch nur einen bösen Blick ein, während die Anführerin zu den zwei kämpfenden Koreanern schaute und dann murrte:„Hobi ist momentan noch 11 Jahre älter als ich! Ich wäre zwar in ein paar Wochen oder so 16 Jahre alt, aber auch 10 Jahre Unterschied sind wahrscheinlich zu groß! Zumindest momentan. Wäre ich 40 und er 50, würde ich sagen, OK, aber ihr wisst ja, so alt sind wir noch nicht! Wir sind einfach Freunde, kommt darauf klar!" Darauf grinste Tae nur:„Dann warten wir halt, bis du 40 bist!" Das brachte selbst Karolin zum Schmunzeln, doch sie blickte nur wortlos weiter zu den zwei Koreanern.
    Nach einer kurzen Zeit hob sie dann eine Hand, um schonmal für Ruhe zu sorgen und sprach dann laut:„Ihr zwei könnt jetzt auch mit dem Kämpfen aufhören! Ich habe tatsächlich keine Lust, euch heute noch irgendwie flicken zu müssen, weil ihr euch einen Arm abhaut!" Die zwei Jungs, welche auch gar nichts von unserem vorherigem Gespräch mitbekommen hatten, schauten die Jüngere nur etwas enttäuscht an und händigten ihr dann auch die Schwerter aus, welche sie darauffolgend zur Seite brachte. Die Anführerin schlug nun vor:„Wie wär's, wenn wir heute mal einen Abend zusammen verbringen?" Tae scherzte von der Seite, da die 15-jährige in dem Moment zu Hobi geschaut hatte:„Nur Hoseok und du?" Daraufhin boxte die Österreicherin meinem Freund gegen den Oberarm und brummte:„Nein, ich meine uns alle zusammen! Wir könnten mal wieder so ne Art Spieleabend machen oder einfach gemütlich um's Feuer sitzen und quasseln. Wisst ihr, was ich meine?" Zustimmend nickten wir nun alle und Federica rief aufgeregt:„Das ist eine tolle Idee, Karo! Ich kümmere mich um die Organisation von Spielen!" Leicht schmunzelnd meinte Karo nun:„Soll mir recht sein, Rica. Möchte sonst noch jemand etwas Bestimmtes machen?" Lívia hob die Hand:„Ich besorge das Essen!" Sofort fragte Juan, welcher gerade von hinten dazukam, etwas verunsichert:„Kann ich mitkommen?" Augenblicklich drehten wir uns gleichzeitig zu dem Spanier um, welcher gerade eben noch über Homosexuelle gewettert hatte und deswegen eine Standpauke von uns gehalten bekommen hatte. Doch, anstatt ihm weiter böse zu sein, lächelte die 13-jährige Brasilianerin nun und sprach:„Klar, gerne!" Preecha grinste unterdessen:„Ich kümmere mich um das Feuer!" Akiko freute sich schon auf den Abend:„Ich werde unsere Polster in der Zeit etwas auffrischen, damit wir es auch gemütlich haben! Hobi, Jimin, wollt ihr mir dabei helfen?" Jimin entschuldigte sich:„Ich wollte Rica bei den Spielen helfen..." Daraufhin bot sich Karolin an:„Ich kann wohl helfen!" Zufrieden nickte die Japanerin daraufhin, während Tae sich jetzt äußerte:„Ich kann für Getränke sorgen! Mithilfe von Amba und Preecha könnte ich auch für Tee sorgen." Karolin erwiderte:„Gute Idee. Apropos Amba... Wer geht fragen, ob sie und Michal auch kommen wollen? Schließlich wissen die zwei nichts davon, weil sie ja weiß der Geier wo sind. Wahrscheinlich wieder hinten, am Feuer oder so..." Ich meldete mich sofort:„Ich frag sie eben. Und danach werde ich dann mit für's Essen sorgen, immerhin sind 2 Leute dafür ein bisschen wenig."

    Sofort wurde zugestimmt und ich begab mich auf den Weg zu der Inderin und dem Polen, welche tatsächlich wieder am Feuer, weiter in der Ecke, hockten, sich dabei an sich gegenseitig anlehnten und leise miteinander redeten. Ich störte nun ihre traute Zweisamkeit, indem ich lächelnd fragte, ob sie auch bei dem gemeinsamen Abend dabeisein wollten. Entschuldigend lächelte mich Amba jedoch nur an, während der 21-jährige erklärte:„Wir wollten heute Abend auf einen gemeinsamen Spaziergang gehen. Demnach geht das schlecht, tut mir leid..." Verständnisvoll lächelte ich nur und meinte:„Schon in Ordnung. Vielleicht kommt ihr ja auch einfach später dazu..." Stumpf nickten die zwei daraufhin nur, während ich wieder zurücktrottete und von ihrer Entschuldigung erzählte. Das wiederum brachte die Österreicherin zum Seufzen:„Na, gut... Was mich stört, ist, dass sie mich nicht gefragt haben, ob sie überhaupt losdürfen... Aber naja, was soll's?" Akiko zuckte nur mit den Schultern:„Wenn ihr mich fragt, sind die zwei echt verknallt..." Als Antwort zuckte Karo jedoch nur schweigend mit den Schultern und sprach nach einigen Sekunden erst:„Ich denke, wir können dann auch mit den Vorbereitungen anfangen."

    „Wollen wir die Früchte dann auch schnibbeln oder so?", fragte Juan nun, woraufhin Lívia nur lustlos mit den Schultern zuckte. Die Brasilianerin schien momentan ziemlich abgelenkt und irgendwie bedrückt zu sein. Tatsächlich konnte ich mir auch vorstellen, weshalb die 13-jährige so drauf war. Sie war abermals an ihren Bruder erinnert worden und machte sich natürlich schreckliche Sorgen. Schließlich war ihr Bruder so ziemlich alles, was sie hatte. Er war das einzige Familienmitglied für das junge Mädchen und die Person, welche ihr am meisten am Herzen lag. Zwar hatte er sie erst in die ganzen Schwierigkeiten hier gebracht, doch das hinderte sie nicht daran, sich Sorgen um ihn zu machen. Immerhin wusste sie ja, dass Lorenzo gerne mal schlechte und gar dumme Entscheidungen traf, was seinem jungen und naiven Alter auch nicht wirklich zu verdenken war...
    Selbst etwas besorgt schaute ich das mittlerweile jüngste Mitglied unserer Truppe an, während ich Juan antwortete:„Ja, können wir machen. Dann haben wir so ne Art Obstsalat. Zufrieden nickte der Spanier jetzt und lief weiter neben uns her, während wir gerade aus den Ruinen ins Helle traten. Die Sonne ging gerade schon unter, weshalb der dichte Urwald in ein schönes Licht getaucht war. Doch das schien Lívia überhaupt nicht zu kümmern. Sie ging einfach nur weiter, die Umgebung gar nicht wirklich beachtend. Sie stapfte nur geradewegs auf den Baum mit den vielen Früchten zu, kletterte kurzerhand hinauf und pflückte ein paar der orangen Früchte, bevor sie diese zu Juan hinunterwarf. Ich kletterte in der Zeit auf einen naheliegenden Baum und pflückte ebenso etwas.

    Dies wiederholten wir noch bei einigen weiteren Bäumen, bis wir eine Menge gesammelt hatten. Ich kletterte gerade den letzten Baum hinunter, als mir auffiel, dass es erstaunlich ruhig war in dem Wald. Sonst krächzten die Vögel immer im Hintergrund, doch irgendwie hörte man davon momentan fast gar nichts. Diese Stille schienen auch meine zwei Begleiter mitbekommen zu haben, denn sie schauten sich etwas nervös um.
    Plötzlich hörte ich hinter mir das Rascheln von Farnwedeln und das schwere und etwas unregelmäßige Stapfen zweier Füße. Panisch blickte ich sofort zu meinen Kumpanen und bedeutete ihnen, sich hinter einem Baum zu verstecken, um den Fremden dann möglicherweise überwältigen zu können. Sofort taten die beiden dies dann auch und ich sah in Lívias Hand bereits den Nebel brodeln, während unter Juans Füßen bereits die Kieselsteine bebten. Ich hielt mich ebenso bereit und malte mir in der Zeit schon im Kopf aus, wer dort umherstreunen könnte. Sofort kam mir Callum in den Sinn, was natürlich dazu führte, dass ich etwas Angst bekam und ich wartete einfach darauf, dass sich der Feind zu erkennen gab.
    Das Stapfen wurde immer lauter und kam immer näher, bis es wohl nur noch wenige Meter von uns entfernt war.
    An den Baum gepresst stand ich dort, bereit, mich zur Wehr zu setzen. Langsam sah ich nun zu meinen Verbündeten und nickte als Zeichen, dass wir die Person nun überraschen sollten.
    In meinem Kopf zählte ich also leise bis drei und stürmte dann geichzeitig mit Juan und Lívia hervor, meine Hände bereits leicht erhoben, um sie der Person vielleicht sogar gegen die Haut zu halten, schrak aber etwas zusammen, als ich eine am Kopf blutende und humpelnde Person erblickte. Ebenso schienen meine Verbündeten schockiert zu sein und Lívia schrie vollkommen ungläubig:„Lorenzo!"



    Hi!

    Ich wollte mich abermals bedanken für euer liebes Feedback und 10 000 Aufrufe! Das ist wirklich unglaublich, wenn ich überlege, wann ich diese Ff angefangen habe. Ich meine, wahrscheinlich kommt die Hälfte der Aufrufe von mir selbst, wenn ich ein neues Kapitel hinzugefügt habe oder sonst was, aber EEGAALLLLL. XD

    Ich hoffe wirklich, dass es euch gefällt und ich weiß, dass ich sehhrrr viel schreibe, aber ich hoffe mal, das stört euch nicht. Ich möchte eben die Beziehungen und Tätigkeiten der Personen ausführlich beschreiben, damit das alles klar wird und man sich besser in diese hineinversetzen und sie verstehen kann.
    Ich würde mich auch sehr freuen, wenn ihr mir zu der Länge vielleicht eben ein kleines Feedback gebt, da ich doch ziemlich verunsichert bin, was das angeht... Auch über anderweitiges Feedback freue ich mich natürlich immer sehr.
    Mittlerweile denke ich echt, ein Autor lebt von Lesern, Feedback und einfach Fantasie. Und natürlich Motivation, welche ich persönlich aber gerade durch diese drei Dinge bekomme. XD

    Alles in einem danke noch einmal und gebt mir gerne ein Feedback ;)

    LG Emily W.

    40
    Kapitel 129

    Kurz zuckte der Verletzte vor uns zusammen, schaute uns vollkommen unglaubwürdig an, stammelte dann aber:„Lívia? Bist du es wirklich?“ Etwas belustigt murrte die Brasilianerin nun:„Nein, ich bin es, Hans-Peter. Erkennst du mich denn nicht?“ Daraufhin fing der andere an, zu lachen, sprang auf die 13-jährige zu und freute sich während der Umarmung:„Ich bin so froh, dich gefunden zu haben! Ich habe dich soo vermisst! Aber mal so ganz nebenbei... Was zur Hölle ist Hans-Peter für ein Name?“ Grinsend erzählte Lorenzos jüngere Schwester knapp:„Das ist ein deutscher Name. Karolin hat ihn mal genannt und ich finde, dass er sich lustig anhört.“ Darauf lächelte der 15-jährige nur, während er die Umarmung wieder auflöste und Lívia ihn nun kurz begutachtete, bevor sie besorgt nachhakte:„Was ist überhaupt mit dir passiert? Du hast eine Kopfplatzwunde und humpelst!“ Gerade wollte der Brasilianer jetzt antworten, doch ich unterbrach ihn:„Wollen wir nicht vielleicht erstmal zurück zu den anderen? Dann muss Lorenzo das auch nicht mehrfach erklären. Es kann einfach alles vorort geklärt werden.“ Zustimmend nickten die Geschwister jetzt, woraufhin sich die Truppe direkt in Bewegung setzte.

    „Karooo, wir sind wieder da und erschrecke dich nicht, wir haben Besuch dabei!“, rief Lívia von Weitem zu, um einen „Angriff“ wie bei Jimin und Hobi zu verhindern. Man vernahm in der Zeit Karolins grimmige Stimme:„Also erstens, was für ein Besuch? Und zweitens, wie soll ich anders reagieren, wenn hier auf einmal jemand Fremdes hineinspaziert kommt?“ Lívia rief erneut rüber, während wir uns näherten:„Es ist Lorenzo und zu der zweiten Frage... Keine Ahnung, aber nicht einfach direkt angreifen!“
    Somit kamen wir dann auch um die Ecke gebogen und erblickten direkt die große Truppe, welche sich mittlerweile schon zu uns gedreht hatte. In ihrer aller Gesichter konnte man Überraschung sehen, aber gleichzeitig Neugier. Federica fragte direkt in aller Namen, als wir ihr Sichtfeld betraten:„Wo habt ihr ihn gefunden?“ Lívia erzählte es daraufhin knapp, während Juan den verletzten Lorenzo stützte und ich einfach nebenher lief, aber nun hinzufügte:„Lorenzo wollte gleich auch alles erklären, also überhäuft ihn nicht mit Fragen!“
    Doch, bevor noch wer was sagen konnte, eilte die ebenso 15-jährige Anführerin zu uns rüber, schaute etwas besorgt zu Lorenzo und murmelte:„Du bist verletzt... Amba ist schon mit Michal weg, die kann sich also jetzt nicht kümmern... Aber ein bisschen können ja auch wir tun...“ Etwas lauter erläuterte die Anführerin:„Tae, besorg mir bitte mal Wasser, am besten etwas warm und Federica, kümmere du dich bitte in der Zeit um ein eingeweichtes, möglichst keimfreies Stück Stoff. Nimm einfach ein T-Shirt oder so! Wir müssen die Platzwunde säubern, bevor sie sich entzündet...“ Sofort gingen damit alle an ihre Arbeit, während Lorenzo unterdessen auf Karo bezogen fragte:„Kümmert sie sich immer so direkt um alles und jeden?“ Seine Schwester erwiderte ebenso leise:„Ja, Karo ist eine sehr fürsorgliche Person. Sie passt auf uns alle auf, also kannst du sie als eine Art Mama sehen. Gleichzeitig ist sie unsere Anführerin. Die ganzen Beziehungen hier untereinander erkläre ich dir später.“ Zustimmend nickte Lorenzo nur, während Karolin mittlerweile mit dem nassen Lappen und Hobi im Schlepptau als Wasserhalter, zu Lorenzo ging und ihm vorsichtig die Wunde säuberte.

    Schlussendlich band sie noch ein trockenes T-Shirt um die Platzwunde an der Stirn und raunte:„Mehr kann ich vorerst nicht tun. Aber du kannst uns in der Zeit alles erzählen.“ Einwilligend nickte der Brasilianer nun und fing an:„Naja, ich wurde ja von Hisoka in diese Arena geschickt. Eigentlich soll ich euch hier alle versuchen zu töten oder zumindest den Laden aufmischen, aber ich habe mich dafür entschieden, meine Schwester, Lívia, zu suchen. Dabei irrte ich einige Tage umher und traf dabei zwischendurch auf zwei der „Spieler“. Keine Ahnung, wie die heißen, aber es waren auf jeden Fall ein Mann und eine Frau. Mehr kann ich dazu gar nicht wirklich sagen, weil ich direkt weggelaufen bin. Sie sahen nicht so unfassbar freundlich aus und ich hatte keine Lust, zu sterben, also bin ich eben weggerannt. Ich hab nicht wirklich auf meine Umgebung geachtet und bin dabei... hingefallen. Oder runtergefallen... von einem Abhang. Es war hetzt keine Klippe oder dergleichen, aber es war eine Art Abhang. Dort bin ich eben runtergerollt und habe mir den Kopf angeschlagen und das Bein ausgekugelt oder sowas in der Art. Naja, das hat mich aber nicht daran gehindert, Lívia zu finden, also bin ich weiter.
    Letztendlich fand ich sie ja auch. Naja, oder besser gesagt, sie mich... Sie überraschten mich, als sie was zu Essen suchten, da sie dachten, ich sei ein Feind. Den Rest kann man sich denken...“
    Verstehend nickten wir alle, während Akiko das Wort an sich riss:„Also bist du nicht direkt auf jemanden getroffen? Dich hat niemand gesehen?“ Stumm schüttelte Lorenzo nun nur mit dem Kopf, während Karo sprach:„Viel wichtiger ist doch, wie die zwei aussahen, vor denen Lorenzo dann weggerannt ist.“ Darauf wollte der Brasilianerin eigentlich direkt antworten, doch Akiko fiel ihm ins Wort:„Das waren locker Irina und Callum. Die zwei sieht man doch gefühlt immer und überall...“ Lorenzo hob nur etwas verwirrt die Augenbrauen und fing dann an:„Naja, also die Frau würde ich auf etwa 16 Jahre oder so schätzen. Vielleicht ein bisschen älter. Sie war eher klein, schlank, und hatte lange, lockige sowie rote Haare. Ihre Haut war blass und sie hatte grüne Augen und Sommersprossen. Ihre Nase war recht schmal, während ihre Augen recht groß schienen im Gegensatz dazu. Sie hat ein bisschen grimmig geguckt.“ Akiko fiel frech grinsend dazwischen:„So brummig wie Karo?“ Das wiederum brachte die Anführerin dazu, die Japanerin noch brummiger anzuschauen, während Lorenzo nur nickte:„Ja, so ungefähr. Brummig und entschlossen eben...
    Und der Mann war wohl schon etwas älter. Den würde ich auf 23 Jahre schätzen. Ein richtiger Riese und eher stabil gebaut, aber dabei nicht dick. Er hatte ein kantiges Gesicht, graue Augen und dunkles, kurzes Haar. Seine Nase schien recht breit zu sein und er hatte einen Bart. Aber eher so drei-Tage-Bart.“ Federica murmelte daraufhin:„Callum und Irina waren es also wohl nicht... Ansonsten hätten wir ja noch zwei weitere hier in der Arena. Schatten weiblich und Nebel männlich. Ich kann mich auch erinnern, dass auf dem Ball welche waren, die auf die Beschreibung zutreffen. Mit dem Mädchen hatte ich mich auch kurz unterhalten. Ihr Name ist Ronja. Wo sie herkommt, keine Ahnung. Aber irgendwo Norwegen oder so, glaube ich... Von dem Kerl weiß ich den Namen nicht.“ Langsam nickte nun Karo und sprach dann:„Die Frage ist natürlich, ob sie zu unseren Feinden gehören... Lange überlebt haben die zwei ja wohl, also können sie nicht so schwach sein... Demnach müssen wir uns vor ihnen auf jeden Fall in acht nehmen! Aber andere waren da nicht bei, Lorenzo?“ Knapp schüttelte der 15-jährige den Kopf und meinte dann plötzlich:„Wenn ihr möchtet, könnt ihr mich auch Renzo nennen. Lorenzo dauert so lange zu sprechen und an meinen Spitznamen bin ich schon gewöhnt...“ Als Antwort grinste Federica nur, während die Österreicherin nur knapp nickte und dann anordenete, weiter mit den Vorbereitungen für den Abend zu machen und, dass jemand Renzo alles erzählt und jeden vorstellt.

    Alles war vorbereitet worden und ich half nun Preecha dabei, die Feuerkuhle, wie wir sie nannten, weiter in die Mitte zu schieben, damit der Thai darin dann sein Feuer entfachen konnte. Alles Andere war bereits vorbereitet und mir fiel auf, dass ich mich mit der Zeit auch an den Kontakt mit Preecha gewöhnt hatte. Dadurch, dass ich meine Angst loswerden musste, lief ich ihm sozusagen wie ein Hund hinterher. Berührungsängste hatte ich demnach kaum noch. Schließlich war die ganze Zeit über schon nichts passiert. Immerhin wehrten die Kräfte des 25-jährigen meine Kälte ab.

    Lächelnd schaute der Thai mich nun an, bedankte sich dafür, dass ich ihm geholfen hatte und meinte noch:„Komm, lass uns die anderen schonmal hier hinholen!“ Zustimmend nickte ich nur und schlenderte direkt zu dem Rest, welcher großteils noch ein wenig am Vorbereiten war. Ich rief:„Das Feuer steht, wir können also den Abend beginnen!“
    Hochmotiviert grinste Federica:„Super! Wir sind hier auch schon fertig. Los geht's also!“ Mit den Worten hopste sie dann zu dem Feuer, mit Jimin im Schlepptau, welcher auf Ricas gute Laune hin grinste.
    Auch der Rest folgte nun mit dem ganzen Essen und Trinken zum Treffpunkt und pflanzte sich dort bereits hin.
    Tae hingegen lief direkt auf mich zu und lächelte:„Na, machst du schon Fortschritte, was die Kälte angeht?“ Verlegen lächelte ich und meinte:„Naja, halb und halb. Ich mache mir bei Preecha jetzt gar keine Sorgen mehr, wenn ich ihn berühre, aber bei allen anderen ist die Angst natürlich noch da...“ Aufmunternd lächelte mein Freund mir daraufhin zu und sprach:„Auch mit kleinen Schritten kommst du voran! Du packst das, Tomätchen! Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“ Dankbar lächelte ich nun und fragte einfach:„Wollen wir dann auch zu den anderen gehen?“ Knapp nickte der Koreaner und wir gesellten uns auch zu dem Rest, der schon ums Feuer saß.

    „Also, Juan und ich haben die ganzen Früchte geschnibbelt. Das wollen wir nicht umsonst gemacht haben, also haut rein!“, eröffnete Lívia den Abend. Sofort aßen dann auch alle, während Lorenzo sprach:„Ich wollte noch einmal danke sagen, dass ihr mich hier so gut aufnehmt! Auch, dass ihr mir direkt alles und jeden vorgestellt habt! Ich fühle mich hier tatsächlich direkt wohl!“ Freundlich lächelte jetzt Akiko und meinte:„Dafür brauchst du dich nicht bedanken, das ist selbstverständlich!“ Dankbar grinste Lívias Bruder nun, während Federica auf einmal meinte:„Lívia, können wir dir eigentlich nicht auch einen Spitznamen verpassen? Es dauert so lange, deinen Namen zu sagen.“ Lachend erwiderte die 13-jährige daraufhin:„Meinetwegen. Auf der Straße, zuhause, werde ich Via genannt. Wollt ihr mich auch einfach so nennen?“ Darauf klatschte die Italienerin jetzt begeistert los und rief aufgeregt:„Der Spitzname gefällt mir! Kurz und knackig!“ Etwas gedankenverloren fügte die 20-jährige hinzu:„Ich mag Spitznamen. Ich habe eigentlich für jeden einen. Wobei ich mich dann frage, was mit so Namen wie Juan oder Preecha angestellt werden soll... Ju und Cha? Nein, das ist seltsam...“ Karolin schmunzelte daraufhin:„Du bist auch irgendwie noch so ein richtiges Kind, Rica, kann das sein?“ Frech grinsend antwortete diese:„Ja, kann sein. Aber es ist schön, die Seele eines Kindes zu leben! Man macht sich weniger Sorgen und hat mehr Spaß im Leben!“ Schwach lächelte die Anführerin jetzt noch und meinte:„Ja, ich habe auch gute Erinnerungen an meine Kindheit...“ Tae kam plötzlich um die Ecke:„Apropos Kinder. Wollt ihr später mal welche haben?“ Verwirrt hakte die 15-jährige Österreicherin nach:„Hatten wir dieses Gespräch nicht schonmal? Ich habe gerade voll das Deja Vú...“ Als Antwort zuckte mein Freund nur grinsend mit den Schultern und wiederholte seine Frage einfach. Federica antwortete als erste:„Ich möchte auf jeden Fall Kinder haben! Ich glaube, ich wäre voll die coole Mutter! Am liebsten hätte ich dann einen Jungen und ein Mädchen, aber das ist mir eigentlich egal.“ Als nächstes sprach Akiko:„Ja, Kinder sind was Schönes. Ich möchte auch einmal welche haben. Aber nur einen Sohn...“ Via lachte nun:„Ich möchte noch gar nicht über Kinder nachdenken, bin schließlich selbst eines.“ Ich lächelte:„In dem Alter muss man sich über sowas ja noch keine Gedanken machen.“ Doch nun fragte Tae mich:„Wie sieht es bei dir aus, Tomätchen? Möchtest du Kinder?“
    „Jetzt noch nicht, aber irgendwann sicherlich“, lachte ich. Glücklich lächelte Tae nun und meinte:„Gut, ich möchte nämlich auch auf jeden Fall Kinder!“
    Plötzlich hörte man Hoseok neben Karolin husten als hätte er sich verschluckt und er kicherte:„Dass Tae jetzt schon über Kinder nachdenkt...“ Tae konterte:„Du willst doch auch mal Kinder haben! Außerdem ist eine gute Planung immer vorteilhaft. Frag nur mal Karo, die plant auch alles!“ Neugierig drehte sich Hobi daraufhin zu seiner Kumpeline und fragte:„Planst du echt jetzt schon alles?“ Strikt schüttelte diese den Kopf und erklärte:„Nein. Naja, es kommt ganz darauf an, sagen wir es so. Was meine Zukunft angeht, habe ich keine großen Pläne, aber, was die Zukunft meines Lebens angeht, plane ich schon gerne voraus. Ich plane eigentlich nur hier so viel, um mein Leben zu retten. Und das von euch kommt auch dazu! Aber ansonsten ist es nicht so als würde ich alles von hinten bis vorne in meinem Leben planen.“ Interessiert hakte der Rapper abermals nach:„Und für die Zukunft hast du keine Pläne? Also sowas wie Kinder, Beruf, Ehemann oder sowas?“ Etwas stumpf zuckte die Österreicherin mit den Schultern und meinte:„Naja, ich habe keine Ahnung, was ich für einen Beruf ausüben möchte und einen Mann werde ich wahrscheinlich nicht abkriegen. Kinder wird es dementsprechend also wohl auch nicht geben. Aber, wenn ich die Möglichkeit hätte, hätte ich nichts gegen Kinder. Ich bin schließlich mein ganzes Leben lang von Kindern umzingelt worden, durch meine Geschwister...“ Vorwurfsvoll brummte Hoseok jetzt:„Also erstmal, warum solltest du denn schon keinen Mann abkriegen?“ Schwach lächelnd, als würde es der Anführerin überhaupt nichts ausmachen, murmelte sie:„Naja, ich entspreche nicht dem Schönheitsideal der Männer. Heutzutage ist das Aussehen in der Gesellschaft mit das wichtigste. Und da ich damit schließlich nicht punkten kann, werde ich wohl alleine bleiben. Es ist einfach eben so, dass die Gesellschaft extrem viel auf Figur und sonst was Wert legt. Das Idealbild für eine Frau liegt dabei, schlank und hübsch zu sein. Aber vor allem ist eben die Figur wichtig. Denn, bist du dick, bist du hässlich. Das ist es, was die Gesellschaft heutzutage sagt. Zumindest hat man es mir nie anders beigebracht, weshalb ich ein ziemlich starkes Problem mit unserer Gesellschaft habe. Du siehst also, einen Mann werde ich nicht haben.“ Darauf wurde Hoseok brummig und auch alle anderen schienen giftig auf Karos Aussage zu reagieren. Nicht, weil es sie verletzte, sondern, weil sie Karo das Gegenteil beweisen wollten.
    Der 26-jährige meinte in strengem Ton zu der 15-jährigen:„Das stimmt doch gar nicht! Nicht jeder steht auf solche Spargel! Es gibt auch durchaus Männer, die auf etwas kurvigere Frauen stehen!“ Desinteressiert zuckte die Anführerin wieder mit den Schultern als würde sie nicht glauben, was Hobi da sagte und sie meinte direkt:„Das mag vielleicht sein, aber dennoch ist es schwer, solche Leute zu finden. Vielleicht wären Männer mit einem solchen Geschmack gar nicht so in der Minderheit, wenn die Gesellschaft ihnen nicht einreden würde, dass es hässlich bei einer Frau sei, etwas mehr auf den Rippen zu haben. Sowieso, es ist komplett unverantwortungsvoll, ein solches Schönheitsideal aufzustellen. Junge Mädchen in der ganzen Welt werden von Social Media und einfach der Gesellschaft dazu überzeugt, nicht gut genug zu sein, weil sie vielleicht nicht nur 40 kg als ausgewachsene Person wiegen! Wenn die ganze Welt einem etwas erzählt, glaubt man es irgendwann und nicht jeder kann das dann gut wegstecken. Es gibt so viele Menschen, vor allem junge Mädchen, die deswegen krank im Kopf werden. Sowas kann Depressionen auslösen und auch Essstörungen können Folgen von diesem unmenschlichen Verhalten sein! Es lastet ständig Druck auf der heutigen Jugend, weil jeder von ihnen erwartet, einen Körper wie ein Model zu haben! Nicht jeder hält diesem Druck stand! Ich kenne zu viele, die sich deswegen sogar das Leben nehmen wollten und es teilweise auch schafften. Früher ist es mir nie aufgefallen, aber heutzutage laufen so viele Leute mit irgendwelchen psychischen Krankheiten herum, welche einfach oft durch die Gesellschaft und ihr ständiges Bewerten hervorgerufen werden! Es ist einfach auffällig, dass sich zu dieser Zeit so viele kranke Menschen herumtreiben. Womit hängt das zusammen? - Damit, dass die Gesellschaft krank ist! Überall wird einem vorgeschrieben, wie man auszusehen hat und jedes andere Aussehen wird komplett unter den Teppich gekehrt! Sogar in Kinderserien wie „Biene Maja“ oder „Heidi“ wurden die Hauptprotagonisten in der computeranimierten Version schlanker gemacht, um selbst den kleinen Kindern einzuprügeln, dass man nur schön ist, wenn man den perfekten Körper hat!
    Wie sollte ich also etwas Anderes denken, als dass ich nie einen Mann bekomme, wenn es alle um mich herum sagen? Glaub mir, ich bin nicht die einzige, die so unter der Gesellschaft leidet! Es ist eine Vielzahl an Menschen, die durch diese Voraussetzung eingeschränkt und unterdrückt wird! Wenn du 20 junge Mädchen vor dir stehen hast, sind 18 Stück davon mit sich und ihrem Körper unzufrieden! 5 davon sind dadurch psychisch krank geworden!
    Besonders Social Media verschlimmert diese Unzufriedenheit, indem sie auf Instagram überall diese Models zeigen, welche sich dann selbst noch als fett bezeichnen und die gehatet werden, die eine Speckrolle zu viel haben! Teilweise reden die sozialen Netzwerke einem sogar ein, depressiv zu sein, obwohl man es überhaupt nicht ist. Das Gerhirn arbeitet wie folgt: Sind es alle, bin ich es auch!
    Ich kenne demnach auch viele Leute in meinem Alter, die meinen, sie haben Depressionen und weiß der Geier war, aber eigentlich ist es nur Social Media, die ihnen das einreden. Viele sind noch nicht mal krank! Doch die Unzufriedenheit ist dennoch da! Viele machen dann auch noch den Fehler, mit niemandem darüber zu reden. Ich kann dazu nur sagen, dass es unfassbar wichtig ist, über seine Probleme, Gefühle und Gedanken zu sprechen. Ich musste schon des Öfteren erleben, dass Leute dachten, man könne ihnen nicht mehr helfen, obwohl sie nur mit jemandem hätten sprechen müssen!“
    Alle etwas sprachlos schauten wir die parteiergreifende Anführerin an, welche nun ihre Rede mit einer Aufforderung beendete:„Wenn also jemand von euch mal etwas loswerden will, soll er das bei mir tun! Es ist auch eigentlich egal, bei wem ihr sowas loswerdet, solange ihr es jemandem sagt. Diese Person sollte dann aber ein wenig Kompetenz besitzen. Also, wenn was ist, sagt mir bescheid! Und um jetzt mal das Thema und mein ewiges Geschwafel zu beenden... Rica, Jimin, ihr habt Spiele vorbereitet? Stellt mal das erste Spiel vor!“

    41
    Kapitel 130

    Der Abend ging sehr lustig zu. Jimin und Federica erklärten die Spiele, bei denen anschließend viel gelacht wurde. Sogar Karolin schien wirklich Spaß zu haben, was man ja auch nicht sehr oft bei ihr tatsächlich merkte. Auch ihre Rede von vorhin, welche ja eigentlich einen sehr emotionalen Hintergrund hatte, beeinträchtigte die Laune nicht.
    Bei den Spielen hatten die zwei Organisatoren sogar darauf geachtet, dass nicht zu viele davon mit körperlichem Kontakt waren, damit auch ich ohne Angst mitspielen konnte. Bei den Spielen, bei denen man dann doch mal in Zweiergruppen eingeteilt war, nahm ich als Partner eben immer Preecha. Schließlich konnte bei dem Thai praktisch nichts passieren. Tae schien mittlerweile auch gar kein Problem mehr damit zu haben, dass ich dem 25-jährigen teilweise so nah kam und mich auch gut mit ihm verstand. Immerhin wusste mein Freund jetzt ja auch, dass Preecha homosexuell war und somit sicher nichts von mir wollte. Tae war nur froh, dass ich durch den Thai langsam meine Angst bekämpfte und sogar eventuell bald wieder ihn in meine Arme schließen konnte.

    Wir spielten gerade auf Juans Wunsch hin „Wer bin ich?", als plötzlich Schritte in dem Saal ertönten und zwei Gestalten den Saal betraten. Sofort erkannten wir hierbei Amba und Michal, welche dicht beieinander und händchenhaltend von ihrem Spaziergang wiederkamen. Akiko drehte sich zu den zweien um und scherzte:„Und? Habt ihr ein bisschen geknutscht oder so?" Entrüstet schüttelte die Inderin daraufhin den Kopf, während Michal einen bösen Blick an uns sendete und murrte:„Nein. Wie oft denn noch? - Wir sind nur Freunde!" Darauf grinsten wir alle etwas, während die 17-jährige jetzt auch Lorenzo entdeckte, welcher für sie und den Polen natürlich vollkommen fremd war. Etwas ängstlich schaute sie den Brasilianer erst nur an, wandte sich dann an Michal und flüsterte ihm verunsichert etwas zu, woraufhin dieser auch skeptisch zu Vias Bruder schaute.
    In der Zeit stand Karolin jedoch schon von ihrem Bettpolster auf, deutete auf den Neuen und erklärte:„Das ist Lorenzo oder wie wir ihn auch nennen - Renzo. Er ist Lívias Bruder, erinnert ihr euch? Er ist heute der Futter-Truppe über den Weg gelaufen." An Amba gewandt fügte die Österreicherin hinzu:„Er ist verletzt. Ich habe ihm seine Wunden zwar schon gesäubert, aber die Ärztin hier ist und bleibst du! Kümmerst du dich da bitte noch kurz drum?" Etwas überfordert nickte die Inderin nur langsam, während sie mit Michal an ihrer Seite zögerlich auf den Verwundeten zutrat. In ihrem brüchigen Englisch fragte sie leise, was er denn habe und behandelte ihn dann auch direkt. Dabei verließ der 21-jährige Pole nicht ihre Seite.

    Renzo war fertig behandelt worden und der Abend wurde nun mit Amba und Michal fortgesetzt. Dabei zeigte sich dann, dass auch die zwei viel Spaß hatten. Tae flüsterte mir dabei zu:„Ich hätte gar nicht gedacht, dass die zwei überhaupt an dem Abend teilnehmen. Sie sind irgendwie andauernd unterwegs und immer nur zu zweit. Sie scheren sich nicht so recht um den Rest..." Schulterzuckend stimmte ich ihm irgendwie zu, wandte mich dann aber eher wieder dem Spielen und der Gemeinschaft zu.

    Den Abend zögerten wir noch etwa über zwei Stunden hinaus, wobei wir nach wie vor eine Menge Spaß hatten. Allerdings wurden einigen so langsam die Augen schwer, woraufhin sie dann schlafen gingen. So kam es dann also, dass alle bis auf Tae, Preecha, Hoseok, Karolin, Juan und mir schlafen gingen.
    Doch, während sie sich zum Schlafen legten, blieben wir noch wach und unterhielten uns weiterhin leise an dem Feuer. Warum auch immer unterhielten wir uns gerade über unsere Familie und Juan erzählte:„Ich lebte ja immer mit meiner Familie auf einem Bauernhof. Es war immer schön dort, auch, wenn wir manchmal helfen mussten. Aber ich vestand mich immer gut mit meinen Schwestern und auch vor allem meiner Oma. Sie lebte ebenfalls bei uns auf dem Hof, war jedoch schon dement und bekam nicht mehr ganz so viel vom Leben mit... Ob sie noch lebt, weiß ich gar nicht. Immerhin sitze ich schon seit gefühlten Ewigkeiten hier..." Karolin erzählte jetzt:„Ich hatte oft nicht so eine guten Draht zu meiner Familie... Ich hatte stets das Gefühl, dass sie mich nicht richtig respektieren und akzeptieren. Neben meinen Geschwistern schien ich immer nur unerwünscht zu sein. Ich wurde oft mit meinen Geschwistern verglichen. Nicht nur von meiner Familie selbst, sondern von allen um mich herum. Ich wurde immer als das Opferkind gesehen, das zu dick war und nicht hübsch... Zumindest von meinen Großeltern. Allerdings hatte ich auch bei allen anderen das Gefühl, dass am wenigst geliebte Kind zu sein. Ich will nicht sagen, dass ich nicht geliebt wurde, sondern einfach, dass die anderen mehr geliebt wurden. Sie alle wurden direkt mit etwas Positivem assoziiert und von ihnen wurde regelrecht geschwärmt. Hörte man meinen Namen, wusste sofort jeder, dass es sich um das hässliche, dicke Mädchen von den dreien handelte. Mit mir wurde irgendwie immer nur Negatives verbunden. Zu dick, zu dumm, zu hässlich und, was ich mir nicht noch alles anhören durfte..." Hoseok murmelte leise:„Hört sich ja nicht gerade nach einer netten Familie an..." Sofort erwiderte Karo:„Ich will mich gar nicht beschweren! Ich liebe meine Familie und ich bin mir auch sicher, dass sie auch irgendwas für mich empfinden. Ich war eben nur noch nie die erste Wahl... Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie das nicht extra gemacht haben. Sie merkten nie, wie ungerecht sie im Grunde genommen waren und, wie sehr sie mich manchmal verletzten. Sie beschwerten sich dann nur, dass ich immer so brummig sei, doch mit meinen Gefühlen brachten sie das nie in Verbindung... Naja, sei's drum... Ich bin ja auch schon daran gewöhnt. In den letzten Jahren hat es sich sogar gebessert, weil ich gut in der Schule geworden bin. Allerdings auch nur, um meinen Großeltern zu gefallen und einen Status zu haben, der mich auch im positiven Sinne von meinen Geschwistern abhob." Langsam und irgendwie mitfühlend nickte ich nur langsam, während Preecha ein nachdenkliches:„Hm...", von sich gab. Auch der Rest äußerte sich nicht konkret dazu.

    Stattdessen schwiegen wir eine Weile, während Juan plötzlich leise murmelte:„Meine Familie war eigentlich immer gut zu mir, aber sie sind allesamt nicht sehr tolerant... Sie sind solche Menschen, die sofort jeden verurteilen und immer über alle reden. Unsere Mitmenschen werden nach ihrem Reichtum, Aussehen und ihrer Sexualität bewertet. Homosexuelle oder Transexuelle werden bei uns unter keinen Umständen geduldet und als ekelhaft abgestempelt... Ich denke, meine Familie ist sehr altmodisch vom Gedanken her... Ich denke, dadurch, dass es mir nie anders beigebracht wurde, hatte ich keine andere Einstellung." Kurz machte der Spanier beim Reden eine Pause, schaute dann verträumt an die Decke und murmelte leise:„Ich denke, ich sollte mich dembezüglich bei Preecha entschuldigen. Ich-" Plötzlich stockte der Mann wieder und vollendete seinen Satz dann:„Ich wollte einfach nicht den Erwartungen meiner Familie entfliehen. Sie würden mich wahrscheinlich aus dem Haus werfen, würden sie es herausfinden..." Dieser Satz verwirrte uns alle ein wenig, aber gleichzeitig waren wir stolz auf den Spanier, dass er sich endlich entschuldigte. Speziell der Thai war sehr davon angetan und bedankte sich ruhig:„Ist schon in Ordnung, Juan. Ich kann deinen Gedanken verstehen. Mach dir keine Sorgen, ich verstehe das. Aber danke, dass du dich bei mir entschuldigt hast." Etwas verlegen lächelte Juan dann nur als Antwort, während wir nun etwas weiter über unsere Familien redeten.

    Schließlich wurde es sehr spät, Karolin gähnte lang und murmelte:„Ich denke, ich werde jetzt mal schlafen gehen... Aber der Abend mit euch war wirklich schön!" Dies erwiderten jetzt alle und gingen auch schlafen. Ich hatte mich dabei dazu entschlossen, neben Preecha zu schlafen, während Tae sich zu Juan legte und Hobi und Karolin natürlich auch nebeneinander pennten. Dabei kuschelten sie sich wieder im Schlaf ziemlich aneinander, was ich ziemlich süß fand. Als ich die zwei so aneinandergekuschelt sah, musste ich auch daran denken, wie unterschiedlich der 26-jährige Koreaner und die 15-jährige Österreicherin eigentlich waren. Auch dachte ich über das nach, was Karolin letztendlich über ihr Leben bei ihrer Familie erzählt hatte. (Kursiv) Mich wundert nicht, dass sie so leidenschaftlich über die Gesellschaft und ihre Probleme gesprochen hat, weil sie ja scheinbar auch selbst Opfer davon war und es ja vielleicht auch noch irgendwie ist... Sie wollte das wohl mal loswerden... Sie schien es wohl echt nicht immer leicht gehabt zu haben... Kein Wunder, dass sie dann bei diesem Thema auf einmal so parteiergreifend wird...
    Auch Juan scheint endlich Einsicht zu finden. Allerdings wirkte er beim Sprechen immer noch etwas verklemmt. Naja, ich weiß nicht. Ich bin nur froh, dass er versteht, dass es nichts Schlimmes ist, homosexuell zu sein. Irgendwie wurde am Ende des Abends relativ viel über Gefühle und so gesprochen. Naja, es ist aber ja auch wissenschaftlich erwiesen, dass man, je müder man ist, ehrlicher wird... (EndeKursiv)



    Hi.

    Hier ist das neue Kapitel. Ich weiß, ich bin momentam ziemlich unregelmäßig, was das angeht, im Gegensatz zu sonst. Allerdings fehlt momentan einfach die nötige Zeit. Ich hoffe, das ist nicht so schlimm für euch.^^'

    An der Stelle hätte ich dann noch einmal eine Frage an euch. So rein interessehalber. XD
    Gibt es irgendwelche Charaktere in meiner Ff, die ihr total miteinander shippt? Also, bei denen ihr es total cool fändet, wenn die zusammenkommen würden oder, die eurer Meinung einfach total gut zusammenpassen?
    Eine Freundin, die diese Ff nämlich auch liest, meinte, sie würde eine Reihe von Charakteren miteinander shippen. Da habe ich mich dann gefragt, ob das bei euch auch der Fall ist.
    Schreibt mir das gerne mal in die Kommis und dann eben auch, wen ihr miteinander shippt. XD
    Dabei können Charaktere meinetwegen auch doppelt „besetzt“ werden und eigentliche Beziehungen oder Fast-Beziehungen außenvor gelassen oder kommentiert werden. Das hat meine Freundin nämlich auch gemacht. Vielleicht könntet ihr zu dem jeweiligen Ship auch eine kurze Begründung geben, warum genau ihr die zwei shippt. XD
    Das fände ich echt cool und würde mich echt interessieren, da ich tatsächlich auch einige Charaktere miteinander shippe. XD

    LG Emily W.

    42
    Kapitel 131

    Stimmen hallten leise und kaum verständlich durch den riesigen Raum, in welchem wir alle schliefen. Müde öffnete ich meine Augen, verwirrt durch dieses Gemurmel. Es kam mir so vor als wäre noch mitten in der Nacht, so müde wie ich war, während ich mich langsam und möglichst unauffällig umschaute. Vorerst konnte ich dabei gar nicht identifizieren, woher die Stimmen kamen, bis mir auffiel, dass das Bett neben Hobi als auch das neben Amba leer waren. Verwirrt setzte ich mich dann auch vernünftig auf, um Karolin und Michal, welche ja scheinbar die Ursache der Stimmen waren, zu finden.
    Nach einigen Momenten erblickte ich die zwei dann an einer Ecke stehen, sich leise miteinander unterhaltend. Dabei schien die Anführerin verärgert zu sein. Ihre Augenbrauen waren noch tiefer nach unten verzogen als sonst und an ihren wilden Gestikulierungen beim Sprechen konnte ich erkennen, dass sie sich aufregte. Das leise, undeutliche Gewisper der Österreicherin drang in meine Stimme, während sich der Blick des Polen immer mehr verfinsterte. Er schien nicht mit dem zufrieden zu sein, was Karolin dort von sich gab, blieb aber ruhig. Nachdem die Österreicherin dann verstummt war, erwiderte er etwas, was ich jedoch ebenfalls nicht verstehen konnte. Alles, was ich deuten konnte, war, dass die beiden sich gerade irgendwie in den Haaren hatten.
    Angestrengt versuchte ich, auch nur etwas von dem Gesagten zu verstehen, was mir jedoch sehr schwerfiel. Letztendlich konnte ich nur zwei Wörter heraushören - „verlassen“ und „Gemeinschaft“.
    Ich war verwirrt.
    (Kursiv) Worüber könnten sich die zwei nur unterhalten? „Verlassen“ und „Gemeinschaft“ sind zwei vollkommen unterschiedliche Wörter. Möchte einer von beiden eventuell unsere Gemeinschaft verlassen? Nein, das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Vielleicht möchte es auch einer der anderen und sie unterhalten sich darüber? Aber sollte uns denn schon alleine lassen wollen? Niemand hat einen Grund dazu! Die einzige, bei der man es irgendwie denken könnte, wäre Amba. Schließlich hat sie schonmal versucht, zu entfliehen und hat uns dann verraten... Aber das würde sie doch nicht noch einmal tun!
    Vielleicht geht es auch um Michal? Er gehörte einmal zu Callum. Vielleicht will er uns verraten und Karolin hat es herausgefunden? Ich kann mir das alles überhaupt nicht vorstellen. Vielleicht habe ich mich ja auch verhört oder sie sagten auch „nicht“...(EndeKursiv)

    Plötzlich stoppten Karolin und Michal abrupt mit dem Diskutierten und drehten sich gleichzeitig in meine Richtung. Augenblicklich legte ich mich dann wieder hin und tat so als schliefe ich. Währenddessen ertönte hinter mir ein leises Rascheln, dann eine bekannte Stimme:„Was macht ihr da?“ Es war Amba.
    Michal antwortete leise, aber so laut, dass sowohl die Inderin als auch ich es verstehen konnten:„Nichts, Amba. Wir unterhalten uns nur gerade. Geh wieder schlafen!“ Doch die 17-jährige fragte weiter:„Worüber unterhaltet ihr euch?“ Darauf gab Karolin schnippisch die Antwort:„Über Gott und die Welt! Und jetzt geh schlafen!“ Scheinbar verunsichert sprach Amba dann nicht mehr und legte sich augenscheinlich wieder schlafen.
    Karolin und Michal blieben unterdessen an ihrer Ecke stehen und ich hörte Karolin leise murren:„Wir reden noch einmal weiter! Aber jetzt bringt es eh nichts mehr, wo deine Amba wach ist!“
    Dann verstummte es im ganzen Saal wieder und ich hörte nur noch, wie sowohl die Österreicherin als auch der Pole zurück zu ihren Schlafplätzen gingen.
    Verwirrt blieb ich liegen. Worüber konnten sich die zwei nur unterhalten haben? Warum stritten sie? Oder war das Ganze vielleicht auch gar kein ehrlicher Streit?
    Ahnungslos und müde sackte ich nur wieder zurück in den Schlaf, diese Gedanken verdrängend, bevor ich mich in etwas hineinsteigerte. Doch in Einem war ich mir sicher: Ich musste Preecha davon erzählen. Er war sehr intelligent und bekam mehr mit als man manchmal dachte.

    Der nächste Tag brach an und ich wurde von dem Thai geweckt, indem er stark an mir rüttelte. Schlaftrunken schlug ich dann meine Augen auf und gaffte ihm verwirrt entgegen. Kurz grinste der 25-jährige dann nur und meinte:„Los, steh schon auf! Es gibt Frühstück!“, während er selbst schon aufstand und zu dem Rest ging.
    Schnell stand dann auch ich auf und folgte zu all den anderen, die bereits dort saßen und aßen. Tae begrüßte mich sofort lächelnd:„Guten Morgen, Tomätchen? Gut geschlafen? Du hast heute so lange geschlafen. Bist du wohl zu lange wach gewesen?“ Müde gähnte ich leicht lächelnd:„Morgen, Tae. Naja, hab so mittelmäßig geschlafen. Ich bin zwischendurch mal aufgewacht...“
    Daraufhin reagierten plötzlich Michal und Karolin, indem sie sich beide verschluckten. Verwirrt schauten dann alle die zwei an, während Karolin murrte:„Hab mich verschluckt...“ Kurz nickten darauf dann nur alle, immer noch etwas verwirrt, dass sich wohl beide gleichzeitig verschluckt hatten. Ich musterte die zwei in der Zeit etwas skeptisch und setzte mich dann neben Tae, mit Abstand. Etwas besorgt schaute mich dieser an und hakte nach:„Ist alles in Ordnung bei dir? Du siehst so nachdenklich heute aus...“ Schnell erwiderte ich nur:„Ja, alles gut. Ich träume nur noch etwas.“ Damit gab mein Freund sich zufrieden, während ich wieder zu Michal und Karolin blickte, welche sich scheinbar aus dem Weg gingen. Sie saßen weit voneinander entfernt und schauten stur voneinander weg. Dies schien ihre besten Freunde, Hobi und Amba, zu verwirren. Mir ging währenddessen durch den Kopf, was letzte Nacht vorgefallen war. Es konnte kein Zufall sein, dass die zwei mitten in der Nacht stritten und sich heute aus dem Weg gingen. Es schien also so als wäre tatsächlich ein Konflikt zwischen den zweien gewesen. Doch ich stellte mir weiterhin die Frage, worum es in dem Konflikt ging.

    Das Frühstück wurde beendet und Karolin befahl in ihrer gewohnt mürrischen Stimme:„Wir müssen heute wieder trainieren! Es wird Zeit, dass wir unsere Kräfte soweit ausgebildet haben, dass wir gegen Callum und seine Leute kämpfen können! Ich habe keine Lust, hier noch länger rumzuhocken. Kommt also ein bisschen in die Hufe, damit wir möglichst die nächsten Tage angreifen können!“ Akiko protestierte empört:„Du willst in den nächsten paar Tagen angreifen? Wie stellst du dir das vor? Glaubst du ernsthaft, wir könnten jetzt schon losmarschieren, sie einfach angreifen und hoffen, dass wir gewinnen? Du weißt ganz genau, dass wir noch nicht so weit sind!“ Mit kalter Stimme erwiderte die Anführerin:„Ja, das weiß ich. Aber wie lange wollt ihr es denn noch hinauszögern? Nicht nur wir werden stärker, sondern auch Callum! Jeden Tag, den wir uns noch geben, geben wir auch ihnen! Wir sind nicht die einzigen, die stärker werden!“ Akiko warf wieder ein:„Und deswegen willst du jetzt einfach angreifen? Unser aller Leben auf's Spiel setzen? Bei unserem jetzigen Stand werden auch deine tollen Theorien nichts bringen!“ Als würde es sie gar nicht interessieren, antwortete Karo:„Unsere Leben setzen wir doch so oder so auf's Spiel. Es ist egal, ob wir es jetzt tun oder erst in zwei Wochen! Sterben werden wir so oder so irgendwann!“ Diese kaltherzige Aussage brachte uns alle zum Verstummen und, als ich mich so umsah, merkte ich, dass Angst in den Blicken von allen lag. Juan, welcher sonst so ruhig war, schien ebenso verängstigt, wie die Inderin, welche es wohl immer war. Die 17-jährige schmiegte sich in Michals Arm, welcher wiederum mit bösem Blick zu seiner ehemaligen besten Freundin schaute.
    Karolin war natürlich nicht dumm und merkte, wie sehr alle angespannt und teils auch verärgert waren, doch es schien sie nicht zu interessieren, denn sie gab einfach den Befehl:„Los, Training steht an! Alle Nicht-Kräftler werden weiterhin lernen müssen, mit anderweitigen Waffen umzugehen!“

    Nervös drehte ich mich zu Tae um, welcher ebenso verängstigt schien wie wir alle. Sorgenvoll blickte er mich an und murmelte nun:„Ich denke nicht, dass wir wirklich schon angreifen sollten... Ich habe sowieso das Gefühl, dass etwas nicht so ganz hier stimmt... Karolin ist noch schlechter gelaunt als sonst und niemand hätte erwartet, dass sie jetzt schon angreifen will. Irgendeine Laus ist ihr doch über die Leber gelaufen oder so. Dieses Denken kommt nicht von so...“ Zustimmend nickte ich langsam und sprach:„Da gebe ich dir vollkommen recht... Da stimmt etwas nicht ganz. Komm, ich muss mit Preecha reden und du wirst mitkommen!“ Verwirrt hakte mein Freund nach:„Warum? Was ist los?“ Knapp erklärte ich nur:„Ich habe etwas gesehen und muss Preechas Meinung dazu hören. Vielleicht weiß er noch mehr...“ Verwirrt folgte Tae mir nun einfach zu dem Thai, nicht weiter nachfragend.

    „Hey, ich...“ Harsch zog ich den scheinbar überrumpelten Preecha an der Hand zum Rand, während Tae einige Schritte weiter hinten folgte. Karolin hatte sich gerade denen zugewandt, die keine Kräfte besaßen, wodurch sie nicht bemerkte, dass wir uns aus dem Geschehen entfernten.
    Hinter einer Säule angekommen ließ ich Preechas Handgelenk los und murmelte kurz:„Ich muss dir was erzählen... Tae auch, weil ich keine Geheimnisse mehr vor ihm haben möchte. Du musst mir dann deine Meinung dazu sagen, Preecha!“ Nach wie vor verwirrt blickte mich der Mann an und stammelte:„Ähm, OK... Worum geht es denn?“ Schnell erzählte ich meinem Kumpel sowie Tae von dem, was ich heute Nacht beobachten und hören konnte. Ich beendete meine Erzählung:„Ich glaube, dieser Streit zwischen Karo und Michal hat etwas mit Karos Entscheidung zu tun, möglichst schnell anzugreifen. Ich habe aber, wie gesagt, keine Ahnung, worum es in dem Streit ging...“ Nachdenklich und gleichzeitig etwas schockiert nickte Preecha nur langsam und fing dann an:„Nun... Es gibt verschiedene Alternativen. Entweder, einer von beiden möchte uns verlassen oder so, was diese zwei Wörter vermuten lassen oder aber, jemand Anderes möchte das. Es kann jedoch natürlich auch sein, dass diese zwei Wörter „verlassen“ und „Gemeinschaft“ vollkommen aus dem Kontext gerissen sind und das alles überhaupt nichts damit zu tun hat...“ Tae stellte seine Überlegung vor:„Michal ist doch so gut mit Amba... Diese wollte uns doch schonmal verlassen und hat uns anschließend sogar verraten. Vielleicht hat Karolin irgendwie den Verdacht, dass Amba uns erneut verraten möchte und stellt deswegen Michal zur Rede. Dieser könnte protestiert haben, weil er es nicht wahrhaben will und so kamen sie in den Streit. Es wäre gar nicht so abwegig, wenn ihr mich fragt. Schließlich hat Karolin Amba auch noch lange Zeit misstraut. Eventuell tut sie das immer noch und hat nun ihren Beweis oder so.“ Preecha nickte nur nachdenklich, während ich möglichst unbemerkt flüsterte:„Ich kann mir das nicht vorstellen! Amba hat daraus gelernt, ich denke nicht, dass sie uns erneut verraten will. Sie fühlt sich nun bei uns wohl!“
    „Schon, aber das würde doch auch so halbwegs erklären, weshalb Karo uns direkt angreifen lassen will - Sie möchte Amba ihren Grund geben, abzuhauen, weil diese ja eben immer Angst vor sowas hat und möchte uns somit beweisen, dass Amba uns nicht treu ist“, stellte mein Freund seine Theorie auf. Preecha mischte sich nun ein:„Ich gehe mit (d/n). Ich kann mir nicht vorstellen, dass Amba uns verraten will. Sie ist ängstlich und schüchtern, ja, aber sie ist dennoch treu, da bin ich mir sicher!“ Skeptisch meinte Tae:„Woher willst du das wissen? Wir kennen sie doch länger als du!“ Ruhig erwiderte der 25-jährige:„Ich hab da so ne Art Gabe. Ich kann mich gut in Menschen hineinversetzen und ihre Mimik und Gestik deuten. Das habe ich im Kloster gelernt, aber ich war schon immer gut darin.“ Darauf rollte der andere Mann nur schnell mit den Augen, während Preecha fortfuhr:„Wenn ich euch mal eben erklären darf, wer welche Charakterzüge mir gegenüber preisgegeben hat...
    Amba ist ängstlich und schüchtern, zumindest wirkt sie so, aber wenn ihr mich fragt, ist sie dennoch auf gewisse Weise mutig. Sie ist durch ihre Herkunft und die Traditionen, die es dort gab, in ihrem Mut eingeschränkt, aber treu ist sie dennoch. Sie klammert sich gerne an stärkere - in ihrem Fall Michal.
    Somit kommen wir dann auch schon zu ihm. Er ist verschlossen und ruhig, aber eigentlich relativ sensibel. Er kümmert sich gut um Amba und lässt somit auch etwas ihre Angst schwinden. Seine Ruhe und teilweise Gefühlslosigkeit bestärkt sie. Allerdings ist er auch in seinen Emotionen etwas abgehärtet. Michal ist so ein Mensch, der liebt, es aber nicht zeigt. Zumindest nicht oft. Bei Amba tut er es, weshalb ich mir ziemlich sicher bin, dass er uns nicht verlassen will.
    Karolin ist ein bisschen anders. Sie ist oft sehr fürsorglich und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir ihr alle wichtig sind. Oft scheint sie ruhig und gleichzeitig etwas mürrisch, was mir jedoch zeigt, dass sie Emotionen versteckt - ebenso wie Michal übrigens. Bei ihr ist jedoch der Unterschied, dass ihre Emotionen tiefer gehen. Wut ist eine ihrer stärksten Emotionen. Die kann sie nämlich auch nicht gut unterdrücken. Man kann sie schnell verärgern und ebenso schnell wird sie eifersüchtig, was man in ihren Blicken sieht. Bevor Hoseok da war, hatte sie niemanden als so richtig besten Freund. Wenn sie dann zu Amba schaute, welche zu dem Zeitpunkt bei Michal war, sah man in ihren Augen die bloße Eifersucht. Ich glaube, Karolin ist ein Mensch, der nicht sehr gut alleine sein kann. Ich denke, sie liebt und kann es nicht ertragen, wenn diese Person dann aber einen anderen mehr liebt. Damit meine ich nicht, dass sie unbedingt in einem romantischen Sinne liebt, sondern einfach generell. Das zeigt mir zum Beispiel die Art und Weise, wie sie über ihre Familie spricht. Sie klingt dabei enttäuscht, aber manchmal auch etwas wütend. Sie sagt, ihre Familie würde sie lieben, aber nicht so sehr wie ihre Geschwister. Sie scheint den Ehrgeiz zu haben, immer die Nummer 1 zu sein. Das ist sie aber nicht und ich denke, das macht sie wütend.

    Daraus resultiert: Ich denke, Karolin ist eifersüchtig auf Amba, weil diese so dick mit Michal ist und versucht nun, ihr Angst zu machen.
    Allerdings kann ich da natürlich auch vollkommen falsch liegen, also stellt euch nicht direkt auf meine Meinung ein.“
    Tae hob eine Augenbraue:„Du willst uns gerade also wirklich weismachen, dass Karolin eine extrem eifersüchtige Person ist und uns deswegen in den Tod stürzen will? Du hast doch selbst gesagt, dass wir ihr scheinbar wichtig sind! Warum sollte sie ihre Eifersucht über uns stellen?“ Leise seufzte Preecha jetzt:„Das wollte ich doch so gar nicht sagen! Karolin ist eine gute Person, das bezweifle ich gar nicht. Ich habe doch auch sowieso gesagt, dass das meine Vermutung ist und ihr euch nicht darauf verlassen sollt! Die beste Möglichkeit ist, Karolin einfach selbst zu fragen. Was kann (d/n) schon dafür, dass sie von ihrem Streit wach wird und dann einige Worte mithört. Natürlich darf sie sich fragen, was da los war. Fragt Karo doch einfach! Sie kann euch ja wohl kaum eine auswischen oder so, weil ihr irgendwelche Pläne oder so auf den Tisch deckt. Wahrscheinlich war es nur ein ganz kleiner, sinnloser Streit und sie wird euch das gleich ganz ruhig erklären können. Vielleicht bekommt ihr sie dann ja auch zur Besinnung, nicht jetzt schon anzugreifen.“ Langsam nickte ich jetzt und meinte:„Stimmt, vielleicht ist das die beste Lösung. Ich werde Karolin darauf ansprechen. Kommst du mit, Tae?“

    43
    Kapitel 132

    „Karolin, wir haben eine Frage“, hob ich leise meine Stimme, während Tae ebenso verunsichert neben mir stand. Die Anführerin drehte sich nun von Hobi, Jimin und Lorenzo um und murrte:„Da seid ihr ja, ich habe euch schon vermisst! Ihr wart auf einmal weg. Worauf ich hinauswollte... Tae, geh du bitte mit Amba trainieren und (d/n), du suchst erstmal nach Preecha und bekommst das mal noch ein bisschen in den Griff mit deiner Kälte. Verstanden?“ Nervös murmelte ich:„Ähm, ja, schon. Aber ich wollte eigentlich etwas fragen...“ Stumpf erwiderte die 15-jährige:„Das hat Zeit“, und drehte sich schon wieder zu denen, die keine Kraft hatten. Tae fragte in der Zeit verwirrt:„Warum soll ich mit Amba trainieren? Sie trainiert doch immer mit Michal...“ Ohne den Koreaner anzublicken erklärte Karolin:„Ja, und sie braucht Abwechslung. Wenn sie immer nur mit Michal trainiert, lernt sie nichts Neues. Er schont sie zu sehr und außerdem muss Amba auch mal gegen die Kraft kämpfen, gegen die sie auf jeden Fall effektiv ist, damit wir sehen können, ob sie damit überhaupt klarkommt.“ Zustimmend nickte Tae nur etwas enttäuscht, da er sich wohl eine andere Antwort erhofft hatte, während ich nicht locker ließ und einfach meine Frage aussprach:„Warum willst du eigentlich jetzt schon angreifen? Hat es etwas mit dem Streit mit Michal von heute Nacht zu tun?“ Damit hielt die Österreicherin dann inne, drehte sich langsam wieder zu uns um und fragte leise und irgendwie etwas seltsam klingend:„Was hast du alles mitbekommen?“ Ich sah, wie Renzo, Hobi und Jimin im Hintergrund verwirrt und neugierig zuhörten, was Karolin jedoch augenscheinlich nicht passte. Ich war unterdessen damit beschäftigt, eine Antwort zu finden. (Kursiv)Sollte ich Karolin die Wahrheit sagen, dass ich kaum etwas mitbekommen habe oder sollte ich lügen, damit ich in ihrem Gesicht sehen kann, ob das für sie schlimm wäre oder sonst was? (EndeKursiv)
    Etwas überrumpelt stammelte ich:„Naja, nicht sehr viel...“ Ich hatte keine Lust, zu lügen. Was sollte ich denn schon sagen, was ich gehört hatte? Eine Lüge konnte schnell entlarvt werden, weshalb ich mich also doch für die Wahrheit entschied.
    Die Anführerin nickte nun langsam und sprach eher zu sich selbst:„Gut so...“ Etwas lauter und nun auch an mich gerichtet brummte sie:„Um auf deine Frage zurückzukommen... Nein, es hat nichts damit zu tun. Es ist einfach die Zeit, die mich stört.“ Neugierig hakte ich nach:„Aber worüber haben du und Michal überhaupt gestritten?“ Mit verärgertem Blick schaute mich die mit der Kraft der Luft an und fauchte:„Was geht dich das an? Du sollst deine Kälte in den Griff bekommen, hast du das schon wieder vergessen? Also, krieg deinen eigenen Kram voreinander!“ Damit wandte sich Karo abermals ab und ich seufzte leise.

    Karolin ließ wirklich nichts aus sich herauskitzeln, also ging ich etwas missmutig mit Tae zurück zu Preecha. Dieser fragte nun neugierig:„Und? Was hat sie gesagt?“ Schnell erzählte ich dem Thai alles, während dieser bedächtig nickte. Zum Schluss murmelte er leise:„Wenn ihr mich fragt, verbirgt Karo etwas. Warum sonst sollte sie so pissig geworden sein? Eure werte Anführerin scheint Geheimnisse zu haben...“ Etwas verwirrt fragte Tae:„Eure? Du gehörst doch zu uns?“ Mit seinem alt bekannten Schmunzeln auf den Lippen erwiderte der 25-jährige:„Das schon, aber ich sehe sie nicht als meine Anführerin. Ich bin mein eigener Herr. Letztendlich werde ich das tun, was mir gefällt.“ Leicht nickte mein Freund als Zeichen des Verstehens, während der andere weiterredete:„Nun, alle Geheimnisse kommen irgendwann ans Licht. Und ich denke, dieses sollte es möglichst bald. Immerhin könnte es unserer Existenz schaden, dadurch, dass wir alle voneinander abhängig sind... Die Frage ist jetzt also nur, wie wir Karos Geheimnis lüften können.“ Unwissend zuckte ich kurz mit den Schultern, während Preecha direkt weiterplapperte:„Möchtest du etwas herausfinden, musst du immer erst wissen, wer es alles weiß. Wir wissen: Michal weiß ganz genau, worum es ging. Warum fragen wir also nicht ihn? Vielleicht rückt er ja mit der Sprache raus.“ Zustimmend nickten Tae und ich wie im Chor, während jedoch Karos Stimme plötzlich durch den Saal hallte:„Ihr sollt trainieren, nicht plaudern!“
    Damit wandten wir uns dann wieder unserem Training zu.

    Nach einigen harten Stunden des Trainieren und meinem extra-Training, Angst zu verlieren, legten wir eine Pause ein. Lorenzo, Hobi und Jimin hatten mit den Schwertern gekämpft, die sich unter anderem in der Schatzkammer befanden und schienen sogar sehr gut damit umgehen zu können. Nur Lorenzo schien etwas Schwierigkeiten zu haben, da er durch seine Verletzung am Bein sehr eingeschränkt in seiner Bewegung war. Dies allerdings hatte ihn auch nicht davon aufgehalten, hart zu trainieren und seine ganze Energie darin hineinstecken. Dies konnte natürlich durchaus durch seine Müdigkeit nachgewiesen werden, weshalb der Brasilianer sich erstmal zu seiner Schwester Lívia verkrümelte und dort ein Nickerchen machte.
    Auch die anderen ruhten sich aus und zerstreuten sich dadurch wieder etwas. So kam es dann also, dass Akiko, Juan und Preecha sich gegenseitig von ihren Fortschritten erzählten sowie Jimin und Hobi sich mit Federica zusammentaten und sich gut gelaunt unterhielten. Dies kam mir etwas befremdlich vor, da Karolin dadurch, dass Hobi bei ihnen war, vollkommen alleine war. Sie hatte sich auf den Boden, an die Wand gesetzt und starrte gedankenverloren und irgendwie dennoch aufmerksam in das Geschehen. Michal und Amba verbrachten natürlich wieder Zeit miteinander und verschwanden weiter hinten im Raum.

    Tae und ich wollten diese Gelegenheit der Aufteilung nutzen, um Michal auszufragen. Wir wollten gerade schon losgehen, da stoppte Tae mich, indem er sprach:„Was ist mit Karo? Sie schaut uns allen zu. Wenn wir einfach zu zweit zu Michal und Amba gehen, wird sie direkt wissen, warum. Und ich glaube nicht, dass sie das begrüßen wird." Knapp erwiderte ich:„Hast recht. Dann geh du zu ihr und lenk sie irgendwie ab! Unterhalt dich ne Runde mit ihr und ich werde Michal ausfragen!" Zustimmend nickte mein Freund und machte sich direkt auf dem Weg.
    Sobald ich dann sah, dass die Anführerin abgelenkt war, eilte ich zu Michal, welcher mich sofort verdutzt ansah. Ich lächelte schief und meinte:„Hi. Ähm... du, Michal, ich hab ne Frage. Oder ein paar mehr..." Stirnrunzelnd murrte der Pole kurz:„OK, hau raus!" Sofort stellte ich ihm die selbe Frage wie Karo - Worüber die zwei diskutiert hatten. Als Antwort bekam ich einen bösen Blick und der 21-jährige brummte:„Du fragst mich das, weil Karolin dir keine Antwort geben wollte. Dann werde ich sie dir ganz sicher auch nicht geben!" Etwas verzweifelt seufzte ich:„Aber es ist wirklich wichtig für mich! Ich möchte nur wissen, ob das mit Karolins plötzlichem Willen, früh anzugreifen, zu tun hat. Wir beide wissen, dass sie uns damit in Gefahr bringt und ich möchte das verhindern! Aber dafür muss ich genau das wissen!" Kalt erwiderte der Pole abermals:„Das geht dich nichts an und jetzt geh jemand anderen nerven!" Enttäuscht seufzte ich und wandte mich ab, während Amba jedes Wort mitgehört hatte und mir nun etwas mitleidig, aber dennoch verwirrt hinterherschaute.
    Ich hingegen trottete zurück, mit dem Blick auf Tae, welcher sich noch mit Karo unterhielt, die jedoch nur halbherzig zuzuhören schien.

    Tae bemerkte jetzt, dass ich wiederkam, schien sein Gespräch schnell zu beenden und kam wieder zu mir, während Karo von all dem nichts mitbekommen hatte. Aufgeregt fragte der Koreaner:„Und?" Schnell erzählte ich ihm von dem Gespräch mit Michal, woraufhin er auch nur enttäuscht seufzte.
    Ich murmelte jetzt leise:„Komm, lass uns zu Preecha gehen..."

    Bei Preecha angekommen sagten wir erstmal nichts, sondern standen einfach nur etwas verloren am Rand, da Akiko gerade angeregt etwas erzählte. Juan und Preecha unterdessen standen einfach nur zuhörend dort, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
    Dann bemerkte uns jedoch die Japanerin und begrüßte uns:„Oh, hi Leute! Wie geht's, wie steht's?" Etwas demotiviert lächelte ich:„Hi. Naja, geht so, würde ich sagen." Überrascht hakte die 18-jährige nach, wieso und ich erzählte:„Naja, mir bereitet es etwas Sorgen, dass Karo auf einmal jetzt schon angreifen will..." Verständnisvoll nickte die hübsche Asiatin langsam und meinte dann:„Hm, geht mir genauso. Ich weiß auch nicht so genau, aber ich habe irgendwie das Gefühl, sie versteckt etwas vor uns..." Preecha mischte sich ein:„Das ist bei uns nicht anders. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie uns etwas verheimlicht... Allerdings weiß ich nicht, was." Nachdenklich nickte Akiko und murmelte dann mit plötzlich ernstem Blick:„Aber es ist wichtig, dass wir es herausfinden! Wir können nicht einfach zulassen, dass sie unsere Leben auf's Spiel setzt! Ich bin mir sicher, es hat etwas mit Michal zu tun! Die zwei gehen sich schon den ganzen Tag lang aus dem Weg und sind beide besonders brummig heute." Kurz überlegte ich, ob ich Akiko vielleicht von dem erzählen sollte, was ich wusste und schaute fragend zu Preecha. Dieser schien genau zu wissen, was ich dachte und nickte kurz als Zeichen, dass ich es ihr erzählen sollte.

    So erzählte ich Akiko jetzt alles schnell und leise und beendete meine Erzählung:„Aber am besten erzählen wir dem Rest erstmal nichts davon, oder? Ich meine, wir wollen ja keine Panik oder so auslösen." Zustimmend und gleichzeitig etwas geschockt von ihren neuen Kenntnissen nickte die Japanerin jetzt und flüsterte:„Wenn ihr mich fragt, sollten wir herausfinden, was los ist und dann im schlimmsten Fall damit herausrücken! Aber erstmal bleibt das unter uns, das ist schon richtig so." Juan, welcher ja auch mitgehört hatte, fragte jetzt vorsichtig:„Aber wie wollen wir das herausfinden? Karolin und Michal wollen beide nicht mit der Sprache herausrücken!" Preecha antwortete mit seinem alt bekannten Schmunzeln:„Die Frage ist, wer alles davon weiß. Dass Karolin und Michal davon wissen, ist klar. Aber wer steht den beiden nahe und könnte es demnach vielleicht auch wissen? - Amba und Hobi. Das sind die besten Freunde der zwei. Was ich sowieso auffällig finde, ist, dass Hoseok nicht bei seiner Kumpeline Karo ist, sondern bei Rica und Jimin. Könnte also doch auch sein, dass er davon weiß und jetzt Abstand von Karolin möchte?" Akiko nickte langsam:„Da ist was dran... Also sollten wir Amba und Hoseok fragen. Wer übernimmt das?" Tae meldete sich sofort:„Ich werde Hobi übernehmen! Wir kennen uns schon lange und er vertraut mir, also wird er es mir auch erzählen." Ich meinte unterdessen:„Ich war ne Zeit lang mal gut mit Amba, also könnte ich sie ausfragen." Zufrieden lächelte Akiko jetzt und meinte:„Vielleicht beobachten Juan und ich solange Michal und Karo. Möglicherweise können wir doch noch irgendwie etwas über sie erfahren. Und da Juan Karos erster Kumpel hier war, hat er auch ihr Vertrauen. Ich kümmere mich dann um Michal." Einverstanden nickten wir alle und Preecha meinte nur noch:„Ich werde in der Zeit mehr Pläne überlegen, falls diese nicht klappen sollten."

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    Kapitel 133

    Langsam gingen wir auseinander und machten uns unauffällig an unsere Aufgabe. So machte sich Akiko daran, Michal etwas zu beobachten und Juan daran, Karo im Visier zu behalten. Tae gesellte sich zu Jimin, Federica und Hobi, um den letzteren ausfragen zu können. Ich überlegte in der Zeit, wie ich Michal und Amba etwas auseinanderbekam. Klebten die zwei weiterhin aneinander, konnte ich die Inderin nicht ausfragen. Akiko, welche ja für Michal verantwortlich war, half mir dann etwas dabei. Sie ging ruhig zu dem Polen rüber und tat so, als wolle sie mit ihm trainieren. Erst schien der 21-jährige darüber sehr überrascht, doch die Japanerin erklärte ihm, sie wolle die Kraft, die sie schwächt auch bekämpfen können. Seufzend stimmte der Mann daraufhin zu und verließ Amba somit für einige Zeit.
    Um nicht so auffällig zu wirken, lief ich nicht direkt zu der 17-jährigen rüber, sondern wartete darauf, dass sie zu mir kam. Das tat sie auch tatsächlich direkt und sie sprach mich an:„Hi, (d/n). Wir haben uns lange nicht mehr wirklich gesprochen.“ Lächelnd antwortete ich:„Hi. Ja, das stimmt. Du hast viel Zeit mit Michal verbracht.“ Langsam nickte das Mädchen und fügte hinzu:„Und du machst wieder viel mit Tae. Ich bin wirklich froh, dass ihr zwei euch wieder versteht!“ Zustimmend grinste ich und meinte:„Ja, das bin ich auch. Es ist zwar noch nicht ganz optimal alles, weil ich meine Kraft ja auch noch nicht beherrsche und damit eine Gefahr für ihn darstelle, aber immerhin kennt er jetzt die Wahrheit und wir können uns ja auch mit Abstand lieben.“ Kurz noch einmal überlegend, was ich nun alles gesagt hatte, nickte die mit der Kraft der Pflanzen abermals und erwiderte:„Es ist gut, dass das in dem Sinne geklärt ist. Und ich meine, solange ihr euch lieben könnt und du nicht wieder lügen musst, ist es ja auch in Ordnung. Immerhin könnt ihr euch lieben...“ Den letzten Satz sprach sie irgendwie traurig und verunsichert aus, als würde der Gedanke an Liebe sie schmerzen. Verwirrt sprach ich sie direkt darauf an:„Was meinst du damit? Ist irgendetwas los?“ Leise seufzend sprach Amba:„Naja, ich darf mir nicht aussuchen, wen ich liebe. Ich bin verheiratet und eigentlich müsste ich sterben, wenn ich schon mit anderen Männern rede...“ Neugierig und vielleicht etwas schnell fragte ich sanft:„Sagst du das in Gedanken an Michal?“ Langsam hob das verängstigte Mädchen den Kopf, schaute mir mit ihren großen, braunen und leicht glasigen Augen in die eigenen und flüsterte:„Na, was denkst du denn?“ Mitfühlend schaute ich sie an und fragte leise, damit niemand unser Gespräch verfolgen konnte:„Du liebst ihn, nicht?“ Betrübt senkte die Inderin wieder den Blick und erzählte:„Ja, eigentlich schon. Ich fühle mich bei Michal sicher und er wirkt irgendwie so stark. Ich meine, ich habe immer nur Angst und lasse meine Emotionen viel zu schnell durch. Er hingegen ist fast unerschütterlich und hat nie Angst. Er beschützt mich und gibt mir Halt, allein durch seine Worte. Er ist ruhig und hört mir zu. Eigentlich ist er ein bisschen wie Karo, nur, dass er noch kälter wirkt auf den ersten Blick und im Gegensatz zu Karolin vertraut er mir.“ Überrascht unterbrach ich sie:„Karolin traut dir immer noch nicht?“
    (Kursiv) Wenn Karo Amba nicht traut, könnte es vielleicht tatsächlich bei dem Streit um sie gegangen haben...(EndeKursiv)
    Amba nickte kurz:„Ja, sie mag mich irgendwie überhaupt nicht. Es hat gar nicht mehr unbedingt etwas mit Malou zu tun oder damit, dass ich euch verraten habe, sondern irgendwie mit Michal, glaube ich... Ich sehe an ihrem Blick, dass sie mich nicht leiden kann und mir misstraut. Wenn sie mich mit Michal sieht, verfinstert sich ihr Blick immer weiter. Ich weiß nicht, ob sie letztendlich mir oder Michal misstraut.“ Neugierig hakte ich nach:„Aber woran könnte es denn deiner Meinung nach liegen, dass Karolin so ist?“ Kurz überlegte die 17-jährige und meinte dann:„Ich weiß es nicht so genau. Vielleicht ist sie eifersüchtig oder so. Ich meine, immerhin waren sie und Michal beste Freunde, bis Michal dann anfing, Zeit mit mir zu verbringen. Er macht jetzt ja überhaupt nichts mehr mit ihr und ich würde auch lügen, wenn ich sage, ich glaube, dass Michal nichts für mich empfindet. Ich glaube schon, dass er auch in mich irgendwie verliebt ist oder so. Ich sehe das in seinem Blick und dem Weg, wie er mit mir redet. So war das auch nicht bei Karolin. Vielleicht ist es das, was sie stört. - Dass Michal mich liebt...“ Innerlich froh, dass Amba mir all das einfach so erzählte, nickte ich und fasste für mich zusammen:„Also denkst du, dass Karolin auf dich eifersüchtig ist, weil Michal dich liebt? Meinst du damit dann auch, dass Karolin in Michal verliebt ist?“ Sofort schüttelte die Inderin den Kopf und erklärte:„Nein, das denke ich nicht. Man kann ja auch so eifersüchtig sein ohne, dass es sich dabei direkt um Liebe handelt. Sehen wir es so, ich habe ihr den besten Freund genommen. Wer wäre da nicht eifersüchtig?“ Verstehend nickte ich, doch sprach dann:„OK, aber eines verstehe ich nicht - Wenn du und Michal euch gegenseitig liebt, warum lasst ihr es dann nicht geschehen? Warum seid ihr kein Paar? Dein Mann drüben in Indien bekommt da doch sowieso nichts von mit.“ Die Inderin erklärte:„Es ist ganz einfach - Ich habe noch nie jemanden so geliebt. Ich habe Angst vor dieser Beziehung. Ich weiß, es klingt schwach und vielleicht bin ich das ja auch, aber ich kenne das so nicht. Ich möchte weder mich selbst damit in Gefahr bringen, noch möchte ich Michal damit in Gefahr bringen. Die Liebe zwischen Michal und mir widerspricht gegen meinen Glauben und die Traditionen in Indien. Für Michal ist es in dem Sinne gefährlich, weil ich weiß, dass er sowieso schon genug Stress mit Karolin hat. Manchmal streiten sie sich auch.“ Plötzlich ganz hellhörig hakte ich nach:„Also ging es in dem Streit von heute Nacht um dich?“ Verunsichert meinte Amba:„Ich weiß es nicht genau. Michal redet mit mir nicht wirklich über seine Streite mit Karolin. Sie streiten sich des Öfteren, aber ich weiß nicht, ob sie heute Nacht wegen mir gestritten haben. Ich glaube eigentlich nicht...“ Ich fragte:„Und warum glaubst du, dass sie nicht über dich gestritten haben?“ Ruhig, aber gleichzeitig bedrückt sprach die 17-jährige:„Ich habe Michal gefragt, worüber sie stritten, doch er sagte es mir nicht. Er behält Geheimnisse für sich, wenn er weiß, dass es mich eigentlich nichts angeht. Es ist ein Geheimnis zwischen Karo und ihm und er wird es mir auch nicht erzählen. Also hat es auch nichts mit mir zu tun... Und, hat er einmal versprochen, etwas nicht zu erzählen, bleibt es auch sein Leben lang dabei. Er muss es Karo versprochen haben. Es ging in dem Streit nicht um mich, da bin ich mir sicher.“

    Es verging einige Zeit und Akiko hörte nun auch auf, mit Michal zu trainieren. Somit ging dann also auch Amba wieder zu ihm und Akiko zu mir. Sie fragte direkt neugierig:„Und?“ Schnell murmelte ich:„Ich erzähle alles, wenn wir mal ne ruhige Minute mit den anderen zusammen haben. Dann können auch sie alles erzählen.“ Zufrieden nickte die Japanerin knapp und wir gesellten uns zu Federica, Jimin, Hobi und Tae. Mein Freund rückte etwas mehr zu mir und schien den selben Grundgedanken zu haben wie ich:„Frag mal Karo, ob wir für das Abendessen sorgen sollen! Dann sind wir ungestört“
    Knapp nickte ich somit und begab mich zu Karo, welche in dem Moment noch mit Juan sprach. Als sie mich sah, blickte sie mich emotionslos an, ohne ein Wort zu sagen und ich sprach direkt meine Frage aus. Etwas überrascht, aber dennoch neutral wirkend, zuckte die Anführerin mit den Schultern:„Ja, könnt ihr machen. Also du, Tae, Akiko, Juan und Preecha?“ Eifrig nickte ich lächelnd, während Karolin einen Moment lang etwas skeptisch auf den Boden blickte, dann aber zustimmte. Dankend ging ich dann ab, mit Juan im Schlepptau und dem Rest die Botschaft verkündend.

    Zusammengetrommelt waren wir losgegangen und waren gerade so weit vom Saal entfernt, dass man sicher sein konnte, dass niemand zuhörte. Akiko schoss sofort los:„Also, was habt ihr alles gerausgefunden? Ich würde sagen, wir gehen der Reihe nach. Erst (d/n), dann Tae, Juan, Preecha und ich!“ Als Zeichen des Verstehens nickten wir alle und ich fing sofort an zu erzählen. Ich brachte Ambas Vermutung von Karos Eifersucht mit rein, die Liebe der Inderin zu Michal und ihre Sicherheit, dass es bei dem Gespräch nicht um sie ging.
    Gespannt lauschten alle, bis Tae nach dem Ende nachdenklich murmelte:„Naja, grundsätzlich liegt Preecha wohl gar nicht so weit davon entfernt mit seiner Vermutung, dass Karo einfach sehr eifersüchtig ist... Aber direkt um Amba geht es ja auch nicht bei dem Streit, also... Naja, das ist ja Ambas eigene Vermutung.“ Knapp nickte ich nur und fragte, was Tae denn herausgefunden hatte. Sofort begann mein Freund:„Hobi scheint nicht wirklich etwas von Karolin gesagt bekommen zu haben. Er hat erzählt, dass Karolin sich eben einfach seltsam verhielt. Seinen Worten zufolge ist sie sehr verträumt heute. Noch mehr als sonst. Sie reagiert kaum, wenn man sie anspricht und blockt sogar viele Gespräche richtig ab. Hoseok hat sie also in Ruhe lassen wollen. Er dachte, sie bräuchte Zeit für sich. Er hat mit ihr sprechen wollen, warum sie so drauf ist, doch sie meinte, es sei alles ganz in Ordnung. Er wollte sie wohl nicht weiter belästigen.“
    Juan räusperte sich daraufhin:„Hoseoks Beschreibung auf Karo kann ich nur bestätigen. Ich war ja bei ihr. Sie ist tatsächlich ziemlich abwesend momentan und hört auch nicht wirklich aufrichtig zu. Sie spricht wenig bis kaum als sei sie müde vom Reden und scheint gleichzeitig bedrückt. Und doch wirkt sie dabei total emotionslos - als ziehe ihr Leben an ihr vorbei und es würde sie überhaupt gar nicht stören, so als wartete sie praktisch nur darauf. Es ist irgendwie seltsam und ungewohnt. Ich weiß ja, dass Karo auch sonst keine Ausbrut an Energie ist, sondern eher der ruhige Typ und doch ist sie noch stiller als sonst. Wisst ihr, sie ist sonst so ganz anders. Sie ist zwar auch oft verträumt und etwas lustlos wirkend, aber nicht so tief bedrückt. Sonst machte sie noch Späße und wirkte so selbstbewusst und besserwisserisch. Sie hatte die Energie dazu, sich selbst gut zu reden und auf ihre Weise witzig zu sein, obwohl sie so pessimistisch war. Heute redete sie kaum, als ich mich zu ihr gesellte. Normalerweise hört sie auch immer zu und gibt irgendwelche Antworten, aber heute war es ein bedächtiges Murren, das sie da von sich gab. Es kam mir so vor als wäre ihr alles egal.“ Alle nachdenklich schauten wir zu Boden und Tae meinte:„Hobi erzählt mir gerne mal von Karolin. Er hat mir vorher mal erzählt, dass er und sie zwar so unterschiedlich wirken, es aber vielleicht gar nicht so wirklich sind. Auch sie kann aufgedreht und witzig sein. Sie ist nicht nur die brummige, ernste Anführerin, die wir so oft aus der Öffentlichkeit kennen. Ist man mit ihr alleine, wirkt sie wie ausgewechselt, vorausgesetzt sie fühlt sich wohl. Die Erfahrung habe auch ich gemacht. Aber heute ist sie anders...“ Preecha erzählte:„Ich persönlich habe jetzt nicht noch etwas herausfinden können oder so.“ Darauf meldete sich dann letztendlich Akiko zu Wort:„Ich habe nicht direkt mit Michal über Karo oder den Streit gesprochen, doch er sagte beim Trainieren etwas, das mich aufhorchen ließ. Er sagte:„Es geht um den Kern, nicht um die Hülle. Du musst die Sachen also aus einem anderem Blickwinkel betrachten. Deine Kraft mag gegen meine schwach wirken, doch du kennst nicht ihre Schwächen. Lerne ihre Schwächen kennen und du wirst sie bewältigen können. Egal, wie etwas von außen aussieht, du musst das Innere kennen. Es scheint nicht so wie es ist.“ Ich weiß, das könnte alles heißen oder genau das, was er gesagt hat, aber ich glaube, dass er das auf Menschen bezogen hat und nicht auf die Kräfte.
    Was, wenn er sagen wollte, dass wir Karolins Inneres kennen müssen, um sie zu verstehen. Denn, was sie von außen zu sein scheint, ist sie nicht von innen.“ Preecha murmelte nachdenklich:„Klingt irgendwie plausibel. Da gibt es aber auch wieder viele Interpretationen. Entweder heißt es, ist Karolin in Wahrheit ein sehr leicht verletzlicher Mensch oder so oder aber sie ist ein Mensch, der seine Fähigkeiten ausnutzt, um sie gegen andere zu wenden. Ich meine, ihr Motto ist, dass wir alle durchkommen, doch vielleicht ist es nur eine Masche. Das könnte dann auch den Streit verursacht haben.“ Tae fragte ungläubig nach:„Also meinst du, könnte Karolin uns verlassen wollen und darum ging es in dem Streit? Nicht etwa Michal oder Amba wollten gehen, sondern sie? Du meinst, sie wolle uns verraten?“ Akiko gab ihre Meinung ab:„Ich finde diese Denkweise gar nicht mal so unwahrscheinlich. Zumindest würde ich somit dann auch den plötzlichen Aufbruch zum Kampf verstehen. Möglicherweise wollte Karolin verhindern, dass sie selbst stirbt und nutzt uns als Schutzschilde.“ Tae und ich murrten gleichzeitig:„Nein, dass kann ich mir nicht vorstellen!“ Ich sprach etwas wütend:„Wieso urteilen wir alle so über Karolin? Klar, sie macht sich verdächtig, aber ihr gleich sowas anzuhängen? Der Streit könnte durch alles verursacht worden sein und könnte total banal sein! Ich finde es unfair Karolin gegenüber, so über sie zu urteilen!“ Juan nickte zustimmend und meinte:„Man muss den Menschen erst wirklich kennen, bevor man urteilt. Vieles kommt, weil man etwas selbst verdecken will, aber einen Verrat will Karo ganz sicher nicht verdecken! Vielleicht ist es tatsächlich auch einfach so, dass sie Angst hat. Sie zeigt sich zwar immer als sehr selbstbewusst und tapfer und unbesorgt, aber das ist sie bestimmt nicht! Vielleicht will sie es einfach schnell hinter sich bringen, weil sie Angst hat...“

    45
    Kapitel 134

    Etwas schuldbewusst wirkend nickte Akiko und murmelte:„Du hast ja recht, (d/n)... So über Karolin zu urteilen, ohne die tatsächliche Wahrheit zu kennen, ist nicht gerecht. Aber letztendlich sprechen wir doch auch nur Möglichkeiten aus, oder nicht? Es geht hierbei immerhin nicht nur um Gerechtigkeit und Karos Würde, sondern auch um unsere Leben! Wir können es nicht einfach so hinnehmen, dass unsere Anführerin uns direkt eines solchen Kampfes aussetzt! Sie weiß doch selbst, dass wir dazu noch nicht bereit sind. Wir müssen uns eben einen Kopf machen und dann auch in Kauf nehmen, dass vielleicht nicht alles zu 100% mit Gerechtigkeit zugeht. Was sollen wir denn machen? Hier sitzen und so tun als wäre alles ganz normal? Wir können das nicht an uns vorbeiziehen lassen, denn sonst wird unser Leben es auch!“ Preecha stimmte der Japanerin zu:„Akiko hat recht. Wir müssen in erster Linie an unser eigenes Wohlbefinden denken. Ob wir dabei nun schändlicherweise über wen urteilen, tut da nichts zur Sache bei. Wir müssen JETZT herausfinden, was los ist und es stoppen!“ Leise seufzte ich ergebend:„Na gut, stimmt ja auch wieder. Aber wie sollen wir das anstellen? Wir haben hier schon jeden gefragt, der irgendetwas wissen könnte.“ Der 25-jährige überlegte daraufhin kurz und sprach dann selbstsicher seinen Plan aus:„Wir werden Karolin und Michal einfach belauschen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die zwei noch einmal streiten, ist nicht gerade klein. Zwei Leute werden sich heute Nacht sozusagen auf die Lauer legen und darauf warten, dass die beiden wieder streiten. Wer übernimmt das?“ Akiko meldete sich augenblicklich, ebenso wie ich. Zufrieden nickte der Mann mit der Brandnarbe dann und brummte nur noch:„Gut. Dann werden wir jetzt das Essen holen und dann getrennte Wege gehen...“

    Nachdem wir Essen gesammelt hatten und nun wieder in der Schatzkammer standen, fingen wir an zu essen. Dazu versammelten wir uns dann auch mit allen anderen. So hockten wir in einem Kreis auf dem Boden und tauschten uns zwischendurch über alles Mögliche aus. Lorenzo erzählte gerade von seiner Zeit, bevor er in die Arena geschickt wurde und, wie es ihm dort erging. Jimin erzählte dann auch:„Manchmal war es echt ätzend. Den ganzen Tag nur putzen oder so ein Mist und das restliche Personal war großteils auch nicht freundlich. Abgesehen von den anderen Jungs war dort niemand, mit dem man plaudern konnte. Das waren alle solche richtigen Verbrecher, grimmig und stets schlecht gelaunt-“ Preecha unterbrach den Koreaner grinsend:„Klingt für mich nach Karo.“ Das brachte Jimin als auch einige weitere zum Lachen oder wenigstens zum Grinsen, während ich ebenso schmunzelnd zu der Anführerin schaute. Diese jedoch hatte ihren Blick verträumt auf den Boden gesenkt, schaute ernst wie immer und schien von all dem gar nichts mitbekommen zu haben.
    Hobi, welcher neben der Österreicherin hockte, stupste sie sanft an und lächelte:„Karo, bist du noch da? Oder lebst du gerade in einer anderen Welt?“ Wieder in der Realität schaute das Mädchen auf und murmelte etwas verwirrt:„Was war?“ Hobi grinste nur etwas breiter und wiederholte das Gesagte. Dies brachte die fast 16-jährige dazu, schwach zu lächeln und sie meinte:„Ich war in Gedanken, tut mir leid.“ Hoseok lächelte herzlich:„Das braucht dir doch nicht leid tun“, und umarmte seine Kumpeline etwas plötzlich, sodass sie zusammenzuckte. Allerdings konnte man in ihrem Gesicht deutlich eine Art Freude sehen, als der 26-jährige seine Arme so freundschaftlich um sie schloss. Wobei ich gar nicht weiß, ob ich es tatsächlich als Freude bezeichnen würde. Es war eher so etwas wie ein Ausdruck des Glücks und irgendwie auch der Liebe. Damit meine ich nichts Romantisches, sondern eher wie eine Mutter, die ihr Kind anschaut.
    Doch auch dieses Lächeln schwand langsam wieder, als der Rapper sich von ihr löste.
    Rica fragte nun plötzlich Jimin:„Habt ihr dann auch Hisoka gesehen? Er müsste ja dort gewesen sein...“ Der andere erzählte kopfschüttelnd:„Nein, wir haben ihn eigentlich nie gesehen. Er hatte doch immer seinen Knaben, der für ihn sprach. Der hat uns immer alles gesagt und so... Wir haben generell eher wenig mit den Obrigen zu tun gehabt. Wir waren immer unter uns Arbeitern und es gab ein paar Wachen, die uns beschattet haben. Der Tag lief dann wie folgt ab: Wir mussten jeden Morgen duschen, dann gab es Frühstück in diesen Tanzsaal an einer Art Buffet, welches jedoch eher so mittelprächtig ausfiel. Danach wurde geputzt bis zum Umfallen und wir durften andere Arbeiten vollrichten. Abends gab es dann wieder Essen, aber diesmal was Heißes aus der Küche, was Jin gekocht hatte. Meistens Suppe oder sowas. Dann ging es wieder auf die Zimmer und das war's. Manchmal gab es dann noch kurze Besprechungen, die aber von Hisokas Gehilfe gehalten wurden.“ Hoseok fügte nun hinzu:„Hisokas Knabe da ist irgendwie seltsam. Also, nicht wirklich. Er ist nur ganz anders als Hisoka. Aber dennoch habe ich das Gefühl, ist er mit ihm verwandt. Die zwei sehen sich wirklich ähnlich und sie beide kommen aus Japan. Vom Alter her könnte er Hisokas Sohn oder so sein. Das würde dann ja auch erklären, warum er die Lautsprache beherrscht. Wisst ihr, was ich meine?“ Federica murmelte nachdenklich:„Stimmt, jetzt wo du es sagst... Er könnte echt sein Sohn sein.“ Juan mischte sich grinsend ein:„Wer weiß, vielleicht ist Akiko ja auch seine Tochter. Schließlich kommt sie auch aus Japan und wenn ich ganz ehrlich bin... für mich sehen alle Asiaten gleich aus. Tut mir leid, das ist nicht rassistisch gemeint, es ist nur eben einfach so. Mich könnte wahrscheinlich sogar Hisoka umrennen und ich würde denken, er wäre vielleicht auch jemand Anderes.“ Amba lachte daraufhin ironischerweise:„Ja, ich gehe auch davon aus, dass Akiko Hisokas Tochter ist!“ Akiko lächelte nun leicht und lachte etwas verlegen, während sie murrte:„Ey, vergleicht mich nicht mit Hisoka!“ Amba beruhigte sie:„Ach, keine Sorge, wir glauben alle nicht, dass du seine Tochter bist!“ Lívia fügte hinzu:„Ja, du bist viel zu nett und normal, um mit dem verwandt zu sein!“ Daraufhin lächelte Akiko breit, während sie an ihren Fingernägeln knibbelte.

    Plötzlich hob Karolin ihre Stimme:„Wo wir schon von Hisoka sprechen... Wir dürfen nicht vergessen, warum wir hier sind - Nämlich, weil wir um unser Leben kämpfen müssen! So langsam wird es auch echt Zeit. Ich schlage vor, dass wir morgen losziehen, um Callum und seine Bande anzugreifen!“ Lívia protestierte:„Das können wir aber nicht! Lorenzos Bein ist noch nicht verheilt und so kann er nicht wandern!“ Kalt erwiderte die Anführerin:„Dann lassen wir ihn halt hier oder legen Pausen ein! Ich sehe da kein Problem.“ Somit stand sie auf, schon wieder gehen wollend, doch Federica setzte sich ebenso ein:„Karo, wir sind aber doch noch gar nicht so weit! Wie sollen wir sie denn besiegen? Allein durch unsere Theorie können wir sie auch nicht schlagen!“ Kurz hielt die Anführerin noch einmal inne und meinte ruhig:„Wir werden sie ja wohl kaum am ersten Tag finden. Wir haben genug Zeit, bis wir bei ihnen sind.“ Damit ging die Führung dann ganz, geradewegs auf ihr Bett zu.

    Ich hörte Lorenzo zu Lívia murmeln:„Ich werde hier nicht bleiben. Ich komme mit! Ich muss dich doch beschützen und dann kann ich hier unten nicht meinen Hintern in Sicherheit wiegen! Ich schaffe das schon, Via, mach dir keine Sorgen!“ Etwas unglücklich seufzte die Brasilianerin nur, aber protestierte nicht, wohlwissend, dass sie seine Meinung eh nicht ändern könnte.
    Doch ich hörte auch aus anderen Ecken wenig Wohlgefallen. „Wie sollen wir das schaffen? Callum hat die selbe Stärke wie wir alle zusammen“, sorgte sich die Italienerin. Jimin jedoch beruhigte sie:„Mach dir keine Sorgen, Rica! Wir schaffen das schon! Ich weiß, dass es schwierig wird, aber ich bin dennoch sicher, dass wir es schaffen können. Wir sind mindestens doppelt so viele wie sie. Mit der passenden Strategie, die Karo ja hat, geht das klar.“ Dankbar lächelte die 20-jährige und lehnte sich etwas ermüded an Jimins Schulter, welcher daraufhin sanft lächelte. Dabei dachte ich mir so, dass die zwei aber auch ein süßes Paar abgeben würden. Sie wirkten sehr vertraut miteinander...

    Nie Nacht traf langsam ein und alles wirkte wie immer. Amba und Michal hockten zu zweit am Feuer, redeten leise miteinander, während die ersten schon schlafen gingen. Federica und Jimin kicherten leise, weil sie eine Flach-Witz-Challenge machten und Hobi war bei Karolin. Der Koreaner schien seiner Kumpeline etwas vorzusingen, während diese lächelnd zuhörte. Ihr Lächeln war ehrlich und sanft, aber dennoch wirkte es etwas gequält als würde sie etwas belasten. (Kursiv) Ist sie immer noch eingeschränkt wegen des Streits mit Michal? Sie wirkt so... deprimiert, aber dennoch ist sie ruhig und lächelt. Es wirkt so als würde sie etwas schmerzen, doch bei dem Streit mit Michal kam sie mir nicht so schmerzverzerrt vor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich alles ist. Irgendetwas bedrückt sie doch und sie kann darüber nicht reden... Vielleicht hat ja auch Juan recht. Möglicherweise hat Karolin Angst und das ist der Grund, weshalb sie so drauf ist...(EndeKursiv)

    Ich hockte auf meinem Bettpolster, neben mir Tae, welcher mich die ganze Zeit anlächelte. Etwas verwirrt fragte ich schmunzelnd:„Habe ich etwas im Gesicht, dass du mich die ganze Zeit so anstarrst und lächelst?“ Noch breiter grinsend schüttelte mein Freund den Kopf und erklärte:„Du bist nur so wunderschön, Tomätchen und ich freue mich schon darauf, wenn ich dich wieder küssen kann.“ Verträumt lächelte daraufhin auch ich und ich murmelte sanft:„Ich liebe dich, Tae...“ Liebevoll blickte mich der Koreaner an und erwiderte dies ebenso leise, während er seine dunklen, wunderschönen Augen nicht von mir wandte.
    Leise seufzte ich nun, was zur Folge hatte, dass Tae direkt fragte, was los sei. Leise erklärte ich:„Naja, es ist schwierig, zu wissen, dass man niemanden, abgesehen von Preecha, berühren darf. Ich habe Angst, dass ich dich vielleicht nie wieder berühren kann. Egal, ob es so ist, weil ich meine Kräfte nie kontrollieren kann, ich sterbe oder am allerschlimmsten, weil du stirbst...“ Sofort beruhigte mich der Mann mit der Kraft des Wassers:„Hey, Tomätchen, mach dir über sowas keine Gedanken! Ich verspreche dir, ich werde immer bei dir bleiben und du wirst auch deine Kraft kontrollieren können! Ich sage dir, schon in ein paar Tagen werde ich dich wieder umarmen können! Du schaffst das, mach dir darüber keine Gedanken!“ Schwach lächelte ich und flüsterte:„Nein, ICH schaffe das nicht. WIR schaffen das! Zusammen, OK?“ Mit liebevollem Blick nickte Tae:„OK.“

    Mittlerweile schliefen schon so gut wie alle. Nur noch Akiko und ich waren heimlich wach, sowie Karolin. Michal lag neben der schlafenden Amba, reglos, doch ich konnte nicht erkennen, ob seine Augen geöffnet waren. Erkennbar in einem wachen Zustand war also nur Karolin. Sie hockte auf ihrem Bettpolster, sich an eine Wand lehnend und einfach nachdenklich in die Luft starrend. Sie sagte nichts, sie machte nichts, sie saß einfach nur dort. Es schien fast so als wartete sie auf etwas. Doch vielleicht konnte sie auch einfach nicht schlafen...
    Aber plötzlich hörte ich, wie die Österreicherin aufstand. Ihre Schritte hallten leise in dem Saal wieder und verliehen der sonstigen Stille somit ein Gesicht. Die Anführerin schritt auf den Ausgang des Saals zu, ihre Schritte verklungen langsam. Sofort hob ich meinen Kopf, nachschauend, wo die Deutschsprachige nun war. In dem Saal war sie nicht mehr. Ruhig blickte ich zu Akiko, der anderen Wächterin, und sah dabei, dass Michal nicht mehr dort lag. Er musste gegangen sein, als ich abgelenkt gewesen war. Auch Akiko schaute mich an und nickte mir zu, als Zeichen, Karolin zu verfolgen.
    Sofort standen wir dann beide recht lautlos auf und eilten vorsichtig hinter der 15-jährigen her. Erst fanden wir sie nicht, doch schon nach einigen Minuten erblickten wir sie in einem Nebenraum, mitten in der Dunkelheit stehen, vor sich eine Gestalt. Die Japanerin und ich blieben an Eingang des Raumes stehen, das Mädchen nicht aus den Augen lassend. Langsam erkannten wir auch die Gestalt vor ihr - Michal. Der Pole hob ruhig seine Stimme:„Eiferst du mir nach?“ Ebenso ruhig erwiderte Karo:„Ich habe dir doch gesagt, dass wir das noch klären!“ Damit verdunkelte sich das Gesicht des älteren etwas und er fragte in seiner tiefen Stimme:„Und was genau willst du da noch mit mir besprechen? Ich dachte, du würdest es einfach akzeptieren können.“ Kalt starrte die Anführerin den Mann weiter an und fragte wie aus dem Nichts:„Du wirst mich also alleine lassen?“ Ein leises „Ich weiß es nicht, eigentlich ja“ entfuhr dem Polen, während Karolin ruhig erwiderte:„Es ist deine Entscheidung, aber dennoch hatte ich gedacht, würdest du dich für mich entscheiden...“ In einer gewissen Verzweiflung sprach Michal:„Ich will nicht sterben!“ Nicht gerade mitfühlend antwortete die andere:„Sterben wirst du so oder so! Und glaub mir, deine Chancen ändern sich dadurch auch nicht! Es ist egal, ob du mitkommst und mir beistehst oder, ob es an dir vorbeigeht und du mich einfach alleine lässt - Dem Tod kannst du nicht entkommen! Du kannst ihm höchstens ein anderes Opfer anbieten.“ Traurig murmelte der 21-jährige:„Ich möchte aber kein Opfer bringen! Ich kann nicht einfach bleiben und hoffen, dass das, was dabei rauskommt, gut ist. Ich kann nicht so im Ungewissen bleiben! Und die Möglichkeit, die du mir bietest, gibt mir keine Absicherung. Ich werde nicht wissen, was auf mich zukommt, deshalb flüchte ich lieber vor dem Ungewissen! Es tut mir leid, Karolin, aber ich werde dich alleine gehen lassen müssen...“



    Moin moin.

    Hier ist mal wieder ein neues Kapitel. Ich weiß, es ist etwas länger her, dass ich mein letztes Kapitel hochgeladen habe, aber ich habe momentan einfach echt viel Stress wegen der Schule und so.
    Ich hoffe, meine Leser sind noch nicht alle abgehauen, obwohl es ja locker eh nur zwei sind. (Zumindest weiß ich nur von den beiden, dass sie aktiv lesen. Grüße gehen raus an euch an der Stelle, ich glaube, die Personen wissen, dass sie gemeint sind. XD
    Sollte ich falsch liegen und es lesen doch noch mehr, könnt ihr mir gerne in den Kommentaren bescheid geben.) Haha. XD

    Naja, wie auch immer... Ich hoffe, das neue Kapitel gefällt euch und ihr seid nicht allzu vergrault dadurch, dass in letzter Zeit seltener etwas kommt.^^'

    Schreibt mir gerne eure Meinung zu diesem Kapi (oder generell zur ganzen Ff) in die Kommis und auch eure Vermutungen über das weitere Geschehen, speziell was das zwischen Michal und Karo betrifft, würden mich echt brennend interessieren!

    LG Emily W.


    46
    Kapitel 135

    Komplett verwirrt schaute ich zu Akiko, dessen Gesicht ebenso große Verwirrung aber gleichzeitig Erschrecken preisgab. Angestrengt versuchte ich, weitere Worte von Karolin oder Michal vernehmen zu können. Die zwei standen sich nach wie vor gegenüber, uns gar nicht bemerkend. Langsam nickte die Anführerin jetzt auch auf die Aussage des Polen hin nachdenklich, aber gleichzeitig enttäuscht wirkend. Der 21-jährige selbst hingegen hatte den Kopf entschuldigend gesenkt, während Karo jetzt sprach:„Ich kann dich verstehen. Du musst nicht bleiben. Es liegt in deiner Hand. Ich denke nur, dass die Chancen mit dir besser stehen würden. Nicht nur für mich, sondern auch für dich. Und doch musst du es nicht tun. Es ist in Ordnung. Ich werde es auch ohne dich schaffen. Ich weiß, dass die anderen Fragen stellen werden und vielleicht werden sie das Vertrauen verlieren - das ist sogar sehr wahrscheinlich - aber was zu tun ist, muss nun mal getan werden. Manchmal muss man an sich selbst denken, nicht? Selbst, wenn man damit vielleicht ein Leben auf's Spiel setzt. Es zahlt sich alles wieder aus.“
    Leise seufzte Michal dann und murmelte:„Karo, ich habe Angst, das gebe ich ganz ehrlich zu... aber du hast recht - Ich kann dich nicht einfach alleine lassen. Was auch immer passieren wird, ich bin es dir schuldig...“ Entschlossen hob der Mann mit den dunklen Augen nun den Kopf, blickte seiner ehemaligen besten Freundin in die Augen und meinte mit Stolz in der Stimme:„Ich werde dich nicht verlassen, ich bleibe!“ Etwas verlegen murmelte er dann jedoch:„Ich meine, kann natürlich sein, dass ich letzten Endes doch einen Rückzieher mache, aber naja...“ Daraufhin lächelte Karolin zufrieden und irgendwie triumphierend, während sie Michal freundschaftlich an die Schulter boxte:„Gehen wir mal einfach davon aus, dass du dich auch am Ende noch richtig entscheiden wirst.“

    Abermals schaute ich zu Akiko, welche nun auch zu mir schaute und mir mit einem Blick bedeutete, dass wir zurück sollten, bevor man uns erwischte. Knapp nickte ich als Bestätigung und sofort schlichen wir uns wieder unbemerkt davon, zurück in die Schatzkammer. Auf dem Weg flüsterte ich der Japanerin aufgeregt zu:„Michal wollte uns also eigentlich verlassen! Darum ging es auch in dem Streit! Er wollte gehen, weil er Angst hat vor dem Kampf und davor, dass er sterben könnte! Warum haben wir daran nicht eher gedacht?“ Die Japanerin versuchte, mich etwas zu beruhigen:„(d/n), wir reden morgen darüber, ja? Wir können hier jetzt nicht darüber reden, weil sonst jemand aufwachen könnte und alles mithört! Morgen werden wir es auch den anderen erzählen!“

    „Aufsteheeeennnn!“ Ricas laute Stimme dröhnte in meinen Ohren, während Jimins lautes Kichern das ohrenbetäubende Gebrüll untermalte. Langsam öffnete ich meine verklebten Augen, zu erschöpft um sie tatsächlich vernünftig aufzureißen. Neben mir hörte ich Taes müdes Brummen und kurz darauf hörte ich, dass sich mein Freund aufsetzte. Kurz darauf ertönte sein belustigtes Kichern und er piekste mich mit einem Stock wach, um den Körperkontakt mit mir zu meiden. Murrend setzte ich mich dann auch auf, gähnte einmal lang und streckte mich genüsslich. Demotiviert murmelte ich, während Jimin und Rica nach wie vor gut gelaunt alle wachtrommelten:„Wie kann man so früh am Morgen so motiviert und laut sein?“ Grinsend erwiderte der Koreaner schulterzuckend:„Keine Ahnung, aber ich denke, wir sollten einfach mal aufstehen.“ Schlaftrunken nickte ich, währenfe ich aufstand, um mich umzuschauen. Sofort erblickte ich die anderen, die großteils schon wach waren. Nur noch Karo und Michal schliefen. Doch auch darum wurde sich gekümmert. Amba piekste dem Polen sanft mit ihrem Finger in die Wange, kichernd, weil er so murrte, während Hoseok es bei Karolin etwas unsanfter anging. Er hatte sich auf ihren Rücken gelegt und spielte an den Haaren der Anführerin, während er irgendwas auf koreanisch sang. Das wiederum konnte die 15-jährige tatsächlich wecken und sie brummte gähnend:„Hobi, bitte, lass mich schlafen! Nur noch 5 Minuten!“ Hoseok jedoch dachte gar nicht daran. Er rollte sich von seiner besten Freundin herunter, doch statt sie liegenzulassen, zog er sie an ihren Beinen durch den Raum. Mürrisch erhob sich die Österreicherin dann auch vollendig und sie ging einen Schritt auf den anderen zu, um ihn in den Schwitzkasten zu nehmen und ihm mit der Faust über die Kopfhaut zu reiben. Dabei grinste sie etwas missgünstig:„Das kommt davon, wenn man mich weckt, du kleine Pestzecke!“ Das brachte mich zum Grinsen. Diese Szene erinnerte mich an zwei Geschwister, die sich auf liebevolle Art und Weise kebbelten. Allerdings schwand mein Grinsen nach kurzer Zeit wieder.
    (Kursiv) Dieses Bild scheint so vertraut... Das letzte Mal, als Karolin so fürsorglich und dennoch spaßig war, war noch mit Malou. Damals hat Karo sich auch so benommen. Malou war für sie wie ihre kleine Schwester. Sie hat sie wirklich geliebt. Jetzt ist sie tot... Schon so lange scheint sie es zu sein. Ich weiß noch, wie schlimm es war, als Callums Eis ihr Fleisch durchbohrte und ihr die Lebensflüssigkeit aus dem Körper riss. Es war grauenvoll. Besonders für Karo... Malous Tod war der einzige Moment, indem ich unsere Anführerin jemals richtig weinen sah. Sie konnte das 10-jährige Mädchen kaum loslassen, wollte sie nicht verlassen. Ihre qualvollen Schreie dröhnten so sehr in meinen Ohren, dass ich dachte, sie würde ihre ganze Seele herausbrüllen. Malou war so wichtig für Karo... Das war sie für uns alle und es schmerzt mich immer noch, zu wissen, dass sie als jüngste von uns gehen musste...
    Und doch, obwohl uns der Tod der Afrikanerin vollkommen mitgenommen hat, ist die Reise weitergegangen. Sie ist weitergegangen und jetzt ist Hobi die Person für Karolin, die wie ein Geschwisterkind ist. Da sieht man mal, wie leicht man ersetzbar ist, wie schnell man vergessen wird...(EndeKursiv)

    Trauer überkam mich in diesem Moment und ich merkte, wie unwichtig ein Leben doch sein konnte. Man lebte und irgendwann starb man. Einige Zeit waren die Leute bedrückt und weinten, doch irgendwann wurde man vergessen. Das ist der Lauf der Zeit, unvermeidlich. Doch mir gefiel es nicht, dass man so schnell vergessen war und es niemanden mehr im Sinn war, dass man einmal lebte.
    Tae bemerkte meine Trauer und sprach mich besorgt an:„Alles in Ordnung, Tomätchen?“ Knapp nickte ich nur erstmal, dem Thema aus dem Weg gehen wollend, bevor ich noch tiefer in die Trauer rutschte. Tae schien mir dabei zwar nicht zu glauben, aber fragte erstmal nicht weiter.

    In der Zeit kam Akiko zu uns rübergeschlendert, mit Juan und Preecha im Schlepptau. Sie stellte sich unauffällig zu uns, beugte sich etwas näher zu uns und flüsterte:„Wir müssen gleich mal nach einer ruhigen Minute schauen... (d/n) und ich haben letzte Nacht einiges herausgefunden. Wir werden euch dann davon berichten.“ Die drei Unwissenden nickten dies schnell ab, bevor Karolin zur morgendlichen Runde rief:„So wie es aussieht, haben Jimin und Rica schon für ein Frühstück gesorgt, also können wir direkt essen.“
    So taten wir es auch, wobei sich natürlich wieder einige Grüppchen bildeten. Juan, Akiko, Preecha, Tae und ich hockten natürlich zusammen sowie Jimin und Rica. Via, Renzo, Hobi und Karolin hockten ebenfalls beieinander. Amba und Michal blieben abermals alleine. Die zwei saßen sich gegenüber, beide mit einer Mango in der Hand und lächelten sich an. Michal schwieg dabei und schien wie immer etwas müde, wohingegen Amba enthusiastisch etwas erzählte, wobei sie durch ihren mangelnden Wortschatz des Öfteren ins Stocken geriet.
    Mein Blick ruhte auf den jungen Menschen, welche sich wohl scheinbar liebten, jedoch nicht den Schritt wagen wollten. (Kursiv) Ich dachte immer, Amba wäre die Ängstliche in der Beziehung, dabei ist es Michal. Naja, möglicherweise sind sie auch beide ängstlich. Was ich mich frage, ist, ob Michal Amba mitgenommen hätte, wäre er wirklich gegangen oder, ob er sie allein gelassen hätte... Immerhin wollte die Inderin auch schonmal abhauen aus Angst. Nach ihrem Verrat hatte sie zwar geschworen, von nun an ihr Leben für uns zu geben, doch die Frage ist natürlich, zu wie vielen Punkten dieser Schwur der Wahrheit entsprach...(EndeKursiv)

    Nach dem Essen rief Karolin in ihrer befehlenden Stimme:„Macht euch auf ein letztes Training bereit! Sobald ihr dieses erreicht habt, werden wir auch schon losziehen! Bis dahin sollten auch eure Sachen gepackt sein!“ Seufzend schaute ich zu der Anführerin, bevor sich mein Blick wieder unserer kleinen Gruppe zuwandte. Akikos Blick traf dabei auf meinen und sie murmelte plötzlich hastig:„Das ist unserer Gelegenheit, euch alles zu erzählen! Wir sagen, wir packen unsere Sachen, gehen aber schnell hinter eine Säule. Los, kommt!“ Sofort ging die Japanerin auch schon los, der Rest folgend.
    Schnell schritten wir hinter eine Säule, wie besprochen und weit entfernt von dem Rest. Akiko sprach nun leise und hastig:„Also, es wird Zeit, dass wir euch von dem Geschehenen erzählen!“ Preecha nickte knapp:„Na, dann hau raus!“ Die 18-jährige leitete die Erzählung ein:„Karo und Michal haben sich letzte Nacht wieder unterhalten, in einem Nebenzimmer. (D/n) und ich sind den beiden gefolgt. Nun, wir haben herausgefunden, dass Michal scheinbar die Biege machen wollte. Er hatte Angst vor dem, was geschehen würde und hat sich dazu entschieden, uns zu verlassen..“ Weiter kam die hübsche Frau erstmal nicht, denn Juan unterbrach sie fassungslos:„Michal will gehen?“ Preecha fügte fragend hinzu:„Wenn es so ist, warum ist er dann noch hier?“
    Knapp erzählte Akiko etwas detaillierter, was die letzte Nacht geschehen war, während ich von Michals Entschluss berichtete, doch zu bleiben.
    Tae murmelte etwas überrumpelt:„Tja, das hätte ich nicht erwartet... Michal schien stets taff und überhaupt nicht ängstlich.“ Ich meinte:„Man kann sich immer in Menschen irren. Aber ich meine, er ist ja nicht gegangen, also ist ja praktisch wieder alles im Lot.“ „Ja, solange er bei seiner Meinung bleibt“, brummte Juan etwas skeptisch. Preecha unterbrach:„Das erklärt aber immer noch nicht, warum Karo auf einmal angreifen will...“ Tae philosophierte daraufhin:„Möglicherweise denkt sie einfach, dass es die beste Entscheidung ist. Wir alle wissen, dass Karo kein Fan von Verzögerungen ist. Manchmal hat sie Sachen einfach gerne hinter sich. Oder aber sie hat einen genauen Plan, der ihr sozusagen versichert, dass wir gewinnen.“ Als Antwort brummte die vernünftige Japanerin jetzt:„Das ist doch absurd! - Karolins ganzes Vorhaben ist es! Wie kann sie denken, dass wir gegen Callum eine Chance haben? Wenn ihr mich fragt, trifft unsere werte Anführerin gerade eine gewaltig falsche Entscheidung! Sie opfert unsere Leben auf ihre Kosten! Das ist in keiner Weise das, was eine richtige Führungsposition erwägen sollte. Ich will ja nicht gemein klingen, aber warum haben wir sie als Anführerin? Sie ist 15 Jahre alt und wir sehen doch, dass sie die falschen Entscheidungen trifft!“ Ich wandte direkt ein:„Naja, sie ist an sich wirklich keine schlechte Führerin. Fehler macht doch jeder mal. Wichtig ist, dass wir sie davor bewahren. Aber dennoch ist Karo nicht inkompetent oder eine schlechte Person! Außerdem wissen wir doch gar nicht, wo wir ohne sie wären. Sie hat uns schon so weit geführt!“ Sofort konterte die hübsche Frau:„Ja und Malou hat sie in dem Tod geführt!“ Tae sprang nun dazwischen:„Jetzt tu mal nicht so als wäre Malous Tod ihre Schuld! Dir hätte das genauso passieren können! Sowieso, warum soll die gesamte Verantwortung bei Karo liegen? Wir sind ein Team!“ Darauf seufzte die 18-jährige:„Leute, wir können Karo nicht die ganze Zeit beschützen! Ihr müsst einsehen, dass sie Fehler macht! Das ist nichts gegen ihre Person, wir müssen einfach nur dafür sorgen, dass die Macht nicht einzig bei ihr liegt! Sie ist unser Urteil in eine Diktatur! Wer sagt, dass wir keine Demokratie sein können?“ Juan murrte:„Glaubst du, wir könnten so auf einen Entschluss kommen? Willst du für alles erstmal abstimmen? „Oh, wir werden von Callum angegriffen! Wir stimmen erstmal ab, ob wir rennen oder kämpfen!“ Nix da, bis dahin sind wir tot!“ Abermals seufzte Akiko entmutigt:„Wir drehen uns im Kreis! So meine ich das doch auch nicht, jetzt überspitz das mal nicht! Aber wir können doch nicht zulassen, dass Karo ALLES bestimmt und am Ende auch noch über Leben und Tod!“ Endlich schaltete sich Preecha ein:„Ich finde, Akiko hat recht. Ich verstehe, dass ihr Karo schützen wollt. Sie ist jung und unerfahren, Fehler passieren. Warum sollten wir ihr diese Menschlichkeit übelnehmen?
    Und doch ist es wahr, dass wir uns das nicht einfach gefallen lassen können! Wo ist das Problem, Karo klipp und klar zu sagen, dass wir das nicht mitmachen? Wir haben sie nicht zur Anführerin gewählt, das hat sich so ergeben! Genauso wenig hat sie die Macht dazu, uns alle umzubringen, sodass wir uns vor ihr fürchten müssten. Wo ist also das Problem, sie als Anführerin „abzusetzen?““
    Irgendwie musste ich Preecha zustimmen und doch konnte ich den Gedanken nicht ertragen, sie nicht mehr als Anführerin zu haben. Ich fühlte mich eigentlich ganz wohl unter ihrer Führung und wenn ich ehrlich bin, hatte ich Angst vor einer Veränderung. Tae hob nun seine Stimme:„Ich muss zugeben, dass dies Punkte für sich hat und dennoch sehe ich keinen Sinn darin, Karo ihre „Macht“ zu nehmen. Sie macht ihren Job doch an sich ganz gut. Normalerweise fühlen wir uns so alle wohl und außerdem ist Karolin eine Person, die nah am Menschen ist. Sie geht auf deren Bedürfnisse ein und denkt nicht nur an sich selbst. Seht mal, alleine, dass sie Michal dazu überzeugen konnte, zu bleiben, ist ein Zeichen für ihre Qualitäten.“ Ich fügte entschlossen hinzu:„Mal so ganz nebenbei... Unserer Pläne würden ohne Karos Führung alle zusammenfallen. Der Rest ist total an sie gewöhnt und wir alle wissen, dass sie ihr folgen. Als ihre „Absetzung“ schonmal im Raum stand und sie ihr Amt sozusagen zurückgezogen und Akiko überlassen hat, ging trotzdem noch alles nach ihrer Nase. Sie machte zwar die Pläne, aber ohne Karolin kamen sie nicht in Bewegung. Wir werden den Rest nicht davon abbringen können, ihr zu folgen und außerdem wissen wir doch gar nicht, wie Karo selbst reagieren wird, wenn wir sie „stürzen“ wollen.“ Vorwurfsvoll hob daraufhin Akiko eine Augenbraue:„Also meinst du, dass wir Karo ihren Willen überlassen müssen, damit sie sich nicht davonmacht, so wie unser Ex-Feind es vorhatte?“ Leise seufzte ich nur, zu müde, um zu diskutieren, während Juan endlich wieder zu Wort kam:„Wir sollten erstmal alles beim Alten lassen. Man kann es auch mit Worten versuchen und ich will ja nichts sagen, aber vielleicht ist Karos Plan genau das Richtige. Möglicherweise ist es das, was uns zum Überleben verhelfen wird. Steht dem Ganzen nicht immer so negativ gegenüber!“ Endlich gab Akiko nach und murrte nur, während Preecha Juan etwas beeindruckt wirkend anstarrte.

    Wir hatten unser Gespräch beendet und waren nun am Trainieren. Ich tat dies wie gewohnt mit dem Thai, um meine Kälte in den Griff zu bekommen. Dies klappte bei dem Mann schon hervorragend und er sagte, er spüre gar nichts mehr von meiner Kraft, wenn ich ihn berührte. Stolz grinste ich daraufhin, während der 25-jährige fragte:„Wollen wir nun vielleicht langsam auf andere Personen umsteigen?“ Dies wischte mir mein Grinsen direkt aus dem Gesicht.
    (Kursiv) Andere Personen? Nein, sie können sich doch nicht schützen! Ich würde sie gefrieren! (EndeKursiv) Sofort stieg wieder die Angst in mir hoch, was Preecha zu merken schien, weshalb er mich beruhigte:„Wir müssen aber noch nicht umsteigen. Wir können dem Ganzen mehr Zeit geben.“ Erleichtert atmete ich aus, woraufhin der Homosexuelle etwas belustigt lächelte und er meinte:„Wollen wir vielleicht ne kurze Pause machen?“ Knapp nickte ich und setzte mich auf den Boden, er daneben. Wir schauten uns etwas im Raum um. Hobi trainierte gerade mit Lorenzo und Karolin, welche den beiden beibrachte, sich auch vor den Kräften schützen zu können. Dabei fiel auf, dass der Brasilianer nach wie vor sein Bein verletzt hatte und noch stark humpelte. Bereit für einen Kampf sah er nicht aus...
    Amba trainierte natürlich mit Michal, während Tae mit Akiko übte. Via und Juan bildeten ebenso ein Team und Rica mit Jimin. Mein Blick schweifte über die Italienerin und ihrem Teampartner, als Preecha sich auf einmal räusperte:„Die zwei passen gut zusammen. Möglicherweise sind sie nur Freunde, aber sie könnten auch mehr sein. Ich denke, früher oder später werden sie das auch tatsächlich sein. Ihre Blicke füreinander zeigen, dass sie sich gegenseitig sehr wichtig sind...“ Leicht lächelte ich bei dem Gedanken und erwiderte:„Ich gebe dir recht, sie passen echt gut zusammen. Ich finde es irgendwie lustig, dass innerhalb der Gruppe so viele zu Paaren werden oder es vermutlich werden. Immerhin sind Tae und ich ein Paar und bei Amba und Michal ist es tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit. Jimin und Rica sind sich ebenso nah. Bei Karo und Hobi könnte man sowas auch denken, würde das Alter nicht dazwischenkommen, aber ich glaube, bei ihnen ist es eher wie bei Geschwistern.“ Gedankenverloren nickte der vernarbte Mann, bis ich grinste:„Jetzt müssen wir nur für dich noch einen finden! Frei wären Lorenzo, Hobi und Juan.“ Belustigt schmunzelte der Andere daraufhin und meinte:„Naja, Renzo ist mir deutlich zu jung, Juan ist definitiv heterosexuell und Hoseok ist irgendwie nicht mein Typ. Naja, ich habe nicht viel mit ihm zu tun und er ist mir etwas zu aufgekratzt. Ich brauche einen ruhigeren Typen...“ Ich munterte ihn auf:„Hey, bei Juan kann man es gar nicht so genau sagen! Immerhin hat er sich entschuldigt und gesagt, dass SEINE FAMILIE etwas dagegen hat. Er selbst nicht. Außerdem hat er gesagt, dass man sich manchmal in Menschen täuschen kann und, dass diese nur etwas durch ihre scheinbar negativen Emotionen verbergen. Vielleicht ist er also eigentlich auch schwul und will es nur nicht zeigen.“ Dies wiederum brachte Preecha richtig zum Lachen:„Das ist absurd!“ Auch ich musste etwas kichern. „Ach, man weiß ja nie...“

    47
    Kapitel 136

    Das Training ging vorbei und Karolin trommelte alle zusammen:„Habt ihr eure Sachen gepackt?“ Knapp nickten alle, wenn auch etwas unbehaglich wirkend. Zufrieden nickte die Anführerin daraufhin, während sie noch einmal durchzählte, ob auch alle da waren. Kurz darauf brummte sie zufrieden und räusperte sich:„Wie gesagt brechen wir jetzt auf! Nur, um es vorher noch einmal klarzustellen: Es wird niemand zurückgelassen und, wenn wir kämpfen, kämpfen wir zusammen und nicht alleine! Wer eine Pause einlegen möchte, meldet sich und auch sonst wird es gesagt, wenn etwas ist. Ist das angekommen?“ Etwas ängstlich nickten abermals alle, woraufhin sich die Truppe direkt in Bewegung setzte.
    Wir tauchten erneut durch die untetirdischen Wassertunnel, durchquerten die Fallen des Tempels bis wir schließlich in dem gleißenden Sonnenlicht standen. Es war irgendwie seltsam, wieder mit allen an der frischen Luft zu stehen. So lange waren wir in der geheimen Schatzkammer gewesen, welche uns Schutz gewährleistete und uns allen somit die Angst nahm.
    Die Natur hingegen, das wilde Treiben des Urwalds und seiner Bewohner, löste die Angst erneut in uns aus. Denn das Leben über der Erdoberfläche brachte alle Gefahren wieder mit sich. Tiere, Hisokas Gesandte und natürlich Callum mit Finlay und Irina. Und was taten wir? - Wir liefen geradewegs der Gefahr in die Arme.
    Ich fing an, zu zweifeln. (Kursiv) Werden wir nach diesem Aufbruch jemals noch etwas Anderes sehen? Für wen wird die Reise danach zu Ende sein? Ist Callum unser einziger Feind? Was ist mit diesen anderen zweien? Sind sie auf unserer Seite oder sind sie vielleicht doch ein Feind? Wie viel stärker sind unsere Rivalen geworden? Wir werden es mit Sicherheit nicht alle überleben... Warum meint Karo, ausgerechnet jetzt aufbrechen zu müssen?(EndeKursiv)
    Ich bemerkte Tae neben mir, der mich etwas besorgt anschaute und fragte, ob alles in Ordnung sei. Schnell bejahte ich seine Frage, auch wenn ich damit log und schaute dann weiter nach vorne.
    Direkt vor uns liefen Via und Renzo. Die zwei Geschwister liefen dicht beieinander, die jüngere den älteren stützend. Leise murmelte ich den zweien zu:„Geht das so mit deinem Bein, Renzo?“ Etwas verlegen wirkend nickte er lächelnd und behauptete:„Ja, ich schaffe das schon.“ Lívia jedoch brummte:„Ich bin kein Fan davon, dass wir uns nun zum Kämpfen bereitmachen wollen. Sonst schätze ich Karo und ihre Entscheidungen ja sehr, aber in dem Fall denke ich, dass es wirklich keine gute Idee ist.“ Zustimmend nickte ich heftig, nicht gerade überrascht, dass auch die Brasilianerin meiner Meinung war. Die 13-jährige fügte leise hinzu:„Ich habe auch schon versucht, mit Karo zu sprechen, doch sie scheint von ihrem Plan überzeugt zu sein. Sie lässt nicht mit sich diskutierten. Sie meinte nur, entweder sei ich ihrer Meinung und komme mit oder ich sehe selbst zu, wie ich überlebe.“ Überrascht hob Tae eine Augenbraue:„Solche Aussagen passen doch gar nicht zu ihr!“ Stumpf nickte die andere und erwiderte:„Tun sie ja auch nicht, aber Menschen ändern sich manchmal auch. Oder aber sie geben sich nur zu erkennen...“ Leise hakte ich nach:„Denkst du, Karo ist so hinterhältig? Ich vermute, sie hat selbst nur Angst.“ Ruhig erklärte Via:„Ich denke nicht, dass Karo uns töten will oder so, ich denke nur, dass sie die Kontrolle behalten will. Sie ist ein richtiger Kontroll-Freak.“ Darauf antwortete ich nicht mehr, sondern schaute stattdessen, was die anderen machten.
    Jimin und Federica liefen recht gut gelaunt nebeneinander her und hielten dabei wie zwei Kleinkinder Händchen, mit den Armen enthusiastisch schaukelnd. Amba und Michal hingegen liefen schweigend nebeneinander her, hielten jedoch ebenso Händchen. Dabei wirkte die Inderin irgendwie winzig und wie ein Kind, während Michal seine große, gefährliche Ausstrahlung behielt. Hobi lief auf Karos Höhe, direkt neben Juan und Preecha, welche sich ruhig unterhielten. Akiko hingegen lief neben Tau und mir, schwieg aber. Erst, als ich sie ansprach und auf Jimin und Rica deutete, lächelte sie in ihrer hübschen Weise:„Ja, die zwei sind echt putzig zusammen. Sie wirken wie so eine Kindergartenliebe.“ Leise kicherte ich, stimmte der Japanerin aber zu. Auch Tae lachte nun:„Mich wundert es nicht, dass die zwei sich so gut verstehen. Ich meine, Rica hat ja schonmal angedeutet, dass wir ihr mal ein Date mit Jimin besorgen könnten und unser Baby Mochi versteht sich mit solchen Stimmungsbomben sowieso immer gut.“ Ich grinste nur, während Akiko jetzt etwas leiser von sich gab:„Tja, ob das mit dem Date wohl noch etwas wird? Wer weiß, wohin dieser Kampf uns führen wird?“ Bedrückt gab ich zurück:„Tja, da hast du recht. Aber vielleicht sprechen wir Karo auch noch einmal darauf an.“ Zustimmend nickte die andere nur schweigend, mit skeptischem Blick zu der Anführerin.

    Wir waren einige Stunden gelaufen und legten gerade eine Pause ein, da es mit Lorenzos Bein nicht gerade besser wurde. Diese Chance nutzte Karolin, indem sie auf mich zukam und sich erkundigte:„Wie ist es überhaupt mit deiner Kälte? Hast du sie schon im Griff?“ Verlegen und gleichzeitig schuldbewusst erklärte ich:„Naja, wenn ich Preecha berühre, habe ich gar keine Angst mehr, aber sobald der Gedanke aufkommt, auch andere wieder zu berühren, kommt sie erneut hoch...“ Verständnisvoll nickte die 15-jährige und meinte:„Naja, du bekommst das wohl noch hin. Lass dir einfach was einfallen!“ Gehorchend nickte ich kurz und fragte, als Karo schon wieder abdrehen wollte:„Hast du eigentlich einen richtigen Plan? Ich will ja nichts sagen, aber ich bin noch nicht ganz von deinem bisherigen Plan überzeugt.“ Ruhig, aber mit kaltem Blick erwiderte sie:„Ja, ich habe einen Plan. Und du kannst mir ruhig glauben, wenn ich dir sage, dass er gut überdacht ist. Er ist alle mal besser, als weiter in einem dunklen Loch zu hocken und darauf zu warten, dass wir am Alter sterben.“ Leise seufzte ich:„Kannst du den Plan nicht erklären? Ich spreche für alle, wenn ich sage, dass ich mich noch nicht für einen Kampf bereit fühle.“ Kalt brummte die Österreicherin:„Tja, ihr werdet aber für einen Kampf bereit sein müssen!“ Damit wollte sie gehen, doch Akiko, welche mitgehört hatte, hinderte sie daran:„Erwartest du von uns wirklich, dass wir dir in diesen Kampf folgen, ohne Fragen zu stellen? Hast du mal daran gedacht, dass wir Emotionen verspüren? Sowas wie Angst und so? Du kannst nicht einfach denken, wir nehmen alles, was du sagst, so hin! Warum entscheidest du überhaupt darüber, dass wir losziehen? Weil sonst kein besserer Plan kommt oder weil du die Oberhand behalten willst?“ Reglos schaute die jüngere der 18-jährigen direkt in die Augen und sprach:„Nein, das erwarte ich nicht von euch. Alles, was ich vielleicht von euch erwarte, ist ein wenig Vernunft und Verstand! Was sollten wir sonst tun? Willst du das Ganze etwa noch länger auf die Folter spannen? Wir werden auch nicht jünger, wenn wir da unten hocken! Und Akiko, wenn du ein Problem hast, dann sprich es an, aber in einem normalen Ton und nicht in deiner kritisierenden Art!“ Schnippisch antwortete die Hübsche:„Kommst du nicht mit ein bisschen Kritik klar oder was?“ Gekonnt konterte die Jüngere:„Kommst du nicht damit klar, dass jemand über dir steht oder was?“ Spöttisch lachte Akiko und meinte:„Doch, damit würde ich klarkommen, würde die Person Rücksicht auf andere nehmen!“ Ausdruckslos starrte Karo die Japanerin weiter an, trat wortlos einen Schritt näher auf sie zu und sprach in einer unheimlich ruhigen Stimme:„Glaub mir, ich nehme Rücksicht auf die anderen! Ich kenne sie besser als du es jemals tun wirst und ich kann von Sicherheit sprechen, wenn ich sage, dass ihr schon längst tot wärt, wäre ich nicht hier.“ Darauf antwortete Akiko nichts, wissend, dass Karolin damit recht hatte - zumindest mit dem zweiten Aspekt. Sie schaute der Anführerin nur verärgert ins Gesicht, während ich nun dazwischenging:„Wisst ihr, vielleicht können wir das ganz einfach klären. Ihr müsst euch einfach nur aussprechen, dabei aber mal Anschuldigungen außen vor lassen.“ Akiko stimmte etwas brummig zu, während sich jetzt Preecha zu uns durchdrängelte und schelmisch grinste:„Oder ihr macht es auf die altmodische Art: Ihr prügelt euch und der Gewinner wird der neue Anführer!“ Verärgert, aber dennoch irgendwie belustigt über die stumpfe Aussage, boxte ich dem Thai gegen den Arm, woraufhin der nur breiter grinste.
    Karolin sprach in der Zwischenzeit leicht herausfordernd:„Ich habe keine Lust, mich zu streiten. Akiko, komm auf den Punkt und nenne mir mal DEINEN Vorschlag. Wir werden ja sehen, ob dir eine bessere Alternative einfällt.“ Die 18-jährige erläuterte in der Zeit:„Ich habe doch gar nichts gegen den Plan, sondern gegen die Zeit! Du lässt uns viel zu früh kämpfen!“ Wie die Ruhe selbst sagte die Anführerin:„Gut, aber weißt du, wir werden sie doch eh kaum noch heute finden. Etwas Spielraum bleibt uns also und sowieso würde es nichts bringen, noch länger zu trainieren, weil wir damit auch unseren Feinden mehr Zeit geben. Ich dachte, das hätten wir jetzt schon oft genug besprochen! Aber gut. Um einmal in meinem Leben die Position eines Optimisten einzunehmen: Ich glaube schon, dass wir das schaffen können. Wir sind nicht schwach und genauso wenig sind wir dumm. Wir haben eine Strategie und wir haben unsere Kräfte. Wir sind in der Überzahl!“ Darauf gab Akiko dann seufzend nach und irgendwie überkam mich die Trauer. Nicht, weil wir in einen Streit geraten waren, sondern, weil Karolin gerade eine Anspielung auf einen alten Streit gemacht hatte - Malous Tod war schon länger her, doch die Erinnerungen an die Zeit mit ihr waren geblieben. Für Karolin war es in dem Fall die schlechte Erinnerung, als sie mit ihr in einen Streit geraten war. Der Anführerin ist an den Kopf geworfen worden, sie würde alles zu pessimistisch sehen, während sie Malous Optimismus kritisiert hatte. Nun wollte sie sich selbst als Optimisten darstellen und sich davon überzeugen, es tatsächlich zu sein. Dieser Gedanke schmerzte mich, denn ich realiserte, dass Karolin ihr früheres Handeln bereute und sich mehr denn je nach Malou sehnte. In letzter Zeit hatte sie immer mehr Anspielungen auf Malou von sich gegeben und jedes Mal sah ich auch den Schmerz in ihren Augen. Von Tag zu Tag gab sie sich mehr die Schuld an dem Tod der Afrikanerin... War das vielleicht auch der Grund für ihr plötzliches Denken des Angreifen? Wollte sie vielleicht auch nur dem Schmerz entkommen?

    48
    Kapitel 137

    Schweigend schauten wir Karolin alle an, scheinbar an das selbe denkend. Schließlich räusperte sich Rica:„Ich denke, es wäre am besten, einfach weiterzugehen. Immerhin haben wir jetzt schon 15 Minuten Pause gemacht und wir wollen ja auch ein bisschen etwas schaffen, nicht?" Akiko antwortete ohne ihren Blick von der Anführerin abzuwenden:„Ja, das wäre wahrscheinlich das beste... Es bringt nichts, zu diskutieren. Nicht, dass unsere Gruppe am Ende noch auseinanderfällt." Mit diesen Worten setzte sich die Japanerin direkt in Bewegung, während die anderen ihr folgten. Nur Karolin stand noch einen Moment regungslos und mit starrem, bedrücktem Gesicht dort, bevor sie auch wortlos folgte und der Älteren die Führung sozusagen überließ.
    Ich folgte ebenso, leise seufzend und bemerkte, dass Hobi sich zu mir zurückfallen ließ. Er lächelte leicht zur Begrüßung, beugte sich etwas näher zu mir, ohne mich zu berühren und fragte vorsichtig:„Was genau war das da gerade? Auf einmal schienen alle so bedrückt, als Karo meinte, sie wolle einmal ein Optimist sein... Ich würde ja Karo selbst fragen, aber ich will sie nicht unnötig nerven oder so. Sie wirkt auf mich traurig, ich möchte sie da nicht noch weiter reinziehen..." Zustimmend seufzte ich kurz und erklärte dann flüsternd:„Naja, bevor du hier bei uns warst, eigentlich schon ziemlich lange her, hatten wir noch ein anderes Mitglied. Vielleicht erinnerst du dich vom Ball. Malou - ein junges Mädchen, afrikanisch." Kurz nachdenkend schaute der Koreaner in die Luft, schien sich zu erinnern und nickte langsam. Ich fuhr fort:„Sie war wie eine kleine Schwester für Karolin. Sie hat sie wirklich geliebt. Eines Tages stritten sich die zwei jedoch. Karolin kritisierte Malou dafür, dass sie so naiv war und die Welt zu gut sah. Sie meinte, sie solle endlich die Realität akzeptieren und sich nicht immer in dieser Traumwelt aufhalten und in allem das Gute sehen. Daraufhin warf Malou Karo an den Kopf, zu pessimistisch zu sein und wandte sich über viele Tage von ihrer „großen Schwester" ab. Einige Tage später wurde Malou von Callum getötet. Es war das einzige Mal, dass ich Karolin weinen sah. Sie hat Malou so geliebt und kann es sich einfach nicht verzeihen, dass sie sie nicht retten konnte und sie dann auch noch kurz vorher so kritisiert hatte. Damit wollte sie eine Andeutung darauf machen. Deswegen wurde alles so still..." Schockiert und gleichzeitig traurig schaute Hoseok mich an und murmelte schuldbewusst wirkend:„Oh, das wusste ich nicht." In Erinnerungen schwelgend nickte ich nur, während Hobi nun hinzufügte:„Ich kenne Karo ja relativ gut. Ich denke, ich bin der erste Freund, den sie hier gemacht hat. Immerhin habe ich sie damals in diesem Transporter zum Reden gebracht. Heute weiß ich, dass sie nicht so taff und kalt ist, wie sie damals wirkte. Eigentlich ist sie sehr warmherzig und liebevoll. Auch, wenn sie es nicht oft zeigt. Möglicherweise ist das auch alles nur mein Eindruck, aber ich glaube, dass Karolin sich selbst wünscht, die Welt als Gutes sehen zu können - sie möchte ein Optimist sein. Und sie leidet darunter, dass die Welt ihr aber selbst immer wieder beweist, dass sie nicht gut genug ist, um optimistisch zu sein." Darauf schwieg ich und dachte über diese Worte nach. Einerseits war es etwas, dass man nie von der 15-jährigen erwarten würde, doch andererseits war es etwas, was ihr Handeln manchmal erklären konnte. Und doch war ich mir nicht sicher,