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BTS - Winterzauber (Ff V)

Bald ist Weihnachten.
Aus den Geschäften dudeln Weihnachtslieder und überall reicht es nach Punsch und Lebkuchen. Ich bekomme von all dem meist recht wenig mit, trotzdem gieße ich die Zeit bis zum Heiligen Abend.
Ich, Emilia, bin eigentlich kein Mensch, der viel braucht um glücklich zu sein, doch in diesem kalten Dezembermonat lernte ich jemanden kennen, ohne den ich mein Glück wohl nie gefunden hätte....

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    „Ein Café‘ Latte, bitte!“ Schnell stellte ich eine Kanne unter die rechte Düse und heiße Milch sprudelte wie weiße Wolken heraus. Ich mochte

    „Ein Café‘ Latte, bitte!“
    Schnell stellte ich eine Kanne unter die rechte Düse und heiße Milch sprudelte wie weiße Wolken heraus. Ich mochte das Geräusch aufschäumender Milch und den Duft des frisch gemahlenen Kaffees. Ich atmete tief ein und lächelte dem alten Mann an der Theke freundlich zu. „Einen Moment noch!“ „Ach, keine Eile junges Fräulein! Ich habe Zeit!“ Ich grinste breit und dachte:“ Ja, das mag ja sein, aber die 10 Personen hinter Ihnen scheinen ziemlichen Stress zu haben!“

    Die blonde Frau hinter ihm tänzelte nervös auf ihren hohen Hacken herum und glotze im Sekundentakt auf ihre rosa-glitzernde Swarovski Uhr. Ihr kleiner Chihuahua sprang dabei kläffend auf und ab, was dem bärtigen Bauarbeiter hinter ihr gerade den letzten Nerv zu rauben schien. Missmutig beäugte er den kleinen Hund und brummelte etwas Unverständliches vor sich hin.

    Im nächsten Moment blinkte das grüne Lämpchen auf und ich nahm die Kanne von der Maschine. Mit einer geübten Handbewegung füllte ich die braune Brühe in einen Kaffee Becher to-Go und legte ein Päckchen Zucker dazu. „Schönen Tag noch“, lächelte ich freundlich und reichte dem alten Herren sein Getränk. „Auf Wiedersehen, gnädiges Fräulein“, schmunzelte dieser charmant und grüßte zum Abschied mit seinem beigen Hut.

    Oh, hey ich hab‘ mich ha noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Emilia. Ich bin 19 Jahre alt und das hier ist ein völlig normaler Montagmorgen in meinem Leben. Eigentlich bin ich bereits ausgebildete Dolmetscherin, das heißt ich übersetze Sprachen, für Leute, die diese nicht verstehen, doch in meiner Freizeit jobbe ich nebenbei im Hunde-Café „To the bone“. Ich weiß ein makabrer Name, aber irgendwie passt er zu diesem Ambiente. Warum ich das mache, wenn ich bereits einen Beruf habe? Ach, das liegt daran, dass ich mit 19 Jahren eine der jüngsten Dolmetscherinnen momentan bin. Ich habe einige Semester im Studium übersprungen, weil ich bereits seit ich klein bin 7 Sprachen spreche.

    Glaubt ihr nicht? Ich erkläre euch wieso. Also, meine Mutter ist Österreicherin und mein Vater ist Italiener. (daher habe ich vermutlich auch mein südländisches Temperament) Aufgezogen wurde ich aber dreisprachig, da meine Mutter fand, ich sollte auch Englisch schon von klein auf lernen. Also, da wären wir schon bei drei Sprachen. Die vierte, das war Spanisch, die lernte ich in der Schule. Ich tat mir leicht, da ich bereits Italienisch konnte und merkte schnell, dass ich außerdem ein Talent für neue Sprachen hatte. Es dauerte nicht lange, da wollte ich unbedingt auch Französisch und Russisch sprechen können, weil diese ebenfalls zu den Weltsprachen zählen. So da war ich ca. 14 Jahre alt und konnte bereits 6 Sprachen fließend sprechen.

    Meine Lehrer wurden damals nicht schlau aus mir und konnten sich nicht erklären, wie ich innerhalb von wenigen Wochen bereits alle Grundlagen dieser Sprachen beherrschte. Mit 18 dann, wollte ich mir meinen größten Traum erfüllen und endlich Koreanisch lernen. Meine Familie hatte schon immer einen kleinen Fabel für die Asiatische Kultur, da auch meine Urgroßmutter aus Korea kam. Wie ihr seht, stamme ich also aus einer bunt gemischten Familie. Tja, und damit wären wir schon bei 7 Sprachen. Das sind sechs mehr, um sich mit Menschen aus anderen Ländern zu unterhalten. Ist doch toll, oder? Ich finde, wenn man erst die erste Barriere, die der Sprache überwunden hat, steht einem im Leben alles offen😊
    Aber jetzt mal weiter im Text. Heute ist also Montag. Montag der 1. Dezember.

    Ja, ich weiß in 23. Tagen ist schon Weihnachten. Gehört ihr auch zu diesen Menschen, die immer die Tage zählen, bis es endlich soweit ist? Also, ich schon.

    Hier in Österreich ist es zwar schon warm, aber geschneit hat es leider bisher noch nicht. Ganz in Gegenteil zu Korea, wo meine Eltern mittlerweile über ein Jahr leben. Damit haben sie sich ihren großen Traum erfüllt. Sie haben Urgroßmutters altes Haus geerbt und sich dort gut eingerichtet. In den Winterferien, wenn ich alles erledigt habe, möchte ich sie dort besuchen…..

    „Entschuldigung?“ Ich riss aus meinen Gedanken hoch. „Mein Kaffee!“ „Oh, es tut mir unfassbar leid!“, stotterte ich und reichte der blonden Dame ihren Chai Latte. Sie sah mich nur mit einem spöttischen Blick an und zog einen kläffenden Chihuahua hinter sich aus dem Cafe. Die anderen Hunde blickten ihm genervt nach und sahen mich aus großen Augen an. Ich grinste. Es gab nun mal nicht nur angenehme Gäste.

    Schnell wischte ich die etwas feuchte Theke vor mir mit einem Tuch ab und widmete mich dann meinem nächsten Gast. Überrascht stellte ich fest, dass der Bauarbeiter gegangen war, denn nun stand ein gutaussehender junger Mann vor mir. Er hatte graue Haare und große mandelförmige braune Augen. Es schien so als käme er Japan, oder war es doch Korea? Ich war mich nicht 100% sicher, also wartete ich einfach seine Bestellung ab.

    „Äh….ein Haselnuss Kaffee, bitte“, brachte er in brüchigem Englisch hervor. Ich lächelte ihn freundlich an und setzte auf Korea. „Mit oder ohne Zucker?“, fragte ich in schönstem Koreanisch. Er sah mich verblüfft an und wusste gar nicht wie er auf meine Frage reagieren sollte. Schließlich stotterte er. „Ähhm…äh…mit Zucker, bitte!“ „Gute, Wahl“, meinte ich. Kommt sofort.“ Ich machte mich freudig daran meinen eigenen Lieblingskaffee zu mixen. Diese Sorte konnte abhängig machen, also verstand ich den Jungen voll und ganz bei seiner Wahl.
    Während ich den Kaffee zubereitete, merkte ich, wie er mich interessiert von der Seite beobachtete. Ich lachte in mich hinein. Es machte mir Spaß Leute mit meinen Sprachkenntnissen zu überraschen. Allein die verdutzten Gesichter, wenn sie überrascht waren, dass man ihre Sprache beherrschte waren es sowas von wert.

    Ich reichte ihm den dampfenden Becher und er bezahlte. „Schönen Tag noch“, verabschiedete ich mich von ihm. „Danke“, meinte dieser nun auf Deutsch und lachte zurück. Er hatte ein schönes Lächeln. Es war wie ein sonniger Frühlingstag, wie das eines glücklichen Kindes. Zufrieden sah ich ihm nach, wie er mit dick eingepackt in Wintermantel und Schal den Laden verließ. Auf dem Weg nach draußen streichelte er „Beany“ und „Bounty“, die beiden Dackelwelpen, und ließ dann dir Tür hinter sich ins Schloss fallen….

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