Der Hobbit – Everything happens for a reason

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22 Kapitel - 66.165 Wörter - Erstellt von: Guren - Aktualisiert am: 2016-07-26 - Entwickelt am: - 8.520 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 30 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Einst war ich normales Mädchen gewesen, dass ein mehr oder weniger normales Leben führte in einem kleinen Dorf, bis ich von einem Hexer mitgenommen wurde. Es war der schlimmste Tag in meinem Leben und hat alles komplett verändert. Früher dachte man, dass der weibliche Körper die Mutation nicht überleben würde, doch ich bin der lebende Beweis dafür, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Mein Leben in Mittelerde in mitten einer Horde Zwergen.Schnell merke ich jedoch, dass ich gewisse Gefühle für einen gewissen Zwerg habe... oder sind es doch gleich zwei?  Ausserdem wird es ein gutes und ein schlechtes Ende geben! OC x?

    1
    Erste Begegnung zwischen Zwergen und Hexern Bösartiges liegt in der Luft, etwas Mächtiges scheint in Gange zu sein. Seit nun mehr als 400 Jahren spr
    Erste Begegnung zwischen Zwergen und Hexern

    Bösartiges liegt in der Luft, etwas Mächtiges scheint in Gange zu sein.
    Seit nun mehr als 400 Jahren spricht man in Mittelerde von Frieden und das obwohl sich in der Zwischenzeit einiges zum Schlechten geändert hat.
    Einst war ich normales Mädchen gewesen, dass ein mehr oder weniger normales Leben führte in einem kleinen Dorf, bis ich von einem Hexer mitgenommen wurde.
    Es war der schlimmste Tag in meinem Leben und hat alles komplett verändert.
    Früher dachte man, dass der weibliche Körper die Mutation nicht überleben würde, doch ich bin der lebende Beweis dafür, dass dies nicht der Wahrheit entspricht.

    Zusammen mit meinen fünf Weggefährten, welche ebenfalls Hexer sind, reiten wir entlang der grossen Oststrasse.
    Eigentlich ist es sicherer auf öffentlichen Strassen zu bleiben, natürlich bringt die Wildnis viel Entdeckungswertes mit sich aber da lauern auch viele Gefahren.
    Doch so sicher, wie die Hauptstrassen einst waren, sind sie auch wieder nicht.
    Vor kurzem wurden wir von einem ziemlich aggressiven Königsgreif attackiert, welchen wir aber locker in die Flucht schlagen konnten.
    „Also… ein Greif auf der Oststrasse? Seltsam.“ Äussert sich Azariel, der älteste meiner Gefährten.
    „Das habe ich auch gedacht.“, antwortet ihm Lorin, „Im Wald oder in den Bergen klar, aber hier?“
    Ja… seltsames ist im Anmarsch.
    Auf einer Anhöhe halten wir an.
    Früher herrschte viel mehr Betrieb auf dieser Strasse, doch jetzt ist sie wie leer gefegt.
    Wir befinden uns jenseits des Breelandes, hier gibt es nur sehr wenige Gasthäuser zum rasten.
    Kaum noch jemand lebt in diesen leeren Landen, auch keine Siedlungen weit und breit.
    Plötzlich hören wir aus der Ferne ein Heulen.
    Es ist nicht das Heulen eines Wolfes sondern das eines Warges.
    Ich seufze: „Auch das noch.“
    Wir machen uns kampfbereit, jeder zieht sein Silberschwert und schmiert noch das eine oder andere Öl an.
    Öle können gegen einen starken Gegner ziemlich nützlich sein, meistens fügen sie nach dem Auftragen dem Gegner mehr Schaden zu als zu vor, aber da gibt es noch einige andere Öle die ebenfalls sehr wirksam sind.
    Das Braunöl zum Beispiel erhöht den Blutverlust bei einer Verwundung und führt letztlich in den Tod.
    Kreaturen die hingegen kein Kreislaufsystem haben, sind immun gegen Braunöl.
    Das Crinfridöl verursacht beim Feind lähmende Schmerzen, ist jedoch wirkungslos gegenüber Gegnern, die immun gegen Schmerz sind.
    Und dann gibt es da noch das Henkersgiftserum welches durch offene Wunden in den Blutkreislauf des Gegners dringt und ihn so vergiftet.
    Auch wenn diese Öle von grosser Bedeutung sind, ich kann jedenfalls nichts damit anfangen.

    Mit den Sporen treiben wir unsere Pferde und greifen an.
    Lorin stürzt sich Hals über Kopf direkt auf den Gegner.
    Seit ich ihn kenne hat er sich noch nie in einem Kampf zurückgehalten.
    Ohne Furcht springt er von seinem Gaul, landet auf seinen starken Beinen und greift die Warges und deren Reiter vom Boden aus an.
    Azariel, Elank und Cayuga greifen die Orks mit hieben vom Pferde aus an.
    Ich versuche mir einen Überblick zu verschaffen als Azariel plötzlich meinen Namen schreit: „Riannon! Du musst sie mit Aiden aufhalten!“
    Er deutet in eine Richtung etwas ferner vom Kampffeld.
    Eine grosse Gruppe von diesen widerlichen Wölfen steuert auf eine Gruppe von kleinen Menschen zu.
    Schnell nicke ich Azariel zu und reite in hohem Tempo zusammen mit Aiden los.
    Meine Fuchsstute Phönix und Aidens Pferd sind schneller als die andern, weshalb wir meistens die Verfolgung aufnehmen.
    Umzingelt von den Feinden haben die Zwerge, wie ich sehen kann, sich formatiert und geben sich gegenseitig Rückendeckung.
    Sieht so aus als ist es höchste Zeit zum Eingreifen.
    Rasch greife ich nach einigen Wurfmessern welche sich unter dem Reitsattelbefinden.
    Ich halte vier in meiner rechten Hand welche ich zum Abwerfen bereit mache.
    Ein anderes Wurfmesser halte ich zwischen den Zähnen.
    In Reichweite der Feinde angekommen, werfe ich die ersten beiden Wurfmesser, welche Warge und Reiter präzise treffen.
    Geschwind reite ich eine Kurve und weiche somit ein paar Orks aus ehe ich noch zwei Wurfmesser werfe, wobei beide ihr Ziel verfehlen.
    Innerlich bin ich wütend auf mich selber, solche Fehler dürfen einfach nicht passieren.
    Zudem kommt noch, dass ich jetzt zu sehr abgelenkt war und mit einem kräftigen Stoss von meinem Pferd falle.
    Blindlings schnappe ich mir das Wurfmesser welches ich noch in meinem Mund trug und treffe direkt einen Ork in mitten seine Stirn.
    Ich verschnaufe kurz und sammle mich anschliessend.
    In meinem Augenwinkel erkenne ich meine geliebte Fuchsstute panisch davon galoppieren.
    „Verdammt Riannon! Pass besser auf!“ warnt mich ein zorniger Aiden welcher gerade von seinem Pferd sprang und direkt auf einem Warge landete der mich angreifen wollte.
    Als ich jetzt erst erkenne in welch misslinge Lage wir uns befinden, stellen wir uns Rücken an Rücken auf.
    Der Feind kreist uns immer mehr ein, zwar versuchen die Zwerge uns zu helfen, doch wie es scheint lassen sich die Wargen davon nicht beirren und fixieren uns immer mehr.
    Schleichend und knurrend kommen sie auf uns zu, sabbernd aus ihren Mäulern.
    Wir müssen uns schleunigst etwas einfallen, denn ansonsten wird dies wohl unsere letzte Reise gewesen sein.
    Dann geht alles ganz schnell, die Feinde welche uns umzingelt haben greifen alle gleichzeitig an.
    Aiden legt seinen Arm um meinen Hals, zwingt mich so dazu auf den Boden zu knien und hüllt uns in eine schützende Kugel.
    Kurzes Durchatmen ist erlaubt doch da die Schutzkugel nur ein paar Sekunden hält, müssen wir uns erneut verteidigen.
    Zum Glück müssen wir nicht mehr lange durchhalten und die andern Hexer stossen zu uns.

    Schliesslich konnten wir den Feind in die Flucht schlagen.
    Froh darüber dass wir nur ein paar Kratzer davon tragen verstaue ich mein Silberschwert zurück auf meinen Rücken.
    Das war ein harter Kampf und es war verdammt knapp gewesen.
    „Geht es allen gut?“ höre ich die besorgte Stimme von Azariel.
    Ich nicke, während ich mich vorbeuge und mit beiden Händen auf den Knien abstütze.
    Jeder von uns ist verschwitzt und blutbeschmiert.
    Ein stechender Schmerz welcher von meiner linken Schulter aus geht, lässt meinen Körper auf beben.
    Ich fasse an die eben besagte Stelle und als ich meine Hand wieder wegnehme, ist sie blutüberströmt.
    Betroffen kommt Azariel auf mich zu und begutachtet die Wunde: „Ist ziemlich tief. Hat jemand noch etwas Schwalbe dabei?“
    Alle schütteln verneinend den Kopf.
    Der Trank Schwalbe beschleunigt die Wundheilung und verdankt den Namen der Schwalbe als Symbol für Frühling und Wiedergeburt.
    Schwalbe ist als Universaltrank in vielen Situationen nützlich, umso mehr, als sie keine Nebenwirkungen hat.
    Ich winke ab: „Lasst gut sein.“
    Azariel verdreht die Augen und wir begeben uns zu den Zwergen und dem Zauberer, welcher ein alter Bekannter ist.

    Geschwächt von dem Kampf blicke ich in die Zwergenrunde die uns teils mit offenen Münder anstarren.
    Bei zwei aus der Menge stechenden azurblauen Augen bleibe ich hängen.
    Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich solche Augen gesehen die so eine Kraft ausstrahlen und die dennoch Trauer in sich tragen.
    Dieser Zwerg wirkt viel seriöser und misstrauischer, als die Anderen und er strahlt etwas Königliches aus.
    Wenn ich mich nicht täusche, muss dies der legendäre Thorin Eichenschild sein.
    „Meine Freunde!“, begrüsst uns Gandalf mit einem kleinen Lächeln, „Wir danken euch, dass ihr uns zu dieser schweren Stunde unterstützt habt.“
    Während der Zauberer und Azariel sich in ein Gespräch vertieft haben, mustern uns die Zwerge immer noch eindringlich.
    Einer der jüngeren Zwerge fragt dann: „Warum habt ihr so komische Katzenaugen?“
    Es ist allseits bekannt, dass wir Hexer viel Feindseligkeit von andern Völkern und auch von den Menschen erdulden müssen.
    „Wieso? Hast du ein Problem damit?“ stellt Aiden in barschem Ton die Gegenfrage, worauf der Zwerg zurück weicht.
    Der braunhaarige ist einer der jüngeren Hexer, die sich in unserer Festung aufhalten.
    Er hat eine scharfe Zunge und kann ziemlich unhöflich sein, doch es steckt auch viel Gutes in ihm.
    Bevor sich Aiden noch mehr aufbauen kann, gehe ich dazwischen und beantworte höflich die Frage des Zwerges: „Diese Augen entstanden durch die Mutation. Sie erlauben es uns auch in der Nacht zusehen und in der Spurensuche, sind wir dank ihnen unschlagbar.“
    Wütend verschränkt Aiden seine Arme vor der Brust.
    Ich kann ihn schon verstehen warum er darauf keine Antwort geben wollte.
    Er war nicht immer so ein zynischer Bastard wie es manche ausdrücken würden, er war bezaubernd bis er schliesslich nach Ard Cerbin kam.
    Er hasst es genauso sehr wie ich ein Hexer zu sein… hinzu kommt noch dass wir ein ähnliches Schicksal teilen.
    Bevor die Zwerge uns noch weiter ausquetschen können, kommt Gandalf und Azariel wieder zu uns: „So, genug Zeit verschwendet. Die Hexer haben sich dazu bereit erklärt, dass wir einen kurzen Rast in ihrer Festung machen dürfen, die nicht weit von hier entfernt liegt. Sie werden uns dahin eskortieren.“
    Ich runzle die Stirn, ach ja? Wir haben uns dazu bereit erklärt?
    Wohl eher hat Azariel dies entschieden.
    In unserer Gruppe gibt es keinen Anführer, jeder hat zwar seine Aufgaben aber jeder kann über sich selbst bestimmen.
    Naja, wie dem auch sei, ab nach Hause.

    2
    Von Gabelschwänzen und Drachen Immer weiter und weiter entfernen wir uns von der Oststrasse. Die Landschaft wird gebirgiger und die Bergluft ist zu r
    Von Gabelschwänzen und Drachen

    Immer weiter und weiter entfernen wir uns von der Oststrasse.
    Die Landschaft wird gebirgiger und die Bergluft ist zu riechen.
    Hohe Bäume zieren das Landschaftsbild mit vereinzelten Lichtungen.
    Das Rauschen des Gebirgsbaches ist zu hören, welcher das Tal aufteilt.
    Der Flusslauf ist einzig an zwei Stellen zu überqueren, an dem das Wasser einen Übergang zulässt.
    Die Gegend hier wirkt idyllisch und äusserst friedlich, doch dies täuscht auf den ersten Blick.
    Auf einer nordöstlichen Ebene des Tals nisten Wyvern… einfache Bauersleute verwechseln sie oft mit Drachen, da es tatsächlich nicht so leicht ist, die beiden Spezies auseinander zu halten.
    Wyvern sind große, flugfähige Reptilien, mit schlangenartigen Hälsen und langen Schwänzen, welche in einem giftigen Dreizack am Ende auslaufen, sind jedoch kleiner als Drachen.
    Im Flug ergreifen sie ihre Beute und bringen sie in ihr Nest, dabei ist es ihnen relativ egal ob es sich dabei um ein Schaf oder einen Menschen handelt.
    Durch das Unterholz von Ard Cerbin streifen Wölfe.
    Plötzlich scheuen unerwartet die Pferde auf und ein Gabelschwanz überfliegt uns.
    Abrupt ducken wir uns alle und die Zwerge ziehen alle angriffsbereit ihre Waffen, doch der Gabelschwanz verschwindet in den dichten Wäldern.
    Gabelschwänze gleichen ebenfalls einem Drachen, sind jedoch viel kleiner und besitzen außerdem keine Intelligenz.
    „Gabelschwänze so nahe an der Festung? Da war aber jemand ziemlich nachlässig.“ Äussert sich Aiden genervt.
    Wir lassen uns dadurch natürlich nicht aufhalten.
    Als den Zwergen auffällt wie ruhig wir uns verhalten, verstauen sie ebenfalls ihre Waffen und wir setzen unseren Weg fort.

    Das Falltor zur Festung öffnet sich und wir werden sogleich von unserem Meister herzlich in Empfang genommen: „Nun, sieh einer an wen den Wind her bläst. Ihr wart ja lange weg.“
    „Zu lange!“ sage ich glücklich darüber ihn wieder zu sehen und umarme ihn.
    Visalyar unser Meister, ist für die meisten von uns wie ein Vater, der einem alles beibringt und uns auf das Leben und die Gefahren vorbereitet hat.
    Er begrüsst auch die Zwerge und den Zauberer Gandalf, welcher ein alter Freund von ihm ist: „Wie war eure Reise?“
    Azariel tritt hervor und meldet sich nun das erste Mal zu Wort seit wir ankamen: „Ruhig, abgesehen von dem Gabelschwanz, der uns vor ein paar Meilen überflogen hat. Unsere Gäste waren etwas beunruhigt.“
    Sofort beginnen die Zwergen zu protestieren: „Beunruhigt? Das war ein Drache!“
    „Das war bloss ein Gabelschwanz und die können schon mal vorkommen!“ offenbart Aiden genervt mit verschränkten Armen und lauter Stimme.
    „Ja, ja ist schon gut. Kommt erstmal rein, ihr habt sicher Hunger und wollt euch bestimmt etwas ausruhen.“ Schlichtet unser Meister den kommenden Konflikt.
    Nickend begeben wir uns zu dem Burgfried.
    Seit Jahrhunderten ist Ard Cerbin unser Hauptquartier.
    Der Name leitet sich aus der Elfensprache ab und heisst so viel wie Berg der Raben.
    Tatsächlich gibt es hier viele von ihnen, ausserdem benutzen wir sie zur Kommunikation oder setzen diese intelligenten Tiere als Späher ein.
    Ihre besten Zeiten hat die Burg schon lange hinter sich, Zinnen und Burggräben sind verfallen, ein kalter Wind weht durch die geräumigen Hallen, die Wände bröckeln langsam und das Efeu wuchert über die Burgmauern.
    Heute leben leider nicht mehr viele Hexer hier, genauer gesagt nur noch meine Gefährten und unser Meister, doch einst absolvierten hier viele Knaben und einige Mädchen die grausame Ausbildung.
    Vor einigen Jahren jedoch, hatte eine Horde von Orks, Ard Cerbin in Schutt und Asche gelegt.
    So zu sagen alle Hexer welche sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Burg aufhielten starben.
    Von den Hexern, die Ard Cerbin als ihr Zuhause betrachteten, überlebten nur die wenigsten, die damals auf Reisen waren.
    Die Überresten der im Kampf Gefallenen wurden im Festungsgraben gelassen, damit sie an das Massaker erinnern sollen.

    Nachdem wir grosszügig gegessen haben, ziehen wir Hexer, Gandalf und Thorin uns in den Westsaal zurück.
    Es ist ein weiterer grosser und nahezu leerstehender Saal auf unserer Festung.
    Der Saal bringt nichts Besonderes mehr mit sich ausser einen grossen und langen Tisch an dem man hervorragend Pläne schmieden kann oder sonstige Diskussionen führen kann.
    Ein grosser schwarzer Kerzenleuchter, welcher in mitten des Raumes hängt, erhellt den Saal.
    Von hier aus hat man einen hervorragenden Blick auf den bereits zugschneiten Bergpass… dieser Anblick verschlägt mir doch tatsächlich jedes Mal die Sprache.
    Wir alle setzen uns an den Tisch, Visalyar setzt sich an den Tischanfang, zu seiner Rechten kommen Azariel, ich, Aiden und Lorin, zu seiner Linken Gandalf, Thorin, Elank und Cayuga.
    „Also diese Reise?“ beginnt unser Meister und sieht Gandalf erwartungsvoll an.
    „Nun, ihr kennt sicher die Geschichte vom Königreich Erebor.“ Antwortet Gandalf, hält sich mit Einzelheiten zurück und wartet auf unsere Reaktionen.
    „Smaug.“ Flüstere ich, worauf Thorin seinen Blick hebt und mir in die Augen sieht.
    Sofort wende ich meinen Blick ab, und schaue zu Gandalf.
    Es scheint dem Zwerg sichtlich unwohl zu sein, dass der Zauberer uns um Hilfe bitten will.
    Das kennt man nicht anders vom Zwergenvolk, sie sind stur und stolz.
    Natürlich kennen wir alle die Geschichte und auch dass Thorin als rechtmässiger Erbe der Reichtümer und Erebor selbst gilt.
    Gandalf muss nichts Weiteres sagen, denn unser Hexermeister weiss genau worauf er hinauswill: „Und ihr wollt den Erebor zurück erobern.“
    Der graue Zauberer nickt zustimmend und wartet auf Visalyars Antwort.
    Einst waren Drachen weit verbreitet und beherrschten den ganzen Kontinent.
    Die ersten Kolonisten fielen ihrem Appetit reihenweise zum Opfer und Drachenfeuer war der Fluch jedes Dorfes.
    Visalyar denkt scharf nach, was man an seinen vermehrten Stirnfalten erkennen kann: „Wir Hexer wurden dafür geschaffen um die Welt der Menschen von Monstern zu befreien, dazu gehören auch Drachen das ist richtig. Vielleicht weisst du es nicht Gandalf, was ich zwar kaum Glaube, aber wir Hexer verhalten uns aus Prinzip neutral. Ausserdem ist Smaug auch für Hexer ein schwieriger Gegner, natürlich wäre es möglich, dass wir ihn besiegen könnten, aber das Risiko scheint mir bei diesem Auftrag zu gross.“
    Es herrscht eine ungewollte Stille.
    Natürlich hat unser grosser Meister Recht, helfen wir den Zwergen, würden vielleicht die Elben, die sowieso schon einen Groll gegen uns hegen, noch mehr misstrauen.
    Dennoch ist es ihre Heimat und sie würden alles Riskieren um diesen Ort wieder zu bekommen.
    Heimat ist äusserst wichtig! Wer ist man ohne Heimat?
    Sogar wir Hexer wo so viel auf Reisen sind, finden immer wieder hierher zurück, weil es Heimat ist.
    Und mal ehrlich, dreizehn Zwerge und einen Zauberer gegen einen riesigen, unberechenbaren Drachen?
    Für einen kurzen Augenblich schliesse ich meine Augen, balle meine Fäuste und fasse einen Entschluss: „Ich nehme diesen Auftrag an und werde sie auf ihrer Reise begleiten!“
    Vorsichtig öffne ich meine Augen wieder und schaue in die Gesichter der anderen, Gandalf sieht mich strahlend und dankend an, Thorin kann es kaum glauben was ich da eben gesagt habe und die anderen Hexer sehen mich verblüfft und entsetzt an.
    „Das ist Selbstmord!“, „Hast du den Verstand verloren?“, ist aus meinen eigenen Reihen zu hören.
    Ich verdrehe meine Augen und erhebe mich elegant von meinem Stuhl: „Ein Hexer dabei zu haben, ist besser als kein Hexer dabei zu haben. Und ausserdem stirbt kein Hexer je in seinem Bett! Wenn ihr mich nun entschuldigen würdet.“

    Während alle übrigen Räume auf der Hexerfestung Ard Cerbin eher schlicht eingerichtet und vernachlässigt sind, ist mein Gemach absolut komfortabel und geradezu luxuriös ausgestattet.
    Der Raum gibt einen Vorgeschmack auf meine Vorlieben und bietet einen wundervollen Ausblick auf das Tal.
    Ausserdem befindet sich in diesem Raum das einzige vernünftige Bett von ganz Ard Cerbin wie ich finde.

    Es ist eine klare und kühle Nacht, eisiger Wind bläst mir sanft in mein Gesicht und lässt meine Haare nach hinten wehen.
    Dieser Anblick und die Ruhe hat eine beruhigende Wirkung auf mich.
    Ich habe mich alleine hier her zurückgezogen um nachzudenken über meinen Entscheid.
    Gegen die kalten Mauern der Festung gelehnt blicke ich auf den Bergpass, als sich Aiden zu mir gesellt.
    Er ist der einzige der ohne Anzuklopfen in mein Gemach darf.
    Mit seinen wolkengrauen Augen mustert er mich und lehnt sich ebenfalls gegen die Mauer.
    Erst schweigen wir beide und geniessen einfach den ruhigen Moment als er die Stille bricht in dem er Fragt: „Hast du dir das auch wirklich gut überlegt?“
    Ich presse meine Augen fest zusammen und antworte mit ruhiger und fester Stimme: „Ja hab ich.“
    Es ist gewiss, dass Aiden sich um mich sorgen macht, jedoch würde er mich nie von einer Reise oder einem gefährlichen Auftrag abhalten.
    Wenn ich mir mal was in den Kopf gesetzt habe, kann keiner mich davon abhalten, auch wenn es ein Selbstmordkommando ist, so wie es dieses scheint.
    „Nun gut, wenn du dich so entschieden hast… nimm das hier mit.“ Der braunhaarige Hexer übergibt mir ein paar Fläschchen mit dem Heilungstrank Schwalbe.
    Zudem drückt er mir noch einige Dimeritiumbomben in die Hand: „Du glaubst die helfen?“
    „Ich weiss nicht, aber Drachen können auch Magie, die an jenen Orten vorherrscht, nutzen und mit diesen Bomben blockierst du sie, wenn auch nur für ein paar Sekunden.“ Erklärt er mir.
    Ich nehme alles dankend an mich und verstaue es sogleich in meinen Taschen.
    Etwas anderes bereitet mir noch sorgen: „Was glaubst du Aiden, sind die Gerüchte wahr? Ich meine… dass das Töten eines Drachen grosses Unheil über denjenigen bringt der ihn erlegt sowie über all jene die nichts dagegen unternehmen?“
    Doch der Hexer verzieht nur eine Mine und meint: „Ach Schwachsinn… Wyvern und Gabelschwänze sind schliesslich auch Drachen und von denen haben wir unzählige bereits vernichtet und nichts ist passiert.“
    Aufmunternd legt er seine Hand auf meine Schulter.
    Genau, meine Verletzung!
    „Ich sollte noch etwas Schwalbe zu mir nehmen und meine Wunde säubern.“ Sage ich anschliessend.
    Aiden nickt mir zu und lässt mich schliesslich alleine.

    Mit kühlem Wasser, welches ich in eine hölzerne Schüssel gefüllt habe, reinige ich meine Wunde.
    Brennender Schmerz durchfährt meinen zierlichen Körper.
    Ich sollte wohl dringend einen Heilungstrunk zu mir nehmen.
    Vorsichtig öffne ich das kleine Fläschchen mit grüner Flüssigkeit und trinke alles in einem grossen Schluck.
    Wieder schmerzt mein ganzer Körper… eigenartig, normalerweise würde ich das doch gar nicht spüren.
    Nachdem ich mir mein seidenes, weisses Nachthemd übergezogen habe, entschliesse ich mich noch kurz zu unserem Hexermeister zu gehen.
    Da sich mein Gemach im zweiten Stockwerk befindet, muss ich nun einige steinige Treppen nach unten steigen.
    Wo mag der weise Hexer wohl sein?
    Als ich im ersten Stock bin, vernehme ich plötzlich starke männliche Stimmen.
    Vorsichtig und mit kleinen Schritten nähere ich mich dem Raum aus dem die Stimmen dringen.
    Unauffällig gucke ich durch den kleinen offenen Spalt, da sie die Tür nicht ganz zu gemacht haben.
    Die Zwerge sitzen versammelt vor dem Kamin und beginnen ein Lied: „Über die Nebelberge weit
    zu Höhlen tief aus alter Zeit.
    Da ziehn wir hin
    da lockt Gewinn
    durch Wind und Wetter,
    Not und Leid.

    Und dort wo knistert
    im Gehölz erwacht
    ein Brand von Winde angefacht.
    Zum Himmel rot
    die Flamme loht.
    Der Wald befackelt
    hell die Nacht.“
    Sie singen ein Lied!
    Ich glaube, es handelt sich um ihre Heimat.
    Nachdem die ausdrucksstarken Stimmen wieder verstummen, schleiche ich mich blitzschnell wieder zurück in mein Gemach und versuche zu schlafen.

    3
    Die grausame Wahrheit über die Hexer-Ausbildung Wir sind nun bereits seit einer Weile unterwegs. Bald schon passieren wir die Grenze von unserem sich
    Die grausame Wahrheit über die Hexer-Ausbildung

    Wir sind nun bereits seit einer Weile unterwegs.
    Bald schon passieren wir die Grenze von unserem sicheren Tal.
    Jede Reise eines Hexers ist natürlich ungewiss… aber bei dieser habe ich ein ganz mieses Gefühl.
    Ich habe schon viele grosse Monster getötet, doch ein Drache gehört leider nicht dazu.

    Neugierige Blicke ruhen auf mir.
    Ich verhalte mich ruhig und hänge mich an Gandalf, da ich ihn bereits etwas kenne.
    Ja, ja ich weiss was die Zwerge denken… eine Frau und Kämpfen?
    Frauen gehören nach Hause an den Herd, aber ich bin keine normale Frau sondern eine Hexerin.
    Die sollen nur abwarten bis das erste Monster vor uns auftaucht… ich grinse schelmisch in mich hinein.
    „Was gibt es da zu grinsen?“ ertappt mich ein blonder Zwerg und schmunzelt mich an.
    Auf meiner andern Seite geht ein schwarzhaariger Zwerg welcher dann meint: „Und da soll es heissen Hexer wären unfähig Gefühle zu empfinden.“
    Stumm und überrascht über diese Aussage betrachte ich die beiden.
    Anscheinend wissen sie doch etwas über uns.
    „Kili und Fili. Zu euren Diensten.“ Stellen sich die beiden vor, verneinen sich, stellen sich mir in den Weg und halten mir freudig ihre Hände entgegen.
    Überrumpelt stehe ich wie erstarrt vor ihnen, wobei mein Blick vom einten zum anderen Zwerg gleitet.
    „Riannon.“ Sage ich schnell, ergreife hastig ihre Hände und dränge mich zwischen ihnen vorbei.
    Verdutzt starren sie auf ihre Hand, welche sie mir ausgestreckt haben, drehen sich um und schauen mir mit irritiertem Blick nach.
    Na toll… musste ich auch so dumm sein und noch einmal zurück schauen.
    Gandalf welcher neben dem Zwergenprinzen hergeht beginnt herzlich zu lachen.
    Verwirrt starren die azurblauen Augen Thorins den Zauberer an.
    „Du bist dich wohl noch nicht so ganz an die Gesellschaft von Zwergen gewöhnt wie ich sehe.“ Bemerkt Gandalf und lacht weiter.
    „Naja, ich habe Zwerge etwas anders in Erinnerung.“ Sage ich nervös.
    Jetzt scheine ich die Neugierde des Zwergenprinzen geweckt zu haben: „Was meint ihr mit anders?“
    Verdattert beäuge ich ihn.
    Seine Frage bringt mich noch mehr durcheinander: „Naja… die Zwerge die mir begegnet sind, hatten flegelhafte Manieren und derbe Umgangsformen. Aber einige hier scheinen durchaus ausgelassen und fröhlich zu sein.“
    Thorin nickt verstehend und meint dann spöttisch: „Dann habt ihr euch wohl mit den falschen Zwergen angelegt.“
    Abrupt bleibe ich stehe und sehe ihm verdattert nach, wie er sich stolz fortbewegt, ebenso wie es sich für einen angehenden König gehört.
    Der Zauberer bricht wieder in schallendem Gelächter aus.
    Was bitte ist daran so komisch?
    Ich schüttle meinen Kopf und bemerke wie Bilbo neben mich getreten ist, er ist sich wohl die Gesellschaft der Zwerge auch noch nicht gewohnt.
    „Nun Herr Beutlin, wie fühlt ihr euch?“ frage ich und versuche ihn in ein Gespräch zu verwickeln.
    Hobbits sind schliesslich dafür bekannt, dass sie es vorziehen im sicheren Auenland zu sein, in einem warmen weichen Bett zu liegen, an einem gemütlichen Ofen zu sitzen und nicht zu vergessen ihre Bücher.
    „In Begleitung eines Hexers fühlt man sich schon etwas sicherer muss ich zugeben.“ Antwortet er mir worauf ich mir ein Grinsen verkneifen muss.

    Unsere Reise hat gut und fröhlich begonnen, als uns plötzlich eine Gorgo überrascht.
    Sie sind bekannt dafür, dass sie aus einem Hinterhalt angreifen, ihre Beute überraschen und dann plötzlich zu schlagen.
    Blitzschnell hat er sich einen der Zwerge geschnappt und fliegt mit ihm in Richtung einer Anhöhe.
    „Fili!“ schreit Kili und rennt dem Monster hinterher.
    So ein Mist!
    Auch ich nehme die Verfolgung auf und bin dank der Mutation viel schneller als normale Menschen.
    Dem blonden Zwerg muss schnellsten geholfen werden, da Gorgonen ihre Beute meistens vergiften, ausserdem sind sie ziemlich schwer zu besiegen.
    Verdammt! Er entfernt sich immer weiter und ich bin nicht schnell genug.
    Schliesslich entscheide ich mich meinen Bogen zu verwenden, den ich stets bei mir trage.
    Mit ihm habe ich schon einige Viecher vom Himmel geholt und anschliessend auf dem festen Boden erschlagen.
    Okay Fili, die Landung könnte etwas wehtun.
    Ich visiere das Monster an und feuere einen Pfeil ab der es am Hals trifft.
    Obwohl der Pfeil es nicht ernsthaft verletzt hat, hat es wohl durch den Schock die Kontrolle verloren und ist abgestürzt.
    Jetzt heisst es schnell sein!
    In hohem Tempo springe ich auf die Gorgo zu und greife sie mit meinem Silberschwert an.
    Während meinen Angriffen versuche ich Fili auszumachen, denn wenn er sich zu nah an der Gorgo befindet, kann ich meine Strategie nicht umsetzen.
    Dann plötzlich holt das Monster unerwartet aus und wirft mich gegen einen Felsen.
    Ich pralle hart auf, habe jedoch keine Zeit um liegen zu bleiben, da sie nun wieder aufgeflogen ist und direkt auf mich zu steuert.
    Endlich mache ich Fili aus, welcher unverletzt scheint und mit seinem Schwert auf das Monster zu stürmt.
    Einen Pfeil von der Seite, der von Kili kommt lenkt die Gorgo auch nicht mehr ab.
    Na schön, dann komm nur du Biest!
    Da Fili und Kili und auch sonst keine weiteren Zwerge sich in Nähe des Monsters befinden kann ich Igni anwenden.
    Das Igni Zeichen ist ein einfaches magisches Hexer-Zeichen.
    Es wirkt eine pyrokinetische Feuerwelle, lässt die Gegner zurück werfen und sie in Flammen aufgehen.
    Gorgonen sind empfindlich gegenüber Feuer, deshalb ist dieses Zeichen perfekt.
    Sofort fangen ihre Flügel Feuer und sie stürzt direkt vor mir ab.
    Das ist meine Chance!
    Ich hole weit aus und schlage mit aller Kraft gegen ihren Hals.
    Mein Silberschwert hinterlässt einen tiefen Schnitt und eine Menge Blut strömt aus der Wunde.
    Erschöpft vor Schmerzen bricht die Gorgo zusammen und ich gebe ihr den Gnadenstoss.

    Triumphierend verstaue ich mein Schwert auf dem Rücken.
    Meine erste Tat, ist erfolgreich verlaufen.
    Die beiden Zwerge bestaunen das Ungeheuer von allen Seiten.
    Ich weiss nicht, aber in letzter Zeit fällt mir das Kämpfen schwerer als sonst.
    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Anstrengung so enorm ist, dass ich drohe zusammenzubrechen.
    Schwer atmend setze ich mich neben den leblosen Körper des Monsters.
    Ich lehne mich an den Felsen, an dem ich zuvor abgeprallt war und versuche meinen Puls zu senken.
    Fili setzt sich neben mich und sieht mich mit seinen smaragdgrünen Augen verwundert an: „Das war… unglaublich! Wie du das Monster erlegt hast!“
    Leicht geschwächt lache ich und antworte: „Das ist mein Beruf.“
    Augenblicklich stossen die andern zu uns und sehe mich ebenfalls fassungslos an.
    Die Gorgo wirkt neben uns riesig… doch ist sie kein Vergleich zu einem Drachen.
    Besorgt beäugt mich der Zauberer und fragt nach meinem Befinden.
    „Mir geht’s gut.“ Antworte ich ihm und stehe langsam auf, darauf achtend nicht hinzufallen.
    Wahrscheinlich wirkt sich die Mutation doch negativ auf den weiblichen Körper aus.
    Ich darf keines Falls ein Zeichen von Schwäche zeigen… ich muss die Zwerge beschützen!
    Auch dem Zwergenprinzen ist meine Verfassung nicht entgangen und er beschliesst einen Unterschlupf zu suchen um dort zu übernachten.

    Auf der Anhöhe, dicht an einem grossen Felsen haben wir unser Nachtlager aufgeschlagen.
    In eine Decke gehüllt lehne ich mich gegen den Felsen und starre auf die lodernden Flammen des Feuers, dabei entgehen mir keines Wegs die vielen undefinierbaren Blicke von Thorin.
    Die meisten Zwerge sind bereits in einen tiefen Schlaf gefallen.
    Gandalf sitzt Pfeife rauchend da und blickt in die Ferne.
    Fili und Kili sind ebenfalls wach und sitzen direkt neben mir.
    Der Zwerg Balin kommt zu uns und möchte von mir wissen: „Mich nimmt es wunder, wie ein Mensch zu einem Hexer wird.“
    Erwartungsvoll guckt er mich an und wartet auf eine spannende Geschichte.
    Auch die anderen welche sich am Feuer befinden sehe mich neugierig an.
    Ich richte mich etwas auf und beginne: „Bereits in frühem Kindesalter wurden wir von unseren Eltern getrennt und kamen auf eine spezielle Hexerschule. Davon gibt es mehrere, die wohl bekannteste ist die Wolfsschule auf der ich war, dann gibt es da noch die Katzenschule und die Schlangenschule die ebenfalls bekannter sind. Auf diesen Schulen wurden wir trainiert und unser Körper wurde schliesslich in einem Mutationsvorgang verändert.“
    Ich halte inne… für jeden Hexer ist es schwierig über die Mutation zu sprechen.
    Es war keines Falls ein einfacher Spaziergang, im Gegenteil, man erleidet die schmerzlichsten Qualen überhaupt.
    „Wie wurde das gemacht?“ will Kili wissen und durchdringt mich mit seinen dunklen Augen.
    Ich atme einmal tief ein und wieder aus ehe ich weiter erzähle: „Wisst ihr, lange Zeit dachte man nicht, dass der weibliche Körper die Mutation überleben kann, da sowieso schon viele der Knaben die Veränderung nicht überlebten…“
    Geschockt starren sie mich mit ihren grossen Augen an.
    Thorin, welcher etwas abseits gesessen hat, ist aufgestanden und lässt sich direkt neben mir nieder.
    Ich verliere mich in seinen wundervollen Augen, als er fragt: „Wie viele Schüler überstehen diesen Vorgang?“
    Ich schlucke und antworte: „Drei von zehn Knaben und eines von zehn Mädchen.“
    Es herrscht Schweigen…
    Die Mutation war ein Albtraum und ich bin immer noch wie traumatisiert wenn ich daran zurück denke.
    „Die Kräuterprobe… so nennt man den Teil der Mutation welcher das Nervensystem beeinflusst, ist ein unglaublich schmerzhafter Entwicklungsprozess dem wir alle unterzogen wurden, doch dafür erhielten wir übernatürliche Fähigkeiten. Ausserdem wurden wir zu perfekten Kriegern mit schnelleren Reflexen, einem viermal langsameren Herzschlag und einem scharfen Gehör. Nach der erfolgreichen Mutation, sind wir steril und können nicht mehr krank werden. Darüber hinaus altern wir viel langsamer als gewöhnliche Menschen, was aber nicht heisst, dass wir unsterblich sind. Gewaltsame Verletzungen im Kampf können auch für uns tödlich sein. Zudem wird behauptet, dass wir absolut emotionslos sein sollen.“ Spreche ich weiter mit ruhiger Stimme.
    „Wobei letzteres nicht ganz stimmt.“ Offenbart Killi und lächelt mich sanft an.
    Auch die andern haben ein leichtes Lächeln im Gesicht.
    Ich fahre fort: „Die Katzenaugen, wie ihr sie nennt, lassen uns bei unendlicher Dunkelheit klar und deutlich sehen, jedoch vertragen wir es nicht vom Sonnenlicht geblendet zu werden, da unsere Augen nun mal sehr empfindlich reagieren. Die Prozedur der Kräuterprobe endet mit der Stärkung des Organismus und der Muskulatur, sie beschleunigt den Stoffwechsel und die Entwicklung des jugendlichen Körpers. Bei der Kräuterprobe wurden uns Hormone, Kräuter und eine Virusinfektion hinzugefügt. Und dann alles wieder von vorn, bis es funktioniert hat. Erstaunlicherweise habe ich die Verwandlung ziemlich gut überstanden und war nur sehr kurze Zeit krank. Man betrachtete mich also als ein besonders widerstandsfähiges Mädchen und wählte mich weiter für kompliziertere Experimente aus. Damit ging es schlechter…viel schlechter, aber wie ihr sehen könnt, habe ich überlebt….“
    Ruhe… kein einzelner Zwerg hat mich je auch nur ein einziges Mal unterbrochen.
    Wahrscheinlich können sie das alles noch gar nicht glauben, oder sie verstehen es nicht.
    „Das ist ja schrecklich.“ Äussert sich der Hobbit welcher vorhin aufgewacht ist und sich zu uns gesellt hat.
    „Und es ist erst der erste Teil der Ausbildung.“, sage ich bestimmt und erzähle weiter, „Nach der Mutation ist die erste eigentliche Prüfung die Wahl. In dieser Phase werden Gewissensfragen geprüft und Wissen über die verschiedenen Monster vermittelt. Ausserdem mussten wir an einem anstrengenden Hexer-Training teilnehmen, das sehr kräftezehrend ist. Damit wir wegen Schwäche nicht zusammen brachen, verordneten sie uns einen speziellen Speiseplan, welcher aus Pilzen, Moosen und anderen Pflanzen bestand, der den gesamten Organismus stärkt. Bereits in dieser Phase besteht Lebensgefahr. Einige der Absolventen sind an Herz- oder Leberversagen gestorben oder haben schlichtweg den Verstand verloren, zudem haben hier die meisten ein verstärktes Aggressionsverhalten entwickelt. Täglich mussten wir bei jedem Wetter eine weitläufige Trainingsstrecke laufen, in den Wäldern nach Spuren suchen, Kämpfen unter erschwerten Bedingungen, dies alles gehörte zum zweiten Teil. In der letzten Phase dann, wird die Mutation der Augen, des Knochenmarks und der Hormone abgeschlossen. Was die Ergebnisse daraus sind wisst ihr ja bereits.“
    Wieder herrscht Schweigen.
    Womöglich hätte ich ihnen den Prozess nicht erzählen sollen, denn jetzt scheinen sie Mitleid mit mir zu haben.
    „Also seid ihr so zusagen durch ein Experiment entstanden?“ stellt Balin mir die Frage.
    Ich nicke nur sage: „Ja… aber lasst uns jetzt schlafen.“

    4
    Die Ankunft in Bruchtal Warmes, helles Sonnenlicht scheint auf mein Gesicht herab und lässt meine Augen sich ein bisschen öffnen, wobei ich eigentli
    Die Ankunft in Bruchtal

    Warmes, helles Sonnenlicht scheint auf mein Gesicht herab und lässt meine Augen sich ein bisschen öffnen, wobei ich eigentlich überhaupt keine Lust habe um jetzt schon aufzustehen, da ich gerade so gemütlich liege.
    Erneut schliesse ich meine Augen, doch der Gedanke an einen gemütlichen Schlafplatz mitten in der unberührten Wildnis, lässt mich nicht mehr einschlafen.
    Schlagartig öffne ich meine Augen und versuche auszumachen auf wem oder was ich liege.
    Blondes, starkes Haar, ebenso einen blonden Bart, eine etwas längere Nase und smaragdgrüne Augen.
    Sofort schnelle ich hoch und erkenne, dass es tatsächlich Fili ist.
    Kein Wunder war es ein so gemütlicher Schlafplatz, auf seinem Schoss.
    „Auch schon wach?“ begrüsst er mich mit einem freundlichen und dennoch schelmischen Lächeln.
    Ich rapple mich auf und setze mich hin: „Anscheinend.“
    Mir ist es sichtlich unangenehm, dass ich nichts gemerkt habe.
    Das käme mir doch noch nicht mal im Traum in den Sinn, obwohl ich ihn eigentlich ganz süss finde, wie ich zugeben muss.
    Verwirrt über mein Verhalten guckt er mich, mit seinen wundervollen Augen, an.
    Plötzlich geht Gandalf an uns vorbei und rettet mich damit: „Wann brechen wir auf?“
    „Bald. Sobald alle wach und bereit sind.“ Antwortet er mir.
    Das trifft sich gut, dann kann ich nämlich noch schnell runter an den Flussverlauf um mein Gesicht zu erfrischen.

    Elegant erhebe ich mich und mache mich auf den Weg, gefolgt von den irritierten Blicken der Zwerge.
    Das Wasser des Flusses wirkt in einem undefinierbarem dunklen grünblau.
    Ich suche eine etwas ruhigere Stelle und knie mich nieder.
    Auch wenn das Wasser so dunkel scheint, kann ich trotzdem deutlich mein Spiegelbild sehen.
    Zwei warme rehbraune, mandelförmige Augen gucken mir entgegen.
    Mein herzförmiges Gesicht mit den hohen Wangenknochen wird von längerem dunkelbraunem Haar umhüllt.
    „Woher habt ihr diese Narbe auf eurer linken Wange?“ vernehme ich unerwartet Thorins kraftvolle Stimme hinter mir.
    Leise und wie auf Federn, hat er sich an mich geschlichen, oder es liegt einfach daran, dass ich in letzter Zeit oft unkonzentriert bin.
    Ich schlucke… eigentlich hat mir mein Gesicht schon immer gefallen, aber seit ich diese Narbe habe, lasse ich meine Haare meistens offen, damit sie nicht zu sehr auffällt.
    Natürlich hat jeder Hexer viele Narben und es gehört eben dazu… doch diese im Gesicht hätte es wirklich nicht gebraucht, auch wenn sie schon ziemlich gut verheilt ist.
    Langsam drehe ich mich zu dem Zwergenprinzen um und antworte monoton: „Von dem bleichem Ork.“
    Die azurblauen Augen weiten sich geschockt.
    Ich kenne seine Heldentat von damals, er alleine bot dem bleichen Ork die Stirn und dies nur mit seinem Schwert und einem Eichenast als Schild.
    „Er hat euch so schwer verwundet?“
    Ich lache gehässig auf: „Er hätte mich auch töten können… aber Aiden war zur Stelle und ich bin gerade noch so entkommen.“
    Langsam kommt Thorin auf mich zu und fixiert meine entstellte Narbe, auf meiner porzellanfarbigen Haut.
    Wie gefesselt, begutachtet er sie.
    Zögernd hebt er seine Hand leicht an, ich weiss bereits was er vorhat.
    Normalerweise würde ich dies niemals zulassen, aber irgendetwas hält mich davon ab, dies nicht zu tun.
    Ich ergreife zaghaft seine Hand und führe diese an den Pfad meiner Narbe.
    Sachte geleiten seine Finger darüber und er scheint sich in Gedanken zu verlieren.
    „Sie ist gut verheilt…“ haucht er einfühlsam und ist immer noch wie gebannt von ihr.
    Durch diesen widerwärtigen Ork mussten wir beide so viel Leid ertragen, was uns irgendwie zu verbinden scheint.
    Da Thorin ein etwas grösserer Zwerg ist und ich eher klein und zierlich bin, ist sein ovales Gesicht dem meinen so nahe, dass ich seinen warmen Atem spüren kann.
    Wieder verliere ich mich fast in seinen leuchtenden Augen… doch plötzlich beginnt mein Hexermedaillon zu vibrieren, was bedeutet dass Gefahr lauert.
    Eine kleinere Horde von Orks hat uns aufgespürt und greift uns an.
    Instinktiv ziehe ich Thorin blitzschnell nach unten und wirke das Zeichen Quen.
    Eine schützende Aura umgibt uns, welche uns vorübergehend unverwundbar macht.
    Unsere Gesichter sind wieder nur Zentimeter voneinander entfernt, die Spannung zwischen uns ist deutlich spürbar.
    Als der Schutzschild zerspringt, da ein Warge mit voller Wucht dagegen sprang, ist der magische Moment zwischen uns wieder vorbei.
    Gleichzeitig ziehen wir unsere langen und scharfen Schwerter.
    Ich werfe ihm noch einen letzten nervösen Blick zu, ehe die ersten Warge auf uns zu stürmen.
    Schnell wirke das Zeichen Aard, welches eine telekinetische Druckwelle auslöst, und den Gegner so zurück schleudert.
    Feinde, die hiervon getroffen werden, sind handlungsunfähig und können in diesem Moment mit einem einzigen Hieb getötet werden.
    Geschwind renne ich auf den momentan lähmenden Ork zu und trenne mit einem starken Schlag seinen Kopf ab.
    Auch seinem Reittier ergeht es nicht anders.
    Danach blicke ich mich angespannt umher und versuche Thorin ausfindig zu machen.
    Ein Warge sprinten direkt auf ihn zu, ich fackle nicht lange und wende die Druckwelle noch einmals an.
    Der Ork wird gegen einen Baum geschleudert und von Eichenschild ebenfalls mit einem einzigen Hieb erlegt.
    Jetzt stehen uns nur noch zwei Warge gegenüber.
    Rücken an Rücken stehend laufen wir gleichzeitig los und besiegen die restlichen beiden auch noch.
    Glücklich darüber, dass uns beiden nichts passiert ist lächle ich.
    „Diese verdammten Späher!“ flucht Thorin.
    „Wir sollten den anderen Bericht erstatten und dann sofort aufbrechen.“ Erwidere ich.
    Der braunhaarige Zwerg nickt zustimmend und wir begeben uns zu den andern.
    Als sie uns bemerken und dann auch noch das vereinzelt, klebende Blut ans uns ausmachen, werden sie panisch: „Was ist passiert?“
    Elegant und aussergewöhnlich ruhig antwortet er ihnen: „Wir wurden von Späher angegriffen. Zeit aufzubrechen.“

    Gandalf führt uns durch einen engen, langen Pfad in mitten des Gebirges.
    Wo mag der Zauberer uns wohl hinführen?
    Doch plötzlich kann ich es spüren, es fühlt sich mächtig an, wie Zauberei… ich weiss genau wo er uns hingebracht hat.
    Nach weiteren Schritten, können wir es schliesslich alle sehen.
    Das Tal ist grasbewachsen und mit Eichen und Buchen bepflanzt.
    Majestätische Wasserfälle wohin das Auge blickt.
    Es sieht einfach nur toll aus!
    In meinem ganzen Leben bin ich noch kein einziges Mal hier gewesen, zwar habe ich von diesem Ort gehört und mit Elben hatte ich auch schon zu tun, doch hier war ich noch nie.
    Nichts desto trotz hätten wir hier nicht her kommen sollen.
    Einerseits weil die Elben die Zwerge damals im Stich gelassen haben und Thorin sie nun aus tiefstem Herzen hasst und andererseits, auch gegen über Hexer scheinen die Elben misstrauisch und wer weiss, wie sie reagieren, wenn sie mich mit ihnen sehen.
    Wieso der graue Zauberer hier her wollte, bleibt mir immer noch ein Rätsel.

    Das prunkvolle Haus erreichen wir über eine schmale, geländerlose Steinbrücke.
    Fasziniert sehen sich alle Zwerge um, mit Ausnahme von einem natürlich, welcher das ganze eher abschätzend und verachtend mustert.
    Wir werden sogleich von einem dunkelhaarigen Elben empfangen, welcher uns mitteilt, dass sein Herr Elrond nicht hier sei.
    Gandalf möchte daraufhin wissen wo er ist, als ein Elbenhorn ertönt und die anderen Elben, angeführt von Elrond, angeritten kommen.
    Die Reiter umzingeln uns, was die Zwerge beunruhigt, doch die Elben haben keine bösen Absichten und nehmen uns freundlich in Empfang.
    „Willkommen Thorin, Sohn des Thráin.“ Begrüsst ihn Elrond höflich.
    Der Zwergenprinz schreitet auf ihn zu und spricht spöttisch: „Ich glaube nicht, dass wir uns kennen.“
    Der braunhaarige Elb klärt ihn auf: „Du hast deines Grossvaterserscheinung, ich kannte Thrór, als er König unter dem Berge war.“
    „Ach ja? Von euch hat er nie gesprochen.“ Kontert Thorin stur weiter.
    Es ist nicht zu überhören, wie gross sein Hass auf das Volk der Elben ist.
    Der Blick des Herren von Bruchtal wandert durch die Zwerge, als er an mir hängen bleibt: „Ihr habt eine Hexerin bei euch?“
    Hilfesuchend schaue ich zu Gandalf, welcher sich für mich äussert: „Sie unterstützt uns bei unserer Reise.“
    Die dunkelblauen Augen des Elbes, haben mich fest im Blick.
    Abwartend, stehe ich neben Thorin, der Herr Elrond ebenfalls mit seinen Augen im Visier hat.
    „Eine hohe Belohnung müssen euch diese Zwerge versprochen haben.“ Spricht er weiter und ich komme mir so vor, als wäre ich hier ganz und gar nicht willkommen.
    Er hat dieselben schlechten Vorurteile gegenüber Hexern wie die Menschen.
    Zuerst wollte ich ihnen nett und zuvorkommend entgegen treten, doch dieser verachtende Ton habe ich so satt: „Nein, sie schulden mir rein gar nichts!“
    „Wirklich? Es ist allseits bekannt, dass Hexer ohne Bezahlung keinen Finger krumm machen.“
    Elrond durchdringt mich mit seinem starren Blick, es kommt mir so vor, als wolle er in meine Gedanken eindringen und herausfinden was meine wahren Absichten sind.
    Doch das lasse ich mir nicht gefallen.
    Natürlich verlangen wir meistens etwas Gold, immerhin leben wir davon, doch es gibt auch Ausnahmen.
    Bedrohlich gehe ich einen Schritt auf ihn zu und knurre: „Es heisst auch Mäuse entstünden aus faulendem Stroh.“
    Daraufhin nickt Herr Elrond nur und lädt uns, trotz meiner bissigen Bemerkung, zum Essen ein.

    Bei den Elben ist alles gehoben und edel gehalten.
    Weisse Kerzen in silbergehaltenen Kerzenhalter brennen und tragen der grazilen Atmosphäre bei.
    Es dämmert, das Tal erscheint durch die Abendsonne in einem goldenen Ton.
    Diese gehobenen Gesellschaften mag ich überhaupt nicht, weshalb es für mich jedes Mal Überwindung braucht wenn ein König, oder eine höhere Person uns anheuert.
    Ausgerechnet muss ich noch mit Herr Elrond an einem Tisch sitzen.
    Naja, Gandalf ist ja auch noch da und zum Glück auch Thorin, aber viel lieber wäre ich jetzt bei den andern Zwergen, doch auch sie scheinen sich nicht besonders wohl zu fühlen.
    Dazu kommt noch diese nerv tönende Musik.
    Unbeteiligt sitze ich an dem Tisch während Elrond die Schwerter begutachtet welche die Zwerge, in der Trollhöhle, gefunden haben.
    Mir wird das alles zu langweilig obwohl ich meine Schwerter natürlich überaus sehr schätze.
    Trotzdem ist es besser, wenn ich jetzt verschwinde, noch bevor der Herr von Bruchtal mir noch weitere Sachen unterstellt: „Ich zieh mich dann mal zurück. Habt Dank für das Essen und gute Nacht.“
    Ich stehe auf, gefolgt von den Blicken der Zwerge und einem arroganten, herabfallenden Blick von Elrond.
    Gegen meinen Willen verneine ich mich vor ihm, denn immerhin ist er ein hochangesehener Elb, doch bekomme ich gleich einen abschätzenden Kommentar zu spüren: „Ich dachte ihr beugt das Haupt vor niemandem.“
    Ich halte kurz an und überlege ob ich darauf etwas erwidern soll, oder ob ich es dabei belasse und weiter gehe.
    Schlussendlich entscheide ich mich für ersteres: „Ich wollte Gandalf nicht enttäuschen.“
    Nervös schaut Gandalf zu Elrond und wartet auf seine Reaktion.
    Über Thorins Lippen huscht ein dreckiges Schmunzeln, reisst sich dann aber wieder zusammen.
    Aber der Elb winkt nur ab und meint dann noch: „Von Hexern, kann man nichts anderes erwarten.“

    5
    Unten in der Stadt der Orks Alleine wandle ich still durch die edlen Gänge von Bruchtal, welche von hellem Mondlicht erleuchtet werden. Ich stütze m
    Unten in der Stadt der Orks

    Alleine wandle ich still durch die edlen Gänge von Bruchtal, welche von hellem Mondlicht erleuchtet werden.
    Ich stütze mich an einem Geländer ab und lasse meinen Blick über das friedliche Tal schweifen.
    Das Tal liegt verborgen in einer Schlucht des Bruinenflusses, der die Hochmoore westlich des Nebelgebirges durchschneidet.
    Nur wer den Weg nach Bruchtal kennt, kann hier her gelangen, jedoch hat mir Gandalf erzählt dass der geheime Pfad mit weissen Steinen markiert ist, um von Freunden Imladris gefunden zu werden.
    Mein Blick gleitet hinauf in das Nebelgebirge als ich die alternden Stimme von Balin neben mir vernehme: „Darf ich mich zu euch gesellen?“
    Überrascht sehe ich den alten Zwerg an und nicke zustimmend.
    Wir beide geniessen die Stille und die Schönheit dieses Ortes.
    Er hat so eine unwirkliche Landschaft, als wäre man in einer Illusion gefangen.
    Alles hier scheint sich von der Aussenwelt zu unterscheiden, so ist es zur kalten Jahreszeit in Bruchtal deutlich wärmer als anderswo in diesen Breiten.
    Es scheint als läge ein guter Zauber über diesem geheimnisvollen Ort.
    „Ihr bedeutet ihm sehr viel.“ Bricht der weisshaarige Zwerg die Ruhe.
    Irritiert richte ich mein verwunderter Blick auf Balin und frage: „Was sagtet ihr?“
    „Ich sagte, dass Ihr ihm sehr viel bedeutet. Ich habe ihn noch nie so gesehen, in euer Gegenwart ist er ganz anders.“ Erläutert der angesehene Zwerg mir, wobei ich ihm überhaupt nicht folgen kann.
    „Ich weiß nicht wovon ihr sprecht.“ Antworte ich ehrlich und hoffe er hackt nicht weiter nach.
    „Ich denke ihr wisst genau wovon ich spreche. Ich habe euch beide unten am Flussverlauf gesehen. Ihr fürchtet euch vor der Wahrheit, das verstehe ich, jedoch sollte die Furcht nicht euer Handeln beeinflussen.“
    So ist das also… er hat diesen magischen Moment zwischen mir und Thorin beobachtet.
    Doch dieser Augenblick ist nur dadurch entstanden, in dem der Zwergenprinz auf meine Narbe aufmerksam geworden ist.
    Der bleiche Ork ist das einzige was uns beide zu verbinden scheint, sonst gibt es da überhaupt keinen Funken.
    „Ich bin nicht in der Stimmung für Zwergenweisheiten.“ Sage ich verärgert und verziehe mein Gesicht.
    Kopfschüttelnd entferne ich mich von Balin als er noch ein letztes Mal zu mir spricht: „Ich bitte euch nur um eines, tut ihm nicht unnötig weh.“
    Ich halte inne, denke einen kurzen Moment über seine Worte nach und verschwinde dann auf mein elbisches Gemach.
    Lange bleibe ich in meinem Bett wach und finde keine Ruhe.
    Balins Worte wollen einfach nicht mehr aus meinen Gedanken verschwinden.

    Nachdem wir den schmalen Gebirgsweg mehr oder weniger glimpflich hinter uns gelassen haben, ruhen wir uns in einer trockenen Höhle aus.
    Ich bin immer noch wie in Trance von diesen Steinriesen, welche uns im Nebelgebirge überrascht haben und die gegeneinander einen Krieg geführt haben.
    Auch wenn die älteren Hexer uns während unserer Ausbildung auf Ard Cerbin keine Gutenachtgeschichten erzählt haben, wussten wir das diese mystische Legende existiert.
    Einige von den jüngeren Hexern sind sogar auf eigene Faust losgezogen und wollten diese Wesen mit ihren eigenen Augen sehen, doch gab es keiner, der von dieser Expedition je zurückgekehrt war.
    Ich versuche einzuschlafen, als plötzlich der Boden unter uns wegbricht.
    Hart prallen wir auf, aber es kommt noch schlimmer.
    Ehe wir irgendwas unternehmen können, sind wir auch schon von zahlreichen hässlichen Orks umzingelt.
    Sie zerren an uns und schleifen uns gewaltsam mit.
    Jetzt gegen diese Biester zu kämpfen, wäre äusserst sinnlos.
    Ich blicke die steinigen Felswände hoch, überall sind Orks, und freuen sich über unseren Besuch, ironisch gemeint natürlich, oder sie freuen sich darüber uns zu kochen und fressen.
    Fledermäuse schwirren dicht an unseren Köpfen vorbei, wir müssen wohl ziemlich tief unter der Erde sein.
    Duzende Fackeln erhellen die immens grosse Höhle und offenbaren noch mehr versteckte Orks.
    Sie hängen in den zerfallenen Holzbrücken, trommeln auf Blechen herum und stimmen ein Lied an.
    Noch nie habe ich mich so unwohl gefühlt… diese widerwärtigen Orks, dieser schräge Klang und dieser schreckliche Gesang, machen mich ganz krank.
    Vergebens versuche ich mir die Ohren zuzuhalten.
    Die Orks schubsen und drängen uns immer weiter und weiter, bis wir schliesslich vor ihrem König stehen.
    Skelette und Knochenschädel schmücken den Thron des Ork-König.
    Mit seinen stechend gelben Augen starrt er uns an und kann sich kaum auf seinen eigenen Beinen halten.
    Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken, in mitten der Zwerge versuche ich mich zu verstecken und klammere mich unbewusst an den Arm von Fili.
    Meine Augen sind geweitet und ich starre entgeistert den fetten König an.
    Auf einmal, spüre ich Filis Blick auf mir ruhen, er sieht die Angst in meinen Augen und schiebt mich vorsichtig hinter sich.
    Es ist nicht so, dass ich mich von den Orks selbst fürchte, sondern davor, dass es so unzählig viele sind und ich hunderte von ihnen bereits getötet habe, was ihnen sicherlich auch bekannt ist.
    „Gnadenlosigkeit, Grausamkeit, das ist alles was ihr hier unten findet.“ Spricht er mit dunkler Stimme nach dem er sein abscheuliches Lied zu Ende gesungen hat.
    Die Meute entwaffnet uns und wirft unsere schönen Schwerter rücksichtslos auf den Boden.
    Mein schönes Silberschwert…
    „Wer hat es gewagt, bewaffnet in mein Königreich einzudringen?“ will er aufgebracht wissen und brüllt umher.
    „Zwerge, euer Bosheit.“ Antwortet ihm einer seiner Untergebenen.
    Erneut durchsuchen sie uns und zerren grob mein Medaillon von meinem Hals.
    Das Hexer-Medaillon ist aus reinem Silber gefertigt und stellt einen Wolfskopf dar, das Symbol unseres Berufes und unserer Bruderschaft.
    Es reagiert sensibel auf Magie und beginnt aufzuleuchten, je näher der Träger des Amuletts an eine magische Quelle kommt, Zaubersprüche gewirkt werden oder sich magisch begabte Personen in unmittelbarer Umgebung aufhalten wie zum Beispiel Zauberer und Magier, Hexenmeister oder Genies.
    Ausserdem vibriert es an der Kette, wenn Monster in der Nähe sind so wie jetzt.
    Wieder brüllt der König umher und fragt: „Was hat euch in diese Gegend geführt?“
    Bevor alles noch viel schlimmer werden kann, tritt Thorin unerschrocken hervor.
    Mein Herzschlag geht schneller als sonst, wie gebannt Blicke ich auf mein Medaillon welches immer noch auf dem Waffenhaufen vibriert.
    Der Ork-König ist überrascht, dass er den Erben des Erebor, höchstpersönlich vor sich hat: „Wen haben wir denn da? Seht euch das an! Thorin, Sohn des Thráin, Sohn des Thrór, König unter dem Berge…oh aber ich vergass, ihr habt ja gar keinen Berg mehr. Das bedeutet du bist auch kein König, was dich im Grunde zu einem Niemand macht. Ich kenne jemanden, der einen hübschen Preis für deinen Kopf zahlen würde! Es ist ein bleicher Ork auf einem weissen Warge.“
    Zornig starrt Thorin den König an, schmerzende Worte muss der junge Zwerg über sich ergehen lassen.
    Der Zwergenprinz tut mir unglaublich Leid, doch ich bleibe vorsichtshalber in Deckung.
    Auch wenn ich im Augenblick nichts lieber tun würde als, mit eigener Hand den Ork-König zu enthaupten.

    Ich habe gedacht Azog sei vor langer Zeit vernichtet worden, oder besser gesagt an seinen Verletzungen krepiert und nun will uns der König weise machen, dass dieser widerwärtige, abscheuliche Ork noch am Leben ist?
    Der Ork-König macht Anstalten eine Nachricht an den bleichen Ork zu schicken, als einer seiner Untergebenen plötzlich mein vibrierendes Medaillon in der Hand aufhält.
    Nein bitte nicht!
    Besorgt schlucke ich auf und verstecke mich zitternd hinter Fili.
    „Was ist das Herr?“ fragt der kleine Ork neugierig und starrt das Medaillon mit funkelnden Augen an.
    Rasch ergreift der König das vibrierende Amulett und inspiziert es: „Das ist ein Hexer-Medaillon!“
    Seine laute Stimme dringt in mein Ohr und ich presse ängstlich die Augen zusammen.
    Die Orks um uns herum sind panisch geworden und schwirren nervös umher, es besteht keinen Zweifel dass sie sich von Hexern fürchten.
    Als ich vorsichtig hinter dem blonden Zwerg hervor blicke, erkenne ich dass der König uns ganz genau mustert: „Wo ist der Hexer?“
    Die anderen Zwerge verhalten sich wie ertappt und werfen sich gegenseitig hilfesuchende Blicke zu, als Eichenschild sich unerwartet zu Wort meldet: „Es ist kein Hexer hier! Wir haben das Medaillon in einer Trollhöhle gefunden.“
    Schnell nicken die anderen Zwerge.
    Na toll… das glaubt er uns nie!

    „In einer Trollhöhle?“, fragt der Anführer der Orks erneut „Ihr glaubt doch nicht etwa dass ich dies euch abkaufe? Hexer lassen sich nicht einfach von ein paar dummen Trollen besiegen!“
    Der Ork-König baut sich vor uns auf und flucht herum: „Wo ist der Hexer!“
    Die Hallen beginnen zu beben, Felsenstaub löst sich von den Wänden.
    Wild fuchtelt er umher und stolpert fast über seine eigenen Füsse, als er plötzlich still wird.
    Jetzt wird mir klar, dass er mich erspäht haben muss.
    Ertappt trete ich langsam hinter Fili hervor und versuche dem König nicht in die Augen zusehen.
    Ich begebe mich vor alle Zwerge, bis ich ihm selbst gegenüber stehe.
    Triumphierend beginnt er laut zu lachen: „Das gibt es doch nicht! Ich habe nicht nur den König unter dem Berge gefangen, sondern auch noch eine junge Hexerin!“
    Auch die anderen Orks beginnen zu johlen und lachen schadenfreudig auf.
    Erneut musizieren sie auf ihren selbst gebauten Blechinstrumenten und klatschen siegesreich auf.
    Schweigend stehe ich regungslos da.
    „Wie ist dein Name?“ will der König nun von mir wissen.
    „Ri – Riannon.“ Stammle ich kleinlaut.
    Wieder lacht er gehässig auf.
    Von seinem Schamanenstab nimmt er nun eines der angehängten Amulette ab, während er mein Medaillon immer noch fest in der Hand hält.
    Er hält mir das abgenommene Amulett direkt vor meine Nase und schwingt es hin und her: „Weisst du was das ist?“
    Ich betrachte es missbilligend und antworte in einem gefassten Ton: „Nein.“
    „Bist du dir da ganz sicher? Schau es dir genau an! Erkennst du es nicht wieder?“ spricht er weiter und glotzt mich erwartungsvoll an.
    Ungewollt werfe ich noch einmals einen kurzen Blick darauf und erkenne es doch tatsächlich wieder, dieses Amulett gehörte meinem Bruder!
    „Woher hast du das?“ knurre ich wütend.
    Er muss es aus dem Grab meines Bruders gestohlen haben, anders kann ich es mir nicht erklären wie er an es gekommen sein muss.
    „Wir hielten Tilion vor einiger Zeit hier gefangen… leider ist der flinke Bursche uns entwischt.“ Offenbart er mir.
    Wie bitte?
    Das ist nicht möglich!
    „Tilion ist schon vor langer Zeit von uns gegangen!“ sage ich aufgebracht und meine Angst scheint wie von Zauberhand verflogen.
    Mein Atem geht jedoch immer noch ziemlich schnell und meine Gefühle brodeln.
    Wie kann er es wagen über meinen verstorbenen Bruder zu sprechen!
    „Glaubst du das? Du warst nicht auf seiner Beerdigung nicht wahr? Woher willst du wissen dass dein Bruder nicht auch zu einem Hexer mutiert ist?“
    Das stimmt… seit mich der Hexer von zu Hause mitnahm, habe ich keinen einzigen Schritt in mein Heimatdorf gewagt, habe meine Familie nie wieder gesehen, aber ist das wirklich möglich?
    Wenn das wirklich wahr ist, dann muss er irgendwo da draussen sein?
    Irgendwo in diesen gefährlichen leeren Landen und ganz alleine…ich muss ihn finden!
    „Ah… wie ich sehe denkst du darüber nach. Nur schade wirst du ihn nicht mehr sehen.“, verwirrt blicke ich nun zum ersten Mal in seine stechend gelben Augen, „Zu viele von uns haben du und deines Gleichen getötet! Und deshalb bekommst du jetzt unsere Rache zu spüren!“
    Meine Augen weiten sich vorschreck, Adrenalin fliesst unkontrolliert durch meinen Körper.
    Genau das habe ich geahnt…
    Die Zwerge werden unruhig und blicken besorgt zu mir.
    Plötzlich werde ich grob von zwei stärkeren Orks gepackt, sie drücken mich unsanft auf den Boden und ich höre an dem Klirren wie ihr König etwas Grosses hervor holt.
    Mein Herz rast unglaublich schnell, Angstschweissperlen bilden sich auf meiner Stirn und ich sehe in die entsetzen Gesichter meiner Gefährten.
    Dann gerät alles ausser Kontrolle, einige der Zwerge versuchen mit aller Kraft zu mir durch zu dringen, doch sie werden gewaltsam von den Orks zurückgehalten.
    Vergebens versuchen sie sich aus den Fängen der Orks zu befreien.
    „Nein!“ schreit Kili. „Lasst sie in Ruhe!“ kommt es von Fili. „Wartet!“ brüllt auch Thorin.
    Der Ork-König hält inne und hat ein triumphierendes, fieses Grinsen im Gesicht: „Oh… wie ich sehe liegt euch etwas an ihr.“, der König mustert Thorin und die andern Zwerge genauer, „wie ich sehe, liegt euch sogar sehr viel an ihr.“
    Natürlich liegt ihnen etwas an mir, immerhin beschütze ich sie mit meinem Leben.
    Mein Gehirn läuft auf Hochtouren, es muss doch eine Möglichkeit geben aus dieser misslichen Lage zu entkommen, als plötzlich alles um uns herum von einer gewaltigen Druckwelle erschüttert wird.
    Überrascht und unendlich froh darüber, erblicke ich Gandalf neben mir, welcher aus dem Schatten heraus tritt.
    Wir handeln blitzschnell, holen uns unsere geliebten Waffen zurück und fliehen von diesem elenden Ort, doch dies ist leichter gesagt als getan.



    Fortsetzung folgt....

    6
    Das unerfreuliche Wiedersehen mit Azog dem Schänder So schnell wir können rasen wir ungeachtet einen steilen Hügel hinunter. Über Stock und Stein
    Das unerfreuliche Wiedersehen mit Azog dem Schänder


    So schnell wir können rasen wir ungeachtet einen steilen Hügel hinunter.
    Über Stock und Stein rennen wir, ohne zurück zu blicken.
    Hohe Tannen zieren das Landschaftsbild, doch nicht alle sehen gesund aus.
    Auf einer kleinen, hellen Lichtung machen wir schliesslich halt und verschnaufen eine Weile.
    Die Sonne senkt sich unter dem Horizont und das Licht des Tages verblasst langsam.
    Wolken sind bereits in einem gelb-orange getränkt und der Himmel verdunkelt sich immer mehr.

    Der Zauberer hat uns durchgezählt und wir sind vollzählig, auch wenn wir dies nicht von Anfang an waren, da wir unseren Meister Dieb verloren hatten.
    Ich atme tief ein und wieder aus.
    Die Luft in dieser abscheulichen Höhle war so stickig was mir das Atmen sichtlich erschwerte.
    Ausserdem war es extrem heiss und durch meine Angst war es kaum mehr auszuhalten.
    „Geht es euch gut?“ vernehme ich Thorins besorgte Stimme neben mir.
    Ich nicke schwach und antworte: „Ja danke.“
    Seine leuchtenden Augen beleidigen die schöne Abenddämmerung des Himmels.
    Es liegt immer noch Besorgnis in seinen wunderbaren Augen, sein entsetzter Blick in den Stollen, werde ich noch lange vor mir haben.
    Erneut ist die Spannung zwischen uns zu spüren, welche allerdings wieder verfliegt als Fili zu uns stösst.
    „Hier, das habt ihr vergessen.“ Spricht er und hält mir mein wertvolles Amulett hin.
    Fassungslos starre ich zuerst ihn und dann das Medaillon an.
    Ich dachte es wäre in diesem Chaos verschwunden und ich würde es nie mehr zu Gesicht bekommen.
    Glücklich nehme ich es dankend an mich und lege es kurzerhand wieder um meinen Hals.
    Ich betrachte es kurz, ehe ich Fili überrumple in dem ich ihm dankbar umarme.
    Der junge Zwerg ist so perplex und überfordert, dass er zuerst wie versteinert ist, doch schnell hat er sich wieder gefasst und ich spüre seinen Druck um meine Taille.
    Anschliessend lösen wir uns wieder voneinander, sehen uns aber noch intensiv in die Augen, als lautes Wolfsheulen aus der Ferne ertönt.
    Diese verdammten Warge.
    Einst waren diese mutierten Kreaturen auch in den Wäldern von Ard Cerbin verbreitet und streiften über die Grenzen hinaus und trieben ihr Unwesen.
    Jede Menge Spekulationen existieren über diese abscheulichen Tiere.
    Zu ihren Opfern zählen wahllos Menschen sowie andere Tiere.
    Gerüchte besagen, dass im Wald Experimente an Tieren vollzogen wurden, diese Bestien müssen ein fehlgeschlagenes Experiment sein.
    Andere Quellen wiederum meinen, dass gestohlene Hexertränke an diesen Kreaturen ausprobiert wurden, jedoch scheint die Wendigkeit und Schnelligkeit eine natürliche Eigenschaft des Wargs zu sein.

    Rasch laufen wir los, so schnell und weit wie wir können, bis wir zu einem steilen Abgrund kommen.
    Gandalf hat einen Blitzgedanken, dass wir schnellstens hoch auf die Bäume klettern sollen.
    Mühsam halte ich mich an den Ästen fest und versuche soweit hoch wie möglich zu gelangen.
    Nur leider klettere ich nicht sehr oft auf Bäume und komme deswegen nur schwer voran.
    Ausserdem habe ich ziemliche Höhenangst.
    Mit schwitzenden Händen halte ich mich oben, während immer mehr Warge an den Bäumen hoch springen.
    Dann aus der Dunkelheit hinaus kommend erblicke ich ihn.
    Der schrecklichste und abscheulichste Ork aller Zeiten… Azog.
    Auf seinem weissen Warg, grinst er uns finster an.
    Sein weisser Körper ist mit etlichen Narben übersäht.
    Thorin und ich starren ihn beide mit ungläubigen und hasserfüllten Augen an.
    Er fixiert mich mit seinen eisblauen Augen und spricht in der Ork-Sprache: „Hübsche Narbe!“
    Die Ork-Meute beginnt triumphierend und gehässig zu lachen.
    Wut und Hass auf diesen verdammten Ork brodeln in mir und warten nur darauf aus mir auszubrechen.
    Auch in Thorins Gesichtsausdruck sind diese Gefühle deutlich zu erkennen.
    „Diese beiden gehören mir! Tötet die anderen!“ befiehlt Azog und seine Gefolgsleute greifen uns an.

    Die kranken und schwachen Bäume halten den Angriffen der Mutationen nicht mehr stand und stürzen um.
    Die Wurzeln lösen sich einfach aus der Erde und ein Baum nach dem andern fällt auf den nächsten.
    Meine Gefährten springen von Baum zu Baum genauso wie ich, bis wir schliesslich alle auf demselben sind.
    Spöttisch beginnt der bleiche Ork wieder zu lachen.
    Erneut werden wir von etwa einem Dutzend Warge mit ihren leuchtend gelben Augen attackiert, bis unser allwissender Zauberer die glorreiche Idee hat, unsere Feinde mit brennenden Tannenzapfen zu beschiessen.
    Gegenseitig zünden wir immer mehr und mehr Tannenzapfen an und werfen sie gnadenlos auf den Feind.
    Der trockene Waldboden und die dörren Tannennadeln fangen sofort Feuer und ein brennendes Inferno entsteht.
    Rasend schnell breiten sich die lodernden Flammen aus und zerstören alles auf ihrem Weg.
    Unsere Angreifer ziehen sich immer weiter zurück, brennend und heulend verlassen die Warge den Wald, nicht jedoch der bleiche Ork und dessen Reittier.
    Frustriert fuchtelt er wild umher und befiehlt uns weiterhin anzugreifen.
    Jedoch denken seine Untergebenen nicht daran sich auch nur in die Nähe des Infernos zu begeben.
    Wütend und verärgert hallt das Gebrüll unseres Erzfeindes durch den Wald.

    Wir scheinen sie tatsächlich in die Flucht zu schlagen, als unser Baum in Richtung des Abgrunds kippt.
    Die Freude ist verflogen und es geht erneut um Leben und Tod.
    Schliesslich fasst Thorin sich einen folgend schweren Entscheid, er richtet sich auf und stürmt mit gezogenem Schwert auf Azog zu.
    Seine Gesichtszüge haben sich verfinstert, er blendet alles um sich herum aus und will dem bleichen Ork noch einmal die Stirn bieten und ihn ein für alle Mal vernichten.
    Er bahnt sich einen Weg durch das lodernde Flammeninferno.
    Thorin reagiert auf keine unserer warnenden Rufe, nicht mal auf meinen.
    Ich denke an Balins Worte, welche er mir damals in Bruchtal gesagt hat: Ihr bedeutet ihm sehr viel…
    Wenn ich ihm so viel bedeute, warum hört er nicht auf mich?
    Hilfesuchend treffen die dunkelbraunen Augen des Hobbits auf meine.
    Ich habe Azog schon von Anfang an gefürchtet und habe gehofft diesem abscheulichen Ork nie mehr in die Augen sehen zu müssen.
    Bilbo hat Recht, ich muss unsrem Anführer beistehen und ihm zur Hilfe eilen.
    Vorsichtig stehe ich auf, zieh mein Silberschwert und renne dem braunhaarigen Zwerg nach.
    Angst durchströmt meinen Körper, wie es schon bei meinem ersten Zusammentreffen mit dem bleichen Ork war.
    Meine Schritte werden immer grösser und schneller, das Adrenalin fliesst ungehindert durch meinen gesamten Körper und scheint mir mehr Kraft zu verleihen.
    Ich fasse mir Mut… Thorin und ich könnten es tatsächlich gemeinsam schaffen.
    Der weisse Warg spannt seine Pfoten an und macht sich für den Angriff bereit.
    Mit Wucht springt er vom Felsen herunter direkt auf Eichenschild zu, aber soweit lasse ich es nicht kommen.
    Ich wirke eine Druckwelle und schleudere so den Warg und den bleichen Ork zurück.
    Entgeistert starrt mich der Zwergenprinz an: „Was tut ihr hier? Verschwindet ehe ihr schwer verletzt werdet!“
    Schweissperlen haben sich auf seiner Stirn gebildet durch die grosse Hitze des Feuers.
    Ich erkenne ebenso etwas Furcht in seinen Augen wie in den meinen, aber auch eine unendliche Entschlossenheit es diesem Feind zu zeigen.
    Beharrlich greife ich nach seiner Hand und schaue ihm tief und fest in die Augen.
    Die Zeit um uns herum scheint stehen geblieben und alles ausser wir beide verfällt in Grautöne.
    Dank meinen Hexersinnen fühle ich in diesem Moment unsere Herzschläge… bum, ba-bum… dieser widerwärtige Ork hat uns beiden eine tiefe seelische Wunde hinzugefügt.
    Lange wurde ich von diesem Hass geleitete, dieser grosse Hass auf diesen einen Ork.
    Ich war ihm ausgeliefert, konnte meine Gefühle nicht mehr kontrollieren, ich fühlte mich so hilflos und gleichzeitig so tief verletzt.
    „Nein Thorin! Wir besiegen ihn zusammen!“ sage ich entschlossen und mit festem Blick.
    Fassungslos sieht er mich immer noch an, doch Azog und sein Warg stehen wieder aufrecht und greifen uns erneut an.
    Mit seiner riesigen Klaue trennt er uns und wirft mich ungeachtet, mit voller Wucht gegen einen kahlen Felsen.
    Wutentbrannt stehe ich kurzerhand auf und greife ihn von hinten an, da er gerade auf Thorin fixiert ist.
    Ich hole zu einem kräftigen Schlag aus als ich von einem braunen Wolf attackiert werde.
    Er drückt mich gewaltsam auf den Boden und fletscht über mir mit seinen scharfen Zähnen.
    Sein Sabber läuft ihm unkontrolliert über sein Maul und er versucht mich bei lebendigem Leibe zu fressen.
    Bestürzt sieht Thorin zu mir und versucht sich zu mir rüber zu kommen, aber Azog hält ihn davon ab.
    Er lässt ihm keine Chance auch nur einen Schritt in meine Richtung zu machen.
    Der braune Warg über mir tickt plötzlich vollkommen aus und beginnt mit seinen scharfen Klauen wild um sich zu schlagen.
    Er zerreißt meine braune Hose und zerfetzt mit seinen Klauen mein Bein.
    Laut schreie ich auf, ein höllisch brennender Schmerz durchströmt meinen Körper, abrupt lasse ich mein Schwert fallen, mit welchem ich den Warg von meinem Gesicht fernhielt.
    Mit aller Kraft wirke ich eine Feuerwelle und sofort verschwindet der brennende Wolf jaulend in den Wald.
    Ich presse meine Hand auf das zerfleischte Bein, doch es nützt nichts.
    Warmes Blut fliesst in grosser Menge über meine zitternde Hand, trotzdem versuche ich wieder aufzustehen um Thorin zu helfen, welcher immer noch heldenhaft gegen den bleichen Ork kämpft.
    Immer und immer wieder versuche ich mich aufzurichten, doch sinke ich immer wieder zu Boden, als sich mir plötzlich ein weiterer Ork nähert.
    „Riannon!“ schreit Thorin um mich zu warnen, aber da ich mich nicht mehr bewegen kann, bin ich ihm schutzlos ausgeliefert.

    Mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck sehe ich ihm entgegen, als plötzlich jemand auf ihn springt und ihn sogleich erledigt.
    Er ist viel grösser als einer der Zwerge, aber Gandalf ist es nicht.
    In hohem Tempo schlägt er sich zu Thorin durch und die beiden kämpfen Seite an Seite gegen den bleichen Ork und seine übrige Gefolgschaft.
    Die Meute versucht die beiden zu trennen was ihnen leider auch gelingt, so steht der Sohn von Thráin dem bleichen Ork wieder alleine gegenüber.
    Es sieht für beide nicht gut aus, der mysteriöse Krieger steht duzenden blutrünstigen Feinden gegenüber und der Zwergenprinz liegt verwundet und regungslos auf einem flachen Stein.
    Einer der Ork geht mit erhobener Axt auf ihn zu.
    Kurz bevor er ihm seinen Kopf abschlagen kann, rettet der kleine Hobbit das Leben des Zwerges, in dem er den Ork vor sich ersticht.
    Dann tauchen plötzlich auch die andern Zwerge auf und eilen uns zur Hilfe.
    Ich fühle wie meine Lebenskraft schwindet… zu viel Blut habe ich verloren, zu qualvoll ist dieser brennende Schmerz.
    Eine schwarze Hülle beginnt mich zu um schliessen… es wird dunkel und schwarz um mich herum…

    7
    Gefühlschaos Langsam schlage ich mit mühe meine schweren Augen auf. In warme Decken eingehüllt liege ich an einem lodernden Lagerfeuer. Mein Bein b
    Gefühlschaos


    Langsam schlage ich mit mühe meine schweren Augen auf.
    In warme Decken eingehüllt liege ich an einem lodernden Lagerfeuer.
    Mein Bein bereitet mir immer noch höllische Schmerzen.
    „Sieh ist wach!“ vernehme ich sogleich die raue Stimme von Kili, welcher sich gleich neben mich setzt und mir eine grüne Flüssigkeit geben will.
    Ich widersetze mich ihm, dies zu schlucken, da ich nicht weiss was er mir geben will und ich Medizin aufs übelste verabscheue.
    „Keine Sorge Ria, das ist nur Schwalbe.“ Erklingt eine mir nur allzu bekannte männliche Stimme.
    Ich blicke auf und da steht doch tatsächlich Aiden, in voller Lebensgrösse vor mir.
    Meine Augen beginnen zu funkeln und ein kleines Lächeln huscht über mein Gesicht.
    „Und? Nimmst du jetzt den Trank?“ fordert mich Kili grinsend weiter auf.
    Ich nicke einmal murrend und er gibt mir langsam die grüne Flüssigkeit zu mir.
    Die blauen Adern in meinem Gesicht kommen nun mehr zum Vorschein.
    Dies geschieht immer wenn man den Trunk Schwalbe zu sich nimmt, denn es verursacht eine leichte Vergiftung welche für den Körper aber meistens harmlos ist, solange man nicht zu viel davon zu sich nimmt.
    Nach dem Heilungstrank fühle ich mich schon viel besser, er verleiht mir neue Kraft und lindert die Schmerzen etwas, wenn auch nicht besonders stark.
    Um mein verwundetes Bein herum ist ein weisser Verband welcher bereits wieder etwas blutverschmiert ist.
    Ich richte mich unter Schmerzen ganz auf und bleibe vorerst neben Kili sitzen.
    Meine Augen durchsuchen die Gegend und ich merke sofort, dass unser Anführer fehlt: „Wo ist Thorin?“
    „Keine Sorge, ihm geht es gut. Er sitzt unten am Felsen.“ Beantwortet Balin mir die Frage und schaut mich lächelnd an.
    Ich nicke verstehend und bleibe jedoch sitzen.
    Liebend gerne würde ich zu ihm gehen, aber wahrscheinlich möchte er einfach einen Augenblick für sich alleine haben.
    Ich mustere Aiden, er hat dunkles kürzeres Haar und einen schönen ebenso dunklen Bart.
    Seine Augen sind wie die jedes Hexers goldbraun.
    Sein Tein ist in einem leichten, gesunden braun.
    Wie so zusagen jeder Hexer hat auch er einen durchtrainierten Körperbau.
    Ich bin froh ihn zu sehen, aber was macht er überhaupt hier: „Was tust du überhaupt hier Aiden?“
    Mit ernstem Gesicht schaut er mich an und antwortet: „Es ist besser zwei Hexer dabei zu haben als nur einer. Du weisst doch dass auf einzelne Hexer viele Gefahren lauern.“
    Meine Augen weiten sich vor Freude: „Du hilfst uns mit dem Drachen?“
    Mit einer Kopfbewegung bestätigt er meine Frage.
    Ich bin erleichtert, dass ich diese grosse Bürde nichts selber tragen muss.

    Am gemütlichen Lagerfeuer herrscht ausgelassene Stimmung, alle sind wohlauf und niemand ist ernstlich verletzt.
    Seit dem Auftauchen von Aiden bin ich viel lockerer geworden, denn mit Aiden fühle ich mich sicher und geborgen.
    Ausserdem haben wir zusammen die Hexer-Ausbildung abgeschlossen und wir haben uns immer gegenseitig bei schwierigen Aufträgen geholfen was uns sehr zusammen geschweisst hat, wir würden alles für einander tun.
    Aiden hat bereits vor einiger Zeit begonnen von einigen unseren besten Abenteuern zu erzählen.
    Lächelnd sitze ich am Lagerfeuer und werfe immer wieder kleine Äste in die Flammen.
    Ich erinnere mich zum Teil an die Abenteuer, als wäre es erst gestern gewesen.
    Das Leben eines Hexers ist vielseitiger als man denkt, es geht nicht nur um das Abschlachten von gefährlichen Monstern, wir lernen viele interessante Leute kennen, bekommen Einblicke in andere Kulturen und entdecken die schönsten Orten auf dieser Welt.
    Doch meine Gedanken schwelgen nicht nur in der Erinnerung, sondern weichen immer wieder zu unserem Anführer.
    Wo bleibt er so lange?
    Ist ihm vielleicht etwas passiert?
    „Was war dein schlimmster Auftrag?“ will Dwalin von Aiden wissen, die beiden scheinen sich ziemlich gut zu verstehen.
    Der Hexer überlegt nur kurz und antwortet dann nachdenklich: „Der schlimmste Auftrag war, als Riannon meine Gefangene spielen musste. Nur so kamen wir in eine grosse feindliche Festung. Wir brauchten Informationen von einem hoch angesehenen Mann. Ich erzählte ihm, dass Ria Informationen über den Aufenthaltsort eines mächtigen Zauberers hätte. Also wurde sie ins Nebenzimmer gebracht und sie quetschten die Antworten aus ihr raus. Ich hörte jeden ihrer schmerzverzerrten Schreie, ihr Flehen dass es aufhört und das Schluchzen… aber es gehörte alles zu unserem Plan. Ich musste mich unglaublich beherrschen nicht auszurasten, was mir zu meinem Glück gelang. Als es dann schliesslich im anderen Raum ganz ruhig wurde, gingen ich und der Anführer der Festung nachsehen. Wir fanden zwei tote Wachen auf und keine Spur von Riannon. Als wir uns dann im Raum umsahen, tauchte sie wie aus dem Nichts auf und erschlug den Anführer skrupellos. Ich war heilfroh sie mehr oder weniger wohlauf zu sehen, obwohl wir aus dem Anführer die gewünschten Informationen nicht mehr bekamen. Das war für mich die schlimmste Mission, weil ich mir anhören musste wie einer geliebten Person unendliche Schmerzen zugefügt worden sind. Von da an führten wir nie mehr einen Auftrag so aus.
    Es herrscht Stille unter der Gemeinschaft, einzig das Knistern der Flammen und das Rauschen des Windes sind zu hören
    Fili und Kili werfen mir entsetzte und mitleidige Blicke zu.
    Diese Stille und die mitleidigen Blicke sind mir sichtlich unangenehm, weshalb ich sogleich entscheide: „Ich werde mal nach unserem Anführer sehen.“

    Alleine gehe ich durch den dunklen Wald.
    Kühler Wind bläst mir ins Gesicht, ein Vorzeichen dass der Sommer bald zu Neige geht.
    Ich schlinge meine Arme um meinen Körper um mich warm zu halten.
    Schon immer war ich eine Frostbeule deshalb mag ich auch die kalten Temperaturen und die Jahreszeit selbst nicht.
    Nach weiteren Schritten erblicke ich endlich der Erbe von Durins Thron vor mir.
    Er schaut hinaus in die weite Ferne.
    Wolken verdecken das Licht des zunehmenden Mondes, tausende Sterne funkeln über unseren Köpfen.
    Leise nähere ich mich dem gutaussehendem Zwerg, „Thorin?“ flüstere ich kaum hörbar seinen Namen.
    Schlagartig dreht er sich sofort in meine Richtung.
    Sein dunkles Haar weht leicht nach hinten und seine azurblauen Augen starren mich ungläubig an.
    Wir beide sehen uns nur schweigend an, bis er mit grossen und schnellen Schritten auf mich zukommt.
    Etwas Undefinierbares liegt in seinen Augen.
    Ich weiss nicht was er vorhat und wieso er so hastig auf mich zukommt, deshalb weiche ich ein wenig zurück.
    Dann steht Eichenschild direkt vor mir.
    Ich bin unfähig in diesem Moment mich zu bewegen, als er seine starken Arme unerwartet um meinen Körper schliesst.
    Fest drückt er mich an sich, ich spüre seinen rasenden Herzschlag, höre seinen kaum hörbaren Atem, rieche seinen angenehmen Duft…
    „Ihr lebt! Ich hatte schon das schlimmste befürchtet.“ er löst sich wieder von mir und begutachtet mich von oben bis unten, überprüft ob noch alles an seinem Platz ist.
    Sanft lächle ich ihn an und antworte: „Natürlich geht es mir gut. War ja nur ein kleiner Kratzer.“
    Er schüttelt lächelnd sein Haupt, Thorin scheint mich immer besser zu kennen und zu verstehen
    Er weiss dass ich die Schlimmen Dinge verharmlose und einfach darüber hinweg blicke.
    Sein herzhaftes Lächeln verschwindet wieder und seine Gesichtszüge versteinern sich: „Azog konnte entkommen. Wir haben es nicht geschafft.“
    Mitfühlend sehe ich Thorin vertraut an und ergreife zaghaft seine warme Hand, worauf er sein Blick erhebt und mir fest in meine Augen blickt: „Wir werden es zusammen schaffen Thorin! Eines Tages wird es uns beiden gelingen, da bin ich ganz sicher.“
    Eines Tages bestimmt… doch wann wird dieser Tag kommen?
    Wieder schmunzelt der Zwerg.
    Er schaut auf unsere Hände herab welche immer noch fest ineinander verschlungen sind.
    Auch ich schaue einen Augenblick auf unsere Hände erhebe aber sogleich meinen Blick und schaue nun direkt in die Augen Thorins.
    Die Einfühlsamkeit spricht aus seinen Augen während wir einfach schweigend so da stehen.
    Ich weiss nicht was es ist, aber irgendetwas Grosses muss es zwischen uns sein, denn ich habe noch nie in meinem ganzen Leben jemals so gefühlt wie jetzt.
    Doch was ist es für ein Gefühl?
    Ich finde keine passenden Worte dafür, weil ich es nicht wirklich kenne.
    „Wir sollten wieder zu den andern gehen.“ Sage ich schnell und beende den kostbaren Moment.
    Thorin nickt mir zu und wir machen uns auf den Weg zurück.
    Den ganzen Weg zurück berühren sich unsere Finger leicht, es ist kein richtiges Händchen halten, aber es ist Körperkontakt, denn wir anscheinend beide zueinander suchen.
    Genau wie sein Geruch, sein Aussehen und seine Stimme, lässt die zarte Berührung meine Emotionen Achterbahn fahren.
    Ich entferne mich aber dann leicht von ihm, als ich die Stimmen der anderen vernehme.

    „Wir können aufbrechen.“ Spricht Thorin mit herrschender Stimme.
    „Nein können wir nicht.“ Widerspricht der Zauberer, „Fili ist noch nicht zurück.“
    Während der Zwergenprinz genervt mit den Augen rollt, da unsere Reise noch mehr verzögert wird, beschliesse ich mich auf den Weg zu machen um ihn schnellst möglich zu finden.
    Durch meine Hexersinne vernehme ich die kleinsten Geräusche und erkenne wo sich jemand oder etwas befindet weshalb ich den blonden Zwerg auch schnell ausfindig mache.
    „Fili! Kommt. Wir brechen auf.“ Sage ich doch er rührt sich nicht und macht auch keine Anstalten aufzustehen.
    Ich seufze leise und setze mich zu ihm ins trockene Gras welches leicht im Winde weht.
    Eigenartig dass er nicht bei den andern ist, oder dass er ohne seinen Bruder hier herkam.
    Fili reisst immer wieder einzelne Grashalme heraus und wirft sie wieder ins Gras.
    Mit ihm stimmt doch etwas nicht, er ist immer einer der aufgestellten, einer der viel Unsinn im Kopf hat und stets hat er ein Grinsen im Gesicht.
    „Was bedrückt euch?“ frage ich ihn schliesslich und beäuge ihn erwartungsvoll.
    „Nichts. Es ist nur… ihr solltet nicht zum Erebor mitkommen.“ Antwortet er mir ehrlich und direkt mit bedrückter Stimme.
    Ich runzle meine Stirn, was soll das bitte schön heissen: „Was meint ihr damit?“
    Plötzlich erhebt sich der Zwerg und läuft nervös auf und ab.
    Ich stehe ebenfalls auf, packe ihn an den Schultern und zwinge ihn mich anzusehen.
    „Ihr könnt den Drachen nicht besiegen! Er wird euch vernichten!“ offenbart er mit etwas zu lauter Stimme und sieht mich völlig verzweifelt an.
    Ich bin zu perplex, so aufgewühlt habe ich ihn ja noch nie gesehen.
    „Fili.“ Beruhige ich ihn, „Aiden und ich werden das schon schaffen.“
    Heftig schüttelt der Blonde seinen Kopf: „Werdet ihr nicht. Ich dachte vorhin schon dass ihr nicht überleben würdet … ihr wart so schwer verletzt und ich konnte nicht mit ansehen wie ihr leiden musstet.“
    Ich senke meinen Kopf, er scheint sich wirklich sehr um mich zu sorgen.
    Natürlich ist mir bewusst dass dieser Drache ein ganz schön grosser Brocken ist, aber ich habe geschworen den Zwergen zu helfen und ausserdem habe ich die Unterstützung von Aiden.
    Es herrscht Stille zwischen uns… aber es ist nicht dieselbe Situation wie es mit Thorin zuvor war.

    Der blonde Zwerg mustert mich intensiv und ist einen Schritt weiter auf mich zugekommen, so dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht spüren kann und uns nur Zentimeter voneinander trennen.
    Mein Herzschlag beschleunigt sich, was hat Fili vor, er will doch nicht…
    Ich kann meinen Gedanken nicht richtig zu Ende denken, als er plötzlich seine weichen Lippen sanft auf meine legt.
    Mein Verstand setzt aus und ich weiss nicht wie mir geschieht.
    Ich fand Fili immer einer der hübscheren Zwerge und habe mich auch ziemlich gut mit ihm verstanden, doch nie im Leben hätte ich mir ausgemalt ihn jemals zu küssen.
    Ich weiss nicht ob ich dies jetzt aus Mitleid tue oder weil mir Fili auch etwas bedeutet, jedenfalls entschliesse ich mich dazu den Kuss zu erwidern und ihn nicht abzubrechen.
    Meine Einwilligung lässt den Kuss noch feuriger werden.
    Doch gleichzeitig halten wir beide inne und beenden so den leidenschaftlichen Kuss.
    Auch wenn es nur ein einziger Kuss war, so hat er für uns beide eine besondere Bedeutung, dessen bin ich mir sicher.
    „Ich hatte solche Angst um dich!“ gesteht Fili und schliesst mich in eine feste Umarmung.
    Überrumpelt erwidere ich seine Umarmung ohne ein einziges Wort.
    Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit… wie lange ist es her seit mich jemand so fest und liebevoll umarmt hat?
    Abgesehen von Thorin natürlich.
    Filis Umarmung hebt meine Stimmung, sie gibt mir das Gefühl zu jemandem zu gehören, akzeptiert und geliebt zu werden.
    Ich fühle wie eine grosse Last von meinem Herzen fällt, ich gebe mich der Umarmung völlig und ganz hin.
    Nach einer Weile lösen wir uns dann voneinander und gehen zurück zu den andern welche schon sehnlichst auf uns warten aber nicht mal einen kleinen Verdacht schöpfen
    Ich weiss nicht, was dies zwischen mir und Fili ist, ich weiss auch nicht was dies zwischen mir und Thorin ist… ich weiss nur, dass es sich nicht gleich anfühlt.
    Ich seufze… die Mutationen haben doch ihre Nebenwirkungen… ich kann die Gefühle nicht richtig einordnen, vielleicht liegt es aber auch daran, weil ich vorher noch nie so empfunden habe.


    Fortsetzung folgt...

    8
    Alles auf dieser Welt hat seinen Preis Ungeduldig warten wir auf den Hobbit, welcher gerade Ausschau hält wo sich die Ork-Meute befindet und wie nahe
    Alles auf dieser Welt hat seinen Preis


    Ungeduldig warten wir auf den Hobbit, welcher gerade Ausschau hält wo sich die Ork-Meute befindet und wie nahe sie uns bereits sind.
    Fili und ich haben kein einziges Wort über den vergangenen Kuss verloren, doch immer wieder spüre ich seine durchdringenden Blicke auf mir.
    Zudem sucht er immer wieder meine Nähe, oder er verwickelt mich in kleinere Gespräche.
    Unruhig gehe ich auf und ab, aber meine Nervosität bleibt bestehen.
    „Setzt euch hin oder bleibt stehen, euer Hin und Her macht mich noch wahnsinnig!“ Thorin ist verärgert und ich will ihn nicht unnötig reizen, weshalb ich mich gegen einen Felsen lehne.
    Endlich tauch Bilbo nach geschlagener Zeit wieder auf und erstattet uns Bericht, ausserdem soll da oben in den Bergen noch ein Monster, in der Gestalt eines Bären, lauern.
    Gandalf erzählt uns, dass es hier in der Gegend ein Haus gibt wo wir Zuflucht suchen können.
    Unser Anführer ist natürlich wieder äusserst misstrauisch seit dem wir letztens schliesslich in Bruchtal gelandet sind: „Wessen Haus? Freund oder Feind?“
    „Weder noch.“ Antwortet der Zauberer, „Er wird uns helfen oder uns umbringen.“
    Ich schnaube… toller Plan Gandalf.
    Plötzlich ertönt ein lautes, aggressives Brüllen von den Felsen was uns hochschrecken lässt.
    Wir haben keine andere Wahl, machen wir kehrt, werden wir mit Sicherheit von Orks geschnappt und bleiben wir hier, greift uns dieser überdimensionale Bär an.
    Rasch verschwinden wir vom Gebirge und rennen über die Täler des Anduin, zwischen dem Nebelgebirge und dem Düsterwald.
    In der Ferne ist ein grösseres Bauernhaus zu erkennen.
    Das muss unsere Zuflucht sein!
    Hinter uns erklingt erneut das schreckliche Brüllen des Bären.
    Wir laufen was das Zeug hält und kommen dem Haus immer näher und näher.

    Schnell öffnen wir die Tür, eilen alle hinein und verriegeln sie.
    Erleichtert atmen wir alle aus und sehen uns um, doch sind wir hier wirklich auch sicher?
    Immerhin war das ein sehr grosser, aggressiver Bär, anders gesagt ein Monster.
    Der Zauberer er erklärt uns, dass er ein Hautwechsler ist und das der Zauber zu seiner Persönlichkeit gehört.
    „Und du glaubst wir sind hier sicher?“ frage ich den Zauberer misstrauisch und beäuge ihn kritisch.
    „Er kann vielleicht Zwerge nicht besonders gut leiden, aber wir sind bestimmt sicher.“ Antwortet er mir ausweichend auf meine Frage.
    Unwohlsein macht sich unter den Zwergen bereit.
    Ich schüttle genervt meinen Kopf und frage nun direkt und etwas lauter: „Was ist mit Hexern Gandalf?“
    Er schweigt… wie ich es mir gedacht habe.
    Er ist ein Monster, und wir Hexer töten Monster.
    Natürlich hat da jeder Hexer seine eigene Philosophie.
    Aiden zum Beispiel ist es egal was für eine Kreatur er vor sich hat, ist es ein Monster schlachtet er es auf der Stelle.
    Ich hingegen töte nicht alle Monster, denn nicht alles was gross und scheusslich ist, ist auch gefährlich.

    Am nächsten Morgen werden wir von lautem Krach geweckt.
    Der Pelzwechsler hackt draussen im Hof frisches Feuerholz.
    Beorn, wie unser Gastgeber heisst, ist ein grosser, starker, schwarzhaariger Mensch mit gewaltigen Armen und langem Bart.
    Der Zauberer hat uns immer wieder gesagt, dass wir ohne seine Hilfe nicht zum Düsterwald kommen.
    „Dies erfordert ein gewisses Geschickt. Wir müssen sehr behutsam vorgehen. Die letzte Person die ihn aufgeschreckt hat, wurde in Stücke gerissen. Ich werde mit Bilbo vorgehen. Ihr übrigen wartet hier und kommt nicht eher raus, bis ich das Zeichen gebe. Keine wilden Bewegungen oder laute Geräusche und bedrängt ihn nicht. Und kommt immer nur paarweise und die Hexer kommen als letzte heraus.“ Befiehlt Gandalf mit ernstem Gesichtsausdruck, welcher ich noch nie zuvor bei ihm gesehen habe, und verschwindet mit dem Halbling ins Ungewisse.
    Ungeduldig und aufgeregt warten wir auf das Zeichen des Zauberers.
    Dabei wissen wir noch nicht einmal was für ein Zeichen das sein soll.
    Auch Aiden ist sichtlich nervös, denn er läuft pausenlos auf und ab.
    Sein Hin und Her macht mich ebenfalls nervös: „Aiden komm schon, wir machen das schon.“
    Der Hexer mustert mich verärgert und lehnt sich anschliessend gegen die braune Holzwand: „Trotzdem gefällt mir die Idee überhaupt nicht.“
    „Keinem hier gefällt dieser Plan, doch es ist unsere einzige Chance!“ mischt sich nun auch unser Anführer ein.
    Aiden und ich nicken untergeben und verstummen.
    Schliesslich dann gehen die ersten Zwerge bereits paarweise und ziemlich verunsichert aus dem Haus, sogar Dwalin welcher eigentlich ziemlich unerschrocken ist, hat ein flaues Gefühl.
    Bevor Kili und Fili zusammen das Haus verlassen, schenke ich dem blonden Zwerg noch ein besorgender Blick.
    Mit einem kleinen, nervösen Lächeln will er mir wohl beteuern, dass ich mir keine Sorgen machen soll.
    Doch das ist leichter gesagt als getan.
    Ich will dass keinem der Zwerge auch nur ein Haar gekrümmt wird, aber ich weiss auch, dass ich nicht alle beschützen kann.
    Thorin geht als letzter Zwerg vor Aiden und mir hinaus.
    Wie immer lässt sich der Zwergenprinz nicht in seine Karten schauen und stolziert mit erhobenem Haupt hinaus.
    Als Aiden und ich schliesslich zum Vorschein kommen, starrt Beorn uns hasserfüllt und voller Verabscheuung an.
    „Hexer!“ brüllt er laut und will mit seiner Axt auf uns los stürmen, doch unsere lieben Zwerge verteidigen uns in dem sie sich alle schützend vor uns stellen.
    Ungläubig schauen ich und Aiden unsere Gefährten an, dass sie sich verteidigend vor uns stellen würden, hätten wir uns nie im Leben zu glauben gewagt.
    „Die Hexer gehören zu uns. Sie sind nicht so blutrünstig wie man es von den meisten ihrer Art erwartet.“ Versucht der Graue Zauberer das Missverständnis zu beseitigen und uns in Schutz zu nehmen.

    Schlussendlich hat uns Beorn seine Gastfreundschaft erwiesen.
    Er gibt uns etwas zu essen und zu trinken für die Stärkung.
    Da der Gestaltenwandler uns vorhin am liebsten umgebracht hätte, bin ich nicht gerade gut auf ihn zu sprechen.
    Er verhält sich auch mir und Aiden gegenüber ziemlich abschätzend, wie wir es ja von allen Völkern gewohnt sind.
    Einerseits kann ich es ja verstehen, er ist ein Monster und Hexer töten Monster, doch man sollte nicht alle in denselben Topf werfen.
    „Sagt Riannon, wart ihr schon immer so zynisch?“ will er plötzlich von mir wissen.
    Überrumpelt von seiner Frage hätte ich mich fast an meinem Stück Brot verschluckt.
    Da er mit mir in herabfallendem Ton spricht antworte ich ihm ebenfalls bissig: „Nein. Ich war bezaubernd bevor mich ein Hexer nach Ard Cerbin gebracht hat.“
    Beorn scheint überrascht über meine Antwort und fragt weiter nach: „Ihr denkt also es ist schlimm ein Hexer zu sein?“
    Ich muss mich zusammenreissen um nicht die Kontrolle über mich zu verlieren.
    Seine Fragerei über dieses Thema macht mich wütend, dazu kommt noch das mich alle ausser Aiden verwundert anglotzen.
    Jeder denkt das Leben eines Hexers muss unglaublich toll sein… zum einen ist es das auch, aber diese ständigen Beleidigungen, dieser Hass auf uns, sind die weniger schönen Seiten.
    Doch das Schlimmste ist die Trennung von unseren geliebten Familien.
    Der braunhaariger Hexer und ich reden beide nicht gerne über dieses Thema, weshalb er kein einziges Wort mehr spricht sondern ebenfalls tief in Gedanken versunken ist.
    „Ich hätte noch jemand schlimmeres werden können… Leider hatte ich keine Wahl.“ Sage ich nachdenklich und nehme einen Schluck frisches Quellwasser.
    „Es war euer Schicksal.“ Quält mich der Gestaltenwandler weiter, wobei ihm das vielleicht gar nicht bewusst ist.
    Mir reicht es jetzt!
    Mit einem Ruck stehe ich von meinem Stuhl auf, welcher ungeachtet zu Boden fällt.
    Meine Gefährten sehen mich mit grossen Augen an, unfähig etwas zu sagen und überrascht von meiner Reaktion.
    „Schicksal? Ich erzähl euch mal was von Schicksal. Mein Vater war ein Säufer. Hat sich einen hinter die Binde gekippt und dann mich, meinen Bruder und meine Mutter blutig geprügelt. Jede Nacht haben wir um seinen Tod gebetet. Eines Tages wurden unsere Gebete fast erhört. Vater hat sich auf dem Heimweg von der Taverne verlaufen und ist direkt in ein Monsternest gelaufen… doch ein Hexer hat ihm geholfen. Wisst ihr was er im Gegenzug dafür wollte?“
    Ich schliesse meine Augen um mich zu sammeln.
    Mitfühlende Augen blicken mich erwartend an, bis ich mit lauter Stimme die Antwort ausspreche: „Bring mir das erste was du zu Hause siehst… Mein Leben für das Leben dieses Arsches? Ich sage fick dich Schicksal!“
    Wütend vor Wut, auf das was damals geschah, koche ich.
    Es ist mucks Mäuschen Still geworden.
    Die Zwerge wagen es nicht mehr mir in die Augen zu schauen, bis auf Thorin.
    Mitfühlend, traurig und doch auch nachvollziehbar, blicken seine azurblauen Augen in meine.
    Irgendetwas zieht uns zu einander hin, aber ich kann nicht sagen was es ist, da ich ihn noch nicht wirklich lange und gut kenne.
    Das Beste für mich ist jetzt etwas frische und kühle Nachtluft und ein bisschen Abstand von allen.
    „Tut mir leid.“, entschuldige ich mich für meinen unkontrollierbaren Gefühlsausbruch und verschwinde nach draussen.

    Ich gehe einige Schritte und entferne mich immer weiter von dem Haus, doch noch so, dass ich es in der Weite sehen kann.
    Die kühle Luft, beruhigt mich.
    Vor mir grasen die Pferde von unserem Gastgeber, friedlich und seelenruhig, keine Angst vor den Gefahren welche um uns herum lauern.
    Ich hasse das, was ich bin… schon immer und ich werde mein Leben als Hexerin auch immer verfluchen.
    Wahrscheinlich habe ich deshalb diesen Auftrag angenommen.
    Jeder weiss dass dieser Drache unbezwingbar ist, auch für einen Hexer.
    Smaug ist ein mächtiger und zugleich einer der großen geflügelten Feuerdrachen des Nordens, und wie jeder seiner Art des Zauberns mächtig.
    Unsere Schutzschilde können wir gegen ihn nicht anwenden, da sie bereits nach wenigen Sekunden zerspringen werden durch die grosse Hitze des Drachenfeuers.
    Seine Haut ist so unglaublich dick und undurchdringbar, selbst mit unseren Silberschwertern wird es nicht einfach.
    Früher war es eine grosse Schwäche von mir, jedes Mal einen waghalsigen Auftrag anzunehmen, immer mit der Hoffnung im Kampf getötet zu werden.
    Natürlich könnte ich mir auch alles einfacher machen und mich an einem Strick auf hängen, aber dafür bin ich wiederum zu feige.
    Aiden, welcher ein ähnliches Schicksal hat und das Leben als Hexer genauso sehr verabscheut wie ich es tue, hat mir stets immer wieder seine Hand gereicht und mich aus meinem tiefen und dunkeln Loch gezogen.
    Nur wegen ihm lebe ich noch und jetzt auch noch wegen meinem Bruder der hier draussen irgendwo sein muss… und natürlich noch wegen unseren liebenswerten Zwergen.
    „Riannon?“ erklingt die vertraute Stimme von Fili hinter mir.
    Ich senke meinen Kopf und warte darauf bis er neben mich tritt.
    Er schweigt, scheint unbeholfen, weiss nicht was er sagen, tun, oder machen soll.
    Ich erlöse ihn von seiner hilflosen Lage in dem ich beteuere: „Ist schon gut Fili. Ich habe mich damit abgefunden.“
    Ich will an ihm vorbei gehen um wieder zu den andern zurück zu gehen als er mich plötzlich an meinem Arm packt und mit ernstem Gesichtsausdruck gesteht: „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass du zu einer Hexerin mutiert bist.“
    Was!
    Erneut brodeln unkontrolliert die unberechenbaren Gefühle in mir.
    Wie kann er es wagen dies auch nur auszusprechen: „Was soll das heissen!“
    Obwohl ich ihn sehr lautem und reizbarem Ton anschreie, weicht der blonde Zwerg keinen Schritt zurück, sondern bleibt standhaft und offenbart „Weil du als Mensch schon längst gestorben wärst. Du hast gesagt Hexer altern viel langsamer und wärst du ein Mensch geblieben, wären wir uns nie begegnet, müssten wir diese Reise alleine bestehen, hätte ich nie solch wunderbare Gefühle in mir entdeckt und wenn du nicht wärst, wäre ich wahrscheinlich bereits tot und auch noch andere von der Gemeinschaft…“
    Seine Worte berühren mich zu tiefst, tränen sammeln sich in meinen Augen, doch nur eine einzige kleine Träne entweicht mir und kullert meine kühle Wange hinunter über die entstellte Narbe hinweg.
    Fili spricht wahre Worte… womöglich ist es wirklich mein Schicksal und es musste so kommen, denn sonst hätte ich all das hier verpasst, ich hätte nie diese wunderbaren, tapferen und liebenswerten Zwerge kennengelernt, ich hätte nie die Ehre gehabt den grauen Zauberer zutreffen und ich hätte nie den mutigen Hobbit Bilbo kennengelernt.
    Ich lächle leicht und umarme den Zwerg vor mir, welcher meine Umarmung liebevoll erwidert.
    Behutsam streicht er mir sanft durch mein Haar.
    „Ich danke dir Fili. Von ganzem Herzen.“ Hauche ich mit warmer Stimme in sein Ohr.

    Der Gestaltenwandler Beorn, stellt uns freundlicherweise seine Pferde zur Verfügung, damit wir möglichst sicher und schnell zu dem Wald kommen.
    In dieser Gegend die wir durch queren müssen wimmelt es von blutrünstigen Orks und ohne Beorns Hilfe würden wir den Wald niemals lebend erreichen.
    Wir müssen schleunigst los reiten, so lange es noch hell ist, denn die, die uns jagen sind nicht mehr weit.
    Im Eiltempo reiten wir durch die grüne, hüglige Landschaft bis wir vor dem Waldeingang, dem Elbentor zum Stehen kommen.
    Wir haben den Pfad durch den Düsterwald gefunden und lassen die Ponys jetzt frei, damit sie zu ihrem Herrn zurück galoppieren können.

    „Mein Pferd nicht!“, befiehlt der Zauberer als wir gerade sein Pferd losmachen wollten „Ich brauche es!“
    Verwirrt starren wir ihn an, begleitet er uns etwa nicht?
    „Willst du uns etwa verlassen?“ will Bilbo verunsichert wissen und starrt den Zauberer fragend an.
    „Ich würde es nicht tun, wenn ich nicht müsste.“ Ist die geheimnisvolle Antwort von Gandalf.
    Na klasse. Das hat uns gerade noch gefehlt.
    Alleine und ohne Vorahnung auf das was uns erwartet, müssen wir durch diesen kranken und verzauberten Wald… das ist doch reiner Irrsinn.
    Ein dunkler Zauber beherrscht diesen tiefen und dunklen Wald, was mir schon vor Gandalfs Weisheiten bekannt war.
    „Ich erwarte euch am Aussichtsposten vor den Hängen des Erebors! Verwahrt die Karte und den Schlüssel gut und geht nicht ohne mich in den Berg hinein.“ Befiehlt Gandalf und macht sein Pferd bereit zum losreiten.
    „Dieser Wald ist nicht der Grünwald von Eryn. Es fliesst ein Bach durch den Wald der einen dunklen Zauber trägt. Rührt das Wasser nicht an! Überquert ihn nur über die Steinbrücke. Selbst die Luft im Wald ist voller Sinnestäuschungen, er wird versuchen euren Geist in die Irre zu führen. Ihr Hexer verwendet deshalb auf keinen Fall eure Hexersinne. Ihr müsst auf dem Weg bleiben! Kommt nicht von ihm ab, denn wenn ihr es tut werdet ihr ihn nie wieder finden.“ Verrät uns der Zauberer noch und reitet dann im schnellen Galopp davon.


    Fortsetzung folgt....

    9
    Illusionen im Düsterwald Thorin unser Anführer will bereits den ersten Schritt in den Düsterwald wagen, als ich ihn am Arm warnend zurück halte:
    Illusionen im Düsterwald


    Thorin unser Anführer will bereits den ersten Schritt in den Düsterwald wagen, als ich ihn am Arm warnend zurück halte: „Wartet! Aiden oder ich sollten voran gehen.“
    Immerhin könnte es schliesslich sein, da wir Hexer weniger empfindlich auf die verwunschene Luft im Düsterwald reagieren oder falls urplötzlich ein Monster vor uns auftaucht.
    „Gut dann gehe ich als Letzter.“ Stimmt Aiden meinem Vorschlag zu.
    Nachdem auch Thorin einverstanden ist, gehe ich voran.
    Kahle Bäume deren Äste bereits verrotten oder verdorren sind, birgt dieser dunkle Wald.
    Bilbo hatte Recht, der Wald sieht ziemlich krank aus… er scheint uralt und voller Zorn zu sein, was für Monster uns hier wohl erwarten?
    Verwelktes, trockenes Laub knirscht unter unseren Füssen, tiefe Schluchten gehen wir entlang, steile und gefährliche Wege durchlaufen wir.
    Hochkonzentriert folge ich dem schmalen Weg und achte darauf ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
    Ich habe echt keine Lust für immer in diesem elenden Wald fest zu stecken.
    Bis jetzt spüre ich noch keine Sinnestäuschungen, auch die Zwerge haben noch keine Anzeichen.

    Immer tiefer und tiefer begeben wir uns in den Düsterwald hinein.
    „Luft! Ich krieg keine Luft! In meinen Kopf schwimmt alles!“ ist das erste verzauberte Anzeichen eines Zwerges.
    Endlich können wir die Steinbrücke, von der Gandalf gesprochen hat, sehen.
    Bofur rennt ungeachtet an mir vorbei, auf die Brücke zu und bleibt abrupt stehen.
    Unser einziger Weg über den verzauberten Bach, ist zerstört und verfallen.
    Entmutigend atme ich aus und schaue auf das verzauberte Wasser, welches eine ungewöhnliche Farbe hat.
    Verwelkte Blütenblätter sammeln sich auf dem stillen Wasser und häufen sich immer mehr.
    „Wir könnten versuchen rüber zu schwimmen!“ schlägt Bofur ohne nachzudenken vor.
    Ich rolle mit meinen Augen, genauso wie unser Anführer: „Habt ihr nicht gehört was Gandalf gesagt hat? Ein dunkler Zauber liegt auf diesem Wald, das Wasser dieses Bachs ist verwunschen.“
    Thorin erstaunt mich tatsächlich immer wieder, er scheint noch bei völlig klarem Verstand zu sein, oder er hält zumindest diesen Eindruck aufrecht.
    „Ich hab gar keinen Wunsch.“ Quasselt Bofur benebelt weiter und starrt verträumt auf das Wasser des Baches.
    Wir müssen einen anderen Weg hinüber finden und trotzdem dürfen wir nicht vom Weg abkommen.
    Angestrengt denke ich nach was wir machen könnten.
    „Wir hätten nie in diesen verdammten Wald gehen sollen! Das war von Anfang an kein guter Plan.“ Flucht Aiden herum und gibt einem kahlen Baum einen kräftigen Tritt.
    Ich versuche nicht auf das Fluchen meines Partners zu hören, sondern versuche eine Strategie zu finden, wie wir den Bach sicher überqueren können.
    „Aaah! Hilfe!“ erklingt plötzlich die flehende Stimme eines Kindes mitten aus dem Wald.
    Alle schnellen sofort mit ihren Köpfen hoch und sehen sich verwirrt und wachsam um.
    „Der Wald ist doch unbewohnt. Nur wir sind hier. Das muss eine Täuschung sein.“ Schlussfolgere ich nervös.
    Der braunhaarige Hexer tritt gereizt neben mich: „Und warum hören wir es dann alle?“
    Das stimmt wiederum, die Sinnestäuschungen die wir bisher hatten, haben sich immer nur auf einzelne Personen ausgewirkt.
    Zudem kommt noch dass wir noch nicht lange hier in diesem verzauberten Wald herumirren, weshalb wir noch bei möglichst klaren Sinnen sind.
    „Wir tun, was du willst…“ sage ich verärgert und warte auf Aidens Reaktion, auch wenn das hundertprozentig eine Täuschung scheint.
    „Lass uns nachsehen. Sicherheitshalber.“ Antwortet er mir schlussendlich mit fester Stimme.
    Ich seufze genervt auf: „Visalyar hat recht, weisst du… Du stocherst wirklich in fast jedem Wespennest rum. Na schön. Gehen wir. Ihr wartet hier, wir sind gleich zurück.“
    Ohne auf Thorins Erlaubnis zu warten rennen wir zielstrebig los.
    Ich weiss, dass wir hierfür eigentlich überhaupt keine Zeit haben, doch ich bin Aiden dankbar, dass er mich unterstützt, weshalb ich ihm auch entgegen kommen muss.

    Dann kommen wir tatsächlich vor einem kleinen aufgeschreckten Jungen zum Stehen, welcher sich in der Nähe von einem kleinen Sumpf aufhält.
    Unter unseren Füssen ist stark vernässter und schlammiger Boden.
    Noch immer schreit er wild herum, obwohl wir ihm doch helfen wollen.
    Aiden versucht ihn zu beruhigen, aber plötzlich löst sich der Kleine in Luft auf: „Gut, du hast recht gehabt.“
    Verärgert und ertappt verschränkt der junge Hexer seine Arme vor seiner muskulösen Brust.
    „So, so. Was sagt man dazu.“ Sage ich besserwisserisch und bin froh, dass mich meine Sinne nicht getäuscht haben, doch jetzt müssen wir uns um die beiden, kleineren Monster kümmern, welche die Täuschung verursacht haben.
    Diese Monster hier gehören zu den magischen Kreaturen, welche wegen diesem dunklen Zauber, der über diesen Wald herrscht, entstanden sind.
    Ich habe diese Kreaturen auch schon in andern Wäldern oder in Gebirgen gesehen.
    Sie locken ihre Opfer in magische Fallen und ernähren sich von den Kadavern.
    Die beiden Kreaturen mit den leuchtenden Augen und Mündern greifen uns mit ihren langgliedrigen Klauen an.
    Immer wieder lösen sie sich blitzschnell in Luft auf und greifen uns anschliessend aus dem Hinterhalt an.
    Doch Aiden und ich sind zusammen ein gut eingespieltes Team, so bezwingen wir die beiden Monster auch nach kurzer Zeit bereits.

    „Eine Illusion… wer hätte das Gedacht.“ Ziehe ich belustigt meinen Partner auf und verstaue triumphierend mein Schwert.
    Das war doch für jeden glasklar, dass dies nur eine Täuschung sein konnte… aber unser Aiden musste ja unbedingt nachschauen gehen, denn wer weiss vielleicht ist hier doch tatsächlich mitten in dem dunklen und gefährlichen Düsterwald ein kleines hilfloses Kind verloren gegangen.
    „Das wirst du mir noch öfter vorhalten oder?“ fragt der Hexer niedergeschlagen und genervt.
    Aber ich lasse mir den Spass ihn etwas zu necken doch nicht so einfach entgehen: „Klar, soll doch jeder wissen, dass unser lieber Aiden wie ein kleines Kind veräppelt wurde. Wir könnten Fanloén bitten eine Ballade darüber zu schreiben. Was meinst du dazu?“
    Fanloén ist ein Barde, welcher schon ziemlich lange mit mir und Aiden befreundet ist, welchen wir aber beide schon eine gefüllte Ewigkeit nicht mehr gesehen haben.
    Ich kichere lebhaft in mich hinein und zwinkere meinem Partner zu, während er die ganze Zeit über rum murrt.
    Den jungen Hexer so zu sehen ist einfach zu komisch und einer der sehr seltenen Momente, welcher man möglichst lange festhalten muss.
    „Wenn ein Menschenleben in Gefahr ist, ist Vorsicht besser als Nachsicht.“ Belehrt mich der braunhaarige, damit er selbst nicht so dumm dasteht.
    „Klar. Der edle Aiden kümmert sich immer um die Notleidenden. Er ist mehr Heiliger als Hexer…“, wieder lache ich auf „Ich glaube der Zauber des Waldes hat bereits dein Wesen verändert. So bist du doch normalerweise überhaupt nicht.“
    Der Aiden den ich kenne, ist überhaupt nicht hilfsbereit gegenüber Fremden und eher auf seinen eigenen Vorteil bedacht, er ist unhöflich, hat eine scharfe Zunge und ausserdem kann er sehr skrupellos sein, aber natürlich hat er auch seine guten Seiten.
    „Verschwinden wir von hier.“ meint Aiden schliesslich.
    „Das musst du mir nicht zweimal sagen. Ich wollte sowieso nicht herkommen.“ Provoziere ich ihn weiter in zynischem Tonfall und setze ein verschmitztes Lächeln auf.
    Jetzt scheint er endgültig seine Geduld zu verlieren und wird etwas lauter: „Riannon… es reicht!“

    Ohne Probleme erreichen wir die Zwerge wieder, die meisten blicken uns erfreut an, doch so nicht Thorin.
    Etwas Seltsames liegt in seinen Augen, ist es wegen des Zaubers?
    Ich kann es nicht deuten, aber es muss etwas dunkles sein.
    „War nur eine Täuschung.“ Enthüllt Aiden unserem Anführer, jedoch schenkt Eichenschild ihm keine Aufmerksamkeit sondern hat mich immer noch fest im Blick.
    Er verfolgt jeder meiner Schritte, jeder meiner Bewegungen, einfach alles was ich tue, genauso wie ein Adler seine Beute fixiert hat, kurz bevor er sie angreift.
    Ehe ich mich versehe, packt er mich plötzlich und drückt mich grob gegen einen alten Baum und hält mir seine scharfe Klinge an den Hals.
    Sein Schwert schimmert durch das schwach herabfallende Sonnenlicht unter meinem Kinn.
    Ich spüre die messerscharfe Klinge an meinem Hals und könnte schwören dass dies einen Abdruck hinterlässt, wenn es nicht sogar anfängt zu bluten.
    Seinen Körper hält Thorin dicht an meinen gepresst, so dass ich ihm nicht entweichen kann, starr blicken mich seine Augen an, mit einer völligen Leere.
    Mein Atem ist beschleunigt und mein Blick fassungslos, was ist nur in ihn gefahren?
    Ergebend halte ich langsam meine Arme und Hände in die Höhe, meinen Puls versuche ich zu verlangsamen, dennoch lasse ich Eichenschild nicht aus den Augen.
    „Es war meine Entscheidung, nicht ihre!“ beteuert Aiden meine Unschuld, welcher neben uns getreten ist und erstaunlich ruhig wirkt.
    Vielleicht ist es das Ziel des Waldes uns gegen einander auszuspielen!
    Wenn es hart auf hart kommt, wird Aiden nämlich nicht zögern und mich mit allen Mitteln verteidigen, dabei ist es völlig egal welchen Gegner er vor sich hat ob Feind oder Freund.
    Mit schrägem Blick und bebender Stimme spricht Thorin: „Trotzdem bin ich unser Anführer! Niemand entfernt sich ohne meine Erlaubnis von der Gemeinschaft!“
    Schlagartig lässt Eichenschild mit einem Ruck von mir ab.
    Der Schrecken ist mir immer noch ins Gesicht geschrieben, auch einige der Zwerge gucken ihren Anführer verstört an.
    Auch wenn ich entsetzt bin über Thorins Verhalten, so bin ich ihm keines Wegs böse, oder habe Angst vor ihm.
    Denn ich glaube nicht, dass er mir etwas antun wollte, wahrscheinlich liegt es an dieser stickigen Luft, oder er wollte mich einfach bloss warnen.

    Und wieder stehen wir ratlos vor der kaputten Brücke bis Kili schliesslich lange und dicke Äste findet: „Diese Äste sehen stark genug aus.“
    Bevor Kili hinüber klettern will, beschliesst Thorin den Leichtesten voraus zu schicken.
    Natürlich ist Bilbo zuerst von dieser Idee überhaupt nicht angetan, doch für die Gemeinschaft tut er es dann schliesslich, wofür ihm alle sehr dankbar sind.
    Vorsichtig und langsam balanciert der kleine Hobbit über die starkaussehenden Äste.
    Sie wackeln hin und her und scheinen nicht besonders stabil.
    „Bleibt wo ihr seid!“ schreit Bilbo als er den Bach sicher überquert hat und befiehlt uns den verwunschenen Bach nicht zu überqueren.
    Kaum hat der Hobbit diese Worte ausgesprochen, bin ich und Thorin bereits auf der anderen Seite.
    Plötzlich erscheint ein paar Meter weiter vorne ein wunderschöner weisser Hirsch.
    Faszinierten beobachte ich ihn und vergesse alles um mich herum, als er blitzschnell verschwindet, da der Zwergenprinz einen Pfeil auf ihn losgelassen hat.
    „Das hättest du nicht tun sollen, das bringt kein Glück.“ Faselt Bilbo mit langsamer und verschwommener Stimme.
    „Ich glaube nicht an Glück. Wir schmieden unser eigenes Glück.“ Ist Eichenschilds Zitat.
    Unmittelbar nach diesem Satz, erklingt das Plätschern des Baches.
    Bombur ist hinein gefallen und liegt nun schlafend im verzauberten Bachbett.

    Fili, Kili, Dwalin und Bofur haben den breiten Zwerg auf eine Trage gelegt und schleppen ihn schon seit einiger Zeit durch den Wald.
    Bäume, nichts als Bäume… nimmt dieser Wald denn kein Ende?
    „Wir brauchen eine Verschnaufpause.“ Bettelt der Zwerg mit dem Hut und keucht auf.
    Wir setzen uns schliesslich alle hin und ruhen uns aus einen Augenblick aus.
    Mittlerweile weist jeder hier Anzeichen des verwunschenen Waldes auf.
    Niemand mehr scheint klar zu denken oder noch bei Sinnen zu sein.

    Plötzlich sehe ich in unserer Nähe eine schwarze Gestalt.
    Wachsam stehe ich auf, gefolgt von den wachsamen Blicken unseres Anführers.
    „Dort vorne ist jemand!“ wispere ich ihm zu und wende meinen Blick von der Gestalt nicht ab.
    Auch Thorin erhebt sich nun elegant und beschliesst mit mir die Gegend auszuspähen, damit wir nicht aus dem Hinterhalt angegriffen werden.
    Mit gezogenen Schwertern gehen wir langsam und leise auf die bedrohliche Gestalt zu.
    Wir kommen ihr immer näher und sie erweist sich als ein Mensch.
    Mit dem Rücken steht sie zu uns, als sie sich ruckartig umdreht, die Kapuze runter nimmt und zum Vorschein das Gesicht meines Bruders hervor kommt.
    „Tilion?“ flüstere ich ratlos und kann meinen Augen kaum glauben.
    Täuschen mich meine Sinne oder ist er es wirklich?
    Sein braunes mittellanges Haar fällt ihm nachvorne in sein männliches Gesicht.
    Er trägt einen ebenso braunen, etwas ungepflegten Bart, wahrscheinlich ist er schon viel länger hier drin und ist vom sicheren Pfad abgekommen.
    Seine goldbraunen Katzenaugen funkeln mich an, als er sich plötzlich unerwartet umdreht und fort rennt.
    Ich überlege keine Sekunde und laufe ihm blitzschnell nach: „Tilion!“
    Wieso läuft er von mir weg?
    Erkennt er mich denn nicht wieder?
    Zuerst konnte ich noch die schweren Schritte von Thorin hinter mir vernehmen, aber als ich nichts mehr höre und mich nun umdrehe, ist da kein Zwergenprinz mehr.
    Alleine stehe ich nun verirrt mitten im nirgendwo dieses verfluchten Waldes.
    Leider habe ich auch meinen Bruder aus den Augen verloren.
    „Tilion!“ rufe ich laut durch den Wald, ohne mir darüber im Klaren zu sein, was ich mit meinen lauten Rufen anlocken könnte.
    Plötzlich bewegt sich ein schwarzer Schatten in einem irren Tempo von Baum zu Baum.
    Ich drehe mich im Kreis und versuche ihm mit meinen wachsamen Augen zu folgen, doch von dem vielen drehen und der verzauberten Luft wird mir ganz schwummrig.
    Abrupt bleibe ich stehen, doch der Boden unter meinen Füssen dreht sich immer noch, die Bäume mit samt Horizont bewegen sich in Bögen auf und ab.
    Ich presse meine Augen kurz zusammen, doch es wird nur noch viel schlimmer.
    Aus Instinkt und mit der Hoffnung darauf dass es endlich aufhört, wende ich meine Hexersinne an.
    Es fühlt sich an wie ein kräftiger Schlag ins Gesicht, wie helles, grelles Sonnenlicht auf empfindliche Augen trifft.
    Unendliche Farben, unzählige Geräusche und Gerüche strömen unkontrolliert auf mich ein.
    Mein geistiger Zustand verschlechtert sich um ein vielfaches… deshalb mahnte Gandalf uns, unsere Hexersinne nicht anzuwenden.
    Ich spüre den Zauber des Waldes in seiner vollen Macht, wie er gnadenlos meinen Verstand raubt und mich in den Wahnsinn treibt.

    Benebelt taumle ich hin und her und verliere den Boden unter meinen Füssen, doch zwei starke Arme fangen mich behutsam auf.
    Langsam öffne ich meine Augen und schaue in die Thorins, welcher mich besorgt mustert.
    In der zwischen Zeit verwende ich meine Hexersinne nicht mehr, wodurch es mir geistlich gesehen wieder besser geht.
    Still schweigend beäuge ich den Zwergenprinzen, welcher verboten gut aussieht.
    Wie in Trance, lege ich meine Hand sanft an seine warme Wange.
    Irritiert folgt der braunhaarige meiner Geste und lässt es gewähren.
    Für einen einzigen Moment, schliesst er seine Augen und geniesst die zärtliche Berührung.
    Doch plötzlich werden wir von einem lauten Hilfeschrei unterbrochen: „Riannon! Hilf mir!“
    Rasch schaue ich mich um und wende den Blick von Thorin ab.
    Wo ist er? Das ist die Stimme meines Bruders!
    Ich will mich von Eichenschild los reissen, doch er hält mich fest und versucht mich zu beruhigen: „Nein! Das ist nur eine Illusion! Das ist nicht echt!“
    Erneut erklingt die flehende Stimme von Tilion: „Ria, bitte hilf mir! Ich kann mich nicht mehr lange halten!“
    Auf meine Sinne kann ich mich nicht mehr verlassen, dass weis ich selber.
    Doch wenn da wirklich mein Bruder sein sollte und ich ihm jetzt nicht zur Hilfe eile, werde ich mir das nie verzeihen können.
    Auch wenn ich unseren Anführer nicht erneut verärgern will, entreisse ich mich ihm mit all meiner Kraft.
    Ich eile auf eine kleine Anhöhe wo ich Tilion ausfindig mache.
    Mit letzten Kräften hält er sich an einem Vorsprung fest, unter ihm eine tiefe dunkle Schlucht.
    Thorin ist ebenfalls auf die Anhöhe gekommen und hält mich sanft an meiner Schulter fest.
    Seine azurblauen Augen ziehen mich wie immer in seinen Bann: „Das ist nur eine Täuschung Riannon! Vertrau mir.“
    Mein Verstand spielt verrückt, immer wieder schiele ich von Thorin zu meinem Bruder.
    Auch wenn der Zwergenprinz behutsam auf mich einredet und mich von einer Dummheit bewahren möchte, so kann ich leider nicht anders…
    „Tut mir Leid Thorin. Ich kann nicht…“ sage ich anschliessend traurig, drehe mich schwungvoll um und eile meinem Bruder zur Hilfe.
    Froh über meinen Entscheid sieht er mich an, aber dann hat er plötzlich ein fieses, teuflisches Grinsen im Gesicht.
    Aus seinen Augen spricht die pure Dunkelheit, das Grauen, alles schlechte was ein Mensch in sich tragen kann.
    Mit einem Ruck stösst er sich ab und stürzt in die tiefe Schlucht.
    Meine Augen weiten sich geschockt vor Entsetzen.
    „Tilion!“ schreie ich mir das Leiden aus der Seele und beuge mich über den Abhang.
    Wütend schlage ich auf den harten Waldboden, dass ich tatsächlich darauf reingefallen bin.
    Das alles hier ist nur eine verdammte Illusion, dieser Wald ohne den grauen Zauberer betreten zu haben, ist wie ein Spiel, dass man verlieren soll.
    Wer hier drinnen so lange verschwunden bleibt, der kehrt niemals zurück.


    Fortsetzung folgt...

    10
    Welch königliche Audienz Niedergeschlagen gehen Thorin und ich zu den andern zurück, jedoch können wir sie nirgends auffinden. Vielleicht liegt es
    Welch königliche Audienz



    Niedergeschlagen gehen Thorin und ich zu den andern zurück, jedoch können wir sie nirgends auffinden.
    Vielleicht liegt es nicht an den andern, sondern, daran dass wir uns verirrt haben.
    „Riannon! Thorin!“, ruft Bilbo zu uns als er uns erblickt „schnell wir müssen die andern retten! Sie wurden von Spinnen angegriffen!“
    Meine Augen weiten sich schockiert.
    Oh nein, das darf nicht sein!
    In hohem Tempo rennen wir ungeachtet durch den Wald.
    Momentan ist es mir so ziemlich egal ob wir uns noch auf dem Elbenweg befinden oder nicht.
    Äste schlagen an meinen Körper und hinterlassen durch das schnelle Tempo vereinzelt Krater und Risse auf meiner Haut.
    Wir springen über Baumwurzeln und Unebenheiten, ducken uns unter grossen Ästen durch um so schnell wie möglich bei unseren Freunden zu sein.

    Hoch oben in den Bäumen hängen sie leblos in dicke, gelb-weisse Spinnennetzte umhüllt.
    Während Bilbo und Thorin sie von den Bäumen losschneiden, so dass sie zu mir nach unten fallen, befreie ich sie vom Boden aus, aus ihrem ekligen Gefängnis.
    Rasch reisse ich ein weiteres Netz auf und als ich Fili erkenne, falle ich ihm überglücklich um den Hals.
    Ich vergrabe meinen Kopf in seinem Nacken und nehme sein angenehmer Geruch in mich auf.
    Nachdem wir uns wieder voneinander gelöst haben, zupfe ich anschliessend liebevoll das restliche Spinnennetz von seinem blonden Haar und schaue ihm intensiv in seine smaragdgrünen Augen ehe wir uns ins Getümmel stürzen.
    Dutzende Riesenspinnen greifen uns unerwartet an.
    Sie kriechen aus ihren Löchern und krabbeln von anderen Teilen des Waldes auf uns zu.
    Uns Hexern ist allseits bekannt, dass man fast nirgendwo sicher ist.
    Das Leben auf dem Festland ist hässlich, brutal und kurz.
    Kriege verwüsten die Landen, und welche er verschont, leben in ständiger Angst vor Monstern die vor den Städten und Dörfern lauern.
    Mutig versuchen wir uns zu verteidigen und suchen angestrengt nach einem Ausweg.
    Plötzlich vernehme ich aus dem Augenwinkel, dass mehrere Spinnen auf Thorin zu schleichen.
    Ich greife rasch nach meinem Dolch und schreie: „Duckt euch!“
    Der Dolch streift nur haarscharf an Eichenschilds Kopf vorbei, welcher gerade noch so zurück weicht.
    Wütend starrt er mich an, doch kämpft er dann mit mir Seite an Seite weiter.
    Ja ich weiss, hätte er nicht so schnelle Reflexe, würde jetzt mein Dolch in seinem Schädel stecken, doch normalerweise haben wir Hexer die Situation meistens gut im Griff.

    Ich habe das Gefühl wir kämpfen schon seit einer gefüllten Ewigkeit... aber dies vergebens.
    Müdigkeit und Erschöpfung macht sich in mir breit und wohl auch bei den anderen der Gemeinschaft.
    Plötzlich fallen einige Spinnen tot zu Boden und bleiben leblos und verkrümmt liegen.
    Elbenpfeile stecken präzise und tief in ihren Köpfen zwischen den vielen Augen und ehe wir uns versehen sind wir auch schon von den Waldelben umzingelt.
    Von allen Seiten her sind Pfeile bedrohlich auf uns gerichtet, noch mehr Elben…
    Fili stellt sich beschützend vor mich… ich glaube seit unserem Kusses, betrachtet er mich nicht mehr als eine begleitende Hexerin, sondern als weitaus mehr.
    Natürlich mag ich ihn auch, doch er muss mich nicht beschützen, ich kann selber auf mich aufpassen und ausserdem bin ich hier um sie zu schützen.
    Ein grosser blonder Elb mit erhobenem Haupt betritt die Mitte, und droht Thorin: „ Denkt nicht, ich würde euch nicht töten, Zwerg!“
    Ich mustere den Elb genauer, ist er es oder ist er es nicht?
    Er kommt mir nur so bekannt vor, ich war schon mal im Königreich Düsterwald… vor sehr langer Zeit, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
    Selbstsicher trete ich vor Fili, welcher unsicher meinen Bewegungen folgt, und drohe dem hochnäsigen Elb ebenfalls: „Was lässt euch annehmen, dass wir euch nicht vorher töten?“
    Der blonde Elb dreht sich zu mir um und dann erkenne ich seine meerblauen Augen, die mich emotionslos mustern.
    Legolas, der Sohn von Thranduil persönlich steht vor uns.
    Mir ist bewusst dass wir in einer äusserst schwierigen Lage sind, zumal wir ohne Erlaubnis durch den Düsterwald reisen und dies schon als Verbrechen gilt.
    Ausserdem sind wir mit Zwergen unterwegs, was unsere Karten noch schlechter aussehen lässt.
    Legolas begutachtet mich und scheint mich wiederzuerkennen, tut aber so als würde er dies nicht tun.
    Was ist nur aus ihm geworden?
    Es ist lange her, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind.
    Damals wurde ich von einem Morgul-Pfeil getroffen und das Gift hatte sich schon ziemlich ausgebreitet, so dass all meine Heilungstränke unbrauchbar waren.
    Legolas hatte mich sterbend gefunden und mich direkt zu seinem Vater gebracht und ihm verdanke ich mein Leben.
    Freudig sehe ich den jungen Elben an, aber die verfliegt auf der Stelle wieder, als er befiehlt: „Durchsucht alle und legt sie in Ketten! Verwendet bei den Hexern Dimeritiumfesseln damit sie ihre schwarze Magie nicht anwenden können!“
    Unsanft legen sie die Fesseln um meine kleinen Hände, fassungslos und wütend starre ich Legolas an.
    „Was soll das?“ frage ich aufgebracht, immerhin hat er mich damals gerettet.
    „Hexer sind im Waldlandreich ohne Bewilligung des Königs nicht mehr willkommen. Die Dimeritiumfesseln sind eine reine Vorsichtsmassnahme.“ Antwortet er nur monoton und schreitet erhoben voran.
    Verwirrt und zornig schaue ich ihm nach, wie er arrogant davon stolziert.
    Es ist ausser Frage, dass wir zu König Thranduil gebracht werden.
    Beorn hatte uns gewarnt uns vor ihnen in Acht zu nehmen, sie sind gefährlicher, wenn auch weniger intelligent als die Elben aus Bruchtal.
    Zuerst hatte ich mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was passieren würde, wenn wir auf sie treffen würden, aber da sie nun sogar uns Hexer in Ketten gelegt haben, weiss ich nicht mehr wie sie zu uns stehen.
    Wahrscheinlich sind sie eher Feind als Freund…

    Vor den Toren des Elbenreichs kommen wir zum Stehen.
    Die grossen prunkvollen Türen werden geöffnet und wir werden hinein geführt.
    Nachdenklich senke ich meinen Blick und schaue auf den Boden, ich erinnere mich an überhaupt nichts mehr von diesem Ort.
    Rücksichtslos werden wir unsanft von den Elbenwachen in unsere Verliese gesteckt.
    Das Gefängnis von Aiden und mir wurde mit Dimeritium belegt, so dass wir keine Chance haben auch nur ein Hexer-Zeichen anzuwenden, wobei ich denke, dass diese Eisenstangentüren den Zeichen standhalten würden.
    Legolas beäugt mich herabfallend ehe er an uns vorbei geht.
    „Das wird euch noch leidtun! Habt ihr gehört? Lasst uns hier raus!“ brüllt Dwalin fluchend als sie ihn grob in eine Zelle schubsen.
    Einige meiner Gefährten springen immer wieder mit voller Wucht gegen die Zellentüren.
    Ich weiss, dass ich dies erst gar nicht versuchen muss.
    Wir sind nicht im irgendeinem heruntergekommenen Orkverlies, sondern in den Zellen des Waldlandreiches.
    Niemand kommt hier raus, nur gegen die Einwilligung des Königs.

    Betrübt sitze ich an der kalten Felswand, welche mein dunkles Verlies umgibt.
    Thorin unser Anführer wurde bereits zu Thranduil gebracht, wenn Eichenschild den König jetzt verärgert, kommen wir hier nie mehr raus und unsere Mission schlägt fehl.
    Alles wäre umsonst, Azog könnte seine blutigen Schachzüge weiter führen gegen ein anderes unschuldiges Volk…sie würden den Erebor an sich reissen und ein neues dunkles Zeitalter würde beginnen.
    Wutentbrannt stehe ich auf und will meine Aggression ebenfalls an der Verlies Tür auslassen, als unerwartet ein Elb vor der Tür erscheint: „Folgt mir!“
    Zwei Wachen öffnen die Tür und warten darauf bis ich mein Verlies verlasse.
    Ich runzle meine Stirn, weshalb soll ich ihm folgen?
    Auch wenn ich dem braunhaarigen Elben misstraue, so folge ich ihm, denn schliesslich bleibt mir nichts anderes übrig.
    Die beiden Wachen folgen uns und achten darauf dass ich nicht auf die Idee komme, irgendwelche Dummheiten zu machen.
    Der Elb führt mich in einen der prunkvolleren Räume.
    Unbeholfen lässt er mich zurück, als dann auch schon zwei Dienstmädchen auf mich zukommen: „Würdet ihr eure Kleidung ablegen?“
    Verwundert starre ich die beiden an.
    Mit einer barschen Handbewegung fordern sie mich weiter dazu auf.
    Ich folge ihnen, wie mir geheisst.
    Nur mit einem weissen Tuch bedeckt führen sie mich in einen Raum mit einer grossen runden Wanne.
    Das Wasser ist ganz weiss und lauwarm, wahrscheinlich Milch oder irgendetwas Spezielles was die Haut nährt und sie verjüngernd aussehen lässt.
    Sachte steige ich in die Wanne und die Halbelben, was ich inzwischen festgestellt habe, kommen mit Waschbürsten und Lappen auf mich zu.
    Misstrauisch halte ich sie mit einer abweisenden Handbewegung zurück: „Was wird das?“
    „Mein Herr Thranduil wünscht diese Prozedur.“ Antwortet mir die eine wahrheitsgetreu mit gesenktem Haupt.
    Erneut runzle ich meine Stirn und lasse die Prozedur widerwillig über mich ergehen.

    Nachdem Bad wickeln sie mich in ein weisses samt Tuch, ehe der braunhaarige Elb von vorhin wieder erscheint.
    Er geht einmal unbeeindruckt um mich herum, durchforscht mit seinen scharfsinnigen Augen meinen halbbedeckten Körper und meint dann: „Hmm, das muss reichen.“
    Ich rümpfe meine Nase, was bildet der sich ein, ich bin jetzt schliesslich sauber.
    Ich bin eine Hexerin, da kann es schon mal vorkommen, dass ich blutverschmiert oder dreckig bin.
    Immerhin habe ich nicht den ganzen Tag Zeit um mich in einem Spiegel zu betrachten und mich hübsch zu machen.
    „Ihr meint es kümmert Thranduil ob ich sauber bin?“ will ich aufgebracht und abschätzend wissen.
    Meine Aufenthalte bei den Elben haben mir noch nie wirklich gefallen, und hier wird es mir wieder bestätigt.
    „Die Dame wird seine königliche Majestät mit vollem Titel anreden oder gar nicht.“ Befiehlt mir der braunhaarige.
    Pfff… natürlich.
    Weisse Kerzen erleuchten den wohlerhabenen Raum, während ich es hier einigermassen gut habe, müssen die Zwerge in den kalten Verliesen ausharren.
    Naja, wenn ich ehrlich bin, wäre ich auch viel lieber in einer kahlen Zelle.
    Ich hasse es vor einen König treten zu müssen, oder eine hochangesehene Person, so gut wie möglich versuche ich solche Treffen deshalb zu vermeiden.
    „Ihr werdet auf dem Bergère Platz nehmen.“ Kommandiert er mich weiter rum.
    Ich schaue ihm verwirrt nach und frage: „Auf dem was?“
    „Auf diesem…Stuhl.“ Mit einer Handbewegung bittet er mich, mich zu setzen.
    Widerwillig gehorche ich, als auch die beiden Halbelben wieder zum Vorschein kommen.
    Sie beginnen mein braunes Haar aufwendig zu flechten und frisieren.
    Warum können sie mich nicht einfach so zu ihrem Herren lassen, wie ich bin?
    Musste Thorin auch so eine Prozedur über sich ergehen lassen?
    Unerwartet tritt Legolas in den Raum und spricht irgendetwas auf elbisch und beachtet mich kein Stück.
    Zweifellos tut er dies extra um mich zu reizen.
    Meine Augen folgen jeder seiner Bewegungen mit einem herabfallenden Blick.
    Was er kann, kann ich schon lange.
    Nachdem sie mit meinen Haaren fertig sind, führen sie mich in ein neben Zimmer in dem ich mich anziehen kann.
    Sie halten mir ein königblaues Kleid entgegen.
    „Wo sind meine Kleider?“ möchte ich zuerst wissen, bevor ich dieses Elbenkleid anziehe.
    „Wo sie schon lange hingehören. Sie werden gewaschen.“ Offenbart mir die eine mit ihrer hohen Stimme.
    Ich betrachte mich in einem grossen Spiegel.
    Das Kleid steht mir wirklich ausgezeichnet.
    Es hat enge Ärmel, die mit kleinen weissen Edelsteinen verziert sind.
    Insgesamt ist es ziemlich enganliegend geschnitten.
    Um meine Hüften ist ein geflochtener weisser Gürtel geschwungen.
    Der Rock fällt gerade zu Boden und ist ebenfalls mit funkelnden Edelsteinen besetzt.
    Ich begutachte mich weiter in dem Spiegel… wie lange ist es her, seit ich so umwerfend aussah?
    Der braunhaarige Elb betritt das Nebenzimmer und bleibt beeindruckt stehen, als er sich ertappt sammelt er sich schnell und meint: „Königblau steht euch. Ihr werdet vor dem grossen Herrscher des nördlichen Düsterwaldes stehen. Ich muss mich vergewissern, dass ihr euch zu verneinen wisst.“
    Der Elb demonstriert mir eine ordentliche, königliche Verneigung.
    Bein ausgestreckt, Hand flach, Kopf gebeugt, Kinn auf der Brust.
    Ungläubig starre ich den Elben an: „Das ist nicht euer ernst?“
    „Es ist durchaus mein vollster Ernst. Kennt die Dame die Strafe für Übertretungen der Etikette in Gegenwart des Königs? Zweihundert Peitschenhiebe!“ offenbart mir der braunhaarige Elb.
    „Dies wünsche ich euch nicht, daher werde ich euch nicht eher gehen lassen, als bis ich überzeugt bin, dass ihr euch zu betragen wisst.“ Erneut befiehlt er mir mich zu verneigen und bittet mich dann ihm zu folgen.

    Nachdem die Vorbereitung für meine Audienz zu Ende ist, führt mich der Elb durch die grossen Hallen Thranduils.
    Die Decken haben eine ungewöhnlich grosse Höhe, die Säulen, welche die Hallen instanthalten, haben wunderschöne Verzierungen in ihren Stein gemeisselt, die Pfade durch die Hallen haben alle ihren eigenen Schwung und die langen Gängen werden von einzelnen Laternen beleuchtet.
    Immer wieder spüre ich die undefinierbaren Blicke des Elben auf mir ruhen: „Ihr werdet nur dann reden, wenn ihr angesprochen werdet und dabei den richtigen Titel verwendet.“
    Ich rolle meine Augen, der Richtige Titel… das ich nicht lache.
    Was soll das ganze Theater eigentlich?
    Könige wollen immer mit vollem Titel angesprochen werden…
    „Eure Erzmagnifizienz?“ spasse ich belustigt, worauf ich einen warnenden Blick des Elben bekomme.
    „Ich sehe, dass ihr zum Scherzen aufgelegt seid. Ich fürchte bloss dass der König diese Disposition nicht teilt, zumal ihr unsere Gefangene seid. König Thranduil reicht aus. Klar, deutlich und respektvoll ausgesprochen.“

    Wir nähern uns dem Thron von König Thranduil.
    Thorin steht bereits vor mir und dreht seinen Kopf in meine Richtung als der König verstummt.
    Sprachlos und bewundernswert mustert mich der Zwergenprinz von oben bis unten und kann seine Augen nicht mehr von mir abwenden.
    Der braunhaarige Elb spricht den Königstitel auf elbisch aus und verneigt sich anschliessend.
    Widerwillig tue ich es ihm gleich und habe den König fest im Blick.
    Ebenfalls in der Sprache der Elben bittet Thranduil alle den Raum zu verlassen, bis auf Thorin und mich.
    Der König steigt von seinem prunkvollen Thron und kommt elegant mit erhobenem Haupt auf mich zu.
    Er umschweift mich und durchforscht mich mit seinen intensiven Blicken, so als könne er in mich hinein sehen.
    „Riannon, ihr seid schöner und reifer geworden, seit wir uns das letzte Mal sahen“ Spricht er emotionslos und wendet uns den Rücken zu.
    Ich sehe seine Rede nicht als eine Frage an, weshalb ich darauf auch nichts erwidere.
    Seine Autorität scheint mich zu erdrücken und am liebsten würde ich einfach in Grund und Boden versinken.
    Ich wage einen Blick zu Thorin, welcher sichtlich wütend ist.
    „Ihr wollt eure Heimat zurück erobern und einen Drachen töten.“, Beginnt Thranduil nun das eigentlich wesentliche Gespräch „Ich selbst vermute hinter eurem Handeln eher weniger edle Beweggründe. Ihr plant einen Diebstahl, oder etwas dergleichen.“
    König Thranduil schleicht elegant um uns herum und versucht unsere wahren Absichten heraus zu finden: „Ihr habt einen Weg hinein gefunden. Ihr sucht was euch das Recht verleiht zu herrschen… das Königsjuwel, den Arkenstein.“
    Ertappt senkt Thorin seinen Blick.
    Thranduil ist nicht ohne Grund der grosse Herrscher des Waldlandreiches.
    Er kennt das menschliche Tier, was es fürchtet, was es mag, was es begehrt…
    Er manipuliert jene, die ihn umgeben, spricht den Eigennutzen an.
    „Er ist für euch über alle Massen wertvoll, das verstehe ich. In diesem Berg gibt es Edelsteine die auch ich begehre. Weisse Steine aus reinem Sternenlicht…“ offenbart er uns.
    Das ist unsere Gelegenheit aus diesem Ort zu verschwinden!
    Wenn wir Thranduil seine Steine bringen, lässt er uns ziehen.
    „Ich biete euch meine Hilfe an.“ Spricht der Elbenkönig weiter.
    Misstrauisch beäuge ich diesen und warte auf Thorins Reaktion: „Ich bin ganz Ohr.“
    „Ich werde euch gehen lassen. Wenn ihr mir zurückgebt was mein ist.“ Fordert Thranduil.
    Sein Blick ist verfinstert, seine Gesichtszüge wie versteinert.
    Ich kann seinen Worten keinen Glauben schenken, der führt doch etwas im Schilde.
    Auch Thorin scheint ihm zu misstrauen, dreht sich um und spricht: „Ich glaube nicht das Thranduil, der grosse König sein Wort hält, auch wenn uns das Ende aller Tage bevorstünde!“
    Die Spannung im Raum ist zum Greifen nahe, in Thorins Blick lodern die Flammen des Zorns und der Verachtung: „Euch! Fehlt jegliche Ehre! Ich habe gesehen wie ihr eure Freunde behandelt! Einst kamen wir zu euch… hungernd, heimatlos, baten um eure Hilfe… aber ihr habt euch abgewandt! Ihr, habt keinerlei Anteil genommen am Leid meines Volkes und dem Inferno das uns vernichtet hat! Imrid Amrad ursul!“
    Ich halte mich aus der Angelegenheit zwischen den beiden raus, doch als Thorin auf elbisch zu fluchen beginnt und ich es auch noch verstehe muss ich mich dann doch einmischen: „Hört auf! Alle beide!“
    Beide verstummen sofort und sehen mich zornig an.
    Mir egal ob ich nun zum Reden aufgefordert wurde oder nicht: „Ich denke ihr habt uns nicht rufen lassen um über die guten alten Zeiten zu sprechen.“
    Thranduil starrt mich fassungslos an.
    Ich habe keine Furcht vor einem König und auch nicht vor einem Elbenkönig.
    Ein König mag einen Mann fordern, ein Vater mag Anforderungen an seinen Sohn haben, und dieser Mann kann auch sich selbst fordern und nur dann kann dieser Mann wahrhaftig sein eigenes Spiel spielen.
    Aber egal wer mit uns spielt, unsere Seelen gehören uns alleine.
    Selbst wenn jene die mit uns spielen Könige sind oder Menschen mit Macht.
    Wenn man vor Gott steht, kann man nicht sagen dass man uns befohlen hat so oder so zu handeln oder das Tugendhaftigkeit in diesem Moment gerade nicht angebracht war das wird nicht genügen.
    Daran sollte man immer denken.
    „Du wagst es einen König zu unterbrechen?“ spricht der blondhaarige mit lauter Stimme und starrt mich ungläubig an.
    Formalitäten ade, würde ich mal sagen.
    Seine Stimme bringt mich zum Schweigen und ich senke meinen Kopf.
    „Fingerdürr, verstört und erschöpft, konntest kaum mehr auf deinen eigenen Beinen stehen.“ Erinnert mich Thranduil an unser erstes Treffen zurück und gleitet um mich herum.
    Für einen normalen Sterblichen sind, seine leise Schritte nicht hörbar, doch bei uns Hexern ist dies natürlich anders.
    „Ich sorgte für dich so gut ich konnte, als wärst du meine eigene Tochter… doch diese Mühe machte ich mir vergebens. Du bist eine aussergewöhnliche Frau Riannon und dennoch ungezogen, verschlagen, bockig und selbstsüchtig.“ Haucht er leise in mein Ohr, aber noch so, dass es Thorin hören kann.
    Ich senke meinen Blick… das könnte schwierig werden aus den Hallen des Waldlandreiches zu fliehen.


    Fortsetzung folgt...

    11
    Flüchtende Liebende Unbeholfen schaue ich auf meine Hände herab, da ich nicht in die wütenden Augen von König Thranduil schauen will. Da fällt mi
    Flüchtende Liebende


    Unbeholfen schaue ich auf meine Hände herab, da ich nicht in die wütenden Augen von König Thranduil schauen will.
    Da fällt mir auf, dass sie vergessen haben mir Dimeritiumfesseln anzulegen.
    Thranduil steht nun direkt vor mir und sieht mich fordernd an.
    Sein starrer, emotionsloser Blick macht mich nervös und mein Herzschlag beschleunigt sich ungewollt.
    Ich überlege angestrengt was ich nun sagen oder machen soll.
    Schliesslich entscheide ich mich für letzteres und wende Aard an.
    Eine Druckwelle entsteht und schleudert den König des Waldlandreiches direkt auf seinen erhobenen Thron.
    Seine blonden, glatten, seidigen Haare sind völlig durcheinander und zersaust, als hätte ein grosser Wirbelsturm in den grossen Hallen Thranduils geweht und sämtliches verwüstet.
    Seine Miene versteinert sich schlagartig zu einem eisernen Blick.
    Der Zwergenprinz muss sich ein schelmisches Grinsen verkneifen als er mir dann mit lauter Stimme zu ruft: „Lauft!“
    In schnellem Tempo eilen wir die lang, gebogene, steinige Treppe hinunter.
    Obwohl ich weiss, dass sie uns sicherlich bald wieder einfangen werden folge ich Thorin.

    Nach kurzer Verfolgungsjagd sind wir schliesslich umzingelt von zahlreichen, zornigen Elbenwachen.
    Sie legen uns erneut in Ketten und schubsen uns ungeachtet in unsere Zellen.
    Den anderen Zwergen fallen fast die Augen raus, als sie mich in diesem wunderbaren Samtkleid sehen, aber der intensivste und ungläubigste Blick kommt natürlich von dem einen blonden Zwerg.
    „So solltest du dich öfters einkleiden.“ Kommt es von Aiden, der an seiner Zellentür steht und mich von oben bis unten begutachtet.
    Ich verdrehe genervt meine Augen: „Und wie soll ich darin bitte kämpfen?“
    Intensiv mustert mich der Hexer und meint dann: „Vielleicht musst du das dann ja gar nicht mehr.“
    Haha sehr witzig.
    Ich verziehe angewidert mein Gesicht und erwidere: „Du kannst froh sein sitze ich hinter einer dicken Gefängnistür. Sonst wärst du jetzt nämlich einen Kopf kürzer!“

    „Ich wette die Sonne geht bald auf. Der Tag bricht sicher gleich an.“ Höre ich die Stimme eines betrübten Bofurs
    „Wir werden den Berg niemals erreichen oder?“ Erklingt die niedergeschlagene Stimme von Ori.
    Es ist aussichtslos, wir werden dieses verdammte Elbenreich nie mehr verlassen.
    Geknickt lehne ich an der steinigen Wand als ich leise Schritte vernehme.
    „Bilbo!“ schreit ein Zwerg und wir alle sind hocherfreut darüber den Hobbit wohlbehalten zu sehen.
    Glücklich gehe ich an meine Zellentür und warte bis sie mit dem Schlüssel zu mir kommen und mich befreien.
    Der Hobbit versucht jeden einzelnen Schlüssel aus, doch keiner scheint zu meinem Verlies zu passen.
    Auch Aiden wartet immer noch ungeduldig und angekettet in seiner Zelle und schaut hoffnungsvoll zu uns hinüber: „Macht schon!“
    Die Hände des Halblings zittern unaufhörlich.
    Thorin, welcher neben ihm steht verliert die Geduld und entreisst Bilbo gewaltsam die Schlüssel: „Einer muss doch der Richtige sein.“
    Vergebens versucht der Zwerg den passenden Schlüssel zu finden.
    Fili hat in zwischen auch bemerkt, dass sie uns Hexer nicht frei bekommen und kommt deshalb mit grossen Schritten auf uns zu um uns zu helfen.
    Etwas Undefinierbares liegt in seinen sonst so leuchtenden Augen.
    Er versucht ebenfalls noch einmals einige der Schlüssel aus, aber auch seine Versuche, mich aus meinem Käfig zu befreien, sind natürlich zwecklos.
    „Wir kriegen Aidens Tür nicht auf!“ ruft Kili von der anderen Seite herüber.
    Als wir dann auch noch Schritte vernehmen beginnt Thorin gewaltsam auf die Tür einzuschlagen.
    Immer wieder tritt er unberechenbar gegen sie ein.
    Dwalin kommt ihm ebenfalls zu Hilfe und stemmt sich mit aller Kraft gegen die unbezwingbare Tür.
    Traurig senke ich meinen Blick, als mir bewusst wird dass sie sich nicht öffnen wird.
    Die Zeit drängt, die Elbenwachen kommen immer näher… wenn die Zwerge jetzt nicht verschwinden, werden sie es nicht mehr aus der Festung schaffen.
    „Verschwindet!“ befehle ich, wobei ich eigentlich nicht in der Position dafür bin.
    Verständnislos und traurig sehen mich Thorins azurblaue Augen und ungläubig an. „Aiden und ich kommen schon nach.“ Versichere ich ihm, doch der Zwergenprinz schüttelt widerwillig seinen Kopf.
    Fili hingegen schenkt mir einen letzten vertrauten und zu gleich traurigen Blick, als er beginnt die anderen Zwerge zusammen zu trommeln.
    Das hat der hübsche Blonde seinem Onkel voraus… er versteht mich und auch wenn er es wollte mir zu widersprechen, so tut er dies jedoch nicht sondern er vertraut mir.
    „Nein! Wir werden nicht ohne euch gehen…“ mit seiner Stirn lehnt sich Thorin gegen die Eisenstangen des Verlieses.
    Ich weiche nicht zurück sondern bleibe ebenfalls nahe den Stangen.
    Unsere Stirnen berühren sich gegenseitig und wir sehen uns tief und vertrauensvoll in die Augen.
    Es ist ein langer, intensiver, sanfter und durchdringender Blick... ein Blick der durch Mark und Bein geht und ich bekomme weiche Knie.
    Wir vergessen alles um uns herum und sehen nur noch uns zwei.
    Wie Herzen, die doch eigentlich zu einander gehören, werden durch eine unbezwingbare Tür getrennt.
    Auch wenn ich diesen Moment gerne noch beibehalten möchte dränge ich Eichenschild weiter dazu zu verschwinden: „Geht jetzt!“
    Gegen ihren Willen folgen die Zwerge dem Halbling und werfen noch einen letzten Blick zu uns zurück.

    Kaum haben sich unsere Gefährten verdrückt, tauchen auch schon die ersten Wachen auf.
    Sie durchsuchen jedes einzelne Verlies, doch können sie die Zwerge nicht mehr ausfindig machen.
    Weitere Wachen eilen an uns vorbei die Treppen hinunter, Aiden und ich können nur tatenlos zu sehen.
    Wird doch schwieriger hier raus zu kommen als gedacht, doch meine Gedanken sind bei den Zwergen.
    Sie scheinen mir mittlerweile doch mehr am Herzen zu liegen als ich es je zugeben würde.
    Plötzlich läuft die Waldelbin an uns vorbei, die gestern Nacht noch mit Kili gesprochen hat.
    „Wartet!“ rufe ich ihr zu in der Hoffnung sie ignoriert mich nicht und hört mich an.
    Sie hält einen Moment inne und scheint zu überlegen, bis sie sich zu mir umdreht und zögernd zu meinem Verlies kommt.
    Ihre hellgrünen Augen mustern mich wachsam.
    „Bitte lasst uns frei! Wir beschützen die Zwerge…sie brauchen uns!“ flehe ich sie an.
    Wenn sie uns jetzt nicht gehen lässt, fällt mir nichts weiter mehr ein um hier raus zu kommen.
    Nachdenklich sieht sie uns an, ehe sie genervt seufzt und unsere Zellentüren öffnet.
    Ich bin überrascht von ihrem Handeln und bedanke mich höflich bei ihr: „Ich danke euch!“
    Sie erwidert meinen Dank und spricht: „Lasst mein Handeln nicht vergebens gewesen sein.“
    Ich nicke und verspreche ihr die Zwerge mit meinem Leben zu schützen.

    Sie zeigt uns den Weg hinaus, doch als wir draussen sind, wimmelt es nur so von blutrünstigen Orks.
    Panisch kundschafte ich die Gegend aus, kann aber keinen der Zwerge ausfindig machen.
    „Dies ist eure Chance! Rennt dem Fluss entlang und klettert über die schützenden Steinmauern… dann sollte eurer Freiheit nichts mehr im Wege stehen.“ Spricht Tauriel als sie uns verlassen will.
    Wir wollten uns gerade verneinen, als ein wutentbrannter Legolas uns mit seinem Bogen bedroht.
    Blöderweise sind Aiden und ich beide entwaffnet, sogar unsere Hexer-Medaillons haben die Elben uns entnommen.
    Zudem kommt noch dass ich immer noch in diesem Kleid stecke… es sieht ja wirklich toll aus, doch zum Kämpfen ist es nun wirklich nichts.
    Der blonde Elb visiert uns an und spricht zu Tauriel irgendetwas auf elbisch.
    Ich verdrehe meine Augen und wende mich nun furchtlos an ihn: „Öffne deine Augen Legolas! Der wahre Feind kämpft bereits gegen euer Volk und vernichtet es gnadenlos, doch so nicht wir.“
    Meine Worte lassen ihn völlig kalt, es muss ihm doch klar sein, dass die Orks viel bedrohlicher sind als wir Hexer.
    Tauriel folgt wachsam meinen Bewegungen und wartet unsicher auf die Reaktion ihres Partners.
    „Wir sollten gemeinsam gegen diesen Abschaum kämpfen!“ versuche ich ihn weiter zu überzeugen.
    „Ihr habt keine Waffen, um euch zu verteidigen oder irgendeinem dieser dreckigen Orks den Kopf abzuschlagen! Ihr müsstet es mit blosser Hand tun.“ kontert er und wendet seinen Bogen nicht von uns ab.
    Jetzt reisst mir endgültig der Geduldsfaden.
    Aufgebracht stampfe ich auf ihn zu und fauche ihn an: „Ihr seid dafür verantwortlich, dass uns unsere Schwerter abgenommen wurdet!“
    Was ist nur mit ihm los? Hat er denn jegliche Emotionen verloren?
    All meine Worte prallen an ihm ab.
    Tauriel tritt nun auf ihn zu und versucht ihn zu Vernunft zu bringen: „Wenn du schon nicht mit ihnen gegen unsere Feine kämpfen willst, dann lass sie wenigstens ziehen. Weit werden sie sowieso nicht kommen.“
    Erst jetzt scheint der Blonde zu reagieren und nimmt langsam seinen Bogen runter.
    Ich schüttle meinen Kopf und weise Aiden an uns zu verdrücken, als die Stimme von Legolas ertönt: „Riannon!“
    Verärgert drehe ich mich zu dem Elben um.
    Was hat er denn jetzt noch?
    Doch plötzlich wirft er mir und Aiden einen Dolch zu.
    Ungläubig über diesen Meinungswandel starren wir ihn an.
    „Worauf warten wir?“ spricht er und geht erhobenen Hauptes und festentschlossen an uns vorbei.

    Gemeinsam stürzen wir uns in den Kampf.
    Es herrscht ein wildes und unübersichtliches Durcheinander.
    Überall wimmelt es von grausamen Orks.
    So gut es geht schlage ich mich mit meinem Dolch durch, wobei mir mein Silberschwert viel lieber wäre.
    Aber ich sollte mich nicht beklagen, eine Stichwaffe ist schliesslich besser, als die Orks mit blosser Hand töten zu müssen.
    Während ich einen Ork nach dem anderen zu Fall bringe, bete ich inständig, dass die Zwerge dieses Chaos bereits hinter sich gelassen haben.
    Plötzlich stolpere ich über einen leblosen Körper eines Elben.
    Neben ihm liegt ein meisterlich geschmiedetes Elbenschwert welches ich mitnehme.
    Ich weiss, eigentlich gehört es sich nicht wehrlose Leute zu fleddern, aber mit einem Schwert kämpfe ich eben um einiges besser als mit einem kleinen Dolch.
    Als ich wieder aufschaue, kann ich Aiden nirgends ausfindig machen.
    Ungeachtet sehe ich mich um und merke dabei nicht wie einer der Ork sich von hinten an mich heranschleicht.
    Ehe ich mich umdrehe, fällt er auch schon leblos zu Boden, durchbohrt von einem Elbenpfeil, der von Tauriel kam.
    Dankend nicke ich ihr zu bevor wir Seite an Seite mit einander Kämpfen und dem Flussverlauf folgen, als ich die Zwerge in grossen Fässern ausmache.
    Sie sind froh mich zu sehen, doch treibt sie das wilde Wasser des Flusses immer weiter abwärts in Richtung des grossen Sees.
    Ich renne weiter, so schnell mich meine Beine tragen können und es dieses verdammte Kleid zulässt, als ich ungeachtet und mit voller Wucht gegen einen strak gebauten Körper renne.
    Seine Arme fangen mich auf und als ich an ihm hochblicke, erkenne ich zu meiner Freude den jungen Hexer vor mir.
    Sofort beschliessen wir den Zwergen zu folgen und verabschieden uns von Tauriel und Legolas.

    Wir rennen was das Zeug hält und weichen den Orks immer wieder aus, bis wir sie letztendlich etwas abgehängt haben.
    Unerwartet stolpere ich und drohe fast hin zu fallen, finde aber mein Gewicht wieder und bleibe aufrecht stehen.
    Mein Kleid hatte sich in einem Busch verfangen.
    Mit einem Ruck reisse ich es von ihm weg, wobei ein grosses Stück hängen bleibt.
    Wütend über mich selber, dass ich es wiedermal mit Gewalt versuchen musste und es so kaputt ging fluche ich herum.
    „Sieht heiss aus!“ Verspottet mich mein Kamerad, ehe wir weiter sprinten.
    Vor einem steilen Abhang kommen wir zum Stehen.
    Ein Wasserfall fällt in ein kleines Wasserbecken, aber ob es wirklich tief genug ist, ist eine andere Frage.
    „Spring runter!“ befiehlt Aiden und macht mich dadurch noch nervöser.
    Schnell wage ich einen Blick nach hinten und erblicke dutzende Orks welche auf uns zu stürmen.
    Na schön… ich presse meine Augen zusammen und springe hinunter.
    Durch den heftigen Sog werde ich sofort unter Wasser gezogen.
    Panisch versuche ich wieder an die Oberfläche zu schwimmen was mir dann auch gelingt.

    Weiter Flussabwärts wird das Wasser ruhiger.
    Völlig durchnässt schleife ich mich an das Ufer.
    Das Kleid, die aufwändiger Frisur… alles ist hinüber.
    Ein Glück ist das Wasser des Flusses so trüb und ich kann mein Spiegelbild nicht anschauen.
    Verärgert setze ich mich auf einen kleineren Felsen und reisse an meinem Kleid herum, so dass es wieder einigermassen akzeptabel aussehen sollte, doch es bringt überhaupt nichts.
    „Was tust du da?“ will Aiden wissen und scheint die Welt nicht mehr zu verstehen.
    „Wonach sieht es denn aus?“ stelle ich ihm die Gegenfrage und konzentriere mich weiter auf mein zerfetztes Kleid.
    Fassungslos und aufgebracht kommt der Hexer auf mich zu: „Eine Ork-Meute ist hinter uns her! Und was machst du? Setzt dich auf den erst besten Stein und willst dein Kleid retten?“
    Grimmig beäuge ich ihn und antworte ebenso aufgebracht: „Sollen mich die Zwerge etwa so zu Gesicht bekommen?“
    Aiden verzieht sein Gesicht und winkt ab, als ihm einleuchtet wieso ich dies mache.
    Grinsend dreht er sich zu mir und fragt: „Welcher ist es? Thorin? Fili? Oder vielleicht Kili? Dwalin?“
    Ich merke wie ich erröte und senke rasch meinen Kopf.
    War ja klar, dass mir mein bester Freund auf die Schliche kommt.
    Ertappt stehe ich auf und versuche vom Thema abzulenken: „Ist das wichtig? Gehen wir!“

    In der zwischen Zeit bei den Zwergen.
    Die restlichen Meter zum Ufer mussten die durchnässten Zwerge schwimmen.
    An Land rennen Fili und Bofur unverzüglich zu dem jungen Bogenschützen und verbinden sein schwer verwundetes Bein.
    Dabei ist es weitaus klar, dass dies nicht reichen wird, Kili braucht schnellstens gute Medizin, ehe das Gift sich in seinem Körper ausbreiten kann.
    Bilbo steigt auf einen grösseren Felsen und hält Ausschau, nach allem was sich ihnen nähert, ob Ork, Elb oder vielleicht ja die beiden Hexer.
    „Wir sollten aufbrechen!“ teilt Dwalin mit und sieht seinen Anführer abwartend an, auch wenn er eigentlich gerne noch auf die beiden Hexer warten würde.
    Eine Ork-Meute ist ihnen dicht auf den Fersen und wird sie einholen wenn sie nicht sofort aufbrechen.
    Die Hoffnung darauf, dass sich die Hexer aus eigener Hand befreien konnten schwindet…
    „Wir warten noch!“ befiehlt der junge Zwerg und schaut hoffnungsvoll hinauf in Richtung der Elbenfestung.
    Die Zwerge verstehen die Welt nicht mehr, erst scheucht er sie herum Kilis Bein möglichst schnell zu verbinden und jetzt sollen sie noch warten?
    Dwalin gesellt sich näher zu seinem Anführer, stellt sicher dass keiner der Truppe in der Nähe ist und räuspert sich: „Kann ich helfen? Soll ich Violine spielen oder Blumen besorgen?“
    Ungläubig und verwundert über diese Aussage, schauen die zwei azurblauen Augen in die dunkelbraunen von Dwalin.
    Der Zwergenprinz kann nicht ganz folgen und fragt verdutzt und leise, so dass es die andern nicht hören können: „Was zum Teufel meinst du damit?“
    Dwalin blinzelt einige Male und will bestürzt wissen: „Was? Sag bloss nicht, dass du sie nicht bitten willst im Erebor zu bleiben?“
    Thorin nickt verstehend, sieht ihn dennoch fassungslos an: „Warum machst du dir darüber Gedanken?“
    „Oben in der Elbenfestung, habe ich bemerkt wie ihr euch anseht… so hast du noch nie eine Frau angesehen. Ausserdem weisst du ja dass sich ein Zwerg nur ein einziges Mal in seinem ganzen Leben verliebt.“ Spricht der glatzköpfige Zwerg weiter und trifft genau ins Schwarze.
    Er spricht die Worte aus, die schon seit geraumer Zeit in Thorins Herz schlummern.
    Natürlich ist der Zwergenprinz zu stur um dies zuzugeben, doch ist ihm bewusst, dass sein Gefährte Recht hat.

    Aiden und ich folgen eine Weile dem Fluss bis wir unsere Gefährten wohlbehalten erblicken.
    Ich beginne zu strahlen und will zu ihnen gehen als Aiden mich am Arm zurück hält: „Hör zu, du weisst dass das nie funktionieren kann?“
    Ich versuche mich seinem Griff zu entziehen doch er lässt nicht locker: „Egal welcher von ihnen es sein mag. Du bist eine Hexerin, viel auf Reisen, waghalsige Abenteuer, das Abschlachten von Monstern… du wirst keine Zeit für ihn haben, früher oder später wirst du ihm sein Herz brechen und ihn verlassen.“
    Ich versuche seine Worte nicht in mir aufzunehmen, mein Atem beschleunigt sich vor Weissglut und ich befreie mich gewaltsam von seinem festem Griff: „Es reicht! Was weisst du schon? Gar nichts!“
    „Ich bin dein bester Freund, ich kenne dich! Du bist ein Freigeist… die Freiheit ist für dich das aller wichtigste.“ Spricht er weiter und ich merke wie er mich herausfordern will.
    „Vielleicht kann dies der Richtige ändern!“ kontere ich weiter und versuche mich von ihm nicht provozieren zu lassen.
    „Und du glaubst das ist einer von ihnen? Einen Zwerg? Ist das dein Ernst Riannon?“ hackt er weiter nach und bringt mich zum Kochen.
    „Es reicht Aiden! Zwing mich nicht dir weh zu tun!“ sage ich mit lauter Stimme und stehe bedrohlich vor ihm.
    Bedrückt sieht der junge Hexer nun zu Boden und offenbart: „Tut mir leid. Ich will nur nicht, dass du enttäuscht wirst und dass du etwas aufgibst was dir sehr viel bedeutet.“
    Ich lächle ihn liebevoll an: „Du weisst ich kann auf mich selbst aufpassen.“
    Er grinst ebenfalls: „Ach ja? Wie oft musste ich dich bereits retten?“
    Ich lache belustigt auf und meine dann: „Wir wollen gar nicht erst davon anfangen wie oft ich dir schon deinen Arsch gerettet habe.“

    12
    Drei kleine Worte Die Zwerge haben uns noch nicht bemerkt, weshalb unser Überraschungsmoment noch grösser sein wird. „Wie nett von euch dass ihr a
    Drei kleine Worte


    Die Zwerge haben uns noch nicht bemerkt, weshalb unser Überraschungsmoment noch grösser sein wird.
    „Wie nett von euch dass ihr auf uns gewartet habt.“ Begrüsst Aiden die Zwerge welche uns freudig und überrascht anschauen als sie uns erblicken.
    Ich zupfe noch etwas unbeholfen an meinem Kleid herum, so dass es zumindest einigermassen präsentabel aussieht.
    Ach was soll‘s, dann kriegen sie mich eben mal auf eine andere Art zu sehen.
    Dwalin geht sofort auf Aiden zu und begrüsst ihn brüderlich, da haben sich wohl zwei gefunden.
    Fili kommt ebenfalls freudig auf mich zu gerannt und zieht mich erleichtert in seine liebevolle Umarmung.
    Ich bin ebenfalls froh ihn heile wieder zu sehen und drücke ihn fest an mich.
    Bei Fili fühle ich mich immer sehr wohl, weil ich bei ihm so sein kann wie ich bin, er mich versteht, und weil ich ihn einfach unglaublich gerne mag.
    Nachdem mich auch die anderen freudig in Empfang genommen haben, stehe ich jetzt vor unserem Anführer.
    Hilflos stehe ich vor ihm und schaue verlegen auf den Boden.
    Ich weiss nicht wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll, soll ich ihn umarmen? Nein, das wäre ziemlich unpassend.
    Soll ich ihm meine Hand reichen?
    Irgendwas muss ich tun, denn Thorin scheint ja wirklich nichts anderes zu machen als mich durchbohrend anzustarren.
    Langsam und unsicher hebe ich meinen Blick und schaue in seine wundervollen Augen.
    Gefühlvoll sieht er in meine und legt zögerlich seine Hand an meine Wange mit der entstellten Narbe.
    Es ist wieder einer dieser magischen Momente zwischen uns, bei dem die Spannung deutlich spürbar ist.
    Unerwartet legt er anschliessend seine andere Hand an meine andere Wange und umfasst mein ganzes Gesicht mit seinen kräftigen Händen.
    Wir sehen einander tief in die Augen, aus seinen azurblauen Augen spricht eine grosse Vertrautheit welche über eine gewöhnliche Freundschaft hinausgeht.
    Ich spüre sein warmer Atem in meinem Gesicht und bemerke dass er mir immer näher und näher kommt.
    Er haucht mir einen federleichten Kuss auf meine schwungvollen Lippen.
    Langsam zuckt er wieder zurück, doch meine Lippen prickeln immer noch von der zarten Berührung.
    Mit glitzernden Augen und einem herzlichen Lächeln schaut er mich an.
    Wir vergessen die anderen um uns herum und sehen nur noch uns beide.
    Noch immer hält er mein Gesicht fest in seinen Händen.
    Der Drang ihn weiter zu küssen ist so unbeschreiblich stark wie ich ihn noch nie zuvor verspürt habe.
    Auch Thorin scheint es nicht anders zu ergehen, denn erneut legt er seine weichen Lippen sanft auf meine.
    Mein Herz schwillt über vor Verlangen, ist dies die wahre Liebe?
    Ich weiss es nicht, denn nie zuvor hatte ich dieses Gefühl… was jetzt mit mir passiert ist einfach unbeschreiblich.
    Der Kuss mit Thorin fühlt sich ganz anders an als jenen mit Fili...
    Bedacht lege ich meine Hände auf seine starken Oberarme und erwidere den Kuss sehnsüchtig.
    Meine Bereitschaft ihn zu küssen, lässt unser Kuss leidenschaftlicher werden und meine Hände wandern von seinen Armen hoch in seinen Nacken, wo ich schliesslich meine Arme um ihn schlinge.
    Thorin umfasst meine Taille und legt die andere Hand zwischen meine Schulterblätter.
    Ich bin so fest an ihn gepresst, dass ich seinen beschleunigten Herzschlag spüren kann und er mit Sicherheit auch meinen.
    Auch wenn dieser Moment zu schön ist um wahr zu sein, müssen wir den Tatsachen ins Gesicht sehen und ihn beenden.
    „Ich liebe dich Riannon!“ haucht Thorin noch in den letzten Kuss ehe wir uns ganz voneinander lösen.
    Die anderen Zwerge beginnen vor Freude zu jubeln und johlen, alle ausser Fili was ich natürlich nachvollziehen kann.
    Ich weiss nicht ob mein Handeln jetzt falsch war, den Kuss zu erwidern.
    Fili und ich haben schliesslich nie über uns gesprochen, was wir zusammen haben und was noch sein wird.
    Thorin hingegen hat alle Karten offengelegt und mir seine Liebe zu mir gleich gestanden.
    Doch wie dem auch sei… ich werde das Gespräch mit Fili suchen um alles zu klären.

    Wir überlegen uns welchen Weg wir nehmen sollen, doch wir haben nichts um den See zu überqueren und gehen wir um ihn herum, werden uns die Orks einholen.
    Plötzlich werden wir von einem Unbekannten mit Pfeil und Bogen bedroht.
    „Macht das noch einmal und ihr seid tot!“ droht er uns weiter uns starrt uns warnend mit seinen dunklen Augen an.
    Balin erspäht als erster einen grossen Kahn und beginnt das Gespräch mit dem Fremden: „Ihr seid wohl aus der Seestadt? Dieser Kahn denn ihr da habt, der wäre nicht zufälligerweise zu mieten?“
    Der Fremde senkt langsam seinen Bogen und beginnt dann unsere Fässer aus dem Elbenreich aufzuladen.
    „Wie kommt ihr darauf dass ich euch helfe?“ will der Fährmann misstrauisch wissen.
    „Eure Stiefel haben schon bessere Tage gesehen, so wie auch euer Mantel. Zweifellos müsst ihr hungrige Mäuler stopfen. Wie viele Bälger?“ spricht der weisshaarige Zwerg weiter.
    Wir verlieren viel zu viel Zeit hier.
    Auch Thorin und Dwalin verlieren ihre Geduld und werden patzig.
    „Warum so eilig Herr Zwerg?“ geht die sinnlose Fragerei weiter.
    Ich seufze genervt… weniger Worte, mehr Taten wären jetzt wohl angebracht.
    „Was geht euch das an?“ kontert Dwalin in barschem Unterton und steht breitschultrig vor ihm.
    „Ich wüsste gerne wer ihr seid?“ drängt der Fährmann weiter als er weitere Holzfässer auflädt.
    Erneut tritt Balin hervor und übernimmt: „Wir sind einfache Kaufleute aus den blauen Bergen. Und wollen zu unseren Verwandten in den Eisenbergen.“
    Balins Blick ist verschwörerisch und der Fremde kauft ihm dies natürlich nicht ab.
    „Wir brauchen Essen, Vorräte, Waffen… könnt ihr uns helfen?“ erklingt endlich die Stimme unseres Anführers.
    Ich bin sichtlich überrascht dass unser Zwergenprinz einen solchen Wortschatz hat.
    Thorin würde nicht um Hilfe betteln wenn es nicht nötig wäre.
    Viel lieber macht er alles alleine und ist meistens zu Stur um Hilfe von aussen anzunehmen.
    Doch wieder weicht der Fremde der Frage aus, er misstraut uns, was ich ihm natürlich nicht verübeln kann.
    Zudem weiss er das unsere Fässer aus dem Waldlandreich stammen und dass unser Treffen mit den Elben nicht gut ausgegangen ist.
    Wir scheinen den Mann nicht überzeugen zu können, als Aiden hervor tritt: „Wir haben eurer Stadt schon oft geholfen und jetzt wollt ihr uns nicht mal einen kleinen Gefallen erweisen?“
    Neugierig schauen die schokoladenbraunen Augen meinen Partner an: „Ich weiss wer ihr seid. Nennt mir einen Grund warum ich einem unehrlichen Kartenspieler helfen sollte?“
    Das darf doch nicht wahr sein… Aiden und seine verfluchte Vorliebe fürs Kartenspielen.
    Es ist allseits bekannt, dass er bei fast jedem Spiel betrügt, auch in der Seestadt wird anscheinend darüber gemunkelt.
    Mürrisch verschränkt der Hexer seine Arme vor der Brust und sieht mich erwartungsvoll an.
    „Was?“ frage ich ihn irritiert.
    „Du bist eine Frau! Lass deine Reize und deinen Charme spielen.“ Erklärt er mir fordernd.
    Ich rolle mit meinen Augen.
    Ich war noch nie sehr gut darin, wenn es hiess ich solle meinen Charme spielen lassen.
    Warum muss ich auch die einzige Frau in der Unternehmung sein?

    Mittlerweile starren mich auch die Zwerge bettelnd und flehend an.
    Ich seufze ergebend und gebe schliesslich nach… na gut ich kann ja mal versuchen mit ihm zu reden.
    Langsam gehe ich auf den braunhaarigen Mann zu, greife vorsichtig nach seiner Hand während er gerade nach einem Fass greift und sehe ihn flehend an: „Wir brauchen wirklich eure Hilfe. Bringt uns ungesehen in die Stadt und wir werden euch nicht weiter zur Last fallen.“
    Auch ich bin nicht dafür bekannt, dass ich um Hilfe flehe, aber jetzt spiele ich die hilflose Frau in Nöten.
    Eine Hexerin ist eine einsame Jägerin, aber selbst eine einsame Jägerin braucht ab und zu Hilfe.
    Ich habe auch schon einen Plan wo wir uns verstecken können und wo wir unterkommen sobald wir uns in der Stadt befinden.
    „Aiden und ich besitzen je einen Passierschein, wir müssen also nur die Zwerge unbemerkt in die Stadt schleusen.“ Berichte ich weiter worauf der Fremde etwas ruhiger wird und uns schlussendlich nach langem Überlegen zustimmt.

    Auf seinem grossen Kahn führt er uns sicher über die raue See.
    Die Zwerge sammeln das Geld zusammen als sie plötzlich inne halten.
    Hinter dem dichten Nebel, in Sonnenlicht getränkt erstrahlt der Erebor weit in der Ferne.
    Für mich und Aiden ist dies ein Berg wie jeder andere auch, doch für die Zwerge ist es weitaus mehr als nur ein einzelner entlegener Berg.
    Es ist ihre Heimat, ihr Zuhause, welches sie vor langer Zeit aufgeben mussten.
    Für mich ist es eine grosse Ehre sie auf ihrer Reise zu begleiten und mit ihnen den Berg zurück zu erobern.
    „Wo kommt ihr eigentlich her?“ richtet der Fährmann seine Frage an mich.
    Ich senke meinen Blick… ich spreche nicht gerne über meine richtige Heimat und wenn, dann nur sehr selten.
    „Ich stamme aus Nazair. Aiden aus Aedirn.“ Antworte ich ihm möglichst kurz.
    Doch der Fährmann weisst sich als äusserst neugierig und fährt mit der Fragerei fort: „Wie ist es dort?“
    Ich erhebe meinen Blick und mustere den braunhaarigen.
    Allem Anschein nach, ist er womöglich noch nicht sehr weit gereist.
    Auch wenn ich mich nicht gerne an meine alte Heimat zurück erinnere, so antworte ich ihm dennoch: „Meine Heimat liegt südlich der Amellberge. Es ist ein Meer aus Gras, vom einem Horizont zum anderen. Es gab keine Grenzen, ausser im Westen denn der wird vom grossen Meer eingenommen. Nazair ist ausserdem berühmt für die blauen Rosen, mit dem sanften violetten Schatten an den Enden der Blütenblätter.“
    Ich breche ab… diese Blume war, die Lieblings Blume meiner Mutter.
    Meinem Grossvater ist es damals gelungen, Setzlinge zu züchten und mit der blühenden Pracht der blauen Rosen unseren Garten zu schmücken.
    „Scheint einen Besuch wert zu sein.“ Unterbricht Bard die Stille, als ihm bewusst wird, wie sehr es mich beschäftigt und quält.
    „Ja das ist es… doch Nazair liegt weit weg.“ Sage ich mit einem aufgezwungenen Lächeln und versuche nicht allzu traurig zu wirken.
    „Darf ich euch noch eine letzte Frage stellen?“ fragt der braunhaarige weiter, doch hält sich etwas zurück.
    Ich nicke langsam ohne zu wissen, was er noch wissen will und höre mir seine Frage an: „Wenn ihr sterben und auferstehen würdet… würdet ihr noch einmal Hexerin werden.“
    Überrascht und fassungslos starre ich ihn an.
    Das interessiert ihn am meisten?
    Ob ich gerne eine Hexerin bin?
    Meine Stimmlage wirkt nun bedrückter, dennoch antworte ich ihm nachdenklich: „Ich habe es mir nicht ausgesucht Hexerin zu sein. Hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich einen anderen Beruf ergriffen. Einen bei dem ich nicht ständig mein Leben riskieren muss und der mir vielleicht sogar etwas Respekt einbringt.“
    Der braunhaarige bedankt sich mit einem Nicken für meine Ehrlichkeit und schweigt dann.
    Er scheint begriffen zu haben, dass es mir sehr schwerfällt darüber zu sprechen.
    Thorin tritt aufmunternd neben mich und legt mir sanft eine Hand auf meine Schulter und schenkt mir ein wunderbares Lächeln.

    Bard der Fährmann befiehlt den Zwergen sich in den Fässern zu verstecken.
    Aiden und ich gewähren ihnen Sicherheit, da wir unser Schleuser fest im Blick haben.
    „Kein Durchgang!“ halten uns die Wachen sofort zurück, womit wir überhaupt nicht gerechnet haben.
    Seit wann wurden solche Massnahmen denn getroffen?
    Ich war schon länger nicht mehr in Esgaroth, jedoch kann ich mich nicht erinnern so in Empfang genommen zu werden.
    „Wir dürfen niemanden in die Stadt lassen. Befehl ist Befehl. Nur mit Passierschein.“ Erklärt uns die Stadtwache.
    Trotzdem kommt es uns ziemlich merkwürdig vor, weshalb Aiden wissen will: „Wer hat angeordnet die Stadttore zu schliessen?“
    „Angeblich der Bürgermeister selbst. Er will nicht dass ihm die schöne Stadt von Bettlern und Flüchtlingen vollgepisst wird.“ Offenbart uns der Wachmann äusserst freundlich.
    Aiden und ich zeigen ihm unsere Passierscheine und sie lassen uns durch.

    Bevor wir ans Zolltor kommen, müssen die Zwerge leider etwas leiden… denn sie werden mit tiefgefrorenem Fisch völlig überdeckt.
    Während Aiden und ich uns nichts anmerken lassen und uns gelassen an den Schiffsmast lehnen, wirft Bard mir immer wieder unsichere Blicke zu.
    Erneut kontrollieren sie unsere Papiere und wollen wissen ob wir etwas anzumelden haben.
    Der alte Mann am Zoll posten kennt Bard und will ihn ohne weiteres durchlassen, als neben ihm eine grässliche Gestalt auftaucht.
    Er erblickt die Fässer mit dem vielen Fisch, welche eigentlich leer angemeldet wären, was jetzt ein kleines Problemchen darstellt.
    Eine hitzige Diskussion beginnt zwischen den beiden, woraus wir Hexer uns vorerst raushalten.
    „Dieser Fisch, ist nicht genehmigt! Kippt die Fässer über Board!“ befiehlt die hässliche Gestalt, welche auf den Namen Alfrid hört.
    Doch dies müssen wir unausweichlich verhindern.
    Aiden und ich schreiten ein und stellen uns je auf eine Seite von Bard.
    „Gibt es hier ein Problem?“ fragt der junge Hexer bedrohlich und in einem knurrenden Ton.
    Hätte er sein Schwert dabei, hätte er seine Hand bereits am Griff des Schwertes, aber leider wurden uns all unsere Waffen abgenommen.
    Sein Blick fällt auf uns und er verstummt abrupt.
    Auch wenn wir entwaffnet sind, ein Hexer weiss wie man kämpft, ob mit Schwertern oder mit Fäusten.
    Bedrohlich haben wir den Kerl fixiert, worauf er nach gibt und uns ohne weiteres durchlässt.
    Das war zu einfach… ich wette sie werden uns auf Schritt und Tritt verfolgen und beobachten.

    Die Zwerge können endlich aus ihrem stinkigen Versteck hervor kommen.
    Als ich mich bei Bard für seine Hilfe bedankt habe, packt er mich unerwartet an meinem Arm: „Wo bringt ihr sie hin?“
    Mein Blick gleitet von seinem Griff zu seinen geheimnisvollen braunen Augen und ich antworte: „Wir gehen zum Südstern und Langgrundblatt.“
    Ich entreisse mich seinem Griff und bitte die Zwerge mir zu Folgen.
    Lange schaut der Fährmann uns noch hinter her.
    Wehe er kann seinen Mund nicht halten… denke ich mir als wir durch die Stadt schleichen.
    Dicht folgen mir die Zwerge und haben keinen Schimmer wohin ich sie führe, aber mittlerweile wissen sie dass sie mir vertrauen können.
    „Wo sind wir hier?“ will Bilbo wissen und blickt sich erstaunt um.
    „Das Meister Beutlin, ist die Welt der Menschen.“ Offenbart ihm Thorin welcher nun hinter mich getreten ist.
    Ich weiss nicht, doch habe ich das Gefühl dass Thorin dies mit einem Ton der Verachtung ausgesprochen hat.
    Die ganze Zeit über verwende ich meine Hexer-Sinne, damit ich alles besser erspähe und hören kann.

    Ungeahnt mache ich halt, worauf der Zwergenprinz fast in mich hinein läuft.
    „Eine Patrouille! Sie dürfen uns nicht sehen.“ Warne ich die andern mit leiser Stimme.
    Wir warten bis sie vorbei ziehen und schleichen dann weiter.
    Bis zum Südstern und Langgrundblatt ist es nicht mehr weit.
    Auch wenn der Weg dorthin ziemlich gefährlich für unsere Gefährten ist, halte ich es für besser wenn wir vorübergehend dort unterkommen.
    Armut und Elend ist überall zusehen und die Stadtwachen sprechen noch von einer schönen Stadt.
    Vielleicht war sie das einst… doch jetzt ist alles anders.
    „Halt! Im Namen des Königs…“ eine Wache des Bürgermeisters hat uns erspäht, zeigt auf uns und befiehlt uns stehen zu bleiben.
    Natürlich denken wir überhaupt nicht daran und verstecken uns in der Menschenmasse.
    Wir sind mitten auf einem überfüllten Marktplatz und plötzlich umzingelt von den Wachen.
    Mit Rudern, Pfannen und unseren Fäusten gelingt es den Zwergen die Wachen still zu legen.
    Eine weitere Patrouille inspiziert den Markt misstrauisch.
    Sie kommen direkt auf uns zu.
    Schnell ergreifen Aiden und ich die Initiative und begeben uns vor die Wachen und versperren ihnen so den Weg.
    „Hexer!“, stellt er fest und die Wachen mustern uns abschätzend.
    Trotz aller Verachtung uns gegenüber, dürfen sie uns nichts tun.
    Dann taucht auch noch der Oberkommandant auf und kommt bedrohlich und mit herabfallendem Blick auf uns zu: „Wusstet ihr, dass Fledermäuse Motten meilenweit riechen können?“
    Irritiert gleitet mein Blick zu meinem Partner welcher ihn schliesslich fragt: „Was wollt ihr?“
    Erneut versucht er uns mit seinen Worten einzuschüchtern: „Wie Fledermäuse die Motten, so erspüre ich Missgeburten und warne sie, dass Esgaroth kein geeigneter Ort für sie ist.“
    Emotionslos lasse ich seine widerwärtigen Beleidigungen über mich ergehen.
    Von den Verstecken der Zwerge heraus, ist ein wütendes aber leises knurren zu hören.
    „Wir haben nichts Falsches getan.“ Offenbare ich ihm und bleibe standhaft stehen, auch wenn er mir nun bedrohlich nahe gekommen ist, und mich von oben bis unten lüstern mustert.
    Seine durchdringenden Blicke sind mir regelrecht unwohl.
    „Aber ihr werdet es. Früher oder später machen eures Gleichen immer Ärger und diese Stadt wird von mir geschützt. Noch können wir nichts unternehmen, aber ich weiss, dass ihr wieder hier seid. Ein falscher Schritt, ein Fehler… ihr werdet schon etwas falsch machen, das ist unvermeidlich. Ich höre das als Erster. Und dann passiert das, was mit allem Abschaum geschieht, dass die Luft in Esgaroth verunreinigt. Wir sehen uns.“ Spricht er und läuft von dannen, nachdem er noch weitere Drohungen ausgespuckt hat.

    13
    Feurige Leidenschaft Vom bevölkerten Hafenviertel aus sind wir nun weiter in den Osten der Stadt geschlichen. Bis ich schliesslich unser Zufluchtsort
    Feurige Leidenschaft


    Vom bevölkerten Hafenviertel aus sind wir nun weiter in den Osten der Stadt geschlichen.
    Bis ich schliesslich unser Zufluchtsort sehen kann.
    Das Südstern und Langgrundblatt ist ein schlüpfriges Etablissement am äussersten Stadtrand.
    Wenn Aiden und ich in der Seestadt sind, sind wir meistens hier anzutreffen, denn hier erlebt man noch wahre Lebensfreude.
    Ich erinnere mich noch genau daran als mir Aiden damals lachend berichtet hat, dass unser gemeinsamer Freund ein Bordell geerbt hat, welches er schliesslich zu einem Kabarett umgestaltet hat.
    „Wir sind da.“ Berichte ich den Zwergen erleichtert und mit einem strahlenden Lächeln.
    Nur noch ein paar Schritte und wir sind sicher, fröhliche mittelalterliche Musik ist bereits aus der Taverne zu hören, aber auch lautes Gebrüll und Gepolter.
    Was ist da wieder los?
    Wir wollten gerade die Tür öffnen und hinein treten als uns drei betrunkene Penner entgegen geflogen kommen.
    „Nächstes Mal reisse ich dir beide Beine ab und ramm sie dir in den Arsch bis du Zehennägel kotzt!“ vernehme ich die wütende Stimme die mir nur allzu vertraut vorkommt.
    „Cadrim!“ tritt Aiden mit einem breiten Grinsen hinter den Zwergen hervor und begrüsst seinen alten Freund der ebenfalls ein Zwerg ist.
    „Na wenn das nicht meine beiden Lieblings Hexer sind.“ begrüsst er uns freundlich.
    Ungläubig starren ihn unsere Gefährten an, kein Wunder denn immerhin mussten sie sich vor jeder Wache verstecken und Cadrim ist hier auf freiem Fuss.
    Wenn man hier angemeldet ist, ist dies natürlich kein Problem.
    Zuvorkommend öffnet uns der stramm gebaute Zwerg die Tür und ich fühle mich gleich viel wohler und ein Stück wie zu Hause.
    Mitreisende Musik wie man es nur in dieser Taverne zuhören bekommt scheint unsere kleinen Gäste gleich mit zu reissen.
    Die Gesichter der Zwerge erhellen sich, als sie die ausgelassene Stimmung bemerken.
    Zu lange ist es her, seit wir uns in solch guter Gesellschaft befanden.
    Sie haben das Gasthaus wirklich hervorragend renoviert und etwas Gutes daraus gemacht.
    Hier in Esgaroth findet man keinen besseren Ort als diesen hier.

    „Fanloén! Sieh mal wer uns wieder mal einen Besuch abstattet.“ Ruft Cadrim durch das halbe Gasthaus.
    Fanloén, welcher konzentriert hinter dem Tresen arbeitet schaut neugierig in unsere Richtung.
    Seine meerblauen Augen beginnen zu funkeln und er kommt freudig und mit ausgestreckten Armen auf uns zu.
    „Das gibt es doch nicht!“ begrüsst er uns überschwänglich und drück mich fest an sich.
    Ich bin glücklich darüber meine alten Freunde wieder zu sehen, doch aus dem Augenwinkel erkenne ich, wie sich das Gesicht unseres Anführers verfinstert.
    Natürlich kann ich Thorin verstehen, denn Fanloén hat so ein schönes Aussehen, dass viele ihn für einen Elb oder Halbelben halten, was er jedoch keines Wegs ist.
    Der Barde ist eine Klasse für sich, ein unermüdlicher Schwätzer, ein Narr und ein Faulpelz.
    Ausserdem ein Schürzenjäger, der Ärger geradezu magisch anzieht, aber gleichzeitig ist Fanloén ein wirklich begabter Künstler und ein sehr guter Freund von mir.
    „Wer sind deine Freunde?“ will er anschliessend neugierig wissen, nachdem wir uns freundschaftlich umarmt haben.
    „Das ist Thorin Eichenschild und seine Unternehmung.“ Beantworte ich seine Frage ehrlich.
    Ich verlasse mich auf ihn, dass er uns nicht verrät und schliesslich soll er wissen wer bei ihm unterkommt, nicht dass er nachher noch unvorhergesehene Schwierigkeiten bekommt.
    Seine Augen weiten sich und er verneigt sich vorbildlich und untergebend… so ist unser Fanloén eben.
    „Ihr seht wirklich schrecklich aus, ihr solltet euch ausruhen. Kommt ich zeige euch die Zimmer. Essen und Getränke gehen aufs Haus, ihr seid wahrlich willkommen.“ Erweist er uns seine gütige Gastfreundschaft.
    Während wir anderen, normale Zimmer bekommen, lässt er Eichenschild in der Rubinensuit hausen.
    Wie nobel von unserem Gastgeber, doch er kann wirklich besser als ich mit Königen oder hochangesehenen Leuten umgehen, wenn auch nicht immer.

    Nachdem die Zwerge und wir unsere Zimmer bezogen haben, uns etwas ausgeruht haben und gestärkt haben, ist es an der Zeit, dass wir uns um unsere Waffen kümmern.
    Ich weiss nicht aber ich fühle mich so nackt ohne meine geliebten Schwerter, den Zwergen dürfte es da nicht anders ergehen.
    Wir versammeln uns unten wieder und bitten unseren Gastwirt, die geheime Tür aufzumachen, welche sich versteckt im Keller befindet.
    Irritiert folgen uns die Gefährten, schauen aber auch ziemlich neugierig aus.
    Volle Holzfässer mit vorzüglichem Wein, Met und Bier sind übersichtlich gelagert, doch der Wein übertrifft alles, er reicht vom Erveluce, Est Est, Fiorano, bis hin zum Sangreal.
    Auf unser Geheiss öffnet Fanloén die grosse Tür, wir lassen unseren Freunden den Vortritt welche alle sprachlos werden.
    Mit glänzenden, weit aufgerissenen Augen und offenen Münder durchforschen sie den geheimen Raum.
    Über die Jahre hin weg, haben meine Kameraden und ich, immer neue Schwerter oder Rüstungen gekauft, gefunden oder gegen etwas Neues eingetauscht.
    Wie sagt man so schön, Kleider machen Hexer… jede Rüstung weisst natürlich einen anderen Vorteil auf, doch haben sie auch ähnliche Eigenschaften.
    Sie schützen uns vor Angriffen und lassen uns obendrein noch gut aussehen.
    Wir haben Rüstungen von verschiedenen Garnisonen, Völker und von diversen anderen Hexerschulen.
    Schwerter, glänzen in ihrer voller Pracht, allesamt frisch geschliffen und nur mit dem besten Stahl.
    Zahlreiche prachtvolle Bögen ob aus Holz, oder Metall schmücken die Wände.
    Hier findet man einfach alles, was man braucht, zwar könnten die anderen Hexer nicht sonderlich erfreut darüber sein dass wir uns hier etwas aus borgen, aber wir brauchen dies, denn immer hin kämpfen wir bald gegen einen riesigen Feuerdrachen.
    „Kannst du Elihal ausfindig machen? Wir brauchen ihn um Änderungen bei den Rüstungen vor zu nehmen.“ Wende ich mich an Fanloén, welcher sofort einen Boten losschickt.

    Ich wandere durch die Gänge des drei Stöckigen Etablissements, als ich vor Kilis Zimmer zum Stehen komme.
    Seine schwerwiegende Verletzung ist mir nicht entgangen und ihm muss schnellstens geholfen werden, falls es denn noch nicht zu spät ist.
    Damals habe ich meine Verletzung durch einen Morgul-Pfeil zu spät richtig verarztet und meine sonst so wirkungsvolle Heiltränke haben nichts mehr genützt.
    Ich brauchte die Heilungskräfte der Elben, aber wenn wir jetzt Kilis Verletzung behandeln, könnte es noch nicht zu spät sein.
    Ich krame ein Fläschchen Schwalbe hervor als mich Aiden dabei erwischt: „Was wird das?“
    Misstrauisch beäugt er mich mit wie üblich verschränkten Armen, wenn dem jungen Hexer wieder mal etwas nicht passt, oder er misstrauisch wirkt.
    „Ich will ihm etwas Schwalbe geben.“ Erläutere ich ihn.
    „Bist du verrückt? Bei uns funktioniert er vielleicht, weil unser Stoffwechsel viel schneller ist als bei normal sterblichen.“ Spricht der braunhaarige Hexer aufgebracht und will mich von meiner Idee abbringen.
    „Ich weiss, dass er auch schaden kann… sehr sogar. Aber vielleicht wirkt es! Kili wird dann wohl ein paar Tage brauchen bis er wieder ganz der Alte ist aber wir haben keine Wahl!“ sage ich mit gesenktem Blick.
    Hier in die Seestadt kommen nur sehr selten Elben, falls überhaupt, deshalb ist es unsere einzige Chance.
    „Mach was du willst!“ kommt es von Aiden der an mir vorbei geht.
    „Ich finde es besser, als nichts zu tun.“ Gestehe ich und betrete den Raum.

    Als ich in sein Zimmer komme, welches er mit seinem Bruder teilt, steht er gerade vor einem Spiegel und betrachtet sich in seiner neuen, strahlenden Rüstung, welche bereits angepasst wurde.
    „Wie ich sehe, war Elihal schon hier.“ Sage ich freundlich und setze mich auf sein Bett.
    Ich knete meine Hände und überlege mir wie ich anfangen soll: „Hörzu Kili, deine Verletzung muss behandelt werden ehe das Gift sich weiter ausbreitet.“
    Er dreht sich zu mir und sieht mich mit unsicheren Augen an.
    Ich halte ihm das Fläschchen mit dem Heilungstrank hin: „Du solltest es sofort nehmen! Danach wirst du dich ein paar Tage ausruhen müssen.“
    Zögernd ergreift der junge Zwerg das kostbare Elixier: „Kann ich nicht noch etwas warten?“
    Verwirrt starre ich ihn an.
    Warum will er noch warten? Will er sein Leben riskieren?
    „Ich werde es heute Abend nehmen versprochen, doch ich möchte vorerst noch ein bisschen mit euch feiern.“ Offenbart er mir mit schüchternem Blick.
    „Na schön aber du nimmst es dann auch!“ befehle ich und gemeinsam verlassen wir das Zimmer und begeben uns nach unten zu den andern.

    Schön wieder einmal einen Abend frei zu haben.
    Der Durins Tag ist in zwei Tagen und wir stehen praktisch schon am Fusse des Berges, also bleibt uns heute Zeit um ausgelassen zu feiern.
    An einem langen Tisch sitzen schon alle Zwerge versammelt, zusammen mit Aiden, Cadrim und Bilbo natürlich.
    Thorin hat mir einen Platz neben ihm freigehalten und weisst mich mit einer Handbewegung an mich neben ihn zu setzen.
    Ich setze mich gelassen hin, als ich merke wie der Zwergenprinz sich mir nähert.
    Verlegen warte ich darauf was er machen will, als er mich in einen leidenschaftlichen Kuss verwickelt.
    Ich erröte und erwidere seinen feurigen Kuss, welcher voller Verlangen und Drang ist.
    „Hab ich etwas verpasst?“ dringt die Stimme von Fanloén in mein Ohr, welche mich und Thorin auseinander fahren lässt.
    Aiden mischt sich ein, deutet ihm sich zu setzen und beginnt mit unserer Geschichte, wie wir sie auf der grossen Oststrasse vor den Orks befreit haben, von unserem Besuch in Bruchtal, unten in der Stadt der Orks, bei dem Hautwechsler Beorn, wie wir aus den grossen Hallen Thranduils geflohen sind und schliesslich wie wir in die Seestadt kamen.

    „Das ist ja eine fantastische Geschichte! Ein König der seine Heimat zurück erobern will, zusammen mit zwei Hexern einen Drachen töten und dann eine pompöse Hochzeit an die man sich noch lange erinnern wird.“ Spricht der Poet welcher völlig in seiner Fantasie schwelgt.
    So wie er es kurz zusammenfast klingt es ja wirklich toll, aber was wenn dem nicht so ist?
    Was ist wenn wir den Drachen nicht besiegen können und wir alle in einem grossen Flammen Inferno untergehen?
    Ich will gerade etwas entgegensetzen als der Barde weiter schwärmt: „Das ist Material für einen ganzen Balladenband! Der wird weggehen wie warme Semmel!“
    Ich verdrehe meine Augen… der und seine Balladen.
    Er hat schon einige Balladen über uns Hexer geschrieben, da wir ihm die besten Geschichten vorweisen können, welche er dann natürlich noch etwas ausschmückt.
    Obwohl er ziemlich gut schreibt und ein grosses Publikum hat das ihn verehrt, steigt ihm doch der ganze Ruhm zu Kopf.
    „Ist das alles was dich kümmert? Die Balladen die dabei heraus springen? Dein Ego nimmt wohl überhand und du wirst im Alter immer selbstsüchtiger.“ Sage ich leicht genervt und hole den Barden etwas von seinem hohen Ross.
    Es ist still geworden, doch Aiden bringt das fröhliche Treiben voran: „Los Trinken wir!“

    Fanloén hat seinen besten Met herausgeholt und dazu noch einige ziemlich starke Getränke und für mich natürlich einen vorzüglichen Wein.
    Meine Leber lässt grüssen…
    Wir bechern was das Zeug hält zu einer ausgelassenen, fröhlichen Stimmung.
    Seit unserer Reise haben die Zwerge und ich uns noch nie so köstlich amüsiert, wenn man bedenkt, dass dies unser erstes und letztes fröhliches Beisammensein, sein könnte.
    Noch sehen alle einigermassen gut aus, doch die leeren Flaschen häufen sich und der Alkoholpegel steigt stetig weiter an.
    Plötzlich kommt Aiden euphorisch an unseren Tisch gerannt und zerrt mich an meinem Arm: „Los komm Ria! Ich hab da vorne einen ganz dicken Fisch am Hacken, du musst mir helfen!“
    Ich komme nicht mal dazu mich zu widersetzen, schon werde ich von meinem Kameraden mitgeschleift.
    Lachend und irritiert schauen uns die Zwerge nach.
    „Was haben sie vor?“ will der Hobbit angeschwipst wissen.
    Unser Gastgeber schüttelt nur genervt seinen Kopf antwortet dem Halbling jedoch: „Aide ist der unehrlichste Kartenspieler weit und breit und Riannon hilft ihm hin und wieder mal. Anscheinend haben sie drei ahnungslose Spieler gefunden, welche gegen sie antreten wollen.“
    „Ja und nicht zu vergessen die Prügeleien die dadurch entstehen.“ Erzählt Cadrim entzückt weiter, worauf sich einige Zwerge begeistert um unseren Spieltisch stellen.
    Thorin, Fili, Kili, Dwalin und Bilbo verfolgen angespannt das Spiel.
    Während Aiden mich an den Tisch gezogen hat, hat er mir noch ein paar hohe Karten untergejubelt.

    Das Kartenspiel wurde einst vor langer Zeit von den Zwergen erfunden, es handelt vom Zusammenstoss zweier Armeen, welche in einem Kampf auf Leben und Tod verwickelt sind.
    Die Spieler übernehmen hierbei die Rolle der Anführer, während die Karten, die in Nahkampfinfanterie, Fernkampfinfanterie und Belagerungseinheiten unterteilt sind, die Rolle der Armee übernehmen.
    Heut zu Tage spielt dieses Spiel fast jeder, egal ob Elb, Mensch, Zwerg oder Hexer.
    Jeder Spieler darf zu Anfang zehn Karten aus seinem Stapel ziehen.
    Aiden und ich schlagen uns wirklich gut und die Beute scheint zum Greifen nahe, aber uns unterläuft schliesslich einen kleinen Fehler und unser Gegner hat unser hinterhältiges Spiel sofort durchschaut.
    Unsere Gegenspieler erheben sich mit Zorn in ihren Augen: „Wie viele Karten gibt es denn in dem Spiel?“
    Wutentbrannt werfen sie die restlichen Karten rücksichtslos auf den Boden und sind ausser sich vor Wut.
    Sie haben uns durchschaut, wieder einmal… irgendwann geht es bei unserer Betrügerei immer schief.
    Der eine holt zum ersten Schlag aus und will Aiden über den Tisch hinweg treffen, doch Aiden braucht sich nur ein kleines Stück nach hinten zu lehnen und weicht der Faust so aus.
    „Ich bitte euch, keine Schlägerei in meiner Taverne! Erledigt das draussen!“ kommandiert unser Gastwirt.
    Die drei Unruhestifter inklusive Aiden und Dwalin begeben sich vor die Tür.
    Belustigt schüttle ich meinen Kopf und setze mich mit den andern wieder an unseren grossen Tisch.
    „Ein anderer Zeit vertreib wäre gesünder für euch.“ Spricht der Barde und füllt erneut die Krüge mit dem besten Met der Gegend.
    „Nun unsere Art des Kartenspiels bietet uns viel frische Luft und körperlicher Ertüchtigung.“ Kontere ich mit einem schelmischen Grinsen.

    Nach einer Weile kommen Aiden und Dwalin siegreich und lachend wieder zu uns.
    Sie tragen lediglich nur ein paar Kratzer und ein blaues Auge davon, doch sonst sehen die beiden ziemlich gut und munter aus.
    „Meine Herren, ich komme wieder, aber zuerst muss ich für kleine Drachen.“ Spricht der Hexer und verschwindet für einen kurzen Moment auf der Toilette.
    Ich blicke in die Runde, alle scheinen das bevorstehende vergessen zu haben oder sie unterdrücken es und versuchen es zu ertränken.
    Mir fällt auf, dass Thorin eher weniger trinkt als die anderen… tut er dies meinetwegen? Oder aus einem ganz andern Grund?
    Doch viel Zeit um darüber nachzudenken habe ich nicht den Aiden kehrt aufgestellt mit einem spitzen Hut zurück: „Hallo, ihr Knirpse! Feiert euren eigenen kleinen Karneval was? Alkohol meine Besten ist des Hexers und des Zwerges ärgster Feind!“
    Ich halte mir die Hand vor die Augen… oh je, Aiden und Alkohol keine gute Kombination, aber die Zwerge scheinen sein Auftritt ziemlich amüsant zu finden, was ich natürlich nicht abstreiten kann.
    „Wo hast du denn dieses Hütchen her?“ will Dwalin wissen und kann sich kaum halten vor Lachen.
    „Spielt keine Rolle.“, Spricht er und schauspielert weiter wie ein zweitklassiger Künstler, „Meine Freunde, ein Hexer zu sein ist mehr als nur Karten und Schnaps. Es ist… harte Arbeit.“
    Lachend schüttle ich meinen Kopf, ich denke jeder weiss dass das Leben eines Hexers kein Zuckerschlecken ist.

    Immer wieder bemerke ich die smaragdgrünen Augen von Fili auf mir Ruhen.
    Auch wenn alle in Feier Laune sind, fasse ich mir ein Herz und gehe auf den blonden Zwerg zu.
    „Hast du einen Moment?“ frage ich ihn und bitte ihn mir nach draussen zu folgen.
    Ohne Widerrede kommt er meiner Bitte nach und folgt mir, gefolgt von den Blicken der andern.
    Frische Nachtluft weht uns entgegen, tausende Sterne sind am Himmel und leuchten hell über Esgaroth.
    Es schneit leicht, sanft fallen tausend kleine Schneeflöckchen auf die Strassen der Stadt.
    Hier und da torkeln vereinzelt Betrunkene herum, eine schwarzweisse Katze schleicht an uns vorbei…
    Ich weiss nicht wie ich beginnen soll, und es fällt mir auch unglaublich schwer, da ich den Zwerg neben mir auch sehr gerne mag.
    Zwar mag ich ihn nicht auf diese Art wie Thorin, aber Fili ist mir mittlerweile ziemlich ans Herz gewachsen und ihn verlieren möchte ich auf keinen Fall.
    Wahrscheinlich wäre es das Beste für alle Beteiligten wenn ich nie in ihr Leben getreten wäre, oder wenn ich nie auch nur einen von beiden geküsst hätte.
    Ach die Liebe… sie kann ja so atemberaubend schön sein, wenn alles passen würde und es nicht mehrere Personen gäbe, für welche man unbeschreibliche Gefühle empfindet.
    „Es ist schön hier…“ beginnt er nachdenklich mit seiner sanften Stimme.
    Irritiert beäuge ich ihn: „Dir gefällt die Seestadt?“
    Kopfschüttelnd dreht sich der blonde Zwerg zu mir: „Nein, ich finde es schön wie wir alle beisammen sind, feiern, einen Trinken… ich finde es schön mit dir hier zu reden.“
    Seine Worte machen es mir noch schwerer darüber zu sprechen und ich muss meine Tränen zurück halten.
    Ich möchte ihn nicht verletzen… Balin hatte mir damals gesagt ich solle Thorin nicht unnötig wehtun, aber eigentlich geht es doch um Fili.
    „Hast du dir deine Entscheidung auch gut überlegt?“ fragt er mich und sieht mich erwartungsvoll an.
    Ich weiss was er ansprechen will… es geht um Thorin und mich, weswegen ich auch mit ihm sprechen wollte.
    Ich senke langsam mein Haupt, denn ich bin mir äusserst unsicher.
    Habe ich mich richtig Entschieden? Diese Frage geht mir auch schon eine ganze Weile durch den Kopf.
    „Fili, wir haben nie über uns gesprochen? Das was zwischen uns ist oder was in näherer Zukunft sein wird.“ Beginne ich vorsichtig um ihn nicht zu kränken.
    „Ich habe nicht dies gemeint.“, Offenbart er gleich, worauf ich ihn verwirrt mustere, „Wenn du dich wirklich für Thorin entschieden hast, ist dir dann auch bewusst, was alles auf dich zu kommen wird?“
    Erneut weiche ich seinem feinfühligen Blick aus, um seine Gefühle nicht sehen zu müssen.
    Ich weiss, dass ein Leben mit Fili durchaus leichter wäre, als es jenes mit Thorin sein wird.
    Fili ist Kronprinz, Thorin der König unter dem Berge.
    „Du müsstest dein Beruf aufgeben, ein Königreich eines anderen Volkes regieren, eine vorbildliche Person sein…“ zählt er einige Beispiele auf und appelliert an meinen Verstand.
    Ich seufze nachdenklich… der blonde Zwerg hat ja recht, ist dies wirklich dieses Leben, dass ich mir vorgestellt habe?
    Wenn man es genauer betrachtet eigentlich überhaupt nicht, aber letztendlich kann Thorin auch nichts dafür, dass er Thronerbe ist und dass meine Gefühle gerade für diesen Zwerg am stärksten sind.
    „Und was soll ich deiner Meinung nach tun?“ will ich von ihm wissen und sehe ihn durchdringend an.
    Ich spüre wie sich sein warmer Atem beschleunigt, er sich mir nähert und zaghaft nach meiner zierlichen Hand greift: „Wir könnten zusammen verschwinden! Fort von all dem hier! Wir könnten uns ein neues Leben aufbauen in einem weit entfernten Land, wo die Freiheit grenzenlos ist!“
    Meine Augen weiten sich… er will mit mir durchbrennen?
    Wo die Freiheit grenzenlos ist… er spricht ein bestimmtes Land an… Nazair.
    Ich vermisse meine richtige Heimat unglaublich, aber ich darf nicht daran denken.
    Traurig wende ich meinen Blick von ihm ab: „Tut mir Leid Fili ich kann nicht. Die Gemeinschaft braucht uns und ich will Thorin nicht auch noch verletzen.“
    Auch der blonde Zwerg senkt betrübt sein Haupt.
    Es fällt mir unglaublich schwer ihn so leiden zu sehen… warum muss die Liebe so schwer sein?

    Nach einer Weile beschliessen wir letztendlich wieder zu den andern zurück zu kehren.
    Die meisten sind noch fröhlich am Feiern, essen etwas, spielen Karten, lachen und tanzen zur Musik.
    Ein Glück müssen wir erst übermorgen abreisen… viele von ihnen werden morgen ein riesigen Brummschädel haben, so gross wie ein Troll, und ich denke keiner von ihnen wäre dann noch in der Lage gegen einen gefährlichen Drachen zu kämpfen.
    Kaum haben wir die Taverne betreten, werde ich von den azurblauen Augen nahezu auf Schritt und Tritt verfolgt.
    Ich bin müde und beschliesse daher auf mein Zimmer zu gehen, meinen Gefährten wünsche ich noch weiterhin ein frohes Treiben und Kili mahne ich noch ein letztes Mal, seine Medizin zu nehmen.
    „Ich begleite dich.“ Spricht Thorin und sieht mich intensiv an.
    Es kommt mir wie eine gefüllte Ewigkeit vor, in dem wir uns in die Augen schauen, doch es sind nur wenige Sekunden.
    Wir verabschieden uns gemeinsam von den andern und kriegen noch ein paar verschwörerische Blicke zu spüren.
    Eigentlich wollte ich ja in mein Zimmer gehen, aber Thorins Rubinsuit hat doch einen gewissen Reiz.
    Erstens ist das Gemach sehr komfortabel und edel eingerichtet und zweitens hat man einen hervorragenden Ausblick über die Seestadt und nicht zu vergessen, auf den Erebor.
    Sofort zieht es mich ans Fenster, wo ich den Schatten des Berges erkennen kann… ich seufze nachdenklich und traurig, was Thorin natürlich nicht entgeht.
    „Was bedrückt dich?“ fragt er flüsternd und umarmt mich von hinten.
    Ich spüre seinen warmen Atem auf meinen nackten Schultern, langsam und zärtlich beginnt er meinen Hals zu liebkosen.
    Auch wenn ich seine Zärtlichkeit geniesse, bedrückt mich etwas anderes: „Dieser Berg… deine Heimat… wenn es das Schicksal will, haben wir dort ein erfülltes und glückliches Leben, doch wenn nicht, ist dieser Berg unser Untergang.“
    Hinter mir vernehme ich ein seufzen, Thorin dreht mich langsam zu sich um und versucht mich zu beruhigen: „Sollten wir im Erebor sterben, werden wir dies gemeinsam… und auf der anderen Seite des weissen Lichtes werden wir uns wiedersehen und vereint sein.“
    Ich lächle schwach und umarme ihn… manchmal brauche ich dieses Gefühl der Geborgenheit einfach.
    Mir haben diese Gefühle wirklich gefehlt, jemanden zu haben der einem Geborgenheit schenkt, von dem ich liebevolle Zärtlichkeiten bekomme, jemand der keine Angst hat sich vor mir zu öffnen, der mir sagt, was er fühlt, was er will.
    Die Luft beginnt erneut zu knistern und Thorins Gesichtsausdruck ändert sich, etwas Wildes und sehnsüchtiges ist in seinen Augen.
    Unsere Gesichter kommen sich immer näher, ehe wir uns fest umschlungen leidenschaftlich Küssen.
    Unerwartet hebt mich der junge Zwergenprinz auf, ich schlinge meine Beine um seinen starkgebauten Körper, nehme sein Gesicht in beide Hände und küsse ihn weiter fordernd.
    Vorsichtig und langsam, als würde er mir wehtun, oder ich könnte wie eine Porzellanpuppe in tausend Teile zerspringen, legt er mich behutsam auf das grosse bequeme Bett, mit dem weinroten Bezug.
    Thorin legt sich auf mich und verwickelt mich in weitere feurige und atemraubende Küsse.
    Mit meinen kleinen Fingern knöpfe ich sein Hemd aus, streife es ihm ab und lasse meine Finger über seinen muskulösen Oberkörper gleiten.
    Er befreit mich von meinem Kleid und liebkost jede einzelne Stelle meines nackten Körpers.
    Seine Hände ruhen auf dem Pfad meiner Narbe, ehe er mich wieder in einen feurigen Kuss verwickelt.
    Er entblösst sich seinem Beinkleid, verhakt seine Finger in meiner Unterhose und reisst diese einfach runter.
    Meine Beine umschlingen ihn fest und als wir zusammen kommen, habe ich das Gefühl endlich dort zu sein, wo ich hingehöre.
    Das Schicksal hat uns zusammen geführt, so wie es vorher bestimmt war… ich fühle mich wie in einem Märchen, doch wenn man beginnt ein Märchen zu glauben, ist es keins mehr.

    Sonnenstrahlen dringen durch das Fenster auf mein Gesicht.
    Ich lächle mit geschlossenen Augen und schmiege mich weiter an Thorins starke Brust.
    Liebevoll schlingt er seine Arme noch mehr um mich und zieht mich fester an sich.
    Langsam öffne ich meine Augen und beäuge den immer noch schlafenden Zwerg.
    Seine Brust bewegt sich regelmässig auf und ab, bedacht und vorsichtig lege ich meinen Kopf auf seine Brust um seinem Herzschlag zu horchen.
    Ich fühle mich unbeschreiblich wohl in seinen Armen, meine Gedanken schwelgen zur vergangenen Nacht zurück…
    Ich entschliesse mich dazu mich langsam wieder anzuziehen, auch wenn ich noch zu gerne mit Thorin in dem warmen, kuschligen Bett gelegen wäre, haben wir noch andere Verpflichtungen.
    Leise geleite ich zum Fenster und habe nun einen direkten Blick zu unserem Ziel.
    Der schneebedeckte Erebor steht in seiner ganzen Pracht vor mir.
    „Du bist schon wach?“ vernehme ich die Stimme Thorins direkt an meinem Ohr.
    Zaghaft küsst er meinen Hals und in mir steigen wieder diese wunderbaren Gefühle auf.
    Ich wende meinen Blick von dem Berg ab und schaue in die schönsten Augen von Mittelerde: „Danke Thorin, für alles… und was du am Fluss zu mir gesagt hast.“ Hauche ich und lege meine Lippen sanft auf seine.
    „Ich hätte es schon viel früher sagen sollen.“ Spricht er und streicht zärtlich über meine Wange.
    „Was jetzt? Ist noch etwas früh für ‚und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. ‘“ frage ich ihn und schaue ihn erwartungsvoll an.
    Ich muss mich beherrschen, denn erneut bin ich den Tränen sehr nahe.
    Meine Furcht ihn zu verlieren, oder eine Person die mir sehr nahe steht, ist stetiger Begleiter in meinem Leben.
    Deshalb wollte ich all diese Gefühle niemals zu lassen, lange Zeit hatte ich keinen Menschen mehr der mir wirklich viel bedeutet hat.
    Ich war unverwundbar, keiner konnte mir etwas anhaben und mich verletzten, doch jetzt ist alles anders.
    „Wir werden unser glückliches Ende finden. Eines Tages.“ Besänftigt mich mein Geliebter.
    Ich seufze traurig und nachdenklich auf: „Ja… im Erebor, wenn wir ihn zurück haben.“
    Thorin bemerkt meinen Zweifel und sieht mich irritiert an.
    „Wir leben in einer grausamen Welt Thorin. Pläne lassen sich nur schwer machen und noch schwerer ist es an sie zu glauben, so sehr man es auch will.“ Spreche ich weiter und schaue in seine traurigen Augen.

    14
    Segelsetzen Richtung Ende Zusammen begeben Thorin und ich, uns nach unten zu den andern. Der Sonne nach zu urteilen ist es bereits nach Mittag. Einige
    Segelsetzen Richtung Ende

    Zusammen begeben Thorin und ich, uns nach unten zu den andern.
    Der Sonne nach zu urteilen ist es bereits nach Mittag.
    Einige der Zwerge sitzen gemütlich an einem Tisch und lassen es sich gut gehen, mit viel Käse, Brot, Pökelfleisch und Zwergenschnaps, den ich bis hier her riechen kann.
    Na prima… wenn die jetzt noch weiter trinken… weiss ich nicht wie fit die Morgen sind.
    Aiden und Dwalin stehen bewaffnet und bereit an der Eingangstür.
    Die hecken doch bestimmt etwas aus.
    Mit viel Elan gehe ich auf die beiden zu, und verschränke meine Arme vor der Brust während ich die beiden verschwörerisch mustere: „Was wird das?“
    Der junge Hexer klärt mich genervt und wortkarg auf: „Ein Monster-Auftrag.“
    Ich blinzle einige Male um mich zu fangen und starre die Zwei entgeistert an.
    Aiden will doch jetzt nicht ernsthaft einen gefährlichen Auftrag annehmen?
    Immerhin könnte er schwer verletzt werden und einige Tage brauchen bis er sich von seine Verletzungen erholt hätte und ich brauche ihn doch beim erlegen von Smaug.
    Ich versuche mir meine Panik nicht anmerken zulassen und frage: „Was für ein Monster? Und warum nimmst du Dwalin mit?“
    Schliesslich ist der werte Herr ein Zwerg und kein ausgebildeter Monsterschlächter mit übernatürlichen Fähigkeiten.
    Nun verschränken auch beide gleichzeitig ihre Arme.
    „Glaubt mir, ich kann auf mich aufpassen.“ Versichert mir Dwalin und beäugt mich genervt.
    „Genau. Um welches Monster es sich handelt, werden wir erfahren, wenn wir es zu sehen bekommen.“ Spricht Aiden weiter.
    Ich rolle meine Augen… toll, was wenn es ein wirklich grosses und gefährliches Monster ist?
    Normale Bürger erkennen Monster eben meistens sehr ungenau… sie beschreiben sie immer nach gross, furchteinflössend, mit scharfen Zähnen, langen Klauen und hin und wieder mit Flügel.
    Auch wenn ich dies für keine gute Idee halte, lasse ich die beiden ziehen, schliesslich muss hier auch noch jemand die Stellung halten.

    Nachdem die beiden unerschrockenen Abenteurer verschwunden sind, begebe ich mich zu den andern um ausgiebig zu frühstücken.
    Wie immer sind alle in bester Stimmung, alle bis auf Fanloén.
    Er läuft unruhig hinter seinem Tresen auf und ab und wirft mir immer wieder unsichere Blicke zu, bis er schliesslich völlig durcheinander zu uns an den Tisch kommt und flüstert: „Ein Hexer der Katzenschule hat im Morgengrauen ein Zimmer bezogen.“
    Meine Augen weiten sich vor Schreck, doch ich versuche ruhig zu bleiben um die Zwerge nicht unnötig zu beunruhigen.
    Es gibt einen bestimmten Grund, weshalb wir Hexer so einen schlechten Ruf haben, die Antwort dafür lautet: Katzenschule!
    Die Hexer der Katzenschule haben sich leider nicht den knuddeligen, süßen Aspekt von Miezekatzen herausgesucht, sondern die grausamen, aggressiven und launischen Charakterzüge von wilden Katern!
    Sie wurden gegen Ende immer mehr zu einer Assassinen-Truppe, die Menschen wie Monster gleichermaßen gegen Geld abmurksten.
    Die Katzenschule war auch an dem grausigen Massaker von einem ganzen Dorf beteiligt, was letztendlich das Fass zum Überlaufen brachte und den Volkszorn auf alle Hexer lenkte.
    Daraufhin wurden alle Hexer dieser Schule in alle Winde zerstreut, doch immer noch streunen die Kater durch die Lande, hungrig und räudig, aber immer noch tödlich.
    Dazu kommt noch das einige Königsmorde auf das Konto der Katzenschule gehen… ist es ein Zufall dass ein Kater aufgetaucht ist?
    Oder hat er die Absicht Thorin etwas anzutun?

    Meine Alarmglocken läuten alamierend und lassen meine Sinne wachwerden.
    Ich entscheide mich dazu auf eigene Faust mit diesem Hexer zu sprechen oder gleich gegen ihn zu kämpfen.
    Vor seiner Tür atme ich einmal tief ein und wieder aus ehe ich vorsichtig aber bestimmt anklopfe.
    Die Hexer der Katzenschule wurden viel besser trainiert und sind deshalb sehr agile Kämpfer mit starken Fähigkeiten.
    Niemand öffnet die Tür, also beschliesse ich sie einfach zu öffnen.
    Mit zugekehrtem Rücken steht der braunhaarige Hexer mit seinen langen, wilden Haaren vor mir.
    „Mutig, sich einfach in andere Leute Gemächer zu schleichen.“ Spricht er ohne sich umzudrehen, mit einer Stimme welche mir einen kalten Schauer über meinen Rücken fahren lässt.
    Sein herabfallender Ton passt mir nicht, er ist der Abschaum hier, nicht ich.
    Nur wegen ihm haben wir einen solchen schlechten Ruf und werden von allem und jedem verabscheut und verachtet.
    „Warum bist du hier?“ frage ich direkt mit lauter Stimme und versuche meinen rasenden Atem zu kontrollieren.
    Es ist dumm von mir, mich alleine gegen einen solch starker Gegner zustellen.
    „In den Strassen und an einigen anderen Orten in Mittelerde munkelt man dass eine Gemeinschaft aus dreizehn Zwergen und einem Hobbit, in Begleitung zweier Hexer, den Erebor zurück erobern will.“ Antwortet er mir und dreht sich langsam in meine Richtung.
    Mein Herz setzt kurz aus und ich traue meinen Augen nicht.
    Ist er es wirklich? Mein verlorener Bruder?
    „Tilion? Bist du es wirklich?“ frage ich mit zitternder Stimme.
    Er antwortet mir nicht, sondern kommt ungestüm auf mich zu und umarmt mich liebevoll.
    Als mich der Hexer nach Ard Cerbin brachte, hätte ich nie in meinem Leben daran geglaubt meine geliebte Familie jemals wieder zu sehen.
    Wir lösen uns voneinander: „Du musst mir alles erzählen Ria!“
    Ich nicke lächelnd widerspreche ihm aber: „Später, wir sollten runter zu den Zwergen.“

    Die Zwerge schauen nicht schlecht als ich ihnen offenbare wer ich ihnen da mitgebracht habe.
    Thorin ist meinem Bruder gegenüber eher misstrauisch eingestellt und starrt ihn immer wieder undefinierbar an.
    „Ich dachte es wäre die Rede von zwei Hexern?“ erkundet sich mein Bruder fragend.
    Ich nicke und erkläre: „Aiden hat einen Hexerauftrag angenommen und soll vor heranbrechen der Dunkelheit wieder zurück sein.“
    Verstehend nickt mein Bruder und gönnt sich ein Schluck Zwergenschnaps.
    Ich beobachte ihn heimlich… er hat sich ziemlich stark verändert.
    Früher war ein fröhlicher und liebenswerter Junge gewesen, heute jedoch scheint er nicht mehr er selbst zu sein.
    Wahrscheinlich haben die grausamen Mutationen auch seinen Charakter verändert.
    „Warum die Katzenschule?“ will Thorin wissen und sieht ihn abschätzend an.
    Ich seufze auf, hätte ich ihm doch bloss nichts über diese Schule erzählt.
    Mein Bruder schweigt und antwortet dann: „Diese Schule war die einzige welche ich finden konnte. Doch ich bin nicht so wie die meisten aus unserer Festung!“
    Damit will er wohl sagen, dass er kein Meuchelmörder ist, jedoch scheint Thorin von dieser Aussage wenig überzeugt.
    Auch wenn ihm Thorin nicht vertraut, immerhin ist Tilion mein Bruder, wir sind aus demselben Fleisch und Blut, haben dasselbe Schicksal.

    Ich begebe mich nach draussen an die frische Luft.
    Es dämmert bereits, der Himmel ist in ein feuriges Rot getränkt und Aiden und Dwalin sind noch immer nicht zurück.
    Ich lausche dem Gerede der Menschen auf den belebten Strassen: „Was haben Zwerge in unserer Gegend zu suchen?“
    Ich werde hellhörig und spitze meine Ohren.
    Haben sie Aiden und Dwalin gesehen? Oder wissen sie, dass die Zwerge hier rasten?
    „Das ist die Prophezeiung!“, beginnt ein uralter Fischer und die Bewohner der Seestadt richten ihre Blicke auf ihn „Die Prophezeiung über Durins Volk.“
    Ich kenne diese Prophezeiung nicht, dennoch höre ich den Menschen weiter zu.
    Die alten Geschichten werden wahr, gewaltige Hallen voller Schätze, silbernen Strassen, golden die Plätze.
    Ist der Herr der Silberquellen zurückgekehrt?
    Der Herr der Silberquellen, der König edlen Steins.
    Der König unter dem Berge, nimmt an sich was ist seins.
    Froh hallt der Glocken Kunde, ob des Königs Wiederkehr. Doch alles geht zugrunde und der See wird ein Flammenmeer.

    Plötzlich erkenne ich in der Ferne Aiden und Dwalin welche auf uns zu rennen, verfolgt von den Stadtwachen.
    Schnell gehe ich in die Taverne um meine Gefährten zu warnen, doch da ist es bereits zu spät.
    Wir sind umzingelt von unzähligen Wachen welche uns anschliessend gewaltsam mitzerren.
    Wir versuchen uns vergebens zu wehren, also ergeben wir uns und gehen schweigend und widerstandslos mit ihnen.
    In der zwischen Zeit hat es angefangen zu schneien.
    Dicke, weisse Schneeflocken treiben in der Luft und fallen auf die Dächer und Strassen der Seestadt.
    Einzelne Flocken, verfangen sich in meinen braunen Haaren.
    Laternen und Fackeln beleuchten unseren Weg, welcher direkt zum Bürgermeister führt.
    Auch viele Bewohner der Seestadt sind uns gefolgt und beobachten das Spektakel.
    Thorin tritt hervor, um Schlimmeres zu verhindern: „Wir sind die Zwerge Erebors und wir sind gekommen um unsere Heimat zurückzufordern.“
    Die Augen des Bürgermeisters weiten sich, die Menschenmenge beginnt zu tuscheln.
    In den alten Zeiten der Stadt lagen ganze Handelsflotten, beladen mit Seide und Edelstein, am Hafen.
    Dies war keine vergessene Stadt auf einem See, dies war der Mittelpunkt für den Handel im Norden.
    Der Zwergenprinz verspricht den Menschen der Seestadt diese Zeiten zurück zu holen.
    „Tod! Das werdet ihr über uns bringen! Drachenfeuer! Und Verderben! Wenn ihr die Bestie weckt, werdet ihr uns alle vernichten!“ ertönt eine laute Stimme.
    Aus der Menschenmenge heraus tritt Bard, welcher uns ermöglicht hat unbemerkt in die Seestadt zukommen.
    Die Menschen sind beunruhigt und beginnen an Thorin zu zweifeln.
    Ich spüre viele Blicke auf mir liegen.
    Aiden tritt hervor und unterstützt unseren Anführer: „Und deshalb werden zwei Hexer die Gemeinschaft begleiten um den Drachen zu erlegen bevor er eure geliebte Stadt angreifen wird. Ihr kennt uns!“
    Der braunhaarige Hexer zerrt mich an meinem Arm ebenfalls nach vorne.
    Langsam erhebe ich meinen Blick und schaue in die leuchtenden Augen der Menschen: „Riannon und ich, haben bereits viele Monster die eure Stadt bedroht haben erlegt, und dies werden wir auch mit diesem abscheulichen Drachen tun!“
    „Wenn es gelingt, werden alle dem Reichtum des Berges teilhaben.“ Verspricht Thorin und bringt die Menschenmasse zum Jubeln.
    Dann haben sie genügend Gold um Esgaroth neu zu erbauen und die Stadt wird in einem neuen Licht entstehen.
    Es scheint gut auszugehen bis die rechte Hand des Bürgermeisters sich erhebt: „Warum sollten wir eurem Wort Glauben schenken? Wir wissen überhaupt nichts von euch. Wer hier bürgt für eure Redlichkeit?“
    Es herrscht Stille, einzig das Lodern der Fackeln und das Rauschen des Sees sind zu hören.
    Blibo und ich bürgen für Thorin, worauf die Menge wieder fröhlich zu toben beginnt.
    Aber erneut malt Bard schwarz und erinnert an das Inferno von Thal.
    Einst war sie eine blühend schöne Hafenstadt, bis das Drachenfeuer die Stadt bis auf die Grundmauern zerstörte.
    Schwarz und Grau dominieren nun das Bild, Verkohlte Balken, rußgeschwärzte Mauerreste und verbrannte Trümmer.
    Asche hat sich auf die ehemals prächtigen Pflastersteine gelegt und zerbrochene Statuen liegen am Boden.
    Das Relief der Stadt wirkt skelettartig, aller Prunk ist verloren.
    „Dies Mal ist es anders! Die Hexer sind spezialisiert auf grosse, furchteinflössende Monster. Sie werden den Drachen im Berge töten und ihr bekommt eueren versprochenen Reichtum!“ versucht Thorin die Menschen weiter zu überzeugen und es gelingt ihm schliesslich.
    Das Menschenvolk beginnt von neuem fröhlich zu jubeln und lachen.
    Die charmante Hafenstadt mit den engen Gassen wird in neuem Licht erblühen und der Handel im Norden kann wieder aufgenommen werden.

    Am selben Abend bereiten wir uns alle vor, packen Vorräte ein und kümmern uns um unsere Klingen.
    Spärliches Licht, erleuchtet die Taverne und lässt jeden der um eine Ecke kommt in eine unheimliche Gestalt verwandeln.
    Die Stimmung ist betrübt und angespannt, keiner von uns hat ein Lächeln mehr im Gesicht.
    Ein Kerzenleuchter gibt mir etwas Licht, während ich mein Silberschwert auf den Kampf vorbereite.
    Fili beobachtet mich schweigend, während ich ein spezielles Öl auf meine Klinge schmiere.
    Es herrscht Stille, als plötzlich die Tür mit einem lauten Knall aufgerissen wird und die Kinder von Bard in das Etablissement stürmen: „Sie haben unseren Vater eingesperrt! Ihr müsst ihm helfen! Bitte!“
    Flehend sehen uns ihre grossen und tränenerfüllten Augen an.
    Die Kinder sind völlig ausser sich vor Verzweiflung.
    Sie haben ihre Mutter verloren und ihren Vater haben sie nun eingesperrt.
    Eigentlich geht es uns ja nichts an, aber Bard hat uns damals geholfen als wir in grosser Not waren… und jetzt ist er in grosser Not und braucht dringend unsere Hilfe.
    Entschlossen stehe ich auf: „Ich werde ihn befreien.“
    „Gut, ich komme mit.“ Äussert sich Aiden und steht mir zur Seite.
    Fanloén bietet den Kindern etwas warme Milch, Brot und Käse an und versucht sie zu beruhigen.
    Der junge Hexer und ich verlieren keine Zeit und machen uns bereits auf den Weg.
    Thorin gebe ich noch einen flüchtigen Kuss und verspreche ihm, dass es nicht lange dauern wird.

    Wenn man sich in einem dunklen Verlies befindet, endet es meistens nie wirklich gut, auch wenn man eigentlich unschuldig dahinter sitzt.
    Unser Hexermeister hat uns beigebracht, sollte man sich einmal in einer misslichen Lage befinden, so soll man um etwas Wasser bitten… denn bis man es kriegt, kann alles passieren.
    Die Sterne am schwarzen Himmelszelt werden von dunklen Wolken verdeckt, das Licht des Mondes schimmert hin und wieder zwischen den Wolkenlücken hervor.
    Mittlerweile ist es kälter geworden und man kann den zarten Hauch des Atems erkennen.
    Aus den Kaminen auf den Dächern der Seestadt qualmt Rauch hinaus.
    Ich mag die Kälte nicht, ich bin eine richtige Frostbeule… das einzig Gute an den eisigen Temperaturen ist, dass die Leichen nicht so schnell verwesen und die Bürger so mehr Zeit haben, all die Toten aus dem Weg zu räumen, bevor sich Seuchen ausbreiten.
    In der Nacht erweist sich die Seestadt als anders während bei Tageslicht.
    Banditen lauern versteckt in den Winkeln und treiben ihr Unheil, zwielichtige Leute sind in ihren Kapuzenmänteln unterwegs, Betrunkene torkeln verwirrt herum und pöbeln andere an, Prostituierte stehen auf den Strassen und gehen ihrem Beruf nach.
    Aiden und ich gehen einige Häuser weiter bis wir in der Innenstadt sind.
    Wir vernehmen die Stimme des Bürgermeisters und die von seiner rechten Hand.
    Das Fenster von dem Balkon ist offen, aber wir entschliessen uns nicht einfach durch den Balkon rein zu patzen.
    Höflich stehen wir vor streng bewachter Tür des prunkvolleren Hauses.
    Die Wachen sind uns gegenüber freundlicher eingestellt als zuvor, doch dies nur, weil wir den Drachen töten werden.
    Sie gewähren uns Einlass und warnen uns: „Wir haben euch im Blick!“
    Aiden und ich schenken den Wachmännern nur einen abschätzigen Blick und setzen unseren Weg fort.
    „Mein Herr, die beiden Hexer sind hier.“ Spricht die eine Wache, welche uns zu ihm führte.
    Überrascht sehen die beiden hohen Männer uns an.
    Auf dem grossen Holztisch, welcher in der Mitte des Raumes steht, ist das beste und köstlichste Essen aufgetischt.
    Meine Augen gleiten über den gedeckten Tisch als der Bürgermeister seine Stimme erhebt: „Setzt euch doch. Ihr könnt mir euer Anliegen bei einem Gläschen exquisitem Wein erläutern.“
    Misstrauisch sehen mich die Augen meines Partners an, jedoch beschliessen wir uns hinzusetzen.
    Auch der Bürgermeister und Alfrid nehmen Platz und behalten uns wachsam im Auge.
    Sie wissen, dass wir nicht einfach ohne Grund hierher kamen.
    „Da ihr uns so überraschend einen Besuch abstattet, lade ich euch zu einem Glas Wein ein, immerhin hat man nicht immer die Ehre mit zwei mutigen Hexern an einer Tafel zu sitzen.“ Spricht der Bürgermeister äusserst freundlich.
    Die Atmosphäre ist angespannt, die Wachen halten ihre Hände an den Griffen ihrer Klingen, immer bereit dazu uns anzugreifen.
    „Meister Hexer, vielleicht könnt ihr meine Neugier stillen. Wie ist es einem Monster gegenüberzustehen? Und man hat nur zwei Möglichkeiten… töten oder getötet werden?“ will der Bürgermeister von Aiden wissen.
    „Ich stürze mich nicht mit dem Schwert auf jedes Monster, auch wenn ihr anderes gehört habt. Bei manchen hilft es auch zu reden.“ Antwortet mein Partner ihm mit einem dunklen Ton in der Stimme.
    „Dann frage ich mich doch, was solch ein Monster euch zu sagen hätte?“ neugierig wartet er auf die Antwort und durchbohrt den jungen Hexer mit seinem Blick.
    Aber es ist nicht Aiden der antwortet, sondern ich ergreife das Wort: „Vielleicht möchte es sich entschuldigen.“
    Jetzt mischt sich auch Alfrid mit ein: „Wirklich? Wofür möchte sich ein Monster entschuldigen?“
    Mit einigen Monstern kann man tatsächlich reden, so wie mit Trollen, Vampiren oder Drachen, aber viele verstehen dies nicht.
    Ein Monster steht für Bedrohung und sollte auf der Stelle getötet werden… so sehen es die meisten Völker.
    Ich kläre unser Gegenüber auf: „Für das Töten. Denn manchmal bleibt ihm keine andere Wahl. Wenn die Liebsten beschützt werden müssen.“
    Aiden unterstützt meine Rede in dem er hinzufügt: „Genau wie Menschen. Wenn sie in einer solchen Situation sind, töten auch sie.“
    „So, so. wenn ich euch richtig verstehe, würdet ihr einem Monster eher helfen, als es zu töten?“ stellt Alfrid die Frage.
    Ich nicke und antworte: „Wenn möglich ja, oder es zumindest versuchen.“
    Wir sind eigentlich mitten in einem interessanten Thema und die Stimmung ist äusserst angespannt, trotzdem unterbricht uns der Bürgermeister selbst: „Genug vom Hexer-Handwerk. Ich vermute euer Auftauchen war kein Zufall?“
    Rasch tauschen Aiden und ich einen unsicheren Blick aus.
    Wir haben uns gar keinen Plan gemacht, oder eine Strategie wie wir vorgehen wollten.
    Ich ergreife das Wort: „Das wäre tatsächlich ein grosser Zufall gewesen. Nein, ein nettes Vöglein hat uns etwas Interessantes gezwitschert.“
    Skeptisch beäugen uns die beiden Männer, denn sie wissen nicht was wir vorhaben, und mal ehrlich, wer traut schon einem Hexer?
    Wir streifen zudringlich und dreist in den leeren Landen umher.
    Jagen Orks, vernichten Monster und ziehen den Leichtgläubigen das Geld aus der Tasche, nach welch selbigem unehrlichen Gewinne wir weiterziehen, um in der nächsten Stadt die Menschen weiter zu betrügen.
    Schlimmes müssen wir uns anhören und beginnen wir bloss nicht damit, wenn wir einen Auftrag nicht erfüllen.
    Wenn man mit leeren Händen von der Jagd kommt, ohne Trophäe, ohne neue Spur welche man verfolgen kann, kann es ziemlich ungemütlich werden.
    Je nachdem, für welchen Kunden wir einen Auftrag erledigen sollen und wir scheitern, reagiert jeder anders.
    Bauern werden ausfallend, Händler verlangen meistens ihr Geld zurück, Adlige lassen meistens nur ihre Hunde los und Herrscher drohen mit dem Galgen.
    Ich überlege unser weiteres Vorgehen, Aiden und ich könnten Axii verwenden, ein Hexer-Zeichen welches uns erlaubt die Gedanken und der Wille des Gegners zu kontrollieren.
    Aber die beiden Wachmänner sind noch hier, wir müssten es möglichst unauffällig tun, denn Je nachdem wie stark das Zeichen entwickelt ist, kann man nur eine begrenzte Anzahl von Gegnern damit manipulieren.
    Schliesslich entscheide ich mich dazu, dieses Zeichen diskret unter dem Tisch hindurch zu wirken: „Wo befindet sich, dass Verlies von Bard?“
    Die Wachen wollen sofort engreifen, doch halten sich zurück, als der Bürgermeister uns die Antwort ohne mit den Augenbrauen zu zucken preisgibt.
    Wir haben nun die gewünschten Informationen und können gehen.
    Alfrid und die Wachen schauen uns verdutzt nach, doch halten uns nicht auf, denn wo kein Befehl ist…
    Sofort begeben wir uns zum besagten Ort, welcher nicht weit liegt.
    Bei den Wachen verwenden wir ebenfalls wieder das Zeichen der Gedankenbeeinflussung und befreien so den Fährmann aus seiner heruntergekommenen Zelle.
    Verblüfft sieht er uns an als wir ihm erklären, dass seine Kinder flehend bei uns aufgetaucht sind.
    Wir eskortieren Bard schnellst möglichst zum Südstern und Langgrundblatt.
    Dort angekommen fallen ihm seine drei Kinder überglücklich in die Arme.
    Auch solche Aufträge gehören zu unserem Beruf, wofür wir normalerweise eine gewisse Summe fordern, denn immerhin arbeiten wir nicht umsonst.

    Wir beladen den kleinen Kahn, welchen wir vom Bürgermeister bekommen haben.
    Viele Menschen von Esgaroth haben sich hier versammelt und wollen uns verabschieden.
    Die Wachen hingegen, scheinen froh, dass wir die Stadt endlich wieder verlassen und sie eine kleine Sorge weniger haben.
    „Du nicht!“ höre ich plötzlich Thorins Stimme.
    Während ich mich von Tilion verabschiede, schaue ich in die Richtung aus der seine Stimme kommt.
    Mit seiner starken Hand hält er seinen Neffen zurück.
    Der Zwergenprinz ist der Ansicht, dass der noch angeschlagene Kili uns aufhalten würde.
    Ich kann es nachvollziehen, verstehe aber auch seinen Neffen, welcher den magischen Moment nicht verpassen möchte.
    Kili soll erst nachkommen, wenn er gesund ist, so lautet Thorins Entscheid, worüber ich mit ihm noch vergangene Nacht gesprochen habe.
    Der Heilungstrank Schwalbe, hat das Gift aus seinem Körper vertrieben, jedoch hat es ihm auch sehr geschadet, da sein Stoffwechsel nicht so schnell ist wie unserer.
    Plötzlich springt auch Fili im letzten Moment vom Boot um bei seinem Bruder zu bleiben.

    Mein Bruder bemerkt meinen besorgten Gesichtsausdruck und versichert mir: „Du musst dir um die Zwerge keine Sorgen machen. Ich behalte sie im Auge und bleibe mit ihnen in der Taverne, bis Kili sich erholt hat, danach werde ich mit ihnen nachkommen.“
    Erleichtert und dankbar umarme ich ihn zum Abschied.
    Es fällt mir schwer ihn hier zurückzulassen und ihn vielleicht das letzte Mal gesehen zu haben.
    Nun begebe ich mich vor die beiden Brüder.
    Kili will es nicht wahr haben dass er diesen Moment verpasst.
    Sein Bruder versucht ihn zu beruhigen und sieht mich mit seinen smaragdgrünen Augen durchdringend an.
    Ich verabschiede mich von den beiden und gebe jedem einen sanften Kuss auf die Stirn ehe ich aufs Boot steige und wir in Richtung Ende segeln.
    Ob ich nervös bin?
    Nein, kann ich gar nicht, wegen der Mutationen… doch eigentlich ist dies nur eine Standartausrede jedes Hexers, wenn einem ein Gespräch unangenehm ist.

    15
    Das Glück im Erebor Wir segeln über den von Nebelumgebenen See und kommen unserem Ziel immer näher. Wie sagt man so schön, Nebel ist der Feind jed
    Das Glück im Erebor

    Wir segeln über den von Nebelumgebenen See und kommen unserem Ziel immer näher.
    Wie sagt man so schön, Nebel ist der Feind jedes Reisenden.
    Im Wald lässt er ihn den Weg verlieren, auf See schickt er ihn in die Klippen.
    Auf der anderen Seite erwartet uns eine wesentlich rauere Landschaft mit hohen Gebirgszügen, schneebedeckten Abschnitten und düsteren Nadelwäldern.
    Vereinzeltes weisses Eis liegt in kleineren Stücken auf dem See und gleitet im Gang der leichten Wellen.
    Die Landschaft hier scheint noch ungezähmter als es in Ard Cerbin schon ist.
    Mein Herz beginnt schneller zu pochen, wir nähern uns dem Ufer und müssen nun durch das steile Gebirge wandern.
    Die Zwerge werden immer übermütiger, denn ihr Heimatberg rückt mit jedem Schritt immer näher.

    Wir halten an, und erblicken in der Weite die heruntergekommene Stadt Thal.
    Die verlassenen und verfallenen Ruinen einer einst wundervoll blühenden Stadt.
    Aller Prunk ist verloren, kein Leben herrscht mehr in ihr.
    Die einst in kräftige Farben, vor allem Gelb- und Orangetöne, aber auch Pastellfarben und glutrote getränkten Dächer sind nun grau oder schwarz, völlig verrußt und zerstört.
    Dieser grausame Anblick erinnert mich an das Massaker in Ard Cerbin.
    Damals hatte ich ein ähnlich schreckliches Bild vor Augen, doch wir haben keine Zeit für Trauer, wir müssen weiter, denn die Zeit drängt.
    Thorin will weiter, doch Bilbo hält Einspruch: „Warte, ist das nicht der Aussichtsposten? Gandalf sagte wir sollen uns hier treffen...“
    Er will weiter sprechen wird jedoch von unserm Anführer unterbrochen: „Siehst du ihn vielleicht? Wir können nicht auf den Zauberer warten. Wir sind auf uns gestellt.“
    Mir gefällt das Ganze überhaupt nicht, uns wieder einmal ohne unseren Zauberer ins Blaue auf zu machen.
    Verunsichert tausche ich die Blicke mit Aiden aus, welcher ebenfalls wenig überzeugt davon ist.
    Leider haben wir keine Wahl, denn die Zeit kann man nicht still halten.

    Wir klettern das letzte Stück eines hohen Pfades hoch.
    Bloss nicht runter sehen, rede ich mir immer wieder ein.
    Oben angekommen atme ich erlöst aus.
    „Das muss sie sein!“ spricht Thorin und steht vor einer gewöhnlich aussehenden Felswand des einsamen Berges.
    Die Zwerge sind fest entschlossen die Geheimtür zu öffnen.
    Es beginnt bereits zu dämmern, die Abendsonne am Durinstag, steht nicht mehr lange am wolkenbedeckten Himmel.
    Der letzte Strahl am Durinstag wird herabfallen auf das Schlüsselloch.
    Aiden und ich stehen im Hintergrund und schauen gespannt zu, wie Dwalin versucht das verborgene Schloss zu finden.
    Auch Nori wird zur Tür geschickt, denn das letzte Licht schwindet bereits und noch immer ist nichts zu erkennen.
    Plötzlich beginnt Dwalin auf die verborgene Tür einzuschlagen in der Hoffnung dass sie auf geht.
    Wie ich dieses Wort hasse… Hoffnung…
    Es ist ein Wort mit dem man sich selbst betrügt.
    Wer das Wort Hoffnung sagt, hat doch schon längst alles aufgegeben.
    Aiden und ich treten hervor und versuchen gemeinsam mit Druckwellen die Tür aufzubrechen, aber nichts wirkt.
    Auch das Einschlagen mit ihren Äxten auf die Tür ist völlig nutzlos.

    Der letzte Strahl ist fort und wir stehen immer noch vor der versiegelten Tür.
    Hat Herr Elrond die Karte falsch gelesen?
    Warum haben wir kein Schlüsselloch gefunden?
    War‘s das jetzt?
    Noch einmal liest unser Anführer mit niedergeschlagener Stimme die Mondrunen: „Ihren letzten Strahl am Durinstag, hinabfallenlässt auf das Schlüsselloch… Was haben wir übersehen?“
    Stille.
    Keiner kann sich erklären wieso wir hier gescheitert sind, so nahe vor unserem Ziel.
    Balin der älteste Zwerg schüttelt traurig seinen Kopf: „Das Licht ist fort. Wir können nichts mehr tun. Wir hatten nur diesen einen Versuch. Lasst uns gehen, es ist vorbei.“
    Entsetz starre ich die Zwerge an.
    Wollen sie jetzt wirklich einfach so aufgeben?
    Das kann doch jetzt nicht alles vergebens gewesen sein!
    Ich will der Wahrheit nicht ins Gesicht blicken, doch vielleicht muss es so sein.
    Thorin und ich könnten unser glückliches Ende auch irgendwo über Berg und Tal finden…aber er hat es sich doch so sehr gewünscht, dass es in seinem alten Königreich ist.

    Ein Zwerg nach dem anderen steigt wieder den steilen Pfad hinunter.
    Bilbo versteht die Welt nicht mehr und versucht sie auf zu halten.
    Auch ich bleibe nicht tatenlos und packe Thorin an seinem Arm: „Thorin warte! Ihr könnt doch jetzt nicht aufgeben! Nicht so kurz vor dem Ziel!“
    „Wir können nichts mehr tun Riannon.“ Antwortet er mir mit brüchiger Stimme und gibt mir einen flüchtigen Kuss.
    Verständnislos schaue ich ihm und den andern nach.
    Aiden hat sich teilnehmungslos gegen den Felsen gelehnt und kommt auf mich zu: „War’s das jetzt?“
    Ich weiss nicht was ich ihm antworten soll.
    Können wir den gar nichts mehr unternehmen?
    Zusammen mit Bilbo bleiben wir beide noch vor der angeblichen Tür.
    Der kleine Hobbit war schon immer einer der Klügsten von uns gewesen, weshalb er die Karte und den Schlüssel an sich nimmt und scharf nachdenkt.
    Ständig läuft er hin und her, macht vor der Tür halt, schaut sie von oben bis unten an, wirft einen Blick auf die Karte und geht erneut auf und ab.

    Dunkle Wolken bedecken den Abendhimmel und das Mondlicht fällt über den Berg.
    Eine Drossel landet auf einem kleinen Stein neben der verschlossenen Tür und versucht eine Nuss aufzuschlagen.
    Das Klackern erleuchtet Bilbo und er kann das Rätsel schliesslich lösen.
    Das langersehnte Schlüsselloch kommt zum Vorschein: „Das Schlüsselloch! Kommt zurück! Es ist das Licht des letzten Herbstmondes!“
    Thorin und die anderen Zwerge kommen ermutigend zurück.
    Langsam begibt sich der rechtmässige Erbe des Königsreichs zur Tür und öffnet diese vorsichtig.
    Die Zwerge betreten alle, einer nachdem anderen, ihr verlorenes Königreich.
    Die Emotionen brechen mit ihnen durch.
    Auch Aiden und ich gehen durch die Tür und sind überwältigt.
    „Ich kenne diese Mauern… diese Hallen… diesen Stein.“ Flüstert Thorin eher für sich, doch erzeigt seine wahren Gefühle.
    Zaghaft berührt er den Stein und es scheint so, als würde der Felsen sich an seine zarten Berührungen erinnern.
    Erinnerungen und Gefühle aus längst vergessenen Zeiten strömen auf die Zwerge ein.
    Sie haben es geschafft, sie sind zurück in ihrer Heimat.
    Wie schön es doch ist sich mitanzusehen wie überaus glücklich sie jetzt doch scheinen.
    Nachdem Thorin sich wieder einigermassen gefasst hat, dreht er sich in meine Richtung und kommt mit wenigen Schritten auf mich zu.
    Atemlos blicke ich in seine wundervollen azurblauen Augen, die mir jedes Mal den Atem für einen kurzen Moment rauben.
    Zärtlich umrahmt er mein Gesicht mit seinen Händen und küsst mich mit so einer Selbstverständlichkeit, die ich noch nie von ihm erlebt habe.
    Seine weichen Lippen auf meinen zu spüren, fühlt sich so beängstigend vertraut an.
    Wir sind durch Gefühle verbunden, die weitaus tiefer gehen als die einer flüchtigen Liebelei.
    Thorin löst sich von mir und sieht mich warm an: „Bleib bei mir! Wenn alles vorbei ist, werde meine Frau und somit Königin unter dem Berge. Ich liebe dich Riannon, so wie ich für dich empfinde, habe ich noch nie für jemanden empfunden.“
    Seine Frage überrumpelt mich, obwohl ich ja eigentlich mit Aiden bereits schon einmal über dieses Thema gesprochen habe.
    Am Anfang tat der Zwergenprinz so, als wäre nichts zwischen uns.
    Ich verbarg meine Gefühle wie sonst auch hinter einer Mischung aus zögerlichem Interesse und vorgetäuschter Gleichgültigkeit.
    Allerdings bleibt festzuhalten, dass wir uns beide darin nicht besonders geschickt anstellten.
    „Es heisst ein Zwerg verliebt sich nur ein einziges Mal in seinem ganzen Leben… und diese Liebe bist du! Anfangs wollte ich es mir nicht eingestehen, doch mit der Zeit konnte ich meine Gefühle, meine Gedanken und meine Blicke nicht mehr von dir abwenden. Alles in mir drehte sich nur noch um dich und unser Königreich, welches wir zusammen regieren werden. Ich will diese wunderbaren Gefühle beibehalten und mit dir bis an unser Lebensende zusammen sein, so wie in guten und in schlechten Zeiten. Deshalb bitte ich dich aufrichtig, heirate mich!“
    Es kommt mir alles so unwirklich vor, als wäre ich in einem tiefen Schlaf und einen wundervollen Traum habe, oder als würde ein mächtiger Zauber über uns liegen der uns zu solchem Handeln beeinflusst.
    Ich traue meinen Augen nicht, als Thorin vor mir auf seine Knie geht.
    Erwartungsvoll funkeln seine traumhaften Augen mich an.
    Ich finde es süss, wie er sich extra hinkniet, doch müsste er dies nicht extra für mich tun.
    Immerhin ist es ein Heiratsantrag der aus dem Nichts entstanden ist, weshalb er auch nicht richtig vorbereitet sein kann.
    Doch kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht, bringt Balin uns plötzlich die Trauringe.
    Es sind zwei einzigartige, goldene Ringe mit beiden Initialen drauf.
    Meine Augen weiten sich vor Verwunderung: „Wann habt ihr…“
    Aber ich werde von dem alten Zwerg unterbrochen: „In Esgaroth kann man alles finden, was man braucht.“
    Ich lächle leicht und schaue wieder in die wartenden Augen Thorins.
    „Ist dies wirklich der richtige Moment? Immerhin müssen wir noch einen Drachen töten.“ frage ich schnell, denn auch wenn dies ein äusserst kostbarer Moment ist, finde ich den Zeitpunkt überhaupt nicht passend.
    Smaug befindet sich immer noch unter dem gewaltigen Schatz versteckt, noch immer müssen wir ihn erlegen und könnten mit unserem Leben dafür bezahlen.
    „Es ist der richtige Moment.“, beruhigend streicht Thorin mir über mein Haar, „Denn sollten wir im Kampf fallen, habe ich immerhin noch die Frau meiner Träume geheiratet.“
    Erneut legt Thorin seine Lippen sanft auf meine.
    Ich schliesse die Augen und gebe mich dem innigen Kuss hin als Balins Worte uns unterbrechen: „Das Brautpaar darf sich erst küssen, wenn sie sich das Ja-Wort gegeben haben.“
    Gleichzeitig räuspern wir uns und lösen uns voneinander, aber wir können unsere Augen nicht mehr voneinander abwenden.
    Verlangend und sehnsüchtig blicken mich die azurblauen Augen an.
    Balin beginnt mit der Trauung: „Ein einsamer Zwerg, getrieben von dem Willen den einsame Berg und somit sein rechtmässiges Königreich Erebor zurückzuerobern, traf auf seiner Reise auf eine junge und tapfere Hexerin, welche ihm ihr Wort gab, ihn auf diesem schweren Weg zu begleiten. Von Tag zu Tag wurden die Gefühle der beiden, die sie für den anderen hegen, immer stärker und stärker. Für diejenigen, welche verbunden sind durch das Band der Liebe, das nie aufhört, gibt es keine Trennung mehr, nicht durch das Leben, nicht durch den Tod. Somit Frage ich euch Riannon, wollt ihr Thorin Eichenschild, den rechtmässigen König unter dem Berge zu eurem Mann nehmen? Und mit ihm glücklich bis an euer Lebensende zusammen sein? In guten wie in schlechten Tagen… so antwortet mit ‚Ja ich will‘“
    Erwartungsvoll beäugen mich die Augenpaare um mich herum und warten auf meine Antwort.
    Will ich dies wirklich?
    Kann ich meine Freiheit aufgeben, die ich über alles schätze und liebe?
    Ja das kann ich… für einen bezaubernden Mann den ich liebe, dem ich vertraue, bei dem ich mich geborgen fühle.
    „Ja ich will.“ Antworte ich lächelnd und meine Augen beginnen noch mehr zu glitzern.
    Strahlend macht der alte Zwerg weiter: „Und willst du Thorin Eichenschild, die hier anwesende Riannon zu deiner Frau nehmen und sie so zur Königin unter dem Berge machen? Und mit ihr glücklich bis an euer Lebensende zusammen sein? In guten wie in schlechten Tagen… so antworte mit ‚Ja ich will‘“
    Thorin braucht keine Sekunde um zu überlegen und antwortet sogleich stürmisch: „Ja ich will.“
    „Nun denn, ihr dürft die Braut jetzt küssen.“ Beendet Balin die spontane aber dennoch schöne Zeremonie in einem kleinen Kreise, jedoch mit allen, die uns wichtig sind.
    Sachte streicht Thorin mir eine Haarsträhne aus meinem feingeschnittenen Gesicht, worauf die entstellte Narbe zum Vorschein kommt.
    Leicht beschämt senke ich meinen Kopf, doch wird er gleich wieder zaghaft angehoben.
    Der braunhaarige Zwerg zwingt mich ihn anzusehen: „Ich liebe alles an dir Riannon! Jeden Pfad deiner Narben, deine Macken… du brauchst deine Gefühle vor mir nicht zu verstecken.“
    Seine wunderschönen Worte dringen tief in mein Herz.
    Ich kann nicht anders als ihn voller Verlangen und mit den tiefsten Sehnsüchten zu küssen.
    Es gibt keine Unsicherheit, keine schüchternen Bewegungen, keine falsche Zurückhaltung… in diesem magischen Moment sind wir einfach nur Thorin und Riannon.
    Die Zwerge, Aiden und Bilbo beginnen fröhlich zu johlen und lachen und scheinen für einen Moment das bevorstehende zu vergessen.
    Der Kuss ist feurig und innig und hat eine wertvolle Bedeutung.
    Wir lösen uns voneinander, sehen uns aber noch lange und tief in die Augen: „Mir hat dieser Thorin gefehlt…“
    Irritiert schaut dieser mich an und fragt: „Was meinst du?“
    „Der Thorin, der keine Angst hat, sich vor mir zu öffnen. Der mir sagt, was er wirklich fühlt und was er will.“ Antworte ich und hauche ihm sanft noch einen Kuss auf seine weichen Lippen.
    Kurz schliesst er seine Augen und erwidert: „Was ich will? Hm… noch eine Sache…“
    Unerwartet zieht er mich an sich und küsst mich erneut.
    Seine Zunge durchforscht jeden Winkel meines Mundes, aber leider müssen wir hier abbrechen, denn immerhin haben wir noch andere Pflichten.

    16
    Gegen einen Drachen zu kämpfen ist reiner Irrsinn Der Arkenstein, ist der Grund warum der kleine Hobbit aus Beutelsend hauptsächlich in der Gemeinsc
    Gegen einen Drachen zu kämpfen ist reiner Irrsinn

    Der Arkenstein, ist der Grund warum der kleine Hobbit aus Beutelsend hauptsächlich in der Gemeinschaft ist.
    Aiden und ich wollen unseren Auftrag auf der Stelle ausführen, jedoch ist unser Anführer dagegen.
    Der Halbling soll zuerst sein Glück in den Hallen gefüllt mit goldenem Licht selbst versuchen.
    Wenn Bilbo den Arkenstein nicht finden sollte, oder in Schwierigkeiten steckt, erst dann sollen wir eingreifen.
    Also warten der junge Hexer und ich zusammen mit den andern Zwergen.

    Plötzlich wird die Erde erschüttert.
    Die Zwerge sind beunruhigt und schauen wirr umher.
    „War das ein Erdbeben?“ will der jüngste Zwerg wissen.
    „Das mein Junge, war ein Drache.“ Offenbart ihm Balin.
    Beunruhigt tausche ich einen Blick mit Aiden aus.
    Es gab bisher nur einen einzigen Hexer, dem es je gelungen ist einen Drachen zu töten.
    Dieser Hexer stammte aus der Katzenschule und hat so den Ruf der Schule etwas verbessert.
    Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass der Drache aus seinem tiefen Schlaf erwacht ist.
    Die Wolken am Himmel sind in einem sturmgrau, der Wind heult durch die Hallen des Erebors.
    In Thorins Augen ist ebenfalls etwas Furcht zuerkennen, doch würde er dies natürlich niemals zugeben.
    Ich blicke zu meinem Partner hinüber, welcher gelassen an dem Felsen lehnt, auch wenn der Schein trügen mag.
    Aiden und ich sind in mancherlei Hinsicht wie Geschwister, wir sind gleich alt und kennen uns seit jenen frühen Kindertagen, als wir auf Ard Cerbin unsere Holzschwerter geschwungen haben.
    Wir haben vieles gemeinsam durchgemacht, die erste Selektionsrunde, die mörderische Mutationen, die Kräuterprobe und die Spur, jenen teuflischen Hinderniskurs der Hexer.
    Zudem hatten wir mehr als einmal wegen kindischer Streiche eine Strafe kassiert, doch uns war dies in jenem Alter gleichgültig.
    Nach erfolgreichem Abschluss, sämtlicher Prüfungen, gingen wir zu Anfangs getrennte Wege.
    Jedoch verbrachten wir fast jeden Winter gemeinsam auf Ard Cerbin, um das Ende der Kälte abzuwarten, auf unsere Erfolge anzustossen und gefallener Gefährten zu gedenken.
    Später dann, taten wir uns zusammen, so konnten wir gegen stärkere Monster kämpfen und erhielten höhere Belohnungen, welche wir uns gerecht aufteilten.
    Unser Leben war nicht mehr ganz so einsam und wir reisten sicherer.
    Immer wieder haben wir unsere Fähigkeiten unter Beweis gestellt und von Gondor bis Esgaroth beachtliche Monster erlegt.
    Aiden hatte sich den Ruf erworben arrogant und mit sarkastischem Humor gesegnet zu sein.
    Seine groben, vielleicht sogar übertrieben rauen Manieren brachten bisweilen selbst unsere Hexerkollegen gegen ihn auf.
    Aber welche Schwächen er auch haben mag, Aiden würde für mich den Feuern jeder Hölle trotzen.

    Einige Zeit später fehlt von Bilbo immer noch jede Spur.
    „Wo bleibt Bilbo?“ will Ori wissen, welcher auch schon das Gefühl hat, dass er bereits zu lange weg ist.
    „Wir lassen ihm noch Zeit.“ Spricht Thorin selbstsicher.
    „Zeit wozu? Um getötet zu werden?“, mischt sich Balin ein und ich muss dem weisshaarigem recht geben.
    Fassungslos dreht sich unser Anführer zu diesem um: „Du fürchtest dich!“
    Ich beobachte die Diskussion im Hintergrund und halte mich erstmal vorsichtshalber zurück.
    „Ja, ich fürchte mich. Ich fürchte um dich! Und um Riannon!“, jetzt werde ich hellhöriger und trete neugierig neben Thorin, „Dieser Schatz ist von einer Krankheit befallen. Sie hat Thrór in den Wahnsinn getrieben und mit euch beiden wird das gleiche geschehen! Der Thorin den ich kenne würde nicht zögern um hinein zugehen und…“
    Thorin unterbricht ihn mit einem Knurren: „Ich riskiere diese Unternehmung nicht für das Leben eines Diebes.“
    „Bilbo, sein Name ist Bilbo.“ Belehrt ihn Balin und starrt ihn ungläubig an.
    Wenn Thorin die Unternehmung schützen möchte, muss ich und Aiden nun eingreifen.
    Mit einer Kopfbewegung weise ich den jungen Hexer an sich bereit zu machen.
    Er verabschiedet sich von Dwalin mit welchem er zuvor noch gesprochen hat und kommt nun auf mich zu.
    „Wir werden jetzt unsere Pflicht erfüllen gehen.“ Teilen wir den Zwergen entschlossen mit.
    Zweifelnd und angsterfüllt sehen uns die Augenpaare der Zwerge an.
    „Nein!“ ruft Thorin wütend und kommt entschlossen auf uns zu, „Wir kommen mit euch! Lasst uns diesen Drachen gemeinsam zur Strecke bringen!“

    Ich bin sprachlos und überwältigend von dem gewaltigen Schatz, welcher im Erebor liegt.
    Auch Aiden kann seine Augen von dem ganzen Gold nicht lassen.
    Plötzlich kommt Bilbo die Treppen hoch gerannt.
    Ich bin glücklich dass er wohlauf ist und lächle ihn froh an.
    „Du lebst! Hast du den Arkenstein?“ will Eichenschild sofort wissen und lässt dem Hobbit keine Zeit zum Verschnaufen.
    Immer wieder fragt er Bilbo fordernd danach und lässt ihm keine andere Wahl als ihm zu Antworten.
    Aber bevor der Hobbit dies jedoch tun kann, erscheint Smaug in den überfüllten Hallen.
    Was für ein Monster! Und diese Zähne, arhg!
    Nie im Leben hätte ich gedacht, dass dieser Feuerdrache so mächtig und riesig ist.
    Aiden und ich ziehen instinktiv unsere Silberschwerter und halten sie fest umschlungen fest.
    Das Adrenalin in meinem Körper fliesst in alle Richtungen… hier und jetzt könnte bald alles vorbei sein.
    „Wenn wir das überleben, bist du mir auf ewig was schuldig!“ knurrt der junge Hexer und wirft mir einen mürrischen Blick zu.
    Ja, falls wir das hier überleben.
    Ein Jäger, der seine Beute kennt, kehrt selten mit leeren Händen heim.
    Wenn man weiss, welche Waldpfade die Rehe nehmen, in welchen Pfützen sich die Wildschweine wälzen, wann das Kaninchen aus dem Bau kommt… dann hat man die Beute schon halb erlegt.
    Den meisten ist allerdings nicht klar, dass auch manche Monster über solches Wissen verfügen wie zum Beispiel auch Smaug.
    Er kennt jeden Winkel, jede Säule, jede Halle dieses Berges, während wir Hexer uns hier überhaupt nicht auskennen.
    In rasantem Tempo kommt die Feuerschlange auf uns zu, seine Schuppen an seinem grossen Bauch beginnen in einem feurigen Rot hell aufzuleuchten, was wohl heisst dass er uns mit glühend heissem Feuer überraschen will.
    „Ihr werdet brennen!“ brüllt Smaug mit dunkler Stimme und speit Flammen aus seinem grossen Maul.
    Gerade noch rechtzeitig können wir uns in einen anderen Raum retten.
    In diesem Moment wird Aiden und mir bewusst, dass die Bestie viel stärker und zäher ist als die kleineren Drachenarten, welche wir schon getötet haben.
    Ein einziger Hieb ist vermutlich tödlich weswegen wir keinen einzigen Treffer riskieren dürfen.
    Mein Atem ist beschleunigt, mein Körper glüht… es ist so unerträglich heiss hier drinnen.
    Thorin besteht darauf weiter zu rennen, doch dazu sind Aiden und ich doch nicht hier.
    Wir sind hier um diesen Drachen zu vernichten, was wir den Zwergen auch erläutern: „Wir laufen nicht von unserer Beute davon!“
    Wir wollen gerade umkehren als Thorin mich mit festem Griff an meinem Arm packt: „Nein! Wir machen es anders!“
    Aufgewühlt seufze ich, komme aber seinem Befehl nach, wenn auch äusserst widerwillig.

    Es ist ganz still… kein einziges Geräusch ist in den grossen Hallen des Erebors zu hören.
    Es macht den Anschein, als hätten wir den schrecklichen Smaug abgehängt, doch dafür besitzt er zu viel Intelligenz.
    Ein Drache kommt äusserst selten vor, seit Aiden und ich Hexer sind, haben wir noch nie zuvor eine Feuerschlange gesehen oder Gerüchte darüber gehört.
    Noch nicht mal unser Hexermeister ist je einem begegnet, aber die Lehren über Drachen mussten wir alle durchlesen.
    Der Drache wird als Repräsentant für die Mächte des Chaos bezeichnet.
    Wie es allseits bekannt ist, gibt es verschiedene Drachenarten, so zum Beispiel Wyvern und Gabelschwänze, welche eher klein sind und keine Intelligenz besitzen.
    Der Einfachheit halber werden Drachen schlicht durch ihre Farben kategorisiert.
    Smaug ist der Farbe nach zu urteilen ein roter Drache, die Farbe seines Panzers ist ziegelrot, wie es in unseren Büchern überliefert wird.
    Sie sind die grössten ihrer Art und gelten als unverwundbar wegen ihrer harten Schuppen, die stärker als jede Rüstung sein sollen.
    „Wir gehen in die westliche Wachkammer. Dort ist vielleicht ein Ausgang.“ Flüstert Thorin auf Bilbos Frage, wohin wir sollen.
    Doch Balin widerspricht ihm sofort: „Die liegt zu hoch, das schaffen wir nicht.“
    „Das ist die einzige Möglichkeit. Wir müssen es versuchen.“ Beteuert Eichenschild uns.

    Leise und langsam schleichen wir in keinen Schritten über die schmale Brücke.
    Ich verlangsame meinen Herzschlag noch mehr, mein Atem ist kaum hörbar.
    Plötzlich fällt ein kleines Goldstück auf den steinigen Boden.
    Es kommt mir vor, als würde das Geräusch durch den gesamten Berg hallen.
    Ich presse meine Augen fest zusammen und bleibe augenblicklich stehen.
    Dies muss Smaug gehört haben.
    Zornige Blicke richten sich auf den Hobbit, da die Münze direkt vor ihm runtergefallen ist.
    Doch das Klirren von weiteren herabfallenden Goldstücken ertönt und über unsere Köpfe hinweg schleicht der rote Feuerspucker.
    Erleichtert atme ich kaum hörbar aus und wir setzen unseren Weg mit leisen Schritten fort.

    Endlich haben wir die westliche Wachkammer erreicht…doch ein schreckliches Bild bekommen wir zu Gesicht.
    Leichen über Leichen liegen übereinander gestapelt, verkohlt, vertrocknet und bereits mit etlichen Spinnennetzen überdeckt.
    Es kommt mir vor wie damals, nach dem grausamen Massaker auf Ard Cerbin.
    Ich kehrte nach einer langen und anstrengenden Reise endlich wieder Heim, doch ich wusste dass etwas nicht stimmte.
    Es war so aussergewöhnlich still, kein Vogel war zu hören, kein wildes Reh oder ein wilder Hase war zu sehen.
    Gewaltiger Rauch stieg von der Burg hoch, bis zum Himmel hoch reichte die graue, massige Wolke.
    Nichts als Tod und Zerstörung haben mich damals erwartet.
    Viele Kameraden waren in der Schlacht gefallen.
    Wie in Trance stand ich mitten auf dem Schlachtfeld… Massenhaft Leichen lagen da und Leichenfresser haben sich bereits einen Weg durch die zerstörten Mauern verschafft.
    Ich konnte es mir nicht ansehen wie meine Kameraden zusammen mit diesen widerwärtigen Orks in der Sonne verwesten.
    Nichtsahnend hat sich damals ein Ghul, ein sogenannter Leichenfresser, an mich heran geschlichen und wollte mich bei lebendigem Leibe fressen!
    Aber wieder einmal war mein treuer Aiden zur Stelle, der ebenfalls von seiner langen Reise zurückgekehrt war.
    Nach jedem Krieg, kriechen diese abscheulichen Kreaturen in Rudeln aus ihren Löchern und machen sich über die Gefallenen her.
    Eigentlich nützlich, denn sie fressen die Leichen und verhindern so Epidemien, aber sie machen sich nicht nur über die Toten her, sondern greifen auch die Lebenden an.
    Jener Ausdruck, den ich damals hatte, ist nun auf den markanten Gesichtern der Zwerge zu erkennen.
    „Das ist das Ende… es gib keinen Weg hier raus!“ spricht Dwalin wie in Trance und starrt mit leeren Augen auf die Leichen seines Volkes.
    Aiden und ich wissen genau, wie sie sich fühlen müssen, auch wenn wir womöglich weniger Emotionen besitzen als unsere Gefährten.
    Mitleidig legt der junge Hexer seinem Kamerad Dwalin seine Hand auf die Schulter.
    Auch ich mache es ihm gleich und nehme einfühlsam Thorins Hand und blicke ihn warm an.
    „Die letzten unserer Sippe. Sie müssen hergekommen sein, weil sie noch Hoffnung hatten, wo es keine mehr gab. Wir könnten versuchen die Minen zu erreichen, dann bleiben uns vielleicht noch ein paar Tage.“ Spricht Balin niedergeschlagen und mit trauriger Stimme, dem Ende ins Gesicht blickend.
    Thorin entzieht seine Hand aus meiner und geht einige Schritte nach vorne: „Nein… so werde ich nicht sterben. Kauernd… nach Atem ringend… wir gehen zu den Schmieden!“
    Auch wenn der Plan grauenvoll klingt, so müssen wir es versuchen.
    Wir werden Smaug zu den Schmieden locken in dem wir uns in kleine Gruppen aufteilen.
    Aiden und ich werden in die oberen Stockwerke gehen und ihn von dort aus überraschen.
    „Wir töten den Drachen! Wenn es schon im Feuer endet, dann werden wir gemeinsam darin untergehen!“ spricht Thorin entschlossen und kommt auf mich zu.
    Traurig schauen meine Augen in seine… unsere Chancen stehen schlecht und vielleicht überleben wir es nicht, doch das wissen wir beide.
    Wir sind hier um Smaug mit allem was wir haben zu bekämpfen.
    Langsam kommt Eichenschild meinem Gesicht näher und legt sanft aber bestimmend seine Lippen ein letztes Mal auf die meinen.
    Ich gebe mich diesem Kuss voll und ganz hin, Gefühle durchströmen meinen Körper, welche stärker sind als je zuvor.

    Wir teilen uns auf.
    Während die Zwerge querfeldein durch die Hallen des Erebors rennen, schleichen Aiden und ich uns in die oberen Hallen.
    Instinktiv spreche ich zu Gott, nicht für mich sondern für meine Mitstreiter und um seinen Beistand bei dieser schweren Prüfung.
    Keiner von uns kann sich sein Ende aussuchen.
    Jede Bewegung kann unseren Tod bedeutend.
    Entfernt man sich von dem Punkt an dem man begonnen kann man sich seines Endes nicht mehr sicher sein.
    Aiden mustert mich kopfschüttelnd: „Warum sprichst du dauernd mit Gott und nicht mit mir? Aber bitte, bete ruhig… zu wem auch immer, dass wir diesen Moment alle überstehen.“
    Ich sehe den jungen Hexer grimmig an und kontere: „Was stört dich an meinem Glauben? Irgendwas muss man glauben, dass hält einem aufrecht.“
    Ich merke, dass mit ihm etwas nicht stimmt, vielleicht liegt es daran, dass wir bald Smaug, Auge in Auge gegenüber stehen.
    Ich halte an und warte auf seine Antwort, welche er mir mit lauter Stimme offenbart: „Dieser Drache zu erlegen ist reiner Irrsinn!“
    Verstehend nicke ich und erwidere emotionslos: „Wir haben schon oft kleinere Drachenarten getötet!“
    „Und was ist mit den grösseren Exemplaren?“, damit spielt er gezielt Smaug an, „Wie oft haben wir die erlegt?“
    Ich schweige… da muss ich ihm leider zustimmen.
    Bisher hat es nur einen Hexer gegeben, der bekannt dafür war, einen grossen Drachen getötet zu haben, doch dieser weilt schon lange nicht mehr unter uns.
    Ob es anderen Hexern jemals gelungen ist einen gewaltigen Feuerdrache zu töten ist nichts bekannt.
    „Sei ehrlich Riannon… glaubst du an unseren Erfolg?“ fest schaut er in meine mandelförmige Augen.
    „Diese Zwerge brauchen unsere Hilfe. Es ist unsere Pflicht sie…“, doch weiter komme ich nicht, denn der Hexer hat mich mit lauter und aufgebrachter Stimme unterbrochen, „Diese Pflicht empfinde ich nicht mehr als die meine!“
    Ungläubig sehe ich ihn an von seinem plötzlichen Sinneswandel.
    Wir sind so weit gekommen und jetzt spricht er davon es wäre nicht seine Pflicht?
    Immerhin wurden wir nur für einen einzigen Zweck geschaffen, um unsere Welt vor dem bösen zu bewahren.
    „Niemand kann für einen Menschen oder einen Zwerg den sicheren Tod wählen!“ schreit er mich weiter an und bringt mich zur Weissglut.
    Für einen Menschen, eine Person, die einem sehr nahe steht, die man liebt, für diese Person kann man vieles tun… und wenn es kein anderen Weg gibt, auch mit seinem Leben zu bezahlen.
    „Doch genau das tust du für diese Zwerge!“ kreische ich zurück und funkle ihn wütend an.
    „Nein, ich will nur das Leben und die Freiheit! Für mich und meine richtigen Gefährten!“ spricht er weiter und zwar in so lautem Ton, dass ich befürchte Smaug könnte uns gehört haben.
    Dann herrscht unangenehme Stille zwischen uns… doch Aidens Atem geht so schnell vor Zorn, dass ich ihn hören kann.
    Ich seufze und versuche ihn ein bisschen zu beruhigen: „Wie oft sind wir schon am Abgrund einer Niederlage gestanden? Bedrängt und umzingelt und doch siegreich am Ende. Mit dir an meiner Seite, wäre es wieder zu schaffen.“
    Doch so leicht gelingt es mir nicht ihn zu besänftigen, weshalb ich ihn weiter aufbaue: „Aiden, wir sind Hexer! Was ist die Bestimmung unseres Da-Seins wenn nicht der Kampf für das Gute?“
    Abgeneigt beäugt mich der braunhaarige: „Riannon, die Welt für die wir kämpfen, die wird es nie geben! Niemals! Die Welt wird immer ein Schlachtfeld sein… und da finden wir unseren Tod. Nur wollte ich den Kampf jetzt wählen dürfen. Wenn es nun aber dieser sein sollte… dann tue mir einen Gefallen, bitte begrabe mich nicht auf unserem elenden Friedhof auf Ard Cerbin. Verbrenne mich, und verstreue meine Asche in den Wind der nach Osten weht.“

    Nach einer Pause, in der er sich wieder einigermassen gefasst hat, gehen wir schliesslich weiter.
    Vor dem grossen Eisentor, welches vor den Schmieden liegt verstecken wir uns und warten auf die Bestie.
    Niemand hat uns bemerkt, nicht mal die Zwerge scheinen uns zu bemerken.
    Sie versuchen die eiskalten Öfen wieder in Gang zu bringen, aber nur mit einem immensen Feuer wird ihnen ihr Vorhaben gelingen.
    Unser Anführer provoziert den Drachen bis aufs äusserste und bringt ihn dazu Feuer zu speien.
    In letzter Sekunde können sich die Zwerge und der Halbling hinter den dicken Eisenstangen verstecken.
    Feuer entfacht in sämtlichen Öfen der Schmiede, der Plan scheint aufzugehen.
    Doch jetzt versucht Smaug mit seinem ganzen Gewicht die Eisentür aufzubrechen und zu den Zwergen zu gelangen.
    Die ersten Verbiegungen sind schon deutlich erkennbar… wir müssen uns beeilen!
    Ich werfe meinem Partner einen letzten Blick zu und wir lassen uns von den oberen Hallen fallen.
    In hoher Geschwindigkeit, mit unseren Klingenspitzen nach unten gerichtet fallen wir immer tiefer und tiefer bis wir schliesslich auf Smaug selbst landen.
    Er spürt unser Gewicht und die beiden kleineren Einstiche welche wir mit unseren Schwertern verursacht haben.
    Der Feuerdrache des Nordens dreht sich und versucht nach uns zu schnappen.
    Bilbo und die Zwerge haben unser Einschreiten bemerkt und schauen besorgt in unsere Richtung.
    Mit aller Kraft versuche ich mich auf dem wilden Tier festzuhalten, aber meine Kraft lässt nach.
    Ich rutsche seinen langen Körper hinunter und lande glücklicherweise auf meinen Füssen.
    Doch Smaug hat mich direkt mit seinen grossen stechenden Augen im Visier.
    „Hexer!“ knurrt er voller Zorn und speit heisses Feuer auf mich zu.
    Schnell wirke ich Quen und ein schützender Schild umgibt mich für einen kurzen Moment ehe er durch die grosse Hitze sogleich zerspringt.
    Mein gesamter Körper ist nass, meine Temperatur glüht, mein braunes Haar klebt an meinen Armen.
    Meine dicke Hexerrüstung ist zerfetzt, schutzlos und nur mit meinem Silberschwert in der Hand stehe ich dem schrecklichen Drachen gegenüber.
    Ich sammle all meine Kräfte und konzentriere mich auf den Kampf.
    Die Schuppen an seinem Bauch glühen erneut rot auf, bevor er los spuckt rolle ich mich ihm seitlich zu um nichts abzubekommen und greife ihn mit meinem Silberschwert an.
    Noch ein harter Hieb, dann rolle ich wieder von ihm weg um von seinen riesigen Klauen nicht getroffen zu werden.
    „Du musst seine ungeschützte Stelle finden!“ rufe ich Aiden zu, während er sich immer noch auf dem wütenden Drachen befindet.
    Ich hingegen versuche Smaug abzulenken um den Zwergen und dem Hexer möglichst viel Zeit zu verschaffen.
    Immer wieder wende ich Quen an, rolle mich auf Smaug zu um ihn anzugreifen und weiche seinen Klauen wieder aus.
    Eine einfache Strategie um Zeit zu gewinnen, doch sie kostet mich unglaublich Kraft und Ausdauer.

    Auch wenn die Strategie funktioniert hätte, lassen Aidens Kräfte nach und er prallt hart auf den Steinboden und bleibt regungslos auf dem Rücken liegen.
    Erschrocken blicke ich zu ihm während Smaug auf ihn zu schleicht.
    Nein!
    So schnell ich kann klettere ich den gewaltigen Drachenkörper hoch.
    Für einen kurzen Augenblick richtet er seine Aufmerksamkeit wieder auf mich.
    Aiden erhebt sich währenddessen langsam und schleppt sich unter Schmerzen durch das grosse Eisentor in Sicherheit.
    Ich renne weiter auf den Kopf der Feuerschlange zu und balanciere mein Gewicht gleichmässig aus.
    Auch wenn mein Vorhaben Smaug nicht töten werden, so wird es grossen Schaden an ihm nehmen.
    An einer grösseren Schuppe halte ich mich fest und versuche sein rechtes Auge auszustechen.
    Doch dies ist leichter gesagt als getan, der Drache ahnt was ich vorhabe und schüttelt heftig mit seinem Schädel um mich zum Fall zu bringen.
    Mein Konzept geht nicht auf, meine Hand löst sich von seiner Schuppe und ich falle, aber mein Schwert gleitet über sein gelbes Auge und verletzt es.
    Lautes Drachen Gebrüll ertönt durch die Hallen und bringt sie zum Beben, schnell renne ich zu Thorin und den anderen.

    Zusammen mit Aiden suche ich Schutz zwischen einem kleinem Felsspalt.
    Wir sind zu erschöpft um jetzt noch irgendetwas gegen diese Bestie auszurichten.
    Die grossen Öfen der Schmiede stehen bereit.
    Smaug gelingt es das Eisentor so zu verbiegen, dass die grosse Tür einfach umfällt.
    Jeder ist auf seiner Position, Thorins Plan kann in die Tat umgesetzt werden.
    Bilbo zieht mit all seiner Kraft an dem Holzhebel und Literweise Wasser pirschen auf den Drachen.
    Das Feuer verdampft, die ganze Halle steht in dampfendem Qualm.
    Smaug windet sich und schlägt wild mit seinen Flügeln umher.
    Balin gelingt die Stichflamme, Ori und sein Bruder werfen unsere Dimeritiumbomben auf die Feuerschlange.
    Unser Feind tickt vollkommen aus und zerstört die halbe Schmiede.
    Thorin zieht an einem weiteren Hebel und flüssiges, geschmolzenes Gold fliesst durch die Schmiede der Zwerge.
    Mit einer Schubkarre bahnt sich unser Anführer einen Weg durch das Chaos um auf dem geschmolzenen Gold zu schwimmen.
    Was hat er vor?

    Aiden kann in der zwischen Zeit wieder auf eigenen Beinen stehen, ist aber genau wie ich zu erschöpft um noch irgendwas ausrichten zu können.
    Sich weiter in den Kampf zustürzen wäre äusserst sinnlos und dumm.
    Es ist ruhig geworden… wo sind denn alle auf einmal hin?
    Mit mühe helfe ich Aiden hoch und wir begeben uns in die Ahnenhalle der Könige, aber wir kommen zu spät.
    Gerade noch können wir zusehen wie ein in goldgetränkter Drache, sich durch die dicken Mauern schlägt und in Richtung Seestadt fliegt.

    17
    Und der See wird ein Flammenmeer Was haben wir getan! Fili, Kili, Bofur, Óin und mein Bruder befinden sich doch noch in Esgaroth, ausserdem unser ges
    Und der See wird ein Flammenmeer



    Was haben wir getan!
    Fili, Kili, Bofur, Óin und mein Bruder befinden sich doch noch in Esgaroth, ausserdem unser geschätzter Barde und Cadrim.
    Zudem noch all die armen und unschuldigen Menschen, welche die Seestadt als ihre Heimat betrachten.
    Wir eilen durch das Loch welches Smaug erschuf und erstarren schlagartig.
    Vor uns stehen die restlichen vier Hexer aus unserer Festung, ausgeschlossen unser Hexermeister.
    Sie mustern uns nicht gerade freundlich sondern mit ernstem Gesichtsausdruck.
    Sie machen nicht wirklich den Anschein dass sie helfen wollen, doch wie sind sie so schnell und unbemerkt hier her gelangt.
    Es hätte uns auffallen müssen wenn sie uns gefolgt wären.
    Plötzlich treten sie stumm und unerwartet bei Seite und zum Vorschein kommt jener Magier, der uns einst alle erschuf.
    Unsere Gefährten begreifen nicht was hier gerade geschieht und schauen uns verwirrt an, nicht wissend ob sie sich ein mischen sollen, oder doch lieber raushalten.
    Aiden und ich gehen sofort untergeben auf unsere Knie und senken respektierend unser Haupt.
    Wir dürfen den grossen Magier nicht in seine Augen schauen, es sei denn er erlaubt es uns.
    „Aiden und Riannon… dass ich wegen euch mein sicheres Land verlassen musste, hätte ich nie gedacht. Ich hoffe ihr habt eine gute Erklärung dafür.“ Spricht er mit einer Stimme, wie die eines normalen, alten und freundlichen Mannes, doch dies ist er keines Wegs.
    Ehe wir ihm antworten können, haben uns seine Lakaien bereits fest im Griff.
    Mit voller Wucht drückt mich einer von ihnen unsanft gegen den kahlen Fels und schnürt mir mit seinem festen Griff die Luft ab.
    Verzweifelnd ringe ich nach Atem und schaue mit glasigen Augen zu Thorin.
    Dem braunhaarigen Zwerg gefällt dies natürlich ganz und gar nicht: „Nehmt eure dreckigen Finger von meiner Frau!“
    Doch ehe er was machen kann, stellen sich ebenfalls zwei Lakaien vor ihn und versperren ihm absichtlich den Weg.
    Erstaunt blickt der Magier von ihm zu mir: „Deine Frau? Riannon gehört niemandem. Sie mag dir das Ja-Wort gegeben haben, doch wird sie der Wille nach Freiheit irgendwann einholen und sie wird dich gewiss verlassen.“
    Seine Worte machen mich rasend!
    Ich liebe meine Freiheit klar… aber für den Mann den ich liebe, würde ich alles aufgeben.
    „Hör nicht auf ihn Thorin!“ sage ich so laut ich kann und winde mich unter dem starken Griff.
    Thorin soll diesen unehrlichen Worten auf keinem Fall Glauben schenken!
    Überrascht sieht mich mein Erschaffer an und kommt langsam aber bestimmend auf mich zu.
    Sein langer Stab beginnt grell auf zu leuchten: „Ich gebe euch beiden noch eine letzte Chance. Ihr werdet das zu Ende bringen was ihr begonnen habt! Ich werde euch deshalb umgehend in die Seestadt teleportieren.“
    Der Griff um meinen Hals löst sich.
    Erbost blicke ich in die fast weissen Augen des Magiers.
    Er will sich seine Hände an uns nicht schmutzig machen, dies ist eindeutig zu erkennen.
    Wir sollen im Drachenfeuer schmorren, womöglich weiss er bereits, dass wir es nicht schaffen können, denn zu viel Ausdauer und Kraft haben wir verbraucht.

    Aiden und ich stellen uns bereit hin und warten bis er ein Portal erschafft.
    Uns gegen den Magier zu stellen, wäre äusserst sinnlos und würde ohne hin unseren sicheren Tod bedeuten.
    „Wartet!“ erklingt die geheimnisvolle Stimme von Lorin, welcher bisher nur teilnahmslos zugesehen hat.
    Verwundert über seine überraschende Reaktion schaue ich ihn an.
    Lorin hat eine grosse Narbe auf seinem Kopf, weshalb er auch eine Glatze trägt.
    Er ist überdurchschnittlich trainiert und hat immens starke und breite Arme wie auch Schultern.
    Wortwörtlich, Lorin ist eine echte Kampfmaschine.
    Aufgrund seiner imposanten, aber grobschlächtigen Statur wird seine Intelligenz oft unterschätz, ein fataler Fehler, welch so manch einer bereits erfahren musste.
    „Teleportier mich mit ihnen nach Esgaroth.“ Befiehlt er monoton und in einem ziemlich gelassenen Ton.
    Dankbar sehe ich ihn an… wenigstens ein treuer Kamerad, aber Azariel, der berühmteste Hexer unserer Schule schreitet bedrohlich auf Lorin zu: „Bist du dir sicher dass du dich dorthin begeben willst?“
    Aber der muskulöse Hexer schreitet kein bisschen zurück und antwortet bedrohlich und mit lauter, kräftiger Stimme: „Natürlich gehe ich mit ihnen! Ich kann sie dahin nicht alleine ziehen lassen, sie gehen sonst drauf! Und damit sage ich nur was ihr alle denkt!“
    Drohend starrt er mit seinen goldbraunen Augen die anderen an, welche nur schweigend herum stehen und nichts tun.
    Der Magier nickt einwilligend und wirkt ein Zauber um das Portal zu erschaffen, welches uns in die Seestadt bringt.
    Ich schenke meinem geliebten Mann, den Zwergen und dem Hobbit noch einen letzten Blick, ehe wir durch das magische Portal verschwinden.

    Ich kann Portale nicht leiden, der Magen dreht sich und man bekommt leicht das Gefühl der Übelkeit.
    Wir landen mitten in der Seestadt, welche schon in grossem Aufruhr ist, wegen der herannahenden Gefahr aus dem Himmel.
    „Riannon!“ höre ich die aufgeregte Stimme meines Bruder welcher rasch auf uns zukommt, gefolgt von den vier Zwergen und mit einer mir unbekannten Frau.
    Meine Augen beginnen hell aufzuleuchten als ich sie erspähe, besonders natürlich wegen einem besonderen Zwerg.
    „Fili!“ rufe ich laut und renne freudig und mit purer Erleichterung auf ihn zu.
    Seine smaragdgrünen Augen erhellen sich ebenfalls in zwei strahlende Kristalle als er mich sieht und bemerkt dass es mir gut geht.
    Fest drücke ich den blonden Zwerg an mich und geniesse seine Wärme, seine Geborgenheit, einfach sein ganzes Wesen.
    Er umrahmt mein Gesicht mit seinen Händen: „Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist!“
    Seine Blicke sind intensiv und voller Verlangen, dennoch besorgt und erleichtert.
    Seine Augen wechseln von meinen Augen hinunter zu meinem Mund und wieder zu meinen Augen.
    Zurückhaltend und vorsichtig kommt er mir mit seinem Gesicht dem meinen immer näher.
    Meine Gefühle drehen durch mit mir… ich bin gerade frisch verheiratet und liebe Thorin von ganzem Herzen, aber Fili scheint auch irgendetwas an sich zu haben, von dem ich mich nicht abwenden kann.
    Langsam schliesst er seine Augen und ich mache es ihm gleich.
    Meine Lippen beginnen zu prickeln, als er seine liebevoll auf meine legt.
    Der Kuss zwischen mir und Fili ist ganz anders als es jener mit Thorin ist.
    Thorins Küsse, sind feurig, leidenschaftlich und voller Verlangen, Filis Küsse hingegen sind eher zurückhaltender, liebevoller und mit einer unglaublichen Zärtlichkeit.
    Im Gegensatz zu seinem Onkel ist der blondhaarige Zwerg viel sensibler.
    Wir lösen uns wieder voneinander und erneut umarmt er mich und drückt mich fest an seinen Körper.
    Ich fühle wie er meinen Duft in sich aufnimmt und in mein Ohr haucht: „Ich habe dich vermisst!“
    Ich löse mich von ihm, obwohl, ich ihn am liebsten nicht mehr loslassen möchte, aber wir haben keine Zeit mehr.
    Smaug wird bald über Esgaroth eintreffen und alles in Schutt und Asche legen, wenn wir nichts Wirkendes unternehmen.
    Er wird dasselbe Unheil über die kleine Hafenstadt bringen, wie er es vor langer Zeit in Thal getan hat.
    Elend, Leid, Verderben und Tod… dies wird über die Stadt kommen.

    „Irgend eine Idee, wie wir dieses Ungeheuer besiegen können?“ will Lorin wissen und starrt uns erwartungsvoll an.
    Ich schüttle antriebslos meinen Kopf: „Er hat nur eine Schwachstelle, doch an die zu gelangen erfordert unglaublich durchdachte Strategie.“
    Tilion hat sich ebenfalls dazu bereit erklärt uns mit dem schrecklichen Feuerdrachen zu helfen, ebenso die Unbekannte an seiner Seite.
    Heimlich beobachte ich sie während sie neben meinem Bruder steht bis sie sich schliesslich freundlich vor mich stellt und ihr mir ihre Hand austreckt: „Ich bin Lucy.“
    Auf den ersten Blick scheint sie freundlich zu sein…ich bin neugierig wer sie ist und dennoch eher misstrauisch, da sie genau wie mein Bruder, das Medaillon der Katzenschule trägt.
    Sie hat eine relativ schlanke Figur, welche man trotz ihrer dicken Rüstung erkennen kann.
    Ihr Teint ist eher hell und ihr Gesicht ist feingeschnitten mit stark ausgeprägten Wangenknochen.
    Ebenso wie ich hat sie langes braunes Haar, nur sind ihre um einiges länger als meine denn sie reichen ihr bis knapp zur Hüfte.
    Schöne lange und frei herabfallende Haare sind ein Merkmal von Rang und Stand, das Kennzeichen einer freien Frau, welche ihre eigene Herrin ist.
    Das Kennzeichen einer ungewöhnlichen Frau, denn gewöhnliche Fräulein tragen Zöpfe, gewöhnliche Ehefrauen verbergen die Haare unter Hauben und Kopftüchern.
    Damen von hohem Rang, Königinnen eingeschlossen, legen die Haare zu Frisuren und Kriegerinnen schneiden sie kurz.
    Nur Hexerinnen, Zauberinen und Dirnen tragen ihre natürliche Mähnen zur Schau, um Unabhängig und Freiheit zu unterstreichen.
    Lucys Augen bergen eine merkwürdige Mischung aus braun und grün, welche nicht richtig definiert scheint und dennoch strahlen sie etwas Kraftvolles aus.
    Nur dank meinen Hexersinnen, kann ich diese sehen, denn für normal sterbliche, sehen ihre Augen, wie die jedes Hexers aus… goldbraun und einer schwarzen Katzenpupille.

    Smaug befindet sich in der Luft, einen Angriff bringt nichts, wir sind im schutzlos ausgeliefert, wenn wir ihn Angreifen.
    Die einzige Möglichkeit ist Verteidigung.
    Plötzlich werden wir überraschend von einem alten Bekannten unterbrochen, Bard und sein Sohn Bain sind eben zu uns gestossen.
    „Mein Vater hat mir Geschichten von euch erzählt.“ Beginnt der kleine Knirps unerwartet das Gespräch mit mir.
    „So? Was denn für Geschichten?“ will ich wissen, obwohl ich eher darüber abgeneigt bin.
    Es gibt viele Geschichten, Balladen, Sagen oder Legenden über Hexer, aber meistens beruhen sie nicht von der Wahrheit und werden durch den grossen Hass auf uns geleitet, was uns schliesslich als blutrünstige Schlächter dastehen lässt.
    Einzig die Balladen von unserem Freund Fanloén preisen den Völkern wie viel gutes in einem Hexer stecken kann.
    Wer uns nur flüchtig kennt, mag uns für einfache Schwertkämpfer oder Monsterschlächter halten, welche ein dreckiges Handwerk verrichten.
    Doch auf den zweiten Blick, verbirgt sich hinter einem Hexer, einen Menschen der ungeahnte Tiefen besitzt, einzigartige Absichten vertritt und über einen gewaltigen Erfahrungsschatz verfügt.
    An der Oberfläche wirken Hexer meist zurückgezogen und wortkarg, manche bezeichnen uns auch als unfreundlich.
    Dahinter verbirgt sich jedoch sehr oft ein gewaltiges Meer an Güte, Humor und ehrlicher Bereitschaft seinen Gefährten zu helfen, sei es durch einen guten Rat oder meisterliche Beherrschung der Klinge.
    Doch dies Erfahren nur diejenige, die einen Hexer auch besser kennen.
    „Heldensagen.“, Offenbart mir Bain und schwärmt von den Erzählungen seines Vaters, „Sie handelten stets von so mutigen und selbstlosen Hexern, dass sie gar nicht stimmen können. Riannon und ihr treuer Gefährte Aiden. Zwei Hexer welche stetig die Monster in und um unsere Stadt vernichteten, doch gehört eure Treue ausschliesslich Nazair.“
    Seine Stimme verdunkelt sich gegen Ende hin.
    „Genug jetzt Bain, die Hexer müssen sich konzentrieren.“ Unterbricht ihn sein Vater.

    „Warum bündeln wir unsere Kräfte nicht!“ schlägt Tilion vor und sieht uns abwartend an.
    Abschätzend beäuge ich Bard, da ihn mein Bruder mit einbeziehen will: „Ja aber… was genau sind seine?“
    Auch Aiden und Lorin mustern den Kahnführer herabfallend nicht so Lucy, denn sie scheint die Strategie von Tilion bereits zu kennen und unterstützt diesen.
    Bard lässt sich von unseren durchdringenden Blicken nichts anmerken und offenbart uns: „Ich habe einen Plan.“
    Misstrauisch hören wir ihm zu: „Ihr Hexer bündelt eure Kräfte und formt ein Schutzschild, welcher unsere gesamte Stadt vor dem Drachenfeuer schützen soll.“
    Ich weite meine Augen… er will was!
    Auch meinen beiden Mitstreitern gefällt dieser Plan nicht und dies aus einem sehr guten Grund: „Wenn wir dies tun, dann sind wir nachher völlig erschöpft und haben keine Kraft mehr um gegen Smaug zu kämpfen!“
    „Das sollt ihr auch gar nicht.“, erklärt Bard weiter und erläutert uns seinen Plan zu ende, „Ich werde ihn erlegen!“
    Jetzt beginnen wir zu verstehen, aber was ist wenn es ihm nicht gelingt und der schwarze Pfeil sein Ziel verfehlt?
    Wir können die Schützende Aura vielleicht noch gute zehn Minuten aufrechterhalten und haben nur diese eine Möglichkeit.
    Sollte es uns gelingen, werden wir Hexer uns ein, zwei Tage völlig ausruhen müssen bis wir wieder bei Kräften sind… zumindest Aiden und ich da wir sonst schon ziemlich angeschlagen sind.
    Wir stimmen alle dem Plan zu, auch wenn er mir und den andern überhaupt nicht gefällt.
    Bard begibt sich auf den höchsten Turm der Stadt, wir Hexer stellen uns alle in einem Kreis auf Rücken an Rücken, aber mit einem gewissen Abstand.
    Die smaragdgrünen Augen von Fili funkeln mich mit so einer unglaublichen Wärme an, dass ich das Gefühl habe, dadurch etwas Kraft zu gewinnen.
    Gleichzeitig wirken wir Quen und der Schutzschild breitet sich immer mehr und mehr aus.
    Wir bleiben in unserer Bewegung verharrt und warten ab.
    Die Schützende Aura um uns herum ist für jeden deutlich erkennbar.
    Eine goldbraune Hülle umgibt nun Esgaroth und soll die Stadt vor dem lodernden Drachenfeuer bewahren.
    Sie gibt den Menschen der Seestadt neuen Mut, die Gefahr lebend zu überstehen, aber ob der Plan funktioniert wird sich sehen lassen.

    Plötzlich explodiert der schützende Schild und eine gewaltige Druckwelle geht von der Stadt aus in die ferne Landschaft.
    Bäume verbiegen sich und einige entwurzeln sogar, Vögel fliegen in Panik von den Baumkronen, jegliche Waldtiere rennen panisch umher.
    Haben wir es geschafft? Ist es vorbei?
    Mein Körper fühlt sich so schwer an, meine Temperatur glüht noch mehr als zuvor.
    Unerwartet durchströmt einen stechender Schmerz meinen gesamten Körper.
    Meine Knie sacken zusammen und ich drohe hinzufallen, aber Fili ist zur Stelle und fängt mich gerade noch rechtzeitig auf.
    Auch Aiden geht es sichtlich schlechter als den anderen drei Hexern.
    Er verliert ebenfalls den Halt und sackt unkontrolliert auf den Boden.
    Ich presse meine Augen zusammen und versuche diesen höllischen Schmerz auszublenden doch es nützt nichts.
    Laut schreie ich auf, einen Schrei, welcher durch Mark und Bein geht.
    „Helft ihr!“ fleht Fili mit glasigen Augen die anderen Hexer an.
    Mit schnellen Schritten kommt mein Bruder auf uns zu und will mir den berühmten Heilungstrank verabreichen.
    Rasch öffnet er den kleinen Verschluss des grünen Tranks, doch er wird von der starken Hand von Lorin aufgehalten.
    Fassungslos und mit rasendem Atem starrt Tilion den Muskelprotz an, noch zögernd ihm im nächsten Moment an die Gurgel zu springen.
    „Ihr Körper ist zu schwach um den Trank richtig zu verarbeiten! Du könntest alles nur noch schlimmer machen!“ warnt ihn Lorin nur.
    „Dann könnt ihr gar nichts machen?“ stösst Kili nun auch zu uns und sieht mich mitleidig mit seinen dunklen Augen an.
    Lorin schüttelt bedrückt sein Kopf und senkt seinen Blick.
    Die Hexer beschliessen uns an den äusseren Stadtrand zu bringen wo wir ein Boot nehmen werden, als es plötzlich noch heisser um uns herum wird und wir brennende Dächer über unseren Köpfen erblicken.
    Smaug treibt immer noch sein Unwesen über der Stadt und verwandelt den See in ein Flammenmeer, so wie es geweissagt wurde.
    Überall herrscht Schrecken, die Menschen schreien… dann flehen sie…und dann nur noch ein Stöhnen, von denen die das Feuer gnadenlos erwischt hat.

    Die Seestadt liegt in Trümmern, Schutt und Asche, der Himmel verfärbte sich blutrot.
    Verkohlte Leichen treiben auf den leichten Wellen des Sees, weitere Tote werden an das Ufer gespült.
    Ich höre Hilfeschreie, Schreie von Menschen die gerade alles verloren haben was ihnen lieb war.
    Langsam schlage ich meine Augen auf, war ich etwa bewusstlos?
    Über mir erblicke ich eine Frau mit langem rotbraunem Haar und grasgrünen Augen.
    „Tauriel?“ flüstere ich ihren Namen mit brüchiger und kaum hörbarer Stimme.
    Warum ist sie hier?
    Aber ich kann meine Gedanken nicht richtig ordnen, da werde ich schon von einem stürmenden Fili zärtlich umarmt.
    Ich verstehe überhaupt nichts mehr… was ist passiert?
    Das einzige woran ich mich erinnere ist ein seltsamer Traum der in einem kahlen und schneeweisen Turm endete, welchen ich noch nie zuvor gesehen habe.
    Der Turm war tot was schon ein Zeichen ist, ihn niemals zu betreten.
    Kili tritt neben die Elbin und bedankt sich herzlich bei ihr.
    Jetzt fange ich an zu verstehen… sie hat mich geheilt… und Aiden auch wie es scheint.

    Ich gehe auf die Elbin zu, welche sich noch mit Kili unterhält um mich zu bedanken.
    Sie wendet ihren Blick von dem schwarzhaarigen Zwerg ab: „Das war dafür, dass ihr ihn vor dem Tod bewahrt habt.“
    Mit ihren glänzenden Augen deute sie in die Richtung des charmanten Zwerges.
    Ein schelmisches Lächeln huscht über mein feingeschnittenes Gesicht und ich beginne zu verstehen.
    Es gibt nur wenige die sich einer Elbin verweigern können.
    Elben haben eine makellose Schönheit und ziehen jeden in ihren Bann, dem wohl schon so mancher verfallen ist.
    „Ich möchte dir trotzdem danken.“ Sage ich schliesslich.
    Anschliessend machen wir zwei Boote bereit um zurück zum Erebor zu segeln.
    Kili unterhält sich immer noch angeregt mit der schönen Elbin.
    Ich wende meine Hexersinne an und lausche dem Gespräch… er möchte sie bitten mit ihm zu kommen.
    Gerade als sie ihm antworten will, taucht Legolas wie aus dem Nichts aus auf.
    Er spricht irgendwas auf elbisch und sieht mich dabei mit einem erniedrigenden Blick mit seinen dunkelblauen Augen an.
    Ich wende meinen Blick von ihm ab und versuche ihn zu ignorieren.
    Kili hat keine Chance mehr auf seine Antwort zu warten und kehrt bedrückt zu uns, ehe wir die Segel setzen.

    Fortsetzung folgt...

    18
    Die Drachenkrankheit Erneut laufen wir die steilen Hängen hinauf welche uns zum Erebor führen. Mir fällt auf wie die vier Zwerge immer aufgeregter
    Die Drachenkrankheit

    Erneut laufen wir die steilen Hängen hinauf welche uns zum Erebor führen.
    Mir fällt auf wie die vier Zwerge immer aufgeregter werden und ihre kleinen Schritte beschleunigen.
    Nichts kann sie auf ihrem Weg aufhalten, nicht mal die gefallene Stadt Thal.
    Als wir schliesslich vor dem zertrümmerten Haupttor zum Stehen kommen, erwartet uns eine Leere und eine unheimliche Stille
    Wo ist Thorin?
    Wo sind die Zwerge und Bilbo?
    Wir tauschen unruhige Blicke aus und rennen über die steinige Brücke welche über einen tiefen Graben führt.
    Verwüstung und Zerstörung erwartet uns im Inneren und von der Gemeinschaft fehlt jede Spur.
    Aiden kniet sich hin und versucht mit seinen Hexersinnen eine Spur ausfindig zu machen… irgendetwas muss doch hier sein, seien es Fussabdrücke, einen Geruch oder anderes was uns eine Fährte aufnehmen lässt.
    „Musst du dich jetzt hinknien um eine Spur zu finden?“ zieht in meinen Bruder auf.
    Na toll Männer… warum müssen die sich immer irgendetwas beweisen?
    „Lasst das jetzt und seid wachsam!“ befehle ich mit herrschendem Ton.

    „Hallo?“ ruft Bofur laut und der Schrei hallt durch die leergefegten Hallen des einsamen Berges.
    Jeden einzelnen Namen der Zwerge verwendet er, doch keine Reaktion erfolgt.
    Wir gehen weiter durch die unterirdischen Bogengängen und die immer tiefer werdender Hallen als wir unerwartet die warnende Stimme von Bilbo vernehmen.
    Erleichtert atme ich aus und lasse den aufgeregten Halbling aussprechen, doch irgendetwas ist hier faul.
    „Ihr dürft nicht weiter! Wir alle müssen hier weg und zwar schnell!“ kommandiert er mit hechelnder und aufgeregter Stimme.
    Neun irritierende Gesichter schauen ihn verwirrt an.
    „Wir kommen doch gerade erst an.“ Erläutert Bofur ihn.
    Keiner von uns kann dem kleinen Hobbit folgen, niemand versteht seine wild gestikulierten Absichten.
    Was hat er denn für ein Problem?
    Smaug ist vernichtet, der Erebor ist zurück erobert wir haben es geschafft, alles ist getan.
    „Ich hab versucht mit ihm zu reden, aber er hört nicht.“ Plappert der Halbling schwer keuchend weiter und sieht mir ernst in die Augen.
    Mein Gehirn rattert und ich verstehe Bilbos Zustand endlich, weshalb ich mich auch kurzerhand an in Wende: „Was ist mit ihm?“
    Während ich ungeduldig auf seine Antwort warte, stehen die Zwerge und die Hexer immer noch auf dem Schlauch.
    Die Zwerge bewegen ihre Blicke zwischen dem Hobbit und mir hin und her und versuchen unserem Gespräch zu folgen.
    „Er ist seit Tagen da unten, er schläft nicht, er isst kaum noch etwas, er ist nicht mehr er selbst! Das liegt an diesem Ort, eine Krankheit scheint auf ihm zu liegen.“ Offenbart der Hobbit uns schliesslich und nun verstehen auch die anderen.
    Dann ist es also wahr… die Drachenkrankheit kann wirklich jeden hier treffen.
    Die krankhafte Gier nach Gold und Macht scheint bereits von Thorin Besitz ergriffen zu haben und verändert ihn zu einem selbstsüchtigen, paranoiden Ebenbild von Smaug.
    Jetzt wird mir auch bewusst warum Thorin wahrscheinlich wollte, dass Bilbo sich zuerst alleine in den einsamen Berg hinein wagen sollte.
    Er hatte Angst… Angst davor komplett der Drachenkrankheit zu verfallen, sobald er die mächtigen Schätze des Erebors sieht.
    Diese Gefahr bedrohte auch die Gemeinschaft und uns Hexer nicht zu vergessen.
    Immerhin haben auch wir Hexer den Ruf, gierig nach Gold zu sein.
    Aber für uns ist es alles andere als nur Gold, wir können damit ein paar nötige Kleinigkeiten für den Winter kaufen und unsere Waffen reparieren lassen… für uns ist es Lebensnotwendig.
    Hätte Thorin damals anders entschieden, wäre die gesamte Gemeinschaft gefährdet gewesen.
    Die Zwerge hätten durch das viele Gold, den gefährlichen Drachen selbst nicht mehr gesehen.
    Insofern war es fast eine kluge Entscheidung erst einmal Bilbo alleine vorzuschicken um die Lage zu sondieren, da dieser wohl am ehesten immun gegen die Drachenkrankheit ist.
    Schon seit wir in diesen Hallen sind und Thorin den Hobbit mehrmals nach dem Arkenstein gefragt hat, scheint er sich leicht verändert zu haben.
    Der Arkenstein ist das Herz vom Erebor, Thorin ist das Herz des Zwergen-Volkes… das Königsjuwel leuchtet in tausend Facetten, genau wie Thorins Charakter… und der eine wie der andere beeinflussen alle, die damit in Berührung kommen, im Guten wie im Bösen.

    „Was für eine Krankheit?“ fragt Kili und verfolgt mich mit seinem Blick, da ich mich bereits aus dem Staub mache, dicht gefolgt von Fili.
    Das darf nicht wahr sein!
    Ungeachtet steige ich die Treppen hinunter gefolgt von den andern.
    „Riannon!“ ruft Bilbo immer wieder um mich zurückzuhalten, aber seine Worte prallen einfach an mir ab.
    Das Licht der Hallen vergoldet sich, was heisst ich bin fast an meinem Ziel.
    Dieser Anblick, dieser gewaltige Schatz… auch mir raubt er erneut den Atem, denn das erste Mal kann ich ihn in aller Ruhe bewundern.
    Meine Augen beginnen zu glitzern, mein Blick erstarrt… das ganze Gold gehört uns alleine!
    Dann endlich erspähe ich meinen geliebten Mann, welcher durch den gewaltigen Schatz wandelt: „Gold… Gold jenseits aller Vorstellungen, jenseits von Trauer. Seht ihn an, den gewaltigen Schatz von Thror! Willkommen, meine Schwester, Söhne… in dem Königreich Erebor!“
    Auch wenn seine Stimme, seine Gesichtszüge und sein ganzer Charakter verändert scheinen, so mache ich keinen Halt und renne stürmisch und voller Sehnsucht auf ihn zu.
    Sein Lächeln wird breiter und er streckt seine Arme weit aus in die ich mich schwungvoll werfe.
    Ich presse mich fest an ihn, nehme sein Gesicht in meine Hände und gebe ihm ein verlangender und sehnsüchtiger Kuss.
    Ebenso gefühlsvoll erwidert er hin hemmungslos.
    Ich bin überglücklich hier bei ihm zu sein, mit all meinen Freunden und Gefährten.
    Allen geht es wieder gut, der Drache Smaug ist tot und wir haben den Berg zurück, so wie alles sein sollte und mit allen Mitteln, werde ich verhindern, dass Thorin dieser widerwärtigen Krankheit verfällt.

    Das Wiedersehen mit den restlichen Zwergen ist gross.
    Freudig und lachend umarmen wir uns gegenseitig und können kaum glauben was wir hier erreicht haben.
    Ich glaube keiner von uns, hätte jemals daran gedacht, dass wir unsere Mission erfüllen.
    Das Zusammentreffen verlief schön, aber Thorin fordert uns sogleich auf den Arkenstein zu finden.
    Wir alle stehen nun auf dem gewaltigen Schatz und durchsuchen ihn nach dem Königsjuwel.
    Wir Hexer verwenden dauernd unsere Hexersinne um die Suche zu erleichtern und voran zu treiben.
    Niemand soll ruhen, bis er gefunden ist.
    Jedes Goldstück wird umgedreht, jede Ecke wird durchsucht, aber der Arkenstein bleibt verschollen.
    Während des Stöberns, mache ich mir Gedanken über unsere Zukunft.
    Dieser Schatz bereitet uns eine vielfallt an Möglichkeiten… wir könnten die Stadt Thal ganz neu errichten lassen und dann zusätzlich noch über sie herrschen.
    Ich könnte unsere Festung auf Ard Cerbin reparieren und die Räume neu renovieren.
    Aiden und ich müssen keine Monster mehr töten und uns unnötig in Gefahr begeben.
    Wir könnten in den Ruhestand und endlich so leben wie die Könige denen wir dienen.
    Doch im Augenblick kann ich mir dies nicht bildlich vorstellen.
    Momentan ist das nichts für mich, am besten wäre es wenn ich weiter meinem Beruf nachgehe und nur im Erebor überwintern würde und dann Thorin helfe das Reich zu regieren.
    Als Hexer gehört man auf die Strasse.
    Man kann nicht einfach aufhören Hexer zu sein, das ist man auf Lebenszeit… wir können diesen Pfad nicht verlassen.
    Ausserdem gibt es immer reichlich zu tun für uns, denn die Monster bringen sich ja nicht von selbst um.
    Doch Aiden und ich hassen dieses Leben… gerne würden wir unsere Schwerter über einen Kamin hängen und das Leben mit unseren Liebsten einfach geniessen und in Freiheit leben.

    Weitere Tage sind vergangen und noch immer haben wir den Arkenstein nicht gefunden.
    Ich bin die Königin unter dem Berge und dieses Königreich kann nur regiert werden wenn wir das verlorene Juwel gefunden haben.
    Ich begebe mich an die frische Luft und schaue über die weiten Lande.
    Ein kühler und zarter Windhauch bläst mir ins Gesicht und lässt meine offenen Haare nach hinten wehen.
    Es ist deutlich spürbar, dass die Tage immer kürzer werden und die Kälte ihren Weg zu uns findet.
    Es wird nicht mehr lange dauern und alles hier wird in einer weissen Pracht liegen.
    Normalerweise würde dies für mich und Aiden bedeuten in unsere Hexerfestung zu kehren um dort den kalten Winter abzuwarten… aber jetzt ist es nicht so.
    Scharf denke ich nach… wir sind dreizehn Zwerge, fünf Hexer und ein Hobbit.
    Wir sind bereits seit mehreren Tagen mit der Suche beschäftigt und noch immer haben wir ihn nicht.
    Vielleicht hat Thorin recht und jemand enthält ihn uns vor… möglicherweise hat ihn einen der Hexer bereits gefunden und will ihn für sich behalten.
    Zornig balle ich meine Faust, knirsche wütend mit meinen Zähnen und drehe mich schwungvoll um, um die Hexer und die anderen Zwerge beobachten zu gehen, als ich unerwartet in die grünen Smaragd Augen von Fili sehe.
    Empört starre ich ihn an und frage in barschem Tonfall: „Was machst du hier? Du solltest doch den Arkenstein finden!“
    Der blonde Zwerg weicht keinen Schritt zurück und bleibt einfach vor mir stehen.
    Ich schnaube verärgert, aber ehe ich etwas erwidern kann, schneidet er mir das Wort ab: „Ria, merkst du eigentlich noch was? Du bist nicht mehr die von damals! Du scheinst immer tiefer in deinem Wahnsinn zu versinken!“
    Erneut tobe ich.
    Was glaubt er eigentlich wer er ist umso mit mir zu sprechen?
    Ich bin seine Herrin und dieser jämmerliche Zwerg hat mir gefälligst zu gehorchen!
    Ich bin keine gefährliche Wahnsinnige, noch bin ich weder Geisteskrank oder in meiner eigenen Welt gefangen.
    Der Arkenstein ist das Geburtsrecht der Zwerge, doch ich und Thorin sind König und Königin dieses Reiches und deshalb ist es wichtig ihn zu bekommen.
    Die sieben Heere haben ihren Eid demjenigen geschworen der, den Arkenstein bei sich trägt.
    „Was weisst du schon?“, fauche ich und starre ihn herabfallend an, „Ich habe erniedrigend gelebt, musste mir andauernd Beleidigungen von den andern Völkern anhören für die ich nichts konnte, ständig musste ich mein Leben riskieren um irgendwelche Monster zu schlachten… doch dies ist jetzt alles vorbei. Hier im Erebor liegt unsere Zukunft, unser Glück! Wir müssen nicht mehr als Hexer arbeiten… wir sind frei!“
    Die Augen des Zwergs vor mir weiten sich, vor Entsetzen und er wird ernster und lauter: „Du glaubst ihr seid frei? Die Riannon, die ich auf der grossen Oststrasse kennengelernt habe, würde sowas hier nicht als Freiheit bezeichnen!“
    Jetzt reicht es mir!
    Ich will mich an ihm vorbei drücken, da packt er plötzlich nach meinem Arm und drückt mich gegen die graue Steinmauer.
    Mit einem schnellen Griff nimmt er meine Hände in seine und presst sie ebenfalls über meinem Kopf an die Wand.
    Völlig perplex starre ich ihn entgeistert an und winde mich unter seinem Griff.
    Ich kannte Filis Kraft nicht, aber er ist stärker als man es ihm ansieht.
    „Lass das!“ schnauze ich ihn an und will meine Arme zurückziehen, aber er hält sie zu fest.
    Seine smaragdgrünen Augen durchdringen mich: „Erinnerst du dich nicht mehr an den Moment als du mir von deiner Heimat Nazair erzählt hast und was Freiheit für dich wirklich bedeutet?“
    Seine Stimme ist sanfter geworden, aber dennoch in einer bestimmten Stimmlage.
    Ich versuche mich an unser Gespräch von damals zu erinnern… er deutet auf den Moment, als wir uns zum ersten Mal näher kamen.
    Tatsächlich erinnere ich mich und Fili spricht meine Gedanken wortgetreu aus: „Ein Meer aus Gras, von einem Horizont zum anderen… weiter als man reiten kann. Unendlich erstreckt sich der blaue Himmel… es gibt keine Grenzen.“
    Ich schweige und senke nachdenklich und bedrückt mein Haupt.
    Fili hat recht, dass bedeutet Freiheit für mich.
    „Du und Thorin brauchen den Arkenstein nicht um ein erfülltes Königreich zu haben!“ beteuert er mir weiter und ich merke, wie eine grosse Last aus meinem Körper entgleitet.
    Vor mir erstrecken sich wieder klare und deutliche Bilder und ich erinnere mich daran, wer ich wirklich bin.
    Plötzlich spüre ich Filis Hand an meinem Kinn, welches er langsam anhebt und mich so dazu bringt in seine wunderbaren Augen zu schauen.
    Der Erebor scheint für mich am Ende der Welt zu liegen… unsere Festung Ard Cerbin ist Meilenweit weg.
    Fili versteht mich, was noch keiner getan hat.
    Nicht mal mein treuer Begleiter Aiden konnte manchmal hinter meine geschütze Fassaden schauen.
    Ein Leben mit Thorin, dem Mann meiner Träume, erfüllt wirklich mein Leben, aber in Wirklichkeit möchte ich keine Königin sein und über ein Königreich herrschen, und genau dies weiss Fili nur zu gut.
    Deshalb ergreife ich die Initiative und frage ihn direkt: „Fili? Was wäre wenn… also wenn ich Thorin nicht geheiratet hätte, sondern mich für dich entschieden hätte?“
    Thorin hat ein grosses Erbe, was er unmöglich ablehnen kann… Fili hingegen steht es frei, was er machen will, auch wenn er zu Durins Söhnen gehört und einer der Kronprinzen ist.
    Der Blick des blonden Zwerges wird weicher und ist mit einer unendlichen Wärme gefüllt.
    Er scheint gemerkt zu haben, dass ich nicht mehr von diesem Arkenstein besessen bin, sondern dass ich wieder ganz die Alte bin.
    Zuerst sieht er mich verwirrt und etwas nachdenklich an, doch er offenbart mir trotzdem seine immer noch vorhandenen Gefühle für mich: „Ich würde uns so sehen… wir leben in einer kleinen Stadt wo jeder jeden kennt. Du gehst hin und wieder deinen Geschäften nach. Ich sitze im Schaukelstuhl auf der Veranda, rauche meine Pfeife und höre deinem wundervollen Summen zu, während du unsere Kinder in den Schlaf singst.“
    Ich bin erstaunt und überwältigt, dennoch auf eine Weise gekränkt und traurig: „Du würdest unser Leben dir so einfach vorstellen?“
    „Mhm. So einfach.“ Bestätigt er meine Frage.
    Ich kann nicht anders als ihm um den Hals zu fallen.
    Schweigend stehen wir festumschlungen da und geniessen die Zweisamkeit und die beruhigende Stille.
    Dieses Leben, was Fili mir beschreibt, kann ich mir viel besser vorstellen, als über ein gewaltiges Königreich zu herrschen.
    Es erstaunt mich immer wieder, wie gut wir beide uns verstehen und wie nahe wir uns sind.
    Allem Anschein nach ist Fili mein Seelenverwandter, etwas anderes kann ich mir nicht erklären.
    Am liebsten würde ich jetzt einfach mit Fili durchbrennen und genau dieses Leben führen, wie wir beide es uns vorstellen, doch ich liebe Thorin aus ganzem Herzen und kann ihn nicht einfach verlassen.
    Doch diese Aufgabe eines der grössten Zwergenreiche zu regieren, scheint mich jedoch ziemlich zu verunsichern.

    Fortsetzung folgt...

    19
    Liebe und Hass liegen nah beieinander Kaum haben wir uns voneinander gelöst, bemerke ich Lorin im Schatten stehen. Seine goldbraunen Katzenaugen funk
    Liebe und Hass liegen nah beieinander



    Kaum haben wir uns voneinander gelöst, bemerke ich Lorin im Schatten stehen.
    Seine goldbraunen Katzenaugen funkeln in der Dunkelheit wie die jedes Raubtieres.
    „Thorin lässt alle ans Tor rufen.“ Offenbart er uns mit seiner geheimnisvollen Stimme.
    Fili und ich tauschen verunsichert unsere Blicke aus und folgen dem breitgebautem Hexer durch die Gänge des Erebors.
    Am zerstörten Haupttor angekommen sind bereits alle der Unternehmung versammelt und ackern bereits für ihren König.
    Sie häufen mühsam Stein um Stein aufeinander.
    Ich analysiere mit meinen Hexersinnen blitzschnell die Situation und stelle mit Entsetzen fest, dass er den einzigen Eingang zu mauern will.
    Er will die Menschen der Seestadt von seinem bossieren Königreich fernhalten, welche in grosser Zahl auf Thal hinein stürmen.
    Mein Bruder und Aiden stehen nur tatenlos daneben und schauen den Zwergen, welche sich mühsam abrackern zu.
    Unbeholfen greift nun auch Fili zu einem Stein und bringt ihn zum Tor.
    Stein um Stein türmen sich aufeinander.
    Thorin will die Festung bis Sonnenaufgang gesichert haben.
    Nachdenklich habe ich mich auf einen grösseren Stein gesetzt und beobachte die Zwerge.
    Der Berg zurück zu erobern war schwer genug, und ich kann Thorin verstehen dass er verhindern möchte, dass ihm sein Königreich noch einmal genommen wird.
    Aber die Menschen von Esgaroth verlassen ihre Stadt nicht einfach nur so, sie haben nichts mehr… und das ist alleine unsere Schuld.
    Wir sind dafür verantwortlich, dass sie alles verloren haben und vor Nichts mehr stehen.
    Aiden und mir ist es nicht vom ersten Moment an gelungen, den Drachen zu erlegen.
    In der Seestadt selbst, konnten wir den Schutzschild nicht lang genug aufrechterhalten und alles wurde in Schutt und Asche gelegt.
    Ausserdem haben wir ihnen unser Wort gegeben und mein Wort halte ich normalerweise immer.
    Auch Kili gefällt Eichenschilds selbstsüchtiger Entscheid nicht und er versucht an sein Gewissen zu appellieren: „Die Menschen der Seestadt haben Nichts mehr. Alles was sie hatten, haben sie verloren.“
    Aber der junge Zwerg redet nur gegen eine undurchdringbare Mauer: „Erzähle mir nicht, was sie verloren haben. Ihr Leid ist mir durchaus bekannt. Jene die das Drachenfeuer überlebt haben, sollten sich freuen! Sie haben allen Grund dankbar zu sein.“
    Ich senke bedrückt meinen Blick… er ist so anders.
    Bin ich in dieser Zeit auch so gewesen?
    Seine Stimme ist so dunkel und furchteinflössend, sein einst so warmer Blick, ist völlig leer… ich erkenne den Zwerg in den ich mich verliebt habe nicht wieder.
    Die Zwerge befolgen den Befehl ihres Königs noch mehr Steine zum Tor zu bringen, während ich, der Hobbit und die anderen Hexer einfach nur da stehen.
    Thorin ist mittlerweile ein gefährlicher Wahnsinniger, gefangen in seiner eigenen Welt mit verstörenden Visionen.
    Aber sein Wahnsinn macht ihn kein Deut dümmer oder weniger gerissen.
    Bilbos und meine Augen treffen sich, flehend und traurig sieht er mich an.
    Allem Anschein nach kann nur noch ich gegen ihn etwas ausrichten.

    Ich erhebe mich von meinem Platz, stelle mich sicher auf beiden Beinen hin und spreche mit aufrichtiger Haltung zu meinem König: „Findest du nicht, dass du zu Weit gehst?“
    Erschrocken von meiner Frage dreht er sich in meine Richtung und starrt mich entgeistert an.
    Ich hingegen bleibe standhaft und zeige keinerlei Gefühle.
    Die azurblauen Augen sind zu zwei eiskalten Eiswürfel geworden, welche mich weit aufgerissen anstarren.
    „Ich beschütze unseren Schatz vor der unwillkürlichen Gier dieser widerwärtigen Menschen!“ antwortet er mir in barschem Ton und versucht mir seine Absichten deutlich zu machen.
    „Diese widerwärtigen Menschen?“ spreche ich in bedrohlich leisem Ton und gehe schleichend auf ihn zu.
    Ich sollte mich eigentlich zusammenreissen, aber das will ich nicht, weshalb ich die Lautstärke meiner Stimme drastisch erhöhe und ihn anschreie: „Du scheinst wohl vergessen zu haben dass ich auch mal eine von ihnen war! Dieses verfluchte Gold ist dir wichtiger geworden als alles andere! Sogar wichtiger als ich! Du versinkst immer tiefer und tiefer in deinem Wahnsinn den Arkenstein zu finden!“
    Thorin ist verrückt geworden und denkt nicht mehr rational.
    Die Zwerge verharren in ihrer Bewegung und blicken verunsichert in unsere Richtung.
    Keiner von ihnen hat mich je so aufgebracht erlebt, denn eigentlich verberge ich mein Gesicht vor der Welt.
    Trotzdem scheine ich bei Thorin einen kleinen wundern Punkt getroffen zu haben, denn er kommt langsam auf mich zu und umfasst sanft meine Hände.
    Seine azurblauen Augen sehen mich an, doch nicht mehr so, wie sie es früher getan haben.
    Bevor die Drachenkrankheit von ihm Besitz ergriffen hat, haben sie noch wie die hellsten Sterne am Himmel geleuchtet und mich mit einer unvorstellbaren Wärme angesehen aus der eine zärtliche Geborgenheit sprach.
    „Nichts ist mir wichtiger als du Ria.“ Beteuert er mir.
    Ich schaue ihm nicht direkt in seine Augen, denn die Traurigkeit in den meinen, würde er im Moment sowieso nicht verstehen.
    Er gibt mir einen flüchtigen Kuss ehe er weitere Befehle erteilt.
    Ich entschliesse es dabei zu belassen und gehe nicht weiter auf den braunhaarigen ein.
    Im Moment kann keiner etwas gegen unseren König ausrichten und ich möchte keinen Streit für Nichts.

    Die ganze Nacht lang haben wir nicht geschlafen.
    Die hohe Mauer, welche das Tor verschliesst ist vollständig errichtet… genauso wie Thorin es wollte.
    Er befiehlt allen Anwesenden sich auf den erbauten Wall zu begeben.
    Oben angekommen erstarre ich augenblicklich… ein gewaltiges Elbenheer steht in der verfallenen Stadt Thal.
    Thranduil… schallt es in meinem Kopf und ich denke an unser letztes nicht so erfreuliches Zusammentreffen zurück.
    „Die tragen goldene Rüstungen… Golden… was für Arschlöcher!“ räuspert sich mein Bruder neben mir und blickt auf unseren Feind.
    Ich beäuge ihn schräg und kann nicht glauben dass er keine anderen Sorgen hat.
    Plötzlich ist ein weiss galoppierendes Pferd zu erkennen, welches sich mit seinem Reiter unserem Tor nähert.
    „Sei gegrüsst Thorin, Sohn von Thrain.“ Begrüsst ihn der Ritter und ich erkenne, dass es unser Fährmann Bard ist.
    „Warum kommt ihr in Kriegsrüstung an das Tor des Königs und der Königin unter dem Berge?“ will Thorin daraufhin wissen und mustert den braunhaarigen herabfallend.
    Bard braucht einen Moment um zu begreifen was er da eben gehört hat.
    Seine braunen Augen treffen mich.
    Schnell wende ich meinen Blick von ihm ab.
    „Warum verschanzt sich der König unter dem Berge? Wie ein Räuber in seiner Höhle?“ kontert Bard weiter und reizt Eichenschild noch mehr.
    „Vielleicht weil ich erwarte um beraubt zu werden.“ Antwortet Thorin in scharfem Ton.
    Schlussendlich begibt er sich nach unten um mit Bard alleine zu sprechen.
    Ich folge ihm und höre dem Gespräch zwischen den beiden Parteien zu.
    Bard ist hier um seinen versprochenen Anteil zu fordern, aber warum sollen wir kooperieren wenn ein Waffenheer vor unseren Toren steht?
    Sollten wir mit ihnen nicht einig werden, wird das Elbenheer uns angreifen und das ganze endet in einem grauenvollen Krieg.
    Durch den schmalen Spalt diskutieren die beiden.
    Ich selbst habe den Menschen der Seestadt mein Wort gegeben und dies möchte ich auch einhalten, aber gegen meinen Mann Widerstand zu leisten, erscheint mir aussichtslos, zudem da er immer noch von der Drachenkrankheit besessen ist und niemand seinen Wille durchbrechen kann.
    „Sieht die Königin unter dem Berg dies genauso?“ richtet sich Bard nun an mich und versucht mehr zu erreichen.
    Normalerweise würde ich Bard natürlich auf der Stelle zustimmen, denn ich halte mein Wort immer, doch diesmal ist es anders.
    Ich kann meinen Mann und die Unternehmung nicht verraten und ich brauche auch nicht flehend zu Thorin rüber zu schauen, denn ich weiss genau dass er mir nur einen eisigen Blick schenken würde.
    Deshalb entscheide ich mich dazu Bard und all den Menschen der Seestadt ebenfalls die kalte Schulter zu zeigen: „Ja das tue ich.“
    Fassungslos sehen die schokoladenfarbenen Augen mich an: „Ihr habt uns benutzt!“
    Ich muss mich beherrschen, denn diese Worte schmerzen, entsprechen sie doch der Wahrheit.
    Ich halte die gespielte Fassade aufrecht und erwidere kalt: „Ach bitte… wir haben nur eine Gelegenheit genutzt.“
    „Hätten wir gewusst, dass ihr beide euer Wort nicht halten würdet, hätten wir euch niemals geholfen!“ offenbart er uns wütend und schlägt gegen die Steinmauer.
    „Na schön… wir waren vielleicht nicht ganz ehrlich, aber wir hatten keine andere Wahl, denn ihr hättet uns beinahe von unserem Vorhaben abgehalten.“ Kontere ich mit einer zuckersüssen und gleichzeitig böser Stimme.
    Thorin beobachtet aufgeregt unser Gespräch, welches sich entwickelt hat.
    Meine böse Seite scheint ihm zugefallen… jedoch hoffe ich dass dies nur so ist, weil er besessen ist.
    Bards Blick verfinstert sich und ebenso seine Gesichtszüge.
    Ich entschliesse mich weiter dazu ihn zu provozieren: „Bard, Süsser… Guck nicht so böse.“
    „Ich bin nicht hergekommen um eure Spielchen zu spielen! Ich weiss was ihr vorhabt!“ spricht der braunhaarige zornig.
    „Immer verdächtigt ihr uns. Das verdienen wir nicht. Unsere Absichten sind rein wie die Tränen einer Jungfrau.“ Spreche ich weiter mit einer liebreizenden Stimme.
    Bard begreift nun endlich dass es keinen Sinn hat mit uns zu verhandeln und verschwindet auf seinem edlen Ross.
    Erleichtert darüber dass wir ihn losgeworden sind atme ich auf.
    Als ich einen Blick zu Thorin wage, merke ich plötzlich wie nahe er mir gekommen ist.
    Er stemmt beide Hände gegen die erbaute Mauer und durchdringt mich mit seinen Augen.
    Ich spüre seinen verlangenden Atem auf meinem Gesicht.
    „Ich wusste gar nicht dass du so böse sein kannst.“ Erwidert er und verwickelt mich in einen Leidenschaftlichen Kuss.
    Ich erwidere seinen Kuss, aber ich kann mich nicht mit ihm freuen.

    Nachdem Bard auf seinem weissen Pferd erbost von dannen reitet, versammeln wir uns alle auf dem Wall.
    Der Himmel ist mit vereinzelten grauen Wolken bedeckt, welche sich zu vermehren scheinen.
    Das Wetter wirkt äusserst trügerisch… genauso wie die gesamte Lage.
    „Was tut ihr da? Ihr könnt doch keinen Krieg führen!“ will der Hobbit erschüttert wissen und starrt uns mit seinen braunen Augen fassungslos an.
    Ein gewaltiges Elbenheer steht vor unserem Berg und weitere hunderte zornige Fischer.
    Ich verstehe Bilbos Bedenken.
    Wir sind nur dreizehn Zwerge, einen Hobbit und fünf Hexer.
    Thorin will den Erebor mit aller zur Verfügung stehender Macht verteidigen.
    Ich habe mitbekommen, wie mein Mann einen Raben an sein Vetter in den Eisenbergen geschickt hat… es dürfte also nicht mehr lange dauern, bis sie eintreffen werden.
    Was nützt uns denn dieser Krieg?
    Der Krieg bringt doch beiden Seiten nur Tod, Verletzungen und qualvoller Schmerz.
    Thorins selbst hat schon Kriege erlebt, deshalb sollte er doch am besten verstehen was solche grauenvolle Gemetzel mit sich bringen.
    Aber der König unter dem Berge denkt nicht mehr rational… Religion, Ideologie, Ressourcen, Land, Bosheit, Liebe oder einfach nur so....egal wie erbärmlich der Grund ist, es ist genug um einen Krieg anzufangen.
    Der Ausgang einer Schlacht wird nicht nur durch das Schicksal bestimmt, sondern auch von den Vorbereitungen, Anzahl der Kämpfer, dem Ausbleiben von Krankheiten und der Verfügbarkeit von Wasser.
    Für Thorin heisst es, wenn er keinen Krieg führen kann, wird er keinen Frieden haben.

    Mit gemischten Gefühlen bereiten wir uns auf die Schlacht vor.
    Balin hatte mich noch einmal gebeten mit Thorin zu sprechen, doch bis jetzt habe ich keinen passenden Moment gefunden.
    Ausserdem zweifle ich an mir selbst, dass ich seinen Verstand beeinflussen kann.
    Ich kümmere mich gerade um mein Silberschwert, immer wieder hat unsere Hexermeister uns eingeredet dass ein Hexer das Essen, das Trinken und sogar das Atmen vergessen kann, aber ein Hexer vergisst niemals, sich um seine Klinge zu kümmern.
    Die Zwerge scheinen alle voller Tatendrang zu sein, während wir Hexer eher emotionslos uns auf die grosse Schlacht vorbereiten.
    „Meister Beutlin!“ hallt die Stimme meines Mannes durch den Raum.
    Er hält dem Hobbit ein weiss glänzendes Kettenhemd entgegen.
    Ich erkenne es, es besteht aus reinem Mithril oder auch Moriasilber.
    Eines der wertvollsten Metallen überhaupt, welche die Zwerge in den Minen von Moria abbauten.
    Aufgrund seiner Seltenheit und seiner hervorragenden Eigenschaften ist es extrem wertvoll.
    Es ist stärker und widerstandsfähiger als so manche herkömmliche Hexerrüstung.
    Leicht wie eine Feder und so hart wie ein Drachenpanzer… es glänzt ähnlich wie gewöhnliches Silber, schwärzt oder trübt sich aber nicht mit der Zeit und es ist so hart, dass keine Klinge es je durchbohren könnte.
    Wirklich nobel von meinem Mann ihm dies zu schenken.

    Gemeinsam mit Bofur, Fili, und Aiden bin ich auf unserem erbauten Wall und schauen in die Ferne.
    Es herrscht die grauenvolle Stille, wie vor jedem Krieg, tausende Sterne hängen über unseren Köpfen und die Lichter der einst blühenden Stadt Thal brennen.
    Die Anspannung unter uns ist deutlich spürbar.
    Bofur geht auf und ab und richtet seinen Blick immer wieder auf unsere Feinde.
    Aiden verhält sich zwar ruhig, doch ich weiss dass es in ihm drinnen ganz anders aussieht.
    Fili sucht erneut die Nähe zu mir, denn unsere Arme berühren sich gegenseitig.
    Wahrscheinlich brauchen wir diesen Körperkontakt einfach… dieses Gefühl von Geborgenheit.
    Plötzlich taucht wie aus dem nichts der Hobbit auf und beteuert uns, dass er dringend frische Luft bräuchte.
    Hier im Erebor bekommt heute keiner mehr ein Auge zu, weshalb es mir auch nichts ausmacht, diese Wache zu übernehmen.
    „Die Elben bringen ihre Bogenschützen in Stellung.“, beginnt Bofur den Halbling zu informieren, „Morgen Abend wird die Schlacht vorüber sein, doch ich bezweifle dass wir es überleben.“
    Ich senke mein Haupt… sogar Bofur ist nicht mehr bei guter und ausgelassener Laune.
    Dies sind dunkle Tage… jeder hier wäre sicherlich lieber irgendwo anders.
    Für uns Hexer gebe es zumindest keinen Grund uns bei diesem Krieg einzumischen… wäre ich nicht Königin.
    Mein Bruder hat mir vor Beginn meiner Nachtwache noch berichtet, dass drei aus seiner Schule in der Nähe wären und zu uns stossen werden.
    Jedoch bin ich von dieser Idee eher weniger angetan, da ich diese Mitglieder der Katzenschule aufs äusserste verabscheue und ihnen überhaupt nicht traue.
    Aber ich traue Tilion, und er vertraut seinen Kameraden.

    Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf den wunderbaren, schneebedeckten Berg.
    In Kriegsrüstung stehen wir alle auf der hohen Mauer und blicken auf die goldenen Rüstungen des Elbenheers herab.
    Thrandui und Bard reiten auf ihren Reittieren auf uns zu, als Thorin einen warnenden Pfeil vor die Hufe des Hirsches schiesst.
    Warum greifen sie nicht an?
    Was haben sie vor?
    Unerwartet erhebt der König des Waldlandreiches seine Stimme: „Wir kommen um euch zu sagen, dass die Begleichung euer Schuld angeboten und angenommen wurde.“
    Irritiert schauen wir auf die beiden Anführer herab.
    Niemand hat eine Ahnung wovon der Aschblonde spricht.
    „Welche Begleichung? Ich habe euch nichts gegeben! Ihr habt nichts!“ brüllt Thorin fuchsteufelswild und hält immer noch drohend den Bogen auf die beiden.
    Doch plötzlich holt Bard aus seinem Mantel, welchen er über seinem Kettenhemd trägt, einen weiss schimmernden Stein hervor.
    Er hält ihn aufrichtig in die Höhe.
    Ungläubig und wie in Trance schauen wir auf unser geliebtes Königsjuwel, welches in den Händen unserer Feinde ist.
    Keiner ausser Kili ist in der Lage etwas darauf zu erwidern: „Sie haben den Arkenstein! Diebe! Wie kommt das Erbstück unseres Hauses in eure Hände? Dieser Stein gehört dem König und seiner Königin!“
    „Und der König soll ihn bekommen, mit unserem Wohlwollen.“ Offenbart der Fährmann und jongliert mit dem Stein vor unseren Augen hemmungslos herum.
    Immer noch verlangen unsere Feinde, dass wir zu unserem Wort stehen, was ich schon lange getan hätte um einen solchen unsinnigen Krieg zu verhindern.
    „Sie wollen uns zu Narren halten. Das ist nur eine List. Eine dreckige Lüge.“, flüstert Thorin uns zu um uns vor ihnen zu warnen, „Der Arkenstein liegt in diesem Berg versteckt! Das ist eine Täuschung!“
    Genau, Thorin muss Recht haben, das ist nur eine Illusion, das ist niemals echt.
    Jedoch werden wir eines anderen belehrt, als der Hobbit sich zu Wort meldet: „Nein, das ist keine Täuschung! Der Stein ist echt! Ich habe ihn, ihnen gegeben.“
    Ungläubig und fassungslos richten sich alle Augen auf Bilbo, welcher tapfer standhält.
    Er hat uns das Königsjuwel vorenthalten?
    Eine hitzige Diskussion beginnt zwischen dem Halbling und dem Zwergenkönig.
    Bilbo offenbart uns den Stein als seinen vierzehnten Anteil genommen zu haben, doch Eichenschild hält dies für Diebstahl.
    Aber Bilbo war immer ehrlich zu uns, warum sollte er dies getan haben?
    „Ich wollte ihn dir schon geben. Viele Male wollte ich es aber… du hast dich verändert Thorin! Den Zwerg den ich in Beutelsend kennenlernte, hätte sein Wort niemals gebrochen! Hätte nie an der Treue der seinen gezweifelt!“ spricht der Hobbit mit lauter und bebender Stimme.
    Bilbo hat Recht… doch er hätte vorher mit mir darüber reden sollen.
    Plötzlich tickt Eichenschild vollkommen aus und befiehlt den Hobbit den Wall hinunter zuwerfen.
    Ich kann nicht glauben was er da eben befohlen hat!
    Mit weitaufgerissenen Augen starren die Zwerge ihren König an.
    Die Lage spitzt sich zu, denn alle weigern sich.
    Schliesslich entscheidet sich der König selbst dazu diese Tat zu vollbringen, doch ich halte ihn davon ab.
    Mit all meiner Kraft packe ich seinen Arm, welchen er schon auf Bilbo gerichtet hatte.
    Fest schaue ich ihm in seine leeren Augen und erhebe meine zornige Stimme: „Nein Thorin! Er ist unser Freund und ich werde nicht zulassen, dass du in deinem Wahnsinn ihm etwas antust!“
    Nie in meinem Leben hätte ich dies zu glauben gewagt, dass ich mich je gegen Thorin, den Mann den ich liebe, stellen muss.
    Doch der König unter dem Berge wird von der Drachenkrankheit geblendet.
    Diesen liebenswerten Zwerg, welcher ich einst auf der Oststrasse begegnet bin, welchen ich lieben und schätzen lernte, gibt es nicht mehr.
    Als guter König sollte man nicht so handeln wie Thorin es gerade tut, er ist ein echter Tyrann geworden und kontrolliert alles und jeden.
    Alles schlechte ihn ihm kommt nun deutlich zum Vorschein, was besser verborgen geblieben wäre.
    Plötzlich dann, taucht unser vermisster Zauberer auf.
    Er spricht zu Thorin mit einer dunklen und herrschender Stimme, worauf er Blibo endlich los lässt.
    Bofur schickt den kleinen Hobbit fort, ehe noch etwas Schlimmes geschieht, während Eichenschild die ganze Zeit herumflucht und abscheuliche Wörter ausspuckt.

    Erneut versucht Bard, Eichenschild endlich zur Vernunft zu bringen.
    Thranduil hatte recht, Thorin ist nicht anders als sein Grossvater… er ist ein Tyrann und ein Schlächter und besessen von der Drachenkrankheit.
    Ich dachte zuerst noch, dass ich dies vermeiden könnte und dass er mit mir an seiner Seite ein guter König sein wird.
    Ich sollte diejenige sein, die ihn dazu bringen sollte, Frieden zu halten.
    Thorin sollte den Erebor regieren und ich sollte ihn regieren, doch im Moment ist dies alles andere als einfach mit ihm zu reden oder ihn zu kontrollieren.
    Mit einer Handbewegung des Elbenkönigs, richten sich seine Bogenschützen auf uns und warten auf sein Zeichen, einen Pfeilhagel loszulassen.
    Unsicher tauschen die Zwerge ihre verstörenden Blicke aus.
    Abwartend sehen sie zu ihrem König auf und hoffnungsvoll schauen sie zu mir.
    Es wird einen Krieg geben, wenn Thorin nicht aufgehalten wird, das ist mir mehr als klar, doch gegen einen Wahnsinnigen hat man keine Chance.
    Dennoch werde ich noch ein letztes Mal auf ihn einreden: „Thorin, das führt doch zu nichts!“
    Verdattert bleibt er von seinem verrückten Hin und Her stehen und starrt mich an.
    Meine Stimme zeigt für einen kurzen Moment Wirkungen bei ihm und er ist gewillt mir zu zuhören, weshalb ich weiter spreche.
    Aber diesmal schreie ich ihn nicht an, sondern spreche ruhig und bestimmt: „Du hegst einen tiefen Hass gegen die Elben und die Menschen der Seestadt… ich kann das sogar verstehen. Und du beschützt unser Gold und deinen Heimatberg mit allen Mitteln… auch das kann ich verstehen. Aber es ist nicht dein Schwert, das einen König aus dir macht oder dein starker Schild… das was einen richtigen Herrscher aus dir macht, ist die Fähigkeit dein Herz und dein Verstand richtig einzusetzen. Solange du dies nicht verstehst, bist du nicht würdig den Arkenstein zu besitzen!“
    Thorin hält inne und überlegt, was ich an seinen Augen erkennen kann.
    Die Zwerge und Hexer um uns herum sind alle verstummt.
    Ich habe mein Bestes getan, mehr kann ich wahrlich nicht machen.
    „Riannon hat Recht. Legt die Waffen nieder und öffnet dieses Tor! Dieser Schatz wird euer Tod sein.“ Erklingt die alternde Stimme von Gandalf.
    Auch Balin redet auf ihn ein, dass wir diesen Kampf nicht gewinnen können und für einen kurzen Moment scheint es, als würde der alte Thorin wieder zum Vorschein kommen.
    Alle warten gespannt auf die Entscheidung des Königs, als ein schwarzer Rabe angeflogen kommt und auf dem Wall landet.
    „Ich will Krieg!“ spricht der König unter dem Berge mit dunkler Stimme und blickt hinauf in die Richtung der aufgehenden Sonne.
    Thorins Vetter Dain und ein riesiges Zwergenheer erscheinen aus der Ferne um uns beizustehen.

    Meine Gefährten beginnen zu johlen und jubeln, als sie ihre Verbündeten erkennen.
    Das Elbenheer stellt sich gegen sie.
    Drohend richten sie ihre Pfeile auf die Zwerge in ihren langen Kettenhemden.
    Ich kann gar nicht fassen was da gerade passiert.
    Das Unheil naht als plötzlich die Erde erschüttert wird und riesige Mehlwürmer sich durch den Berg fressen und auf der gegenüberliegenden Seite herausbrechen.
    Alle, ob Elb, Mensch oder Zwerg starren wie gebannt auf die riesigen Monster.
    „Da gibt es wohl Arbeit.“ Spricht Lorin welcher näher an den Wall tritt und sein Silberschwert hervor holt.
    Er hat Recht, das ist unsere Aufgabe diese Biester zu erledigen.

    20
    Krieg bleibt immer gleich Wir Hexer wollten uns gerade bereit machen um diese Monster zu töten, als ein lautes Orkhorn erklingt. Der laute und tiefe
    Krieg bleibt immer gleich


    Wir Hexer wollten uns gerade bereit machen um diese Monster zu töten, als ein lautes Orkhorn erklingt.
    Der laute und tiefe Ton geht einem durch Mark und Bein und erschüttert das Land.
    Tausende widerwärtige Orks stürmen in lautem und furchteinflössendem Gebrüll auf das Feld.
    Tapfer machen sich die Zwerge aus den Eisenbergen bereit und stellen sich dem gewaltigen Orkheer.
    Erneut kommt ein schwarzer Rabe mit einer Nachricht angeflogen.
    Tilions und Lucys Gefährten aus der Katzenschule sind ebenfalls eingetroffen und verweilen auf einer höheren gelegenen Ebene und beobachten das schreckliche Bild.
    Sie warten auf mein Signal, denn auf einen Zwergen oder einen Elben hören die Hexer nicht.
    Mutig und fest entschlossen, ziehen die Zwerge ihre Waffen um ihren Verbündeten beizustehen.
    Auch wir Hexer machen uns bereit und ziehen voller Tatendrang unsere Schwerter.
    Ich vertraue auf meine Klinge, dieser Abschaum soll an unserem Stahl verrecken.
    Wir machen uns kampfbereit als Thorin in herrschendem Ton befiehlt unsere Waffen nieder zu legen.
    Ungläubig starren wir ihn an… er will das wir nichts unternehmen und unsere Freunde sterben lassen?
    Das kann doch jetzt nicht sein Ernst sein?
    Widerwillig und untergeben stecken die Zwerge ihre Schwerter weg.
    Sie gehorchen ihrem Herren wie es sich gehört.
    Die Hexer jedoch halten ihre Silberschwerter immer noch bereit und warten auf meine Reaktion.
    Ich richte mich auf und erhebe meine Stimme gegen Thorin: „Ich regiere dieses Königreich ebenfalls und ich werde nicht zitternd in seinen Winkeln sitzen!“
    Wütend dreht Thorin sich elegant zu mir um und brüllt: „Das werdet ihr nicht! Du bist meine Frau und bleibst gefälligst hier hinter diesen schützenden Mauern!“
    Mein Herz setzt aus… so zornig habe ich noch nie erlebt.
    Ergebend senke ich meinen Kopf und lasse mein Schwert auf den Boden fallen.
    Ein Klirren ertönt und hallt durch die Hallen des einsamen Berges, ehe grosse Stille herrscht.

    Der Krieg tobt nun seit einer ganzen Weile.
    Viele werden ihr Leben geben müssen, im Kampf gegen das Gute.
    Die Orks sind schon schlimm genug, doch ich befürchte, es könnten noch weitaus gefährlichere Monster auftauchen.
    Die unzähligen Leichen, der Blutgestank, das verbrannte Fleisch… das alles sind Gründe, welches die Monster anlocken und sie irre machen.
    Ein Krieg bleibt immer gleich… er bringt nur Tod und Leid auf beiden Seiten.
    Bedrückt sitzen wir in den grossen Hallen unter dem Berge.
    Wir lassen unsere eigenen Leute im Stich.
    Thorin ist verschwunden… wahrscheinlich ist er wieder bei seinem geliebten Schatz.
    Ich seufze auf… unsere Freunde riskieren für uns ihr Leben und wir sitzen hinter diesen grossen Mauern aus Stein.
    Vor langer Zeit begannen die verschiedenen Völker Mauern und Städte zu errichten um sich von den willkürlichen Monstern zu schützen.
    Aber da es Monster auch innerhalb von Stadtmauern gibt, müssen sich die Völker weiterhin fürchten.
    Die Wahrheit ist, dass Mauern keine Sicherheit garantieren können.
    Der Ort, an dem man sich ein und alle anderen ausschliesst, ist kein Zuhause.
    Zuhause ist ein Ort, den man erst nach langen Reisen findet.

    Nach einer Weile erscheint plötzlich unser Anführer im strahlenden Licht der Sonne.
    Sofort erheben wir uns alle und schauen verwundert und hoffnungsvoll zu ihm.
    Er trägt seine Krone nicht mehr, sein herrischer Gang ist verändert, seine Gesichtszüge sind wieder sanfter und weicher.
    Mir fällt augenblicklich auf, dass er nicht mehr von der Drachenkrankheit befallen ist.
    Kili tritt hervor und spricht als erster zu seinem König: „Ich werde mich nicht hinter einer Wand aus Stein verstecken, während andere für uns in die Schlacht ziehen! Es liegt nicht in meinem Blut Thorin.“
    „Nein. Wahrlich nicht. Wir sind Söhne Durins… und Durins Volk flieht vor keinem Kampf.“ Spricht er zu seinem Neffen.
    Auch seine Stimme klingt wieder viel schöner… viel gefühlvoller und sanfter und dennoch bestimmt und männlich.
    Auf meinem Gesicht breitet sich ein freudiges Lächeln aus.
    Unser König schreitet vor uns, alle aus der Unternehmung erheben sich voller Tatendrang.
    „Ich habe kein Recht, dies von euch zu verlangen. Aber wollt ihr mir folgen, ein letztes Mal?“ spricht Thorin zu uns, worauf wir ihm alle die langersehnte Zustimmung geben, in dem wir schwungvoll unsere Waffen erheben.
    Der silberne Stahl von unseren Schwertern schimmert noch glänzender im schwach herabfallenden Sonnenlicht.

    Wir machen uns bereit, prüfen unsere Rüstungen und unsere Klingen ein letztes Mal bevor es uns in die Schlacht zieht.
    Da die Leute von meinem Bruder sich auf der oberen Anhöhe befinden, entschliesse ich mich dazu, durch die geheime Tür zu gehen und anschliessend zu ihnen zu stossen.
    So haben wir eine weitaus bessere Chance, die Zwerge greifen von der Vorderseite an und wir greifen überraschend aus dem Hinterhalt an.
    Wir Hexer verabschieden uns von unseren Freunden.
    Obwohl wir Hexer dafür bekannt sind, keine Emotionen zu empfinden, sickern jedoch hin und wieder kleine Gefühle durch die dicke Fassade hindurch.
    Während Aiden und ich uns von allen verabschieden, stehen Lorin und Tilion bereits bereit.
    Liebevoll schliesse ich Kili in eine feste und wohlmöglich letzte Umarmung.
    Seine Augen sind feucht, denn der schwarzhaarige Zwerg ist den Tränen sehr nahe.
    So viel haben wir gemeinsam erlebt, ob das Gute oder das Schlechte und hier und jetzt könnte alles enden.
    Ich löse mich von Kili und umarme seinen Bruder.
    Es fällt mir unglaublich schwer, mich von ihnen zu trennen, weshalb ich den blonden Zwerg fest an mich drücke.
    „Pass auf dich auf!“ flüstert Fili in mein Ohr, ehe er mir noch einen gefühlvollen Kuss auf die Stirn drückt.
    Als letztes verabschiede ich mich von meinem geliebten Mann.
    Ich bin ihm dafür dankbar, dass er mich ziehen lässt und dass er darauf vertraut, dass ich weiss was ich tue.
    Vielleicht ein letztes Mal, legt er seine weichen Lippen zart auf die meinen.
    Es ist unser erster Richtiger Kuss, nach der Drachenkrankheit… und er fühlt sich immer noch so gut an wie damals.
    Ich gebe mich dem Kuss voll und ganz hin, aber muss ihn leider schon nach einer Weile wieder lösen.
    Der Kampf tobt bereits seit einer geschlagenen Ewigkeit und jetzt ist es höchste Zeit einzugreifen.

    Als Letzte begebe ich mich auf die Anhöhe, wo ich die anderen Kater erblicke.
    Misstrauisch beäuge ich diese, bin ihnen jedoch dankbar, dass sie uns unterstützen wollen.
    Lucy steht zwischen zwei Pferden welche ausgerüstet sind für die Schlacht.
    Das eine Pferd ist schwarz und sieht einfach prächtig aus, das andere wirkt im Gegensatz viel kleiner und ist ein Fuchs.
    „Willst du Phönix nicht begrüssen?“ fragt mich die Braunhaarige lächelnd.
    Verwirrt starre ich sie an, hat sie gerade Phönix gesagt?
    Als ich das Pferd genauer betrachte und bemerke wie unruhig es geworden ist, als es mich erblickte, erkenne ich meine Fuchsstute sofort.
    Freudig begrüsse ich sie und streiche über ihr weiches Fell.
    Jeder Reiter schätzt sein Pferd, da es ihn überall hinbringt und ihm stets ein treuer Gefährte ist.
    Jedoch werde ich wegen Phönix auch mal fuchsteufelswild und fluche wie ein Rohrspatz, wenn sie mitten im Kampf mal wieder in Panik verfällt und mich kurzerhand aus dem Sattel wirft, aber auch wenn sie in vollem Galopp auf dem Weg zu einem wichtigem Ziel mit einem Mal die Richtung ändert.
    Aber in Wahrheit hänge ich sehr an ihr und würde sie niemals gegen ein anderes Pferd eintauschen.
    „Wie bist du nur hierhergekommen?“ frage ich eher Phönix als Lucy.
    „Dreh dich doch Mal um.“ Antwortet sie mir jedoch mit aufgestellter Stimme.
    Langsam drehe ich mich um und traue meinen Augen kaum.
    Alle Hexer aus Ard Cerbin stehen vor mir, sogar unser alter Hexer Meister ist gekommen und hat seine geliebte Hexerfestung verlassen.
    Mit kleinen Schritten und einem ungläubigen Gesichtsausdruck gehe ich auf sie zu, in Begleitung meines besten Freundes natürlich.
    Kaum bin ich vor ihnen zum Stehen gekommen, senken alle ihr Haupt und verneinen sich höflich vor mir.
    „Meine Königin, es tut mir leid, ich hätte nicht zweifeln dürfen. Stets habt ihr zu uns gehalten und ihr habt mein Wort nie in Frage gestellt, auch wenn meine Entscheidungen uns oft in Gefahr gebracht haben. Deshalb werden wir euch all das Gute was ihr uns stetig gegeben habt, zurückgeben und euch in die Schlacht folgen.“ Erhebt Azariel das Wort und entschuldigt sich aufrichtig bei mir.
    Ich nehme seine Entschuldigung ohne Widerspruch an, auch wenn ich schockiert war, dass sie den Magier herbeiriefen welcher uns einst erschuf.
    „Meine Freunde, ihr müsst euch vor mir nicht verneigen. Für euch bin ich immer noch eure Riannon… eure Gefährtin, eure Freundin und eure Schwester.“ Spreche ich mit weicher Stimme und bitte meine Kameraden sich zu erheben.
    Die Hexer aus meiner Festung sind alle Kampfbereit und nur meinet wegen hier.
    Sie wollen für mich in die Schlacht ziehen und ihr Leben riskieren, doch kann ich dies wirklich zulassen?
    Dies ist nicht ihr Kampf!
    Ich habe schon einmal zu viel von Aiden verlangt und ich möchte das nie wieder tun, denn in ihren Gesichtern erkenne ich ein Anzeichen von Furcht, was man sehr selten bei einem Hexer beobachten kann.
    In einen Krieg zu ziehen, ist nicht dasselbe wie gegen ein Monster zu kämpfen.
    Im Krieg herrscht Chaos und ein wirres Durcheinander, der Feind ist intelligenter und wir wissen nicht, mit welchen Waffen sie uns angreifen oder was für Tricks sie auf Lager haben.
    Aiden, Lucy, Lorin und Tilion hätten den Erebor schon längst verlassen haben sollen und meine Gefährten aus Ard Cerbin hätten nie hier auftauchen sollen.
    Erst jetzt wird mir klar, was alles auf dem Spiel steht und dass es nicht ihr Kampf ist.
    Deshalb fasse ich nun ein Wort: „Meine Kameraden, unsere gemeinsame Reise endet hier! Verlässt die Gegend und begibt euch in Sicherheit! Möge Gott euch begleiten. Ich bin euch dankbar, dass ihr für mich kämpfen wollt, doch steht zu viel auf dem Spiel und ich möchte nicht dass ihr meinetwegen im Kampf euer Leben lässt.“
    Fassungslos tauschen sie ihre Blicke aus und können nicht glauben, was ich gerade befohlen habe.
    Ich nehme die Zügel von meiner Fuchsstute und ziehe sie von den Hexern weg um weiter vorne aufzusteigen.
    Aber kaum habe ich mich aufgemacht erklingt bereits Aidens Stimme hinter mir: „Riannon! Das ist nicht unser Kampf! Und es ist auch nicht dein Kampf! All die langen Jahre haben wir zusammen gekämpft, Gefahren überstanden und Blut vergossen! Wofür war das denn gut? Wenn nicht um als Lohn die Freiheit zu erwerben? Wir haben genügend Gold um nicht mehr als Hexer arbeiten zu müssen! Und jetzt wo der Tag endlich da ist, wo die Freiheit zum Greifen nah ist! Sieh mich an! Hat das alles kein Wert mehr für dich!“
    Mit einem Ruck hat Aiden mich grob an der Schulter gepackt und mich nach hinten zu ihm umgedreht.
    Seine Augen sind geweitet und er ist fuchsteufelswild.
    Ich atme tief ein und wieder aus und antworte mit Ruhiger Stimme: „Du fragst mich das? Du der du mich am besten kennst?“
    Schweigen… in der Weite erkenne ich die anderen Hexer, welche unruhig in unsere Richtung blicken.
    Doch Aiden schweigt auf meine gegen Frage, weshalb ich mich wieder um drehe und weiter gehe.
    Er kennt mich eben doch zu gut und deshalb kann er darauf nichts erwidern.
    „Ändere deine Entscheidung! Nichts als der sichere Tod erwartet dich hier! Riannon, ich bitte dich um unsere Freundschaftswillen hör auf mich!“ schreit mich mein bester Freund erneut an und hat sich mir in den Weg gestellt.
    Ich habe schon manche Facetten von dem jungen Hexer erlebt, doch so habe ich ihn noch nie gesehen.
    Furcht spricht aus seiner Stimme, er hat Angst um mich und möchte mich nicht verlieren, das ist offensichtlich.
    Trotzdem kann ich ihm nicht folgen und meinen Mann und die liebenswerten Zwergen verlassen: „Versuche nicht mich umzustimmen! Geniesse deine langersehnte Freiheit für uns beide, denn ich kann dir nicht folgen Aiden! All das was war, die Monster die ich getötet, das Blut dass ich vergossen habe hat mich hierher geführt zu diesem Moment!“
    Aiden ist den Tränen nahe, nickt jedoch verstehend, wenn auch widerwillig.
    Ich lasse den jungen Hexer zurück und steige auf meine Stute, ehe ich in scharfem Galopp davon reite.
    Es fällt mir schwer, meine Freunde so zurückzulassen… vergebens haben sie diesen langen und gefährlichen Weg auf sich genommen und sind sogar von einer anderer Festung gekommen um uns beizustehen, aber ich möchte nicht für ihren Tod verantwortlich sein und sie sollen ihr Leben nicht für mich aufs Spiel setzen.

    Alleine stehe ich nun mit meinem Pferd auf der Anhöhe und blicke auf das blutige Schlachtfeld hinab.
    Als einzelne Hexerin kann ich zwar nicht viel ausrichten, doch ich kann für die Zwerge kämpfen und einige der Feinde abmurksen.
    Angsterfüllt atme ich ein und aus und beruhige meine Fuchsstute.
    Plötzlich vernehme ich ein herangaloppierendes Pferd, ich blicke zurück und als es neben mir zustehen kommt, erkenne ich Aiden welcher mich anlächelt.
    Er hat sich ein Herz gefasst und zieht noch ein letztes Mal mit mir Seite an Seite in die Schlacht, wenn auch gegen meinen Willen.
    Eigentlich habe ich von ihm auch nichts anderes erwarte und dennoch: „Du willst dein Leben weiter riskieren? Warum? Dieser Auftrag geht weit über das übliche Handlungsfeld von uns Hexern hinaus. Ich komme aus der Sache nicht raus, weil ich Königin unter dem Berge bin, aber du könntest einfach gehen.“
    Der junge Hexer seufzt und antwortet anschliessend mit: „Wegen dir. Du steckst in grossen Schwierigkeiten. Wegen Thorin. Ich habe dich schon einmal fast sterben sehen, das ist genug.“
    Ich danke ihm aufrichtig und lächle ihm zu als neben uns noch weiter elf Hexer auf ihren Pferden auftauchen.
    Zu meiner rechten Seite befinden sich alle Hexer aus meiner Festung und zu meiner linken befinden sich die Hexer aus der Katzenschule zusammen mit Lucy und meinem Bruder.
    Sie alle nicken mir zu und erweisen mir ihre Treue.
    Es wird Zeit eine ermutige Kampfrede zu halten: „Vielen Dank, dass ihr gekommen seid. Wir sind nicht viele, aber ich würde jedem von euch mein Leben anvertrauen. Arbeitet zusammen, dann können wir den Feind besiegen. Hexer, die Freiheit die ihr habt ist euer angestammtes Recht. Die Heimat nach der wir streben liegt jedoch nicht in einem fernen Land, sondern wohnt in uns! Und in unseren Taten an diesem Tag! Wenn es uns bestimmt ist unterzugehen, dann sei es nun mal so, aber die Geschichten und die Balladen sollen vermerken, dass hier mutige Hexer gehandelt haben und aus freiem Entschluss!“

    Die Zwerge und Elben beginnen sich immer weiter zurück zu ziehen.
    Die Orks drängen unsere Leute immer näher an den schneebedeckten einsamen Berg.
    Azog lässt riesige Trolle rufen, die wie eine Art Tribok funktionieren soll.
    Der Wall stürzt schliesslich nicht von selbst ein.
    Dann endlich erklingt in einem lauten Ton, das Horn von den Söhnen Durins.
    Der Feind wird verunsichert und bleibt abrupt stehen und blickt nervös und irritiert umher.
    Mit einem Mal kracht eine mächtige, goldene Glocke durch unseren mühsam erbauten Wall.
    Ein einzelner Glockenschlag ertönt, ehe Thorin und seine Krieger mit lautem Kriegsgebrüll und voller Hoffnung auf die Orks zustürmen.
    Der Anblick vom ihrem König, welcher mutig und festentschlossen auf den Feind zu rast, gibt den Zwergen aus den Eisenbergen neuen Mut und Kraft.
    „Für den König!“ brüllen sie kraftvoll und erheben ihre Waffen ehe sie ihrem König in die tobende Schlacht folgen.
    Von dem Hügel aus, treiben wir Hexer unsere Pferde an und reiten in hohem Tempo die Anhöhe hinunter.
    Während unserem Ritt, erkennen wir, wie die verschiedenen Fronten aufeinander prallen und es in einem unübersichtlichen Durcheinander endet.
    Die Zwerge leisten gegen die widerwärtigen Orks heftiger Widerstand und kämpfen um ihr Königreich.

    In scharfem Galopp reiten wir von der anderen Seite auf das Schlachtfeld.
    Unsere Silberschwerter glitzern in den einzelnen, herabfallenden Strahlen des Sonnenlichts.
    Wir Hexer haben einen genialen Plan, jedoch hatten wir nicht genügend Zeit um weitere Vorbereitungen zu treffen.
    Die Orks sind alle abgelenkt und rechnen mit keinem Überraschungsangriff aus dem Hinterhalt.
    Wir setzten unsere Hexersinne ein um Freund und Feind besser auseinander halten zu können.
    Die einzelnen Brände auf dem Schlachtfeld helfen uns zusätzlich, da einige Stücke des Feldes von stickigem Rauch umgeben sind und der Feind uns so weniger im Blick hat.
    Wie aus dem Nichts greifen wir in hohem Tempo aus dem Hinterhalt an, schlagen einigen Orks den Kopf ab und kämpfen uns bis zur anderen Front durch.
    Der Feind ist so perplex durch unseren unerwarteten Angriff, dass er gar nicht weiss, wie ihm geschieht.
    Auf der anderen Seite angekommen, machen wir sogleich wieder kehrt und greifen erneut an.
    In Panik beginnen einige der Orks mit Pfeilen auf uns zu schiessen doch wir sind zu schnell für sie.
    Zudem kommt noch dass der dichte Qualm ihnen die Sicht versperrt und sie so blindlings durch die Gegend schiessen und so auf ihre eigenen Kameraden schiessen.
    Gnadenlos dringen wir in die Reihen der Orks und schlachten einen nach dem anderen nieder.
    Lange können wir unsere Strategie aufrechterhalten, doch irgendwann, nimmt alles sein Ende.
    Ein Hexer nach dem andern wird von seinem Pferd gerissen und muss nun auf Augenhöhe mit dem Feind kämpfen.
    Dickflüssiges Orkblut klebt an meiner Klinge während ich mich versuche tapfer durchzuschlagen.
    Meine Kameraden aus Ard Cerbin habe ich mittlerweile aus den Augen verloren, einzig Aiden und unser Hexermeister, kann ich noch gerade so um mich herum erkennen.

    Doch plötzlich erkenne ich wie Bolg, der Sohn des Schänders, aus unmittelbarer Nähe einen Pfeil auf Visalyar abfeuert welcher direkt in seiner dicken Hexerrüstung stecken bleibt.
    Der Schmerz, welchen ihn durch fährt, ist deutlich an seinem Gesichtsausdruck erkennbar.
    Ich bin wie erstarrt, der Schock ist mir ins Gesicht geschrieben.
    Der Morgul-Pfeil muss ihn direkt ins Herz getroffen haben.
    Ohne Vorwarnung sackt der alte Hexer auf seine Knie und hält sich die Brust.
    Ich werde fuchsteufelswild und bahne mir meinen Weg zu meinem Meister vor.
    Ohne mit den Wimpern zu zucken, töte ich einen Ork nach dem anderen.
    Als ich bei ihm schliesslich ankomme, ist Bolg bereits verschwunden.
    Traurig und entsetzt über seinen Tod knie ich mich neben ihn und blicke auf ihn herab, während die Schlacht um mich herum weiter geht.
    Es ist als wäre ein Teil von mir selbst gestorben.
    Visalyar war für mich wie ein Ziehvater… er war es der mir alles Wichtige beigebracht hat und er war einer der wenigen Personen, die mir nahe stehen.
    Ich erinnere mich an das Massacker auf Ard Cerbin… damals fand ich den alten Hexer verschüttet unter Leichen, aber jetzt liegt er nur noch leblos vor mir.
    Er war der älteste und erfahrenste Hexer, wahrscheinlich älter als Ard Cerbin selbst.
    Trotz seines hohen Alters war er rüstig und voller Leben.
    Viele Jüngere aus unserer Schule haben ihn um seine Gesundheit beneidet.
    Ausserdem war er ein ausgezeichneter Fechter und er hat mich im Schwertkampf ausgebildet.
    Ich kann meine Emotionen nicht mehr kontrollieren… Tränen kullern über meine Wange und ich erhebe wütend meine Stimme in Richtung des Himmels: „Ich sollte mein Leben auf dem Felde lassen nicht er!“
    Was wird aus Ard Cerbin ohne unseren Meister?

    21
    Das Schicksal bestimmt den Ausgang einer Schlacht Plötzlich fliegt ein Dolch haarscharf an mir vorbei. Ich schaue hoch und erblicke Lucy, welche mit
    Das Schicksal bestimmt den Ausgang einer Schlacht



    Plötzlich fliegt ein Dolch haarscharf an mir vorbei.
    Ich schaue hoch und erblicke Lucy, welche mit blutverschmierter und zerfetzter Rüstung vor mir steht.
    „Steh auf Riannon! Wir müssen weiter kämpfen!“ hilfsbereit reicht sie mir ihre Hand.
    Ich beäuge ihre Hand nur kurz und schlage sie kurzerhand weg.
    Zu meiner Verwunderung ist sie dadurch nicht gekränkt oder wütend sondern sie versucht mich weiter aufzubauen: „Quäl dich nicht! Du weisst doch dass kein Hexer je in seinem Bett stirbt.“
    Erneut hält sie mir ihre Hand hin welche ich schliesslich nach langem Zögern ergreife.
    Immer noch fliessen warme vereinzelte Tränen über meine feingeschnittenen Wangen: „Du weisst nicht wie das ist. Geliebte streben zu sehen… wegen dir, für dich.“
    Die braunhaarige seufzt und erwidert einfühlsam: „Alle wussten worauf sie sich einlassen.“
    Ich senke meinen Kopf auf den leblosen Körper.
    Lucy, aus einer anderen Hexerschule, welche mich nicht einmal richtig kennt, steht neben mir auf einem blutigen Schlachtfeld und hat mich vor einem Ork gerettet.
    Doch warum tut sie dies?
    Sie riskiert ihr Leben für eine Person, welche ihr völlig fremd ist.
    Sie könnte an einem völlig anderen Ort sein… weit weg von hier.
    „Warum tust du das?“ frage ich sie deshalb, während ich immer noch auf die immer kühler werdende Leiche starre.
    „Weil du mir vertraust. Lange Zeit über hatte ich keine wahren Freunde, erst auf der Katzenschule wurde ich endlich verstanden, anerkannt und so akzeptiert wie ich bin. Ich fühle mich endlich als etwas Besonderes.“ Gesteht sie mir und sieht mich mit leuchtenden Augen an.
    Irritiert schaue ich sie nun an.
    Wie kann sie sich als Mutantin als etwas Besonderes fühlen?
    Wir sind Hexer… werden von allen gehasst, können kein normales Leben führen und dennoch scheint ihr dies nichts auszumachen so wie auch die Ablehnung der Völker.
    Jedoch kann ich letzteres überhaupt nicht nachvollziehen… wir werden verachtete von jenen, die wir beschützen.
    Hass und Vorurteile werden niemals verschwinden, und bei Hexenjagden wird es niemals um Hexen gehen.
    Es geht nur darum, einen Sündenbock zu finden und den sind wir Hexer.
    Die Menschen haben schon immer das Unbekannte gefürchtet.
    Hexer wurden geschaffen, um Monster zu töten… es spielt keine Rolle, wer den Auftrag erteilt, die Bezahlung muss stimmen, das ist alles.
    Hexer diskutieren nicht, unser Gewissen spielt keine Rolle.
    Wir führen den Auftrag einfach durch ... sammeln dann die Börse auf, und machen uns wieder auf den Weg.
    Doch dieser Auftrag hier hat einiges geändert… zum ersten Mal habe ich das Gefühl für meinen Beruf Anerkennung zu bekommen, aber nicht nur das, wir werden von einem Volk akzeptiert und geschätzt… wenn auch nicht von Anfang an.
    Ausserdem arbeiten Hexer zusammen, aus zwei unterschiedlichen Schulen, was es in der Geschichte auch noch nie gab.
    Von uns Hexern wird nicht erwartet, dass wir die Menschen vor uns selbst schützen.
    „Komm! Lassen wir Visalyars Tod nicht vergebens sein!“ fährt sie fort und lächelt mir zu.
    Ich knie mich ein letztes Mal zu meinem Meister und nehme sein Hexer-Medaillon an mich und behalte es als Andenken.
    Jeder Hexer tut dies, das Medaillon eines gefallenen Kameraden an sich nehmen um ihn schliesslich zu rächen.
    „Das wird er nicht sein!“ sage ich festentschlossen, während ich in der Weite den Ork ausmache, welchen meinen Meister auf dem Gewissen hat.
    Wut und Zorn brodeln in mir auf und ich bin nicht mehr zu halten.
    Der Tod meines Meisters wird nicht vergebens sein, dafür sorge ich eigenhändig.
    Rache geniesst man am besten kalt… heiss ist sie mir aber auch recht.
    Dieser dreckige Ork wird dafür mit seinem Kopf bezahlen!
    Ich erhebe mich schwungvoll und sprinte ungeachtet los.
    „Riannon! Was hast du vor?“ schreit mir Lucy nach, ehe sie begreift was ich vorhabe und sie mir nach eilt.
    Ich ignoriere ihre weitere Rufe und konzentriere mich auf mein Ziel.

    Gewaltsam schlage ich mich durch die wild tobende Menge.
    Jeder Ork der sich mir in den Weg stellt bekommt es mit mir zu tun.
    Steht mir ein Elb, ein Mensch oder ein Zwerg im Wege, wird dieser ungeachtet weg geschubst.
    Plötzlich bin ich jedoch von den Biestern umgeben und kann mich nicht mehr selbst befreien.
    Zu meinem Glück tauchen dann Fili und Kili auf ihren Widdern auf, welche die Orks mit ihren starken Köpfen wegdreschen.
    Jegliche positive Emotionen in meinen Augen sind verschwunden, was den Brüdern sofort auffällt.
    Inzwischen kennen mich die beiden ziemlich gut und wissen, wenn es besser ist, sich nicht mit mir anzulegen.
    „Riannon! Kämpf keine Kämpfe die du nicht gewinnen kannst!“ ruft mir Fili zu, als ihm einleuchtet was ich vorhabe.
    Jedoch denke ich nicht im Traum daran, diesem Kampf auszuweichen.
    Ich renne weiter, ducke mich unter Angreifern hindurch und schlage anderen den Kopf ab.
    Von nichts und niemandem lasse ich mich aufhalten, dafür wird er büssen!

    Endlich stehe ich direkt vor diesem widerwärtigem Abschaum.
    Seine abscheulichen Augen mustern mich auf und ab und er macht seinen Streithammer bereit.
    Ein fieses Grinsen breitet sich auf seinem mit Narben verziertem Grind aus.
    Doch davon lasse ich mich nicht abschrecken, ich muss Visalyar rächen, koste es was es wolle.
    Er schwingt seinen Hammer einige Male umher und spricht mit finsterer Stimme: „Erst du! Dann er!“
    Was meint er mit er?
    Hat er es auf Thorin abgesehen?
    Aber ich habe keine Zeit darüber nachzudenken, denn schon attackiert er mich mit seinem speziell präparierten Hammer.
    Ich weiche geschickt seinen Hieben aus.
    Für einen Ork und trotz seiner enormen Körpergrösse und muskulösen Figur, ist Bolg relativ beweglich, was ihm im Kampf zugutekommt.
    Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt mir keine andere Wahl als ihm immer wieder auszuweichen… dies gelingt mir nur dank meinen schnellen Reflexen, wäre ich eine Normalsterbliche, hätte ich schon längst einige Hiebe abbekommen.
    Nachdem er endlich etwas an Tempo verloren hat, komme ich nun endlich zum Zug.
    Sein Streithammer schlägt Rechts und Links von mir auf den Boden, ehe ich ihn gerade noch so mit meinem Schwert blockieren kann, ehe er mich erschlagen kann.
    Mit all meiner Kraft halte ich dagegen und versuche den Hammer von meinem Gesicht zur Seite zu drücken.
    Mit Mühe gelingt es mir sogar etwas, wenn auch nur ein kleines Stück.
    Sofort wende ich Aard an und erzeuge eine Druckwelle die seinen Streithammer wegschleudert.
    Ich zögere keinen weiteren Moment und ramme ihm präzise mein Silberschwert gnadenlos in seinen Bauch.
    Er brüllt auf vor Schmerz, schlägt es jedoch anschliessend einfach mit seiner blossen Hand weg, als wäre es das gewöhnlichste auf der Welt.
    Ich bin so perplex von seiner unerwarteten Reaktion und deshalb abgelenkt, da ergreift er die Gelegenheit und packt mich mit beiden Händen an meinem Hals.
    Er schnürt mir die Luft ab und lässt mich über einen Abgrund baumeln: „Wer hat dir beigebracht so zu kämpfen?“
    „Der Hexer, den du erschlagen hast!“ knurre ich mit brüchiger Stimme unter seinem kräftigen Griff.
    Bolg beginnt verstehend zu grinsen.
    Ich winde mich unter seinem Griff und hoffe dass er mich nicht los lässt.
    Plötzlich tauchen Fili und Kili auf.
    Der schwarzhaarige Zwerg springt den Orkhäuptling von hinten an und würgt ihn ebenfalls.
    Bolg taumelt zurück und lockert seinen Griff um meinen Hals, so dass ich mit beiden Füssen wieder harten Boden unter mir habe.
    Ich fasse um meinen Hals, welcher leicht angeschwollen ist und starre den Feind wutentbrannt an.
    „Riannon!“ erklingt plötzlich Aidens Stimme, welcher uns ebenfalls zu Hilfe eilt.
    Wir sind zu viert gegen einen, aber dem Ork wird das Ganze zu langweilig und erholt weitere dazu, welche sich um uns kümmern.
    Seite an Seite kämpfen wir, während ich mir ansehen muss, wie der Sohn des Schänders sich immer weiter entfernt und sich aus dem Staub macht.
    So ein Mist, ich hätte diesen Feigling beinahe gehabt.

    Endlich haben wir die Orks welche uns umzingelt hatten vernichtet und haben wir etwas mehr Platz.
    Wir haben Zeit um einen Augenblick zu verschnaufen.
    Ich fasse mir an die Stirn und spreche: „Ich bringe euch alle in Gefahr. Unnötig.“
    Die Hexer hätten sich nie einmischen sollen, sie hätten nie ihr Leben für mich aufs Spiel setzen sollen… dann wäre unser Meister vielleicht noch am Leben.
    Aiden versucht mich zu beruhigen und spricht einfühlsam auf mich ein: „Du machst dir zu viele Sorgen. Schau nicht so grimmig. Wir schaffen das.“
    Trotzdem gefällt mir dies überhaupt nicht.
    „Riannon!“ höre ich die Stimme meines geliebten Mannes rufen.
    Schwungvoll drehe ich mich um und erblicke ihn strahlend vor mir.
    Auch wenn er noch so blutverschmiert ist, muss ich ihn umarmen.
    Stürmisch falle ich dem braunhaarigen um den Hals und gebe ihm einen flüchtigen Kuss.
    Während des Kampfes habe ich ihn kein einziges Mal gesehen… ihn jetzt wohlauf zu sehen ist einfach erleichternd.
    Er schildert uns seinen Plan… wir müssen den Anführer der Orks vernichten.
    Kaum hat er uns seinen Plan erläutert, erscheinen auch schon Balin und Dwalin mit einem Streitwagen und sechs Widdern.
    Fili und Kili begeben sich ebenfalls auf den Karren, während Thorin auf einen Widder steigt und ich und Aiden unsere Pferde rufen.
    Wir werden ihnen Geleitschutz geben und gemeinsam den Kopf der Schlange abschlagen.
    Thorins Vetter wünscht uns viel Glück und dass Durin uns alle beschützen möge.

    Fili und Kili schleifen während der Fahrt ihre Schwerter an den ratternden Rädern, welche ihnen wie einer der besten Schleifsteine dienen.
    Thorin, Aiden und ich reiten voran um bereits einige der Feinde aus dem Weg zuräumen.
    Mein Pferd wiehert und droht in Panik zu verfallen.
    Schnell wende ich das Zeichen der Gedankenbeeinflussung an um es zu beruhigen.
    Hinter uns ertönen laute, zerrissene Schreie als die Zwerge mit ihrem Streitwagen durch die Reihen der Orks rasen.
    Die Jungs scheinen dabei ihren Spass zu haben, doch plötzlich werden sie von einem riesigen Troll angegriffen und verfolgt.
    Rasch weichen ihre Reittiere dem Ungeheuer aus und landen auf dem zugefrorenen Flussbett.
    Wir anderen reiten über ihnen und schlagen uns den Weg zum Rabenberg frei.
    Da wir den Feinden ausweichen müssen, verlieren wir das Vierergespann aus den Augen.

    „Vorwärts! Rasch!“ ruft Thorin seinen Neffen zu, als wir sie wieder sehen können.
    Irgendwas muss geschehen sein, denn die Drei reiten auf ihren Widdern und Balin fehlt.
    Wir setzen zu sechst unseren Ritt fort.
    Der Rabenberg bildet die letzte Anhöhe des südlichsten Ausläufers des Einsamen Berges.
    Gemeinsam erklimmen wir den steilen Bergpfad.
    Zahlreiche blutrünstige Orks kommen uns entgegen, durch die wir unseren Weg frei bahnen.
    Thorin hat seine besten Krieger zusammen gerufen um endlich diesem Abschaum dem Kopf abzuschlagen.
    Wir reiten durch die nächste Schlucht und kommen auf eine runde Anhöhe.
    Von hier aus ist schon die an die Felshänge geschmiegte Ruine des Wachpostens zu sehen.
    Der Sturm des Wolfes bricht an, das Zeitalter von Schwert und Axt.
    Ein kalter Hauch von Norden weht in mein Gesicht.
    Die grauen Hänge des Berges sind Schneebedeckt und die Luft ist äusserst kühl.
    Der Schnee glänzt weiss im kalten Winterlicht.
    Wir springen von unseren Reittieren und bekämpfen den Feind vom Boden aus.

    Nachdem wir alle uns umgebenen Orks besiegt haben, blicken wir auf den Gipfel des schneebedeckten Berges.
    Der Schänder ist nicht zu sehen… wo ist er hin?
    „Sieht verlassen aus.“, stellt Kili schnaufend fest, „Ich glaube Azog ist geflohen.“
    „Das glaube ich nicht.“ Kontert Thorin wobei ich eher ihm zustimmen muss als seinem Neffen.
    Der bleiche Ork ist niemand der einfach so vor einem Kampf flüchtet, mag er noch so brutal und blutig sein.
    Mir jedoch bereitet etwas ganz anderes Sorgen… es ist dieser kahle und leere Turm, der einstige Wachposten des Erebors.
    Seit ich mich mit den Zwergen auf diese abenteuerliche Reise begeben habe, endeten meine Träume immer mit einem weissen, zerfallenen Turm.
    Heimlich habe ich nach Erklärungen gesucht… fand aber keine.
    Jetzt da ich hier stehe, kommt er mir so schrecklich bekannt vor.
    In meinem Traum konnte ich nie in diesen toten Turm hinein gehen, es endete immer damit dass ich nach dem Eingang suchte oder dass mir jemand das Betreten des Turms verweigert hat.
    „Fili, nimm dein Bruder mit. Sucht die Türme ab. Lasst euch nicht sehen und bleibt in Deckung. Wenn ihr auf etwas stosst, meldet euch. Greift nicht an verstanden?“ befiehlt der König unter dem Berge seinen beiden Neffen.
    Dadurch wende ich mich dem einem Turm ab und gehe auf die drei Zwerge zu.
    Irgendwas wird hier passieren das spüre ich und ausserdem haben mir meine Träume diesen Ort oft genug gezeigt.
    Deshalb entscheide ich anders: „Aiden und ich werden sie begleiten.“
    Thorin hat keine Zeit um Einspruch einzulegen, denn bereits kommt eine Schar Ork-Söldner auf uns zu.
    Dwalin und Eichenschild kümmern sich um diese lästigen Biester, während wir uns zu den Türmen aufmachen.
    Wir begeben uns auf den zugefrorenen See und hoffen dass er unser Gewicht trägt.
    Leise schleichen wir wie Federn zu unserem Ziel.

    Zu viert betreten wir den ersten Turm und ausgerechnet dieser, der in meinen Träumen vorkam.
    Wachsam blicken wir uns um während wir durch die dunklen, engen Gänge laufen.
    Die Anspannung ist deutlich zu spüren, denn wir sind so dicht dran.
    Ein seltsames Geräusch erklingt, was uns aufhorchen lässt.
    Kili will sofort los stürmen, doch sein Bruder hält ihn mit der Hand zurück: „Nein, bleib hier. Such du und Aiden weiter unten. Riannon und ich schaffen das hier schon.“
    Widerwillig kommen Aiden und Kili seinem Befehl nach.
    Keiner hier hat ein gutes Gefühl bei dieser Sache und dennoch, machen wir weiter.
    Die beiden entfernen sich immer weiter von uns, bis wir ihre Schritte nicht mehr hören.

    Währenddessen bei Thorin und Dwalin.
    Eichenschild hält Ausschau nach diesem dreckigen Ork.
    Die Ork-Söldner liegen leblos und besiegt auf den schneebedeckten Boden.
    Einzelne Schneeflocken fallen vom sturmgrauen Himmel, der Nebel umhüllt die Türme und lässt einem kaum noch was sehen.
    Plötzlich taucht wie aus dem nichts der Halbling schwer keuchend auf.
    Der König unter dem Berge ist sichtlich überrascht und freut sich zugleich ihn wohlauf zu sehen.
    Er hätte nicht mehr mit ihm gerechnet, nicht nachdem er ihn beinahe den Wall runtergeworfen hätte.
    „Ihr müsst hier weg! Azog hat ein zweites Heer, das von Norden angreift! Der Wachturm wird umzingelt sein und niemand entkommt“ warnt Bilbo die beiden und kann kaum noch atmen.
    Thorins Augen weiten sich schockiert, denn immerhin befinden sich seine Neffen und die beiden Hexer in der Ruine des Wachturms.
    Dwalin scheint die drohende Gefahr nicht bewusst zu sein: „Wir sind so nah dran! Dieser widerliche Ork ist da drin, holen wir ihn uns!“
    Ein Glück ist Thorin wieder bei klarem Verstand und kontert: „Nein! Genau das will er doch! Er will uns hinein locken… es ist eine Falle!“
    Erst jetzt begreift der muskulöse Zwerg, dass die vier in lebensbedrohlicher Gefahr sind.
    Ungeahnt durchsuchen sie weiter die Türme und wissen nicht was kommen wird.
    Während die beiden Zwerge diskutieren, fällt dem Hobbit auf das die anderen Krieger fehlen: „Wo sind Riannon und die anderen?“

    Fili und ich suchen immer noch den oberen Bereich des Turms ab.
    Alles ist mit etlichen Spinnennetzen übersäht, Gerümpel liegt in den Gängen, die Steinmauern sind zerfallen und ein kalter, kühler Wind weht uns um die Ohren.
    Ich fühle Filis schnellen und unregelmässiger Atem… er weiss genau so gut wie ich, dass gleich etwas passieren wird.
    Langsam und mit leisen Schritten gehe ich voraus.
    Abrupt halte ich jedoch an, da mein Hexer-Medaillon wild zu vibrieren beginnt.
    Mein Herzschlag beschleunigt sich augenblicklich.
    Dort vorne lauert eindeutig Gefahr.
    Thorins Anweisungen lauteten nicht gesehen zu werden und uns melden sobald wir auf etwas stossen.
    Mein Amulett beginnt immer stärker zu vibrieren.
    Ich weiche einen Schritt nach hinten, ehe ich dem blonden Zwerg befehle: „Geh zurück!“
    Unsicher versucht er mit mir Augenkontakt aufzunehmen, doch ich lasse dies nicht zu, denn ich will nicht, dass er die Furcht in meinen Augen erblickt.
    Ohne Widerrede kommt er meiner Forderung nach und wir gehen den Gang zurück, doch plötzlich wird er durch loderndes Licht erhellt.
    Schlagartig halten wir an und wollen wieder umkehren, als von allen Seiten Licht zu uns dringt.
    Schwere Schritte ertönen was Fili und mich noch unruhiger werden lässt.
    Wir sind umzingelt, es gibt keinen Ausweg aus diesem Turm!
    Niemals hätten wir hier rein gehen sollen!

    „Such Riannon und die andern! Ruf sie zurück!“ beordert Thorin den glatzköpfigen Zwerg und beschliesst an einem anderen Tag zu kämpfen.
    Sie wollten sich gerade von dem Wachposten entfernen, als lautes gepolter aus einer der Turmruine erklingt.
    Ruckartig bleiben sie stehen und starren in die Richtung aus der, der Lärm kommt.
    Sie erblicken das Licht von lodernden Flammen und im nächsten Moment, steht ihnen pures Entsetzen ins Gesicht geschrieben.
    Azog der Schänder taucht auf und schleift Fili rücksichtslos neben sich her
    Weitere Orks erscheinen, in ihren Fängen eine Hexerin mit einer blutenden Platzwunde an der Stirn.
    „Zuerst stirbt der hier. Dann der Bruder. Dann der junge Hexer. Und dann du und deine Frau Eichenschild!“ spricht Azog in der Sprache der Orks und hält den blonden Zwerg in die Luft.
    Jetzt kann nur noch ein Wunder helfen.

    22
    Alles passiert aus einem Grund Die Orks haben uns überrascht. Fili und ich hatten keine Chance und wurden rücksichtslos überlistet. Sie haben uns b
    Alles passiert aus einem Grund

    Die Orks haben uns überrascht.
    Fili und ich hatten keine Chance und wurden rücksichtslos überlistet.
    Sie haben uns brutal beinahe bewusstlos geschlagen, doch sie fanden es dann amüsanter uns unter Schmerzen leben zu lassen und uns zu quälen.
    Der bleiche Ork hält Fili in der Luft, welcher sich versucht von seinem Griff zu befreien und seine Freunde zu warnen.
    Nein bitte nicht!
    Ich kann nicht mit ansehen, was eben geschieht.
    „Flieht!“ ruft Fili uns zu und windet sich unter Azogs Griff.
    Seine Augen nehmen ein letztes Mal blick mit meinen auf.
    Der Schänder beginnt höhnisch zu lachen: „Sie kann dich nicht im Stich lassen. Ihr Menschen seid einfach so unpraktisch veranlagt.“
    Kaum hat der bleiche Ork diese Worte ausgesprochen, durchbohrt er auch schon das kleine Herz des blonden Zwerges.
    Meine Augen weiten sich geschockt, mein Herz schnürt sich zusammen.
    Ein tiefer und dunkler Schmerz umhüllt meinen ganzen Körper.
    „Neeeiiin! Neein!“ kreische ich laut, werde fuchsteufelswild und schaffe es die beiden widerlichen Ork von mir wegzudrücken.
    Azog dreht sich zu mir um und gibt seinen Gefolgsleuten das Zeichen sich nun um mich zu kümmern.
    Ich kann meine Gedanken und meine Gefühle nicht mehr richtig zu ordnen und taumle unter Schock einige Schritte auf den Schänder zu.
    Instinktiv halte ich beide Hände vor meine Augen und versuche das schreckliche Bild zu verdecken… ich versuche die herankommenden Orks auszublenden.
    Doch plötzlich werde ich schlagartig von Azog gepackt und gnadenlos gegen die nächste Mauer geschleudert.
    Hart pralle ich gegen die Mauer, welche zu bröckeln beginnt ehe ich auf dem Boden lande.
    Ein stechender Schmerz durchfährt meinen Körper und lässt ihn auf beben.
    Auch wenn ich kaum noch auf meinen eigenen Beinen stehen kann, so raffe ich mich mit letzter Kraft auf.
    Zitternd und schwankend stehe ich unbemerkt hinter Azog und seinen Leuten.
    Sie rechnen nicht mehr damit, dass ich noch aufstehen kann, doch nur wegen eines kleinen Schubses lasse ich mich doch nicht unterkriegen.
    Sie finden es allem Anschein nach nicht mehr nötig mich ihren Stahl spüren zu lassen.
    Warmes Blut fliesst von meiner Stirn über meine linke Gesichtsschläfe.
    Ich muss ziemlich mitgenommen aussehen, ausserdem brauche ich dringend einen Heiltrank.
    „Du lebst noch!“ äussert sich der bleiche Ork überrascht und visiert mich mit seinem eisernen Blick an.
    „Kaum!“ knurre ich ehe er blitzschnell auf mich zustürmt.
    Meine Reflexe sind zu langsam, mein Körper ohne einen Heilungstrank zu erschöpft um etwas gegen ihn auszurichten.
    Erneut spüre ich einen harten Aufprall ehe ich das Bewusstsein verliere.

    Fili fällt leblos direkt vor die Füsse seines Bruders.
    Bestürzt schauen die dunklen Augen von Kili auf seinen toten Bruder.
    Aiden ist ebenfalls sehr betroffen und entsinnt sich daran, dass seine beste Freundin sich doch auch dort oben befinden muss.
    Wutentbrannt rennen die beiden voller Rachesucht die steinigen Treppen des Turmes hoch.
    „Kili!“ halt die Stimme von Thorin durch die Ruinen, welcher ebenfalls davon rennt.
    Dwalin möchte den König unter dem Berge aufhalten und rennt ihm nach.
    Bilbo hingegen bleibt stehen und presst seine Augen fest zusammen.
    Dies ist nur ein Albtraum und er wird bald aufwachen… doch dem ist leider nicht so.
    Als Eichenschild als erster beim Turm ankommt, bietet sich ihm ein schrecklicher Anblick.
    Seine Geliebte liegt regungslos und blutverschmiert am Boden.
    Azog der Schänder steht mit einem Fuss auf ihrem Rücken und hat ein fieses Grinsen im Gesicht: „Sieh wie sie stirbt, Thorin, Sohn des Thrain, Sohn des Thror!“
    Der braunhaarige Zwerg hat keine Möglichkeit dies zu verhindern, denn ein Dutzend Ork stehen zwischen ihm und dem bleichen Ork.
    Wütend und Hasserfüllt lodern die Flammen des Zorns in den azurblauen Augen.
    „Lass meine Schwester in Ruhe!“ erklingt Tilions Stimme welcher unerschrocken den Schänder attackiert.
    Auch Lucy hat den Rabenberg erreicht und eilt direkt auf Riannon zu.
    Thorin erkennt, dass seine Frau für einen Moment in Sicherheit ist und er sich um die verbleibenden Orks kümmern kann, während Tilion heldenhaft gegen Azog kämpft.
    Die braunhaarige schleppt Riannon in eine geschützte Nische und gibt ihr sofort den Trank der Schwalbe.

    Ich fühle wie meine entwichenen Kräfte zurückkommen.
    Ich kann wieder klar sehen und meine Benommenheit verschwindet.
    Ich schnelle sofort auf… ein einziger Gedanke, ein schreckliches Bild ist in meinem Kopf… Fili!
    Rasant erhebe ich mich leicht taumelnd und eile nach unten, dicht gefolgt von Lucy.
    Komischer Weise sind keine Orks mehr hier, aber auch niemand mehr von unseren Leuten.
    Die Braunhaarige Hexerin kommt neben mir zum Stehen und will mich aufhalten, als ich den kleinen leblosen Körper von Fili im Schnee entdecke.
    Einen kurzen Moment halte ich inne, ehe auf meinen geliebten blonden Zwerg zustürme.
    Entsetzt schaue ich auf ihn herab ehe ich mich zu ihm in den kalten Schnee setze.
    Vorsichtig greife ich nach seiner blassen, tauben Hand.
    Tränen sammeln sich in meinen Augen, mein Gesichtsausdruck versteinert sich.
    Wieso musste es nur so weit kommen?
    Hätte ich doch damals in Esgaroth auf ihn gehört und wäre mit ihm geflohen… dann würde er jetzt wahrscheinlich noch leben.
    Jegliche Wärme ist aus ihm verschwunden, seine Haut wirkt blass, erstarrt und eiskalt.
    Mit meiner Hand schliesse ich seine immer noch offenen Augen.
    Behutsam lege ich meine Hände um seinen Kopf und gebe ihm einen letzten Abschiedskuss auf seine Stirn.
    Langsam und immer noch gefangen von diesem grossen Verlust stehe ich auf und wische meine Tränen aus meinem Gesicht.
    Ich muss später trauern um schlimmeres zu verhindern.

    Ich bin immer noch betroffen von Filis grausamem Tod und will deshalb sofort zum Angriff übergehen.
    Ich muss Fili rächen.
    Wenn es mir schon gegen Bolg nicht gelungen ist, aber keine Sorge, der ist auch bald dran.
    Rache bedeutet Gerechtigkeit, Gerechtigkeit bedeutet Rache und wird so zu einem endlosen Kreislauf aus Hass.
    Lucys und mein Weg trennen sich auf einer steilen Treppe.
    „Viel Glück Riannon.“ Wünscht mir die braunhaarige ehe sie verschwindet.
    Während sie sich nach oben zu Kili und Aiden wagt, begebe ich mich nach unten um Thorin zu Helfen.
    Der König unter dem Berge kämpft bereits heldenhaft gegen zahlreiche Gegner.
    Mit beiden Beinen lande ich mit einem eleganten Sprung auf dem zugefrorenen See.
    Ich muss mein Gewicht zuerst ausbalancieren bevor ich mich zu meinem Mann durchschlagen kann.
    „Thorin!“ rufe ich laut um mich bemerkbar zu machen.
    Sein Gesicht erhellt sich kurz, ehe er wieder einen Ork ersticht.
    Rücken an Rücken kämpfen wir zusammen und verteidigen uns so gut es geht, doch es kommen immer mehr.
    Meine Ausdauer schwindet, das Atmen fällt mir immer schwerer.
    Dem braunhaarigen Zwerg ergeht es nicht anders, unsere Kräfte schwinden und es scheint aussichtslos.
    Plötzlich wird einer der Söldner von einem Elbenpfeil durchbohrt.
    Der Treffer ist äusserst präzise und daher tödlich.
    Ich kenne nur einer, der so gut schiessen kann, deshalb richte ich meinen Blick in die Richtung des nächsten kommenden Pfeils und erblicke doch tatsächlich Legolas.
    Er hat seinen stolz doch noch überwunden und hat sich auf unsere Seite geschlagen.

    Aiden und Kili schlagen sich weiter oben des Turms mit dem Feind als Lucy zu ihnen stösst.
    „Wo ist Riannon?“ will der junge Hexer gleichauf wissen, während er gerade einen Ork enthauptet.
    „Sie kämpft mit Thorin.“ Antwortet ihm die Braunhaarige schwer keuchend.
    Der Kampf nimmt alle ziemlich mit, auch die Hexer, welche normalerweise eine überaus grössere Ausdauer besitzen als Normalsterbliche.
    Aus ihren Augenwinkeln erkennt die Hexerin aus der Katzenschule, dass ihr Kamerad Tilion in grossen Schwierigkeiten steckt und umzingelt ist von zahlreichen Feinden.
    Sie zögert keinen weiteren Moment und schreitet ihm zur Hilfe und dies obwohl Kili und Aiden hier auch Unterstützung gebrauchen könnten.
    Plötzlich vernehmen die beiden eine hohe weibliche Stimme welche nach Kili ruft.
    Der Zwerg mit den dunklen Augen weiss sofort von wem sie ist: „Tauriel!“
    Sie handeln blitzschnell und begeben sich zu ihr, gerade noch rechtzeitig.
    Bolg hält sie würgend um den Hals und schnürt ihr den Atem ab.
    Kili nimmt Anlauf und stürzt sich hemmungslos auf den Sohn des Schänders.
    Im ersten Augenblick wirkt dieser ziemlich überrascht, doch er ist einfach zu stark für den Zwerg, weshalb er diesen kurzerhand weg schleudert.
    Bolg macht sich für eine Attacke bereit, als Aiden schützend vor Kili steht und mit seinem Silberschwert den Angriff fürs Erste abblockt.
    Aidens Gesicht ist Wut verzerrt, sein Atem ist beschleunigt und sein Körper am Anschlag.
    Die Hexer hatten nachdem Kampf mit dem Drachen nicht genügend Zeit um sich vollständig zu erholen.
    Der Braunhaarige holt zum Gegenschlag aus, als der Ork mit voller Wucht sein Streithammer gegen seine Brust schlägt.
    Aiden wird stark nach hinten geschleudert und lässt sein Schwert fallen.
    Unter grossen Schmerzen hält er mit blutüberströmter Hand seinen Brustbereich.
    Er ist unfähig aufzustehen und Bolg kommt immer näher auf den am Boden liegenden Hexer zu während er mit seinem Hammer herumspielt.
    Kili will den muskulösen Ork angreifen um schlimmeres zu verhindern, aber Bolg hat ihn bereits bemerkt und ihn ebenfalls wieder weg geschleudert.
    Der junge Hexer ist ihm nun schutzlos ausgeliefert.
    Der Orkanführer richtet die präparierte Spitze seines Streithammers auf Aiden.
    Er zögert nicht und verzieht keine Gesichtszüge.
    Gnadenlos stösst er die scharfe Spitze in die Brust des Hexers welcher dickflüssiges Blut spuckt und beginnt zu husten, dann Stille.
    Die goldbraunen Katzenaugen verharren in ihrer Bewegung.
    Sein letzter Lebenshauch weicht aus ihm heraus.
    Kommen Hexer eigentlich in den Himmel?
    Oder müssen sie wegen ihrer schlimmen Taten in der Hölle schmoren?
    „Aiden!“ Während die rothaarige Elbin den Ork weiter ablenkt, sprintet Kili zum leblosen Körper des Hexers.
    Doch der schwarzhaarige Zwerg kann kein Lebenszeichen mehr fühlen.
    „Aiden komm schon! Du darfst jetzt nicht sterben!“ schluchzt der schwarzhaarige Bogenschütze.
    Er ist betroffen von seinem Tod… haben sie doch eine lange Zeit zusammen verbracht.
    Zulange schaut Kili auf den toten Hexer hinab und bemerkt nicht wie Bolg sich an ihn heran schleicht.
    So nimmt auch Kilis Schicksal kein gutes Ende.

    Thorin und ich haben alle dreckigen Orks um uns herum besiegt und stehen jetzt nur noch vor einem.
    Es ist kein Geringerer als Azog der Schänder, der bleiche Ork.
    Jener Ork, der Thorin und mir so viel Leid zugefügt hat.
    Der Tag der Abrechnung ist gekommen und dieser widerwärtige Abschaum bekommt endlich meine Klinge zu spüren.
    Langsam bewegen wir uns synchron auf Azog zu, welcher in seiner vollen Pracht vor uns steht und uns zornig anstarrt.
    Mein Herz geht schnell und ich fürchte mich vor dieser Begegnung.
    Schon einmal ist es ihm gelungen mich beinahe zu töten.
    Nur dank meinem verlangsamten Stoffwechsel habe ich dieses Treffen überlebt, ansonsten wäre ich auf der Stelle tot gewesen.
    Plötzlich stürmt Azog wütend und ohne Vorwarnung auf uns zu.
    Reflexartig ducken wir uns und weichen seinen schnellen Angriffen so gut es geht aus.
    Sein Streitkolben schlägt hart auf dem dicken Eis des zugefrorenen Sees auf und zerbröckelt es.
    Das Eis unter unseren Füssen zerbricht in dutzende Teile.
    Mit Mühe versuchen wir uns darauf zu halten während es immer weiter und weiter auseinander bricht.
    Neue Risse bilden sich unter unseren Füssen während wir dem Schänder immer noch ausweichen.
    Plötzlich hält Azog inne und wir tun es ihm gleich.
    Wie aus dem Nichts tauchen die grossen Adler auf und begeben sich in Richtung des wildtobenden Schlachtfelds.
    Mit ihrem Kommen, lösen sich auch die sturmgrauen Wolken etwas auf und lassen das warme Licht der Sonne auf uns herab scheinen.
    Wir schöpfen neuen Mut und Thorin hat einen Blitzgedanken.
    Er nimmt den grossen Stein und wirft ihn auf den Schänder zu.
    Dadurch kann die Eisscholle dem zusätzlichen Gewicht nicht mehr standhalten und sie kippt.
    Der bleiche Ork fällt in das eiskalte Wasser des Sees und verschwindet unter dem dicken Eis.
    Er gleitet schweigend unter uns hindurch.
    Thorin und ich sind wie in Trance von unserem Erfolg, diesen Abschaum endlich besiegt zu haben.
    Wir jubeln nicht… sondern starren den unter uns treibenden Ork schweigend an.
    Wir haben uns gerächt… für Fili und für alle anderen die durch ihn sterben mussten.
    Seine grauenvollen und blutigen Schlachtzüge durch diverse kleine Dörfer haben endlich ein Ende.

    Unerwartet öffnet er plötzlich seine stechend blaue Augen.
    Ein wutentbranntes Grinsen erscheint auf seinem vernarbten Gesicht.
    Mit voller Wucht prallt er plötzlich durch das fest gefrorene Eis.
    Ein heftiger Stoss berührt mich und lässt mich für einen kurzen Moment erstarren… dann ein stechender Schmerz in meiner Brustgegend.
    Vor mir steht Azog mit einem triumphierenden Grinsen im Gesicht.
    Seine blassen Eiswürfel durchforschen mich eindringlich.
    Mir ist bewusst, dass etwas nicht stimmt denn ich fühle mich ganz und gar nicht gut.
    Ich schmecke Blut in meiner Mundhöhle… Blut welches sich seinen Weg nach oben bahnt.
    Langsam und unter Schmerzen blicke ich an mir herab.
    Der Streitkolben von Azog steckt in meiner Brustgegend und hat innere Verletzungen verursacht.
    Ich kann nicht mehr klar denken und habe sogar Thorin für einen Moment vergessen als ich unverhofft seine liebevolle Stimme hinter mir vernehme: „Riannon…“
    Es ist nur ein schwaches Keuchen, vorsichtig drehe ich meinen Kopf leicht zur Seite und erkenne sein braunes zerzaustes Haar dicht hinter mir.
    Jetzt wird mir auch klar, weshalb ich an meinem Rücken eine ungewöhnliche Wärme spüre.
    Der Streitkolben hat nicht nur meinen Körper durchbohrt… sondern auch gleich den Körper meines geliebten Mannes.
    Der bleiche Ork hatte uns zuvor schon verbunden… durch das Leid und die Narben welche er an uns hinterlassen hat.
    Und jetzt werden wir durch ihn mit seiner eigenen Waffe verbunden.
    „Thorin.“ Hauche ich mit brüchiger Stimme seinen Namen.
    Ich habe mich noch nie in meinem ganze Hexer Da-Sein so schlecht und kraftlos gefühlt.
    Meine eigene Stimme lässt mich aufschrecken und jagt mir ein Schauer über meinen Rücken.
    Azog steht immer noch höhnisch grinsend vor uns doch wendet uns nun seinen Rücken zu.
    Schade dass er dies nicht gelernt hat… kehre nie deinem Feind den Rücken zu.
    Thorin und ich sammeln unsere letzten Kräfte für einen aller letzten Angriff.
    „Gemeinsam.“ Sagen wir gleichzeitig und umschliessen fest den Griff meines Silberschwertes.
    Mit einem starken Hieb durchbohren wir zusammen das Herz des bleichen Orks.
    Taumelnd dreht dieser sich zu uns um, mit aufgeschreckten Augen.
    Er hatte nicht mehr mit einem Angriff von uns gerechnet.
    Azog taumelt noch kurz, ehe er endlich ein für alle Mal leblos zu Boden fällt.
    So wurde der bleiche Ork, der einst auf den Grabhügeln seiner Feinde getanzt hat, nun selbst zu letzten Ruhe gebettet.
    Ein leichtes schmerzverzerrtes Lächeln huscht über mein Gesicht.
    Wir haben es tatsächlich geschafft und haben Azog besiegt… doch zu welchem Preis.
    Wenn das nötig war um die Welt zu retten, wäre es besser gewesen, wenn sie gestorben wäre.
    Muss ich zwischen einem grossen und einem kleinen Übel wählen, wähle ich lieber gar nicht.
    Normalerweise steht aber zu viel auf dem Spiel.
    Manchmal ist es geringfügig besser, das grössere Übel zu wählen.
    Als Thorin und ich fest entschlossen auf den Rabenberg zu ritten, konnten wir nicht ahnen, dass es jemals so enden würde.
    Meistens triff man eine Wahl und blickt dann nie mehr zurück.
    „Wir haben es geschafft!“ spricht Thorin mit schwacher und schmerzverzerrter Stimme.
    Ich kann ihm nicht antworten sondern nicke nur stumm.
    Das Reden kostet mich unheimliche Kraft und bereitet mir grosse Schmerzen, doch ich merke dass mir nicht mehr viel Zeit bleibt um Dinge loszuwerden die ich ihm doch noch so gerne sagen möchte.
    „Warum zum Teufel haben wir dies nur getan? Wir hatten Smaug besiegt und den einsamen Berg zurück.“ Frage ich ihn keuchend.
    „Weil wir Azog nicht besiegt haben. Schrecken und Tod hätten die Völker erwartet. Nur wir konnten ihn aufhalten.“ Antwortet er mir und fährt mir sachte über mein Haar.
    Trotzdem hätten wir dieses grosse Opfer nicht erbringen müssen.
    Es hätte einen anderen Pfad geben müssen und trotzdem war es uns vermutlich so bestimmt: „Du hast recht… es ist unsere Geschichte und wir haben sie zu Ende erzählt.“
    Plötzlich geben meine Beine nach, ich sacke auf meine Knie und ziehe Thorin gleich mit mir nach unten.
    Ich stütze mich mit meinen Händen ab und blicke auf mein Spiegelbild.
    Meine linke Schläfe ist mit Blut übersäht und mein Blick wirkt glasig und leer.
    Thorins Gesicht sieht ähnlich aus wie meines… blutüberströmt und dennoch schaut er mir liebevoll im blassen Eis entgegen.
    Tränen beginnen sich in meinen Augen zu sammeln und kullern unkontrolliert auf das zugefrorene Wasser des Sees.
    Warum habe ich diesen wunderbaren Zwerg nicht schon viel früher kennengelernt?
    Wir hatten so schöne, emotionsvolle und schwierige Momente zusammen, aber die Zeit ist uns zu schnell davon gelaufen.
    Thorin ist nicht nur mein Ehemann… er ist viel mehr für mich.
    Unser Treffen auf der Oststrasse war kein Zufall… dass ich das grausame Leben einer Hexerin bewältigen musste, war ebenfalls vorher bestimmt.
    Thorin ist mein Schicksal… und mit den unauflöslichsten Fesseln an mich gebunden.
    „Es tut mir so leid Thorin, dass ich dich und Fili nicht beschützen konnte.“ Schluchze ich unter bitteren Tränen.
    „Du musst dich dafür nicht entschuldigen. Erinnerst du dich noch daran was ich zu dir in Esgaroth gesagt habe?“ spricht mein geliebter mit erstickter Stimme.
    Natürlich erinnere ich mich noch daran, es war dieser Moment, bevor ich mit ihm die schönste Nacht meines Lebens verbracht habe.
    „Sollten wir unseren Tod im einsamen Berg finden, werden wir dies gemeinsam und auf der anderen Seite des Lichts wieder vereint sein.“ Antworte ich ihm und genauso ist es letzten Endes gekommen.

    Ich fühle langsam wie die Wärme aus meinem Körper entgleitet und meine Körpertemperatur immer weiter sinkt.
    Warum nur musste es so kommen?
    Haben wir es denn nicht verdient glücklich und friedlich zusammen zu leben?
    Nach Jahren des Exils kehrte Thorin endlich zum Königreich Erebor zurück.
    Nachdem Eichenschild die Drachenkrankheit überwunden hatte, brachte er alle Eigenschaften mit, welche von einem guten König verlangt werden.
    Von seinem Vater hatte er den politischen Instinkt eines Königs geerbt und von mir hatte er den Sinn für menschlichen Anstand übernommen.
    Diese Eigenschaften vereinen sich selten in Herrschern - ein Jammer.
    Unter unserer Herrschaft hätte das Land neu erblühen können und eine neue Generation hätte geboren werden können.
    Plötzlich taucht unerwartet der Hobbit auf und kommt stürmisch auf uns zu.
    „Bilbo!“ sagen Thorin und ich gleichzeitig mit angeschlagener Stimme.
    Der Halbling befiehlt uns, uns nicht zu bewegen und untersucht unsere Verletzungen.
    Erschrocken hält er seine Hand vor den Mund als er die schwerwiegenden Wunden entdeckt.
    „Ich bin froh dass du hier bist.“, beginnt der verwundetet Zwerg, „Ich möchte in Freundschaft von dir scheiden. Ich möchte zurücknehmen, was ich am Tor gesagt habe. Du hast getan, was ein wahrer Freund tut. Vergib mir. Ich war zu blind um es zusehen. Es tut mir so leid, dass ich dich in solche Gefahr gebracht habe. Lebwohl Meister Dieb… kehr zu deinen Büchern zurück und zu deinem Sessel. Pflanze deine Bäume und siehe zu wie sie wachsen.“
    Ich presse meine Augen fest zusammen, denn ich weiss, das Ende ist nah.
    Tränen kullern über meine unterkühlten Wangen und meine Mundwinkel erhöhen sich leicht.
    Ich bin glücklich darüber, dass Thorin seinen Fehler eingesehen hat und sich bei unserem kleinen Hobbit entschuldigt hat.
    „Es tut mir leid Riannon, dass ich dich zu etwas gezwungen habe, was du nicht wolltest und nie getan hättest.“, Spricht der König unter dem Berge weiter, „Ich liebe dich und zwar aus ganzem Herzen… und ich werde dich auch über unseren Tod hinaus auf ewig lieben, so wie es ein richtiger König mit seiner Königin tut. Wir hätten ein erfülltes Königreich gehabt, so wie ein glückliches Leben zusammen mit unseren Kindern.“
    Ich beginne stärker zu schluchzen, doch ich reisse mich zusammen um meine letzten Worte an meinen geliebten Zwerg zurichten: „Ich werde auch dich immer lieben. Es war mir eine Ehre dich und die Unternehmung auf diesem schweren Weg begleitet zu haben. Ich habe jede einzelne Sekunde mit dir genossen, auch wenn wir uns mal gestritten haben, doch die Mehrheit unserer gemeinsamen Momente, waren äusserst gefühlvoll und die wunderbarsten Augenblicke meines gesamten Lebens. Bestimmt wärst du auch ein toller Vater geworden… umso trauriger macht es mich, dass wir diese Momente nicht mehr zusammen erleben. Trotzdem bin ich dem Schicksal unendlich dankbar, dass es unseren Weg zusammen geführt hat und wir einige kostbare Momente zusammen hatten.“
    Kaum habe ich diese Worte zu Ende gesprochen, werde ich immer mehr von einem schwarzen, dicken Nebel umhüllt.
    Doch ich erspähe ein immer heller werdendes weisses klares Licht.
    Es leuchtet heller und stärker als irgendein anderes Licht auf dieser Welt… es überstrahlt sogar das Strahlen des hellsten Sternes am Nachthimmel.
    Ich erblicke drei Gestalten, welche von dem weissen Licht umgeben sind und erkenne ihre Gesichter.
    Lächelnd und mit offenen Armen empfangen sie mich.
    Fili, Kili und mein bester Freund Aiden warten sehnlichst auf mich und strecken mir ihre Hände aus.
    Auch Thorin erkenne ich nun unerwartet neben mir, welcher mich stumm anlächelt, sanft nach meiner Hand greift und wir schlussendlich gemeinsam auf die Seite zu unseren drei Freunden schweben.

    Der Krieg um den einsamen Berg ist zu Ende.
    Eine unheimliche Stille liegt über dem mit Leichen übersätem Tal.
    Durins Geschlecht wurde vernichtet, zusammen mit der Frau welche die legendäre Blutslinie hätte weiterführen können.
    Die drei friedlichen Heere haben sich alle versammelt.
    Elben, Menschen, Zwerge und Hexer trauern um ihre gefallenen Freunde und erweisen ihnen die letzte Ehre.
    Traurige und verständnislose Gesichter blicken auf die inzwischen eiskalten Körper hinab.
    Ein lautes Horn ertönt welches die traurige Zeremonie beginnen lässt.
    Nebeneinander in einer Reihe gereiht, liegen die fünf Helden dieser Schlacht mit ihren Grabbeigaben.
    Angefangen mit Aiden, dem jungen und sarkastischen Hexer, welcher stets sein Leben für die Unternehmung riskiert hat… Fili, der blonde und charmante Zwerg welcher jeden zum Schmunzeln bringen konnte und ein äusserst grosse Kämpferherz hatte… die wunderschöne und liebenswerte Riannon, Königin unter dem Berge liegt mit geschlossenen Augen neben ihrem Gemahl… Thorin Eichenschild, der rechtmässige König unter dem Berge zusammen mit dem Arkenstein… und nicht zu vergessen Kili, den jungen und aufgestellten Bogenschützen der Unternehmung, welcher auch unverzichtbar war.
    Mit traurigen und unbegreiflichen Gesichtern gehen die Zwerge um ihre Gefährten.
    Warmes Kerzenlicht erleuchtet den kahlen Raum.
    Die gesamte Treppe zum Saal wird durch unzählige weisse Kerzen erleuchtet.
    Plötzlich kommt unerwartet Tilion in den Raum gestürmt welcher zuvor noch als vermisst galt.
    Die Blicke richten sich schlagartig auf ihn da er einfach so hereingeplatzt kommt.
    Der Atem des Hexers ist stark beschleunigt, sein langes Haar klebt an seinem durchschwitzten Körper, hastig tauscht er einen Blick mit Gandalf aus als er seine geliebte Schwester auf dem kalten Stein entdeckt.
    Abrupt weiten sich seine Augen und er zögert keinen Moment und schreitet auf das Grab zu.
    Wut und Trauer durchströmen seinen Körper… er ist nicht her gekommen um Abschied von den fünf Gefallenen zu nehmen, sondern greift blitzschnell nach dem Hexermedaillon seiner Schwester und rennt mit ihm von dannen.

    Epilog erzählt von dem weltberühmten Barden in Mittelerde Fanloén

    So endet die Geschichte von dem legendären Königspaar unter dem einsamen Berg.
    Ein dramatisches und zugleich rührendes Ende wie es das Schicksal vorherbestimmt hat und was eine gute und spannende Legende ausmacht.
    Fünf unvergessliche Helden, fanden in der grossen Schlacht der fünf Heere ihren tragischen Tod, doch nicht zu vergessen, war es Thorin und Riannon tatsächlich gelungen den bleichen Ork ein für alle Mal zu besiegen.
    Mit diesem Sieg zwangen sie indirekt den dunklen Herrscher Sauron dazu, dass er seine Kraft erst einmal in Mordor konzentrieren musste.
    Während Fili, Kili, Riannon und Thorin alle am Fusse des schneebedeckten Berges bestattet wurden, wurde Aidens Leiche verbrannt und in den Wind gestreut welcher nach Osten weht, wo seine einstige Heimat Aedirn liegt.
    Zu Gedenken der grossen Schlacht und um den gefallenen Helden eine Ehre zu erweisen, wurden fünf riesige Steinstatuen dieser Kämpfer errichtet.
    Sie bewachen das grosse Zwergenreich und leuchten in der Nacht durch das herabfallende Licht des Mondes.
    Der langumkämpfte Drachenschatz, der eigentliche Auslöser dieser grauenhaften Schlacht, wurde zu gleichen Teilen unter den siegreichen Parteien aufgeteilt.
    Dain Eisenfuss wurde neuer König unter dem Berge und Bard, der Fährmann, wurde König von Thal.
    Dreiviertel der Orks wurden in der Schlacht getötet und das Nebelgebirge war damit nach der Schlacht erheblich sicherer als es zuvor war.
    Nach der traurigen Bestattung, traten die meisten ihren Rückweg an.
    Die Hexer aus Ard Cerbin gingen zurück zur Hexerfestung um dort ihrem Meister die letzte Ehre zu erweisen und ihn auf Hexerart zu bestatten.
    Die Hexer der Katzenschule und Lucy verstreuen sich wie es für die Kater gehört, wieder in alle Winde.
    Und Riannons Bruder Tilion?
    Schwer zu sagen, seit seinem denkwürdigen Verhalten während der Trauerzeremonie ist er verschwunden.
    Bilbo kehrte ebenfalls Heim und fand eine eher ungemütliche Überraschung vor.
    Und bald schon erzählte man sich vom Auenland, über das Nebelgebirge bis hin zum Königreich Gondor über die glorreichen Taten der gefallenen Helden.
    Aus dieser Geschichte, wie alles begonnen hatte bis hin zu ihrem traurigen Ende, wurden herzzerreisende Balladen geschrieben und Theaterstücke aufgeführt.
    Väter erzählten die Legende der fünf glorreichen Kriegern ihren Kindern und diese überlieferten sie den ihren und so gerieten unsere tapferen Helden niemals in Vergessenheit.
    Ausserdem tat die Geschichte dazu bei, dass die Hexer besseres Ansehen unter den verschiedenen Völkern genossen und für ihren Beruf endlich respektiert wurden und Dankbarkeit bekamen.
    Natürlich bleibt nun die Frage offen, was hätte sein können wenn alle überlebt hätten… doch eines wissen wir… alles geschieht aus einem Grund…man nennt es auch Schicksal.


    So würde es enden, hielte man sich an das Buch und den Film, doch wie würde es aussehen, wenn alles anders gekommen wäre und unsere liebenswerte Helden überlebt hätten?
    Der gute Teil ist deshalb noch in Arbeit.

Kommentare (32)

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Laurie (44515)
vor 27 Tagen
Schreibst du denn noch weiter? Ich finde es sehr spannend und würde gern mehr lesen 😊
Guren ( von: Gure)
vor 325 Tagen
Das gute Ende findet ihr unter dem Namen "Der Hobbit - Everything happens for a reason - Eine erleuchtende Herrschaft
•Silberfluss• (23936)
vor 327 Tagen
Einfach toll 😍wann kommt das Gute Ende raus?
Lydia ( von: Lydia)
vor 333 Tagen
Wieder ein sehr toller Teil und ich freue mich schon total auf das gute Ende! Als die beiden gestorben sind musste ich fast weinen, ein Glück das es aber noch ein gutes Ende geben wird!
Guren ( von: Gure)
vor 335 Tagen
@ Tina waschy
Ich werde noch ein Gutes Ende schreiben was auch beinhaltet wie alle überleben... wieviele Kapitel es da geben wird weiss ich noch nicht
Glg Guren
Tina waschy (62739)
vor 335 Tagen
Wie viele Teile gibt es?
Lydia ( von: Lydia)
vor 344 Tagen
Wieder ein richtig toller Teil und ich bin schon gespannt wie es weitergeht!
Guren ( von: Gure)
vor 347 Tagen
Hey Gwen :)
Es sollten alle 17 Kapitel im Hauptteil vorhanden sein.
http://www.testedich.ch/quiz41/quiz/1461512353/Der-Hobbit-Everything-happens-for-a-reason
Anstonsten kannst du auf die anderen Teile der Geschichte klicken ;)
Gwen Parker ( von: Gwen Parker)
vor 348 Tagen
eine interessante geschichte aber ich check die reihen folge nicht ????!!!!
Wie soll ich weiterlesen ??? ich hab mit dem Teil angefangen da ich dachte das das erste ist ???
Lydia ( von: Lydia)
vor 363 Tagen
Wieder mal ein sehr gelungener Teil! Weiter so!!
Guren ( von: Gure)
vor 369 Tagen
Hallo ihr Lieben :D
Habe heute das nächste Kapitel geschrieben wird wohl nächste Woche aktualisiert werden :)
Danke für eure Unterstützung und wenn ihr Wünsche, Vorschläge oder Kritik habt meldet euch doch :)
Für die ganz neugierigen hier auf fanfiktion.de ist das nächste Kapitel schon draussen ;)
Tina waschy (73014)
vor 369 Tagen
Ich habe mir alle Folgen hintereinander durchgelesen. Ich finde
Die Geschichte Megabyte gut und würde mich freuen,wenn bald
Der nächste Teil raus kommt.

Lg,Tina💝
Lydia ( von: Lydia)
vor 370 Tagen
Richtig Richtig tolle FF!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Morgoth25 (34656)
vor 383 Tagen
Normalerweise habe ich es nicht so mit Hobbit FFs/ Liebesgeschichten, aber dass hier ging mir wirklich unter die Haut. Der Teil, indem sich Thorin und Rhiannon küssten.... das konnte ich mir extrem gut vorstellen.

Hut ab!
Mach weiter so.
Lucy (93713)
vor 409 Tagen
Ja, also ich bin in der Hinsicht sehr neidisch, wie toll du schreiben kannst! Behalte es auf alle Fälle bei, ich freue mich jedes mal :) ♥
Guren (97877)
vor 411 Tagen
Vielen lieben Dank Lucy :*
Freut mich dass es dir gefällt :D
Bin gerade das nächste Kapitel am schreiben ;)
Lucy (79068)
vor 411 Tagen
Also ich muss einfach sagen, dass du so wundervoll schreiben kannst. Sehr detailliert.. Ich bekomme wirklich Herzrasen bei deinen Texten :D
Sehr, sehr schön. Freue mich auf das nächste FF.
Guren (97877)
vor 412 Tagen
Hey Lucy :)
Habe es gestern aktualisiert weiss aber nicht wie lange das noch dauert...
Ansonsten kannst du auf fanfiktion.de weiter lesen ;)
Lucy (79068)
vor 412 Tagen
Hallo Guren, weißt du schon wann das nächste Kapitel rauskommt? :3 Freue mich total!
Guren (97877)
vor 418 Tagen
Danke Lucy :D
Auf der anderen Seite heisse ich anders ;)
Denke nächstes Wocheenende dürfte es weiter gehen